Sosialdemokrat ZENTRALORGAN DER DEUTSCHEN SOZIALDEMOKRATISCHEN ARBEITERPARTEI IN DER TSCHECHOSLOWAKISCHEN REPUBLIK ERSCHEINT MIT AUSNAHME DES MONTAG TÄGLICH FRUH. REDAKTION UND VERWALTUNG PRAG XII., FOCHOVA 62. TELEFONI 33077. HERAUSGEBER: SIEGFRIED TAUB. CHEFREDAKTEUR: WILHELM NIESSNER. VERANTWORTLICHER REDAKTEUR: DR. EMIL STRAUSS, PRAG, 15. Jahrgang Donnerstag, 12. September 1935 Anti- Teuerungsblock im Werden Gemeinsamer Antrag der drei sozialistischen Parteien und der Tschechisch- Klerikalen im sozialpolitischen Ausschuß Prag. Im Laufe der Debatte im sozialpolitischen Ausschuß wurde am Mittwoch ein gemeinsamer Antrag der drei sozialistischen Koalitionsparteien, dem sich auch die tschechische Volkspartei anschloß, eingebracht. Darin werden von der Regierung eine Reihe einschneidender Maßnahmen zur Bekämpfung der Krise und vor allem zur Bekämpfung der Teuerung ver. langt. Wir heben daraus neben dem Verlangen nach einer neuen inländischen Investitionsanleihe, nach gesetzlicher Regelung der Arbeitszeitverkürzung und der Arbeitsvermittlung vor allem die Forderungen hervor, die der Teu erung entgegenwirken sollen: Freigabe der Kartoffel, Schweine- und Vieh einfuhr unter Sistierung der Zölle, Er höhung des Margarine- Kontingents, Senkung der Zuckerpreise etc. und nicht in letzter Linie energische Eingriffe gegen den Preiswucher der Kartelle. Der Antrag, der von den Abgeordneten Ta verle, Tučný, Petr und Ta u b gestellt ist, hat folgenden Wortlaut: Die Regierung wird aufgefordert: I. 3weds Linderung der Arbeitslosigkeit die nötigen Maßnahmen zur Belebung des Inlandsmarktes, zur Vermehrung der Arbeitsgelegen= heiten, zur Erhöhung der Kauffraft der Bevölferung und zur Erhöhung und Beschleunigung des Handelsumsatzes zu treffen. Zu diesem Ziele wird verlangt: a) möglichst rasch Maßnahmen zur Verbilligung des Kredites zu treffen; b) Investitionsarbeiten des Staates und der Selbstverwaltung in der Höhe von mindestens zwei bis drei Milliarden Kč außerhalb des Staates, bzw. der autonomen Voranschläge zu ermöglichen und zu diesem Zwecke eine Inlandsanleihe auszuschreiben. c) zur wirksamen Arbeitsbeschaffung einen staatlichen Wirtschaftsrat zu errichten; d) die Administrative des Staates und der Selbstverwaltungskörper derart zu regeln, daß die Erledigung der Investitionsarbeiten mit größter Beschleunigung erfolge; c) dem Außenhandel systematische Fürsorge zu widmen, u. zw. durch Beseitigung aller Ausfuhrschwierigkeiten und durch zweckmäßiger organisierten Versorgung der Republik mit Rohstoffen auf direktem Wege aus den Ursprungsländern, um eine günstigere Position beim Abschluß von Handelsverträgen zu erreichen; f) Maßnahmen zum Zwecke der Belebung der Baubewegung zu tref. sen, vor allem durch Ergänzung der Verordnung über die Steuererleichterungen bei Hausreparaturen. II. Soll die Regierung für die Einreihung einer weiteren Zahl von Arbeitslosen in den Arbeitsprozeß Vorsorge treffen, und zwar nach der Dauer der Arbeitslosigkeit und der sozialen Lage und den Angestellten angemessene Löhne sichern. Zu diesem Zwecke wird gefordert: a) so bald wie möglich normativ die Arbeitsvermittlung und die 40 stündige Arbeitswoche zu regeln; b) die Verbindlichkeit der Kollektivverträge in den Textilbetrieben nach der Verordnung 102/35 durchzue) insoweit die beimische Zucht zur Deffung des Inlandsbedarfes nicht ausreicht, soll die Einfuhr von Schweinen unter 120 Kilogramm Lebendgewicht sowie von Rindwich freigegeben und die Schutzzölle für Vich und tierische Fette aufgehoben werden; f) endlich soll die Regierung eine Entscheidung über die Herabsesung der 3 nderpreise treffen. IV. Die Regierung foll mit größter Beschleunigung der Nationalversammlung den Entwurf einer Novelle des Kartellgesetzes vorlegen, die Eingriffe des Staates nicht nur in die Preispolitik der Kartelle, weiter die Oeffentlichkeit des Verfahrens, die Publizität der Kartellverträge und Entscheidungen, die Beseitigung des Prinzips rung aufgefordert, folgende Maßnahmen zu der Einstimmigkeit bei den Erkenntnissen der Kartellkommission und die Zuerkennung der aktia) soll alles vorgekehrt werden, um die ver- ven Legitimation an die Verbrauchsorganisa bindliche Erklärung der Regierung vom 20. Juli tionen zur Eröffnung des Verfahrens enthalten 1935 zu erfüllen, daß die Mehl- und Brotpreise soll. nicht über das Preisniveau vom 15. Juli 1935 erhöht werden. Namentlich wird die Regierung aufgefordert, bei der Durchführung diefer Be> ftimmungen alle Mittel anzuwenden, damit das treffen: Brot nicht verteuert werden fann; b) die Einfuhr von Speisekartoffeln soll freigegeben und Maßnahmen getroffen werden, damit die Kartoffel für die Bevölkerung nicht verteuert werden. Zu diesem Zwede soll die Regierung den Zoll und die Gebühren an der Grenze ansheben. Diese Maßnahmen sollen noch vor Eintritt der Fröste durchgeführt werden, damit die Bildung von Vorräten ermöglicht wird. Namentlich soll dabei an die Beschaffung von Kartoffeln für die Arbeitslosen gedacht werden. Weiter soll die Verarbeitung von SpeiseTartoffeln zu industriellen Zwecken verboten und Magimalpreise für ausgesprochene Industriefartoffel, für Speisekartoffel im Großhandel und für Kartoffel im Kleinhandel festgesetzt werden; c) das Kontingent für Bflanzenfette nach der Regierungsverordnung 51/34 soll für das Jabr 1935 in einem solchen Maß erhöht werden daß der Bedarf des Konsums an Volks- Pflanzenfetten voll gedeckt wird; d) da ein Milch mangel droht und auch sonst der hohe Preis der Futtermittel auf bie Viehzucht schädlich einwirkt, soll die Regierung Maßnahmen zur Herabsehung der Futtermittelpreise treffen; Sir Hoare in Genf: V. Das Handelsministerium soll bei der Durch führung von Schuhmaßnahmen für das Gewerbe nicht die Einkaufsquellent tref: fen, die den Konsumenten einen billigeren Ginfauf der täglichen Bedürfnisse ermöglichen, und eine Vermehrung der Zahl der Arbeitslosen vermeiden. Es wurde über Antrag der Koalition ein elfgliedriger engerer Ausschuß gewählt, dem auch die größeren Oppositionsparteien angehören. Er hat die Aufgabe, die in der Debatte vorgetragenen Anregungen zu behandeln, und wird gleich zu Beginn der nächsten Woche an die Arbeit gehen. Dem Ausschuß gehören an von der Koalition Dubický, Petr, Tayerle, Tau b, Tučný und Vávra, von der Opposition Cavojský( Slow. Volksp.), Schütz Christlichsoz.), Dr. Köllner( SDP), Kopřiva( Komm.) und Sedláček( Sjednocení). In diesem Subkomitee wird vor allem auch der oben wiedergegebene Antrag der vier Kvalitionsparteien einer gründlichen Erörterung unterzogen werden müssen. Nach Abschluß der Beratungen des ubkomitees wird dann das Ausschußplenum erneut zusammentreten, um die endgültigen Anträge des Ausschusses an die Regierung zu firieren. Für Donnerstag ist bekanntlich auch der sozialpolitische Ausschuß des Senats zu einer Diskussion über dasselbe Thema einberufen worden. Der Pakt muß aufrecht bleiben Wirtschaftliche Zugeständnisse in Aussicht gestellt Einzelpreis 70 Heller ( einschließlich 5 Heller Porto) Nr. 213 Hitlers Parole: Freibrief für Mörder! Der Parteitag der Freiheit" hat schon am ersten Tag seinen Namen schauerlich bewährt: nicht die Freiheit des Lebens, des Geistes, hat er dem deutschen Volf gebracht, wohl aber die Freiheit, die ungezügelte Freiheit - des Mordens. Hitlers Proklamation an die Marristen und die jüdischen Drahtzieher", welche die berüchtigte, höhnende Kriegsproklamation des russischen Zaren ,, an meine lieben Juden" tausendfach an Barbarei übertrifft, darf sich an geschichtlicher Bedeutung dem 30. Juni des vorigen Jahres ruhig an die Seite stellen. Zynischer und offener als mit der Erklärung: ,, Wenn im Kampfe gegen den Marrismus sich die staatlichen Institutionen als unzulänglich erwiesen haben, dann wird eben die Bewegung diese Aufgabe übernehmen und die Nationalsozialisten werden dabei nicht nach ihrem for malen Verhalten" sondern nach dem Erfolg ihrer Maßnahmen" beurteilt werden", konnte eine neue Auflage der Nacht der langen Messer nicht mehr angekündigt, nein a n be fohlen werden. Der neue Parteibefehl des Führers" be. deutet nichts anderes, als daß von nun ab jeder Mensch im Dritten Reich, der irgend einemt Nazihelden als Margist verdächtig erscheint, unter Umgebung selbst der bisher üblichen formalen" Untersuchung durch Gericht oder Staatspolizei Freiwild für jedes private Mordund Terrorgelüft ist, ohne daß der Mörder eine Mißbilligung seines ,, formalen Verhaltens" befürchten müßte. Alles was bisher an unvorstell barem Greuel im Dritten Reich geschah, die Konzentrationslager, die Gestapofolterungen, die„ Erschießungen auf der Flucht", die Judendie Erschießungen auf der Flucht", die Judenpogromme, die Entmannungen wegen ,, Rassenschande", all das geschah im Namen der" ,, formalen Bürokratie". Wer kann sich den hemmungslosen Blutrausch ausmalen, der nun auf Grund des allgemeinen Mordbriefes durch den Führer ausbrechen soll? Seit Monaten schon währt das große Rätfelraten darüber, welchen Weg das Hitlerregime einschlagen wird: den Weg Streicher oder den Weg Schacht- den Weg einer Neuauflage ungezügelter Parteidiktatur oder den Weg des konservativen deutschnationalen Flügels und der hohen Reichswehrgeneralität. Es wäre voreilig, wollte man auf Grund der gestrigen Hitlerproklamation behaupten, daß Hitler sich nun eindeutig für den ersteren Weg und das Fallenlassen des Schachtflügels entschieden hat. Die Proklamation tann eine solche Bedeutung haben, aber sie kann ebensogut bedeuten, daß Hitler nun dem unruhig werden. den braunen Mob eine neue Nacht der langen Messer als Entschädigung dafür hinwirft, daß die reale Regierungsgewalt den Herren um Schacht ausgeliefert werden soll. Den braunen Bataillonen den Mordfreibrief den Junkern und Fabriksherren die Macht! Vor einem Jahr schüttelte man die unbequeme, rebellierende SA dadurch ab, daß man sie erwill man sie jetzt dadurch abschütteln, daß man sie morden läßt? Das lers alarmierenden Blutbefehl nicht gelöst. Eindeutig klar aber ist die Bedeutung der Hitlerproklamation nach einer anderen Richtung. Nach dreieinhalb Jahren Herrschaft des Dritten Reiches, nach dreieinhalb Jahren TerGen f. Der britische Außenminister Sir der natürlichen Reichtümer führen und analoge Maßnahmen auch in anderen Samuel Hoare eröffnete Mittwoch die De- der Welt an alle Staaten. Die mordete. batte mit einer mit Spannung erwarteten Rede, Frage der Expansion hält die britische Regierung Arbeitsgebieten zu treffen; c) die Bezirksbehörden sollen darauf achten, in welcher er das Festhalten Englands an der eher für ein wirtschaftliches als für Rätsel ,, Schleicher oder Streicher" ist durch Hitdaß die Verordnung über die Verbindlichkeit der Idee des Völkerbundes und seine Entschlossenheit, ein politisches Problem und glaubt an eine| mit aller Kraft für die Aufrechterhaltung des bessere Organisierung der Rohstoffverteilung für die IndustrieFriedens einzutreten, betonte. länder. England wolle in dieser Richtung im RahSchließlich wies Hoare darauf hin, wie in men seiner Pflichten beitragen. Kollektivverträge von den Arbeitgebern eingehalten wird; d) so bald wie möglich eine neue Ber gebungsordnung zu erlaffen, die eine gute Qualität der Arbeit und eine gerechte Entlohnung verbürgt; England wünsche nicht weitere leere Sise im Bölkerbund, aber die Baktverträge müßten aufrecht bleiben. In diesem Zusammenhange glaube England, daß die kleinen Staaten das der letzten Zeit die öffentliche Meinung Englands ror und Folter und Blutbad gegen Marristen, Interstihung der Arbeitslofen auf kollektive Sicherheit haben. Ich glaube, sagte politik hinsichtlich der Einhaltung der Völker- Munde des Führers selbst gehört: Der e) die Bestimmungen zu revidieren, die die Recht, ihr eigenes Leben zu leben, und das Recht ihre Unterstützung der englischen Regierungs- hat man gestern zum ersten Male aus dem Hoare, daß auch rückständige Völker das Recht auf bunds- Verpflichtungen kundgetan hat. Mit Rüd- Marrismus lebt, lebt sogar im Diese Vilfe haben, ohne daß ihre Souveränität ſicht auf diese Verpflichtungen behalen Gül- Dritten Reich!" Hitler ſelbſt muß ein Sierauf beschäftigte sich der englische Außen- tigkeit eingehalten werde, insbesondere was der gestehen, daß die ,, formalen Institutionen" des durch eine unbegründete Verteuerung der Lebens- minister mit den Möglichkeiten einer beffe follektive Widerstand gegen jeden unprovozierten Dritten Reiches, daß die Gestapo und die SA und SS und die Konzentrationslager nicht imerschweren oder gar verschlechtern. III. Damit die Lage des arbeitenden Volkes nicht oder Unabhängigkeit angetastet wird. 0 land darauf, daß der Pakt in seiner vollen " Seite 2 stande waren, den Marrismus auszurotten, daß! die ,, marristische Gefahr" nach wie vor besteht, ja so sehr im Wachsen ist, daß die Bürokratie, die mit ihrer Ausrottung betraut war, sich einen schweren Rüffel des Führers" gefallen lassen muß. Und hier hat Hitler recht: der Marrismus lebt wirklich, er lebt in den finsteren Proletarierwohnungen, er lebt in den Betrieben, er lebt und wirkt sogar in den Reihen der SA. Man glaubt es den Herren des Dritten Reiches, die den Geist des Sozialismus gestorben wähnten und ihn nun allerorts am Leben finden, daß sie davor zittern und gesteigerten, noch maßIoferen Terror gegen ihn zu Hilfe rufen möchten. Aber den Geist, der nach Hitlers eigenem Zeugnis, vom Terror der formalen" Bürofratie unbesiegt blieb, wird auch der MordfreiDonnerstag, 12. September 1935 Nr. 213 Genosse Taub für Revision der Preispolitik Lebensmittel müssen auch für die Aermsten erschwinglich sein! Wir bringen nachfolgend aus der dienstägigen Rede des Gen. Taub im sozialpolitischen Ausschuß jenen Teil, der sich mit der Teuerung und den gegen sie zu ergreifenden Maßnahmen befaßt. Morgen werden wir den zweiten Teil der Rede nachtragen, die sich mit der Bekämpfung der Arbeits. losigkeit beschäftigt. Am Mittwoch nahm Genosse Taub im Ausschuß ein zweitesmal das Wort, um die Behauptung des Herrn Sandner zurückzuweisen, daß der Henleintag in Haida eine„ soziale" und nicht vielmehr eine ausgesprochen nationalpolitische Angelegenheit gewesen sei. Die Abrechnung Taubs mit der so brief des Führers" nicht besiegen. Der Parzialen Demagogie der Henleinleute machte auf den Ausschuß unverkenn teitag der Freiheit" hat es verkündet, hat es bar einen großen Eindruck. Auch diese Polemik müssen wir angesichts des vor aller Welt bezeugt: Der Marrismus Raummangels später nachtragen. Iebt im Dritten Reich! Und wehe denen, die gestern die Parole des Mordens ausgaben, wenn dieser Marxismus aus den Katakomben, in denen er heute lebt, hervorbricht und die ,, Freiheit" die heute hohnvoll mißbrauchtes Lügenwort im Munde der Sflaben halter ist, zur Wirklichkeit macht. Neue Vorschläge Lavals? Gen f. Nach Informationen aus italienischer Quelle wird allem Anschein nach Ministerpräsident Laval am Donnerstag im Fünferausschuß gewisse neue Vorschläge unterbreiten, die, falls sie angenommen werden, Baron Aloisi vorgelegt würden, der versprochen haben soll, sie sorgfältig zu prüfen. Italiens Haltung unabänderlich R v m. In politischen Kreisen wird erklärt, daß Baron Aloisi weder auf die Rede Sir Samuel Hoares noch auf jene Lavals antworten werde, da man hier der Anschauung ist, daß die abeffinische Frage im Hinblick auf Genf abgefchloffen sei. Rom dementiert Angebot an Deutschland wegen Nichtangriffspakt Rom.( Stefani.) Die in Genf verbreiteten Gerüchte, daß die italienische Regierung Deutschland den Abschluß eines Nichtangriffspaktes vorgeschlagen haben soll, sind vollkommen unrichtig. Verstärkungen für Malta London. Der englische Truppentransportdampfer Neutralia" traf am Mittwoch- Morgen in Malta ein. An Bord befanden sich rund 1200 Mann und 140 Offiziere sowie Geschüßmunition. 22 VILLA OASE oder: DIE FALSCHEN BURGER Roman von Eugene Dabit Berechtigte Uebertragung aus dem Französischen von Bejot Genosse Taub führte u. a. aus: Das glänzende Erposee, das der Herr Fürsorgeminister hier gehalten hat, legt Beugnis ab bon dem Ernst der Situation, in der wir gegentvärtig zu arbeiten geztvungen sind. Es erbringt auch den Beweis, welch gewaltige Arbeit die Regierung zur Linderung des durch die Krise hervorgerufenen Notstandes geleistet hat. Der Umfang und das Ausmaß der Krise hat auch die Vorstellungen der ärgsten Pessimisten weit überschritten und wir haben uns nun mit der Frage zu beschäftigen, ob gewisse Maßnahmen der Regierung, die unter anderen Voraussetzun= gengeschaffen wurden, nicht angesichts der gegenwärtigen Situation geändert und ob nicht andere Maßnahmen in Aussicht genomloser, der lediglich auf eine Unterstützung von 10 bis 20 Kč wöchentlich angewiesen ist, kann auch die allernotwendigsten Lebensbedarfsartikel nicht erwerben, wenn ein Kilogramm Kartoffel Kč 1.20 bis 1.70, Brot bis 2.40, Fleisch bis 14 Kč, Fett bis 14.50 Kč kostet, auch dann nicht, wenn die Preise niedriger sind als sie in den Zeiten der Konjunktur 1926 bis 1929 waren. Wie kann ein Arbeiter, der einen Wochenverdienst von 50 bis 70 Kč hat, seinen Lebensunterhalt und den seiner Familie bestreiten, wenn das Statistische Staatsamt den Wochenbedarf einer fünfföpfigen Arbeiterfamilie allein für Lebensbedürfnisse mit Kč 154,20 berechnet? Dabei darf nicht außer acht gelassen werden, men werden müssen, die geeignet wären, vor allem daß die Preise außerhalb Prags, insbesondere im nordböhmischen Gebiet, noch weit höher sind und daß daher der dadurch hervorgerufene Notstand noch viel größer ist. in der Frage der Arbeitsbeschaffung, des Kampfes gegen die Teuerung und der Fürsorge für die ArbeitsIofen positive und über das bisherige Ausmaß hinausgehende Ergebnisse zu zeitigen. Wir haben es nicht nur mit einer Krise in der Tschechoslowakei, sondern mit einer Weltkrise zu tun. Die Herren, die ihre Agitation mit der Behauptung bestreiten, daß die Krise in der Tschechoflowakei burch die Regierung verschuldet" wird, stellen diese Behauptung ohne Kenntnis der Situation oder aber in der Absicht, die Menscheni rrezuführen, auf. Wir vermögen die Krise, soweit sie eine Folgeerscheinung der allgemeinen Weltwirtschaftskrise ist, nicht zu beseitigen. Unsere Aufgabe fann es nur sein, die Folgender rise au lindern, Wie kann man da leben? Es muß unter allen Umständen verhindert werden, daß unter den gegenwärtigen wirtschaftlichen Verhältnissen noch neue Schichten der Bevölkerung in Mitleidenschaft gezogen werden. Wir sind weit davon entfernt, den Landwirten einen Vorwurf zu machen. Wir wissen, daß die landwirtschaftlichen Erzeugnisse feit dem Jahre 1928 im Preise gesunken sind. Wir müssen aber mit allem Nachdruck hervorheben, daß es eine furzsichtige Politik wäre, an den gegenwärtigen Ereignissen die sich auf dem Lebensmittelmarkt abspielen, an der Erhöhung der Preise der wichtigsten Bedarfsartikel des täglichen Lebens achtlos vorüberzugehen. Die Kundgebungen gegen die Teuerung, die jetzt stattfinden, find nicht künstlich ar= rangiert, fie stellen die Abwehr feitens der Menschen dar, die sich in ihrer Leben 8existenz bedroht fühlen. Die Preise und ihre Tagfähigkeit können nicht men bon 10.000 bis 20.000 Kč und darüber hinaus nach Maßstäben gemessen werden, die bei Einkomangewendet werden können, sondern nur konkret mit Rücksicht darauf, daß mehr als die Hälfte der Bevölkerung ein geringeres Einkommen hat als das Existenzminimum, daß das Durchschnittseinkommen nach der Statistik der 3SVA wöchentlich weniger als 100 Kč beträgt und daß ein Großteil der Arbeiter angewiesen ist auf einen Taglohn von 6 bis 10 Kč, daß wir darüber hinaus über 600.000 Arbeitslose und einige hunderttausende Kurzarbeiter Ein Arbeiter mit einem Stundenlohn von haben! Die Kauffraft dieser Schichten reicht nicht einer Kč bis Kč 1.50, ein Arbeiter, der nur an hin, um die Preise auch nur für die allernotwendigeinigen Tagen der Woche arbeitet, ein Arbeits- sten Bedarfsartikel zahlen zu können! Ich stimme mit dem Herrn Minister damit überein, daß der gegenwärtige Preisstandard große Befürchtungen nach der Richtung hin auslöst, daß die Preise für breite Volksschichten untragbar iverden. Das geht auf die start gesenkte Kauffraft zurück, die ihren Ausdruck findet in der Senkung der Löhne und des Einkommens. würde ihrem Sarge folgen, wie sie dem Sarge| faß sie bereits zwanzigtausend Franken. Und als ihrer Tochter gefolgt war. Sie stellte sich die Ar- Alfred ihr die Situation seines Freundes Monge beit der Verwesung vor, die bei ihrer Tochter schon schilderte, witterte sie sogleich ein Geschäft. Julien begonnen hatte. Die Hand, die sie aufs Gesicht, und sie hatten sich schnell verständigt, und noch dann auf die Brust legte, war schwer wie Stein. am selben Abend... Aber geheiratet hatten sie Sie wollte schreien. Kein Ton tam aus ihrem erst nach dem Kriege. Trotzdem war sie Alfreds Munde. Sie ergriff Juliens Arm und rüttelte ihn. Geliebte geblieben, was übrigens, außer ihnen Glaubst du, daß Helene tot war?" beiden, kein Mensch wußte. lallte sie. " " Selbstverständlich", murmelte er. Was denn sonst? Dir gehen wohl Schauerromane im Stopfe rum? Hast du vielleicht Angst vor Gespenstern?" Halt, kein Mensch? Was hatte Helene in ihrem Zimmer zu suchen gehabt, wo sie sie ohnmächtig gefunden hatten? Das Mädel hatte gelauscht. Natürlich. Daher auch das veränderte Benehmen, diese Kälte und Verachtung, die sie ihr bis zum Tode gezeigt hatte. Die Erinnerung stimmte sie traurig. Wenn Helene am Leben geblieben wäre, hätte sie der Armen eines Tages alles erzählt. Irma sah nicht mehr die Pflegerin hin- und herlaufen, sie hörte nicht mehr das Geschrei und fand sich langsam wieder zu sich zurüd. Ihr Mann bediente sie und mahnte immer wieder, sie solle Vielleicht, fiel ihm ein, würde sie einen Ansich Zeit lassen. Sie faute gut. Eine wohlige fall bekommen. Er wurde also wesentlich sanfter Wärme stieg in ihr hoch. Jeden Gegenstand sah und erzählte von einem Plan, den er nächstens sie mit neuer Freude. Es war, als sei sie aus mit dem Hauswirt besprechen wollte. Er hatte die einem bösen Traum erwacht. Julien unterbrach Absicht, aus Helenes Stübchen ein Badezimmer Julien schnarchte. Sie rückte leise von ihm die Gedankentette, indem er davon sprach, daß zu machen. Denn hätten sie eine ebenso moderne Langlois ihnen Zeichnungen für das Grabmal Wohnung wie in einem feinen Viertel. borlegen werde. " Ich möchte es einfach, aber eindrucksvoll haben", sagte sie.„ Gine Platte von echtem Marmor mit einer zerbrochenen Säule und zwei groBen Schalen." " Du wirst bestimmen. Du hast einen besse: ren Geschmack als ich. Aber etwas Solides muß es sein, damit man uns noch in hundert Jahren findet. Alfred möchte sich verbrennen lassen." „ Jeder, wie es ihm gefällt." „ Mich braten lassen, herzlichen Dank. Zunächst aber mal schleunigst in die Falle. Wir haben eine Menge Schlaf anchzuholen." .Du siehst, ich denke weiter. Dein Mädel hast du verloren, aber deinen Julien hast du behalten. So, nun laß mich auslöschen." Sie umflammerte Julien mit den Beinen und preßte sich, Schutz suchend, an seinen breiten, warmen Körper. Das Gefühl des Geborgenseins ließ ihre Gedanken eine andere, minder graujige Richtung finden. Blößlich fiel ihr ein Winterabend ein im Jahre 1916, an dem sie, durch Alfreds Vermittlung, Juliens Bekanntschaft gemacht hatte. Julien suchte damals ein tüchtiges weibliches Wesen, das ihm bei der Führung seines Hotels in Saint- Dizier behilflich sein sollte. Alfred kannte sie aus der Zeit, in der sie Näherin Julien wollte gleich das Licht ausdrehen. war. Damals schon war sie seine Geliebte geworIrma hinderte ihn daran. Darauf troch er unter den. Er hatte ihr geraten, ihren Beruf aufzudie Decke und tat, als schnarche er schon. Irma geben, da sie, wie er bald bemerkte, höher hin fühlte sich einsam. Seit Monaten verfolgte sie die aus" wollte. In einem Alter, in dem andere fire Jdee von Krankheit und Tod. Immerzu Frauen noch Dummheiten begehen, hatte sie die mußte sie an den Friedhof denken, wo auch sie Energie besessen, mit seiner Hilfe nach Argeneinmal ruhen würde. Eines Tages würden ihre tinien auszuwvandern, wo sie in einem der feinAugen nicht mehr sehen, ihre Ohren nicht mehr sten Cafés von Buenos- Aires Kassiererin wurde. hören, ihre Glieder sich nicht mehr bewegen. Man Als sie, 1915, nach Frankreich zurückkehrte, be" Mehr Margarine! Tierisches Fett ist im Haushalt des Arbeiters schon seit Jahren nicht in Verwendung; der Haushalt des Arbeiters ist auf die billigen Kunstfette angewiesen. Die Regierung hat sich seinerzeit dafür entschieden, ein Kontingent der Kunstfette festzusetzen. Diese Maßnahme wurde damit begründet, daß die Landwirte ihre Butter nicht abzusetzen vermögen. Das Organ der republitanischen Partei muß selbst in seiner Nummer vom 8. d. M. zugeben, daß der Stadt Prag und ihrer Umgebung Milch mange I droht, trotzdem hier die Milch nicht mehr zur Buttererzeugung verwendet wird. Es tritt demnach das Kunstfett nicht mit der Butter in Konkurrenz, wie von einigen Seiten behauptet wird. Die Regierung hat bereits das ursprünglich mit 4800 Waggons festgesetzte Kontingent um 10 Prozent, später um weitere 260 Waggons erhöht. Es muß jetzt eine weitere Erhö hung des Kontingents playgreifen und es muß vor allem dafür gesorgt werden, daß die biligen Kunstfettsorten erzengt werden. Wir müssen darauf hinweisen, daß billigere Sorten schon seit Wochen nicht mehr dem Konsum zugeführt werden. Wir lenten aber auch die Aufmerksamkeit auf den Umstand, daß einzelne Fabriten das ihnen zugestandene Kontingent beschleunigt fertiggestellt haben und nun die Entlassung der Arbeiter in Aussicht nehmen. Diesem Unfug muß gesteuert werden! Auch bei Fett ist eine weitere Lockerung nach allen Richtungen hin notwendig. Die Preise im Außenhandel sind so gestiegen, daß auch der verminderte Zoll drückend empfunden wird. Auch die Syndikatsabgaben, welche bei der Einfuhr von Bagaunern 62 Kč für ein Stück bedeuten können, müssen ermäßigt werden. Kartoffelversorgung muß gesichert werden Eine ernste Besorgnis erregt die zu gewärti gende Kartoffelernte. Nach Schätzungen der Fachleute ist der Kartoffelbedarf für Ernährung, Fütterung, Industrieberarbeitung und Saat mit 80 Millionen, für Ernährung allein mit 23 bis 25 Millionen Zentnern anzunehmen. Der Bedarf wird in Wirklichkeit in dieser Situation weit größer ein, weil die Kartoffel vielfach das einzige Ernährungsmittel sind. Wir müssen daher verlangen, daß alle Maßnahmen zur Erfassung der Kartoffelernte und zur Regulierung der Preise getroffen werden. Bei der Distribution der Kartoffel müssen alle Faktoren mitwirken, vor allem die Eisenbahn und die Gemeinden. Die Spannung, die zwischen Einkaufs- und Verkaufspreis besteht und die heute 100 bis 150 Prozent beträgt, muß her ab gedrückt werden. Unter allen Umständen müssen die für den menschlichen Konsum erforder lichen Kartoffelmengen sichergestellt werden! Zur Viehfütterung ist für Einfuhr von Mais ohne den Zuschlag, der jetzt von der Getrei umherlag. Es roch nach Apotheke. Mit weinerlicher Stimme erklärte sie Julien: " Ich möchte nicht mehr hier leben. Erstens wegen der Ansteckung, dann..." „ Wir gehen ins Montbert, Dicke. Indessen kommen die Maler. Das wird einige Lappen kosten, aber die Gesundheit geht vor." Endlich waren sie allein. Endlich! Jezi fonnten sie ungestört reden. " Der große Felig hat einen schlechten Monat gemacht", erzählte er.„ Ein guter Kerl. Wenn er nur nicht immer auf der Rennbahn läge. Und die Miß drückt sich, wo sie kann. Ich war ein paarmal heimlich dort. Du hattest ja genug andere Sorgen. Eine Schlamperei, eine Verschwendung.. Glaubst du, sie hätten was bemerkt? Nicht die Spur." " „ Ich werde die Mädchen in Trab bringen, darauf kannst du dich verlassen." Am nächsten Morgen nahmen sie eine Autodroschke und fuhren in die Rue Montbert. ab. Er wird bestimmt nie etwas merken", sagte sie sich wie zum Troste. Sie würde ihn auch nie An Arbeit würde es ihr nicht fehlen. Um io mit irgend einem Fazken betrügen wie manche besser. Dann vergäße sie vielleicht ihren Summer. Frau, die sie kannte. Er war fünfundfünfzig, sie Und dann drängte es sie wirklich, die Wohnung neununddreißig. Beim Notar hatten sie ein Testa- zu verlassen, in der die Krankheit noch immer ment hinterlegt, worin sie sich gegenseitig als sputte. Erben einsekten. Voraussichtlich würde sie, die um sechzehn Jahre jüngere, die Ueberlebende sein. Sie hatte gewiß keinen Grund, sich um ihre Gesundheit Sorgen zu machen. Und besaß sie nicht alles, was eine Frau aus ihren Kreisen wünschen fonnte: Geld, Schmuck, Pelze, eine gesicherte Lebensstellung, zu der bald noch ein Auto und ein Landhaus kommen würden? Der Traum ihrer Jugend, verspottet von ihren Arbeitskolleginnen, hatte sich erfüllt. Sie gäbe etwas darum, wenn sie die armen Dinger, die sich gewiß noch immer die Finger zerstachen, heute sehen könnte.„ Jhre eigene Schuld. Ich hatte ein Ziel." Die Bettwärme schläferte sie langsam ein. Sie schloß die Augen und feufzte tief. Dort lag, zwischen Folies- Bergère und Faubourg- Montmartre, ihr Hotel, ein sechs Stod hoher Kasten mit überladener Fassade, die„ etwas hermachte". Julien gab ihre Sachen unten ab. Dus Büro lag im ersten Stock. Es war leer. „ Du siehst", sagte er, sie pennen noch. Zeit, daß man der Bande die Läuse aus dem Pelz schüttelt. Hallo, Felix!" Türen gingen auf und zu, Rufe schallten. Endlich erschien der große Felir. Sein Gesicht war noch ganz verschlafen. Die Füße staken in Pantoffeln. Als sie erwachte, war heller Tag. Julien„ Wir hatten bis in die Nacht zu tun", er und die Aufwartefrau besprachen bereits das Ar- flärte er.„ Ein Haufen Engländer. Mit Damren, beitsprogramm. Sie stand auf. Im Morgenrod die sie in den Folies gekapert hatten." ging sie durch die Räume, in denen noch alles ( Fortsetzung folgt.) Nr. 213 deberkaufsgesellschaft eingehoben wird, Vorsorge zu treffen. In einem weit breiteren Umfang ist die Organisierung der Versorgung der Arbeitslofen mit Brot, Mehl, Kartoffeln, Zucker und Kunstfett durchzuführen, damit ihre ohnedies auf dem Tiefstand gesunkene Ernährung nicht noch weiter bedroht wird. Zucker viel zu teuer Die 3uderfrage ist eines der schmerzlichsten Probleme, die in diesem Zusammenhang zur Erörterung stehen. Die größte Schwierigkeit besteht darin, daß die Buderraffinerien und vielleicht auch der Finanzminister sich nicht davon überzeugen lassen wollen, daß ein niedriger Zuderpreis auch den Absak steigert, so daß die Kalkulationsbasis und das finanzielle Ergebnis der Zuckersteuer nicht tangiert würde, wenn der Zuckerpreis und die Abgabe herabgesetzt wird. Der denaturierte Buder für Fütterung fostet 60 bis 65 Kč. Warum könnte der Zucker für Arbeitslose und Minderbemittelte nicht um zwei bis drei Kč abgegeben werden, wenn wir Zucker ins Ausland um einen Bruchteil dieses Preises ausführen? Es ist ferner unerläßlich notwendig zu erhe. ben, welche Momente auf die völlig unangemessene Breisspannung zwischen dem Fleischpreis beim Landwirt und dem Preis, den der Konsument für Fleisch entrichten muß, einwirken. Von einigen Seiten wird diese Spannung der Fleischsteuer, den Schlachtgebühren und anderen Abgaben zugeschrieben, von anderer Seite wird dieses Argument bekämpft. Hier muß Iarheit geschaffen und eine entsprechende Regelung ges troffen werden! Der Innenminister hat das Wort! Dem Minister des Innern obliegt es nach dem -Gefeße, die Angemessenheit der Preise des täglichen Bedarfes zu überprüfen und eine unbegründete Verteuerung zu verhindern. Wir müssen deshalb den Appell erheben, daß das Ministerium des Innern diese Aufgabe strengstens erfülle, wie es der Ernst der Zeit auch erfordert! Die Regierung hat beschlossen, daß die Mehl preise nicht höher sein dürfen, als sie tatsächlich am 15. Juli gezahlt wurden. Die Regierung hat auch alle Maßnahmen sichergestellt, damit diese Zusage auch erfüllt werden kann. Wir erwarten deshalb, daß die zuständigen Aufsichtsbehörden sich nach dieser Entscheidung der Regierung rich ten werden, damit die Preisbewegung auf dem Mehlmarkte verhindert werde und damit es namentlich auch zu keiner Erhöhung des Brotpreises kommt! Ungarn fordert Rüstungsgleichheit Donnerstag, 12. September 1935 Seife 3 Sudetendeutscher Zeitspiegel Ein Notschrei der Kleinbauern und Häusler Dürre und Futtermittelteuerung gefährden die Viehhaltung Gegen die Härten des Getreidemonopols Hilfsmaßnahmen zur Rettung der kleinen ländlichen Existenzen gefordert Prag. Die ungünstige wirtschaftliche Entwicklung der letzten Monate und die Auswirkungen eines neuen Dürresommers haben neben der Arbeiterschaft mit voller Wucht auch die kleinen landwirtschaftlichen Existenzen getroffen. Für zehntausende von Kleinbauern und Häuslern wird die Futtermittelfrage zu einem geradezu unlösbaren Problem. Der durch den Ausfall von Rauhfutter und Hackfrüchten notwendig gewordene Zulauf von Kraftfuttermitteln ist durch deren Preiserhöhung gerade den kleinen Viehzüchtern unmöglich gemacht. Sie stehen vor der Gefahr, den Rest ihres Viehbestandes zu Schleuderpreisen verkaufen zu müssen und nie mehr zurückaufen zu können. Auch die Handhabung des Getreidemonopols bringt trasse Härten gegenüber den Kleinlandwirten, die nach Abhilfe rufen. Mit dieser Situation, die in den deutschen Grenzgebieten noch durch die jahrelange ArbeitsTofigkeit der ländlichen Doppeleristenzen verschärft wird, befaßte sich eine Sibung des Vollaugsausschusses der deutschen Kleinbauern und Häusler in Prag. Die Berichte der Vertrauensmänner aus allen Verbandsgebieten flangen in die Forderung aus, daß künftig in der Agrarpolitik dieses Staates die fleinbäuerlichen Daseinsintereffen unbedingt mehr berücksichtigt wer den müssen als bisher. Zur Aufrollung einer Reihe von grundsäßlichen Fragen Reorganisierung der Landeskulturräte, Siche= rung der Gemeindepachtgründe für die Kleinlandwirte und Häusler, Aenderung der Pragis des Getreidemonopols, insbesondere bei der Vermahlung des Kleinbäuerlichen Eigenbedarfs, wurde die Verbandsleitung beauftragt, mit den und Bezug der Naturalunterstützung durch die Konsumvereine. Der Vollzugsausschuß befaßte sich auch mit der Frage einer Staffelung der Ge= treidepreise. Bei der Unmöglichkeit, der konsumierenden Bevölkerung in Stadt und Land eine Erhöhung. der jetzt schon schiver tragbaren Brot- und Mehlpreise zuzumuten und bei der unerläßlichen Notwendigkeit, die Futtermittel für die fleinbäuerlichen Viehhändler zu verbilligen, erscheint es auch nach der Auffassung des VollVerbänden der tschechischen Seleinzugsausschusses als der einzige Ausweg, die Gebauern und Häusler wegen eines ge- treidepreise nach den Produktionslosten meinsamen Vorgehens Fühlung zu nehmen. bei den einzelnen Betriebsgrößen- Kategorien zu staffeln, wobei die natürlichen Vorteile der größeren Betriebe durch einen entsprechenden Abschlag auszugleichen sind. Im einzelnen wurden folgende dringliche Forderungen erhoben: 1. Bedürftigen Kleinen Viehzüchtern bis zu einem Ausmaß von fünf Hektar( in höheren Gebirgslagen bis zu zehn Hektar) find unverzüglich zur Auffüllung ihrer Futtermittelvorräte niedrig verzinsliche Kredite beizustellen. Zur Durchsetzung dieser begründeten und lebenswichtigen Forderungen wird die ganze kleinbäuerliche Bevölkerung aufgerufen. Die sozialistischen Parteien werden ersucht, den schive= 2. Den kleinen Viehzüchtern bis zu fünf Het ren Existenzkampf der organisierten Kleinbauern tar ist der Futtermitteleinkauf zu Produ und Häusler zu unterstützen und mit aller zentenpreisen im Orte zu ermöglichen. Schärfe den weiteren Anschlä= 3. Herabfetung der Kraft- gen der Großagrarierauf die futterpreise, Zollermäßigungen und Lebensinteressen des kleinen Einfuhrerleichterungen für den notwendigen Landvolkes entgegenzutreten. Bezug ausländischen Kraftfutters. 4. Kleinlandwirten, die infolge der Futtermittelmifernte gezwungen find, ihren Vichstand zur Gänze zu verkaufen und dadurch an den wirtschaftlichen Ruin gebracht werden, ist ein niedrig verzinslicher Kredit zum Wiederankauf des zur Feldbestellung unentbehrlichen Viehes zu gewähren. Eine Lektion für Henlein Das Jägerndorfer Volk", ein Organ der Christlichsozialen deutschen Volkspartei, beschäftigt sich in einer seiner letzten Ausgaben an leitender Stelle mit der bisherigen Politik der Sudeten= deutschen Partei und schreibt u. a.: 5. In Gebieten, wo durrsch die Trockenheit In dieser Notzeit ist das Wort von der poli. schwere Schäden und eine Mißernte verursacht tischen Volksgemeinschaft laut geworden und hat wurden, find schleunigst Unterstützungsmaßnahmen bei den letzten Wahlen zwei Drittel aller deutschen für bedürftige Kleinlandwirte zu ergreifen durch Wähler für sich gewonnen. Nach einem halben Beistellung von billigem Futtergetreide, Jahre können wir die erste Bilanz ziehen. Sie ist Saatgut und Streumitteln; Gewährung, bzw. auf der ganzen Linie von der praktischen, realen Verlängerung der 40prozentigen Frachter Seite aus gesehen passiv. Gewiß, ein halbes Jahr mäßigung beim Einkauf von Saatgut, Futter- ist eine zu kurze Zeit; aber ist irgendwelche berechmitteln und Streumitteln, Wiedergewährung der tigte Aussicht, daß es besser wird? Wir wollen unSteuerbegünstigungen des Vorjahres für das fere Kräfte weder über- noch unterschätzen, sondern Notstandsgebiet, Beistellung einer finanziellen die kalte Vernunft sprechen lassen. Und die sagt uns, Unterstützung für den Elementarschadenfonds daß wir einem weit stärkeren und überlegeneren Der Freibrief für Marxistenmörder Hitlers Botschaft an den Nürnberg. Bei der Eröffnung des natio nalsozialistischen Parteitages der Freiheit" Genf. In der Völkerbundsversammlung for wurde eine Prot I amation Hitlers, derte am Mittoch im Namen der ungarischen Re- der offenbar durch sein Halsleiden noch immer gierung General Tanczos Rüstungsdaran verhindert ist, selbst länger zu sprechen, gleichheit und Aenderung der Prozedur berlesen. Der wichtigste Teil dieser Probetreffend den Minderheitenschutz. Diese Forde flamation befaßt sich mit dem Stampf ge gen den Margism u 3. Es heißt in rungen begründete der ungarische Delegierte mit der Behauptung, daß auf Grund des Bölkerbund der Sitlerproflamation: paltes alle Staaten ihre Rüstungen hätten her= absetzen sollen. Statt dessen habe ein Wettrüsten eingesetzt; hiebei entspreche die Stellung Ungarns ..nicht der Gerechtigkeit." Mussolinis militärische Reserven Nom. Die zehn Millionen Personen, die von dem geplanten General- Appell erfaßt werden sollen, berteilen sich auf die folgenden fascistischen Organisationen: Das größte Kontingent stellen vormilitäris die vier Millionen, die eine sche Ausbildung bereits genossen haben, ihnen folgen dann 2,108.000 opolavori ften( Mitglieder von Sport- und Bildungsorganisationen), sowie 1,851.770 eingeschriebene Mitglieder der fascistischen Partei, 657.000 Jungfascisten, 66.000 Mann fascistischer Univerfitätsjugend, 230.000 find in den fascistischen Verbänden öffentlicher Angestellter zusammengefaßt. Die Frauenorganisationen werden mit rund 400.000 Frauen vertreten sein. Ende der bulgarischen Isolierung? Sofioter politische Streise kommentieren leb haft die Erklärung des bulgarischen Gesandten in Ankara, Pawlov, der türkischen Journalisten gegenüber erklärt hatte, er halte den Beitritt Bulgariens zum Balkanpatte für möglich, wenn die Staaten des Balkanverbandes eine günstige Formel hiefür finden würden. Mit außerordentlichem Interesse werden die Verhandlungen des Außenministers Kjossejwanows in Genf verfolgt, insbesondere seine Zufammenfünfte mit Außenminister Dr. Beneš, mit Litwinow, Eden, Avenol und mit dem türkischen Außenminister Ruschdi Arras. Rücktritt Zaimis'? Athen. In Griechenland ist das Gerücht berbreitet, daß Präsident Zaimis zurüdtreten will. Die Presse verzeichnet dieses Gerücht mit Reserve und sagt, daß der Präsident nicht früher handeln werde, als die bisherigen Verhandlungen zwischen den royalistischen und republikanischen Fraktionen über ein unparteiisches Plebiszit in der Frage der Monarchie beendet sein werden. Wir geben uns keiner Täuschung darüber hin, daß die marristische Gefahr in Deutschland nach wie vor eine latente ist und für die nächste Zeit auch bleibt. Wir besiben die Macht und werden nicht dulden, daß die Träger des Berfalles, der jüdische Marrismus und die mit ihm berwandte parlamentarische Demos fratie sowie das politisch und moralisch verderb liche 3entru m fich reorganisieren. Den Margiften und den jüdischen Drahtziehern in unserem Lande sage ich: Wir haben euch die Möglichkeit gegeben, bei fluger Zurückhaltung im Laufe der Zeit verj Gloww L Parteitag Gegner nichts abtrotzen und nicht mit dem Kopf durch die Wand rennen können. Wir müssen also unsere politischen Methoden den gegebenen Verhältniffen anpassen." Mißbrauch öffentlicher Institutionen für Henlein- Propaganda " Dies ist eine Lektion für Henlein, nicht min der aber eine für den Vorsitzenden der Christlich sozialen deutschen Volkspartei, Herrn Hilgens geffen zu werden. Wir haben aber die Emp- reiner, der seine Methoden denen des Henlein findung, daß diese Nachficht von euch mißbraucht anpassen wollte und sogar bei Henlein erst um die worden ist. Die Folgen davon werden Erlaubnis zum Eintritt in die Regierung nachnicht ausbleiben. Der nationalfozia- suchte. liftische Staat wird nun eben in der Ueberwindung dieser Gefahr einen Schritt we itergehen. Ich möchte dabei feststellen, daß der Kampf gegen den inneren Feind der Nation Am 15. September veranstaltet Henlein in niemals an einer for malen BürokraMähr.- Trübau einen Schönhengster Volkstag". ti e oder an ihrer Unzulänglichkeit Angeblich zufällig soll gleichzeitig der 10. Schönscheitern darf. Wenn sich die formale Bürokratie hengster Tag des Gaubildungsausschusses stattals unzulänglich erweifen wird, wird die deutsche finden, dessen Programm ganz so angelegt ist, daß Nation ihre anderen Organisatioer sich als Unterstützung der Henleinkundgebung nen einsehen. Wenn der Staat und seine Institu- auswirkt. Nicht nur, daß der Begrüßizigsabend tionen beweisen, daß sie nicht in der Lage find, in die Turnhalle verlegt wurde, ist a drücklich diese Leistung zu vollbringen, dann wird diese auch der Besuch des Henlein'schen Volkstages vorLeistung von der Bewegung vollbracht gesehen. Die Drahtzieher im Gaubildungsauswerden. Euch aber, Barteigenoffen, erkläre ich: schuß, die den Arbeitern in der Umgebung a.s ihr werdet bei Erfüllung dieser Aufgabe nich t Henleinleute hinlänglich bekannt sind, wußten es nach euerem formalen Verhalvorsorglich so einzurichten, daß die Sozialdemo ten, sondern nach dem Erfolg der Maß fraten von dem Programm des Ausschusses erst nahmen beurteilt werden! Der polnische Schüler DAS STIMMVIEH ,, Hast Du immer noch nicht gelernt wie man Wahlen macht! spät erfuhren. Dieser Vorfall ist auch dadurch bemerkenswert, daß auf dem Wege über die Gleichschaltung einer öffentlichen Institution den Henleinkundgebungen staatliche finanzielle Unterstüßung zufließen soll. i Ant Aufgelöste Henlein Versammlung. Dienstag, dem 10. d., unternahm in der im Gasthaus„ Stadt Zittau" in Reichenberg abgehaltenen Henlein- Versammlung der Referent Herr Bettl wiederholt Ausfälle gegen den Stcat, so daß der Regierungsvertreter die Versammlung auflöſte. Die Kaiserin von Abessinien spricht im Rundfunk Addis Abeba.( Reuter.) In ihrer Ansprache im Rundfunk an die Frauen der ganzen Welt rief die Kaiserin in eindringlichem Tone:" Möge uns Gott vor einer solchen Zivilisation bewahren, die Trauer bringt und Verderben verursacht!" Die Kaisein erwähnte dann die mächtigen Armeen, welche vorbereitet sind, in Abessinien unter dem trügerischen Vorwand einzufallen, daß sie unserem zufriedenen und friedliebenden Volfe, das in natürlicher Weise und in Gemeinschaft mit Gott Tebt, die Zivilisation bringen. Die Frauen in den Ländern aller Slimate und aller geographischen Breiten lieben den Frieden und heißen brutale Gewalt nicht gut. Die italienischen Frauen füh Ten ebenso wie die abessinischen Leid bei dem Gedanken nicht wiedergutzumachenden Uebels, ein Krieg verursachen würde. Abessinien sehnt sich so sehr nach dem Frieden. In dem ihm aufgezivungenen Kampf hat es ein ruhiges Gewissen. Seife 4 Donnerstag, 12. Septcmber 1935 Nr. 213 Kundgebung der Eisenbahner Die im Zentralvertrauensmännerausschuß bereinigten Eisenbahnerverbände, die Unie Zelez- nicnich zämestnancü, die Jednota zamestnancü stätnich drah, der Verband der Eisenbahner, die Federace strojvüdcü, der Spolek zeleznicnich ükednikü und der Spolek keskosloven- skcho ürednictva jelezniöniho veranstalteten am Mittwoch eine gemeinsame Kundgebung im Saal der Prager Produktenbörse, der schon vor Beginn der Versammlung Aberfüllt war. Genosse T i ch o t a, der Vorsitzende der Jed- nota, wies in einer von lebhafter Zustimmung begleiteten Rede auf die Folgen der Gehaltskürzungen und der verspäteten Gehaltsauszahlungen für die Eisenbahner und ihre Familien hin, die besonders jetzt angesichts der Teuerung in eine immer schwierigere Lage geraten. Noch besorgniserregender sei die Lage eines Teils der AI t- Pensionisten und der Anwärter, die schon lange vergeblich auf die in Aussicht gestellte Aufbesserung ihrer Bezüge warten. Im Namen des Verbandes der Eisenbahner und der deutschen sozialdemokratischen Parlamentarier sprach als nächster Redner Senator Genosse G r ü n z n e r, der auf die wirtschaftlichen und politischen Hindernisse aufmerksam machte, die einer sofortigen Durchsetzung der erhobenen Forderungen derzeit im Wege stehen, und— unter dem Beifall der Versammlung— zum zähen gemeinsamen Weiterkampf im Bunde mit den sozialistischen Parteien aufforderte. Nachdem noch Vertreter der anderen veranstaltenden Verbände das Wort ergriffen hatten, wurde eine an die Regierung gerichtete Entschließung angenommen, die folgende Forderungen erhebt: 1. Aufhebung der Abzüge von den festen Bezügen und Pensionen. 2. Rückverlegung der Auszahlungstermine auf den Monatsersten. 3. Gleichstellung der vierten Etappe der Altpensionisten. 4. Durchführung des 8 25 des Gehaltsgesetzes über die Bedienstetenanwärter und des 8 142 über die Einrechnung der vorhergehenden Dienste. Sächsische Polizei wird für den Kries gedrillt An der tschechoslowakischen Grenze werden in den sächsischen Standorten der Landespolizei, die jüngeren Jahrgänge aus dem Polizeidienst herausgenommen und als Polizeikompanien dem örtlichen Kommandantender Reichswehr unterstellt. Die jungen Leute erfahren dort eine energisch betriebene militärische Ausbildung. An ihrer Stelle sind die sogenannten Feldjägerabteilungen der S.A. zur Verstärkung der Polizei herangezogen worden, die jetzt selbständig den Streifen- und Straßendienst ausüben. Diese Maßnahmen haben große Unzufriedenheit unter der Polizeimannschaften ausge- ,löst, die ihre Position und ihre Karriere durch die Feldpolizei beschlagnahmt sehen. Henlein— Deutschlands Stolz Die„Münchner Neuesten Nachrichten" vom 9. d. schreiben in dem Bericht über die Jahrestagung des Deutschen Auslandsinstituts in Stuttgart: „Der Vorsitzende des Instituts, Oberbürgermeister Dr. Strölin, führte u. a. aus: Erst in diesem Jahre ist das Deutsche Reich wirklich wieder eine Großmacht geworden. Trotz aller Lügen und Verleumdungen setzt sich jetzt im Ausland die Erkenntnis durch, daß der vom Führer geschaffene Nationalsozialismus die artgemäße Lebensform für das Deutschtum ist. Aus dieser Tatsache wird im Auslande in zunehmendem Maße die Folgerung gezogen» daß man mit Deutschland wieder ernstlich rechnen muß. Der Redner gedachte der Saarabstimmung und der Einigung der Sudetendeutschen unter Konrad Henlein." Ein„Sudetenderrtscher Rundgesang" entstanden in den Reihen der Troppauer Opposition der Henlein-Partei, versucht in einer langen Reihe von Strophen, die je nach der weiteren Rcisetätigkeit des„Führers" nach Bedarf ergänzt werden kann, ist unwiderlegbares Zeugnis der Mißstimmung jener Heimatfrontler, die sich durch noch so langes Strammstehen das kritische Denken nicht austreiben ließen. Freilich, sie sind eine Minderheit, die Zweifler, denen frommer Glaube an den„Führer" nicht über ihre eigene und die Not der sudetendeutschen Bevölkerung hinweghilst. Sie sind eine Minderheit— aber waren es nicht allezeit Minderheiten, die zu zweifeln, zu prüfen, zu kritisieren begannen?— Diese Kritiker, dst nun erkennen, auf welchen verhängnisvollen Irrweg sie sich führen ließen, versuchen sich durch scharfen Spott, der mit dem Führer die heute noch Gläubigen trifft, über ihre Enttäuschung und ihren Aerger hinwegzuhelfen,— und so scharf wird ihr Hohn, daß sich manche seiner Aeußerun- gen gar nicht zum Abdruck eignet. Ein paar der harmloseren Strophen als Kostproben: Der Henlein und der Goebbels Arm in Arm, Wenn ich die seh, da wird mir warm. Der eine schmächtig, kraus und krumm, führt Deutsche an der Nas herum. Der andre ist ein schöner Mann und sieht sich gern das Ausland an. Hütter de« Kulissen von Genf Ein interessantes Bild, das zwischen den Sitz ungen des Völkerbundsrates eingefangen wurde: Im Hintergründe tauschen der französische Ministerpräsident Laval und der englische Völkerbundminister Eden(links) ihre Eindrücke über die letzten Besprechungen aus; der Vertreter Abessiniens, Havariate(vorn links), und sein Rechtsberater, der französische Professeor I« z e, ein Pariser Hochschulprofessor(vorn rechts), sind aufmerksame Zuhörer. Feuer in einer Bodenbacher Lackfabrik Mittwoch um 5 Uhr nachmittags brach aus noch nicht geklärter Ursache in den Lagerräumen der Lackfabrik Borkovsky in Bodenbach ein Feuer aus. Bei den leichtentzündlichen Stoffen, die sich dort befanden, nahm das Feuer in kurzer Zeit einen bedrohlichen Umfang an, doch gelang es dem raschen Eingreifen der mit mehreren Motorspritzen am Brandplatz erschienenen Feuerwehr, des Feuers in kurzer Zeit Herr zu werden und zu verhindern, daß die Flammen auf andere Objekte übergreifen. Das ist in verhältnismäßig kurzer Zeit der dritte Brand, der in diesem Unternehmen ausgebrochen ist. Schreckenstat eines aus der Arbeit Entlassenen Mordversuch an einer Beamtin. Am Dienstag ereignete sich in der Zuckerfabrik in Rohrbach in Brünn eine furchtbare Tat, deren Motiv wohl Rache ist, deren eigentliche Ursache aber in der Not, der Krise und dem allgemeinen Arbeitsmangel zu suchen ist. Ein Mensch, der 21 Jähre in einer Fabrik arbeitete und der plötzlich ohne Arbeit dastand, wollte sich an der an seiner Entlassung schuldtragenden Person rächen. Der 49jährige Metallarbeiter Josef K n e t i g arbeitete durch mehr als 20 Jahre in der Rohrbacher Zuckerfabrik verläßlich und brav. Im heurigen Sommer gingen in Rohrbach Gerüchte um, daß Knetig, der verheiratet und Vater von 8 Kindern ist, in einige Liebesaffären verwickelt sei. Seine Gattin machte ihm deshalb Vorwürfe und Knetig nahm 200 Kd und fuhr, ohne etwas davon in der Fabrik zu melden, nach Prag. Ms er zurückkehrte, meldete er sich wieder in der Fabrik, doch war dort bereits seine Entlassung beschlossen worden. Dies teilte ihm die leitende Beamtin, die 30jährige I. B i l tj, mit. Er bat sie, ihn zu behalten und auch seine Gattin Er reist nach England, Schweden, Schweiz, Auch Adolfs Reich hat für ihn Reiz...■ und braucht neue Autos zum Reisen, Reifen, Benzin, und: Die Tage fließen munter fort. Er konferiert bald da, bald dort. Er fährt rmch England, fährt nach Schweden, Das Gastgewerbe, das soll leben! (Aber das ausländische nur!) Zurückgekehrt von frohen Fahrten, Stürzt er sich bald in neue Taten: Lohalitätsdepeschen ohne Zahl. Wir sind loyal, loyal, loyal! Es lebe hoch die Republik, Wir gehn mit ihr durch dünn und dick! Die Wochen fließen munter fort. Er konferiert bald da, bald dort! Sudetendeutschcr, sei zufrieden! Du hast das Himmelreich hinieden! Du hast Frank I, du hast Frank II, Gottlob, ein„Führer" ist dabei! Und wer für Konrad stirbt und lebt. Erhält ein Winterhilfs-Paketl Die Monde fließen munter fort. Er konferiert bald da, bald dort. Die Monde kommen, Monde gehn— Im Monat Mai wird's wunderschön. Und mit Gewalt in Henleins Brust Erwacht die alte Reiselust. und seine Kinder kamen in die Fabrik, um die Wiederanstellung Knetigs zu erbitten. Alle Versuche blieben aber vergeblich. Knetig beschloß nun, sich an der Brltz, die seiner Meinung nach an der Entlassung schuldtragend war, zu rächen. Am vergangenen Dienstag früh kam er wieder in die Fabrik und ersuchte die BilH, die Entlassung zurückzunehmen. Ms diese ablehnte, ging er in eine am Hof der Fabrik befindliche Kammer, nahm dort eine Holzhacke und ging damit wieder in die Kanzlei zurück. Dort versetzte er der BilH einen Hieb mit der Hacke über den Kopf und als die Unglückliche zusammenbrach, hieb er noch sechsmal auf sie ein. Trotz der schweren Verletzungen gelang es dem Mädchen, auf den Hof zu kommen, wo sich einige Leute ihrer annahmen. Sie wurde in die Brünner LandeSkrankananstalt gebracht. Ihr Zustand ist sehr ernst, doch hoffen die Aerzte, sie, falls keine Komplikationen eintreten, am Leben zu erhalten. Knetig ergriff nach der Tat die Flucht. Die Brünner Gendarmerie-Fahndungsftation entsendete sofort nach Rohrbach eine Abteilung und tatsächlich gelang es, Knetig schon am gleichen Abend in Seelo- wih festzunehmen. Er ließ sich ruhig verhaften und gestand, ohne Reue zu zeigen. Er wurde in die Haft des Seelowitzer Bezirksgerichtes eingeliefert. Autounglück auf der Dolomitenstraße Mailand. Auf der Dolomitenstraße zwischen Pordoi-Paß und Andras ist ein österreichischer Kraftwagen, der ins Schleudern geraten war, in einen 300 Meter tiefen Abgrund gestürzt. Aus den Trümmern des Wagens wurde die Leiche eines Mannes geborgen, der noch nicht identifiziert werden konnte. Eine tschechoslowakische Staatsbürgerin, namens Hilda K r a m b o v ä, die sich ebenfalls in dem verunglückten Kraftwagen befunden hatte, ist auf dem Transporte ins Krankenhaus den erlittenen Verletzungen erlegen. Soldatenselbstmord. Am letzten Samstag stürzte sich bei Falkenau der Soldat Karl Dok- sansky in selbstmörderischer Absicht aus dem das Grenzerbataillon Nr. 5 in die, Friedensgarnison Zurückgekehrt von frohen Fahrten, Stürzt er sich bald in neue Taten.,, Und hier bricht das Gedicht ab, nicht ohne die tröstende Bemerkung, daß es sich mühelos fortsetzen lasse, wobei jedoch zu beachten sei, daß des„Führers" Autopark größer» seine Loyalitätsdepeschen' voraussichtlich länger werden und seine Reisen sich allmählich auf alle Teile des Erdballes erstrek- ken. Henleins 50.» 60. und 70. Geburtstag werden zu wahren Festtagen der sudetendeutschen Bevölkerung. Henlein macht seinem Volke die Freude, sich auf dem Balkon zu zeigen. Seine Tanten und sonstigen nach lebenden Verwandten werden dem Volke gezeigt. Die sudetendeutsch- Einigkeit macht immer größere Fortschritte... Eine Dichtung, die solche Perspektiven eröffnet, wird gewiß in Musik gesetzt werden, und es bedürfte kaum der Aufforderung auf den von den oppositionellen Troppauern versandten Abschriften: Begabte Volksgenossen werden zur Verto- nung gesucht. 1. Preis: Reise in die schöne Schweiz oder nach Asch, 2. Preis: Bild mit eigenhändiger Unterschrift Konrad Henleins, 3. Preis: Fünf-Winterhilfspakete.—In Anlehnung an die bekannten Kettelchriefe wird gesagt:„Im Interesse großer Beteiligung wird ersucht, neunmal abzuschrechen und an Freunde und Bekannte weiterzugeben. Das bringt bekanntlich Glück." Bringt es auch nicht jedem Wschrecher und jedem Empfänger Glück, so macht es wahrscheinlich dem Empfänger Freude und dem Schreibenden schenkt es sogar noch mehr: Schadenfreude! befördernden Zug unter die Räder. Er war sofort tot. Durch die Untersuchung wurde ermittelt, daß die Ursache des Selbstmordes Beweggründe privater Natur sind. Der schwedische Dampfer„Mcrry" kam mit drei Piloten eines deutschen Wasserflugzeuges im Hafen von Gdingen an. Die Piloten waren infolge Motorschadens gezwungen gewesen, in der Nähe der Insel Bornholm auf demMeere .nieder zugehen, wobei das Flugzeug einen Flügel verlor. Die Flieger befanden sich in einer verztveifelten Situation, als sie im letzten Augenblick vom Dampfer„Merry" gesichtet und an Bord genommen wurden. Fünfzehnjährige erwürgt ihre Freundin. In einem Walde bei Krakau wurde vorige Woche die Leiche der 13jährigen Schülerin Gieras aufgefunden. Den Nachforschungen der Polizei gc- Ürng es zu ermitteln, daß die Gieras von ihrer 15jährigen Freundin Marie Czak erwürgt worden war. Die Czak bekannte beim Verhör, sie habe die Gieras deshalb ermordet, weil sie ihr güdroht hatte, ihren Eltern zu verraten, daß sie venerisch erkrankt sei. Flugzeug explodiert in der Luft. Dienstag ging in Bukarest ein Militärflugzeug an den Start, um nach Tokio zu fliegen. Die Maschine hatte kaum drei Kilometer zurückgelegt, als der Motor derselben explodierte und das Flugzeug Feuer fing. Die beiden an Bord befindlichen Flieger, Kapitän Popisteanu sowie Leutnant Papana, konnten sich durch Fallschirmabsprung retten. Die Maschine zerschellte am Erdboden und ging in Trümmer. Schneefall im Riesengebirge. Wiederholt ist in den letzten Tagen im Gebirge Schnee gefallen. Die Schneekoppe hat bereits eine dünne Schneedecke aufzuweisen, die allerdings nur kurzen Bestand haben dürste. In der Nacht von Montag auf Dienstag ist das Thermometer auf der Schneekoppe bis auf zwei Grad unter Null gesunken. Auch Rauhreisbildungen gab es schon dieser Tage. Ermäßigte Eisenbahn-Halbjahreskarten. Der Bund der Vertreter und Reisenden, Fachgruppe im Allgemeinen Angestellten-Verband, Reichenberg. Turnerstraße 27, verweist darauf, daß für organisierte Geschäftsreisende und Vertreter die ermäßigten Eisenbahn-Halbjahreskarten mit Geltung ab 1. Oktober gegeben werden und bei Besorgung durch die -Organisation ein Sondernachlaß von 5 Prozent bewilligt wird. MS neue Begünstigung steht den Besitzern von Eisenbahn-Jahres- und-Halbjahrskarten eine 25prozentige Fahrpreisermäßigung auf den Staats-Autobuslinien innerhalb des Direktionsbereiches der Eisenbahn-Jahres- oder Halbjahreskarten zu. Nähere Auskünfte über die Preise und Bedingungen erteilt der Bund der Ver- trever und Reisend en, Fachgruppe im Allgemeinen Angestellten-Verband Reichenberg, Turnerftraße 27. Tschechische Bolksfernkurse. Wie uns mitgeteilt wird, ermäßigt das Masaryk-Volksbildungsinstitut in Prag XII., Fochova 62, seine bekannten Volksfernkurse„Domäci uceni" zur Erlernung der tschechischen Sprache. Die Kursgebühr soll von nun an für den Anfängerkurs 65 Kd anstatt 85 Kc und für den Kurs für Fortgeschrittene 50 anstatt 60 Kd betragen. Außerdem kann dieselbe in Monatsraten gezahlt werden. Durch Herausgabe dieser, sowie deutscher Fernkurse für Tschechen, macht sich das MBJ um eine deutsch-tschechische Verständigung bei uns sehr verdient, was am besten auch in der stattlichen Teilnehmerzahl von über 80.000 Schülern zum Ausdruck kommt. Vorschläge für Errichtung anderer gemeinnütziger Kurse sind erwünscht. Rach einer sehr kalten Rächt, während welcher sich in Böhmen die ersten Fröste eingestellt hatten, ist Mittwoch in Mitteleuropa bei heiterem Himmel untertags wieder eine rasche Erwärmung eingetreten. Vereinzelt erreicht die Temperatur 20 Grad, in Budweis wurden um 14 Uhr 22 Grad verzeichnet. Die Abkühlung ist mit der nördlichen Luftströmung bis zum Aegäischen Meer vorgedrungen, wo es vielfach regnet. In unseren Gegenden tritt bereits eine Winddrehung gegen Südosten ein. Das Druckhoch zieht allmählich gegen das Karpathengebiet ab. Unter seinem Einfluß heitert sich der Himmel bereits auch in einigen Orten der Republik aus, wo die nächste Nacht sehr kalt werden wird.— Wahrscheinliches Wetter von heute: Im allgemeinen schön, namentlich untertags Erwärmung. Im Karpathengebiet nach Ausheiterung nachts kalt. Im Nordwesten des Staates später strichweise wieder etwas stärkere Bewölkung.— Wetteraussichten für Freitag: Wechselnd bewölkt, im allgemeinen wärmer. Vom Rundfunk tmpfehlenswertes au* den Programmen! Freitag Prag, Sender L: 6: Gymnastik, 10.05: Deutsche Presse, 10.30: Schulfunk, 11: Schallplatten, 13.30: Arbeitsmarkt, 13.40: The Revellers auf Schallplatten, 18.20: Deutsche Sendung: Hille: Geschichte und Entwicklung der Kunstblumenindustrie, 18.50: Arbeiterfunk: Aktuelle zehn Minuten, 19: Deutsche Presse, 21.50: Klavierkonzert, 22.45: Aus „Moskauer Nächte". Sender S: 7.30: Salonorchesterkonzert, 14: Aus tschechischen Opern, 14.15: Deutsche Sendung: Für die Frau.— Brünn 17.40: Deutsche Sendung: Das Menuett aus Don Juan, 18.45: Volkslieder, 21.05: Orchesterkonzert.— Mährisch-Ostrau 15: Orchesterkonzert, 18.20: Deutsche Sendung: Dr. Unger: Bürgerliche Ehre und ihr Rechtsschutz, 20.35: Ostrauer Gesangsquartett.— Preßburg 21.50: Zu Tanz und Gesang, Nr. 213 DonnerStag, 12. September 1935 Sette 5 Giftgase und ihre Abwehr Von einem ärztlichen Sachverständigen Unter all den drohenden Gefahren, die ein neuer Krieg über die Menschheit heraufbescMören würde, ist die furchtbarste die der Giftgase. Hier offenbart sich am deutlichsten die ganze Scheusslichkeit eines modernen Krieges, der wahllos Militär- und Zivilbevölkerung, Mänüer und Frauen, Greise und Kinder dahinraffen würde. Um daher nicht völlig wehr- und schutzlos den Gefahren eines Gaskrieges ausgesetzt zu sein, müssen wir uns zunächst über die in Betracht kommenden Gase und ihre Wirkungen klar werden und sodann die Frage eines allenfalls möglichen Gasschutzes in Erwägung ziehen, wie dies ja der vorbereitete Gesetzentwurf der Republik gerade jetzt Vorsicht. Unter den Giftgasen, die als chemische Kampfstoffe Verwendung finden, unterscheiden wir nach ihrem verschiedenen chemischen Aufbau bezw. nach ihrer Wirkungsweise auf den Organismus vier graste Hauptgruppen: 1. Grünkreuzgase, d. s. in der Hauptsache Lungengifte. 2. Gelbkreuzgcrse, d. s. in der Haupffache. Hautgift«. 3. Blaukreuzgase, d. s. in der Haupffache Nasen rache n-R eizgifte. 4. Tränengase, d. s. in der Hauptsache Auge n-R eizgifte. Die in der militärischen Sprache üblichen Bezeichnungen Grünkreuz, Blaukreuz und Gelbkreuz stammen ans dem Weltkrieg, wo von den Deutschen die verschiedenen Gasarten mit verschiedenfarbigen Kreuzen auf den Geschaffen kenntlich gemacht wurden. Die gefährlichsten Giftgase sind die, die zur Grünkreuz- und Gelbkreuzgrupp« gehören. Unter den ersteren spielt vor allem das heimtückische Phosgen, eine chemische Chlorverbindung, eine verderbliche Rolle. Einige ausgiebigere Atemzüge dieses farblosen, nach faulen Aepfeln riechenden Gases genügen, um innerhalb von 24 Stunden den Tod herbeizuführen. Dieser Stoff wandelt sich nämlich bald nach Einatmung in der Lunge in Salzsäure um, die dann das zarte Lungengewebe verätzt, auflöst und zerstört. Es kommt daher im Lauf« von einigen der Gasatmung folgenden Stunden zu blutig-schaumigen Auswurf, schwerster Atemnot mit blauer Verfärbung des Gesichtes, Erstickungsanfällen und Tod. Die Mortalität der Phosgenbergiftung beträgt am ersten Tag 80 Prozent d. h. von hundert Personen, die Phosgen in entsprechender Konzentration und Menge einatmen, ste.rb;n,?ttpq ,achtzig nn Laufe der ersten 24 Stunden; aber auch nachher kommen noch zahlreiche Todesfälle vor. Ein nicht weniger gefährliches Gift ist das sogenannte Senfgas, das in die Gelbkreuzreihe gehört. Dieser Stoff ist eigentlich kein GaS, sondern, eine Flüssigkeit, die stark nach Zwiebeln oder Senf riecht(daher der Name) und die unheimliche Eigensö^ift hat, alle Beklei- dungsstücke zu durchdringen, auch Leder und Gummi. Kommen Senfgasspritzer auf die Haut, so bilden sich in kurzer Zeit schwere Hautentzündungen, die weit über die ursprünglich benetzte Hautstelle hinausgreifen und oft zu schmerzhafter Blasenbildung nebst Eiterung führen. Ferner entstehen am Auge schwere Hornhautschädigungen mit Erblindungsgefahr, wenn Senfgas in die Augen gelangt, ebenso Schleimhauwerätzungen des Rachens und der oberen Luftwege. Eine andere Wirkung entfalten, auf Grund ihrer andersartigen chemischen Zusammensetzung, die Nasenrachen-Reizstoff« oder, Blaukreuzgae, die auch unter dem Namen Clark bekannt sind. Sie reizen sehr stark zum Husten bezw. Erbrechen und vermögen die üblichen Gasmasken mühelos zu durchdringen, weshalb sie im Weltkrieg als sogenannte Maskenbrecher verwendet wurden. Der Gegner wurde durch den unwiderstehlichen Hustenreiz zum Herunternehmen der Gasmaske gezwungen und war dann schutzlos den anderen nachströmenden Gasen ausgesetzt. Während im Kriege die Deutschen divorwiegend arsenhaltigen Blaukreuzstoffe verwendeten, benützten die Amerikaner einen chlorarsenhaltigen Giftstoff von oft noch verheerenderen Wirkungen, das sogenannte Adamsit. Als letzte Gruppe führten wir oben die Tränengase an, die in manchen Ländern heute zur Bekämpfung und„Ausräucherung"" von Verbrechern durch die Polizei dienen und eine heftige, speziell die Augenbindehaut reizende Wirkung ausüben. In stärkerer Konzentration entfalten auch diese Gase«ine Aetzwirkung auf die oberen Luftwege und verursachen Krampfhusten, Schädigung der Bronchien und Lungen. Neben den angeführen Stoffen, die chemisch alle mehr oder weniger miteinander verwandt sind und zu der grosten Gruppe der Reizgase gehören, werden von Zeit zu Zett in der Presse immer wieder andere Gase genannt, die angeblich von noch stärkerer Wirkung sein sollen. Solche Nachrichten sind mit grosser Vorsicht zu geniessen. Sie sind oft von bestimmter Seite in die Press« lanciert, um die Oeffentlichkeit zu beunruhigen und dienen daneben auch mancherlei dunklen Zwecken, um etwa vom Gegner gewisse Angaben über die von ihm verwandten Kampfstoffe herauszulocken, ihn einzuschüchtern etc. Das, was uns heute über die chemischen Giftgase bekannt ist, genügt fteilich durchaus, um über die Barbarei und die Grausamkeit einer zukünftigen Kriegführung entsetzt zu sein und -.wir müssen uns. angesichts dessen fragen: Gibt es überhaupt einen wirksamen Schutz gegen di« K a m p f g a s e oder sind wir ihnen allesamt wehr- und hilfsloS überliefert? Das bekannteste Schutzgerät ist zweifellos die G a s m a s k e, die prinzipiell einen brauch' baren Schutz verleiht und speziell mit. Hoch« lcistungsfilter gegen die erwähnten Kampfstoffe nützlich ist. Das Problematische an der Gasmaske ist nur, dass man in ihrem Gebrauch ausgiebig geübt sein muh, wenn sie überhaupt einen praktischen Wert haben soll. Der. Ungeübte reiht sich die Maske bestimmt nach längstens ß—10 Minuten vom Kopfe, da er mit ihr nur schwer atmen kann, Kopfschmerzen und Schwindel bekommt und es zumal bei Körperbewegungen(Gehen, Laufen, Arbeiten) nicht in der Maske aushält. Die Gasmaske als wirksames Schutzgerät wird daher im Ernstfälle vorwiegend für diejenigen Personen in Betracht kommen, die den Rettungsdienst zu versehen haben, alos Polizei, Grnldar» merie, Aerzte, Sanitäter, Feuerwehr, Rettungsmannschaften usw. Diese Personen müssen daher, wenn man eine gut funktionierende Gasabwehr schaffen will, in erster Linie im Gebrauch und Umgang mit der Gasmaske ausgebildet werden, wobei weiter daran zu erinnern ist, dass gegen das Kohlenoxyd auch die beste Mask« versagt und nur Sauerstoffkreislaufgeräte tauglich sind. Viel Unheil fft schon dadurch geschehen, dass sich mit Gasmasken versehene Leute in kohlenoxyderfüllte Räume begaben, natürlich im Vertrauen auf dir sichere Schutzwirkung der Maske, und dort tot liegen blieben! Für die Bevölkerung selbst, insbesondere ältere Personen und Kinür, sind feuer- und gassichere Unterstände zu bevorzugen, wie dies ja auch im vorbereiteten Gesetzesentwurf vorzusehen fein wird. Sehr wichtig ist ferner für die Bevölkerung eine entsprechende Gasdis- z i p l i n, da Unruhe, Auflegung, Panik die Gefahren in sehr bemerkenswerter Weise erhöhen. Dies gilt in des Wortes wahrster Bedeutung, und zwar nicht nur durch die Entstehung eines gefahrvollen Durcheinander im Ernstfall«, sondern auch durch die erhöhte Gfftwirkung. der Gase selbst. Hat beispielsweise jemand Phosgen geschluckt, so ist er, wenn er nach der erfolgten Gaseinatmung flieht, wegläuft oder selbst ins Krankenhaus geht» im allgemeinen verloren. Gasvergiftete dürfen niemals selbst gehen, etwa den Arzt oder das nächste Krankenhaus aufsuchen, sondern müssen dorthin getragen werden. Es ist eine der Hauptaufgaben des Rettungsdienstes, den sofortigen Abtransport aller gasgeschädigten Personen aus der Gefahrenzone vorzunehmen und sie ins nächste Rettungslokal zu bringen. Auch der, der scheinbar nur leicht vergiftet ist, darf nicht gehen, sondern muh getragen werden, da bei Bewegungen, die nachträgliche chemische Umwandlung des eingeatmeten Gases in der Lung» schneller und verderblicher vor sich geht. Die weiteren RettungSmahnahmen gehören in den Aufgabenbereich der ärztlichen Gaserkrankungsbehandlung. Auf diesem Gebiete, auf dem der Verfasser jahrelang mit Erfolg tätig gewesen ist/ lässt sich'ebenfalls viel prophylaktisch wie therapeutisch erreichen. ES gibt heute eine Reihe brauchbarer Mittel zur Behandlung GaS- vergifteter, zur Behebung der schweren Atemnot und zur SMvehr der drohenden Herzschwäche. Aber auch auf diesem Gebiete wird es notwendig sein, ebenso wie die Sanitätsmannschaften, di: den Fragen des Gasschutzes und der Behandlung Gasvergifteter grossenteils fremd gegenüber Parteitags-Protokoll erschienen! Soeben ist fast 800 Seiten stark das Protokoll. des zehnen Parteitages der Deutschen sozialdemokratischen Arbeiterpartei in der Tsche- choflowakischen Republik, welcher in Brünn vom 20. bis 23. Juni 1935 abgehalten wurde, erschienen. Es War dies einer der bedeutsamsten und interessantesten Parteitage seit Jahren, in welchem eine, mehrtägige Debatte über die vergangene und künftige Politik der Partei sowie über die bedeutsamsten politischen und wirtschaftlichen Fragen des Sudetendeutschtums abgcführt wurde, eine Debatte, welche durch ein grosses Referat des Genossen Dr. Czech eingeleitet und durch ein Schlusswort desselben Redners abgeschlossen wurde und in der eine Reihe führender Genossen und Vertrauensmänner ihre Auffassungen klargelegt haben. Deswegen bildet das Protokoll des Parteitages mit seinem Anhang, der das Protokoll der Frauenreichskonferenz enthält, für jeden Funktionär und für jeden, der im sude- tendeutschen öffentlichen Leben wirkt, ein unentbehrliches Handbuch. Das Protokoll kostet bloß 15 XL und ist durch daS Sekretariat der Partei in Prag XII., Sleftä 13, zu beziehen. stehen, eingehend zu unterrichten, damit sie im Emstfalle ihrer hohen Aufgabe als Helfer und Schützer der gefährdeten Volksgesundheit gerecht werden können. Alles in allem ist zu sagen, daß wir heute dm Gasgefahren durchaus nicht völlig wehrlos gegenüberstehen» sondern über eine Anzahl von Abwehr- und Hilfsmaßnahmen verfügen. Bei guter Organisation des Rettungsdienstes und verständiger Schulung der Zivilbevölkerung wird es möglich sein, auf dem Wege des passiven Gas- und Luftschutzes wenigsteus bis zu einem gewissen Grade der heimtückischen Gäsgefahren Herr zu werden. Dieser Grad wird umso höher sein, je besser Organisation und Ausbildung des Rettungsdienstes und je intensiver Aufklärung und Vorbereitung der Zivilbevölkerung sein werden. Vielweiberei in— USA AP. Hinter den riesigen Gebirgsschluchten des Grand Kanyon hat sich in einem weltfernen Winkel von Arizona, der den Namen„Strip" (Streifen) führt, in aller Stille der Brauch der Vielweiberei entwickelt. Als immer mehr Nachrichten darüber in die Außenwelt drangen, griff die Staatsanwalffchaft ein und hat nun zunächst gegen vier Männer und Mei Frauen Anklage er« hiBen. Der Streifen von Nordwestarizona, der durch den Grand Kanyon von dem Hauptteil des Staates.abgeschnitten ist, ist, von Mormonen aus Utah besiedelt, Sie hüben aber alle Verbindungen mit dm alten Gemeinden verloren. Lediglich die Vielweiberei behielten sie bei. Die Behörden entdeckten u. a. einen Mann mtt sechs, einen anderen mit fünf Frauen und einen achtzehnjährigen Jüngling, der es auch schon auf drei Frauen gebracht hatte. Man erklärt, daß mindestens 40 Verhaftungen notwendig sein würden, um des Uebels Herr zu werden. kleiner Mann im Urlaub il. Die sprechende Wand Die politische, gewerkschaftliche und genoffen- schaflliche Arbeit unserer Genossen und Genossinnen auf dem Lande ist viel schtverer, erfordert oft mehr persönlichen Mut und Opferbereitschaft, als die gleiche Tätigkeit in einer Stadt und Grossstadt. Darüber haben mir einigt Parteigenossen auf meiner Urlaubswanderung allerlei zu erzählen gewusst. Die Macht des Gegners, besonders im Wahlkampf, griff bis in die intimsten Familienvcrhältniffe. Wenn da einer allein im Abwehrkampf stehen würde, er wäre bald schwach und abgekämpft. Im Dorf, auf dem Lande zeigt sich erst so richtig, welche Kraft und Macht in allen unseren Organisationen steckt. Ihre Vereine sind da fast in jedem Ort zu finden— es sagens einem nicht nur die eigenen Mitglieder, oder der Gegner, niit dem man sich in ein informatives Gespräch einlätzt, es sprechen auch die Wände, daß hier, in der Landgemeinde, eine sozialistische Organisation besteht. Man findet Wandzeitungen, leider nicht überall und nicht immer täglich neu beklebt, man findet aber fast in jedem Ort Vereinskästen des Atus, Aruk und der SJ sowie der Arbeitersänger und Naturfreunde. Diese Kästen sind gün oder rot gestrichen, zeigen die nächsten Veranstaltungen an und bringen Photos von früher und meist auch Bilder aus der Tageszeitung der Partei. Grosser Beliebtheit erfreuen sich die Karikaturen. Es würde sich lohnen, in diese Art der Vereinskästen-Propaganda mehr Methode hineinzubringen. Konrad Henlein im Museum Erinnerungen an vergangene Zeiten findet man auch in den verschiedenen Museen. Die Ausstellungsobjekte sind meist weniger schön, als grauenvoll behaftet mit einer häßlichen Vergangenheit. Bei einem Museumsbesuch hat noch niemand geseufzt:„Ach, war das eine gute, alte Zeit, damals, als der Henker den Sträfling so gefoltert hat." Dkan kann natürlich auch freundliche Eindrücke in Museen sammeln, aber ganz gleich, ob der Eindruck erschreckend-unheimlich oder nett und freundlich ist, entscheidend bei einem Museumsbesuch ist: wir haben Zeugen und Zeugnisse eines gewesenen Zeitabschnittes gesehen— die Vergangenheit brachte sich in Erinnerung. Und wenn man nun in der sauberen Stadt St., mit den vielen Glasschleifereien und-Malereien, von welchen leider kaum die halbe Belegschaft Arbeit hat» das kleine Museum besucht und dort unter den vielen kunswollen Ausstellungsobjekten auch einen Bierhumpen mtt dem Bilde Henleins findet, fragt man sich unwillkürlich: „Gehört der Mann wirklich schon ins Museum— seine Zeit schon zur Vergangenheit?" Man wünscht es— im Interesse der Sudetendeutschen — herzlichst! doch leider findet man, daß dem noch nicht so ist, denn der weniger schöne Bierhumpen mit dem Konterfei Henleins steht—- mit anderen derartigen Nippessachen— auf einem Regal, von dem eine Tafel kündet, daß diese Gegenstände„Verkäuflich" sind. Wir nehmen dies stillschmunzelnd zur Kenntnis. „Heb' immer Treu' und Redlichkeit.. Das Pausenzeichen des Deuffchlandsenders. das nun seit fast drei Jahren die Bewohner des Dritten Reiches zu der scheinbar notwendigen täglichen Uebung von Treue und Redlichkeit kommandiert, hört man oft aus den Bauernhäusern tönen. Frühkonzert, Mittagskonzert, Nachmittagskonzert, Feierabendstunde von 7 bis 8 Uhr, Abendunterhaltungen— es wäre falsch zu verschweigen, daß es eben der Deutschlandsender ist, der fast vollständig das Tagesprogramm vieler sudetendeutscher Radiohörer ausfüllt. Leider hat unser Prager Sender ein, wie es der Volksmund sagt, viel zu sehr zerrissenes Programm, um diesen reichsdeutschen Rundfunkbann zu brechen. Und der grösste Mangel unseres Rundfunks: wenn man wenigstens bei Musikdarbietungen tschö- chisch-deutsch ansagen würde. Es geht doch Sonntag bei den Karlsbader Frühkonzerte l auch! Dazu sollte man tatsächlich jede tschechisch« Presse«, Börsen- und Wettermeldung sofort an sch liessen- deutsch bringen, und zwar ungekürzt. Diese beiden Mängel abgestcllt und der Hörerkreis für den Prager Sender» der in I Deutschland stark gehört wird, verdoppelt und verdreifacht sich. Der national-staatliche Charakter unseres Rundfunks wird dadurch in keiner Weise verwischt. Es wäre gut, wenn die verantwortlichen staatlichen Leiter eine Wanderung durch das sudetendeutsche Gebiet machten. Erstens würden sie da, wahrscheinlich mit Staunen, feststellen, wie dicht das Hörernetz ist und zweitens, was diese Hörer einchsalten. Unsere Genossen sind durch die jeden Mittwoch stattfindenden deutschen Arbeitersendungen mehr auf Radio Prag eingestellt; besonders beliebt sind die„Aktuellen zehn Minuten" am Freitag, welche man sich öfters, wenigstens dreimal wöchentlich wünscht. Den Wunsch könnte man ja leicht erfüllen, denn wir leben ja leider in einer furchtbar ereignisreichen Zeit. Der demokratische Staat sollte das beste Propagandainstrument bester anwenden, als es sein fascistischer Nachbar tut. Das Kapitel„Radiozeitschriften" verdiente ebenfalls ehestens mehr Beachtung und Kontrolle. Unsere Radiohörer bedauern stark, daß der„Arbeiterfunk" eingestellt werden musste und hoffen, er möge bald wieder erscheinen. Es fehlt im sudetendeutschen Gebiet ein demokratisch-fortschrittliches Rundfunkblatt; was man vorfindet ist entweder offiziell oder inoffiziell gleichgeschaltet. Unsere Parteiprefle sollte— es ist dies der Wunsch eines Haidaer Genoffen— jeden Samstag eine bestimmte Spalte„Rundfunk für Dich" bringen. Ich halte diese Anregung hiermit fest. Das schöne Harfenmotiv des Prager Senders müßte bei uns überall populärer werden. Ferdl Beinsteller wandert mtt Acht Tage habe ich mich um ihn überhaupt nicht gekümmert; da war es sonnig und der nächste Berg lockte zum Weiterwandern. Nun kam der fällige Regentag, der eine zweite Uebernächti- gung in der Rennersdorfer Naturfreundehütte nöttg machte. Die Hütte fft gross, sauber und liegt landschaftlich sehr schön. Bewirtung ist keine da, aber eS findet sich immer eine grössere Wandergruppe, die mit für einen kocht. In Rennersdorf würde man selbst einen 24stündigen Schnürlregen aushalten, besonders wenn Ferdl Beinsteller mit auf der Tour ist.— Ferdl Beinsteller? Was, Sie kennen Ferdl Beinstcller nicht? — Na, dann haben Sie entweder den vorigen Roman„Die Hühnersteige" in unserer Partei- preffe nicht gelesen oder sind auch" nicht Mitglied der„Büchergilde Gutenberg", welche diesen prächtigen Volksroman herausbrachte und sogar bis Ende August l. I. als Ferienbuch zum ermässigten Preis von 15 XL statt 25 XL abgab. Die Hauptfigur der„Hühnersteige" ist nämlich der Ferdl Beinsteller aus Prag-ZiZkov. Er und sein Schicksal reihen sich würdig den„Abenteuern des braven Soldaten Schweift" von H a i e I und den»Streichen des Baldamus" von Wöhrle an, ja» man findet sogar an Ferdl Beinstelle'r urechte Till-Eulenspiegelzüge. Jedenfalls: die Ahnenreihe ist gut und man wird sich nicht täuschen, wagt man baldige Neuauflagen, Uebersetzungen, ja sogar die Verfilmung von„Die Hühnersteige" zu avisieren. Die„Hühnerstcige" zu lesen, das bringt Sonne und herzliches Lachen auch in den trübsten Regentag. Man wünscht zum Schluß nur ein Bild des Autors Emil B a ch e k zu sehen, von dem man mit mehr Recht als bei Edgar Wallace behaupten, kann:„es ist unmöglich, von Vachek nicht gefeffelt zu sein." Ich empfehle allen Bücherfreunden dieses Werk. Es ist mir nicht nur ein guter Urlaubsbegleiter gewesen, es wird auch ein treuer Freund auf der weiteren Lebenswanderung sein.— Die Propaganda der„Büchergilde Gutenberg" würde aber auch dringend eine Steigerung vertragen. Innerhalb meiner nur 14tägigen Wanderung lernte ich zwei Parteigenoffen kennen, die sogar Kreisfunktionäre in unseren grossen proletarischen Kulturorganisationen Aruk und Atus sind und die feit Jahren zu den Mitgliedern einer deutsch-bürgerlichen Buchgemeinschast zählen,' dafür tüchtig werben und sich alle Jahre die Werbeprämie holen. Wir dürfen die Bedeu- tungdesBuchesalsWaffeimKlas« senkampf nie unterschätzen. » Vom Je schien herunter: Reichende r g l Der Urlaub ist aus— keine Zeit mehr zur Besichtigung dieser nordböhmischen Handelsmetropole. 1936 beginnt hier die neue Ferienwanderung. Dann: Fortsetzung folgt von Kleiner Mann im Urlaub. Seite 6 „Sozialdemokrat" Donnerstag, 12. September 1935. Nr. 213 fieitunq Tranerfeier im Sozialen Institut. Das Soziale Institut der Republik veranstaltet unter dem Vorsitz des Ministers Gen. Jng. Necas am 12. September um haM acht Uhr abends im Sitzungssaal des Ministeriums für soziale Fürsorge eine Trauerfeier anläßlich des Ablebens des Gen. Dr. Lev Winter. Ueber die Bedeutung des Verstorbenen sprechen Prof. Dr. Josef Macek, Prof. Dr. E. Schönbaum und Dr. Eugen Stern. Tod bei der Arbeit. Gestern vormittags arbeitete im Dachstuhl eines Neubaus im Brauereigarten in Prag-Weinberge der 42jährige Lackierer Josef Sima aus Zizkob. Als er die Fassade anstreichen wollte, kletterte er über das Geländer, stürzte ab und blieb tot liegen. Er hatte einen Bruch der unteren Schädelbasis und eine tiefe Ritzwunde über der Stirn erlitten. Seine Leiche wurde, nach Besichtigung durch den Polizeiarzt, ins Institut für gerichtliche Medizin gebracht. Der G'wissenswurm. Von einem nicht alltäglichen Fall erfuhr gestern die Prager Polizeidirektion, bei der von einem katholischen Pfarramt der Prager Umgebung die Summe von 14.500 Kc abgegeben wurde. Dieses Ereignis hat folgende Vorgeschichte: Im Jahre 1020 fand ein Mann, der zum Sprengel des betreffenden Pfarramtes gehört, auf der Reise von Hlazic nach Protivin den genannten Geldbetrag im Zug. Er eignete sich ihn an— nicht ohne Gewissensbisse, die er dadurch zu beschwichtigen suchte, daß er das Geld auf der Bank deponierte und die Zinsen, die es trug, den Waisen und Armen gab. Auf die Dauer konnte ihn das aber nicht beruhigen, so daß er jetzt— 15 Jahre nach dem Fund der Geldsunnne— zur Beichte ging, das Geld dem Pfarrer einhändigte und ihn bat, zu veranlaffen, daß es dem rechtmätzigen Eigentümer zurückgestellt, beziehungsweise falls dieser nicht festgestellt werden könne, zugunsten des Roten Kreuzes verwendet werde. Mit diesem Bemerken übergab der Pfarrer das Geld der Polizei. Deserteur und Kasernendieb. Der 29jähr., nach Bohnitz zuständige Jaroslav DoskoLil desertierte am 21. August vom 42. Infanterieregiment in Theresienstadt und trieb sich von dieser Zeit an in Prag herum, wo er hauptsächlich von Diebstählen lebte. Aus Pietät für seine Militärzeit verübte er den Grotzteil seiner Diebstähle in Kasernen. So stahl er in der Karolinentaler Kaserne einem Zugsführer ein Motorrad, das er einige Schritte weiter in einem Karolincntaler Gasthaus für 1500 KL verpfändete: Ein weiteres Motorrad stahl er in der Heinrichsgaffe und ließ es in der Altstadt stehen. In der Stefanikkaserne stahl er einem Rottmeister eine Uniform und verkaufte sie um 140 KL einem Kleiderhändler, in der Wrschowitzer Kaserne stahl er einen Koffer, in dem sich auch eine Uniform befand. Gestern wurde er verhaftet. Er gesteht sämtliche Diebstähle. ßeticktssaak Aus der Praxis eines Winkeladvokaten Ein„Detektiv" Prag. Der 31jährige ehemalige Privatbeamie Wenzel R u m p ä l. der fich heute vor dem Strafsenat Trost wegen des Verbrechens des Betruges zu verantworten hatte, leht nach Aimabe der vom Staatsanwalt Dr. Zitek vertretenen Anklage davon, daß er eine Art Winkeladvokatur betreibt. Er verfaßt gegen Entlohnung allerlei Eingaben an Gerichte und Behörden und ist auch bereit, in allerhand heiklen Angelegenheiten den„Berater und Helfer" zu spielen. Es geht dabei offenbar nicht immer ganz säuberlich zu. Wenzel R u m p ä l ist mit fünfzehn Monaten Kerker vorbestraft... Anr 30. September 1933 wurde das Fräulein Anna P. vor dem Masarykbahnhof von dem Angeklagten angehalten, der sie,»ach ihrer Aussage, in barschem und autoritativem Ton„imNamendes Gesetzes" aufforderte, ihm Rede und Antwort zu stehen und zu bekennen, seit wann sie mit dem Herrn Igel ein Verhältnis habe. Dieser Herr Igel ist ein höherer und nicht unvermögender öffentlicher Beamter, der mit seiner Gattin nicht im besten Einvernehmen lebte und seither auch mit ihr in Scheidung liegt. Fräulein Anna P. verlangte von dem vermeintlichen Detektiv eine Legitimation, worauf ihr dieser großartig erwiderte:„Ich brauche keineLegitimation. i.chhabedie Macht!" Hierauf führte er sie trotz ihrer Proteste in die Wohnung des Herrn Igel, wo er in Gegenwart von deissen Ehefrau neuerlich allerlei intime Geständnisse über ihr Verhältnis zu Herrn Igel zu erzielen trachtete. Anna P. ließ sich aber zu näheren Erklärungen nicht herbei und erstattete später gegen den falschen Detektiv die Strafanzeige. Dieser wurde denn auch wegen Betruges, begangen durch Anmaßung des Charakters einer Amtsperson unter Anklage gestellt. Das war vor zwei Jahren. Im Zuge der Voruntersuchung zeigte sich allerdings, daß der Sachverhalt sich ungeheuer komplizierte. Der beschuldigte Rumpal leugnete, sich als Detektiv x-usgegeven zu haben und gab bloß zu, er c-.abt im Austra« der Frau Igel und deren Familie gewisse Erhebungen über die Untreue des Herrn Gemahls durchgeführt. In diese Sache spielten allerlei vermögensrechtliche Auseinandersetzungen zwischen den Ehegatten herein, die inzwischen gegenseitige Scheidungsklagen«ingebracht hatten und die Strafsache mußte immer wieder unterbrochen werden, weil die mysteriöse Angelegenheit stets von neuem in ein anderes Licht geriet. So wurde u. a. auch die Glaubwürdigkeit der Hauptzeugin in einer Weise erschüttert, daß gegen diese die Vorerhebung wegen falscher Zeugenaussage eingeleitet wurde. Bemerkenswert war die Aussage der Frau Igel bei der letzten Verhandlung am Mittwoch, nach welcher der Angeklagte keineswegs von ihr freiwillig bestellt oder beauftragt wurde, sondern dieses .Geschäft" in schlauer Weise akquiriert hat. Nach ihrer Aussage erschien dieser Winkeladvokat eines Tages bei ihr, hielt ihr irgendeine Legitimation unter die Nase, befragte sie nach ihrem Eheleben und setzte ihr so lang« zu, bis sie vertrauensvoll alles weitere in seine Hände legte. So unklar auch vieles in der Vorgeschichte dieses Falles bleibt— dieses Zeugnis erscheint glaubhaft. Aber nicht die Praktiken des sonderbaren Helfers standen diesmal zur Verhandlung, sondern lediglich die Frage, ob er sich damals, bei der Betretung der Anna P. fälschlich als Amtsorgan ausgegeben hat. Da dies nicht nachgewiesen erscheint, fällte das Gericht einen Freispruch. rb. Raffinierter Versicherungsbetrug nach sechs Jahren vor Gericht Chauffeur zur Beihilfe gezwungen— unter Drohung mit Entlassung Prag. Wegen raffinierten Versicherungsbetruges waren vor dem Strafsenat I l l n e r angeklagt: der 37jährige Inhaber einer Karosseriefirma Franz C h v o j k a aus-H r d l o re z y, sein um zwei Jahre jüngerer Bruder Friedrich C h v o j k a. Buchhalter in Malesice und der Chauffeur Ladislav Nä- p r a v n i k. der seinerzeit in den Diensten Franz Chvojkas stand. Am 19. Mai 1929 havarierte auf der Straße zwischen Hrdloiezy und Zijkov der Fiatwagen des Erstangeklagten, der von: Chauffeur Nä- pravnik gelenkt wurde. Das Auto fuhr gegen«inen Baum und erlitt Beschädigungen, für welche Franz Chvojka bei seiner Versicherung, der.Prager Wechselseitigen Versicherungsgesellschaft" einen Ersatz von 6445 KL forderte und tatsächlich auch 4980 KL ausgezahlt erhielt. Zwei Jahre später, am 29. Juni 1931 erlitt der Wagen auf der Straße zwischen K l a d n o und Msec bei Schlan eine noch schwerere Havarie. Er fuhr in den Straßengraben, geriet in Brand und wurde vernichtet. Die Versicherung zahlte weitere 14.900 KL. Auch diesmal wurde das Auto vom Angeklagten Näpravnik gelenkt. Dieser Näpravnik nun war es. der wieder nach mehreren Jahren die Anzeige erstattete, daß es sich ber beiden Havarien um ersten Versicherungsbetrug gehandelt habe. Sein Chef, Franz Chvojka habe ihn in beiden Fällen genötigt, den Wagen havarieren zu lassen, wobei sein Bruder Friedrich Chvojka tätige Beihilfe leistete. Besonders bei dem zweiten Unfall, der von dem Herrn Chef und seinem Bruder langer Hand vorbereitet wurde- Der Chaffeur wurde u n- terADrohung sonstiger,Entlassung gezwungen, behilflich zusein. Beim Autohrand betätigte sich Friedrich Chvojka besonders aktiv und leitete die ganze Aktion. In einem Wäldchen wurde der Wagen angehalten, mit Benzin hegossen und dann in den Straßengraben gerollt. Wie geschickt die Sache eingefädelt war, geht schon daraus hervor, daß die Kommissäre der Versicherung keinen Verdacht schöpften. Als später der Herr Chef den Chauffeur, den er zur Beihilfe bei diesen Gaunereien gezwungen batte, entließ, erstattete dieser die Anzeige. Ueberflüssig zu hemerken. daß der edle Dienstgeber und sein Bruder vor Gericht die Unschuldslämmer spielten und die Anzeige des Chauffeurs als wüsten Racheakt hinstellten. Aber es lagen eindeutige Beiweise vor— u. a. schriftliche Weisungen, die di« Schuld der Gebrüder Chvojka klar beweisen. Nach langer Verhandlung erkannte der Gerichtshof alle drei Angeklagten schuldig, wobei aber die, Abstufung des Strafausmaßes beweist, daß die Richter die Situation wohl' erkannt haben. Franz Chvojka wurde zu zehn, sein Bruder Friedrich zu zwölf und der Chauffeur Ladislav Nä- pravnikzu sechs Monaten Kerkers verurteilt— alle unbedingt. rb. Iümst und Mssen Der Geizige Die Neuinszenierung der Molidr e'schen Komödie in der Kleinen Bühne fand nicht viel Publikum, aber starken Beifall; denn sie erfüllte die Voraussetzung, die eine Moliöre-Aufführung heute allein zum Erfolge machen kann: eine fesselnde Charakterisierung der Hauptfigur. Walter Taub gestaltete den Harpagon mit nie nachlassender Intensität, und wenn ihm auch die erschütternden Wirkungen verfagt bleiben, die ganz große Schauspieler in dieser Rolle zustandebringen, so gelangen ihm die bizarren Wirkungen umso besser, die sein von Gier behexter, von Furcht gekrümmter und vor Sparsamkeit verrückter Geizhals erregt. Aus der altertümlichen Heiterkeit der um die Hauptfigur gesponnenen Handlung, die der Spielleiter Arnold Marl« mit willkürlichen Regiezutaten unnötig aufgepulvert hat, vermochten Erich Dörner, Leopold Dudek und(am Anfang wenigstens) auch Elfriede Bringolf komische Einzelheiten treffsicher zur Geltung zu bringen, während die Rokoko- Liebespaare, die meist im Deklamatorischen stecken bleiben, gestern auch sonst noch zuweilen stecken blieben.—eis— Spielplan des Neuen Deutsche« Theaters. Donnerstag halb 8: Madame Butterfly, C 2.— Freitag 8:Werbekonzert, Abonnement aufgehoben.— Samstag halb 8: Dieheilige Johanna, Dl. Spielplan der Kleinen Bühne. Donnerstag 8: Mädchen für alles, volkstümliche Vorstellung.— Freitag halb 8: Der Stärkere, Erstaufführung.— Samstag 8 Uhr: Kiki. Der Dkm, Fra Diavolo Die amerikanischen Groteskenspieler Stan L a u r e l und Oliver H a r d y scheinen mit der Zeit selbst gemerkt zu haben, daß sie in Gefahr sind, ihre Komik durch Wiederholung abzustumpfen, und so sehen wir sie jetzt bei dem Versuch, sich in den Rahmen eines Opern- und Ausstattungsfilms einzufügen, um im neuen Milieu wieder frisch zu wirken. Wenn dieser Versuch eine Opernparodie als Ergebnis gehabt hätte, wäre sicher etwas sehr Lustiges entstanden. Aber es ist nur ein Zwitter entstanden: eine Opern-Revue frei nach Auber und in ihr eine Reihe komischer Szenen, in denen Laurel und Hardy(erst als Konkurrenten und dann als Diener des galanten Räubers Fra Diavolo) ihre bekannten Späße vorführen: pfiffig der eine, dummdreist der andre, tölpelhaft Heide. Sie sind also wieder dieselben, die sie immer waren, nur daß man jetzt auch noch Sing- und Liebesszenen mit in Kauf nehmen muß, um sie zu sehen. Immerhin haben sie eine Heulszene unter dem Galgen und eine Lachszene vor der Gefangennahme, denen man schwer widerstehen kann.—eis— Drei bengalische Reiter Wer sich von diesem amerikanischen Film etwas besonders Interessantes verspricht, der wird enttäuscht sein: denn tatsächlich ist er im Umriß und in der Handlung nur eine Nachahmung der vielen Filme, die in der Fremdenlegion spielen, nur daß hier an die Stelle der Legion die britische Reiterei an der unruhigen Nordgrenze Indiens gesetzt ist. Der Roman von Aeats-Brown, der als Vorlage diente, scheint dieselbe Mischung von Abenteuern und männlichem Opfermut bevorzugt zu haben, die wir in solchen exotischen Kriegserzählungen immer wieder antreffen, und der Regisseur Henry Hathaway hat sich auch darin an die erwähnten Vorbilder gehalten, daß er den Film offensichtlich nicht dort ausgenommen hat, wo er spielt. Was den Film— für einen Teil des Publikums wenigstens— unterhaltsam macht, ist der angelsächsische Humor, von dem die drei englischen Kolonialoffiziere, die Hauptgestalten dieses Films, sehr ausgiebig und auch in den ärgsten Situationen Gebrauch machen: ein männlicher, trockener, mit knurrender Gelassenheit geäußerter Humor, der da- zu dient, zartere Gefühle zu verdecken und über verzweifelte Augenblicke hinwegzukonnnen Die drei Leutnants, die einander kameradschaftlich lieben, die sich füreinander zu opfern bereit sind, miteinander in die Gefangenschaft eines Afghanenfürsten geraten und schließlich den Sieg Englands sicherstellen(wobei einer den Heldentod stirbt), bekunden ihre Gefühle vorwiegend durch Scherze jener Art, auch ihre Gefühle gegen den Obersten, der ein starrer Pflichtmensch mit tief verstecktem gutem Herzen ist(so daß er im Prinzip seinen Sohn zu opfern bereit ist, aber zumindest hofft, daß man ihn gegen seinen Befehl retten werde). Bedenklich an diesem Film ist die sportliche Auffassung des Kriegshandwerks, die in Ländern ohne Wehrpflicht nicht ganz so unnatürlich ist wie anderswo, die aber keineswegs erfreulich wirkt. Befremdlich ist der naive englische Patriotismus, den man hier in Hollywood fabriziert hat. Beachtlich sind die schauspielerischen Leistungen Gary Coopers, des jungen Richard Cromwell und des Vater-Darstellers Guy Standing. Aber sie leiden unter dem formalen Mangel dieses Films: daß zu viel geredet und zu wenig agiert wird. —eis—- Spart■ Spiel- Körperpflege Prag gegen Ukraine 1 r 0 Am Mittwoch trug das Prager Team in K i e w das dritte Spiel auf seiner Rußlandiournee aus und besiegte die erst kurz vorher von ihrer Auslandsreise heimgekehrte ukrainische Auswahlmannschaft vor über 30.000 Zuschauern mit 1:0(1:0). Das Tor der Prager erzielte Silny. Französische Arbeiter-Leichtathletik Zwei neue Bestleistungen Im Pariser Pershing-Stadion fand am Sonntag eine große Arbeitersporweranstaltung statt, welche einige hundert Teilnehmer aufwies. Ueber 5000 Zuschauer waren von dem gebotenen Sport begeistert. Zwei neue Bestleistungen, und zwar über 4X200 Meter und im Diskuswerfen, wurden aufgestellt. Die wichtigsten Ergebnisse: Männer: 100 Meter: Jeansou(Toulouse) 11.2 Sek.— 200 Meter: Jeansou 23.3 Sek.— 400 Meter: TLtard(Courbevoie) 51.4 Sek.— 80< Meter: Lemoine(Levallois) 2:01.4 Min.— 150c Meter: Bunel(Montreuil) 4:19.2 Min.— 5000 Meter: Bonneau(Pantin) 16:35.2 Min.— 110 Meter Hürden: Duhin(Levallois) 18.4 Sek.— Hvchsprung: Duhin 1.65 Meter.— Weitsprung: Lybonnet(Levallois) 6.12 Meter.— Kugel: Ber- nard(Chambly) 11.07 Meter.— Diskus: Vernarb 35.01 Meter(neue Bestleistung; alte: 84.19 Meter).— 4X200 Meter: Levallois 1:36.4 Min. (neue Bestleistung; alte: 1:40.2 Min).— 800X 400X200X100 Meter: Levallois 3:43.4 Min. 1 Jojka Koldovskä in dem heimischen Film„Der verhängnisvolle Augenblick", der im Rahmen einer spannenden Handlung die' furchtbaren Folgen der Geschlechtskrankheiten schildert. Frauen: 80 Meter: Camp(Paris) 11.4 Sek.— 200 Meter; Camp 30.2 Sek.— 600 Meter: Birolini(Levallois) 1:54.2 Min. Basketball(Männer): Paris A gegen Paris B 51:22(26:14). Danziger Arbeitersport. Die leichtathletischen Serienwettkämpfe wurden beendet. In der Män- ner-A-Klasse. siegten die Sportfreunde Danzig vor Freie Turnerschaft Danzig; in der B-Klaffe gewann Bar Kochba Danzig und bei den Sportlerinnen bewies die FT Danzig eine große Ueberlegenheit, da sie mit ihren drei Teams die ersten drei Plätze-besetzte.- Der beste Fünskämpfer(100 Metex, Hoch-, Weitsprung, Kugel, Diskus) der A-Klasse war Brauer(Wasserfreunde Danzig), welcher 370.50 Punkte erreichte und folgende Einzelergebnisse erzielte: 100 Meter: 11.4 Sek.; WeitsprNng: 5.83 Meter; Hochsprung: 1.50 Meter; Diskus: 32.34 Meter; Kugel: 11.91 Meter. Die polnischen Arbeiter-Leichtathletikmeisterschaften gelangen am 22. September in Warschau zur Durchführung. Ein Leichtathletikwettkampf Frankreich—Belgien wir am Sonntag, dem 15. September, in Paris zur Austragung gelangen. Die Strahenmeisterschaft der französischen Arbeiter-Radfahrer wurde am Sonntag auf der 180 Kilometer langen Strecke Chatillon—Paris zum Austrag gebracht. 48 Fahrer beendeten das Rennen, von denen Van Vayenderg(Torey) in 3:40 Std. als Sieger hervorging. Eine große Menschenmenge in den an der Route liegenden Orten und am Ziel bewies ihr Interesse an dieser gelungenen Veranstaltung.. flua der Partei Republikanische Wehr, Prag. Donnerstag, den 12. September, Versammlung im Parteiheim um 8 Uhr. Veremsnachdchtw Freie Bereinigung sozialistischer Akademiker. Freitag, den 13. September, 20 Uhr, Mitgliederversammlung im Parteiheim, Närodni tr. 4. Mitteilungen aus dem Publikum. Bo« den zahlreichen Abführmitteln sind nur wenige geeignet, ihren Zweck in vollkommen unschädlicher Weise zu erfüllen. Von alters her Haben sich die milden pflanzlichen Abführmittel weit besser bewährt als diejenigen aus künstlichen, chemischen Swffen. Erfahrene Kliniker und praktische Aerzte verordnen gern die seit vielen Jahren bewährten Leopillen aus rein pflanzlichen Stoffen, weil der Zerfall(Auflösung) des nach einem besonderen Verfahren gepreßten Pillenkerns sich auf fast die gan?e Länge des Darmes ausdehnt. Dadurch wird -.ine allzu heftige Stuhlentleerung verhütet. Der Stuhlgang erfolgt nach Gebrauch von Leopillen vollkommen schmerzlos und ohne Störung der Nacht- ruhe. Leopillen enthalten keine chemischen Absichtmittel, eine Tatsache, die von maßgebenden Klinikern als wesentlicher Vorteil gewertet wird. 20—51 Auch Deine Blumen blühen so schön, wenn Du sie mit dem guten Blumen-Zauberdung pflegst! 1 Paket KL 5-60, durch die Verwaltung der„Frauenwelt", Prag XII., Fochova tr. 62, und bet allen Kolporteuren erhältlich. Bezugsbedingungen: Bei Zustellung ins Haus oder bei Bezug durch die Post monatlich KL 16.—. vierteljährig KL 48.—, halbjährig KL 96.—. ganzjährig KL 192.—.— Inserate werden laut Tarif billigst berechnet. Bei öfteren Einschaltungen Preisnachlaß.— Rückstellung von Manuskripten erfolgt nur bei Einsendung der Retourmarken.— Die Zeitungsfrankatur wurde vor der Post- und Tele- graphendirettion mit Erlaß Nr. 13.800/VII/1930 bewilligt.— Truckerei:.Ork-is". Druck-. Verlags, und Zeitungs-A..G.. Prag.