Freitag, 6. September 1935 15. Zahrgang Nr. 208 Ehmfrnls 70 Henn (•Imchli.Bllch 5 Heller Port») 1ENTRALORGAN DER DEUTSCHEN SOZIALDEMOKRATISCHEN ARBEITERPARTEI IN DER TSCHECHOSLOWAKISCHEN REPUBLIK ERSCHEINT MIT AUSNAHME DES MONTAG TÄGLICH FRÜH.»EDAKTION und Verwaltung Prag xii.. fochova a. TELEFON 53077. HERAUSGEBER i SIEGFRIED TAUB, CHEFREDAKTEUR! WILHELM NIESSNER. VERANTWORTLICHER REDAKTEUR: DR. EMIL STRAUSS, PRAG, Aloisi verläßt die Ratssitzung Während der Rede des abessinischen Vertreters Genf. An Genf fanden den ganzen Donnerstag über nnr private Besprechungen der direkt oder indirekt an der Lösung des italienisch-abessinischen Streitfalles interessierte» Staatsmänner statt. Der Rat des Bölkerbundes trat wider Erwarten noch am Abend nach 18 Ahr zusammen, um die Antwort des abessinischen Vertreters, des Advokaten I e z e, auf die Anklage der italienischen Regierung entgegenzunehmeu. Vorher fand im Gebäude des Bölkerbundes eine Beratung zwischen Laval, Aloisi und Eden über die Zusammensetzung einer besonderen Ratskommission statt, die die Aufgabe eines Berichterstatters für den Konflikt übernehmen soll. Bor der Eröffnung der Ratssitzung herrscht« über die Ernennung der Mitglieder dieser Kommission noch keine Einigung. Der abessinische Vertreter Jeze protestierte In längeren Ausführungen neuerlich in ernsthafter Weise gegen die letzten Darlegungen des italienischen Vertreters. Er berief sich auf den Schutz des Bölkerbundes nach Art. IO des Paktes. Kurz nachdem der abessinische Der- Treter seine Rede begonnen hatte, verließ der Italien!sch e Delegierte Baron Aloisi seinen S i h i m R a t e. Diesen Umstand klarte ei« anderer italienischer Delegierte dann damtt auf, daß die italienische Regierung zwar an de« Ratsverhandlungen teilnehme, aber wegen der Heftigkeit in der Rede des abessinischen Delegierten die Sitzung verlassen mußte. Man glaubt, daß Baron Aloisi seinen Exodus gegen den Ausspruch des abessinischen Vertreters protestieren wollte, in welchem dieser an dir Adresse Italiens dos französische Sprichwort »»wendete:„Will man sich eines Hundes entledigen, so erklärt man ihn für tollwütig". Do habe Italien mit Abessinien gehandelt. Abessinien für sofortige Maßnahmen Der abessinische Vertreter Advokat Jeze erklärte u. a., es handle sich heute nicht mehr darum, Zeit zu gewinnen, da man befürchten müsse, daß sich Italien in einen Krieg einlasse. Der Rat müsse sofort alles zur Verhinderung des Kriegsausbruches unternehmen. Die abessinische Regierung protestiere entschieden gegen die ungerechtfertigten Anklagen seitens Italien. Litwinow gegen Italien Das Wort ergriff sodann der sowjetrussische Volkskommissar für auswärtige Angelegenheiten Litwinow. Er erklärte, Rußland unterhalte gute Beziehungen zu Italien, müsse aber mit Bedauern betonen, daß es die Auffassung des italienischen Delegierten nicht billigen und sie sich n i ch t zu eigen machen könne. Der Bölkerbundpakt müsse unantastbar bleiben. Der Friede sei nn- Aegypten und der Sudan über die Wasseraufteilung einig London. In London wurde die Nachricht über den Abschluß eines Vertrages zwischen Aegypten und dem Sudan bestätigt, der die Wasserverteilung aus den Zuflüssen des Nils n a ch d e r Verwirklichung des Tanasee- Planes regelt. Der Sudan wird das Verfü- gungsrecht über den zehnten Teil des Wassers erhalten und dafür alljährlich eine bestimmte Summe an Aegypten zahlen. Später kann der Sudan den Wasserverbrauch auf SO Prozent vermehren. Amtliche englische Kreise nehmen diesen Verhandlungen gegenüber einen ablehnenden Standpunkt ein. Die britische Regierung ist der Ansicht, daß Verhandlungen, die die Regelung des gegenwärtigen Konflikts gefährden könnten, nicht ermöglicht werden sollen. teilbar. Rach der Erledigung des Ual-Ual-Falles gebe es keinen Konflikt zwischen Italien und Abessinien mehr, trotzdem aber drohe Italien mit dem Kriege. Bereits im japanisch-chinesischen Konflikt sei die Autorität des Bölkerbundes geschmälert worden; ihre weitere Bedrohung könnte ernste Folgen für andere Fälle und insbesondere für Europa haben. Im Bölker- bundrate über die inneren Regime der Mitgliedstaaten, dir sehr verschieden find, zu sprechen, gehe nicht an, wie man auch keine Unterschiede zwischen den Ratsmitgliedern machen dürfe. Man müsse andere Mittel znr Lösung des italienischabessinischen Konfliktes finden, als militärische. Reuter urteilt» daß die Gesamtsituation in Genf durch die Donnerstag-Sitzung des Bölker- bundrates eine bedeutende Verschlechte r u n g erfahren habe. Plan befürchtet» daß es sehr schwer halten wird, eine versöhnliche Atmosphäre herbeizuführen, solange nicht der persönliche Konflikt zwischen den Vertretern Italiens und Abessiniens beigelrgt sein wird. Der Sprecher der italienischen Delegation erklärte zum Berichterstatter des Reuterbureaus, daß noch niemals in der Geschichte des Bölker- bundrates eine Großmacht s» s ch w c r beleidigt worden sei, wie dies heute Italien widerfahren sei. Der italienische Hauptdelcgierte Baron Aloisi hat den genauen Wortlaut der Rede des Vertreters Abessiniens Professors Jeze angefordert und wird sich nach deren Prüfung über sein weiteres Vorgehen entscheiden. Abessinien bleibt test Addis Abeba. Der Vertreter Abessiniens in Genf wird neue Instruktionen erhallen, die dahin gehen sollen, den bisherigen Standpunkt nicht zu verlassen und keine Kompromisse einzugehen. Frankreich zu Sanktionen bereit? London. Der Berichterstatter des „M anchesterGuardian" meldet, daß die französische Regierung an die britische Regierung eine Rote gesandt hat, derzufolge Frankreich Sanktionen zu st im men würde, falls England Frankreich gegenüber sich verpflichten würde, Frankreich unter analoge« Umständen zu unterstützen. Der diplomatische Berichterstatter des Blattes fügt zu dieser Information hinzu, daß es sich Frankreich hiebei mehr um die U n a b hängt g k e i t Oesterreichs als Abessiniens handle. Snowden warnt vor dem Krieg New Bork. Die hiesigen Zeitungen bringen einen Brief des englischen Staatsmannes, Viscount Snowden,,- zum Abdruck, in welchem dieser schreibt:„Europa taumelt nunmehr an der Grenze eines neuen imperialistischen Krieges, dessen entsetzliche Folgen sich heute niemand auch nur vorstellen und gar nicht ausrechncn kann. Die gesamte teuflische Maschinerie der modernen Kriegsführung wird zur Entfaltung gebracht werden, um die Unabhängigkeit eines wehrlosen Staates zu zermalmen und sich seines Territoriums zu bemächtigen. Der dauernde Frieden kann.nur dann auf der Welt einziehen, wenn die Nationen begriffen haben werden, daß die Naturschätze als das gemeinsam ererbte Gut anzusehen sind, das für die Wohlfahrt der gesamten Menschheit verwendet werden müßte. Die Ratssitzung wurde darauf geschloffen und der Vorsitzende verkündet«, daß in absehbarer Zeit Anträge über die weitere Prozedur für die Lösung des italienisch-abessinischen Konfliktes vorgelcgt werden sollen. ein„unglücklicher Zufall“ Salomonischer Schiedsspruch im Ual-Ual- Konflikt Genf. Das Schiedsurteil über Ual-Ual wurde am Donnerstag veröffentlicht. Am Schluß heißt es, daß der Zwischenfall durch„unglückliche Verkettung der Umstände" verursacht wurde und daß die italienischen Behörden für denselben nicht verantwortlich gemacht werden können. Wenn auch das Vorgehen der örtlichen abessinischen Behörden Angriffsgeist geweckt habe, so könne nicht nachgewiesen werden, daß sie für den Zwischenfall verantwortlich sind. Profeffor Jeze verwendete in seiner Rede vor dem Rat sehr sarkastische Redewendungen über die„übernatürliche Sendung", die sich Italien anmaße. Nach Meldungen aus Rom könne das Verlassen des Ratstisches weder als ein Theatercoup noch etwa bereits als ein endgültiger Bruch Italiens mit dem Völkerbunde betrachtet werden. Der italienische Delegierte, der am Donnerstag zur Entgegennahme der Bemerkungen und etwaigen --Döntschläge anderer Ratsmitglicdcr der Sitzung als Beobachter beigewohnt habe, werde auch weiterhin an den Ratsitzungen teilnehmen, sogar in Anwesenheit eines abessinischen Vertreters, werde aber jedesmal wieder den Ratstisch verlassen, sobald der abessinische Delegierte sich an der Dis-, kussion beteilige. Die englischen Arbeiter gegen Mussolini Eine entschiedene Mahnung London. Auf einer geheimen Sitzung des Generalrates des Gewerkschaftskyngreffes des na- twnalen Bollzugsausschusses der Arbeiterpartei und der parlamentarischen Arbeiterpartei wurde eine Entschließung gebilligt, in der u. a.„die Herausforderung und trotzige Haltung der italienischen Regierung gegenüber dem Völkerbünde" verurteilt wird. Die britische Regierung wird aufgerufen, gemeinsam mit de» anderen im Bölkcrbundrate vertretenen Rationen alle in der Völkerbundsatzung vorgesehe- neu Maßnahmen zu ergreifen,„um Italiens ungerechten und habgierigen Angriff auf das Gebiet einesanderenBundesmitgliedrs zu verhindrrn". Die Erklärung ist die erste offizielle Aeußerung der englischen Arbeiterbewegung zum abessinischen Streit. Für Völkerbund-Autorität London. Der Kongreß der Trade Unions nahm am Donnerstag nach langer lebhafter Aussprache mit 25 Millionen Stimmen gegen 177.000 eine Resolution an, in der dem System des kollektiven Friedensim Rahmen des Bölkerbundes Treue bekundet und die Politik gebilligt wird, die der Rat des Kongresses'im italienisch-abessinischen Konflikt eingenommen hat. In der Schlußansprache vor der Abstimmung über diese Resolution erklärte C i t r i n e: „Wenn Ihr diese Resolution ablehnt, wird dies dahin ausgelegt werden, daß Ihr die britische Regierung dazu aufmuntert, sich ihrer Verantwortlichkeit zu entziehen:- Die Geltendmachung von Sanktionen kann den Krieg bedeuten, wir haben aber keine andere Wahl, bisher nur 130 lote? Amtliche italienische Behauptung InRom wurde amtlich bekanntgrgeben, daß die Zahl der seit dem 1. Jänner in Ostafrika infolge Krankhei* oder ähnlichen Ursachen gestorbenen italienischen Soldaten sich auf 130 beläuft, j Die Lase bedeutend verschlechtert SudeteBdeutsche, durchschaut diese widerliche Komödie! Hei, was war das für ein munteres Jagen im Wonnemonat Mai. Die Henleinschützen zogen aus, um alles„Rotwild" zu erlegen und der Troß der Treiber— nicht wenige kommunistische„Klassenkämpfer" hatte man ihm einverleibt— jauchzte bei jedem Knall:„Schon wieder ein roter Bonze erlegt!" Die Schützen waren gnädig. Sie forderten nicht Skalpe, sondern waren schon mit Parlamentsmandaten zufrieden. Die Ober-Treiber erhielten als Lohn das— Versprechen auf Aemter in den Konsumvereinen und Krankenkassen. Der große Haufen der Treiber mußte sich allerdings vorerst bei etwas Bier und mäßigem Taschengeld darauf vertrösten, daß die deutsche Grenze demnächst hinter Tuschkau verlaufen, der Klassenkampf und damit alles Elend verschwinden wird. Der kraftvollen Mobilisierung der politischen Dummheit ward Erfolg beschicden. Ehemalige k. u. k. Offiziere und einige ganz G'scheite waren Mandatare der angeblich klassenlosen„Volksgemeinschaft" geworden. Sonst aber blieb alles wie cs war. Der Staat bekam wieder eine parlamentarische Regierung, die Landesgrenzen wurden nicht verrückt, der Kapitalismus blieb und mit ihm die Arbeitslosigkeit. Dazu gekommen ist nur der Katzenjammer derer, die weder Aemter in den Konsumvereinen und Krankenkassen erhielten, noch als„tapfere" SA-Männer Wache bei Konzentrationslagern schieben dursten. Die Zeit der Maienblüte ist vorbei. Das Laub fällt von den Bäumen, der Herbst steht vor der Tür, der Rest der Ernte will geborgen werden. Und der Trotz der Henleinjagdtreiber ohne Ahr und Halm? Wo und was erntet er? Soll er die fahlen Blätter sammeln, die bereits von den Bäumen fallen? Nur nicht verzagt! Ein echter Henleinprolet läßt sich von„marxistischen Gedankengängen" nicht verwirren. Wer wird denn denken? Ist nicht die politische Dummheit ein größerer Machtfaktor als alles Denken zusammen? Also warf Henlein ein Flugblatt unter das Volk. Und darin steht geschrieben: „Unsere Dolksvertreter(also die Pfrogner, Frank, Sandner nsw.) werden dem Parlament sehr genaue, durchführbare Gesetzesanträge für Arbeitsvermittlung, Arbeitsbeschaffung und Schutz des Arbeitsplatzes vorlrgrn. Dann wird die gesamte Oeffentlichkeit Gelegenheit haben, das Verhalten der roten„Arbeitervrrtreter" zu kontrollieren." Soll das heißen, daß die Henlein-„Volksvertreter" das Rezept in der Tasche haben, wie man allen Volksgenossen in der kapitalistischen Wirtschaft Arbeit und Brot gibt? Warum warten sie dann solange? Nur, um demnächst das Verhalten der roten„Arbeitervertreter" zu kontrollieren? Ja, haben denn die paar Roten aus dem sudetendeutschen Gebiet überhaupt noch eine Bedeutung? Hat man sie bei den letzten Wahlen nicht erledigt? Doch es kommt noch schöner. Nachdem man den Roten die Kontrolle im Parlament angedroht hat, heißt es im nächsten Satze des Flugblattes: „Es stehen uns schwere Tage bevor!“ Es scheint, daß die Henleins von der Kontrolle der Roten geschrieben und an das eigene Kontrolliertwerden gedacht haben. Nur so leuchtet der nächste Sah im Flugblatte wenigstens in seinen er st en fünf Worten ein: „Es geht um unser Brot und unser hieimatiand.“ Ja, ja, wenn die Henleinmandatare von ihren Wählern annähernd so kontrolliert werden wie die roten„Arbeitervertreter", dann ist's mit dem Brot des Parlamentariers für manchen Hen- leinstreiter vorbei. Das mag bei den Betreffenden heute schon-Sorge auslösen, aber„unser Heimatland" ist deswegen nicht verloren. Aber nur sich nichts anmerkcn lassen! Darum schreit der nächste Satz:. „Auf uns kommt es an!“ Ja, warum beschäftigt man sich dann überhaupt noch mit den doch erledigten„Roten"? Warum wartet man, wie sich die Roten zu den„durchführbaren Gesetzesanträgen" verhalten werden. Seite 2 Freitag, 8. Sevtcmker 1938> Nr. 20? Günstiges Ernteergebnis Um drei Millionen Zentner mehr Welzen Arbeitereigentum wird verschachert Wien. Das gewesene Arbeiterheim in Ottakring wurde am Donnerstag im Versteigerungswege verkauft. Die Schätzungssumme betrug 269.000 Schilling. Das Haus kaufte die Versicherungsanstalt der Stadt Wien für 157.000 Schilling. Die Generalreparatur wird einen Kostenaufwand von 132.000 Schilling erfordern. Tas Haus wird für Wohnungen und Kanzleien eingerichtet werden, denn eine öffentliche Stelle darf in demselben nicht wieder bestehen. wenn man allein erfüllen kann, was die Herzen der Henleinwähler begehren? Die Antwort gibt der Flugblattschreiber gleich selber, wenn vielleicht auch ungewollt, indem er mitten in seinem Flugblatt in großen fetten Lettern schreibt: „Sudetendeutsche, durchschaut diese widerliche Komödie!“ Jawohl, das ist es: Durchschaut diese widerliche Komödie! Wenn Wahlagitation allein, wenn Lüge, Verleumdung, Ehrabschneidung, Auspeitschung aller Leidenschaften schon Politik wäre, dann stünde es ja gut um die SdP. Aber die Zeit der Wahllügen ist vorbei, jetzt heißt es Politik machen. Und da wissen die Henleins nichts anderes, als ein— neues Flugblatt voller Lügen und Verdächtigungen auszustreuen. Trotz aller Gemeinheiten, Lügen und Taschenspielertricks— wie sanft— und kraftlos ist eS doch! Rach den kräftigen Schimpfereien in der Wahlzeit ein dünner, fader Aufguß— die richtige Zichorienbrühe für geistig arme Leute! Warum es zu nichts besserem mehr reicht m Henleins Flugblattküche, das wird ans dem Flugblatte nur zu deutlich ersichtlich. Man kann nicht mehr Genrralmarsch blasen zum Sturm auf die Roten, sondern man mutz bereits über die„Krämerseelen" schimpfen,„dir da meinen, sie könnten ein Geschäft verlieren", wenn sie sich zur Henleinpartei bekennen. Die „lätzt man ruhig am Wege stehen". Auch„Ausbeuter" und„Leuteschinder" gibts sogar, wie man aus dem Flugblatt« erfahren kann. Schön, daß der Flugblattschreiber so etwas merkt. Aber was tut er gegen sie? Nun, er läßt sie ruhig am Wege stehen, mögen sie weiter ausbeuten und Leute schinden! Wie dann aber die Volksgemeinschaft verwirklicht werden soll, das sagt das Flugblatt nicht. Statt dessen wendet es einen Taschenspielertrick an, indem es gegen Lüge, Verleumdung und Klassenhaß in einem Atem zu Felde zieht. Das ist so, wie wenn man gegen Raub, Diebstahl, Ausbeutung, Lüge, gerechten Lohn und Hilfsbereitschaft, in einem Atemzug losdonnern würde. Und hier, gerade hier ist der ^springende Punkt, wo es um ehrliches Wollen, um Erlangung einer wahrhaften Volksgemeinschaft geht— oder um übelste Roßtäuscherei. Wir Sozialdemokraten stellen fest, datz die Ausbeutung deS Menschen durch den Menschen nur beseitigt werden kann durch Vergesellschaftung der Produktionsmittel» durch eine planvoll geleitet« Wirtschaft» durch eine klassenlose sozialistische Gesellschaftsordnung. Darum führt die besitzend« Klasse den schärftten Klassenkampf gegen die Sozialdemokraten, die die Führer im Kampf des Proletariats um Verwirklichung dieses mrnsch- heitsbefrrienden Ideals sind. Doch das soll der Henlein- prolet nicht wissen! Das Statistische Staatsamt veröffentlicht di« vorläufigen Ergebnisse der Ernteschätzung für 1935. Es ergibt sich daraus das überraschende Ergebnis, daß trotz der großen Trockenheit die Weizenernte um fast drei Millionen Zentner, d. i. um volle 24 Prozent, größer ist als im Vorjahr, und auch die Ernte an Roggen das Vorjahr um 650.000 Zentner übertrifft. Ein Rückgang zeigt sich nur in Gerste und Hafer. Die Ernteschätzung für den ganzen Staat ist(in Zentnern) folgende: Winterweizen 15,440.871(im Vorjahr 12,462.496), Sommerweizen 725.246(i. Bj. 1,149.149), Winterroggrn 15,621.414(im Bors. 14,964.354), Sommerroggen 223.920 (268.395), Wintergerste 88.980(62.862), Sommergerste 9,806.681(10,280.957), Ha- ser 10,232.087(im Vorjahr 11,789.715), Mais 1,181.837(1,605.041), Frühkartoffeln . 2,012.021(3,041.171). Bei der(unveränderten) Festsetzung der heurigen Getreidepreise, der bekanntlich ein langer Kampf zwischen dem agrarischen und dem sozialistischen Lager vorausging, hatte die Frage, Segen die Teuerung Gemeinsame Kundgebung der tschechischen sozialistischen Parteien Prag. Im Großen Lucernasaal fand am Donnerstag«ine von der tschechischen sozialdemokratischen und nationalsozialistischen Partei gemeinsam veranstaltete Massenkundgebung mit der Tagesordnung:„Die Situation der arbeitenden Schichten und die Notwendigkeit von Maßnahmen zur Senkung der Bedarfsartikel« preise" statt. Bei dieser stark besuchten Manifestation gegen die sich fühlbar machenden Teuerung, zu der sich führende Persönlichkeiten der sozialistischen Parteien eingestellt hatten (unter ihntn auch Eisenbahnminister Genosse Bechynk), ergriff zunächst Fürsorgeminister Genosse Ing. Necas als Sprecher unserer tschechischen Bruderpartei das Wort zu einem eingehenden Referat über die gegenwärtige wirtschaftliche und sozialpolittsche Situation. Genosse Neöas stellt« zunächst fest, daß der Stand der Arbeitslosigkeit, obwohl sich eine langsame Senkung der Arbeitslosen- z i f f e r bemerkbar macht, immer noch als sehr e r n st angesehen werden müsse. Neben der Arbeitslosigkeit ist die seit Beginn der Krise fortschreitende Senkung der Lohnbezüge eine überaus schwerwiegende Erscheinung, die zur Herabsetzung des Lebensstandards der arbeitenden Schichten in verhängnisvoller Weise beiträgt.(Während zu Beginn der Krise noch 15 Prozent der Soziawersicherten der höchsten Lohnklaffe angehörten, sind eS heute nur- mehr 8 Prozent, während auf der anderen Seite der Anteil der niedrigsten Lohnklasse von 40 auf 53 Prozent hinaufgegangen ist.) Energischer Kampf gegen di« weitere Verelendung der arbeitenden Schichten ist daher ein dringendes Gebot der Zeit. Dies bedeutet insbesondere auch ob die heurige Ernte quantitativ größer sein werde als die vorjährige, eine entscheidende Rolle gespielt. Die Behauptungen von sozialisttscher Seite, daß der Ernteertrag erheblich größer sein werde und dieser Umstand eine Herabsetzung der Getreidepreise ohne Einbuße für die Landwirte ermögliche, waren von agrakischer Seite mit dem Hinweis auf die durch die großen Trok- tenheit angerichteten Schaden mit aller Entschiedenheit zurückgewiesen worden. Nun zeigt es sich, daß die Weizenernte tatsächlich ganz erheblich größer ist als im Vorjahr und auch die Roggenernte besser ausgefallen ist. Das nationalsozialistische ,.A Zet" unterzieht auch bereits diese Tatsache einer eingehenden Kritik und erllärt, daß also über di« Getreidepreise aufGrundvonfalschenAnga- ben und unrichtigen Schätzungen entschieden wurde. Die Forderung nach Revision, bezw. Staffelung der Getreidepreise wird angesichts dieses Ernteergebnisses und mit Rücksicht auf die immer mehr anwachsende Teuerung der wichtigsten Lebensbedürfnisse gewiß neue Nahrung erhalten. Kampf gegen die Teuerung als wichttge Aufgabe der Staates. Der Referent zeigt« an Hand der wichtigsten Bolksnahrungsmittel(Mehl, Brot, Kartoffeln, Fleisch, Kunstfett, Zucker) die Entwicklung der Preisgestaltung und betonte, daß die durch dar Getreidemonopol angestrebte Sicherung der Existenz der Keinen Landwirtes unbedingt ergänzt werden muß durch existenzielle Sicherung des Konsumenten, insbesondere der Lohn- und GehaltempfängerS. In dieser Richtung bewegten und bewegen sich die Ansttengungen der sozialistischen Patteien. Genosse Minister Neöas gab eine gedrängte Uebersicht über die Wirtschafts- und sozialpolittschen Gesetze, die diesem Zweck dienen und um deren Ausgestaltung und Vervollkommnung sich die sozialssti- schen Patteien mit größter Zähigkeit eingesetzt haben und einsetzen werden. Besonders eingehend befaßte sich Genosse NecaS mit dem umfangreichen Problem der Erweite» rungderArbeitsmöglichkeit und allen damit zusammenhängenden Fragen(dirette und indirekte Arbeitsbeschaffung, Förderung deS Exporte- und Investitionstätigkeit usw.) der errungenen politischenDemokratie müsse nun auch der Ausbau der wirtschaftlichen Demokratie folgen. (Beifall.) Als zweiter Referent sprach für die tschechische nationalsozialistische Pattti Abg. Dr. Klnpka. Er befaßte sich eingehend mit dem Problem der Arbeitsertrages unter dem GesichtS- pimkte der sozialen Gerechtigkeit und betonte insbesondere die Notwendigkeit, gewissen Auswüchsen der Prositwirtschaft mit aller Energie entgegen» zutrtten. Er kritisiette vor allem auch das Mißverhältnis der Arbeitseinkommen breitester Schichten zu den arbeitslosen Riesenbezügen gewisser Exponenten deS Finanzkapitals. Lebhaften Widerhall fanden einigescharfe Au Sführung en g eg en VILLA OASE oder: DIE FALSCHEN BORGER Roman von Eugene Dablt Berechtigte Uebertragung aus dem Französischen von Bejot Nein, sie Unterdrückte ihrtz Auflehnung nicht, sie fühlte die Last dec Ungerechtigkeit auf sich und auf ihren Leidensgenossinnen. In Gedanken suchte sie Zuflucht bei Julien und bat ihn wie einen Gott um ein besseres LebVn. Sie war ja noch nicht zwanzig Jahre alt. Sie ballte die Fäuste und rief die Zukunft herbei. Unimmer mehr wurde sie von dem Wahn beherrscht, sie müsse, um zu genesen, das Krankenhaus verlassen. Denn die Luft, die sie dort, angesichts des Todes, atmete, wär vergiftet. Sie dachte an nichts anderes mehr. Berthe zog sie ins Vertrauen. Sie hörte auf zu klagen, und berichtete nur, wie nachlässig Arzt und Schwestern im Dienste seien. Allmählich versuchte sie auch, ihre Mutter zu überreden. Irma kam nicht regelmäßig. Und wenn sie kam, waren Freunde da. Helene gebrauchte tausend Listen. Irma unterbrach sie, verstand sie nicht, sah dauernd auf die Uhr und gab ihr zum Schluß die Antwott, sie solle noch Geduld haben. Und Helene, die den Eindruck gewann, ihre Mutter wolle von ihrem Plan nichts wissen, geriet in immer tiefere Verzweiflung. Eines Donnerstags, an dem Irma als erste in den Saal getreten war, beschloß die Kranke, deutlich zu werden. „Mama", erklärte sie mit fester Stimme,„eS geht mir besser. Ich will nach Hause." „Nach Hause? Jetzt? Hör mal, Liebling..." Helene unterbrach sie und schtte, ihre ganze Kraft aufbietend: „Wenn du nicht willst, erzähle ich, daß du mich zum zweitenmal verlassen hast. Jawohl, du bist schuld an allem, was ich durchgemacht habe. Und ich werfe mich aus dem Fenster." Irma legte ihr di« Hand auf den Mund und sah zum Fenster hin. Keine Gefahr! Die Kleine machte wilde Handbewegungen, und ihre Augen funkelten. Sie schien entschlossen zu sein, einen Skandal zu veranstalten. Vielleicht wollte sie sich gar zu Tode hungern? Irma fuhr nach Hause. Diese Besuche machten sie krank, aber heute kehtte sie fassungslos vor Groll zurück. Wie undankbar, wie ungerecht war das von ihrer Tochter. Sie war wirklich ein Ebenbild ihres Vaters. Dann wieder überkam sie tödliche Angst, sie könnte rettungslos verloren sein. Wochenlang hatte sie die Augen geschlossen und nicht auf Berthes Gerede gehört. Als sie aber, um Helene zu beruhigen, vor wenigen Minuten ihr die Hand auf Mund und Schultern gelegt hatte, war ihr, als berührte sie ein Skelett. Nichts als Haut und Knochen. Sie seufzte. Ihr konnte man keinen Vorwurf machen. Jeden Wunsch hatte sie der Kranken von den Augen abgelesen und ihn ohne Zögern erfüllt. Helene war eben ein seltsames, schwer zu behandelndes Menschenkind. Sie durchlebte eine, wahre Prüfungszeit. Ließ sie einmal einen Besuchstag aus, hörte sie vorwurfsvolle Fragen. Um ihnen zu entgehen, opferte sie ihre Ruhe und ging ins Krankenhaus. Und von den Freunden, die sie dort traf, hörte sie nur von Krankheiten und Operationen. Mein Gott, wenn sie das gewußt hätte... Sie war der Eingebung ihres mütterlichen Herzens gefolgt. Das Schicksal lohnte es ihr schlecht. Nur mit Wehmut konnte sie an ihre Pläne, an ihr früheres Glück denken. Ihr Mann hatte auch damals schon manches Donnerwetter gemacht. Jetzt aber zankten sie sich jeden Tag, denn Julien stand die Sache, wie er sich ausdrückte, bis obenhin. Man würde ja seines Lebens nicht mehr froh. Vor Helene und den Freunden spielte er den guten Familienvater. War er mtt ihr allein, ging's los. Er habe eine Kette am Bein, brummte er, das Mädel mache ihn verrückt mit seinen Launen und seinen Wünschen, die Aerzte mit immer neuen Fragen zu belästigen. Ein Glück, daß er die Leute kaum kenne. Irma mußte daran denken, wie er wohl Helenes neuesten Wunsch aufnehmen würde. Julien erschien gegen acht in bester Stimmung. Papa Adam hatte ihm einen glänzenden Tip für Longchamp gegeben, der Gaul auf „Platz" siebenhundett Franken gebracht. Dennoch war sie so vorsichtig, zu warten, bis er aufgegessen hatte. Er hörte sie an, ohne di« leiseste Ueberraschung zu äußern. AIS sie auSgeredet hatte, umarmte er sie. „Mach das, wie du willst, meine Dicke", sagte er. „Du glaubst, wir können sie wieder nach Hause nehmen?" stotterte sie. -„Bei einer solchen Krankheit spielt die seelische Verfassung eine große Rolle. Ich sorge dafür, daß du nicht in Gefahr kommst. Du darfst natürlich nicht bei ihr hocken. Lieber nehme ich eine Schwester." Er sagte Irma alles. Er hatte, von seiner Schwester vorberettet, Papa Adams Freund aufgesucht. Bei den ersten Worten hatte der Arzt sein Gesicht verzogen. Die Kleine glaubte sich geheilt und wollte fort? Schlechte- Zeichen. Julien wußte jetzt, woran er war. Es dauerte nicht mehr lange. Die Kameraden beruhigten ihn:„Die Krankheit nimmt ihren Verlauf." Sie hatten gut reden! Sie hatten ja das Mädel nicht auf dem Halse. Seit er regelmäßig ins Krankenhaus ging, aß er fast nichts mehr. Und wenn er einen Katarrh hatte, ängsttgte er sich. Er vernachlässigte sein Hotel, versäumte geschäftliche Verabredungen, büßte Geld ein und spielte Donnerstags nicht die gewohnte Pattie. Kurzum: dieser Meinen wegen, die ganz nett war, aber nicht mehr, dieses Mädels die Henleinleute und ihreKapis talisten-Hintermänner. Auch dieser Redner entwickelte dann die Grundzüge eineS konkreten Krisenprogramms und betonte die Zusammenarbeit der sozialisttschen Patteien. Lttder gab es auch bei dieser Kundgebung kleinere Störungsversuche eines Häufchens von Kommunisten, die aber durch die Ordner schnell liquidiert wurden. Nach 10 Uhr schloß der Borsitzende die Versammlung mit einem Appell zur weiteren Zusammenarbeit der arbeitenden Klass«. Militär Ins Teschener Gebiet? Die systematisch organisierten Ueberfälle von polnischer Seite auf tschechische Schulen im Teschener Gebiet haben in der tschechischen Oeffentlich- kcit eine große Erbitterung hervorgerufen. Wie das Abendblatt des„Prävo Lidu" mitteitt, werden zur Beruhigung der Bevölkerung mit größter Beschleunigung Teile des 8. Infanterieregimentes in der Stätte von etwa 800 Mann in das Teschener Grenzgebiet entsendet werden, die vorläufig in leerstehenden' Fabttken einquar- tiert werden sotten. Nach Miste! und Friedel seien leichte Artillerieabteilungen entsendet worden. Auch die Gendarmerieabteilungen und die Grenzfinanzwache sollen enffprechend verstärkt werden. Ungarischer Gewerkschaftskongreß Zahlreiche Auslandsgäste Aus Budapest wird uns geschrieben: Der ungarische Gewerkschaftsrat hat zu dem am 8. September beginnenden Gewerkschaftskongreß sowohl die Vertreter der einzelnen AuslandSgewett- schasten, als auch das Genfer Internationale Arbeitsamt eingeladen. Im Auftrage des Arbeitsamtes ist dessen Bizedirektor Arthur S t a a l bereits in Budapest eingetroffen, um die Beratungen deS Gewerkschaftskongresses mit Aufmettsam- keit zu verfolgen. Auch der Führer der französischen Arbeitergewettschasten Leon I o u h a u x, den der Internationale Gewerkschaftsverband delegierte, ist beretts in Budapest angekommen. Ihre Teilnahme an dem Kongreß haben bisher die Gewerkschaften von Belgien, derTschechoslo« w a k e i, von Dänematt, Holland, Jugoslawien und der Schweiz angemeldet. Rebellenschicksal 1935 Spanische Revolutionshelden verurteilt Leon. Das spanische Kriegsgericht verurteilte gestern mehrere Unteroffiziere sowie Soldaten des Regimentes, welches in Burgos garnisoniett ist. Wegen Meuterei. Ein Offizier, für den der Staatsanwalt die Todesstrafe verlangt hatte, wurde zu 20 Jahren Gefängnis verurteilt. Baldwin konferiert mit dem Kriegsminister London. Ministerpräsident Baldwin, der DonnerStag nach London zurückgekrhtt ist, hatte unmittelbar nach seiner Ankunft eine Reihe von Besprechungen mit den in London weilenden Ka- binettsmttgliedern und empfing u. a. de« K r i eg S: r in ist er, den Marineminister, den Minister für Luftfahrt sowie seinen Stellvertreter Maedonald. wegen waren allerhand Schwierigkeiten in sein Leben gekommen. Vor Irma nahm er sich noch zusammen, denn er sah, wie sie unter den Dingen litt, wie ihre Nerven nachließen. Sie mußte geschont werden, sonst klappte sie eines Tages zusammen. Seine Dicke! Freilich schnauzte er sie mitunter an. Aber das tat er nur, um sie aufzumuntern. Für sie würde er alles tun. Er liebte sie doch. Ihm war nicht Wohl bei dem Gedanken, wie sie Helenes Tod ertragen würde. Na, zum Glück war e„ noch nicht so weit. Vielleicht konnte man das Mädel noch retten. Jedenfalls würde er dafür sorgen, daß Helene schleunigst aus der Krankenhaus-Atmosphäre hin- auSkam. VI. Einige Tage darauf hielt in der Rue Bour- quin«in Krankenwagen. Julien, der vor der Türe gewattet hatte, eilte hinzu, um die Bahre mit anzufassen. Kein Spaß, die fünf Treppen hinauf! Oben war alles bereit. Helene brauchte nur ins Bett gelegt zu werden. Julien hatte den Salon für sie hergerichtet, und war sehr stolz auf das Arrangement. Statt der üppigen Luxusmöbel, die ihn sonst füllten, enthielt der Raum einen Küchentisch, zwei alte Stühle, und, dem Fenster, gegenüber,«inen Diwan. Als die Kleine zu Atem gekommen war, fragte er sie mit milder Stimme, ob sie zufrieden sei. Helene startte vor sich hin. Durch das weit geöffnete Fenster sah sie den wottenbcdeckten Himmel, Dächer, Schornsteine. Sie kannte datz Bild. Aber eS erschien ihr neu und weit, verglichen mit dem, das sie noch gestern gesehen hatte. „Jetzt geht's mir gut", flüsterte sie. (Fortsetzung folgt.) «t. 208 Freit»-, 6. September 1935 Seite 3 fudetendeutsdier Zcitspicgct Die Frauen gegen dieTeuerung Das Donnerstag in Prag tagende Frauenreichskomitee unserer Partei nahm nach eingehender Beratung einstimmig die nachstehende Resolution an: Das Frauenreichskomitee der deutschen sozialdemokratischen Arbeiterpartei verfolgt mit wachsender Besorgnis die ständig a n w a ch- sende Teuerung wichtiger Lebensbedürfnisse. Der Haushalt der Arbeiterfamilien, der infolge des ständigen Sinkens derLöhne ohnedies nur mit Mühe und unter schweren Entbehrungen aufrecht erhalten werden kann, der bei der furchtbaren Arbeitslosigkeit seit langem nurmehr auf den Erwerb einzelner, meist in Kurzarbeit stehender Familienmitglieder beruht, droht unter der Wucht der Teuerung vollends zusammenzubrechen. Fleisch ist im Arbeitkr- haushalt seit Jahren ein seltener Genust, die steigenden Fleischpreise machen den Massen der schlechtbezahlten Arbeiter und der Arbeitslosen den Fleischgenust überhaupt unmöglich. Die hochwertigen Fettstoffe sind für den Arbeiterhaushalt ganz und gar unerschwinglich» die bevorstehende Erschöpfung des Kunst« fettkontingentes droht ihn auch der minderwertigen Ersatzmittel zu berauben. Die Teuerung der Futtermittel beschwört die Gefahr einer Milchteuerung herauf und erfüllt die Frauen mit ernster Sorge um die Ernährung ihrer Kinder, zumal schon fetzt epidemische Erkrankungen wegen Unterernährung auftreten. Die schwache Kartoffelernte verteuert das wichtigste Ernährungsmittel des Arbeiters und zu alledem kommt noch die Verteuerung von Brot und Mehl. Das Frauenreichskomitee fordert angesichts dieser gefahrdrohenden Erscheinungen rasche und energische Hilfe. Die sozialdemokratischen Frauen sind fest überzeugt, daß die Partei alles daran setzen wird, um diese Hilfe zu schaffen. Das Frauenreichskomitee begrüstt die bereits gefastten Beschlüsse des Parteivorstandes und erklärt sich mit diesen Forderungen solidarisch. Das Komitee fordert alle Frauen auf, sich dem Kampfe für diese Forderungen anzuschliessen und alle Aktionen der Partei mit tatkräftiger Anteilnahme zu unterstützen. Wir rufen alle Frauen ans zum Kampf» für die Hebung der Konsomsähigkeit der breiten Massen, gegen di« Beeterung von Brot und Mehl, für di« ausreichende Versorgung des Konsums mit Kartoffeln» für die Oeffnung der Grenzen, für die Einfuhr von Fleisch und Fett, für di» Verbilligung der Futtermittel» für die Senkung der Kartellpreise, für ausreichend« Hilfe für dir Notstandsgebiet«, für die Verkürzung der Arbeitszeit, für rin« tatkräftige Exportförderung» für öffentlich« Arbritsbrschaffung. Die wachsende Verelendung des ganzen werktätigen Volkes, die ausweglos gewordene Krise des Kapitalismus, welche die Massen gleichzeitig mit der Masse der Arbeitslosigkeit und der Teuerung schlagen, must alle arbeitenden Frauen zusammenschweisten zumKampffür den Sozialismus, der allein Brot und Arbeit für alle gewährleisten kann. Sogar Hilgenreiner schüttelt den Kopf über die bedenklichen politischen Kapriolen Henleins, der sich doch bisher über mangelnde Ermunterung von christlichsozialer Seite nicht zu beklagen hatte. Voll väterlicher Besorgnis erhebt die »Deutsche Presse" gestern ihre Stimme, um den Turnlehrer vor der Fortsetzung seiner in Haida verkündeten Politik zu warnen. Zwar macht sie aus ihrer christlichen Nächstenliebe zu der.Volksgemeinschaft", deren reichsdeutsche Bruderpactei katholische Politiker in Konzentrationslager sperrt, kein Hehl, und erklärt klagend: „ES ist kaum fraglich, dast diese neue Taktik .., leider nicht den von Henlein gewünschten Erfolg haben wird", aber sie rafft sich doch immerhin dazu auf, einige der Gründ«, aus denen Henlein„leider" auf die politische Rutschbahn geraten ist, zu erwähnen: „Einem klaren kulturpolitischen Programm ist die Partei bisher ebenso ausgewichen wie einer Stellungnahme zu a u st e n« politischen Fragen." Hilgenreiner hat leicht, gute Ratschläge zu erteilen— dürfte sich Herr Henlein bei Lektüre dieser Keilen gedacht haben. Ein kulturpolitisches Programm must man halt erst haben, ehe mans verkünden kann, und das austenpolitische Programm meiner Partei besteht ja vor allem darin, dast man eS nicht verkünden kann. Oder sollte eS sich bei der Feststellung eines mangelnden Programms vielleicht gar um einen »Patentstritt" zwischen Henlein und Hilgenrciner handeln? Den Prozest dürfte Herr Hilgenreiner gewinnen, da es ihm keine Mühe machen wird zu beweisen, dast er die vorsichtige Diskretion in austenpolitischen Fragen schon seit langem, nicht eben erfolgreich, aber doch konsequent anwendet. Wo bleibt die Stellungnahme der»Deutschen Presse", wenn im Dritten Reich tausende im Konzentrationslager gefoltert,»auf der Flucht erschossen", in den SA-Kasernen totgeprügelt wurden? Herrn Hilgenreiners Mahnungen an Herrn Henlein sind gewiss ausserordentlich berechtigt— aber Hilgenreiner hätte sie mit dem gleichen Recht— an Hilgenreiner richten können. Lin Jahr Kerker für SA-Mitgliedschaft Pilsen. Dor dem Senat des Kreisgerichtes verantworteten sich am Dienstag zwei tschechoslowakische Staatsbürger deutscher Nationalität, und zwar Stephan Schimetschek aus Unterhütte bei Ronsperg und der 48jährige Arbeiter Michel Schwab aus Stadlern in Bauern, die angeklagt sind, in Bayern sich der SA zwecks Anschlägen gegen die Tschechoslowakische Republik angeschlossen zu haben. Die Angeklagten verteidigten sich damit, dast sie ledigtlich der deutschen Arbeitsfront angehörten, welche Organisation mit der SA nicht in Verbindung stehe. Nach den Aussagen des Ober- Gendarmeriewachtmeisters Radovsky haben ihm gegenüber jedoch beide zugegeben, Mitglied der bayrischen SA gewesen zu sein und gewusst zu haben, dast die Kugehörigkeit zu dieser Organisation in der Tschechoslowakei wegen antistaat licher Tätigkeit verboten ist. Dagegen erwähnten sie überhaupt nicht, Mitglied der Arbeitsfront gewesen zu sein. Beide Angeklagten wurden auf Grund des Gesetzes zum Schutze der Republik zu je einem Jahr schweren Kerkers, verschärft durch Fasten einmal im Monat, verurteilt. Die Arbeitslosigkeit im August Etwas geringer als im Vorjahre Soeben wird die Entwicklung des Arbeitsmarktes im Monat August 1835 bekannt. Danach ist die Anzahl der bei den Arbeitsvermittlungsanstalten gemeldeten nicht untergebrachten Stellenbewerbern, die am 31. Juli 1935 566.559 betrug, bis zum 31, August auf 556.320 zurückgegangen. Der Rückgang beträgt also 10.239 Personen, das sind 1.8 Prozent, wobei der Anteil der verschiedenen Länder an diesem Rückgang verschieden ist. So ist in Böhmen die Arbeitslosigkeit im Monat August um 1.2 Prozent, in Mähren-Schlesien um 3.3 Prozent, in der Slowakei um 0.7 Prozent und in Karpathorußland um 5.3 Prozent zurückgegangen. In Nordböhmen ist die Zahl der Arbeitslosen Heuer von 114.117 auf 112.883 aekunken, während sie im Vorjahr von 115.752 auf 116.362 gestiegen war. Im Vergleich mit dem August des Vorjahres ist die Entwicklung im heurigen Jahre nicht ungünstig. Im Jahre 1934 betrug nämlich die Anzahl der Arbeitslosen am 31. Juli 569.450, am 31. August aber 572.428. Während also im August 1934 die Zahl der Arbeitslosen zugenommen hat, bat sie im heurigen August wie oben gezeigt wurde, abaenommen. Im Vergleich mit dem 31. August 1934 ist die Zahl der Arbeitslosen Heuer um 16.108 Personen also um 2.8 Prozent geringer, als im Vorjahre. Eine geringfügige Besserung ist also zweifellos eingetreten. Allerdings betrifft diese Besserung nicht alle Bezirke. So ist im Karlsbader und Reichenberger Bezirk die Arbeitslosigkeit Heuer zum 31. August grösser als in derselben Zeit des Vorjahres, die Zahl der Arbeitslosen ist in dieser Zeit im Karlsbader Bezirk von 11.053 auf 11.886 und im Reichenberger Bezirk von 10.808 auf 10.823 gestiegen. Zurückgegangen ist dagegen die Arbeitslosigkeit in den Bezirken Böbmisch-Leipa fin diesem Bezirk besonders stark nämlich von 8027 auf 4754) Asch, Friedland. Braunau, Graslid, El- bogen, Rumburg, Tcvlib-Schönau, Trautenau, Aussig und Warnsdorf. Jrt Mähren-Schlesiens Jägerndorf, Mährisch-Trübau, Troppau, Schönbergs Wozu braucht die Bauernreiterei Militärkarabiner? Das Zrntralorgan der Tschechischklerikalen beschwert sich, datz die agrarische Bauernreiterei in der letzten Zeit bei ihren öffentlichen Hebungen nun schon mit Militärkarabinern auftrete, wie sie die Kavallerie verwendet. Aus mehreren Orten liegen sichere Meldungen vor, dast die Bauernreiterei auf Militärschiehstätten i m Scharfschiessen ausgebildet wird. Das Blatt fragt, wer für diese militärische Ausrüstung der Bauernreitcrei sowie dafür, dass die Waffen missbraucht werden, die Verantwortung übernimmt. Es sei höchste Zeit, dieses Hasardspiel einzustellen und eine derartige»Vorbereitung zur Wehrhaftigkeit" bleiben zu lassen. Beratungen der SASI Im Prager Bolkshause fand Donnerstag eine Sitzung der Exekutive der Sozialistischen Arbeiter-Sport-Internationale statt, welche sich neben anderen Fragen auch mit dem Sportverkehr mit sowjetrussischen Sportlern, mit der Berliner Olympiade und mit der für 1937 projektierten Arbeiter-Olympiade in Antwerpen befaßte. Heute sollen die Delegierten der SASI mit den Vertretern der Moskauer Roten Sport- Internationale zusammentreten, um in den Verhandlungen über einige gemeinsame Aktionen und über die früher bereits besprochenen Angelegenheiten fortzufahren. Ueber beide Beratungen werden wir noch berichten. Schacht stößt vor Im Bunde mH der Reichswehr Berlin, lEigenbericht.) Das Bestreben des Reichsbankdirektors und Reichswirtschaftsmini- sters Dr. Hjalmar Schacht, die Regierung des Dritten Reiches völlig unter die Vormundschaft der von ihm repräsentierten Finanz- und Wirtschaftsmächte zu bringen, und zu diesem Zwecke die nach dem Blutbad vom 30. Juni 1934 noch in der NSDAP befindlichen„Radikalen" zu beseitigen, wird seit der Rede Schachts bei der Königsberger Ostmesse immer lebhafter. Schacht scheint vor allem bemüht, Hitler noch vor dem Nürnberger Parteitag mit dem Hinweis auf die Notwendigkest einer Ausländsanleihe unter Druck zu setzen, für die das Abstoppen der antisemitischen Kampagne» der scheinsozialistischen Exzesse und der mit ihr verbundenen wirtschaftlichen Störungen Voraussetzung wäre. Die Rückberufung des einst von Goebbels'„Angriff" angeprangerten und von der Gestapo in Schutzhaft genommenen Reichsbankrats Koppen zeigt deutlich, wie weit sich Schacht bereits vorwagen kann, lieber einen anderen Vorstoss Schachts berichtet der Berliner Korrespondent der Londoner„Times": Dr. Schacht hab« der„Reichskulturkammer" das Aufsichtsrecht über alle bisher in ihrem Machtbereich befindlichen WirtschaftSunternchmungen, insbesondere also über alle Buch- und Kunsthandlungen abgenom- men und sie dem Reichswirtschaftsministerium unterstellt, um sie vor der Anwendung des Arierparagraphen zu schützen, der 80 P r o z e n t aller reichsdeutschen Kun st- Händler bedroht. Heber die Hintergründe dieser Massnahme berichten die„Times", dast Dr. Schacht wenige Tage nach seiner Königsberger Rede einen Besuchbei Hitler in München gemacht habe, und zwar in Begleitung des Reichswehrministers Blomberg, der nach ver Versetzung des Generalmajors Reichenau zum offenen Verbündeten Schachts ge- ! worden zu sein scheint. Wie Menelik die Italiener schlug Bilder vom abessinischen Freiheitskampf des Jahres 1896 Die Welt ist in Gefahr, durch den italienischabessinischen Konflikt wieder in Brand zu geraten. Ueber den internationalen Verwicklungen, die dadurch entstanden sind, vergißt man allzu leicht das Volk, das das Opfer des italienischen Kolonialhungers sein wird. Vielleicht werden wir schon in den nächsten Wochen von Kämpfen zwischen italienischen und abessinischen Truppen hören. Diese Kämpfe hatten einen Vorläufer, als im Jahre 1896 Menelik der Zweite die in Abessinien eingefallenen Italiener besiegte. Die Erzählung von dieser Schlacht, die kaum vierzig Jahre zurücklikgt. mutet uns heute altertümlich und ein wenig naiv an— so weit haben wir es in der modernen Kriegführung gebracht. Und doch ist der Freiheitswille eines Volkes— wie der einer Gesellschaftsklasse— ein Faktor, den man auch im Zeitalter der Flugzeuge und Tanks berücksichtigen muß. • Addis Abeba im Jcchre 1896. In der abessinischen Hauptstadt herrscht Panikstimmung. Seit Monaten sind die schlimmsten Gerüchte über di« Italiener im nahen Erythräa in Umlauf, und jeden Tag treffen Flüchtlinge aus den Grenzgebieten, ja ganze Stämme in der Hauptstadt ein. Die Häuptlinge wissen nicht, auf welche Seite sie sich schlagen sollen. Noch wenige Wochen, und der italienische General Baratrieri, Gouverneur von Erythräa, wird kampflos das abessinische Land be setzen können, das sich in Unruhe selbst verzehrt. Da beschließt Menelik zu handeln. Menelik der Zweite, Ncgus Negusti, der „König der Könige"» war ein erprobter Krieger. Sieben Fahre hatte er gegen die Intrigen der Ras (Barone) um seinen Thron kämpfen müssen. FL» ihn galt eS, die Italiener zur Offensive zu zwingen, solange er ihnen noch Widerstand entgegensetzen könnte. Er ließ seine Spione von den Italienern abfangen, die berichteten, daß die Armee Meneliks nur 30.000 Mann zähle. Die abessinischen Barone würden dem König nicht Gefolgschaft leisten, hieß es dann. Und Menelik selbst, der gefürchtete Menelik, sei vom Blitz getroffen; er habe die Sprache verloren. Bald hieß es, er sei getötet. Diese Gerüchte verfehlten ihre Wirkung nicht. Baratrieri ließ dem Ras Maconnen, der angeblich Menelik die Gefolgschaft verweigert hatte, modernes Kriegsmaterial übersenden, mit dem dann das abessinische Heer ausgerüstet wurde.,. Und doch zögerte Baratrieri. Er selbst hatte 12.000 Mann zur Verfügung und hatte Verstärkung auS Italien angefordert. Aber auf seine Bitte kam aus Rom die lakonische Antwort Cri- spiS:„Napoleon führte seine Kriege mit dem Gelde der Besiegten!" So entschloß sich Baratrieri,-durch die Nachricht vom Tode Meneliks ermutigt, zum Angriff. » Damals'gab er in Abessinien fast gar keine Dörfer. Die Italiener hatten keine genaue Kenntnis des Landes, und die gebirgige Gegend in der Nähe von Adua, in der Wälder von wilden Olivenbäumen und Mimosen die Orientierung erschwerten, ließ di« Italiener bald die Richtung verlieren. Am Mend des letzten Febertages gab Baratrieri dem Kommandeur seines linken Flügels, Albertone, den Befehl, den„Kidane Meret" genannten Hügel zu besetzen. Er wußte nicht, daß die Eingeborenen zwei verschiedene Hügel mit diesem Namen bezeichneten. Die Nacht machte jede? Vordringen im tropischen Urwald unmöglich. Am frühen Morgen des 1. März meldeten die Wachtposten, datz rings im Walde Gestalten gesichtet waren, deren Verfolgung aber im Gewirr des Urwaldes unmöglich war. War man schon umzingelt? Nach einigen Stunden kamen die Italiener endlich an das Ende des Waldes. Jetzt mutzte Baratrieri feststellcn, datz sein linker Flügel ungeschützt war: Albcrtone hatte den falschen Hügel besetzt und war isoliert. Seine Abteilung war von 15.000 Abessiniern einfach über den Haufen gerannt worden. Und die Hauptarmee war ungeschützt! Dann begann die Attacke der Abessinier. In der Form des zunehmenden Mondes rückten di« Truppen Meneliks, die mehrmals so stark waren, als man Baratrieri gemeldet halt«, gegen den Feind vor. An der Spitze ritt der Ras Maconnen, Italiens falscher Freund, und an der Spitze der Nachhut Menelik selbst, bärtig, in seinem goldglänzenden KriegSgewande, zu seiner Seite die Kaiserin Taitu. Als die Schlacht beginnt, begibt sich Menelik in die koptische Kirche, um vor dem Altar des drachentötenden KriegSgotteS für den Sieg zu beten. Die Italiener haben zunächst alle Vorteile des modern ausgerüsteten Heeres. Aber die Abes« sienier kämpfen mit übermenschlichem Mut, al» suchten sie alle den Tod in der Schlacht. Wenn ganze Abteilungen unter dem feindlichen Feuer zusammengeschossen sind, kommen neue Truppen und nehmen ihren Platz. Ein italienisches Regiment, das aus Kolonialsoldaten besteht, ergreift die Flucht. * Die Abessinier treiben den Feind in eine sumpfige Gegend, in der sie selbst ohne Schwierigkeiten kämpfen können, tvährend die Italiener, von der sengenden Mittagssonne ermüdet, allmählich den Widerstand aufgeben. Bon einem nahen Hügel schießen Eingeborene auf den Feind hinunter.. Ein Alpenjäger-Bataillon, das zur Erstürmung des Hügels angesetzt wird, wird vollständig aufgerieben. Baratrieri versucht noch einen letzten Angriff. Dann sattelt er seinen Maulesel und gibt das Zeichen zum Rückzug. Aber die Abessinier haben beschlossen, den verhaßten Eindringling ganz zu vernichten. Mit dem Kriegsruf:„Ebalgumehl Ebalgumeh!" (Mäht sie nieder!) folgen sie dem Feind. * Nur mit Mühe entgeht Baratrieri den Verfolgern. Als er später in die Heimat zurückkehrt, ist er ein unpopulärer Mann geworden. Die Italiener hatten 3000 Tote und 1500 Verwundete. Die Abessinier konnten ihre Verwundeten kaum zählen. Die Zahl ihrer Toten betrug 7000. Are Verluste waren viel grösser als die des Feindes— aber sie hatten ihre Freiheit erfolgreich verteidigt. P. R. Seife 4 Freitag, 8. SchkenGer 1935 Nr. 208 Hitlers Leibstandarte Aus Berlin wird dem„Neuen Vorwärts" Wer die Leibstairdarte, die persönliche Sicherheitswache Hitlers, folgendes berichtet: Kaserniert ist die Leibstandarte in Lichterfelde. Sie ist 600 Mann stark. Ausgerüstet sind alle Mitglieder der Standarte mit den besten Waffen aller Sorten. Pistolen sind von ausgesuchtester Qualität» leichte und schwere MG, Gaswerfer, Flammenwerfer, Sprengmaterial, modernste Kleinlöscher für Brandfälle usw. dienen zur Bewaffnung und sind als Material für die Leibwache zur Stelle. Der Leibstandarte stehen besondere Flugzeuge zur Verfügung, ebenso besonders dazu gebaute Begleitautos, die 20 Personen fassen. Die Leute der Leibstandarte haben sämtlich die Befugnisse der Gestapobeamten. Sie können Verhaftungen, Durchsuchungen usw. selbständig vornehmen. Es stehen ihnen sämtliche Verkehrsmittel gratis zur Verfügung. Verlässt ein Mann der Standarte die Kaserne, hat er genau anzugeben, wohin er sich begibt und wie lange er sich an den einzelnen Stellen aufhält. Bekommt er Urlaub ausserhalb Berlins, hat er sich im Ort seines Ziels sofort beim höchsten örtlichen Polizeibeamten zu melden und seine genaue Adresse zu hinterlassen. Wird er eilig zurückgerufen und ist die Entfernung verhältnismässig gross, mutz ihm ein Flugzeug gestellt werden. In der Reichskanzlei ist eine ständige Wache von 80 Mann der Leibstandarte. Gebäude und Garten werden auf das schärfste bewacht. Für die Reichskanzlei ist auch eine unterirdische Bewachung eingerichtet. Ist Hitler auf Fahrt im Auto, dann begleiten ihn vier Wagen mit je 20 Mann. Ausserdem folgt in einiger Entfernung noch ein grosser Polizeiwagen mit allen möglichen Ret- tungs- und medizinischen Geräten. Der Huck der Sterilisationen AP. In der„Münchener Medizinischen Wochenschrift" schildert der Krankenhausdirektor Dr. Stark seine Erfahrungen bei ca. 100 Sterilisierungsoperationen an Frauen. Er habe Fälle gesehen vom Herumwälzen der operierten Frauen bis zum Herausspringen aus den Betten, s ch w cren Tobsuchtsanfällen, Herunterreissen des Verbandes, Verschmieren der Wunden mit Kot, Weinen und Schreien. Als Folgen seien wiederholt schwere Bauchbrüche und Verwachsungen der inneren Organe aufgetreten. Prof. Stöckel aus Berlin gibt zu, dass Todesfälle nicht selten seien, und Prof. Gauss von der Würzburger Universitätsllinik berichtet, dass die operative Abteilung der Anstalt den Charakter einer psychiatrischen Klinik bekommen habe, mit blöde einhergehendcn Menschen in vergitterten Räumen, unruhigen und tobenden Kranken, die künstlich ernährt werden muhten. Das Rüstungsfleber AP. Deutschland hat in den ersten sieben Monaten dieses Jahres 13.288 Flaschen Quecksilber gegen 11.200 in der gleichen Zeit des Vorjahres bezogen. Dabei bedeutete schon 1934 eine Rekordeinfuhr und eine Verdoppelung gegen früher'. Ausserdem mutz man in Betracht ziehen, dass ein Verbot in Deutschland erlassen wurde, Oueeksilber zur Herstellung von Spielzeug, Thermometern usw. zu verwenden. Natürlich sind diese steigenden Importe auf den Bedarf der Rüst u n g s i n d u st r i e(Anstrich der Kriegsschiffe gegen das Ansetzen von Algen und Schnek- ken sowie vor allem Herstellung von hochbrisanten Sprengstoffen) zurückzuführen. Gewissenskonflikt Düsseldorf. Die hiesigen Behörden haben der Geistlichkeit untersagt, beim Religionsunterricht Propaganda für die unabhängige Jugendorganisation zu treiben. Mit Rücksicht auf dieses Verbot geraten die Priester mit dein Gebot der Dischofskonferenz von Fulda in Konflikt. Chertoks Konzession unwesentlich Washington. Staatssekretär Hüll gab bekannt, dass das Staatsdepartement eine Untersuchung über Chertoks abessinische Konzession angeordnet habe, daß aber den bisherigen Nach- forschungen zufolge diese Konzession, verglichen mit der rückgängig gemachten Standard-Oil-Kon- zession, recht unwichtig erscheine und die Haltung der Vereinigten Staaten gegenüber Italien und Abessinien keineswegs beeinflusse. Spanien unterirdisch... Madrid. Zahlreiche Zwischenfälle in den letzten Tagen lassen darauf schliessen, dass die Linke in Spanien sich von neuem rührt. Der Zivilgouverneur von Saragossa teilte mit, dass eine sozialistische Geheimversammlung aufgcdeckt wurde; 34 namhafte Teilnehmer wurden verhaftet. In der Versammlung sollten über eine Agitations- und Unruhe-Kampagne'in Spanien Beschlüsse gefaßt werden. In Barcelona wurde ein umfangreiches Waffenlager beschlagnahmt, das die spemischen Anarchisten den kata- lonischen Separatisten nach ihrer Niederlage im vergangenen Oktober abgekauft hatten. Verhaftungen In Berlin wegen des U-Bahn-Einsturzes Berlin.(Deutsches Nachrichtenbüro.) Wie seinerzeit bereits bekannt geworden ist, hat die Staatsanwaltschaft unmittelbar nach dem Einsturzin der Hermann Göring-Straße, der msgesamt 19 Todesopfer gefordert hat» die Ermittlungen über eine etwaige Schuldfrage eingeleitet. Dir Untersuchung über die Ursachvn des Einsturz-Unglückes ist inzwischen bereits soweit gediehen, daß auf Veranlassung der Staatsanwaltschaft heute Haftbefehle gegen folgende Personen erlassen und vollstreckt worden sind: Direktor Hugo Hoffmann von der Der- linische« Bangesellschaft m. b. H.; Jng. Josef Karl Rath, technischer Sachbearbeiter der Berlinischen Bangesellschaft m. b. H.: Bauleiter dipl. Jng. Fritz Roth; Reichsbahnrat Wilhelm Weiher. Den Festgenommenen wird fahrlässige Tötung zur Last gelegt, die darin erblickt wird, daß bei der Ausführung des Baurs grobe Verstöße gegen amerkaimtr Regeln der Baukunst vorgekommen sind und daß die Genannten in erster Linie die Verantwortung dafür zu tragen haben. Mit dem abschließenden Sachverständigen- Gutachten dürfte in etwa einer Woche zu rechnen sein. Die Berliner Presse schreibt zu den Verhaftungen, dass den Festgenommenen fahrlässige Tötung zur Last gelegt werde, ein Vergehen, das mit einer Höchststrafe von fünf Jahren Gefängnis bedroht ist. Heute Abschluß der Manöver Die Roten weiter im Angriff Rakovnik. Der von Artillerie unterstützte Angriff der Roten auf die Verteidigungsstellungen der Blauen führte nach erbitterten Kämpfen zu Erfolgen und der Durclsiiruch der Positionen an einigen stellen veranlasste die Blauen zu weiterem Rückzug. Am Mittwoch echends hatte sich die Front auf der Linie Saaz— H oro- s e d l— Woratschen stabilisiert. Am Donnerstag beschloss der Kommandant der Roten, den Angriff in der Richtung aus Rev- nicov fortzusetzen. Im Raume südwestlich von MutLjovice war beim Vordringen in das Kuloir von Revnicov die Front sehr bewegt. Auf Seiten der Blauen konnte man bereits seit dem frühen Morgen die Absicht erkennen, sich aufs hartnäckigste gegen einen weiteren Druck des Feindes zu wehren. In den Nachmittagsstunden ist in der Nähe von L i s a n y und Luznä Kanonendonner zu vernehmen. Es handelt sich um Geschütze der Blauen, die in voller Tätigkeit sind. Am Donnerstag nachmittags oder spätestens am Freitag beim Morgengrauen dürfte die Entscheidungsschlacht beginnen. In den Vormittagsstunden des Freitag werden die Manöver abgeblasen werden. Am Nachmittag des gleichen Tages wird Minister für Natioiiaiverteidigung Machnik eine Defilie- xung der Manüvereinheiten in Saaz abnehmen. Feuergefecht mit Streikbrechern New Aork. Im Fabriksviertel von Pelzer in Südcarolina kam es Montag zu blutigen Streikunruhen. Ende der Woche war die Nationalgarde, die seit fünf Wochen die Streikbrecher in den vom Streik betroffenen Textilwerken schützte, zurückgezogen worden. Montag gingen daraufhin die Streikenden gegen die Streikbrecher vor. Es kam zu einem regelrechten Feuergefecht, wobei eine Frau getötet und 22 weitere Personen verwundet wurden. Der Gouverneur hat den Belagerungszustand erklärt. Deutsche Justiz Berlin. In Heidelberg ist ein 49jähriger Angeklagter zu einem Jahr Gefängnis verurteilt worden, weil er Reklamezettel einer grossen Firma auf der Rückseite mit Beschimpfungen gegen den Führer und andere Persönlichkeiten beschrieben und in her Gegend von Dillsburg überall verbreitet hatte. Wie bekannt, ist seinerzeit der Redakteur einer Berliner Zeitung, Schwerdtfeger, verhaftet worden, weil er die in den Presscbespre- ckiungcn erteilten vertraulichen Anweisungen des Propagandaministeriums an eine französische Nachrichtenagentur für 50 Mark monatlich verkauft hatte. Eine Korrespondenz meldet, dass Schwerdtfeger vom Volksgerichte zum Tode verurteil t und dass dieses Urteil bereits voll st reckt worden sei. Die Nachricht von der Hinrichtung Schwerdt- fegers ist bereits vor ungefähr einem Monat durch die ausländische Presse gegangen, wurde aber damals dementiert. Ob die neuerliche Meldung von der Hinrichtung Schwerdtfegers auf Wahrheit beruht, lässt sich vorläufig nicht feststellen. Die Korrespondenz, welche die Nachricht jetzt verbreitet, ist wenig bekannt. Das Arbeitsgericht in Beuchen hat entschieden, dass die Nichterweisung des deutschen Grusses zur fristlosenEntlassung berechtige, denn das Ansehen der Gefolgschaft werde dadurch geschädigt. 12.000 Kilo Stawiski-Akten Im November Prozeßvegin» Paris. Am 4. November beginnt vor dem Pariser Schwurgericht der Stawiski-Prozetz, der wahrscheinlich mehrere Wochen, wenn nicht Monate dauern wird. Zum Stawiski-Fall sind nicht weniger als 50.000 Schriftstücke zusammen getragen worden, von denen einige über 400 Schreibmaschinenseitcn stark sind. Um sich ein ungefähres Bild von dem Umfang dieser Akten zu machen, sei darauf hingewiesen, dass sie nicht weniger als 12 Tonnen wiegen, d. h. drei schwere Lastkraftwagen füllen Würden. M „Gott strafe England!"— wieder modern. Der italienische Futuristenführer M a ritt e t t i veröffentlicht in der„Gazetta del Po- Polo" einen flammenden futuristischen Aufruf an alle Italiener,„sich von englischen Sittenzubefreien, keinen Tee zu trinken, den Zylinder als die Uniform der Skla- ven der kretinisierten Mondänität äbzulegen, den Snobismus zu fliehen und das Golf- spiel zu meiden, das glattrasierte Gc- sicht als Ersatz für Persönlichkeit, die kleine Pfeife als Surrogat für Gedanken, den Puritanismus und die Indifferenz gegenüber den Frauen, die einen Freibrief für sexuelle Anormalität bedeute, schliesslich auch das Bridge- Spiel und das übertrieben konservative Festhalten an überlebten Gepflogenheiten und Traditionen, das die Engländer mitsamt London zu Fossilien mache, ebenfalls abzulegen. Der Aufruf schließt mit der Aufforderung, die Italiener mögen die kräftige, lebendige, fruchtbare italienisch-afrikanische Sonne mit Mussolini- schem Schwung den Engländern aufprägen." — Mit Wilhelminischem Schwung hat man Aehnliches schon gehört. Aber das ist immerhin schon zwanzig Lahre her und Mussolinis arri- vierte Mcinungsschliefcrln können die nächste eiserne Zett kaum noch erwarten. Aber, Recht hat er, der Futurist des Duce: was braucht der Italiener an Tee, sett er sich mit Rhizinusöl autark gemacht hat; und wer das schwarze Sllavenhemd des FascismuS trägt, kann in der Tat des Zylinders als Uniform der Sllaven entraten. Der Präsident der Republik empfing am Donnerstag den Minister für Nationalverteidigung M a ch n i k, der aus dem Manöverbereich in Westböhmen in Läny eintraf. Hopfenabkommen um ein weiteres Jahr verlängert. Durch Notenaustausch vom 13. August 1935, wurde das Hopfcnabkommen zwischen der tschechoslowakischen und der deutschen Regierung um ein weiteres Jahr, das ist bis zum 31. August 1936, verlängert. Damit wird für tschechoslowakischen Hopfen auch weiterhin der ermässigte Zollsatz von 70 Mark per 100 Kilogramm, sowie die wohlwollende Erledigung von Gesuchen um Einfuhr dieses Hopfens nach Deutschland garantiert. Dieses Zusatzäbkonunen, das durch die Regierungsverordnung Nr. 181 vom 27.»August 1935 jn Gültigkeit getreten ist, wurde üunmehr von der Regierung den beiden Kammern der Nationalversammlung zur verfassungsmässigen Behandlung unterbreitet. 155 falsche 10 XL-Stücke. Donnerstag abends wurde in Fischern bei Karlsbad von der Karlsbader Staatspolizei der im Jahre 1903 geborene Chauffeur und Mechaniker Josef Schönbach verhaftet, in dessen Besitze sich 155 Stück falsche 10-Kronenstücke befanden.. Es handelt sich um ausgezeichnet durchgeführte Jmita- tionen, die sich nur durch einen bläulichen Schimmer und einen etwas dumpferen Klang unterscheiden. Schönbach gab bei dem Verhöre an, die falschen Münzen von einem unbekannttn Manne in Turn bei Teplitz erhalten und für sie 400 XL bezahlt zu haben. Da in der letzten Zeit in Nordwestböhmen, und Vox allem auch im Karlsbader Gebiete, sehr viele dieser Falsifikate verbreitet worden sind, glaubt man, durch die Verhaftung Schönbachs den ersten Schritt zur Entdeckung der Falschmünzerwerkstätte getan zu haben. Mordanschlag auf Frau und Tochter. Mittwoch abends erschoss nach^nem Streite der Arbeitslose Michal, H a s i L in Uzhorod seine Gattin Paula. Hierauf richtete er die Waffe gegen seine 17jährige Tochter Jolan, die er durch einen Schuß in den Bauch schwer verwundete. Nach der furchtbaren Tat streifte HasiL die ganze Nacht durch die Stadt. Frühmorgens wurde er verhaftet. Rouffeaus Urenkel stirbt 101 Jahre alt. Jn Wien ist dieser Tage der 101jährige Musiker Thomas Ruso gestorben. Er behauptet ein Nach- Henri Barbusse/ Erhebung Roman eine* Fliegers Der grosse revolutionäre Dichter läßt unS in diesem Werk die Abenteuer der Technik und die Wunder des Weltenraumes erlebe» und kündet das Gesetz einer neuen Gesellschaftsordnung. Preis in Ganzleinen XL 16.—. Zu beziehen durch die Zentralstelle für das Bildungswesrn, Prag XU., Slezska 13. komme Rousseaus zu sein. Seine Vorfahren waren frühzeitig nach Oesterreich gekonunen, wo sie bei dem Grafen Seilern im Waldviertel ausgenommen wurden. Thomas Ruso war bis vor Jahresfrist rüstig. Erdbeben in Belgrad. Dienstag abends wurde in B e l g r a d ein starkes Erdbeben verspürt, das fast 11 Minuten andauerte. Acht Arbeiter vom Blitz getroffen. Bei einem heftigen Gewitter schlug Mittwoch abends der Blitz unweit des Dorfes Meden in Südholland in einen Holzschuppen ein, wobei acht Arbeiter» welche dort Zuflucht vor dem Unwetter gesucht hatten, vom Blitze getroffen wurden. Drei von ihnen waren auf der Stelle tot, die anderen erlitten schwere Brandverletzungcn. Ei» Truppentransport verunglückt. Auf der polnischen Bahnstation Wierzchuzin bei Bromberg stiessen Donnerstag vormittags zwei Lastzüge zusammen, von denen der eine Soldaten von den Manövern zurücktransportierte. Durch den Zusammenstoss wurden die beiden Lokomotiven und sieben Waggons der beiden Züge gänzlich vernichtet. 12 Soldaten erlitten meist schwere, vier Personen der Zugsbegleitung leichtere Verletzungen. 500 Todesopfer eines Wirbelsturmes. Bei dein katastrophalen Tornado, der Florida und hie nahen Inseln verwüstete, haben auf der Insel Matecumbe allein etwa 500 Personen ihr Leben eingebützt. Die Flugzeuge, welche über dem verwüsteten Gebiete flogen, teilen mit, dass überall Trümmer und Körper von Toten zu sehen sind. Die Eisenbahnstrecken-wurden überschwemmt und die Strassen zerstört. Die Schäden betragen vier Mill. Dollar. Jn Tampa allein wird der Schaden auf 1 Million Dollars geschätzt. Jn vielen Gegenden wurde die gesamte Feldernte vernichtet. Wer hat Mustafa KrmalS Taschenuhr? Die türkische Gesellschaft für historisches Studium bietet eine erhebliche Belohnung demjenigen an- der die Uhr herbeischafft, die Mustafa Kemal Atatürk (gegenwärtig Präsident der Türkischen Republik) im Weltkriege an der Dardanellenfront getragen hat. Diese Uhr fing, wie durch ein Wunder, eine gegnerische Kugel auf und rettete so Mustafa Kemal das Leben. Der Deutsche General Freiherr Liman-Sanders, der Kommandant dieser Front, bat damals Mustafa Kemal um diese Uhr als Andenken. Als Sanders starb, wandte sich die türkische Gesellschaft für historisches Studium an seine Witwe, die erklärte, dass dieses werwolle Andenken verloren gegangen sei. Chinesischer Alltag. Ein zwischen Kau- pantzen und Peitschen in der Provinz Mulden verkehrender Omnibus wurde von mehr als 100 chinesischen Freischärlern Werfallen. Hiebei wurde der Chef der Miliz von Kaupantzen getötet. Die Freischärler nahmen als Geisseln zehn Fcchrgäste mit, darunter drei Japaner. Die Ausflugssondcrzüge ins Rieseugebirge vom 7. bis 15. September nach Spindlermühle für XL 370.—(alles inbegriffen), sowie der Zug vom 7. bis 19. September nach Karpathenrussland für KL 560.— sind gesichert. Die Fahrkarten werden am Samstag vormittags ausgcgeben. Anmeldungen werden noch entgegengenommen im Bazar neben dem Wilsonbahnhof. Tel. 383-35. Unbeständig mit Regenschauern. Bei anhaltendem Zufluss kühler Lust'aus dem Westen herrscht im Binnenlande unbeständiges Wetter mit Regenschauern. Jn Sachsen wurden Donnerstag nachmittags nach Gewittern bloss 11 bis 12 Grad verzeichnet; später traten auch in West- und Nordböhmen Gewitter auf. Jn unseren Gegenden hatten am Donnerstag nur mehr die Ostflowakei und Karpathenrussland Temperaturen über 20 Grad. Schönes Wetter mit Temperaturen um 30 Grad bleibt auf das Mittelmeergebiet und die Balkanhalbinsel be- schränst.— Wahrscheinliches Wetter von heute: Noch unbeständig und vorwiegend bewölkt, strichweise Regen, erst später im Westen Abnahme der Niederschlagsneigung. Jn den böhmischen Ländern Temperatur wenig verändert, im Karpathengebiet weitere Abkühlung. Wind aus westlichen Richtungen.— Wetteraussichten für Samstag: Nur sehr langsame Besserung vom Südwesten her; im Karpathengebiet noch unbeständig. Vom Rundfunk aus den Programmen! Samstag: Prag, Sender L: 10.05: Deutsche Presse. 12.10: Schallplatten, 16.30: Dvorsky und seine Me« lody bohs spielen zum Tanz, 18: Schallplatte»: Aus der Revue„Der Esel und der Schatten" gesungen von Boskovec und Werich, 19: Deutsche Sendung: Dichterstunde, 18.35: Heimkehr aus der Böhmerwald-Sommerfrische, 18.55: Sporworschau, 19: Deutsche Presse. Sender S: 7.30: Leichte Musik, 14.10: Deutsche Sendung: Arien aus selten gehörten Opern.— Brün« 17.40: Deutsche Sendung: Joh. Strauss: Wiener Blut.— Mährisch-Ostra» 11: Schallplatte«. Nr. 208 Kreit«-, S. September 1935 Seite. 8 GEDENKET bei affen Anlässen der Arbeiterfürsorge! Die nationalsozialistischen Umtriebe in Rumänien AP. Die Erregung in Rumänien über die nationalsozialistischen Umtriebe ist groß. Um so dankbarer erkennt man in der Oeffentlichkeit an, daß die Regierung scharf zugepackt hat, ohne lange zu fackeln. Man Weitz, datz Berlin in Rumänien alle Register zieht. Und es ist auch nicht so schwer zu erkennen, warum dies geschieht. Der rumänisch-russische Pakt, der erst den tschechoslowakischrussischen Pakt abrundet und wirksam macht, ist für die Berliner Wilhelmstratze ein unverdauer- licher Biffen. Tolle Einzelheiten sind angesichts der Ausweisung des deutschen Journalisten Friedrich Weber ans Tageslicht gekommen. Weber betrieb seine Tätigkeit unter dem schützenden Deckmantel seines Korrespondentenberufs. Die Wut der Nationalsozialisten über seine Ausweisung kommt nicht von ungefähr. Man weitz in Berlin, wie wichtig der Mann war. Weber verfügte über bedeutende Fonds. Eine Menge politischer Gruppen und Zeitungen erschien plötzlich auf der Oberfläche. Alte Zeitungen, die kaum Leser hatten, dergrätzerten mit einem Male ihr Format. Weber beschränkte sich also nicht darauf, in seinem Blatte Rumänien zu beleidigen und zu verleumden. Er mischte sich in die innere Politik ein. Bekanntlich nahm er an einer öffentlichen Demonstration teil. Außerdem war er speziell mit der Mission betraut, eine Aktion der Ukrainer unter der Leitung des prohitlerischen Hetmans Skoropanski zu organisieren. Im übrigen soll er sich auch als deutscher Presseattache ausgegeben haben. Die„Dreptatea" berichtet über seine Vergangenheit, datz er, als Rumänien noch neutral war, während des Weltkrieges schon in Rumänien als Spion tätig war. Dann ging er 1918 nach der Ukraine, um dort seine Agententätigkeit auszuüben. Die Dimineata schreibt, die Regierung dürfe keine Schwäche zeigen. Die Interessen des Landes stehen auf dem Spiel. Die Regierung müsse die Untersuchung ausdehnen und alle Komplizen dieses„Auge des Führers in Rumänien" ausforschen und bestrafen. Der„Viitorul" hebt hervor, datz Weber in einer unqualifizierbaren Art die Gastfreundschaft Rumäniens mitzbraucht habe. Die„Patria" fordert die Einleitung einer offiziellen Untersuchung und die Auflösung aller ungesetzlichen Organisationen. Wenn die Regierung gegen alle Linksgerichteten strenge Maßnahmen treffe, müsse sie mit der gleichen Energie auch gegen die Wühlarbeit der Rechtsradikalen vorgehen. blutiger Araberrtreik In Palästina Haifa. In der hiesigen Tabakfabril Karman traten die arabischen Arbeiter wegen Lohnforderungen in den A u s st a n d. Die Fabriksleitung versuchte den Betrieb durch Streikbrecher aufrecht zu erhalten, die aber Sonntag und Montag von einer großen Menge heftig angegriffen wurden. Bei diesen Zusammenstößen wurden bisher zehn Personen, darunter einer der Mitinhaber der Tabakfabrik, verletzt, einige davon so schwer, datz sie ins Krankenhaus gebracht werden Mutzten. Propheten der Krise Bon Gerhart Seger. (Sopade.) In der„Zeitschrift für Sozialismus"(Berlagsanstält Karlsbad) veröffentlicht Gerhart Seger einen interessanten Artikel Mer„Amerikanische Eindrücke". Wir entnehmen ihm die folgenden Abschnitte: „Während die wirtschaftliche Krise auf den Politischen Umschwung der amerikanischen Arbeiterschaft im Sinne der politisch-sozialistischen Radikalisierung noch keine sehr grohe Wirkung Seübt hat, ist eine andere Folge der Krise festzu- uellen: Es tauchen Propheten der Krise auf, die ihrer Meinung nach die überall spürbaren Wirkungen der Krise zu beheben und die Prosperität bieder zu bringen vermögen. In der Reihe dieser Bestrebungen sei an erster Stelle eine Bewegung genannt, die in Ka- ufornien entstanden ist: die„Utopian b o c i e t y". Utopische Gesellschaft. Für einen Europäer ist es ein« sehr merkwürdige Beobachtung, datz auf der Grundlage eines bei uns halb vergessenen Buches eine Bewegung entstehen kann, die es bis auf 960.000 eingeschriebene Mitglieder, allein im Staate Kalifornien— bei rund ® Millionen Einwohnern— gebracht hat; das Ruch ist BellamyS„Rückblick aus dem Jahre «000". Die Utopian Society hat eine Parallelorganisation, zum Teil dieselben Personen, die kkptonSinclairsich schuf, als er die Sozialistische Partei verließ, um bei der GouverneurS- bahl im vorigen Jahre zu kandidieren. Upton «inclair gelang eS nicht nur, von den Demokraten Ausgestellt zu werden, sondern er bekam auch die Unterstützung aller einigermaßen fortschrittlichen Menschen. Seine Organisation nannte er, eine RbkLzung feine- Wahlschlagworte-, EPJC— Volkswirtsdiait und Sozialpolitik Aufstieg im Welthandel Nach der vom Völkerbund und dem Reichsamt für Statistik in Berlin bei der Berechnung der WelthandelSumsätze angewandten Methode — es werden die Außenhandelswerte in Golddollar bezw. in Reichsmark umgerechnet— hat sich bis in die letzte Zeit hinein ein andauerndes Sinken der Welthandelswerte ergeben. Diese Feststellung steht, worauf das Berliner Institut für Konjunkturforschung in seinem letzten Wochenbericht hinweist, zu der tatsächlichen Entwicklung in offenem Widerspruch. Um die Fehlerquellen bei der Berechnung auszuschalten, wurde aus den AußenhandelSwer- ten(in der Landeswährung) von 28 der wichtigsten Welthandelsländer, die im Jahre 1929 mit einem Anteil von 84 Prozent am gesamten Welthandelsumsatz beteiligt waren, ejn Gesamt- index errechnet. Dabei wurden die Reihen der einzelnen Länder nach dem Anteil an der Welt- Ein-, bzw.-Ausfuhr gewogen. Für die Welthandelsumsätze(Einfuhr und Ausfuhr) ergab sich dabei folgender Index: 1. Halbjahr 1929 100.0 1. Halbjahr 1930 90.4 1. Halbjahr 1931 S3.8 Land».»awi. 1930 Industriestaaten: Bereinigte Staate von Nordamerika 79.4 Großbritannien 88.0 Deutschland 96.8 Frankreich•■■■■■■■ 91.7 Japan■■■■■■••'■ 72.0 Italien. 86.8 Tschechoslowakei,,,, 91.3 Belgien-Luxemburg•■■■■ 86.4 Niederlande■»,.,,, 91.6 Norwegen/ 98.8 Oesterreich«•■■■■•• 90.4 M'M. M M ,M M MM- 96.3 Schweiz........ 91.1 Europäische Agrarstaaten: ,•...... 97.6 Irischer Freifwat<■■■■• 106.2 Polen-Danzig«*■■■■■ 100.9 Spanien 138.0 Rußland 114.8 Ueberseeische Agrarstaaten: Aegypten 66.2 Südafrikanische Union■■■■ 77.8 Kanada•••..,,,. 75.7 Australischer Bund.■.,. 64.4 Neuseeland....■ 79.6 Britisch-Jndien 88.8 Britisch»Malaya 80.3 Argentinien ,,,,,,, 68.3 Brasilien ,,,,,,,, 88.6 Ehile 84.9 Tesamtindex(28 Länder)' 88.7 1. Halbjahr 1932 48.2 1. Halbjahr 1933 43.4 1. Halbjahr 1934 48.7 1. Halbjahr 1935 52.6 Es wird dazu bemerkt, datz trotz einiger Mängel, die diesem neuen Berechnungsverfahren anhaften, der Index im grotzen und ganzen ein zuverlässiges Bild von der Welthandelsentwicklung gibt; zuverlässiger jedenfalls als die übliche Berechnung in Gold oder in Papierpfund. Danach haben also die WelthandelSumsätze im 1. Halbjahr 1935 diejenigen der drei vorhergehenden Jahre überschritten. Der Welthandel befindet sich somit seit dem 1. Halbjahr 1933 wieder im Anstieg. Diese Entwicllung geht allerdings langsam, denn im 1. Halbjahr 1935 betragen die Wellhandelsumsätze nur um ein geringes mehr als die Hälfte auS der gleichen Zeit des Jahres 1929. Die Ausfuhrw erte der wichtigsten 28 Wclthandelsländer haben Nach dieser Berechnung im ersten Halbjahr der letzten sechs Jahre diese Entwicklung.(Der AutzenhandelSwert im ersten Halbjahr 1929 ist gleich 100.) 1. Halbt. 1. Halbj. 1. Halb«. 1. Hakbj. 1. Halb!. 1931 1932 1933 1934 1935 50.0 31.8 25.5 39.5 38.7 55,5 52.1 48.9 52.9 57.6 74.2 46.5 37.0 32.4 81.0 65.7 40.8 36.3 35.6 32.1 58.6 54.1 81.6 98.6 115.3 67.4 45.8 41.4 35.1 82.2 67.9 39.9 28.4 34.0 35.4 73.8 48.7 43.7 42.6 43.1 70.5 43.5 37.0 85.3 33.2 64.5 75.0 73.8 78.5 79.1 65.2 37.1 33.7 40.0 41.3 64.1 54.9 56.0 74.4 74.8 70.0 41.1 35.9 34.6 35.3 82.5 67.6 71.5 70.6 74.8 83.8 71.5 43.7 43.2 45.6 77.6 44.0 35.6 38.6 36.2 150.2 145.0 117.3 111.4 102.8 90.2 67.9 52.7 44.6 36.7 45.9 49.5 47.3 58.5 59.8 53.3 42.1 48.9 59.2 64.5 50.6 38.6 35.7 50.2 53.6 61.4 67.7.; 69.0 70.1 70.3 57.7 57.4 62.5 84.5 71.5 81.1 88.8 41.3 44.9 47.7 69.2 35.3 35.4 54.1 73.2 61.7 62.1 47.6 58.8 67.7 89.8 78.4 72.2 88.6 95.3 41.1 21.5 28.6 42.0 72.1 63.1 47.2 43.1 48.8 50.6 Diese Uebersicht über die Entwicklung des Ausfuhrwertes der einzelnen Länder zeigt, datz — von einigen Ausnahmen abgesehen— die Ausfuhr der Industriestaaten und der europäischen Agrarstaaten auch im 1. Halbjahr 1936 noch den stärksten Rückgang gegenüber dem 1. Halbjahr 1929 aufweist. Zu den Industrie« bezw. europäischen Agrarländern, deren Ausfuhr nicht einen so starken Rückschlag erfuhr oder die bereits| wieder stark aufholen konnten, gehören Japan, die skandinavischen Staaten und Spanien. AM tiefsten von allen 28 Ländern ist der Ausfuhrwert Deutschlands abgesunken; es steht im ersten Halbjahr 1935 an letzter Stelle. Im ersten Halbjahr 1932— als die Hitlerdiktatur noch nicht aufgerichtet war— kamen nach Deutschland noch dreizehn Länder mit einem geringere« Ausfuhrwert! Der Ausfuhrwert der.T s ch e ch o sl o w a k e i ist in den ersten Halbjahren 1934 und 1935 gegenüber dem gleichen Zeitraum 1933 gestiegen. Er ist 1935 um rund ein Viertel höher als 1933! Am günstigsten ist die Entwicklung des Ausfuhrwertes bei Japan, und Spanien. Bei der Mehrzahl der außereuropäischen Agrarstaaten beträgt der Ausfuhrwert wieder mehr als zwei Drittel von 1929; er liegt damit wesentlich höher als der Gesamtindex. Im ganzen also steigt die Weltausfuhr und auch die Welteinfuhr zeigt, sogar noch etwas stärker, die gleiche Entwicklung. Der tschechoslowakische Schuhexport Im Schuhexport steht die Tschechoslowakei in der Welt an erster Stelle. Nur in Gummischuhen wird sie von Japan überflügelt. In den ersten sieben Monaten sind 5,700.000 Paar Schuhe im Werte von 86,667.000 Kronen exportiert worden. Interessant ist, datz sich der Export von Lederschuhen um 9.4 Millionen Kronen gesteigert hat. während der Export von Gummischuhen um 2.8 Millionen Kronen oder 25.9 Prozent zurückgegangen ist. In der letzten Zeit haben die tschechoslowakischen Schuhfabriken größere Aufträge für Qualitätsrahmenschuhe erhalten. Da nach befriedigender Erledigung dieser Aufträge in kur«, zen Fristen weitere Bestellungen erfolgen sollen, ist auch für die weiteren Monate des laufenden Jahres mit einer Steigerung des Schuhexports zu rechnen. Bon Diktaturen und Diktatoren Diktaturen sind üble Zeugnisse— für die betroffenen Völler. Nur der dumme Diktator glaubt wirllich an sich und feine alles überragend« Klugheit. Die andern glauben mit mehr Recht an die Dummheit der Be-. herrschten. Es kann einer intelligenter fein als ich und du, Aber daß einer gescheiter, als alle andern sein soll — dar redet mir das größte Maul nicht ein. .Unser Reich währt 1000 Jahre." Warum? Weil es mit drei Nullen begann? Der Diktatur ist alles verhaßt, was nach Geist, Denken, Kulturgefühl, Humanität, echter Menschlichkeit aussieht. Wit Recht: es sind ihre Todfeinds und— sie sind unsterblich. Sie halten Brutalität für Kraft. Es ist chre Schwäche. .Treue Gefolgschaft." Da muß ich immer an die Hunde denken, die chre eigene Peitsche im Maul« tragen. Am schwersten begreiflich: wenn noch in Freiheft lebende Menschen nach der Knute des Diktators schreien. Sie müssen sadistisch veranlagt sein. Wie «wisse Dirnen:„Schätz, prüle Diktatur und Sklaverei, Diktator und Sklave 7 — diese ursächliche Zusammengehörigkeit wird kein« Macht der Welt aufheben. »Die Demokratie hat sich nicht bewährt." Ihr größter Mangel war der eines Propagandaministeriums. Diktatur. ist Karikatur— der menschlichen' Ordnung. „Es gibt keine Gerechtigkeit mehr." Es gibt so viel oder so wenig. wie immer. Wir müssen ihr nur auf den Weg helfen. Manche lächeln über. Kohlhaas, der nach Gerechtigkeit schrie. Und das ist zum Weinen. Auch der Henker verringert die Anzahl der Arbeitslosen. „Heil.,,!" Ihr vergeßt eine Keine Vorsilbe: Un. Peter Labor. End Poverty In California— beendet die Armut in Kalifornien. Seine Gegner übersetzten die Buchstaben EPJC mit Empty Promises in California, leere Versprechungen in Kalifornien. Auch die Upton Sinclair-Bewegung, zusammen mit der Utopian Society, übte eine gewallige Anziehungskraft auf die Massen aus. Roch lange nach der Niederlage vermochte Upton Sinclair, wenn er sür die beiden Bewegungen sprach, eine grohe, 25.000 Menschen fassende Arena mühelos zu füllen. Sein Programm, und das der EPJC- Bewegung ist ein lokales, etwas primitives Arbeitsbeschaffung-- und Besitzsteuerprogramm, aber von allen Krisenbewegungen ist diese die politisch ernsthafteste mnd ehrlichste. Ein Mann, auf den der Ausdruck„Prophet der Krise" in seinem spöttischen Sinne zutrifft, ist der Arzt Dr. T o w n s e n d. Es wird in Amerika behauptet, datz 25 Millionen Amerllaner Eingaben an den Kongreß unterzeichnet hätten, seinen Plan zum Gesetz zu erheben. Ob diese Zahl stimmt oder nicht, gewiß ist, daß kaum ein Plan je populärer war als der dieses Arztes. Dreitausend Klubs, nach seinem Namen benannt und seinen Plan propagierend, sind in einem halben Jahr entstanden. Sein Plan Ningt unendlich einfach: er will, daß der Staat allen alten. Leuten eine monatliche Rente von 200 Dollar zahle, mit der Verpflichtung, diesen Betrag im laufenden Monat bis zum letzten Cent auszugeben. Dr. Townsend und seine zahllosen Anhänger versprechen sich davon eine ungeheuere Belebung der Wirtschaft, womit sie die Höhe der vom Staat« auszugebenden Summe rechtfertigen. Dr. Townsend hat vorgeschlagen, daß die erforderlichen, jeden Monat in viele Millionen Dollar gehenden Summen durch eine Umsatzsteuer von 15 Prozent aufgebracht werden, später trat an die Stelle dieses Vorschlages der einer Steuer von 2 Prozent auf jede geschäftliche Transaktion, alle- vage Vorschläge ohne die Vorstellung ihrer Durchführbarkeit, ihres möglichen Ertrages, ihrer volkswirtschaftlichen Wirkungen. Aber bei allen unter der Krise Leidenden und volkswirtschaftlich wenig Geschulten hat der Tomnsendplan viel Anhänger gefunden. In der kleinen Gemeinde Royal Oak bei Detroit, einer Stadt von 52 Prozent katholischer Bevölkerung, lebt ein katholischer Pfarrer namens Father Coughlin. Er begann vor Jahren Sonntagnachmittag an einer Rundfunkstation einer Detroiter Zeitung, der„Freien Presse" zu sprechen; vier Jahre lang verliefen diese Radio- Predigten ohne besondere Beachtung, bis er auf eine geschickte Weise religiöse Betrachtungen immer mehr mit politischen, wirtschaftlichen und sozialen Ausführungen mischte. Er erhielt viele Briefe, viele Hörer sandten ihm Geld, um seine Rundfunktätigkeit ausbreiten zu können, und zuletzt konnte er aus den ihm freiwillig eingesandten Beiträgen nicht nur eine neue schöne Kirche bauen, sondern er vermochte sich ein eigenes Netz von Rundfunkstationen zu mieten, und war imstande, wöchentlich 14.000 Dollar Miete für seine Radiopredigten zu zahlen. Er gründete dann eine .League for social justice", Liga für soziale Gerechtigkeit, und sein Zulauf, ausgedrückt in der Zahl seiner Rundfunkhörer und der Zahl der Mitglieder der Liga, ging rasch in die Millionen. Ursprünglich unterstützte er den Präsidenten Roosevelt und seine planwirtschastlichen Ideen; dann war eine zeitlang sein Schlagwort der„ehrliche Dollar", unter dem er gegen die Abwertungstendenzen focht, in den letzten Monaten aber ist er zu offenen Angriffen gegen die Regierung Lbergegangen. Auch seine Demagogie ist auf pri-- mitive wirtschaftliche Vorstellungen gegründet; substanzlos wie in den ersten Tiraden Hillers: MittelstandS-„Philosophie", wenn man daS kostbare Wort für ein bestimmtes System von Unsinn verwenden darf. Ganz anders steht es um die Diktaturanwartschaft bei einem letzten Krisenpropheten« der hier betrachtet werden soll. Wir sprechen von dem Senator aus dem Südstaat Louisiana, Huey L o n g. Seines Zeichens Rechtsanwalt, ein guter, geschickter, aber völlig gewissenloser Redner, ist Huey Lang ein smarter amerikanischer Politiker im berufsmäßigen, nicht allzu erfreulichen Sinne. Er hat über den Staat Louisiana eine in ihren Auswirkungen zweifellos verfassungswidrige Diktatur aufgerichtet und beherrscht seinen Staat vollkommen. Huey Lang gründet« eine Bewegung, die sich rasch ausbreitete und heute weit über seinen Staat Louisiana hinausreicht, mit dem Schlagwort des„Share ouv wealth"—„teilt unseren Reichtum!" Er ist genau so skrupellos im Versprechen wie Hitler. Er verspricht jedem Amerikaner ein jährliches Einkommen von 5000 Dollar und Universitätserziehung für jedes Kind. Er will den in der-Nation vorhandenen Reichtum austeilen, aber nur von ungefähr 10—15 Millionen an aufwärts. Datz dieser Reichtum in kapitalisllscher Form, das heißt, in Investitionen. festgelegt ist und nicht austeilungsbereit in den Banksafes liegt, macht ihm nichts aus. Aber Huey Lang ist von alle« Krisenpropheten weitaus der gefährlich st«, weil er sich nicht auf Rundfunkreden oder Plan- Propaganda beschränkt, sondern als Mitglied des Senats, als Beherrscher eines der Bundesstaaten und genauer Kenner des amerikanischen, politischen Apparats eine außerordentlich aktive Rolle spielt. Wie weit seine Demagogie dadurch zu« fascistischen Gefahr werden könnte, daß sich die amerikanische Kapitalistenklasse seiner bedient,— bis jetzt ist die einzige Gruppe, die ihn in größerem Ausmaße stnanziert hat, die Standard Oil Company— bleibt abzuwarten; gegen eine absolute Parallelität der Entwicklung zu einem FasciSmuS wie in Italien oder Deutschland spricht in Amerika vieles. „Sozialdemokrat Seite 8 Freitag, 8. September 1835. Nr. 208 Trager feitunq Lagerarbeit unserer Jugendlichen Der Kreis Prag des Sozialistischen Jugendverbandes lud Mittwoch Parteigenossen und.Interessenten zu einer Veranstaltung ein, die ebenso originell wie auch lehrreich war und als gelungen bezeichnet werden kann. Die Jugendgenossen hatten sich zur Aufgabe gesetzt, die Freunde ihrer Bewegung über die Arbeit und' das Leben in dem Ferienlager zu informieren, das sie im Tuschkauer Bezirk von Anfang Juli bis Anfang August veranstaltet hatten. Es ist den Genossen und Genossinnen tatsächlich gelungen, dem Besucher einen Eindruck des Lagerlebens zu vermitteln. Man hat nach dieser Veranstaltung das sichere Gefühl, daß das Leben der Lägergenossen kameradschaftlich war, daß der Geist einer sozialistischen Gemeinschaft gepflogen wurde, daß die Genossen aber auch an ihrer Weiterbildung und an der Erkenntnis der sozialen Probleme gearbeitet, haben, wie sich ihnen diese aus der ganzen Umgebung, in der sie lebten, erschlossen hat. Aber nicht nur das. Die jungen Genossen und Genossinnen haben auch für die Bewegung in der ganzen Gegend viel getan. Sie haben anfeuernd sowohl auf die sozialdemokratischen Organisationen ihres Umkreises gewirkt als auch auf die Jugend- und Rote Falken- Bewegung. In den wenigen Wochen wurde fleißige und tüchtige Arbeit geleistet und die Verbindung der Erholung mit geistiger Arbeit an sich und der Werbung für die sozialistische Idee in der Umgegend kann als durchaus gelungen bezeichnet werden. Die Jugend hat sich durch diese Veranstaltung in Prag sicher neue Freunde erworben. E. St. Der Mord an Anna Würdig Das Geld gefunden Der Mordverdacht gegen den Friseur Würdig hat im Laufe des gestrigen Tages eine Bestätigung gefunden. Es meldete sich ein Bekannter des Mannes, bei welchem der Friseur einen kleinen Koffer zur Aufbewahrung hinterlegt hatte. Als der Koffer auf dem Polizeipräsidium geöffnet wurde, fand man das gesuchte Geld, insgesamt 88.000 KC, welche Frau Würdig kurz vorher behoben hatte. Der Verhaftete leugnet aber weiter, obwohl alles auf ein Verbrechen hinweist. Die Obduktion der Leiche hat bisher kein Ergebnis gehabt, welches ein eindeutiges Urteil über die Todesursache zuließe. Die Präger sterben aus. Im Jahre 1821 entfielen üuf 1000 Einwohner der Tschechoslowakei 29,2 Lebendgeburten, im Jahre 1834 bereits tmrmehr 18,6. In Prag steigert sich dieser Prozeß noch schärfer: Die Zahl der Lebendgeburten bleibt hier bereits hinter der Zahl der gestorbenen Personen zurück, so daß den einzigen Faktor des Ansteigens der Zahl der Prager Bewohner der Zuzug vom flachen Lande nach der Hauptstadt bedeutet. Jumt und Wisse«, Neues Abonnement: Ausgabe der Karten für bisherige Abonnenten täglich. Vormerkungen für neueintretende Abonnenten werden entgegengenommen. Neues Theater: SamStag EröfstumgSvor- ftellung„Jenufa". Einmalige Aufführung anläßlich des Internationalen Musikfestes. Hauptpartieu: Kindermann, Paulv. Wank«. Ravn. Sommer. Me- dak, Fischer, Preger, Fuchs. Andersen. Dirigent: Szöll. Regie: Mordo.(A 1.) Umtauschrecht für Viertelabonn.— Sonntag, neuinszeniert.„Die heilige Johanna* von Bernhard Shaw. (58 1.) Hauptrollen: Wünsche, Costa, Klippel, Liebl, Marlö. Padlesak, Siedler. Schmerzenreich, Balk, Volker, Taub. Regie: Liebl. Wiederholung-Dienstag. (A 2.)—’ Montag zum zehnten Male'„Servus! S«rv usl. Operette von Robert Stolz. Zum erstenmal zu volkstümlichen Preisen: Kc 2.50 bis 20.—. Kleine Bühne: Samstag, Erstaufführung „Kiki", Komödie vo» Picard-Blum, mit Moncasi, Warnholtz. Dudek. Götz in den Hauptrollen. Regie: Mordo. Wiederholungen Sonntag und Dienstag.— Samstag Gutscheine D 1. D 2; Sonntag C 1. C 2 und Dienstag B 1 gültig.— Montag geschlossen!— Th eaterriege: Heute 8 Uhr. Bettelstudent. Afrikanerin. Brustschwimmen oder„Schmetterlingsstil" Vor annähernd 80 Jahren gab es einmal eine Revolution im. Schwimmen. Das war, als der Australier Cecil Healh zum erstenmal in Europa den Crawlstil zeigte und mü dieser neuen Schnellschwimmart alle Rekorde über kurze Strecken sprunghaft verbesserte. Es gab damals große Debatten für und wider, die erst dann verstummten, als die Ausländer mit dem neuen Stil von Erfolg zu Erfolg eilten^ Man stellte sich um und heute ist Crawlen so selbstverständlich, daß sogar die Ver- deutschung„Kraulen* in den Sprachgebrauch eingegangen ist. Eine ähnliche Wandlung scheint sich mit dem Brustschwimmen zur Zeit vorzubereiten. Vor einigen Monaten tauchten" die ersten Meldungen aus Prag. Das Gesetz der Serie bewahrheitete sich am Donnerstag vor dem Strafsenat N o v o t n h, vor welchem sich in drei Aufeinanderfolgenden Verhandlungen Leute zu verantworten hatten, deren Straftarte fo reich ausgesüllt ist, daß das Gesamtausmaß aller dieser Vorstrafen viele Jahrzehnte ausmacht.- Den Reigen dieser schweren Jungen eröffnete der 80-jährige Wenzel T o m e k, seinerzeit Fleischergehilf«, nun aber Berufsverbrecher kleineren Stils, der sich in letzter Zeit auf Heirats- schwindeleien verlegt hat, okuvohl dieses unscheinbare, vertrocknete und stotternde Männchen keineswegs einen besonders imponierenden Eindruck macht. Tomek ist unzähligemale vorbestraft und wurde am 30. Juli 1934 aus der Z w a n g S a r- beitsatistalt entlassen, welcher er nach verschiedenen schweren Kerkerstrafen zur Besserung überstellt worden war. Wie diese Besserung beschaffen war. davon zeugt die Tatsache, daß Tomek sich sofort nach seiner Entlassung feinem Gaunerhandwerk mit ungemindertem Eifer widmete. Er bekam erst unlängst wegen vielfacher Betrügereien und Diebstählen, deren Opfer durchwegs kleine Leute waren, neuerliche dreizehn Monate schwerenKerkers zudiktiert, nebst neuerlicher Anhaltung in der Zwangsarbeitsanstalt. Alles in allem wird also Wenzel Tomek wohl nicht vor rundvier Jahren freikom m e n. Nach verhängtem Urteil kamen aber neuerliche acht Heiratsschwindeleien zutage, für welche sich Tomek nun zu verantworten hatte. Er zeigte bei der Verhandlung eine beneidenswerte Gemütsruhe und bekannte sich zu Betrügereien an den verschiedenen'„Bräuten", die sich übrigens in mäßigen Grenzen bewegen. Der Gerichtshof verurteilte den Angeklagten zu einer Zufatzstrafe von drei Monaten. Im Gegensatz zu der Seelenruhe, mit der Tomek das Urteil entgegennahm, zeigten sich die zwei Angeklagten in der unmittelbar folgenden Strafsache heftig erbittert. Diese, der 37jährige Jaroslav Ort und der 35jährige Anton P ä n e ksind insgesamt achtzehntmal vorbestraft. Diese zwei sind Wohnungs- und Ladendiebe. Die letzte Anklage legt ihnen verschiedene Einbrüche zur Last, Amerika auf, daß man dort mit einem neuen Bruststil, dem sogenannten„Butterflh-Ttyle*. zunächst über ganz kurze Strecken in die Äugen fallende Ge- schwindigkeüsverbefferungen erzielt habe. Kurze Zeit später fiel bereits ein neuer Weltrekord über 100 Meter Brustschwimmen mit 1:10.8 Min., der nur mit dem neuen Schwimmstil erreicht werden konnte. Ergebnisse über längere Strecken, insbesondere über die 200 Meter-Strecke, blieben zunächst aus. Aber schon kurze Zeit nach dem Bekanntwerden der ersten Nachrichten goch es im Schwimmerlager wieder Debatten über das Für und Wider. Da man aus der früheren Erfahrung so gewitzigt war, lehnte man das Neue nicht einfach ab, sondern begann überall sofort. Versuche mit der neuen Schwimmart zu unternehmen. Heute hat sich bereits eine ganze Reihe Brustschwimmer diesen Stil angeeignet. Ucker kurz« Strecken sind auch wesentliche Zeitverbes- serungen festgestellt worden, und ein Teil der Starschwimmer benützt den„Schmetterlingsstil* beim Endspurt schon mit gutem Erfolg. Ob der neue Stil das alte Brustschwimmen im sportlichen Wettkampf verdrängen wird, muß die Zeit lehren. Der Unterschied zwischen den beiden Stilarten ist bedeutend. Während beim alten Schulbrustschwimmen die Arm« von der Brust unter Master bis zur Streckung nach vorne a-tchoben werden, müssen sie beim Schmetterlingsstil etwa in Hüfthöhe aus dem Wasser gebracht und gleichzeifig kreisförmig über der Wasseroberfläche nach vorne geworfen werden. Dieser eigenartigen Armbewegung verdankt der neue Stil seinen Namen. Der Beinschlag ist unverändert geblieben, er leistet allerdings nicht mehr wie bisher die Hauptarbeit, sondern dient in erster Linie dazu, den Körper möglichst hoch au? dem Wasser zu drücken, damit die Ärme leichter über Wasser nach vorne geführt werden können. Hat der Körper dann genau wie beim alten Brustschwimmen völlige Strecklage erreicht(Grundstellung), dann werden die Arme nicht wie bisher nur bis zur Brusthöhe seittpätß dyrchs Wasser gezogen, sondern fast gestreckt— wie beim Tauchen— bis zu den Oberschenkeln geführt'. Naturgemäß erfordert der neue Schwimmstil'deshalb größere Kraft, und auch die deren Beute,in per. Tat gering war. Die Anklage zählt z. B. auf: einige Flaschen.Milch, Stoffreste und dgl. mehr. Aber die Vorstrafen wiegen schwer und das Endresultat bestand in z w e i Jahren schweren Ae.rker» fürJrroslavOrt und d r e.i z e h n. M.o na t e n für Anton P ä n e k. Insbesondere Jaroslav Ort zeigte sich schwer empört.„Z wer Jahre für drei Schürzen!* schrie er entrüste!(denn mehr als eine Beute vön drei Stofffchurzen wollte er nicht zugestehen). Er und sein Spießgeselle legten Berufung ein. Gang anderer Art ist der dritte, vor dem gleichen Senat verhandelte Fall', über den wir seinerzeit bereits berichtet haben.' Am 24. Jäünek d. I. würde bei der Wrscho- witzer Filiale' der Selchrrsirma„Zemka* eingebrochen und Fleffch--und Wurstwaren für 470 KC entwendet. In der gleichen-Nacht- hielt der Detekfiv Oberinspektor- Jozef M-o r a-an-der Wrschowitzcr Peripherie drei verdächtige Männer an, welche Pakete trugen, in denen später die entwendeten Selchwaren festgestellt wurden. Der Polizist forderte, nach seiner Aussage, die Verdächtigen auf, stehen zu bleiben, worauf einer von ihnen einen Revolver gezogen und abgedrückt habe. Die Waffe sei aber nicht losgegangen und er, der Inspektor Mora, habe darauf seinerseits mehrere Schüsse auf die flüchtenden Veckrecher abgegeben. Ein Geschoß traf einen der Bande, den 34jährigen Georg K a s p a r, der nicht weniger als 22 Vorstrafen aufzuweisen und von den letzten zehn Jahren nicht weniger al-s neun im Gefängnis verbracht hat. Der Schuß des Jnspettors Mora hat ihm die Hand für zeitlebens verkrüppelt und er wurde am nächsten Morgen blutend und ohnmächtig in dem Flur eines Wrschowitzer Hauses aufgefunden. Georg Kaspar wurde am 28. März d. I. zu drei Jahren schweren Kerkers verurteilt. Damit war die Hauptperson erledigt. Im Verlauf der Erhebungen konzentrierte sich aber weiters der Verdacht auf den 26jährigen ehemaligen Friseurgehilfen Ladislav V o c e b k a, an diesem Einbruch teilgenommen zu haben und die Mittäterschaft an einem„mit bewaffneter Hand" begangenen Einbruch ist keine Kleinigkeit. Die vermeintliche Mittäterschaft dieses Mannes ist allerdings bloß durch Zeugenschaft des Inspektors Mora erwiesen und diese Zeugenschaft ist nicht absolut klar und widerspruchsfrei wie sich bei der Hmipwerhandlung ergab. Der Hauptheld dieser Affäre, Georg Kaspar, hat seinerzeit den geringfügigen Diebstahl ohne weiteres eingestanden, aber den verhängnisvollen Besitz^deS Revolvers, der eine schwer« Qualifikation bedeutet, mit einer kühnen Äusrede zu erklären versucht. Er sei e r st nach vollbrachtem Einbruch einem„unbekannten Mann" begegnet, der ihn ftehentlich gebeten habe, ihm zwei oder drei Kilo Wurst abzulassen und ihm dafür den Revolver zum Tausch angeboten habe. Diese Verteidigung fand freilich keinen Glauben und Kaspar trug drei Jahre davon— nebst seiner verkrüppelten Hand. Was aber Vocelka betrifft, so bestreitet dieser jede Beteiligung an dem Diebsunternehmen, während der Detektiv ihn neuerlich— und im Gegensatz zu früheren Aussagen— behauptet, erkannt zu haben. Der Vorsttzende hielt dem Zeugen diese Widersprüche auch eindringlich genug vor— eindringlicher, als einem Polizeiorgan lieb sein kann. Georg Kaspar der gegenwärfig seine drei Jahre absitzt, hat erklärt, daß der heute angeklagte Vo» cilka an der Sache nicht beteiligt war. Die Verhandlung wurde schließlich vertagt, da «in neuer Zeuge geladen werden soll. rb. 2 a u ft I und Ha r d y in dem abendfüllenden Lustspiel«F r a Diabolo", das demnächst in Prager Lichtspiel-Theatern erscheint. Ei« Tag-er schweren Zunge« Bier Angeklagte— an siebzig Zähre Vorstrafe« lliiL der Tartei Vereürsnacstncstten Di Freie Bereinigung sozialistischer Akademiker: Freitag, den 6. September, findet im Parteiheim, Narodnk 4, um 20 Uhr eine Mitgliederversammlung statt. Das erste Spiel des Prager Fußballteams in Somjettußland In Leningrad fand Donnerstag das erst« Fußballmatch zwischen sowjetrussischen Fußballern und dem Prager bürgerlichen Profi-Team statt. Das Spiel ging vor 40.000 Zuschauern vor sich und endete 2:2, nachdem die Prager bis zur Paus« mit 1:0 ist Führung gelegen sind. Nach der Pause übernahmen die Leningrader nach dem Ausgleich die Führung, die die Prager knapp vor Schluß wieder einstellen konnten. Atmung ist schwieriger. Merdings ist dabei zu bedenken, daß man erst am Anfang aller Erfahrungen steht, daß man seinerzeit beim Auftauchen des Crawlens ebenfalls zuerst mü viel Kraft und wenig Technik schwamm. Man kann deshalb heute noch kein Werturteil über die Entwicklungsmöglichkeit n fällen. Für den Spott wird schließlich doch die größere Schnelligkeit ausschlaggebend soin. Für Unterrichtszwecke wird man dagegen zunächst wohl auf das alte Schulbrustschwimmen kaum verzichten können. Falsch ist es aber auf jeden Fall, sich durch die vielleicht ungewohnte und auch nicht flüssige Fortbewegungsart dazu bewegen zu lassen, den neuen Stil abzulehnen, gesundheitliche Einwände oder ästhettsche Bedenken vorzubringen. Di« Erfahrungen sind noch zu neu. Zum mindesten hat der bürgerliche international« Schwimmsportverband (Fina) schon entschieden, daß der neue Schwimmstil den bestehenden Bedingungen über das B-ruft- schwimmen entspricht und daß Wettkämpfe im „Schmetterlingsstil" international zugelaffen sind. Nicht erlaubt ist dagegen eine fast gleichzeitig aufgetauchte Abart des neuen Stils, der sogenannte „fishtailstricke", da er die Bedingung des Brust- schwimmens. nämlich Grätsche beim Beinstoß, nicht hat, sondern eine dem Kraulen ähnliche Beinarbeit aufweist. »er Freund meiner Frau Entzückendes Lustspiel mit P«ul Hörbiger, Lil Dag-ber, Tbe» Lingen usw. Urania-Kino, Klimentsha 4. Fernsprecher 61633. Hrabak— k. o. Donnerstag fand in Prag der Titelkampf um die Europameisterschaft im Boren zwischen den Wel- tergewichtern Hrabak(Tschechoslowakei) und Eder (Deutschland) statt. So groß die Hoffnungen auf einen halbwegs annehmbaren Erfolg HrabakS waren, so groß ist nun die Enttäuschung. Hrabak wurde in der sechsten Runde k. o. geschlagen. Mitteilungen aus dem Publikum. Sind Sie geistig»der körperlich ermüdet? Massieren Sie Ihren Körper! Dies geschieht am erfolgreichsten mit unverdünntem Franzbranntwein Alpa. Eine solche Massage verbeffett den Blutkreislauf, stärkt die Muskeln und erfrischt die Nerven. Beraten Sie sich mft Ihrem Arzte über die Art der Massage. » Die Prager Fußballer, welche Mittwoch abends in Leningrad ankamen, wurden von der Bevölkerung — nach der„Prager Presse"— empfangen,„wie ihn ffchechoslowakische Fußballer auf ihren verschiedenen Europareisen Wohl niemals noch erlebten*. Die Begrüßungsreden waren voll brüderlicher Herzlichkeit und betonten die fteundschaftlichen Beziehungen zueinander auf sportlichem Gebiete. Der Leiter der tschechoflowakischen Expedition dankte für die Einladung und brachte zum Schluff« ein Hoch auf die SSSR und ihre Sportler aus. Bor dem Bahnhof wurden die Prager bürgerlichen Fußballer von eine sehr großen Mcnschenmaffe erwartet und bei iher Fahrt ins Hotel mit Blumen überschüttet. km und Belehrung finden unsere Gemeindevertreter in reichem Maße in der „Freien Gemeinde“ Redaktion und Verwaltung. Prag XII., Fochova 62/V. © Ortsgruppe Prag. Samstag, den 7. September: Zusammenkunft->m halb 5 Uhr beim Standplatz des Autobusses beim Taft„Westend" in Smi« chov. Fahrt nach Mnisek. Wanderung zur Hütte. Uebernachtung in der Hütte. Decken mitbringen. Sonntag: Wanderung von der Hütte nach Karlstein, Dobkichovice. Führer: Lauer.— Sonntag, den 8. September: Zweite Führung zur Hütte. Zusammenkunft um halb 8 Uhr am Braniker Babnhof. Führer: Strnad. ««»uaSbedtnaungen: Bei Zustellung in» Sau» oder der Bezug durch die Poft monatlich KC 16.—, vietteljähttg KC 48.—, halbjährtg KC 86.—. ganzjährig KC 182.—.— Inserate werden laut Tarif billigst berechnet. Bei öfteren Einschaltungen Preisnachlaß.— Rückstellung von Manuskripte» erfolgt mur bei Einsendung der Retourmatten.— Dl-»emmgSfrankatur wurde vor der Post, und r-le- "° w graphenoirektiou mit Erlaß Nr. 1S.800/VII/1830 bewilligt.— Drucker«:»OrbiS*. Druck«. Verlags- und ZeitungS-A.-G„ Prag.