Sonntag, 15. September 1935 15. Jahrgang HmeTprels 70 Hellev (•frnchlieClieh 5 Hollor Porto) TENTRALORGAN DER DEUTSCHEN SOZIALDEMOKRATISCHEN ARBEITERPARTEI IN DER TSCHECHOSLOWAKISCHEN REPUBLIK ERSCHEINT MIT AUSNAHME DES MONTAG TÄGLICH FRÜH. Redaktion und Verwaltung präg xii.,fochova a. Telefon 53077. HERAUSGEBER. SIEGFRIED TAUB, CHEFREDAKTEUR. WILHELM NIESSNER, VERANTWORTLICHER REDAKTEUR. DR. EMIL STRAUSS, PRAG, Mussolini treibt zum Bruch Kompromiß„unmöglich“— Austritt aus dem Völkerbund erwogen Nom.(Reuter.) In der Sitzung des italienische« Kabinetts erstattete Ministerpräsident Mussolini eine« eingehende« Bericht über die milttä- rische und politische Lage. Aeber die Ministerratssttzung wurde ei» amtlicher Bericht auSgegeben, welcher besagt, daß die Minister die Umstände prüfte«,««ter welchen es Italien unmöglich wäre, Mitglied des Völkerbun des zu bleiben: „Die Minister", heißt es in dem amtliche« Bericht, erachteten es als ihre Pflicht, in der klarstem Weise neuerdings zu bekräftige«, daß das Ualienisch- abessinische Problem«ach den riesigen Bemühungen und Opfer«, welche Italien gebracht hat, keine Kompromißlösung zulaffe." Mussolini erklärte«. a.r Bom militärischen Gesichtspunkte aus schreitet unsere Borbereitung in Ostafrika mit e r- böhter Intensität fort, um uns größere militärische Streitkräfte zu sichern, a!s es die abessinischen Streitkräfte find. Zur Bertei- dignng der italienischen Kolonie Ltzbien sind Verstärkungen im Anmarsch. An der Hand detaMerter Date« führte Muffolini aus, daß die Gesamtstärke der ttalienische« Wehrmacht zu Lande, zu Waffer und in der Luft so groß ist, daßaufjede Drohung, vonwelcher Seitesieauch komme«möge,gea«twor- tet werde» könne. Die KriegSvorbeveittmgen und Lieferungen schreiten intensiver, aber in einem regelmäßigen Tempo fort. Zur politischen Lage erklärte Mussolini, dir Reden Hoares und Lavals hätten nicht anders sein können, als ste waren, da die Stellung Englands und Frankreichs zum Bölkerbundpakte aus einleuchtenden Gründen gegeben war. Sie seien daher von den verantwortlichen Kreisen Italiens und von den breiten Massen des italienischen Balkes mit der größten Ruhe ausgenommen worden. Die französtsch-italienischr ken, nicht nur im Interesse der beiden Länder, Freundschaft wolle Italien entwickeln und stär- sonderu auch in dem der europäischen Gesamtarbeit, di« nicht durch einen Konflikt kolonialer Kultur oder durch di« Anwendung von Sanktionen zerschlagen werden könne, wie fie in früheren, viel schwereren Streitigkeiten zwischen Mitgliedern d«s Völkerbundes niemals angewandt worden seien. bleue Angriffe gegen Rußland auf dem Nürnberger Parteitag Nürnberg. Nach Goebbels hat nun auch der Leiter des Reichsrechtsamtes der NSDAP, Frank, in einer Parteitagsrede Angriffe gegen Sowjetrußland gerichtet. Der Nationalsozialismus, führt Frank aus, sehe im Bolschewismus „nichts anderes als ein organisiertes Verbrechertum, das zur Schande der Welt auf das russische Volk losgelassen werde". Daher werde Deutschland an keiner zwischenstaatlichen Zusammenarbeit auf dem Gebiete der Strafrechtspolitik oder des Gefängniswesens teilnehmen, sofern ein bolschewistischer Vertreter an dieser Gemeinschaft teilnehmen wird. » ernste Konsequenzen? Paris. Der Nürnberger Sonderberichterstatter des„Journal" meldet, daß die scharf anti- sowjetistisch eingestellte Rede Goebbels' am Par- teikongreß der NSDAP das Borwort zum baldigen Abbruch der diplomatischen Beziehungen zwischen Deutschland und Sowjetrußland gebildet hat. Auch an sowjetdiplomatischen Stellen Berlins sei man der gleiche» Ansicht,...... Erregung in Genf Genf.(Havas.) Die Meldung, daß der ttalienische Ministerrat in Rom die Frage erwogen habe» in welchen Fällen Italien ein weiteres Verharren im Bölkerbund unmöglich wäre, wurde in Genf zu Beginn der Rachmittags- fitzung der Bölkerbundsversammlung bekannt. Erwartungsgemäß rief sie eine sehr große Erregung hervor. Franzöfischerseits hatte man dami gerech- , net,daß die entschiedene, zugleich jedoch gemäßigte Rede des Ministerpräsidenten L a v a l» die in den Kreisen des Völkerbundes mit einem Gefühl der Erleichterung der bisherigen Spannung ausgenommen wurde, auch in Rom rin günstiges Echo finden würde. Wenn die verantwortlichen Repräsentanten Italiens die Beziehungen zum Völkerbünde abbrechen würden, müßte dieses italienische Borgehen in klarer Weise einen ungünstigen Einfluß auf die weiteren Verhandlungen in Genf ausüben. Schon der Umstand, daß die italienische Regierung.die Möglichkeit erwogen hat, aus dem Bölkerbund auszutreten, ruft in Genf wahrhafte Enttäuschung bei allen Delegationen hervor, die immer noch auf eine friedliche Lösung gehofft hatten, wenn dies auch aller Wahrscheinlichkeit widersprach. Es bleibt abzuwarten, ob Italien seine angekündigte Absicht in die Tat umsetzen wird, falls dieser oder jener Umstand eintritt, oder ob die römische Meldung, daß Italien die Möglichkeit des Austrittes aus dem Bölkerbund erwäge, nicht derBersnch eines letztenDruckes auf den Fünferansschuß darstellt. »er rricdcnsblodi Die Rede, die der französische Außenminister L a d a l Freitag in der Völkerbundversammlung gehalten hat, leitet eine neue Acra der Völkxr- bundpolitik und der europäischen Polttik im allgemeinen ein. Das letzte Halbjahr in der internationalen Politik war gekennzeichnet durch die Aktivität der Außenpolitik der fasci- st i s ch e n S t a a t e m Zunächst hat sich Deutschland über die Bestimmungen des Versailler Vertrages hinweggesetzt und den europäischen Mächten bekanntgegeben, daß es die allgemeine Wehrpflicht einführt und aufrüstet. Die Welt hat die Kundgebung der deutschen Regierung ruhig hingenommen, eine einheitliche Stellungnahme der Großmächte scheiterte an dem Widerspruch der anderen fascistischen Macht in Europa, Italien, aber auch an der Politik dec englischen Regierung. England hatte sich jahrelang bemüht, im Wege eines allseitigen(multilateralen) Abkommens zu einer Beschränkung der Rüstungen zu gelangen. Nachdem dies nicht gelungen war, hat England versucht, durch ein Abkommen mit Deutschland(bilateral) die Seerüstungen dieses Landes in ein bestimmtes Verhältnis zu den englischen zu bringen. Es bestand die Absicht, ähnliche Seeabrüstungsabkommen auch mit anderen Ländern abzuschlietzen. Dadurch verhalf England dem fascistischen Deutschland zu einem bedeutenden internationalen Erfolg. Die Aktivität der zweiten fascistischen Großmacht in Europa, Italiens, ist nach zwei Richtungen gegangen. Zunächst hat Italien erfolgreich.-^- daran ist Frankreich schuld>— seine Stellung in Mitteleuropa außerordentlich verstärkt und den entscheidenden Einfluß in Oe st erreich gewonnen und hat Oesterreich zu einer italienischen Kolonie gemacht. Frankreich hatte im Feber 1934 nicht die Kraft gefunden, den Angriff auf die österreichische Demokratie abzuschlagen, hat sich dadurch um allen Einfluß in Wien gebracht und Italien zur entscheidenden Großmacht im Donaubecken gemacht. Aber damit hat sich Italien nicht zufrieden gegeben, es hat koloniale Ausdehnung und Kriegsruhm in Abessinien gesucht, um auch da seinen Einfluß zu erweitern und neben den alten Kolonialmächten in Erscheinung zu treten. Das hat nun England auf den Plan gerufen. Man weiß, welche Bedeutung insbesondere der Westen Abessiniens für England hat, das brttische Imperium kann es sich nicht gefallen lassen, daß Italien die Herrschaft über die Nilquellen und damtt über den Wohlstand Aegyptens erlange. Es hat im Laufe der Verhandlungen Italien bedeutende Konzessionen angeboten, die dieses aber abgelehnt hat. Das konnte sich England nicht gefallen lassen und an den Lebensinteressen des britischen Imperiums ist der dogmatische Pazifismus der Engländer zerbrochen. Die Rechte und die Linke sehen nun in England ein, daß das Reich aktiv in die europäische Politik eingreifen und dem Vordringen des fascistischen Imperialismus ein Halt zurufen müsse. Die Entscheidung in Genf wurde durch Frankreich herbeigeführt. Frankreich hat lange geschwankt, an wessen Stelle es in dem großen diplomatischen Ringen treten soll, es wollte es sich weder mit Italien noch mit England verderben. Nun, da alle Vermittlungsversuche Lavals gescheitert sind, tritt Frankreich an die Seite Englands und die europäische Politik, die Polittk des Völkerbundes bekommen mit einem Äkale wieder eine feste Linie. Mit England gehen die nordischen Staaten, Schweden, Norwegen, Finnland, Dänemark, aber auch Holland und Belgien, an der Seite Frankreichs ist die Sowjet-, union, die Kleine und die Balkan-Entente. Ein großer europäischer Friedensblock ist im Werden, der sich quer über jene Straße legt, auf der die fascistischen Staaten marschieren wollen, um Kriegsruhm und Landgewinn einzuheimsen. Das Zusammengehen Frankreichs und Englands, von dem im Grunde genommen der Frie-! den Europas abhängt, hat das Dunkel zerrissen, in dem in den letzten Monaten die diplomatischen Verhandlungen sich bewegt haben. Wenn der Völkerbund, geführt durch den Block England-Frankreich-Sowjetunion und die mit diesen Ländern verbündeten Staaten zielbewußt die Sache des europäischen Friedens vertreten wird, dann wird es keiner der beiden fascistischen Staaten, weder Italien noch Deutschland versuchen, die Brand« fackel des Krieges in das von der Krise geschwächte Die Zwiespältigkeit der Moskauer Beschlüsse In der Sozialdemokratie Ist Zersetzunssarbeit zu fördern In den kommunistischen Parteien seht die Parteieinheit über alles Allen Arbeitern, die sich mit dem Sinn und den möglichen Auswirkungen der Reden und Beschlüsse des VII. Kongresses der Komintern befassen, unterbreiten wir eine lehrreiche Gegenüberstellung. In der nun veröffentlichten Resolutton des Moskauer Kongresses ist zu lesen: »Indem die Kommunisten vor den Massen de« Sinn der demagogischen Argumente der rechten, sozialdemokratischen Führer gegen die Einheitsfront aufdecken«nd den Kampf gegen den reaktionäre« Teil der Sozialdemokratte verstärken, müssen sie die e n g st e Zusammenarbeit mit den linken sozialdemokrati scheu Arbeitern«nd F u«ktiouären«nd Organisationen herstellen, die gegen die reformistische Politik kämpfen«nd für di« Einheitsfront mit der kommunistischen Partei eintteten. Je stärker unser Kampf gegen den reaktionären Teil der Sozialdemokratie, der sich in einem Block mit der Bourgeoisie befindet, sein wird, umso wirksamer wird unsere Hilfe für denjenigen Teil der Sozialdemokratie sein, der sich revolutioniert. Auch innerhalb des linken Lagers wird der Klärungsprozeß seiner einzelnen Elemente«mfo rascher vor sich gehen, je entschiedener die Kommunisten für die Einheitsfront Aiit den sozialdemokratischen Parteien kämpfe» werden." Auch im einleitenden Referat Dimitroffs war mehrfach davon die Rede, daß der Kampf gegen die Antikommuni st en in den sozialdemokratischen Parteien zu führen ist, und zwar von Kommunisten und linken Sozialdemokraten gemeinsam. Im genauen Wortlaut des Schlußwortes Dimitroffs(Deutsche Zentral-Zeitung, Moskau, vom 22. August) finden wir folgenden Passus: „In unseren Reihen kann für Fraktionen, fraktionsmäßige Neigungen kein Platz sein. Derjenige, der es versucht, die eiserne Einheit unserer Reihen durch irgendwelche Fraktions- macherei zu verletzen, wird am eigenen Leibe verspüre», was die bolschewistische Disziplin bedeutet, in der uns Lenin und Stalin immer unterwiesen haben.(Beifall.) Möge dies eine Warnung für die vereinzelte« Elemente in den einzelnen Parteien sein, welche glauben, daß sie die Schwierigkeiten ihrer Partei, die Wunden einer Niederlage und die Schläge des rasenden Feindes zur Durchführung ihrer F r aktiv n S p l ä n e zur Verwirklichung ihrer Gruppeninteressen ausnützen können.(Beifall.) Die Partei über alles!(Stürmischer Beifall.) Die bolschewistische Einheit der Partei wie einen Augapfel behüten— das ist das erste«nd oberste Gesetz des Bolschewism« s." Das heißt also: den Antisozialdemokraten in den kommunistischen Parteien wird erhöhte Tätigkeit auferlegt. Angeblich im Dienste der sozialistischen Einheit soll innerhalb der sozial- demokrattschen Parteien die Fraktionsbildung mit allen Mitteln gefördert werden. Wer aber als Kommunist mit dieser famosen Auslegung der Einheitsfrontparole nicht einverstanden ist und in seiner Partei eine Fraktion zur Bekämpfung der Antisozialdemokratcn bilden wollte, der wird „am eigenen Leibe verspüren, was bolschewistische Disziplin bedeutet". Der wiederholte Beifall nach diesen Worten Dimitroffs besagt, daß dies die einmütige Auffassung des ganzen Moskauer Kongresses gewesen ist. Ss wird gut sein, wenn die sozialdemokratischen Arbeiter die Losungen Dimitroffs im vollenUmfange zur Kenntnis nehmen. Solange die Bolschewisten rufen: die Partei über alles!, werden auch wir Sozialdemokraten die Einheit unserer Bewegung wie einen Augapfel behüten müssen. Denn die neue Einheit der Arbeiterklasse wird erst kommen, wenn nicht mechr die Partei über a l l e s g e s e tz-t w i r d, s o n d e r n d i e s oz i a- litzische Einigung selbst. •Seife 2 Sonntag, T5. Scvtemker 1935 Nr. 211 Mängel des Getreidemonopols Schädigung der Kleinbauern und der Konsumenten Europa zu werfen. Demokratische Völ- kerbundpolitik und Frieden— fasci st i scher Imperialismus und Krieg: das sind diebeidenLager, in die Europa zerfällt. vle Arbeitslosigkeit im deutschen Gebiet Prag. Im sozialpolitischen Ausschuß des Senate- befaßte sich, wie wir schon kurz mitteilten, Genosse Hackenberg mit der Arbeitslosigkeit vor allem in den deutschen Gebieten des Staates. LS dürfe, so erklärte Hackenberg, nicht als Unrecht aufgefaßt werden, wenn man auf die besondere Notlage in diesen deutschen Gebieten verweist. Das ist keine nationalpolitische Frage, zumal es in den Randgebieten nicht nur deutsche Arbeiter, sondern auch vielfach tschechische Minderheiten gibt- Daß die Notlage daselbst größer ist, ist darauf zu» rückzuführen, daß die erwähnten Gebiete hauptsächlich Industriegebiete sind. Nicht nur die Textil- und Glasindustrie, sondern auch die Steinindustrie, z. B. in Schlesien und Südböhmen, sind schwer in Mitleidenschaft gezogen, insbesondere durch die Drosselung der Ausfuhr. Natürlich muß es auffallen, wenn man sieht, daß Bevorzugungen eintreten, daß z. B. Arbeiter und Angestellte deutscher Nationalität entlassen und an deren Stelle keine Arbeiter und Angestellte deutscher Nation mehr eingestellt werden. Das wirkt sich ungünstig auf daS Verhältnis dtr Nationen aus. Richtig ist der Hinweis, daß die uns zur Verfügung stehenden Arbeitslosenziffern des Statistischen StaatsamteS nicht stimmen, weil nicht alle Arbeitslosen— aus mehrfachen Gründen— erfaßt werden. Was daS Genter System anbelangt, so waren wir nie Freunde desselben, sondern Anhänger der obligatorischen Arbeitslosenversicherung. Allerdings ist die Einführung der letzteren in Krisenzeiten nicht durchführbar, besonders jetzt, wo es noch Nicht gelungen ist, das nächste Budget auszuüanlancieren. Redner nahm dann Stellung gegen einen weiteren Lohnabbau. Jede Absatzstockung durch Verminderung der Löhne bedingt eine Verschärfung der Krise. Wir müssen bestrebt sein, eine Absatzsteigerung im Inland zu erzielen. Ebenso notwendig ist es, für den Export Sorg« zu tragen. Redner befaßt sich dann eingehend mit der Kontingentierung der Kunstfette, der Milchbewirtschaftung und der Äartosfelversorgung. * ... dreimal so groB wie Im tschechischen Wie di« Mitteilungen des deutschen Haupt« Verbandes der Industrie melden, waren in der ganzen Republik zu End« August von 1000 Einwohnern 37.8 arbeitslos. Diese Arbeitslosigkeit verteilt sich jedoch ganz verschieden auf di« tschechischen und deutsche Gebiete. Während in den tschechischen Gebieten von 1000 Einwohnern nur 27.7 arbeitslos waren, waren es in den deutschen Gebieten 76.4 auf 1000 Einwohner. Die Arbeitslosigkeit ist also im deutschen Gebiete dreimal so groß als im tschechischen, wobei als deutsche Gebiete nur jene gezählt werden, deren Einwohnerschaft nach der letzten Volkszählung zu mehr als 50 Prozent aus Deutschen besteht. In den letzten zwei Jahren haben die Wirt» fchaftsverhältnisse eine Entwicklung genommen, die zur Katastrophe führen und den Zusammenbruch tausender kleinbäuerlicher Existenzen her* aufbeschwören muß, wenn ihr nicht rechtzeitig durch entsprechende gesetzliche und administrative Maßnahmen Einhalt geboten wird. Die Hoffnungen, die weite Kreise der Kleinbauern und Häusler auf eine Verbesserung ihrer Lage durch das Getreidemonopol setzten, sind zunichte gemacht worden. Nach wie vor halten wir daran fest, daß di« Grundgedanken ein« monopolistischen Marktregelung gut wären, wenn sie nicht durch den Einfluß der Großagrarier in ihr Gegenteil verkehrt würden. Das kann unter Umständen zur Folge haben, daß das Getreidemonopol durch den Einfluß der unersättlichen Großagrarier derart kompromittiert wird, daß die Mehrheit der Bevölkerung dagegen Stellung nimmt und das Monopol in seiner Gesamtheit beseitigt wird. Der wesentliche Grundsatz d«S Monopols besteht in der Ausschaltung des Zwischenhandels, wodurch den Produzenten angemessene Preise und den Konsumenten und Futtermittelzukäufern erschwingliche Produkte gebracht werden sollten. Statt dessen sind durch die Art, wie das Monopol gehandhabt wird, die Futtermittelpreise nahezu««erschwinglich geworden. So sind die Preise für Krastfuttermittel(Oel- kuchen etc.) bis zu 50 KC und die Preise für Futtergetreide bis zu 35 KL verteuert worden. Ein großer Teil der kleinen Viehzüchter muß schon bei normalen Erntejahren Futtermittel zukaufen. DaS wurde in erhöhtem Maße notwendig durch die vorjährige und diesjährig« Futtermittelmißernte. Die hohen Futtermittelpreise hinderten aber die Kleinbauern und Häusler am Zukauf des notwendigen Futtermittelbedarfes, sie waren ge- zwrmgen, schon im Vorjahre einen Teil ihres Viehes zu verschleudern. Der heurige Futtermit- telauSfall und die furchtbare Verteuerung durch die Einbeziehung sämtlicher Futtermittel in die Monopolbewirtschaftung verdoppelt nun diesen Notzustand. Schon jetzt werden in Westböhmen Klagen der kleinen Viehzüchter laut, daß sie ihr letztes Vieh verkaufen müssen. Trotz dieser Umstände wurde bei der Novellierung deS Getreidemonopols keinerlei Rücksicht darauf genommen. Di« Futtergetteidepreise Wurden weiter bettächtlich erhöht. Die Kleie sogar um 8 KL, Getreideschrot um 6.50 KL. Wenn man m Betrach zieht, daß vom gesamten Viehstand die Kleinbauern bis zu fünf Hektar 31:7 Prozent besitzen, so bring die Erhöhung der Futtermittelpreise einen Verlust von rund 30 Millionen für diese Besitzkategorie mit sich, während andererseits die landwirtschaftlichen Betrieb« über 20 Hektar 230 Millionen durch die Monopolpreise gewinnen. Die Hauptgewinner sind die Großgrundbesitzer, die den nötigen Futtermittelbedarf selbst erzeugen und davon(in Gegenden ohne Mißernte) noch zu hohem Preise verkaufen können. Die durch die Mißernte und vor allem durch die hohen Futtermittelpreise bewirkte Virhverschlrndernng deS Vorjahres hat besonders die Kleinlaadwirte schwer getroffen. Der Biehstand ist um 200.000 Stück und der Schweinestand um 800.000 Stück zurückgegangen. Diese rapide Abnahme hat zu einer Steigerung der Biehpreise und vor allem der Fleischpreise geführt. Wenn in den kommenden Wintermonaten die letzten Futtervorräte von den Kleinlandwirten aufgebraucht sind, wird ein neuer Ausverkauf des Viehs und eine Ueberschwem- mung deS Marktes erfolgen, was wieder einen Preissturz herbeiführen wird. Immer dann, wenn die Kleinlandwirte ihr Vieh verkaufen müssen, ist der Preis niedrig, wenn sie aber den so dezimierten Viehstand ersetzen wollen, um die Bewirtschaftung ihrer Grundstücke zu ermöglichen, sind die Preise inzwischen wieder oben. Die Schädigung des Kleinbauernstandes geht auf diese Weise in die Hunderte Millionen. Der derzeit hohe Vieh- preiS nützt den kleinen Landwirten nichts. Sie hwben kein überschüssiges Vieh zu verkaufen und benötigen den vorhandenen Bestand zur Bestellung der landwirtschaftlichen Herbstarbeiten. Wenn diese vorüber sind und zum kommenden Winter die spärlichen Futtervorräte aufgebraucht sind, dann wird ein Abverkauf in großem Umfange einsetzen, der neuerdings die Viehpreis« herunterdrückt, so daß der kleine Viehzüchter für sein gezwungenermaßen verkauftes Vieh wieder nichts erhält. Mit Bestimmtheit ist dann im Frühjahr mit einer größeren Nachftage zu rechnen, weil zu den landwirtschaftlichen Arbeiten wieder Vieh gekauft wird, was eine Preissteigerung und damit eine neuerliche schwere Schädigung der kleinen Landwitte zur Folge haben wird. Hingegen bringen die derzeitigen Viehpreise dem großen Besitzer schwere Gewinne, weil er sein Vieh mit den selbsterzeugten Futtermitteln über di« Zeiten der schlechten Biehpreise hinwrgfüttern und sie immer bei gutem Preise verkaufen kann. Diese unbegründete, durch die Monopolpreise, die Zölle und die Einfuhrsperre für Futtermittel herbeigeführte Preis st eigerung beim Fleisch trifft die armen Konsumentenschichten, von denen Hunderttausende arbeitslos sind, ungeheuer schwer und es ist nur zu begreifen, daß sich diese Schichten gegen diese künstliche Verteuerung ihrer Lebenshaltung zur Wehr setzen. Wenn aber den klemen Viehzüchtern die Möglichkeit eines billigen Futtermitteleinkaufes geboten wird, so können sie Vieh zu einem für die Konsumenten erschwinglichen Preis erzeugen. Das ist auch der tiefere Sinn des Monopolgedan« kenS, der eine Uebervorteilung der einen Bevölkerungsschichte zugunsten der anderen verhindern sollte, von dem großagrarischen Einfluß aber ins Gegenteil verbogen wurde. Aber auch jene Kleinlandwirte, die Ge- treide verkaufen, werden durch die neuen Monopolpreise geschädigt. Bekanntlich ist der Kleinlandwirt gezwungen, sein Getreide restlos im Herbst abzugeben, um die notwendigen Barmittel für seine Auslagen(Steuern, Schuldzinsen, persönliche Auslagen) so rasch als möglich zu erhalten. Die Monopolpreise sehen aber vor, daß die Monatszuschläge in der Zeit vom September bis Dezember am niedrigsten gehalten sind(bei Weizen und Roggen 1 KL, bei Hafer 50 Heller monatlich), während die Preise im Mai und Juni bei Weizen 3 KL, im Feber bis Mai bei Roggen 2.50 KL und im Jänner bis Juni 1.50 VILLA OASE oder: DIE FALSCHEN BORGER Roman von Eugene Debit Berechtigt« Uebertragung au» dein Französischen von Eejot In ihrem Zimmer im Montbert fiel Irma aufs Bett, Julien setzte sich, zufrieden mit seinem Tagwerk, an ihre Seite, zog sie sanft an sich, drückte stärker, doch sie stieß ihn zurück. Er sah, wie bleich und erschöpft sie war, und sein Wunsch verstummte. Die Aerzt« zögerten, sich über di« Art ihres Leidens auszusprechen. Zum Glück wußte Julien selbst, was ihr schadete, und welchen Mitteln st« vertraute. Ihre eigentliche Krankheit saß hier oben, wie er den Freunden, sich an die Stirn schlagend, erklärte. Natürlich war auch Helenes Tod mit schuld an ihrer Traurigkeit, aber vor allem war seine Frau nicht geschaffen fürs Geschäft. Sie ärgerte sich zu vixl. Machte ein Gast eine abfällige Bemerkung, kündigte«in Mädchen: gleich geriet sie in Wut. Einige Tage nach ihrem Gang auf den Friedhof erhielt Julien einen Brief vom großen Felix, der mit seiner Frau, der Miß, an der Riviera war. Die Miß war kränk. Er teilte es Irma mit, aber sie nahm die Nachricht gesaßt auf und sagte nur:»Dann werden wir eben die Arbeit machen." Sie sehnte sich nach der Rue Bourquin. Dort hatten sie die Dinge so lange auf den Kops gestellt, bis sie schließlich eingesehen hatten, eS iväre daS beste, eine vollkommen neue Einrichtung inachen zu lassen. Nun sah cS in der Wohnung au» wie in einet Werkstatt. Julien war fast täglich dort. DaS Badezimmer, das endlich fertig war, versetzte ihn in helle Begeisterung. An Stelle d«S Salons, den er auf Alfreds Rat verkauft hatte, war ein prachwolles, modernes Herrenzimmer im Werden. Er drängte den Innenarchitekten, er möge sich beeilen. Der Kerl verbrauchte ein unsinniges Geld. Das wußte Julien. Und doch ließ er sich immer wieder zu neuen Ausgaben verleiten, weil er zu schwach war, nein zu sagen. Er schilderte Irma den Fortgang der Arbeiten und schlug ihr eines Tages vor, sich selbst davon zu überzeugen.„Ich will erst hingehen, wenn alles fertig ist. Dann ist die Wirkung um so stärker", erwiderte sie. Aber in Wahrheit war es nur die Furcht, etwas zu finden, was sie an HeleneS Tod erinnerte. Sie hatte zwar vor sich selbst die Angst vor Ansteckung durch die Einsicht widerlegt, sie würde, wenn sie etwas erwischt hätte, es wohl längst ge« merkt haben. Dennoch veranlaßte sie jedes Kribbeln im Halse, ihren Auswurf zu. studieren und sich die Frage vorzulegen, ob die Krankheit ihrer Tochter eben so begonnen habe. Dann legt« Julien ihr seine große Hand auf die Stirn und tröstete sie:»Gar nichts haft du. Hier oben sitzt die Krankheit." Vielleicht hatte er recht? Sie grübelte zu viel, dachte unaufhörlich an Helene, konnte sie nicht vergessen. Alfred riet ihr, sie solle sich zerstreuen. Aber wie? Sich von Julien ins Caft des Courses schleppen lassen, oder im Theater Bakterien ein- atmen? Schönsten Dank! Sie wäre gern mit Alfred ausgegangen. Er war klüger und interessierter als ihr Mann. Aber sie führte ein Hotel und hatte wenig Zeit. Schließlich ging sie überhaupt nicht mehr au» dem Zimmer. Sie haust« wie in einem Zigeunerlager. Neben dem Fenster standen die Frisier- tiolette mit dausen Fläschchen, Geschenken ihrer Mädchen, und ein Tisch, beladen mit Zettungen, aus denen sie den Roman ausschnitt. In ihrem Nähkorb lag ein Schaltuch, an dem sie häkelte, wenn sie nachts wachte. Und überall lagen Hemden, Hosen, Strümpfe, standen Kartons mit Hüten. Julien schimpfte Wer di« Unordnung, Wer sie gab ihm zur Antwort: »Das ist mal eine Abwechsiung, aller Pedant. Wie soll sich eine Frau in einem einzigen Zimmer einrichten, in dem sie alles tun muß?" Sie. tat nicht viel darin. Sie saß und träumte. Wenn sie frühstückte, machte ein Mädchen sltarell das Bett, auf das sie sich legte, um zu ruhen oder die Zeitung zu lesen. Um vier Uhr mußte man»etwas zu sich nehmen", weil dann der Betrieb so lebhaft wurde, daß sie nie wußte, wann sie zum Essen kam. Gepudert, mit gemalten Lippen nahm sie ihren Platz im Büro ein, in den Ohren echte Pcr- lengehänge, auf der Brust, an einer Plattnkette, ein Brillantenkreuz. In ihrer Abendtoilette wirüe sie imposant. Kein Mensch konnte zweifeln, daß sie die Wirtin dieses florierenden Hotels war. Julien gab ihr, ehe er ins CafL ging, einen Kuß und bemertte:,»Die Heizung funktioniert. Sei ganz unbesorgt, Dicke." Sie häkelte. Die Klingel schrillte. Schritte auf der Treppe. Ein Pärchen, von Blanche begleitet. ES kam bald wieder hinunter. Irma legte daS GM in die Kassa. Die meisten Damen, die ins Montbert gingen, kannte sie. Viele Hutten ihr ihre Lebensgeschichte erzählt. Manchmal mußte sie daran denken, daß auch sie vielleicht auf diese schiefe Bahn geraten wäre, wenn Alfted sie nicht davor bewahrt hätte. Aber eigentlich hatte sie niemals Aehnlich- keit mit diesen Mädchm gehabt, die in den Taq hineinlebten ohne jedes Ideal. Sie sah sie vom Büro aus vorüberdeftlieren, wie Julien sie von der Terrasse seines Stammlokals beobachten konnte. Manche waren fein angezogen, manche armselig. Alle aber waren sie vom Schicksal bestimmt, im Hospttal zu enden. Sie achtete sie nicht, aber sie lächelte ihnen zu. DaS ließ sich nicht vermeiden. Zumal denen, die Ehampagner aufs Zimmer bringen ließen. War Nachmi'ttagSvovstellung fn den Falles und im Palace,.steigerte sich der Umsatz. Dann KL bei Hafer per Meterzentner bettagen. Dadurch wird eS möglich, daß die großen Grundbesitzer, die ihre Getreidevorräte bis ins Frühjahr aufbewahren können, größere Gewinne daraus ziehen und sich auf Kosten der Kleinbauern bereichern. Eine weitere schwere Schädigung der landarmen Bevölkerung bringt das Verbot der Lohnmahlung mit sich, wodurch nun den ärmere» Schichten am Lande die Möglichkeit genommen wird, Getreide gegen Mahlprodukte umzutauschen und sich Mahlprodukte vom Müller liefern zu lassen. Darüber und Wer die Verantwortlichkeit der polttischen Parteien soll noch in einem zweiten Arttkel ausführlich geschrieben werden. Es muß aber jetzt schon festgestellt werden: Wenn die von den Großagrariern herbeigeführte Entwicklung in der Monopolisierung unserer Ernährungswirtschaft in dieser Richtung weitergeht, so werden nicht nur die Konsumenten schwer geschädigt, es kommen schliesslich auch tausende klein« Landwirte um ihre Existenz. Deshalb hat es der Zentralverband der Kleinbauern und Häusler als dringend notwendig erachtet, durch seine Stellungnahme, die vor einigen Tagen in unserem Blatte abgedruckt war, die ganze Oeffentlichkeit auf diesen Verderben bringenden Zustand aufmerksam zu machen, die Kleinbauern und Häusler und alle Parteistellen zum Kampfe gegen ein« Agrarpolitik aufzurufen, die zur Verelendung der ärmeren Schichten in Stadt«nd Land führt. Nur dann, wenn es gelingt, die ländliche Oeftentlichkeit über den Verderben bringenden Einfluss der Grossagrarier auf die Landwirtschaftspolitik aufzuklären«nd die Forderungen der organisierten Kleinbauern»nd Häusler bis ins letzte Dorf zu wagen, wird es möglich sei«, einen Erfolg zu erzielen«nd der großagrarischen Ausbeutungspolitik ein Ende zu bereiten. A. Sch. Ein neuer Nazisender ist in Reschenbach in Pr.-Schlesien, also ganz nahe unserer Grenze, errichtet worden. Er arbeitet auf der Gleiwitzer Welle mit angeblich nur fünf Kilowatt. Man wird bald sehen, daß dieser Sender zur Bearbeitung der überwiegend deutschsprechenden Gebiete RordostböhmenS und Nord- mährenS bestimmt ist. Und was tut der tschechoslowakische Rundfunk dagegen? Der Kufturausschuss des Senates hält am Mittwoch, dem 18. September, um 10 Uhr eine Sitzung ab. Auf der Tagesordnung steht die Debatte Wer die vom Abgeordnetenhaus« bereits angenommene Vorlage Wer die Sprengel- bürgerschulen. Der Index der Grosshandelspreis« nach dem Stande vom 1. September d. I. bleibt gegenüber August-unverändert auf der Höh« von 705. Der Index der Nahrung»- und Genußmittelgruppe bewögt 726 wie im August, wobei der Futtermittelindex ein Steigen um 2 Prozent von 605 auf 617 ausweist, während sich die Jndexgruppe der Nah- rungs- und Genußmittel fast nicht ändert, 726 Punkte gegenüber 727 im Vormonate. Auch der Index der Jndustriestoffe und»Erzeugnisse weicht vom Index im August nur um einen Punkt ab, 688 gegenüber 689 im August. In der Gruppe der t i e- rischen Nahrungsmittel verteuerten sich Rindfleisch um 1.4 Prozent, Schweinefleisch um 5.8 Prozent, geräucherter Schinken um 7.8 Prozent, ausländisches Schweinefett um 1.7 Prozent und inländische» um 14.2 Prozent, Butter um 11.4 Prozent und Eier um 6.8 Prozent, legte Irma die Häkelarbeit auf die Seite und kontrollierte die Treppe. Sie klapperte zufrieden mit dem Schlüsselbund, schob die Banknoten in den Tischkasten und dachte nur an den Gewinn. So ausgeglichen sie in diesen Momenten zu sein schien, so nahe lag doch die Gefahr, daß ein plötzliches Angstgefühl ihr die Kehle zusammenpreßte. Ein Wort, eine Geste, eine vage Andeutung genügte, das Bild ihres Kindes, der Beerdigung, des Grabes zu beschwören. Dann sank ihr Lebensmut in nichts zusammen.»Wozu das viele Geld?" fragte sie sich. Sie würde es vielleicht nie genießen. Julien, dem sie ihr Herz ausschütten wollte, hatte gewunken und begriff sie nicht. Oder er erklärte, sie reibe sich unnütz auf. Helene war nun schon länger als zwei Monate tot, und noch immer hörte sie ihr Stöhnen, sah sie ihre leidvollen Gesten. Sie erinnerte sich jedes ihrer Besuche im Krankenhaus und machte sich Vorwürfe, daß sie fast immer so spät erst dort gewesen war. Sie erinnerte sich an jede Einzelheit in der Rue Bourauin, zumal an Helenes abweisendes Wesen in den letzten Tagen. Dann fühlte sie auch Gewissensbisse. Zwanzig Jahre lang hatte sie nichts gewußt von Mutterliebe, und plötzlich war sie in ihr erwacht. Ein junges Mädchen pflegen müssen! Das Schicksal hatte ihr nicht die Zeit gegönnt, ihre Lehrzeit als Mutter durchzumachen. Sie hätte Geld auf die Seite gelegt, um Helene eine Mitgift zu sichern, sie hätte einen guten Mann für sie gefunden. Da war der Tod gekommen und hatte einen Strich durch ihre Rechnung gemacht. Wie sagw Alfred doch immer?»Das Leben ist vorausbestimmt." Welche» Schicksal mochte ihr beschieden sein? Sie hatte die Frage schon Hellseherinnen vorgelegt, aber sie hatten ihr so viel dummes Zeug erzählt, daß sie nichts mehr glaubte, nicht einmal an den lieben Gott. Auf jedem lastete Verhängnis. Auch auf ihr. Da sie e» wußte, übte sie Vorsicht in allen Dingen. .(Fortsetzung folgt.' Nr. 21« Tonntaft, 18. September 1938 Seite 3 tfudetendeuisdm Zeitspiegel Machtvolle Kundgebung in Dux Mr Samstag nachmittags um 4 Uhr hatten die deutsche und die tschechische sozialdemokratische Arbeiterpartei gemenisam mit den tschechischen Nationalsozialisten die Duxer Bevölkerung zu einer öffentlichen Massenkundgebung auf dem Duxer Marktplatz aufgerufen.■ i Um 4 Uhr marschierten in disziplinierter Fcrmation die Teilnehmer auf den Marktplatz ein. Von Jugendlichen wurden Sturmfahnen und die Staatsflagge vorangetragen. Eröffnet wurde die Kundgebung vom Vorsitzenden der tschechischen nationalsozialistischen Partei L o u t e I und Genossen Pichl. Zu den Massen sprachen Genosse Senator Dr. Heller, Abgeordneter Genosse H l a d k h aus Klodno und Redakteur B o l e n aus Prag. Nach den Referaten wurde eine Resolution verlesen und angenommen, in der vor allem scharf gegen die Teuerung Stellung genommen und verlangt wurde, daß sofort ausreichende Hilfsmaßnahmen für die Arbeitslosen ergriffen werden. Diese Resolution wurde nach der Kundgebung dem Bezirkshauptmann übergeben und auch an das Ministerratspräsidium in Prag abgeschickt. Die Kundgebung wurde mit einem markanten Schlutzloort der Genossen D v o t a k und Pichl geschlossen. Hilgenreiner geht Am 28. und 28. September findet der Parteitag der Deutschen christlichsozialen Volkspartei statt, auf dem vor allem die durch die Wahlniederlage der Partei vom 19. Mai geschaffene Lage besprochen werden wird. Das Resultat ist bereits bekannt, jener Mann, der die größte Verantwortung für die Politik der Partei trägt, Senator Hilgenreiner, wird nicht mehr zum Obmann der Partei gewählt werden. Damit ist die Niederlage des henleinfreundlichen Flügels der christlichsozialen Partei entschieden. Man weiß, daß die christlichsoziale Politik seit dem Aufkommen der Henleinbewegung schwankend gewesen ist und daß in der Partei zwei Flügel miteinander rangen, von denen der von Prof. Hilgenreiner geführte die Zusammenarbeit mit Henlein wollte, während der andere, dessen hervorragendste Vertreter der Abgeordnete Dr. Luschka und der ehemalige Minister Mayer-Harting sind, ein« Politik im Sinne der aktivistischen deutschen Parteien machen wollte. Zunächst siegte der Hilgenreiner-Flügel, weil die Christlichsozialen hofften, durch ein« betont nationalistische Note die Abwanderung ihrer Wähler ins Henlein-Lager zu verhindern. Den Höhepunkt erreichte diese Politik im Jänner dieses Jahres, als kurz nach der Saarabstimmung Hilgenreiner die kommenden Wahlen gleichfalls als eine Art Plebiszit bezeichnete. Auch während der Wahlen hat Hilgenreiner diese Politik vertreten. Das Resultat hat ihm unrecht gegeben. Die Christlichsozialen verloren von ihren elf Mandaten fünf und obwohl Hilgenreiner noch bei der Bildung der Regierung seinen Willen durchsetzen konnte und die Partei offiziell erklärte, nur im Einvernehmen mit der Sudetendeutschen Partei in die Regierung gehen zu können, hat Hil- genreiners Stunde doch geschlagen. Seine Politik gilt als gescheitert und er nimmt seine Wahl zum Rektor als willkommenen Anlaß seine Stellung niedcrzulegen. Als sein Nachfolger gilt Abgeordneter Dr. Luschka. Unterstützten weist heuer einen ziemlich starken Rückgang— um 1982— auf. Daraus kann geschlossen werden, daß die schwache Besserung der Lage, die sich mancherorts doch bemerkbar macht, mehr in einer regelmäßigeren Beschäftigung einiger Betriebe als in der Aufnahme von neuen Arbeitskräften zu suchen ist. Der Rückgang der zeitweise arbeitslosen Unterstützten zeigt sich besonders bei den Textilarbeitern(1121 Personen). Ein teilweises Bild über die Entwicklung der Lage in den Hauptberufsgruppen zeigt die Anzahl der Arbeitslosen in den Jahren 1833, 1834 und 1838, wo mit Ende August folgende Zahlen ausgewiesen erschienen: Glasindustrie 20.278,17.873,12.884, Metallindustrie 12.328, 10.044, 10.41«, Holzindustrie 4784, 4381, 4883, Textilindustrie 26.424, 22.376, 21.817, Bauarbeiter 8878, 8804, 10.383, Hilfsarbeiter 20.037, 18.028, 18.642 und Tagarb«iter 8782, 9888, 8048. Von der deutschen Landjugend lieber tritt einzelner Funktionäre zur SdP— Ein neues Blatt der Landbundjugend Wie die„Sudetendeutschen Pressebriese" melden, ist der Reichsjugendführer der deutschen Landjugend Toni Müller, der schon seit längerer Zeit nicht mehr Mitglied des Bundes der Landjugend war, der Sudetendeutschen Partei beigetreten. Mit ihm haben auch Dr. Robert Hetz und A. Summer ihren Eintritt in die SdP vollzogen. Hetz war bei den letzten Wahlen Spitzenkandidat des B. d. L. im Wahlkreise BudweiS. Um die Organisation der Jugend des Bundes der Landipkrte wieder aufzurichten und zu stärken, erscheint eine neue Zeitschrift„Die deutsche Landjugend", die ein Organ Gustav Hak- kers ist, der e» übernommen hat, die Jugend für den Bund der Landwirte zu organisieren. Rothau Die Lokalorganisation Rothau unserer Partei teilt uns mit, daß anläßlich des Bezirkstreffens der Sudetendeutschen Partei, welches Sonntag, den 8. September 1988, in Rothau stattfand, der Abgeordnete Wollnerin seiner Festrede unter verschiedenen anderen Beschimpfuirgen gegen di« sozialdemokratische Partei den Borwurf erhob, daß nur di« Sozialdemokraten an der Verschleppung der Rothauer Werke und daran schuld seien, daß di« deutschen Arbeiter um ihre Arbeitsplätze gekommen sind. Mit Recht stellt unsere Rothauer Organisation die Frage, ob«ine solche nichtsnutzige Verleumdung mit dem von Konrad Henlein ausgesprochenen Grundsatz von der Reinheit und Sauberkeit im Kampfe gegen politische Gegner zu vereinbaren sei. Die Arbeiter von Rothau und Umgebung kennen die wirklich Schuldigen, die die Tragödie von Rothau heraufbe- schtooren haben. War Herr Zentraldirektor Doderer vielleicht Mitglied der sozialdemokratischen Partei, oder steht Herr Doderer und di« Aktionäre der Eisenwerke A.-G. Rothau-Neudek der SdP nicht viel näher als der Sozialdemokratie? Hat Herr Doderer Wahlfondsgelder für die Sozialdemokratie oder für die Sudetendeutsche Partei gesammelt? Der Geist der Sudetendeutschcn Partei ist jener, der die Verwüstung des Rothauer Gebietes herbeigeführt hat und daß sich die Rothauer Arbeiter dessen bewußt sind, dafür ist der beste Beweis, daß ihr Kern treu zur Sozialdemokratie steht. Die Falkenrepublik In Frankreldi In der Prager deutschen Arbeitersendung spricht Mittwoch, den 18. d. M., um 18 Uhr 80 Genosse Franz Lehner t-Graupcn über die Fahrt unserer Falken nach Frankreich und der Schweiz und ihren Aufenthalt in der internationalen Falkenrepublik in Frankreich. England soll Garantien für Oesterreich übernehmen Offizielle Forderung des französischen Außenministeriums Paris. Zahlreiche französische Blätter I stellen die Frage, bis zu welchem Maste Sir Samuel Hoare sein in seiner Siede in der Bölker- bundversammlung enthaltenes Versprechen in dir Wirtlichkeit umznsetzrn beabsichtige, daß nämlich England die Prinzipien des Bölkerbundpaktes überall und unter allen Umstän- den zur Geltung bringen wird. Die Blätter stellen die Frage, welchen Standpunkt die britische Regierung einnehmen würde, wenn Oesterreich überfallen würde. An informierten französischen Stülen wird bestätigt, daß daS französische Außenministerium an die britische Negierung diesbezüglich rin präziS lautendes Zirkular gesandt habe. Der„Temp S" spricht den Wunsch auS, England möge im Interesse der Beruhigung ganz Europas seinen Standpunkt präziS srstlegen, und sogt: Bei den Wirren, in welchen sich gegenwärtig die Welt befindet, könnte England keine glücklichere Geste kundgeben als wenn eS seine Solidari- t ä ta« f E n r o p a(tut i t e r ft würde. Der europäische Friede, ja möglicherweise der Wrltfriede, würde auf diese Weise feste und dauernde Grundlagen erlangen. Intrigen gegen Tltulescus Wahl? Am Montag wird die Wahl der nichtständigen Ratsmitglieder durch die Völkerbundversammlung erfolgen. ES kandidieren R u m ä n» n i e n, das turnusmäßig den halbständigen RatS- sitz der Kleinen Entente nach Dr. Benes einnehmen soll, Polen und ein südamerikanischer Staat. Die ungarische Delegation entfaltet eine starke Propaganda g e g e n die Wahl des rumänischen Außenministers. Hinter Ungarn soll in diesem Falle auch Deutschland stehen, welches Titulescu eine weithin sichtbare Niederlage bereiten möchte, und zwar nicht nur wegen seiner Außenpolitik im allgemeinen, sondern vor allem wegen seiner Rußlandpolitik, Die Arbeitslosigkeit In Nordböhmen Starker Einfluß öffentlicher Arbeiten In den 47 Bezirksanstalten für Arbeitsvermittlung in Nordböhmen wurden im August 14.401 ArbeitS- und Dienststellen und 142.076 Beiverber und Bewerberinnen gemeldet, wobei 12.663 Vermittlungen erzielt wurden. In den Vermittlungserfolgen erscheinen die Erfolge der Unterbringung von Hopfenpflückern nicht eingetragen. Die Anzahl der gänzlichen Arbeitslosen ist im August von 114.117 auf 118.043, also um 1074, d. i. um 0.94 Prozent gesunken, wogegen im Vorjahre eine Erhöhung um 610 auf 116.362 festgestellt werden konnte. Einen bedeutenden Einfluß auf die Entwicklung der Lage am Arbeitsmarkte haben heuer die öffentlichenArbeiten gehabt. In Nordböhmen wurden im August 182 Not» standsarbeiten, d. h. Arbeiten, für welche daS Ministerium für soziale Fürsorge Beiträge auS dem Titel der produktiven Arbeitslosenfürsorge bewilligte, durchgeführt, bei denen'6100 Personen Arbeit gefunden haben und 72 Invest i t i o n S a r b e i t e n, bei denen 2483 Personen beschäftigt waren. Im ganzen wurden Heuer für Nordböhmen schon Beiträge für 386 Arbeiten im Betrage von 13,318.770 Xö bewilligt. Bei diesen Arbeiten sollten 17.695 Personen Beschäftigung finden. Den durch die Gewerkschaften ausgezahlten Staatszuschuß zur Unterstützung Arbeitsloser erhielten 28.278 gänzlich und 18.806 zeitweise Arbeitslose. Di« Zahl der zeitweise arbeitslosen Abessinisches Wetterhäuschen Di« Ungewöhnlich lang« Regenzeit in Abessinien zwingt M«ss»lini, de« geplanten Raubzug«ach ei» wenig zu verschieben. Regen bringt Frieden— Sonne bringt Krieg Die militärische Sicherung Aegyptens Kairo. Nach offizieller Mitteilung fanden Besprechungen zwischen Ministerpräsident Nessim Pascha und Vizeadmiral ForbeS, dem Kommandanten der in Alexandrien stationierten englischen Flotte über Maßnahmen zum Schutze Aegyptens im Falle eines italienisch-abessinischen Krieges statt. ForbeS versicherte dem Ministerpräsidenten, daß die englische Regierung bereit sei, die Verteidigung Aegyptens sicherzustellen. Der Admiral erklärte, daß alle Maßnahmen zur Sicherung Aegyptens zur See und in der Lust getroffen seien. Jedem unvorhergesehenen politischen Ereignis sei borgebeugt worden. Keinem feindlichen Schiff oder Flugzeug sei es mehr möglich, Aegypten zu erreichen. Schlecht maskierter Rückzug... DaS Deutsche Nachrichtenbüro Hatte am Freitag aus der Rede des Propaganda-Ministers Dr. Goebbels über Sowjetrußland ausdrücklich folgende zwei Sätze zitiert:„Die ganze Sowjetregierung ist auf das Niveau einer Verbrecher-Organisation Herabgesunken". „Die einzige Möglichkeit, durch die die Gefahr abgewendet werden könnte, wäre eine gemeinsame Aktion aller Mächte.* Am Samstag abend veröffentlicht nun das Deutsche Nachrichtenbüro eine Berichtigung, in der es heißt, daß infolge eines„technischen Versehens* bei der Funkdurchgabe«in „Fehler* unterlaufen sei: Dr. Goebbels habe in Wirklichkeit die beiden obangeführten Sähe aus einer englischen Zusammenstellung von Berichten über den Bolschewismus in Rußland zitiert. Line magere Satisfaktion Washington.(TNB.) Staatssekretär H u I l drückte dem deutschen Geschäftsträger im Staatsdepartement das Bedauern der amerikanischen Regierung über das Urteil des Richters Brodsky im Prozeß wegen der kommunistischen Ausschreitungen gegen die„Bremen* aus. Der Staatssekretär fügte hinzu, daß Brodskys Ausführungen keineswegs die amtliche Haltung der amerikanischen Regierung darstellten. Auf falschem Geleise... Genosse Hampl zur Einheitsfront Im Prävo Lidu" befaßt sich der Vorsitzende der tschechischen Bruderpartei Genosse Hampl an leitender Stelle unter dem Titel„Diskussion auf dem unrichtigen Geleise* mit her kommunistischen EinhesiSfrontpropaganda. Hampl gibt zu, daß die Parole des gemeinsamen Vorgehens von allen Angehörigen der arbeitenden Schichten sympathisch aufgenommen werden muß. Trotzdem müssen wir sagen, erklärt Hampl, daß die Diskussion sich auf einem falschen G« leis e bewegt. Es geht nicht ukn die Frage der Nützlichkeit eines gemeinsamen Vorgehens— die ist offensichtlich— sondern darum, ob auch schon die politischen und psychologischen Voraussetzungen in der kommunistischen Partei gegeben sind. Es ist nicht unsere Schuld, wenn wir behaupten müssen, daß wir diese Voraussetzungen noch nicht sehen, weder bei den Führern der KPE, noch in den Reihen ihrer Anhänger, die mehr als ein Jahrzehnt hindurch zum Haß gegen die Sozialdemokratie erzogen wurden. In den grundlegenden Gesichtspunkten hat die kommunistische Partei au dem Verhältnis zu den übrigen Parteien und zur Innenpolitik nichts geändert... Daher kann man ein gemeinsames Vorgehen nicht durch mechanische Mittel in die Wege leiten. Auch was die aktive Mitarbeit an v e r a n t w o r t u n g s v o l l e r A rb e it betrifft, ist der Standpunkt der KP2 bisher negativ, und die Versprechungen, daß sie im Parlament jede vorteilhafte Aktion der sozialistischen Parteien unterstützen werden, bedeuten prak- tisch, daß die sozialistischen Parteien werden kämpfen, handeln und die Verantwortung tragen müssen, während für die Kommunisten der sehr opulente Anteil einer„a n st ä n d i g« n K r i t i k" abfällt, was im Grunde nichts anderes ist als die parteiische Agitation der kommunistischen Partei. Auch die kommunistischen Arbeiter müssen zur Einsicht kommen, daß der Ruf nach der Einheitsfront nur dann einen Sinn hat, wenn in einer Reihe von grundlegenden Fragen eine gemeinsame Auffassung erreicht wird. ES geht als« in der Diskussion nicht darum, al die Einheitsfront nützlich ist«der nicht, sanden» Gegenstand der Diskussion muß di« Frage sein, ab tag BarauSsetzunge» dafür gegeben sind, daß eine gemeinsame Aktion welcher Art immer dauernd und loyal sei. Gegmstand der Diskussion mutz ferner di« Frage sein, ob der grundsätzliche Standpunkt de» Sozialdemokratie und deS konstruktiven Sozialismus auf dem Boden der Tschechoslowakischen Republik und der demokratischen Prinzipien und im gegebene« Falle die aktive Beteiligung an der Regierung richtig ist oder ob man besser sich der These der kommunistischen Führung anschließt, das heißt zu«arten und die Bildung eines Verbandes von Sowjetrrpublikm und die Durchführung de» kommunistischen Diktatur anzustreben. Auf dieses Gebiet mutz man die Diskussion übertrage«, wenn nicht di« breiten Massen durch die Parole der Einheitsfront nur aufgewühlt und enttäuscht werden solle«! Seite 4 Sonntag, 15. Septemker 1935 Vft. ZTB durch das Leitmeritzer Gericht r* beiden durch» Auffindung dieses Testamentes 19 dem Tode des großen Literaten starb im Jahre 1916 in Vevey in hat große Erregung hervorgerufen. herauskommen wirdl) Hierauf wurde die Verhandlung auf unbestimmte Zeit vertagt. Vor der Vertagung aber erklärte der Vorsitzende noch ausdrücklich, daß es keineswegs der Zweck der Verhandlung sein könne, über die Mitschuld des Ministers Fey an der Ermordung Dollfuß' ein Urteil zu fällen... schuldigten(es ist von Dr. Kreisler die Rede) „wegen mangelnder Präzision" abgelehnt. Bei der Erläuterung des Beweisantrages„für die Mitschuld des Ministers Fey an der Ermordung Dollfuß'", die durch Einholung der Wiener Prozeßakten bewiesen werden sollte, wurde dieOeffentlichkeit neuerlich ausgeschlossen. Auch dieser Antrag wurde übrigens abgewiesen, mit der Begründung, daß die Ueberprüfung des Wiener Prozeßverlaufes einem„Eingriff in die Rechte eines benachbarten TirnStag: Prag, Sender L: 10.05: Deutsche Presse, 11: Schallplatten: S. I. Bach, 11.05: Deutscher Schulfunk. 13.40: Lieder auf Schallplatten, 18.20: Deutsche Sendung: Zwischen sechs u. sieben, Funkbild von Kreische, 19: Deutsche Presse, 20: Uebertragung aus London: Symphonieorchesterkonzert, 22.30: Tanzmusik. Sender S: 7.30: Leichte Musik, 14.15: Deutsche Sendung: Bayer: Frantz und Palacky als Vertreter einer christlichnationalen Ethik, 14.30: Tanzmusik, 14.50: Deutsche Rundfunkmeldungen. — Brünn 15: Orchesterkonzert, 17.40: Deutsche Sendung: Arbeiterfunk: Soziale Information, Alex. Stern: Streiks im alten Brünn, 18.20: Chansons. 18.45: Klavierkonzert.— Mährisch-Ostrau 22.80: Tanzmusik.— Preßburg 16.30: Leichte Musik, 18: Liederkonzert.— Kaschau 18.30: Flötenkonzert, „Sa wurde Planetta und Holzweber twfge- fordert, und zwar von ihrer eigen« Parteiführung und mit Hilfe des Anwaltes Dr. Führer, der sehr genau wußte, daß der eigentliche SchuldigeFey ist, dies aber, seine Set- teidigungsp flicht mißachtend, nicht ausgesprochen hat, denn der Minister Emil Fev, Generalstaatskommiffär für die Sicherheit in Oesterreich, ist dem Tritt« Reiche wichtiger als Holzweber«nd Planetta." Diä Verhandlung vor dem Leitmeritzer Senate(Vorsitz Kreisgerichtsvizepräsident Felix Hrncik) begann Freitag in Anwesenheit des Angeklagten Dr. Fritz Kreislers und seines Verteidigers Dr. Kraus- Prag sowie des Kläger Dr. Führer und seines Anwaltes Dr. K r e tz l Bodenbach.(Der Kläger, Dr. Führer, war Lbri gcnS in Oesterreich wegen seiner Verteidigungs rede kür Planetta zu drei Monaten Konzentrationslager verurteilt worden.) Schon vor der Verhandlung und mehrmals in deren Verlauf machte der Vorsitzende den Versuch, einen Vergleich zustandezubringen, wobei er„auf die äußerst diffizile Lage" und„die sich für den Beschuldigten möglicherweise aus der Prozeßfübrung ergebenden Folgen eines etwaigen Verlustes des Asylrechtes als politischer Emigrant" hinwies. Da alle Bergleichsversuche scheiterten, wurde schließlich in die Verhandlung eingegangen. Dr. Kreisler bot den Wahrheitsbeweis dafür an. daß der Anwalt Planettas seine Anwaltspflicht dadurch verletzt habe, daß ex dem Wiener Militäraericht nichts über die Mitschuld Feys an der Ermordung Dollfuß'(die ihm sehr gut bekannt gewesen sei) mitgeteilt habe. Der Zweck seiner Broschüre sei es gewesen, festzustellen, daß die Hauptbeteiligten an dem Putsch gegen die Regierung Dollfuß, an welchem Fev im höchsten Grade beteiligt gewesen sei, im höchsten Regierungslager zu suchen sind. Während dieser Verantwortung versuchte der Vorsitzende nochmals einen Vergleich zustandezubringen. Da dies mißlingt, unterbricht er spontan die Verhandlung und verkündet nach längerer Beratung des Gerichtshofes, daß die Verhandlung während der weiteren Einvernahme des Beschuldigten„aus Gründen der öff«tlich« Ordnung und Sicherheit" geheim sei. In öffentlicher Verhandlung wurden dann eine Reihe von B e w ei s a n tr äg e n des Be- Hoares bedeutsame Rede»ar der Bölkerbundversammlung Der englische Außenminister Sir Samuel Hoare spricht vor der Völkerbundversammlung in Gens über den italienisch-abessinischen Konflikt. 70.000 Soldat« hab« am Freitag die Kasern« verlassen. Wieviel« von ihnen im zivil« Leben Stellung finden werden, ist zweifelhaft. Sicher ist, daß ein Teil davon arbeitslos sein und das Heer der Arbeitslosen vermehren wird. Prager Weltausstellung 1938? Handelsminister N a f m a n hat schon wiederholt die Anregung gegeben, auch in der Tschechoslowakei eine Ausstellung von Wcltformat zu veranstalten. In einem Interview im„B e n k o v" setzt er sich jetzt dafür ein, daß die Weltausstellung schon i m Jahre 1938 aus Anlaß des 20jährigen Bestandes der Republik veranstaltet werden soll. Der für dieses Jahr geplante Sokolkongreß müßte um ein Jahr verschoben werden. Was die finanzielle Seite betrifft, so ist Najman mehr als optimistisch. Noch jede große Ausstellung, die bisher in Prag veranstaltet worden sei, habe mit einem Ueber- schuß geendet. Auch die heurige Weltausstellung in Brüssel weise einen beträchtlichen Reingewinn auf. Unter Teilnahme der Industrie und des Gewerbes werde essicherlichf?) möglich sein, die 100 Millionen KL aufzutreiben, die zur Realisierung der Ausstellung notwendig sind. Najman- hat bereits in dieser Richtung Verhandlungen mit der Handelskammer ausgenommen und wird demnächst auch mit den Industriellen verhandeln. Beide Hände zerquetscht. Gestern nachmittags wurde von der Prager Rettungsstation der 28jährige Arbeiter Josef Hromädka aus Ko- schirsch in die Klinik Schlaffer eingeliefert. Hromädka, der in einer Podoler Zementfabrik beschäftigt ist, arbeitete kurz vorher an einer Presse, wobei er ausrutschte und so unglücklich fiel, daß ihm beide Hände in die Presse gezogen und zerquetscht wurden. D«n Verletzungen erleg«. Wir teilten Freitag mit, daß beim Bahnhof in Rekkowitz bei Brünn der Kutscher Eduard G e r l i ch mit seinem Fuhrwerk von einem Motorzug überfahren und schwer verletzt wurde. Gerlich ist am Freitag im Brunner Arbeiter-Unfallspital g e st o r b e n. Rekordfahrt eines russisch« Eisbrechers. Bon Bord des russischen Eisbrechers„Sadko" kommt die Nachricht, daß zum ersten Male in der Geschichte der Schiffahrt ein Eisbrecher 82 Grad 32 Minuten nördlicher Breite erreicht hat.— Messungen haben eine Tiefe des Meeres in diesem Gebiete von 2300 Mete« ergeben. Die wissenschaftlichen Mitarbeiter der Expedition setzen ihre Forschungen dort fort. 800 Tonnen Petroleum ins Meer. Im Hafen von Istanbul sind 800 Tonnen Petroleum ins Meer abgeflossen. Die Ursache war der Untergang eines der Standard Oil Company gehörigen Zisternentendcrs. Das Petroleum verbreitete sich rasch an der Wasseroberfläche und verunreinigte das Wasser am Goldenen Horn und weit hinaus ins Marmarameer. Aus diesem Grunde mußten viele Badeanstalten geschlossen werden, viele Fische gingen zugrunde und auch der Fischfang wurde unmöglich gemacht, wodurch große Schäden verursacht wurden. Die Feuerwehr und die Hafenämter trafen Vorkehrung«, um den Ausbruch eines Brandes zu verhüten. Vom Rundfunk empfehlenswertes aus du Programmen! Montag: Prag, Sender L: 6: Gymnastik, 10.05: Deutsche Presse, 10.40: Schallplatte», 11.35: Opernmusik, 12.30: Konzert, 13.25: Arbeitsmarkt, 16.30: Calonorchesterkonzert, 17: Tschechische Volkslieder, 17.20: Tanzmusik, 18.05: Chansons auf Schallplatten, 18.20: Deutsche Sendung: Dr. Stief: Die europäische Solidarität, 18.40: Aus dem Manuskript: Klavierkompositionen, 19: Deutsche Presse, 20.25: Arien aus Verdi-Opern, 21.20: Dvorak: Streichquartett, 22.30: Tanzmusik, 22.46: Deutsche Nachrichten. Sender S: 7.30: Salonorchesterkonzcrt, 14: Klavierkonzert, 14.20: Deutsche Sendung: Dr. Swoboda: Die Opernouvertürcn.— Brünn 11: Schallplaiten. 17.40: Deutsche Sendung: Jng. Kor- zinsky: Entwicklungsgeschichte der Lokomotive, 19.25: Brünner Rundfunkorchesterkonzert, 20.25: Flöten- solo.— Mährisch Ostrau 18.20: Deutsche Arbeitersendung: Haas: Verfaffungsfrage, 22.30: Tanzmusik. Die höchst merkwürdige Rolle, die Herr Minister Fey bei dem Naziputsch am 25. Juli des vorigen Jahres und bei der Ermordung des Bundeskanzlers Dollfuß gespielt hat, beschäftigt nun— wenn auch auf einem Umweg— doch noch jene Instanz, der sie von allem Anfang hätte zugewiesen werden soll«: das Gericht. Zwar tritt nicht Herr Fey selbst als Kläger auf. Er hat die schwersten Beschuldigungen, die in diesem Zusammenhang gegen ihn erhoben wurden, ohne den Lersuch einer Widerlegung hingr- nommen. Hingegen hat der Wimer Rechtsanwalt Dr. Führich, der Verteidiger des wegen der Ermordung Dollfuß Hingerichteten Planetta» sich durch einige Stellen in der Broschüre Kreislers beleidigt gefühlt und deshalb geg« Kreisler vor dem Presscsenat des Leitmeritzer KreiSgerichtes die Ehr«beleidigungklage erhoben. Die Klage Dr. Führers bezieht sich vor allem auf folg«de Stelle der Broschüre:«Wer hat Dollfuß ermordet?": Prozess„Fey“ in geheimer Verhandlung Die Broschüre„Wer hat DollfuB ermordet?“ vor dem Leitmeritzer Krelsserlcht anderen Verteidiger der Hingerichteten Dollfuß- I Mörder, Dr. Jerzabek und Dr. Brau-' negg, durch das Wiener Gericht im Requi- s sitionswege einzuvernehmen.(Man kann sich) leicht ausdenken, was bei dieser Einvernahme( I 1 50 Flugzeuge im Nationalflug- Wettbewerb Am Smnstag wugde auf dem staatlichen Flugplatz in Prag-Kbech der erste Abschnitt des „Naticnalfluges her Tschechoflowakei" eröffnet, und zwar mit dem Verläßlichkeitsflug auf. der Strecke Prag— Königgrätz— Olmütz— Zlin — Pystian— Preßburg— Brünn— Pardubitz— Prag. Zum Start stellten sich im ganzen 50 Maschinen, die in der Zeit von 7.03 Uhr bis 7.33 Uhr starteten. Die Strecke betrug 767 Kilometer. Um 12 Uhr 10 Minuten langte das erste Flugzeug nach Absolvierung der Strecke wieder auf dem Prager Flugplatz ein, und zwar das Flugzeug ATF des Biloten B r t n i k. Eine Minute, später folgte das Flugzeug ATB des Piloten S e r h a n t. Heute Entscheidung Die größte Schnelligkeit wiesen die Baka-Flugzeuge Push—Mot auf, deren schnittliche Reisegeschwindigkeit 150 Stundenkilometer betrug. Das erste der beiden- Flugzeuge, gelenkt vom Piloten B r t n i k, legte die Strecke in 5 Stunden 6 Minuten zurück, das andere— mit Serhant an Bord— benötigte um eine Minute mehr. Heute vormittags findet die für den Sieg entscheidende Konkurrenz statt. Das Programm des Nachmittags enthält einen Geschwindigkeits-Wettbewerb sowie eine Akrobatikkonkurrenz und einen Rekordve such im Fallschirm-Absprung. Staates" gleichkäme. Auch der Antrag Dr. Kreis- j Streik geg« Mussolinis Raubkrieg. Beim lers,«Einlauf« des aus Kapstadt kommenden ita- Her« Fey persönlich als Zeuge z» laden, wird} lienischen Dampfers„Savoja", in den Hafen von abgelehnt.\ Lüderitzbucht(Südwestafrika) lehnten es 60 ein« Das Gericht beschloß lediglich, di- beiden>S-Lorene Hafenarbeiter ab, den Dampfer auszu- -'•- s.'rwaft.<—wr> laden. Die Polizei stellte ste vor die Wahl, ent- weder das Frachtgut auszuladen oder verhafte! izu werden. Daraufhin nahmen einige die Arbeit auf, während der Rest es vorzog, sich verhaften zu lassen. | Bier maskierte Räuber und ein Bürgennei- >ster. Freitag spät abends wurde in der Gemeinde Berezove in Karpathenrußland der Bürgermeister der Stadt von vier maskierten Räubern überfallen. Es gelang ihnen, dem Bürgermeister 1500 XL zu rauben, worauf sie in nördlicher Richtung entflohen. Es dürfte sich wahrscheinlich nicht um die Räuber Klevec und Level handeln, die am Mittwoch von Biehhirten oberhalb der Gemeinde Tjuska im Bezirk Volov( ge- seh« wurden. Immer mehr Griech«. Auf Grund eines Berichtes des griechischen statistischen Amtes ist die Bevölkerung in Griechenland auf 6,750.000 Personen angewachsen. Das bedeutet etwa eine halbe Million mehr als bei der letzten im Jahre 1928 abgehaltenen Volkszählung festgesteNi wurde. Die Bevölkerung hat in jedem Jahre um rund 100.000 Person« zugenommm. Sienkiewicz' Testament nach 19 Jahren gefunden? Im Oblengorek-Palais, unweit Kielce, das im Jahre 1900 als Nationalspende dem berühmten Schriftsteller Henryk Sienkiewicz gewidmet worden war, wurde ein Testament Sienkie- wicz's gefunden. Der Vorsitzende des Kreisgerichtes in Kielce hat es als authentisch bezeichnet. Das Testament wird nächster Tage veröffentlicht werden. Die gURMI Jahre nach (Sienkiewicz der Schweiz) Die Jeritza wird für ihre zweite Heirat bestraft. Die Opernsängerin I e r i tz a wird in der Wiener Staatsoper nicht mehr auftreten dürfen, weil sie nach ihrer kürzlichen Scheidung gleich wieder ein zweitesmal geheiratet hat, was d« österreichisch« Ehegesetzen nicht entspricht. Für den Herbst waren einige Gastspiele vorgesehen, die jedoch, wie die Wiener Blätter mitteil«, nicht verwirklicht werden. Die Jeriha war bekanntlich Ehrenmitglied der Wiener Staatsoper. Die erst« Turbinmlokomotive. Die erste Tur- binen-Eisenbahnlokomotive wird in dieser Woche Versuchsfahrten zwischen London und Liverpool unternehmen. Obzwar die Lokomotive noch nickst gänzlich ausgeprobt ist, wurde dennoch eine Stundengeschwindigkeit von 106 Kilometer pro Stunde mit einer Belastung von 340 Tonnen erzielt. Abgesehen von dem Vorteil, daß praktisch jegliche äußere maschinelle Einrichtung entfällt, erwartet man auch, daß mit Hilfe dieser Lokomotive eine 50prozentige Kohlenersparung, sowie eine Reduktion der Erhaltungskosten erzielt werden wird. Ein neuer Zeppelin im Bau. In Friedrichshafen gab Dr. Eckener den ausländischen Diplomaten, die am Nü«berger Parteikongretz teilgenommen hatten, eine Darlegung über das neue Luftschiff „LZ 129", welches sich soeben im Baue befindet. Er erklärte, datz dieses neue Luftschiff das erste sei, welches vom Luftschiffbau Zeppelin als transozeanisches Luftschiff entworfen und gebaut wurde. In ihm verkörpern sich alle Erfahrung«, die auf den Fahrten des„Graf Zeppelin" gemacht wurden. Der„Graf Zeppelin" sei noch nicht als eigentliches Ozean-Verkehrsschiff entworfen und gebaut worden, sende« als ein Studien- und Pionierschiff. Die Frage, ob das Luftschiff ein geeignetes Berkehrs- inst«ment ist, sei in positivem Sinne gelöst worden. DaS Luftschiff„23 129" weist Verbesserungen auf, insoweit es sich um größere Bewegungsfreiheit, größer« Komfort und grötzere Geschwindigkeit handelt. Funkerstreik im New Norkrr Hafen. Auf elf im New Uorker Hafen ankernden Schiffen, darunter zehn Pcrsonendmnpfern, ist ein Streik der Schiffsfunker ausgebrochen. Die streikenden Schiffsfunker fordem die Anerkennung ihrer eigenen Sonderföde- ration und verlang« außerdem die Zuerkennung besserer Arbeitsbedingungen und höherer Löhne. Fachknrs für Gefängnisaufseher. Das Justizministerium kündigt an, datz ab 1. Dezember 1935 bis 29. Feber 1936 in der Männerftrafanstalt in Pilsen ein neuer dreimonatlicher FachkurS für Gc, fängnisaufseher veranstaltet wird. Gefuche um Aufnahme in den Kurs sind bis zum 10. Oktober 1935 beim Vorstand der nächstgelegenen Strafanstalt einzureichen. DaS Wetter. Bei andauerndem Zufluß der Luft vom Südwesten her hält bei uns vielfach ziemlich bewölktes, aber relativ warmes Wetter an. Besonders in Südböhmen stieg die Temperatur Samstag nachmittags erheblich hoch. Budweis hatte um 14 Uhr 19 Grad. Da die allgemeine Wetterlage zunächst noch keine wesentliche Aenderung erfahren dürste, werden unsere Gegenden weiter im Grenzgebiet Mischen dem heiteren Wetter über dem Südwest« des Kontinents und ziemlich ungünstigem Wetter über Nordwesteuropa bleiben.— Wahrscheinliches Wetter von heute: Ziemlich bewölkt, nur vereinzelt schwache Regenneigung, im Osten des Staates halbheiter, trocken. Temperatur wenig verändert, Südwestwind.— Wetteraussichten für Montag: Keine wesentliche Aenderung. 40»blinde Paffagiere" lebend verbrannt Monroe(Louisiania). Bei der Entgleisung eines Güterzuges gerieten sechs Kesselwagen mit Rohöl in Brand. Unter den Wagentrümmern wurden bisher die Leichen von fünf Wanderarbeitern gesund«, die als blinde Passagiere mitgefahren war«. Nach Aussage geretteter Arbeiter sollen sich auf den Kesselwagen noch 30 bis 40 weitere blinde Passagiere befunden haben, die wahrscheinlich in dem Flammenmeer umgekommen sind. Fünf Verwundete würden in ein Krankenhaus geschafft. Einem zwischen den Trümmern eingeklemmten blinden Passagier wurde von zwei Aerzten ein Bein mitTas chenmessern amputiert. „Wer ist's" für die Tschechoflowakei? Die Staatsdruckerei hat mit der Herausgabe eines großen Jnformationswerkes über die Tschechoflowakei begonnen, dessen Kern die Biographien der Funktionäre des öffentlichen Lebens fein werd«. Die Einleitung des Werkes wird ein allgemeiner Teil mit wirtschaftlichen, kulturellen und politischen Uebersichten bilden., Nr. 216 Sonntag, 15. September 1035 Gerte 5 »Frau Doktor, Auskultanttn und Großgrundbesitzerstochter" Abenteuerliche Streiche einer Hochstaplerin Prag. Die alte Erfahrung, daß Frauen, die sich der betrügerischen Hochstapelei ergeben, bei ihren Unternehmungen dreister, skrupelloser und mit mehr Phantasie zu Werke gehen als ihre männlichen Zunftgenossen, wurde neuerlich durch diesen vor dem Strafsenat Verner verhandelten Fall bewiesen. Bor diesem Senat hatte sich eine sehr hübsche junge Frau wegen einer langen Reihe von Betrügereien zu verantworten. Emanuela Kella, geborene Hodänek, versteht ihr Geschäft taffachnch von Grund au-. Emanuela Melka ist die Tochter einer armen Frau, die e- mit„Bersorgung-genüffen" von mo» natlich 85 KL fertigbrachte, ihrer Tochter den Besuch de- Gymnasium- zu ermöglichen. Diese legte die Reifeprüfung ab und fand Anstellung bei der Bezirksbehörde inHorajjdoviee. Dort befreundete sie sich mit einem Kanzleibaemten de- Bezirksgerichte-, mit dem fie sich später in Prag wieder- sah, wohin dieser Beamte inzwischen versetzt worden war, und zwar als Kanzleibeamter de- Prager Arbeitsgerichtes. Enmnuela, die inzwischen ihre Stellung aufgegeben hatte lder Grund geht aus dem Strafakt nicht hervor), bat ihn als alten Bekannten, auf der Kanzleffchreib- maschine einige Korrespondenzen erledigen zu dürfen, was ihr auch gestattet wurde. Der alte Freund der geschäftStüchffgen Emanuela wußte allerdings nicht, welcher Art diese„Korrespondenzen" waren. Sie stellte sich auf der Kanzleischreibmaschine zwei Dokumente aus, nach deren Wortlaut „Frl. FUDr. Mekka, AuSkultantin des Prager Arbeitsgerichtes, ein Monatsgehalt von 1025 AL beziehe und dieses Gehalt durch keinerlei Forderungen bedeckt fei". Diese fingierten Dokumente versah sie heimlich mit den erforderlichen Stampiglien und Unterschriften und ging an die„Arbeit". Bei der Firma Rudinger erhielt sie gegen Vorlage dieser Dokumente anstandslos Stoff« im Werte von 860.— KLaufKredit. Ein Schuhmacher lieferte der„AuSkultantin" nicht nur ein Paar teuerer Schuhe, sondern lieh ihr noch in bar 250 KL usw. Die saubere„AuSkultantin" hat aber bereits vorher eine lange Reihe von Betrügereien verübt, wenn auch ohne Ausnützung der selbstverfertigten Dekrete. Im Oktober deS Vorjahre- befreundete sie sich in einem NachtcafL mit einem Beamten Jaroslav H o r ä k, dem sie sich mit ihrem Mädchennamen, aber abgeänderten Vornamen als JUDr. Milena H o d ä n e k vorstellte und al- AuSkultantin des Bezirksgerichtes Prag-West. Diesem Freund zapfte sie unter allerhand Vorspiegelungen über 1000 KL als Darlehen ab, die der Geschröpfte um so eher hergab, als sich ihm die Emanuela als GroßgrundbesitzerStocht« ausgegeben hatte. Der Zufall kam ihr zuhilfe, indem HorLk plötzlich nach Kladno versetzt wurde. Nun nahm die Angeklagte dessen Kollegen H r u s k a aufs Korn, dem sie gelegentlich vorgestellt worden war und „borgte" ihm gleichfalls 1000 KL ab. Im Mai d. I. fiel Ihr unter genau den gleichen Umständen em Herr Wenzel P e s e k zum Opfer, dem fie 790.— KL herauSlockte und den sie überredte, ihr, da er kein verfügbares Geld mehr besaß, einen kostbaren venezianischen Spiegel zu überlassen. Natürlich trat sie auch in diesem Fall als Doktorin der Rechte und Großgrundbesitzerstochter auf. Emanuela war aber nicht wählerisch in der Auswahl ihrer Opfer. Als sie einmal Geld brauchte, fälschte sie einen Brief, in welchem der letzterwähnte Herr H r u i k a den Zählkellner seines Stammlokale- anwieS, der Ueberbringerin 850 KL auSzuzahlen. Diese- Manöver hatte och« nur teilweisen Erfolg, da der Ober nicht mehr als 180 KL zur Hand hatte, die« ihr freilich ohne Bedenken übergab. Ein Kapitel für sich bilden die kostenlosen Autoreisend« Angeklagten, wobei meh- rue Chauffeure schwer geschädigt wurden. Einen dies« Chauffeure dirigierte sie zunächst nach Butz e n t s ch, von dort nach Theresienstadt, von dort nach Klattau, von dort über Horaj« d o v i c e nach Brünn. Der Chauffeur, der einen Schaden von 1840 KL«leidet, war i n S- gesamt vier T a g e u n t e r w e g s und wurde bereits alS vermutliches Opfer eine- Attentates durch Radioaufruf gesucht! Die„vornehme" Kundin hetzte den Chauffeur unter den buntesten Vorspiegelungen in der Welt herum. Allerorten suchte sie einen Bekannten oder Verwandten, der natürlich niemals zu Hause war. Zum Schluß gab sie dem Chauffeur einen billigen Ring zum Pfand und als er auch ihren Fuchspelz beschlagnahmen wollte, erklärte sie in Hoheit-« boller Empörung:„Ausgeschlossen— den brauche ich zu Repräsentationszwecken! Und der einfältige Chauffeur schenkte dem„Fräulein Doftor" Glauben!... Einen anderen Chauffeur prellte sie um 600 KL Fahrgeld, indem sie sich nach Senftenb«g fahren ließ und dort verschwand. Vor dem Straffenat Berner bekannte sich die Angeklagte im wesentlichen schuldig und berief sich lediglich auf ihre leichtsinnige Natur und ihre unglückliche Ehe, wobei fie ihre„sehr gute Erziehung" nachdrücklichst betonte. Auf die Frage des Beisitzers OGR. Dr. Pazderskh, warum sie sich ausgerechnet den Doftortitel angemaßt habe, antwortete sie kokett:„Ach— nur au- Kaprice— 1" Emanuela Melka hat Glück gehabt. Nach der stattlichen Liste der eingrklagten Delikte hätte sie wohl eine schwere Strafe zu gewärtigen gehabt. Sie ist aber kurz vorher vor dem Krei-gericht Klattau wegen anderweitiger Delikte zu einem Monat Kerker verurteilt worden. So kmmte der Strafsenat im Sinne der Strafprozeßordnung nur eine Ergänzungsstrafe verhängen. Das Urteil lautete auf weitere fünf Monate schweren Kerker-. Die Angeklagte bat um eimnonatlichen Strafaufschub, weil in den nächsten Tagen vor dem Zivil« krcisgericht in Pilsen ihr Ehescheidungsprozeß verhandelt werde und der Gerichtshof billigte ihr trotz Einspruch de- Staatsanwaltes diesen Aufschub zu. Es ist freilich die Frage, ob dieser Ausschub der Angkelagten frommen wird, denn gerade die Pilsner Polizei sucht sie seit längerer Zeit wegen ein« ganzen Reihe weiterer Schwindeleien. rb. Sn zweijähriges Kind als Geisel Bon Herrn mag. seient. Mogens P i h I, Kol- ding, Göhlmannsvej 86, in Dänemark werde ich um Bekanntgabe folgenden Berichtes gebeten: „Durch einen Studienkameraden hörte ich, daß ein zweijähriges Kind, dessen Mutter nach Dänemark emigriert war, sich im Gewahrsam der deuffchen Polizei befand. Da die Mutter wegen des Schicksals ihre- Kindes sehr ängstlich war und da sie eS selbst nicht holen konnte, beschlossen meine grau und ich auf Bitte meines Freundes, das Kind in Pflege zu nehmen und es zunächst einmal aus Deutschland zu holen. Von der Mutter erfuhr ich, daß sie das Kind, dessen Name Karl Ernst Fränkel ist, einer Freundin überlassen hatte, deren Adresse ich erhielt. Außerdem bekam ich ein« Vollmacht, die die Mutter ausgestellt und ein Notar in Kopenhagen beglaubigt hatte. Ich wandte mich sofort an die Adresse der Freundin der Mutter in Berlin und erfuhr dort, daß die Polizei da- Kind in ein Waisenhaus gebracht hatte. Ich wandte mich an das Heim. Dort stellte sich heraus, daß die Identitätskarte des KindeS die Bemerkung enthielt, daß die Mutter verhaftet werden sollt«, sobald sie sich an das Heim wegen Herausgabe deS Kindes wenden würde. Im übrigen wurde ich an das Rathaus Berlin-Charlottenburg gewiesen. Auf dem dortigen Jugendamt sollte di« Enffcheidung über daS Kind getroffen werden. Dort gab man mir keine klare Auskunft und sagte mir, nur die Geheime Staatspolizei könnte di« Entscheidung treffen. Auf der Geheimen Staatspolizei wurde ich von einem Kommissar empfangen, der auf das bestimmteste meinen Antrag abwieS mit der Begründung, die Mutter soll« selbst das Kind holen. Die Begründung hörte ich an allen Stellen, wo ich gewesen bin, mit dem Hinweis, die Lich« der Mutter zu ihrem Kind könne ja nicht sehr groß sein, wenn sie eS nicht selbst holen wolle. Man hält das Kind als Geisel zurück, da die Polizei offenbar stark das Kommen der Mutter wünscht. Im übrigen verbrachte ich eine höchst unangenehme Zeit auf der Geheimen Staatspolizei, da mein« dänische Staatsbürgerschaft und auch meine Person sichtbar in Zweifel gezogen wurden. Mein Paß wurde mir abgenommen und gründlich untersucht, wobei mehrere der Polizeibeamten laut darüber diskutierten, wie vorzüglich die Kommunisten Pässe fälschen könnten. Ich selbst bin Mit- glied der dänischen sozialdemokratischen Partei. Man steht hier einem typischen Fall von Justizwillkür gegenüber. Dem Kind ist gute Pflege in Dänemark gesichert, aber man behält das Kind zurück für die Frau, deren einzige- Verbrechen darin besteht, daß sie antinazistisch eingestellt ist. Im übrigen fiel mir auf und macht mich unruhig, daß der Vorsteher des Waisenhauses bei ein« Unterredung mit mir über daS neue Deutschland die Bemerkung machte, daß man sich in erster Linie für di« gesunden Menschen interessier« und die kranken Menschen nurmitdemRot« wendigsten versorge." Genügt dieses Material, um die liberalen Aweifler über daS zu unterrichten, was sich als »neuer Geist" in Deuffchland präsentiert? Jetzt hat der Lügenapparat des deutschen Reichspropagandaministers da- Wort. Neue Terrorwelle in Deutschland Die GefSnsnlsse überfüllt (P. G.) In der„B e r u« r T a g w a ch t" lesen wie folgenden entsetzenerregenden Tatsachenbericht aus dem Dritten Reich: In den letzten Wochen häufen sich erneut die Mitteilungen über den Terror in Deutschland. .Einzelheiten aber werden oft genug selbst in grundsätzlich antifascistischen Kreisen für Ueber« treibungen gehalten. ES ist heute in den nicht» fascistischen Ländern genau so, wie es vor Errichtung des Hitler-Regimes in Deutschland war: Als die polnische Parlaments-Opposition in Brest- Litowsk in die Kasematten gesperrt und mißhandelt wurde, wollte man eS nicht glauben. Als Henri Barbusse sein Buch»Tatsachen" veröffentlichte— über die Terrorgreuel in Bulgarien, Rumänien, Ungarn, Italien, Jugoslawien—, hielt man den Inhalt für agitatorische Entstellung. Bei Meldungen aus dem heutigen Deutschland ver- lan'gt man Namen. Man kann zu einem solche» Verlangen zweierlei sagen: Erstens muß sich der Bürger eines liberalen Staates daran gewöhne», daß in fascistischen Ländern das Prügeln, Brennen, Hungern- und Frie- renlaffen der politischen Opposition zur„normalen Staatsführung" gehört, auch dann, wenn die Opfer keiner anderen»Schuld" verdächtig sind, als eben antifascistischer Gesinnung. Zweitens, daß mit Rücksicht auf die Sicherheit unserer Berichterstattung allenfalls die Namen der Ermordeten genannt werden können. Ihnen gegenüber ist das fascistische Regime machtlos. Darum also: In Altona wurde d« 60 Jahre alte Arbeit« Ott«mordet. Am 20. Mai wurde FrauLasch, 34 Jahre, verhaftet. Ihr Mann ist auf 15 Jahre in- Zuchthaus gesperrt. Am 28. Mai wurde sie g e f o l t e r t, um Adressen zu erpressen, mit dem Erfolg, dass sie am 30.| Mai in der Irrenanstalt Grifmkerg bei Essen starb. Am 20. Mai wurde d« Arbeit« Frank aus Berghausen festgenommen und am 4. Juni zu Tode geprügelt. Dasselbe geschah mit dem Arbeit« Neugebauer in Essen am 5. Juni, in d« Nacht vom 5. und 6. Juni mit dem Arbeit« Breuer. Zur gleichen Zeit mit v i e r a«d«en in Dortmund. Mitte Mai und Mitte Juni wurden verhaftet in Mö r S 160, in Rheinhausen 28, in Essen-Oberhausen 100, in DinS> a- ken 22, in Homburg 12 Personen. Die Gefängnisse sind überall überfüllt. DaS Essen ist ungenießbar. Die neueste Foltermethode ist, daß man die Gefangenen vor eine weißgetünchte Wand stellt und„Stillstehen* kommandiert. Die Opfer haben eine, zwei, drei Stunden zu stehen. Da die Wand keinen Fixierpunkt bietet, ist das Stillstehen so gut wie unmöglich. ES tritt Schwindel«in; Augenschließen hilft nur für wenige Augenblicke. Mißhandlungen beim Hin- und Herschwanken sind die Folge. Im Prozeß gegen Brünen, Nie der- hellmann und Genossen in Westdeutschland wurden die Gefangenen gefesselt vorgeführt und täglich zwei bis drei Stunden geprügelt. Die 24 Jahre alte Berta Karg aus München wurde zu 18 Jahren Zuchthaus verurteilt, weil sie mit einem„besonders gefährlichen Emigranten" Verbindung aufrechterhalten hatte. Die Nazi-Parteikorrefpondenz— bei der Identifizierung des Staates mit der Partei ein amtliches Organ— fordert Todesstrafe gegen alle Juden, die Nichtjuden als Untermieter,! ärztliche Patienten, Rcchtskliniken, HäuSpersonal annehmen. Die Ernennung des ReichstagSbrand- stifterS Helldorf zum Berliner Polizeipräsidenten bietet die besten Aussichten für die Durchführung dieser Forderung^ „Luftkrieg 1938" Ein neuer ZukunstSkriegSroman? Nicht ganz. Der Verleger hat daS im Jahre 1982 erschienene Buch„Luftkrieg 1936— Die Zertrümmerung von Paris" als billigen Serienband auf den Markt gebracht, mit der einzigen Aenderung, daß der Verfass« das Datum deS Krieges um zwei Jahre verschiebt. Aber: eine neue Note hat der Roman für den kritischen Leser erhalten, seitdem Dorothy Woodman in ihrem außerordentlichen Dokumentenwerk „HitlerS Luftflotte startbereit" berichtet hat, daß sich hinter dem Autornamen„Major Helders" einer der engsten Mitarbeiter GöringS im deuffchen Lustfahrtwesen verbirgt— Dr. KnauS, der Ches der Deutschen Lufthansa. Dadudrch wird der Rang deS RomaneS als eines kriegswissenschaftlichen Werkes beglaubigt und in der Tat finden wir daS Buch in den Bibliotheken der Kriegsministerien. Denn in der Debatte üb« den ZukunftSkrieg hat die Phantasie Heimattecht; auch die Wissenschaft kann da nur mit Wahrscheinlichkeiten arbeiten; und die bildhafte Schilderung künftiger KriegSgeschehntffe erhält den Wert der Lösung umfassender„Manöveraufgaben"'. Wird fie von einem ernstzunehmenden Fachmann geliefert, so fft sie ebenfalls ernstzunehmen. Und ist sie noch wie dieser Roman mit unleugbaren schriftstellerischem Geschick geschrieben, so wird die Gefahr aller solchen Bücher, daß sie die KriegSromanttk fördern, um so größer. Für unS aber hat das Buch ein anderes Interesse: eS ist das Gedankenexperiment eines hohen LuttofftzierS, der, indem« einen englisch-französischen Krieg annimmt, sich einen künftigen deutsch-französischen Krieg konkret borzuftellen sucht. Da der Verfasser offenbar England als Feind Frankreichs nur statt Deuffchland vorschiebt, so ist auch die angenommene Kriegsursache von geringem Interesse. Ein Zwischenfall in Aegypten verlaßt Frankreich, dort Truppen zu landen— für England der Kriegsfall. Am 8. Juli 1988 um 20 Uhr läuft das englische Ultimatum an Frankreich ab, ohne be- ftiedigende Antwort. Am 9. Juli um 4 Uhr früh »rdnet die französische Regierung den Kriegszustand an; und kurz nach 6 Uhr wird er beretts in der furchtbarsten Weis« Wirklichkeit. Im englischen Kriegsrat hat der Chef der Luftflotte, Brackeley, die Oberhand bekommen und den Luftangriff auf die Rüstungszentren Frankreichs, mit dem weiteren Zweck die Bevölkerung zu terrorisieren, durchgesetzt. Der erste Bombenangriff am zeitlichen Morgen deS 9. Juli gilt Paris und er erzeugt sofort ein« wilde Panik. Spreng- und Brandbomben zerstören die kriegSwichffgen Teile der Stadt und berauben fie deS elektrischen Stroms, deS Wasser- und Leuchtgases und der Eisenbahnverbindungen. Tausende von Einwohnern werden von den Bomben zerrissen oder unter den einstürzenden Häusern begraben. Ein explodierendes Gaswerk wirkt verheerend auf den Sttom der bereUS Flüchtenden. Alle- will fort, in rasender, planloser Hast. Die über der Stadt aufgestiegenen Jagdflieger sind durch die Überlegene Feuerkraft" der englischen Bomber niedergekämpft worden; ein weiterer Angriff ftanzösischer Flieger auf daS zurückkehrende englische Geschwader wird von diesem mit einigen Verlusten abgewiesen. Der Pariser Kommandant ordnet die Räumung der Stadt an. Die Mobilmachung der Pariser Dienstpflichtigen erweist sich infolge der Zerstörung» der Bahnhöfe und der Meutererstimmung in der Bevölkerung als undurchführbar. Da- Kabinett flüchtet nach dem (200 Kilometer südwestlich gelegenen) TourS; dort tritt auch daS Parlament zusammen, jedoch auf ein Drittel reduziert; ein Dreierausschuß, bestehend au- Ministerpräsident, Kriegs- und Arbeitenminist«, ergreift die Zügel der Regierung. Am 9. Juli nachmittags wird ein ftanzösischer Fliegerangriff auf London durch die überlegene Geschwadertaktik d« englischen Luftflotte abgewiesen. Und wieder wird, in der Nacht zum 10., da- unglückliche Paris bombardiert, außerdem Brüssel, Antwerpen und drei andere Städte. Die Franzosen machen einen berzwei- felten Gegenangriff: sie landen eine EinfallSarmee, zum ersten Mal seit Jahrhunderten durchbricht ein Feind Englands„glänzende Isolierung". Der französische Handstreich auf den Hafen Portland gelingt und am 11. Juli find bereits französische Truppen in breiter Front und 40 Kilometer tief in daS Jnsellönigreich eingtdrungen. Da greifen englische Luftgeschwader den eigenen Hafen Portland mtt Bomben an und stören die ftanzösischen Transporte, verwüsten allerdings Leben und Eigentum der Bewohner. Zwar gelingt nicht der Angriff mit Flugzeugen auf die ftanzösische Transportflotte. Die erste Enffcheidung aber bringt eine große Suschlacht am 11. Juli nachmittags. Schon hat die Ueber- legenheit der schnellen französischen Kreuzer den englischen Admiral gezwungen, sich zum Rückzug zu entschließen, da greifen rechtzeüig 162 englische Riesenflugzeuge in die Schlacht«in und vermögen mit Bomben, Maschinengewehrfeuer auS geringen Höhen und Lufttorpedos die Kampftrast der ftanzösischen Schiffe zu brechen. Und auch in die Landschlacht greift die englische Luftflotte, nachdem sie die fran- zösische verfolgt und nied«gekämpst hat, ein. Die ftanzösische EinfallSarmee hat am 12. Juli bereit- mit 90 Tanks die vordere englisch« Linie durchbrochen, als 70 englische Flugzeuge erscheinen und ttotz ungünstiger Witterung die Tankgeschwader zu zer« sprengen vermögen, wenngleich mit großen eigenen Verlusten. ES fällt auch der Kommandant der englischen Luftflotte, General Brackeley. Da unternehmen die Engländer noch einen Rachezug in da- ftanzösische Hinterland und suchen eine ganze Reihe von Städten bi- Lyon mit Brand und Mord heim. Die ftanzösische Regierung ab«, von bolschewistischem Aufstand bedroht und außerstande, weit«e Luftangriffe abzuwehren, muß Frieden um jeden PreiS schließen. Die Tendenz deS Buche-, daS llebergewicht der Luftwaffe üb« die anderen Waffengattungen zu demonstrieren, ist deutlich sichtbar. DaS unermeßliche Unheil der Luftangriffe ist nur ein Grund mehr, sie zu unternehmen. Die Verzweiflung der bettoffenen Bevölkerung ist ebenso sachlich geschildert wie die im einzelnen begründete Strategie und Takttk der auS Riesenflugzeugen bestehenden Geschwader oder die Arbeitsteilung im Flugzeug, die durch Spezialisierung weit über die Leistung de- Einzelpiloten hinausführt. Die Gesinnung deS Buche- enffpricht ganz jener d« Herren des heutigen Deutschland: Barbaren im Besitz von Wissenschaft und Technik, die sie erbeutet haben wie andere Krieg-mittel auchl Trotzdem ist der Verfasser keineswegs ftei von„Gefühlsduselei", die ungeachtet seiner DarstellungSgabe widerlich kiffchig wirken muß. WaS empfindet der eine Helv deS Romans, der Leutnant Winton, al- sein nächster Vorgesetzter und Freund, Kapitän Crawley, ein Gefecht ankündigt?„Sein Körper straffte sich dem unbekannten Schicksal entgegen. WaS auch kommen möge, an der Seite diese- Manne-, unter der Führung seine- Marc Crawley, war. es gut zu fallen... Und über und durch diese kleinsten Zellen der Waf- fenkameradschast zuckte wie ein xlekttischer Funke der Geist DrackeleyS." Brackeley fliegt über einen englischen Bauernhof, die Familie winkt herauf:„Ja, du englisches Volk, für dich kämpfen wir, für dich fallen wir", sagt Brackeley zu sich. Als aber leider die Bevölkerung der eigenen Hafenstadt massakriert werden muß, da läßt sich eben nichts tun; denn Krieg muß sein. Hier aber hat auch die Kritik anzusetzen. Knaus läßt den ftanzösischen Lustangriff auf London daran scheitern, daß die Engländer das feindliche Geschwader rechtzeitig aufspüren und eS in die Flucht treiben. Mit dieser Annahme steht Knaus, soviel ich sehe, allein. Ob wir den Urheber des Gedankens vom„totalen Luftkrieg", den Italiener Douhet, ob wir anerkannte deuffche Fachmänner wie Hauptmann Ritter oder ftanzösische wie den Luftminister Denain beftagen— sie alle wissen, daß Luftangriffe nicht abgewehrt, daß sie nur verhindert werden können durch Vernichtung der feindlichen OperattonSbasiS aus dessen eigenem Boden. Bei der übergroßen Schwierigkeit dieses Unternehmen- haben sie alle dem Luftkrieg den Charakter de- D o p p e l« selbstmords der beiden Kriegsgegner zugeschrieben. Das müßte ein Luftoffizier wie KnauS wissen und er müßte darüber zum Kriegsgegner werden. Ab« versucht eS, Männer von der Art Doktor KnauS' zu überzeugen! Vergebliche Hoffnung; sie können nur durch größere Macht gezwungen werden. Gelingt«S nicht, die Herren des Dritten Reich-, die ttotz allem, was sie gleich un- wissen, den Krieg wollen, politisch zu schlagen, dann wird die wilde Jagd deS modernen Kriegs, wie ihn Knaus aufs abschreckendste geschildert hat, über uns, aber auch über ihr Reich hinwegbrausen. E. B. Teile 8 S^faKetttMa^ Sonntasi, 18. September 1938. Nr. 218 Iraqer fettunq Kinobrand auf dem Wenzelsplatz Prag. Gestern um halb 11 Uhr fing im Kino „Gaumont" auf dem Väclavske näm. bei einer Probevorführung der Filmprojektions-Apparat Feuer. Der Operateur Müller entfernte den brennenden Film aus dem Apparat und trug ihn aus der Kabine. Er erlitt dabei Verbrennungen an der Hand, im Gesicht und am Kopfe. Er konnte aher nicht verhindern, daß auch die übrigen zur Vorführung vorbereiteten Filme Feuer fingen. Die Löscharbeiten waren außerordentlich schwierig und gefährlich, da den brennenden Filmen e r st i k- lende Dämpfe entwichen. Die Feuerwehrleute arbeiteten mit Gasmasken. Um II Uhr war der Brand gelöscht. Drei Selbstmörder. Gestern früh um 8 Uhr fand der Inhaber einer Parfümerie in Holleschowitz beim Betreten des Lagerraumes seine 29jährige Angestellte Anna Soukup bewußtlos am Boden liegen. Sie wurde ins Krankenhaus auf der Bulovka überführt, wo festgestellt wurde, daß sie sich mit Salzsäure vergiftet hatte. Die Ursache des Selbstmordversuches ist eine Streitigkeit mit ihrem Arbeitgeber.— Gestern vormittags fand der Autoschlosser Lächa in seiner Wohnung in Dejwitz seine 41jährige Gattin Anna mit Leuchtgas vergiftet auf. Wie aus einem hinterlassenen Brief hervorgeht, sind familiäre Zerwürfnisse das Motiv der Tat.— Gestern vormittags wurde in seiner Wohnung in Holleschowitz der 4öjährige Ingenieur Wilhelm R. bewußtlos aufgefunden. Er wurde auf die Klinik Nonnenbruch gebracht, wo er aus der Ohnmacht noch nicht erwacht ist; nach Angabe der Verwandten war er seit längerer Zeit nervenkrank. Es wurden bei ihm verschiedene Pulver gefunden, so daß es nicht sicher ist, ob ein Selbstmordversuch oder ein unglücklicher Zufall vorliegt. Zeitunglesender Passant überfahren. Gestern mittags um 2 Uhr fuhr der Adbokaturskonzipient Dr. Friedrich Langweil aus Prag-II. im Auto durch die Slezskä in Prag-Weinberge, als der 56jährige Drogist Josef StruhäL die Straße überqeurte, ohne auf die Warnungssignale zu achten. Rach Aussage des Dr. Langweil und einiger Zeugen las StruhäL die Zeitung, während er über die Straße ging. Dr. Langweil versuchte also ihm auszuweichen und gab nochmals das Warnungs- signal, als StruhäL, hiedurch erschreckt, einige Schritte zurück tat und nun vom Kotflügel des Autos auf- Pflaster geworfen wurde. Er wurde Mit einem Bruch der Schädelbasis und des linken Schienbeins ins Weinberger Krankenhaus eingeliefert. Dem Lenker wurde der Führerschein entzogen und das zuständige Verfahren eingeleitet.— Gestern vormittags fuhr der 25jährige Chauffeur Wenzel Preis aus Jungbünzlau mit seinem leichten Lastauto zum Pulverturm, als die 29jährige Beamtin Milada Seemann aus Smichow die Straße überquerte, wobei sie vom Auto zu Boden geworfen wurde. Sie wurde mit einer Gehirnerschütterung und einer tiefen Rißwunde am Kopf auf die Klinik Schlosser gebracht. Biela-Einbrecher verhaftet. Gestern gelang es der Polizei, den 25jährigen Maurer Franz Manas aus Chodov bei Prag und den 23jährigen blaseur Josef V e t r n i k aus Michle festzunehmen, denen neben mehreren Einbrüchen in Geschäfte und Tabaksbuden auch ein Einbruch in die Michler BLela nachgewiesen werden konnte, bei dem sie Waren im Werte von 8000 KL erbeutet hatten. Ferner hatten ste Diebstähle in Wirtshäusern in Bränik und Hostivar verübt, in einer Tabaksbude in der Kronenstraße Rauchwaren im Werte von 1100 KL erbeutet, in weiteren zwei Tabaksbuden in Wrschowitz Einbrüche versucht, aber nichts erbeutet, da die Besitzer die Waren nach Hause genommen hatten. Die beiden find geständig. Ein Teil der Waren konnte bei verschiedenen Hehlern beschlagnahmt und den Eigentümern zurückgestellt werden. Einschreibungen für daS Herbst-Trimester der Freien Schule für politische Wissenschaften in Prag finden vom 25. September bis 5. Oktober einschließlich statt. Detailinformationen im Studienprogramm, welches im Sekretariat der Schule in Prag I., Ovocnh trh 3, gegen Erlag von KL 3.— eventuell auch in Briefmarken oder durch die Post- sparkafie erhältlich ist. IlMst lind Mssen. Werbe-Konzert des Prager Deutschen Theaters Konzertmäßig läßt sich für die musikdramatische Kunst, wie sie Oper, Operette und Ballett darstellen, nur schwer werben, weil die maßgebenden Momente der Darstellung im Rahmen des Szenenbildes fehlen. So bleibt das konzertmäßige Werben für Oper und Operette auf die Persönlichkeitsmomente des Künstlers beschränkt; auf seine gesangliche Kunst, auf seine gesangliche und musikalisch« Intelligenz, auf die Wirkung seiner äußeren Erscheinung. Wenn in dem vorgestrigen Werbekonzert des Deutschen Theaters ein Querschnitt durch die in der kommenden Spielzeit zu erwartende musikdramatische Kunst gegeben werden sollte, konnte er nur durch das zu ihrer Durchführung zur Verfügung stehende künstlerische Material gegeben werden; aber auch da in der Hauptsache nur im beschränkten Ausmaß der neuen Solistenerwerbungen. Das Werbekonzert diente also mehr oder weniger nur dem Zwecke, die neu verpflichteten Kunstkräfte dem Publikum vorzustellen und es für sie zu interessieren. Wenn das Werbekonzert abermals, wie im Vorjahre, nicht die entsprechende Teilnahme d«S Publikums fand— denn das Theater war nur schwach besucht—, dann liegt der Hauptgrund darin, daß der Großteil der Theaterbesucher im Theater Opern Md Operetten sehen und hören will, nicht aber Konzerte. Auch nach unserer unmaßgeblichen Meinung wäre di« beste Werbeveranstaltung des Theaters eine als Werbevorstellung bezeichnete besonders gute und durch künstlerische Höchstleistungen gekennzeichnete Opern- und Operettenaufführung. Betrachtet man das vorgestrige Werbekonzert als künstlerische Voranzeige für die bevorstehende Opern- und Operettensaison, dann ergeben sich schöne und minder schöne Ausblicke. Man wird sich in der Oper vor allem auf Herrn Schwarz, den wiedergewonnenen Heldenbariton, und Frau Rose Book, die brillante Koloratursängerin, freuen dürfen, vielleicht auch aus den neuen lyrischen Tenor Herrn Baum, wenn er zur Erkenntnis kommt, daß nicht die Quantität, sondern die Qualität den Tones entscheidet. Hinsichtlich der Operette konnte man auS dem Werbekonzert gar keine Schlüffe ziehen, da die Kostproben unzureichend waren; ebenso wenig für die Zukunftsleistungen des Balletts. Als schlagfertige und witzige Conferenciers des Abends wirkten die Herren Dudek und Padlesak, als Dirigenten die Kapellmeister Schick und Rieger. Der Lautsprecher, der bei diesem Werbekonzert erstmals vorgeführt wurde, wird in der Tondynamik noch beffer abgestimmt und ausgeglichen werden müssen. E, I. Milakek(Bichon) von Jean de Letraz, eine lustige Geschichte im engsten Familienkreise, wurde als letztes Stück des Sommerrepertoirs im Ständetheater einstudiert.(Uraufführung am 12. September.) In der Voranzeige bezeichnet das Theater dieses Lustspiel als ein Kassestück, das es, künstlerisch sonst unheschwert, allem Anscheine nach bleiben wird, obgleich es das abgeleierte Thema eines unehelichen Kindes in einer besseren Familie behandelt. Der Sohn glaubt der schuldige Teil zu sein, nachdem die uneheliche Mutter es in seinen Händen zurückgelaffen hat, um nach Amerika abzudampfen. Doch die im Schweizer Pensionat erzogene Tochter nimmt freudig das Odium der unehelichen Mutter auf sich, um den Mann ihres Herzens heiraten zu können. Alles löst sich zur Zufriedenheit auf, selbst* daS Kind bleibt in der Familie, als die alte jungfräuliche Tante einen Mann und das Kind gleichzeitig bekommt, denn als richtiger Vater entpuppt sich der von der Tochter abgewiesene, vom Vater protegiert gewesene alte Freier.. Frau Baldovä gab dieser Tante eine ausgezeichnete Maske und mit ihrem schrullen Wesen die beste Leistung des Abends. Zu den wiederholten Hetterkeits- ausbrüchen des Publikums trugen neben ihr Herr Sasa Rasilovin der Rolle des hysterischen, seine Familienehre, Großvaterschaft und geheime Geschäftsbücher tapfer verteidigenden Vaters Fontan- ges, der verschüchtert«, ängstliche Beamte und Liebhaber, der siegreich« Speerwerfer d«S Herrn Smo« l i k und der Gymnasiast des Herrn Neumann, viel bei. Die Christine des Frl. P o s n e r und der dicke Freier des Herrn Haas wurden ein wenig in den Hintergrund gedrängt. DaS Stände- bzw. Nationaltheater haben nun ihre Sommerspielpläne absolviert. Es muß festgestellt werden, daß das angekündigte ernste Repertoire sehnlich erwartet wird. Zu den zu erwartenden Ueberraschungen zählt auch das um die Weihnachtszeit versprochene Auftreten von Voskovec und Werich, die ein selbstverfatztes Stück nach Komenskys»Labyrinth der Welt und das Paradies des Herzens" auf die Bühne des Ständetheaters bringen wollen. m. i. Die Arbeitervorstellungen werden ab 6. Oktober wieder fortgesetzt. ES sind elf Vorstellungen vorgesehen, davon sechs bis sieben Musikstücke. Die Preise der Plätze werden, mit Ausnahme kleiner Aenderungen, so niedrig sein wie im Vorjahre. Die erste Vorstellung soll am 6. Oktober stattfinden und wird rechtzeitig bekanntgemacht. Wer noch abonnieren will, möge dies gleich tun, da die Karten nach der Reihenfolge des Einlaufes zugewiesen werden. Telephonische Anmeldung ganztägig Rr. 72820 oder im Bildungsverein deutscher Arbeiter, Prag II., Smecky 27/HI, linke Stiege; Kanzleistunden täglich von 5 bis 8 Uhr abends, Sonntag von 11 bis 12 Uhr vormittags. Spirlplan des Neue« Deutschen Theaters. Sonntag:„ServuSl Servus l"— Montag: „D i e Fledermaus".— Dienstag Erstaufführung„DerBettelstudent" in der neuen Bearbeitung, A 2.— Wiederholung nächsten Samstag. D 2.— Mittwoch:„D er T r o u b a d o u r". B 1.— Donnerstag:„Die heilige Johanna" C 2.— Freitag:„C osi f a n t u t t e". D 1. Spielplan der Kleinen Bühne. Sonntag„D e r Stärkere"(Gutscheine AI, A 2), ferner Dienstag(Gutscheine B 2).— Montag geschlossen! — Mittwoch:„I ch h a b's getan". Volkstümliche Vorstellung. Preise nur: KL 8.—, 12.—, 18.—. — Donnerstag:„K i k i"(Gutscheine A 1, A 2), — Freitag:„Der Geizige"(Kulturverbands- freunde 1934/35 und freier Verkauf). DeeDüw Neues Leben Tolstojs„Auferstehung" zu versilmen ist ein Wagnis, bei dem von vornherein sicher ist, daß es nicht vollkonunen gelingen kann,— denn was für ein Film müßte das sein, der diesen, aus Selbsterkenntnis, Vision und religionserneuerndem Eifer gestalteten Roman des großen Dichters der ruffischen Erde, der zaristischen Gesellschaft und des menschlichen Gewissens in seiner ganzen Größe und Eigenart abbilden könnte! Wen«, dem Film Mr gelingt, etwas von der tiefen Sehnsucht uach Erlösung und Gerechtigkeit, etwas von der christlich-revolutionären Selbstanklage diefes der Bergpredigt verwandten Buches und etwas von der Erdnähe des Dichters Tolstoj spüren zu laffen, dann hat er alles erfüllt, was man billigerweise fordern kann. Der amerikanische Film des armenischen Regisseurs Ruben Mamoulian entspricht zwar auch dieser Forderung nur teilweise, aher er entspricht ihr immerhin noch. Mamoulian hat das zaristische Rußland malerisch, theatralisch und zuweilen kitschig stilisiert, er hat vieles verniedlicht, vor allem das Ende, und er hat nicht den Fürsten Dimitri zur Hauptgestalt gemacht, der ein Landmädchen verführte, als er aus einem revolutionären Studenten zum glänzenden Offizier geworden war und dann, als er die Geliebte von einst als unschuldig verurteilte Giftmörderin wiedersieht, alle Güter der Erde von sich wirst und mit nach Sibirien zieht,— sondern er hat Katuscha, das Opfer, in den Mittelpunst gestellt. Aber die Darstellerin der Katuscha ist A n n a S t e n, die hier beinahe wieder zu der einfachen Anmut zurückfindet, die sie damals hatte, als sie noch im russischen Film spielte, und die in den Gerichts-, Gefängnis- pnd Verbannungsszenen mit einer ganz unbetonten Kunst zu ergreifen weiß. Neben ihr ist Frederic March nicht mehr als ein tüchfiger und ehrlich bemühter Schauspieler, der zuviel Haltung hat, um die große Wandlung glaubhaft machen zu können. So blieb die Tiefe des Tolstojschen Werkes unausgeschöpft, aber manch» seiner Wirkungen find im Film wieder sichtbar geworden, was nicht nur Anna Sten zu verdanken ist. Denn die Sprechstunde im Gefängnis, und der Abmarsch der Verbannten sind auch von der Regie zu eindrucksvollen Massenszenen gemacht worden. Und das Ethos Leo Tolstojs erfüllt diesen Film zwar nicht, aber es fehlt auch nicht in ihm.—eis— Ende schlecht- alles grrt Ein außerhalb des Dritten Reiches entstandener deutscher Lustspielfilm, schon mehr ein Ulkfilm, aber immerhin frei von der groben Verlogenheit der Goebbels-Ware. Das Geschäft geht schlecht, die Liebe geht gut. Szöke Szakall erheitert mit kindlichem Humor, Rose B a r s o n y versucht es mit temperamentvollen Beinen und Ernst V e r e b e s mit draufgängerischer Operettenkomik. Ein Film also, der die Ansprüche der Anspruchslosen befriedigen kaum—eis— llus der Düte! Bezirksorganisation Prag der Deutschen sozialdemokratische« Arbeiterpartei. DienStag, den 17. September, um acht Uhr abends findet im Gewrrkschaftshaus in Prag I.» Perötyn, eine Parteiversammlrrng mit folgender Tagesordnung statt: Die außen- und innerpolitische Situation. R e f e r e«st: Genosse Abg. Franz K ö g l e r. Wir machen die Parteimitglieder aufmerksam, daß der Referent Delegierter unserer Partei auf der Tagung der Sozialistischen Internationale in Brüssel war und dort Gelegenheit hatte, sich insbesondere Wer die wichtigen Fragen der Außenpolitik zu informieren. Wir glauben daher, daß die Genossinnen und Genossen die Gelegenheit wahrnehmen werden, um ein informatives Referat über die bedeutsamsten politischen Probleme der letzten Zeit zu hören. Die Bezirksleitung. §port-§piet-I2rperpste4e DFC Prag gegen DSL Saaz 2:1(1:0). Die Prager haben ihren Sieg nur ihrem Schlußtrio zu danken, denn die Stürmer waren gerade keine Offenbarung. Die Saazer erzielten ihr Tor gerade knapp vor dem Schlußpfiff. In der mittrlböhmische« Division gelangten am Samstag folgende Spiele zum Austrag: Vittoria ZiZkov schlug CAFC 5:0(3:0), Sparta KoSik gewann gegen Rapid Weinberge 7:1(2:0)» und Viktoria Nusle verlor gegen Meteor VIII 2:0(1:0). Lteeaütr Zeitschrift' für Sozialismus, Berlagsanstalt Graphia, Karlsbad. Soeben ist das Doppelheft Nr. 22/23 dieser wertvollen Zeiffchrist erschienen. Es enthält zwei wichttge Beiträge, die sich mü der innenpolitischen Krise. Deutschlands beschäftigen: Ernst Henrichsen:„Von den Oppositionen zum Freiheitskampf" und Ernst Keller:„Die erste Heerschau". Der Artikel von Paul Gering über„Wandlungen des Kapitalismus" ist ein grundlegender Beitrag zur Neuorientierung der sozialistischen Theorie und Praxis in allen Ländern, der sicherlich Diskussionen auslösen wird. Aus dem übrigen Inhalt heben wir den Artikel des Historikers B. Nikolajewski über den neuzeitlichen Anti- semitismus hervor, in dem das Bestehen einer Internationale der Anttsemiten nachgewiesen wird, die aus den Mftteln des deutschen Propagandamini- Bkra Ferbasovä in dem heimischen Lustspiel»Die Studentenmama" steriums gespeist ist. Ferner schreibt Gregor B i e n- st o.ck über„Kontinentalpolitik oder Weltpolitik?", Alexander S ch i f r i n über„Vierte Republik in Frankreich?" und Gerhart Seger über„Ameri- kanische Eindrücke." IfätUtfungenda»Uratüa« Heute 10 Uhr: Führung: Loretto-Kirche, Ausgrabungen vor dem Czernin-Palais, Strahower Bibliotheksbau. Erklärungen: Dr. L. Kreitner. Treffpunkt vor der Loretto-Kirche. Heute halb 11 Uhr:»Das letzte Para« die s". Hochinteressanter Kulturtonfilm. Unvergeßliche Filme:„Filme und Filmstars von anno dazumal". Originelle Filmrückschau. Der einzige Caruso-Film I Begleitvortrag Erich Juhn. Montag, halb 9 Uhr. „Wie wir Afrika sahen". Lichtbildervortrag Walter Hauser und Alfred Richt ar. Freitag, 8 Uhr. . Masarhk Volkshochschule Besuchen Sir unsere Sprachkurse! Zwei Stunden wöchentlich. Monatlich 25 KL. Für den halben Monat September ermäßigter Kursbeitrag 10 KL. Auskünfte: Urania-Kanzlei. Arania-Kino Käthe v. Nagy, Ida Wüst, Gretl Theimer, Albach-Retty in der reizenden Filmoperette»Einmal eine große Dame sein". Vorführungen heute Sonntag 4, 6, halb 9 Uhr. Filme in Prager Lichtspielhäusern Urania-Kino:»Einmal eine große Dame sein". — Adria:»D u bist die Einzige." Elisabeth Bcrgner. E.— Alfa:„Drei bengalische Reiter." Cooper. E.— Avion:»Neues Leben." Anna Sten. E.— Beränek:„Bosambo." Paul Robeson. E.— Fenix:»Fra Diavolo." Stan Laurel und Oliver Hardy. E.— Flora:„Roberta." E.— Gaumont:„Ende schlecht, alles gut." Szöke Szakall. D.— Hollywood:„Ende schlecht, alles gut." D.—• Hvkzda:„Das Geheimnis im Nachtexpreß." E.— JuliS:„Kleine Muttt." Franziska Gaal. D.— Kinema, B.-Th.: Journale, Groteske, Report. Ab >/r2—%7.— Koruna:„Das Geheimnis im Nachtexpreß." E.— Kotva:„Mata Hari." Greta Garbo. A.— Lacerna:„Fra Diavolo." Stan Laurel und Oliver Hardy. E.— Metro:»Das elfte Gebot." Tsch.— Olimpic:„Letzte Liebe." Meinl, Bassermann. D.— Passage:„Die blonde Carmen." D.— Praha:„Quer durch Abessinien." — Radio:„Tarzan, der Sohn der Wildnis." E.—• Skaut:„Tarzan, der Sohn der Wildnis." E.— Svitozor:„Die blonde Carmen." D.— Alma: „Roberta." E.— Bajkal:„Tarzan, der Sohn der Wildnis." E.— Belvedere:„Die große Sühne."— Beseda:„Zarewitsch." D.— Carlton:„Der König der Dschungel." E.— Illusion:„Roberta." E.— Lido II.:„Roberta." E.— Louvre:„Der Held einer Nacht." Burian. Tsch.— Maceska:„Zum schwarzen Walfisch." E. Janning. D.— Roxy:„Strahlende Augen." Sh. Temple. E.— Sport, Smichov:„Zirkus Barnum." Beery. Fr.— U Bejvodü:„Das Erbe in Prewria." D.— Baldrk:„Späte Liebe." Heimischer Film.— Bi» Beletrhy:„Strahlende Augen." Temple. F. Jug. E. VERLANGEN SIE in jeder Verkaufsstelle des Konsumvereines SELCHWAREN der Firma HEGNER& Cie., PILSEN Selchwaren der Fa. 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