Dienstag, 17. September 1935 Nr. 217 15. Jahrgang ElnzsW* 70 Han« (ohachlteMdt 5 Holter Mo| nji» IENTRALORGAN DER DEUTSCHEM SOZIALDEMOKRATISCHEN ARBEITERPARTEI IN DER TSCHECHOSLOWAKISCHEN REPUBLIK ERSCHEINT MIT AUSNAHME DIS MONTAG TÄGLICH FRÜH, reo Aktion und Verwaltung nag»ufochova«. Telefon atm. HERAUSGEBERi SIEGFRIED TAUB. CHEFREDAKTEUR! WILHELM NIESSNER. VERANTWORTLICHER REDAKTEURi DR. EMIL STRAUSS, FRAG. Scharfe Antwort aus Moskau Nürnberg im Zeichen des Terrors Völlige Entrechtung der Juden— Staatsangehörige ohne Rechte Offene Drohungen Hitlers gegen Litauen Nürnberg. Irr der Neichstagssihung am Sonntag abends wurden drei Gesetze— natürlich ohne Debatte im Laufe von wenigen Minute«— angenommen, die die Hakenkreuzflagge zur alleinige« Reichsflagge machen, eine alle Erwartungen«och übertreffende scharfe Iudengefetzgebung einführe« und schließlich die Reichsangehörigen in vollwertige Reichsbürg^r und in minderwertige^Staatsangehörige" einteile«. Vorher hielt Hitler eine kurze Rede, in der er scharfe Angriffe gegen Litauen wegen der Memelfrage richtete. Mit großer Beunruhigung, erklärte Hitler, verfolge das deutsche Volk die Vorgänge in Litauen. Seit Jahren werde das deutsche Element dieses Gebietes vertragswidrig mißhandelt und gequält. Vorstellungen der verantwortlichen Mächte in Kowno seien bisher äußerliche Formalien ohne Wert und ohne Folgen geblieben. Die deutsche Rrichsregierung steht, erklärte Hiller, dieser Entwicklung mit Aufmerksamkeit und Bitternis zu. Der Völkerbund sollte seine Interessen der Autonomie des Memel-Gebietes zuwenden, eh« auch hier die Ereignisse Formen amlehmen, die emeS TageS von a l l e n Seite»> e- dauert werden könnten. Dann ging es gegen Moskau: »Die bolschewistische Internationale betreibt die Bölkerverhetzung erneut planmäßig und offen. Wir find jedenfalls entschlossen, der bolschewrstischrn Revolutionshetze in Deutschland mit den wirksamen Waffen der nationalfozöalistifchon Aufklärung(?) entgrgenzutrrtrn. Der Parteitag dürste kamen Zweifel daran zugelassen haben, daß Versuche, Deutschland zu einer bolschewistischen Revolution zu treiben, gründlichst abgewiese» werden.« Fast ausschließlich handle es sich um j ü* d i sch e Elemente, die als Träger der Völkerzersetzung auftreten. Die internationale Unruhe scheine leider auch in dem. Judentum in Deutfch- land die Auffassung geweckt zu haben, daß die Zeit gekommen wäre, den deutschen nationalen Interessen jüdische Interessen merklich entgegenzustellen. Es bleibe nur der Weg einer gesetzlichen Regelung des Problems übrig, sollen nicht wer« *tcre Folgen eintreten. Die deutsche ReichSregir- rung sei dabei von dem Gedanken beherrscht, durch eine einmalige, säkulare Lösung eine Ebene zu schaffen, auf der es dem deutschen Volke möglich sein werde, ein»erträgliches Verhältnis" zum südischen Volke zu finden. Sollte sich diese Hoffnung nicht erfüllen und die Hetze ihren Fortgang nehmen, so müßte eine erneute Ueberprüfung der Lage stattfinden. «* Moskau. Als Antwort auf die Nürnberger Kundgebungen gegen die Sowjetunion verbreitete der Moskauer Radiofender Sonntag abends in deutscher Sprache eine außergewöhnlich scharfe und ausfällige Stellungnahme. Der Nürnberger Parteitag sei eine„Versammlung vonRarre n", die an die WahnsimiSausbrüche des Mittelalters erinnere; seine Teilnehmer seien „M o r p h i n i st e n, Provokateure» Abenteurer und Brandstifter." Rosenberg werde als„Schizophrener, der ins Irrenhaus gehöre", Goebbels als„Subjekt, das klar unter die Sterilisierungsparagraphen falle" und Hitler als„Scharlatan" bezeichnet. Die Ausführungen schloffen mit der Feststellung: ,Ln ihrem Geheul gegen die Sowjetunion versuchen fie das unterirdische Grollen im Innern zu ersticken. Die nenen Meister von Nürnberg bellen heiser und angestrengt den Mond an." Appell Litauens an die Signatare Kaunas.(Reuter.) Das sonntägige Auftreten HitlerS gegen Litauen wird hier als eine Kriegsdrohung angesehen, welche eine Gefahr für den Frieden in Osteuropa ist. Dir litauische Regierung beabfichtigt, stch an die Sig- natarmächte des Völkerbundes mit dem Ersuchen zu wenden, Deutschland zu warnen. Die litauischen Regierungsstellen betonen, daß die Wahle« im Memelgebiet in legaler Weise unter der Kontrolle der Vertreter der Signatarstaaten vor stch gehen. Paris sekundiert Litauen Paris. Die französische Presse lehnt die Angriffe Hitlers gegen Litauen eilunütig ab und prangert die Angriffe des 66-Millicnenvolkes gegen den kleinen Zweimillionenstaat an. Der e m p s" sagt, daß Litauen Boiveise der Respektierung des Memelstatuts erbracht habe und da die kürzlichen Maßnahmen des litauischen Ministerpräsidenten die volle Freiheit der Wahlen in den Memeler Landtag gesichert haben. Die einzige Gefahr, welche in Wirklichkeit das Memeler Statut bedrohe, seien die Angriffe der deutschen Nationalsozialisten auf die unstrittigen Rechte der litauischen Souveränität. Paraden und Wirklichkeit Paris.»Information F i nan- eie r e“ befasst sich in einew Artikel unter der lleberschrift»Prunkvolle Paraden und die Wirklichkeit" mit den Schwierigkeiten der inneren und namentlich der wirtschaftlichen Lage in Deutschland. Das Blatt sagt, daß die innere 500-Mil- lionen-Mark-Anleihe, obwohl sich das Ende der Zeichnungsfrist nähere, noch lange nicht voll gezeichnet sei. Die Nürnberger theatralischen Zeremonien bringen dem Lande keinen Wohlstand und insbesondere keine internationalen Kredite. Der offizielle Markkurs wird künstlich aufrecht erhalten und entspricht nicht dem der wirklichen wirtschaftlichen Lage Deutschlands entsprechenden Kurs. Deutschland bilde em wahres Handicap für die ganze Welt. Der Berliner Berichterstatter des gleichen Blattes ist der Ansicht, daß Hitler nun sein Programm ändern und zu einer allmählichen Sozialisierung der großen Unternehmungen schreiten werde. Der gleiche Berichterstatter erwartet eine neue große Auswanderungswelle der Juden aus Deutschland nach der durch die. samstägigen Gesetze geschaffenen Lage. * Der letzte Tag des Kongresses der NSDAP wurde mit einer großen Feier der neuen deutschen Wehrmacht begangen. Es wurden Uebungen von 16.000 Soldaten vor 50.000 Mitgliedern des Arbeitsdienstes, 100.000 Mitgliedern der SA und SS und 180.000 politischen Führern abgehalten. Hiebei wurden motorisierte Kavallerie und 135 Tanks mit Besatzung von je drei Mann vorgeführt, die einen Angriff gegen Tankabwehrge- flhütze unternahmen. Den Gipfelpunkt des Schauspiels bildete die neue Fliegertruppe, deren Eska- drillen eine durch Pappendeckel-Bauten dargestellte Stadt vernichteten. Den Abschluß bildete eine Defilierung von Bataillonen der alten deutschen Armee. Zuchthaus auf„Rassenschande“ Die drei vom Reichstag in Nürnberg beschlossenen Gesetze haben folgenden Wortlaut: 8 1. Eheschließungen zwischen Juden und Staatsangehörigen deutschen oder artverwandten Blutes sind verboten. Trotzdem geschlossene Ehen sind nichtig, auch wenn sie zur Umgehung dieses Gesetzes im Ausland geschlossen sind. Die NichtigkeiWlage kann nur der Staatsanwalt erheben. 8 2. Außerehelicher Verkehr zwischen Juden und Staatsangehörigen deutschen oder artverwandten Blutes ist verboten. 8 3. Juden dürfen weibliche Staatsangehörige deutschen oder artverwandten Blutes unter 45 Jahren nicht in ihrem Haushalt beschäftigen. 8 4. Juden ist das Hissen der Reichs- und Nationalflagge und das Zeigen der Reichssarben verboten. Dagegen ist ihnen das Zeigen der jüdischen Farben gestattet. Die Ausübung dieser Befugnis steht unter staatlichem Sckmtz. 8 5. Wer dem Verbot des 8 1 zuwiderhandelt, wird mit Zuchthaus bestraft. Der Mann, der dem Verbot des 8 2 zuwiderhandelt, mit Gefängnis oder mitZuchthaus bestraft. Wer den Bestimmungen der 88 3 oder 4 zuwiderhandelt wird mit Gefängnis bis zu einem Jahr und mit Geldstrafe oder mit einer dieser Strafen bestraft. 8 6. Der Reichsminister deS Innern erläßt im Einvernehmen mit dem.Stellvertreter des ! Führers und dem Reichsminister der Justiz die zur Durchführung und Ergänzung des Gesetzes erforderlichen Rechts- und Verwaltungsvorschriften. 8 7. Das Gesetz tritt am Tage nach der Verkündigung, 8 3 jedoch erst am 1. Jänner 1836 in Kraft. * nur der„Reichsbürger“ vollberechtigt 8 1. Staatsangehöriger ist, wer dem Ver end des Deutschen Reiches'angehört und' ihm j dafür besonders verpflichtet ist. Die Staatsangehörigkeit wird nach den Vorschriften des Reichsund Staatsangehörigkeitsgesetzes erworben. 8 2. Reichsbürger ist nur der Staatsangehörige deutschen oder artverwandten Blutes, der durch sein Verhalten beweist, daß er gewillt ungeeignet ist, in Treue dem deutschen Volk und Reich zu dienen. Das Reichsbürgerrecht wird durch Erlangung deS Reichsbürgerbriefes erworben. Der Reichsbürger ist der alleinige Träger der vollen politischen Rechte nach Maßgabe der Gesetze. 8 3. Der Reichsinnenmin ster erläßt im Einvernehmen mit dem Stellvertreter des Führers die zur Durchführung und Ergänzung des Gesetzes erforderlichen Rechts- und Verwaltungsvorschriften. Durch dieses Gesetz verlieren Nichtarier das Wahlrecht und die Fähigkeit, öffentliche Aemtrr zu bekleiden. .* Schwarz-weiB-rot verschwindet Artikel 1: Die Reichsfarben sind schwarzweiß-rot. '. Artikel 2: Die Reichs« und Nationalflagge ist die Hakenkreuzflagge. Sie ist zugleich Handelsflagge.’ Artikel 3: Der Reichskanzler bestimmt die Form der Rtichskriegsflagge und der Reichs« dienstflagge. Artikel 4: Der Reichsinnenminister erläßt, soweit nicht die Zuständigkeit des Reichskriegsministers gegeben ist, die zur Durchführung und Ergänzung dieses Gesetzes erforderlichen Rechtsund Berwaltungsvorschriften.‘ Artikel 5: Dieses Gesetz tritt am Tage nach der Verkündigung in Kraft. . Nach diesem Gesetz ist cs den Juden verboten, die Reichs- oder Staatsflagge zu hissen. Sie dürfen nur die Farben der Juden aushängen. Offenbar damit die Streicherjünger ihre. Opfer nicht lange zu suchen, brauchen. Drei Gesetze— gegen Recht und Brauch, drei Gesetze gegen alle! Menschlichkeit. Hitlers Reichstag, das willenlose und gehorsame Werkzeug des Diktators, hat gesprochen. Es wird späteren Generationen einst schwer fallen sich vorzustellen, daß all das, was sich auf dieser »Versammlung von Narren"— wie der amtliche Moskauer Funkbericht die Rcichstagssitzung nennt — zutrug, sich wirklich zwei Menschenalter nach Fichtes Reden an die deutsche Nation, ein Jahrhundert nach dem Tode Goethes, eineinhalb Jahrhunderte nach Kants moralischem Sittengesetz zü- getragen hat. Das Wort, der Fascismus drehe das Zeitrad ins Mittelalter zurück, ist schauerlich überholt worden: niemals war das finstere Mittelalter so finster wie die Neuzeit des Dritten Reiches, die wir miterleben. Es ist als habe das Dritte Reich mit diesem Reichstag die konzentrierteste Quintessenz seiner Maximen liefern wollen: Barbarei, Heuchelei, Brutalität, Kriegsdrohung. Im Mittelpunkt der Schandgesetze, die der Reichstag Sonntag»beschlossen", das heißt auf Befehl des Führers verkündet hat, steht ein Judengesetz, welches das mittelalterliche Statut des»gelben Fleckes" weit in den Schatten stellt. Die Herrschaft eines von sexueller Perversion und pubextätShaftem Minderwertigkeitsgefühl geleitetem Pogromklüngels, die bisher nur mit Peitsche und Revolver legitimiert war, wird dadurch nun auch mit der Legitimation des Paragraphen ausgestattet. War es bis gestern nur »Brauch", Menschen, die ein Wesen anderer »Rasse" liebten, halbtotzuprügeln, an den Pranger zu stellen, mit Schandtafeln umgehängt durch die Straßen zu zerren-— ab heute ist es»re ch- t e n s". Juden sind zu Staatsbürgern zweiter Klasse gemacht worden, Ehen und»außerehelicher Verkehr" zwischen Juden und Nichtjuden werden mit Zuchthaus bestraft, ja selbst das Halten „arischer" Hausgehilfinnen ist Juden bei strenger Strafe verboten. Und als gälte es, die Erbärmlichkeit noch zu übertrumpfen, fügt Hitler diesem Gesetz noch einen„Motivenbericht" bei, in dem er erklärt, er habe damit eine»einmalige säkulare Lösung" geschaffen, um»dem deutschen Volke ejn erträgliches Verhältnis zum jüdischen Volke" zu geben. Bis in die allerjüngste Zeit hinein fanden sich nn Ausland, aber auch in Deutschland selbst immer wieder Stimmen, die mit unbelehrbarer Mindheit die Greuel des Dritten Reiches, die allzusehr durch Zeugenaussagen und Dokumente belegt waren, als daß sie sich ableugnen ließen, als „unvermeidliche Exzesse" hinstcllten, als barbarische Ausschreitungen, die»eigentlich gegen den Willen der Regierung, und vor allem Hitlers" statffänden. Mit dieser Reichstagssitzung sind all diese feigen Versuche, sich um eine Stellungnahme zu drücken, entlarvt. Hinter derBar- barei des Dritten Re ich es, hinter der unvorstellbaren Verhöhnung jedes menschlichen Rechtes und Denkens steht mit voller Verantwortung vor der ganzen Welt das braune Regime Deutschlands und der Führer selb st. Aber nicht nur den Stempel des nackten braunen Barbarentums» auch den Stempel der schäbigsten politischen Heuchelei trägt dieses Gesetz, das sichtlich em Einvernehmen mit dem„in Kulturfragen versöhnlichen" Herrn Schacht ausgeklügelt ist. Die ganze Grausamkeit des Ge-i setzes trifft wieder die besitzlosen Juden. Juden mit Geld werden sich's selbstverständlich auch in Zukunft irgendwie richten können. Was in den Villen von Berlin W borgeht, bleibt ja den Augen des Gesetzes meist verborgen; aber jeder kleine jüdische— oder jüdisch aussehende—> Angestellte und Arbeiter, der mit seiner Freundin über die Straße geht oder auf einer Parkbank sitzt, ist der Meute der Streichcrbanditen, die nun mit Polizeivollmacht ausgestattet ist, schutzlos ausgeliefert. Die jüdischen Bankdirektoren und Großindustriellen und die jüdischen„Wirtschaftsführer", die eben noch mit ausdrücklicher Vollmacht Hftlers nach Amerika und England entsandt wurden, um Kredite für Deutschland zu Sekte 2 DienStag, 17. September 1935 Sozialdemokrat Nr. 217 besorgen, sind davon kaum betroffen. Vor der Klassensolidarität der Geldherren treten sogar die wichtigsten Raffenbelange in den Hintergrund. Dafür hat Herr Schacht und die Finanziers dieses braunen Tollhauses schon gesorgt. Da- natio- nal„sozialiftische" Dritte Reich liefert dem Volk, daß die Erfüllung des Programmes immer drängender fordert, das Bett des Juden aus, um seine Kassa— mit dex sich ja die arischen Herren deS Landes solidarisch fühlen— zu schonen. Zu dieser Schonung hat Herr Hitler auch allen Anlaß. Barbarengesetze gegen Angehörige einer Religion, Mörderfreibriefe gegen„Juden und Marxisten" mögen für einige Zeit hinreichen, um ein künstlich dumm gemachtes Volk von den wirklichen Problemen abzulenken: die Regisseure der Ablenkungsmanöver aber wiffen sehr gm, waS los ist. Der besorgte Hilferuf, den Hitler bei der Eröffnung dieses Parteitages und dann nochmals und noch deutlich Sonntag in der Reichstagsrede gegen den inneren und äußeren drohenden Marxismus ausstieß, läßt an Deutlichkeit nichts zu wünschen übrig. Ein Kreuzzug derWelt unter Deutsch- lands Führung soll den Herren d«S Dritten Reiches helfen, ihren schwankenden Klassenterror zu sichern. Mögen die Schandgesetze gegen die Juden der aufregendste und empörendste Teil der sonntäglichen ReichStagSfaree fein: der politische bedeutsamste Teil war jener Teil der Hitlerrede, der sich mit den Ausfällen gegen Rußland und Litauen beschäftigte. Nebst Oesterreich ist längst das Memelgebiet ein Herd des drohenden europäischen Krieges. Begreift man, worum hier ein verbrecherisches Spiel gespielt wird? Muffolini— der ja überhaupt der Wegbereiter und Lehrmeister Hitlers ist— stürzt sich in einen Eroberungskrieg, um das Volk von dem inneren Versagen der fascistischen Herrschaft abzulenken. In wenigen Stunden vielleicht wird durch den Austritt Italiens der Völkerbund in seiner bisherigen Form gesprengt sein, in wenigen Tagen vielleicht werden die ersten Schüffe in Afrika fallen, wird Europa höchster Aufmerksamkeit, ja höchsten Glückes bedürfen, um nicht in den afrikanischen Raubkrieg des Duce verwickelt zu werden. Jeder verantwortliche europäisch« Staats, mann fühlt in diesen Stunden die Verpflichtung zu doppelter Zurückhaltung und Vorsicht. Ganz anders Herr Hitler. Es ist ja traditionelle Taktik der fascistischen Außenpolitik, gerade die außenpolitisch gefährlichsten Situationen Europas zu einem Husarenritt zu nutzen. Eben in der Zurückhaltung der verantwortungsbewußten, demokratischen Großmächte sehen ja die fascistischen Staaten die beste Sicherung ihrer Gewaltpläne. „Wo jede Aktion zum Weltkrieg führen kann", argumentieren sie,„da wird man eben keine Aktion gegey. uns setzen, wenn wir irgendwo Gewaltpolitik machen." Es besteht kein Zweifel, daß Hitlers Aeußr» rungen gegen Litauen als allerernsteste Kriegsdrohung aufzufaffen sind. Das Beispiel des Lehrmeisters Muffolini ist zu verlockend: Muffolini flieht vor den inneren Schwierigkeiten nach Afrika— die Fluchtwege» die Hitler offen stehen, sind das Memelland und Oesterreich. Offenbar meinen die Herren Deutschlands, daß das Memelland das geeignete Versuchsobjekt für ihr fascistisches Bedürfnis nach Krisgruhm ist. Litauen liegt weit von Zentral« und Westeuropa entfernt, e- steht— nach Hitlers Meinung— nicht so sehr im Mittelpunkt deS politischen JntereffeS der Weststaaten. Die einzige Großmacht, die ein entscheidendes xealpo- litisches Interesse an der Auftechterhaltung deS Status quo in den nordöstlichen Randstaaten hat, .ist Sowjetrußland. Und eben gegen jenes Sowjetrußland ruft Hitler im gleichen Atem, in dem er Litauen mit dem Krieg bedroht, di« Hilfe der Welt an. Der richtige Augenblick für den Sieg des Dritten Reiches im Memelland scheint ihm da zu sein, und kein Mensch zweifelt daran, daß diesem Sieg sehr bald der braune Sturm gegen Oesterreich folgen würde. Aber es könnte sein, daß Herr Hitler hier irrt. Nicht alle Kriege sind so leicht zu führen, wie der Krieg gegen die jüdische„Raffenschande". Die gegenwärtigen politischen und militärischen Bündnisse in Europa, die, jeden Tag furchtbar aktuell werden können, sind zu wichtig und zU nötig, als daß sie, Hitler» Wunschtraum gehör« Genf. Die Völkerbundexperten arbeitete» am Sonntag eifrig daran» ritten Weg zur friedlichen Lösung im Hinblick auf die Erklärung der italienischen Regierung, daß der Konflitt mit Abessinien kein Kompromiß zulasse, zu finden. Die britische Regierung soll der Anschauung sein, daß die Anträge und der Bericht de» Fünfer-Ausschusses zu- nächst dem Bölkerbundrate vorgelegt werden sollen. Wenn sie der Rat annimmt, so würden diese Dokumente einen offiziellen Charakter tragen und die beiden Parteien, Italien und Abessinien, wären durch den Artikel 2 des Völkerbundpaltes gebunden, vor Ablauf von drei Monaten nicht mit den Feindseligkeiten zu beginnen. Die Arbeiten de» Juristenkomitees bewege« sich weiterhin in der Richtung einer Erweitern»» der Pariser Vorschläge. Bon englischer Seite wird nach wie vor die Einräumung einer polltischen und militärischen Kontrolle Italien» über Abessinien abgelehnt, es sollen aber gewisse territoriale Konzessionen vorgesehen sein. Der Bericht der Juristen wird voraussichtlich Dienstag Vormittag fertiggestellt und sodann dem Fünfer- ausschuß unterbreitet werden, dessen Zusammentritt für den Nachmittag vorgesehen ist. Ministerpräsident Laval hatte am Montag Besprechungen mit dem abessinischen Delegierten Teele Hawariat« sowie mit Ede» und A l o i s i. Laval äußert« sich am Abend vor Presscvcrtrweru recht pessimistisch über die Lage. Die meisten Berichterstatter der Pariser Blätter sprechen die lleborzeugnng au», daß Italien eine radikale Lösung seiner Beziehungen zum Völkerbund anstrett und daß sein Austritt auS dieser Institution nur noch eiere Frage von wenigen Tagen sei. Zahlreiche Pariser Blätter stelle» bereits Erwägungen darüber an, welche Sanktionen Gens gegen Italien beschließen wird. Die Opttmisten hoffen, daß diese Sanktionen mild« sein werden und daß Mussolini nach bestimmten militärischen Erfolgen in Abessinien vielleicht zngänglicher für Verhandlungen sein wird. Die römischen Berichterstatter der Pariser Abendblätter verzeichnen in diplomattschen Kreisen kursierende Gerüchte, daß die Einberufung einer neuen Dreier-Konferenz zwischen Mussolini, Laval und einem Vertreter der brittschen Regierung, wahrscheinlich nach Rom erwogen werd«. An informierten französische» Stellen ist jedoch hierüber noch nichts belohnt. chend, über Nacht sich in ein Antisowjetbündnis umwandeln könnten. Schon Mussolinis Hoffnungen auf die Uneinigkeit Europas sind bisher bitter enttäuscht worden. Es könnte sein, daß Hitler eine noch bitterere Enttäuschung erfährt. Jeder Schritt eines deutschen Soldaen über die Grenze kann in dieser Situation den Weltbrmtd entfachen — und die Rede Hitlers in Nürnberg llang ganz danach, als sei er zu diesem Schritt entschlossen. Die Politik der Gewalt, die sich im Inneren totgelaufen hat, droht nun auf ganz Europa überzugreifen. Im Süden und Norden treibt der Fascismus mit unheimlicher Geschwindigkeit zum Krieg. Wenn die Welt nicht bald verstehen lernt, daß die drohende Kriegsgefahr nur mit aller Gewaltherrschaft zugleich oder gar nicht auSgerottet werden kann, wird sie ihre Blindheit in einer schauerlich großen Zeit büßen. Um Mitteleuropa London. Einer Meldung der„Mor- ning-Post" zufolge wird im Lause der Woche ein Ministerrat stattfinden, um die Frag« der besonderen Verpflichtung Großbritanniens zu studieren, unter bestimmte« Umständen Sonder- Maßnahme» zur Erhaltung des Friedens in Mittel-Europa zu treffen. Mobilisierungsbefehl bereits gedruckt Addis Abeba. Der MotilisierungS- besehl des Kaisers Halle Delassie wird bereits gedruckt, wird aber nicht früher kundgemacht«erden, solang« nicht drr erste ttalienische Kanonenschuß erfolgt» bzw. solange nicht dem Kaiser der »ffisielle Bericht übergeben wird, daß die Friedensbemühungen deS Völkerbundes mißglückt seien. Wenn dieser Zeitpunkt Antreten sollte, werden sich die äthiopischen Priester und die Frauen und eine halbe Million Abessinier in KriogSaus- rüstung versammeln. Im übrigen werden allmählich die Truppenzusammenziehungen fortgesetzt» um ein« plötzliche Mobilmachung vermeipden zu können. DaS Ende der Regenzeit wird in längsten» 14 Tagen erwattet. Deshalb breitet sich in Kreisen der fremden Kaufleute immer größere Un, ruhe auS, da sie erwarten, daß unmittelbar nach Eröffnung der Feindseligkeiten i ta.li e n j s ch e Fliegerangriffe auf Addis Abeba er» folgen werden. Die inder Hauptstadt wohnenden Ausländern bauen deshalb in ihren Gärten und Höfen Deckungen gegen Fliegerangriffe und senden ihre Familien massenweise nach Europa. 3800 Freiwillige auS dem Innern des Landes sind am Sonntag in Addis Abeba einge- ttoffen. Der Kaiser hielt eine kurze Ansprache an die Truppen, meistens Mohammedaner, welche an der Nordfront eingesetzt werden. Ausländische Freiwillige 5000 Iren haben sich, wie eine Regierungserklärung Abefsiniens besagt, angeboten, im Falle eineS Krieges für Abessinien zu kämpfen. Ferner haben 3000 Franzosen und hunderte Pessimismus in Genf VILLA OASE oder: DIE FALSCHEN BORGER Roman von lugene Dab Berechtigte Uebertragung au» dem Französischen von Bejot Sie reiste wenig, denn sie war in ihrer Jugend Zeugin einer Eisenbahnkatasttophe gewesen, sie vermied peinliche Unterhaltungen, ging Kranken aus dem Wege, selbst wenn eS sich um ihre Freundinnen handelte— und nun dieser Schlag, dem, ihre Kräfte nicht gewachsen waren! Wie liebte sie die Gesundheit. Niemand ahnte, welche Heimsuchung Helenes Tod für sie gewesen. Ihre Angst vor Krankheit war danach noch größer geworden. Sie verfluchte die Lagorios. Teilt man, wenn man tuberkulös ist, das Zimmer mit einem jungen Mädchen, schläft man gar im selben Bett? Sie wäre bestimmt eine achtsame, liebevolle, zuverlässige Mutter geworden. Vielleicht würde sie, wenn sie sich vom Geschäft zurückzögen, ein Kind annehmen. Julien entging es nicht, daß seine Frau immer tiefer in Grübelei versank, aber er fragte sie nicht mehr. Er wußte, woran sie dachte. Und bemühte sich nur, sie abzulenken. So erzählt« er ihr, Charlier habe sich einen neuen Wagen gekauft, Papa Adam habe ein MordSglück auf der Rennbahn, Nonoche sei Besitzer einer herrlichen Billa bei Fontainebleau geworden. Sie erwiderte nur:„Dann können sie sich sa freuen." Die Antwort entmutigte ihn. Bei Gott, er wurde auS seiner Frau überhaupt nicht mehr klug. EineS TageS beschloß er, Alfred seine Sorgen an- zuvettrauen. Der kannte Irma am besten und hatte sogar Einfluß auf sie. Er bestellte ihn in sein Stammlokal und schildert» ihm den ganzen Fall. Er sprach von der Unruhe, die Irma schon früher verfolgte, wenn sie glaubte, nicht an» Ziel zu kommen, von ihren Trübsinnsanfällen, von der Krankheit de- Mädels. Dann trank er sein Gla» in einem Zuge leer, trocknete seine Stirn und fragte mit dumpfer Stimme: „WaS soll ich nun tun?" Alfred hatte aufmerksam zugehört. „Verkaufen. Wie ich dir schon immer geraten habe. Du weißt, ich Rn Käufer." „Ich bin noch nicht alt genug, den Rentier zu spielen. Mir macht die Arbeit nichts auS." „Dir nicht. Aber eS handelt sich um Irma, die sich da oben einschließt, von allen Menschen zurückzieht und so lebt, wie män nicht leben kann. Das hält niemand aus aus die Dauer." „Sie macht sich kaputt. Da du mich fragst, kann ich dir Nur sagen: sie muß auf dem Lande leben." Er stand auf, streckte die Hand hin. Watte. Wir nehmen noch einen Aperitif." Dann, nach einigem Besinnen: „Irma hat nichts übrig fürs Land." „Ich meine nicht, daß ihr euch in einem Loch vergraben sollt. Zieht in die Gegend von Fontaineblau, wo Nonoche sitzt. Dort habt ihr alle», waS ihr braucht. Deine Frau ist wie alle Frauen. Fühlt sie sich erst einmal zu Hause..." „Man muß leben." „Mit deinem Geld« ließe ich mir keine grauen Haare wachsen. Wollt ihr euch etwa für Nichten und Neffen schinden?" „Außer meiner Dicken wüßte ich keine Katze, der ich was zu vermachen habe. Aber ich muß wissen, ob eS Irma ernst ist, ob sie sich wirklich zur Ruhe setzen will. Ja, sie hat davon gesprochen. Man kann nur, bei ihrer Verschlossenheit, nicht ahnen, ob e» mehr war al» eine Redensart." „Du sagst, sie ist verschlossen. Richtig. Sie ist aber auch zu stolz, sich zu beklagen. So hätt sie noch ein, zwei Jahre auS, und dann, eines TageS, ist es zu spät." Julien brummte etwas in den Bart..Dieselbe Sache war ihm mit Helene passiert, die man nicht früh genug behandelt hatte. Diesmal aber würde er nichts versäumen. Das Leben seiner Dicken stand auf dem Spiel? Dann mochte der Teufel das Geschäft holen! Nachdem er noch einen Augenblick nachgedacht hatte, sagte er: „Du müßtest mal auf den Busch klopfen, Mfred. Wir beide, sie und ich, können uns nick» verständigen, wenn eS sich umS Verkaufen handelt. Komm recht früh, ich mache mich indessen aus dem Staube." Um drei war Alfred im Montbert. Er fand Irma in ihrem Zimmer, küßte und fragte sie: „Weißt du, weshalb ich komme?" „Julien hat mir erzählt, du wolltest nach mir sehen. Allzu pft läßt du dich nicht hier blicken, Alfred." „Ich habe doch zu tun, meine kleine Irma. Vielleicht kaufe ich ein anderes Geschäft." „Ist das ein Grund, mich zu vernachlässigen?" „Bist du gar nicht neugierig?" Er warf ihr einen schiefen Blick zu und las in ihren Augen, daß sie Feuer gefangen hatte. Jedes Wort betonend, fuhr er fort: „Ich will das Montbert kaufen. Julien wäre bereit, mir seinen Teil abzutreten. DaS westere hängt nun von dir ab." Als sie sich beruhigt hätte, setzte er ihr nachdrücklich die Vorteile auseinander, die sie beide haben würde». Die Idee war ihm am Tage nach Helenes Beerdigung gekommen. Es war Zeit, daß sie die Geschäfte einem anderen überließ. Und der gute Julien würde auch nicht schlecht fahren, denn er, Alfred, wäre kein Preisdrücker und zahlte fast die ganze Summe in bar. Er schloß: „Und was tvär« schon, wenn dein alter Freund den Laden kriegte?" Sie wackelte verdutzt mit dem Kopfe. Alfred hatte ihr nie von einem solchen Plane gesprochen. Ja, verkaufen wollte sie schon, nur nicht gleich. Engländer, Deutscher, Brasilianer und Russen der abessinischen Armee ihre Dienste angeboten. Sie werden aber kaum angenommen werden. Haken von Gibraltar zum Teil gesperrt London. Die britische Admiralltät verlautbart im Amtsblatt, daß in Gibraltar di« südliche Hafenzufahtt durch Hindernisse gesperrt wurde. Am Montag sind in Gibraltar westere 2 britische Kriegsschiffe eingetroffen. In den nächste» Tagen wird die Ankunft westerer Kriegsschiffe erwartet. Der britische Kreier„Austalia" ist zur Ausfahrt bereit, doch ist sein Bestimmungsort nicht bekannt. Auf der Höhe von Alexandrien(Aegypten) fand am Montag eine eindrucksvolle Demonstration der britischen See- und Luftstteitkräfte statt. Wie Reuter berichtet, verläßt ein Test der ärmeren Bevölkekung Alexandriens die Stadt, um sich in die Eingeborenendörfer zurückzubegeben. Als Grund wird die Furcht vor dem Kriege angegeben. Vettere Transporte Am Sonntag sind die Dampfer„Roma", „Italia" und„Calabria" mit 8000 Soldaten und 800 Offizieren und der Dampfer „ToScana^ mit Kriegsmaterial von Genua nach Ostaftika ausgelaufen. Ule zweite Wahlkomödie In Polen Warschau. AuS den am Sonntag in Pole» stattgefundenen SenatSivahlen gingen ausschließlich Bertteter der Regierung hervor. Die breiten Bevölkerungsschichten zeigten an den Wahlen gar kein Interesse. Bi» zum 20. d. M. soll der Präsident der Republik weitere 82 Senatoren ernennen.' Die Deutschen sind auch bei den Senatswahlen ohne Vertretung geblieben. Die Ukrainer werden im Senat vier Bertteter haben. Belgien erhöht Staatsangestelltengehölter Brüssel. Der Kabinettsrat beschloß, ab 1. Oktober die Einkünfte der Staatsangestellten wegen der allgemeinen Steigerung des Preisindexes nach der Devalvation des belgischen Franks um 6 Prozent zu erhöhen. Japanische Verschwörerpläne werden nach zwei Jahren bekannt Tokio.(Reuter.) Erst jetzt werden Einzelheiten über eine Verschwörung verlautbart, durch welche bedeutende Persönlichkeiten des politischen LebenS und finanzieller und wirtschaftlicher Kreise hätten beseitigt werden- sollen. Dieses Komplott scheiterte, als im Jahre 1933 insgesamt 68 Verschwörer verhaftet wurden, welche einen Staatsumsturz hatten herbeiführen wollen. DaS Signal sollte der Wurf einer Bombe in den Sitzungssaal des Ministerrates während einer Sitzung sein. Im Anschluß daran wollten die Berschlvürer verschiedene Persönlichkeiten in ihren Wohnungen ermorden. Der Justizminister gibt bekannt, daß gegen 84 der Angeklagten wegen de» Versuchs des Aufstandes, gegen fünf wegen des Versuche» von Attentaten verhandelt wkrden wird, während vier Angeklagte in der Untersuchungshaft gestorben sind. Julien war doch immer der Meinung gewesen, die Million müsse voll sein, ehe man sich zur Ruhe setzte. „Ich möchte nicht» entbehren müssen." „Ihr werdet nicht hundert Jahre alt. Zumal Julien. Dazu trinkt er zuviel. Ich habe die Gegenwart im Auge, nicht die Zukunft. Und vor allem deine Gesundheit." „Ich bin nicht krank." „Das behauptet auch niemand." Er zwang sie, sich neben ihm aufs Bett zu setzen.„Aber erholungsbedürftig, reif fürs Land bist du. Hör mich mal an. Habe ich dir je einen schlechten Rat gegeben? Nichts hindert euch, später wieder ein Geschäft zu kaufen. Obwohl du, wenn du als Rentiäre in einer schönen Villa lebst, dich gewiß nicht nach Paris zurücksehnen wirst..." Er drückte sie fester an sich, küßte sie, liebkoste ihre schweren Brüste. Irma blieb kalt. Sie kannten sich schon zu lange. Freilich, das Ende war doch immer da» gleiche. Aber sie hatte keine Eile. Sie dachte üb/r Alfreds Vorschlag nach und schwankte zwischen ihrer Sympathie und ihrem Interesse. Vielleicht verloren sie ihr Geld? Nein, so dürfte sie nicht denken. Dazu hatte er ihr schon zu viele gute Dienste erwiesen. Sie konnte überhaupt nicht» Wesentliches einwenden gegen das, was er geltend machte. Er war so klug und so ungeheuer tüchtig, und die Vorteile schienen offenbar di« Nachteile zu überwiegen. Vor allem beschleunigten sie die Erfüllung ihres alten Traums: im eigenen Haus von ihren Renten zu leben. „Ja", stimmte sie schließlich zu,„da« wäre vielleicht die Lösung für uns alle." „Endlich! Seit einer halben Stunde suche ich es dir llarzumachen. Julien fürchtet, du könntest dich nicht losreißen." „Darum nicht? Ich habe die Ruhe nötig." „Und du paßt auf, daß mir der Dicke nüR die Gurgel zuschnürt. Ich gebe ihm Wechsel." (Fortsetzung folgt.) fit. 217 DlenStag, 17. SeHentlief 1935 Seift 3 fudetendeutsdm xcifepiegef Sozialistische Jugend an der Arbeit Der Verbandsvorstand des Sozialistischen Jugendverbandes hatte am 14. und 16. Septemder in Höflitz bei Niemes eine Sitzung, in der die wichtigsten Gegenwartsprobleme der Sozialistischen Jugendbewegung erörtert wurden. Zunächst nahm die Sitzung einen Bericht des Verbandsobmannes Kern über den Kongreß der Sozialistischen Jugendinternationale entgegen. Die Beschlüsse des Kongresses fanden die Zustimmung des Verbandsvorstandes, ebenso wurde die Stellungnahme des Verbandsvorsitzenden auf dem Kongreß gebilligt. Die Sitzung beschäftigte sich auch mit der Durchführung der auf dem Kongreß gefaßten Beschlüsse. Sodann nahm die Sitzung des Verbandsvorstandes zu innerenOrganisationsfragen und zu der von den Kommuni st en betriebenen Einheitsfront-Taktik Steilung. Er gelangte zu einstimmigen Beschlüssen, die auf dem Bestreben beruhen, vor allem die Einheit und Geschlossenheit der sozialistischen Bewegung zu bewahren. Die gefaßten Beschlüsse werden in der nächsten Zeit verwirklicht werden, worauf der Oeffentlichkest eine genaue Darstellung der Einheitsbestrebungen gegeben werden wird. Die organisatorische LagedeS Sozialistischen Jugendverbandes, über die der Verbandssekretär Geißler berichtete, hat sich im Laufe der letzten Monate erheblich gebessert, vor allem ist diese Besserung auf finanziellem Gebiet festzustellen. Auch die Zahl der Organisationen wurde vergrößert. Der sozialistische Wettbewerb, der von den einzelnen Kreisorganisationen durchgeführt wurde, endete mit einem großen Mitgliederzuwachs. Einen großen Raum nahmen die Vorbereitungsarbeiten für den zu Pfingsten 1938 in Bodenbach stattfindenden Reichsjugendtag in Anspruch, durch den die im„Jahre der Kameradschaft" geleistete pädagogische, soziale und politische Arbeit des Jugendverbandes zur Kenntnis der breitesten Oefsentlichkeit gebracht werden soll. Die Kreis-Zeltlager, die heuer im Rahmen des Jahres der Kameradschaft abgehalten wurden, werden im nächsten Jahr wegen ihres außerordentlich erfreulichen Ergebnisses wiederholt werden. Ueber die soziale Arbeit des Sozialistischen JugendverbandeS berichteten die Genossen Neu« wirth und W a n k a. Es wurde-beschlossen, eine größere sozialpolitische Aktion, gestützt auf die Beschlüsse der sozialistischen Parteien, durch- zufüihren und hiezu das Einvernehmen mit den Jugendverbänden der dem sozialistischen Block an- geschlossenen Parteien herzustellen. Nach Beendigung der Sitzung besuchte der Verbandsvorstand das Gerl- Kreiszeltlager der nordböhmischen Kreisorganisation in Plauschnitz. Dieses Kreiszeltlager ist das letzte im Rahmen des Jahres der Kameradschaft. In einer Schluhfeier, an der alle Lagerinsassen teilnahmcn, wurden die in diesem Jahre errungenen Leistungen von dem Kreisvertrauensmann für Nordböhmen, dem Genossen Heinrich W e i S b a ch und dem Genossen Kern gewürdigt, der zugleich der gesamten Mitgliedschaft anläßlich dieses Abschlusses der Zelt- Aktion den Dank des Verbandsvorstandes aussprach.,— Mr die Lagerteilnehmer sprach Genosse E n g e l. Er dankte dem Verbandsvorstand und der Kreisleitung für die Organisierung der Aktionen im Jahre der Kameradschaft, die vielen Hunderten jungen Menschen Hilfe, Freude und Erholung brachten. Die Lagerteilnehmer verabschiedeten sich in herzlichster Weise vom Verbandsvorstand. kin volkssemelnschaftlicher Dolchstoß Die Henleinpartei verzichtet auf den deutschen Sender Seit langer Zeit find die deutschen Regierungsparteien bemüht, dem Wunsche der deutschen Radiohörer der Tschechoslowakei nach einem deutschen Sender Geltung zu verschaffen. Man sollte nun annehmen, daß die Henleinpartei, die Labour im Kampf Klare sozialistische Politik G. R. S h e p h e r d, Leiter der Werbung für die britische Arbeiter-Partei, berichtete in einer Versammlung seiner Mitarbeiter, daß bereits 620 Kandidaten für die Unterhausneuwahl aufgestellt sind; die Rckordzahl von 689 Labour- kandidaten bei der vorigen Wahl wird noch überschritten werden. Das Angebot einer Wahlgemeinschaft mit Lloyd George und seinen Liberalen lehnte Shepherd ab. ES käme der Arbeiterpartei nicht wie Lloyd George nur auf einen Regierungswechsel an, sondern auf die Erreichung einer starken Mehrheit zur Durchführung des sozialistischenProgramms. Die Arbeiterpartei hätte kein Interesse an einer Stärkung der liberalen Fraktion, die den Zusammenbruch von 1931 verschuldet habe. Die Wahlbewegung müsse ausgenutzt werden, um die Massen der Sympathisierenden in die Partei zu bekommen und für den Kampf zu organisieren. Auf politisches Schachspiel wird sich die Labour Party nicht einlassen. Alle ihre Redner haben die sozialistischen Forderungen als unverwischbare Hauptsache erkennen zu lassen. Der Scheinerfolg des Parteitages In der Pariser„Republique" zeigt Pierre Brossolette, daß hinter der Kulisse des Nürnberger Parteitages sich die Unsicherheit der Negierenden in Deutschland nur schlecht verbirgt: »Wenn die Kraft eines Regimes sich an der Große seiner Kongresse erweisen würde, an dem Zustrom von Menschen, an der Begeisterung der Demonstranten, dann könnte der Nazismus heute als stärker denn je bezeichnet werden. Denn der heutige Kongreß übertrifft an Glanz noch den des Vorjahres. Aber wenn das Bild auch durch die theatralischen Dekorationen geschaffen werden kann, so wird der Geist zweifellos noch stärker durch die Erklärungen von Rudolf Heß und Qrenzseschlchte Im Goebbels Blätterwald sind Grenzgeschichten besonders gefragt. Immer wieder macht die Nazipresse darauf aufmerksam, daß literarisch mehr für den Anschluß des Germanentums jenseits der Grenzen zu tun fei. Also her mit entsprechenden Geschichten, in denen Kriegsstimmung für das größere Dritte Reich geweckt werden soll. Diese nationalistischen Pistolen sind alle über den gleichen Leisten gezogen. Hier folgt eine, die jüngst in der„Deutschen Allgemeinen Zeitung" stand und durch eine Reihe Ilaziblätter ging. Ueber- schrieben:„Die Grenze", nämlich die böhmisch-deutsche, vor der der kleine sudetendeutsche Franzl steht. Hinüber möchte er, in die Reichshauptstadt pilgern. Teutonisches Heimweh treibt den Elfjährigen. Aber der deutsche Grenzer darf ihn ja so ohne Ausweis nicht hinüber lassen und Franzl muß umdrehen. Der Beamte jedoch— „Der Beamte blickt der kleinen Gestalt mit den schmalen, zuckenden Schultern nach und spürt das Elend dieser Grenze wie niemals während seiner langen Dienstzeit". Jenseits indessen stapft der Franzl dahin. „Wie unter einer viel zu schweren Last setzt er Fuß vor Fuß." Schmerzen haben deutsche Elfjährige in Böhmen I Was aber denkt der Franzl so Fuß vor Fuß? „Er denkt an die kleine Fahne in den Farben des Reiches, die er zu Hause verstohlen und heimlich unter dem Kopfkissen seines Bettes aufbewahrt. Er denkt daran, daß er vor wenigen Tagen vier Stunden nachptzen mußte, weil er in der Schule, während der Turnstunde, das Lied der Deutschen vor sich hingesummt hatte," Wenn da im lesenden Hitlerjungen nicht der Wille wächst, den böhmischen Franzl durch einen frisch-fröhlichen Krieg zu befreien!— Ewig schade, daß der Grenzer den Buben nicht hinüber ließ; wir können der DAZ erzählen, wie die Sache Weiterverkäufen wäre. So nämlich: Der Franzl ist ein aufgeweckter Bub und je weiter er ins Dritte Reich vordringt, desto unbehaglicher fällt ihm auf, wie still und sonderbar die Bewohner sind. ,LLie gehts Euch?" fragt der Bub wie im Märchen, wo die Fragerei ja auch immer so bequem und einfach verläuft.„Wie gehts Euch, liebe Landsleute?" „Gut gehts uns! Ausgezeichnet, hahaha... Bei uns Blutapfelsine!" Und wieder wie im Märchen feixen und grinsen die Leute so stumm und mit viereckigen Gesichtern. „Warum dreht Ihr Euch denn immer um, wenn Ihr einander zuflüstert?!" »Lahaha, guckt Euch das Bürschlein an! Wo kommt so was her? Ist wohl vom Monde gefallen? Oder der Vater bei der Gestapo, wie?!" Da findet der Franzl nicht hinein und nicht hinaus. Bekümmert und nachdenklich, wie Elfjährige in braunen Grenzgeschichten nun mal sind, setzt er nordwärts Fuß vor Fuß.— Kommen müd und abgerissen zwei Burschen daher, pfeifen ein böhmisches Lied. Der Franzl spricht sie an. „Wo willst Du denn hin?" fragen die beiden den blassen Jungen.„Ins Hitlerdeutsche? Da komemn wir grad her. So schön warS, daß wirs nicht mehr aushielten. Bor einem halben Jahr sind wir über die Grenze desertiert. Jetzt Schluß! Lieber daheim im Gefängnis. Hast Du Tropf noch nie gelesen, wieviel böhmische Deserteure fortgesetzt zurückkommen, um sich zu stellen?!" Entschlossen hauen die beiden gegen Süden ab. Franzl muh sich auf einen Meilenstein setzen, so benommen ist er von dem Gehörten. Kaum ein Stündchen sitzt er, da tippelt eine Kolonne verstaubter Männer heran. Von weitem schon erkennt der Bub ihren Egerländer Dialekt und fragt sie» woher und wohin. Die Kolonne lächelt den immer vorgibt» die wahre Interessenvertreterin des Deutschtums in der Tschechoslowakei zu sein, das Verlangen nach einem deutschen Sender ebenfalls zu ihrer Forderung machen würde. Statt dessen trat das Gegenteil ein. In der letzten Monatsversmnmlung der Ortsgruppe Komotau der Sudetendeutschen Partei erklärte nach dem Berichte des Komotauer gleich- geschalteten„Deutschen Volksblattes" vom 14. September der Abgeordnete Liebl„unter allgemeiner Zustimmung, daß wir auf den neuen deutschenSender verzichte n". So wahrt also die Henleinpartei eine berechtigte Forderung des Deutschtums! Die tschechischen Chauvinisten und Deutschenhasser werden sich nicht wenig über diese Schützenhilfe der Patentdeutschen freuen. Wir wollen die- nur festhalten, damit man weiß, wer gegen den deutschen Sender ist. Den Komotauer Anhängern Henleins glauben wir allerdings ohne weiteres, daß sie die Sender Hitlerdeutschlands, die man ihnen jetzt errichtet hat, mit ihrer Nazipropaganda lieber hören als einen deutschen Sender der Tschechoslowakei, der keine Lobreden auf Hitler bringen würde. den Kanzler selbst gezeigt. Selten ist die Gewalt gegen Rußland und Frankreich stärker vorgestoßen als auf dem„Kongreß der Freiheit". Selten hat sich die Kraft offener enthüllt.„Die jüdischen Bolschewisten von Moskau haben der Welt einen Krieg erklärt", schrie der Führer und Rudolf Heß sprach von Zeiten, wo die Trikolore über dem Rhein wehte, wo die Neger die deutschen Frauen vergewaltigten. All dieses, damit der Kanzler schließen konnte: Wehe den Schwachen!— Selten ist eine Opposition mit einem gleichen Haß verurteilt worden. Ein Durcheinander von marxistischen Juden, parlamentarischer Demokratie und bürgerlich-reaktionärer Dimunheit wurde von dem Führer niedergedonnert. Ein solches Verhalten zeigt zweifellos mehr Angst als Entschlossenheit. Wenn die Einigkeit, die so oft von den Führern Deutschlands als wahrhaft bestehend angezeigt wurde, wenn die moralische Lage des Reiches im Ausland wirklich ko befestigt wäre, wie man in Berlin beteuert, so hätten der Kanzler und Rudolf Heß zweifellos weniger nötig, mit Donner zu agitieren.— In Königsberg hat der Doktor Schacht Vernunft und Mäßigung gepredigt. In Nürnberg haben Hitler und Heß zu den radikalsten Thesen der Extremisten der Partei gehalten. Wie wird in dieser Konfusion die wirkliche Politik des Reiches aussehen?'Das mindeste, was man sagen kann, ist, daß die Erinnerung auf die blutigen Tage des Juni 1934 durch die gewaltigen und wirren Schimpfreden von Nürnberg wachgerufen wird. Viele Opfer scheinen noch den ungewissen Weg des Nationalsozialismus pflastern zu müssen." kumAnlen Im Kat Polen wiedergewählt Genf. Die Völkerbundversammlung hat mit 42 Stimmen Polen, mit 60 Rumänien, das an die Stelle der Tschechoflowakei getreten ist, und mit 46 Stimmen Ecuador, das an Stelle Mexikos getreten ist, mft einem Mandat von drei Jahren als Mitglieder in den Rat bestimmt. Knaben grimmig an.„Wir haben Henlein gewählt und waren feine Trabanten, weil dafür drüben in Deutschland Arbeit versprochen wurde!" Gähnend, zum Gehen gewendet, den Knaben bei der Hand nehmend:„Wenn wir in 24 Stunden nicht jenseits der Grenze sind, dreschen sie uns rüber, haben Hitlers Gendarmen gesagt! Hast Du davon nie gehört und nie gelesen, Du Starmatz?!"— Und über ein Kleines landet der Bub wieder in seiner heimischen Gemarkung, betroffen und verschiedener Illusionen ledig. Die DAZ wird zugeben, daß wir uns kurz gefaßt haben. Wir hätten den Franzl einige Kapitel Schutzhaftmarter und KI, einige Schlachten gegen Katholiken, Stahlhelmer, Demokraten, Marxisten, Freimaurer und Juden, kurz einiges von der neuen deutschen Volksgemeinschaft handgreiflich erleben lassen können. Statt dessen eilen wir diszipliniert zum Schluß der Grenzgeschichte: „Da steigt er auf in ihm, da fühlt er alles Leid des Fremdseins, der Verlassenheit, des ewig nicht HeimkommenS, und er schlägt die Hände vor daS Gesicht und schluchzt:„Und ich bin o a Deutscher,— ich bin doch o a Deutscher!" Hätte der strebsame Dichter jedoch gewagt, den Buben ein Stück ins heutige Deutschland pilgen zu lassen, so hätte der am Ende genau dieselben Worte geschluchzt, aber diesmal vor Scham und Entsetzen— vor Scham über die Zustände in diesem Volke. Wobei man ihn trösten könnte:„Ist ja nicht so schlimm, Franzl, daß Du ein Deutscher bist; nicht alle 80 Millionen sind Bestien^ Wird ja mal wieder anders, dann wird wieder Freundschaft sein über die Grenzen hinweg und Dein Autor darf Dich nach Deutschland hinein und alles sehen lassen, wie es ist, ohne daß Du vor Schreck stumm wirst und er im KZ erschlagen wird!" Max Baldauf. Der„Venkov“ und die Not an Kunstfett Der„Venkov" hat eine Entdeckung gemacht: es gibt keine Not an Margarine und Kunstfetti Das„Geschrei" von der Fettnot, die» wie wir wissen, schon da ist und katastrophale Formen annehmen wird, wenn die Regierung nicht rasch und ausgiebig Hilfe schafft, sei nichts anderes als eine„Spekulation der Margarine- fabrikanten gegen die Landwirte— ein Angriff gegen die Regierung". Das ist der in großen Lettern aufgemachte Titel des Dr. Kahanek in der letzten Sonntagsnummer des„Venkov".„Die Margarinefabrikanten mißbrauchen das Vertrauen der Oefsentlichkeit", behauptet Dr. Kahanek„im Bewußtsein vollster Verantwortung". Nachdem wir zu jenen gehören, die zuerst mit dem«Geschrei" begannen, sehen wir uns veranlaßt, den Irrtum des Dr. Kahanek— und wir wollen annehmen, daß es sich nur um einen solchen handelt und nicht um böse Absicht— richtig- zustellen. Wenn er seine Ansicht auf die an und für sich richtigen Ziffern in seinem Artikel basiert, so muß er folgendes zur Kenntnis nehmen: Tatsächlich haben die größeren Fabriken per Ende Juni annähernd die Hälfte des Jahreskontingents verbraucht und so bleibt also für den zweiten Teil des Jahres so ziemlich die gleiche Menge zur Verteilung übrig. Aber— die- ist dem Dr. Kahanek sicherlich unbekannt— der Frttbedarf in der zweiten Hälfte des Kalenderjahres ist immer um 80 dis 100 Prozent g r ö ß e r als in der ersten Hälfte des Jahres. Wenn also ziffernmäßig nur das halbe Kontingent erschöpft erscheint, so bedeutet dies tatsächlich, daß die zweite Hälfte des Kontingents nurfürdreibisvier Monatereich t, daß es also in den letzten zwei bis drei Monaten gar kein Kunstfett mehr geben wird. Dazu kommt weiters, daß in den ersten Monaten des heurigen Jahres in den Verkaufsläden noch Vorräte aus größeren Einkäufen des vorjährigen Kontingents vorhanden waren, die natürlich schon längst erschöpft sind. Diese Ziffern beweisen also gar nichts. Viel besser wäre es für Herrn Dr. Kahanek, wenn er sich die Mühe nebmen wollte, in den Läden der Kaufleute und in den Warenabgabestellen der Konsumgenossenschaften Nachschau zu halten. Ec würde finden, daßheute schon Mangel besteht, der natürlich je später'desto größer wird. Jirsbesonders würde er feststellen, daß gerade die von den ärmeren Verbrauchern am meisten verlangten billig st en Fettstoffe beinahe völlig verschwunden sind. Bestimmt ist eS zumindest sehr ündelikat von Herrn Dr. Kahanek, daß er in der Frage der Einschränkung der Margarineproduktion, die die deutsche Verbraucherschaft gleich schwer trifft wie die tschechische, nationale Verhetzung betreiben will. Er möge zur Kenntnis nehmen, daß die Not an Kunstfetten in den deutschen Gebieten genau so grotzist wie in den tschechischen Industriegebieten. Dazu kommt noch, daß seit jeher die deutschen Gebiete absolut und relativ die meisten Kunstfette kon- smniexten und man daher sagen kann, daß dieses Gesetz gerade die deutschen Gebiete sehr schwer trifft. Wenn Dr. Kahanek davon spricht, daß es sich bei dieser Frage um nichts anderes, als um einen Angriff gegen die agrarische Planwirtschaft handle, dann müssen wir ihm deutlich sagen, daß wir für eine solche Planwirtschaft, die ausschließlich die ärmsten Verbrauchermassen am schwersten trifft und einer anderen Schichte restlos helfen soll, ablehnen. Dr. Kahanek möge endlich zur Kenntnis nehmen, daß mit dem Margarinegesetz auch den Agrariern nicht geholfen werden kann. Diese Planwirtschaft kann nicht dazu fiihren, d:.ß der Arbeiter und noch weniger der Arbeitslose in die Lage kommt, anstatt der billigen Kunstfette die mehrfach so teuren tierischen Fette und Butter zu kaufen. Im Gegenteil: das Margarinegesetz kann nur zu einer weiteren Verelendung deS ohnehin schon stark eingeschränkten Haushaltes der Verbraucher führen. ES ist ein Optimismus — wir wollen eS nicht anders bezeichnen— anzunehmen, daß dank diesem Margarinegesetz der Butterkonsum steigen wird. Wenn irgendwo ein Vorteil für die Agrarier herauSschaut, dann bestimmt nicht für die kleinen Landwirte und Häusler, die in den letzten Jahren selb st mehr und mehrMarga- rinebutter und Kun st fett konsumierten, was ein Zeichen daftir ist, daß auch diese Kleinbauern auf den Konsum der billigen Ersatzfette angewiesen find. Die Regierimg hat die Pflicht, die ärmsten Verbraucher wenigstens in Form eines entsprechend großen Nachtragskontingents für das heurige Jahr zu schützen. Für das nächste Jahr wünschen wir dann vollkommene Freigabe der Margarineproduktion. F. S. Strelkgefahr In Amerika Washington. Fieberhaften Bemühungen der Schlichtungsbehörden, die in ständiger telephonischer Verbindung mit Roosevelt standen, gelang es, die Arbeitgeber und Arbeitnehmer der Braunkohlenindustrie in letzter Minute zu bewegen, den bisherigen Arbeitstarif um eine Woche zu verlängern. In der Zwischenzeit hofft man einen für beide Teile zufriedenstellenden neuen Tarif ausarbeiten zu können. Durch diese Zwischenlösung ist der für Montag angesagte Generalstreik zunächst verhindert« Beitel Dienstag, 17. September 1835 Nr. 217 Giftgastod im Benzoltank Brünn. Montag vormittags reinigten der 80jährige Stanislav Paso l d und dessen 16jäh- riger Bruder Rostislav zusammen mit dem 29 Jahre alten Arbeiter.Jan Marsalek einen 280 Hektoliter fassenden Benzolbehälter der Kraluper Oelgesellschaft. Stanislav Posold, der am Boden des Behälters arbeitete, sank von Giftgasen betäubt plötzlich nieder. Sein Bruder Rostislav, der ihm zu Hilfe kommen wollte. Und auch Marsalek wurden betäubt. Die Feuerwehr holte die drei Verunglückten aus dem Behälter heraus und brachte sie ins Krankenhaus. Stanislav Posold sta r b jedoch unterwegs an den Folgen der schweren Gasvergiftung. Tag der Autokatastrophen in Deutschland Stuttgart. Unweit von Stuttgart erfaßte an einem ungeschiitzten Bahnübergänge ein Eisenbahnzug ein L a st a u t o m oh i l, wobei fünf Personen getötet und sieben Personen, davon fünf schwer, verletzt wurden. In der Nähe von Asbach verunglückte ein Mit 25 Personen— Angehörigen einer Sportangler-Bereinigung■— besetzter Lieferwagen. Drei Personen wurden getütet, vier weitere haben Verletzungen davongetragen. Unweit Kirchheim-Teck stieß ein mit SA-Leuten besetzter Lastkraftwagen, der sich aus der Fährt nach Göppingen befand, auf einem Bahnübergang mit einem Personenzug zusammen. Das Lastauto wurde vollständig zertrümmert. Fünf Personen kamen ums Leben, fünf wurden schwer und zwei leicht verletzt.. Mutter und fünf Kinder vergiftet Am Samstag wurde in Oberhausen bei Essen zur Familie des Steinmetzes Eichas ärztliche Hilfe gerufen, weil sich bei. den Familienmitgliedern Vergiftungserschcinungcn zeigten. Ein 13jähri- ges Mädchen, ein 15jähriger Junge und ein fünfjähriges Mädchen starben schon nach wenigen Stunden. Die Mutter erlag in der Nacht zum Montag der Vergiftung, während ein achtjähriges Mädchen am,Montag mittags starb. Auch bei dem letzten Kind, einem dreijährigen Mädchen besteht keme Hoffnung, es dem Leben zu erhalten. Die Art der Vergiftung steht noch nicht genau fest. Katholische Arbeitervereine aufgelöst Münster. Die Staatspolizei für den Mim- sterer Regierungsbezirk teilt mit, daß die katholischen Arbeitervereine im Bereiche dieses Regierungsbezirks mit sofortiger Wirkung wegen »staatsfeindlicher Betätigung" aufgelöst werden mußten. Ci« verschwundenes Schiff London. Das neue britische Motorschiff »Josefch Madill", das für den Verkehr auf den kanadischen Seen bestimmt war, ist seit Antritt seiner Jungfernfahrt von England nach Kanada verschwunden.. Bisher ist das Schiff in Kanada noch nicht emgetroffen und niemand weiß, wo es hingekommen ist. In Kanada glaubt man, daß die»Joseph Madill" während der schweren Stürme am 27. August verlorengegangen ist. Gerüchte, daß das Schiff infolge»internationaler Verwicklungen" verschwunden ist, werden von englischer Seite dementiert. Wie ma« bei«us amtiert. Wir lesen im „Denkov": In Ostböhmen wird eine gewöhnliche kleine Betonbrücke gebaut, welche 20.000 Kronen kostet. Zunächst kam eine Kommission aus Krag, um die Stelle, wo die Brücks gebaut wird, zu besichtigen. Dann wurde der Grund ausgehoben und es kam. eine zweite Kon;mission, um diesen ausgegrabenen Grund anzuschauen. Wei- ters kam eine dritte Kommission, um die Brücke im Bau zu besichtigen und falls vor der Fertigstellung nicht noch eine Kommission erscheint, dann kommt die vierte Kommission bestimmt zur Kollaudierung. Böse Zungen behaupten, daß diese vier Kommissionen mehr kosten als der ganze Bauaufwand der Brücke. Das beste an der Sache ist aber, daß in der Stadt, in der diese Brücke gebaut wird, der Staat beim Bezirksamt einen Oöerbaurat hat und außerdem zwei technische Beamte, Ingenieure. Die konnten allerdings zur Besichtigung des Baues nicht verwendet werden, weil sie dazu nicht kompetent waren. Ein anderer Vorfall: In einem südböhmischen Städtchen wird ein Krankenhaus gebaut. Aus dem Krankenhaus führt ein Abflußkanal, der in die Wo- tawa mündet. Beim Bau des Krankenhauses wurden Maßnahmen getroffen, damit die Ab- fpülwasser fiÜricrt werden und die Wotawa nicht verunreinigt werde. Der Staat bezahlt beim Bezirksaint dieser Stadt einen Obergcsundheitsrat, Aerzte, einen Oberbaurat und sieben höhere technische Beamte, von denen drei Ingenieure und einer Baumeister sind. Aber nicht diese würden zur Kollaudierung herangezogen, sondern es kamen nicht weniger als sechs Beamte von Ministerien sowie von der Landesbehörde aus Prag. Rüuver Lepej erschossen Gei« Komplice Klevee verwundet und geflohen UZ ho rod. Der berüchtigte Räuber Jlko Lepej, lange Zeit der Schrecken von Karpatho-- rußland, der immer wieder den Sicherheitsorganen entwischen konnte, wurde in der Rächt auf Sonntag endlich stellig gemacht, umzingelt und bei einem Feuerwechsel erschossen. Der Helfershelfer Lepejs, der Räuber K l e v e e, ist, von Gendarmen und deren Hunden verfolgt, auf der Flucht. Lepej schießt noch im Sterben Die Gendarmerieabteilungen stießen Samstag abends bei der Gemeinde Repinne, etwa sieben Kilometer von Volove, auf die beiden Räuber. Als die erste Patrouille die beiden Räuber nach einem kurzen Schußwechsel aufforderte, sich zu ergeben, ergriffen diese die Flucht, stießen jedoch bald darauf auf eine zweite Patrouille und bei der Gemeinde Riöka auf eine weitere Pa- t ra u i I l t: Hier am Ufer des Flusses waren auch die übrigen Patrouillen konzentriert, die gegen die Räuber ein lebhaftes Feuer eröffneten. Die Räuber erwiderten die Schüsse. Noch vor der Ueberquerung des Flusses dürsten beide ver- l e tz t worden sein. Jlko Lepej, der den Fluß durchlvatet hatte, sank am Ufer zu Boden, gwb jedoch noch in kniender Stellung Schüsse gegen die Gendarmen ab. Hier wurde er von weiteren ächt Schüssen getroffen, die seinen Tod herbeiführten. Von den Gendarmen wurde niemand verletzt. Die Leiche Lepej? wurde Sonntag vormittags amtlich obduziert und sodann der Familie zur Beerdigung übergeben. Das Begräbnis fand Montag statt. Keine Spur von dem verletzten Klevee Am Montag setzte die Gendarmerie die Nachforschungen nach dem geflüchteten Räuber Klevee fort. Das Gendärmeriekommando in Volove erhielt von der Bevölkerung die Nachricht, daß der verletzte Klevee nordwärts von'der Straße Volove —Volovee, d. i. in der Richtung auf die Ort^ schäft Holatyn geflüchtet sei. Die Gendarmeriepatrouillenführen strenge Suchen in einigen Orten aus, von denen bekannt ist, daß ihre Bevölkerung mit den Räubern paktierte.. Ein Teil der Gendarmerie wurde bereits abberufen. Es verblieben nur diejenigen Gendarmen, die sich f r e i w illi g gemeldet haben. Der Mann mit dem Mongolengesicht Jlko Lepej wurde am 13. Juli.1895 in Volove geboren. Gegenwärtig trug er einen Schnurrbart; charakteristisch waren seine hervorstehenden Backenknochen, die'ihm ein mongolisches Aussehen gaben. Er wurde wegen Mitbeteiligung an einem Morde zu 15 Jahren Zuchthaus verurteilt und verbüßte die Strafe in Leopoldov, wo er die Arrestantennummer 1351 trug. Am 11. September 1934 gelang es ihm,, aus Leopoldov zu flüchten, worauf er gemeinsam mit Klevee zahlreiche Raubübersälle ausführte.' Seine einzige Mordtat beging er wahrscheinlich an Maximilian Jirousek, den er gerade vor einer Woche auf der Jagd erschoß. Der Gefährlichere? Juraj Klevee wurde am. 11. Jänner 1907 in Repinne bei Volove geboren. Er wurde zweimal wegen Diebstahls bestraft. Klevee gilt als weit gefährlicherer Mensch als Le- p e j. Er versuchte auch seinen Verwandten Fedor Kostjuk aus Repinne zu ermorden, der jedoch unverletzt blieb.., 50.000 Zuschauer beim Prager Flugtag Prag.. Dem Sonntag nachmittags im Rahmen des Nationalfluges der TSR. abgehaltenen Wettbewerb der normalen Akrobatie wohnten bei günstiger Witterung etwa 50.000 Personen, darunter zahlreiche Persönlichkeiten der Fliegerwelt, hohe Militärs, Diplomaten ete. bei.' In der hohen Akrobatie wurde Leutnant No- väk mit 985 Punkten zum„König der Lüste" pro« klämiert; zweiter wurde Major A m b r u s mit 704 Punkten, der trotz einer leichten Handverletzung gestartet war, dritter Rottmeister S i r o k h mit 568 Punkten. Das Gesamtergebnis in.'der Normal- Ak ro b a ti e und in den freien Zusammenstellungen erbrachte folgende Rangliste: 1. RotnH Holn- bec, 2. Zugsfuhrer Hnbäöek, 3. Zugsführer F l e k a l. Während die. Zuschauer die Höchstleistungen^ der Akrobatie verfolgten, startete das Flugzeug S■ 328 mit Leutnant i. R. P avlovskh, der bei recht starkem Wind einen F a l l s ch i r m a b s p r u n g aus der Höhe"von 1500 Metern glatt durchführte. Der Fallschirmabsprung war ursprünglich aus der Höhe von 7000 Metern proponiert, konnte aber' wegen der Wolken in der Höhe von 2000 Metern nicht nach dem ursprünglichen Plane durchgeführt werden. Zum Schnelligkeits-Wettbewerb auf der 100 Kilpmeter langen Strecke Prag— Rove Benätky— Rtp— Prag waren 47 Flugzeuge gestartet, die auch alle am Ziel eintrafen. Sieger wurde Pilot B r t» nik mit. 195 Stundenkilometern, Zweiter Pilot Klädek mit 194.8 Stundenkilometern und Dritter Oberst Mares mit 187.5 Stundenkilometer. Das Gesamtergebnis dürfte folgendermaßen lauten: 1. Oberleutnant Polma mit 2917 Punkten, 2. Pilot Fuksa mit 2777 Punkten, 3. Pilot Klädek mit 2588 Punkten. Bericht der„Vcnkov", das Blatt des Ministerpräsidenten. Und die dort müssen's doch wissen... In vier Zeilen. Der jüdische Pferdehändler Weil aus Randegg in Baden, her wegen„Rassenschande" festgenommen war, wurde auf einem sogenannten Fluchtversuch erschossen. Raubmord an einer Greisin. Am Montag fanden Leute, die zum Markt nach Kaschau gingen, im Walde unweit der Gemeinde Kosickä Belä die Leiche der 73jährigen Witwe Barbara Dorkovä. Die Dorkovä war am Samstag früh . ip den Wald um Laub gegangen und seit dieser 'Zeit nicht zurückgekehrt. Der Täter überfiel sie von rückwärts und führte mit ihr, bevor es ihm gelang, sie zu Boden zu werfen, einen e r b i t* t e r t e n Kampf, wovon die zerrissenen Kleider zeugen. Der Täter betäubte dann die Dorkovä mit einem scharfen Gegenstand, wahrscheinlich mit einer Hacke und versetzte ihr dann zwei tödliche Hiebe in den Kopst Man ist der Ansicht, daß es sich um einen Raubmord handelt. Der Räuber verrechnete sich aber, da die Dorkovä, die gewöhnlich einen größeren Geldbetrag bei sich trug, das Geld diesmal zu Hause gelassen hatte. 370 Kilometer per Stunde. Major Alexander Seversky schlug in Detroit(USA) auf einem Amphibien-Flugzeug mit einem Motor von 710 PS den Geschwindigkeits-Weltrekord dieser Kategorie in einem Kreise von drei Kilometern mit einer Geschwindigkeit von 370.2 Stundenkilometern. Todessturz eines 80jährigen Touristen. Zwei Touristen fanden auf dem Schneeberg in Niederösterreich die Leiche des 80jährigen Inspektors der Donau-Dampfschiffahrtsgesellschaft Karl Böhm aus. Zeiselmauer. Böhm war mit der Zahnradbahn zum Schneeberggipfel gefahren und hatte dann eine für sein Alter sehr beschwerliche K l etter p a r t i e begonnen, bei der er aus 20 Metern Höhe a b st L r z t e und tot am Platze liegen blieb. Nazi-Polizeiflugzeug verirrt sich nach Oesterreich. Bei Vöcklabruck in Oberösterreich mußte Montag ein re i chs d e u ts ch e§ P o liz e i- F.l u g z e u g, das sich auf dem Wege von München nach Reichenhall im Nebel verirrt hatte, eine Notlandung vornehmen. Nach Behebung des Defektes setzte das Flugzeug mit behördlicher Genehmigung seine Reise fort. Explosion auf einem japanischen Kriegsschiff. Auf dem japanischen Kreuzer„Ashigara" ereignete sich bei einem Uebungsschießen eine schwere E x p I o s i on. Zwei Offiziere, elf Unteroffiziere und 28 Mann wurden verletzt. Drei der Verletzten, sind bereits gestorben, drei kämpfen mit dem Tode. Der Kaiser hat seinen Flügeladjutanten und vier Offiziere des Admiralstabes entsandt. Dreizehn Freiballons fliegen nm die Wette. Das Gordon-Bennett-Rennen der Freiballons wurde Sonntag am Warschauer Flugplatz Mokototst eröffnet. Bei sonnigem Herbstwetter würden von 4 Uhr nachmittags ab alle 13 gemeldeten Freiballons abgelassen. Bei mäßigem Südostwind trieben die großen Ballons langsam in der Richtung Lemberg zu ihrem Fluge in das I Ungewisse ab.— Die erste Landemeldung ist von dem deutschen Ballon„Deutschland" eingegangen. Der Ballonführer Stüber entschloß sich westlich von Riga in der Nähe des Schwefel- und Moorbades Könnern zur Landung, da die Wetterverhältnisse überaus ungünstig waren und nach den Windverhältnissen damit zu rechnen war, daß der Ballon auf bie Ostsee hinaus- getrieben würde. Schätzungsweise haben die deutschen Ballonfahrer insgesamt etwa 550 Kilonieter zurückgelegt. Transporte der einrückenden Rekruten. Für Rekrutentransport nach entfernten. Garnisonsorten oer Slowakei und Podkarpatskä Rus verkehrt ein direkter Sonderpersonenzug von Böhmisch-Leipa über Nymburk— Kolin und von Reichenberg über Pardubitz. Abfahrt von Böhmisch-Leipa- Personenbahnhof Montag, den 30. September um 6.40, Baköv n/Jizerou 7 54, Mladä Byleflatz.8.14, Rhmburk 9.03, Vtlky Osek 9.27 Und Köln, 9.49. Fährt in Podcüradh läznk und Libic n/Cidlinon durch. Abfahrt von Reichenberg Montag, den 30. September um 7.16, Turnov 8.40, Ze- leznh Brod 9.04, Starä Paka 9.47 Dvür Krä-love n/Labem 10.42, Josesov-Jaromcr 11.08, Hradee Krülove 11.42 und Pardubice 12.24. In den Haltestellen haben diese Züge keinen Aufenthalt und fahren über Teska Trebovti— Bohumin bite.lt bis Kosice. Die Abfahrtszeiten aus den übrigen Stationen werden bei den Personenkassen verlautbart, woselbst sich die Einrückenden erkundigen können. Außerdem verkehrt für die Einrückenden ein Sonderpersonenzug von Täflav nach Leitmeritz unterer Bahnhof, auch für Terezin. Abfahrt von Eä- slav D i e n s t a g, den 1. Oktober, um 7.00, Sedlec— Kutnü- Hora 7.15, Kolin 7.31, Velktz Osek 7.56, Podebrady läznii 8.06, Nymburk 8.17, Lysti nad Labem 8.34, Starä Boleslav 8.48, Vsetaty 9.10, Mclnik 9.23, Ankunst Leitmeritz unterer Bahnhof um 10.10. Dieser Zug hält auch in Cirkvice und Hlizov, fährt aber durch in Kolin— Zä- labi, Libice nad Cidlinou, Belke Zbosi, Kostomlaty u Nymburka und Stratov.' Die Einberufungskkr- ten haben für Schnell- und Eilzüge ü b e r h a u p t keine G ü l t i g k e i t. Es ist im Interesse der Einrückenden, die angeführten und sehr günstigen Sonderzüge zu benützen.(Amtlich). Erst gestohlen— dann geweiht. In Graz wurde Montag das ehemalige Hotel„International" und Partei- und Druckereihaus der sozialdemokratischen Landespartei, das von der Kreiskrankenkasse„übernommen" worden ist, kirchlich eingeweiht. Das Gebäude war Eigentum der sozialdemokratischen Partei-und wurde nach den Feber-Unruhen von der Dollfuß- Regierung gestohlen. Die Brrsichernngsgesrllschaften krage« nicht mehr das Kriegsrifiko. Die Londoner Schiffsversicherungsgesellschaften haben beschlossen, in allen Verträgen über die'Schiffsversicherung-die Klau» stln zu streiken,^welche die'Versicherung für den Kriegsfall enthalten, und. gaben in diesem Sinne den Versicherten bereits die Kündigung aus diesen Klauseln mit der vorgesckriebenen zehntägigen Friste Nach A bkauf dieser Frist' werden zwischen den Versicherimgsanstalten und den Versicherten besondere Versicherungsverträge gegen Kriegsgefahr zu besonderen Versicherungsprämien abgeschlossen werden. Vom Rundfunk *m>f«hlanswertes aus den ProgramaMat Mittwoch:. Prag, Sender L: 10.0h: Deutsche Presse, 11: Salonorchesterkonzert, 12.30: Musiksalonquartett, 17.55: Tanzmusik, 18.20: Deutsche Sendung: Dr. Moucha: Neue Bücher, 18.35: Arbeiterfunk: Bruno Schwab: Armenfürsorge und Gemeinde, 18.55: Sozialinformationen, 19: Deutsche Presse, 21.30: Harfenkonzert. Sender S: 7.30: Salonorchesterkonzert. 14.15: Deutsche Sendung: Kinderstunde.— Brünn 17.40: Deutsche Sendung: Empfindsame Lieder aus höflicher Zeit, 18:10: Meixner: Vom schlechten und gutenDeutsch, 18.45: Opernarien auf Schallplatten.— Mährisch-Oftra« 16.30: Orchesterkonzert.— Kascha« 15: Orchesterkonzert, 18.25: Klavierkonzert, ,21.20: Violinkonzert. Ql&effitiien Eine Parade abessinischer Artillerie Die Geschütze sind offensichtlich völlig, veraltet. Sie dürsten eine Beute aus, der Schlacht bei Adua sein, in der im Jahre 1896 die Abessinier unter Kaiser Menelik die Italiener vernichtend.schlugen und ihnen eine Reihe von Geschützen abnahmen. Nt. 217 Dienstag, 17. September 1933 Seite 3 ein Jahr Schuschnigg Dokumente einer Diktatur Ein Bericht des Vorsitzenden des Internationalen Gewerkschaftsbundes Walter Cltrlne An eine italienische Frau Bon Peter Tloth. Eitte« Morgen» wird rin Päckchen komme« von der Front, wo die Soldaten steh'», und Drin Herz schlägt angsterfüllt beklommen, ahnungsvoll: es gibt kein Wiedersehn! Und dann starrst Tn ans die kurze« Zeilen: Heldentod und Ehre, Vaterland, nur Enrico kann Dir niemand heilen.— Mund und Ohren find voll Blut und Sand. Und dann hältst D» seine gold'ne Kette und die Uhr, fie ist nicht ganz intakt, und das Baby schreit i« Eurem Bette, und der Stumpfst«« hat Dich angepackt. Bi» zum Abend irrst Du durch die Gaffe«, denkst an ihn und an die letzte Nacht.— Tann wirst Du den GaShahn offen lassen Und auch Deine Heldenlaufbahn ist vollbracht. Weil da» Sind in die deutsche Schule sollte... In Wien hat sich die 27jährige Leopoldine M a u- r i tz Samstag mit Leuchtgas vergiftet, well ihr Mann, der Bundesangestellter ist, nicht erlauben wollte, daß ihr sechsjähriges Kind, das jetzt die Schule zu besuchen beginnt, in die tschechische Schule gehe. Es gab deshalb zwischen der Frau, die einer tschechischen Familie entstammt, und dem Manne öfters Zer- würfnifle. Im Zigennerviertel von Ujhorod überfiel am Montag vormittags der Zigeuner Basil Szurma den Zigeuner Mo Kosorik. Er verletzte ihn mit einer Hacke so schwer, daß Kosorik starb. Szurma flüchtete. Funkstation Lissabon abgebrannt. Die große portugiesische Funkstation Parede in der Nähe von Lissabon wurde von einem Großbrand heimgesucht. Das Feuer zerstörte das Hauptsendegebäude vollständig. Der Prinz von Wale- amüsiert sich. Der Prinz von Wales, der fest einigen Tagen inkognito in Budapest weilte, hat sich Montag mittags in Begleitung von Lady Simpson und Miß Fitzgerald mittels Automobils nach Wien begeben. Die übrigen Mitglieder seiner Begleitung machten einen Flugausflug nach der Puszta Hortobagy und werden nach ihrer Rückkehr mit dem fahrplanmäßigen Schnellzug am Abend dem Prinzen nachreisen. Rene Wetterverschlechterung? Ein Ausläufer des atlantischen Tiefdruckgebietes hat Montag nachmittag», von einer Regenzone begleitet, die Westslowakei erreicht, während in Böhmen die Bewölkung unter dem Einfluß eines vom Südwesten her fortschreitende» Hochdruckkeils schon wieder abgenommen hat. Die. Wctterbesserung dürfte jedoch nur vorübergehend sein, da hinter dem erwähnten Keil «in neuer Tiefdruckausläufer nachfolgen wird.— Wahrscheinliches Wetter von heu.te: Im Westen de» Staate» unterlag» ziemlich bewölkt, sonst ziemlich heiter, nur vereinzelte Schauer, Temperaturunterschied zwischen Tag und Nacht wieder größer, Südwest- bis Westwind. Im Osten der Republik meist bewölkt, Regenneigung, kühler.— W et- teraursichten für Mittwoch: Im Westen de» Staates neue Verschlechterung de» Wetter», Neigung zu Schauern, windig. Im Osten vorübergehende Besserung. Mordprozeß nach 15 Jahren Kpniggrätz. Bor dem hiesigen Schwurgericht begann Montag die Verhandlung wegen eines Mordes, der vor 13 Jahren an Karl Trojna aus Jahodov bei Reichenau begangen wurde. Dieses Mordes wegen toar Jan K o v ä k aus Peklo angeklagt, der seit dem Jahre 1920 im Gefängnis von Borh bei Pilsen eine schwere Kerkerstrafe abbützt. Die Anklageschrift schildert den Vorfall folgendermaßen: Am 10. Feber 1020 abends wurde Karl Trojna in dem an sein HauS angrenzenden Stall durch einen Schuß der durch das Fenster abgefeuert worden war, erschossen. Sofort nach Verübung des Mordes leitete die Gendarmerie Nachforschungen ein und verhaftete Jan Kovät sen., seine Frau Emilie und seinen Sohn Jan. Gegen sie zeugte, daß sie mit Trojna in Feindschaft standen und ihm auch bereits einmal mit dem Tode gedroht hatten. Der Verdacht konnte aber damals nicht bewiesen werden. Erst Ende de» vorigen JahreS gelang eS der Gendarmerei, die die Nachforschungen nach dem Täter des Mordes nicht aufgegeben hatte, zu ermitteln, daß Jan Koväi jun. sich mn kritischen Tage, in Peklo aufhielt und dort erklärte, daß er Trojna erschießen werde. Die Leute, die das gehört hatten, zeigten es aus Angst der Gendarmerie nicht an. Koväk, der von der Gendarmerie au» König- grätz an den Tatort gebracht wurde, g e st a n d die Tat begangen zu haben und zeigte, wie er Trojna erschoß. In der Verhandlung aber änderte Koväk seine Aussagen ab. Er leugirete den Word und behauptete, zut kritischen Zeit beim Militär gewesen zu sein. Die Geschworenen b e j ah t en alle Fra- gen, doch wurde dem Angeklagten keineweitere Strafe auferlegt, da er bereits in Bory ein« 18jährige Kerkerstrafe verbüßt und da er die Tat im Jahre 1920 im Alter von 18 Jahren verübte. Der Staatsanwalt meldete die Nichtigkeitsbeschwerde an. Woche um Woche kommen neue Berichte aus Oesterreich über den ständig wachsenden Blutterror des schwarzen Fasciftenregime». Alle Prophezeiungen der Versöhnler, das Regime werde nach und nach den Terror und die Rechtlosigkeit abbauen, sind widerlegt: Rechtlosigkeit, Polizeiwillkür und brutalster Terror wuchern im Schuschnigg-Regime immer üppiger und üppiger. Um die heuchlerische Lüge der Austrofascisten, die sich dem Ausland mit Vorliebe als„Hüter der deutschen Kultur" anpreisen, ein für allemal zu entlarven, hat ein Zeuge, dessen absolute Zuverlässigkeit für die gesamte Weltöffentlichkeit feststeht, der Vorsitzende des Internationalen Gewerkschaftsbundes und Sekretär des englischen Gewerkschaftskongresses, Walter Citrine, eine Reihe von einwandfrei belegten Dokumenten über die Schandherrschast des Schuschniggregimes veröffentlicht, Dokumente für deren Richtigkeit er ausdrücklich mit seinem Namen bürgt. Wir veröffentlichen hier einige wortgetreue Auszüge aus dieser Dokumentensammlung, die keines Kommentar» bedarf. Oer Büttel regiert Das Kernstück des fascistischen Herrschaftssystems in Oesterreich ist das Polizeistrafverfahren. Es vollendet die Zerstörung der individuellen Rechtssicherheit bis zur unumschränkten Herrschaftderfasci- stischen Totalität: in Oesterreich herrscht der FaseiSmus, ansge- übt durch die Polizei. In den österreichischen Polizeigefängnissen gelten die in allen zivilisierten Ländern unbestrittenen Errungenschaften des neuzeitlichen Strafprozeßrechtes nicht. Das polizeiliche Strafverfahren spielt sich ausnahmslos in der Form ab, daß der Beschuldigte ein- oder mehrere Male verhört wird und dann mehrere Wochen zu warten hat, bis ihm ein Strafbescheid zur Unterschrift vorgelegt wird. In der Regel wird ihm nicht einmal konkret mitge- teilt, welche Beschuldigung in Wirklichkeit gegen ihn dorliegt. Er erfährt zumeist nur, daß auf Grund„verläßlicher, vertraulicher Mitteilungen"; die der Polizei zugekommen seien, der Verdacht bestehe, daß er sich für eine verbotene Partei betätigt habe. Der Verhaftete hat aber keine Gelegenheit, diese Beschuldigung durch konkrete Gegenangaben zu entkräften, weil ihm auch keine konkrete Beschuldigung vorgehalten wird. Ein interner Polizeierlaß ordnet an, daß in jedem Fall, in welchem eine Konfidentenanzeige wegen illegaler politischer Tätigkeit vorliegt, eine Strafe verhängt werden muß. Die Anwälte, die den Häftlingen zu helfen versuchen, haben überhaupt keine Befugnis, sich ihres Klienten anzunehmen, sie haben keine Akteneinsicht, sie dürfen über den Inhalt der Anschuldigungen und den Stand des Verfahrens nichts erfahren, mit dem Beschuldigten über den Fall nicht sprechen, sie sind daher auch nicht in der Lage, irgendwelche der Entlastung des Klienten dienende Tatsache anzuführen oder einen Gegenbeweis zu versuchen. In Oesterreich kann man zu einem Jahr Arrest verurteilt werden, ohne daß man sich eines Verteidigers bedienen darf! lebenslänglicher Hunger— für eine rote Nelke Der Straßenbahner Skontschik hat am 11. November 1934 am Grabe der Gattin des sozialdemokratischen Parteiobmannstellvertreters Albert S e v e r, die bei der Beschießung des Ottakringer Arbeiterheims im Feber 1934 in ihrer dort befindlichen Wohnung durch eine Granate des Bundesheeres getötet worden war,«ine rote Nelke niedergelegt. Skontschik, der ebenfalls im Ottakringer Arbeiterheim gewohnt hatte, war ein guter Bekannter der Familie Sever gewesen; es handelt sich also um einen Akt der freundschaftlichen Pietät und keinesfalls um eine politische Demonstration, als.Skontschik das Grab der Frau Sever besucht«. Trotzdem erhielt er von der Polizei eine 1»tägige Arreststrafe. Als er nach der Strafe seinen Dienst bei der Straßenbahn wieder antreten wollte, wurde ihm durch ein Dekret des Bundeskommissärs für Personvlange« legenheit mitgeteilt, daß er Nach 17jährigem Dienst bet der Straßenbahn unter V e r-l u st aller Rechte und PensionSan- sprüch« fristlos entlassen sei. Brei Strafen für die gleiche Tat Mit der Polizeistrafe ist der Leidensweg, den ein politischer Gegner des gegenwärtigen Regimes zu erdulden hat, noch lange nicht beendet. In Oesterreich ist der allgemeine Rechtsgrundsatz „non bis in idem"(nicht zweimal wegen derselben Sache) aufgehoben. Für dieselbe Handlung können z w e i, j a s o- gardrei Strafen nacheinander verhängt werden. An das polizeiliche Verfahren schließt sich das gerichtliche Strafverfahren. Zugleich mit dem polizeilichen Strafbescheid wird dem Verhafteten mitgeteilt, daß gegen ihn auch die Anzeige an die Staatsanwaltschaft erstattet wird. Er mutz nun die mehrmonatliche Polizeistrafe verbützen und wird entweder nach ihrer Beendigung oder während der Strafzeit dem Gericht überstellt, wo wegen derselben Anschuldigungen, wegen welcher bereits die polizeiliche Strafe ausgesprochen wurde, eine neuerliche Untersuchung beginnt. Stellt das Gericht das Strafverfahren ein oder hat der Verurteilte seine gerichtliche Strafe verbüßt, so beginnt die dritte Etappe seines Leidensweges: denn die österreichischen Gerichte haben nicht das Recht, politische Gefangene zu enthaften. Sie müssen sie nach einer Anordnung, die die Regierung Dollfuß getrosten und die Regierung Schuschnigg verschärft hat, wieder der Polizei überstellen. Erst sie fällt die Entscheidung, ob der„Enthaftete" freigelassen oder„angehalten", das heitzt ins Konzentrationslager geschickt wird. Denn das Konzentrationslager ist die dritte Strafetappe. Ole Hölle von Messendorf Das grösste Konzentrationslager Oester-! reichs ist Wöllersdorf. Dank der wiederholten Kontrolle durch ausländische Faktoren sind die Verhältnisse in Wöllersdorf erträglich. Ausserdem gibt eS aber auch ein Konzentrationslager in Messendorf bei Graz(Steiermark). Dort ist die Behandlung durch den Lagerkommandanten Bichl maler und seine beiden Helfer, den Rayonsinspektor S ch a n t l und den Postenleiter P a ch e r e g g, sehr brutal. Schantl nimmt brutale Leibesvisitationen vor und erklärt dabei: »Ihr Hunde, euch werden wirs schon zeigen, .Politik zu trüben!",,. Beschwerden wegen schlechter Behandlung' werden bestraft. Auf Beschwerden beim Sicherheitsdirektor Z e l l b u r g, der die oberste Verantwortung für die Zustände im Lager trägt, stehen achtTageKellerhaft. Cs gibt keine Bettgestelle, sondern nur Strohsäcke, die auf dem Boden liegen, und zwar so, dass kein Zwischenraum zwischen den einzelnen Liegeplätzen bleibt. Die Folge sind Ungeziefer und Hautkrankheiten. Auf eine Beschwerde darüber erwiderte der Sicher- heitsdirektorZellburg:^Eure Hauthat ja noch keine Löcher." Es gibt keine Klosetts, sondern nur Latrinen, zu deren Benützung die Lagerinsassen zweimal am Tage, um haG 7 Uhr früh und um 6 Uhr abends, befohlen werden. In der übrigen Zeit wird der im Raume aufgestellte Kübel benützt; seinen Zustand bei heissem Wetter kann man sich leicht vorstellen l Auf eine Beschwerde erwiderte der Lagerkommandant: „M essendorf ist kein Sanato- r i u m". In den Wachstuben wird geprügelt Während in der Polizeidirektion selbst nicht geprügelt wird, I ist einwandfrei festgestellt, daß politische Häftlinge ans Bezirkskommissariate« geprügelt werden. Insbesondere sind zahlreiche konkrete Einzel fälle von unmenschlichen Mißhandlungen aus den Polizei-Kommissariaten Favori ten, Ottakring und Brigittenau erwiesen. Viele Namen von Mißhandelten sind dem Herausgeber bekannt, können aber nicht angeführt werden, weil dadurch die Geprügelten noch schwerer geschädigt und der Rachsucht der Polizei preis« gegeben würden. Anter den hunderten Menschen, die wegen angeblich illegaler Betätigung zu monatelangen Polizeistrafen verurteilt sind, gibt es auch viele Kranke. Sie werden rücksichtslos in Polizeihaft gehalten und kommen erst, wenn die Krankheit bedrohlich ist, in Wien in die für Polizeihäftlinge reservierte Abteilung des Rainerspitals. Der furchtbarste Fall ist der des ehemaligen Redakteurs der„Arbeiter-Zeitung", Karl Hans Sailer. Er leidet infolge etlicher Belastung an einer Schrumpfung des Sehnervs und ist von der Gefahr der Erblindung unmittelbar bedroht. Vier amtsärztliche Gutachten haben bereits festgestellt, dass sich Sailers Leiden in der Haft bedenklich verschlechtert hat und datz er h a ft- unfähig ist. Trotzdem wird er weiter in Haft gehalten und ist am Ende einer sechsmonatlichen Polizeistrafe dem Landesgericht überstellt worden. Sadistenurteile der Gerichte Mit welch furchtbarer Grausamkeit die Gerichte gegen Menschen vorgehen, die im Verdacht politischer Tätigkeit stehen, zeigen fol-. gende Fälle: Das Kreisgericht in Leoben hat am 15. Juni 1935 den Journalisten Franz W a l ch e r wegen „Hochverrats" zu z w ö l f Jahren Kerker verurteilt. Dabei wurde Walcher nichts anderes zur Last gelegt, als datz er Mitglied der kommunistischen Kreisleitung von Leoben gewesen fei, was er nachdrücklichst bestritt. Wegen„Hochverrats", begangen durch Verbreitung so- zialistischeroder kommuni st i- scher Flugschriften, wurde ferner ver- urteilt(wir führen nur einige Fälle strengerer Bestrafung an): Der Arbeitslose Emmerich Mateoeie zu fünf Jahren, der Arbeitslose Anton Brom- b e r g e r, der Hilfsarbeiter Karl G r a b n e r, der Hilfsarbeiter Rudolf Bromberg er-zu je zweieinhalb Jahren(Kreisgericht Leoben); der Bergarbeiter Karl Stwarnig zu fünf Jahren(Kreisgericht Leoben): der Handelsangestellte Waller Bondy zu zweieinhalb Jahren(Landesgericht Wien); der Fleischhauergehilfe Hermann Leitner zu fünf Jahren(Landesgericht Wien). Neben ihnen gibt es viele Hunderte, üne von Tag zu Tag wachsende Schar derer, die wegen illegaler Partritätigkeit zu oftmals jahrelangen Kerkerstrafen verurteilt werden. Die Leiden der Gefangenen und die Rot ihrer unschuldigen Familien ist unbeschreiblich. Denn die Behörden begnügen sich nicht damit, zahllose Menschen wegen ihrer Gesinnung ein- znkerkern und ihre Existenz brutal zu vernichten; sie geben auch ihre Angehörigen dem Elend preis, indem sie jede Fürsorge für die Verhafteten oder ihre Familien alS„illegale Tätigkeit" erklären und rücksichtslos bestrafen. Gegen diese ganzen schändlichen Büttelmethoden erhebt sich die Empörung der österreichischen Arbeiter und klagt die Diktatur Schuschnigg vor dem Gewissen der Kulturweit an! Arbeitsbeschaffungsprogramm in Belgien Hendrik De Mann, Minister für öffentlich« Arbeiten und Krisenbekämpfung, hat nunmehr die Einzelheiten des grossen Arbeitsbeschaffungsprogramms der Regierung Van Zeeland mitgeteilt. Es sind Ausgaben von 3.5 Milliarden belgischen Francs vorgesehen, verteilt auf den Zeitraum bis 1938, wobei jedoch die Haupt-' Mtitzkeit auf die Jahreswende 1935/36 entfällt. Von dieser Gesamtsumme werden Awa" 2.3 Milliarden auf Arbeiten verwendet, die lm Hinblick auf die industrielle Ausrüstung des Landes ren- tabel sind, namentlich Modernisierung des Straßennetzes, Ausbau der Wasserwege, Verbesserung der Eisenbahnen, Anregung der Entfaltung ge-' wisser Produktionszweige. Der Rest wird für Arbeiten für hygienische oder intellektuelle Bedürfnisse verwendet(Wasserleitungen, Reinigung von Wasserläufen, Schulbauten usw). Ferner sind Maßnahmen zur direkten Hebung der Konsumkraft vorgesehen, wie Unterstützung von Haus« Haltungsgründungen, d. h. Möbelkäufen usw. Die Finanzierung soll weder neue Belastungen der Staatsbürger noch Anleihen enthalten. Die 3.5 Milliarden werden vom OREG (Amt für wirtschaftlichen Wiederaufbau) aus den Ueberschüssen der Notenbank, die durch die Abwer- tung entstanden sind, beigestellt. Ueberdies hat auch die Rentenkonversion(Herabsetzung der Zinslasten des Staates) große Mittel verfügbar gemacht; auch gewisse Reserven zur Verteidigung der Währung wurden nicht benötigt. Man. rechnet damit, daß die Bewegung der Preise(die Steigerung ist noch immer relativ gering und hat Mitte August erst 6.6 Prozent bei einer Abwertung um 28 Prozent erreicht) sich auch weiterhin kontrollieren lasse. Rußland baut in Persien Die russische Handelsvertretung in Tegeran hat mit der persischen Regierung einen Vertrag über den Bau eine» großen Lebensmittelkombi- natS abgeschlossen. DaS Kombinat wird folgende Bauobjekte enthalten: einen Getreidespeicher für 65.000 Tonnen, eine Mühle mit einer Kapazität von 200 Tonnen täglich, eine Brotfabrik mit einer Produktionsfähigkeit von. 100 Tonnen täglich, ferner ein Elektrizitäts-Werk mit einer Kapazität von 2400 PS. Ausserdem hat die Handelsvertretung Aufträge für den Bau von zehn Getreidespeichern von je 16.000 Tonnen und zehn für je 10.000 Tonnen erhallen. Sämtliche Ausrüstungen werden in der Sowjetunion hergestellt. Wir verweisen bei dieser Gelegenheit darauf, dass auch in der Türkei die Sowjetunion Textilfabriken baut. Die russischen Automobilfabriken liefern für die Türkei, und zwar für die Stadt Ankara auch Auwbusse. Erst kürzlich hat die Sta« linfaürrk in Moskau der Stadtverwaltung der türkischen Hauptstadt— Ankara— 100 Leichtautobusse mit einem Fassungsvermögen von je 19 Fahrgästen geliefert. Awa«g»sy«dikate iss Spanien Das Industrie- und Handelsministerium hat die zwangsweise Syndizierung sÄntlicher spanischen Mehlmühlen angeordnet. Seite ß „Sozialdemokrat" DimStag, 17. September 1935 Nr. 217 Trag« Mtung Nach siebzehn Bieren... Der Rückfall eines gebändigten NanferS Prag. Der 27jährige Maurer Friedrich S or- i i k, der vor dem Strafsenat T r o st unter Anklage der mehrfachen schweren Körperver- l etzung erschien, genießt nach Auskunft der zuständigen Gendarmeriestation den Ruf eines gefährlichen Raufers und Gewalttäters. Das Leumund- zeugnis seiner Heimatsgemeinde bezeichnet ihn als ,,Mann mittleren Rufes", aber auch darin wird die Reizbarkeit und Rauflust Sorsiks bestätigt, infolge deren er bereits einigemal vor Gericht kam. Es spricht freilich für ihn, daß er sich dieser Schwäche bewußt ist und ihr dadurch zu steuern suchte, daß er sich verheiratete. Das ist ihm auch so ziemlich geglückt und Sorsik tat nach seiner Verheiratung lange Zeit gut. Er mied die Gasthäuser, händigte feiner Ftau pünklich seinen gesamten Arbeitslohn aus und begnügte sich mit einem gelegentlichen Taschengeld. Die kleine und schwächliche, aber offenbar sehr zielbewußte und energische Frau hat den berüchtigten Trinker und Raufer zu zähmen verstanden und er unterwirft sich dieser strengen/ehelichen Zucht offenbar willig und vorbehaltlos. Einmal aber wurde Friedrich Sorsik rückfällig, und zwar in einer Weise, daß er sich nun unter der erwähnten Anklage befand. Merkwürdigerweise nahm dieses Delikt seinen Ausgang von einem an sich lobenswerten Beginnen des Angeklagten. Zum Zeichen seiner Besserung begann er nämlich, sich dem Sport zu widmen und verbrachte seine freie Zeit statt im Wirtshaus auf dem Fußballplatz des örtlichen Fußballklubs SK Jesenice. Er verlegte sich mit ungeheuerem Elan auf dieses neue Betätigungsgebiet— mit allzu großem Elan. Als ihn die Vereinsleitung nach mehreren unliebsamen Zusammenstößen bei etlichen Wettspielen aus der ersten Mannschaft entfernte und der Mannschaft der.Alten Herren" zuteilte, war er tief gekränkt, tröstete sich aber nach einigen Zornesausbrüchen damit, daß er als Star der„Alten Herren" schon zeigen werd«, was er könne. Demgemäß trommelte er zu seinem ersten Debüt in der Mannschaft der„Alten" alle Bekannten weit und breit zusammen und seine Gattin bewilligte ihm aus diesem feierlichen Anlaß ein außertourliches Taschengeld von 30 Kö, damit et seinen voraussichtlichen Sieg in anständiger Weise feiern könne. Soweit wäre alles gut gewesen, aber das Schicksal wollte, daß das Match der„Alten Herren" in letzter Minute abgesagt wurde. Der künftige Star Sorsik wurde also um sein Auftreten gebracht und mußte mit der Rolle eines Ordners beim Spiel der ersten Mannschaft vorlieb nehmen. Die weitere Folge war, daß er die 30 KU, die zur Feier seines Sieger dienen sollten, dazu verwendete, seinen Grimm in vielen Bieren zu ersäufen. Die Folgen waren danach. Nachdem er schon als„Ordner" unliebsames Aussehen erregt hatte, indem kr den Versuch machte, den SchiedS- rich ter hinauszuwerfen, kam es nach dem Wettspiel zu der eigentlichen Explosion der durch das Bier neu entzündeten Rauflust Sorsiks im Gasthaus, wo an dem Tage dieses Wettspiels gewaltiger Betrieb herrschte. Zunächst kritisierte er bloß die Klubleitung und redete sich immer mehr in Wut, bis er schließlich über den ganz unbeteiligten, ihm gar nicht bekannten Chauffeur Josef Vesely herfiel, weil dieser in bescheidener Weise dagegen protestierte, daß Sorsik mit einem dicken Knüttel auf den Tisch hieb, so daß die Gläser hüpften. Zwei Schwäger des Angeklagten, welche mit Schrecken sahen, daß dieser in seiner sinnlosen Trunkenheit zu jeder Gewalttat fähig war, führten ihn an die fyische Luft. Sorsik entriß sich ihnen aber und stürzte sich mit geöffnetem Taschenmesser neuerlich auf den Chauffeur, der eingeschüchtert das Gasthaus verlassen wollte. Die Sache verlief glücklicherweise glimpflich. Der Chauffeur trug zwar Messerstiche am Hinterköpf und am Schulterblatt davon und auch einer der wohlmeinenden Schwäger mußte einen Stich in Kauf nehmen, aber die Verletzungen waren zum Glück durchwegs l eicht. Da fie aber mit einem lebensgefährlichen Instrument und unter lebensgefährlichen Umständen zugefügt worden waren, lautete die Anklage im Sinne des Strafgesetzes auf das Verbrechen der schweren Körperverletzung. Vor dem Gerichtshof zeigte sich der Angeklagte zerknirscht und reuig über seinen Rückfall und verantwortete sich mit sinnloserTrunkenheit. Da nachgewiesen wurde, daß Sorsik in kurzer Zeit siebzehn Biere getrunken hat, nahm der Gerichtshof tatsächlich Volltrunkenheit im Augenblick der Tat an und verurteilte Sorsik nur wegen Uebertretung der Trunkenheit zu zwei Monaten strengenArrestes, und zwar unbedingt. rb. Iüurst und Mssen Hoffnung.(Schauspiel von Henri Bernstein, in Gastregie von Ferdinand Hart, Weinberger Stadttheater.) Die fünf Akte des dramatischen Schauspiels mit happy-end bringen uns in den Salon einer reichen Pariser Familie, in dem sich der angebliche Konflikt der Jugend in der Gegenwart abspielen soll. Auf der einen Seite steht eine dem Genuß nachjagende Mutter mit der Tochter, die behaftet ist. mit dem Lebenszweck der modernen Jugend, dem Sport; auf der anderen Seite der müde, abgearbeitete Vater mit der unzeitgemäß ganz auf Gefühl eingestellten Stieftochter. Den Preis stellt ein junger Theaterarchitekt dar, der, von dem Sportgirl geblendet, sich mit ihr verlobt, um später dem stillen Reize der Stiefschwester zu verfallen. Die übliche seichteGesellschaftsmoral, den gefährdeten Ruf der bisher siegreichen Tochter, dabei sich selbst mit äußersten Mitteln verteidigend, stößt die Mutter die sonst passive Tochter, die nun um ihr Lebensglück kämpft, aus dem Hause, um sie desto sicherer in die liebenden Arme des Architekten zu treiben. .Denn dieser Architekt, das ist die Verkörperung der Hoffnung der heutigen Gesellschaft. Es ist die Jugend, die sich das Recht auf eigenes Leben und Glück — hier ein stilles Heim, eine liebende verständnisvolle Frau und Kind— erkämpft, sonst aber keine großen Ziele sucht, keinen Ausweg aus dieser unmöglichen Gesellschaftsordnung. Sie tut ihre Pflicht, füllt Steuerbekenntniffe wahrheitsgetreu aus und wird im Notfall« das Vaterland verteidigen gehen; was darüber hinausgeht, reicht nicht an die Salons der reichen Gesellschaft heran.— Die sportiv« Tochter bekommt ihren Grafen, der Vater einen gesunden Schlaf, der Frau in der Gestalt der Mutter zweier dem Glück zustrebenden Töchter bleibt die Resignation. Die Rolle dieser mondänen Frau, mit dem dramatischen Höhepunkt im vierten Akte, hat Frau Slemrova mit feinnuancierter Mimik und Verständnis durchgearbeitet. Den passiven Emil Goinhard hat mft Noblesse und natürlich der Gast- Regisseur Ferdinand Hart gespielt. Eine angenehme Erscheinung war M. Glaserovä als Catherine, das Sportgirl Solange verkörperte Frl. Goll als Gast, unsicher noch im Auftreten und Spiel. Das Weinberger Theater hat* außer reichhaltigem Repertoire im Stadttheater selbst auch eine Reibe Kammerspiele im Kammertheater angezeigt. Hoffentlich wird die Auswahl der Stücke überzeugen, daß das moderne Spiel einen größeren Umkreis von Interessen zu umspannen weiß als dieses— obwohl in durchdachter Regie und Ausführung gespieltes— Stück, das einen viel zu engen Kreis um einen Familienkonflikt zieht. DaS neue Abonnement. Anmeldungen für neu- eintretende Abonnenten täglich. Zahlungen in fünf Raten möglich I Ermäßigung bis zu 6V Prozent l Ausgabe der Karten für bisherige Abonnenten, die eine Aenderung ihres Abonnements angemeldet haben, ab Donnerstag, den 19. d. M. Einmaliges Gastspiel Emanuel List(Metropolitan Opera und Wiener Staatsoper) als Kardinal in Halvevys großer Oper„D i e I ü d i n" am 22. September. kB 2.) Preise: Ki 12.— bis 63.—. Vorverkauf täglich. Wochenspielpla« de? Neuen Deutschen Theaters. Heute Dienstag halb 8 Uhr: Erstaufführung„D erBettelstudent"in der neuen Bearbeitung, A 2.— Wiederholung nächsten Samstag. D 2.— Mittwoch:„D erTroubadou r". B 1.— Donnerstag:„Die heilige Johanna" C 2.— Freitag:„Cosifan tutte". D 1. Wochenspielplan der Kleine« Bühne. Heute DiensMg:„Der Stärkere"(B 2).— — Mittwoch: ch ha b'S a e t a n". Volkstümliche Vörstellungl Preise nur: kS 6.—, 12.—, 18.—-. — Donnerstag: ,,K i k i"(Gutscheine A I, A 2), — Freitag:„Dex Geizige"(Kulturverbandsfreunde 1934/35 und freier"Verkauf). Der Dtm, Das Geheimnis im Rachtexhreß Dieser amerikanische Kriminalfilm des Regisseurs Ben S t o l o f f dürfte innerhalb seiner nicht gerade edlen und geistvollen Gattung zu den gelungensten gehören: denn schon die Taffache, daß seine ganze Handlung während einer Nachtfahrt des rasenden Pacifie-Expreß im wahrsten Sinne des Wortes abrovt, gibt ihm jenes Tempo, das vielen Zuschauern über die Unwahrscheinlichkeiten und Gewaltsamkeiten der Vorgänge hinweghilft. Von der Lokomotive bis zum Gepäckwagen wimmelt es hier von unheilvollen Absichten, düsteren Geheimnissen und gefährlichen Gegenständen. Ein Sträfling und ein Massenmörder, ein Detektiv und ein Reporter, eine Juwelendiebin und«in Rachedurstiger reisen mit, und es ist ein Glück, daß der Reporter sie alle kennt, denn ohne ihn würde weder der Detektiv noch der Zuschauer den Mörder im Schlafwagen und die Diebin des Armbandes ermitteln. Da auch ein ewig Betrunkener, ein Hochzeitspärchen und ein ängstlicher Negerkoch unter den Mitreisenden sind, ist auch für Leute gesorgt, die beim Gruseln das Lachen lieben.—eis— Hitler-Parade und Goebbels-Operette In zwei Kinos am Wenzelsplatz läuft eine reichsdeutsche Filmoperette„Die blond eCar- m e n", in der.die Forderung der Bodenständigkeit auf wahrhaft nationalsozialistische Art gelöst wird. Ein Schlager-Autor nämlich, der die Leute vom Theater nicht liebt und vor ihnen aufs Land flieht, findet sein Glück bei einer Theaterdame, die sich ihm in der Maske des Landmädchens nähert(und von der ungarischen Soubrette Martha Eggerth dargestellt wird.) Ein völkisches Theater also, das dem Geist der in Nürnberg herrschenden Bewegung.entspricht. Was hinter den Kulissen dieses Theaters gespielt wird, kann man zuvor in der F o x- Wach e n s ch a u sehen, die es sich nicht hat nehmen lassen, Adolf Hitlers Anwesenheit bei den deutschen Herbstmanövern im Bilde festzuhalten,— in einem Bilde, das hoffentlich als Warnung und nicht als. Propaganda gedacht war.—eis— Freigegeiene Filme. Das Handelsministerium hat in der letzten Woche sieben Filmen die Einftihr- erlanbnis erteilt: vier amerikanischen„Der flüsternde Schatten",„Die Welt geht weiter",„The Debil is a woman"(Der Weibsteufel) mit Marlene Dietrich und„Fata Moragan" mit Eddie Cantor, sowie drei üsterreichffchen„Leutnant Bobby, der Teufelskerl",„Nur ein Komödiant" und„Episode". Weiter wurden zwei abendfüllende dokumentarische Tonfilme freigegeben: der amerikanische„Das gelobte Land" und der palästinensische ,D)as ist das Land." dtoUtau t.Leitender Arzt Dr. A. Gaube. Phys-blötet. Heilanstalt für all« inneren und Stoffwechsel, krankheiten, rheumatische Erkrankungen, Ischias, Nerven, krankhcitcn. Proipctte 8 und Auskünste durch di« Ber- waltung. Telefon 32. 2888 DTI-Kreis-Wettkampf Pilsen—Prag 88:7V Eine neue Berbandsbestleistung— DaS Pilsener Team erringt das Primat im DTJ-Berband Der leichtathletisch« Kreiswettkampf der Pilsener und Prager DTJ um den Wanderpokal des Bürgermeisters von Pilsen, Abg. Genosse Pik, am Sonntag im P r a g r r Letna-Stadion war in mancher Hinsicht interessant. Ter Besuch war zufriedenstellend und die Organisation war wohl gut, aber leider auch etwas langsam. Als neue DTI- Destleiftung ist die Zeit im 800 Meter- Lauf anzusehen, in welchem der Prager Kolin dem Pilsener Kraft«in scharfes Rennen lieferte und auch für sich entschied. Tas Ergebnis des Wettkampßes war eine Ueberraschung, denn allgemein hatte man mit einem, wenn auch knappen Erfolg der Prager gerechnet. Es zeigte sich aber im Verlaufe der Veranstaltung, daß die Pilsener ihre Mannschaft gut vorbereitet und ausgewählt, hatten, während die Prager zu viel von einzelnen Vertretern verlangten. Wenn z. B. ein Sportler in fünf Disziplinen antreten muß, kann man füglich keine besseren Leistungen erwarten, als sich dann ergeben. Eine betrübliche Enttäuschung waren das Speerwerfen und die Kurzstreckenläufe, in denen die Prager entgegen allen Erwartungen nur die dritten und vierten Plätze errangen. Der bekannte Genosse Schuster(Prag) kam z. B. im Speerwerfen, gegenüber seinen letzten Leistungen nur knapp über 40 Meter. Die wichtigsten Ergebnisse sind: 100 Meter: 1. Pokorny(Pilsen) 11.8,2. Sind- ler(Pilsen) 12.0, 3. Schuster(Prag) 12.1 Sek.— 200 Meter: 1. Plzak(Pilsen) 24.2, 2. Pokorny.- 400 Meter: 1. Skala(Prag) 53.3, 2. Brejcha(Pilsen) 54.6, 3. Schuster 55.1 Sek.— 800 Meter: 1. Kolin(Prag) 2:02.8(neue Verbandsbestleistung), L.-Kraft Pilsen) 2:08.9 Min.—- 1800 Meter; J..Kylin 4:21.8', 2. Stika(Pilsen) 4-86.7 Win.— 5000 Meter: 1. Tomasek(Pilsen) 17:13, 2. Zenisek(Pilsen) 17:13.3, 3. Mares(Prag) 17:37 Min.— 4X100 Meter: 1. Pilsen 46.2 Sek., 2. Prag 47.7 Sek.— Olympische Stafette: 1. Pilsen 3:52.7 Min., 2. Prag 3:57.9 Min.— Kugel: 1. Saitz(Prag) 12.58, 2. Schöps(Prag) 12.54, 3. Mrva(Pilsen) 12.43 Meter.— Speer: 1. Bruha(Pilsen) 44.97 Meter, 2. Herynk(Pilsen) 44.32, 3. Tösitel(Prag) 43.15, 4. Schuster 40.24 Meter.— Diskus: Zitek(Prag) 36.39 Meter, 2. Bestk(Pilsen) 34.82, 8. Vyleta(Pilsen) 34.74 Meter.-— Schleuderball: 1. Bezchleba(Prag) 47.64, 2. Vyleta 45.54 Meter.— Hochsprung: 1. Tösitel 1.70 Meter, 2. und 3. Smrkka(Prag) und Suda(Pilsen) 1.60 Meter.— Weitsprung: Goth(Prag) 6.61 Meter, 2. Sindler 6.48 Meter. — Stabhoch: 1. und 2. Kratochvil und Rbdl(beide Pilsen) 3.10 Meter, 3. Smrkka 2.80 Meter.— Dreisprung: 1. Goth 13.25 Meter, 2. Jelinek(Pilsen) 11.98 Meter. Sparta— Mitropacup-Sieger FerencvaroS verliert 0:3(0:2). DaS Endspiel im Mitropacup, welches am Sonntag im Prager Masaryk-Stadion stattfand, wurde von rund 60.000 Zuschauern verfolgt— ein Rekord für Prag, wenn man bedenkt, daß ein S t e h p l a tz 1 0.2 0 Kö und ein Sitzplatz bis 47 Kö kostete. Es bewahrheitete sich wiederum die Ansicht, daß der Fußballsport keine Krise kennt, wenn er eine Sensation zu bieten hat. lind dabei mutz man noch feststellen, daß für ungezählte Tausende keine Eintrittskarten mehr vorhanden waren! Das Spiel begann nach den beiden Hymnen und den Ansprachen sehr vielversprechend. Man weiß nicht, was man mehr bewundern sollte: das abgeklärte, kunstvolle Spiel der Ferencvaros-Leute oder jenes taktische und auf blitzschnelle Vorstöße berechnete Spiel der Sparta. Beide Systeme hatten ihre Vorteile— doch wer die enffchloffeneren Stürmer hat, der hat den Sieg in der Tasche und diese hatte diesmal die Sparta. Der Erfolg der Prager ist verdient, schon in der Auffassung der Zweckmäßigkeit, obzwar die Budapester das eine oder andere Tor erzielen hätten können, doch ihre Stürmer ergaben sich in Ueberkombination und damit ist bei der energischen Sparta-Verteidigung schon eine gewisse Erfolglosigkeit gegeben. Sparta, das den Mitropacup im ersten Jahre seinesoBestandes(1927) erstmals gewann, errang den Pokal nun nach acht Jahren zum zweitenmal. Und als Kuriosum sei festgehalten, daß nur ein« ihrer Spieler diesen Tag aktiv wieder miterlebt bat. nämlich der Verteidiger Burger. Die Tore für Sparta schossen Faszinek und Braine(2). Der englische Schiedsrichter Fogg war vollkommen objektiv, wenngleich er es einem Teil der Zuschauer auch nicht ganz recht machte. Vier Liga-Kampfe wurden am Sonntag ausgetragen. S l a v i a konnte überraschenderweise in Preßburg doch einen Sicg landen:- CSK verlor 0:2(0:1). Beide Mannschaften zeigten jedoch kein zufriedenstellendes Spiel. — In Kolin wurde der A FK von der Pilsener Viktoria sicher mit 2:5(1:4) geschlagen.—Der Ieplitzer FK verlor wiederum: SK Pilsen besiegte ihn auf seinem Platz mit 4:1(Irl).— In Brünn fand das Lokalderby zwischen Zide- nice und Mor. Slavia statt. Die Schimjtzer gewannen dank ihrer Erfahrung und Routine, aber nur knapp mit 2:1(1:1). Aus den Divisionen DFB: Warnsdorf« FK besiegte in Karlsbad, den KFK mit 5:1(0:1) und in Reichenberg blieb der RFK über VfB Teplitz ebenfalls mit 5:1(2:0- erfolgreich. Die mährische Gruppe absolvierte drei Spiele: Der DSV Troppau schlug daheim den DSV Brünn nach beiderseitig schwachem Spiel 4:0(1:0); SK Mähr.-Schönberg verlor in Teschen gegen den SK 2:3(1:1) und der DFC Jglau wurde in Jä- gerndorf vom DSV mit 8:0(0:0) geschlagen. Böhmen-Mitte: SK Nufle geg. Sparta Kladn» 10:1(l), Nuselsky SK gegen Union Zizkov 4:1, Slavoj VIH gegen Liffa 3:2. Böhmen-Land: Königgrätz gegen Petrin 6:2, Jungbunzlauer SK gegen SK Pardubitz 2:0, Ra- konitz gegen AFK Pardubitz 3:1, B.-Budweis gegen Snöhaki Taus 5:3, Kopisty gegen Slavia Karlsbad 2:0, Königinhof gegen Polaban Nimburg 3:3. Mähren-Schlesien: Slovan M.-Ostrau gegen Kral. Pole 7:1, Zabovresky gegen Polonia Karwin 3:1, Moravia Brünn gegen Schles.-Ostrau 0:3, Pre- rau gegen Freistadt 4:2, Bata Zlin gegen Han. Slavia 6:1, Olmütz gegen Slavia M.-Ostrau 5:1. SonstigeFnßballergebniffe.Bobenbach: Bo- hemians Prag gegen SpBg 2:1(1:0).— Gablonz: BSK gegen Cechie Karlin 6:0(2:0), DTK gegen DSV B.-Leipa 4:1(0:0).— Saaz: DSV gegen Militärteam Kladno 11:0.— Komotau: DFK gegen DTK Dux 9:1(4:1).—Brüx: DFK Bilm gegen DTK 3:2(2:1),.Schwalbe gegen DSV Oberleutensdorf 2:0(1:0).— Rumburg: RFK gegen DSV Trautenau 7:1(3:1).— Pro ß^itz: SK gegen Viktoria Zizkov 6:0(3:0).— Buda» p e st: Hungaria geg. Budai 2:1.— Debreczin: Ujpest gegen Bocskai 0:0.— Wien: Admira geg, Austria 1:0, Rapid gegen WAC 5:3, FC Wien gegen Vienna 2:0, Liberias gegen Wacker 3:0, Sportklub gegen Fav. AC 1:0, Flor. SK gegen Hakoah 2:1, — Lodz: PolenB gegen Lettland 3:3(0:2). Der„Wildwestgau" bekommt Konkurrenz. Im N o r-d w est g a u des DFV gelangte am Sonntag in N e u d ö r f l das Fußballspiel TFK Reserve gegen den dorfigen SK zur Austragung.’ Das„Spiel" fand nach der Pause ein vorzeitiges Ende, da ein Neudörfler Spieler, welcher ausgeschlossen wurde, den Schiedsrichter k. o. schlug. Die DLAB-Frauenmeisterschaften wurden am Sonntag in Prag zur Austragung gebracht. Erwähnenswert ist nur, daß im Speerwerfen der Ver- bandsrekord auf 31.17 Meter verbessert wurde. Gleichzeitig fanden auch die Meisterschaften der männlichen und weiblichen Jugend statt. Ein Leichtathletik-Länderkampf Frankreich- Drittes Reich fand Sonntag in Paris statt und wurde von den Nazis mit 102:48 Punkten gewonnen. Weltrekord im 20 Meilen- und Zwei-Stundenlaufen. In Buenos Aires liefes der Argentinier Josö Rivas über 20 Meilen(32,018 Kilometer) eine neue Weltrekordzeit von 1:51:11.6 Std. und anschließend verbesserte er den Weltrekord im Zwei- Stundenlanfen von 33,653 auf 34,445 Kilometer. DaS Motorradrennen«m den„Goldenen Sturzhelm" wurde Sonntag in Pardubitz vor rund 50.000 Zuschauern und mit zahlreichen ausländischen Rennfahrern zum Austrag gebracht. Als Endsieg« qualifizierte sich Gunzenhauser(Drittes Reich), welcher auf einer Jawa-Maschine(600 ccm) fuhr und die sieben Runden über die 2400 Meter bange Bahn in 9:22 Min. zurücklegte. Neuer Weltrekord im Schwimmen. Der japanische Schwimmer N e g a m i legte als Erster die 800 Meter im Freisbil unter zehn Minuten zurück; er benötigte 9:55.8 Min. Den alten Weltrekord hielt ebenfalls ein Japaner, Makino, mit 10:01.2 Min. duft der Partei Bezirksorganisation Prag der Deutschen sozialdemokratischen Arbeiterpartei. Heute, Dienstag, den 17. d. M., um acht Uhr abends findet im Gew«kschaftsha«s in Prag I., Perötyn, eine Parteiversammlung mit folgender Tagesordnung statt: Die außen- und innerpolitische Situation. Refereut: Genosse Abg. Franz K ö g l e r. Freie Bereinigung sozialistischer Akademiker. Dienstag, 17. September, um 20 Uhr Mitgliederversammlung im Parteiheim, Närodni 4. Jugendbewegung SJ. Holleschowitz. Mittwoch 20 Uhr Gruppenabend im Kamenickä-Heim. SJ. Weinberge-Smichov. Mittwoch 20 Uhr Gruppenabend im Parteiheim. Närodni 4. Programm: 1. Neukonstituierung der Gruppe, 2. Bericht der Frankreichfahrer, 3. Wochenbericht. Arbeitsbesprechung der ehenialigen Sturmfalken Weinberge- Smkchov Mittwoch 19 Uhr im Parteiheim. Bezugsbedingungen: Bei Zustellung ins HäuS oder bei Bezug durch die Post monatlich Kö 16.—. vierteljährig Kö 48.—, halbjährig Kö SS.—. ganzjährig Kö 192.—.— Jniervte werden lau» Tarif billigst berechnet. Bei öfteren Einschaltungen Preisnachlaß.— Rückstellung von Manusiripten«folgt nur bei Einsendung der Retourmarken.— Die ZeitungSfrankatur wurde von der Dost, und Tel«. ' graphendirektion mit Erlaß Nr. 13.800/VIU1S30 bewilligt.— Druckerei:„Orbis". Druck-, Verlags- und Zeitungs-A.-G„ Prag.