Sonntag, 8. September 1935 Nr. 210 15. Jahrgang (•IntchHe Wich 5 Hall« Portei ZENTRALORGAN DER DEUTSCHEN SOZIALDEMOKRATISCHEN ARBEITERPARTEI IN DER TSCHECHOSLOWAKISCHEN REPUBLIK ERSCHEINT MIT AUSNAHME DES MONTAG TÄGLICH FRÜH. Redaktion und Verwaltung präg xiufochova a. Telefon«77. HERAUSGEBER! SIEGFRIED TAUB. CHEFREDAKTEUR. WILHELM NIESSNER. VERANTWORTLICHER REDAKTEUR. DR. EMIL STRAUSS, PRAG« Goldene Brücken für Italien? Wirtschaftliches Protektorat/ Internationale Polizei Der nationalsozialistische„Parteitag der Freiheit** Die Meistersinger von Nürnberg Paris. Der Genfer Sonderberichterstatter der„A g c n c e econimiquc et fi» an- eiert" will erfahren haben, daß der Fünferausschuß der italienischen Regierung höchst interessante Borschläge unterbreiten werde. Man werde sich nicht nnr auf wirtschaftliche Zugeständnisse beschränken» sondern auch gewisse finanzielle und technische Erleichterungen anbieten, die es Italien ermögliche» werden, ein Aktionszentrum zu errichten und Abessinien im Sinne der italienischen Interessen r« durchdringen. Um zu verhindern, daß Italien dieses An- grbot erneut zurückweise» werde man diesmal ein Sicherheitssystem damit verbinden, das sich auf einer internationalen Polizei aufbauen solle. Diese Polizei, die sich vornehmlich dus Mitgliedern neutraler Staaten, insbesondere Schweden- zusammensetzen solle, könnten jedoch Unmittelbar unter italienischen Einfluß gestellt werden. Diese Fornicl sei be- reiis Gegenstand eines Meinungsaustausche-. Revanche für Adua muß seinl Rach Berichten de- römische« Korre» fvondentcn desselben Blattes strebt man in italienischen Kreisen an, daß da- italienische Expeditionskorps für Ostafrika als P o l i z e i k o r p 9 betrachtet werden soll, das nach den Instruktionen des Völkerbundes handelt. Es würde sich nach italienischer Auffassung darum handeln, in Genf«ine Einigung auf der Fünferausschuß untersagt Kriegshandlungen Genf. Anter dem Vorsitz des spanischen Delegierten de Madariaga trat Samstag vormittags der mit der Prüfung des italienisch-abessinischen Konfliktes betraute Fünferausschutz zusammen. Die Minisier Eden und Laval «erstatteten ihren Kollege« Bericht über die Mitte 3«R Baron Aloisi gemachten Angebote und über die Art, wie sie abgelehnt wurden, ohne datz sie einer gründlichere» Prüfung unterzogen worden waren. Der spanische Botschafter Madariaga hat in seiner Eigenschaft als Vorsitzender des Fünferausschuffes dem italienischen Hauptdelegierten Baron Aloisi und dem abeffinischen Hauptdelegierten mitgeteilt, datz der Ausschutz den Wunsch ausgesprochen hat, datz keine der beide« intereffierten Regierungen vor Abschlutz der Arbetten des Ausschuffes eine Handlung unternehme, welche die wettere Tätigkeit des Ausschuffes veretteln könnte. Dr. Benes Ratsprßsident? Genf.(Tsch. P. D.) Minister Dr. Benes wurde von einer grösseren Anzahl der Delegierten der Völkerbundversammlung ersucht, seine Kandidatur auf den Vorsitz-der heurigen Völkerbund» dersammlung einzubringen. Minister Dr. Benes bat vorläufig die Kandidatur nicht angenommen. Besprechungen mit Berger>Waldenegg Samstag nachmittags konferierte Dr. Neves'mit dem österreichischen Aussenminister B e r- li er-W ald ene gg; wobei er einige mitteleuropäische Fragen, insbesondere diejenigen, die Oesterreich und die Tschechoslowakei direkt betreffen, mit ihm besprach. Technik statt Inhalt—„Das schönste Massenbiwak Deutschlands“— Passive Resistenz der Nürnberger Bevölkerung und Attentatsfurcht des Regimes— Eine grandiose Geldschneiderei— Der Knoblauch bringt es an den Tag... Von unserem Sonderberichterstatter Nürnberg, 8. September 1938. Grundlage sehr weitgehender wirtschaftlicher Zugeständnisse an Italien und vielleicht sogar eines italienischen Protektorates über einen Teil Abessiniens herzustellen. Der ReguS, so erklär« man itasienischerseit-, würde einen solchen Vorschlag annehmen könne«. Dagegen würden einige Fürsten in der Provinz dies wahrscheinlich ablehnen und ihre Haltung würde den italienischen Truppen Gelegenheit geben, vor allem in der Gegend von Adua einige Strafexpeditionen durchzuführen und so die Niederlage von 1896 aüSzuwetzen. Man erklärte in Rom weiter, daß weder Italien noch England bis an die Höchstgrenze der Zugeständnisse gegangen seien und daß die gegenseitige Auffassung unter dem Einfluß des französischen Ministerpräsidenten noch eine wesentliche Annäherung erfahren könnte. Rom. Die italienische Presse, die nach dem vorjährigen nationalsozialistischen Putsch in Oesterreich mit der reichsdeutschen Presse in eine scharfe Polemik geriet, hat bereits vor einigen Monaten alle Angriffe auf Deutschland eingestellt. Diese Periode des bezeichnenden Schweigens der italienischen Presse wurde durch einen im Tagblatt„I l T e v e r e" erschienenen Artikel unterbrochen. In diesem Artikel wird auf die Manifestationen in England, Paris und Griechenland für Abessinien aufmerksam gemacht und betont, daß nicht ganz Europa für Abessinien stimme, denn noch sei hier Deutschland, das einzige Volk, das von dem Verfall der Zivilisation nicht ergriffen wurde. Deutschjand diene tatsächlich der Zivilisation und der weißen Rasse. Die deutsche Neutralität sei ehrlich und dir Italiener werde« sich immer an dieses deutsche Verhalten in der Zeit der afrikanischen Spannung freudig erinnern. Wenn auch diese Schreibweise noch keinen Beweis füt eine neue politische Orientierung Italiens zu Deutschland darstellt, so ist sie doch sehr symptomatisch und beweist, daß .Italien nach allen Seiten hin vollkommene freie Vom 10. bis 16. September wird in Nürnberg wieder der nationalsozialistische Parteitag statifinden— der„P a r t e i t a g der F r e i- h e i t“, wie ihn bombastisch schon im noch embryonalen Zustand die Goebbelspropaganda offiziell getauft hat..Parteitag der Freiheit"— das soll wohl darauf Hinweisen, daß allerdings die Reichswehr im vergangenen Jahr seit dem letzten Nürnberger Partei-Meistersingen ihre Rüstungsfreiheit erlangt hat. Niemand kann das abstreiten I Sonst freilich und für alle anderen deutschen Mitbeteiligten kann jenes hohle und falsche Pathos der Nomenklatur höchstens einige Bitterkeit auf der Hand zwecks Verteidigung seiner Interessen haben will. Kries unausweichlich? P a r.i s.„O e u v r e" sagt, daß sämtliche Hauptdelrgierten den Eindruck haben, daß der Krieg u n au swcichlich sei, was dem Blatte zufolge, die englische Besetzung entsprechender Teile Abessiniens bedeuten werde. Noch keine allgemeine Mobilisierung Abessiniens Addis Abeba. Die Nachricht, daß der Kaiser von Abessinien die allgemeine Mobilisierung ungeordnet hat, wird demen tiert. Einer der muselmanischen Nomadcn-Ehefs hat dem Negüs 26.000 Reiter als Freiwilligenkorps zur Verfügung gestellt. Er erklärte, daß er gemeinsam mit den koptischen Christen für den Negus und die Freiheit kämpfen werde. 500 Deserteure aus Südtirol AP. München. Die Zahl der aus Südtirol desertierten deutschsprachigen Soldaten, die nach Oesterreich oder Deutschland' flohen, wird bereits mit 800 beziffert. Zunge und starke Beklemmungen in der Herzgrube Hervorrufen I Wer ist denn sonst noch»frei" geworden in Deutschland? Etwa die SA, von der es gerade heißt, datz dieser Parteitag a-ch endgültig ihr Sterbestündlrin einläuten werde, wie es die Reichswehr aus militärpolitischen und kriegstechnischen Gründen und Herr Schacht es im Interesse seines Anleihesorgen wünschen und täglich eindringlicher fordern? Die deutsche Jugend, die nur noch in Zwangsorganisationen der verschiedensten Art gedrillt wird? Die deutsche Wirtschaft, die etwa jetzt wieder freien Raum auf dem Weltmarkt gewonnen hätte? Das deutsche Vaterland, das immer noch darauf vergeblich wartet, daß, wie ihm versprochen, der Versailler-Vertrag mit seiner Schuldklausel endlich und endgültig »zerrissen" wird? Je hohkbrüstiger und verlogener, das Pathos zum großen nationalsozialistischen Thing-Tag ist, um so lauter und schriller tönt die T r o m p e t« d e r R e g i e l Noch mehr als im vorigen Jahr soll die absolute geistig« Leere der Monstre-Ber- anstaltung durch den gewaltigen Eiirdruck des technischen Betriebs verwischt werde». „Das schönste Massenbiwak Deutschlands"— nämlich eine Lagerstadt mit 480 Zelten— ist errichtet. Drei Postzelte allein werden hier gebraucht. Das Rednerpult, sonst das unentbehrlichste Requisit eines jeden wirklichen Parteitages, auf dem sich Menschen politische Ileberzeugungen bilden und Bürger politische Willensäußerungen bekunden sollen, erseht hier in grotesk-monumentaler Symbolik, dem Wesen des Nationalsozialismus genau entsprechend, der„Kommandoturm" von 12 Meter Höhe; deren gibt es gleich fünf. Und von ihnen aus werden die Massen dirigiert und befehligt, die in 466 Sonderzügen aus ganz Hitlerdeutschland anrollen werden. 38.000 extra angefertigte Etagenbetten aus Aluminium sind bereits in den als Massenquartieren einfach beschlagnahmten Nürnberger Schulen aufgeschlagen. Wer freilich nicht gerade„Amtswalter" ist, hat nur das Recht, im Zelt auf Stroh zu schlafen; die umwohnenden Bauern haben es karawanenweise heranführen müssen. Nord- und süddeutsche Pioniere schlugen Holzbrücken gleich ein halbes Dutzend über das am Terrain vorüberfließendc Landwasser. Eine zehn Meter breite, drei Kilometer lange, schwer unterbaute Asphaltstraße verbindet die Zeltstadt mit der berühmten alten Luitpold-Arena direkt, damit die SA einen kürzeren Anmarsch hat. Mehr als 500 Straßenbahner sind aus Berlin eigens nach Nürnberg beordert worden, um den Tramverkehr in der Parteitagswoche mit bewältigen zu helfen; sie mußten erst durch mehrtägigen Kursus auf die Nürnberger Lokalverhältnisse umgeschult werden. Ebensoviel« Nürnberger Erwerbslose, die in früheren Zeiten schon als Hilfsschaffner eingestellt waren, sind freilich so übergangen worden; und ihre Kritik auch daran, welche Geldausgaben das verarmte und ausgesogene Dritte Reich, das seine Auslandsschulden nicht bezahlt, sich leistet, wenn es gilt, das Renommierbediirfriis seiner Sklavenhalter zu befriedigen, erhöht nicht gerade die an sich schon sehr negative Begeisterung der Nürnberger Einwohnerschäft für die Sache, die ihr eine Woche Aufregung, Unruhe und Unordnung, ihr sonst aber— vielleicht einige Hoteliers und Gastwirte ausgenommen—. gar nichts einbringt. Ihr imponiert auch keineswegs mehr das Monströse der Regie; sie hat auf die Nürnberger vielleichtdas erste Mal gewirkt, aber nicht mehr das dritte und das vierte Mal, weil es ja im Grunde immer derselbe ideenlose Marschier- und Lärmzauber ist. Als Symptom der wirklichen Gefühle der Einheimischen mag es gelten, daß der„Organisationsleitung des Reichsparteitages", die feit Wochen jn einem beschlagnahmten Schulhaus Die Dekangenen bekommen heute anstatt 25 Hiebe nur 20. Sie sollen auch merken, daß Feiertag ist. Annäherung Italiens an Deutschland? Eine bezeichnende Italienische Pressestimme Seite 3 Sonntag, 8. September 1938 Nr. 210 ^uslsndssnlelhe geruckt... Paris. Der„I o u r" bringt einen Be» richt seines Berliner Korrespondenten, daß di» deutsche Reichsregierung»ine Anleihe von zwei Miliarden Marl in Holland suche, die durch ein(erst zu schaffendes Tabak- Monopol garantiert werden soll. residiert. Privatquartieren so gut wie nicht angeboten worden sind! Die Wohnungsinhaber bekommen nichts für die Beherbergung von Parteitagsgästen; der«deutsche Idealismus" der Mitbürger des braven HanS Sachs ist aber schon zu oft und zu naiv-frech in Anspruch genommen worden. Denn das ist der weitere und wohl hauptsächliche Grund, daß sich in der Stadt niemand mehr darum reißt, eine Nazi-Gröhe aus Pommern oder dem Kohlenpott mit Bett und Morgenkaffee versorgen zu dürfen: Manwillnichts m eh rmitso ungeschliffenen und schlecht erzogenen«Befreiern Deutschlands" in seinem eignen Heimzutunhabenl Die schlimmen alkoholischen Exzesse solcher „Amtswalter", die schon im Borjahr überall Krawall stifteten, sind noch in aller Erinnerung. Der Alkohol—I Er scheint überhaupt die Achillesferse des ganzen Nürnberger Großbetriebes zu sein! So bestimmt denn eine sehr lange Gewerbepolizeiordnung für den Warenverkauf anläßlich deg Reichsparteitages, unterzeichnet von der«Organisationsleitung", dem Oberbürgermeister und der Polizeidirektion, daß es«strengstens verboten" sei, beim Bierverkauf die Maschen an die Käufer abzugeben; das Getränk muß im— pazifistischen— Papierbecher abgenommen werden. Sehr viel Zutrauen zur sittlichen Reife seiner «Mässe Mensch" scheint also der Abstinenzler Hitler, gewitzigt durch alle früheren bösen Erfahrungen, nicht zu haben. In der Tat erinnert man sich in der Nürnberger Bevölkerung, die schon beim vorigen Parteitag' in der durch die Zeitungszensur verschleierten Form darüber unterrichtet! wurde, daß sich alkoholische Exzesse mit tödlichem Ausgang unter den Parteitagsteilnehmern abgespielt hatten, auch daran, daß bei den vorjährigen Aufräumungsarbeiten nach dem Parteitag zwei unbekannte Tote von den Arbeitern erst nach Wochen geborgen wurden; aber darüber durfte dann nachträglich nichts in den Zeitungen berichtet werden... Groß ist die Attentats-«nd Sabotage-Furcht der Regis- saure... Jeder Quartiergober, ob Hotelier, ob Privater, der während des Parteitages Gäste beherbergt, hat diese innerhalb sechs Stunden bereits nach ihrem "^Eintreffen Vet'zuständigen Polizeiwache zu Melden; Zuwiderhandlungen werden sogar mit Haft bestraft. An Reise-Gesellschaften werden— so teilt die Organisationsleitung selbst öffentlich mit •*- Quartiere überhaupt nicht abgegeben; man weiß ja nicht, wer sich unter solcher harmloser Touristentarnung alles nach Nürnberg an die Großmächtigen heranschmuggeln könnte! Im übrigen wird— nach all den bereits gemachten phantastischen Ausgaben— auch wieder bei den Beteiligten Geld zu machen versucht, wo sich nur gerade Gelegenheit bietet! Das Massen-Meettng ist natürlich die gegebene Betätigungsmöglichkeit für Budenbesitzer und Hausierer— ein sicherlich ehrenwerter Stand, der auf Grund seiner mise- ' rablen wirtschaftlichen Lage in der Zeit der Weltkrise einen abnorm hohen Prozentsatz«alter Kämpfer" bei der Hitlerei stellte. Nun, dieser Ehrengardist der Partei, der»fliegende Händler" zahlt jetzt für den Erlaubnisschein allein, der ihn zum Handel während des Parteitages in der Stadt ermächtigt, nicht mehr und nicht weniger als bare zehn Mark. Wer einen Berkaufsstand errichtet, hat für jeden Meter Frontlänge noch einmal je zehn Mark vorher zu blechen. Auch dasteht in jener Gewerbepolizeivorschrift ganz kaltschnäuzig. Wir glauben, grade diese ein wenig unkritischen Leutchen vom billigen Jakob haben sich die Verwirklichung deS Dritten Reiches ein wenig anders, nicht ganz so kapitalistisch unvoreingenommen vorgestellt I Das Programm des Parteitages setzt mit Glockengeläut von sämtlichen Kirchtürmen Nürnbergs und mit der wohl bei so etwas (siehe auch HitlerS persönlichen Geschmack!) schlechterdings unvermeidbaren Opern-Festvor- stellung der«Meistersinger von Nürnberg" ein. Dann ist daS alles, wie schon einmal dagewesen: der Arbeitsdienst zieht am„Führer" vorbei, es gibt einen Fackelzug der Amtswalter, die Reichswehr wird ihm„vorgeführt", wie es so sinnig im Programmheft heißt. Nur: dieses Mal ist der «Führer" keineswegs mehr der Monopolist der Rede wie daS letzte Mal. Im Programm steht, daß er„nur" zweimal, vor der Hitler-Jugend und vor der Armee reden wird; mit beiden hat er freilich seine besonderen Sorgen. Sonst löst sich daS Ganze in eine schier««übersehbare Kette von„Fach",«nd Sondertagungen, Trapl gegen eine Budgetgleichgewlcht unter allen Prag. Finanzminister Dr. Trapl hielt Samstag anläßlich des Besuches der Prager Mustermesse eine Rede über aktuelle Wirtschaftsfragen, in der er sich mit dem Export« Problem befaßte und auf die günstigen Folgen der vorjährigen Devalvation zu sprechen kam, durch die wir uns bei Beihehal- tung des inländischen Preisniveaus mit den Preisen unserer Erzeugnisse den Weltmarktindizes genähert hätten. Durch ein weiteres Herabsetzen des Wertes der Krone, erklärte Dr. Trapl jedoch, würde eine allgemeine Preissteigerung mit allen ihren Folgen nicht mehr z« vermeiden sein. Das wär» ein teuerer und höchst zweifelhafter Einsatz für eine Verbesserung der Ausfuhr- anssichten in einigen wenige« Exportausschnitten und Warengattungen. Die größten Exportschwierigkeiten bestehen im Verkehr mit den Ländern, die früher unsere besten Kunden waren und für die der Bezug unserer Waren kein Preisproblem, sondern eine Frage der Ausgeglichenheit ihrer Handels- undZahlungSbilänz ist. Immer mehr gewinnt die Aeberzeugung an Boden, datz die Einfuhrprohibi- t i o n am«reisten di» Entwicklung des eigenen Geschäfte- schädigt. Die Schwierigkeiten wurden weiters noch dadurch verschärft, daß sich di« a g r a r i s ch e Erzeugung beinüht, eine Erhöhung der Getreide- und tierischen Produktion zu erreichen, um daangefangen mtt der Geldverwaltung des Bundes Deutscher Mädels bis zu den Parteigerichtsvorsitzenden im Opernhaus auf. Die Veranstaltungen der Wehrmacht setzen unter das Monstrum den Schlußstrich— auch symbolisch für daS, was allein neben aller sonstigen Großtuerei wichttg ist.-Um so dürftiger ist die neue Erfindung deS Herrn Ley, der 3000 sogenannter„Werkscharen" als Vertreter der„Arbeitsfront" zum Parteitag befohlen hat; sie sollen, wie eS parteiamtlich heißt, „rein äußerlich das gesamte arbettende deutsche Volk verkörpern"... Folgendermaßen begrüßt ein parteiamtlicher Aufruf den„Parteitag der Freihett":«Nürnberg ist daS Symbol der Kraft des neuen Reiches, der Stärke der Bewegung und der unbezwingbaren Sieghaftigkeit jener Idee, für die die Männer des Totensturmes einst abtraten von ihren Plätzen zur ewigen Wanderung"... Gewiß, niemand steht es an, einen Toten zu schmähen! Wie aber sah die„Sieghaftigkeit ihrer Idee" und die„Kraft des neuen Reiches" bisher praktisch aus? Authentisch gibt darüber Auskunft wieder jene schon zitierte Gewerbepolizeiverordnung zum Reichsparteitag. Da heißt es in Artikel 28:„Zugelaffen sind sämtliche Fleisch« und Wurstwaren, wenn sie ausreichend durchräuchert und nicht mit Knoblauch versetzt worden sind. Die Vorschrift gilt ausdrücklich auch für sogenannte Nürnberger Bratwürste". Und so ist denn klar: Im Zeichen deö verpönten Knoblauches wird der„Neichsparteitag der Freiheit" in den kommenden Tagen im schönen deutschen Nürnberg marschieren und siegen! F. E. R. neue Devalvation Umständen unerläßlich durch den Absatzverlust bei Erzeugnissen aus anderen heimischen Bodenprodukten(Zuckerrübe) wettzumachen. Dabei bezieht sich die Produktionserhöhung gerade auf Erzeugnisse, deren Einfuhr früher den Absatz von Industrie-Erzeugnissen erleichterte. ES gibt daher auch für«nS keine andere Möglichkeit, als mit allen Mitteln«nd Wegen einen möglichst breiten Zugang auf die Auslandsmärkte z« schaffen. Ein eigenes Außenhandelsamt würde di« «ost beachtenswerte Reihe von Kompetenzen" nur noch vermehren. Man müsse sich um die rasche Erledigung auch in jenen Fällen kümmern, wo zwar die Entscheidung in den Händen von Beamten liegt» der Amtsschimmel aber ost mehr als die Sache selbst bedeut«. AlS dringend erforderlich für die Wirtschaft erklärte der Minister di« Senkung derZinSsätz«, die nun ohne Berzöge- r«Ng erfolgen müsse und auch schon planmäßig vorbereitct sei. AlS unerläßlich bezeichnete Trapl ferner das Gleichgewicht imStaatshauS- h a I t, das im Interesse dex gesamten Volkswirtschaft lieg«. Im Hinblick auf dieses Gleichgewicht müßten die Ausgaben des Staates in der Heu« ttgen kritischen Zeit so eingerichtet werden, daß nur der notwendigste Staatsbedarf gesichert wird. Für den Staat müsse unter allen Umständen und zu jeder Zett gelten, daß er nur so viel ausgeben dürfe, wieviel ihm die Wirtschaft bringen kqnn. 19 VILLA OASE Oder: DIE FALSCHEN BORGER Roman von Eugene Debit Berechtigte Uebertragung aus dem Französischen von Bejot Papa Adam, der große Felix und Alsted kamen jeden Abend. Sie sprachen vom Geschäft, und wenn die Uhr sieben schlug, schlürften sie, mit demselben Zeremoniell wie im Taft des EourseS, ihren Pcrnod. Natürlich machten sie die Türe hinter sich zu. Aber sie vergaßen dabei nicht die Kleine und hörten nicht auf, ihren Zustand zu erörtern. Nur nicht in Irmas Beisein. Die Pflegerin kam dazu. Man reichte ihr ein Glas, daS sie in einem Zuge leerte.„Herr Monge..." Julien unterbrach sie:„Ja, ich weiß." Dabei zückte' er seine Brieftasche und dachte daran, daß die Scheine Füße kriegten. Sie saßen beim zweiten Glase, als die Arenoud erschienest. Julien rief, das Mädel werde sich über ihren Besuch freuen. Wieder schlug die Klingel an. Entweder war es die Portiersfrau, die sich erkundigen wollle, oder eS war der Arzt oder sonstwer. Jedenfalls ein beständiges Kommen und Gehen. Wenn Freunde und Verwandt« sich verabschiedeten, runzelte Julien die Stirn. Er und seine Dicke lebten wie zwei Gefangene, mußten immer auf dem Posten sein. Irma zog sich stundenlang in ihr Zimmer zurück. Dort hörte sie wenigstens nicht das Husten und Stöhnen, atmete nicht die Krankenlust. Sie lag auf dem Bette, rauchte eine Zigarette nach der anderen und schlief auch zuweilen ein. Wenn sie erwachte, fand sie ihre Sorgen wieder. Sie stand auf. Einmal mußte sie doch nach Helen« |eh«n... Sie setzte sich an ihre Sette. Um ihr düs Atmen zu erleichtern, kam sie auf den Gedan« ken, sie an den Schultern zu halten. Aber der Körper wurde bald schwer wie Blei, und seine Hitze verbrannte ihr die Finger. Sie zog sich zurück. Ganz langsam. Denn ihre Tochter ließ sie nicht aus den Augen. Ach, wenn sie sie retten, sich selbst von dem Alpdruck befteien könnte, war sie zu jedem Opfer bereit. Nachts schlief sie nicht. Julien stand zehnmal auf, weil die Anfälle sich häuften. Schweißgebadet» mit laut klopfendem Herzen, wartete sie im Dunkeln. Helene stöhnte. Julien fluchte, zankte sich mit der Pflegerin, lief hin und her und warf eine Flasche um. Sie wagte nicht, das Fenster wett aufzumachcn; die Nachbarn hatten sich beschwert. Um ein wenig Kühle zu finden, drehte sie sich zur Wand. Die Uhr schlug: zwei-, drei-, viermal. Endlich wurde es Tag. Und wenn sie einge- schlafen war, kam Julien und weckte sie mit den Worten:„Das Mädel ruft nach dir." Einmal riß er sie fast mtt Gewalt aus dem Bett. Sie erkannte ihn nicht wieder. «Ich glaube, eS geht zu Ende, Irma." Er ließ einen Spezialisten kommen. „Es kann sich nur noch um Tage handeln", erklärte der. Irma wiederholte sich diesen Satz und lebte mit dem Gedanken an den Tod. Sie neigte sich über das.Gesicht ihrer Tochter wie über einen Abgrund. Sie wollte es nicht, aber es war, als zöge sie ein Schwindelgefühl. Schnell schloß sie die Augen und entfernte sich taumelnd. Die Freunde nannten sie»arme Irma", und der wehleidige Ton, in dem sie es sagten, steigerte nur ihre Angst. Sie prüfte sich im Spiegel. Die Zunge war belegt, ihr Teint aschgrau, die Haare wurden weiß. Sie hatte gar nicht mehr das Interesse, sich gut anzuziehen, Pläne zu machen, ihre Hoffnungen verwirllicht zu sehen. Immer wieder übermannten sie dieselben traurigen Gedanken» an denen sie fast erstickte. Sie mußte Julien rufen. Er legte ihr ein feuchtes Handtuch auf den Kopf, dann ging er wieder an die Arbeit. Unrasiert, halb angezogen, mit einer schmutzigen Schürze, half er der Pflegerin und der Aufwarte- frau. Gr lief treppab und treppauf, verschnaufte ein paar Minuten und machte sich von neuem zu schaffen. Erst am Nachmittag, wenn die Freunde kamen und mit ihm den Aperitif tranken— das einzige, was ihn noch aufrecht er« hielt, wie er behauptete— erst dann gönnte er sich Ruhe. Eines Tages konnte er nicht mehr. Alsted war unvermutet gekommen und hatte mit ihnen gegessen. Und die Gelegenheit ergriff er beim Schopfe. „Höre", sagte er zu ihm,„ich hab's dick, den Krankenwärter zu machen. Ich muß mal an die Lust. Du kannst bei Irma bleiben, und ich fahre mit Papa Adam nach Vincennes." Er zog den Mantel an, setzte den Schlapphut auf, umarmte Helene. „Ich habe im Montbert zu tun." Sobald er den Rücken gewandt hatte, meldete sich die Pflegerin bei der Kranken. „Ich gehe nur mal etwas besorgen", sagte sie. Helene bemertte Alsted, der, mit aufgestützten Armen, am Eßtisch saß. Er legte seine Zigarre fort, um ein Gläschen Kognak zu trinken. Hie und da warf er ihr einen Seitenblick zu, doch sie schlug schnell die Augen nieder. Sie hatte einen Pik auf ihn seit dem Abend im Cast des Tourses, an dem er sich über sie und Ettenne lustig gemacht hatte. Er tat, als merke er eS nicht, war übertrieben liebenswürdig und erwies ihr erheuchelte Aufmerksamkeiten. Plötzlich stand er auf und ging auf sie zu. Sie schloß wieder die Augen. „Dein Mädel ist allein, Irma", flüsterte er,„und schläft." Helene hörte, daß Stühle gerückt wurden. Dann wurde, ganz leise, eine Türe zugemacht. Ede» soll helfen Henleins Hoffnungen auf das Ausland Die„Deutsche Landpost", dar Hauptblatt deS Bundes der Landwirte, knüpft in ihrem Leitaussatz von Samstag an jene Stelle der Henlein« rede in Haida an, in welcher der Führer der Su« detendeutschen Partei die Erklärung abgegeben hat, dem Sudetendeutschtum müsse die Möglichkeit gewährt werden sich an daS Ausland zu wenden. Das Blatt schreibt dazu u. a.: Die Reise Henleins nach dem Ausland« hat diesen Hoffnungen neue Nahrung gegeben und die Wunderschönsten Gerüchte entstehen lassen. Was da nun alles erzählt wird, und zwar keineswegs vielleicht um Deutschland oder Hitler, sondern sogar um den englischen Bölkerbundmknister Eden, ist zwar lächerlich, aber noch lange nicht lächerlich genug, um doch geglaubt zu werden. Man sollte eS zwar kaum für möglich halten, aber eS ist doch so, daß es heute wieder naive Gemüter gibt, die ganz ernstlich der Ueberzeugung sind, Mister Eden werde, wenn er nur er st einmal die abessinischeFrage vomHalse hat, sein Interesse dem Sudetendeutschtum zuwenden und sich für die Beschwerden des Sudetendeutschtums mit dem gleichen Eifer«insetzen, wie nun für den Kaiser von Abessinien. Nun soll zwar nicht geleugnet werden, daß außenpolitische Dinge auf die innere Lage im Staate einen Einfluß haben und daß außenpolitische Wandlungen vielleicht auch dem Sudetendeutschtum eine Erleichterung bringen könnten, aber die Frage ist nur, wann und iu welchem Maße, und bei alledem ist es ganz sicher, daß sich daS Ausland in keiner Weise in innerstaatliche Dinge der Tschechoslowakei einmischen wird, es sei denn propagandistisch, was aber für uns keinerlei Wert besitzt. Das Ausland hat in der Vergangenheit nichts getan, um uns politisch zu helfen, es wird auch in der Gegenwart nichts tun und das gleiche wird man wohl auch hinsichtlich einer sozialen Erlösung durch das Ausland sagen müssen. Es ist möglich, daß Henlein auf seiner längeren Reise da oder dort auf ernstes Interesse für die sudetendeutsche Frage gestoßen ist, es ist auch möglich, daß die Schilderung der Not da oder dort die Zusage einer Hilfe zur Folge hatte, aber trotzdem wäre doch auch eine Hilfe aus dem AuSIande nichts anderes als ein Tropfen auf einen heißen Stein und selbst wenn sie noch so ausgiebig wäre, so würde sie nicht weiter reichen, als vielleicht einigen tausend Familien die Lage für eine oder mehrere Wochen zu erleichtern. Bei der Größe der Not läßt sich allerdings auch der Wert einer solchen Hilfsaktion nicht leugnen und der Staat könnte und würde ii« auch kaum verhindern können, wenn die Politik dabei aus dem Spiele bleibt und nicht propagandistische Absichten damit verfolgt werden, wie es leider mit der Vollshilfe oft der Fall war und ist,«wer niemand wird erwarten dürfen, daß dadurch eine grundlegende Besserung unsererwirtschaftlichen Verhältnisse erzielt werden könnte. Aber eines wäre eine neu genährte Hoffnung auf das Ausland, die sich für das Sudetendeutschtum noch immer als trügeriscb erwiesen hat, vielleicht imstande, nämlich uns heute, so wie in der Umsturzzeit, davon abzuhalten, unsere Kräfte zu- sammtnzufassen und sie dafür einzusetzen, um uns unser politisches wie soziales Schicksal wenn auch nicht rosig» so doch erträglich zu gestalten. Sie lauschte; es war ihr so seltsam beklommen umS Herz. Aber alles blieb still. Mit weit aufgerissenen Augen sah sie zum sommerlichen Himmel auf. Aber ihr Kopf sank bald zurück. Ihre Einsamkeit wurde täglich trostloser. Wenn sie auch an ihrem Bette standen: sie war doch allein. Die sogenannten Freunde kannte sie jetzt. Gleichgültig, eitel, verlogen.„Parvenüs, nichts weiter", sagte Berthe.„Leute wie wir, aber mit dem Ehrgeiz, für Bürger gehalten zu werden." Nur die Arenrmd liebten sie aufrichtig und ihre Mutter. Sie hatte den Wunsch, sie zu rufen. Vielleicht aber ruhte sie gerade wie immer um diese Zeit? Nun, so begnügte sie sich, an sie zu denken. Sie erinnerte sich ihrer Spaziergänge, besonders deS Besuchs in den GalerieS-Lafayette. Dabei fielen ihr die hübschen Kleider ein. Sie wollte sie sehen. Kaum, daß sie sie einmal getragen hatte... Und jetzt hingen sie zwecklos im Schrank in ihrem kleinen Stübchen. DaS Aufstehen war ihr verboten. Hatte sie denn überhaupt noch die Kraft dazu? Ihr Gesicht verriet ihre Anspannung. Sie warf die Decke ab, setzte den Fuß auf den Teppich, umklammerte eine Stuhllehne und stand; ein wenig zitternd zwar» aber stotz. UebrigenS atmete sie leichter. Sie ging einen Schritt, noch einen. Bloßfüßig schleppte sie sich durchs Eßzimmer. Jetzt fühlte sie, wie schwach sie war. Aber glücklicherweise war sie am Ziel. Sie öffnete den Schrank und nahm ihre Kleider heraus. Plötzlich drang ein Geräusch an ihr Ohr: ein ttefeS, rhythmisches Stöhnen, das aus dem Zimmer ihrer Mutter kam. Sie schlich an di« Türe, lauschte, und dabei fiel ihr Alfreds Bemerkung ein:„Dein Mädel ist allein und schläft." Sie wollte enffetzt davonlaufen, aber die Knie trugen sie nicht mehr. Sie warf die Hände in die Lust und brach zusammen. .(Fortsetzung folgfi) Nr. 210 Sonntag, 8. September 1938 Seite 3 fudeicndcMfediCT£citepiegci Die Sudetendeutsche Arbeiterpartei über deren Gründung wir vor einiger Zeit berichtet haben, gibt nun ein Flugblatt heraus, in dem sie sich»an die Kameraden und Kameradinnen des Arbeiterstandes in der Sudetendeutschen Partei(Vorsitzender Konrad Henlein)" wendet. In diesem Flugblatt wird gesagt, daß Konrad Henlein sich den Sudetendeutschen als ein Mann des Volles borgestellt und versprochen habe, die Sudetendeutschen auS dem Elend der Wirtschaftskrise herauszuführen und allen Arbeit und Brot zu schaffen. Die Arbeiter hätten ihm zuerst geglaubt, aber dieser Glauben ist seither verloren gegangen. „Henlein," so wird gesagt,„hat alS Arbeiterführer versagt... Henlein hat sich von jene« werben lassen, die als testtzende Schicht drS LolkeS unS Arbeitern die Welt zum Hangern und Darben überlassen und für sich alles Wohlleben und alle Schönheit der Welt als Privilegium in Anspruch nehmen... Henlein hat unS dieser besitzenden Schicht in die Hände gespielt wie ein guter Hasardeur seine Trümpfe. Völlig rechtlos und kampfunfähig sollen wir werden. Wir solle« dem Diktat deS Unternehmertums auSgeliefert werde», auf daß deren Profite, Dividenden und Tantiemen inS Unermeßliche gesteigert werden können auf unsere Kosten. Unsere Arbeitskraft soll zur Ramschware erniedrigt werden, die um jeden PreiS auf den Arbeitsmarkt geworfen wird. Henlein bietet der Landwirtschaft unsere Arbeitskraft an für einen Futternapf«nd Taschengeld nach Belieben. Henlein-Unternehmer pfeifen auf Kollektivverträge«nd drücke» die Löhne auf daS Nivea« astatischer K«liS. Und daS alles im Grifte der Volksgemeinschaft, die stch als der größte Bolksbctrug entpuppte» der in der Geschichte deS sudetendeutschen Volkes beispiellos dasteht... Henlein hat unS als Führer der Sudetendeutschen Partei klar«nd eindeutig den Beweis erbracht, daß daS Führerprinzip di«»«beschränkte Herrschaft der Kapitalisten»nd die endgültige Versklavung der Arbeiterschaft bedeutet. ... VolkSgemrinschaftSphrase«nd Führerprinzip zwingen»nS den Trennungsstrich zu ziehen zwischen Henlein«nd«nS." Aus diesen Gründen glauben die Verfasser 5cs Aufrufes, eine Sudetendeutsche Arbeiterpartei gründen zu müssen, die ihren Sitz in Aussig a. E. hat. Diese Gründung geht zweifellos von dem auch in unserem seinerzeitigen Bericht genannten Friedrich Kopatschek aus, der in der gründenden Versammlung der Partei als Referent fungierte. Die»Sudetendeutschen Pressebriefe" haben behauptet, daß Kopatschek nie Mitglied der Sudetendeutschen Partei, wohl aber Mitglied der sozialdemokratischen Partei gewesen sei. Kopatschek hat nun der„Rundschau" Henleins eine Presseberichtigung geschickt, worin er feststellt, daß er im Besitz einer Mitgliedskarte der Sudetendeutschen Partei sei, welche die Mttgliedsnmnmer 325.995 trägt und von einem Ingenieur M. Zimmer unterzeichnet ist. Weiter stellt Kopatschek fest, dah er nie Mitglied der Deutschen sozialdemokratischen Arbeiterpartei in der Tschechoslowakei gewesen ist. Damit ist wohl eindeutig festgestellt, dass die deutsche Sozialdemokratie mit der Parteigründung nichts zu tun hat und dah alle gegenteiligen Behauptungen der Henlein-Presse Unsinn sind. Wir erachten vielmehr die Gründung dieser Partei al- vollkommen überflüssig und diejenigen Arbeiter, welche zur Erkenntnis gelangt sind, dah sie in der Sudetendeutschen Partei einzig und allein kapitalistischen Interessen dienstbar gemacht werden, haben die Möglichkeit, im Rahmen unserer Partei ihre Lebensinteressen zu vertreten. Konferenz der Arbelter*Tourlsten Nach Abschluß der AuSschuhsitzung der Na- turfreundr-Jnternationale traten die Vertreter der Naturfreunde in der Tschechoslowakei und der Svaz Lsl. turistü zu einer Konferenz zusammen, um über die gemeinsamen Arbeiten und die Probleme der Arbeiter-Touristik, sowie des Reise« und Fremdenverkehres zu beraten. Dieser Beratung wohnten auch die Vertreter deS ZentralauSschufseS der Naturfreunde-Jnternationale bei; den Vorsitz führte der Obmann der Naturfreunde in der Tschechoslowakischen Republik Genoss« Dietl. Die Konferenzteilnehmer begrüßte Genosse Svarcr von der STDT. Nach eingehender Berichterstattung über den Stand der internationalen Arbei« ter-Touristenbewegung durch Genossen Moser- Zürich und über die inländische Bewegung, konnte die Einheitlichkeit auch der tschechischen Arbeiter- Touristik, wie sie der SCDT pflegt, festgestellt werden, womit für eine sehr enge internationale Zusammenarbeit bzw. Anschluß an die Internationale, dieses tschechischen Zweiges alle Voraussetzungen gegeben sind. Es werden für die kommenden Vollversammlungen beider tschechoslowakischen Landesgruppen die entsprechenden Entschließungen vorbereitet.— Hierauf wurde der Stand der Touristenbewegung und des Fremdenverkehrs, besprochen und zur Bearbeitung dieser Angelegenheit eine Kommission gewählt.— Die Eisenbahntouristenbegünftigungen und deren gegenwärtigen Auswirkungen wird diese Kommission ebenfalls behandeln: Auch die Unterstützung der Touristenbewegung seitens des Staates fand eingehende Erörterung und es wurden die notwendigen einheitlichen Beschlüsse gefaßt.— Diese Konferenz bedeutet eine weitere Entwicklung der Arbeiter-Touristik in der Tschechoslowakei im Sinne der zielbewußten Förderung der Rekrationsnot- wendigkeiten des Stadt- und Fabriksmenschen und deS sozialen Wanderns. „Einigung der sudetendeutschen Kriegstellnehmerschaft** Unter diesem Titel versendet der Bund der Kriegsverletzten mit dem Sitz in Reichenberg an die Zeitungen«ine Nachricht, wonach am 4. September in Reichenberg eine Besprechung von Vertretern dreier Kriegsteilnehmerverbände stattgefunden hat. und zwar deS Bundes der KriegSver« letzten in Reichenberg, des Unterstützungsvereines »Der Heimat Söhn« im Weltkriege" und der Reichsvereinigung ehem. Kriegsgefangener, in der diese drei Verbände beschlossen haben, von nun ab eine Arbeitsgemeinschaft zu bilden. Jeder Verband behält seine vollkommene Selbständigkeit und daS Zusammengehen betrifft nur die„die ge- New-Yorker Richter nimmt sich Vor einigen Wochen hatten kommunistische Demonstranten auf dem deutschen Lloyd-Dampfer „Breme n" im New-Dorker Hafen die Hakenkreuzflagge heruntergerissen. Am Freitag hatten sich deshalb fünf Demonstranten vor dem New- Norker Amtsgericht zu verantworten.' Vier von ihnen wurden freigesprochen mit der Begründung, daß keine gesetzwidrige Zusammenrottung stattgefunden habe. Lediglich e i n Angeklagter wurde wegen unerlaubten Waffenbesitzes in Haft behalten. Wenn schon das milde Urteil selbst auf deutscher Seite lebhafte Mißbilligung erregte, so noch weit mehr die Urteilsbegründung des Richters Brodsky. Es heißt darin u. a.: „Ich bin mir durchaus der Tatsache bewußt, daß dar offene Führen der Naziflagge für die Angeklagten berechtigter oder unberechtigter Weise di« Verstellung von einem Piratmschiff ., chervorgerufen hat,, das herausfordernder Weist,in den Hafen einer Nation einfährt, von der e« vorher ein Schiff in den Grund gebohrt hatte, mit der schwarzen Piratenflagge stolz an seinem Mast." Die Anwesenheit der vier Angeklagten auf der„Bremen" habe keine gesetzwidrige Zusammenrottung dargestellt. Sie hätten sich nur unter der Menschenmenge befunden, die sich durch- au r gesetzlich am Pier eingefunden habe, um gegen die deutsche Hakenkreuzflaggt zu protestie ren, wozu sie solange berechtigt gewesen sei, als sie nicht den Frieden störte. Wörtlich heißt es dann: ES kann jedoch wohl fei», daß daß Zeige» der Hakdnkrrnzflagge im Rrw Korker Hafen berechtigter»der unberechtigter Weife von de» An- geflagtm oder anderen Teilen unferrr Börger- Gestapo am Werk Schießende Menschenr&uber verscheucht Aus Forbach, dem lothringischen Grenzort am Saargebiet, wird dem„Daily Herald" gemeldet: Ein hierher emigrierter kommunistischer Funktionär aus dem Saargebiet erhielt Nachricht von der Verhaftung einiger seiner Saarbrückener Parteigenossen. Zugleich wurde ihm mitgeteilt, eine weibliche Vertrauensperson ivürde ihn zu bestimmter Abendstunde an einer Stelle an der Grenze erwarten, um mit ihm die Möglichkeit einer Unterstützung der betroffenen Familien zu besprechen. Vorsichtshalber ersuchte er zwei Freunde,! ihn zu begleiten und abseits hilfsbereit zu stehen. Einige Schritte jenseits der Grenze erwartete ihn tatsächlich eine junge Frau. Sie bat ihn, doch näher zu kommen und-fls er das ablehnt«, begann sie zu weinen. Im Laufe der eigenartigen Unterhaltung überschritt der Kommunist dann doch die Grenzlinie um etwa eineinhalb Meter. Im nächsten Augenblick brachen ein uniformierter Polizeibeamter, zwei SA-Leute und drei Kriminalpolizisten in Zivil hinter einer Hütte hervor und begannen sofort auf den Emigranten zu s ch i e ß e n. Er wurde aber nicht verletzt und konnte rasch zurück über die Grenze; springen. Die sechs Hitlerleute verfolgten ihn feuernd, überschritten dabei die Grenze, Französisch« Posten eilten herbei. Leider konnte keiner der Angreifer verhaftet werden. Winterhilfe eingeschränkt Berlin(AP.) Die Winterhilfe wird in diesem Jahre starke Einschränkungen erfahren. In zahlreichen Orten sollen diejenigen samte sudetendeutsche Kriegsteilnehmerschaft berührenden Fragen." Die neugegründete Arbeitsgemeinschaft wird auch am Kongreß der internationalen Gemeinschaft der Verbände der Kriegsbeschädigten und Kriegsteilnehmer(Ciamac) in Belgrad vom 18. bis 22. September vertreten sein. Dieser Vertreter wird am österreichischungarischen Kriegerfriedhof in Belgrad einen Kranz niederlegen.— Da die Mitteilung an die Presse wenig über die Aufgaben der neuen Arbeitsgemeinschaft sagt, kann zu ihr noch nicht Stellung genommen werden. Sicherlich wird späterhin etivas dazu zu sagen sein. Eine Kommission oder einen Ausschuß zum Studium der wirtschatlichen Verhältnisse in Nord- höhmen schlägt die Zeitschrift„Hospodäkskä Politika" vor. Aufgabe dieses Ausschusses lväre es, die tatsächlichen Verhältnisse in diesem Krisengebiet rasch und objektiv festzustellen und konkrete Anträge zu stellen. Vertreten müßten darin nicht nur die Aemter und die Abgeordneten sondern auch praktische Volkswirte sein.— Der Vorschlag ist darum bemerkenswert, weil er in einer Zeiffchrift gemacht wird, deren Mitherausgeber der Chef der volkswirtschaftlichen Sektion des Ministerratspräsidiums, Architekt B i t t e r m a n n, ist. Kein Blatt vor den Mund schäft alS unerwünschte- Hisse« eine- Zeichen- betrachtet wurde, da- olle- da- versinnbildlicht, was den amerikanischen Idealen von de« lwtt- -rgebenen und unverrückbaren Rechten aller Bürger, sowie von Leben, Freiheit und dem Streben nach Glück zuwiderläuft. Rach Ansicht der Versammelte« bedeutet diese- Zeichen der Razi- reqiernng Krieg der Religion, Vernichtung von Mitbürgern lediglich«nS religiösen und ethnologischen Gründen, Entwürdigung der gelernten Beruft, kur» gefaßt, wen« ich einen biologischen Begriff gebrauchen darf, einen aktavtsti- schen Rückschritt in mittelalterliche, tticttn nicht gar barbarische sozial«»nd politische Verhältnisse." Große Erregung In Berlin Dies« ungeschminkte Charakterisierung deS deutschen Hakenkreuzgeistes durch den mutigen amerikanischen Richter wird von.der, aclamtey reichsdeutschen Presse— sicher auch auf Anweisung des Propagandaministeriums— in der schärfsten Weise als„Schandurteil", als eine »maßlose und noch nie dagewesene freche Provokation" etc. kommentiert. Diplomatisches Einschreiten Der deutsche Botschafter in Washington, Dr. Luther, übermittelte am Samstag dem Staatssekretär Hüll im Staatsdepartement den formalen Protest der deutschen Reichsregierung gegen die Ausführungen des New-Uorker Amtsrichters Brodfly. Staatssekretär Hüll erklärte, daß er einen amtlichen Bericht vom Staatsgouverneur von New Vork, Lehmann, zwecks Prüfung und Erwägung anfordern werde. ausgeschlossen werden, di« nicht wenigstens einen Teil des WinterbrandeS sich durch Holzsammeln verschaffen. Außerdem werden alle»böswilligen Kritikaster" ausgeschlossen. Unruhen In Köln AP. Köln. In den letzte» Tagen kam es mehrmals in Industrie-Vororten zu Demonstrationen«nd Schießereien. In einem Fall demonstrierten Arbeiterfranrn gegen die Teuerung. Die Polizei vermochte sich gegenüber der sehr schnell außerordentlich angewachsrnen Meng« nicht durchzusehen. Im anderen Falle demonstrierten SA-Abteilungen«nd eS kam z« stundenlangen Kämpfen zwischen SA.»nd Polizei, wobei eSzahlreicheVerwnndete gab. Infolge dieser Vorfälle wurde der Kölner Polizeipräsident abberufen. Rückgang des deutschen Schulwesens In Polen Das„Posener Tagblatt" muß einen weiteren Rückgang deS deutschen Schulwesens in Polen feststellen: Die Zahl der Volksschulen mit deutscher Unterrichtssprache ist von 768 im Schuljahr 1.929/80 auf 490 im Schuljahr 1934/85 zurückgegangen. Mittelschulen gab eS 1929/30 29 mit deutscher Unterrichtssprache. 1934/85 nur noch 20. Dagegen betrug die Zahl der deutschen Schüler 1984/85 in den Bolkrschwlen 56.700, im Schuljahr 1929/80 62.700, m den Mittelschulen 3100 in 1934/,35, im Schuljahr 1929/30 7700. Hakenkreuz- Piratenflagge Roter Wahlsieg In Schweden bei den Nachwehlen In den Senat Stockholm. Gestern fanden die Ergänzungswahlenin de» Senat statt, durch die ein Achtel der Mitglieder dieser Kammer erneuert wurde.Die Sozialdemokraten und Landwirte gewannen auf Kosten der Liberalen und Konservativen je zwei Mandate. ... auch In Holland Amsterdam.(Eigenbericht.) Dienstag fanden in der Dkehrzahl der holländischen Gemeinden Magistratswahlen statt» welche mit einem großen Erfolg« der Sozialdemokraten endeten. Insbesondere stärkt« stch die sozialistisch« Posttion in den großen Städten. In Amsterdam wurden drei Sozialdemokraten in den Stadtrat gewählt, welche:: zwei Vertreter der protestantischen«nd rin Vertreter der katholischen Partei gegenüberstehen. In Rotterdam besetzte» di« Sozialdemokraten alle vier der zu vergebenden DtadtratSsitze. Im Haag erhielte:: sic auf Grund eines Kompromisses mit de« bürgerlichen Parteien zwei Mandate, die Liberalen, die Katholiken und dir Christlich-Historischen(die Partei deS Ministerpräsidenten Coljin) je e i n Mandat. Schuschniggs„fischt"— neun Zehntel Lüge Wir lesen in der»Arbeiterzeitung": Die Heimwehr hat auch eine fasciftisch« Jugendorganisation:»Jung-Vaterland". AlS Mitglieder z a h l werden 1 0 0.0 0 0 angegeben. Aber jedes„Jung-Vaterland"-Mitglied ist gegen Unfall versichert. Und die Versicherung bringt es an den Tag. Sie verzeichnet nämlich Nur 10.2 18 versicherte Jungfasei« st e n. Von der Stärke des Fascismus sind also, wie die Statistik erweist, 10 Prozent Wahrheit und 90 Prozent Schmäh. Verlängertes Aufmarschverbot trifft die Monarchisten Wien. Die Regierung hat das für die diesjährige Sommersaison erlassene Versammlungsund Aufmarschverbot bis einschließlich 80. d. M. verlängert. Diese Maßnahme wird amtlich mit dem Ändaucru der günstigen Frep:densa:son begründet. Bon ihr werden jedoch ausschließlich m anarchistische Versammlungen und Veranstaltungen betroffen, die bereits angemeldet waren, während die vaterländischen Vereinigungen und Verbände ihre Tätigkeit erst nach dem 1. Oktober aufnehmen werden. Italienische Propaganda in Aegypten London. Blättermeldungen zufolge macht sich in Aegypten in letzter Zeit eine englandseindliche Propaganda bemerkbar, die italienischen Ursprungs sein soll. Diese Propaganda verursacht m London eine gewisse Unruhe und man ist der Ansicht, datz in diesem Zusammenhang eine britische Intervention in Rom erfolgen werde. Japans Hand In HollSndlsch-lndlen AP. In atemraubendem Tempo dringt Ja« pan in Holländisch-Jndien vor. 1930 lieferten England und Holland ausschließlich die Sarongs, das malayische Kleidungsstück. Heute tragen 95 von 100 Malayen japanische Sarongs, die sie zu einem Drittel des Preises kaufen konnten. Die Japaner beschränkten sich aber nicht auf Baum» wottwaren. Es gibt kaum einen Bedarfsartikel, den Japan nicht auf Java verkauft. Das holländische Töpfergewerbe wurde ebenso ausgeschaltet wie die Spielzeugindustrie des Erzgebirges. Zu Spottpreisen werden Fahrräder und Sämaschinen, elektrotechnische Artikel und Bleistifte verkauft. DaS hat auch eine Kehrseite. Die Plantagenbesitzer erklären zum Teil, daß sie durch dies« billigen Preise imstande seien, die Löhne der Kulis zu kürzen, und daher trotz des hohen Guldenstandes mit dem Gummi auf dem Weltmarkt konkurrieren können. Was soll Holland unter den Umständen gegen daS japanische Dumping machen? Sein Wegfall würde Unzufriedenheit unter der Bevölkerung Hervorrufen. Die menschenüberfüllte malayische Inselwelt ist für Japan ein willkommener Markt. Die japanische Konkurrenz bedroht nicht nur die holländischen Produzenten, sondern auch den Handel, der bisher in den Händen von Holländern und vor allem von Chinesen lag. Die Japaner errichten ihre eigenen Handelsvertretungen. Gleichzeitig wird die holländisch« Schiffahrt durch di« Japaner ernstlich beeinträchtigt. Und schon wird in Japan Stimmung dafür gemacht, daß man den holländischen Teil von Neu-Guinea erwerben müsse. Seite r’ Sonutog, 8. September 1S3S -Lr. 210 veurscklsnc! 19Z5 Aus der„Frankfurter Zeitung" vom 6. September: Karten:„Die Kreisleitung der NSDAP Alzey gibt im„Mainzer Anzeiger" unter der Ueberschrift „Am Pranger" die Namen von vier Einwohnern aus Wonsheim bekannt, die mit einem Juden in einem öffentlichen Lokal Karten gespielt haben. Erst die Tiere.„Ministerpräsident Göring weilt gegenwärtig in Ostpreußen, um... 11.) Maßnahmen zur Pflege des Elchbcstandes zu treffen und 12.) die Lage der Bevölkerung kennen zu lernen. Kritik verboten.„Dem„Führer" zufolge wurde die Verbreitung des„Königsberger Katholischen Wochenblattes" und des„Ermländischen Kirchenblattes" verboten, da sie in zwei Artikeln eine unerhörte Kritik an Maßnahmen staatlicher Stellen enthalten hätten." * Inserate.„Weiter wurde die„Westdeutsche Beamtenzeitung" verboten, da sie die Beamtenschaft durch Aufnahme von Inseraten jüdischer Firmen diskreditiert habe." Alles ist Raffenschande.. Die Frau hat behauptet, daß sie gar nicht in intimen Beziehungen zu dem Juden gestanden habe. Das Gericht hat es auf den Beweis gar nicht ankommen lassen." Lebenshaltung nicht das Wichtigste.„Dennoch hat Dr. Goebbels davor gewarnt, sie lnämlich die Frage der Lebensmittelpreise als das zentrale Problem anzusehen." Ein Warnungszeichen für die holländische Reaktion Katholisch organisierte Arbeiter gegen die katholische Regierung Im holländischen Textilgebiet Tilburg ist em Streik ausgebrochen, der sich dadurch auszeichnet, daß die zirka 2qp0 Streikenden fast restlos der katholischen Gewerkschaft„St. Lambert"(alle katholischen Gewerkschaften in Holland sind nach einem Heiligen benannt) angehören und gegen den Willen ihrer Leitung den Kampf gegen einen neuen Lohnabbau ausgenommen haben. Dieser Streik hat grundsätzliche Bedeutung, weil er das erste offene Auftreten katholisch organisierter Arbeiter gegen die Teilnahme der katholischen Führerschaft an der Defla- tions-(Verelendungs-) Politik der heutigen Regierung bildet. Die bürgerliche Presse verhehlt sich nicht» daß von diesem Ereignis her eine außergewöhnliche Stärkung der oppositionellen Strömungen innerhalb des organisierten Katholizismus der Niederlande eintreten und den Einfluß der katholischen Führer auf ihre Gewerkschaftsorganisationen in Frage stellen kann. So hat z. B. der katholische Eisenbahnerverband beschlossen, die Streikenden von Tilburg, denen die Gewerkschaftskassen gesperrt sind, durch Sammlungen zu unterstützen. Aehnliche Aktionen werden auch von anderen katholischen Kreisen unternommen. USA betonen Freundschaft für den Nesus Addis Abeba. Der Negus empfing Samstag in einer Sonderaudienz den amerikanischen Geschäftsträger, der ihm erklärte, daß seine Regierung zur Wahrung des Weltfriedens die Standard-Oil Co veranlaßt habe, die Oelkonzessionen rückgängig zu machen. Außerdem betonte der Geschäftsträger die F r e u n d s ch a f t der Vereinigten Staaten für den Negus und Wes- sinien. Vom Rundfunk iMpfehlMiwertM au* den Pragramaraai Montag: Prag, ,Sender L: 10.03: Deutsche Presst, 10,15: Schulfunk, 11: Schallplatte»: Dvorak, 12.30: Blasorchcsterkonzert, 17.50: Schallplatte»: Lieder aus dem Film: Die Erde singt, 19: Deutsche Sendung: Rat Wien: Aus einem Journalistenleben, 18.35: Aus dem Manuskript, Kompositionen von Konecznh, 19: Deutsche Presse, 22.45: Deutsche Nachrichten. Sender S: 7.30: Konzert des Mujik- salonquartetts, 14: Tschechische Volkslieder, 14.20: Deutsche Sendung: Operngesang auf Schallplatte». Brünn 13.25: Sozialinformationen und Arbeitsmarkt, 17.40: Deutsche Sendung: Dr. Hruby: Tropische Genußmittel unseres täglichen Lebens, 18.35: Jazzmusik, 21.50: Klavierkonzert.— Mährisch- Ostrau 18 20: Deutsche Sendung, Arbeiterfunk: Brodkorb: Voranschlagsarbciten, insbesondere in Landgemeinden,— Liederkonzert, 22.45: Tanzmusik. Dienstag: Prag, Sender L: 6: Gymnastik, 10.05: Deutsche Presse, 11.05: Deutscher Schulfunk: bei den Hopfenpflückern, 12.10: Schallplattenkonzert, 12.30: Konzert: Jazzorchester Dr. Ostens, 13.40: Schallplatte«: Strauß Johann, 15: Prager Salonorchester, 16.30: Nachmittagsprogramm, 18.20: Deutsche Sendung: Aus Haydns Londoner Tagebüchern, 19: Deutsche Presse, 20.30: Uebertragung aus Budapest: Europäisches' Konzert. Sender S: 7.30: Leichte Musik, 8: Frauenghmnastik, 14.50: Deutsche Sendung: Dr. Weinhuber: Kurze Rechtsberatung. — Brünn 17.45: Arbeiterfunk: Dr. Frey: Ist eine internationale Polizei möglich? 22.45: Tanzmusik. -— Pretzbnrg 18: Hummel: Klaviersonate, 18.35: Unterhaltungsmusik, 20 20: Gricg: Peer Gynt.— Kaschau 18.30: Violinkonzert« Flugzeug stürzt mitten in eine Stadt London. Bei Black Pool m Lancashirc stießen zwei Flugzeuge zusammen, von denen eines mitten in der Stadt avstürzte und verbrannte. Hiebei kamen drei Personen ums Lebeir. Hiezu werden folgende Einzelheiten gemeldet: Während eines Geschwaderfluges von fünf Militärflugzeugen über Black Pool stieß eine Sportmaschine mit einem von diesen zusammen. Das Militärflugzeug konnte trotz der Beschädigung glücklich landen, das Sportflugzeug aber geriet in Flammen und stürzte über der Stadt ab. Aus dem brennenden Flugzeug fielelne Frau h e r a u s, die tot in den Aesten eines Baumes hängen blieb. Das Flugzeug schlug zunächst auf das Dach einer Kirche auf, dann auf das Dach einesH a u- s c s, das in Brand gesetzt wurde, und schließlich zerschellte es in einer Straße: Der Pilot konnte nur noch als Leiche geborgen werden. Eine Frau wurde durch die hrrabstürzen- den Dachziegel so schwer verletzt, daß sie kurze Zeit nach Unfall starb. Die Einwohner des Hauses, das von dem herabstürzenden Flugzeug in Brand gesetzt wurde, kamen mit dem Schrecken davon. Absturz bei den belgischen Flugmanövern Brüssel. Am Samstag stürzte bei der belgischen"Gemeinde Bierwart ein Militärflugzeug ab, das an den Flugmanövern der belgischen Armee tcilnahm. Die beiden Piloten wurden getötet. Barbusses Beisetzung in Paris Am Samstag füllte sich das Gewerkschaftshaus im Osten von Paris mit einer unübersehbaren Volksmenge, die kam, um dem verstorbenen Schriftsteller Henri Barbusse die letzte Ehre zu erweisen. Gegen 14 Uhr wurde der Sarg mit den sterblichen Ueberresten des Schriftstellers zu der Porte de la Chapelle gebracht, wo sich mehrere zehntausend Angehörige der verschiedensten Linksorganisationen mit ihren Fahnen versammelten. Vor.dem Sarg schritten formierte Organisationen mit Fahnen, denen mehrere Wagen mit Kränzen folgten. In dem Zug wurden große Bilder des Verstorbenen und Standarten mit Zitaten aus seinen Werken getragen. 25 Mädchen trugen auf roten Pölstern die Schriften des verstorbenen Autors. Der Sarg ruhte auf einem einfachen Trauerwagen und war mit einer roten Fahne bedeckt. Das Publikum bildete ein dichtes Spalier bis zum Friedhof Pere Lachaise, wohin die sterblichen. Ueberreste des Verstorbenen geführt wurden, und grüßte schweigend den Sarg mit erhobener zur Faust geballten Hand. Im Krematorium sprachen u. a. der Schriftsteller Jean Richard Bloch und der kommunistische Deputierte C a ch i n. Falsche Wechsel im Betrag von 20 Millionen Francs P a r i s. In St. Omer ist ein neuer Riesenwechsel-Skandal aufgedrckt worden. Es wurde frstgestrllt, daß mehr als hundert falsche Wechsel über insgesamt 20,000.000 Francs in den letzten zwei Jahren in Umlauf gebracht worden sind. Vor zwei Jahren war ein Händler in St. Omer namens Alexandre Hubert beschuldigt worden, falsche Handelswechsel ausgcgeben zu haben. Der Betrug wurde aufgedeckt, als die Wechsel bei der Bank von Frankreich zur Diskontierung eingereicht worden sind. Hubert zog sich damals aus der Sache heraus, indem er seinem ins Ausland geflüchteten Handelsbevollmächtigtcn die ganze Schuld an dem Betrüge aufbürdet und behauptete, er selbst habe von der ganzen Angelegenheit nichts gewußt. Inzwischen ha* die. Privatbank, bei der Hubert sein Konto hatte, Bankerott gemacht; bei der Durchsicht der Kassenbücher entdeckte man, daß nicht nur die wenigen 1933 entdeckten falschen Wechsel von Hubert durch diese Bank gegangen waren, sondern über 100 falsche Handelswechsel im Betrage von 20 Millionen Francs. Hubert wurde am Freitag in St. Omer verhaftet. Soldat erschießt seinen Kameraden Eifersuchtsdrama in einer Preßburger Kaserne Preßburg. In der hiesigen Svatopluk- Kaserne kam es zwischen den beiden bei der 12. Maschinengewehr-Rotte des Infanterie-Regiments Rr. 39 dienenden Soldaten Bcdnärik und SimoniL zu einem Streit. Hiebei ergriff Bednäkik sein Dionstgewehr und schoß auf Simoniä, der» in die linke Brustseite getroffen, an Ort und Stelle tot war. Als das Bcdnärik sah, stemmte er das Gewehr gegen den Boden und schoß sich selb st in den Mund. Schwer verletzt wurde Bcd- näkik ins Divisionsspital gebracht, starb aber während des Transportes im Sanitätsauto. Er hatte seine Tat aus Eifersucht verübt. Prager Ehepaar in der Tatra ausgeraubt In der westlichen Tatra knapp an der polnisch-tschechoslowakischen Grenze wurde Samstag ein tschechoslowakisches Touristenpaar, und zwar Dr. Jelinek und Dr. Elisabeth Kubik auS Prag, von einem unbekannten Räuber überfallen. Der Räuber feuerte auf die beiden Touristen aus einem Gewehr einen Schuß ab, ohne sie jedoch zu treffen. Er raubte hierauf den beiden Touristen den Betrag von 1400 KL in Bargeld sowie die gesamte Touristen-Ausrüstung.. Der Räuber vermochte zu flüchten. Die tschechoslowakische Grenzpolizei verständigte die polnische Grenzwache in Chocholow, da der Räuber auf polnisches Gebiet flüchtete. Die bisherige Verfolgung des Banditen blieb erfolglos. Hochofen explodiert Drei Arbeiter getötet. Warschau. In Wolica bei Kielce erfolgte in der dortigen Zementfabrik der Firma Hempel die Explosion eines Hochofens. Hiebei fanden drei Arbeiter den Tod, ein vierter erlitt schwere Verletzungen. Ter tägliche Rekord. Der bekannte englische Autorennfahrer Eyston hat den bisherigen Schnei- lichkeitsweltrekord über die Zehn-Meilenstrecke gebrochen, indem er im nordamerikanischen Staate Utah die Strecke mit einer Geschwindigkeit von 167,09 Meilen in der Stunde äbsolvierte, was etwa 267,34 Kilometer gleichkommt. Der frühere Weltrekord betrug 164,08-Meilen und wurde von Norman Smith im Jahre 1932 auf Neuseelans aufgestellt. Die Staatsbahnen geben das Erbebnks ihrer Finanzgebarung im ersten Halbjahr 1935 bc- kann. Demnach betrugen die Einnahmen aus dem Personenverkehr 340.1(+ 5.6) Millionen KL, aus dem Gütertransport 900.6(4-23.7) Millionen KL, sonstige Einnahmen 185.2(4-9) Millionen KL. Insgesamt betrugen die Betriebseinnahmen 1425.9(4-38.3) Millionen, die Betriebsausgaben 1588.5(4-21.2) Millionen KL. Ehescheidungen, Ehrtrrnnungen und ungültig erklärte Ehen im Jahre 1934. Die soeben erschienene Nummer 78 der„Mitteilungen des Statistischen Staatsamtes" mit tschechisch-deutsch-französischem Text, bringt darüber eingehend gegliederte Daten. Die einleitende retrospektive Uebersicht faßt die Daten nach Ländern für die Jahre 1927—1934 zusammen. Preis der Veröffentlichung KL 1.—. In Kommission bei der Firma Bursik& Koh out, Prag II, Väclavskä nämLsti. Zustrom kalter Luft a«S dem Polargebiet. Unter der Druädepression, welche nach Nordrußland abgezogen ist, strömt andauernd kalte Luft aus dem Polargebiet gegen Mitteleuropa. Bei frischem Nordtvestwind und veränderlichem Wetter wurden SamStag nachmittags in unseren Gegenden stellenweise auch in den Niederungen bloß 12 Grad verzeichnet. Die Schneekoppe meldete um 14 Uhr 0 Grad. Verschiedentlich traten noch Regenschmier auf, Chust hatte nachmittags ein Gewitter. In Frankreich und England herrscht bereits schönes Wetter. Auch bei uns kann eine allmähliche Beruhigung und Besserung vom Westen her erwartet werden; im Falle einer Ausheiterung werden jedoch die Nächte zunächst noch sehr kühl verlaufen.— Wahrscheinliches Wetter von heute: Im West- und Südteil der Republik wechselnd bewölkt^ strichweise bereits etwas aufklärend, nachts kühl, während des TageS wieder etwas wärmer, abflauender Wind. Im Nordosten noch veränderlich mit Neigung zu Schauern, ziemlich kühl, Nordwestwind.— Wetteraussichtenfür Montag: Weitere Besserung vom Westen her und allmähliche Erwärmung. i„Kriegshetzer" nennt die klerikale Wiener „Reichspost" die Wortführer der englischen Gewerkschaften, deren Vorsitzender Walter Citrine auf dem Gewerkschaftskongreß in Margate erklärt hat:„Die Anwendung von Sanktionen kann den Krieg bedeuten, aber wir hoben keine andere Wahl". Daß wir keine andere Wahl haben, ist dem italienischen Fascismus zu verdanken, in dessen Dienst sich die Wiener„Reichs- Post" stellt, die den Protest gegen das Kriegstreiben Mussolinis heuchlerisch als Kriegshetze bezeichnet. Aber sie steht mit ihrer Argumentation leider nicht allein. Auch anderswo finden sich Leute, die ollen Ernstes zu bedenken geben, daß man dem Frieden vielleicht am besten damit dienen könne, daß man Mussolinis afrikanischen Krieg nicht stört und so den Frieden Europas noch für eine Weile rettet. Sehen diese Leute wirklich nicht, daß mit einer solchen „Nichteinmischungspolitik" der Bankrott des Völkerbundes erklärt wäre, daß mit dem Bankrott deS Völkerbundes die Kriegslust der Friedensstörer in Berlin und Tokio gefährlich ermuntert würde, und daß England, wenn man es in seiner— diesmal gerechten— Abwehrstellung allein läßt, automatisch zum Verbündeten des Dritten Reiches werden könnte, wenn Hitler die Gelegenheit wahrnähme, auch seinerseits loszuschlagen? Sehen diese Leute nicht, daß andererseits ein einiges Vorgehen aller Völkerbundsmächte gegen einen neuen Bruch des Weltfriedens für alle Kriegslüsternen eine wirksame Warnung wäre und daß der italienische Fascismus, von Boykott und Mederlage bedroht, ein Ende nehmen müßte, das allein seine Nachahmer aufs heilsamste erschüttern würde? Ein Pazifismus, der dazu führt, den Kriegstreibern freie«Hand zu lassen, führt sich selbst ad absurdum— in einer Welt, die von Waffen starrt und von Friedensfeinden wimmelt. Man möge die Worte beachten, die einer der berühmtesten Pazifisten, der englische Nobelpreisträger Nor- man Angell, kürzlich in Paris gesprochen hat: „Es ist besser, die englischen Seestreitkräfte— wenn nötig— jetzt für ein System einzusctzen, das den europäischen Frieden sichern kann, als daß man sich später in einen viel hoffnungsloseren Krieg treiben läßt." Eine Ueberzeu- gung, die nicht nur für England gelten sollte, sondern für alle, in deren Macht es liegt, die vom Fascismus heraufbeschworene Katastrophe abzuwenden. Die internationale Arbesterschaft hat durch die Vertreter ihrer beiden Internationalen in Genf den Ruf nach Sanktionen erheben lassen. Und nun ist es an den Staatsmännern zu handeln— und sich nicht von denen verwirren zu lassen, die Kriegsfeinde für Kriegshetzer" erklären. SOS-Ruf eines gestrandeten Dampfers. Die Radiostation von Marseille hat folgende Nachricht aufgefangen: SOS.„Onassi Maria" ist vier Meilen südöstlich vom Corsischen Kap gestrandet. Der französische Dampfer„Taberkan" begibt sich an die Stelle des Unglückes. Addis Abeba, auf das sich das Weltiutereffe konzentriert Nur wenige modern geteerte Straßen verbinden die wichtigsten Plätze der abessinischen Hauptstadt Addis Abeba. Die Häuser sind mit wenig Ausnahmen einstöckig und mit Wellblechen— ein wichtiger abessinischer Importartikel— bedeckt. Straßenbeleuchtung ist nicht vorhanden. Immerhin gibt es auch in Addis Abeba einen Verkehrspolizisten, den unser Bild unter dem Sonnenschutzdach(im Vordergrund) auf einer der bedeutendste:. Straßen, der Ras- Makonnen-Straße zeigt. vx.21Ü Sonntag, 8. September 1938 "Tritt 5 Die dänische Arbeiterregierung im Kampf Säuglingssterblichkeit Tie Deut scheJugendfür sorge teilt uns aus ihren statistischen Aufzeichnungen folgende Daten mit: Durch intensive Arbeit ist es gelungen, die Säuglingssterblichkeit in unserem Arbeitsgebiete auf 11.35 Prozent herabzumindern. Doch das ist nur der Durchschnitt. Während er heute schon viele Bezirke gibt, in denen die Säuglingssterblichkeit bei 6— 7 Prozent liegt (Asch, Gablonz, Grulich, Königinhof, Kratzau, Tannwald, Tepl), gibt es auch noch Gebiete wo sie 15 bis 18 Prozent beträgt(Hostau, Kaaden, Kaplitz, Rokitnitz, Podersam, Marschendorf, Brüx). Bor 2V Jahren starb jeder 5. Säugling. Heute sterben in den einen Gebieten von 16 bis 17 Kindern nur noch eines, in den anderen aber jedes 6—7. Hier liegt noch weite Arbeit vor uns. Das unerhörte Elend, das unter den Kindern herrscht, muh auch hier gemildert werden. Die Deutsche Jugendfürsorge arbeitet mit größter Anstrengung. Immer schwerer fällt es ihr, die fich ständig vergrößernden Ausgaben mit den verringerten Einnahmen in Einklang zu bringen. Aber gerade heute darf die Jugendfürsorge ihr Arbeitsgebiet nicht einschränken und es mit einer Schutzarbeit genug sein lassen, wie sie durch die Interesselosigkeit weiter Kreise bedingt wäre. Mögen obige Zahlen vielen die Augen öffnen über das, was das Wirken einer gut organisierten Jugendfürsorge für die Zukunft bedeutet. Jubiläum des ersten tschechischen TagblatteS in Amerika. Am 8. Oktober jährt sich zum 60. Male der Tag, an welchem in Chicago die erste Nummer der von August Geringer begründeten Tageszeitung„Svornost" erschien. Das Blatt kämpfte für den Fortschritt und stärkte das Bolks- bewußtsein der in Amerika lebenden Tschechen. Bei AuSbruch des Weltkrieges stellte es sich in die Dienst« der tschechoslowakischen Selbständigkeitsbewegung. Acht Matrosen vermißt. Der Hamburger Motorsegler»F l o t t b e ck", der der Reederei Tieren in Altona gehört, geriet auf der Fahrt von Danzig nach Riga in der Nacht zmn Freitag an der Küste bei Palmnicken in einen Sturm und kenterte. Die Besatzung betrug elf Mann. Der Kapitän und zwei Mann konnten sich in einem Rettungsboot retten, während die anderen acht Mann, die ebenfalls ein Rettungsboot bestiegen hatten, bisher vermißt werden. Wahrscheinlich sind sie ertrunken. Bei einem Autounfall bei Innsbruck ist der albanische Generalkonsul in Bukarest schwer verletzt worden. Der Generalkonsul befand fich auf der Reise nach Hall in Tirol. Sein Auto wollte einem löjähr. Radfahrer ausweichen. Infolge des scharfen MbremsxnS des MageyZ drehte, sich dieser um seine Achse und wurde gegen einen Baum geschleudert. Der Radfahrer und drei Insassen des Autos, darunter der Generalkonsul erlitten schwere Verletzungen. PariS—Algier und retour 1« zehn Stunden. Der französische Flieger Mermoz führte am Freitag einen Schnellslug Paris—Algier—Paris aus. Mermoz startete Freitag um 7.45 Uhr in Le Bourget und legte di« 1470 Km. lange Strecke nach Algier in vier Stunden und fünf Minuten zurück. Nach 20 Minuten Aufenthalt in Algier startete der Flieger zum Rückflug. Er landete am selben Tag gegen 17.46 Uhr wieder in Le Bourget. Tolstoi-Ausstellung. Die Leningrader öffentliche Bibliothek bereitet eine große Ausstellung vor, die dem Todestage des berühmten Schriftstellers Leo Tolstoi(20. November 1910) gewidmet ist. Auf der Ausstellung werden zahlreiche Brief«, Autographen, Erstausgaben von Werken Tolstois, Werke, die in den Sprachen der Völker der Sowjetunion erschienen sind, Uebersetzungen in ausländischen Sprachen ufw. sowie eine Handschrift Leo Tolstois»Was ist Kunst?" zu sehen sein. KrkegSarchiv der Morganbank beschlagnahmt. In Verfolg dies Beschlusses der Senatskommission zur Untersuchung der Rüstungen und im Einvernehmen mit der britischen und der französischen Regierung hat das Staatsdepartement der Bereinigten Staaten ein Lastauw beschlagnahmt, auf welchem sich das Archiv der Morgan-Bank befand. DieseS Archiv enthält Dokument« betreffend die Finanz- Transaktionen dieser amerikanischen Hauptbank während deS Weltkrieges vom Jahre 1914 bis zum Jahre 1917 für beide Regierungen, nämlich die französisch« und die britische Regierung. Hamburg. Ucber der Nordsee und dem ganzen norddeutschen Küstengebiete herrschte Freitag nachmittags und abends überaus stürmischer Nordwestwind,, der die See aufpeitschte und riesige Wassermengen in die Elbe hineintrieb. Mittlere und kleinere Schiffe sotyie die Fischerfahrzeuge mußten sofort Schuhhäfen aufsuchen. Gegen 22 Uhr wurde dann auf der Unter- Elbe em Stader Ausflugsdampfer mit 290 Aus- flüglern an Bord, darunter 250 Schulkindern, von der Sturmflut auf die übersOvemmten Borländereien an der Pinnau-Mündung getrieben, wo er auflief. Der Dampfer befand sich auf der Rückfahrt nach Uetersen. Feuerwehr mit Scheinwerfern machte sich sofort an die Bergungsarbeiten. Auch alle Doots- und Motorbootsbesitzer Kopenhagen, im August. Die Regierung S t a u n i n g, die sich auf eine Mehrheit von Sozialdemokraten und Radikalen, einer Kleinbauernpartei, stützt, ist nunmehr das sechste Jahr im Amt. Die dänische Arbeiterund Bauernregierung ist somit die älteste und stabilste Regierung in Europa. Die sechs Jahre ihrer Amtszeit waren einer intensiven Bekämpfung der dänischen Wirtschaftskrise gewidmet und die Erfolge dieser Arbeit: Abstieg der Arbeitslosigkeit von 43.5 Prozent im Jänner 1933 auf rund 15 Prozent gegenwärtig. Steigerung der Rentabilität der dänischen Landwirtschaft, die 1931/32 noch negativ war, auf 3.5 Prozent für 1933/34, haben sich für die Regierungsparteien, vor allem die Sozialdemokratie, günstig ausgewirkt. Die Partei hat nicht nur bei den Reichstagswahlen von 1932 nach dreijähriger Regierungsführung gesiegt, sondern auch nach fast sechsjähriger Amtszeit bei den letzten Bezirkswahlen, wobei auch ihr organisatorischer Kader in ständigem Aufstieg begriffen ist. Seit dem Antritt der Regierung Stauning ist die Mitgliederzahl der Sozialdemokratie von rund 165.000 Mitgliedern auf rund 195.000 gestiegen, also um fast 20 Prozent, und dies vor allem auf dem flachen Lande. Dänemark hat in diesen Jahren in seinem innerpolitischen Leben eine durchaus ruhige und stetige politische Periode erlebt und erst die allerjüngste Zeit zeigt Anzeigen einer lebhafteren politischen Bewegung, die wohl hauptsächlich als Vorbote des Wahlkampfes im nächsten Jahr auf- zufaffen ist. Die politische Beunruhigung der letzten Wochen, die auch im Ausland aufgefallen ist, geht von der sogenannten L. S.(Bauern-Ver- einigung) aus, einer sich für politisch neutral ausgebenden agrarischen Vereinigung, die jedoch ganz deutliche nazistische und fascistische Tendenzen aufweist. Die L. S., die schon seit einigen Jahren unter der Bauernschaft Dänemarks eine sehr rege Agitation entfaltet hat, steht völlig unter der Führung" aristokratischer und Großgrundbesitzelemente, denen die Regierung Stauning, also eine Regierung von Arbeitern und Kleinbauern, ein Dorn im Auge ist. Obwohl offiziell unpolitisch, so besteht heute, besonders nach dem Hervortreten der L. S. durch den sogenannten „Bauernzug" nach Kopenhagen in den letzten Tagen des vergangenen Monats, gar kein Zweifel, daß die L. S., in deren Reihen sich gewiß auch kleinbäuerliche Elemente vorfinden, restlos unter dem Einfluß des dänischen Großgrundbesitzes steht, welcher mit der Politik der dänischen Regierung, die auf den Ausgleich der In« tereffen sowohl zwischen den Kleinbauern und Grundbesitzern wie zwischen den einzelnen Produktionszweigen der Landwirtschaft- und schließlich zwischen den Interessen der landwirtschaftlichen Produzenten und der Konsumenten gerichtet ist, unzufrieden ist. Es ist selbstverständlich, daß in Dänemark, dessen Hauptexportindustrie eben die Landwirtschaft ist, das agrarische Krisenproblem an erster Stelle der Sorge der Regierung und des Interesses der Oeffentlichkeit steht. Und ebenso schwer wie in anderen Ländern» ja durch die speziellen Berhältniffe noch verschärft, ist es für die Regierung, den notwendigen Ausgleich zwischen den Interessen der einzelnen Zweige der Landwirtschaft und den Konsumenten zu finden. Die dänische Arbeiter« und Kleinbauernregierung hat selbswerständlich nicht nur gerade den landwirtschaftlichen Problemen das Hauptaugenmerk zugewandt, sondern sich auch ebenso wenig wie die anderen ftandinavischen Arbeiterregierungen davor gescheut, den Konsumenten, also vor allem^ der industriellen Arbeiterschaft, im Interesse der Kaufkrafthebung der Landwirtschaft nicht unbedeutende.Opfer aufzuerlegen. Sie konnte dies um so leichter, weil gerade in der Arbeiterschaft trotz eigener Krisennöt das Verständnis für eine solidarische Haltung gegenüber den Bauern im eigenen wohlverstandenen Interesse vorhanden ist. Die dänische Regierung hat in weit stärkerem Maße als es in den anderen ftandinavischen Staaten der Fall war, die Währung debalviert, um auf dem englischen Markte, dem Hauptabsatzmarkt Dänemarks, konkurrenzfähig zu bleiben. Sie hat eine engmaschige Regelung der Schweine«, Rinder-, Zucker- und Kartoffelmehrproduktion durchgeführt. ES ist nicht ihre Schuld, wenn durch die intransigente Haltung der sogenannten „Bauern-Linken" das Getreideabgabegesetz ge stellten sich mit ihren Fahrzeugen trotz de- Unwetters zur Verfügung. Den vereinten angestrengten Bemühungen gelang eS, diese- schwierige Ber« gungSwerk zum glücklichen Ende zu führen und sämtliche Fahrgäste, in erster Reihe die Kinder, an Land zu bringen oder mit Booten abzufahren. Die Kinder, die nicht auSgebootet wurden, mußten von ihren Rettern, denen das Wasser stellenweise bis an den Hals reichte, durch die weithin überschwemmten Ländereien getragen und in Sicherheit gebracht werden. Die Hamburger Dampfer.PrimuS" und .Derfin", die den Frachtverkehr zwischen Hamburg und Harburg versehen, wurden gleichfalls vom Sturm in Mitleidenschaft gezogen. fallen ist und die längste Zeit keine Regelung auf dem Butter- und Getreidemarkt stattfinden konnte. Im Interesse des Ausgleiches der verschiedenen Interessen konnte die Regierung Stauning nicht einer Getreideregelung zustimmen, die sowohl die städtischen Konsumenten, wie auch die Biehbauern, die noch dazu vorwiegend Kleinbauern sind, in einem untragbaren Maße belasten würde. Gerade dies aber ist das Ziel der Großgrundbesitz-Elemente in der L. S. Die Forderungen dieser Großbauern gehen nach einem— nach eigener Terminologie—„angemessenen" Produktionspreis. Nun ist die Lage auf dem dänischen Marfte so, daß der Preis für eines der Hauptexportprodukte nach England, dem dänischen„beacon", ganz ausgezeichnet ist, weniger beftiedigend jedoch ist die Preislage für Butter und Getreide. Es ist eine Erfahrung wohl in allen Ländern, die eine planwirtschaftliche Preis« regelung landwirtschaftlicher Produfte versucht hocken, daß eine Barriere zu überwinden ist, und das ist die Abhängigkeit von der Preisgestaltung auf dem Weltmarkt. Speziell in solchen Ländern, die wie Dänemark vorwiegend auf Exportproduktion eingestellt sind. Die Regierung leugnet keineswegs die unbefriedigende Lage auf dem Butter« und Getreidemarkt, im Gegenteil, sie zeigt sich an einer Abhilfe außerordentlich interessiert. Aber eS ist für sie als eine Regierung, die sich auf die breiten Massen der Arbeiter und Kleinbauern stützt, unmöglich, auf die phantastischen und die Kaufkraft eben dieser breiten Massen zerstörenden Forderungen der L. S.«einzugehen. Was die L. S. fordert, das ist nicht nur eine geradezu irrsinnige Erhöhung der Preise, sondern auch eine Beseitigung der Export- und Jknpört- kontrolle und eine neuerliche Devalvation der dänischen Krone, die einer Inflation gleichkomr.it. Die dänische Regierung hat«ine Devalvation durchgeführt, aber sie ist nicht bereit, eine zweite durchzuführen, die nicht nur eine unnatürliche und ungerechte Belastung der breiten Käuferschichten im Land wäre, sondern auch für die Industrie, deren Rohstoffe eine weitere Verteuerung erführen, katastrophale Folgen hätte und überdies auch handelspolitisch hon verheerender Wirkung wäre. Ein Preisdumping auf dem englischen Markte würde den entschiedensten Widerstand zur Folge haben und Dänemark hat heute bereits auf dem englischen Martt zur Genüge zu kämpfen. Gerade die Inflation ist aber zur Hauptforderung der L. S. geworden. Der Widerstand der Regierung mußte sich aber nicht nur gegen den Inhalt der Forderungen richten, sondern auch gegen die Form, in der es die aristokratischen Führerelemente der L. S. für notwendig befunden haben, sie anzumelden. Die L. S. hat jenen famosen„Bauernzug" nach Kopenhagen veranstaltet, um dem König eine Adresse mit Forderungen zu überreichen. Sie hat sich dabei nicht gescheut, die Krone in eine recht peinliche Situation zu bringen. Es war ja selbstverständlich, daß König Christian keine andere Antwort geben konnte, als mit einem Hinweis auf seine Eigenschaft als konstitutiv- neller Monarch die Petenten an den Staats mini st er Stauning und die po- lftischen Parteien zu verweisen. Das anmaßende und arrogante Auftreten der aristokratischen Großgrundbesitzer gegenüber dem Arbeiterführer Stauning ist von diesem mit der ihm eigenen Mischung von Ironie und Festigkeit zurückgewiesen worden, und zwar in einer Weise, die durchaus den Herren die Macht der Demokratie in Dänemark zum Bewußtsein kommen ließ. Daß es Stauning nicht abgelehnt hat, Forderungen der Bauernschaft, deren Berechtigung die Regierung auch ohne und schon vor der L. S. erkannt hat, entgegenzukommen. ist selbstverständlich. Die L. S. hat nun bereits mehrere Male gewisse Ultimaten an die Regierung gestellt und mit „Maßnahmen" gedroht. Dabei blieb man allerdings im allgemeinen recht unklar, worin diese Maßnahmen bestehen sollten. So sprach man von einem Produktionsstreik, was zur Folge hatte, die englische Oeffentlichkeit, welche die ungestörte Zufuhr nach England bedroht sah, aufzuregen und damit die Lage auf dem englischen Marfte noch zu erschweren, dann von einen, „Milchstreik", und schließlich wurde das Projekt eines Angriffs auf di« dänische Währung ultimativ vorgebracht. Bor einigen Tagen trat der „Wirtschaftsausschuß" der L. S. zusammen und beschloß, daß„dieLand wirtschaft sich zumHerrn über ihre Exportvaluta machen werde". Ueber die Organisation dieses Vorganges wurde verlautet, daß die nun üblichen Zehntagewechsel für den Export landwirtschaftlicher Produkte Dreimonatewechseln weichen sollen. Scheinbar glaubt man damit eine künstliche Knappheit an ausländischer Valuta schaffen und damit einen Druck auf die Regierung ausüben zu können. Könnte die L. S. sämtliche Firyien und Organisationen dazu bewegen, ihre Weisung einzuhalten» so würde die- tatsächlich eine Verminderung des Einganges an ausländischen Zahlungsmitteln in den nächsten drei Monaten von rund 100 bis 150 Millionen dänischer Kronen bedeuten. So kindisch und lächerlich dieser Plan ist, so hat er dadurch, daß er die primitiv egoistischen Ziele des Großgrundbesitzes enthüllte, einen Sturm der Entrüstung auf eigentlich allen politischen Seiten ausgelöst. Auf der Rechten, wo !män naturgemäß der L. S. gewisse Sympathien I entgegengebracht hat, rückt man kräftig ab, auch Rat und Belehrung finden unsere Gemeindevertreter in reichem Maße in der „Freien Gemeinde“ Redaktion und Verwaltung. Prag XII., Fochova 62/V. die»Liyke", sonst eine sehr intransigent« Verfechterin agrarischer Interessen oder besser gesagt vermeintlicher Interessen, bekam die Nase voll, während die Sozialdemokratie und die radikale Kleinbauernpartei die angekündigte Valutaaktion der Großgrundbesitzer als Verrat am Staat und als direkten Angriff gegen die De- mokratieund dieJnteressen der arbeiten de nKlassenDänemarks au ff aßt. Hat es noch in den Tagen des Kopenhagener„Bauernzuges", der ja schon dadurch einen merkwürdigen Einschlag bekam, daß gerade an diesen Tagen die Kopenhagener Luxushotels und Vergnügungslokale von einer besonderen Masse von Provinzgästen überfüllt waren, bei jenen politischen Gruppen, die der Regierung oppositionell gegenüberstehen, Stimmen gegeben, die den nazistischen Charakter der L. S.-Führung nicht sehen wollten oder zu übersehen gedachten, so ist heute die Empörung allgemein und die L. S. hat genau das Gegenteil von dem erreicht, was sie beabsichtigt hat. Sie hat sich anstatt die Regierung isoliert und die Stellung Stau- nings anstatt geschwächt nur gestärft. Der Start zur Wahlkampagne für die Regierung ist also von ihren Gegnern ganz ausgezeichnet vorbereitet worden. Und die politische Gefahr, daß die L. S. imstande sein könnte, indifferente Schichten mitzureißen, ist auf ein Minimum herabgesunken. Das Schicksal der L. S. ist jedenfalls ein warnendes Beispiel übersteigerten agrarischen Machtdünkels. P. M. Wüstenbildung in Amerika AP. Wir wissen heute, daß große Landstriche der Sahara zur Römerzeit blühende Gebiete mit umfangreichen Siedlungen, ja großen Städten gewesen sind. Aehnlich ist«S nach den Erkundungen von Sven Hodin in Teilen von Tibet, in der Umgebung des Lop-nor. Auch in Griechenland gibt es solche Gegenden. Derselbe Vorgang der „Versteppung" und Wüstenbildung vollzieht sich heute vor unseren Augen in Teilen von Nordamerika. Wie kommt das?» Die Natur duldet nicht, daß der Mensch stn Umkreis seiner Siedlungen hemmungslos Wälder auörodet und den Baden der ihn schützenden Grasdecke beraubt. Rücksichtslose Abholzung bringt Abnahme der Niederschläge mit sich, Verwandlung von Weideland in Ackerland gibt in Zeiten großer Dürre den ausgetrockneten Boden den Sturmwinden Preis, die ihn Hochwirbeln und forttragen. Mehr und mehr mangelt es dann an der porösen Erdschicht, die die Niederschläge auf- und das Grundwasser hochzusäugen hat. Die Niederschläge speisen dafür die Flüsse, es wächst die Hochwassergefahr. Das Grundwasser sinkt, bis die Wurzeln der Bäume es nicht mehr einholen können. Um so mehr ist die Erdoberfläche den Sonnenstrahlen ausgesetzt. So erklärt sich die Furchtbarkeit der Dürre sowie der Sand- und Staubftürme, die die Prärienprovinzen Amerikas und auch Kanadas in den letzten Jahren heimgesucht haben. In diesem Jahre wurden besonders Kansas, Nebraska, Wyoming, Nord« und Süd- Dakota, Colorado, Iowa und Missouri, sowie Oklcchoma und Texas, insgesamt eine Fläche von 750.000 Quadraftilometer heimgesucht. Die oberste Bodendecke wurde in die Luft gehoben, bis die gelben Wolken die Sonne verschleierten. Nichts als grober Kies blieb zurück. Felder und Siedlungen wurden mit einer Sandschicht überzogen, Brunnen verschüttet, Menschen und Tiere der Erstickungsgefahr ausgesetzt. Tausende von Farmern geben den Kamps gegen die wachsende Wüste auf. Viele wandern rat« und hoffnungslos in die Städte, andere versuchen als Pioniere ihr Glück in noch unerschlosse« ner Wildnis. So geht heute der Zug nach Norden, in die Bufchgebiete. Kundschafter werden vorausgeschickt, und die hohen Planwagen, mit Pferden oder auch mit Rindern bespannt, rollen Ücker die Prärie. Alte und Junge, Männer und Frauen, Mütter mit Kindern an der Brust legen so Hunderte von Kilometern zurück. So ist auch der Zuzug von 15.000 Verzweifelten nach Alaska zu erklären. Das waren keineswegs alles Goldgräber, sondern solche, die neues Acker- und Weideland suchten. Es hat nicht an Warnungen gefehlt. Man verwies auf das Beispiel Chinas, man mahnte, keinen Raubbau mit dem Boden zu treiben. Besonder- eindringlich hat der damalige Präsident Theodor Roosevelt auf diese Gefahren hingewiesen, aber diese Rufe verhallten ungehört. Schon ist fruchtbares Ackerland im Umfang der Anbaufläche Deutschlands verwüstet und verödet. Die Absicht von Roosevelt, zur Rettung de- mittleren Westens einen 1000 Meilen langen und 1000 Meilen breiten Baumgürtel von Texas bis zur kanadischen Grenze zu schaffen, wird schon von Fachleuten für undurchführbar gehalten, weil der Grundwasserspiegel an den meisten Stellen bereits zu tief liege. Das zeigt die Größe der Gefahr, die auch den übrigen Landesteilen droht. 2S0 Kinder in Lebensgefahr Sturm über der Elbe-Mündung Seite 6 .Sozialdemokrat^ <8nmff»a. 8. Scptembcr 1935. Nr. 21V D-aqer feitwm Eine sehenswerte Ausstellung (R. F.) Im Gebäude der staatlichen Fachschule für. das Baugewerbe(Zizkov, Kolärovo näm. 10) ist eine Ausstellung über das tschechoslowakische Handelsschülwesen eröffnet worden, die bedeutend mehr hält, als ihr Titel verspricht. Sie bietet zunächst einen guten Ueberblick über die Lehrgegenstände und die Lehrmittel unserer Handelsschulen, wobei besonders hervorzuheben ist, daß sie den deutschspra- ch i g e n Lehrwerken den ihnen zukommenden Platz einräumt. Soweit eine— notgedrungen— sehr flüchtige Durchsicht der ausgestellten Lehrmittel einen Schluß zuläßt, kann gesagt werden, daß sie alle durchaus den Ansprüchen gerecht werden, die man nach westeuropäischen Maßstäben an Werken und Einrichtungen dieser Art stellen kann. Bietet die Ausstellung somit schon in fachlicher Beziehung einen guten Eindruck, so weist sie darüber hinaus noch vieles auf, was a u ch d e n Nicht fachmann interessieren kann. Sie ist nämlich zugleich eine wertvolle Zusammenstellung sprachwiffenschaftlicher, volkswirtschaftlicher, Heimat- und volkskundlicher Literatur, die zeigt, daß die Tschechoslowakei auf diesen Gebieten bereits sehr weitgehende Ansprüche zu befriedigen vermag. So kann man die nicht allgemein bekannte Tatsache rur Kenntnis nehmen, daß es bereits sehr gute, in der Tschechoslowakei hergestellte, deutschsprachige Atlasse gibt? Ferner sind deutschsprachige Werke über Heimatkunde ausgestellt, die in Aufmachung und Inhalt allen Ansprüchen gerecht werden, in den Auslagen der Buchhandlungen aber kaum zu finden sind. Ergänzt wird die Ausstellung durch eine kleine Mustermesse der G l a s i n d u st r i e, der Bleistiftfabrik Hardtmuth sowie einige—wenige! — Fremdenverkehrsprospekte. Ferner ist im gleichen Gebäude eine kleine Ausstellung des Po st Ministeriums untergebracht. Die Ausstellung ist bis 15. September täglich von 14.30 bis 18.30 Uhr(Sonntags von 10 bis. 12) bei freiem Eintritt geöffnet. Wir können unseren Lesern nur empfehlen, trotz der »verkehrstechnisch" leider ungünstigen Lage sich die Zeit zu nehmen und dieser Ausstellung einen Besuch abzustatten, der sich für alle lohnen wird. Sudetendeutsche BolkSgemeinschaftswäsche— und nux vier Kronen kostet eines Stückes oder eines Kilogramms!„Wißen Sie schon, werte Kameraden und Kameradinnen", fragt in einer Beilage zu Henleins„Rundschau" eine Kanrera- din,•„daß ich in Prag eine Sammelstelle der Waschanstalt von Leib- und Hauswäsche sowie chcm. Reinigung errichtet habe?" Nein, sie werden es noch nicht gewußt, aber jetzt zu ihrer großen Freude erfahren haben und mit großer Befriedigung zur Kenntnis nehmen, daß die Wäscheanstalt der Kameradin Fanny die Ausgabe hat, „die ganze deutsche Öffentlichkeit Prags in einem einzigen großen Kundenkreis zu sammeln". Das ist wahre Volksgemeinschaft! Das ganze deutsche Prag„Gefolgschaft" der volksbewußten Wäscherei mit la prima Kernseife! Frau Fanny kann zufrieden sein, wenn diese völkische Sammlung gelingt, und die Volksgemeinschaft kann es auch sein, weil sie hier offensichtlich ihren Zweck erfüllt: einzelnen auf Kosten der Gesamtheit zu helfen. Wenn aber ein anderer Volksgenosse oder eine andere Kameradin auf den gleichen Einfall kommt und die Gefolgschaft der Gemeinschaft für sich in Anspruch nimmt? Dann wird er oder sie ausgeschloffen wegen Disziplinbruch und volksgemein- schaftsfeindlicher Umtriebe. Wenn aber ein Jude eine Partei oder einen Verein zu gleichem Zweck für sich mobilisieren würde, dann wäre das Offenbarung des jüdischen undeutschen Geschäftsgeistes. Außerdem: wer bürgt bei einem Juden dafür, daß grundsätzlich„jede chemische Zutaten vermieden" werden? Trauerfeier im Sozialen Institut. Das Soziale Institut der Republik veranstaltet unter dem Vorsitz des Ministers Gen. Jng. Necas am 12. September um halb acht Uhr abends im Sitzungssaal des Ministeriums für soziale Fürsorge eine Trauerfeier anläßlich des Ablebens des Gen. Dr. Lev Winter. Ueber die Bedeutung des Verstorbenen sprechen Prof. Dr. Josef M a c e k, Prof. Dr. E. Schönbaum und Dr. Eugen Stern. Freie Schule für politische Wiffcnschasten. Tie Einschreibungen beginnen am 25. September Und enden am 5. Oktober. Detailprospekt des Wintertrimesters 1935 im Sekretariat, Prag I., Ovocny trh 3, Karolinum. Ausflugszüge. Die Staatsbahndirektion veranstaltet im September folgende Ausflugszüge: Vom 15. September bis 6.Oktober nach Karlsbad, 1120 XL, am 15. September zum„Goldenen Sturzhelm" nach Pardubitz, 44 XL, vom 21. bis 29. September in die Hohe Tatra, 555 XL, vom 28. bis 29. September in die Böhmisch-Sächsische Scheiz, 120 XL. Informationen und Anmeldungen nimmt der Basar neben dem Wilson- bahnhof, Tel. 38.335, entgegen. Die Exkursion nach Karpathorußland ist gesichert. Anmeldungen für freie Plätze werden noch entgegengenommen. Kartenausgabe: Samstag von 8 bis 12 Uhr im Referat für Ausflugszüge. Diebstähle in Ministerien. Gestern gelang es, die mehrmals vorbestrafte 31jährige Bojena F e r ch- l ä n d e r aus Zizkov zu verhaften, die sich zu ihren Diebstählen das Unterrichtsministerium und das Ministerium für öffentliche Arbeiten ausgesucht hat. Im ersteren hat sie zehn, im zweiten zwei Bilder g e st o h l e n, die sie Prager Hehlern verkaufte. Einen Teil der Bilder gelang es bereits, bei diesen zu beschlagnahmen. Die Ferchländer wurde nach Pankratz eingeliefert. Rach längerer Zeit beginnen wieder die Einbrüche in Tabaksbuden in Prag. In der Nacht auf gestern versuchten zwei Männer in eine solche Bude in der Cestmirovä in Nufle einzudringen, wurden jedoch, nachdem sie bereits das Vorhängeschloß abgebrochen hatten, vom diensthabenden Wachmann überrascht und suchten das Weite. Der eine entkam wirklich, den andern gelang es als den 34jäbrigen arbeitslosen Tischler Josef Holy aus Nufle sicher- zusteUen. Der angerichtete Schaden ist sehr gering und dürfte sich etwa auf 20 XL belaufen. Kaktus auf den Kopf. Gestern morgens wurde der 29jährige Privatbeamte Josef Soukup' aus Smichov, als er durch die Palackystraße ging, vor einem Hause durch einen herabfallenden Blumentopf, in dem ein Kaktus war, auf den Kops getroffen und leicht verletzt. Nachdem er im Allgemeinen Krankenhaus verbunden worden war, wurde er in häusliche Pflege entlasten. Das Verfahren wurde eingeleitet. Iümst itiul Mssrn Spielzeit-Eröffnung im Prager Deutschen Theater Gestern wurde mit LeoZJanäLekS Oper e n u f a"(„Ihre Stieftochter"), die gleichzeitig als Beitrag des Prager Deutschen Theaters zum Internationalen Musikfeste anzusehen war, dietzeue Spielzeit eröffnet. Der späte Beginn der künstlerischen Tätigkeit des Deutschen Theaters hat aus mancherlei Gründen befremdet. Prestigegründe des Prager Deutschen Theaters gegenüber der tschechischen Landesbühne, künstlerische Verpflichtungen als repräsentatives sudetendeutsches Kunstinstitut und eigene geschäftliche Interessen hätten erwarten lasten, daß die künstlerische Tätigkeit unseres Theaters um eine Woche früher eingesetzt häfte. Denn die Prager Mustermesse, die in der Woche vom 1. bis 8. September stattfindet, war ein ebenso maßgebender geschäftlicher Grund, Theater zu spielen und Publikum zu finden, wie das in der gleichen Zeit abgehaltene 13. Internationale Musikfest ein zwingender künstlerischer Grund für das Theater hätte sein sollen, repräsentativ für die sudetcndeutsche produktive und vor allem repro- duktive Tonkunst einzutreten. lieber die Wahl der Oper„Jenufa" als Festoper des Deutschen Theaters zum Internationalen Musikfest ist zu sagen, daß sie an sich künstlerisch vollkommen gerechtfertigt war, da es sich um eines der besten Werke der modernen tschechischen und internationalen Opernliteratur handelt und um eine Oper, die das Prager Deutsche Theater in glänzender Aufführung zu bieten vermag. Aber vom Standpunkte des sudetendeutschen Musiktums, für das das Prager Deutsche Theater sozusagen als zentrales und repräsentatives Kunstinstitut in Frage kommt, wäre es, um dem Publikum des Internationalen Wusikfestes auch die zeitgenössische sudetendeutsche Musikkultur zur Kenntnis zu bringen, richtiger oder zweckentsprechender gewesen, etwa Veidls komische Oper„Die Kleinstädter", die erst in der vergangenen Spielzeit zur Uraufführung gelangte, zu bringen. Wenn Veidls Werk auch nicht genial zu nennen und keineswegs eine Meisteroper wie JanäLeks „Jenufa" ist, wäre es aber eben doch ein Dokument zeitgenössischen sudetendeutschen Musikschaffens gewesen. Auch als deutsches Opernwerk wäre es berücksichtigenswert gewesen, weil ja mit tschechischen Opern im Rahmen des Internationalen Musikfestes das Nationaltheater an drei Abenden diente. Zur gestrigen Aufführung der„I e- n u f a" selbst ist zu berichten, daß sie unter.allen Zeichen einer festlichen Opernvorstellung stattfand. Ein fast alle Ränge des großen Hauses füllendes, festlich gestimmtes, hör- und beifallswilliges internationales Publikum im Zuschauerraum; festliches Musizieren auf der Bühne und im Orchester. Opernchef Georg S z e I I dirigierte; unter den Sängerinnen und Sänger ragte Frau Pauly, Frau Kindermann und Herr Fischer besonders hervor. Als EröftnungSvorstellung der neuen Spielzeit betrachtet, auch ein Aufführung.die in< ihrer künstlerischen Geschlossenheit ein vielverheißender Anfang war, der für die kommenden Monate verpflichtet. E. I. Kiki Die Kleine Bühne eröffnete die neue Spielzeit mit der alten„Kiki"-Komödie des Franzosen Picard, einem Pariser Theaterschwank, der uns die unerheblichen Verwicklungen in den Liebesaflären xines Tingeltangel-Direktors mit einer sozusagen frivolen Lustigkeit vorführt, und der nur um der Titelrolle willen geschrieben zu sein scheint. Diese Kiki, die aus einer kleinen Choristin zur Ersatzfreundin des Chefs wird, der sie solange vergeblich loswerden will, bis sie zu seiner wirklichen Freundin wird, ist von vielen berühmten Schauspielerinnen(auf deutschen Bühnen von Käthe Dorsch) zur Paraderolle gemacht worden. Bei uns hat man sie als Paraderolle für Dolores Moncasi gewählt— mit dem Erfolg, daß das Publikum um ihretwillen die Wahl des Stückes verzieh. Es gelingt der Moncasi zwar nicht, im Rahmen dieser Pariser Theatermache an tiefe Gefühle zu rühren, aber es gelingt ihr, diese Kiki reizvoll und unterhaltsam zu machen, überzeugend im Temperament und in der hinter Geplauder versteckten Herzlichkeit. Eine ausgezeichnete Leistung, die nur durch«inen gelegentlichen Häng zu Uebertreibungen gefährdet wird. In der von Renato M o r d o besorgten Aufführung gruppieren sich Hans Goetz, Rudolf Stadler und Leopold Dudek sicher und unaufdringlich- um die Hauptperson. Als weibliche Gegenspielerin der Moncasi bewies Elsbeth Warnholtz mehr darstellerische Intelligenz als natürliche Eignung für diese Salonrolle.—eis—- Neues Deutsches Theater Das neue Abonnement beginnt Anfang Oktober und umfaßt für die Viertelabonnenten 58, für die Achtelabonnenten 29 Vorstellungen. Eine willkommene Neuerung besteht darin, daß den Abonnenten auch die Kleine Bühne in wesentlich stärkerem Ausmaß als bisher zugänglich gemacht wird, und zwar dadurch, daß sie gegen Bons zu allen Vorstellungen auf allen Plätzen 50 Prozent Ermäßigung genießen. Dadurch wird den Abonnenten Gelegenheit geboten, auch den gesamten Spielplan der Kleinen Bühne, der in diesem Jahr besonders reichhaltig sein wird, kennenznlernen, und zwar unter den finanziell günstigsten Bedingungen. Die Abonnenten werden ferner wieder eine groß« Anzahl von prominenten Gastspielen erhalten, und zwar wird damit schon im Oktober turnusmäßig begonnen werden. Bei einer internafionalen Theaterkonferenz wurde kürzlich sveziell auf di« Abonnementspreis« des Deutslben Theaters hingewiesen und betont, daß die Ermäßigung, die unsere Bühne den Abonnenten gibt und die bis zu 60 Prozent geht, ein Unikum darstellt. Auch in diesem Jahr erhalten die Abonnenten die größten Ermäßigungen, da der ökonomische und künstlerische Erfolg des Deutschen Theaters im engsten Zusammenhang mit dem Ausbau des Abonnements-Systems steht. Die Preise sind dieselben wie im Vorjahr. Ausgabe der Karten: Für alte Abonnenten, die ihr bisheriges Abonnement erneuern wollen, bis Freitag, den 13. September; ab Donnerstag, den 19. September, für diejenigen alten Abonnenten, die eine Aenderung ihres bisherigen Abonnements wünsche«; für neueintretende Abonnenten Ausgabe ab Freitag, den 27. September. Vormerkungen für neueintretende Abonnenten werden schon jetzt entgegengenommen. Wochenspielplan des Renen Deutschen Theaters. Heute Sonntag: halb 8 Uhr abends: Die heilige Johanna, BI.— Montag halb 8:Servus!Servus! Volkstümliche Vorstellung, Abonnement aufgehoben.— Dienstag halb 8: Die heilige Johanna, A 2.— Mittwoch halb 8: Cosi fan tutte, B2.— Donnerstag halb 8: M a d a m e Butterfly, C 2.— Freitag 8: Werbekonzert, Abonnement aufgehoben.— Samstag halb 8: Diehei- lige Johanna, DI. Wochenspielplan der Kleinen Bühne. Heute Sonntag 8 Uhr: Kiki. Montag: geschlossen. -— Dienstag 8: Kiki. Mittwoch halb 8: Der Geizige,, neuinszeniert.— Donnerstag 8: Mädchen für alles, volkstümliche Vorstel- k»mg.— Freitag halb 8: Der Stärkere, Erstaufführung.— Samstag 8 Uhr: Kiki. Der Mm Der Aitttig der wilder» Pferde Ein amerikanischer Wildwestfilm, in dem nicht nur die Pferde, sondern auch die Menschen wild sind und hemmungslos mit ihren Pistolen knallen. Es handelt sich dabei um die übliche Abenteuerfabel, die den Kampf der Edlen und der Schurken in der gewohnten umständlichen, aber aufregend sein sollenden Art abwickelt. DaS Eindrucksvollste an diesem Film sind die in Freiheit dressierten kraftvollen Rosse und ein paar echte Jndianertypen unter den Mitwirkenden.—eis— Deremsnacstnckten. Angestelltenversammlung Im großen Gaal des Handwerkerheimes fand am Mittwoch die Monatsversammlung des Allgemeinen Angestellten-Verbandes Reichenberg, Ortsgruppe Prag, statt. Es wurde zu den Tagesereignissen Stellung genommen, u. a. auf die Verbindlichkeit des Kollektivvertrages des Prager Handelsgremmms für alle Angestellten in den Prager Handelsfirmen hingcwiesen und an die Verbesserung des Pensionsgesetzes erinnert. Die Ortsgruppenleitung entwickelte das Bildungsprogramm für die Herbst- und Wintermonate, womit allen Bildungsbedürftigen weitgehende Gelegenheiten geboten werden. Eingehend wurden die durch die Krise geschaffenen wirtschaftlichen Ver- hältniffe erörtert. Es handelt sich nicht allein um eine Landeskrise, sondern um die jedem Gewerkschafter offenbare Krise eines planlosen Wirtschaftssystems. Den beftigen Kampf, den die inländischen Gewerkschaften mit einer unverantwortlichen Wirtschaftsführung sowie einer bestimmten politischen Richtung führen muffen um Reckt und Brot, zeigt, daß auch hier die Unterläufer der verkehrten Wirtschaft meinen, mit Schwächung der freien Gewerkschaftsbewegung alle sozialen Fragen gelöst zu haben. Der Angestell' Zlata Hajdukovä, eine typische slowakische Schönheit, spielt die Geliebte Janosiks in dem Film, den Mac FriL für den Lloyd- film herstellt. tenverband hat, wie die vorgebrachten Daten ausweisen, alle seine finanziellen Kräfte angestrengt, um die arbeitslosen Mitglieder zu unterstützen und nun auch noch eine vierte Aussteuer angesetzt. Es ist nur zu wundern, wieso es noch denkende Angestellte geben kann, die ohne Gewerkschaft auskommen können; es wäre deren Pflicht, der freien Gewerkschaft beizutreten und sie damit in ihren Aufgaben zu unterstützen.— Die Ortsgruppe Prag amtiert jeden Mittwoch in der Na- rodni tk. 4/lII. • Spiet■ WrpLtpskegL „Ehrenwerter" Sportführer. Aus Wien wird berichtet, daß der Obmann des österreichischen Hok- kehverbandes und Mitglied des Olympiade-Ausschusses, der 36jährige Rechtsanwalt Dr. Otw Schindler, Selbstmord begangen hat. Als Tatursache werden „unerfreuliche Finanzverhältnisse angegeben. DFC Prag gegen AFK Kokin 6:0.(3:0). In einem schwach besuchten Sämstagspicl wurden die Koliner in Prag überaus hoch geschlagen. Beim DFC debütierte der Wiener Keith alL Verteidiger mit gutem Erfolg. Da es aber nur ein Freundschaftsspiel war, zeigten sich die Koliner nicht von ihrer sonst gewohnten kämpferischen Seite. Slavia Prag gegen SK Kladn» 8:0(3:0). Uueingeweihtne mag der Sieg der Slavia imponieren, denn Kladno trat nur mit vier Mann aus der Ersten an und ihr übriger Ersatz war diesem nicht entsprechend. filme in Prager Lichtspielhäusern Urania:„Der Freund meiner Frau."— Adria:„Tu bist die Einzige."(Engl)— Alfa: „Der erste Kuß."(Tsch.)— Avion:„Unsertäglich e s Brot."(A.— King Vidor.)— Beränek: „Polizeiwagen 99."(A.)— Flora:„U-Boot A, L. 14."(A.)—Gaumont:„Strahlende Augen." (A.— Shirley Tcnchle.)— Hollywood:„Strahlende Augen."(A.)— Hvkzda:„Der König der wilden Pferde."(A.)— Juli»:„Kleine Mutti." (D.— Frai^iska Gaal.)— Kinema: Journale, Grotesken, Reportagen. 5^2—%7.— Koruna: „Der König der wilden Pferde.(A.)— Metro: „Das XI. Gebot."(Tich.)— Olyuyiic:„Madame Butterfly."(A.— S. Sydney.)—Passage:„Kleine Mutti."(D.)— Praha:„Der Kriegsreporter." (A.)— Radio:„Endstation."(D.)— Sinnt: „U-Boot A. L. 14."(A.)— Svetozor:„Das Xl. Gebot."(Tsch.)— Alma:„U-Boot A. L. 14."(A.l — Baikal:„Der Held einer Nacht."(Tsch.— V. Bnrian.)— Belvedere:„Das Töchterchen des Herrn Bürgermeisters."(D.)— Brseda:„Es war einmal ein Musikus."(D.)— Carlton:„Die Katz im Sack."(D.)— Illusion:„Der Held einer Nacht." (Tsch.— V. Burian.)— Lido-Bi» II:„Karussell auf dem Ozean."(A.)-— Louvre:„Der Held einer Rächt."(Tsch.)— Maceska:„Der Freund meiner Frau."(D.)— Rory:„Endstation."(Di)— N Bejvodü:„Ihr größter Erfolg:"(D.— M- Eggerth.)— Baldek:„Der Held einer Nacht." (Tsch.— V. Burian.)— Bio Veletrhy:„Endstation."(D.) VERLANGEN SIE In jeder Verkaufsstelle des Konsum Vereines SELCHWAREN der Firma HEGNER& Cie., PILSEN Selchwaren der Fa. HEGNER& Cie., Pilsen 448 sind dl« allerbestem Verlanget überall Volkszünder Bezugsbedingungen: Bei Zustellung tnS Haus oder 6et Bezug durch die Post monatlich XL 16;—, vierteljährig XL 48.—. halbjährig XL 96.—, ganzjährig XL 192.—.— Inserate werden taut Tarif billigst berechnet. 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