Donnerstag, 5. September 1835 15. Jahrgang XENTRAIOEGAN DER DEUTSCHEN SOZIALDEMOKRATISCHEN ARBEITERPARTEI IN DER TSCHECHOSLOWAKISCHEN REPUBLIK ERSCHEINT MIT AUSNAHME DES MONTAG TÄGLICH FRÜH, Redaktion UM» WMAUUK MAO ML. tochova«. TUPON«W. HElAUSGBEti SIEGFRIED TAUB. CHEFREDAKTEUR! WILHELM NIESSNER. VERANTWORHICHfil REDAKTEUR, DR. EMIL STRAUSS. MAS. Genf sucht Zeit zu gewinnen Nach der Eröffnungssitzung mehrtägige Pause für private Verhandlungen Genf. Nach einer kurzen geheimen Beratung trat her Völkerbunbrat Mittwach nachmittags Z-äS Uhr zur««gekündigte« öffentliche« Sitzung znsammen. Der Ratspräfident, der argentinische Gesandte in Bern Ruiz Gninazn, teilte zunächst mit, daß der Spruch des abessinisch- italienischen Schiedsgerichtes über de« Zwischenfall van Ual-Hal alS einstimmige Entscheidung der fünf Schiedsrichter nunmehr Varliege. Der Rat haße in seiner letzte« Tagung beschlossen, die italie- nisch-abesstnischen Beziehungen i« ihrer Gesamtheit-« Prüfen. Minister Eden erstattete dem Böllerbundrate ausführlichen Bericht Über di« Ergebnisse der Pariser Konferenz der Vertreter der drei Großmacht« Italien, England und Frankreich. Die englische Regierung werd« alles tun, um den Konflikt zwischen Abessinien und Italien einer friedlichen Lösung zuzuführen. Ed«n verwies auf die Beipflichtungen des Briand-Kellogg- Paktes sowie des BölkerbundpakteS und betonte die Berantwortlicheit der Ratsmitglieder. Wam die Autorität deS BölkrrbundeS gebrach«« und fei« Einfluss verringert würde, wenn etwa sogar der ganze Völkerbund und mit ihm di« m«c Konzeption der internationale« Ordnung zu- fauemeubueche« würde, so würde dies, sagte Ede«, oim Weltkalamität bedeuten. Ministerpräsident Laval sthrre aus. er sei vo» der Möglichkeit überzeugt, den Friede« im Rahmen detLolkerliund- paltes aufrecht zu«chalte«. ES sei möglich, em« gerecht« Löf««« deS idelienisch-abrsfinis chm Konfliktes zu erziel««, welch« Italien Genugtuung»erschaff« würde» ohne daß di« Grundrechte der Unabhäugigkeit Abessinien« mißachtet würden. Der Bölkerbundpalt verpflichte all« Staaten. Die französische Regierung habe stets diesen Grund- satzt verteidigt, auf ihm seien auch alle ihre internationalen Verpflichtungen aufgebaut. Laval drückte sodann sein Vertrauen in die Festigkeit des Böllerbundes aus. Die Mitglieder des Rater würden sicherlich chre Pflicht erfüllen und nichts unterlasst«, um ein« friedlich« Beilegung deS Konflikte« zu erzielen. .Mein« Sorge", schloß Laval,.gilt der R e s p e k» tieruug der im Bölkerbundpakt enthalt« n e n B e r p f l i ch t«« g e u; wir alle sind enrschlosien, dem Frieden zu dienen." Sodann ßprach Baron Alolsl der erklärte, daß die italienische Delegation dem Bällerbund bereits eine umfangreiche Denkschrift darüber unterbreitet habe, daß die abessinische Regierung systematisch und offen die Verpflichtungen verletz«. die sie Italien und dem Böllerbund gegenüber hebe. Italien könne nicht weiter eine passive Politik gegenüber einem barbarischen Staate betreiben, der sich nicht seDst kontrollieren könne. Abessinien sei u n f ä h i g, die Prinzipien der internationalen Moral, die im Böllerbundpakt enthalten find, zu ersoffen. DNS italienische Memorandum weife«ach, dah Abessinien feine Völkerbnnbverpflichtmrge« praktisch nicht erfüllt hab«. Daher sei die italienische Regierung der Ansicht, daß Abessinien überhaupt keine Gleichberechtigung mit dm zivilisierten Staat« gebühr«. Italien würde sich beleidigt fühle«, wann e« mit Abessinien ans da« gleiche Rivean gestellt würde. Var Vertreter Abessiniens der Advokat Jeze, erklärte, mit den Ausführungen de« britischen und der französischen Delegierten übereinzustimmen, di« Rede des italienischen Delegierten «der, gegen die er energisch protestierte, mit Ueber» raschung vernommen zu haben. Jeze erinnerte an da« Ergebnis der Beratungen der Schiedskommiffion, di« auf Seite Abessiniens keine Schuld gefunden habe. Der Zwischmfall von Val-Val, der al« Verwand z« dm Krieg«vor barritunOM gedient habe, fei«unmehr beigelegt; Etl bleibe also ütitt Die abessinische Delegation behalt« sich die Beantwortung der Memorandums der italienischen Regierung vor, doch müffe«um wiffen, ob der Vernich« tungskrieg in Abessinien tatsächlich eingestellt werden würde, darüber solle eben der Völlerbundrat entscheiden. * Der Böllerbnndsrat hat das Datum seiner nächsten Sitzung noch nicht festgesetzt, so daß die direkt interessiertm Staatsmänner in de« nächsten Tagm die Möglichkeit haben werden, in p ritz a t e« Unterredungen die Erreichung der not- wendigm Annäherung z« versuche«. Die Gesamtstimmung in Genf hat sich etwasgebefsert, da nunmehr einige Tage zur diplomatischen Vorbereitung der endgültigen Entscheidung des Rates gewonnen wurden. Außenminister Hüll gab über die Aufhebung der Rickett-Konzession in Abessinien folgende, Erklärung ab: Der Borsitzende der Standard Oil Company G. Walden und der Bizevorfitzende der Bacuum Oil Co. H. Hundas statteten Dienstag im Außenministerium einen Besuch ab, wobei sie mitteiltm, daß ihre Gesellschaften Eigentümer einer umfang- reich« Erdöl-Konzession geworden sind, die am 29. August vom abessinischen Kaiser der Gesellschaft»Afriean Exploration and Development Corporation" erteilt wurde, welche Gesellschaft ein Zweigunternehme« der oben angeführten Gesellschaften sei. Sie ersuchten dos Ministerium nm ein Gutachten über die durch dir Konzessionsertei-| lang entstandene Situation. Es wurde ihnen mitgeteilt, daß die Konzes- fionserteilung große Schwierigkeiten ausgelöst hat, nicht allein für dir amerikanische Regierung, sondern auch für die Regierungen der I Rom. Die Nachmittagspresse veröffentlicht die umfangreiche Denkschrift, die die italienische Regierung in Genf vorlegen wird. Die Denkschrift enthält eine außerordentlich lange Liste von Eingriffen Abessinier auf Leben und Gut italienischer Staatsangehöriger. Der zweite Teil besaßt sich mit der Stellung Abessiniens zum Völkerbünde und sucht den Nachweis zu führen, daß Abessinien die als Bölkerbundmacht übernommenen Berpflichtungen in keiner Weise eingehalten habe. Einen breiten Raum nimmt die Behandlung der in Abessinien heute noch herrschenden Sklaverei ein. Hiezu werden als Kronzeugen zahlreiche englische Politiker und Schriftsteller angeführt. Die italienische Regierung kommt zu folgenden Schlußfolgerungen: Es würde jedem Grundsatz der Gerechtigkeit zuwiderlaufen, zu verlangen» daß Völkerbunds« Mitglieder gezwungen sind» Pakwerpflichtungen gegenüber einem Mitglied einzuhalten, das sich mit seiner eigenen Verletzung der übernommenen Ber- .ES dürfte ei« Referr«te«auSschuß gewählt werden» dem«S obliegen wird, eine Formel für die Lösung des Konflikte- z« finden. Italien behält sich volle Handlungsfreiheit vor Der italienische Delegierte Daeon Aloisi erklärte a« Abend den Pressevertretern: „Wenn ich heute im Völkerbundrat gesagt habe, dah wir uns vollkommene Handlungsfreiheit bei unseren Eutschlietzungen Vorbehalten, welche Mittel wir im Bedarfsfall zum Schutze unserer Interessen anwenden werden, so bedeutet daS volle Freiheit in jeder Beziehung, entweder den Völkerbund zu verlassen oder den Krieg zu erklären. Um Völkerbund und Friede In Genf trat gestern der Völlerbundrat zu seiner 88. Sitzung zusammen. Und kein Mensch kann heute mit Gewißheit Vorhersagen» ob es eine neunundachtzigste überhaupt noch geben wird. Noch nie ging es in dem Konferenzsaal des großen Völkerbundpalais» der kritische Tage weiß Gott schon gewohnt ist, so buchstäblich u m S e i n oder Ni chtsein des Völkerbundes, um Sein oderNichtsein des Friedens und damit des heuti- ge n Europa. Die Hoffnung mancher Diplomaten, man werde die Zeit bis zum 4. September nützen können, um inzwischen auf dem Verhandlungswege die italienisch-abessinischen Gegensätze zu mildern, ist enttäuscht worden. In der ganzen Atmosphäre von Ungewißheiten, in der diese entscheidende Tagung begann, gibt es zumindest eine Gewißheit: daß die„dilatorische" Behandlung des Konfliktes, das ständige Verschieben der Entscheidung auf morgen, sich nicht bewährt hat, daß die Probleme von Tag zu Tag komplizierter anstatt einfacher werden. Nichts beweist dies klarer als der groteske jüngste Vorfall mit der anglo-amerikanischen Petroleumkonzession in Abessinien, die durch den angeblichen Rücktritt des geheimnisvollen Mr. Ricket wohl aus den Akten des Völkerbundes, aber noch lange nicht aus der Well geschaffen ist. Worum es bei dieser entscheidenden Tagung sachlich geht, ist ja allgemein bekannt: Mussolini wünscht zwecks Uebsrlvindung immer steigender innerpolitjscher und wirtschaftlicher Schwierigkeiten einen kolonialen Eroberungskrieg gegen Aethiopien. England, daS in kolonialen Dingen keinen Spatz versteht, besonders dann nicht, wenn es sich um ein Gebiet handelt, das die Schlüsselstellung für die Bewässerung des britischen Sudans und damit der britischen Vaumwollproduk- tion enthält, fiel Herrn Mussolini energischer als er erwartet hatte in den Arm. Mussolini aber, der nach all dem, was er bisher unternommen hat, nicht mehr zurückkann ohne sein„Führer"prestige auf das Schwerste zu gefährden, will dem britischen Widerstand nicht weichen, erklärt sehr unzweideutig, datz er es„nötigerweise auf das Aeutzerste ankommen lassen", also selbst einen europäischen Krieg riskieren werde und hofft, datz er bei der Umstimmung Englands Lavals Hilfe finden werde, der sichtlich bisher bemüht ist, sich weder auf den britischen noch auf den italienischen Standpunkt eindeutig zu verpflichten. Alle Bemühungen, aus diesem kriegsschwangeren politischen Wirrwarr einen Ausweg zu finden, sind bis heute vollkommen ergebnislos geblieben. Kaum achtzehn Jahre nach dem Ende der„großen Zeit" droht der italienische FasciS- mus die Welt in eine Zeit hineinzuhetzen, mit der verglichen jene des Weltkrieges den entsetzten Zeitgenossen noch winzig klein erscheinen wird. Und der Völkerbund, dessen vornehmste Pflicht eS auf Grund seiner Statuten ist,„bewaffnete Konflikte zwischen seinen Mitgliedern zu vermeiden", was tut der Völkerbund angesichts eines drohenden Weltkrieges? Die einzig selbstverständliche Haltung einer Völkerorgnnisation, die ja mit der Einhaltung ihrer selbstgcgebenen Gesetze steht und fällt, wäre eben die Einhaltung ihres Gesetzes: die Sanktion gegen den Friedensbrecher Mussolini. Freilich hat sich der Völkerbund dieses Vorgehen selbst dadurch erschwert, datz eines seiner Mitglieder— und zwar gerade jenes, welches jetzt am dringendsten nach Sanktionen verlangt— selbst diese Satzung durchbrochen hat, selbst den offenen Bruch des Versailler Vertrages durch Deutschland anerkannt und sogar auf Grund dieses Vertragsbruches mit Deutschland ein Flottenabkommen geschlossen hat. Aber die Dinge liegen zu ernst, als daß man in diesem Augenblick die europäische Politik noch weiter mit moralischen Phrasen und heuchlerischem Pharisäertum bestreiten könnte. Seit in halb Europa der Fascismus brutale Gewalt an Stelle von Recht gesetzt hat, handelt es sich für Europa nicht mehr um irgendwelche internationale„Moral" sondern einfach um Leben oder St erben. Und nur darauf, ob der Völlerbund dieses grauenvolle Sterben eines Kontinentes verhindern kann, kommt es im Augenblick an. Mag er auch selbst die Schuld dafür tragen, daß von der „Institution internationaler Moral" als die er gegründet wurde, so gut wie nichts übrig geblie- Standard Oil tritt vom Vertrag zurück Unter dem Druck des amerikanischen Staatsdepartements Washington. Auf dringende Vorstellung des StaatsdevartenrenteS hin hat die Standard Oll Companh beschlossen, von dem abessinischen Pachtvertrag zursichzutreten. Außenminister Hüll tellt« telephonisch de« auf seinem Landsitz in Hhde» park weilenden Präsidenten Roosevelt die Rückgängigmachung des Vertrages mit. Der Präsident gab darüber seiner Befriedigung Ausdruck, da er den Pachtvertrag als den Weltfrieden gefährdend betrachte. Die italienische Denkschrift Abessinien„unwürdig“, dem Völkerbund anzugehören übrige« Staaten, welche energisch«nd aufrichtig «m die Erhaltung deS Frieden« bemüht sind. Unter diese« Umständen wurden die Vertreter der Gesellschaften aufmerksam gemacht, daß nach Auffassung der amerikanischen Regierung die baldigste Liguidierung der Konzession höchst wünschenswert wäre. Minister Hüll wurde später mitgeteilt, daß die Gesellschaft sich entschlossen hat, die Konzession zu widerrufen. Abessinien verzichtet nicht Addi« Abeba. Die abessinische Regierung hat Mittwoch abends beschlossen, daß die Pctroleumkonzeffionen nicht aufgehoben werden. Wie eS scheint, hofft die abessinische Regierung, daß eS Rickett gelingen wihd, sich anderes Kapital zu beschaffen und dadurch das Kapital der Gesellschaften zu ersetzen, welche auf die Konzession verzichtet haben. pflichtungen außerhalb dieses Paktes gestellt habe. Abessinien habe mehr als einmal bezeugt, datz es nicht die erforderlichen Eigenschaften besitze, dem Völkerbund anzugehören. Abessinien bilde für Italien eine ständige Gefahr. da es seine ostafrikanischen Kolonien bedrohe. Diese Gefahr sei dadurch erhöht worden, daß die abessinische Regierung sich des Freundschaftsvertrages mit Italien vom Jahre 1926 gegen Italien bedient hcche, um sich weiter zu bewaffnen. Unter den Waffen befänden sich auch diejenigen, die Italien als Beweis des Nichtvorhandenseins irgendwelcher Angriffsabsichten dem Negus gegeben hatte» um ihn instandzusetzen, die innere Ruhe in seinem Lande zu. gewährleisten. Abessinien habe sich daher des ihm bei seiner Aufnahme in den Völkerbund gezeigten Vertrauens unwürdig erwiesen. Wenn sich daher Italien gegen einen derartigen unerträglichen Tatbestand auflehnt, verteidige es dadurch seine eigene Würde. Es verteidige aber auch gleichzeitig das Prestige und den güten Namen des Völkerbundes. Seite 2 Donnerstag, 5. September 1935 Nr. 207 Der Kampf Internationale Revue» Prag Das Septemberheft(Nr. 9) ist soeben erschienen. Es enthält folgende Beiträge: Emil F r a n z e l: Nil und Dona«. Ernst Brenner: Deutschlands Kriegsstärke. Ferdinand H e e g e r: Am Grab« Ott» Glöckels. Gustav Richter: Organisation und Politik der „Revolutionären Sozialisten". Weltwirtschaft. Internationaler Sozialismus. Au- dem geistigen Leben. Bächerscha«. Preis des Heftes KL 5.—, JahreSbezngS« preis KL 50.—. Redaktion und Verwaltung: Prag II, Liitzowova 37. ben ist; als simples Büro diplomatischer Verhandlungen besteht er einstweilen noch und als dieses Büro hat er noch einmal— vielleicht das letztemal— eine Chance sich zu bewähren. Selbst die bewährtesten Optimisten der internationalen Diplomatie wagen es nicht zu behaupten, daß diese Chance groß ist. Mussolini hat wiederholt, zum letztenmal erst während der Manöver an der Brennergrenze deutlich erllärt, daß es für ihn kein Zurück gebe, daß die Eroberung Abessiniens beschloffene Sache sei. Wohl tauchen hie und da Stimmen auf, die meinen, daß es der Duce auch billiger geben werde, daß er sich mit irgend einer pompös gewonnenen Schlacht begnügen und dann dem Widerstand England- weichen werde, um so gleichzeitig sein Prestige zu retten und den für ihn sehr riskanten Konflikt mit Großbritannien zu vermeiden; aber da Kanonen viel leichter zum Losgehen als zum Jnnehalten zu bringen sind, ist auch diese„Lösung" kaum besser als gar keine. Die einzig mögliche Lösung wäre der einmütige Beschluß des Völkerbundes, gegen jeden Friedensbruch Mussolinis alle vorgesehenen Sanktionen anzuwen» d e n. Wenn irgend etwas, dann kann nur die unzweideutige Drohung einer geschlossenen Friedensfront gegen den Friedensbrechcr Mussolini im letzten Augenblick von dem beschlossenen Raubzug abhalten. Gewiß, ein solcher Beschluß hätte wahrscheinlich den Austritt Italiens aus dem Völkerbund und damit praktisch dessen Ende zur Folge. Aber seine, ohnehin bloß noch formale Existenz der Erhaltung des Friedens zu opfern, ist vielleicht die letzte konkrete Tat, die dieser Völkerbund noch im Dienste Europas zu setzen vermag. Besser der entschlossene Völkerbund wird ein Opfer des Friedens, als der Friede ein Opfer des unentschlossenen Völkerbundes. ES sieht ganz so auS, als ob diese Entscheidungen nicht-hxpte-oder morgen-fallen würden. Alle Regiebemühungen in Genf sind darauf gerichtet, die Verhandlungen wenn möglich noch ein wenig in die Länge zu ziehen, um irgendwie Zeit zu neuen internen Verhandlungen zu finden. Mussolini hat wohl für die nächsten vierzehn Tage gegen diese Taktik nichts einzuwenden, da die unerwartet lange Regenzeit in Abessinien den Beginn seiner militärischen Aktionen in Afrika ohnehin etwas verzögert. Was könnte man bezeichnenderes über den europäischen Frieden auSsagen» als daß er seine letzte Gnadenfrist vom afrikanischen Wetter erhoffen nmß. Wenige Tage noch— nicht länger als bi» die Sonne Afrikas die Sümpfe der Regenzeit getrocknet hat— hat der Völkerbund Zeit zu handeln. WirderdieseTage nützen? Rüstungsfreiheit für Oesterreich und Ungarn? Gegen befriedigende Erklärungen zur Habsburger>Frage Wien.(Tsch. P.-B.) Der österreichische Außenminister Berger-Waldeneggistin Gesellschaft des ungarischen Außenministers K a n y a Mittwoch Abend mit dem fahrplanmäßigen Zuge nach Genf abgereist. In diplomatischen Kreisen verlautet, daß das Ergebnis der Beratungen Berger-Waldeneggs und KanyaS eine Bekräftigung des Entschlusses eines parallelen Borgehens für die Erreichung der Rüstnngsfreihrit in Genf fei. Oesterreich und Ungarn werden in dieser Frage gleichlautende, aber nicht gemeinsame Memoranden vorlegen. In diplomatischen Kreisen wird hiez« erklärt, daß dieser Schritt derzeit wrnigAuSsicht auf Erfolg habe, im Gegenteil, die Donaupakt- Berhandlungen verzögern könne, es wäre denn, daß sich Oesterreich entschließen könnte, eine bindende Erklärung bezüglich der Habsburgerfrage abzugeben, die über das Zugeständnis der Nichtaktualität der Frage hinausgehen würde. Ras Budget der Völkerbundsorganisationen (R. F.) Das„Journal des Nations", das offiziöse Organ des Völkerbundes, veröffentlicht die Budgetansätze der dem Völkerbund angeschlossenen Organisationen für 1986. Die wichtigsten Daten(alle in Goldfranken) sind folgende: Die gesamte Budgetsumme macht 33,869.000 Goldfranken auS, wobei die Ausgaben neben den auf 29,091.000 Goldfranken veranschlagten Beiträgen der Mitgliedstaaten zum weiteren, wichtigsten Teil, durch die 3,208.000 Goldfranken gedeckt werden, welche die dem Völkerbund nicht angeschlofsenen Mitgliedsstaaten des Internationalen Arbeitsamtes an dieses entrichten. In der Uebersicht über die Einnahmen sind auch dieBeitragsrück- st ä n d e angegeben, welche bis 81. Dezember 1934 28,5 Millionen(l), für das Jahr 1934 allein 8,6 Millionen(!) ausmachen. Der Löwenanteil an die letztgenannte Zahl entfällt dabei auf Deutschland(2,4 Millionen), Japan 1,8 Millionen, Polen(730.000), China(700.000), Ungarn(243.000). Der Rest verteilt sich auf eine große Anzahl südamerikanischer Republiken. Die Tsöbechoslowakei darf sich rühmen, in dieser Aufstellung nicht genannt zu sein. Bon den Ausgaben entfallen auf das Sekretariat 15,000.000, auf das Interna« tionaleArbeitsamt 10,851.000(eine Steigerung um 1,919.000), auf den Internationalen Gerichtshof 2,503.000, auf das Chinakomitee 450.000, auf die Subvention für das Nansen-Institut(Emigrantenhilfe) 250.000, auf das Komitee für geistige Zusammenarbeit 255.000, aus den Minderheitenschutz 239.000, auf das Opiumkomitee 118.000 Goldfranken. Für die A b r ü st u n g sind 1,990.000 Gold- franken ausgesetzt, wovon 500.000(immer noch!) für die Abrüstungskonferenz bestimmt sind. Der Rest entfällt auf Amortisationen am Völkerbundspalast, am Bölkerbundsender «sw. Für Gehälter sollen insgesamt 9,021.000 Goldfranken auZgegcben werden. „Wild gewordene Spießer“ Berlin. Der Gauleiter von Schlesien, Jcscs Wagner, wendete sich SamStag in einer Bekanntmachung gegen Einzelaktionen wild gewordener Spießer. In seiner Kundgebung heißt es:„Ich verbiete mir mit aller Entschiedenheit diese Kampfmethoden. Ich bin nicht gewillt, die jedem wahren Deutschen heiligen Grundsätze des Führers durch törichte Kindereien und Ausschreitungen disziplinloser Radaubrüder verzerren zu lassen." Aufstieg der Trade Unlons Dm britische Gewerkschaftskongreß In Margate ist am Dienstag der Jahreskongreß der britischen Gewerkschaften zusammengetreten. Am Vorabend marschierten die Bergarbeiter der Umgebung und von der Insel Tha- neth durch die Stadt, woran sich eine Massenversammlung unter freiem Himmel schloß. Die Redner sprachen vor allem von der Kriegsgefahr, forderten zur unzerbrechlichen Einigkeit der Arbeiterschaft auf und betonten, daß abessinische Bodenschätze nicht einer einzelnen fremden Macht Vorbehalten bleiben dürften, sondern allen Bedarfsländern gleichmäßig offenstehen müßten. Von den inländischen Forderungen der Gewerkschaften wurde in erster Linie die allgemeine Einführung des bezahlten Arbeiterurlaubs und die längst fällige Erhöhung der Bergarbeiterlöhne betont. Während die Tonne Kohle für zwei Pfund verkauft wird, beträgt der Lohn des sie fördernden Heuers nur 8 bis 15 Pence. Oder in unsere Währung umgerechnet: Tonnenpreis 240 KL, Heuerlohn— bis 7.50 KL! Der Kongrehvorsitzende William Keen konnte bei der Eröffnung 575 Vertreter von 211 Verbänden mit einer Gesamtmitgliedschaft von 3,388.810 begrüßen. Das ist gegenüber dem vorjährigen Kongreß in Weymouth ein Z u- w a ch s v o n 94.229 bis zum Jahresschluß 1934. Die Zahlen über das erste Halbjahr 1985 liegen iwch nicht vor, aber ein weiteres Amvachsen der Mitgliederzahl ist außer Zweifel, so daß heute die Trade Union über 3.5 Millionen Mitglieder haben. Am Freitag wird George Lansburh im Namen der Labour Party zu dem Kongreß sprechen. « Wie Reuter meldet, lehnte der Kongreß eine Resolution ab, die eine Einheitsfront gegen Krieg und FasciSmus betraf und die forderte, daß der Internationale Verband der Gewerkschaftsorgani« salionen dem Ersuchen der Roten Gewerkschafts- Internationale nachkomme, eine Tagung abzuhalten, um über eine gemeinsame Aktion zu beraten. Tanasee-Projekt aktuell Aegypten und der Sudan vorgeschoben Kairo. Der Ministerrat nahm am Mittwoch iy vertraulicher Sitzung nach Empfang eines Telegramms der Londoner Gesandtschaft das Projekt eines Vertrages mit dem Sudan über den Tana-See an. Dieses Projekt geht auf eine Einladung zurück, die im April Abessinien an Aegypten und den Sudan zwecks einer gemeinsamen Konferenz richtete. Damals antwortete Aegypten, daß eS zuerst mit dem Sudan einen Vertrag abschließen wolle, da Aegypten die größeren Rechte an der Nilquelle habe. Vorbereitungen für den Ernstfall London. Reuter meldet, daß vier britische Bombenflugzeuge demnächst aus Aegypten in Nairobi eintreffen werden. Sie werden mit Rücksicht auf die abessinische Lage zusammen mit 200 Offizieren und Mannschaften vorläufig dort blei-' ben. In Malta hat die Besatzung des britischen Vermessungsschiffes„Ormonde", das am Montag dort eingetroffe» ist, sofort ihr« Löhnung erhalten und ist an Bord von Minensuchschiffen gegangen. Am Dienstag sind polizeiliche Bestimmungen über die- Anmeldung aller Kraftwagen veröffentlicht worden. Ferner wird berichtet, daß binnen einer Woche an 6000 Dockarbeiter in Dlalta Gasmasken verteilt werden sollen. Noch nichts bekannt... Paris. In der italienische» Gesandtschaft in Addis Abeba weiß man amtlich noch nichts von einem Eindamgrn italienischer Truppen auf abeffinisches Gebiet. Oer deutsche Kunsthandel wird ruiniert Alle Nichtarier ausgeschlossen Berlin. Auf Veranlassung des Reichspropagandaministeriums sollen nichtarischc Kunst- und Antiquitätenhändler aus der Liste der ReichSkul« turkammcr ausgeschlossen werden. In Berlin werden durch diese Verfügung 80 Prozent der Kunsthändler betroffen werden. Ueberhaupt soll den Nichtariern prinzipiell der Handel mit Kulturgütern verboten werden. Diese Maßnahme würde sich auch auf den Buchhandel erstrecken. Als Grenzlinie für den Handel mit Kulturgütern uud gewöhnlichen Gütern ist die Formel gefunden worden, daß'Gebrauchsgegenstände, die v o r dem Jahre 1850 hergestellt wurden, von Nichtariern nicht gehandell werden dürfen. An und für sich würde diese Verfügung"gegen daß Prinzip verstoßen, daß Nichtarier wirtschaftlich nicht behindert werden sollen, aber das Propagandaministerium vertritt den Standpunkt, daß bei dem Handel mit Kulturgütern nicht die wirtschaftliche Betätigung im Vordergründe stehe, sondern in erster Linie das„Kulturintcrcsse" Berücksichtigung finden müsse. Abschluß des Zionistenkongresses Luzern. Der Zionistische Kongreß in Luzern beendigte Dienstag abends feine Kongreßarbeiten und nahm dann die Wahl der neuen Exekutivkomitee» vor. Der frühere Vorsitzende Nahm» Sokolow wurde zum Ehrenvorsitzenden ernannt, während zum Vorsitzenden der Zionistischen Organisation Professor Chaim Weizmann gewählt worden ist. 16 VILLA OASE oder: DIE FALSCHEN BORGER Roman von Eugene Dabit Berechtigte Uebertragung aus dem Französischen von Bejot Künftighin empfing sie regelmäßig den Besuch ihrer Freunde. Zwischen eins und drei folgte einer dem anderen, und jeder hatte eine Überraschung für sie. Auf ihrem Nachttisch häuften sich die Süßigkeiten. Man brachte ihr Blumen, deren erquickenden Dust sie eiyatmete, Zeitungen und illustrierte Romane, die sie nicht ein» Ural aufschlug, weil sie keine Lust mehr zum Lesen hatte. Jeden Sonntag brachte Julien Champagner, und Berthe stellte ihr einen Teller mit Bratäpfeln auf den Tisch. Wozu nur alle diese Leckereien? Sie gab sie ihren Nachbarinnen, um die niemand sonst sich kümmert«. Sie selbst aß fast nichts mehr. Sie rührte die Krankenkost kaum an, knabberte höchstens noch ein Biskuit. Sie wußte selbst, daß es verkehrt war. Aber wie sollte sie hier ihren Appetst wiederfindcn? Anfangs ging sie noch umher und badete, Aber schon beim zweitenmal war sie ohnmächtig geworden. Jetzt stand sie nicht mehr auf. Rur wenn man ihr Bett machte, ging sie die zwei Schritte bis zum Diwan und streckte sich darauf aus. Man legte sie ins Bett zurück, und sie fühlte sich Wohl in seiner Wärme. Sie fuhr sich mit einem Lappen übers Gesicht, frisierte sich und sah zuweilen in einen Spiegel. Dann ließ sie ihre durchsichtigen Hände auf der Decke ruhen. Ihre Gedanken schweiften im Saal umher und machten bei jeder Kranken halt. Alle kannten sich. Sie tauschten ein Lächeln aus, das»ine Frage oder eine Ermutigung war. Hoffnungen, das Elend vergangener Tage, Angst vor dem Kommenden bildeten eine Brücke von einer zur anderen. Die Morgenvisite versetzte sie in einen Zustand neugieriger Erregung. Sie hatten das Gefühl, daß man sich mit ihnen beschäftigte, und daß sie ihr Gefängnis vielleicht schon bald verlassen können. Sie aßen frühzeitig. Der Nachmittag war von grauenvoller Länge, und er mündete in eine noch längere Nacht, in der sie keuchten und keuchen hörten und sich in ihren Betten wälzten, ohne Schlaf zu finden und ohne dem' bläulichen Lichtschimmer zu entgehen» der sie einhüllte wie ein Leichentuch. Die Tage folgten einander und brachten keine Veränderung. Helene belog sich selbst, und da sie gelogen hatte, wußte sie die Lüge bei den anderen zu erkennen. Wenn ihre Besucher sie sahen, riefen sie aus:„In dieser Woche hast du bestimmt zugenommen." Sie gab darauf keine Antwort. Sic hustete nur und spuckte in eine Flasche, die sie mit einem kreisrunden Pappdeckel verschloß. Dann entschuldigte sie sich mit einer noch röchelnden Stimme. Man ermunterte sie:„Spuck aus, das erleichtert.". Julien prüfte die Fieberkurve.„Immer noch ein wenig Temperatur." Sie seufzte, beklagte sich über die Aerzte und die Schwestern, wollte keine Medizin mehr nehmen oder wenigstens eine andere, die sie noch nicht probiert hatte, und schließlich platzte sie mit der Frage heraus, wann sie denn nun das Krankenhaus verlasien könne. Man hatte ihr versprochen, daß sie im Frühling auf» Land kommen werde. Der Frühling war da. Die Bäume im Hof hatten schon Blätter. Ueber dem Dach schwebten leichte Wölkchen, und die ersten Schwalben kreuzten am Himmel. Die Geräusche der Straße wurden klarer. Eine elektrische Bahn fuhr am Krankenhaus vorüber. Sie sah das Rad des Stromab nehmer» funkensprühend am Draht hingleiten und hatte das Gefühl, als sei das ein Ruf der Freiheit. Im vergangenen Jahr« um diese Zeit war sie in Angrogna mit Laura in den Wald gelaufen. Und in den früheren Jahren hatte sie mit Mamina schwer gearbeitet. Ob sie wohl jemals wieder gesund würde? Jetzt hieß es, im Sommer werde sie ausgeheilt sein. In jedem Auge, im leisesten Zucken eines Gesichts suchte' sie die Wahrheit. Sie durchlebte Stunden, in denen sie nur noch die Verzweiflung kannte. So müde war sie des Kampfes und der Leiden. Jede Wendung kostete sie Mühe, bei jeder Bewegung fühlte sie das Brennen einer Flamme in ihrem Rücken. Stöhnend richtete sie sich auf, um freier zu atmen. Wenn sie sich, schnell erschöpft, wieder ausstreckte, war ihr, als entströme ihr Leben aus einer unheilbaren Wunde. Wenn es nach ihr ginget würde sie das Bett verlasien. Man duldete es nicht. Wenn man sich schon um sie kümmerte, so nur, um ihre Wünsche zu durchkreuzen. Im Geiste übersah sie die Reihe ihrer Enttäuschungen. Einmal hatte man ihr einen Pneumothorax angelegt, seitdem Ivar nichts mehr mtt ihr geschehen. Jeden Morgen kam der Arzt, lächelte ihr zu und ging weiter. Bor Wut biß sie die Zähne zusammen, ein Schwächeanfall übermannte sie, sie muhte den Schwestern gehorchen» fade Milch trinken, regungslos liegenbleiüen und warten. Immer wieder warten. Sie alle warteten. Manche schon sechs Monate. Alle ließen ihre Gedanken um ein unfaßbares Glück kreisen, das sie nie erlebten. Nur der Tod konnte sie noch erlösen. Vielleicht gab er ihnen neues Leben? Oder wenigstens quallüsen Schlaf? Julien, Alfred, der große Felix, Papa Adam kamen angestapst. Sie erschienen ihr wie wandelnde Türme, zum Bersten voll mit Blut und Kraft. Sie setzten sich, nahmen ihr Licht und Luft, unerschütterlich in ihrer Sicherheit, allen Angriffen Trotz bietend. Mit einem Gefühl, in dem i Eifersucht, Ekel und Haß um die Oberhand strtt« ten, betrachtete sie ihre weinroten Gesichter, ihre gewaltigen Brusttästen und wuchtigen Fäuste, di« fähig waren, das Leben zu greifen und auch festzuhalten. Und vor ihrem unüberwindlichen Optimismus befiel sie wieder jenes bettemmende Empfinden ohnmächtiger Empörung, das ihr früher vor jedem Bürger, vor jedem Brotherrn die Fassung geraubt hatte. Sie genierten sich nicht, an ihrem Bett die unterwegs begonnene Unterhaltung fortzusetzen. Es handelte sich um„busineß", um„große Scheine", immer wieder also um Geld, da» sie noch einzusacken hofften. Oder um ehrgeizige Pläne, mit denen sie Freunde und Kollegen überraschen wollten. Jetzt verstand sie ihren Jargon. Jetzt nahm sie auch ihren Beruf und die„Geschäfte", über die sie angeblich im Cafi des Cour- se» verhandelten, nicht mehr ernst. Das Gewerbe eine» Hotelbesitzer» erschien ihr ebenso fragwürdig, wie es einträglich war. Zuweilen entschlüpften ihnen auch Andeutungen über ihre Vergnügungen. Aber was sie auch sagten, sie waren ihr fern und lebten in einer ihr fremden Welt. Sie suchte nach Worten, um endlich von ihnen verstanden zu werden. Sie fand sie nie, beklagte sich und hörte nur immer wieder den Rat, sie solle Mut haben. Wenn sie sich erhoben, machte sie eine Bewegung, als wolle sie ihnen ein winziges Teil des Lebens stehlen, von dem sie strotzten, aber sie nahmen es mit, wie es war; sie brauchten es für sich und hatten für sie nur tröstliche Worte oder Leckerbissen. Heute wurde sie verwöhnt. Aber das gab ihr nicht die Gesundhett wieder, und vor allem war es zu spät, um ihr Elendsleben fortzuwischen. Sollte sie sich abfinden Mit ihrem Schicksal? Das hatte sie doch immer getan. Auch Lagorio und Mamina hatten«S widerspruchslos hingenommen, und zum Lohn lagen sie in der Erde. Dorthin würde sie ihnen ba'5d folgen. (Fortsetzung folgt.) Nr. 207 Donnerstag, 5. LeptemSer 1935 Seite 3 fudetendeutecfter£eitspiegcf Komotau gering, weil weder Arbeiter noch Gewerbetreibende darin einen Ausweg aus der Not und eine unmittelbare Hilfe sehen können. gefüllt und an Semsch zurückgegeben hat. Sasun gibt an, er hätte aus»ideellen" Motiven gehandelt und nicht gewußt, für wen diese Fragebogen ausgefüllt worden sind. Genosse R e>» u n d a dem Genossen Dr. H e l- l e r zum Zeichen der Verbundenheit die Hand gab und dabei erklärte, daß die deutsche und die tschechische Sozialdemokratie, was immer auch kommen möge, zusammenstehen und gemeinsam kämpfen werden bis zum endgültigen Siege. Für die KP§. sprach dann Abgeordneter Schenk, der zur proletarischen Einheitsfront aufrief. Seine Darlegungen unterschieden sich wesentlich von den Agitationsreden, die man von den Kommunisten in den letzten 15 Jahren zu hören bekam. In seinem Schlußwort setzte sich Genosse Dr. Heller von unserem sozialdemokratischen Standpunkt aus ausführlich mit der Frage der Einheit, die auch wir sehnlich wünschen, auseinander. Zuletzt wurde eine auf die Tagesordnung bezugnehmende Resolution beschlossen. Die Versammlung war ein neuer herrlicher Beweis für die Schlagkraft unserer Bewegung. Montag kam in di« Redaktion der Troppauer „Bolkrprcsse" ein 57jähriger Mann, der uns in bewegten Worten seine Leidensgeschichte erzählt«, die, obwohl ganz einwandfrei« Dokumente für die Wahrheit seiner Schilderung zeugen, fast unglaublich klingt. Es handelt sich um einen sudetendeutschen tschechoslowakischen Staatsangehörigen, der sich aber seit dem Jahre 1893 ununterbrochen in Deutschland, zumeist in Berlin, aufhielt und dort beschäftigt war. Wir lassen, um die im größten Elend zurückgebliebenen Angehörigen dieses Mannes nicht der Rache der braunen Barbaren auSzufrtzen, Namen und Ort weg und bringen lediglich die Schilderung nackter Tatsachen. N. S. kam 1893 nach X. Bis zum Kriegsausbruch war er ununterbrochen als Maurer und zeitweise als selbständiger Bauunternehmer beschäftigt. Bei Kriegsbeginn einbezogen, wurde er, der österreichisch-ungarischer Staatsbürger war. nicht der österreichisch-ungarischen Armee zugeteilt, sondern blieb im reichsdeutschen Armeever- bande. Als qualifizierter Facharbeiter vom unmittelbaren Frontdienste befreit, wurde er bei Bahn- und Straßenbauten beschäftigt. 1928 ließ er sich endgültig in X. nieder, wo er das zweitemal einen eigenen Hausstand gründete. Die Aufenthalts- und Arbeitsbewilligung wurde ihm immer anstandslos erteilt, das tschechoslowakische Konsulat verlängerte regelmäßig, wenn der Termin abgelaufen war, die Gültigkeit des Passes. Bis 1934 blieb N. S., der glücklicher Bater von zwei Kindern geworden war, unbehelligt. Das änderte sich nach einem Jahr nationalsozialistischer Herrschaft gründlich. Bei N. S. wurden innerhalb von wenigen Monaten drei Hausdurchsuchungen vorgenommen, obwohl N. S. sich niemals politisch betätigte und nur Mitglied der Gewerkschaft der Bauarbeiter war, die zur Gänze von der Deutschen Arbeitsfront aufgesaugt ist. Die Hausdurchsuchungen waren Folge der Denunziation eines durch die Nationalsozialisten hochgekommenen Polizeiinspeftors. N. S. hatte sich den Haß de» Polizeidirektors zugezogen, weil er ihn bei einer Auseinandersetzung daran erinnere, daß er, der Polizeiinspektor, vor einigen Jahren ein einfacher Schneidergeselle gewesen sei. Di« Hausdurchsuchungen blieben aber, da eben wirklich nichts zu finden war und N. S. lodHliO jemtl Aamilie und semem Neruj lebte. Das Parteitags-Protokoll erschienen erfolglos. Der Polizeiinspektor sann auf Rache. Er heckte einen geradezu teuflichen Plan auS, um seinen Hatz an diesem Mann zu stillen. Anfang Juli erschienen in der Wohnung des N. S. vier SS-Leute und packten ihn. her gerade wieder einen Malaria-Anfall bekommen hatte, bei Armen und Fützen und warfen ihn eine viele Meter hohe Treppe hinunter. N. S. blieb mit schweren inneren Verletzungen am Boden liegen. Rücksichtslos schleppten die SS-Leute den schwerkranken Mann in ein bereitstehendes Auto und führten ihn zum...-Gefängnis, woselbst sogar der Naziarzt die Haftunfähigkeit der N. S. feststellte. DaS rührte aber den Naziinspektor nicht. N. S. mutzte volle 12 Wochen ohne ärztliche Pflege in einer Gefängniszelle verbringen, obwohl er deren so dringend bedurfte. Sein Leiden verschlimmerte sich von Tag zu Tag. Noch quälender als sein Leiden war die Ungewißheit über den Grund seiner Verhaftung. Sich keiner Schuld bewußt, hoffte er immer, aber vergebens, vor den Untersuchungsrichter geführt zu werden, um dort die Ursache seiner Verhaftung zu erfahren. Endlich nach zwölf Wochen bekam N. S. von der zuständigen Polizeidirektion die Verständigung, daß er vier Tage Urlaub zur Ordnung seiner Angelegenheit bekomme. Nach Verlauf dieser Frist habe er sich wieder beim Polizeikommissariate einzufinden. Das Polizeiümt hatte seine Ausweisung angeordnet, als Grund wurde Paßvergehen angegeben. Der Patz war aber schon vor einigen Jahren ausgestellt und läuft erst am 17. Dezember ab. N. S., dessen Anmeldung ordnungsgemäß vor sich gegangen war, konnte sich keines Paßver- gehenS schuldig gemacht haben. N. S. wies vor den Richtern auf seine Schuldlosigkeit hin. Der Richter unterband ihm mit der Bemerkung, er habe als Tschechoslowake ruhig zu sein und im übrigen machten es die Tschechen genau so, jedes weitere Wort. N. S. wurde nach Ablauf dieser vier Tage auf die Polizeistation.... gebracht, von dort mit einem Sammeltransport nach X, um einig« Tage später von reichsdeutschen Grenzorganen den tschechoslowakischen Behörden übergestellt zu werden. N. S. durfte sich nur einen geringen Geldbetrag mitnehmen, so daß er völlig mittellos und als ein hundertprozentiger Invalid« tschechoslowakischen Boden betrat Die beiden sozialdemokratischen Parteien veranstalteten Mittwoch abends im Parksaal in Komotau mit der Tagesordnuns„Gegen Teuerung, FascismuS und Kriegsgefahr" eine gemeinsame öffentliche Versammlung, die sich zu einer überaus eindrucksvollen Kundgebung des klassenbewußten Proletariats gestaltete. Die Versammlung, in der die Genossen Reichl und Hattanden Vorsitz führten, war von über 2000 Personen besucht. Nach einem Nachruf für die jüngst verstorbenen Genossen Dr. Winter. Jirus und Ritsche! sowie für den Freiheitskämpfer Henry Barbusse wurde von den Genossen Senator Dr. Heller, Teplitz deutsch und Sekretär Rrmunda- Kladno tschechisch das Referat erstattet. Di« Ausführungen der beiden Redner, welche sich eingehend mit dem Thema befaßten, wurden mit stürmischer Zustimmung ausgenommen. Der Beifall steigert« sich zum Orkan, al» Erlebnisse eines Unpolitischen im Dritten Reich Die Wahrheitsliebenden Friedrich Kopatschek war Mitglied der SdPI Den„Sudetendeutschen PressÄriefen* haben wir schon mehr als einmal nachgewiesen, daß ihre Informationen mit der Wahrheit herzlich wenig zu tun haben. Um so weniger verwunderlich war es. daß sie gerade unserer Nachricht über die Arbeiter-Revolte im Aussiger Henleinlager Behauptungen gegenüberstellten, die vollkommen aus der Luft gegriffen waren. Nach den Sudetendeutschen Preflebriefen war Friedrich Kopatschek niemals Mitglied der Sudetendeutschen Partei— die ihn nicht ausgenommen habe— sondern organisierter Sozialdemokrat. Bon den Sudetendeutschen Pressebriefen übernahm diese Darstellung die gesamte Schriftleiterpresse, die zum Teil daraus eine Sensation machen wollte. Dieses durchsichtige Manlver brr Henlein» blätter ist schnell zusammengebrochrn. DienStag mußte bereits daS„Aussiger Tagblatt" eine Berichtigung Kopatschek» veröffentlichen, in welcher eindeutig sestgestellt wird, daß dieser niemals Mitglied der Deutschen sozialdemokratischen Partei war, wohl aber von der Sudetendeutschen Partei als Mitglied ausgenommen wurde. In der Berichtigung ist sogar die Nummer dr» Mitgliedsbuches angeführt. Die Sudetendeutschen Preffebriefe sind seht nur noch mehr in Verlegenheit geraten. Mit der kaltblütigen Umkehrung der Wahrheit in ihr Gegenteil geht e» nicht, die Wahrheit zugeben, hieße den Krach im eigenen Lager zugeben. Wa» werden di« Preffebriefe jetzt tun? Tschechische Linksfront Sozialdemokraten und Nationalsozialisten Prag. Am Donnerstag abends findet in Prag in der Lucerna ein gemeinsame Kundgebung der tschechischen Sozialdemokraten und Nationalsozialisten gegen die Teuerung statt. Als Referenten sind der Abgeordnete Dr. K l a p k a und Fürsorgeminister Genosse Jng. R e ö a S vorgesehen. AuS den Ankündigungen in der Presse geht hervor, daß diese Versammlung den Auftakt zu einem engeren Zusammengehen der beiden tschechischen Linksparteien bilden soll. Am Mittwoch fand bereits eine gemeinsame Tagung der Vertreter der kommunalen Kommissionen der beiden genannten Parteien statt, der der Primator-Stellvertreter von Prag, Genosse Kellner, und der Brünner Bürgermeister Tome» präsidierten. ES referierten Genofle P i k und Abg. Dr. K l a p k a. AuS dem Bericht geht hervor, daß auch auf dem Gebiete der Selbstverwaltung eine enge Zusammenarbeit beider Parteien in Aussicht genommen ist. Elf) Dämpfer für Henlein Prag. In einer gemeinsamen Sitzung der Abgeordneten Und Senatoren der tschechischen sozialdemokratischen Partei, in der die Genossen Jng. N e L a s über die aktuellen Wirtschafts- und sozialpolitischen Fragen, B e ch y n e über die politische Situation und Dr. Meißner über die Lebensmittelpreise und die Einkünfte der arbeitenden Schichten referierten, wies Minister Genosse Dr. D e r e r u. a. auf die bedenkliche Entwicklung der Sudetendeutschen Partei hin und erklärte es für notwendig, Henleins Ausspruch über die Notwendigkeit eines internationalen Eingriffes in die inneren Derhältniffe der Tschechofio- wakei entschieden zurückzuweisen. Henlein-Leute als Agenten der Gestapol Vor einiger Zeit wurden in Teplitz-Schönau wegen Vergehen» gegen das Schutzgesetz zwölf Personen verhaftet, welche sich gegenivärtig in der Untersuchungshaft des Kreisgerichtes in Prag am Pankrac befinden. Unter diesen Verhafteten befanden sich— wie das»Prävo Lidu" mitteilt, ein Agent der geheimen Staatspolizei in Deutschland, welcher für die Sektion des Kommissärs Doktor Richter in Dresden arbeitete. Dieser Mann ist tschechoslowakischer Staatszugehörigkeit, heißt Jng. Semsch und ist Mitglied der Sudetendeutschen Partei. Ein anderer der Verhafteten ist ebenfalls Mitglied der Henleinpartei, tschechoslowakischer Staatsangehöriger und heißt Sasun. Seine Aufgabe sollte es sein, die Arbeiter für die Henleinpartei zu gewinnen. Sasun soll gestanden haben, vom Jng. Semsch, der der Hauptagent der Gestapo ist, Fragebogen der geheimen deutschen Staatspolizei erhalten zu haben, welche er an»- Reue Zwischenfälle in Tschechisch-Teschen. In der Nacht auf Mittwoch lvurde vom Zollamt aus dem Bahnhof in Tschechisch-Teschen, daS Schild mit dem Staatswappen heruntergerissen, verbogen und weggeworfen. An seine Stelle wurde der polnisch« Adler geklebt. Ferner wurden in Dolni Marklovice in der Nähe von Oderberg nachts drei Fensterscheiben der tschechischen Volksschule eingeschlagen. Die Gendarmerie fahndet angestrengt nach den Tätern.— Die Bezirksbehörde hat die Schließung de» Vereinshauses der polnischen Katholiken in Tkinec,„Czy« telna Katoliküw" angeordnet, von wo, wie festgestellt wurde, am Sonntag der Anschlag gegen die tschechische Volksschule in Dolni Listna seinen Anfang nahm. Außenminister Dr. Benes ist am Mittwoch zur Herbsttagung de» Bülkerbundsrate» und der Bölkerbundsversammluna nach Gens abgereift. Opposition in der Henleinpartei auch In Reichenberg Auch im Reichenberger Gebiet wächst unter den Arbeiteranhängern der Sudetendeutschen Partei die Opposition gegen die Parteiführung. Geführt von dem Marttfieraitten Franz Laubner au» Friedrichshein bei Reichenberg tritt eine »Exekutive in der Opposition der Sudetendeutschen Partei" auf, welche erklärt, den Mitgliedern von Henleins Stab keinen Glauben schenken zu können. Die Beschwerden, die man an den Führer der Partei Henlein gerichtet hab«, sind in die Hände des Dr. Brand gekommen, welche der wirkliche Führer der Partei ist und dütatorisch vorgeht. Die parlamentarischen Vertreter der Partei kümmern sich nicht um die Bedürfniffe der organisierten Mitglieder und richten sich nur nach den Weisungen der Parteiführung. Unwillen erregt auch die Ernennung von Funktionären ohne auf di« Wünsche der Mitgliedschaft Rücksicht zu nehmen und die Beseitigung tüchtiger Menschen, wie eS der aus der Partei ausgeschlossen« Doktor Goldberg ist. Die Opposition, welche au» Kleingewerbetreibenden, Mittelschichten und Arbeitern besteht, hat bereit» im Reichenberger Gebiet 700 Mitglieder, in ihren Reihen stehen vielfach die Begründer der Bewegung der dortigen Gegend. In einer Reihe von Orten sind auch Mitglieder aus der Partei in größerer Anzahl ausgetreten. Die Mitgliederversammlungen der Henleinpartei weisen«inen viel schwächeren Besuch auf als früher. Biele Mitglieder erhofften ein« Besserung der Verhältnisse von der Haidaer Kundgebung, aber die Rede Henleins hat sie nicht befriedigt. Die Stimmung für die radikal« Opposition, wir sie in Haida verkündet wurde, ist nur Budgetreferat Trapis vor der Sparkommission Prag. Das parlamentarisch« Leben nach den Ferien wurde am Mittwoch durch eine Sitzung der Sparkommission eingeleitet, die sich mit dem Budget für 1938 beschäftigte. Der Finanzminister Dr. T r a p l erstattete einen Bericht über de» Stand der Vorarbeiten für da» Budget. Der Ausschuß wird sich in den folgenden Sitzungen systematisch mit dem Budget befassen. In der Sitzung erstattet« ferner ein Beamter des Obersten RechnungSkontrollamteS einen Bericht über den StaatSrechnungSabschlnß für 1934. Wie bereits gemeldet, tritt am 10. September der sozialpolitisch« Au-schuß de» Abgeord- netenhanses zu einer Sitzung zusammen, auf deren Tagesordnung das Problem der Arbeitslosigkeit und die wirtschaft- lichen Verhältnisse der arbei» tendenSchichten stehen. Run ist auch der sozialpolitische Ausschuß des Senat» für den 12. September zu einer Sitzung mit derselben Tagesordnung einbernsen worden. Keine Demissionsabsichten Dr. Trapis Der„Cyjreä“ hatte am Dienstag gemeldet, daß Finanzminister Dr. Trapl Ende September oder spätestens Anfang Oktober seinen Posten verlassen werde. ES werde kein Nachfolger, sondern nur ein zeitweiliger Verweser des Ministeriums ernannt werden, wofür der jüngst er- nannte Sektionschef Dr. K a l f u S in Betracht komme. Das Präsidium des Finanzministeriums erklärt diese Nachricht für unbegründet und unrichtig. amtlichen Mitteilung werden die neuen Fahnen der republikanischen Armee zum Angedenken in den Museen aufbelvahrt werden. „UnverlSßllche" Legionäre werden über die Grenze zurückgeschickt Linz. Dienstag nachmittags wurde in der Nähe von Gottesdorf im Bayrischen Walde ein Lastauto gesichtet, das mit österreichischen Legionären besetzt war. Eine Gruppe dieser Legionäre wurde kurze Zeit später von der österreichischen Zollwache bei Neustift verhaftet und nach Ober- kappel gebracht. Der Führer der Gruppe sagte aus, sie wären aus Deutschland als u n verläßlich über di« Grenze zurückgeschickt worden. Die übrigen Legionäre werden noch gesucht. Sie werden sich wegen Hochverrats vor Gericht zu verantworten haben. Japanischer Kriegsminister zurückgetreten Tokio. Sonderausgaben der Zeitungen melden, daß Kriegsminister Hayashi seinen Rücktritt erklärt hat. Gleichzeitig hat er da» Mitglied de» Kriegsrates General K a w a s ch i m a als seinen Nachfolger vorgeschlagen. Die Demission de» Kriegsministers wurde angenommen; sein Amt Wird mtt beai General Kawajchi besetzt werde». Legen Teuerung, Fascismus und Kriegsgefahr Eine gewaltige Demonstration In {Die schwarz-gelben Fahnen j kehren wieder \ Wien. Das österreichische Landesverteidi- I gungsministerium hat eine Verordnung erlassen, iin welcher die Rückstellung der Fahnen der alten j österreichischen Armee an die neuen Regimenter \ angeordnet wird. Die Fahnen wurden nach dem I Umstürze in den Landesmuseen und im Heeres- < Ministerium hinterlegt. Sie Iverden nun nach Ab- Soeben ist fast 300 Seiten stark das Pro-' schlutz der gegenwärtigen Manöver in feierlicher tokoll des zehnen Parteitages der Deutschen' Weise den Truppen übergeben werden. Nach einer sozialdemokratischen Arbeiterpartei in der Tsche-....-- choslowakischen Republik, welcher in Brünn vom 20. bis 23. Juni 1938 abgehalten wurde» er schienen. ES war dies einer der bedeutsamsten und interessantesten Parteitage seit Jahren, in welchem eine mehrtägige Debatte über die ver gangene und künftige Politik der Partei sowie über die bedeutsamsten politischen und wirtschaft lichen Fragen de» Sudetendeutschtums abgeführt wurde, eine Debatte, welche durch ein großes Referat des Genossen Dr. Czech eingeleitet und durch ein Schlußwort derselben Redners abge schlossen wurde und in der eine Reihe führender Genossen und Vertrauensmänner ihre Auffassun gen klargelegt haben. Deswegen bildet das Pro tokoll des Parteitages mit seinem Anhang, der das Protokoll der Frauenreichskonferenz enthält, für jeden Funktionär und für jeden, der im sude tendeutschen öffentlichen Leben wirkt, ein unent behrliche» Handbuch. Dar Protokll kostet bloß 18 XL und ist durch da» Sekretariat der Partei in Prag XII., Sleskä 13, zu beziehen. Seite t Donnerstag, 5. September 1935 Nr. 207 Politische Gefangene werden in Riga auf bestialische Weise gefoltert Hitler-Methoden in Lettland Die Folter gehört noch seit der zaristischen Zeit zum Inventar der Rigaer Polizei. In der demokratischen Epoche haben diese Methoden nicht aufgehört, so daß das Parlament eine spezielle Untersuchungskommission für diese Angelegenheil bestellen mußte. Nach dem Umsturz im Mai 1934 hat sich die Lage in den Gefängnissen bedeutenverschlechtert. Durch eine besondere Bestialität zeichnet sich die politische Polizei aus. Fast alle politischen Gefangenen werden beim Verhör grausamen Foltern unterworfen, um„Geständnisse" aus ihnen herauszupressen. Zu den üblichen Fol- termcthoden gehört das Schlagen mit Gummiknüppeln und langen, dünnen Sandsäcken, außerdem das Zusammenpressen und Schlagen der Geschlechtsorgane. Gelegentlich werden-jedoch auch „qualifizierte" Methoden angewandt. Dem politischen Gefangenen Leibowitsch wurden in der politischen Polizei die Kleider vom Leibe gerissen, ein Metallgürtel angezogen, worauf er in eine Badewanne geworfen wurde, durch die elektrischer Strom geleitet wurde. Diese„elektrische Badewanne" wird jetzt häufig angewandt: dem politischen Häftling Wilumson wurde diese Badewanne bloß gezeigt, das genügte, um ihn zu einem„Geständnis" zu zwingen. Andere Gefangene werden mehrere Tage und Nächte hinter einander am Schlafen gehindert. Sie müssen die ganze Zeit auf Stühlen sitzen, und sobald die Augen zumachen, werden sie mit Nadeln gestochen, ihre Stühle werden umgeworfen oder man preßt ihnen brennende Zigaretten auf die Haut. Einen Häftling hat man mit solcher Gewalt mit dem Kopf auf den Tischrand gestoßen, daß ihm das Nasenbein gebrochen wurde. Im Keller der politischen Polizei ist eine Folterkammer mit allen möglichen Marterinstrumenten eingerichtet. Um die Gefangenen noch mehr«inzuschüchtern, sind die Wände dieser Kammer schwarz gestrichen und mit Schädeln ausgeschmückt. Die schwächeren Gefangenen„gestehen" bereits nach einer in der Folterkammer verbrachten Nacht alles, was man von ihnen verlangt. Ein besonderer Folterknecht tritt beim Verhör der renitenten Gefangenen in Funktion und martert die Unglücklichen, bis sie das Bewußtsein verlieren oder ihnen die Knochen gebrochen werden. Mit Ausnahme der Nationalsozialisten werden alle Gegner des heutigen Regimes diesen Martern unterworfen. Aber am meisten leiden darunter einfache Arbeiter, Juden und frühere Mitglieder der soziälistischen Parteien. Die Zustände in den Gefängnissen sind nicht besser. Besonders grausam sind die Verhältniffe im Zentralgefängnis in Riga. Auch schwerkranke politische Gefangene werden innerhalb und außerhalb des Gefängnisses für Schwerarbeiten verwendet. Indien Kalnciemcr Steinbrüchen(bei Riga) muß jeder politische Gefangene täglich zwei Kubikmeter Stein brechen und verladen. Di.e normale Arbeitszeit beträgt 13 Stunden, bisweilen auch 17 Stunden. Die Diktatur hat überhaupt in allen lettischen Gefängnissen ein ganz unmenschliches Regime eingeführt. Um das Sitzen und Schlafen auf dem Boden in diesen engen, dunklen Steinlöchern zu erschweren, wird der Boden häufig mit Wasser begossen. Tagtäglich werden Häftlinge Das Opfer eines Heiratsschwindlers Selbstmord durch Sprung in d« Moldau Prag. Dienstag abends sprang die frühere Angestellte eines Bufetts in Prag II, Antonic Novotna, von der Legionenbrücke in die Moldau und ertrank. Das 19jährige Mädchen hatte vor längerer Zeit den 49 Jahre alten Friedrich L a n d y s kennengelernt, der sich ihr als Gutsbesitzer und vermögender Mann vorstellte und ihr schließlich einen Heiratsantrag machte. Die Novotna verlangte, daß er vorerst die Einwilligung ihrer Eltern, die in Brandeis a. E. wohnen, einhole. Tatsächlich fuhr Landys hin, von den vorsichtigen Eltern wurde er jedoch abgewiesen und dem Mädchen wurde ein weiterer Verkehr mit dem viel älteren Mann verboten. Trotzdem kehrte die Novotna nach Prag zurück, sie gab sogar ihre Stellung auf und wechselte die Wohnung, so daß die besorgten Eltern selbst mit Hilfe der Polizei die Tochter nicht finden konnten. Als alles Suchen nichts half— Landys hatte seine Freundin nicht polizeilich gemeldet—, wurde in einigen Zeitungen die Meldung lanciert, daß der Heiratsschwindler Landys das Mädchen entführt hätte. In den Zeitungen wurde Landys auch als der geschildert, der er in Wirklichkeit war: ein zivanzigmal vorbestrafter Betrüger, Zur Rede gestellt, gestand er seiner Verlobten, daß er wirklich ein berüchtigter Betrüger sei und versprach sich zu bessern. Das Mädchen nahm nun eine neue Stelle an— für 100 Kc monatlich—, um sich und Landys über Wasser zu halten. Zu den Eltern zurückzukehren wagte sie nicht. Vor einigen Tagen erkrankte Landys, Montag früh starb er. Die Novotna, welche keinen Ausweg mehr sah, folgte ihm in den Tod, in den Gefängnissen mit Gummiknüppeln geschlagen. In dem Rigaer Zentralgefängnis traten eines Tages die Gefängniswärter Kronis, Grau- dinsch und ein dritter in bie Zelle des Häftlings Janson und fingen ohne jeden Grund an, ihn zu würgen und zu schlagen. Der Gefängnistvärter Blodneek packte den Häftling Melnis am Hälfe/, warf ihn zu Boden, steckte ihm den Türschlüssel, in Mord beim Fischdiebftahl Ertappter Dieb erschießt einen Wächter Seit einiger Zeit beobachteten die Wächtern daß ein Dieb die Fischkulturen in den Teichen von Bartousov bei Kopidlno plündert. Montag gelang es endlich dem Sohn des Aufsehers Freimann, Franz, den Räuber auf frischer Tat zu stellen. Es war der 25 Jahre alte Karl Hra« s k y» der bereits einigemal als Wilderer vorbestraft. wurde und sich nun mit seinem-Freund Poupa auf den Fischfang verlegt hattet Als Hrasky sich entdeckt sah, zog er den Revolver und streckte Franz Freimann mit zwei Schüssen nie-, der. Der Schwerverletzte starb bald nach seiner Einlieferung ins Krankenhaus. Poupa wurde verhaftet, auf Hrasky wird eine Razzia in der Umgebung des Tatortes veranstaltet. Generalangriff der Rote« Rakovnik. Der zweite Tag der Kämpfe der dritten Manövergruppe in NördwestböhmeN stand neuerdings im Zeichen des Vorrückens der Armee der Roten, welche die vorgeschobenen Einheiten der Blauen bis zum Dienstag-Abend in die Linie Saaz—Podersam—Lubenz zurückdrängte. Der Vormarsch der Roten wurde Dienstag nachmittags durch die im Raume südlich von Podersam eingesetzte Kavallerie der Blauen verlangsamt. Aus dem Raume Rudig griffen Tanks ein, welche bis in die Nachhüt der Einheiten der Roten vorstießen und in deren Linien Verwirrung anrichteten. Die Blauen hatten Dienstag abends eine sehr gute Abwehrstellung ausgebaut.. Der konzentrierte' Angriff der Roten gegen diese Stellung begann Mittwoch um 10.30 Uhr unter ausgiebiger Unterstützung durch Maschinengewehre und Artillerie. Gegen 12 Uhr drangen die Roten, nach Koleschowitz vor. 482 Kilometer in der Stunde New N»rk. Der englische Weltrekordfahrer Camp bell verbesserte seinen absoluten Schnelligkeitsrekord für Automobile, in dem er ein Stundenmittel von 482.601 Kilometer auf der Rennstrecke am großen Salzsee im Staate Utah erreichte. Tornado über Florida Miami..Die sogenannten Florida-KayS-Jn- seln wurden von einem starken.Sturm, der Tornadostärke erreichte, heimgesucht. Im ganzen find mehr als 100 Personen ums Leben gekommen. Auf einer der Inseln war gerade eine Gruppe von ehemaligen. Frontkämpfern mit dem Bau einer neuen Landstraße beschäftigt, als der Tornado dahersauste. 75 dieser ehemaligen Fremtkämpfer den Mund, so daß der Gefangene zu bluten anfing. Darauf wurde Melnis in den Karzer geschleppt. Die vollständig mangelhafte Verpflegung, verbunden mit Schwerarbeit und ununterbrochenen moralischen und physischen Foltern führen den Zusammenbruch auch der stärksten und gesündesten Häftlinge herbei. Die Gefangenen erkranken massenweise. Der Gefangene Peterson ist Anfang dieses Jahres nur deshalb gestorben, weil ihm ärztliche Hilfe verweigert wurde. Die Sterblichkeit unter den Gefangenen ist äußerst hoch. Die kranken Gefangenen sind vollkommen sich selbst überlassen, die Verhältnisse im Gefängnislazarett sind schauderhaft. Die Kranken, die sich nicht selbst helfen können, verkommen im Schmutz. wurden getötet, die restlichen verwundet. Es wurden acht Dampfer ausgesandt, die den in Bedrängnis und Not befindlichen Personen Speisen und Getränke überbrachten. Der Gcsamtschäden, der insbesondere an den Verkehrslinien auf der Florida-Halbinsel verursacht wurde,^kann vorderhand noch nicht abgestbätzs werden. Der Tornado hat nun seine Richtung gegen Norden geändert. Der Dampfer„Capulet" befindet sich in Seenot und sendet SOS-Signale. Präsident Roosevelt hat den Truppen, der Marine sowie dem Roten Kreuz angcovdnet, so weit wie möglich Hilfe allen jenen zu bringen, die von dem Unwetter heimgc- sucht wurden und Schaden erlitten haben. Die Rettungsmannschaft ans Florida Keys meldet, daß bei dem Tornado etwa 5« Personen umS Leben gekommen sind. Der Pilot des Flugzeuge-, das das betroffene Gebiet überflogen hatte, meldet, daß das Arbeftslager der ehemaligen Fronttämpfer auf der Insel Matmatecumbe vollständig vernichtet wurde. Ein Zug mit elf Waggon-, der den Veteranen zu Hilfe kommen sollte, ist vom Wind ins Meer geweht worden. SattenmSrderi« richtet sich selbst Im Jahre 1934 starb im Nachoder Bezirks- krankenhauS der Kutscher Andrs aus Altstadt an der Mettau unter den Anzeichen einer Vergiftung. Als man nach dem Begräbnis von einem unnatürlichen Tcde des Kutschers zu sprechen begann, wurde eine Exhumierung und Se- zierung der Leiche ungeordnet. Hiebei fand man in den Eingoweiden des Tosen Arsenreste. Am Dienstag nahm die Gendarmerie in der Wohnung des Arbeiters V. Koneknh, mit dem Anna Andrs, chie Frau des Verstorbenen, schon zu Lebzeiten, ihres Mannes Beziehungen unterhalten hatte, eine Hausdurchsuchung vor, wobei Arsen gefunden wurde. Da sestgestellt wurde, daß Ko- ncknh auch der Andrs Arsen geliefert hatte, lenkte sich der Verdacht auch auf sie. Koneknh und Frau Andrs wurden verhaftet und dem Bezirksgericht Nachod eingeliefert. Mittwoch abends hat sich die Andrs in ihrer Zelle erhängt. In einem unbewachten Moment verfertigte sie sich aus ihrer Unterkleidung einen Strick und erhängte sich am Fenstergitter. Am Volant gestorben Wien. Dienstag kurz vor Mitternacht wurde auf dem Schubertring der 51jährige Kaufmann Maurice Courtois aus Paris am Volant seines Autos sitzend, von einem Schlag an fall betroffen. Er konnte glücklicherweise das Auto noch rechtzeitig abbremsen. Kanone« im Dienste des Fremdenverkehrs. Durchaus mit Unrecht konzentriert die euro- päische Oeffentlichkeit in diesen Tagen ihr Interesse auf die Vorgänge in Genf, wo erwachsene Männer eben eifrig damit beschäftigt find so zu tun als wären sie mit der Erhaltung des Der erste Flag durch Menfchenkraft gelungen Das Muskelkraftflugzeug nach seinem erfolgreichen Fluge, den der Pilot Dünnbeil(im oberen Bild auf dem Führersitz der Maschine) bei Frankfurt am Main zurücklegtc. Hier gelang es ihm, zwei Flüge von 195 und 235 Meter Länge nur durch eigene Kraft auszuführen und damit dem alten Wunschtraum der Menschheit aus eigener Kraft fliegen zu können, nahezukommen. Friedens beschäftigt. Weit nützlicheren Auf- schluß als im Genfer Völkerbundpalais könnte die Oeffentlichkeit über diese Dinge vor einem verhältnismäßig prunkloscn Gebäude der Via Vittor Pisani in Mailand bekommen, in welchem ein ftalienisches Reisebüro unterge- bracht ist, in dessen Auslage dieses Plakat hängt: Turisti! Col 1936 si organizzera una gita straordlnaria von 1‘autopuilman Victoria Milano— Addis-Abeba! Ritorno per 1‘Eritrea e la Libia Visita alla exregia des Negus! (Touristen! 1936 veranstalten wir eine Spezialreise im Pullmanautobus Victoria von Mailand nach Addis-Abeba! Rückreise über Eritrea und Libien. Besuch im Exkönigreich deSNegus!) Wie man sieht, wissen in Italien sogar die Reisebüros besser was los ist, als anderswo die Außenämter. Und die P. T. Reisenden sind gebeten, sich rechtzeifig mit Fahrkarten zu versorgen und sich nicht von böswilligen fremdenverkehrsstörenden Nachrichten, daß der Krieg vielleicht doch vermieden werde, irremachen zu lassen. Mord an einem Vierjährigen? In einem Walde bei W i l l e r s d o r f in der Nähe von Offegg wurde die halbverweste Leiche eines Knaben gefunden. Die Untersuchung ergab, daß es sich um den Leichnam des vierjährigen Josef Seifert aus Riesenberg handelt, der seit Ende März spurlos verschwunden ist. ES ist nicht ausgeschlossen, daß das Kind einem Verbrechen zum Opfer gefallen ist. Im Kampf mit einem Bären. Unweit von Teröhova bei Sillein wurden der Heger Paz« d e r k a und der Maschinist FlovaLek von einem Bären angefallen. Es kam zu einem wilden Kampf zwischen dem wütenden Tier und den Männern, die vergeblich auf den Bären schossen. Nur zwei Jagdhunden verdanften die Angegriffenen ihr Leben. Pazderka wurde sehr schwerverletzt ins Spital eingeliefert. Waagthaler Obst nach Holland. In den letzten Tagen mehrten sich die Nachfragen holländischer Interessenten nach Waagtaler Obst, von dem im Vorjahre nach Holland 166 Tonnen ausgeführt wurden. Es laufen bereits jetzt zahlreiche Bestellungen ein. Vom Jahre 1930 wird dem Obstbau im mittleren Waagtale größere Aufmerksamkeit zugewendet. In diesen Bezirken wurden seither annähernd 100.000 Obstbäume ausgesetzt. Im Vorjahre brachte die Obsternte des mittleren Waagtales ungefähr 30 Millionen Kö ein. Ein umfangreiches Manifest. Die Pariser Blätter berichten eingehend über das Manifest, mit dem sich der italienische Dichter Gabriele d'Annunzio an Frankreich wendet und es zur Einhaltung der Loyalität auffordert. Das Manifest, welches in der italienischen Zurückgezogenheit des Dichters verfaßt wurde, zählt 233 Manuskriptseiten. Aufhebung der Poststelle Freiung im vöh» merwalde, Postamt Winterberg. Mtt dem 30. September 1935 wird die Poststelle Freiung im Böhmerwalde, Postamt Winterberg, aufgehoben. Die Gemeinde Freiung im Böhmerwalde wird ab 1. Oktober 1935 in den Postbestellungsdienstbereich des Postamtes Winterberg eingerecht. Die Abkühlung mit regnerischem Wetter hat sich weiter ostwärts ausgebreitet und nunmehr auch einen großen Teil der Slowakei erfaßt. Warm ist es nur noch in Karpathorußland und auf der Baltanhalb- insel. Chust hatte Mittwoch nachmittags noch 28 und Belgrad 33 Grad, dagegen Preßburg und Prag nur 19, Paris 16 Grad. In Nordwestböhmen traten nachmittags leichte Gewitter auf. Zu einer durchgreifenden Wetterbesserung dürste es noch nicht kommen, da sich der Zufluß feuchter Luft vom Ozean her unter dem Randeinflutz der Störungen von Großbritannien noch etwas verstärken dürfte.— Wahrscheinliches Wetter von heute: In den böhmischen Ländern veränderlich, strichweise noch Schauer oder Gewitter, nur mäßig warm, etwas auffrischender Wind aus südwestlichen Richtungen. Im Osten des Staates vorwiegend bis wechselnd bewölkt, strichweise regnerisch, auch in Karpathorußland Abkühlung.— Wetteraussichten für Freitag: Unbeständig und nur mäßig warm. Vom Rundfunk ■mpeehteMwerto* au« dm ProflranaiMi Freitag: Prag, Sender L: 9: Eröffnung des Schulfunks, 10.05: Deutsche Presse, 13.30: Arbeitsmarkt, 17: Bioloncellokonzert, 18.20: Deutsche Sendung: Dr. Schausberger: Organisches Denken, 19: Deutsche Presse, 20: Uebertragung aus dem Smetanasaal: II. Konzert des Festivals, 22.30: Tanzmusik. Sender S: 7.30: Salonorchesterkonzert, 14: Unterhaltungsmusik, 14.15: Deutsche Sendung: Für die Frau, 14.30: Chansons auf Schallplatten.— Brünn 17.40: Deutsche Sendung: Sportberichte, 19.25: englssche Jazzmusik.— Mährisch-Ostrau 12.30: Mittagskonzert, 17.50: Schallplatten: Weber, 18.20: Deutsche Sendung: Rapp: Unhörbarer Schall. Nr. 207 LonnerStag, 5. September 1935 Sekte 5 Goethe, der Europäer Im Jahre 1781 schreibt der herzoglich wei- marische Geheimrat Goethe als Ausdruck tiefster sozialer Erbitterung: „Die Verdammnis, daß Wir dei Landes Mark verzehren, läßt keinen Segen der Behaglichkeit grünen. Ich flicke an dem Bettlermantel, der mir von den Schultern fallen will. Unsere moralische und politische Welt ist mit unterirdischen Gängen, Kellern und Kloaken miniert, an deren Zusammenhang und ihrer Bewohnender Verhältnisse Wohl niemand denkt und sinnt; nur wird ei dem, der davon einige Kundschaft hat, viel begreiflicher, wenn da einmal der Erdboden einstürzt und hier wunderbare Stimmen gehört werden..." Wir sind noch 8 Jahre vor Ausbruch der französischen Revolution, Goethe aber erkennt klar, wohin die Not des Landes, die sich in sein Herz, in seine Arbeit frißt, zwangsläufig führen muß. Nicht so der Weimarer Hof mit seinen üppigen und zwecklosen Festen, Maskeraden und Jagden. Goethe fordert vom Herzog die Abschaffung der die Felder der Bauern verheerenden Sauhatz: „Wenn wir nach all dem um eine Provinz reicher wären, so wollt' ich's loben, da es aber nur auf ein paar zerbrochene Rippen, verschlagene Pferde angesehn ist, habe ich nichts damit zu schaffen I" Und er schickt von den zahlreichen Dienstreisen durch Thüringen Berichte an die Regierung und cS sind immer Klagen und Notizen über die Weber des Landes, die vom Unternehmer durch die Art der Lieferung betrogen werden. Der Eindruck deS tiefsten Elends schleicht sich bis in die intimen Briefe an Frau von Stein: „Hier will daS Drama(„Iphigenie") gar nicht fort, eS ist verflucht, der König von Taurisoll reden, als wenn kein Strumpfwürcker in Apolda hungerte..." Ein anderes Mal heißt eS: „Grüßen Sie den Herzog und sagen Sie ihm, daß ich ihn bitte, mit den Rekruten säuberlich zu verfahren." Er fährt nach Jena, wo Eissturz und Ueber- schwemmung wüten und rettet unter Lebensgefahr die Unglücklichen. An die geliebte Frau schreibt er, daß die Sorgen um den Landmann ihn wie »hungrige Löwen" angefallen hätten. Der Herzog Karl August, auf Kriegstaten brennend, um neue Bewegung in das einförmige Leben zu bringen und um sich auSzuzeichnen, wünscht einen Konflikt mit Oesterreich herbei, trotz des dringenden Warnens seines Ministers Goethe. In Weimar träumt man von Schlachten, Kricgslieder kommen in den Hofkreisen in Mode und der verbitterte Goethe verzeichnet: ,;Die Kriegslust sitzt wie eine Art Krätze unseren Prinzen unter der Haut." Wenn dann 1789 auS Frankreich die Nachricht von der Erstürmung der Bastille kommt, sieht der Dichter in diesem eruptiven AuSbruch der BolkSwut nur die letzte Konsequenz, die das französische Volk gezogen hat. Die Revolution, die Goethe ChaoS und Anarchie bedeutet, lehnt er zwar ab, fühlt sich aber in die erregten Massen ein und drückt dies dichterisch in den„Venezianischen Epigrammen" aus: .Lene Menschen sind toll, so sagt Ihr, von heftigen Sprechern, Die wir in Frankreich laut hören auf Straßen und Markt. Mir auch scheinen sie toll, doch redet ein Toller in Freiheit Weise Sprüche, wenn auch! Weisheit im Sklaven verstummt." So sehen wir beim Durchforschen des Goethe- schen Lebenswerkes immer wieder hinreißende Stellen, die von einem wunderbaren sozialen Fühlen mit dem arbeitenden Menschen zeugen und den Dichter so liebenswert erscheinen lassen. Mitten in seinen Werken und Briefen klingt ein tiefes Allknitleid auf und sein Ruf nach sozialer Gerechtigkeit wird ständig laut. Goethe, der nicht nur als Kind des 18., sondern auch des 19. Jahrhunderts angesprochen werden kann, hat natürlich die allmähliche Verdrängung des Handwerkes durch das Maschinenwesen erkannt und in dem AlterSwerk„Wilhelm Meisters Wanderjahre", wo er die sozialen Fragen seiner Zeit in dem genialen Kapitel„Die pädagogische Provinz" behandelt, seiner tiefen Sorge wegen des kommenden Maschinenzeitalters Ausdruck verliehen. Im Jahre 1768 war in England die erste Spinnmaschine, im Jahre 1784 die Webmaschine erfunden worden und beide erhielten bald Eingang in Deutschland. Die erste Dampfmaschine, die Goethe 1790 selbst zu sehen bekam, stand im Bergwerk zu Tarnowitz(Galizien). Und bereits 1798 kann Goethe in einem Brief an Schiller in bezug auf das Städtchen Ilmenau„ein stilles, mäßiges, ökonomisches Streben, und überall den Uebergang vom Handwerk zum Maschinenwerk" feststellen. Der Kampf zwischen den beiden wirtschaftlichen Gewalten in Europa und der damit beginnende Umsturz der Wirtschaft hat begonnen und seine Folgen konnten dem Dichter nicht entgehen. Eine der schönsten Gestalten der »Wanderjahre", die„Schöne-Gute" sagt: „Was mich bedrückt, ist doch eine Handelssorg«, leider nicht für den Augenblick, nein! für alle Zukunft. Dock überhand nehmende Maschinenwesen quält und ängstigt mich: eS wälzt sich heran wie ein Gewitter, langsam, langsam. Aber eS hat seine Richtung genommen, et wird kommen und treffen. Man denkt daran, man spricht davon, aber Die Lohnpolitik im Dritte» Reich AP. Nach der Eroberung der Macht ließ man zunächst die Tarifverträge unangetastet. Das Regime hatte alle Hände voll mit der Gleichschaltung, der Zerschlagung der gegnerischen Organisationen und dem AuÄau des Staatsapparates zu tun. Vereinzelt gingen die Unternehmer fieilich bereits vor, behielten zwar die Tarifverträge noch bei, steigerten aber das Arbeitstempo, senkten die Akkordlöhne, bauten die Sonderleistungen ab und reduzierten lediglich die Löhne für einzelne Abteilungen und Gruppen sowie individuell, Der H a up tangriff auf die Tarif- verträge erfolgte erst durch das A r b e i ts- g e s e tz vom 20. Jänner 1934. Das Kernstück dieses Gesetzes war die Beseitigung der Tarifverträge, insbesondere des tariflich garantierten Mindestlohnes, und die Einführung der neuen Betriebsordnung, die dem Unternehmer das Recht einräumte, den Leistungslohn einzuführen und alle sonstigen Arbeitsbedingungen nach Gutdünken zu regeln. So wollte«S das Führerprinzip, das nunmehr auf den Betrieb ausgedehnt wurde. DaS ging aber nicht so glatt. Es zeigte sich ein solcher Widerstand, daß die Inkraftsetzung des Arbeitsgesetzes vom 1. Mai auf den 1. Oktober verschoben wurde. Aber auch dann wurden die Maßnahmen nicht restlos durchgeführt. Der Widerstand zwang, langsamer vorzugehen und ein differenzierteres Verfahren anzuwenden. Daraus erklärt eS sich, daß das Arbeitsgesetz und die Betriebsordnung nur teilweise durchgeführt wurden und daß die ehemaligen Tarif- verträgt, wenn sie auch aus gehöhlt und verstümmelt sind, teilweise weiterbestehen. Man behielt die Staffelung nach Ortsklassen, die Differenzierung nach Lohnstufen, je nach Qualifikation, Atter und Dienstalter bei. Ebenso die niedrige Entlohnung der Arbeiterinnen» der Jungarbeiter und der Lehrlinge. Die von den nationalsozialistischen Treuhändern der Arbeit erlassenen neuen Tarifordnungen» vielfach als Verlängerung der alten Tarifverträge hingestellt, brachten eine Vermehrung der nach unten gestaffelten Ortsklassen, eine Vermehrung der Differenzierung durch Vermehrung der Lohnstufen, ebenfalls mit Staffelung nach unten. Auf diese Weise wurde ein erheblicher Lohnabbau durchgeührt, von dem die einzelnen Arbeiter jedoch ganz unterschiedlich, eine finale Schicht der qualifizierten Arbeiter überhaupt nicht betroffen wurde. Dies erfolgte im engen Zusammenhang mit den Kriegsplänen. Die für die Aufrüstung wichtigen Schichten wurden bevorzugt. Damit sollte gleichzeitig eine einheitliche Stellung gegen das Regime verhindert werden. Die Konzessionen erstreckten sich vielfach auch auf Verlängerung des Urlaubs, ja auch auf Ueberführung in das Angestelltenverhältnis(Monatslohn statt Stundenlohn). Das war aber erst der Anfang. Die Unternehmer forderten als zweüe Etappe die Beseitigung des tariflich garantierten Mindestlohns und die uneingeschränkte Einführung der L e i st u n g s l ö h n e, eine beweglichere Gestaltung der Akkordlöhne und Ausnahmen für notleidende Betriebe. Die Treuhänder gaben auch hierin nach. Zur Erleichterung der Einführung der Leistungslöhne wurden in vielen Bettieben die Löhne um 5 bis 10 Prozent gesenkt, um den Lohnausfall durch höhere Leistung wieder ausgleichen zu lassen. Das führte zu einer Steigerung deSH« tzt e m p o S, die die Unfallgefahren erheblich vergrößerte. Falls eine besümmte Leistung nicht erreicht wird, können aber auch die gekürzten Mindestlöhne noch weiter gesenkt werden. Damit wurde die Anterschreitung der Mindestlöhne, wenn auch verklausuliert, ermöglicht. Bei der Akkordarbeit kam die Garantie des Mehrver- diensteS— bisher meist 10 bis 20 Prozent— in Fortfall. Die Deklarierung als„notleidender" Betrieb führte zu weiteren Durchlöcherungen der Tarifbestimmungen. so in den Randzechen des Ruhrgebietes, im Wansfelder Revier und in vielen Exportbetrieben, Weitere Verschlechterungen waren die vielfach vcrgesehene unentgeltliche Leistung von U e b e r st u n d e n, geringere Entlohnung für Neueingestellte, Zurückführung von Teilen der Belegschaft in niedrigere Lohnklassen, Schmälerung deS Urlaubs, Verkürzung der Ueberstundenzuschläge und der Zuschläge für Nacht- und Sonntagsarbeit, der Fortfall von weder Denken noch Reden kann Hilfe bringen. Und wer möchte sich solche Schrecknisse gern vergegen- wärtigen! Denken Sie, daß viele Täler, wo jetzt blühendes Leben herrscht, nach und nach zusam- mensinken, absterben, die Oede, durch Jahrhunderte belebt und bevölkert, wieder in ihre uralte Einsamkeit zurückfallen werde. Hier bleibt nur ein doppelter Weg, einer so traurig^ wie der andere: - entweder selbst das Neue zu ergreifen und das Verderben zu beschleunigen, oder aufzubrechen und ein günstigeres Schicksal jenseits der Meere zu suchen." Mit ihrem Faftor vermag sich die„Schöne- Gute" nicht zu verständigen. Er hält aus Rücksicht auf die wachsende Konkurrenz den Uebergang zum Maschinenbetrieb für unausweichlich, doch die „Schöne-Gute" erwidert ihm: „Ich weiß recht gut, daß man hier in der Nähe mit dem Gedanken umgeht, selbst Maschinen zu errichten und die Nahrung der Menge an sich zu reißen. Ich aber käme mir verächtlich vor, sollt ich diese guten Menschen plündern und sie zuletzt arm und hilflos wandern sehen; und wandern müssen sie früh oder spät." Welch ein herrliches Dokument der ttefen, ergreifenden sozialen Fühlens Goethes, zugleich welch ahnungsvolles prophetisches Bekenntnis! Während der Dichter die sozialen Fragen des 20. Jahrhunderts vorwegnimmti warnt er zugleich vor den Gefahren, die Zahl, Geld und Schnelligkeit, Maschine und Mechanisierung drohend bereiten. Er erkennt klar die Gefahr der bedenkenlosen Produktion zum Nachteil des arbeitenden Volkes und nennt das 19. Jahrhundert. daS„veloziferische", in welchem er durchaus nicht mehr jung sein möchte. In der schon genannten„Pädagogischen Provinz" herrscht völlige Toleranz gegen alle Religionen und Gottesdienste. Was den Besitz betrifft, so gibt Goehe den Weg der Vergesellschaftung an. Prophettsch zeigte er hier mit den uns heut« geläufigen Worten den Weg zum Bunde der Völker an und nachdem er überdies den Nationalitätenhaß als Symptom unterfttr Kultur bezeichnet hat, faßt er die Aufgabe des wahren Kulurmenschen in die Worte: „Er gibt eine Stufe, wo der Nationalhaß ganz verschwindet und wo man gewissermaßen über den Nattonen steht und«in Glück und eine Wehe seines Nachbarvölker so empfindet, al- wäre er dem eigenen begegnet. Diese Kulturstufe war meiner Natur gemäß. Für die Höhergebildeten und Besseren ist«S Pflicht, ebenso mildernd und versöhnend auf. di« Beziehungen der Völker, einzuwirken, wie die Schiffahrt zu erleichtern oder Wege über die Gebirge zu bahnen- Der Freihandel der Begriffe und Gefühle steigere ebenso wie der Verkehr in Bodenerzeugniffen und Produktion den Reichtum und da- allgemeine Wohlsein der Menschheit." Wie weit, wie unendlich weit hat sich Europa vom Geiste deS Weimarers entfernt! Die Mitglieder der„pädagogischen Provinz" sollen körperlich und geistig ertüchtigt und früh- zettig in das Leben der Gemeinschaft eingegliedert werden. Daß dabei keine Uniformierung beabsichtigt ist, hebt Goethe ausdrücklich hervor. Arbeit ist die Grundlage des ganzen neuen Gemeinwesens, und zwar die Arbeit der Hand. Alle sind Handwerker. Aber der Kreis wird weitergezogen. Da das Maschinenwesen gleichfalls in den Plan einbezogen ist, gehört auch der Maschinen-, bzw. der Fabriksarbeiter hinzu. Es ist jedoch keine bloße Handarbeit, die gefordert wird: Der G e i st tritt ordnend und formend, Ziele und Regeln gebend, hinzu, und so wird daS Handwerk zur Kunst. Wir sind im Zeitatter der Technik, was ja ursprünglich»Minst" bedeutet. Geadelt ist der Handarbeiter auch dadurch, daß er vollständig gleichberechtigt neben dem Geistesarbeiter steht. Alle Unternehmungen werden gemeinschaftlich durchbesprochen, in Angriff genommen und beendet. Die Verfassung der pädagogischen Provinz steht also unter dem Gesichtspunkt derDemokratie. Der Ertrag der geplanten Kolonisation kommt nicht einer Einzelperson zugute, die hievon etwas der Allgemeinheit abgibt, er ist vielmehr von vornherein als Gemeinbesitz gedacht, sowie auch die Produktionsmittel Gemeingut sind. DaS aber ist daS Prinzip des modernen Sozialismus. Die künftige Weltordnung kann sich Goethe nur vom Standpunkte der wahren Demokratie und des wirklichen Sozialismus vorstellen, durch gegenseitige Achtung der Mitglieder der pädagogischen Provinz, die nach und nach zu einem Weltbünde wird, verwirklicht durch die schaffende Tat: Und dein Stteben, sei's in Liebe, Und dein Leben sei die Tat! Walter W i l l h e i m. Eine 1000 Jahre alte Linde steht Henri Barbusse/ Erhebung Roman eines Fliegers Der große revolutionäre Dichter läßt uns in diesem Werk die Abenteuer der Technik und die Wunder des Wettenraume- erleben und kündet daS Gesetz einer neuen Gesellschaftsordnung. Preis in Ganzleinen XL 16.—. Zu beziehen durch die Zrnttalstelle für da- Bildungswesrn, Prag XU., Slrzska 13, Frühstückspausen, der Wegfall von Kleidergcld in Betrieben mit normalem Verschleiß(Chemie- indufttie), die teittveffe durchgesetzt wurden. Von der unberücksichtigt gebliebenen Teuerung, der Erhöhung der Beiträge, den Abzügen und Sammlungen sowie dem Abbau der sozialen Leistungen soll in diesem Zusammenhang gar nicht gesprochen werden. Zusammenfaffend kann gesagt werden, daß die geplanten Maßnahmen durchaus noch nicht restlos in dem beabsichtigten Umfang und Tempo durchgeführt sind und noch Reste der alten Tarifverträge bestehen, doch sind sie ihres wesentlichen Inhalts beraubt, und die erhebliche Verschlechterung der Lohnbedingungen im Dritten Reich steht außer Frage. Ein Heimatloser spricht... Von Marttn Grill Das Heer der Stauigebornen, durchtrudeln wir di« Welt. Wir stnd die Auserkornem, Verfluchten und Verlorne«, Verdammten dieser Welt. Um uns mag niemand werben, vor«ns ist jeder stumm. Wir könnten heut verderbe«, im Straßengraben sterben, und niemand weinte drum. Ost brennt in offnem Wunde« die Frage nach dem Ziel.— Zerschlissen und zerschunden, gehetzt von alle« Hunden find wir der Winde Spiel. Wes Nutze« wir wohl dienen? Wir wissen nichts darum. Zerfurcht filid unsre Miene«, die Zeit läuft wie auf Schemen und bringt unS langsam um. Oft ttaf mich i« der Heide di« Nacht, und wiegt mich ein. Dan» sucht' ich, halb im Träumm, in grenzmlosen Räumen dm ersten Frühlichtschein. Und sah: Die- muß sich wenden! Schicksal, steh stilll Ich wag-l Da- Lumpmlied soll enden! Schon blühte auf dm Händm da- Glühn de- nahen Tag-. Bulgarische Bücherstatistik. Nach der eben erschienenen Statistik wurden fest dem Jahre 1806 bi- heute insgesamt 68.000 bulgarische Bücher gedruckt, wovon rund 40.000 auf die Nachkriegszeit entfallen. Auf 2000 Einwohner enffällt ein Büch. DaS bulgarische Buch hat seit dem Jahr« 1929 infolge wirtschaftlicher Schwierigketten ein« schwere Krise zu bestehen, namentlich in den Kreisen der Intelligenz. in Effeltrich in Deutschland Scite 6 Prager Zeitung Die Gattin ertränkt? Sonntag, etwa um 348 Uhr abends, beobachteten Ausflügler bei Klein- Kuchelbad ein Kanoe, das umgestürzt in der Moldau trieb und in dessen Nähe ein Mann anscheinend mit dem Ertrinken kämpfte. Da man bereits vorher allerhand Plätschern und Geräusch aus dem Kanoe bernommen hatte, schwammen einige an das Boot heran und erhielten die Auskunft, daß der Mann seine Gattin suche, die vor einigen Minuten hier untergegangen sei. Die Suche blieb, trotz der Beteiligung der andern vergeblich und erst nach etwa einer halben Stunde wurde der Leichnam der Frau Anna Würdig hieß sie, wie später festgestellt wurde ans Ufer geschwemmt. Der herbeigeholte Polizeiarzt vermochte teine Spuren eines vorangegangenen Kampfes oder dergleichen an ihr zu entdecken und gab die Leiche, ohne auch nur die gerichtliche Sezierung anzuordnen, zur Beerdigung frei. Inzwischen hatten sich aber unverdächtige Zeugen gemeldet, die zur kritischen Zeit streitende Stimmen, Drohungen usw. aus dem Boot gehört haben wollten und deren Ausfagen gewichtig genug erschienen, daß die Staatsanwaltschaft den Aufschub der Beerdigung anords nete. Hiezu war es aber schon zu spät; das Begräbnis hatte gestern um 1 Uhr mittags bereits stattgefunden. Nun ordnete die Staatsanwaltschaft die Erhumierung der Leiche an und schritt zur Verhaftung des Gatten der Verstorbenen, des 48jährigen Friseurs Karl Würdig aus Stříbrné Hory, der gestern morgens bei seinen Verwandten in Žižkov festgenommen wurde. Würdig hatte seine um ein Jahr jüngere Frau im Juli geheiratet und war eben von einer kleinen Hochzeitsreise zurückgekommen. Es besteht der Verdacht, daß er die Tat begangen hat, um in den Bejiz des Vermögens seiner Frau zu kommen. Leiche eines Geisteskranken in der Moldau. Gestern um 6 Uhr morgens wurde zwischen der Palacky- und der Jirasek- Brücke die Leiche eines etwa 30jährigen Mannes vom Chauffeur Sula und dem Maurer Fencl aus der Moldau gezogen. Der Tote wurde als der 34jährige Lithograph Wenzel Surovsfy aus Smichov identifiziert. Nach der Aussage seines Bruders dürfte der geistesfrante Šurobsty Selbstmord begangen haben. Gerichtssaal ,, Sozialdemokrat" Diefes im Schundromanstil gehaltene Dokument erregte bei der Gerichtsverhandlung, die den Abschluß der Sache bildete, einige Heiterkeit. Der Autor hat sich sichtlich Mühe gegeben, recht gruselig zu wirken. Das Schlußwort des Briefes lautet Tod", ist zum Ueberfluß mit balkendicken Lettern hingemalt und effektvoll mit Rufzeichen umgeben. Darunter ist eine Zeichnung, welche offenbar zwei gekreuzte Knochen und einen Totenschädel darstellen soll, der aber einer verfaulten Rübe ähnlicher sieht, als dem Symbol des Todes. Die heiteren Momente dieses Falles ändern freilich nichts an seinem tragischen Ernst. Es fostete nicht viel Mühe, des Schreibers hab haft zu werden. Man schickte nach erprobtem Rezept einen mit Papierschnißeln gefüllten Brief ab und ein Detektiv lag auf der Lauer, um den Abheber des postlagernden Schreibens abzufassen. Als solcher wurde der 28jährige Josef I a nous et verhaftet, ein arbeitsloser Maler gehilfe, der seinerzeit bei Heitler gearbeitet hatte. Er machte nicht nur teinen Versuch, die Tat zu leugnen, sondern erklärte bereitwilligit, er habe die Erpressungsbriefe nur deshalb geschrieben, weil er ins Gefängnis kommen wollte. Die ArbeitsTofigkeit hat den bisher unbescholte nen Mann derart zermürbt, daß er Zuflucht im Kriminal vor dem Hunger und Elend suchte... Der Gerichtshof des GR. Ne bruska berurteilte den Angeklagten zu vier Monaten Kerker. Kunst und Wissen rb. Das erste Kammermusik- Konzert des Prager Internationalen Musikfestes fönnen wir leider nur programmlich feststellen, da wir inbez ohne Eintrittskarte blieben. Im Programm folge mangelhafter Organisation des KartenvertriePaneraing, 5. September 1935. Nr. 207. Dienstag Montag: Serbus! Serbus!" ( 2):„ Die heilige Johanna". Kleine Bühne. Samstag, Erstaufführung: Sonntag:„ iti". Montag ges Dienstag: ,, iti". Kiti". schlossen. Der Film -W Strahlende Augen Shirley Temple, das weltberühmte Mädchen von Hollywood, ist wie die meisten Wunderkinder nur förperlich ein Kind. Wenn sie spielt, ist sie ein Miniatur- Star, der die Routine der Großen verblüffend nachahmt, und sie tokettiert mit dem Publikum und mit sich selbst wie irgendeine Lilian Harvey oder Franziska Gáal. Da sie aber zwanzig Jahre jünger ist, wirkt ihr Können allerdings unheimlich: sie lacht und weint, sie zankt und füßt, sie singt und verstummt mit einer unwahrscheinlichen Sicherheit. Aber während der kleine Jackie Cooper zum Beispiel wirklich findliche Seelenregungen mit einer sehr echt wirkenden knabenhaften Verschlossenheit zum Ausdruck bringen kann, mimt Shirley Temple Kinder, wie sie nur in der Phantafie der Erwachsenen existieren: engelhafte Wesen, die in ahnungsvoller Unschuld den Erwachsenen ihre Probleme lösen helfen. Gerade darauf beruht ihr Welterfolg, der in diesem Film, in dem sie die Waise eines Piloten spielt, mit besonderer Hartnäckigkeit angestrebt wird. Denn hier spielt Shirley Temple eine unaufhörlich engelhafte Rolle, sie erweicht das Herz eines verbitterten Krüppels, sie schlägt Brücken zwischen sozialen Gegensäßen, sie wärmt die Seelen rauher Flieger, sie straft die Bösen und macht die Guten glülich und bringt zwei Liebende zueinander, deren Wege sich getrennt hatten. Da der Film teilweise zu Weihnachten und teilweise auf dem Flugplatz spielt, ist für rührende und sensationelle Effekte überreichlich gesorgt. Seine berühmteste Stelle ist das Luftschiffliedchen, das der Liebling Ameritas" in der Flugzeugkabine zum Besten gibt und das eine große Nummer der Grammophonplatte geworden ist. ―eis― Sport- Spiel- Körperpflege Serienbeginn der Atus- Fußballer Eine Verlautbarung der Spielleitung des 5. Kreises dieser reichhaltigen Kammermusikveranstaltung waren neben Werken bedeutender fremdländischer Tonsezer auch Werke sudetendeutscher Kompo nisten vertreten; Fidelio F. Finkes, des Führers der modernen fudetendeutschen Musikbewegung und Rektors der Prager Deutschen Musikakademie, Konzert für zwei Klaviere und Vier Gesänge mit Streichquartettbegleitung von dem jungen Prager Pianisten und Komponisten H. W. Süßfind. Die fremdländischen Werke des Konzertes waren: Eine Laut Beschluß der letzten Kreisfonferenz beSonate für Violine und Klavier von dem Holländer ginnt die Herbſtſerie mit 22. September. Alle Hent Bading 3, eine Gesangszene„ Enfant va Bezirks- und Gruppenleiter werden aufmerksam dormir" für Gefang und vier Instrumente von dem gemacht, daß bis spätestens Montag, den 9. SepPolen Boleslaw Woytowicz, ein Streichquartett tember 1935, die Gruppeneinteilung bei der mit dem Titel„ Dialectic" von dem Engländer Kreisleitung( Genossen Werner) eingelangt sein Alan Bush, ein Divertimento in vier Uebungen für Sopran und fünf Instrumente von dem Stalie- muß, da die Verzeichnisse für das gesamte Kreisner Luigi Della piccola und eine Fantasie für gebiet angefertigt werden müssen. Teilhaftig an Arbeitsloser sehnt sich ins Gefängnis Streichorchester von dem Schweizer W. Burk der Serie können nur diejenigen Vereine der hard. Künstlerische Mittler des Programmes I. Klasse werden, welche im Besize des neuen waren heimische, darunter auch judetendeutsche, und Lehrbuches find. Dasselbe ist durch die Bezirksfremdländische Künstler: Die Gesangstünstler M. schiedsrichtervereinigung zu beziehen und ist Budikova- Jeremiašová, D. Forrai und Ré Koster, Pflicht. Die Einteilung der II. und III. Klasse die Geigerin O. Folge- Vondem, die Pianisten Kalir, Ketting und Franz Langer, die Instrumentalisten obliegt den jeweiligen Bezirksspielleitern. Bidlo, Blažek, Dobrodinsky, Heril, Riha und Svoboda, das Neue Ungarische Streichquartett und ein aus Mitgliedern des Prager Rundfunkorchesters zusammengestelltes Streicherensemble; schließlich als Dirigenten der enſemblemäßigen Nummern Alfredo Casella( Italien), Hermann Scherchen( Schweiz) und Dr. Smetaček( Tschechoslowakei). Der Erpressungsbrief mit dem Totenkopf. Brag. Es ist nicht angenehm, zu nachtschlafender Zeit durch das Klingeln des Telephons aus dem Schlaf gerissen zu werden. Noch verdrießlicher für den Betroffenen wird aber die Sache, wenn sich auf sein ärgerliches ,, Halloh!" niemand meldet und er erkennen muß, daß er durch falsche Verbindung oder durch einen schlechten Wiz um seinen schönen Schlaf gebracht wurde. Ein solcher Störenfried trieb sein Spiel mit der Familie des Malermeisters eit I er. Durch längere Zeit wurde nämlich Nacht für Nacht, und zwar stets pünktlich zur Geisterstunde angerufen, ohne daß sich der geheimnisvolle Anrufer zu erkennen gab. Er läutete so lange, bis E. J. Nenes Deutsches Theater. Samstag, Eröff nungsvorstellung: Jenufa".- Sonntag( B1), schließlich doch jemand am Apparat erschien, womit neuinszeniert:„ Die heilige Johanna". sein Zweck offenbar erreicht war. Das verursachte unendlich viel Unruhe und Aerger in der Häuslichfeit des Malers und es fehlte nicht an Leuten, die die Meinung vertraten, daß hinter diesen geheimnisvollen Anrufen ein schlimmes Geheimnis stede. Es zeigte sich, daß diese Meinung nicht unberechtigt war, denn tatsächlich bildeten diese nächtlichen Störungen nur einen Auftakt und waren offenbar dazu bestimmt, die heimgesuchte Familie in die richtige Stimmung zu versetzen. Am 2. August erfolgte dann der Hauptschlager. Es lief ein Brief ein, adressiert an die Fr au des Lackierermeisters, ein anonymer Brief, der mit der höflichen Anrede: Hochverehrte gnädige Frau!" begann und in dem es dann weiter hieß: Sie sind eine fluge Frau und deshalb werden Sie einem Unglück ausweichen wollen, das auf Sie und Ihre werte Familie lauert.. Unter ständi gen Hinweisen auf das ,, lauernde Unglück" wurde Frau Milada Heitler dann aufgefordert, zunächst 2000 Kč in einem postlagernden Brief unter der Chiffre., o gleich" an die Hauptpost zu schicken und weiter 3000 Kč bis längstens zum 10. Auguſt unter dem Zeichen ,, Chicago". Einen praktischen Erfolg hatte dieser Erpres sungsbrief nicht, stiftete aber doch Unruhe und Besorgnisse. Als dieser erste Brief unbeachtet blieb, folgte nach einigen Tagen ein zweiter, in welchem der anonyme Schreiber schärfer ins Zeug ging. ,, ch fordere Sie auf, unverzüglich das Geld zu schicken", hieß es darin, andernfalls fordern Sie eine höhere Instanz heraus, welche über Sie eine zehnfache und hundertfache Strafe für die Nichtbefolgung dieses Auftrages verhängen wird... Ich hoffe, daß Ihr Leben und Ihre Gesundheit und das Leben Ihrer Familie mehr Wert für Sie haben wird, als das Geld." In diesem Ton geht es weiter. Besonders effektvoll ist der Schluß:„ Ich werde das Vergnügen haben, entweder Ihre Geld sendung zu quittieren, oder ich werde handeln!! Süten Sie sich vor einer Anzeige!! Eine solche würde für Sie nur einen Wert haben, nämlich den Io d!!" Wallace Beerh FTK in dem ausgezeichneten MGM- Film„ Viva Villa". der demnächst zur Prager Uraufführung gelangt. Viva Villa", ein Helden- Epos von dem meritanischen Revolutionär Pancho Villa, der schließlich Präsident von Merito wurde, erforderte unter allen amerikanischen Filmen den größten Aufwand. Die Aufnahmen dauerten volle 10 Monate, gedreht wurde er von 100 Kameraleuten und als Darsteller waren insgesamt 10.000 Menschen beschäftigt. Die Hauptrolle spielt Wallace Beerh. Die Leichtathletik- Meisterschaften der holländischen Arbeitersportler Kathleen Burke ist die einzige weibliche Hauptdarstellerin in dem amerikanischen Film„ Die bengalischen Reiter". Das ungarische Innenministerium gab einer Beschwerde des Fußballklubs Attila Miskolcs gegen. seinen Verband statt und hob die Entscheidung auf, womit Attila die Erstklassigkeit abgesprochen und Nemzeti zuerkannt worden war. Die ungarische Fußballverband sist nun in der Zwickmühle, da Nemzeti bereits zivei Meisterschaftsspiele durchges führt hat. Ein weibliches Laufphänomen ist die erst 174 jährige Kanadierin Helen Stephens, welche vor fur zem über 200 Meter die Weltrekordzeit der Bolin Walasiewicz fast erreichte und nun über 220 yards ( 201.60 Meter) die für eine Frau überaus ausges zeichnete Zeit von 23.2 Sef. lief. Ueber 100 yards benötigte Helen Stephens 10.4 Set., welche Zeit gleichfalls hervorragend ist. 1 Eine Komödie mit Nurmi will man im Dritten Reich bei der Berliner Olympiade aufführen. Die Nazis tragen sich mit der Absicht, den Finnen als Ehrengast einzuladen. Ob Nurmi dies anneb men wird, ist eine andere Frage, da es gerade die Deutschen waren, welche im Jahre 1932 die Ein stellung seiner sportlichen Tätigkeit erzwvangen. Aus der Partei Freie Vereinigung sozialistischer Afademiker: Freitag, den 6. September, findet im Parteiheim, Národní 4, um 20 Uhr eine Mitglieder? bersammlung statt. Künstliches Radium aus Kochsalz? AP. Die Weltpresse berichtet davon, daß Prof. Ernst Lawrence auf dem Kongres amerika nischer Chemifer mitteilte, es sei ihm gelungen, gelangten in Rotterdam zur Austragung. Sie nah- fünstliches Radium aus Salz herzustellen, so daß sich, men einen glatten Verlauf und nicht mehr als zehn die Kosten ganz erheblich verringern würden. Die Frauen wurden verbessert. In den einzelnen Kon- Nachricht hat wie eine Bombe eingeschlagen. Das furrenzen gab es schöne Kämpfe, ſo z. B. über 100 fünstliche Radium, von dem Prof. Lawrence nunMeter der Männer. Erwähnenswert ist der Speer- mehr berichtete, ist allerdings von dem echten RaBestleistungen bei den Männern und vier bei den wurf der Frauen mit 33.43 Metern. leber 60 Teilnehmer bewarben sich um den Meistertitel in den dium grundlegend verschieden. Denn während dies einzelnen Disziplinen. Für den Sportbund ist der ses seine Radioaktivität beibehält, verliert das Verlauf der diesjährigen Meisterschaften ein Gradmesser seiner Leistungsfähigkeit gewesen, denn noch fünstliche Radium sie automatisch nach Verwendung. selten ist innerhalb eines Jahres der Fortschritt so Die Gewinnung erfolgt mit Hilfe eines elektrischen flar zutage getreten wie diesmal. Die wichtigsten Ergebnisse waren: Prozesses unter Hochfrequenz, der auf die Atomzers trümmerung hinausläuft. Dazu werden schwere Männer: 100 Meter: J. Lips( Breda) 11.9 200 Meter: V. de Feber( muiden) 24.2 Wasserstoffatome, fogenannte Deuteronen, benut. Set.; 400 Meter: H. de Vries( Ymuiden) 57.5 Das dadurch gewonnene radioaktive Radium gers Set.; 800 Meter: St. Sistemaker( Ymuiden) 2: 09.9 fällt unter Aussendung von Strahlen in weni Min.; 1500 Meter: K. Kistemafer 4: 39.3 Min.; eins 5000 Meter: A. Schut( Enschede) 18: 31.2 Min.; en Stunde n. Mit Hilfe von Kochsalzvers 4X100 Meter: Den Haag 48.5 Set.; Schweden- bindungen kann es in den menschlichen Körper stafette: Den Haag 2: 20.2 Min.; Olympische Sta- geführt werden. Zwar ist näheres über die praktische fette: 9muiden 4: 06.2 Min.; Weitsprung: J. Lips 6.28 Meter; Hochsprung: 5. Gitman( Rotterdam) Anwendung noch nicht bekannt, doch kann man schon Meter; Kugel: J. Mackay( Den Haag) 10.82.5 Umwälzung der Krankheitsbehandlung steht. Freis 1.55 Meter; Speer: A. Kraat( Ymuiden) 40.04 jest sagen, daß die Welt möglicherweise vor einer Meter; Meter. lich müssen erst die weiteren Untersuchungen Frauen: 60 Meter: F. Moret( Den Haag) praktischen Versuche abgewartet werden. 8.1 Gef.; 100 Meter: F. Moret 13 Set.; 200 Meter: F. Moret 29.2 Set.; 800 Meter: 2. Sisterman van Ohen( Den Haag) 2: 49.6 Min.; 4x100 Meter: Den Haag 57.3 Sef.; Kleine olympische Stafette: Den Haag 59.8 Set.; Weitsprung: F. Moret 4.90 Meter; Hochsprung: F. Moret 1.30 Meter; Speer: C. Jonas( Den Haag) 33.43 Meter; Diskus: T. Fraterman( Den Haag) 28.76.5 Meter; Kugel: C. Jonas 9.78 Meter. Die russische Bestleistung im Stabhochspringen wurde von Rajewiki auf 4.08 Meter verbessert. Ozolin, welcher bor kurzem 4.06 Meter erreichte, fam diesmal mit 3.97 Meter auf den zweiten Platz. Nurmi und Laboumeque nach Moskan. In Moskau will man eine Begegnung der beiden Berufsläufer arrangieren. Zu diesem Zweck ist der Franzose Ladoumeque schon von Paris nach Mostau abgereist. Kakteen mit 3auberbung" begoffen, werden zauberhaft schön. Senden Sie uns Kč 5.60 in Briefs marten, wir liefern Ihnen dafür ben guten Blumenzauberdung, den beftent Dungguß für Ihre Blumen. Sie werden staunen, wie herrlich dann Ihre Blumen gedeihen. 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