i 15. Jahrgang Samstag, 7. September 1935 Nr. 209 Die Internationale für Sanktionen gegen Halten Gemeinsamer Beschluß der Genfer Deiesiertentasuns Genf.(Tsch. P.-B.) Freitag vormittags trafen hier die Delegierten der Sozialistischen Arbeiter-Internationale und der Amsterdamer Gewerkschaftsinternationale zu einer gcnieinsa- men Konferenz zusammen, um» wie sie bekannt gaben, alles z« tun, was im gegenwärtigen Augenblicke möglich ist, um einen italienisch-abessinischen Krieg zn verhindern und den Frieden zu erhalt«!. Den Borsitz in der Konferenz führte der belgische Senator de Broucker«. Es wurde eine Resolution angenommen, in der im wesentlichen ein Appell an den Völkerbund gerichtet wird, seine Mission zn erfüllen: den Frieden zu bewahren und die Herrschaft des Rechtes über die Gewalt zu sichern.,, Es ist dringende Pflicht des Völkerbundrates, heißt es in der von der Konferenz angenommenen Resolution, daß im Augenblicke einer unmittelbaren Kriegsgefahr unverwellt alles getan werde, was der Völkerbundpakt kategorisch fordert, und sofern das notwendig sein sollte, auch alle strengen Sanktionen. Der Krieg ist ein internationales Verbrechen, das den Völkerbund berechtigt, daß jeder Staat, der Angreifer ist, gezwungen wird, fich dem Gesetze und Rechte«nterzuordnen. Diese Resolution wurde dem Vorsitzenden des Bölkerbundrates überreicht. An der Konferenz nehmen rund 100 Delegierte ans ganz Europa teil. Für die Tschechoslowakei waren Senatspräsident Dr. S o u k u fi und für dir Tschechoslowakische Gewerkschaftsvereinigung Josef P r ä- sek anwesend. Fünferkommission ernannt England/ Frankreich/ Polen/ Spanien/ Türkei Genf. Wider Erwarten schnell hat der Völkerbundrat am Frettag nachmittags bereits die fiinfgüedrige Kommission nominiert, die die endgülttge Liquidierung des italienisch-abessinischen Konfliktes vorbereiten soll. Trotz dem Einspruch Italiens sind in der Kommission England und Frankreich vertreten, ferner Polen, Spanien und die Türkei. Die Kommission trat gleich nach der Plenarsitzung des Rates zu ihrer erste« Sitzung zusammen. Vorsitzender des Aosschusies ist der spanische Delegierte Botschafter Ma- d a r i a g a, der eben erst vrtt dem Zeppelin aus Rio de Janeiro angekomme« ist. Madariaga gilt als hervorragender Kenner aller Genfer formalen«nd taktischen Möglichketten. Munitionsschmussel aus Deutschland nach Hultschln Troppau.(Tsch. P. B.) Die Grenzfinanz- wache in Silhekovice im Gebiet von Hultschin überraschte am Freitag zwei unbekannte Männer. die eine Kiste mit 11 Kg. Gewehr- Patronen von Deutschland auf tschechoslo- lvakisches Gebiet zu schmuggeln versuchten. Den beiden Schmugglern gelang es, indem sie die Patronen ihrem Schicksal überließen, zu ent- lömmen. Die Nachforschungen nach den Schmugglern und die Untersuchung des Vorfalles hat eine Son- derkommisiion der Finanzdirektion in Troppau übernommen. Sozialistische Sport-Internationale Vorbereitungen für die Arbeiterolympiade in Antwerpen— Verhandlungen mit den Bussen Wie bereits mitgeteilt, fanden in diesen Tagen in Prag Beratungen des Präsidiums der SASA statt, in welcher wichtige sportlerische, organisatorische und technische Fragen behandelt wurden. Die Situationsberichte der Genosten Dr. Deutsch. Silaba, Devlieeer und Müller ergaben einen erfreulichen Ueberblick über di« regsame Arbeit der SASA-Derbände." Nach reger Diskussion wurden die Berichte mit Befriedigung zur Kenntnis genommen. Der technische Leiter der SASA, Genoste Simei, und die Vorsitzende des Frauenausschusses, Genostin Patoäkovä, berichteten über die technischen Arbeiten für die III. Arbeiter-Olympiade 1937 in Antwerpen, Devlieger-Belgien gab eine Uebersicht über die organisatorischen Vorbereitungen zu dieser Olympiade, welche die Gewißheit gab, daß die Olympiade ebenfalls eine gewaltige Massen« Veranstaltung werden wird. Alle wichtigen laufenden Fragen der SASA werden einer Länderkonferenz, die in ben nächsten Monaten in Prag stattfinden wird, äur Beschlußfassung vorgelegt. Abschließend traf bas Präsidium die Vorbereitungen für die Ber- Üandlung mit der RSA. Unter dem Vorsitz des Präsidenten der SASA, Dr. Julius Deutsch, und des Vertreters des obersten Rates für physische Kultur in Moskau) A o l d a k, fand Freitag eine gemein- saipe Sitzung der beiden Arbeiter-Sportinter- vationalen statt. Nach einer mehrstündigen Aussprache wurde beschlossen, einen gemeinsamen Aufruf zum Boykott der berliner Olympiade 1936 zu erlassen. Von den Vertretern der SASJ wurde der Standpunkt vertreten, daß der im Gange befind- ' wbe Sportverkehr zwischen der Sowjetunion und "en bürgerlichen Sportverbänden Europas geeignet ist, die Verhandlungen mit den in der SASA Organisierten Arbeitersportverbänden zu er- MMveren. [ Der Vertreter der Sportorganisation der ^ Sowjetunion erklärte daraufhin, daß der oberste kRat für physische Kultur bereit ist, mit jedem ^indesverband der SASA sofort in Sport» er» Dchk zu treten. Am Zusammenhang damit steht der Sport- ■ Nerktchr mit den Landesverbänden der SASA und ber RSA. Dieser ganze Fragenkomplex wird i"er nächsten Länderkonferenz der SASA vor- Üelegt werden. Nach dem Austausch von gegenseitigen Jn- [ totmationen wurde die Sitzung mit der Vcrfiche- geschlossen, daß die beiden Arbeitex-Sport- i Internationalen miteinander in Fühlung bleiben r werden. Sir Hoare nach Genf t. London. Außenminister Sir Samuel Hoare NW, daß am Sonntag seine Gesundheit soweit Mer hergestellt sein wird, daß er auf dem Lust' JjSte zur Eröffnung der Session der Völkerbunds- Mammlung nach Genf werde reisen können. Der Exodus de sitalienischen Vertreters Baron Aloisi aus der Donnerstagsttzung des Rates war Gegenstand mehrfacher Verhandlungen. Baron Aloisi stattete beim Generalsekretär des Völkerbundes Avenol einen Besuch ab, um diesem in aller Form eine Beschwerde über dir Rede des abessinischen Vertreters Professors Jcze vorzubringen. Der Vertreter Abessiniens hat es a b g e- lehnt, den Wortlaut seiner Rede, an der Aloisi Anstoß nahm, abzuändern oder sich zu entschuldigen. Barou Aloisi hat daraufhin dem Sekretariat des Völkerbundes, offiziell mitgeteilt, daß Italien es a b l e h n e, gleichzeitig mit Abessinien an den Verhandlungen im Bölkerbundrate trilzunehmen. Vorläufig wird der Rat nach der Ernennung der Fünferkommission sich eine Zeitlang nicht mit dem Konflikt befassen, so daß beide Parteien keine Möglichkeit zu einer Begegnung haben werden. Auch Mexiko gegen Italien ■ Vor der Ernennung der Fünferkommission hörte der Rat noch die Rede des mexikanischen Delegierten G o m e z an, der ebenfalls gegen das Vorgehen der italienischen Regierung protestierte und forderte, daß im Rahmen der kollektiven Sicherheit die entsprechenden Maßnahmen in gleicher Weise auf alle Staaten und Rassen Anwendung finden sollen. Die amerikanischen Staaten werden die Herrschaft eines Staates über ein neues Territorium, die nicht durch friedliche Mittel herbeigeführt wurde, nicht anerkennen können. Baron Aloisi, der Vertreter Italiens, hat während der Zeit, in der der italienisch-abessinische Konflikt behandelt wurde, seinen Sitz im Rate h i ch t eingenommen. Ogaden noch unzugänglich Der Berichterstatter des„Daily Telegraph" in Addis Abeba erfährt, daß die Regenfälle in der abessinischen Provinz Ogader noch immer anhalten und dieses an Jtalienisch-Somaliland angrenzende Gebiet ganz unter Wasser stehe. Oer Negus söhnt sich mit seinem Vorgänger aus Paris.„Le Matin" veröffentlicht einen Bericht aus Addis Abeba, demzufolge der jetzige Kaiser von Abessinien den von ihm entthronten früheren Kaiser, der sich unweit von Addis Abeba in Haft befindet, aus der Haft entlassen und ihm auch sein Vermögen wieder unter der Bedingung zurückerstatten wolle, daß er unter den Mohammedanern dahin wirke, für den jetzigen Kaiser tätig zu sein. Kann der Suez-Kanal gesperrt werden? Aegypten läßt die Rechtslage prüfen Kairo. Die ägyptische Regierung hat drei hervorragend« Juristen, unter ihnen einen bekanntem Genfor Juristetz, beauftragt, die einschlägigen Verträge auf dirMöglichkeit einer S p e r- rung des Suez-KanalS hin zu prüfen. Man glaubt hier, daß nach den Statuten der Kanalgesellschaft eine Sperrung ausgeschlossen wäre, daß dagegen der Völkerbund das Recht hätte, eine Sperrung zu beschließen, da die Satzungen der Kanalgesellschaft beim Bälkerbund registriert sind. Dir Veröffentlichung des Ergebnisses der juristischen Untersuchung wird für die nächsten Tage erwartet. Um tue sdiwclzcrisdic Verfassung Zur Volksabstimmung am 8. September R. F. Der 8. September wird eine wichtige Zwischenstation der schweizerischen Politik zwischen dem 2. Juni(Abstimmung über die Kriseninitiative) und dem 27. Oktober(Nationalratswahlen) werden. An diesem Tag wird das Schweizer Volk über eine Initiative abzustimmen haben, die die„Totalrevision" der jetzt geltenden Bundesverfassung von 1874 fordert. Diese Initiative war ursprünglich das Werk einer aus bürgerlichen, fascistisch orientierten Jugendverbänden bestehenden„Nationalen Tatgemeinschaft". Die Unterschriftensammlung war ungefähr gleichzeitig mit derjenigen für die Kriseninitiative vor sich gegangen, und ergab insgesamt 77.000 Unterschriften— was gegenüber den 350.000 Unterschriften für die Kriseninitia- tive ein außerordentlich bescheidenes und sehr wenig versprechendes Resultat war. Noch vor einigen Monaten war man allgemein davon überzeugt, daß diese Initiative ohne viel Aufsehen und mjt überwältigender Mehrheit abgelehnt werden würde. Heute aper hat sich die Lage bereits so weit verändert, daß die kommende Abstimmung im Mittelpunkt des öffentlichen Interesses steht und, wenn auch keine Annahme, so doch eine große »Minderheit für die Totalrevision zu erwarten ist. Was hat sich da ereignet? Um es mit einem Satz zu sagen: die starke Minderheit, die die Kriseninitiative auf sich vereinigte, hat bewirkt, daß der fascisiische Flügel„dßL. schweizerischen Bourgeoisie die eigentliche Führung der bürgerlichen Politik übernahm und heilte in Form der Totalrevisionsinitiative seine erste Angriffs- schlacht gegen die Front der Arbeit liefern will. Oder, wie die„Neue Zürcher Nachrichten", das Hauptorgan des als„christlich-sozial" deklarierten Teils des schweizerischen Klerikofascismus es ausdrückte:„Es handelt sich um einen Vorstoß gegen den Marxismus, um eine Umwandlung der Verteidigungsposition gegen die Kriseninifiative in eine Angriffsposition gegen den Plan der Arbeit." Damit ist der Sinn der Initiative klar umschrieben; und ebenso klar ist es, daß die Arbeiterbewegung und mit ihr die gesamte Front der Arbeit diesem Anschlag den schärfsten Kampf an- sagen mutzten. Weniger deshalb, weil eine Annahme der Initiative sofort eine reaktionäre Verfassungsänderung mit sich bringen könnte. Der für eine Totalrevision vorgesehene Apparat arbeitet so langsam, daß es noch Jahre dauern würde, bis eine neue Bundesverfassung in Krafr treten könnte. Aber es handelt sich für die Reaktion in erster Linie darum, einen großangelcg- ten Propagandafeldzug„gegen den Marxismus" zu inszenieren, um das Bewußtsein der breiten Massen zu v e r w i r r e n, sie von den durch die Kriseninitiative und den Plan der Arbeit aufgeworfenen Fragen abzulenken und schließlich für eine kalte Fascisie- r^u n g reif zu machen. Was die Nationale Front, die Jungkonservativen, die Jungliberalen, die klerikale Sondergruppe„Das Aufgebot" usw. einte: das Bestreben, die Arbeiterbewegung durcb „Einordnen des Arbeiters in den neuen Bund" bewegungsunfähig und rechtlos zu machen, das entspricht auch dem Hauptziel jener Partei, die heute als politische Führerin der schweizerischen Bourgeoisie zugleich die größte, nunmehr offen auftretende fascistische Kraft im Lande ist: der Katholisch-konservativen Volkspartei. Diese hat ein klares Programm: den Korporativis- m u s. Sie ist die einzige bürgerliche Partei, deren Maffenbasis bis heute fast gänzlich unerschütten geblieben ist. Sie ist in sich geschloffen, auch wenn einzelne Arbeiterführer mit leisem Protest einige Bedenken vorzubringen wagen— auch die österreichischen Klerikalen haben einen Kunschak gehabt. So steht inmitten der Zerfahrenheit und innerlichen Zerriffenhrtt der übrigen Parteien des bürgerlichen Lagers, neben den nur als Kettenhunde in Betracht kommenden„Fronten" der Arbeiterbewegung und der Front der Arbeit e i n großer, gefährlicher Feind gegenüber, der nur im härtesten Ringen zu überwinden sein wird. Auf welche Verbündete kahn die organisierte Arbeiterschaft in diesem Kampfe rechnen? Kurz zusammengefaßt: auf die b e w u ß t e n Teile des Werktätigen Volkes und namentlich auf deren Jugend, Teile 2 Samstag, 7. September 1838 Nr. 208 Boykottiert die Berliner Olympiade! Ein Aufruf der beiden sozialistischen Sport-Internationalen In der gemeinsamen Sitzung der Sozialistischen Arbeiter- Sportinternationale und der Roten Sportinternationale wurde folgender Aufruf beschlossen: Die Olympiade, die im Jahre 1836 in Berlin stattfinden soll, ist über den Rahmen einer rein sportlichen Veranstaltung hinausgowachsen. Die Machthaber Deutschlands benutzen die Olympiade zu einem Propagandawerk für den Fascis- mus. Es ist nicht das deutsche Volk, sondern es sind di« Unterjocher des deutschen Volkes, die der Olympiade das Gepräge geben. Es sind die Machthaber Deutschlands, die die Arbeiter ihres Landes brutal unterjocht, die die Freiheit des deutschen Volkes zertrümmert und die zugleich di« Kriegsgefahr in Europa auf das höchste gesteigert haben, die nun die Sportler der ganzen Welt einladen, in die Hauptstadt des Dritten Reiches zu kommen, das ein Reich des blutigen'Terrors, der brutalen Gewalt und der schmachvollen Rechtlosigkeit geworden ist. Nicht dem friedlichen Wettbewerb ertüchtigter Jugend, sondern der Kriegsvorbereitung dient der Sport der fasciftischen Staaten. Nicht dem kulturellen Aufstieg der Masten, sondern ihrer Einlullung und Beherrschung ist der Sport in den fascistischen Ländern gewidmet. Deshalb lehnen die beiden internationalen Verbände der Arbeitersportler, deren Ziel eS ist, für einen freien Sport. eines freien Volkes zu wirken, den Zwangscharakter der fasciftischen Sportveranstaltungen mit aller Entschiedenheit ab. Sie protestieren gegen das Unterfangen, eine internationale sportliche Veranstaltung, wie di« Olympiade es ist, für die Zwecke fascistischer Gewaltpolitik zu benutzen. Sie rufen die Sportler und Turner der ganzen Welt auf, die Berliner Olympiade zu boykottieren! Die beiden Arbeiter-Sportinternationalen wenden sich an die sozialistischen und freiheitlichen Parteien aller Länder mit dem Verlangen, keine Staatsmittel für die Berliner Olympia de zu bewilligen. Sie wenden sich an alle, die Gegner der fasciftischen Gewaltpolitik sind, mit dem Rufe: die Berlin e r O l y m p i a d e in keinerWeise zu unterstützen. Die beiden Arbeiter-Sportinternationalen fordern die Arbeiterorganisationen der ganzen Welt auf, in den entschiedensten Kampf gegen die Berliner Olympiade einzutreten, die nichts anderes ist, als«ine Heerschau des HitlerfasciSmus. 1300 Arbeiter streiken In der Oderberger Röhrenfabrik Hahn Mährisch-Ostrau, 6. September..In der Röhrenfabrik Hahn in Oderberg brach Freitag früh ein allgemeiner Arbeiterstreik aus, der sich gegen die beabsichtigte lOprozentige Herabsetzung der Akkordlöhne der Röhrenfabrik wendet. Es streiken gegen 1300 Arbeiter. Der BetcitbsauS- schuß hat einen bestimmten Teil der Arbeiterschaft für die Not» und Erhaltungsarbeiten bestimmt. Samstag nachmittags wird eine Betriebsversammlung der streikenden Arbeiter stattfinden, die über das weitere Vorgehen entscheiden wird. Innerhalb der Bauernschaft haben die Jnngbauern bereits so viel Geivicht, daß sie in den kantonalen Bauernparteien den Beschluß auf Stimmenthaltung, in einzelnen sogar auf Ablehnung durchsetzen konnten. Die A n gestellten, die vor'allein in der Demokratischen Partei Zürichs und her Freisinnigen Partei Basels ausschlaggebend sind, haben- sich- dort und selbstverständlich auch in ihren gewerkschaftlichen Organisationen mit aller Entschiedenheit gegen die Initiative gewandt. Auf diese Verbündete muß abgestellt werden— nicht aber auf die formale Ablehnung durch die Freisinnige Partei(deren Jugend— die„Jungliberalen"— zu den Initianten der Totalrevision gehört) die heute weit mehr aus Konkurrenzneid gegen di« Katholisch-Konservativen als aus demokratischer Ueber- zeugung die Initiative für„noch nicht opportun" erklärt. Man wird am 8. September sehen, wie weit die ohnehin niemals besonders hervorragend gewesene Parteidisziplin bei den Freisinnigen reicht. Die Haltung des Bürgertums bei der kommenden Abstimmung braucht für die Sozialdemokratie kein Problem zu sein. Piel wichtiger aber ist es, daß bei dieser Gelegenheit einzelne Teile der unzufriedenen, aufgewühlten Massen unter fascistische Führung kommen können.„Totälrevi- sion" als Ausdruck dafür, daß„es anders werden muß" kann zum fasciftischen Beutezug in das Lager jener werden, die als Opfer der kapitalistischen Kris« zur Arbeiterbewegung gehören. Gerade die Unklarheit und Verschwommenheit, die für den politisch nicht hinreichend Aufgeklärten mit der Totalrevision verbunden ist, kann diesen dazu bewegen, durch seine Zustimmung seinen Protest gegen das„System" zum Ausdruck bringen zu wollen, ohne zu merken, daß er damit jenen Tendenzen hilft, die die schärfste Ausprägung eben jenes«Systems" sind. Die Arbeiterbewegung und ihre Verbündeten werden sich daher davor hüten, in diesem Kampfe nur als„konservativ" zu erscheinen. Der P l a n d e r A r bei t, dem ja der Hauptangriff gilt, wird von der Sozialdemokratie als Leitgedanke einer wirklichen, nicht nur die geschriebene, sondern auch die tatsächliche Verfassung der Schweiz erneuernden Totalrevision in die Masten getragen werden müssen. Am 22. September wird ein außerordentlicher Parteitag zusammcntreten, besten Aufgabe es sein wird, die Erfahrungen des 8. September für die nächsten Kämpfe, und namentlich für di« Nationalratswahlen, zu verwerten. In einer Zeit, wo die Dinge so auf des Messers Schneide gestellt sind, werden die Beschlüsse dieses Parteitages vielleicht geschichtliche Bedeutung erhalten. Der Bauernaufstand In Litauen Die litauische Regierung gibt in einem amtlichen Kommunique bekannt, daß die Bauernunruhen im Kreise Suwalki ihr Ende erreicht hätten, daß die Belieferung der landwirtschaftlichen Genossenschaften— Kaunas war 14 Tage lang ohne Milch— wieder ausgenommen worden sei, und daß eine Untersuchung ergeben hätte, daß Agenten eines fremden Staates die Bauern aufgehetzt hätten. Offiziell gibt die Negierung die Tötung von drei Polizeisoldaten und vier Aufständischen zu. Die Zahl der Verwundeten wird nicht bekanntgegeben, obwohl sich Hunderte von Verletzten in den Krankenhäusern Kaunas und Suwalkis befinden. Der Kaunaser Presse wurde verboten, über die Vorfälle zu berichten und für die oppositionelle Presse wurde ein Kommissar eingesetzt, der die Berichte aus dem Auslandsgebiet zensuriert. Dagegen verspricht das fascistische Kabinett Tubelis im offiziellen„Lietuvas- Aidas", alles zu tun, um die wirtschaftliche Lage der Bauern'zu erleichtern, droht aber mit den schwersten Strafen, mit der standrechtlichen Erschießung für den Fall, daß die lluruhen sich fortseben, dabei wird wieder von den ausländischen Propagandisten gesprochen. Soweit die amtlichen Meldungen. Auffallend ist, daß der Name der fremden Macht,' die die Agenten in den Kreis Suwalki geschickt hat, nicht genannt wird. Sind es Bol- schewiken? Sind es Nationalsozialisten? Sind es etwa sogar Polen, denn der Kreis Suwalki liegt an der polnischen Grenze, und in ihm lebt eine größere polnische Minderheit.— Nicht ein eineinziger„Hetzer" ist von der litauischen Polizei gestellt worden, obwohl alle Dörfer Haus für Haus durchsucht worden sind.— Nein, hier bekam der litauische Fascismus zum erstenmal seine Rechnung präsentiert. Und zwar von seiner eigenen Bauernschaft, die es vor zwölf Jahren dazu benutzt hatte, um die demokratische Verfastung außer Kraft zu setzen. Diese Bewegung ist keine nationale, sondern eine soziale, erzeugt aus dem Elend, das der litauische Fascismus über seine eigenen Bauern gebracht hat. Die litauische Landwirtschaft ist eine extensive, fünf bis sechs Meterzentner pro Hektar ist der armselige Ertrag, den der Boden hergibt. Die Ernte muß der Bauer an die staatlichen Kooperativen verkaufen. Wohl bezeichnen sich diese Kooperativen als Genossenschaften, aber die Bauern haben in ihnen nichts zu sagen, sondern nur die fascistische Partei der Tauteninkai, die ihre Schützlinge dort unterbringt. Der Ministerpräsident Tubelis ist gleichzeitig Präsident der Pienö« zentras, der Milchkooperative. Zu allem kommt aber, daß diese Genoffenschaften infolge der litauischen Exportschwierigkeiten nur einen geringen Teil der litauischen Produktion auskaufen köimen, so daß die Bauern, die stundenlang vor den Ankaufsstellcn gewartet haben, mit einem großen Teil ihrer Produkte wieder heimkehren müssen.* Der litauische Bauer lebt heute im größten Elend. Er ist nicht einmal imstande, das Petroleum für eine Lampe zu kaufen. Die Holzhäuser und Ställe zerfallen, Mobilar ist nicht vorhanden, did Viehherden gehen zurück, Kleidungsstücke kann sich der Bauer nicht kaufen und selbst die Säuglinge werden in Zeitungspapier gewickelt. Verschiedene Journalisten und Schriftsteller, die einen guten Namen haben, haben in letzter Zeit Kaunas besucht und behaupten, eine Stadt entdeckt zu haben, in der Kultur und Sitte herrschen. Sie staunen über die Neubauten, über die europäischen Hotels, über die Entwicklung einer Stadt, die noch vor wenigen Jahren ein rustischer Provinzflecken war. Daß aber diese Entwicklung erkauft worden war, mit dem Elend und dem Hunger der Bauernschaft, darüber schwiegen diese Herren. Sie verschwiegen auch, daß in Litauen die Arbeiterpartei und ihre Organisationen verboten sind und daß ihre aktiven Anhänger in den Ge- fängnisten schmachten. Die aufständischen Bauern verkünden in Flugblättern klar und deutlich ihre Forderungen: Verringerung der Schuldenlast, Erhöhung der Getreidepreise» kostenlose Holzverteilung, Mitbe- stimmungsrecht in den Genostenschaften. Der litauischen Arbeiterschaft wurde vor zwölf Jahren durch den fasciftischen Waldrmaras- Umfturz das Rückgrat gebrochen. Ter litauische Fascismus stützte sich soziologisch immer aus die Bauern, die er gegen die Arbeiterschaft auSspielje. Jetzt findet die Arbeiterschaft in der litauischen Bauernschaft ihren Verbündeten, und die fasti- stische Oberschicht steht als«in Offizierskorps ohne Bataillone da, das sich nur noch durch Terror und Gewalt am Ruder hallen kann. Umbildung des Kabinetts als Folge der Unruhen Kswno. Das Köchinett ist am Freitag zurückgetreten. Der frühere Ministerpräsident Tu- bttis hat die neue- Regierung gebildet. Dem neuen Kabinett gehören alle bisherigen Minister mit Ausnahme desJnnenmi- nisters und L a n d Wirtschaftsministers an. Das Innenministerium hat General Caplikas und das Landwirtschaftsministerium Putvinskis übernommen. Der Anstoß zu der ltmbildung des Kabinetts ist auf die Bauernunruhen im Suwalki- Gebiet zurückzuführen. Die Untersuchung ist immer noch nicht endgültig abgeschloflen. Wik die litauische Telegraphenagentur meldet, sind bis jetzt insgesamt 120 Personen verhaftet worden.> r Abessiniens Rüstungen Addis Abeba. Einer der höheren Offiziere der abessinischen Armee erklärte dem Vertreter des Reuterbüros gegenüber, daß Munition und Vorräte aus der Hauptstadt in westlicher Richttzng transportiert werden, um nicht künftigen Fliegerangriffen ausgesetzt zu sein. Der bekannte Negerflieger Oberst Julian wurde zum Kommandanten, der Garnison von Ambo ernannt. Julian ist aus dem Fliegerkorps ausgetreten, weil die ihm zur Verfügung gestandenen Flugzeuge für Kriegsbedürfniffe zu all seien. Aus einigen LandeZteilen.wird gemeldet, daß. während der letzten Tage die'Mobilisierung und die Vorbereitungen zum Kriege'beschleunigt wurden. Der Obersthostämmerer wird in Harara die Führung eines Korps von 10.000 Soldaten übernehmen, die mit der Eisenbahn dorthin trans- pornerl werden. Es wurden Bestellungen von Kriegsmaterialin Europa und Amerika gemacht. Der Chef der abessinischen Kanzlei für, Lieferungen, welcher sich gerade in Deutschland aufhält, bestellte bei einer schweizerischen Firma für 30.000 Pfund Sterling Kanonen. In Amerika wurde Kriegsmaterial für 50.000 Dollars bestellt. Amerika liefert Hotchkih-Gewehre. Gasmasken und Zelte. Feldstecher und Fernrohre wurden in Holland bestellt. 18 I VILLA OASE oder: DIE FALSCHEN BORGER Roman von Eugene Dablt Berechtigte Uebertragung aus dem Französischen von Bejot-L' Sie legte ihren Kopf aufs Kiffen. Ein Sonnenstrahl drang in den Raum, und an der Decke tanzten Reflexe. Sie folgte ihnen mit den Augen, als wollte sie sich an ihnen- wärmen. Gott sei Dank, daß sie das Schlagen mit den Türen nicht mehr zu hören brauchte und das Keuchen der Kranken. Und nicht mehr die Vorwürfe der strengen Schwestern. Sie dachte an ihre Nachbarinnen, die ihr Abschied traurig gestimmt hatte. Sie, ja sie würde jetzt gesund. Die anderen aber... Auf den Fußspitzen-schlich Onkel hinaus. Sie sah Irma in ihrem Morgenkleid. Nach einer Weile kam sie an ihr Bett. Es war mittags. Sie erinnerte sich ihrer ersten Plauderstündchen. I" der Küche wurde mit Töpfen hantiert. Onkel brummte etwas. Es klang wie das Knurren eines Hundes. Und ein verführerischer Duft stieg ihr in die Nase. Vom Bett aus konnte sie die Eltern beim Tisch sitzen sehen. Julien brachte ihr das Esten. Sie brauchte sich nicht zu zwingen, denn sie hatte großen Hunger. Die Eltern sprachen vom Geschäft. Bon Zeit zu Zeit unterbrachen sie sich und fragten:„Na, schmeckt's?" Sie sagte ja-und zeigte den beinahe leeren Teller. Es klingelte. „Deine Pflegerin", meinte Julien.„Charlier schickt sie uns." Sie setzte sich an Helenes Bett. Also doch eine Schwester. Sie war schwarz/ dürr und steif, wie eine Holzlatte. War sie, nötig? Doch, ja. Ihre Mutter und Julien konnten nicht bei ihr bleiben, sie auch nicht allein laffen. Wieder klingelte cs. Der Arzt, Papa Adams Freund, begrüßte sie heiter und untersuchte sie. „Man wollte also durchaus nach Hause? Hier ist es besser, was?" „Tas will ich meinen", rief Julien aus. „Südlage I Das ist so gut wie Sanatorium. Einen Kognak, Doktor?" „Ich sage nicht nein, Herr Monge. Dann sehe ich mir auch Ihre Frau gleich mal an. Helene erschrak. War ihre Mutter etwa krank? Der Gedanke trübte ihre Freude. Die Sonne sank. Ein letzter Strahl haftete noch auf dem Fenster. Sie fühlte sich allein und zog die Decke hoch. An ihrer Seite saß die Pflegerin, ganz in Schwarz, wie eine Kühle ausströmender Schatten. Sie drehte sich lieber zur Wand und schloß die Äugend Als sie erwachte, war es finster. Sie rief. Niemand antwortete. Ein heftiger Hustenänfall zwang sie, sich aufzurichten. Sie streckte den Arm aus und. warf dabei etwas vom Tisch. Sie umspannte die" Kehle mit der Hand, stand stöhnend auf, suchte tastend den Lichtschaller und stieß an einen Stuhl. Plötzlich hörte sie, daß die Tür« geöffnet wurde. Jemand machte hell. „Was, Sie sind auf?" schrie die Pflegerin. Sie- packte Helene, drückte sie ins Bett zurück, zwängte ihr die Decke unter den Körper und fuhr sie mit schneidender Stimme an: „Sie sind wahnsinnig! Kann man Sie nicht einmal ein paar Minuten allein laffen?" „Ich habe Durst." Helene nahm die Tasse, die ihr die Pflegerin reichte, versuchte, sie in ihren zitternden Händen feftzuhalten, aber er gelang-ihr nicht. Sie ließ sie fallen. Dann sank sie selbst zurück. Ihr Gesicht war verzerrt. Ihre Brust arbettete mit pfeifendem Geräusch. Gegen neun kamen Irma und Julien. Helene schlummert«. „Sie hatte eine Krise", erklärte die Pflegerin.„Nicht überraschend in diesem Stadium." „Ein Zeichen, daß es aufwärts geht", meinte Julien.„Verstehst Tu, Dicke? Wir essen, und du gehst zu Bett. Ich wache mit der Pflegerin. Er kehrte bald zurück und setzte sich hin. „Es war also nicht gut vorhin?" flüsterte er.„Ich habe große Angst. Verraten Sie sich nur nicht vor meiner Frau. Sie ist abergläubisch und sehr nervös. Er öffnete den„Jntransigeant". Seine Hauptlektüre tvarcn die Rennberichte, die Börsennotizen und Poincares Reden. Htzute stand nichts Interessantes darin. Er reichte das Blatt der Pflegerin und sagte gähnend: „Ich kann mir doch ein« ins Gesicht stecken?" „Jetzt macht das nichts mehr aus." Er schnüffelte. Schon roch das Zimmer wie eine Apotheke. Er wollte aufltehen und die Türe schließen. Doch die Kleine bewegt« sich. Er sah sie an. Nein,) dieses Gesicht mit der scharfkantigen Stirn, der schmalrückigen Rase, den harten Kinnbacken hatte keine Aehnlichkeit mit Irma. Es war schon sehr entstellt, und das fahlblonde Haar, das wirr auf den Kiffen lag, wirkte fast wie eine Dornenkrone. Die rechte Hand lag,■ zusammengekrampft, auf der Decke, die linke auf- dem ent» blösten Hals. Es waren weiße, abgemagerte Kinderhändchen. Unter der dünnen Decke zeichneten sich die spitzen Knie ab. Er dachte:„Biel ist nicht mehr übrig. Arme- Ding. Es wäre.für beide, für die Mutter und auch für sie, bester gewesen,.sie wäre in Kanada gestorben, wenn sie schon nicht mehr zu retten ist." Er brannte ein« neue Zigarette an. „Zehn Uhr", sagte er. Und, zu der Pflegerin gewandt:„Ihren Beruf möchte ich nicht haben." „Man gewöhnt sich an alles." „Nicht an den Umgang mit Krankheiten. Ich weiß, wir kommen alle eines Tages an die Reihe, aber bis dahin... Na, ich habe jedenfalls mein Leben genossen." „Wie Ihr Freund, Herr Charlier, aückj- Tas war«in spaßiger Lungenkrankerl Wenn i<6 bei ihm wachte, spielten wir regelmäßig ein: Partie." „Wie lvärs? Wollen wir auch eine machen? Sonst penne ich. Bin abends nicht mehr viel wert." Sie gingen ins Eßzimmer. Julien mischt* die Karten, und sie spielten. Von Zeit zu Zeit stand die Pflegerin auf, um nach der Patientin zu sehen. Sie kam aber schnell zurück und bemerkte nur:„Sie schläft." Julien warf eine» Blick ins Schlafzimmer. Irma schnarchte, So konnte er beruhigt weiterspielen. Helene hustete. Er raffte die Karten zusammen und folgte der Pflegerin. Vor-. dem Best faßte er Posto und sah, wie es Helene abwürgte- Er fühlte sich nutzlos, ohnmächtig und von Ang" beherrscht. Würde der Lärm die ganze Nackt dauern? Er nahm Helenes. Hand und hieÜ sie- ohne ein Wort zu sagen, fest in der seinen. „Ich huste nicht mehr, Onkel. Gehen& f nur schlafen." Er ging hinaus, zog Jacke und Schuhe äuS und atmete erleichtert auf. Plötzlich entfuhr ihm ein Fluch. Es fing von neuem an. Irma haste einen leichten Schlaf. Er schloß dit Türe. Dann legte er sich hin, stieß ötrs Kiffen mit dem Ellbogen zurecht und drückte sein Gesicht hinein- Tas war ein Tagl Wenn es so weiterginge,.- Die nächsten Tage verliefen etwas ruhiger- Bekannte, die kein Krankenhaus betreten wollten- erkundigtert sich nach der Kleinen. Sie blieben ei" paar Minuten bei ihr, verzogen sich ins Eßzimmer und rauchten ihre Zigarette. Julien waren diese Besuche nicht unlieb. allen Regierungsstellen zugesandt werden soll, geht eindeutig hervor, dass die Herren Gewerbetreibenden von modernen Ansichten über Speisekartoffeln, der Zollnachlatz für Kartoffeln und das Verbot der industriellen Verarbeitung von Kartoffeln verlangt wird. In bezug auf die Versorgung der Bevölkerung mit Speisefetten ersuchen die Verbrauchergenossenschaften um die Aufhebung der laut Regierungsverordnung Nr. 51/1934 eingeführten Kontingentierung der Produktion von Speisefetten. Durch diese Petition wird angedeutet, dass es sich nur um Teilforderungen handelt, wobei die Frage der Preise fiir Zucker, Tierfette und Fleisch noch nicht als gelöst betrachtet werden kann. die Lösung der brennendsten wirtschaftlichen und sozialen Probleme der gegenwärtigen Krisenzeit keineswegs angekränkelt sind. Neben älteren Ladenhütern, wie Aufhebung des Nachtbackverbotes und den obligaten Ausfällen gegen die Konsumgenossenschaften finden wir darin als Allheilmittel gegen die Krise des Gewerbestandes die Gewerbesperre, nach deren Einführung-sich ein Grossteil des jungen gewerblichen Nachwuchses einfach aufhängen müsste, und weiters Forderungen, die den Gewerbestand des Herrn Tichi als geschworenen Feind der Arbeiter deklarieren. So w a r n e n sie vor einseitigen staatlichen Eingriffen in die Wirtschaft, lehnen die Einführung der Vierzig-Stundenwoche in den kleingewerblichen Betrieben ab, und sind auch gegen die staatliche Regelung der Arbeitsvermittlung. Die Herren stellen sich also bewusst in schwersten Gegensatz zu den Forderungen der Arbeiterklasse, von deren Geld sie zum guten Teil leben. Die Arbeiter werden sich das gut Inerten I Volksgemeinschaft In 6er lat Die Gemeindevertretung von P r o b st a u fasste vor einiger Zeit den Beschluss, mit Rücksicht auf die finanzielle Notlage der Gemeinde, eine Vie beiderseitigen Vorbereitungen „Gazzetta del Popolo" berichtet aus Alexandria in Aegypten, dass mit dem englischen Schiff„Cecilian Prince" 70 Militärflugzeuge für die englische Luftflotte in Aegypten angekommen seien, die sofort nach dem Flugplatz in Abukir befördert worden seien. Mit dem gleichen Dampfer seien auch zahlreiche Militärkraftwagen zur Beförderung von Waffen, Soldaten und Munition angekommen. Zwischen den britischen Militärbehörden und den Zollbehörden von Alexandria seien Verhandlungen im Gange, die die Ueberlassung von Magazinen zur Errichtung eines Munitionsund Waffenlagers für die Engländer zum Ziele hätten. Di« türkische Presse meldet aus Athen von militärischen Massnahmen Italiens auf dem Dodekane. Eine grössere Anzahl italienischer Kriegsschiffe soll sich vor der italienischen Basis aus der Insel Le ros versammeln. Die zumeist griechische Jnselbevölkerung. sei mobilisiert worden, versuche jedoch in grosser Zahl sich durch Flucht der italienischen Dienstpflicht zu entziehen. Italien hat in den Vereinigten Maaten grosse Mengen von Benzin, Erdöl und Stahl sowie Material für die Herstellung von Granaten bestellt, ferner Kupfer, Eisen, Fräsmaschinen, Baumwolle, Nahrungsmittel usw. In den meisten Fällen hat Italien sofort bezahlt, für einige Lieferungen wurden Kredite als Kompensation für bedeutende Konzessionen an amerikanische Importeure auf dem italiemschen Absatzmarkt gewährt. Im ersten Halbjahr 1935 kaufte Italien in Amerika 154.000 Tonnen Eisen gegenüber 97.000 Tonnen in der gleichen Zeit des Vorjahres. Abessinien und Genf Der Streit um das goldene Kalb des König von Juda sorgen Wir für leicht verdauliche Kostl Denn wir verwenden stets das 100%ige, reine Pflanzenfett Geres Nur echt mit dem Namenszug Z/C/14 Zur Reise StojadinoviC nach Paris AP. Bei dem Besuch des jugoflawischen Ministerpräsidenten StojadinoviL in Paris kam u. a. zur Sprache, Jugoslawien sei besorgt, dass im Falle eines deutschen Angriffs auf Oesterreich, zumal Italien anderwärts zu sehr in Anspruch genommen sei, die ganze La st des Kampfes für die österreichische Unabhängigkeit aus die Schultern der Kleinen Entente falle. Dies sei nicht gerade günstig für ein rasches Fortschreiten der Verhandlungen über den Donaupakt. Es erscheine als recht schwer, eine umfassende Verständigung ins Auge, zu fassgn,.solange der italienisch-abessinische Konflikt auf der Tagesordnung stehe. Stojadinövic trat auch gegen die Auffassung auf, als ob eine Wiedereinsetzung der Habsburger eine Bürgschaft gegen den Anschluss darstelle. Vielmehr werde sie unvermeidlich in Oesterreich innere Unruhen Hervorrufen, die gerade den Anschluss beschleunigen könnten. Laval gab seiner Genugtuung darüber Ausdruck, dass Stojadinoviä, der jetzt gleichzeitig Präsident der Kleinen Entente sei, seinen ersten Besuch Frankreich abgestättet habe. Die Verhandlungen wurden im Geiste grösster Herzlichkeit geführt und gipfelten in dem Wunsch, die Politik engster Zusammenarbeit auch in Zukunft fortzusetzen. neue Todesurteile In Spanien Madrid. Das Standgericht verkündete nach längerer Verhandlung das Urteil gegen die Angreifer auf die Zcntralremise der Strassenbahn. Beide Angeklagte, Martinez und A g u r o, wurden für schuldig befunden und zum Tode verurteilt. Der Inhaber der Autodroschke, welche die Angreifer benützt hatten, und der Chauffeur wurden zu je 17 Jahren und vier Monaten Kerker verurteilt. Schwere Zuchthausstrafen gegen Kommunisten Berlin. Vor dem Kammergerichte standen 18 Berliner Kommunisten unter der Anklage, eine' illegale rote Sportorganisation neu aufzubauen versucht zu haben. Sie hatten durch die Verbreitung kommunistischer Flugschriften Mitglieder zu werben und die Tätigkeit der Organisation über das ganze Reich auszudehnen versucht.,', Der aktivste der Angeklagten, Ferdinand G r e n d o r f, wurde zu zehn Jahren Zuchthaus verurteilt. Ein ivejterer Angeklagter erhielt sieben Jahre, zwei je fünf Jahre und drei je vier Jahre Zuchthaus. Elf Angeklagte■ erhielten Zuchthausstrafen bis zu dreieinhalb Jahren. Der polnische„Wahlkampf** auf dem Höhepunkt AP. Warschau. Die Wahlkampagne des Regierungsblocks vollzieht sich zwar in hohem Masse unter Ausschluß der Oeffentlichkcit, und in den Warschauer Strassen sind nur sehr wenige Wählplakate aufgeklebt. Umso eifriger arbeiten hinter den Kulissen sämtliche wirtschaftlichen und sozialen Organisationen, soweit sie unter dem Einfluss des Regierungslagers stehen, daran, eine m ö g- lich st grosse Wahlbeteiligung zu sichern. Die Mitglieder werden in persönlichen Zuschriften ausdrücklich aufgefordert, auf jeden Fall sich an den Wahlen zu beteiligen. Die oppositionellen Blätter berichten fortgesetzt von neuen Polizeiaktionen. Die Büros der Bäuerlichen Volkspartei sowie der Bauernzeitung „Grüne Standarte" wurden stundenlang durchsucht. In der Wojewodschaft Krakau wurden zahlreiche Volksparteiler, in Wcstpolen zahlreiche Nationaldemokraten verhaftet. Noch 50.000 Rom. 50.000 Wehrfähige des Jahrganges 1912, welche vom Militärdienst aus familiären Gründen befreit waren oder nur drei Monate gedient hatten, wurden zu den Fahnen gerufen. Seife 4 Samstag, 7. September 1935 Nr. 209 Die Tragödie auf de» Keys-Insel» Die Orkan-Opfer müssen auf Scheiterhaufen verbräunt werbe« Jacksonville.(Reuter.) Die Meldung, derzufolgr bei dem Orkan, der iiber Florida und den Keys-Inseln gewütet hat, 400 ehemalige Kriegsteilnehmer das sieben verloren, btstätigt sich. Dir Keys-Inseln sind nachts von den Flammen der Scheiterhaufen beleuchtet, auf denen dir Rettungsmannschaften die Körper der O^frr verbrennen müssen» weil es auf den Inseln an Särgen zur Bestattung fehlt. Es wurden alle möglichen Maßregeln getroffen, um der Verbren nung der noch nicht identifizierten Leichen vor- znbeugen. Der katastrophale Orkan hat sich nun in nördlicher Richtung gedreht und verursacht neue große Schäden in Nord-Florida sowie in Georgia; auch Nord- und Südkarolina wurden stark in Mitleidenschaft gezogen. In Birginien, das ebenfalls heimgesucht wurde, wurden mehrere Frauen durch den Orkan getötet beziehungsweise verwundet. nach dem Hainfelder Einigungsharteitag aufflak- kernden Bewegung der»Unabhängigen", die sich in der Wiener„Bolkspresse" eine Zeitschrift ge- schaffen hatte. Die„Unabhängigen" wandten sich gegen die Straffheit der Parteiorganisation und bestritten die Möglichkeit, noch innerhalb des Kapitalismus etwas für die Arbeiter zu tun. Es waren die ehedem so mächtigen, erst in den letzten Jahren vor Hainfeld zurückgedrängten anarchistischen Anschauungen, die zu neuem Leben erwacht waren und in Hanser und Heimann gewandte Agitatoren gefunden hatten. Am tiefsten schlugen sie Wurzeln im nordwestböhmischen Braunkohlengebiet. Aber der überwiegenden Mehrheit der klassenbewußten Arbeiter war die öben erst errungene Einheit der Bewegung ein viel zu kostbares Gut geworden, als daß sie cs Sektierern geopfert hätten. Auf einem Parteitage in Wien kam cs zu einer großen Auseinandersetzung mit den„Unabhängigen"— das war im Jahre 1892 und Victor Adler war Führer in diesem Kampfe, der mit ihrem Ausschluffe aus der Partei endete. Die Bewegung der„Unabhängigen" verlor bald darauf an Bedeutung und Adolf Heimann verschwand aus dem politischen Leben. Mit der Partei hat er sich später wieder versöhnt, auch gelegentlich noch an der Parteipreffe mitgearbeitet, aber doch keine Rolle mehr gespielt. Die letzten Jahre seines Le- | benS verbrachte der vereinsamte Mann in sehr ärmlichen Verhältniffen.— Sein Tod mag erinnern an eine Zeit, in der die Arbeiter, anders als 1920, die Einheit und Geschlossenheit ihrer Partei wirksam zu verteidigen verstanden; vielleicht steigen im Gedächtnis einiger unserer„Alten" Bilder aus längstversünkenen Tagen auf, Bilder aus hoffnungsreichen Kampftagen— und Junge, die jetzt zum ersten Male von einer Zeit erfahren, da— drei Jahrzehnte vor dem Einbruch des Bolschewismus in die europäische Arbeiterbewegung— knapp nach der Einigung der Arbeiter um die Erhaltung der Einigkeit gerungen wurde, — Junge werden sich vielleicht gemahnt fühlen, ein wenig zu schürfen in der Geschichte unserer großen Bewegung... Dr. Hugo Patfcheidcr» bekannt aus dem eingeleiteten großen Schutzgesetzprozeß, der sich in der Haft des Troppauer Kreisgerichtes befindet, ist zusannnen mit Dr. Koberg aus Jägerndorf zu einem Monat Arrest unbedingt verurteilt worden, weil er strafbare Handlungen nach 8 1? des Schutzgesetzes begangen hat. Die beiden Verurteilten unterhielten im Jahre 1931 lebhafte Beziehungen mit dem reichsdeutschen Stahlhelm. Die beiden waren im Prozeß vor der ersten Instanz freigesprochen worden, doch hat auf Grund der Nichtigkeitsbeschwerde des Staatsanwaltes das Berufungsgericht in Brünn das freisprechende Urteil aufgehoben und den beiden Angeklagten eine einmonatige Strafe bemessen. Familientragödie. Im städtischen Krankenhaus in UZhorod verschied Freitag nachts die schlververletzte 17jährige Tochter Ilona des arbeitslosen Maurers Michal HasiL, welcher Donnerstag abends nach einem vorhergegangenen Streit seine Gattin durch einen Schuß ins Herz getötet und seine Tochter schwer verletzt hatte. HasiL wurde verhaftet, nachdem er die Nacht in verschiedenen Uzhoroder Gaststätten durchwacht hatte. Er zeigte sich über seine Tat keinesivegs erregt. Die ehelichen Zwistigkeiten wurden teils durch die Arbeitslosigkeit, teils deswegen hervorgerufen, tveil Mutter und Tochter die Nächte außer Haus verbrachten. Ein spätes Kriegsopfer. Auf dem dem Bunde gehörigen Gebiete der ehemaligen Wöllers- dorfer Werke nahm am Donnerstag ein Arbeiter Grabungen vor, bei denen er tödlich verunglückte. Die eingeleiteten Erhebungen ergaben, daß der Arbeiter bei den Arbeiten auf Knallquecksilberreste stieß, welche explodierten. Die Reste stammen nachgetviesenermatzen aus eiircrAnlage derKriegs- zeit, die der Erzeugung von Knallquecksilber diente. Die Rückstände sind offenbar noch während der KriegSzeit in die Kanäle und in das Erdreich der jetzigen Arbeitsstelle gekommn. Bon einem stürzenden Baum erschlage«. In der Nacht auf Freitag stürzte in Karpathenrußland bei dem Bau einer Straße zwischen Nevicke und Bajdova Lanka ein infolge des starken Regens unterschwemmter Baum auf eine Hütte, in der vier Arbeiter schliefen. Der 19jährige Samuel Siabo wurde auf der Stelle getötet. Der 40jährige Bertram Tor wurde schwer, der dritte Arbeiter leicht verletzt. Der vierte Arbeiter, der dicht an der Wand schlief, kam ohne Unfall davon. Die Hütte wurde vernichtet. Gesandter BopiLka gestorben. In der Nacht auf den 5. September ist in Chicago der ehemalige Gcsaydte der Bereinigten Staaten Karel I. Bo- piLka gestorben. Vopikka wurde am 3. November 1887 in Dolni Hbity bei Pkibram geboren. Seit dem Jabre 1880 hielt er sich in Amerika auf. In den Jahren 1913 bis 1920 war er Gesandter der Vereinigten Staaten von Nordamerika für Rumänien, Serbien und Bulgarien. Verzweiflung über eine— Rekordernte. Die schweizerischen Weinbauern betrachten mit Sorge ihre Rebstöcke an den Hängen des Jura, des Genfer Sees und der Rhone. Denn es steht eine Rekordernte bevor. Tie gestützten Ranken vermögen kaum das täglich wachsende Gewicht der Trauben zu tragen. Gegenüber einer Normalernte von 600.000 Hektoliter rechnet man mit 900.000 bis eine Million Hektoliter. Dabei sind die Keller noch mit den Beständen aus den letzten Jahren gefüllt. Es fehlen die Fässer und es fehlen die Trinker. Die Viehbauern verlangen amtlichen Zwang zu erhöhtem Milchkonsum, die Obstzüchter propagieren mit Erfolg den ! unvergorenen Apfelsaft. Der Bundesrat steht hier vor einer fast unlösbaren Ausgabe. Flug um die Welt. Am 26. August waren der in Mexiko ansässige Deutsche Fritz Bieler und der Engländer Farquhar zu einem Weltrundflug gestartet. Am Dienstag, dem 3. September, hatten sie Port Safeth, 30 Kilometer südöstlich von Nome(Alaska) verlassen. Am Donnerstag, dem 8. September, fing die amerikanische Nachrichtenabteilung in Seattle einen Funkspruch aus Helen in Sibirien auf, wonach die beiden Flieger dort glatt gelandet seien. Die Einschreibungen an der Deutschen Technischen Hochschule in Prag für das Studienjahr 1935/86 finden in der Zeit vom 24. September bis 8. Oktober statt, und zwar in nachstehender Reihenfolge: Neu eintrctende Hörer(Inländer) am 24. und 25. September, bereits immatrikulierte Studierende(Inländer wie Ausländer) vom 26. September bis 5. Oktober, und zwar in alphabetischer Ordnung, die am schwarzen Brette der Hochschule kundgemacht wird. Neu eintretende Ausländer am 7. und 8. Oktober. Die Aufnahmeprüfungen aus der Darstellenden Geometrie und dem Freihandzeichnen für absolvierte Gymnasiasten werden für Inländer am 24. September und für Ausländer am 7. Oktober l. I. vor der Einschreibung bei den betreffenden Lehrkanzeln im Hauptgebäude, HuSgaffe, abgehalten. Die Vorlesungen beginnen am 7. Oktober. DaS Programm(erster und zweiter Teil) wird nur gegen Voreinsendung von 17.20 Xi(Ausland 19 XL) gesandt. Vorübergehend etwas besseres Wetter. Im Zusammenhang mit einer Druckstörung, die am Freitag Deutschland in östlicher Richtung rasch durchquerte, hat es in unseren Gegenden nahezu überall geregnet. Nach Vorüberzug dieser Störung steigt der Luftdruck in Böhmen bereits wieder rasch an und die Regenfälle hören auf. Für Samstag kann in den böhmischen Ländern wenigstens vorübergehend etwas besseres We t t e r erwartet werden. Die Weiterentwicklung des Wetters ist jedoch unsicher, da über dem Ozean eine neue Dnickdepression erschienen ist. Es erscheint nicht ausgeschlossen, daß unter ihrem Einfluß in Mitteleuropa später vom Westen her eine neue Verschlechterung eintreten wird.— Wahrscheinliches Wetter von heute: In der Westhälfte des Staates Bewölkungsabnahme, bis auf ganz vereinzelte Schmier trocken, namentlich nachts ziemlich kühl, West- bis Nordwestwind. Im Karpathengebiet noch unbeständig, Regenschauer etwas kühler. Wetteraussichten für Sonntag: Weiterentwicklung des Wetters unsicher, später vom Westen her erneute Verschlechterung möglich. Vom Rundfunk Die Einnahmen des Radiojournals Die Senbegefellschaft hat derzeit etwa 750.000 Rundsunkhörer, die monatlich eine Konzessionsgebühr von 10 X£ entrichten müssen. Dies bedeutet ein Jahreseinkommen von zirka 90,000.000 XL. Davon erhält die Poswerwaltung 60 Prozent und die Sendegeiellschaft 40 Prozent. Im Jahre 1934 brachten bie- Rundfunkgebühren insgesamt 74,000.000 K6 ein, wovon 44,000.000 Xi der Postverwaltung für die Errichtung von Sendestationen und-Gebäuden und für die Erhaltung der technischen Rund- sunkeinrichtungen zusielen. Der Rest von 29.6 Millionen XL wurde zum Teil für technische Einrichtungen des Radiojournals und für dessen ad- ministratwe Ausgaben verwendet. Ferner wurden von diesem Betrag 20 Millionen XL zur Auffüllung des Programms verwendet, wobei 7.5 Millionen XL an das EPB bezahlt wurden. Empfehleuswertcs aus den Programme«: Sonntag: Prag, Sender L: 7: Konzert aus Karlsbad, 9.15: Violinkonzert, 11.20: Konzert des Prager Rundfunkorchesters, 14.15: Schallplattenkonzert, 18.05: Deutsche Sendung: Zeitgenössische sudetendeutsche Komponisten, 19: Deutsch« Presse, 22-40: Deutsche Presse und Sportberichte, 22.45: Tanzmusik. Sender S: 14.30: Deutsche Sendung: Arbeiterfunk: Dr. Baumgärtel: Recht und Gericht im Wandel der Zeiten, 14.45: Bon Liebe und aderen Dummheiten— Brünn 0.45: Violinkonzert, 10.10: Salonqüärtett-Konzert, 18.05: Deutsche Sendung: Opern-Arien.— Mährisch.Ostrau 14: Unterhaltungsmusik, 18.05: Deutsche Sendung: Ein Tag im Vergnügungspark, 21.30: Popul. Orchesterkonzert. — Preßburg 20.10: Operettenmusik. Ein Riesenstrom ändert seinen Lauf P e i p i n g. Berichte aus Schantung geben dtr großen Befürchtung Ausdruck, daß eine einzigartige Naturkatastrophe tevorstehe. Alle Anzeichen deuten darauf hin, daß der Gelbe Fluß in sein Mitte deS vorigen Jahrhunderts verlassmes Bett zurückkchren werde. Die Mündung des alten Flußbettes liegt zwischen Tsingtau und Shanghai. Die Folge dieses grandiosen Naturereignisses wäA die vollständige Zerstörung ungewöhnlich fruchtbarer Gebiete im Rordteil der Kiangsu- Provinz. Nach Ansicht leitender Wasserbaninge- nirure fließt heute bereits die Hauptwaffermenge südostwärts. Die Familie im Schlaf vergiftet Prag. Im Hause Königs st raße 63 in Karolinrntal wurden Freitag unter vollkommen rätselhaften Umständen der Buchhalter Jan R o s« l e k, seine Frau und sein sechsjähriges Töchterchen tot aufgefundrn. Nachbarn hatten Freitag die Polizei verständigt, daß seit drei Tagen kein Mitglied der Familie die Wohnung verlassen hatte. Polizeibeamte brachen daraufhin die Wohnung auf, die van ausströmendem Gas erfüllt war. Im Bade- zimmer lag die Leiche Rosuleks, in einem anderen Zimmer fand man die Leichen der Frau und deS Kindes. Im ersten Augenblick lag die Vermutung nahe, daß die Familie freiwillig aus dem Ltben gegangen sei. Eine nähere Untersuchung der Leichen ergab aber, daß alle drei schwere Kopfwunden aufwiesen. Polizeirat P«k, der sich mit dem Polizeiarzt an Ort undStelle einfand, pellte fest, daß der 47jährige Inhaber der Wohnung, Jan Rosulek, seine 34jährige Gattin Marie und sein achtjähr. Söhnchen Milan im Schlaf durchLeuchtgas vergiftet hatte. Die Leichen lagen in der Küche am Fußboden. Nachdem Rosulek sich vom Tode der beiden überzeugt hatte, hatte er den Gashahn in der Küche abgedreht und sodann im anstoßenden Zimmer sich selber durch Einatmen von Leuchtgas vergiftet. Das Mctiv der Tat ist unbekannt, Briefe wurden nicht gefunden! Die Leichen wurden ins Institut für gerichtliche Medizin gebracht. Großes Flugunglück bei den französischen Manöver« Paris. Das„Jöutnal" bringt einen aus- führlichen Bericht über das große Unglück, welches sich Donnerstag bei den MaNövern in der Champagne ereignete. Zwei große Flugzeuge stießen während eines Fluges in einer Höhe von etwa 1400 Metern im Nebel zusammen, stürzten ab und verbrannten. Die zehn Soldaten zählende Besatzung kam ums Leben. Ankara. Ueber dem Flugplatz stürzte der holländische Pilot Baron Gerhard Sandberg mit seiner Fotkermaschinc tödlich ab. Das Flugzeug befand sich seit mehreren Tagen in Ankara, wo Flugvorfnhrungen zu Berkau fszweckcn stattfinden. Baron Sandberg erreichte eine Höhe von etlva 3000 Meter, als die Sachverständigen und Zuschauer zu ihrem Entsetzen bemerkten, wie sich die Flügel der Maschine nach oben zusammenklappten und das Flugzeug wie ein Stein zu Boden stürzte. Ein Vorgeschmack des künftigen Luftkrieges London. Wie aus S i m l a berichtet wird, explodierte bei Ahbotabad eine große Flugzeugbombe beim Ausladen aus einem Flugzeug. Fünf Personen lvurden getötet und 30 schwer verletzt. Bon den Getöteten sind drei Engländer und zwei Inder; von den Verletzten sechs Engländer und 24 Inder. Nach der Explosion brach ein Feuer aus, durch das zwei Flugzeuge völlig zerstört wyrden. Auto stürzt in den Fluß Donnerstag nachmittags wich ein vom Handelsvertreter Bazatko über die provisorische Holzbrücke beim städtischen Elektrizitätswerk in Nachod gelenktes Personenautomobil einem Fußgänger aus, wobei es an das Holzgeländer der Brücke stieß, das durchbrochen wurde, so daß der Wagen in die drei Meter tiefe Flußstauung stürzte, wo er umkippte. Alle drei im Wagen sitzenden Personen konnten sich mit bloß geringfügigen Verletzungen befreien. Der Wagen wurde aus dem Wasser gezogen und tonnt« seine Fahrt fortsetzen, die Karosserie war stark beschädigt. Abschluß der westböhmischenManöver Rakovnik. Bei starkem Regenfall, der von 6 Uhr morgens andauerte, wurden die Schlußübungen der 3. Manövergruppe Freitag um neun Uhr abgeblasen. Der letzte Tag der Manöver brachte die erwartete Offensive der Blauen, welche sich bisher im Rückzug befinden. Auch die Roten griffen an. Der gut vorbereitete entscheidende Kampf führte zu einem langsamen Vorrücken der Roten längs des Zban-BergeS in der Richtung nach Rev- n i c o v, während die Blauen Erfolge der Kavalleriebrigade aufzuweisen hatten. Die Gesamtsituation der Fronten war aber um 9 Uhr früh, als abgeblasen wurde, ungeklärt. Beide Parteien erfüllten die ihnen auf Grund der Manöver-Annahme auferlegten Aufgaben vollkommen. Der Zweck der Manöver, nämlich den Dienst, insbe- sonders den Jntendanzdienst zu erpro- hen, wurde erreicht. Den Abschluß der Hebungen bildete am Nachmittag die Defilierung eines Teiles der aus den Manövern zurückkehrenden Truppen, die der Minister für Nationalverteidigung Machnik in Vertretung deS Präsidenten der Republik in Saaz abnahm. Wer hat das gesagt?...(Aus dem steno- graphischen Protokoll des Völkerbundrates:) „Der Antrag Abessiniens auf Aufnahme in den Völkerbund stellt eine dem Völkerbund erwiesene Huldigung dar. Sie ist um so wertvoller, als sie von einer Nation stammt, die bisher am Rande der großen internationalen Strömungen gelebt hat, die aber dank der bewundernswerten Festigkeit, mit der sie Jahrhunderte hindurch ihre Religion und ihren nationalen Charakter bewahrt hat, Anspruch auf ritterlicheAch- t u n g erworben hat, einen Anspruch, dem hier Gerechtigkeit zuteil werden muß... Der Sklavenhandel ist in Abessinien bei Todesstrafe untersagt, die Sklaverei zu einer Dienstpflicht abgemildert... Abessinien wird die, Hilfe des Völkerbundes im Kampfe gegen den Sklavenhandel zu schätzen wissen und im Zentrum Afrikas als Mitglied der Liga der Nationen ein aktiver und erfolgreicher Vorkämpfer des Friedens werden"_•— WaS ist das?— Das ist die Rede, welche im Jahre 1923 in der Dölkerbundsitzung in Genf, bei welcher die Aufnahme Abessiniens in den Völkerbund auf der Tagesordnung stand, der — italienische Delegierte Graf Bonn Longare hielt! Ein alter»Unabhängiger". Adolf Heimann ist in Schönbach bei TellNitz im Alter von dreiundachtzig Jahren gestorben. Wer war Adolf Heimann? Nichts sagt der Name den jüngeren Arbeitern, und selbst die, die.schon vor dem Ktiege in unseren Reihen mitmarschierten, wissen mit ihm nichts anzufangen. Kenner der Parteigeschichte aber werden aufhorchen, wenn sie hören, daß Adolf Heimann gestorben ist, und so fern liegt auch ihrem Denken die Zeit, da Heimann eine Nolle in der Arbeitcrbelvegung spielte, daß nichts sie so sehr wundern wird, als daß er bis vor wenigen Tagen noch lebte. Adolf Heimann war neben Rudolf Hanser, einem Wiener Schriftsetzer, der Führer der überraschend bald mit dem er am Großen Salzsee bei Salt Lake City in U. S. A. mit 482,498 Stundenkilometern einen nLncn absoluten Weltrekord für Kraftwagen ausgestellt und damit seine eigene, erst im Frühjahr geschaffene Weltbestleistung um mehr als 40 Stundenkilometer überboten hat. Nr. 209 BatnMag, 7. Teptemier 1935 ®ritf 5 Henri Barbusse/ Erhebung Roman eine* Flieger* Der große revolutionäre Dichter läßt uns in diesem Werl die Abenteuer der Technik und die Wunder des Weltenraumes erleben und kündet das Gesetz einer neuen Gesellschaftsordnung. Preis in Ganzleinen XL 18.—. Zu beziehen durch die Zentralstelle für das Bildungswesen, Prag XII., Slezska 13. Volkswirtschaft und Sozialpolitik Bargeldlose Selbsthllfegenoffenschast Bor einiger Zeit sind in einer Reihe von Gemeinden bargeldlose Selbfthilfegenossenschaften gegründet worden. Der Zweck dieser Genossenschaften sollte sein, Rechnungen für Leistungen zu bezahlen, ohne daß damit ein Geldverkehr verbunden ist. Die Mitglieder mußten an die Genossenschaft zunächst Bareinlagen leisten. Darauf, wurden ihnen dann Kredite gewährt. Die Mitglieder erhielten Scheine auf bestimmte Beträge ausgestellt, mit welchen sie anderen Mitgliedern Waren, oder Leistungen bezahlen konnten. Jedes Mitglied hat bei der Genossenschaft ein Konto. Der Verrechnungsverkehr wickelte sich dann etwa in der gleichen Weise ab,.wie das im Giroverkehr üblich ist. Dem Lieferanten wurden bei der Gutschrift zwei Prozent abgezogen. Einige dieser bargeldlosen Selbfthilfegenossenschaften forderten außerdem von den Mitgliedern, da sie im Verkehr mit Nichtmitgliedern Barzahlungen leisten mußten, zur teilweisen Deckung des Verrechnungsverkehrs eine Bareinlage. Das Bargeld wurde von den Genossenschaften, soweit es nicht im Verkehr mit den Nichtmitgliedcrn benötigt wird, auf Zinsen angelegt. Die Zinserträgnisse und die Beträge aus den Abzügen, die bei den Lieferanten gemacht werden, sollen zur Bestreitung der Regieauslagen und der Rest zur Beschaffung von Arbeiten, insbesondere Jnvestitionsarbeiten, verwendet werden. In einigen Orten scheinen diese Genossen- fchaften eine ziemliche Ausdehnung genommen zu haben. In Reichenberg war die Stadtgemeinde selbst die Gründerin. Diese Form der Selbsthilfe, sich aus Zahlungsschwierigkeiten zu befreien, konnte sich im wesentlichen nur auf das Gewerbe beschränken. An der Notlage der breiten Bevölkerungsschichten änderte sie nichts. Denn die Arbeiter und Arbeitslosen konnten nicht Mitglieder der Selbfthilfegenossenschaften werden. Von ihnen würde auch kaum die.Stadtgemeinde, noch irgend ein anderer Unternehmer, bargeldlose Scheine in Zahlung genommen haben. Aber bei einem unkontrollierten Anwachsen dieser Selbsthilfegenos- scnschaften konnten für die Währung ernste Nachteile e n t st e h e n, d i e sichauchfürgroßeTeiledesVolkcs ungünstig auswirken müßten. Diesen Gefahren soll mit einer Regierungsverordnung entgegengetreten werden, deren Entwurf das Finanzministerium fertiggestellt hat und die dem Schutz des ungestörten Umlaufes gesetzlicher Zahlungsmittel gilt, sifach dem Entwurf wird die Errichtung und der Betrieb solcher Genossenschaften untersagt. Es wird verboten, Mitglied, Teilnehmer oder Unterstützer derartiger Unternehmen zu sein und zur Einstellung der Tätigkeit der Genossenschaften eine Frist von vierzehn Tagen gesetzt. Bei der Durchführung der Verordnung— der Entwurf dürfte kaum noch wesentliche Aende- rungen erfahren— müßte darauf Bedacht genommen werden, daß Mitglieder der aufzulösenden Selbsthilfegenossenschaften nicht allzu schweren Schaden nehmen. Sonst aber wird man das Vorgehen der verantwortlichen Stellen nur billigen können. Bei stillschweigender Duldung und dem Umsichgreifen dieser bargeldlosen Selbsthilfegenossenschaften, die in den meisten Fällen private Unternehmen waren, hätte es eines schönen Tages zu einem großen Krach kommen können, nach dem dann Hunderte oder Tausende Mitglieder als Geschädigte dagestanden wären. Außerdem aber kann der Staat auch nicht zusehen, daß durch private unkontrollierte Vereinigungen die Landeswährung im Zahlungsverkehr sozusagen umgangen wird durch die Schaffung von bargeldlosem.Geld", das ja schließlich doch die Scheine der Selbsthilfegenossenschaften darstellen. Schließlich ist durch die Girokonten und den Postscheckverkehr auch bei uns in weitestem Umfange die Möglichkeit für bargeldlose Zahlungen gegeben. D. Heeicsttssaak Eine haßerfüllte Mytter Prag. Der 33jährige Arbeiter Anton K 0- r ft n t a aus M 0 d i a n war vor dem Einzelrichter GR. Dr. M a r e c e k angeklagt, in etlicher Auseinandersetzung die Hand gegen die leibliche Mutter erhoben und dieser eine leichte Körperverletzung zugefügt zu haben. Auch eine leichte Körperverletzung(die sonst als Uebertretung mit Arreststrafe bedroht ist), wird nach 8 153 St.-G. als Verbrechen betrachtet und mit schwerem Kerker geahndet, wenn der Verletzte der Vater oderdieMutterdes Täters ist. . Prozesse nach 8 153 sind sttts unerfreuliche und oft tragische Angelegenheiten, die auf tiefe Zerwürfnisse ztvischcn Eltern und Kindern Hinweisen. In den allermeisten Fällen pflegen indessen solche Anklagen «in versöhnliches Ende zu nehmen. Fast stets handelt es sich um' übereilte Handlungen und der ange- klagte Sohn bekundet seine aufrichtige Reu«, worauf des mißhandelte Elternteil meist von der Vergün- stigung der Strafprozetzordnung Gebrauch macht und sich der belastenden Zeugtnschaft gegen das eigene Kind entschlägt. Der Richter wird also nach erfolgter Rechtsbelehrung in den meisten Fällen ein freisprechendes Urteil fällen können. Aber es gibt auch andere Fälle dieser Art. Fälle, in denen sich die Sympathie des Zuhörers«her dem Angeklagten zuneigt, als feinem mißhandelten Vorfahren. Zu diesen seltenen Ausnahmen gehört auch dieser Prozeß gegen Anton Korftnta. Tie Eltern dieses Angeklagten sind offenbar fleißige und sparsame Leute gewesen, denn sie haben sich aus ihren Ersparnissen in Modran ein ansehn- ! liches Häuschen gebaut. Ob sie auch liebevolle Eltern waren, mag dahingestellt sein. Was die Mutter betrifft, die hier die Hauptrolle spielt, möchten wir dar bezweifeln. Anton war der ältere der beiden Söhne. Er fand eine gute Stellung und dann eine Braut, die nicht nur hübsch, sondern auch vermögend war. Da der junge Mann gern sein eigenes Haus gehabt Wissenschaft und Technik schufen einen neuen Leuchtkor* per aus doppeltgewendeltem Kristalldraht. Die Doppelwen- del in den gasgefüllten O$RAM-|»J-Lampen gibt, je nach Type, bis 20% mehr Licht für ein Watt. Elektrisches Licht ist also billiger, wenn Sie OSRAM-Q-Lampen verwenden. y&t Uzt M'c. w'&tig Qe£d hätte, kaufte er seinen Eltern aus der MitgkftfeinerBraut ihr Häuschen für 80.000 XL ab und bezog es. Seinen Eltern räumte er ein Zimmer ein. in welchem sie bis zu ihrem Lebensende wohnen sollten. Auch sein jüngerer Bruder erhielt dort ein Quartier. Aber das Zusammenleben des jungen Paares mit den Eltern des Gatten gestaltete sich vom Anfang an schwierig und später unerträglich. Es scheint, daß seine Mutter sich nicht damit abfinden konnte, daß sie nicht mehr unbeschränkte Gebieterin war." Es gab demnach Tag für Tag schwere Auseinandersetzungen und es trüg nicht zur Verbesserung der Situativ» bei. daß die Mutter ihre Schwiegertochter als.heraelaufeneSure"zu bezeichnen pflegte.. Ihren Höhepunkt fanden die ständigen Streitigkeiten eines Tages als die unbeliebte Schwiegertochter dazu kam. wie die Mutter ihres Gatten die Salatbeete mit dem Inhalt ihrer Nachttöpfe begoß. Als sie fich gegen diese unappetitliche Begießung ihrer Beete verwahrte, wurde sie mit einer Flut von Schimpfworten überschüttet, wobei die»hergelaufen« Hure" wieder die Hauptrolle spielte. Nun griff aber der angeklagte Anton ein und verbot seiner Mutter in begreiflicher Erregung, die Beleidigung seiner Frau. Die Mutter erhielt Beistand durch den j ü n g e r e n Sohn: der mit einem Stock in der Hand gelaufen kam. Anton entriß seinem Bruder den Stack und es kam zu einem Handgemenge,. das damit endete,. daß die Muttergegen ihr en Sohn Anton die Strafanzeige wegen Körperverletzung erstattete. Sie Hat bei dieser Auseinandersetzung«ine leichte Hautabschürfung auf dem Oberarm davongetragen.., Bei der Hauptverhandlung bestritt der Angeklagte, der einen guten Eindruck machte, in glaubhaftester Weise, seine Mutter absichtlich geschlagen zu haben. Die oberflächliche Verletzung sei sicher nur zufällig erfolgt. Diese Verteidigung wurde durch das Zeugnis der übrigen Zeugen durchaus wahrscheinlich gemacht. Sowohl der Vater als auch der Bruder des Angeklagten gaben zu, daß eine böse Absicht des Angeklagten nicht behauptet werden könne. Einzig und allein— aber auch mit größter Hartnäckigkeit und Verbissenheit belasteteden Angeklagten die eigen« Mutter. Es ist eine recht ungut aussehende Frau. Zur Abrundung des Bildes sei noch erwähnt, daß außerdem noch mehrer« andere Zivil- und Strafprozesse zwischen dem Sohn und seinen Eltern schweben. Als der. Richter die Mutter fragte, oh sie einen. Schadenersatz von ihrem. Sohn verlangte, antwortete sse verbissen: „Nein— a b er einsperren soll man ihn! Nach dem Verlauf d«S BcweisverfahrenS konnte der Richter nicht zur Ueberzeugung von der Schuld des Angeklagten gelangen und fällte einen Frei- s p r u ch. rb. Richelieu 3« seinem dreihuudertfünfzigste« Geburtstag Bon Hermann Wendel. Niemand Geringerer als Jean IaureS weist einmal darauf hin, daß der republikanische Geschichtsunterricht, so stark er die Entwicklung zur politischen und sozialen Demokratie zu unterstreichen habe, keincsivegs»die großartigen Seiten der alten französischen Monarchie" zu verkennen brauche. Wenn aber das königliche Frankreich durch Jahr und Tag der Welt als strahlende Offenbarung von Macht und Glanz erschien, dankt es- solches Ansehen weniger den Bour.bonen„selbst als ihren entscheidenden'Ratgebern, vor allem einem Richelieu, den auch der deutsche Historiker den»ersten genialen Staatsmann des modernen Europa" nennt.< Richelieu gilt mit Recht als der Schöpfer des straff zusammcngerafften Nationalstaats. Freilich wähnt nur der kleine Moritz, daß große Männer die Geschichte nach Belieben machen, und daß demnach Richelieu den zentralisierten Nationalstaat gewissermaßen aus dem Aermel geschüttelt habe. Seine wahre Größe bestand vielmehr darin, daß er, als vielleicht nicht einmal bewußter Nutznießer einer Entwicklung, alle Kräfte förderte und ausbeutete, die seit geraumer Weise aus das absv- lustisch geeinte Frankreich hindrängten; er selbst bekannter»Das Schicksal zu lenken, steht nicht in menschlicher Macht, aber wir müssen fähig sein, zu benutzen^ was es uns schickt." Diese Fähigkeit besaß er in hohem Maße. Andere hatten ihm vorgearbeitet, andere teilten seine Anschauungen. Schon unter Heinrich I V. hatte SuIly hie gleichen Ziele, verfolgt, und. ähnliche Ideen verfocht eine ganze. Richtung, die Partei der sogenannten Politiker. Aber Richelieu verwirklichte/ Der kleine Adlige aus dem Poitou, am 5. September 158$ auf dem Schloß seiner Väter geboren, durch geistliche Erziehung geformt, zum Bischof geiveiht und zum Kardinal ernannt; setzte in den achtzehn Jahren, da er Frankreich unumschränkt beherrschte, ungewöhnliche Gaben, Zähigkeit und Beständigkeit, Umsicht und Besonnenheit, Weitblick und Scharfblick wie Sinn für das Maß und die Reife nebst gründlicher Kenntnis der Dinge und Menschen an seine Aufgabe. Er trieb eine Politik auf lange Sicht. Aber zur Entfaltung dieser Gaben gelangte er erst, als er 1624 erreichte, zum Minister des krankhaft bösartigen, verderbten und entschlußlosen Ludwig XIII. berufen zu werden; der Weg zu diesem Amt führte an dem ränkesüchtigsten aller Höfe durch Hinterzimmer und Alkoven, und die kaltherzige Bedenkenlosigkeit in der Anwendung aller Mittel blieb dem Kardinal treu. Vielleicht stand ihm von Anfang an das politische Ziel; der unbedingte Bor- rangdesStaatsgedankensim Widerstreit gegen die spanisch-österreichische Weltmacht nicht so klar vor Augen, wie es dem Rückblickenden später selber schien; auch er dachte und plante wohl in Etappen. Wenn er sich aber im Verlauf der gewaltigen bewaffneten Auseinandersetzung zwischen den Staaten Europas, die die Geschichts« schrcibpng als Dreißigjährigen Krieg bucht, als den überlegenen Gegenspieler der Habsburger erwies, leitete ihn keineswegs öde Eroberungsgier. Ganz im Gegenteil! Der Grundgedanke seiner gesamten auswärtigen Politik war Abwehr; einem stets drohenden habsburgischen Angriff auf ein alleinstehendes Frankreich suchte er einen Riegel vorzuschieben. Allenthalben stützte er deshalb mit diplomatischen Mitteln und mit Subsidien in bar die Feinde des Kaisers, die protestantischen Fürsten Deutschlands so gut wie dit Schweden Gustav Adolfs, aber aktiv griff er erst 1635 in den Krieg ein, als es gar nicht mehr anders ging. Auch jetzt hielt sich der Staatsmann, der kein System, sondern-nur eint Methode zu haben gestand, von uferlosen Plänen fern; daß er ein Verfechter der These von der»natürliche» Grenze" Frankreichs bis zuM Rhein geivescn sei, erscheint trotz seiner militärischen Festsetzung in Lothringen und im Elsaß zweifelhaft. Ihm lag vor allem andern an der Herstellung des„europäischen Gleichgewichts", das war: an einer Siche rung Frankreichs durch den allgemeinen Frieden oder ein System von Verträgen, und schließlich war, es nicht seine Schuld, wenn, zerrüttenden Eroberungszielen nachjagend, Ludwig XIV. unter dem Vorwand, es fortzusetzen, das Werk dieses ivahren Realpolitikers zerstörte. Dogmen in der Politik durchaus obhold, er» kannte Richelieu lediglich mit dem Instinkt des gesunden Menschenverstandes, daß sich Frankreich nach außen nur zu behaupten vermöge, wenn es im Innern einheitlich und geschlossen dastehe. WäS Heinrich IV. in dieser Richtung erreicht hatr« zerfiel bald nach seiner Ermordung. Da sich unter seiner Witwe Maria von Medici die großen Herren wie selbständige Souveräne gegen die Krone erhoben, auf eigene Truppen gestützt und zu Zettelungen mit dem Ausland stets bereit, schien Frankreich in die unheilvollste Feudalanarchie zurstckstürzen zu wollen.-Daß Richelieu mit dieser gesellschaftlich nutzlos gewordenen, rein schmarotzerhaften Schicht Fraftur redete und den ungebärdigsten Vertretern des Hochadels, mochten sie dem Haus Talleyrand angehören oder Herzog von Montmorency heißen, den Kopf vor die Füße legte, sticht unter seinen geschichtlichen Verdiensten am meisten hervor. Dem Bändiger der Aristokratie waren aus demselben Grunde die Protestanten ein Dorn im Auge, nicht weil sie einem andern Bekenntnis an« hingen, sondern weil sie, feste Plätze besetzend und eine Armee aufstellend, einen Staat im Staate bildeten. Sie niederzuwerfen, bedurft« es eines blutigen Bürgerkrieges, aber als nach langwieriger Belagerung ihr Häuptstützpunkt La Rochelle gefallen war, dachte der Kardinal der päpstlichen Kirche duldsam und staatsklug genug, um den Hugenotten die Ausübung ihres Glaubens aufs neue zu verbriefen und zu versiegeln. Hatten manche der feudalen Rebellen gegen den Staat die Flagge des Protestantismus gehißt, so stand in diesem Lager auch der Kern der gewerbefleißiqen und handeltreibenden Schicht; das kapitalistische Bürgertum war zum großen Teil knlvinisch gesinnt. Auch dies« Klässe, so sehr die. Entwicklung zum absolutistischen Staat ihren wirtschaftlichen Interessen entgegenkam, sah sich politisch ins Hintertreffen gedrängt; die Parlamente» die Bollwerke des Beamten« und Geldadels und. mittelbar der Bourgeoisie überhaupt waren, wurden auf Schritt und Tritt gedemütigt und ausgeschaltet. Nur der Wille des Monarchen, also das Gebot Richelieüs galt; wer gegen den Stachel zu lölen wagte, konnte erbarmungsloser Verfolgung und rücksichtsloser Vernichtung sicher sein; noch kurz vor seinem Tode im Jahre 1642 räumte der allgewaltige Minister unter den hochadligen Mitgliedern einer Verschwörung furchtbar auf. Aber mochte ein, solcher, von einem Punkt äuS geleiteter, alles einem Ziel unterordnender Staat auch eine höhere Stufe der Entwicklung.einnehmen als das buntscheckige Ohnmachtsgebilde der feudalen Zeit, so empfand doch-die breite Maste der Bauern und Kleinbürger diesep Fortschritt kaum. Nicht die Segenswünsche, die Flüche des Landvolks folgten Richelieu, der durch die Steuerpresse den letzten Heller h«rauspreßte, den sich immer wieder leerenden Staatsschatz zu füllen. Schärfere Kritik an seiner kostspieligen Politik als alle Pamphlete war die wilde»Jacqütrft", der Bauernkrieg, der 1637 durch Perigord und S»!n« ionge tobte, und der Aufstand der ländlichen„A>ar- füßer", mit dem im gleichen Jahr die untere Normandie auf die ungesetzliche Einführung der Salzsteuer antwortete. Mit harter Hand warf Richelieu diese Volksbewegung nieder; willfährige Gerichtskommissionen fällten Bluturteile»ach Wunsch; Hunderte von armen Teufeln endeten mit dem Strick um den Hals. Ohne Zweifel, Armand-Jean du Plessis Herzog von Richelieu, Prinzipalminister Seiner Majestät, Kardinal der römischen Kurie, Eonnetgble von Frcnkrcich, Großmeister und G«n«raloüer- inspektor des französischen Seehandels und Schiffswesens usw.» usw., war ein bedeutender Staatsmann, weil er das Rad der Entwicklung vorwärtsdrehte, aber dieser Wald von Galgen verunziert aufS schauerlichste den dunklen Hintergrund'seines leuchtenden Porträts/ Seife S '»Sozialdemokrat" 7. September 1935. Nr. 209 In Regen und Kot Galoschen I Kindergrosse 27-29... Kc 5.— Kindergrosse 30-34... Kc 7.— Damengrosse 35-42... Kc 9— Herrengrosse 39-47... Kc 12.— D-aqer Leitung Naiver Ausbrecher. Gestern vormittags entwich ein gewisser Emanuel Feuerstein, der wegen eines kleineren Vergehens auf der„Fischbanka" in Untersuchungshaft war, aus dem dortigen Polizeigefängnis, stürzte jedoch bei seinem Fluchtversuch aus dem Fenster und verletzte sich leicht. Er begab sich ins Allgemeine Krankenhaus, wo er sich unter seinem richtigen Namen meldete. Er wurde an Ort und Stelle verhaftet und,, nachdem er verbunden worden war, wieder ins Untersuchungsgefängnis eingeliefert. Internationale Taschendiebe auf der Prager Messe. Da in der letzten Zeit auf der Prager Mustermesse mehrfach Taschendiebstähle im Stil der internationalen Taschendiebe vorgekommen waren, wurde dem Messegelände von den Polizeibeamten erhöhte Aufmerksamkeit gewidmet. Tatsächlich wurden drei verdächtige Personen, ein Mann, eine Frau und ein junges Mädchen, beobachtet, von denen die Frau sich unter die vor den Ständen, versammelten Leute mischte, während die andern beiden sie beobachteten und deckten.. Der Detektiv wartete, bis die ganze Gesellschaft, die er im Auge behielt, vor dem Meffepalaft versammelt war und stiess sie, scheinbar unabsichtlich, in die Tür eines Zeltes, wobei er den Passanten zurief, sie festzuhalten, da'es internationale Taschendiebe seien. Die drei wiesen sich auf dem Polizrikommiffariat sämtlich mit Pässen des rumänischen Konsulats in Rom aus, die beim Mann und der Frau auf die Namen Ludovit und Anna Kadar, beim jungen Mädchen auf Irma Gabar lauteten. Es wurden bei ihnen 170 K£ in bar und ein Lorgnon im Werte von 250 Kc gefunden. Sie wurden in Haft belassen. Der Sportzug Prag—Riesengeiirge, der jeden Samstag um 14 Uhr 22 vom Wilsonbahnhof wegfährt, wird auch noch im September jeden Samstag abgefertigt werden. Der letzte Sportzug fährt wegen des Doppelfeiertages schon am Freitag, dem 27. September, zurück zuletzt am Sonntag, dem 29. September. Für diesen Zug gelten äusser den besonderen Rückfahrkarten zum Preise von 50 KL auch alle anderen Ermäßigten Karten, also auch Arbeiterund Schülerkarten. Entfernung des häßliche« ZahutelageS? Ganz einfach: Man putzt die Zähne erst mit der bekannten Chlorodont-Zahnpaste und spült dann mit CHIoro- dont-Mundwasser unter Gurgeln tüchtig nach. Tube KL 4.—. Versuch überzeugt. Jnurst wul Mssew II. Kammer-Konzert des Internationalen Musikfestes ' Auch dieses zweite, Kammernrusik-Konzert imponierte durch die Reichhaltigkeit und Vielseitigkeit seines, solistische und ensemblemässige Kammermusik in gleicher Weise berücksichtigenden Programmes. Einige ganz neue moderne Tonsetzernamen lernte man kennen. Und den internationalen Charakter des Konzertes bestätigten die Werke von acht verschiedenen Tonsehern aus sieben verschiedenen Ländern, die auch hinsichtlich der ausführenden Künstler mir- beteiligt wäre«. Dem aufgebotenen grossen Apparat dgb. reproduktiven Künstler entsprachen leider die produktiven Leistungen dieses Kammermusikabends pur teilweise. Es gab interessante Werke, Werke von gekonnter Art und Werke als Beweise von Fleiss und Verstand zu hören, aber kaum eines, das Genie- blitze gezeigt oder restlos überzeugt und begeistert hätte.— Am ehesten noch die beiden im Rhythmus fesselnden, von Ed. Steuermann blendend gespielten beiden Klavierstücke„Varietude(Chaconne) und Etude-Toccata" von dem Russen Wladimir Vogel. Sehr guten Eindruck machte auch ein Bläser-Quintett von dem Tschechen Alexander M oy« zes, ein im Mittelteil interessantes und rhythmisch originelles Werk. An grösseren ensemblemähigen Kammermusikwerken brachte das Konzert noch eine „Jntroduzione ed Allegro" für Solo-Violine und elf Begleitinstrumente von dem Italiener Goffredo P eit« s s i, desOesterreichersAnton von Webern„Konzert- für neün Instrumente" und je ein Streichquartett von dem Ungarn Sandor V e r e s z und dem Belgier Raymond Este o reu i l l e. Au stilistischer Kammermusik hörte man noch eine Har- fen-Sonate von dem Ungarn Sändor I e m n i'tz und ein„Prelude, Jnterlude und Fuge" für zwei Violinen von der Irländerin Elisabeth Macou- ch y. Die reproduktiven Künstler des Konzertes wa- ren äusser dem bereits genannten Pianisten S t e u e r m a n n die Geiger Enrico Pieran- g e l i. Andre Mangeot und Orrea P e r n el, die sudetendeutsche Härfenvirtuosin Emilie R o l z- B e.z e c n h, das NeueUngarischeSt reichff u a r-t e t t, das P r a g e r Q u a r t e t t, das Prager Bläser-Quint et t etc. Dirigenten der grösseren ensemblemässigen Werke waren Alfredo Cas e l l a und Dr. Heinrich I a l.o w e tz. E I- Wochenipielplan des Neuen Deutschen Theater-. Samstag: J e nuf a. ,-7- Sonntag: halb 8 Uhr: Dieheilige Johanna, Bl.— Montag halb 8: S e r v u sl Servus! Volkstümliche Vor- strllung, Abonnement aufgehoben.— Dienstag halb 8:Dieh«ilige Johanna, A 2.— Mittwoch halb 8:'C 0 s i f a n t u t t e, B 2.— Donnerstag halb 8: M a d am e Butterfly, C 2.— Freitag 8:Werbekonzer t, Abonnement aufgehoben.— SamStag halb 8: D i e h e ilige Johanna, Dl. Wochenspielplan der Kleine» Bühne: Samstag: Kiki.—- Sonntag 8: Kiki.— Montag: geschlossen.— Dienstag 8: Kiki, Mittwoch halb 8: Der Geizige, neuinszeniert.-— Donnerstag 8: M ä d ch e n für alles, volkstümliche Vorstellung.— Freitag halb 8: Der Stärkere, Erstaufführung.— Samstag 8 Uhr: Kiki. Oma der Hartes Parteischule der Kreisorganisation Slowakei Die Kreisorganisation Slowakei hielt in der Zeit vom 24. August bis 1. September 1935 im Naturfreundehaus in Modern am Sand eine Parteischule für Funktionäre ab, an.der 30 Genossinnen und Genoffen aus der Slowakei teilnahmen.' Di- Eröffnung der Schule erfolgte durch den Kreisver- trauensmann' Genoffen Mottl. Als Referenten sprachen während der acht Tage die Genoffen: Dr W i e n e r- Prag, Dezider Benau- Pressburg, Ernst Paul- Prag, Dr. Ludwig Leser- Prag, Laci D e u t.s ch- Pressburg. Es wurden folgende Themen behandelt:„Vom utopischen zum- wissenschaftlichen Sozialismus",„Karl Marx ökonomische Lehren",„Die internationale' Lage der Arbeiterklasse",„Die Weltwirtschaftskrise",„Gedanken zur Planwirtschaft",„Kartelle und Trusts",„Moderne Propaganda",„Rednerschule",„Die Nationalitätenfrage",„Was tun?" Wenn morgens das Signal zum Aufstehen erklang, dann lief alles aus dem Schlafraum zur Morgengymnastik: Zuerst ein kleiner Waldlauf, dann Körperübungen und' verschiedene Spiele. Beim Unterricht herrschte stets die grösste Aufmerksamkeit und es wurde viel diskutiert. Eines Abends wurden die Teilnehmer in verschiedene Parteien äufgeteilt und es wurde„Abgeordnetenhaus" gespielt. Alle „Parteien" waten, vertreten und es war ein Vergnügen zu sehen, wie klar unsere Genossen formale und wirkliche Demokratie zu unterscheiden wussten. Abends beim Lagerfeuer ging' es immer lustig zu. Nebst unseren Kampfliedern wurden viele Wanderlieder gesungen, besonders beliebt waren die „Gschtanzln". Weder, Mann noch'Weib wurden geschont.. Nach all dem muh zur' Ehrenrettung der Teilnehmer gesagt werden, dass sie die täglichen acht Stunden Unterricht genau einhielten, ja als sie einmal zwei Stunden frei bekommen sollten, energisch Unterricht verlangten—- was auch gewährt wurde. Die Vertrauensmänner der Schüler,, die zur Entgegennahme von Beschiverden und zur Vertretung der Interessen der Schüler gegenüber der„feindlichen Schulleitung" gelpählt wurden, waren die ganze Zeit„arbeitslos". Sie suchten zwar eifrig nach „Beschwerden", doch konnten sie beim besten Willen keine finden. Am letzten Abend versammelten sich wieder alle beim Lagerfeuer und der Schulleiter sprach über Prometheus, dem ewigen Lichtbringtr, und über unsere Pflicht, das Licht der Wahrheit den Menschen zu bringen. Die Schule wurde abgeschlossen mit einem zusammenfassenden Referat des Genossen Leser über alles Gelernte, dann sprach noch als Vertreter der Kreisleitung Genosse Schmidt, als Vertreter der Gastgeber der Naturfreunde Genosse Taubes und für die Schüler Genosse Krisch. Dann schloss Genosse. Deutsch mit einigen Worten die Schule und wir sangen das Lied der Arbeit. k. d. Der Mnr Du bist meine Einzige Wer diesen Londoner Film gesehen hat. der versteht, dass E lisabetbBergner iu der Rolle, die sie hier spielt, den grössten Theatererfola ihrer an Erfolgen nicht armen Laufbahn batte. Denn die Gestalt, die sie hier verkörpert, hat jene Einfachheit und Rätselhaftigkeit, aus denen die Kunst der Berg- ner besteht(wobei gar nicht betont zu werden braucht, wieviel Können dazu gehört, so einfach zu wirken, und wieviel Natürlichkeit, um so einfach zu erscheinen). Das Theaterstück„Escape m« naverl"(Entflieh mir nicht!") das diesem Film zugrunde liegt, hat Margaret Kennedy, die Autorin der„treuen Nymphe", zum Verfasser.— und es ist gleich der „treuen Nymphe" eine Geschichte von ungewöhnlichen. halb heiteren und halb tragischen Menschen, die eine Sehnsucht nach Kunst und Süden aus der bürgerlichen englischen Ordnung hinausdrängt. Im Mittelpunkt das Mädchen Gemma: eine Scampolo- Figur, die samt ihrem Kinde von einem jungen Musiker in Venedig aufgelesen wird und mit diesem Manne, der sie betrügt und im Stich lässt, der eitel und untüchtig, treulos und verlogen ist. auf schicksalhafte Art'über alle Zerwürfnisse und Unglücksfälle hinweg verbunden bleibt. Diese Geschichte verläuft, ohne besonders tief zu sein, zwischen tödlicher Träuriakeit und kindischer Freude, zwischen lebensmüder Unlust und tapferem Zukunftswillen.— und darum gibt sie der Bergner die Möglichkeit, sich ganz zu entsaften: einen Menschen zu zeigen, der mit einer gespenstischen Echtheit zwischen Trauer und Lust, zwischen'Tod und Leben steht. Es gelingt ihr auf unbeschreiblich«, beinahe aufregende-Art. Und es kann zum Lobe des Films nicht mehr gesagt werden, als dass nichts und niemand in. diesem Film die Wirkung der Bergner behindert.,—eis— Sport-Spiek-Ilörperpstege Danzigs Aedeitersportbewegung hat derzeit sehr stark unter plötzlichen Verschickungen zur Landarbeit zu leiden.' Ein geregelter Sportbetrieb ist daher unmöglich, da die Kommandos zur Landarbeit oft„über Nacht" kommen. Auch die Verschickung nach Deutschland erfolgt unter ähnlichen Begleitumständen. Der AFK Stern'verlor auf diese Weise neun Mann seiner ersten Mannschaft. Ebenso erging es dem SB Lauental. Aber auch den bürgerlichen Sportvereinen ergeht es nicht besser. Bei den Arbeitersportlern spielen daher nur-noch di« zweiten Mannschaften komplett, während die„Ersten" unfreiwillig pausieren müssen.—Die Ortsgruppe Danzig des Touristen- vereines-„Di'e Naturfreunde" feierte in diesen Tagen ihren 20jährigen Bestand. Im Jahr« 1915 gaben eine Anzahl Sozialisten aus Mitteldeutschland, die DRINGENDSTE WARNUNG vor minderwertigen Nachahmungen und Unterschiebung anderer Marken! Sie gefährden Ihre und Ihrer Frau Gesundheit, wenn Sie, uo einige Heller zu sparen, nicht ausdrücklich echte„Primeros** verlangen. Unheilbure Krankheiten und jahrzehntelange Zahlungen sind die Folgen der Benützung löchriger oder minderwertiger Präservativs. Diese Gefahr, steht in keinem Verhältnis zu der Ersparnis einiger Heller. Vielfach werden eben diese minderwertigen Nachahmungen als besonders gut angepriesen, da der Verkäufer daran oft um das Doppelte mehr verdient als be*..Primeros**. „P rimerti“ ist die einzige hier inserierende Marke, die direkt aus eigener Fabrik an Apotheken, Drogerien und Fachgeschäfte geliefert wird. Fordern Sie daher in Ihrem eigenen Interesse die echten durch den Weltkrieg an den Ostseestrand verschlagen wurden, den Anlass zur Gründung. Im schön gelegenen Kahlbude besitzen die Danziger„Naturfreunde" ein Ferienheim, das sich wachsender Beliebtheit erfreut. TaS Schicksal der deutschen und österreichischen Arbeiterbewegung ist selbstvcrständ- lich nicht ohne Einfluss auf, di« Danziger Ortsgruppe geblieben:• Tschechoslowakei gegen Jugoslawien 0:0. Der am Freitag in Belgrad aus Anlass des jugoslawischen Staatsfeiertages ausgetragene Fussballänderkampf endete überraschend torlos. Russisch« Sportler in der Schweiz nicht erwünscht. Gegenüber einigen Ländern, in denen der Sportverkehr mit Sowjetruhland erlaubt, will die Schweiz davon nichts wiffen. Die Fussballauswahlmannschaft der Ukraine, welche vor kurzem in Paris gespielt hat, sollte in Genf ein Match austragen. Die schweizerische Regierung verbot aus politische« Gründen diese Veranstaltung, Die Fustball-Auswahlmannschaft der Ukraine schlug in Brüssel die bürgerliche Verbandsmannschaft Diables Ranges mit 12:11 Veremsnacknestten- Atus Prag Sonntag9 Uhr vormittag- auf der Hetzinsel leichtathletische Wettkämpfe. Filme In Prager Lichtspielhäusern Urania:„Der Freund meiner Frau."— Adria:„Du bist die Einzige."(Engl)— Alfa: „Der erste Kuss."(Tsch.)— Avioir:„Unser täglich e s B r 0 t."(Ä.-— King Bidor.)— Bcränek: „Polizeiwagen 99."(A.)— Flora:„U-Boot A. L. 14."(A.)— Gaumont:„Strahlende Augen." (A.— Shirley Temple.)— Hollywood:„Strahlende Augen."(A.)— Hvkzda:„Der König, der wilden Pferde."(A.)— Julis:„Kleine Mutti." (D.— Franziska Gaal.)— Kinrma: Journale, Grotesken, Reportagen. J42—%7.-— Koruna: „Der König der wilden Pferde.(A.)— Mete»: „Das XI. Gebot."(Tsch.)— Olympic:„Madame Butterfly."(A.— S. Sydney.)— Passage:„Kleine Mutti-".(D.)— Praha:„Der KriegSreporter." (A.).— Radio:„Endstation."(D.)— Skaut: „U-Boot A. L. 14."(A.)— SvLtozor:„Das XI. Gebot."(Tsch.)— Alma:„U-Boyt A. L. ,14."(A I" — Bajkal:„Der Held einer Nacht."(Tsch.— B. Burian.)— Belvedere:„Das Töchterchen des Herrn Bürgermeisters."(D.-)—Beseda:„Es war einmal ein Musikus."(D.)— Carlton:„Die Katz im Sack."(D.)— Illusion:„Der Held einer Nacht." (Tsch.— B Burian.)— Lido-Bi» II:„Karussell auf dem Ozean."(A.)— Louvre:„Der Held einer Nacht."(Tsch.)— Maceska:„Der Freund meiner Frau."(D.)— Roxy:„Endstation."(D.)—- U Bcjvodü:„Ihr grösster Erfolg."(D.— M- Eggerth.)— Baldekr■„Der Held einer Nächt." (Tsch.— B. Burian.)— Bi» Beletrhy:„Endstation."(D.) OPTIK u. FOTO DEUTSCH Pflkopy lillo-Elwnlir Versicherung»- Aktiengesellschaft in Wien Direktion für die C. 8. R. in Prag General-Agentschaft Reiehenberg empfiehlt sich zum Abschluß von Feuer- Unfall-, Haftplicht-, Einbruch-, Auto-,Transport*, Pferde- und Vieh Versicherungen zu kulanten Preisen. 22 Bargarantiemittel in der CSR. 56 Millionen. Büro»: Prag, Närodni tr. 17. Reiehenberg, SehOtzeng. Nr. 21 Brünn, Theatergasse Nr. 6. Bezugsbedingungen: Bei Zustellung ins Saus ope» bei Bezug durch die Poft monatlich KL 16.—. vierteljährig KL 48.—. halbjährig KL 96.—. ganzjährig KL 192.—.— Inserate werden laut Tarif billigst berechnet. Bei öfteren Einschaltungen Preisnachlass.— Rückstellung von Manuskripten erfolgt nur bei Einsendung der Retourmarken.— Die Zeitungssrankatur wurde von der Post- und Telegraph endirektion mit Erlass Nr. 13.800/VID1930 bewilligt.— Druckerei:„Orlis". Druck». Verlags- und ZeitungS-A.-G.. Prag.