Mittwoch, II. September 1935 15. Jahrgang Einzelpreis 70 Henn (•huchll.Blich S Haller Porto) ZENTRALORGAN DER DEUTSCHEN SOZIALDEMOKRATISCHEN ARBEITERPARTEI IN PER TSCHECHOSLOWAKISCHEN REPUBLIK ERSCHEINT MIT AUSNAHME DES MONTAG TÄGLICH FRÜH. Redaktion und Verwaltung PRAG xii.,fochova a. Telefon 0077. HERAUSGEBER) SIEGFRIED TAUB, CHEFREDAKTEUR) WILHELM NIESSNER, VERANTWORTLICHER REDAKTEUR) DR. EMIL STRAUSS, PRAG, Fascistischer „Generalappell“ für die nächsten Tage anberaumt Rom.(Stefan!.) Mussolini hat ungeordnet, daß in der nächsten Zeit in Italien und in den Kolonien ein Generalappell sämtlicher Gliederungen-er fascistischen Partei stattfinde. An-em hiezu bestimmten Tag wird durch Glockengeläute, Sirenengeheul und Trommelwirbel in den Städten und in den Dörfern ein Zeichen gegeben werden, auf das hin alle Mitglied« fascistischer Organisationen ihre Uniform anlegcn «nd in den Sitzen ihr« Organisationen oder in eigens bestmmten Lokalitäten zusammenkommen werde«. Die Miliz wird sich in den Kasernen versammeln. Die zeitweise oder dauernd im Auslande amgesiedelten Mitglieder werden sich dem Sekretär ihr« Organisation telegraphisch melden. Die so Bersammelten verbleiben am Ort« der Zusammenkunft bis Mitternacht, falls kein anderer Befehl erlassen wird. Dir Mitglied« der Ballila, der Jugendorganisation, v«vleiben am Orte des Treffens bis 9 Uhr abends. Weitere Befehle werden erst an Ort und Stelle«folgen. Die Ankündigung des Generalappells wird von der gesamten römischen Presse in allergrößter Aufmachung veröffentlicht. Die Blätter bezeichnen diese Maßnahme übereinstimmend als die Antwort auf di« antifascistischen und freimaurerischen Manöver der letzten Tage. „Lavoro Fascista" bezeichnet die Verordnung als besten und wirksamen Kommentar zur augenblicklichen internationalen Lage. Mussolini habe sein« Vertreter nach Genf entsandt, um keinen der normalen Wege, die abessinische Frag« zu erledigen, unversucht zu lassen. In dem Augenblicke aber, wo man jedoch hieraus einen Vorwand konstruiere, gegen den Fascismus und gegen die historischen Rechte der italienischen Nation zu demonstrieren, muffe an die einfache und klassische Formel Mussolinis erinnert werden: Mit Genf, ohne Genf oder gegen Genf. Englisch-französische Besprechungen Genf. Der französische Ministerpräsident Laval empfing in seinem Hotel den britischen Außenminister Sir Samuel Hoare einige Stunden nach dessen Ankunft in Genf. Hoare befand sich in Begleitung EdenS. Die Unterredung ist nach eineinhalbstündi- g« Dau« mittags«nt«brochen worden, um in den Abendstunden fortgesetzt zu werden. I« Genf« politischen Kreisen misst man diesem eingehend«» Gedankenaustausch eine große Bedeutung für die weitere englisch-französische Zusammenarbeit bei. Die Niederlage auch im Regierungslager zugegeben Warschau. Der Ausgang der sonntägigen Sejmwahlen in Polen wird selbst von einzelnen der Regierung nahestehenden Presseorganen als ein Mißerfolg der Regierung und des Regierungslagers bezeichnet. Die gesamte oppositionelle Presse schreibt von einer empfindlichen Niederlage der Regierung bei den Wahlen. Von den regierungsfreundlichen Blättern ist mit dem Wahlausgang der Krakauer.Kurjer Codzienny" und der Warschauer„Czas" unzufrieden.„Kurjer Codzienny" schreibt, daß die überaus schwache Wahlbeteiligung in den Städten, insbesondere in Warschau und Lodz sowie in den westlichen Wahlkreisen einen dunklen Schatten auf das Wahlresultat werfen.„Czas" konstatiert, daß die Wahlabstinenz von über 50 Prozent der Wahlberechtigten ein Mißerfolg der Regierungspartei sei und schreibt die Schuld an diesem Wahlausgang der Leitung des Regicrungsblocks zu, welche keinen engeren Kontakt mit weiteren Bevölkerungsschichten herzustellen vermochte. Der sozialistische„R o b o t n i k" konstatiert, daß das Experiment mit der neuen Wahlordnung gänzlich mißlungen sei. Der national- demokratische„Dziennik Rar." konstatiert, daß das Resultat der Sonntagswahlen das gänzliche Verschwinden des Einflusses des Regierungsblocks unter der Bevölkerung erkennen lasse. Die Lase der arbeitenden Schichten schlechthin unerträglich jährlich Lohnveriust Erschütternde Darlegungen des Fürsorgeministers Genossen Netas im Ausschuß Die Hälfte der Bevölkerung erreicht nicht dar Existenzminimum Prag. Für Dienstag war der sozialpolitische Ausschuh des Abgeord- netenhauses von seinem Vorsitzende« Genossen Dr. Meissner zu einer Aussprache über die Wirtschaftskrise und die Lage der arbeitende» Schichten einberufen worden. Fürsorgeminister Genosse Zng. ReLas erstattete, nachdem Dubickh dem verstorbenen Dr. Lev Winter eine« herzlichen Nachruf gewidmet hatte, ei« erschöpfendes Referat über die Bemühungen des Ministeriums im Kampf gegen die Krise und ihre sozialen Folgeerscheinungen. Die Details, die er über das Arbeitseinkommen der breiten Bevölkerungsschichten anführte, sind— obschon im einzelnen ja bekannt— in ihrer Zusammenfassung einfach furchtbar und mühten alle betettigten Faktoren aufpeitschen, das Menschenmöglichste zu unternehmen, um nach den Plane» des Fürsorgeministeriums durch Beschaffung von ausreichenden Arbeitsgelegenheiten und Erhöhung der Kaufkraft hier Rettung zu bringen. Genoffe Zng. Neias führte u. a. aus; Produktionsumfang unbefriedigend Die Besserung der wirtschaftlichen Situation und damit der Arbeitslosigkeit schreitet bei uns viel langsamer fort als in der Mehrzahl der von der Krise betroffenen Staaten. Abgesehen von I a p a n, wo die industrielle Produktion den Umfang von 1928 schon um mehr als 50% übertroffen hat, haben nicht nur die Staaten mit entwerteter Währung den Poduktions- umfang von 1928 überschritten(die skandinavischen Staaten um 15—30%, England um 11%), sondern auch die Staaten des sogenannten Goldblocks weisen gegenüber 1928 eine Höhere Indexziffer der industriellen Produktion aus. nämlich 70 und 80% von 1928, während die Tschechoslowakei erst auf den Stand von 70% der Produktion von 1928 angelangt ist. ES zeigt sich als» immer klarer, daß di« Wirt- schaftSkrise bei unS eine Depression im Gefolge hat, auS der man auf dem bisherigen Weg« und mit den biSH«ig«n Mittel« nicht h«auskommt. Wenn wir nicht den ganzen Staat in einen da«, ernden Zustand der Berarmmrg treiben wollen, müssen wir andere«nd durchgreifendere Wege gehen. Die außerordentliche Zeit erf»rd«t««bedingt außerordentlich« Maßnahmen und außerordentliche Opfer! Die Zahl der Arbeitslosen finkt nicht so, wie«S daS wirtschaftliche und finanzielle Interesse deS Staates erfordern würde«nd wie wir eS beim Vergleich mit de» anderen Staaten erwarten könnte». Wenn wir nicht die militärische Dienstzeit verlängert hätten, so hätten wir Heuer noch um einige zehntausende Arbeitslose mehr. Die Situation auf dem Arbeitsmarkt wird auch dadurch verschlechtert, daß der Arbeitsmarkt die,starken Nachkrieg sjahrgänge aufnehmen muß, die jetzt mit 16 und 17 Jahren in die Arbeit kommen. Außerdem scheißet die Rationalisierung ständig neue und neue Lohnarbeiter aus. Ungünstig wirkt sich ferner auch der Umstand aus, daß-die Auswanderung so gut wie völlig unterbunden ist. Daß überdies unsere Arbeitslosenstatistik, d. h. die Ziffern über die Zahl der nicht untergebrachten Bewerber um Arbeit, die Zahl der Arbeitslosen nicht richtig erfaßt, geht daraus hervor, daß von Jänner bis Ende Juni 1935 die Zahl der nichtuntergebrachten Arbeitswerber nur um 212.446 Personen sank, während die Zahl der Versicherten bei allen Krankenkassen in derselben Zeit von 2,269.776 auf 2,692.030, also um 322.254 Personen stieg. Daraus geht hervor, daß Zehntausende Arbeit, erhalten, die n i ch t in den Verzeichnissen der Arbeitsvermittlungsanstalten enthalten sind. Auch wenn wir Heuer, zu Ende Tugust die n i e d r i g st e Arbeitslosenziffer zu diesem Zeitpunkt seit 1932 habens müssen wir uns doch die Tatsache vor Augen halten, daß es uns mit den bisherigen Mitteln seit Oktober 1932 nicht gelungen ist, die Arbeitslosenziffer unter 500.000 zu senken, neue Wege nötig Das muß für uns ein Ansporn sein, zur radikaleren Herabsetzung der Arbeitslosenziffer und zur wirtschaftlichen Belebung in größerem Maß- , stab als bisher alle zweckdienlichen Mittel anzuwenden, namentlich jene, die sich i m Auslande gut bewährt haben. Wir missen unS vor Augen halten, daß di« schleppende Wirtschaftskrise in beträchtliche« Maße,auch durch unsere eigene« Ber- haltnrfse verursacht wurde. Die Erfah- rulngen zeig«, daß der gegenseitige Wirtschaftskampf der Staate« untereinander, die Zoll- und Eines der Haupthindernisse der Wirtschaftsbelebung sind bei uns die Lohn- und GehaltsverhAtnisse, die heute die Kaufkraft eines großen Teiles der Bevölkerung untergraben. Die breiten Massen der Angestellten sind in ihrer Gesamtheit der größte Konsument auf dem heimischen Markt und sie können in einer Zeit, wo unserem Export oft unüberwindliche Schwierigkeiten erwachsen, wirksam beitragen zur Belebung unserer Wirtschaft. Statt dessen waren wir Zeugen, daß es zur Herabsetzung der Löhne und Gehälter nicht nur in jenen Betrieben kam. die ihr« Produktion verringern mußten, sondern auch dort, wo in den letzten Jahren eine merkliche Produktionsbelebung zu verzeichnen ist. Wie rapid die Löhne bei«ns gefallen find, zeigt rin Vergleich der Berstcherten in der Zen- IralsozialversicherungSanstall vom Juni 1930 und vom Juni 1935. Im Jahre 1930 waren 39.17 Prozent aller Versicherten in den drei niedrigsten Klaffen(bis zu 14. K£ täglich). im Juni 1935 dagegen 53.35 Prozent. In den drei höchsten Lohnklassen waren im Juni 1930 24.08 Prozent, im Juni 1935 nur 14.10 Prozent aller Versicherten. Nicht anders ist es bei der Allgemeinen Pen» sionsanstalt. Ende 1929 waren von 213.803 männlichen Versicherten in den drei höchsten Klassen 31.255. Ende 1934 von 227.482 nur 27.473. Bei den Frauen ist das Verhältnis noch schlechter. Insgesamt haben die Jahresbezüg« aller 297.719 Pensionsversicherten Ende 1929 4720 Millionen betra- aen. Ende 1934 bei einem um 19.020 höheren Ber- sicherungsstand nur 4512 Millionen. Dabei ist zu bemerken, daß eine Gehaltsherabsetzung bis auf 42.000 Kä sich in dieser Statistik nicht widerspiegelt. Die Beispiele für niedrige Löhne, die der Minister anführte, müssen direkt als««faßbar bezeichnet werden. Früh« erhielten z. B. die Glasarbeiter bei der Herstellung von Gablonzer Warr Stundenlöhne von 5 bis 7 Kd, heute Kc 1.50. Ein Heimarbeiter in der Glasbranchc verdient bei 14stün- diger Arbeitszeit in der Woche 30 bis höchstens 40 KL. Junge Arbeiterinnen erhalten in der Glasschleiferei 50 bis höchstens 70 Heller pro Stunde. Auch bei den Bauarbeiter« erreichen dir Stnndrnlöhne in einzelnen Gebiete« nur 1.25 KL oder gar nur 1 KL, bei Erdarieitrn Tevifrnmafinahnven etc. die Folgen brr Krise ungewöhnlich verschärft haben. Tie überspamrte Schutzpolitik«nd die wirtschaftliche Absperrung habe» weder d« eigene« Industrie und Landwirtschaft der betreffenden Staaten, noch den Konsumenten genützt, sondern sie haben Staat und Bevölkerung verarmt und neben andern Ursachen zu Kredit- und Währungsschwierigkeiten und anderen unheilvolle« wirtschaftliche« Konsequenzen geführt. Bei diesem Stand der Weltwirtschaft- und Handelspolitik würden uns alle Maßnahmen nichts helfen oder bald durch Gegenmaßnahmen kompensiert sein, die unser Staat zum Schutze der heimischen Produktion, der landwirtschaftlichen wie der industriellen oder zur Erleichterung des Exportes ergreift oder ergreifen würde, zum Beispiel im Wege einer Devalvation der. Währung oder mit Hilfe von Exportkrediten. Um di« Krise völlig zu überwinden, müssen wir unS von dem bisherigen Protek» tioniSmnS und MonopoliSmuS abwenden und mit allen Mitteln auf dir Brr- mrhrung der Arbeitsgelegenheiten hin arbeiten, die ZinSfußherabsetzung erleichtern«nd durch inter- natwnale Kreditmaßnahmen für Industrie«nd Landwirtschaft den nötigen billige« Kredit verschaffen! wird für die schwere Arbeit 75 KL wöchentlich gezahlt. Bei der Aeberprüfung der Rechnungen für Notstandsarbeiten kam daS Ministerium darauf, daß bei achtstündiger Arbeitszeit den Erdarbeitenr nur 6 oder 8 KL täglich gezahlt werden. Auch in der Metallindustrie find die Löhne sehr niedrig; es gibt Fälle, daß ein qualifizierter Metallarbeiter nur KL 1.50 pro Sunde erthältl In den Ziegeleien ist ein derartiger Stundenlohn fast allgemein üblich. Bon 33.533 Heimarbeitern, die bei der Reichenberger BezirkSkrankenkaffe verfichert find, erreichen 15.626 nicht einmal einen Monatslohn von 120 KL und dabei arbeite« sic mit ihren Familien. Auf dem Böhm.-mährischen Höhenzug verdient eine ganze Weberfamilie bei 14stündiger Arbeitszeit nicht mehr als 160 KL monatlich. Was für Milliardenver- lüfte für den Konsum durch die sinkenden Lohnsummen entstehen, ist daraus ersichtlich, dast die Zahl der bei der ZSBA Versicherten seit 1929 von 2,505.537 auf 1,877.994, der Durch, schnittsverdienst von 5979 KL auf 5097 KL zurückgegangen ist. Die versicherten Löhne betrugen im Jahre 1929 14 Milliarden 982 Mil- lionen, im Jahre 1934 nur noch 9 Mil- liarden 573 Mwionen. Nur an Löhnen der Versicherten der ZSVA betrügt der Rückgang gegenüber 1929 fünfeinhalb Milliarden KL pro Zahr! Neben der Glasindustrie ist die Textil- industrie am meisten betroffen, die angesichts des Exportrückganges in den letzten Jahren zum überwiegenden Teil auf den heimischen Markt angewiesen ist. Dabei sind die Löhne in den Betrieben, die am Kollektivvertrag beteiligt sind, mit 120 KL wöchentlich noch bedeutend höher, als in den vertragslosen Betrieben, wo 40 KL wöchentlich gezahlt werden. Rationalisierung Auch die Rationalisierung verursacht noch weitere Entlassungen von Lohnarbeitern und eine ständige Verschlechterung der Berhält- nifle auf dem Arbeitsmarkt. Die Berichte der Gewerbeinspektoren führen für 1934 weitere krasse Beispiele an, vor allem aus Schandlöhne bewirken Mllllardenverluste des Konsums Seite S Mittwoch, 11. September 1935 Nr. 21? bet Textilindustrie. Wer auch bei den SiaaiSbahne.n führte die Einführung der durchlaufenden Bremse für Güterzüge dazu, das; die Zahl der Bremser bei Lastzügen seit 1931 um 40 Progent zurück» gegangen ist. In diesen Aufzählungen könnte man lange fortfahren. Ständig wird die Zahl jener vermehrt, die unwiderruflich aus ihrer bisherigen Tätigkeit ausgeschaltet sind, selbst wenn die früheren Absatzverhältnisse wiederkehren sollten. Den technischen Fortschritt kann man nicht aufhalten. Die menschliche Gesellschaft muh aber daraus die Konsequenzen ziehen und Wittel und Wege suchen, um die unschuldig Betroffenen wieder zu fruchtbringender Arbeit zurückzuführen. Es gibt aber Fälle, wo die maschinelle Produktion auch vom Standpunkt der allgemeinen Interessen schädlich wirkt. Ein klassisches Beispiel liefert wieder die Glasindustrie, uüd zwar die Erzeugung unechten Schmuckes. Hier hat die Ersetzung handgeschliffener Perlen durch maschinelle Produkte dazu geführt, daß die minderwertigen Massenfabrikate ihre Beliebtheit verloren und so die Absatzmärkte überhaupt verloren gingen. Auch hier hat die Regierung mit einer Verordnung eingegriffen, wor- nach gewisse Sorten von Edelstein-Imitationen nur mit der Hand geschliffen werden dürfen. So wurde auf legislativem Wege der Grundsatz durchbrochen, dah die Einführung der maschinellen Erzeugung vollkommen freigestellt sein müsse und auch nicht aus sozialen oder wirtschaftlichen Gründen beschränkt werden dürfe. A«S de« Daten über die Wirkung der Regie- rnngSverordnung gegen««begründete Einstellung von Betriebe« geht hervor, daß in 76 Fabriksunternehmungen die drohende Arbeitseinstellung verboten und so die Existenz von 11.870 Angestellten gerettet wurde. Rechnet man noch hinzu, wie viel Angestellte vor kürzeren BetriebSedrstel- lungen gerettet wurden, so kommt man auf eine Ziffer von 29.000. Im Juli d. I. wurde« weitere 18 Ansuchen um BetriebSeinstellumgen überreicht, im August nurmehr acht. Hier machten sich schon die günstigen Wirkungen der Novelle 134/35 bemerkbar. Oeffentliche Investitionen DaS Ministerium bemüht sich nach Möglichkeit, die unzureichende private Unternehmertätigkeit durch öffentliche Arbeiten zu ergänzen und dahin z« wirk«», daß der Staat und alle Selbstverwal- tungSverbinde jetzt in großem Umfang Jnvesti- tionSarbeiten durchführen und daß auch außerhalb ihrer Budgets hinreichende finanzielle Mittel für öffentliche Investitionen bereit gestellt werden, um nicht Zehntausenden, sondern Hunderttausende« Arbeit zu verschaffen. Im Vergleich mit den übrigen Industriestaaten haben wir den Vorteil, dah wir noch wesireichende Investitionen durchführen können, die für die weitere Entwicklung unseres Wirttchastslebens direkt notwendig sind(Investitionen auf den Bahnen, Strahen, Wasserwegen, bei der Elektrifizierung. Telephonausbau, Bauten von Schulen, Krankenhäusern, Markthallen usw.), während die anderen Staaten diese Investitionen bereits durchgeführt haben Md nur mehr ko en k g er produktive Arbeiten durchführen können. Für 1935 wurden bei uns öffentliche Investitionen in der Höhe von 5 Milliarden Kt bewilligt. Auf dem Gebiet der produktiven Arbeitslosenfürsorge führt das Ministe- rium drei größere Aktionen durch: Zunächst die allgemeine produktive Fürsorge, die in Lohnzuschüssen von 7 bis 10 Kö für öffentliche Bauherren besteht. Von 75 Millionen, die zur Verfügung stehen, sind 41 bereits verbraucht. Für die sogenannte Länderaktionbei Investitionen, die zum Teil durch nichtstaatliche Zuschüsse aus öffentlichen Msiteln, Fonds usw. gedeckt sind, wurden 95 Millionen bewilligt, von denen noch 18.5 Millionen zur Verfügung stehen. Für gemeinnützige Korporationen, die nicht öffentlich-rechtlichen Charakter besitzen, stehen noch 1,530.000 KS von ins gesamt drei Millionen zur Verfügung, aus her Aktton für jugendliche Arbeitslose wurden Zuschüsse von rund einer Million gewährt.( Insgesamt wurden durch die Bewilligung von 126 Millionen Kö an StaatsbeitrLgen für produktive Ar- beitslosenfürsorge Investitionen für über eine Milliarde ermöglicht und 199.000 Personen Arbeitsgelegenheit in der Dauer von ein bis zwölf Monaten geschaffen. Bei Besprechung der Baubewegung betonte der Minister, dah gegenüber 1932 die Zahl der Neubauten um 40 Prozent, die Zahl der neu erstellten Wohnungen um fast 60 Prozent zurückgegangen ist. In vielen größeren Orten herrscht erhöhter Bedarf an Kleinstwohnungen für die ärmsten Bevöl- -kerungsschichten. Das Ministerium hoffi, durch Subvention wenigstens den Bau von Häusern mit Kleinwohnungen fördern zu können und so eine Belebung der Baubewegung herbeizuführen. Gleichzeitig werden aber entschiedene Vorkehrungen des Staates notwendig sein, um unbegründete P r e i s e r h ö h u n g e n der Baumaterialien zu verhindern. Erhöhte Aufmerksamkeit wird auch der A n« siedln ng von Arbeitslosen und Kurzarbeitern namentlich am Rand der Großstädte und Industriezentren gewidmet werden müssen. Gesetzliche Arbeitszeitverkürzung Ein weiteres sehr wirksames Mittel zur Linderung der Arbeitslosigkeit sieht der Minister in der Verkürzung der Arbeitszeit- Die Notwendigkeit derselben ergibt sich direkt auZ der technischen Entwicklung, die eine immer größere Ersetzung der menschlichen Arbeit durch maschinelle ermöglicht. Die große Mehrzahl der wichtigen Produktionszweige wird wahrscheinlich in naher Zukunft nicht z« einer freiwilligen Herabsetzung der Arbeitszeit gelangen— schon a«S Konkurrenz- gründen— weshalb man im Interesse einer einheitlichen Regelung der konkurrenzbedingmrgen z« einer legislativen Lösung deS Problem- wird schresien müssen. Nach äußerst bescheidemen Schätzungen würde die Arbeitszeitverkürzung an 60.000 Arbeitslose in den Arbeitsprozeß zurückführen«ad der Jn- landSmarkt würde als» an 60.000»ollwertige Konsumenten gewinnen. Dor Einführung der verkürzten Arbeitszeit ist das Ministerium für soziale Fürsorge bestreht, darüber zu wachen, dah die Ueberfttindenarbeit auf daS Mindestmaß reduziert wird. Ein weiteres dringliches Problem ist di e Arbeitsvermittlung. Die zuständige Regierungsverordnung wurde bereits grundsätzlich von der Regierung am 20. Juni genehmigt. Ihre Durchberatung blieb den zuständigen Ministerien Vorbehalten. Zu betonen ist insbesondere daS finanzielle Interesse des' Staates an einer geeigneteren Regulierung der Arbeitsvermittlung. Exportdeledung Die größte Erleichterung könnte unserem Wirtschaftsleben allerdings die E x p» r t b e l e- b» n g bringen. Im Kampf mit der Arbeitslosigkeit legt daS Fürforgeministerinm der H e- bang des Exportes die größte Bedeu-! tung bei. Zu den beantragten Maßnahmen, die auf Be-1 lebung der Wirtschaft abzielen.- sind allerdings| wesentliche finanzielle Mittel- erforderlich. Es handelt sich hier um die bekannten finanziellen und Kreditanträge, deren Durchbera«' tuns dem Ministerium ressortgemäß nicht zusteht.' Der Baubewegung und den öffentlichen Arbeiten würde erheblich eine Senkung deSZins- f u h e S nützen, die eines der aktuellsten Wirt» schastSprobleme wird. Der Minister befaßte sich dann ausführlich mü dem Schutz der arbeitenden Jugend und mit der Jugend überhaupt, um auf die Notwendigkeit eines gründlichen Ausbaues der I u» gendfürsorge hinzuweisen. In dieser Richtung sei die Zusammenarbeit der Regierung mitderSelbstverwaltung und der ganzen Oeffenilichkeit notwendig, um aus der heutigen kritischen Situatton einen Ausweg zu finden. Vor allem muß die Tätigkeit aller Institutionen sichergestellt werden, die auf diesem Gebiete arbeiten. Schute der Konsumenten vor Kartellen Man kommt, sagte der Minister, nur langsam zur Ueberzeugung, daß die Wirtschaftskrise auch eine Ueberzeugung, daß die Wirtschaftskrise auch eine' Folge der schlechten Berte.klung derArbeitSergebnissesei, d. i. des nattonalen Einkommens, woraus der ungenügende verbrauch und die Unterwühlung der Kaufkraft der breiten Schichten resusiiere. Wenn der Staat wirksamer als bisher in die zweckmäßige Regulierung der Konsumentenfrage eingreifen will, dann müsse er zu diesem Behufe seine Organe hinreichend ausrüsten. Der gegenwärtige Zustand de- Preisniveaus wecke jedenfalls große Befürchtungen, hauptsächlich deshalb, weil er für die breiten Schichten««tragbar geworden ist. Die Situation verschlechtern unsere Kartelle, die vielfach nur ihr engeS Interesse wahrnehmen und sehr»ft nur im Interesse der sie finanzierenden Geldinstitute. Würden die Kartellorganisattontn ihre Abkommen zur Regulierung der Produktion, zur Oekonomisierung des Betriebes, zum Aufichluh der Materialverluste, zur Verbesserung der Absatzbedingungen und insbesondere zur Erleich. irung des Exportes benützen, dann würde ihre wirtschaftliche Funktion sicher allgemeine Zustimmung finden. Sofern aborh eute sehr viele Kartelle ihre Organisation nur zu übermäßigen Gewinnen verwende«, nm Unternehmen außerhalb deS Kartells aufzukinrfen»der zu vernichten, dann mutz man Vorsorge treffen, daß die Staatsverwaltung mit hinreichende« Instrumente« dazu ausgrstaltet wird, um die schädliche Kartellpolitik wirksam und unmittelbar bekämpfe« zu können. Noch vorhandenen Schätzungen weisen zirka 1.9 Millionen Personen im Jahre 1933 in der Tschechoslowakei ein Einkommen bis zu 6000 KL jährlich, also unter dem Existenzminimum, auf. Die Zahl ihrer Familienmitglieder ist auf 4 bis 6 Millionen zu schätzen, so daß 6 bis 7 Millionen, also die Hälfte der Bevölkerung, ein Einkommen unter dem Existenzminimum besitzt I Rückgang der Kaufkraft Die infolge der Krise unterbundene Kaufkraft hat einen Rückgang der Kaufkraft zur Folge, den der Minister an zahlreichen Daten nachwies, und zwar beim Fleischkonsum, beim Konsum von T i e r f e 11 e n, wo der Rückgang fast 20 Prozent beträgt, ferner beim B i e r k o n s u m. der ebenfalls um fast 20 Prozent zurückgegangen ist. beim Konsum von G e t r ä n k e s p i r i t u S, wo der Rückgang rund 50 Prozent beträgt und beim Z u ck e r k o n s u m, wo er fast 10 Prozent erreicht hat. Der Rückgang imMehl»«nd Brotverbrauch läßt sich mit 80 biS 40 Prozent gegenüber dem Jahre 1929 veranschlagen. Beim Brot beträgt der Preisanstieg gegenüber dem ersten Halbjahr 1934 per Kilo 30 bis 50 Heller und auch mehr. Der Preisanstieg bei Weizenmehl beträgt gegen daS Vorjahr 30 bis 50 Heller. VILLA OASE Oder: DIE FALSCHEN BORGER Roman von Eugene Dablt Berechtigte Uebertragung aus dem Französischen von Bejot Zweiter Teil Irma L Durch die Ritzen der Jalousie schlüpfte gol» deiies Licht. Der Salon war fast leer. In der Mitte, auf zwei Böcken, stand der Sarg, daneben ein Freünd Papa Adams, der die Trauerfeier leitete. „Ich lasse jetzt den Deckel verschrauben. Vielleicht hat die Mutter den Wunsch..." „Sie hat sie ost genug gesehen. Fehlte noch, daß sie wieder einen Anfall bekommt wie letzte Nacht. Nee, machen Sie Ihre Kiste ruhig zu, Langlois." Aber er trat heran, der Kontrolle halber. Zum letztenmal ließ er seinen Blick auf Helene ruhen. Man hatte ihr ein weißes Kleid angezogen. Das erdfarbene Gesicht zeigte hie und da grünliche Flecken. Er beugte sich tiefer. Sein Atem bewegte die blonden Haare. „Armes Mädel. Viel ist nicht mehr übrig." „Sie wird schon ausgelaufen sein", bemerkte Papa Adam sachkundig. „Verdammt, bei der Wärme! Ich wünschte, es wäre Abend. Hoffentlich hält meine Dicke so lange aus." „Bist du so weit? Sonst ist alles fertig." Sie stand vor dem Spiegel und zog ärgerlich die Augenbrauen zusammen. Das Kleid, das die Schneiderin geliefert hatte, saß schlecht. Sie mußte sich ein anderes bestellen. Kein Unglück. Im Salon traf sie Alfred im schwarzen Rock mit Weiher Krawatte. Er sah würdig und bedeutend aus. Sie sah ihn so zum ersten Male. Als er ihr den Arm reichte, begannen ihre Tränen wieder zu fließen. Sie markierte einen Schwindelanfall, um sich desto fester auf Alfted stützen zu können. Er drückte, als sie langsam die Treppe hinunterstiegen, ihre Hand zärtlich an sich. Lm Flur stand, inmitten von Kränzen und Blumenarrangements, der weißbedeckte Sarg. Irma laS: H. M. Sie hob den Kopf und sah die wartende Menschenschar. Es waren viele gekommen, alles bessere Leute. Ihre Kleine hatte ein schönes Begräbnis. Langlois ergriff ihre Hand. Sie stand auf der Straße, auf die sie feit vierzehn Tagen nicht gekommen war. Sie war wie betäubt und taumelte. Aber sie hörte, wie einige Neugierige tuschelten:„Das ist die Mutter." Ihren Schleier senkend, richtete sie sich auf. Hinter dem Leichenwagen bildete sich eine Gruppe, in die sich ihr Lllann, ihr Neffe, ihr Schwager und ihre Freunde einreihten. Julien war barhäuptig. Berthe bot ihr den Arm, Rose und die Miß stellten sich zu ihrer Linken. Plötzlich kam Bewegung in die Reihen, und der Zug setzte sich in Marsch. Die Sonne entsandte Glutstrahlen, und in der erstickenden Schwüle roch es nach Teer. Irma ging, festen Schrittet, ein wenig vor den anderen. Wenn sie ihren Schleier hob, sah sie die stattliche Menge der Leidtragenden, die ihrem Herzen Wohltat.»Ich hätte nicht gedacht, daß so viele Freunde mitgehen würden", bemerkte sie zu Berthe, und dann, nachdem sie den mit Federbüschen und Silberfransen dekorierten Leichenwagen gemustert hatte, fügte sie hinzu:„Alles lebende Blumen. DaS ist doch immer das Passendste für«in junges Mädchen." Sie hatte eigentlich die Idee gehabt, ihre Tochter kirchlich beerdigen zu lassen. Doch Julien hatte nichts davon wissen wollen.„Laß mich in Ruhe mit deiner Heilsarmee!" So nannte er die protestantische Kirche, und sie hatte, vor solcher Verständnislosigkeit, die Waffen gestreckt. Er hatte dann, um sie zu beschwichtigen, noch gesagt:„Lieber bezahle ich deiner Kleinen ein schönes Grab." Langlois, der eine Steinbildhauerei am Päre-Lachais« betrieb, wollte ihnen in Saint-Quen ein Erbbegräbnis anlegen. So hätten sie ihre Familiengruft in nächster Nähe von Eharlier, Papa Adam und dem großen Felix. Der Zug befand sich jetzt hinter der Porte de Clignancourt. Kein Mensch zog mehr den Hut. „Welcher Pöbel in diesem Proletenviertel", dachte Irma. Sie vertrat sich die Füße auf dem elenden Pflaster und litt darunter, daß sie an verfallenen Baracken vorübergehen mußte, unter den Blicken von Juden, Arbeitern, Tagedieben, auf die der Tod ihrer Tochter keinen Eindruck machte. „Ich kann nicht mehr, Berthe", erklärte sie. Julien setzte sie in ein Auto und nahm seinen Platz im Zuge wieder ein. Er warf wütende Blicke auf jeden, der sich erlaubte, die Reihen zu durchbrechen. Aber jetzt war die Ordnung sowieso gelockert. Alfred, der hinter dem Leichenwagen marschierte, erzählte, wie er hier, fast an der gleichen Stelle, unter einen Wagen geraten war und den linken Arm verloren hatte. Julien kramte Kindheitserinnerungen aus. Mit seinem späteren Schwager, der ebenfalls aus Clignancourt stammte, hatte er die Schule geschwänzt und sich in den Befesttgungsanlagen umhergetrieben, wo er auch seine ersten Abenteuer erlebte. „Damals waren wir alle noch arme Teufel", sagte er, einen Blick über dar Publikum werfend. „Das ist lange her." Er versuchte, stramme Haltung einzunehmen. Aber der Kragen würgte ihn, der Traueranzug war ihm unbequem, er schwitze und schielte nach den Vorstadt-CafÄ, vor denen die Leute saßen, Röstkartoffeln verzehrten und sich die Kehle befeuchteten. Dann brummte er: „Ein Glück, daß wir endlich da sind." Die Räder des Leichenwagens knirschten auf dem Kies der Friedhofsallee. Der Zug hielt, die Wenn Arbeiterfamilie« volle drei Fünftel aller ihrer Ausgaben auf dir Ernährung vorwende«, dann sehen wir die Gefahr im vollen Lichte: die Ausgaben für die Ernährung einschränkru, heißt dirrft die Existenzen bedrohen. Die überwiegende Mehrheit unserer Arbeiter arbeitet nur für di« allernotwendigsten Lebensmittel und die WohnnngSmiete. Wir können infolgedessen uwtrr den heutigen Wohnverhältnissen nnfe-re Konsumenten nicht«eiter belasten, denn die Folge wäre ein w eiterer Rückgang deS BerbrauchS mit alle« seine« Konseqenzca für die anderen Schichten." Abschließend appellierte der Minister an den Ausschuß, ihm im Kampf gegen die Arbeitslosigkeit und die Krise behilflich zu sein. Er erachtet«S als seine Pflicht, alle Anstrengungen ans die Vermehrung der Arbeitsgelegenheiten und auf die Erhöhung deS Leb en SstandardS unserer Bevölkerung zu konzentriere«, und ist überzeugt, daß ein Erfolg in dieser Richtung nicht nur die Wiederbelebung unserer Wirtschaft, sondern auch die Befestigung und Konsolidierung des Staates bedeuten würde. * In der anschließenden Debatte, die erst am Mittwoch beendet werden wird, sprachen u. a. Tayerle, Langr, Dubicky und Genosse Taub, dessen Rede wir morgen ausführlicher wiedergeben werden. Gegen Schluß der Debatte schlug Herr Sandner„soziale" Töne an. Wir kommen auf diesen Teil der Debatte und auf ihren Abschluß noch zurück. Für besseren Schutz der Emigranten Ein norwegischer Schritt beim Völkerbund (R. F.) Der norwegische Außenminister hat im Auftrage seiner Regierung an den Völkerbund eine Denkschrift gerichtet, worin er auf die unhaltbare Lage besonders der deutschen Emigration verweist, und verlangt, daß das Nansen- Institut des Völkerbundes zu einer dem Völkerbund offiziell angeschlossenen Zentralstelle für Flüchtlingshilfe gemacht werde. Das Nansen-Institut war ursprünglich für die Unterstützung der russischen Emigration (jetzt zirka 800.000) und der Armenier (zirka 180.000) gegründet worden. Es wird vom Völkerbund subventioniert(1935 mit 250.000 Schweizer Franken) und hatte von diesem auch die Betreuung der Saar«Flüchtlinge übernommen, wofür der Völkerbund bisher weitere 20.000 Franken auszahlte. Wie das den Völkerbundkreifen sehr nahestehende„Journal des Natton" mit Bedauern vermerkt, ist es aus politischen Gründen bisher nicht möglich gewesen, die Arbeit des Instituts auch auf die italienischen, deutschen und österreichischen Emigranten auSzu- dehnen. Ein Versuch des Völkerbundes, im Jähre 1923 etwas für die italienische Emigration zu unternehmen, wurde durch den heftigen Einspruch Italien- durchkreuzt. Es ist zu hoffen, daß das norwegische Memorandum dazu beittagen wird, daß der Völ- kerbund, der sett dem AuSttitt Deutschlands nicht mehr unter dem gleichen Drucke steht, zum mindesten für die deutschen Flüchtlinge(deren Zahl das Memorandum auf 80.000, davon 20.000 jetzt in Palästina, schätzt) eine großzügigere Aktion unternimmt. Auch für die Staatenlosen, deren Zahl in Europa vom norwegischen Memorandum auf 100.000 geschätzt wird, soll nach dessen Intentionen etwas mehr geschehen. Träger hoben den Sarg hinunter und trugen ihn in ein Grabgewölbe, in dem er vorläufig stehen- bleiben sollte, Langlois organisierte einen Vorbeimarsch. Als erste warf Irma eine Blume auf den Sarg und trat schluchzend auf die Seite. Sie sah ihre PortierSfrau defilieren, das Hotelpersonal: die Freunde. Sie dantte ihnen und tröstete sich immer wieder mit der Feststellung, daß ihr Kind nicht eingescharrt würde wie ein Hund. Sie sah sich allein in den vier schwarzen Mauern, und plötzlich erinnerte sie sich der<Äe- schichte einer Scheintoten. Sie zitterte, ivollte sich in die Gruft stürzen, aber lähmende Furcht machte sie bewegungslos. Sie betrat sonst nie einen Friedhof. Sie sah sich von weißen Kreuzen umgeben und von Gespenstern. Sie rief nach Julien. „Ich will hinaus", stammelte sie.„Schnell, einen Wagen." DaS Haus in der Rue Bourquin war sttll wie sonst. Im Flur lagen noch verweltte Blumen. Auf jedem Treppenabsatz gedachtt Irma ihres Leidenswegs, und als Julien die Wohnungstür aufstieß, schlug ihr ein peinlicher Geruch entgegen. „Lüste", sagte sie. „Ja, es wird Zeit. Lange genug hat man in einem Brutkasten gelebt." Er öffnete die Fenster, zog die Jalousien auf. Im Licht sah man erst den Schmutz und die Unordnung. Er dachte einen Augenblick nach. Der Salon mußte wieder eingerichtet werden, aber zuerst mußten die Tapeten hinunter, der gründlichen Desinfettion wegen. Er hatte verdammt viel Arbeit vor sich, und auf seine Frau, die, nach allem, was sie durchgemacht, der Ruhe bedurfte, konnte er nicht rechnen. Er sah ins Zimmer hinein. Irma rauchte. Das war ihr einziges Laster. Er machte ihr zwar Vorwürfe, aber daß sie ihr Stäbchen wieder zwischen den Zähnen hielt, erschien ihm doch als gutes Zeichen. So rief er ihr beinahe heiter zu, sie solle zum Essen kommen. „Wir werden wieder leben wie früher, ehe daS Mädel da war", sagte er. (Fortsetzung folgt.) Nr. 21* Mittwoch, 11. September 1935 Seite 3 I ^udetendeutsdier Zcitepicgef ■■■ durch Besonders erwähnt sei noch, daß sich die Brandauer Arbeiter den Jugendlichen gegenüber außerordentlich gastfreundlich zeigten, obzwar sie selbst mit der Not ungeheuer schwer zu kämpfen haben. vertrau« darauf, daß die Gemeinsamkeit vieler Ideale, die das fascistische Italien und das nationalsozialistische Deutschland verbinden, sich zum Besten der beiden Länder auswirken werde und die daraus erwachsenden Vorteile auch der übrigen Welt zugute kommen werden. Dai Athener Pressebureau hat einen Bericht ausgegeben, in welchem ausgeführt wird, daß sich im Ersten griechischen Armeekorps Tendenzen bemerkbar machten, gegen welche die Regierung gewisse Maßnahmen treffen mußte. KriegSministec General Kondylis, der mit diesen Vorkehrungen nicht übereinstimmte, hat daraufhin seine Demis- sion gegeben. Der Athener Ministerrat hat daraufhin den Beschluß gefaßt, daß eS sich um ein bloßes Mißverständnis handle. Aus diesem Grunde hat der Kriegsminister sein« Demission rückgängig gemacht. Während der Mini« wurden. Die Ansprache hielt Genosse Lang, Brüx. Am Sonntag vormittags war ein Appell der Jugend, bei dem zu den aktuellen wirtschaftlichen, politischen und organisatorischen Fragen eingehend Stellung genommen wurde. Den Höhepunkt der Veranstaltung bildete der Festzug am Sonntag nachmittags, an dem sich trotz dem kalten und regnerischen Wetter über 700 Menschen beteiligten. Auf dem Festplatz sprachen Genosse K r i p p n e r, Brandau, und Jugend« gcnysse Greiner, Komotau, die in ihren Deden darauf verwiesen, daß die Arbeiterschaft des Erzgebirges nach wie vor im Lager des Sozialismus steht, weil sie zu gut weiß, daß nur di« Beseitigung der kapitalistischen Gesellschaftsordnung dem Proletariats die Freiheit bringen kann. Der Aufmarsch der Jugend in Bvandau hat bei der Bevölkerung einen starken Eindruck hinterlassen. Italien wirbt bei Hitler Berlin. Hitler empfing am Montag den neuernannten italienischen Botschafter Attolico zur Entgegennahme der Beglaubigungsschreiben. In seiner Ansprache an den Reichskanzler erklärte der Botschafter u. a., daß er sich der Aufgabe, die Bande, die die beiden Länder verbinden, zu festigen und noch enger zu knüpfen, in dem Bewußtsein sowohl des verantwortungsvollen geschichtlichen Augenblicks, in dem die Welt und Europa stehen, als auch der außerordentlichen Bedeutung, die die italienisch-deutschen Beziehungen für den Frieden der Welt und das Gleichgewicht unter den Nationen haben und in Zukunft in noch höherem Maße erlangen können, widmen werde. Italien, das gegenwärtig in einem Werke hoher Bekräftigung der Macht und der nationalen Würde begriffen sei, fordere vor allem anderen Dingen Verständnis für seine begründeten Interessen. In seiner Erwiderung sagte der Reichskanzler u. a., daß er mit Genugtuung die Ausführungen entgegennehme, die Beziehungen zwischen Deutschland und Italien weiter zu festigen, was für die künftige politische Entwicklung und die fruchtbringende friedliche Zusammenarbeit zwischen den Nationen von größter Bedeutung sein werden. Er USA rüstet zur See Washington. Das Marineministerium hat einen Vertrag unterzeichnet, in welchem der Bau von 23 neuen Kriegsschiffen festgelegt wird, und zwar eines Flugzeug-MutterschiffeS, fünfzehn Torpedobootzerstörer, sechs Unterseeboote und«in leichter Kreuzer.. Amerikas Kriegsminister nach Tokio Washington. Kriegsminister Dein erklärt«, daß er beabsichtig«, gelegentlich seiner Fahrt nach Manila, wo er den Präsidenten Roosevelt bei den Gründungsfeierlichkeiten für den selbständigen Philippinischen Staat am 15. November vertreten werde, einen Abstecher nach Tokio zu machen. Ungefähr zur gleichen Zeit will eine Grupp« von SO bis 50 Kongreßmitgliedern, sich nach Tokio begeben. Henlelnoolltlk In der Schule Die„Zukunft" berichtet: Sonntag, den 1. September, war in Staab ein großes Henleinfest. Das hat die ganze Welt mit Befriedigung zur Kenntnis genommen. Er wundert uns nicht, daß Schulkinder gleich in den ersten Tagen des Schuljahres darüber einen Aufsatz schreiben mußten. Dies geschah in einer Klasse der Mädchenvolksschule. Uns wundert nur noch immer, daß uns der Lehrkörper einreden will, in der Schule gibt es keine Politik. Wir haben es wohl noch nicht erlebt, daß Schulkinder über den 1. Mai einen Aufsatz schreiben mußten, denn das wäre Politik — aber über ein Henleinfest Stilübungen zu machen, das ist nach Ansicht unserer demokratisch gesinnten Lehrerschaft eine Fleißaufgabe in .Volksgemeinschaft"., Hinzuzufügen wäre noch, daß es die Staa- ber deutsche Lehrerschaft in diesem Jahr abge- lchnt hat, für eine Ferienkolonie deutscher Bergarbeiterkinder in Ujezd bei Klattau eine pädagogische Aufsicht beizustellen. Her grösste Schuft im ganzen Land Die„Volksgemelnschaftler" vergönnen einem sozialdemokratischen Arbeiter nicht einmal den Hopfenpflückerlohn sterrat tagte, gerieten in den KuloirS der Abgeordnetenkammer Offiziere, welche republikanisch gesinnt sind, mit anderen Offizieren monarchistischer Gesinnung in einen Streit. Dieser artete in eine Rauferei aus, bei der General Panajota- kos, der Führer der republikanischen Offiziere, durch einen Säbelhieb an der Wange verwundet wurde. Sein Bruder, der Abgeordneter ist, wurde an der Hand durch Schüsse verletzt. General Panajotakos wurde im Kommando deS Ersten Armeekorps durch General PapagoS ersetzt. den Sie sich vielleicht zu Franz Hegen, Garschin, Post Muttersdorf, de- wird Ihnen in aller kürzester Zeit genügend Arbeiter rekommandie- ren. Soviel ich weiß ist Hogen mit einer Arbeitskolonne in Mukhof Gust. Leicht engaschiert. Mit deutschem Gruß Bemerke noch daS sich genannter Decker nur Arbeiter seiner Gesinnung auSsucht keinen Hen- leintreuen nimmt er nicht mit." Der feige Brieffchreiber hatte sich allerdings an die falsche Adresse gewandt. Der Arbeitgeber DeckerS ist zum Glück ein besserer Deutscher als jene.Kämpfer für das Deutschtum", die der schuftige Verleumder meint. Er macht den Hen» leinschwindel nicht mit und daher läßt er die Arbeiter ob ihrer sozialdemokratischen Gesinnung ungeschoren. Interessant ist nur, wen der lumpige Verleumder sozusagen als»besseren Deutschen" anempfohlen hat. Uns ist nämlich nicht unbekannt, daß der rekommandierte Franz Hogen seine Kinder im Vorjahre in die tschechische Schule geschickt hat und Mitglied des tschechischen Ortsschulrates war. Heute ist er aber Kämpfer für das Deutschtum. Wahrlich, die beiden Herren scheinen zusammenzupassen: der anonyme Briefschreiber und der wandlungsfähige Herr Hogen! Jedenfalls zeigt dieser Vorfall, wie abgrundtief die moralische Verkommenheit im Henlein« lager ist. Pfui Teufel einem solchen„Deutschtum"! Grenztreffen der SJ In Brandau Am Sonntag fand inBrandau im Erzgebirge ein Grenztreffen der Sozialistischen Jugend statt, das einen überaus eindrucksvollen Verlauf nahm. Das Treffen wurde mit einem BegrüßungSabend am Smnstag eingeleitet. Der geräumige Saal des Gasthauses.Zum Egerländer" vermochte di« vielen erschienen Teilnehmer kaum zu fassen. Daß Programm- bestritten die Sozialistische Jugend und der Atus, deren Darbietungen mit Begeisterung aufgenonunen Bezirksaufmarsch In Leltmerltz Gemeinsame Teuerungskundgebung der deutschen und tschechischen Partei- und Gewerkschaftsorganisationen Auf zur Teuerungsprotestkundgebung und zum Bezirksaufmarsch l Das war die Parole der freien Gewerkschaften und der Bezirksleitung der Partei in Leitmeritz. Ein außerordentlich starker Besuch zeigte, daß unsere Partei auch in den länd- ' liehen Bezirken unerschüttert ist. Schon am Vormittag des 8. September ' marschierten die deutschen und tschechischen fteien Gewerkschaften gemeinsam mit unseren Parteigliederungen zu einer Protestkundgebung gegen die ständig wachsende Teuerung auf. Für unsere Partei sprach die Genossin Irene K i r p a l, für . die tschechische Bruderpartei Genosse Dr. Char« v a t. Die von den Genossen G r u s s e r und Krenovsky verlesene gemeinsame Resolution fand einstimmige Annahme.— Ein Husaren- . stückchen'eistete sich ein Häuflein anwesender > Kommunisten, welche mft einem herbeigeschleppten - Redner am Schlüsse der Kundgebung zu sprechen verlangten, um auf billige Art und Weise ihr Parteisüppchen kochen zu können. Ihr Angebot wurde abgewiesen und ihr Protest auf das schnellste > liquidiert. Den Höhepunkt bildete der nachmittägige Bezirks-Parteiaufmarsch. Hunderte Genossen von nah und fem eilten herbei» um zu J dokumentieren, daß die schon totgesagte Sozial- , demokratie in ihrem Grundstock unerschüttert ist. Die anwesenden Roten Falken von Wegstädtl zogen voraus. Ihnen folgte die Elitetruppe !<*' unsere Partei: die Republikanische Wehr. Nach ihnen die DTJ, unsere Genossinnen und di: Metallarbeiterjugend. Am Schlüsse des langen Zuges marschierten die Genossen aus den verschiedenen Lokalorganisationcn. ES war der größte Bezirksaufmarsch seit der Spaltung. Der Abmarsch erfolgte von Czalositz aus, wo Genosse Hegenbart(Teplitz) beim Generalappell die Verhältnisse deS Gebietes schilderte. Der Zug be- weqte sich durch die Straßen von Leitmeritz und endete im Garten deS ElbschloßbräuhauseS. Genosse Mangold(Wegstädts) begrüßte im Namen der Bezirksleitung die Erschienenen. Nach ' ihm kam Genossin Kirpal zum Wort. Mit der r.Internationale" wurde die Kundgebung ge- schlossen. Das anschließende vom Atus Czalositz ver« j anstaltete Volksfest hielt die Genossinnen und Ge- f»offen noch bis in die späten Abendstunden ber s Spiel und Tanz beisammen. Griechenland in Gärung Die Volksabstimmung über die Staatsform angeordnet Athen.(Reuter.) Ministerpräsident TfaldariS hat«in« Proklamation erlassen, welche di« Lolksalstimmung betreffend die Wiedereinführung der Monarchie angeordnet wird. Die.Zukunft" berichtet: Der Obmann unserer Lokalorganisation in W a i e r, Genosse Georg Decker, war auch in ' diesem Jahre, wie schon immer in den zurücklie- , genden, in der Saazer Gegend in der Hopfenernte. ■ Jedermann weiß, daß die Hopfenpflücker wahrlich nichts geschenkt erhalten und für wenig Geld von früh bis spät abends arbeften müssen. Um so empörender ist es daher, wenn man die Hopfenpflücker ob ihrer freiheitlichen und demokratischen Gesinnung bis in die Fremde verfolgt, um sie um das letzte Stückchen Brot zu bringen. Genosse Decker kann nun ein Lied davon singen, wie man derzeit noch immer die sozialdemokratischen Funktionäre verfolgt. Sein Arbeitgeber erhielt näm» ‘ lich von einem Henlein-Fanatiker einen Verleum- - dungSbrief, den wir nachstehend mit allen Fehlern wiedergeben. Er lautet: am 3. 8. 1935. „Herr Gossauer in Kolrscha». *Ml>t eben erfahren, daß Sie einen gewisse« Georg Decker znr Hopfenernte eingestellt haben, vermute jedoch, daß Sie, wie alle übrigen Besitzer der Saazergegend Kämpfer für das Deutschtum sind und auch nur deutsche Arbeiter für Ihre Arbeit einstelle«. Decker ist Obmann der Sozialdemokratischen Organisation in Waier(Droth) und ein fürchterlicher Lästerer über unseren Führer Konrad Henlein, wohl somit einer der größten Gegner gegen das Deutschtum. Um diese« Burschen zu zähmen, währe daS teste Mittel nicht rinznstrllrn. ES gibt viele deutsche Arbeiter in unserer Gegend. Wen- Die Angestellten verlangen Maß* nahmen gegen die Wirtschaftsnot Kreistagung des Allgemeinen Angestellten-Verbandes in Falkenau . Die Jahreshaupttagung des Karlsbader Arbeitskreises des Allgemeinen Angestellten-Verban- des, welche am 8. September in Falkenau stattfand, protestierte nach einem Referat des Verbandssekretärs Gen. Grünzner- Reichenberg in einer Entschließung gegen die Preiserhöhungspolitik der Kartell- und Monopolorganisationen. In der Entschließung verlangt die Konferenz die Oeffnung der Grenzen für die Einfuhr von Fett und Fleisch, die Aufhebung des Margarinegesetzes und als Sofortmaßnahme die Erhöhung der Produkten von Margarine um wenigstens 2000 Waggons. Zur Bekämpfung der wieder steigenden Arbeitslosigkeit fordern die Angestellten direkte und indirekte Arbeitsbeschaffung, Anpassung der Arbeitszeit an den heutigen Stand der Produktionsmittel, Investitionstätigkeit, Förderung des Exports und Senkung des Zinsfußes, in den Notstandsgebieten Unterstützungsaktionen aller Art. Schließlich wird die Schaffung einer öffentlichen obligatorischen Arbeitsvermittlung und die sofortige Verabschiedung deS UeberweisungSgesetzeS sowie Schutz gegen Sabotage der sozialen und Arbeitsgesetze gefordert. Opporitiomrieg in Ungarn Im ungarischen Wahlkreis E l e k war durch den Tod eines regierungsparteilichen Abgeordneten eine Nachwahl notwendig geworden, die die für diese Gelegenheit geschlossen austretende Opposition dazu benützte, um unter Aufbietung aller ihrer Kräfte der Regierung eine Niederlage zu bereiten, von der sie sich eine große psychologische Wirkung versprach. Nach einem erbittert geführten Machtkampf hat der oppositionelle Kandidat R e i b e l mit 2385 gegen 2202 Stimmen über den Regierungskandidaten mrd früheren. ge- schäftsftihrenden Vorsitzenden der Regierungspartei gesiegt. Dies ist seit langenr das erstemal, das trotz Gendarmerieterror und dem Zwang, o f f e n die Stimme abzugeben, eine Oppositionskandidatur bei einer Nachivahl erfolgreich ist. Nürnberger Parteitag eröffnet Nürnberg.(Tsch. P. B.) Am Dienstag hat hier der Parteitag der nationalsozialistischen Partei begonnen. Um 18 Uhr verkündeten Glockengeläute und Böllerschüsse den Beginn des Parteitages. Wenige Minuten vor 18 Uhr fuhr der Wagen des Reichskanzlers, von den Heilrufen der angesammelten Menschenmenge begrüßt, im langsamen Tempo durch die Straßen. Bor dem Rathause wurde Hitler vom Oberbürgermeister der Stadt Nürnberg begrüßt, der ihm nach einer Ansprache eine Nachbildung des alten deutschen Reichsschwertes überreichte. Sodann eröffnete der Reichskanzler den Parteitag mit einer Rede, in der er zum Schluß auf das ihm überreichte Schwert zu sprechen kam und dieses als symbolisches Zeichen deutscher Reichskräft bezeichnete, das ih nimmer aufs neue an diesen denkwürdigen Parteitag des dritten Jahres der nationalsozialistischen Revolution und des e r st e n Jahres der neuen deutschen(R ü st u n g s-) Fr e i h e i t erinnern solle. Die Illegale Arbeit in den fascistischen Ländern Genosse Citrine, der Generalsekretär des britischen Gewerkschaftsbundes, hat an dessen soeben abgehaltenen Kongreß einige bemerkenswerte Angaben über die illegale Tätigkeit in den fascistischen Ländern gemacht, mit der er in ständiger Verbindung steht. So teilte Genosse Citrine mit, daß er im letzten Jahre an drei Konferenzen teilgenommen hat, wo direkte Vertreter der deutschen Gewerkschaftsbewegung anwesend waren. Um die damit verbundenen Schwierigkeiten zu-beleuchten?-erwähnte er, daß-zu Pfingsten 25 der für eine solche Konferenz bestimmten deutschen Vertreter vor dem Ueberschreiten der Grenze von der Gestapo verhaftet worden sind. Die illegale Gewerkschaftsbewegung in Oesterreich bezeichnete Citrine als durchaus gesund und außerordentlich aktionsfähig. Bezüglich Italiens stellte er fest, daß es festgefügte Kaders gibt, die Mussolini im Falle eines Krieges mit Abessinien sehr unangenehm werden können. Die Ovra(die italienische Gestapo) hat in der letzten Zeit dreihundert Verhaftungen vorgenommen, die vor der Oeffentlichkeit streng geheimgehalten worden sind. „Kassentrennung" schon bei den ABC-Schützen Berlin.(DNB.) Reichsminister R u st hat in einem Erlaß über die„Rassentrennung" in den öffentlichen Schulen als Vorbereitung für die Einrichtung von Judenschulen zu Ostern 1936 Erhebungen über die Raffenzugehörigkeit der Schüler angeordnet. In dem Erlaß heißt eS u. a.: Trotz Errichtung öffentlicher und privater jüdischer Schulen sei an einzelnen Orten die bisherige Trennung nach Konfessionen nicht ausreichend. Somit sei die Errichtung öffentlicher Volksschulen für Juden erforderlich, in denen alle diejenigen Schüler und Schülerinnen zusammengefaßt werden, bei denen entweder beide Elternteile oder ein Elternteil jüdisch sind. Die sogenannten Vicrteljuden, bei denen ein Großelternteil jüdisch ist, würden bei der auf dem Gebiete des Schulwesens vorzunehmenden Rassentrennung außer acht gelassen werden. Mißglückter Putsch in Lissabon Lissabon. Gegen die Regierung wurde am Dienstag in den frühen Morgenstunden ein Revolutionsversuch unternommen, der jedoch durch das energische Eingreifen der Regierung im Keime erstickt wurde. Der Marineoffizier Mendes Norton versuchte, den Kreuzer„Bartholomae Dias" zur offenen Revolte zu veranlassen, wurde aber von dem Kreuzerkommandanten Correia da Silva verhaftet und befindet sich schon in der Festung Amei« xoeira. Es verlautet, daß verschiedene regierungsfeindliche Elemente verhaftet wurden, u. a. der bekannte Offizier Rebello Allemeida. Sobald die Verschwörung bekannt wurde, ist in Lissabon verschärfter AusnahmSzustand angeordnet worden. Die Zitadelle CascaeS, wo der Staatspräsident wohnt, die Post- und Telegraphenämter, die Funkstationen, Kasernen und öffentlichen Gebäude werden polizeilich bewacht. Im Lande herrscht absolute Ruhe. Scite 4 Mittwoch, 11. September 1933 Doch ein Fememord? Eine Frau als Lockmittel Wien. Nach langen Bemühungen ist es| M ord handelt, weil ein Luftmord ausgeschlofder Wiener Polizei gelungen, in die Angelegen- sen und auch ein Raubmord unwahrscheinlich ist, heit des angeblichen Fememordes einigermaßen da der Arbeiter an dem kritischen Tag höchstens 20 Licht zu bringen. Es wurde die Frau festgestellt, bis 40 Schilling bei sich hatte, die er bis zu feiner die nach angeblichem Leugnen gestanden hat, daß Ermordung verausgabt haben dürfte. Die Briefsie in der kritischen Nacht mit dem Molkereiarbei- tasche, in der sich ein größerer Geldbetrag befunter Rebholz im Hotel war, doch leugnet den haben soll, wurde in seiner Wohnung ge= sie auch weiterhin die Mordtat. Die Polizei hat funden. den Namen der Frau noch nicht bekanntgegeben, weil sie dadurch die weitere Untersuchung nicht hemmen will. Es erscheint nicht ausgeschlossen, daß die Frau als 2ock vogel verwendet wurde und daß der Mord von einem Mann, der sich getrennt in das Hotel eingeschlichen haben dürfte, Die Polizei neigt immer mehr der Annahme zu, daß es sich um einen politischendurchgeführt wurde. Tagesneuigkeiten noch Hilfe geleistet werden konnte. Er hatte seinen Tod selbst verschuldet, weil er trotz Verbot die Maschine gepußt hatte, als sie im Gange war. Und noch eine Mammut- Autostraße, aber über Brag. Der tschechoslowakische Touristenklub sekt M 50.000 Zentner Getreide verbrannt sich dafür ein, daß der internationalen Autostraße, die vom Westen nach Osten durch Europa Greifswald. Der fünfstöckige etwa 60 Meter führt,( wir haben gestern über dieses Projekt be lange und 25 Meter hohe mit Getreide gefüllte richtet) eine andere internationale Speicher des Landwirtschaftlichen Ein- und Ver- Straße angeschlossen werde, die vom Nor kaufsvereines zu Greifswald geriet in der Nacht den nach Süden führen und die in Afrika auf Dienstag aus unbekannter Ursache in Brand. ihre Fortsetzung bis Kapstadt finden würde. Diese Der mächtige Getreidespeicher, der zu den bau- internationale Straße soll von Standina lichen Sehenswürdigkeiten Greifswalds gehörte, vien über Berlin, Dresden, Pra g, Wien, ist vernichtet. 50.000 Zentner Getreide wurden Rom und Süditalien führen. ein Raub der Flammen. Bei der Bekämpfung = Wegen ,, politischer Unzuverlässigkeit", beziv. des Brandes wurden mehrere Personen leicht verwegen rassischer Ungeeignetheit" wurden aus dem wundet. deutschen Schriftstellerverband 52 Schriftsteller ausgeschlossen, darunter der bekannte Humorist Kart Ettlinger, der Coupletdichter Karl Röllinghoff, der inzwischen dieser Tage gestorben ist, der ehemalige Staatssekretär Prof. Julius Hirsch, der Inhaber eines juristischen Verlages Dr. Otto Liebmann und der durch Forschungsreisen bekannt gewordene Freiherr Mar v. Oppenheim. At. 212 den.( In den amtlichen Berichten, die die albanische Diktator Long gestorben Regierung seinerzeit ausgab, wurde behauptet, daß es sich um keinen Aufstand, sondern um eine unbedeutende Aktion einiger unzufriedener Gendarmerieoffiziere handle...) der Strecke von Venedig nach Padua stieSieben Todesopfer eines Zugsunglücks. Auf Ben bei Noventana zwei Eisenbahnzüge zusammen. Dem Zugsunglück fielen sieben Menschenleben zum Opfer und 31 Personen wurden verlegt. Versuchsflug Prag- Moskau gelungen. Montag traf in Mostau der Generaldirektor der der an dem ersten Versuchsflug auf der Strecke Est. Staatlichen Aerolinien, Ing. Sto č es, ein, Prag- Moskau teilgenommen hat. Segelfliegerin verunglückt im Motorflugzeng. Die bekannte deutsche Segelfliegerin List Zangenmeister aus Königsberg, die seinerzeit den neuen Weltreford im Segelflug für Frauen aufstellte, iſt nun selbst einem Flugzeugunfall zum Opfer gefalIen. Sie flog als Passagierin eines Propagandaflugzeuges einer Hamburger Firma, das der Flugvon Hirschberg nach zeugführer Enders steuerte, Görlig. Das Flugzeug streifte beim Stausee von Ober- Ullersberg eine Starkstromleitung und stürzte in den See. Die beiden Insassen kamen ums Leben. Baton Rouge. Senator Huey Long ist werden im Monatsdurchschnitt in der Tschechoslowa- bei der fünften Bluttransfusion, welche aber tei übermittelt. Im Vorjahr betrug der Monats- nicht mehr beendet wurde, gestorben. durchschnitt nur 12.000. Die Gebühr für die Einhändigung eines Telegramms auf einem Zierblanfett beträgt 3 Kč: leber 20.000 Telegramme auf Zierblanketten Schön und kalt. Der Zufluß falter Luft aus höheren Breiten gegen unsere Gebiete hört allmäh lich auf. Gleichzeitig breitet sich über das abgekühlte Binnenland ein Drud ho ch aus, dessen Kern nunmehr über Westdeutschland lagert. In Polen und Vater und Schwester im angrenzenden Gebiet der Republik dauert noch Zeugen des Todes eines Fliegers unbeständiges Wetter mit Schauern an. In Chust, wo es regnete, wurden Dienstag nachmittags nur Dieppe. Montag hat sich hier ein ganz beson 9 Grad gemeldet. Sonst betrug die Temperatur in ders tragisches Fliegerunglück ereignet. Ein junger den Niederungen Mitteleuropas meist 14 bis 16 Flieger tam mit seinem Flugzeug nach Dieppe, um Grad. Die Schneefoppe hatte Dienstag früh minus seiner Schwester, die mit einem Dampfer von Eng2 Grad und auch am Nachmittag wurde dort noch land ankommen sollte, entgegenzufliegen. Er 38 Galgen als Sühne für„ keinen Aufstand". leichter Frost verzeichnet. Im Bereich des Druckhochs nahm mit seinem Vater, der mit dem Auto nach In Tirana wurden 23 Personen unter der wird nunmehr in unseren Gegenden eine Besserung Dieppe gekommen war, das Mittagessen ein, stieg Beschuldigung, an dem Aufstand gegen König des Wetters eintreten. Infolge Wärmeausstrahlung wieder auf und flog dem Dampfer entgegen. Als Achmed Zogu in Fieri teilgenommen zu haben, werden jedoch die Nächte sehr kalt verlaufen. er mit seinem Apparat eine Schleife über dem durch den Komitats- Gerichtshof zum Tode Wahrscheinliches Wetter von heute: Vom Westen Dampfer zog, stürzte der Apparat plöglich vor den verurteilt. Zehn Personen wurden zu lebensläng- her Ausheiterung, nachts talt, untertags ein wenig Augen seiner Schwester, die das Flugzeug an Deck lichem Kerfer und zwölf weitere zu 15jährigen wärmer, aber noch immer fühl. Abflauen des Winbeobachtete und angesichts des Vaters, der am Ufer Serterstrafen verurteilt; 50 Personen wurden des. Wetteraussichten für Donnerstag: stand, ins Meer. Der Flieger wurde aus dem Was- freigesprochen. Bereits früher had 15 Personen Im allgemeinen schön, tagsüber wärmer, namentlich ser gefischt und an Bord des Schiffes gebracht, zum Tode verurteilt und hingerichtet wor- im Karpathengebiet nachts noch sehr kühl. wo der Arzt nur mehr den bereits eingetretenen Tod feststellen konnte. Langgesuchter Betrüger verhaftet Karlsbad. Vor einigen Tagen wurde in Aich ein Mann verhaftet, der sich als akademischer MaTer Franz Stojan ausgab. Er hatte einer Frau unter Vorspiegelung von Heiratsabsichten über 20.000 Kč herausgelockt. Wie sich nunmehr herausstellte, handelt es sich um den 1900 in Rehau ( Bayern) geborenen Franz Germain, der von verschiedenen Gerichten und Sicherheitsbehörden des Inlandes gesucht wird. Der Betrüger wurde dem Gericht überstellt. Ein Henlein- Nazi diskutiert. Ein Leser schreibt uns: Kürzlich habe ich mit einem Henleinmann diskutiert, der sich offen als N a 3 i bekannte. Ich fagte ihm: Der Nationalsozialismus ist der Rückfall in eine tiefere Kulturstufe. Der Führergedante ist nichts anderes als die ,, erhabene" VorStellung, daß das Bolt eine Schafherde sei, die eines Leithammels bedürfe. Die Nazi, die früher gegen die angebliche Gleichmacherei der Marristen schrieben und sprachen, haben mit grausamer Gewalt die ödeste Gleichschaltung durchgeführt, die man sich vorstellen fann."" Die Gleichschaltung ist die Herstellung einer einheitlichen Volts= gemeinschaft", sagte der Henleinnazi darauf. Ich lachte. Das ärgerte den Nazi." Ja", sagte er, aber daß es den deutschen Arbeitern wirtschaftlich besser geht als unseren, das können Sie doch nicht leugnen." ,, Nein", sagte ich ,,, das leugne ich nicht. Aber das ist nicht das Verdienst der Nazi! Das war auch schon vor dem Nazifascismus so! Im Gegenteil: Die Lebenshaltung der deutschen Arbeiter war vor dem Machtantritt des Fascismus bedeutend höher als heute! Und wenn Sie", fuhr ich fort, ,, Ihre politischen Ueberzeugungen von der Lohnhöhe abhängig machen, dann müßten Sie De mo= frat sein."„ Wieso", fragte er erstaunt. ,, Weil die Löhne im demokratischen Eng= Yand oder im demokratischen Schweden oder Dänemark bedeutend höher sind als in Deutschland! Die englischen Gewerkschaften haben erst in letter Zeit in einer Denkschrift festgestellt, daß das Einkommen der englischen Arbeit 3Yosen so hoch ist, wie das Ein= kommen der beschäftigten Arbeiter in Deutschland! Sie sehen", sagte ich ,,, daß Sie ein logisches Durchdenken Ihrer eigenen Argumente zum Demokraten machen müßte." Er schwieg. Wird er darüber nachdenken? Von der Maschine zerquetscht. In der Stickstoffabrit in Mähr.- Ostrau- Marienberg wurde Dienstag morgens bei Reinigung einer Maschine der 29jährige Arbeiter Ulrich Gauglio in den Schüttrichter hineingerissen und an den Rand einer Trommel gequetscht, wobei ihm das Rückgrat gebrochen wurde und er tot war, ehe ihm Schweres Autounglück in Brünn Zwei Tote und ein Schwerverletzter Gestern früh ereignete sich in der Zeile in 1 Brünn ein schiverer Autounfall, dem zivei Menschenleben zum Opfer fielen. Nach 8 1hr früh fubren zwei schivere Lastautos in der Zeile in der Richtung gegen Obrowiß. Der Chauffeur des mit Sand beladenen Autos, der achtunddreißigjährige Johann Hr om et aus Romein, wollte dem anderen Auto vorfahren, schaltete eine große Geschwindigkeit ein und plötzlich bemerkte er, daß das Vorfahren nicht möglich war, da die Fahrbahn durch ein an der Ecke Beile- Färbergasse stehendes drittes Auto verstellt war. Um einen Zusammenstoß zu vermeiden, riz Hromet seinen Wagen scharf nach rechts und wollte in die Färbergasse einbiegen. Es gelang ihm aber nicht mehr, den Wagen zu beherrschen, und dieser fuhr gegen das Eckhaus, prallte von dort zurück, überquerte die Färbergasse und blieb vor dem gegenüberliegenden Trottoir stehen. Färbergasse im selben Augenblick drei Personen, Unglücklicherweise standen an der Ecke Zeileund zwar der Chauffeur des dort stehenden Autos Jaroslaus Ha vlas, die fünfzigjährige Schuldienerin Anna Ziat und eine bisher noch nicht agnostizierte jüngere Frau. preßt und furchtbar verstümmelt. Havlas erlitt einen Schädelbruch, Hiebwunden und Verletzungen an beiden Beinen, sein Zustand ist sehr ernst. Die eine der beiden Frauen war auf der Stelle tot, die andere starb unmittelbar nach dem Unglück. Hablas wurde von der freiwilligen Rettungsgesellschaft ins Arbeiterunfallspital gebracht, wo sich noch ein vierter Verlebter, Josef Pele, meldete, dessen Verletzungen aber glücklicherweise leicht sind, so daß er in häusliche Pflege übergeben verden konnte. Die Identität der einen Toten konnte erst am Nachmittag festgestellt werden, während der Name des zweiten Opfers bisher noch unbekannt ist. Die beiden Frauen wurden nämlich bis zur Un fenntlichteit entstellt und da sie keine Dofumente bei sich hatten, war eine sofortige Sicherstellung nicht möglich. Nach der dritten Bluttransfusion hatte Long zu phantasieren begonnen. Im Fieber sprach er über ein Buch, das er schreiben werde, und das den Titel„ Mein erstes Jahr im Wei fen Haus e" führen werde. Roosevelts bester Wahlhelfer Der Tod Huey Longs, dessen Einfluß zur Wahl Roosevelts zum Präsidenten in hohem Maße beigetragen hat, wird in sehr gut infor mierten Washingtoner Kreisen als ein sehr ernstes Hindernis für die Wiederwahl Roosebelts zum Präsidenten im Jahre 1936 angesehen und man ist der Ansicht, daß die ungeheuere politische Maschinerie, die Long geschaffen hat, mit seinem Abgang zerfallen wird. Kommunistische Zellen Klagenfurt. In Bleiberg bei Villach haben kommunistische Parteigänger eine Zellenbildung bersucht, der die Polizei auf die Spur gekommen ist. Es wurden insgesamt 56 Personen verhaftet und dem Landesgericht in Klagenfurt eingeliefert. Anläßlich von Haussuchungen in Wien wurden bei Kommunisten zwei Maschinengewehre und eine größere Anzahl von Militärgewehren famt Munition gefunden. Auch hier nahm die Po lizei mehrere Verhaftungen vor. Hartnäckiger Widerstand ( J. T. F.) Die Mussolini nahestehende Monatsschrift„ Gerarchia" muß im Mai- Heft 1935) feststellen:„ Die Massen stehen der( fascistischen) Gewerkschaft noch immer fremd gegen über, sie beteiligen sich an ihrem Leben nicht. Es besteht da ein Mißtrauen, das vielleicht weit zurückliegende Ursachen hat, aber heute dank der Arbeit der( fascistischen) Partei nicht mehr bestehen dürfte." Die gewerkschaftlichen Verbände wurden zerschlagen, seit neun Jahren wird jedem Arbeiter ein Zwangsbeitrag für die fascistischen Orga nisationen abgezogen, aber nach wie vor stehen nisationen fremd gegenüber! die italienischen Arbeiter den fascistischen Orga In Kürze Auf Grund der bisherigen polizeilichen Fest- Gibraltar. Das englische Kriegsschiff„ B a hstellungen scheint der Chauffeur Hromet, der über- ram" ist vom britischen Kriegshafen Plymouth mäßig rasch fuhr und schon einige Male in der hier eingetroffen und gleich Samstag früh nach Reile den Versuch gemacht hatte, dem anderen Malta weiter abgegangen. Da die„ Bahram Wagen vorzufahren, an an dem Unglück schuld zu entsprechend den ursprünglichen Dispositionen Die drei Personen wurden von dem Auto sein. Ueberdies sollen die Bremsen des Wagens etwa einen Monat in Gibraltar verbleiben sollte. erfaßt, die beiden Frauen an die Mauer ge-| nicht in Ordnung gewesen sein und versagt haben. nimmt man an, daß sie plöblich den Befehl er hielt, sofort zur Weiterfahrt nach Malta Anfer zu lichten. Ein Fest abessinischer Krieger die neben ihren alten Rundschildern moderne Gewehre tragen. Die mitgeführten Fahnen sind italienische, die im Jahre 1896 in der berühmten Schlacht von Adua erobert wurden. b 6 t b die b Baris. Der bekannte holländische Flugzeug Konstrukteur Foffer wird in Washington vom Vor sitzenden der Senatskommission zur Untersuchung der Rüstungen, Senator Myo verhört. Guatemala. Fünf Kommunisten, die wegen Hochberrates zum Tode verurteilt worden waren. find am Samstag im Zuchthaus hingerichtet worden. Vom Rundfunk Empfehlenswertes aus den Programmen: Donnerstag: Brag, Sender 2: 10.05: Deutsche Presse, 11: Salonorchesterkonzert, 12.05: Schallplatten: Mozart 16.30: Blaskonzert, 18.20: Deutsche Sendung: Sportvorschau, 18.25: Landwirtschaft, 19: Deutsche Presse, 19.25: Buntes Programm, 20.25: Lieder fonzert, 20.50: Orchesterkonzert, 21.50: Streich quartett, 22.40: Tanzmusik. Sender S: 7.30: Leichte Musit, 14.15: Deutsche Sendung: Grüße aus der Ferne, bunte Hörfolge, 19.30: Uebertragung aus dem Nationaltheater: Das Märchen vom Zaren Saltan. Brünn 13.35: Deutscher Arbeitsmarkt, 17.40: Deutscher Arbeiterfunt: Heinze: Eine Frau besteigt den Mont Blanc. Mährisch- Ostrau 18.20: Deutsche Sendung: Liederkonzert. Presburg 15: Orchesterkonzert, 18: ungarische Lieder, g CT fu b S e m g m Nr. 212 Mittwoch, 11. September 1935 Seite 5 Biber und IDühlralten... so möchte ich die größeren und Heineren Naziblätter bei uns nennen, die, bezahlt oder unbezahlt, im Dienste Hitlers stehen, und die die Borteile, die ihnen unser demokratisches Pressegesetz bietet, ausnutzen, um, verblümt oder unverblümt, seine Geschäfte in unserer Republik zu besorgen. Die Biber unterhöhlen den Boden des Staates, zernagen die demokratischrepublikanischen Grundpfähle, auf denen unsere Regierung so sicher zu stehen vermeint, werfen Dämme auf gegen die nationale Verständigung, und bilden heute schon einen Staat im Staate, besten Flagge noch verhüllt ist, auf deren Enthüllung aber hunderttausende unserer Nazi ungeduldig warten! Die Wühlratten arbeiten den Bibern vor: sie wühlen und lockern die heimatliche Erde auf, nagen an den Wurzeln und will das Korn nicht wachsen und gedeihen, so ist unsere Regierung schuld daran, im Verein natürlich mit Marxisten, Juden und— den Radfahrern! Hingegen Deutschland! Dort hängt jetzt in jeder Arbeiterstube statt der alten Petroleumlampe eine Speckseite über dem Eßtisch, von der sich jedes seinen Fetzen nach Belieben heruntersäbeln kann! Arbeitslose gibtS dort überhaupt nicht: waS nicht in der Rüstungsindustrie beschäftigt ist, ist beim Bau deS LustschiffahrtS-Ministe- riums in einer der drei Schichten, und der Rest ist teils im ArbeitS-, teils im Konzentrationslager versorgt, wo'S so wenig zu arbeiten gibt, daß fie dort die viele überflüssige Zeit mit Exerzieren und Singen ausfüllen müssen!— S o hört's der Sudetendeutsche täglich und stündlich im reichsdeutschen Sender und so liest er'S jeden Morgen beim Frühstück in seinem Naziblatt! War waren früher die kleinen Blättchen in der Provinz für harmlose Mäuschen! Wie freute ich mich z. B„ wenn ich in so einer freundlichen Gaststube den„Graden Michel" am Nagel hängen sah! Aber das war nicht mehr das liebe Mäuschen mit dem sammetweichen Fellchen, den klugen Kugelaugen und den rosa Pfötchen, das ich da in der winzigen Biersmbe in Altwartenberg in der Hand hielt, das war eine richtige Wühlratte, mit struppigem Fell, mit den tückischen Rattenaugen und den giftigen Krallen! Das ganze Biest eine Giftblase, jedes Wort ein Giftbolzen! Wie das Keine Vieh nur so viel Gift von sich geben konnte? Die Naziratte übernazt sogar die Nazibiber! Sie arbeiten ihr nicht fleißig genug! Wirst sie doch der„Reichenberger Zeitung" vor, sie(die „Reichenberger Zeitung") hätte„ihr rotes Herz" entdeckt! Nun wissen wir'S: die Reichenberger Zeitung ist nicht nur kein Naziblatt sondern ein Konkurrenzblatt deS Prager„Sozialdemokrat" und des Karlsbader„Bottswillen"— also ein richtiges Marxistenblatt— und das auS der wahrheitsgemäßen Feststellung heraus, daß die Zahl der„Roten" beim Reichenberger Treffen 10.000 betragen hat, während der„Grade Michel" nur 2800 gezählt hat!— Ja, eS ist nicht leicht, zween Herren gleichzeitig zu dienen: Hitlern und der Wahrheit! Wie lausig unsere wirtschaftlichen Verhältnisse sind, lernt der Sudetendeutsch« erst begreifen, wenn ihm der«gloriose Aufstieg" des Dritten Reiches in der richtigen Beleuchtung Kleiner Ma«« im Urlaub i. Wenn man sich keine Alpen» oder Italienreise leisten kann, und auch beim Brand der Berliner Funkausstellung nicht dabei ist, jedoch vierzehn Tage Urlaub hat— übrigens Urlaub: wer denkt denn eigentlich bei diesem herrlichen Wort daran, daß der Urlaub eine Errungenschaft der freien Gewerkschaften und unserer Partei ist! — dann bleibt man eben im Lande und trägt sein« paar Kronen nicht in fascistische Länder. Und wenn man dann so zwei Wochen wandert, die Augen richtig aufmacht und die Ohren spitzt, bringt man nicht nur die Anzahl der zurückgelegten Kilometer heim, sondern einige oft ganz wertvolle Beobachtungen. Im Vorjahr lernt« ich so das Erzgebirge, seine Menschen und seine Not gut kennen, besser als es wir Hauptstädtwenschen durch die langatmigsten Aufrufe begreifen; heuer ging die Wanderung durchs Elbesandsteingebirge(Eiland—Dittersbach) und dann weiter bis zum Jefchken. Die weltberühmten Naturschönheiten, man ist verlockt, fast von Naturwundern zu sprechen, brauch ich nicht zu schildern. Wer noch nicht in den„Tyffaer Wänden", am„Prebischtor", am ,Herrnhau»felsen" war, wer noch nicht durch die„Ferdinands-, Wilde« und Edmundsflamm" gefahren ist, den kann auch die weitschweifigste Erzählung nur ahnen lassen, wie einzigartig schön unsere H e i m a t i st. Ich habe jedoch einige soziale, gesellschaftliche Beobachtungen im UrlaubStage- buch festgehalten, die geeignet sind, zur weitesten Kenntnisnahme. Der gute Gendarm Im Grenzort L ging ich einen Gendarm um eine Auskunft an. Er gab sie mir bereitwilligst in meiner Muttersprache, da er bemerkt hatte, daß meine tschechischen Sprachkenntnisse doch nicht ganz einwandfrei sind. Darm deutete er noch auf meine Freiheitspfeile und sagte: „Wenn Sie über die Grenze gehen, nehmen Sie das Abzeichen weg, sonst haben Sie drüben Unannehmlichkeiten!" Ich bedankte mich für seine Bestialischer Mord an der schwangeren Geliebten Böhmisch-BudweiS. Dienstag nachts verhaftete die Gendarmerie in der Gemeinde Koste- lec in Südböhmen, unweit Hlubokä, den 21 jährigen Knecht FrantiSek T u s l, der vor zwei Tagen auf besttalische Art das 88jährige Dienstmädchen Anna I o f o v ä ermordet hatte. Die Josovä wurde vergangenen Sonntag abends auf dem Gutshof des Josef Pudil, bei dem sie im Dienst stand, im Stall tot aufgefunden. Die Hausleute dachten, daß die Magd wahrscheinlich durch den Huf eines Haustieres in den Kopf getroffen wurde, wobei fie gegen den Steintrog fiel und so den Tod erlitt. Es wurden auch schon Vorbereitungen für ihr Begräbnis getroffen. Montag morgens erführ die Gendarmerie von dem Vorfall und ging sofort daran, die Sache zu untersuchen. Auf Grund der Untersuchung der Gendarmerie wurde aber Tusl verhaftet. Er leugnete anfangs; erst des nachts gestand er beim Kreuzverhör den Mord ein. Er hatte mit Anna Josovä mehrere Monate hindurch eine Bekannt- schaft gehabt, die er eines jüngeren Mädchens wegen löste. Die Josovä, die schwänget war, machte ihm deshalb Sonntag im StalleVorwürfe. Es kam zu eurem Streit und zu einem Handgemenge, wobei Tusl, wie er selbst aussagt, die Josovä würgte und sie, nachdem sie das Bewußtsein verloren hatte, folange mit dem Kopf an den Steintrog aufschlug, bis sie zu atmen aufhörte. Er verließ sodann den Stall und meldete nach geraumer Zeit auf dem Gute, er hätte die Josovä im Stalle tot aufgefunden. Zu seiner„Entschuldigung" führte Tusl an, er habe nicht gewollt, „daß sein Kind eine so alte Mutter habe". Nach dem Verhör frug er die Gendarmen, oh er gehängt werden würde oder was für eine Kerkerdauer ihn erwarte. gezeigt wird! Also denkt euch mal, ihr lieben Leser des„Graden Michel": wenn ihr auch keine Ahnung habt, wo drüben Mecklenburg liegt und wo in Mecklenburg die Stadt Rostock liegt— diese Stadt hat vor zehn Jahren 40.000 Einwohner gezählt und hat heute, unter Hitler!— über 70.000! Das haben wir wieder mit Hitler zu verdanken, der die Gebenedeite beschattet hat! Ein Kraftstück, da» der Jude Salomo mit seinen tausend Frauen nicht fertig gebracht hätte— der Junggeselle Hitler aber hat's geschafft! Und dieser Hymnus schließt mit Worten so voller Glut, daß eS nicht Wunder nehmen darf, wenn sich der„Grade Michel" so krumm gebogen hat.wie das gekrümmte Hakenkreuz des„Deutschen Turn- verbandS" auf den blauen Badehosen unserer hier badenden Raqi-Jugendl Der»Krumme Michel" fchmettert sein„PreiSlied" in» lauschende Publikum: „Die deutschen Menschen leben mit neuem Bewußtsein!" „Die. deutschen Städte wachsen mit neuem Bewußtsein!" „Deutschland lebt mit neuem Bewußtsein!" Bewußt—los sind nur die paar Millidnen Deutscher: Marxisten, Juden, gläubige Katholiken mit ihren eingekerkerten Priestern und in» Zuchthaus geworfenen Schwestern, die die Kirchengelder vor dem Zugriff der herrschenden Gangster retten wollten, die Evangelischen, die sich noch immer nicht Hitler als Christus aufdrängen lassen, die auf's Pflaster geworfenen SÄ- Mänmr,.. die aufgelösten Kampfverbände, der Stahlhelm, die einst so dominierenden Korpsstudenten, die Pensionäre' der Konzentrationslager, dir Tausende Gefolterter und Gemordeter sie alle sind sich der Herrlichkeit de» Dritten Reiches nicht bewußt— bloß der .KrummeMichel" in Reichenberg lebt im neuen Bewußtsein, das der englische Minister eine Schande der Menschheit genannt hat! Und da sage einer, die SpecieS„Dummer Michel" sei auSgestorben I U n u S. Der weinende Knabe Von Richard Rax. Leichter Nebel liegt über der verwüsteten Landschaft, deren Boden westwärts gleichmäßig bedeckt ist von Unkraut, daS schon angefangen hat zu vergilben. Am Kanal, in dichtem Gebüsch und unter alten Weiden, stehen österreichische schwere Batterien. Hier göbt es noch Bäume, denn der Raum liegt kilometerweit hinter der berühmten Siegfriedstellung, die der Feind vor Wochen durchstoßen hat, wenn auch der deutsche Heeresbericht es nicht wahr haben mochte. Dieser Septembertag an der Frönt von Cambrai ist auffallend und bedrückend ruhig. Nur auf die Kuppe knapp nördlich von Arleux, die ein unbesetzes Erdwerk krönt, jaulen in gleichen Zeitabständen Granaten aus englischen Mörsern nieder» Platzen mit ohrenbetäubendem Krachen und sprengen die lehmige Erde haushoch gegen den Himmel. Zackige Sprengstücke aller Größen fauchen und zwitschern weithin über das unbelebte Gefilde. Die Ruhe des Tages benützt der deutsche Artilleriemajor dazu» nach aufregenden, keine freie Minute gönnenden Wochen seine der österreichischen Gruppe zugeteilte leichte Batterie zu besichtigen, die noch vorwärts des Kanals in einer flachen Mulde schon inmitten der Wüste steht. NntevwegS hält der Major einen Vortrag über den Zustand der österreichischen Batterien mit ruthenischer Mannschaft, deren Mäntel und Stiefel in Fetzen sind, deren Gruß nur wenig an das Reglement erinnert. Die artilleristische Leistung erkennt er an, die soldatische Haltung aber sei schon sehr schlapp.—„Man sieht bei ihnen zu Wenig auf äußere Strammheit." Mittlerweile ist die Mulde erreicht, in der eine schwache Radspur die Richtung zur deutschen Batterie Weist. Die ist gut getarnt gegen die feindlichen Flugzeuge und gegen die Beobachter der Fesselballons. Noch auf fünfzig Meter Entfernung kann nur der Erfahrene in dem unregel- WeißeJZohne machmi jedes Antlitz ansprechend und schön. Zur Erlangung schöner weißer Zähne putze man früh und abends die Zähne mit der herrlich erfrischend schmeckenden Chlorodont-Zchn- paste. Schon nach kurzem Gebrauch erhalten die Zähne einen wundervollen Elfenbeinglanz. Tube Kc 4—. mäßigen Haufen aus gelblichem Unkraut und gleichgefärbten Zeltbahnen die vier Feldgeschütze erkennen. Aus dem trostlosen Haufen in der trostlosen Einöde, in der die Granaten von Arleux her die schleichenden Minuten schlagen, fährt ein Mann hoch und meldet sich mft aller preußischer Strammheit als Wachtposten der Batterie. Aber all die äußere soldatische Strammheit, die gute Haltung und tadellose Montur kann nicht verbergen, daß dieser Posten kein rauher Krieger ist, sondern ein blasser Knabe. Der bricht, als der Major im üblichen Tone wider die Meldung straff schnarrt:„Ist gut, mein Sohn!" in Weinen aus; Der Knabe steht stramm, doch große Tränen rollen und Schluchzen bedroht seine Haltung. Die überraschende Unterbrechung seiner bedrückenden Einsamkeit— die Kameraden sitzen geborgen metertief unter der Erde— der Ausdruck„ist gut" in die ringsum herrschende äußerste Trostlosigkeit fallend, das güfige Wort„mein Sohn", das an die Mutter erinnern mochte, in deren Pflege der Siebzehnjährige noch gehört, während er sich m den Mittelpunkt alles Grauen» gestellt empfindet, haben mit einem Schlag jede eingedrillt« Hemmung überwunden. Der Major empfahl sich eilends und schritt querfeldein nach rückwärts. Ihm mag, zumal er wiffen mußte, daß das Ende nahte, selbst nach Weinen zumute gewesen sein, da sein strammer Posten sich in einen weinenden Knaben verwandelte. Denn Zehntausende solcher Knaben standen damals in der Front zwischen dem Meere und Verdun, über die in jenen Wochen die Hölle brauste, aus der auch der Ueberlebenden viele nicht mehr den Heimweg fanden. Gewinne der Spiritusbrennereien K8 2.49 pro Liter Im„Prävo Lidu" veröffentlicht Jng. O. Kovakik einen Artikel, in welchem er eine Reihe von Beispielen für die Gewinne der Spiritusbrennereien anführt: Brennerei A: Kontingent 18.000! Hektoliter, ausgewiesener Gewinn in der Kampagne 33/34 1,834.739 KC, 32/33 934.920 Kä, Gewinn pro Liter Spiritus 33/34 84 Heller, 32/33 81 Heller,— Spiritusbrennerei B: Kontingent 13.500 Hektoliter, Gewinne..33/34 Kc 593.S02, 32/38 420.407 Kü, Gewinn pro Liter, 38/34 44 Heller, 32/33 31 Heller,— Brennerei C: Kontingent 17.800 Hektolfter, Gewinn 1938 1,062.099 Kö, pro Liter 98 Heller» Brennerei D: Kontingent 8000 Hektoliter, Gewinn 83/34 1,993.648 Kö, 82/33 1,570.88« Kö Gewinn pro Liter 33/34 Kö 2.49, 32/33 KC 1.96. Man sieht, es gibt noch Leute, denen es in der Krise nicht so schlecht geht! Aufmerksamkeit und gab ihm bekannt, daß ich die Sitten und Gebräuche im Dritten Reiche wohl kenne, aber gar keine Sehnsucht habe, unseren demokratischen Boden mit den von kostbarem Proletenblut getränkten neudeutschen Boden zu verwechseln. ES ist nicht dasselbe, wenn... Die Sache mit den Plakattafeln fiel mir ball' auf. Wir in P. bemerken an unseren Pla- katierungSwänden und-Säulen gar nicht mehr, daß im Mai d. I. ein Wahllampf tobte. Anders ist eS im deutschen Randgebiet unserer Republik. Da lleben noch an manchen Plakattafeln in vielen Orten Wahlplakate. Eigenartig daran ist,— man sieht fast nur noch Plakate der SHF, Plakate deS neuesten Weltreisenden, Herrn Henlein. Wir wiffen aber sehr gut, daß unsere Partei überall plakatieren ließ, und richtig, wenn man so eine Plakatsäule näher betrachtet, sicht auch da und dort noch ein Zipfelchen unserer Wahlplakate hervor. Doch in der Hauptfache sind fast überall unsere Plakate ganz mit neuen Kundmachungen überklebt. Man kann sich dazu allerlei Gedanken machen.— Freude hat man jedoch, wenn man sicht, daß an vielen, fast unzu- g ä n g l i ch e n F e l s e n weitinSLand die FreiheitSpfeile leuchten. Unsere Naturfreunde müssen eine gute Klctterfektion in der Böhm.- Sachs. Schweiz haben. Di« Natur alt Geschichtsbuch Es müssen nicht immer Ruinen sein, die un» erinnern, daß Despotenmacht vergänglich ist. Manche Bezeichnung erinnert unv an frühere Zeiten und Zustände und läßt uns Vergleiche ziehen mit der Gegenwart. An die sogenannte»Hute alte Zeit" mahnt z. B. der„Trommelstein" in der Nähe von Dittersbach, eine hochgelegene Felsenplatte, von der aus man einen weiten Rundblick ins Land hat. Von diesem Stein erging noch vor hundert Jahren der Trommelruf an die Bauern, ihre Arbeit sofort liegen zu lassen und zum Robottdienst bei der Herrschaft anzutreten. Da nützte kein Murren und Fäusteballen; Männern, Frauen und Kindern galt der Trommelwirbel.— Der Mensch, ganz gleich, ob Greis oder Kind, war SNave. Die Trommel rief zum Sklavendienst.— Hundert Jahre später rufen SHF- Plakate mit einem Trommler zum„Rordböhm. Bollstag" in Haida. Der Trommler hat natürlich ein braune» Hemd an. Vor hundert Jahren rief jedenfalls der Trommler zum Sklavendienst.— Wenn ich diese fleine historische Notiz von Dittersbach niederfchreibe, muß ich doch auch noch von der größten Sehenswürdigkeit dieses Ortes berichten, da» zwar kein Werk der Natur, aber dafür ein Werk guter Menschen i st: das Kinderheim in Dittersbach, Eigentum der Bezirksvrrwaltung Tetschen, geschaffen auf Initiative unserer Partei. Kinderheim! Das Wort klingt so einfach. Wer aber da» Kinderheim in Dittersbach gesehen hat, wird mir zustimmen, daß es wie ein Märchenschloß am Waldesrand anzuschauen ist. Wenn doch alle Arbeiter und vor allem viele Frauen dieses grandiose Heim sehen könnten, ich glaube, all« Männer und vor allem diese Frauen würden bei der nächsten Wahl vorsichtiger bei der Abgabe ihres Stimmzettels sein. Nur eine Partei der Arbeiterschaft, nur eine Partei, die klar und deutlich erklärt, bloß die Jntereflen der Werttätigen in Stadt und Laich zu vertreten, nicht aber eine Parei, in der Mieter und Hausherr, Großgrundbesitzer und Meierhofsarbeiter,. Fabrikant und Prolet zu einer sehr zweifelhaften„Bottsgemeinschaft" zusammengedrängt sind, schafft solche herrliche Bauten für die Kinder des Bottes, wie es das Kinderheim in Dittersbach ist. Diese Partei der Arbeiterschaft, unsere Partei, trommelt nicht und spricht vielleicht auch zu wenig von ihren Taten; ein Fehler» der aber beseitigt werden kann, wenn sich alle, die Mitglied, Mitkämpfer in dieser jetzt fo vom Gegner gehaßten Partei sind, al» unermüdliche Werber und gute Propagandisten betäti- gen. von unseren Taten, unseren Erfolgen überall reden. Reich-deutsche Propaganda-Methoden Eine Nächtigung in den verschiedenen Baude n und Jugendherbergen kann auch guter politischer Anschauungsunterricht sein. E» grüßen sich da nicht nur Jungen deS Deutschen TurnverbandeS, wenn sie sich unbeobachtet glauben, stramm mit„Heil Hitler" und erklären, zur Rede gestellt, es wäre„Heil Henlein" gewesen und übrigens wäre in L e i t m e r i tz ein Angeklagter freigesprochen worden, trotzdem er „Heil Hitler" gegrüßt hätte; es ziert dieser Gruß samt dazugehörigem Hakenkreuz nicht nur die mehr oder weniger sauberen und unangenehm riechenden Aborte, eS verraten da auch die Gästebücher dieser Jugendherbergen und Bauden, w i e reichsdeutsche Propaganda gemacht wird. Eine solche Eintragung beginnt z. B. so: „Wenn ich, als Reichsdeutscher, zu den Sudetendeutschen nach Rordböhmen komme, ist es mir, als fände ich einen kranken Bruder." Und dann wird der„Krankheitszustand" festgestellt, das„Rezept" verschrieben und die„Medizin"' verordnet:„... Also, Sudetendeutschland, deine erste und heiligste Aufgabe kennst du..."—„Erst die große Einheit und Einigkett, dann das Parteiintereffe, und dein Körper, Sudetendeutschland, dein jetzt so schwacher Körper wird gesund."—„... dann können wir Reichsdeutschen wieder zu unserem gesunden Bruder kommen..." Nach einem „trommelnden" Schlußsatz, wobei auch das bekannte Tellzitat von der Einigkeit mißbraucht wird, schließt die Epistel ganz auffallend bescheiden mit„Ein Reichsdeutscher". Er hat aber schon feine gebührende Antwort bekommen; fünf Seiten weiter findet jeder Leser dieses Gästebuches folgende Zeilen: Jenem Reichsdeutschen! „Die Freiheit wächst auch aus Gräbern, bis sie die Sargdeckel sprengt. Das sollten auch ihre Totengräber nicht vergessen." (Ludwig Börne.) Die Führergemeinschaft der sudetendeuffchen sozialistischen Jugend im Namen ihrer Kameraden in den Kerkern und Konzentrationslagern der„geeinigten" Natton. Nun folgen über ein Dutzend Unterschriften bekannter führender SJ-Genoffen. D e r A n- griff ist gut pariert—der Hieb sitzt! Damit ist vorläufig dieser Fall erledigt. Da zufällig die Adreffe des Wanderers aus dem Reich bekannt wurde, ist es nicht ausgeschlossen, 'daß per Post noch mehr für seine polittsche Aufklärung getan wird. Seite 6 Prager Zeitung Sozialdemokrat Im Senatsgebäude verschüttet. Als gestern Marseillaise und die Internationale erflangen, es nachmittags etwa um 43 Uhr vier Arbeiter im war interessant, noch einmal den Empfang zu sehen, Keller des Senatsgebäudes an einem Umbau arbei- den Stalin unserem Außenminister Dr. Beneš beteten, löste sich das alte Deckengewölbe im Ausmaß reitete, und überwältigend dann die Bilder von bon 5X7.5 Meter beim Abfragen des Mörtels und der Moskauer Maifeier: die große Parade und das verschüttete die vier. Es handelt sich um den 21jäh- Volksfest, in dem sich europäische und asiatische Menrigen Bohumil Šedivý aus Prag XIV., den schen vereinen. Ein rührendes und ehrfurchtgebie47jährigen Václav Novotný aus Nehvizd, den tendes Bild, wenn die greisen Europäer Marim 49jährigen Thomas Chvalovský aus Bižkov Gorfi und Romain Rolland in der Atmosphäre dieund den 39jährigen Theodor Kravciv aus Prag- ses jungen Landes wandeln, dessen Jugend für die Weinberge. Sämtliche Verunglückten wurden auf Eroberung der Luft entflammt ist und ihren Ueberdie Klinik Schloffer gebracht, wo die ersten drei, die schwang in der Kühnheit der Fallschirmabsprünge ernstere Verletzungen erlitten haben, in Pflege be- fundtut. Ein wahrer Taumel der Flugbegeisterung Tassen wurden. Die Firma trifft feine Schuld am scheint zu herrschen, der freilich von ernsten GedanUnfall. Das zuständige Verfahren wurde eingeleitet. fen an fommende Gefahr beherrscht ist.-eis Vom Pferdefuhrwerk überfahren. Gestern vormittags fuhr der 35jährige Bauer Václav Krejčík aus Hájek bei Ričan mit seinem leeren Fuhrwerk über den Wolschaner Plazz in Žižkov, als die 60jährige Private Marie Novotná aus Žižkov ihm in den Weg lief und so heftig gegen das Rad des Fuhrwerks stieß, daß sie auf dem Pflaster liegen blieb. Da sie stark blutete, wurde sie von der Rettungsstation auf die Klinik Schloffer gebracht, wo eine Rißwunde am Kopf und ein Bruch des linken Wangenknochens festgestellt wurde. Außerdem hat die Novotná zahlreiche Hautabschürfungen erlitten. Gestohlene Staatsbaulose. In Prag- Dejwiz wurden in der Nacht auf gestern aus einer Losver faufsstelle zwei ganze Staatsbaulose, und zwar Nr. 363 der Serie 3773 und Nr. 172 der Serie 3826 gestohlen. Nach den Tätern wird noch geforscht. Vor Ankauf wird gewarnt. Ziegel auf den Kopf gefallen. Dem 30jährigen Schneider Jan Daniel aus Prag XII, fiel Montag bormittags, als er durch die Fochstraße ging, vor dem Hause Nr. 11, an dem Reparaturen durchgeführt werden, ein Ziegelstein auf den Kopf. Da DaDie Staatsbahndirektion in Prag veranstaltet nachfolgende Erkursionen: 15. September bis 6. Oftober: Karlsbad, 1120 Kč; 15. September: Zum Goldenen Sturzhelm nach Pardubiz, 44 Kč; 21. bis 29. September: Hohe Tatra, 555 Kč; 28. bis 29. September: Böhmisch- Sächsische Schweiz, 120 Kč; 27. bis 29. September: Adlergebirge, 150 Kč; 28. bis 29. September: Valtice- Lednice, MasarykRing, 215 Kč; 31. Oftober bis 3. November: 3lin, 230 Kč. Anmeldungen nimmt mit Angabe das Referat der Ausflugszüge im Basar neben dem Wilsonbahnhof, Telephon 383-35, entgegen. Sozialistische Jugend, Kreis Prag Wir beginnen unsere neue Arbeit mit dem S Herbst- Appell Elisabeth Bergner Elektalitm in dem englischen Film Du meine Einzige" Mittwoch, den 11. September, um 20 Uhr im Kleinen Handivertersaal in Prag II., Smečky. Pflichtbeteiligung. Erscheint Zum Serienbeginn der Atusfußballer alle pünktlich, im blauen Hemd. Die Kreisleitung. Sport- Spiel- Körperpflege Der Frauenausschuß der SASI 61.5: 35.5 Mittw. 11. September 1935. Nr. 212 Schweden im Kampf gegen die Arbeitslosigkeit Die Erfolge der sozialdemokratischen Regierung ( J.J.) Zum Abschluß des dritten Jahres des Bestehens der sozialdemokratischen Regierung in Schiveden stellte der Sozialminister Gustab Möller in einem Gesamtüberblick die außerors dentlichen Resultate des Kampfes der Regierung gegen die Arbeitslosigkeit dar. Er wies darauf hin, daß bald nach dem Regierungsantritt der Sozialdemokraten, im Jänner 1933 die Arbeitslosigkeit in Schweden den höchsten jemals erreich ten Stand zu verzeichnen hatte. Zweieinhalb Jahre später beträgt die Arbeitslosigkeit zirka nur mehr 43.000, ein Viertel des damaligen Höchststandes. Von diesen 43.000 find überdies nur 13.000 tatsächlich ohne jede Beschäftigung, der Rest ist in öffentlichen Arbeiten verschiedener Art beschäftigt. Möllner erklärte dennoch, daß er mit diesem Resultat nicht voll zufrieden sein kann, obwohl es besser sei, als das irgend eines anderen Landes der Welt. ,, Wir halten es weiter für ein Unglück für unser Land, daß 43.000 gesunde arbeitsfähige Menschen keine regelmäßige Arbeit besitzen." Bor dem Krieg wurde ein Prozentjaß der Arbeits losigkeit von 3 bis 4 als normal angesehen. Ge genwärtig handelt es sich um 10 Prozent, Soviel als auch über eine neue Hochkonjunktur im schwe dischen Wirtschaftsleben gesprochen werde und 1935 schneidet ziveifellos besser ab als das Hochkonjunkturjahr 1929 eine Arbeitslosenzif fer von 43.000 sei vom Standpunkt der ArbeiterKlasse unerträglich. Im Vergleich mit 1929 müsse man darauf hinweisen, daß trotz der intensiven Rationalisierung seither im Jahre 1935 rund 200.000 Arbeitskräfte mehr beschäftigt werden, als 1929. Für die Exportindustrie betrug der Produktionsinder im April 1935 genau 100, also ebenso viel wie für die Jahre 1925-1930, während der Beschäftigungsinder nur 83 betrug. Andererseits sind die gleichen Ziffern für die Inlandsindustrien 127 und 109, wiederum vers fern seien ein Beweis für den Erfolg der Krisen= politik der sozialdemokratischen Regierung, wenngleich sie auch hinter deren Wünschen zurückbleiben. Die Europa- Meisterschaft im Freistilringen wurde in Brüssel beendet. Im Bewerb der Nas tionen siegte überraschend Ungarn mit 11 vor Schive den mit 9 Punkten. Die favorisierten Vertreter des Dritten Reiches wurden in sämtlichen Klassen ges schlagen und famen in der Wertung noch glücklich auf den vierten Platz. Die Fußball- Spielleitung des V. Atus- Kreises teilt mit: Allen Vereins- und Bezirksspielleitungen nochmals zur Kenntnis, daß Sonntag, den 22. September, die Herbstferie der ersten Klasse im gesam ten Kreisgebiet beginnt. Die Gruppenleiter sind verpflichtet, wöchentlich die Spiele sowie die erziel ten Resultate in der zuständigen Presse zu verlaut baren. Die Leitungen der Bezirke 3, 9 und 10 werden aufgefordert, die Serieneinteilung der Kreisleitung sofort einzusenden. Sollte dies nicht baldigst geniel stark blutete, wurde er durch die Rettungsstation hielt vor kurzem in Prag ebenfalls eine Sigung ab, schehen, schließen sich die Vereine der ersten Klasse auf die Klinik Jirásek überführt, wo eine leichie um seine weitere Tätigkeit zu besprechen. Den aus der Meisterschaft selbst aus. Nach Eintreffen Gehirnerschütterung und eine Rißwunde am Schei Hauptpunkt der Verhandlungen bildete die III. In der Serieneinteilungen obgenannter Bezirke erhal tel festgestellt wurde. Daniel wurde auf eigenen ternationale Arbeiter- Olympiade in Antwerpen im ten alle Vereine und Schiedsrichtervereinigungen Wunsch in häusliche Pflege entlassen. Jahre 1937. Die Massenfreiübungen, die Drucksachen per Post zugestellt. welche der technische Frauenausschuß des DTJ- Verbandes ausgearbeitet hatte, wurden angenommen. Atus Prag gegen DT3 Prag I u. V glichen mit der Periode 1925-1930. Diese ZifJetzt werden die Geräteübungen in Angriff genommen, die dann den einzelnen Verbänden zur Begutachtung zugesendet werden. Weiter wurde ein Am Sonntag hatten die Atus- Leichtathleten Aufruf an alle Sportlerinnen der in die DTI- Mannschaft Prag I und V als Gegner. der SASI vereinigten Verbände angenommen. In Der Wettkampf gestaltete sich einseitig, nachdem es den Vorstand des internationalen Frauenausschusses den Genossen von Prag I und V besonders an Läuwurde Genossin Čepelfová( DTI Prag) gewählt. fern fehlte. Da es der Atus- Mannschaft gelang, Auf Vorschlag der finnischen Genossen wird im bei diesem Zehnkampf alle ersten sowie einige zweite Sammelbuch der DTJ- Vorturnerinnen eine inter- Bläße zu belegen, ist der hohe Sieg leicht erklärlich. nationale Frauenrubrik in Esperanto eingeführt Die Atus- Sportler zeigten sich in bester Form. und an alle Verbände pflichtgemäß verschickt. Da- Die Ergebnisse: 60 Meter: Noffet( A) durch wird allen Verbänden Gelegenheit geboten, die 7.3 Set., 2. Šidlo E.( P) 7.4 Set., 3. Sidlo Fr. zatigkeit der Frauen zu verfolgen. Diese Rubrit( B) 7.4 Ser., 4. Amsler( 2). 800 Meter: wird mit Jänner 1936 im zweiten Jahrgang des 1. Steidl( A) 2:24 min., 2. Sidlo E. 2: 27.4 Min. Sammelbuches erscheinen. Ferner wurde beschlossen, B. Mally( A). 4. Pastorek( P). 5000 Meter: daß jeder Verband eine Genoffin nominieren möge, 1. Süttner( A) 19: 30.4 Min., 2. Vollmann( A), Vom Tschechischen Staats- und Nationaltheater. welche mit dem Frauenausschuß forrespondiert. 3. Bastorek. Weitsprung: 1. Roffet 5.91 Meter Einem dieser Tage herausgegebenen künstlerischen Weiter wurden eine ganze Reihe von Vorschlägen, 2. Amsler 5.52 Meter, 3. Šidlo E. 5.29 Meter, Rechenschaftsbericht des Prager Tschechischen Staats- die mit der Zeit ihre Verwirklichung erfahren wer- 14. Gidlo. Hochsprung: 1. Noffet 1.53 Meter, 2. stellte. und Nationaltheaters entnehmen wir folgende in- den, verhandelt. Dann wurden interne Angelegen- minek( A) und Juřik( P) beide 1.45 Meter, 3. teressante statistische Daten. In der Gesamtheiten sowie die politische und wirtschaftliche Situa Šidlo E. 1.40 Meter. Dreisprung: 1. Nosfet saison 1934/35 wurden an beiden diesem Theater tion und ihre Einflüsse auf die Arbeiter- Turn- und 11.55 Meter, 2. Šidlo E. 11.20 Meter, 3. Juřit unterstellten Bühnen der Bühne des National- Sportbewegung besprochen. 11.10 Meter, 4. Aminer. Distus: 1. Nossel theaters und der Bühne des ehemaligen Stände 28.92 Meter, 2. Vollmann 23.92 Meter, 3. Šidlo E. theaters Matinee gegeben. Davon entfielen auf die Oper Republikanische Wehr, Prag. Donners und das Ballett 353 und auf das Schauspiel 439 Meter, 2. Ullmann( A) 34.60 Meter, 3. Šidlo F. 33.11 Meter, 4. Juřik. Kugel: 1. Rosset 11.07 tag, den 12. September, Versammlung Vorstellungen. Unter den zur Aufführung gelang- Ms Vorspiel zum Endkampf um die Bundes- Meter, 2. Juřit 10.22 Meter, 3. Sidlo. 9.04 im Parteiheim um 8 Uhr. ten Neuheiten erzielten die höchsten Aufführungszif- meisterschaft wurde ein Schülerspiel angesetzt, wel- meter, 4. Ullmann. Schwedenstafette: 1. Atus fern: im Schauspiel das Stück„ Achtuhr- Abend- ches mit großem Beifall von den zahlreichen Zu 2: 32.4 min., 2. DTJ 2: 38.4 Min. essen"( 27), in der Oper„ Manon Lescaut" und schauern aufgenommen wurde. Die Teplizer siegten Die Meistersinger von Nürnberg" je zehn Auffüh- 3: 0 durch Tore von Meier, Kosler und Stuchli. rungen. Von den als Premieren und Neueinstu- Am Vortage standen sich die beiden Mannschaften dierungen gebrachten Werken waren in der Oper schon in Maierhöfen gegenüber und gelang es auch und im Ballett sechs Werke heimischen und sieben hier den Teplißern, mit 2: 0 durch Tore von Košler In dem Vereinswettkampf, ausgetragen am Werke fremden Ursprunges, im Schauspiel elf Werke und Erlacher die Oberhand zu behalten. In beiden 8. d. in Vilsen, siegten die Pilsener über Libeň dank heimischer und 24 Werke fremder Autoren. Die Spielen gefielen die Teplißer Jungens durch ihr ihrer ausgeglichenen Mannschaft. Trotz der kalten durchschnittlich größten Einnahmen erzielten: im schönes und technisch einwandfreies Spiel. Nach Witterung waren viele Zuschauer erschienen. Das Schauspiel das Stück„ Der Mensch weiß nicht ein- mittags schloß sich ein Rundgang durch Karlsbad an. im Rahmen dieser Veranstaltung ausgetragene mal wie" und in der Oper Bellinis„ Norma". Nachdem die Schüler auch glänzend untergebracht wolleyballiviel beider Vereine gewannen die PilE. I. und verpflegt wurden, muß diese erste Schülerfahrt fener mit 3: 0. Spielplan des Neuen Deutschen Theaters. als gut gelungen bezeichnet werden. Kunst und Wissen insgesamt 792 Vorstellungen und eine Teplizer Schülerbezirksmannschaft 23.85 Meter, 4. Juřit. Speer: 1. Amsler 40.46 Mittwoch halb 8: Cosi fan tutte, B 2. Donnerstag halb 8: Madame Butterfih, 2. Freitag 8: Wer betonzert, Abonnement aufgehoben. Samstag halb 8: Die hei lige Johanna, D 1. Spielplan der Kleinen Bühne. Mittivoch 28: Der Geizige, neuinszeniert. Donnerstag 8: Mädchen für alles, volkstümliche VorstelYung. Freitag halb 8: Der Stärkere, Erstaufführung. Samstag 8 Uhr: Riti. Der Film Ruffische Filmreportage in Karlsbad DTI Pilfen schlägt DTI Liben 64:40 Die tschechoslowakische Meisterschaft im Hindernislaufen gewann Zelenka( Slavia Prag), der die 3000 Meter lange Strede in 10: 06.2 Min. zurid legte und gleichzeitig damit einen neuen Reford aufaus der Partei Vereinsnachrichten ATUS PRAG Die für Mittwoch, den 11. d., festgesetzte Ausschußsihung muß ans technischen Gründen auf Mittwoch nächster Woche, das ist auf den 18. September, ver schoben werden. Franen Turnstunde. Aus technischen Gründen fonnte die Frauen Die wichtigsten Eregebnisse find: 80 Meter: Šindler K.( P) 9.5 Set.; 400 Meter: So- turnstunde in der Vorwoche nicht abgehalten werTubec( 2) 58 Sef.; 1500 Meter: Tomašek( B) den. Heute, Mittwoch, findet die Uebungsstunde 5: 24.5 Min.; 4X100 Meter: Pilsen 48.5 Set., bon halb 7 bis 8 Uhr abends statt. Hiezu laden wir Libeň 48.7 Set.; olympische Stafette: Vilsen 4: 12.3 alle Frauen herzlichst ein. Min.; Hochsprung: Smrčka( 2) 1.74 Meter; Weitspring: Holubec 6.10 Meter; Kugel: Stejskal( 2) 11.87 Meter; Distus: Vyleta 33.80 Meter; Speer: Filme in Prager Lichtspielhäusern Neruda( P) 42.08 Meter. Willy den Ouden, die holländische Weltrekordschwimmerin, stellte in Kopenhagen über 200 Meter Freistil mit 2: 25.3 Min. einen neuen Weltrekord auf. Urania:„ Der Freund meiner Frau." Alfa: Adria: Du bist die Einzige."( Engl) Der erste Kuß."( Tsch.) Avion:„ Unser täg liches Brot."( A. King Vidor.) Beránek: Polizeiwagen 99."( A.) Flora: U- Boot Gaumont: . 2. 14."( A.) „ Strahlende Augen. Hollywood: Strah " Das Straßenlaufen der DTJ Tlustovousy geYangte am Sonntag zur Austragung und nahmen trotz der unfreundlichen Witterung 17 Läufer daran teil. Bei den Männern siegte über die 4000 Meter lange Strede J. Brochazka( Tlustoboush) in 13:07 Min. vor Tichy( Žižkov) in 13:11 Min. Das Lau-( A. Shirley Temple.) fen der Frauen über 800 Meter gewann Michalková lende Augen."( A.) Hvězda:„ Der König der ( Thustovousy) und das der Jugendlichen( 1200 wilden Pferde."( A.) Juliš:„ Kleine Mutti." Meter) Pid( Brag I und V). Das Mannschafts-( D. Franziska Gaal.) Kinema: Journale, Taufen fiel an DTJ Žižkov, 11 Punkte; den zweiten Grotesken, Reportagen. 22-37. Koruna: „ Der König der wilden Pferde.( A.) Metro: Plaz besetzte DTI Pankrae mit 20 Punkten. „ Das XI. Gebot."( Tsch.) Olympic:„ Madame Butterfly."( A. S. Sydney.) Passage:„ Kleine Mutti."( D.) Praha:„ Der Kriegsreporter. ( A.) Radio: Endstation."( D.) Staut: U- Boot A. 2. 14."( A.) Světozor:„ Das XI. Bolizei anf dem TFK Play. In Teplit spielte Gebot."( Tich.) Alma:„ U- Boot A. L. 14."( A.) am Sonntag der TK mit einer fombinierten V. Bajkal:„ Der Held einer Nacht."( Tsch. Mannschaft der Techie Karlin bloß 2: 0( 1: 0). Die Burian.) Belvedere:„ Das Töchterchen des Herrn beiden Tore stammen noch dazu aus Elfmetern. Der Bürgermeisters."( D.) Beseda:„ Es war einmal Spielcharakter ist damit gekennzeichnet, daß, da der ein Muſikus."( D.) Carlton: Die Katz im Schiedsrichter sich nicht durchſehen konnte, zwei Sad."( D.) Illusion:„ Der Held einer Nacht. Polizisten auf das Spielfeld geben und die Spieler( Tsch. V. Burian.) Lido- Bio II:„ Karusell zu einer anständigeren Spielweise ermahnen muß auf dem Ozean." ten! Die Teplizer probierten zwei Sturmformatio- Nacht."( Tich.) nen aus, die aber beide versagten. Frau."( D.) ganzjährig Kč 192.-. In einer Sondervorführung im Kino Fénir" wurden gestern Wochenschaubilder aus der Sowjetunion gezeigt, die unter dem Titel„ Unsere Zeit" fünftig regelmäßig in Prager Kinos erscheinen sollen. Da die amerikanischen, deutschen und tschecho= slowakischen Wochenschauen nur sehr selten von den Geschehnissen in der Sowjetunion Notiz nehmen, wird diese Bereicherung des Programms durchaus zu begrüßen sein. Die russischen Film- Aktualitäten, die wir sahen, unterscheiden sich zwar in ihrer auf offizielle Anlässe beschränkten und alles Problematische meidenden Auswahl nicht wesentlich von den gewohnten Wochenschauen, aber das Offizielle spielt sich in der Sowjetunion doch so anders ab, daß es sehenswert ist. Es war ein eindrucksvoller Beginn, als bei der Ankunft Lavals in Moskau die! Bezugsbedingungen: Bei Zustellung ins Haus oder bei Bezug durch die Poft monatlich Kč 16.-, vierteljährig Kč 48.-, balbjährig Kč 96. Rüdstellung von Manuftripten erfolgt nur bei Einfendung der Retourmarten. Tarif billigst berechnet. Bei öfteren Einschaltungen Preisnachlaß. graphendirektion mit Erlaß Nr. 13.800/ VII/ 1930 bewilligt. Truderei: Orkis". Druds, Verlags- und Beitungs-.- G., Prog. Gary Cooper in der Hauptrolle des amerikanischen Großfilms „ Die drei bengalischen Reiter". 1 ( A.) Louvre:„ Der Held einer Maceška:„ Der Freund meiner Rory: " Endstation."( D.) Infercte werden laut Die Beitungsfrantatur wurde von der Posts und Tele.