Mittwoch, 18. September 1935 Nr. 218 15. Jahrgang Binirrii7Uiwim (•!nMMt.ench S H«ll«r Partei 1ENTRALORGAN_ DER DEUTSCHEN SOZIALDEMOKRATISCHEN ARBEITERPARTEI IN DER TSCHECHOSLOWAKISCHEN REPUBLIK ERSCHEINT MIT AUSNAHME DES MONTAG TÄGLICH FRÜH. Redaktion und Verwaltung präg»ufochova«r. Telefon s»77. HERAUSGEBERi SIEGFRIED TAUB. CHEFREDAKTEUR! WILHELM NIESSNER. VERANTWORTLICHER REDAKTEUR! DR. EMIL STRAUSS, PRAG, SA-Kurse für Henleinfunktionäre Verhaftungen in Teplitz und Aussig in Ostpreußen Decknamen für die tschechoslowakischen Teilnehmer an den Nazikursen Neber die Verhaftungen von Hen- lcinfunktionären in Teplitz und Umgebung, welche schon vor einigen Tagen gemeldet wurden, können wir heute sensationelle Einzelheiten mitteilen. Die verhafteten Personen, welche durchwegs AnhLngerderSude- tendeutschen Partei sind— es ist bezeichnend, daß einige von ihnen nominell auch dem Bund der deutschen Landjugend angehörten— waren in Ostpreußen und haben dort Kurse besucht, die von SA-Instruktoren und drei nationalsozialistischen Professoren geleitet wurden. Die Kurse fanden in Tirstige und Groß-Dammer im Kreise Messeritz in Ostpreußen statt. Es wurde über Deutschtum und Polentum, die Stellung des Bauern zum Staate, über Siedlung im deutschen Gebiete und andere wichtige Dinge«ach den Prinzipien des deutschen Nationalsozialismus vorgetragen. Der Kurs in Tirstige diente der Heranbildung von ausführenden Organen, der zwette Kurs war allgemein. Nach der Beendigung der Kurse wurden die Leute mst der Praxis des Landdienstes bei Dauern vertraut gemacht. Aus der Tschechoflowakei nahmen zehn Personen daran teil. Diese zehn hiesigen Teilnehmer wurden alle unter Deck« am e« geführt, aber trotzdem kam die Sache an das Tageslicht. Die Namen der Verhafteten sind: Ing. Walter Appell, Prag(SdP) Neuhäusl, Wisterschan(D. d. L. I.) Franz Kerl, Settenz(SdP) Egon Geier, WeiSkirchlitz(SdP) Franz Manfred, Aussig(D. d. L. I.) Zug. Domaschek, Aussig(SdP) Josef G i r s ch i k, Hohenstein(D. d. L. Z. und SdP) Im Zusammenhang mll dieser Affäre wurde schon vor einiger Zell Franz Hofmann in Aussig verhaftet, so daß also insgesamt acht Personen festgenommen und dem Kreisgericht in Lellmeritz überstellt worden sind. Die Aktion der Teplitzer Gendarmerie in dieser Angelegenhett ist noch nicht ab- geschloffen. Offenbar im Zusammenhang mll dieser Affäre stand auch die Haussuchung, die Montag morgens i m A u s- siger Sekretariat der SdP st a t t f a n d. Die Polizei fahndete nach Schriften des nach Deutschland geflüchteten Ing. Reumann. Ministerielle Beratungen über die Teuerung Ausreichende Lebensmittelversorgung zu angemessenen Preisen Prag. Amtlich wird gemeldet: Dienstag Vormittag wurde« die Regierungsarberten im Komitee der politischen und wirtschaftliche« Minister ausgenommen, in dem die Minister für soziale Fürsorge und für Inneres über die Verhandlungen in den sozialpolitischen Ausschüssen der beiden Kammer« Bericht erstatteten. Diese Berichte wurden einmütig genehmigt und ebenso ein- mutig anerkannt» daß dir beiden Ministerien und ihre Organe in den von den erwähnten Ausschüssen behandelten Fragen im Rahmen ihrer Befugnisse ihre Pflichten voll und gewissenhaft erfüllten. In der Sitzung wurde weiter vor allem über die Sicherstellung der Versorgung der Bevölkerung mit den wichtig st en Lebensbedarfsartikeln in hinreichendem Maße und bet angemessenen Preisen verhandelt. Die Ministerien fürsozialeFürsorge, für Landwirtschaft, für Inneres und für Handel wurden angewiesen, in der kürzesten Zeit die notwendigen Daten und entsprechenden Vorschläge zu unterbrellen. Ju weiteren Sitzungen drs politischen und wirtschaftlichr« Ministerkomiters wird übrr den Komplex aller wichtigen wirtschaftlichen Fragen, insbesondere mit Rücksicht auf die Arbeitsbeschaffung fü r d i«Arbeitslosen, verhandelt werden. Flottendemonstrationen Gibraltar? Dienstag abends wurde a«ch die Nordrinfahrt in den hiesigen Hafen durch Netze und Ketten gesperrt. Die Schlachtkreuzer„H o o b" und„R e, na««", die Kreuzer„Orio n",„Neptun" und„A ch i l l e s" sowie drei Torpedobootzerstö- rrr sind aus England in Gibraltar eingetroffen. Man erwartet noch die Ankunft weiterer Marineeinheiten. Wie alljährlich, wird auch heuer elnr aus 26 Panzerkreuzern und drei Torpedobootszer- störereskadrillrn bestehende Division der britischen Mittelmeerflotte, und zwar vom 25. September bis 15. Oktober, die griechischen Häfen A r g o» st o l i, Korfu und N a v a r in besuchen. Ein Teil der in Alexandrien stationierten englischen Flotte ist nach Port Said und in das Rote Meer abkommandiert worden. Die Kanalzone ist stark überwacht. Den Bewohnern ist das Betreten bestimmter Plätze am Kanal verboten. Malta wird evakuiert London. Etwa 100 englische Frauen und Kinder» größtenteils Familienangehörige englischer Soldaten und Beamten» haben Dienstag von Malta die Reise nach England angetrcten. Kriegsrat in London? London. Premierminister Baldwin führte am Dienstag in der Sitzung des Ministerkomitres in Downingstreet den Borsitz. An der Sitzung nähme» die Minister des Aeußerrn» des Krieges, der Kriegsmarine, der Luftschiffahrt, des Handels und der Kolonien teil. lieber die Sitzung wurde kein Komunique ausgegeben und es sind auch keine Informationen zu erhalten. Die Beratung dauerte anderthalb Stunde«. Aegyptische Vorsichsmaßnahmen Kairo. Die hiesigen Blätter befassen sich mit den Vorsichtsmaßnahmen Aegyptens. Das englische Hauptquartier bemühe sich, genaue Informationen über die Wegverhältnisse in den westlichen Wüstengegenden zwecks Schaffung von Telephon- und Telegraphenverbindungen zu erhalten. Die ägyptischen Behörden hätten bereits die dort vorhandenen Streitkräfte verteilt und v e r st ä r k t. Die Italiener hätten an mehreren Stellen bereits Drahtverhaue errichtet. Der sozialistische Investitionsplan Gegenstand parlamentarischer Verhandlungen Prag. Dienstag vormittags befaßte sich das Subkomitee des sozialpolitischen Ausschusses unter dem Vorsitz des Genossen Dr. Meißner mit dem gemeinsamen Antrag der drei sozialistischen Parteien und der Volkspartei zur Bekämpfung der Arbeitslosigkeit i)nd der Teuerung. Zum Referenten wurde der Nationalsozialist TuLny bestellt. Das Subkomitee befaßte sich vor allem mit jenem Teil des Antrages, der öffentliche Investitionen für zwei bis drei Milliarden XL vorsieht, die durch eine Inlandsanleihe aufgebracht werden sollen. Der anwesende Vertreter des Finanzministeriums erklärte, daß das Finanzministerium erst gewisse Maßnahmen auf dem Markt der Anlagepapiere durchgeführt wissen wolle, bevor es dem Gedanken einer Anleihe nähertretcn könne.. Namens des Subkomitees hielten dann Dr. Meißner und T u L n y eine Rücksprache mit dem Finanzminister, der sich seine endgültige Stellungnahme zu dem Problem einer Anleihe noch vorbchielt. Parallel mit den Verhandlungen im Subkomitee laufen auch Besprechungen innerhalb der Koalitionsparteien, die noch nicht abgeschlossen sind. Das Subkomitee tritt Mittwoch vormittags neuerdings zusammen. Die Forderungen der Staatsangeftellte«. Das Präsidium der Arbeitsgemeinschaft des Staatsangestellten-Zwölferausschuffes und der Exekutive der öffentlichen Angestellten hielt am Dienstag eine Sitzung ab, in der der Vorsitzende Abgeordneter Dr. Suchy Bericht erstattete. Die Erklärungen des FinanzniinistcrS Dr. Trapl über vier der Regierung vor den Ferien unterbreiteten Forderungen wurden znrKenntnis genommen und beschlossen» beim Präsidium der parlamentarischen Ersparungskommission zu intervenieren und mit der Personallommission des Ministerrates zu verhandeln,' Eindeutig sozial... Wer, wo, was? Wer stellt sich so vor? Wer beteuert» allen Zweifeln entgegen„eindeutig sozial" zu sein? Niemand anderer als die SdP Henleins. Und der Anlaß, daß die„Rundschau"" dies unter kiloweiser Verwendung von Druckerschwärze an der Sitze ihrer letzten Ausgabe hinaustrompetet, sind die„sozialpolitischen" Eiertänze, welche die Herren Sandner und Dr. Köll- ner letzthin im sozialpolitischen Ausschuß des Abgeordnetenhauses aufgeführt haben. Auslassungen, dürftig und nichtssagend» die aber nach dry „Rundschau" den Beweis der„eindeutigen" sozialen Gesinnung der SdP darstellcn. Es geht eben darum, diejenigen Arbeiter, die sich am 19. Mai hinters Licht führen ließen, bei der Stange zu halten und die Illusion» von der Henleinpartei werde ihre Rettung und Erlösung von allen Uebeln kommen» neu zu bestärken. Zu diesem Zwecke will die SdP sozial» sogar„eindeutig sozial" erscheinen» das heißt den Schein einer solchen Gesinnung erwecken. Henleinfascisten hassen den Sozialismus wie Tod und Teufel» aber wenn sie auf den politischen Strich gehen» verschmähen sie es durchaus nicht, sich„sozialistisch" aufzuschminken, um kurzsichtige Kundschaft anzulocken. Der Ungeduldigen wie der Leichtgläubigen» die auf die-.Sofort"-Rettung durch Henlein hofften, waren in den Maitagen viele, seither wird diese Vertrauensseligkeit in die Sendung des sudetendeutschen Talmi-MessiaS einige höchst bedenkliche Riffe bekommen haben. Vier Monate sind im Zeitgeschehen keine allzu lange Frist, aber für eine Partei, die etwas ganz besonderes zu sein vorgab und die nicht mit alten Maßstäben gemessen sein wollte» müßten die vixr Monate, die seit dem„Erwachen des Sudetendeutschtums" verflossen sind, ausreichend sein» um außer Worten wenigstens etwas an Taten zu sehen. Siebenundsechzig Parlamentssitze sind der Henleinpartei zugefallen, nie gab es noch eine deutsche Partei» auf der daher ein solches Maß der Verantwortung lastete» wie auf der Sudetendeutschen Partei und sie selber ist sich dessen wohl bewußt, denn sie läßt keine Gelegenheit vorübergckhcn, ohne allen anderen deutschen Parteien das Recht abzusprechcn, im Namen der sudetendeutschen Bevölkerung zu sprechen. Sie betont es sebber, daß die Hauptlast» ja die alleinige Last der Verantwortung für die Gestaltung der Geschicke der sudetendeutschen Bevölkerung s i e und nur sie zu tragen hat. Wie aber hat die SdP das ihr anvertraute kostbare Pfand verwaltet, was darf die deutsche Wählerschaft als Gewinn dafür buchen, daß sie in ihrer großen Mehrheit dem henleinfascistischen Firlefanz nachgelaufen ist? Nichts, nichts und abermals n i ch t s. Es ist seither nicht besser, sondern nur schlechter geworden. Schon heute nach vier Monaten steht fest, daß ein großer Kraftaufwand nutzlos, ja zum eigenen Schaden vertan wurde und je mehr Zeit vergeht, um so deutlicher selbst für den Blindesten wird dies werden. Schon jetzt von der SdP Leistungen zu verlangen» kann niemand, auch der Objektivste nicht, als ungerecht ansehen, denn monatelang schrie sie es in aller Ohren, vierzehn Jahre sei geredet worden, nunmehr werde gehandelt werden. Da nach eigenen Beteuerungen die sudctendeutsche Not unerträglich sei, so heißt„handeln" doch so viel wie sofort und ungesäumt. Aber was hat man von der so mächtig aufgeschwollenen SdP zu sehen bekommen? Ihr„Handeln" hat in einigen Parlaments reden bestanden, von denen zwölf auf ein Dutzend gehen, in etlichen„Kreis- und Bezirksvertretungen", auf denen wieder nur geredet und geredet wurde und sonst waren es nur F e st e und Paraden ganz im Hitler« schen Stile gehalten, mit denen die Rettung des Sudetendeutschtums betrieben wurde. Das war alles. Dabei hätte es doch die SdP sehr leicht, gegen die bittere Not in der deutschen arbeitenden Bevölkerung anzukämpfen und etwas zu tun, um das Prädikat„eindeutig sozial" mit Berechtigung zu tragen. In ihren Reihen stehen als Förderer und Gönner die gesamten deutscharischen Industriellen und sonstigen Unternehmer, die ein vollgerüttelt Maß von Schuld an der Elendslage der sudetendeutschen Arbeiterschaft haben. Wie der Fürsürgeminister in seiner Rede feststelle« mußte, sind es jährlich viele Milliarden, die infolge der gezahlten Hungerlöhne von der Bevölkerung weniger in Umlauf gebracht werden können. Die SdP verbiete doch auf Grund der bei ihr üblichen Kasernhofdisziplin den Ausbeutern in ihren Reihen das Zahlen von Löhnen, die unter Seite 2 Mittwoch, 18. September 1935 Nr. SIS Henderson erkrankt London. Der Präsident der Abrüstungskon- fcrenz Henderson ist erkrankt. Er mußte heute ins Krankenhaus gebracht werden, da er em Magenleiden und Gelbsucht hat. der Grenze eines menschenwürdigen Einkommens liegen und man wird ihr glauben, daß sie„eindeutig sozial" eingestellt sei. Bislang aber hat man an Positivem nur die Verpflichtungen kennen gelernt, welche die bei dem von der SdP einge- führten Landdienst beschäftigten„Landhelfer" eingehen mußten, bei Kost und Unterkunft für einen Wochenlohn von 10 KL im Zeichen der Volksgemeinschaft moderne Sklavenarbeit zu verrichten. Doch wenn auch bisher nicht das mindeste geschehen ist, was die Behauptung einer eindeutig sozialen Einstellung des sudetendeutschen Fascistenklüngels rechtfertigen würde, so könnten sich vielleicht Bescheidenere damit abfinden, wenn es wenigstens schon so weit wäre, daß die SdP sich klipp und klar über Ziel und Weg ihrer„eindeutig sozialen" Absichten äußern würde— auch damit ist es n i ch t s, g a r n i ch t s. Bei der Debatte über die Rede des Fürsorgeministers im sozialpolitischen Ausschüße des Abgeordnetenhauses wäre für die Henleinpartei nicht nur Gelegenheit, auch Gebot gewesen, endlich das lang behütete Geheimnis bekannt zu geben, wie sie, die sich rühmt, von vier deutschen Arbeitern drei in ihren Reihen stehen zu haben, diesen deutschen Arbeitern zu helfen gedenkt. Man hätte erwarten können, daß wenn schon nicht unmittelbar das großmäulig angekündigte„Handeln" an Stell« von Worten, so doch wenigstens die Enthüllung eines konkreten sozialpolitischen Programms erfolgen werde. Was aber kam, das war, was die SdP. bei anderen so verpönt: Worte, nichts alsWorte— und was für Worte noch dazu l Außer dem Hinweis auf di« Arbeitsbeschaffungsbroschüre der SdP, die lediglich durch den blutigen Dilettantismus, mit dem hier an volkswirtschaftliche Probleme heran-' gegangen wird, Aufsehen erregt hat, enthielt die Rede des Herrn Rudolf Sandner an Greifbarem nur die Anregung auf Errichtung von Arbeitslagern— was Hitlern getreu abgeguckt ist— wobei Sandner recht unverblümt zugab, daß die Arbeiter in diesen Arbeitslagern ungefähr so entlohnt werden würden, wie bei dem von der SdP cingesührten„Landdienst". Im übrigen beeilte sich sowohl Herr Sandner wie sein Kollege Dr. Köllner, kaum daß sie ihren Speech beendet hatten, den Beratungssaal zu verlassen, ohne auch nur den Versuch zu machen, ihre angeblich eindeutig sozialen Rettungsbestrebungen durch Anträge zu konkretisieren und für die Annahme dieser Anträge sich einzusetzen. Die wirkliche Arbeit, die erforderlich ist, d«r notlejden- den Menschen im sudetendeutschen Gebiet Hilfe zu bringen, überließen die Herren großmütig den sozialistischen Parteien. Der Fascismus der verschiedenen Abarten hat die Demagogie zur höchsten Vollendung entwickelt pnd so kann auch dem Manöver der Hen« leinfascisten, sich„sozial" aufzuputzen, insofern« Erfolg beschieden sein, daß sich Leute täuschen lassen. Der Schaden aber, der ihnen daraus erwächst, wird so fühlbar sein, daß sie bald erkennen müssen: ja„eindeutig" ist die Einstellung der Platzvertreter des Hitlerismus, s o eindeutig, daß sich die betrogenen Arbeiterwähler mit Wut und Abscheu von ihnen abwenden werden. Auf vorgeschobenem Posten Der Parteitag der ungarischen Sozialdemokratie Sonntag und Montag hielt die ungarische Bruderpqrtei ihren diesjährigen Parteitag in B u d a p e st ab. In seinen Verhandlungen spiegelten sich die ungeheuren Schwierigkeiten, aber auch die zähe Lebenskraft der ungarländischen Arbeiterbewegung, die zu den exponiertesten Vorposten des europäischen Sozialismus gehört. Wenn man es nicht anders erführe, so würden manche Aeußerlichkeiten anzeigen, wie schwer der Druck der durch einen parlamentarischen Scheinbetrieb nur spärlich verhüllten Militärdiktatur auf der arbeitenden Bevölkerung dieses Landes lastet. Im Präsidium des Parteitages sitzt ein Poli- -«ioffizier. Jedes auf dem Kongreß gesprochene Wort wird von Polizeibeamten mitstenographiert. Mehr als ein halbes Hundert uniformierter Ordnungshüter hält das Haus besetzt. Dazu kommen noch zahlreiche Zivildetektive, so daß auf zwei Parteidelegierte ein Ueberwachungsorgan entfällt. An den Verhandlungen beteiligen sich mehrere Ber« trauenspersonen, die wegen„staatsgefährlichen" Reden auf dem letzten Parteitag zu Gefängnisstrafen verurteilt worden sind und sie demnächst antreten'müssen. Auch ein Teil des Redaktionsstabes der tapferen„Nepsava" sitzt hinter Schloß und Riegel. Nimmt man hinzu, daß auch geschloßene Versammlungen und Konferenzen der behördlichen Genehmigung unterliegen und daß manchen Provinzorganisationen schon seit zwei Jahren keine Mitgliederversammlung bewilligt worden ist, dann hat man eine ungefähre Vorstellung von den dornenvollen Wegen der ungarischen Arbeiterbewegung. Seit der Verschärfung des Gömböskurfes schwebt über der ungarischen Sozialdemokratie und den freien Gewerkschaften das Damoklesschwert der Auflösung. Diese Gefahr scheint sich in den letzten Wochen verringert zu haben, ist aber noch keineswegs gebannt. Um so bewundernswerter ist die Ruhe und Kaltblütigkeit der ungarischen Genoßen, mit der sie, auf weite Sichte planend und mit allen Eventualitäten rechnend, ihr Feld bestellen. Ganz im Geiste eines kaltwägenden sozialistischen Realismus war das Hauptreferat des Genoßen M o n u s gehalten. Monus, ein ehemaliger Schuhmachergehilfe und seit Jahren Sekretär der Parlamentsfraktion, hat sich in der Nachkriegszeit zum theoretischen Führer der Partei emporgearbeitet und ist bestrebt, daS beste geistige Erbgut der Bewegung mit dem Inhalte der Zeit zu erfüllen. Eine waffenstarrende Umwelt zwingt die ungarische Arbeiterbewegung zur stärksten weltanschaulichen Betonung ihrer geschichtlichen Sendung. „Der Gewalt muß die unsterblich« Macht der Id« entgegengestrllt werden." Der Verschärfung des reaktionären Kurses wurde ein systematisches Bemühen zur g e i st i g e n Vertiefung des Parteilebens entgegengesetzt. Die ungarische Sozialdemokratie hat trotz ihrer bitteren Armut kleine theoretische und zeitkritische Broschüren in einer Auflage von 400.000 und dazu 1,700.000 Flugblätter herausgegeben. Aus den Bedürfnißen der Tagespolitik ist in der Partei der Ruf nach einem sozialistischen Plan laut geworden. MonuS umschreibt dessen Bestim mung in der HerauSarbeitung der Forderungen auf dem Gebiete der Bodenreform, des Kreditwesens, der Schlüsselindustrien und der öffentlichen Arbeiten. Es soll aber kein Arbeitsplan sein, der von oben diktatorisch verfaßt, sondern aus der Grundstimmung der Massen geschöpft ist. Zur Lösung dieser Aufgabe wurde vom Parteitage eine sozialistische Plankommission gewählt. Der stimmungSmqßige Höhepunkt der Kongreßverhandlungen war das Montag erstattete Refert des Genoßen Abgeordneten Takacs über di« Lage der Landarbeiter und Kleinbauern und ihre Forderungen. Takats, von Beruf Zimmermeister und Kleinlandwirt, hat bei der letzten Wahl der Partei den einzigen bäuerlichen Wahlbezirk mit geheimer Abstimmung, Hödmezö- väsarhely, erobert. Sein Gegenkandidat war ein einflußreicher Staatssekretär von der Regierungspartei. Takacs wußte also einiges zu erzählen, mit welchen Mitteln das ungarische Landvolk heute niedergehalten wird und wie armselig das Dorfproletariat unter der herrschenden Latifundien- wirtschaft dahinvegetiert. Den roten Helden der ungarischen Dörfer, die sich lieber blutig schlagen laßen und mit ihren Familien das Hungerschicksal der Verfemten tragen, ehe sie ihre Ueber- zeugung preiSgeben, bereitete der ganze Kongreß bei den Ausführungen Takacs, die kein Auge trocken ließen, immer wieder stürmische Ovationen. Bei diesem Punkt der Tagesordnung entrollten noch einige weitere Redner aus den Reihen der Landarbeiter und der Bauern erschütternde Bilder von der Rechtslosigkeit und Bedrückung des ungarischen Landvolkes durch Großgrundbesitz und Bürokratie. Für unsere Henleinbauern wärt das sehr lehrreich anzuhören gewesen. Der Parteitag bekräftigte einmütig die von Takacs erhobene Forderung nach Durchführung einer radikalen Agrarreform. Die Eröffnungsrede deS Genossen Payer und daS Referat Buchingers über den Kampf gegen den Fascismus präzisierten die Stellung der Partei zu den innen- und außenpolitischen Problemen, soweit dies unter den obwaltenden Umständen getan werden konnte. Im Hinblick auf die Kriegsdrohungen fascistischer Staaten erklärte Payer:„Die Unterdrücker der Völker mögen aufpaßen. Wenn ein unterdrücktes Volk wieder einmal Waffen in die Hand bekommt, so wird es zu allererst mit seinen Unterdrückern abrechnen. Auf die ungarische Problemstellung übergehend» fügte er hinzu:„Es wär« katastrophal gus,dem Gesichtspunkt der Zukunft, wenn sich die Machthaber einem Diktaturtaumel ergeben würden die Verfassung zerbrächen und die noch bestehenden minimalen Freiheiten vernichten würden. Große Völker halten vielleicht diese Abenteuer aus. Ein kleine- Volk darf jedoch di« Sympathien der Welt nicht verlieren und den Frieden der eigenen Bevölkerung nicht gefährden." Buchinger sagte:„Ein absolutistisches System muß im Kriegsfälle nicht nur nach außen, sondern auch nach innen kämpfen und ist daher im Nachteil den demokratischen Ländern gegenüber. Wenn wir uns einem Fascismus anschließen, so ist das die sichere Niederlage." Dies war eine deutliche Absage der ungarischen Arbei- I Rechnungsabschluß für 1934 relativ günstig Defizit gegenüber 1933 stark reduziert Prag. Der Staatsrechnungsabschluß für 1934 wurde am Dienstag vom Obersten Rechnungskontrollamt der Nationalversammlung übergeben. Nach dem Rechnungsabschluß betragen die Ausgaben der eigentlichen Staatsverwaltung 8029 Millionen(gegenüber einem Präliminare von 7630), die Einnahmen 7774 Millionen(gegenüber 7631). Es ergibt sich also für die eigentliche Staatsverwaltung ein Defizit von 255 Millionen. Aus de« nicht prälimi- niertrn Ausgaben von 775 Millionen, denen Einnahmen von 689 Millionen gegenüber- stehen, ergibt sich em weiteres Defizit von 85 Millionen. Zusammen ergibt das einen Fehlbetrag von 340 Millionen. Dieses Ergebnis ist gegenüber dem Vorjahr bedeutend günstiger, denn 1933 betrug das Defizit 1484 Millionen. Auch das Defizit drrKassengeba- r u n g ist mit 705 Millionen gegenüber dem 1507-Millionen-Defizit im Jahre 1933 wesentlich günstiger. Der Verlust der Staatsbahnen ist um 165 Millionen auf 669 Millionen zurückgegangen, dagegen hat die Tabakregie gegenüber dem Voranschlag um 205 Millionen schlechter abgeschnitten, da ihre Einnahmen nur 1258 Millionen erreichten. terschaft an jene abenteuernden Kreise, die ihre Hoffnungen auf die Waffen Hitlers setzen. Wie ein roter Faden zog sich durch die Verhandlungen des Kongreßes eine Forderung, die bei uns schon vor dreißig Jahren erkämpft wurde, die aber heute noch für den Daseinskampf der ungarischen Arbeiter und Bauern lebenswichtig ist: nach einem gleichen, geheimen Wahlrecht. Ohne staatsbürgerliche Gleichberechtigung, ohne demokratisches Mitbestimmungsrecht der arbeitenden Massen kein sozialer Fortschritt— das ist Erkenntnis, die die ungarische Arbeiter- belvegung in fünfzehnjähriger Herrschaft der Konterrevolution gewonnen hat. In den politischen Referaten kam die Bereitschaft der Partei zum Ausdruck, zur Durchsetzung einer demokratischen Wahlreform mit allen wirklich fortschrittlichen Kräften des Landes zusammen- zuarbeiten. Aeußerst herzlich war die Aufnahme der BegrüßungSioorte der Delegierten der ausländischen Bruderparteien. Es sprachen C o m p t o n für die englische Arbeiterpartei, Soukup für die Sozialistische Arbeiterinternationale, Brocke für die belgische, Wonderberg für die hol- ländische, Jaksch für dl« sudetendeutsche, Z i- mal für die tschechoslowakische und Radi« c a n u für die rumänische Sozialdemokratie. Die Erwähnung Masaryks durch Genossen Soukup wurde vom ganzen Kongreß mit Ovationen quittiert. Für die schwerringende ungarische Sozialdemokratie war es von außerordentlicher moralischer Bedeutung, in so kritischer Situation der Oeffentlichkcit ihre enge Verbundenheit mit den demokratisch-sozialistischen Kräften des Westens, insbesondere mit der mächtigen englischen Arbeiterpartei vorkühren zu können. Sn verdient es, bei der Behauptung und dem Ausbau ihrer schwierigen Vorpostenstellung im Donauraum auch weiterhin von der brüderlichen Solidarität der ganzen Internationale unterstützt zu werden. 27 I VILLA OASE | oder: DIE FALSCHEN BORGER Roman von Eugene Dablt Berechtigte Uebertragung aus dem Französischen von Bejot Sie hatte die Arme um ihn geschlungen und seufzte hingebungsvoll auf. Er fühlte ihren starken, warmen Körper und warf sie aufs Bett. Als er vor dem Spiegel sein Haar ordnete und seine Krawatte festzog. sagte Irma, die. auf dem Bettrand sitzend, seinen Bewegungen mit den Blicken folgte: „Heute abend noch spreche ich mit Julien." „Mach keine Schnitzer. Ich will, daß alles freundschaftlich geregelt wird." Auf der Treppe kam ihm Blanche entgegen, die er galant begrüßte. Draußen ging er über den Damm, stellte sich aufs gegenüberliegende Trottoir, betrachtete die Front und erwog die Veränderungen, die nötig waren. Ein« Goldgrube, verglichen mit seiner Bude in Montpar- naste. Wenn auch vor dem Kriege Lenin dort gewohnt hatte, so waren die Geschäfte deshalb nicht besser geworden. Bor sich hinpfeifend, ging er weiter und musterte jedes weibliche Wesen. Es war sechs. Seit vierzehn Tagen erwartete er regelmäßig«ine junge Näherin vor ihrem Atelier— wie früher Irma. Je älter er wurde, desw mehr liebte er die Frauen und überließ es den anderen, sich mit Karten die Zeit zu vertreiben. Heute abend hoffte er, bei der Kleinen ans Ziel zu kommen. III. Julien füllte Wein ab. Plötzlich hört« er Lärm und erkannte die kreischende Stimme der Miß. Er setzte die Flasche aus der Hand, zog sich schnell die Hose hoch und ging nachdenklich die Treppe hinauf. Bor einigen Tagen, nach langem Zögern und vielen Unterhaltungen mit Alfred, hätte er sich entschlossen, seinem Teilhaber einen ausführlichen Bericht zu schreiben. Der große Felix und seine Frau erwarteten ihn im Büro. „Schon zurück?" „Als dein Brief eintraf, habe ich schleunigst gepackt, Ich sagte mir, entweder gcht alles schief, oder er hat den Kopf verloren." „Weder... noch," brummte Julien. Er betrachtete die Miß. Ihr rotblond ge» färbtes Haar siel weit in die Stirn, ihre welken Backen schimmerten in allen Tönen, und ihre sonst stumpfen Augen leuchteten. Lächelnd bemerkte er: „Sie sehen gut aus." „Ich hätte noch vierzehn Tage Ruhe brauchen können. Sagen Sie, Dicker, es ist doch nicht Ihr Ernst, daß Sie uns sitzen lassen wollen?" Julien war kein Freund von Auseinandersetzungen. Es haperte mit der Logik, und er verlor leicht den Faden, Er gab sich alle Mühe, die Situation zu erklären. Dabei verhedderte er sich, und seine Gründe wirkten nicht sehr überzeugend. Der große Felix zog die Stirn kraus, und die Miß lächelte höhnisch. Statt auszureden, schlug Julien mit der Faust auf den Tisch und schrie: „Ich habe alles in meinem Briefe gesagt. Wenn ihr es nicht verstanden habt, ist es mir schnuppe. Aber mein Entschluß steht bombenfest." „Du hast uns überrumpelt. Das war nicht freundschaftlich gehandelt. Ich hoffe aber, es war nicht dein letztes Wort." Julien ging in sein Zimmer. Die Idee, zu verkaufen, erschien ihm plötzlich nicht mehr verlockend. Vielleicht ließ er sich da in eine Sache ein, die ihm Verdruß bringen würde. Alles um Irmas willen. Sie schlief. Er rüttelte sie wach und schrie ihr, ohne sich um ihren Schreck zu kümmern, ins Gesicht: „Felix und die Miß sind da. Wollen von nichts hören..." So wie jetzt war er in den schlechten Zellen gewesen. Diese Miene hatte sie lange nicht mehr gesehen. Im Grunde war er ein schwacher, wankelmütiger Mensch. Dabei dachte sie an nichts anderes mehr als an den Verkauf, und Alfred hatte sein Hotel schon halb und halb losgeschlagen. „Wirst du dich etwa umstimmen laßen? Renommieren, dich wichtig machen, das kannst du. Aber, sowie es ernst wird... Setz dich' mal zu mir, Dicker." Sie richtete sich hoch und legte ihm den Arm um den Nacken. Dann wiederholte sie, was Alfted sie gelehrt hatte: Poincare werde den Franken stabilisieren, Fremde würden nach Paris kommen, nie wieder böte sich ein so günstiger Augenblick wie jetzt, das Hotel zu verkaufen. „Und dein Alfred wärmt sich an dem Feuerchen die Hände, he?" Sie erschrak. Hatte er etwa Wind bekommen? Aber er fügte ganz ruhig hinzu: „Ich tue es nur um deinetwillen. Wärst du nicht leidend, dächte ich nicht daran." „Schließlich, wenn du willst, arbeite ich weiter, Julien." Er beschwichtigte sie mit zärtlichen Worten. Natürlich verkaufte er. Felix müße sich eben damit abfinden. Die Antwort war ein Kuß auf Juliens Lippen. Sie preßte ihn an sich. Und er widerstand nicht lange und nahm sie. Sie aßen gemeinsam. Nachdem sie sich um den Hals gefallen waren, fragten die Miß und Irma einander nach ihrem Ergehen. Die Miß erzählte von ihren Leiden, Irma von ihren Krisen. „Na, Sie können sich ja bald pflegen", meinte die Miß.„Wir hatten nette Tage in Nizza. Abends trank man seine Aperitifs auf der Promenade des Anglais, dann warf sich Felix in seinen Smoking, ich machte große Toilette, und wir gingen ins Kasino." „Wir gehen nächsten Winter nach Nizza", erklärte Irma.„Aber vorher schaffen wir uns ein Auto an." Die Miß stand auf. Sie war satt. Irma folgte ihr bald nach. Die Männer blieben allein. Jeder kaute an den Worten seiner Frau. Das Schweigen wurde bedrückend. Es war ihnen nicht mehr möglich, mit der Schilderung eines Abenteuers oder mit dem Austausch ihrer Pläne darüber hinwegzukommen. Sie belauerten sich wie zwei Fremde. Julien warf plötzlich seine Serviette auf den Tisch. „Ich habe an Alfred telephoniert. Er mutz jeden Augenblick hier sein." „Bitte, ich stehe zur Verfügung", erwiderte der große Felix. Am selben Mend fuhren Irma und Julien in die Rue Bourquin zurück. Julien war zufrieden. Es war alles nach Wunsch gegangen. Alfted und der große Felix hatten keine Schwierigkeiten gemacht. Vielleicht würden sie noch einen Monat im Montbert arbeiten, um ihre persönlichen Angelegenheiten zu erledigen. Irma hatte die Wohnung nicht wiedergesehen. Schon an der Türe geriet sie in Begeisterung. Julien nahm sie um die Taille, und sie gingen wie ein junges Paar. Er wollte immer neue Bewunderung hören. Aber-sie war unversehens still geworden. Das machte ihn besorgt. Er wußte ja, daß sie keine Auftegung vertrug. Vielleicht war es bester, sie ruhte erst eine Weile aus. Sie saß auf dem Diwan im Salon und dachte daran, daß sie seit der Beerdigung nicht mehr zu Hause gewesen war. Hier, in dem Zimmer, war Helene gestorben. Julien hatte das Menschenmögliche getan, alle Erinnerungen an das furchtbare Erlebnis auszulöschen. Nene Tapete, ein neues Bücherregal, ein niedriger Tisch mit Ledersesseln. Bon den alten Möbeln war kein Stück mehr vorhanden. Alles war ordentlich, reinlich und zugleich behäbig. Plötzlich schrie sie auf. Ueber dem Kamin hing, an Stelle des Spiegels, ein Bild in einem goldenen Rahmen. lFortsetzung folgt.) Rr. 218 Mittwoch, 18. September 1935 Seite 3 Bühnenbrand Im Prager Ständetheater Kurz nach Besinn der Abendvorstellung— Publikum räumt diszipliniert den Zuschauerraum— In kurzer Zelt lokalisiert Legionärkundgebung in Aussig Am vergangenen Sonntag manifestierte die Aussiger Legionärgemeinde in eindrucksvoller Weise gegen den Fascismus. Ursprünglich sollte die Versammlung im Närodni düm abgehalten werden, da aber die Beteiligung sehr stark wurde, mußte man, da der Aussiger Marktplatz infolge des Jahrmarktes nicht frei war, den Sokolplatz in Schreckenstein für die Kundgebung in Anspruch nehmen. Neben dem Legionärabgeordneten David sprach noch Landesausschutzbeisitzer Doktor K u b i st a. Beide beschäftigten sich mit der durch die SdP heraufbeschworene Situation in der Republik und erklärten, daß es niemand einfalle, die Deutschen in der ESR als Bürger zweiter Klasse zu betrachten, aber man müsse von ihnen die Ueberzeugung haben, daß sie ernsthaft bestrebt seien, ihre Pflichten gegenüber dem Staat zu er- füllen und an seinem Ausbau mitzuarbeiten. Diese Ueberzeugung habe man-rber von der SdP nicht gewinnen können, desh».^, müsse man sich gegen das Treiben dieser Partei rechtzeitig zur Wehr setzen und aUe demokratischen Kräfte in der Republik sammeln und in ihrem Kampfe gegen den Fascismus unterstützen. Mit einem Appell zur Einigkeit beendeten die Redner ihre mit großem Beifall aufgenommenen Reden. Malypetr In Läny Amtlich wird gemeldet: Der Präsident der Republik empfing am Dienstag in Läny den Vorsitzenden der Regierung I. Malypetr. 900 Millionen Francs für Investitionen Paris. Das Arbeitsministerium teilt mit, daß große Fnvestitionsarbeiten zwecks Herabsetzung der Arbeitslosigkeit ausgenommen werden, die einen Gesamtaufwand von 900 Millionen Francs erfordern. Reben Straßenbauten, öffentlichen Gebäuden, Hafenarbeiten, Elektrifizierung des Landes und der Eisenbahnstrecken ist auch ein Betrag von 115 Millionen Franken für die Vorbereitung der großen Weltausstellung Dereitgestellt worden, die im Jahre 1937 in Paris stattfinden wird. Dieser Tage wurde der Abbruch des Troca- dero-Palais begonnen und der Bau zweier moderner Kunstmuseen aufgenomme»., die auch nach der Ausstellung bestehen bleiben. tob der Roten Armee Kiew. In der Staatsoper fand eine Aussprache über di« soeben beendeten Manöver der Sowsetarmee statt» an der auch die Mitglieder der französischen, italienischen und tschechoslowakischen Militärmiffionen teilnahmen. Volkskommissär Woroschilow würdigte lobend die militärischen Operationen und die Manöverorgannation. Bei einem Diner zu Ehren der fremdes Delegationen erklärte Distrikskommandant I a k i r:»Unsere Manöver sind keine Demonstra» tion gegen irgendein Land, sondern haben nur den Zweck zu erproben, ob die Rote Armee imstande ist, unsere Grenzen zu verteidigen und unseren ruhigen Aufbau zu sichern." Namens der fremden Militärmissionen antwortete der tschechoslowakische Generalstabschef Kreiii. Er sagte u. a.: Wir sind überzeugt, daß die Rote Armee alle Anstrengungen gemacht habe, um di« besten Methoden der modernen Kriegstechnik aufzufinden. Die Rote Armee bahnt sich den Weg zur künftigen Taktik und unter diesem Gesichtswinkel muß sie zu den fortgeschrittensten Armeen der Welt gezählt werden. Die völkerrechtliche Ste lling des Suezkanals Der italienisch-abessinische Konflikt hat mit der Möglichkeit von Völkerbundsanktionen die Frage einer Schließung des Suezkanals in den Mittelpunkt des Interesses gestellt und damit die Frage der völkerrechtlichen Stellung des Kanals aus der Sphäre akademischen Interesses in die bedeutungsschwere Aktualität verlegt. Die Tätigkeit der Societö Universelle du Canal Maritime de Suez beruht auf zwei 1854 und 1855 gewährten Konzessionen des VizekönigS von Aegypten. Sie unterliegt französischem Recht, in letzter Instanz ist das Appellationsgericht in Paris zuständig. Seit den Unruhen des Jahres 1882 ist der Kanal von englischen Truppen besetzt; damals wurde er auch zum erstenmal für jeden Verkehr geschloffen. Infolge dieser Ereignisse wurde 1888 eine-in t e rn atio na Ie Konvention über die freie Durchfahrt durch den Kanal abgeschlossen, die von England allerdings erst 1904 ratifiziert wurde. Der erste der siebzehn Artikel der Konvention besagt, daß der Suezkanal»für alle Handels« und Kriegsschiffe ohne Unterschied der Flagge in Frie» deps- und Kriegszeit immer frei und offen sein soll" und daß sich deshalb di^ vertragschließenden Parteien verpflichten,„in keiner Weise die freie Benützung des Kanals in Friedens- sind Kriegszeit zu verhindern. Der Kanal soll nie für die Ausübung des Blockaderechtes benützt werden". Die Konvention gibt also an sich keine Handhabe für die Sperrung des Kanals. Sie er« Prag. Die Direktion des Rational- iHeaters teilt mit: Dienstag abends fingen bei der Aufführung des Lustspieles„RozkoSnä ptihoda" im Stände« theater zehn Minuten nach Beginn des ersten Aktes wahrscheinlich von einer Starkstromlampe der am Fenster der rechten Bühnenseite aufgehängte Vorhang und von diesem die in der Räh« befindlichen Vorhänge und alle übrigen Dekorationen Feuer. Es entstand ein Brand, der aber dank dem sofortigen Einschreiten des technischen Personal-, das unbekümmert um die Gefahr die ersten Maßnahmen zur Löschung des Feuers traf, keine größeren Ausmaße annahm. In Minuten fand sich bereit- die volle Feuerwehrmannschaft rin, dir sofort die LöschungSarbeitrn aufnahm und den Brand in kurzer Zeit lokalisierte. Die Zuschauer wahrten ebenso wie die Schauspieler auf der Bühne vollkommene Ruhe und alle verließen daS Theatergebäude ohne jegliche Panik. Rach 22 Uhr werden auf der Bühne des DtändetheaterS die Aufräumungsarbeiten fort- gesetzt. Mittwoch früh wird bereits um 7 Uhr die amtliche Kommission zusammentrrten, welche über di« Bewilligung zum Weiterbrtrieb des Theaterentscheiden wird. Da der Brand bald gelöscht wurde und keine größeren Schäden an der Einrichtung und an der Sicherheit, des Ständetheaters G e n f. Der Fünferausschuß des Bölkrr- bundrateS einigte sich Dienstag abends bereits völlig über die Vorschläge, welche Italien und Abessinien werden unterbreitet werden, doch wird er am Mittwoch noch eine Sitzung abhalten, um die Dchlußredaktion vorzunehmen. Sobald der Fünferausschuh von Italien und Abessinien di« Antwort erhalten habe» wird, wird er dem Völkerbundrate Bericht erstatten. Es wird versichert, daß der Ausschuß Vorschlägen wird, daß Abessinien wirtschaft- licheund finanzielle Berater, deren Staatsangehörigkeit aber nicht angeführt ist, annrhme, ferner, daß Maßnahmen zum Schutz d e r i t a l i e n i sch- a b e s s i n i- schen Grenze und zur Gewährlüstung der Sicherheit der italienischen und der anderen in Abessinien ansässigen fremden Staatsangehörigen getroffen werden. ES werde auch daS Angebot wiederholt werden, daß Großbritannien Abessinien eine« Streifen seines DomaligebirteS mit dem Hafen Zeila abtreten wolle. heue Drohungen Mussolinis Paris. Mussolini gewährte dem Berichter- stäcter des„M a t i n" ein Interview, in welchem er in scharfer Weise das Vorgehen Englands kritisierte.»Wir erachten es als ungeheuerlich", sagte Mussolini,»daß dieses Volk, welches die Welt beherrscht, uns eine armselige Parzelle Bodens unter der afrikanischen Sonne versagt." Mussolini erklärte neuerdings, daß die geplante Kolonialaktion Italiens in Abessinien die folgte außer dem oben angeführten Fall auch während des Weltkrieges nur für kurze Zeit, als Aegypten durch den türkischen Vormarsch gefährdet wurde. Deutschen Schiffen, die sich bei Kriegsausbruch im Kanal befanden, wurde die freie Passage nicht verweigert, aber ihr Verweilen im Kanal unmöglich gemacht. Allerdings verhinderte dann die brttische Flotte den Eintritt von feindlichen Schiffen in den Kanal. Auch in früheren Kriegen wurde die Passage gestattet: die spanische Flotte passierte während des Spanisch- Amerikanischen Krieges im Jahre 1898, die russische während des Russisch-Japanischen Krieges im Jahre 1904—1905. Welche Möglichkeiten bestehen also, die Durchfahrt italienischer Schiffe, die für die Operationen gegen Abessinien bestimmt sind, zu verhindern? Der Völkerbund könnte die Kanalkonvention für unvereinbar mit dem Völkerbundpakt erklären— wenn sie nicht in den Friedensverträgen ausdrücklich anerkannt wäre. Eher wäre eine Modifikation der Konvention auf Grund des Artikels 19 des Bölkerbundpaktes wegen Unanwendbarkeit möglich. Aber gesetzliche Bestimmungen sind unwirksam, wenn nicht eine Macht hinter ihnen steht. Die Sperrung des Kanals mühte maritimen Großmächten, in diesem Falle England und Frankreich, übertragen werden. Die Erfahrungen des Weltkrieges zeigen, daß es nicht so sehr um die Sperrung des Suezkanals geht, wie darum, die Zufahrt zum Kanal im Mittelmeer und im Roten Meer unmöglich zu machen. Sanktionen unter Artikel 16 wären nicht nur diplomatischer und wirtschaftlicher Natur, sie wären für den Fall des Widerstandes des als Angreifer erklärten Staates auch militärisch. Das verursachte, hofft die Direktion, daß im Theaterbetrieb keine Unterbrechung eintreten wird. Weitere Nachrichten werden der Bevölkerung in der Tagespresse und durch den Rundfunk bekanntgegeben werden. Minister für Schulwesen und Bolksanfklä- rung, Dr. KrLmär, der der Vorstellung im Rattonaltheater beiwohnte, wurde vom Direktor des Rattonalthraters Dr. MojZts-Lom über den Verlauf des Brandes informiert. * Geistesgegenwärtige Schauspielerin Wie wir ergänzend erfahrm, wurde durch die Geistesgegenwart der Schauspieler, insbesondere der Frau Mila P a L o v ä, die bei Ausbruch des FeuprS gerade auf der Bühne war und die Zuschauer mit den Wort« beruhigte, daß daS Feuer auf der Bühne zu dem vorgeführ- t e n Stück gehöre, eine Panik verhindert. Dir Zuschauer blieben ruhig auf ihren Plätzen. Rach Herablassen des Eisernen Vorhanges forderten Polizeibeamte die Zuschauer auf, doch für alle Fälle daS Theater zu verlassen. Die Zuschauer wahrten auch dann dir Ruhe und verließen in vollkommener Ordnung das Theater. Bei den Löscharbeiten wurde ein Theaterangestellter leichter verletzt. Sicherheit der italienischen Ansiedlungen sind die Expansion für seinen starken Bevölkerungszuwachs, welcher nicht Hungers sterben will, garantieren will.»Wir haben bereits eine Million Mobilisierter und das ganze Land ist vorbereitet, freudig ihrer noch mehr herzugeben. Auf das von mir gegebene Zeichen wird die gewalttgste Kundgebung eines entschiedenen Volkes zu sehen sein: Zehn Millionen Mobilisierter innerhalb eines Tages. Und im Bedarfsfälle werden wir noch mehr sehen, namentlich, wenn beispielsweise einige wagen würden» gegen«nS militärische Aktionen einzuführen." Mussolini anerkennt die freundschaftlichen Bemühungen Frankreichs im italienisch-abessinischen Konflikt und warnt die übrigen Rationen, die sich gesagt sein lassen sollen, daß die Verkündung von Sanktionen bedeuten würde, die Gefahr einer Aenderung der europäische» Landkarte zu riskiere«. o> Zu der Behauptung, daß Mussolini der englischen Regierung seine Absichten in Abessinien bereits am 29. Jänner d. I. bekanntgegebrn habe, wird in amttichen britischen Kreisen erklärt, daß Mussolini tatsächlich zu Beginn des Jahre- Beratungen mit der brittschen Regierung über ein« eventuelle Expansion Italien- in Abessinien an- knüpfte, daß aber niemals von einer militärischen Aktion die Red« war. gilt in stärkstem Maße für den Suezkanal, der nur unter Anwendung von S«estreitträften gesperrt werden kann. Wenn sich aber Mitglieder des Völkerbundes zur Anwendung von militärischen Sanktionen als ultimo ratio entschließen, verliebt die Sperrung des Kanals ihre Bedeutung. Es wird sich mehr um die Verhinderung der Annäherung an den Suezkanal als um ein Transitverbot handeln. Es scheint also, daß die Diskussion über die Sperrung des Suezkanals das Problem verschleiert Und die Gefahr einer Verschleppung birgt, da sie an wichtige und grundsätzliche Fragen des Völkerrechts rührt, die nur von einem großen und schwerfälligen Apparat gelöst werden können. Soll die Frage der Verbindlichkeit der Kanallonvention nicht der Anlaß neuen Zauderns und Zögerns werden, das viel verderblicher ist als ein klares Ja oder Nein, dann wird es gut sein, die Lage so anzusehen, wie sie sich in Wirklichkeit darstellen wird: nämlich als die Frage maritimer Operationen im Mittelmeer, die sich nicht auf die Eingänge deS Suezkanals beschränken, sondern z. B. auch in den Straits von Gibraltar erfolgen würden. Deutlich zeigt sich wieder einmal die unlösbar« Verflechtung aller Ereignisse in der internationalen Sphäre und die Unmöglichkeit, bestimmte Ereignisse zu lokalisieren. DaS rückhaltlose Bekenntnis des britischen Außenministers Sir Samuel Hoare zum Völkerbund und allen aus dem kollektiven Sicherheitssystem resultierenden Verpflichtungen hat den großen Vorteil, Italien die große Gefahr vor Augen zu führen, die die abessinische Expeditton mit sich bringt, und es vielleicht dadurch noch im letzten Augenblick verhandlungsbereiter zu machen. O. F. Wahrheit Uber Schuschnigg wird beschlagnahmt... Die Nazirebellion im Schiischnigglager Wien. Die gestrige„P r a g e r P r r s s e" wurde in Wien beschlagnahmt, weil sie eine Meldung des englischen Blattes„Sundny Referee" über geplante Aenderungen in der österreichischen Regierung veröffentlichte. In der Meldung der„Prager Presse" heißt es:„Der deutsche Gesandte in Wien, von Pa• pen, hat ein Programm für die Verhakenkreuz- lerung Oesterreichs ausgearbeitet, das die Entfernung des BUndeSkänzlerS Schuschnigg, des Prinzen Starhem- b e r g, Major Feys, des Außenministers Ber- ger-Waldenegg und des Handelsministrrs Stockinger aus der Regierung vorsieht. Im. engen Einvernehmen mit Herrn Papen stünden der nazifreundliche Landeshauptmann von Tirol, Herr Rehrl und der Landeshauptmann Gleißner von Oberösterreich, der allgemein als Nachfolger Schuschniggs genannt wird. Landeshauptmann Rehrl, der in die Diskussion eingriff, soll dem Bundeskanzler mit der R e v o l t e der Landeshauptleute von Tirol, Oberösterreichs, Steiermark und Kärnten und mit der B o y k o t- t i e r u n g aller Regierungsverordnungen durch die österreichischen Provinzen gedroht haben. Bundeskanzler Schuschnigg sei durch die heftige Szene derart erschüttert gewesen, daß er in Tränen ausbrach. ...und dementiert Bon kompetenter österreichischer Stelle wird gemeldet: Die von der englischen Zeitschrift ^.Sunday Reference" gebrachte und von einigen Blättern übernommene Mitteilung über die Bildung einer prodeutschen Regierung in Oesterreich unter Leitung des Landeshauptmanns von Oberösterreich Gleißner, welcher unter angeblicher Einflußnahme des deutschen Gesandten in Wien» von Papen, erfolgen soll sowie alle daran geknüpften Behauptungen entbehren jeder Grundlage und sind frei erfunden. Schuschnigg bereitet die„Musterung 4* vor Wim. Der Bundeskulturrat erledigte gestern die Vorlage betreffend Konskription der österreichischen Bevölkerung. Diese Konskription wird im Bedarfsfälle auch als Militärzensur dienen. Amerika steht zum Kellogg-Pakt Rew Bork. Roosevelt und Norman Davis besprachen die Situation in der Srerüstungsfrage sowohl vom allgemeinen Stand, punkte auö als auch mit Bezug auf die europäische Krise. DaviS hat nach der Aussprache erklärt, daß der Kellogg-Pakt den Vereinigten Staaten di« Pflicht auferlege, zur Erhaltung des Frieden- beizutragm. bloch keine Zusammenstöße Genf. Nach Meldungen über militärische Vorberritungm der beidm Parteien in Afrika habm sich Gerüchte verbreitet, daß es bereit- zu Zwischenfällen und Zusammenstößen zwischen italimischm und abessinischen Truppm gekommm sei. Die italimische Delegation beim Bölkerbwid dementiert diese Gerüchte in aller Form. französische Bauernfront propagiert Steuerstrelk Paris. SamStag wird der Ministerrat zusammentreten, welcher sich u. a. mit Abwehrmaßnahmen gegen die Propaganda der»Bauern» front" befassen wird, welche die Landwirte zur Einstellung der Steuerzahlung als Zeichen der Unzufriedenheit mit der landwirtschaftlichen Politik der Regierung auffordern. Laval für Einsparungen Im Völkerbundetat Genf. Der französische Ministerpräsident Laval nahm Dienstag an der Sitzung der Budgetkommission des Völkerbundes teil und verteidigte in derselben den Antrag, die Gesamtausgaben de- Völkerbundes um 10 Prozent zu reduzieren. Er erinnerte daran, daß in gleicher Weise das französische Staatsbudget gekürzt wurde und erklärte, daß er in der nächsten Sitzung des französischen Parlamentes beantragen werde r, den französischen Beitrag für den Völkerbund um 10 Prozent herabzusetzen.. 30.000 Mann gegen unruhige GrenzstSmme Simla. Zur endgültigen Unterdrückung der andauernden Grenzaufftände der Mohammedaner in der Umgebung der großen Gandab-Straße an der indischen Nordwestgrenze sind jetzt von der indischen Regierung 80.000 Mann Militär zu« sammengezogeu worde» Fünferausschuss fertig Seite 1 Mittwoch, IS. TeptcmLcr 1935 Nr. 218 MMWllM M N WW M Zahlreiche Schiffe gesunken— Ostafrikadampfer in Seenot London. An der englischen Küste, vor «llem im ,,St a n a l" wütet feit Dienstag nachts ein verheerender Orkan. Stündlich treffen neue Meldungen über den Untergang kleinerer Schiffe ein, große Urverseedampfer sind in schwerste Seenot geraten und funken Hilferufe. In dem Schiffs- und Flugverkehr über den? Kanal La Manche und über die Nordsee herrscht völlige Verwirrung. Einige Strecken sind vollkommen unterbrochen. In Ramsgate sind 15 kleine Schiffe«ntergegan- g en und rin Matrose ertrunken. Die in Southampton vor Anker liegenden Schiffe wurden von dem Sturm stark beschädigt und viele vo» ihnen an den Strand geschlendert. Mindestens 6 Jachten müssen als verloren gelten. Der britische Kreuzer„M aryKingsleh" liegt beim Kap Land's End am westlichen Ende Cornwalls fest und ruft um Hilfe. Das Schiff hat 50 Mann Besatzung und einige Passagiere an Bord. Es hat eine Fracht Lokomotiven nach Ostafrika zu befördern. An der Küste von Land's End und über den nahen Scillt)-Inseln wütete ein Sturm, der 150 Stundenkilometer erreichte. Im weiten Umkreis sind alle Telephon- und Telegraphenleitungen zerstört und das Land von Ueberschwemmungen betroffen. Ein zweiter britischer Dampfer,„Bromp- tors Manor" ist bei der Insel Wight im Kanal La Manche in Secnoj geraten und funkt SOS-Rufe. Der Dampser^ legt sich immer mehr auf die-Seite, die Kommandobrücke wurde zerstört und der Kckpitän über Bord gespült. Zahlreiche Schiffe flüchteten in die Meerengen von Solent und Spithead zwischen der Insel Wight und der südcnglischen Küste. Riesige Wogen verursachten große Schäden an der Küste von'Deal, nördlich von Dover. Das Motorschiff „Frank" wurde bei Goodwin Sands, einer Gruppe kleiner Inseln südöstlich von Dover, gegenüber von Deal, angctrieben und befindet sich in schlechter Position. Schwere Böen an der deutschen Nordseeküste Die in der Nacht an der englischen Küste herrschenden schweren Stürme suchten am Dienstag-mit unverminderter Heftigkeit auch die deutsche N ör d s e e k ü st e heim. Ueber die friesischen Inseln brauste der Sturm mit der Stärke elf hinweg und steigerte sich in einzelnen Böen sogar bis zum Orkan. Um die Mittagszeit toste, der Sturm am heftigsten und peitschte das Meer in lqngandäuernden Böen, wie sie seit Jahren im ganzen Gebiet nicht beobachtet wurden.'.Schiffsunfälle sind bisher nicht bekannt geworden. Fliegertod bei Königgratz Königgrätz. Dienstag um 8 Uhr 20 Minuten havarierte in einer Höhe von 1200 Metern unweit des Flugplatzes bei Königgrätz ein Flugzeug des Flieger-Regimentes Rr. 4. Die Maschine steuerte Oberstleutnan t-Feld- pilot Flieger BorisDragoun, der in einen Trudel geriet, wobei es ihm nicht mehr gelang, die Maschine ins Gleichgewicht zu bringen. Die Maschine stürzt« ab und der Pilot erschlug sich. An den Ort des Unfalles wurde eine Sonderkommission des Militärtechnischen und-Flieger-Jn- stitules ans Prag entsandt. Oberstleutnant Boris Dragoun gehörte zu den ältesten tschechoslowakischen Militärfliegern und war russischer Legionär. Lepejs»Kompagnon" entkommen vorwärts zu kommen, mußte unter freiem Himmel lagern und' Zurückbleiben, während die anderen,'denen es'gelang, ein Obdach zu erreichen, Rettungsmannschaften alarmierten und die Hilfeleistung organisierten. Fünf zurückgebliebene Bergsteiger fanden mittlerweile den Erfrierungstod., Sieben Todesopfer eines Amokläufers Amsterdam. Nach telegraphischen Meldungen aus Medan auf Sumatra fielen in der Ortschaft Kwala BaNgko in der Landschaft Kwaloen sieben Personen, darunter drei Frauen, einem Amokläufer zum Opfer. Ferner wurden zwei Frauen schwer und sieben Männer leicht verletzt. • Das Drama ereignete sich während einer religiösen Zusammenkunft, bei der sich die Dorfbewohner zehn Tage lang in einem engen Raum einschließen ließen. Mitten in dieser religiösen Zeremonie erklärte plötzlich ein an ihr teilnehmen der Malaje, er habe Allahs Stimme gehört, der ihm befohlen habe, ihm Menschenopfer darzubringen. Er ergriff darauf ein scharfgeschliffenes Messer und richtete damit in dem engen, von außen verschlossenen Raum ein furchtbares Blutbad an. Vor den Augen der Gattin und der Kinder... Böhm.-Budweis. Der 32jährige Angestellte der Staatsbahn Franz Verner aus Srubec bei Budweis wurde auf der Staatsstraße bei Kaplitz von einem Personenauto erfaßt und zu Boden geschleudert; er wurde auf der Stelle getötet. Der Unglückliche hinterläßt Frau und Kind, die Augenzeugen seines tragischen Todes waren. Der Lenker des Autos, Josef K l i m e s, wurde verhaftet. Tie im Zuge befindliche gerichtliche Untersuchung wird ergeben, wer die Schuld an dem Unglück trug. Gi«e«nglürkliche Mutter Eine entsetzliche Tragödie hat sich am Sonntag abends am Egerufer in K a r l s b a d abgespielt: Eine junge Mutter suchte mit ihrem 2% Jahre alten Kind den Tod in der Eger. Die Frau könnte dem Leben wiedergegeben werden, während das M ä.d e r l den T o d gefunden hat. Im Krankenhaus gab dje Gerettete an, daß sie Anna Hollitzer heitze, 22 Jahre alt sei und in Wernsdorf(Bezirk Kaaden) wohne. Ihr Gatte, Ambros Hollitzer, sei ein ar beitsloser Monteur. Nach einer ehelichen Auseinandersetzung sei sie nach Karlsbad gefahren und tvollte da Selbstmord veiüben. In der Nähe des Bootshauses des Wasser- und Wintersportvereines ging sie mit dem Mäderl ins Wasser. An dieser Stelle sei aber zu wenig Wafler gewesen und sie sei wieder herausgekrochen, das Kind immer fest an sich gepreßt. Am Wege aber stürzte Frau Hollitzer zusammen und verfiel in Ohnmacht. Als sie im Krankenhaus erwachte, wußte sie noch nicht, daß ihr Mäderl ein Opfer des Selbstmordversuches geworden war. Nach ihrer Entlassung aus dem Krankenhaus wird wahrscheinlich. gegen die unglückliche junge«Mutter ein Strafverfahren eingeleitct werden. Wird Goebbels sterilisiert? Zwei Stunden nach den Reden verschiedener Wahnsinniger auf dem Nürnberger Reichstag hat der Moskauer Rundfunk über die Versammlung von Narren in herzhaften Worten seine Meinung geäußert. Man könnte es vielleicht als eine rethorische Redewendung betrachten, wenn dabei Goebbels, der Mann mit dem Klumpfuß, als ein Subjekt, War MW W ei» neues Bett UZHorod. Die Nachforschungen nach dem ge^ flüchteten Räuber Klevec wurden ergebnislos die ganze Nacht hindurch fortgesetzt. Einige Spüren erwiesen sich als falsch. Man glaubt, daß Klevec, der wahrscheinlich v e r w u n d e t ist, sich bei irgendeinem seiner Bekannten in der Umgebung der Gemeinde Prislop versteckt hält. Ein Teil der Gendarmeriemannschast, die sich an der Verfolgung des Räubers beteiligt hatte, kehrte gestern in ihre Ubikationen zurück. DeS großen Räubers letzter Weg Montag abends fand in der Dämmerung hei Regenfall das einfache Begräbnis Lepejs statt, an welchem etwa 150 Personen teilnahmen. Vor dem Sarge schritt ein griechisch- katholischer Geistlicher, der am Grabe das Zeremoniell vornahm; hinter dem Sarge schritt lepejs Gattin, die den ganzen Tag hindurch weinte, obwohl sie mit dem erschossenen Gatten nicht im Guten zusammengelebt, hatte; dann folgten LepejS Kinder, ein 12jähriger Knabe, ein 14jäh- riges und ein 16jähriges Mädchen. Das Begräbnis fand in vollster Ruhe statt. Eine halbe Million Menschen Priping. Von der Ueberschwenunungskata- strophe des chinesischen Riesenstromes H o- anghö, die vor kurzem gemeldet wurde, werden nun erschütternde Einzelheiten bekannt. Der Fluß hat nicht bloß feine Dämme gesprengt, er hat sein bisherigesBett vollständig v e r l ass e n und die gewaltigen Fluten wälzen sich nun vernichtend auf der Suche nach einem neuen Flußbett über das bewohnte Land. Die Wiederherstellung des durch die Katastrophe auf weite Strecken durchbrochenen Hoangho- D a m m e s scheint sehr zweifelhaft. Es bleibt nichts übrig, als den Hoangho auf seiner Suche nach einem neuen Flußbett ungehindert gewähren zU lassen. Die Wassermassen beginnen, sich eilten Ä b f l u ß n ach O st e n hin zu suchen, offenbar in derselben Richtung, in der bis 1852 das alte Flußbett des Hoangho verlief.. auf der Flucht vor den Fluten Die Provinz S h a n t u n g sicht der Tatsache entgegen, daß der durch die Ueberschwem- mung gebildete Riese nsee noch mehrere Jahre weiter bestehen kann. Jin Vordergründe aber steht jetzt die Frage der Not der von der Katastrophe Heimgesuchten. Es ist notwendig, wenigstens eine halbe Million Menschen bis ziun Frühjahr aus öffentlichen Mitteln zu erhalten.' Die Provinzialverwaltung von Shantung hofft, mit der Bereitstellung von e ineinhalbmexikanischen Dollars auf den Kopf und für den Monat den Lebensunterhalt der Unglücklichen wenigstens einigermaßen zu sichern. Aber auch schon diese Anforderungen an die öffentlichen Mittel dieser Provinz dürften di« Leistungsfähigkeit dieses armen Gebietes übersteigen. Mörderin ihrer Kinder Königgrätz. Vor dem hiesigen Schwurgericht Hatte sich Montag Milada Balcarovä aus Wrschowitz bei Tr o p p a u zu verantworten, dix am ersten Oktober v. I. ihre zwei unehelichen Kinder erwürgt hatte. Die Balcarovä war Ende September 1934 zum Vater eines ihrer Kinder nach Jaromek gekommen. Damals kam ihr der Gedanke, sich ihrer Kinder zu entledigen. Sie kaufte Lysol und Salzsäure und versuchte, das Lhsol den Kindern in den Mund zu schütten. Das gelang ihr nicht. Als dann die Kinder nachmittags schliefen, verfiel sie auf den Gedanken, die Kinder zu erwürgen und führte ihre'Absicht auch durch, zuerst an der siebenmonatigen Ludmilla und dann an dem dreijährigen Bohumil. Nach der furchtbaren Tat versuchte die Balcarovä Selbstmord zu verüben. Der Prozeß der Balcarovä hätte bereits in der Frühjahrsschwurgerichtsperiode verhandelt werden sollen, da aber der Verteidiger der Balcarovä den Antrag auf Prüfung des Geisteszustandes der Angeklagten gestellt hatte, wird der Fall erst, jetzt verhandelt. Fünf Alpinisten erfroren Mailand. Wie aus Sondrio gemeldet wird, ist im Bal Masino bei der Rückkehr von einer Besteigung der 3328 Meter hohen PuntaRa- s i c a eine Gruppe von MailänderBerg- steigern von einem S ch n e e st u r m über- kascht worden. Ein Teil, dem es unmöglich war. Bereit zum Transport von„Menschenmaterial"... Eine strategisch wichtige Eisenbahnstrccke in Ervthräa ist die einzige Linie in Jtalienisch-Ost- afrika von Mafsaua nach Asmara. Im Kriegsfälle kommt diesem Schienenwege, der, wie unser Bild zeigt, von Motortriebwagen befahren wird, größte strategische Bedeutung zu; denn Asmara liegt nahe bei Adua wo die Italiener, mst ihren militärischen Operationen beginnen wollen. das klar unter die Sterilisierungsparagraphen solle, bezeichnet wird. Es ist aber eine nüchterne Tatsache, daß Josef Goebbels unter diese Paragraphen gehört. Im letzten Monat hat das Danziger Erbgefundheitsgericht unter dem Vorsitzenden Dr. Kaiser die Unfruchtbarmachung eines Mannes wegen eines vorhandenen Klumpfußes beschlossen. In der Begründung heißt es, daß ein angeborener Klumpfuß ein Entartungsmerkmal sei, das auf Minderwertigkeit schließen lasse. Nun fällt aber gerade nicht der Mann vor dem Danziger Erbgesundhestsgericht— dessen Klumpfuß nachgewiesenermaßen die Folge zweier Operationen nach einem Sturz mit Fußverlct- zung war— darunter, aber eindeutig der Doktor Josef Goehbels. Diesen rettet also nur die doppelte deutsche Rechtsprechung vor einem in diesem Falle wohlverdienten Schicksal. Krieg der Dörfer bei einer Tanzunterhaltung. In dem Orte Malä Ida bei Kaschau fand Sonntag abends eine Tanz unterhaltung statt, wobei gegen Mliittcrnacht ein Streit zwischen den jungen Männern zweier Dörfer ausbrach. Hiebei stach Pavel I e ü aus Malä Ida den Ondkej P a l k o aus Horyöany mit einem langen Taschenmesier direkt ins Herz, so daß Pälko tot zu Boden sank. Das Motiv der Tat war Eifers u.ch t. Blutige Lirbestragödie bei Leitmeritz. Der Maurer Otto Kunz aus Trnowan tötete durch einen Kopffchuß aus einem Trommelrevolvcr seine Freundin Anna Schaffer aus Leitmeritz und nahm sich durch einen Schläfenschuß selbst das Leben. In der letzten Zeit hatten sich dem Vorhaben des Paares, zu heiraten, Schwierigkeiten entgegengestcllt, pie schließlich zu Differenzen zwischen Kunz und die Schaffer führten. Die Schwierigkeiten haben in den beiden jungen Menschen den Entschluß reifen lasten, fieiwillig aus dem Leben zu scheiden. Die Leichen wurden in einem Hopfengarten durch einen Eisenbahner entdeckt. Die Ballonfahrt ins Blaue. Bisher ist nur das'Schicksal von vier von den dreizehn zum Gor- don-Benett-Wettbewerb aufgesttegenen Ballons bekannt, und zwar des Ballons„Zürich 3" und des Ballons„Deutschland", der bei Kemerw gelandet ist. Dieser Ballon, der eine Höhe von 2000 Metern erreicht hatte, kam in eine kritische Situatton, als sich der Anker an einem Fabrikschornstein verfing. Am Dienstag um 18 Uhr 30 landete ferner der deutsche Ballon„Albert Hildebrand" beim Dorfe Dulebina auf dem Gebiete der Weißruffischen Republik(600 Km.) und der belgische Ballon„Brüssel" bei Lubicz auf weißruffischem Gebiet(660 Km.). Der Prinz von Wales ist in Wien erkrankt und wird seinen Aufonthalt um drei Tage verlängern..müsten. Er war. Dienstag ,nachmittag-Z, bei, dem Vorstand der Klinik für Ohxerr, Nasen und Kehlköpfkrankheiten Profeffor Heinrich Neumann erschienen, in besten Behandlung er sich begab.-Der Prinz-wird-sich-einer leichten Ohrenoperation unterziehen müsten. * Acht Todesopfer der SchiffSexplosion. Nach amtlichen Mitteilungen aus Tokio wurden bei der Explosion auf dem Kreuzer„Ashigara" acht Besatzungsmitglieder getötet und 33 verwundet. Soldatenselbstmord. Dienstag vormittags erhängte sich auf dem Boden der Kaserne des Artillerie-Regiments Nr. 2 in Pilsen der aus der Gemeinde Vesely, Bezirk Nämestovo stammende Soldat Jos M a l k u t, ein Slowake. Die Ursache des Selbstmordes wird durch eine Kommistion untersucht. Ein« Möbel-Ausstellung. Am Sonntag, dem 22. September, wird im Institut für Gcwerbeförde- rung in B u d w e i s eine Jubiläumsausstellung der Möbelindustrie feierlich eröffnet werden. Tie Ausstellung wird von Erzeugnissen dersüdböh- mischen Möbelindustrie zahlreich beschickt sein. Der Postdienst am 28. September. Am 28 September l. I. wird der Dienst im Post-, Telegraphen- und Telephonverkehr wie an Feiertagen versehen. Die Post wird auch in Land- briefttägerbezirken zugestellt werden. Vom Rundfunk iMpfaMantwertM«ms«Ian Programmen! Donnerstag: Prag, Sender L: 10.05: Deutsche Presse, 12: Schallplatten, 12.30: Salonorchesterkonzert, 15: Konzert des Präger Salonorchesters, 18.: Operettenmusik auf Schallplatten, 18.20: Deutsche Sendung: Dr. Schiff: Berufsberatung für Mittel» und Hochschüler auf psychotechnischer Grundlage, 19: Deutsche Pteffe, 19.25: Militärkonzert, 22.35: Tanzmusik.— Sender S: 7.30: Leichte Musik auf Schallplatten, 14.15: Deutsch- Sendung: Jng. Schmelz: Neue Ansichten über die tödliche Wirkung des elekttischen Stroms, 14.30: Deutsche Opern auf Schallplatten.— Brünn 13.35: Deutscher Arbeitsmarkt,£7-40: Deutsche Sendung: Arbeiterfunk: Matern«: Sozialismus als Weltanschauung und Lebensform, 18.20: Leichte Musik.— Mährisch- Ostrau 18.20: Deutsche Sendung: Koneczny: Klaviermusik für Kinder, 21.30: Orchesterkonzert.— Prehburg 18.35: Violinkonzert.— Kascha« 16.30: Orchefterkonzert. ♦ Radiovortrag In derheutig e n Arbeitersendung um 18.30 Uhr spricht Genosse Franz Lehnert über das internationale Zeltlager in Paris sowie über die Reise mit 80 Kindern durch Frankreich und di« Schweiz. Nr. 218 Mittwoch, 18. September 1935 Seite 5 ALgeslürzt. Der 19jährige Lehramtskandidat deS bischöflichen Lehrerseminars in Linz H a r- ring ist am Sonntag beim Abstieg vom Krano- beth-Sattel bei Ebensee beim Eisgraben auf der Suche nach Alpblumen 200 Meter tief abgestürzt. Er blieb mit schweren Kopfverletzungen und Brüchen der oberen Gliedmatzen tot am Platze. Der Leichnam konnte erst am Montag gefunden werden.— Der 21jährige Schreiner Hellmut Mader aus Bregenz ist beim Besteigen der Nordwand des Isen abgestürzt und tot liegen geblieben. Motorrad und Eisenbahn. Bei der ungeschützten Bahnübersetzung zwischen St. Valentin und Mauthausen(Nieder-Oesterreich) fuhr Montag der 28jährige Wiener Gemeindewachmann I. Aichber- ger auf einem Motorrade in einen Personenzug. Er wurde auf der Stelle getötet. Seine Mitfahrerin Maria Brandl aus Wien wurde schwer verletzt. Zusammenstoß im New-Aorker Hafen. Der aus Südamerika eintreffende Dampfer ,:Sänta Barbara" stietz am Dienstag in der Einfahrt des New-Dorker Hafens mit dem„Ambrose Channell-Leuchtschiff zusammen. Beide Schiffe wurden stark beschädigt. Unter den Passagieren der „Santa Barbara" brach eine Panik aus, doch wurde niemand verletzt. Auf der Fahrt zum Romershoals-Leuchtturm, der sich nahe dem Hafeneingang befindet, kenterte ein mit Borräten beladener Leuchtturmkutter in schwerer See. Vier Mann der Besatzung ertranken. Volkswirtschaft and Sozialpolitik Acht Monate Außenhandel Der Gesamtumsatz im tschechoslowakischen Außenhandel liegt in den ersten acht Monaten 1938 im Vergleich mit dem Vorjahre um rund 122 Millionen Kö höher. Diese Erhöhung ist ausschlietzlich auf die Zunahme der Ausfuhr zurückzuführen. Vom Juli bis August 1934 betrug der Wert der tschechoslowakischen Gesamtausfuhr 4365 Millionen KL, in der gleichen Zeit dieses Jahres 4698 Millionen KL, das ist eine Zunahme um 833 Millionen KL. Demgegenüber steht eine Verminderung der Einfuhr von 4112 Millionen auf 3901 Millionen KL, also um 211 Millionen KL. Die Entwicklung des Autzenhandels ist bei den einzelnen Warengruppen recht unterschiedlich. So wurden für 45 Millionen KL mehr lebende Tiere eingeführt als im Vorjahre. Die Einfuhr von Rohstoffen ileibt in diesem Jahre«m fast 200 Millionen KL gegenüber dem Vorjahre zurück, di« Rohstoffausfuhr ist nm etwa 73 Millionen KL geringer. Die Ausfuhr von Fertigwaren erreichte in den ersten acht Monaten 1934 die wert- mätzige Höhe von 3095 Millionen KL, im gleichen Zeitraum dieses Jahres 3259 Millionen KL, demnach eine Steigerungvonl64Mil- l i o n e n KL. Die mengenmäßige Entwicklung der Spezialeinfuhr nahm in den wichtigsten Warengruppen in den ersten acht Monaten der vergangenen drei Jahre die folgende Entwicklung: Jänner—August 1935 1934 1933 in Tonnen Nettogewicht Kohlen.,. 9 ■ 951.766 913.017 856.682 Eisenerz«<. 9 • 437.438 250.100 232.027 Mineralöle, 9 ■ 250.819 229.410 203.839 Roheisen,, ■ 29.201 54.296 23.405 Holz... ■ ■ 66.478 81.896 94.827 Kunstdünger« ■ ■ 80.782 85.536 87.344 Oelsamen., ■ 9 91.585 76.290 77.466 Baumwolle, • 9 43.606 55.546 46 673 Reis.. 9 89.951 46.721 88.516 Unedle Metalle 9 80.457 26.769 24.012 Kochsalz■. 68.493 81.444 83.474 Wolle... 18.333 20.679 17.422 Felle und Häute, roh 16.527 29.783 17.422 Im Vergleich zu den beiden Vorjahren ist die Einfuhr von Eisenerzen, Mineralölen und Oelsamen ganz beträchtlich gestiegen. Bemerkenswert ist auch die wertmäßige Entwicklung der Spezialeinfuhr einiger Warengruppen. So ist die Einfuhr von Textilrohstoffen und Tertilhalbfabri- katey dem W^erte nach, stark zurückgegayge,»^ VjM Jänner bis August 1934 wurden Baumwolle, Wolle, Flachs, Hanf,-Jute bzw. Gartis'und Waren aus diesen Rohstoffen, Seide und Seidenwaren im Werte von 1295 Millionen KL eingeführt, in der gleichen Zeit dieses Jahres jedoch nur fü: 1008 Millionen KL. Der Rückgang beträgt demnach 287 Millionen KL. Gewaltig zugenommen hat die Einfuhr von Tabak, die 1934 nur rund 32 Millionen KL betrug und in diesem Jahre 153 Millionen KL erreicht. Die Entwicklung der mengenmäßigen Ausfuhr unterstreicht die schon bekannte Tatsache, daß am günstigsten die Eisenindustrie abschneidet. Es betrug die mengenmäßige Ausfuhr: Jänner—August 1985 1934 1983 in Tonnen Nettogewicht Kohlen., 2,195.219 2,359.537 2,034.563 Holz... 996.837 954.017 557.188 Eisenwaren 74.841 69.324 86.189 Zucker., 128.148 92.596 151.892 Bausteine. « 52.358 45.884 27.593 An der erfreulichen Aufwärtsbewegung unseres Gesamt-Außenhandels haben demnach nicht alle Zweige der Exportindustrien Anteil. Wenn sie zu einer nachhaltigen, spürbaren Belebung ddr Produktion führen soll, so muh insbesondere der Export von Kohle und von Erzeugnissen der Textilindustrie, Papier-: Glas- und Porzellanindustrie eine größere Steigerung erfahren. Wenn die im letzten Monat zu verzeichnende Erhöhung der Einfuhr nicht zu neuen Einfuhrdrosselungsmaßnahmen führt, wenn eine gewisse handelspolitische Neuorientierung vorgcnommen und die Exportförderung auch von der Industrie mit Nachdruck betrieben wird, dann sind auch der künftigen Exportentwicklung jener Industriezweige bessere Chancen geboten, deren Produktionsstätten int sudetendeutschen Gebiet liegen. Jänner—August 1935 in Tonnen 1934 Nettogewi 1933 cht Eisenerze., 59.762 48.070 47.503 Papierzeug, 55.295 63.525 52.965 Stabeisen,, 42.300 24.736• 8.089 Malz... 43.339 53.989 53.199 Tafelglas,, 82.569 38.045 82.208 Hohlglas«« 22.711 21.807 22.559 Eisenblech und -Platten., 32.997 34.454 13.072 Mehl... 23.207 82.972 79.338 Papier.,, 20.501 19.947 22 40.0 Getreide«, 19.707 26.963 91.600 Die günstig« Ausfuhrentwicklung in der Metall» und Maschinenindustrie kommt auch in den bedeutend höheren Ziffern des Ausfuhrwertes gegenüber den beiden Vorjahren zum Ausdruck. Dagegen ist der Ausfuhrwert von Kohle, der Glas industrie, der Papierindustrie zurückgegangen. Die Konzentration der Industrie in der Sowjet-Anion Zu den Eigentümlichkeiten der russischen Jndustriewirtschaft gehört die hoh5Konzentration der Industrie. In keinem Industrielands— nicht einmal in Amerika— ist die Arbeiterschaft in Großbetrieben so konzentriert, wie in der Sowjetunion. Bon den fünf Millionen Arbeitern der Großindustrie waren am 1. änner 1933 67 Prozent in Betrieben mit über 1000 Arbeitern beschäftigt; in den Vereinigten Staaten gab es im Jahre 1929 7 Millionen Arbeiter der Großindustrie, von denen nur 30 Prozent in Betrieben gleicher Größe beschäftigt waren. Würde man zu den Großbetrieben auch Betriebe mit über 500 Arbeitern zählen, so waren in der Sowjetunion im Jahre 1933 80 Prozent der Jndustriearbei« terschast in Großbetrieben, d. h. von 500 his über 1000 Arbeitern,— angestellt, gegen 46 Prozent in den Bereinigten Staaten. Interessant ist die Verteilung in.den einzelnen Zweigen der Industrie. Dreiviertel der Äxbeiterschaft der Maschineubaumdustrie sind in Betriebenmit^über 1000 Arbeitern beschäftigt, in den Vereinigten Staaten nur 47 Prozent. Her- vorzuheben ist auch, daß am 1. Jänner 1934 die Sowjetunion die gleiche Zahl, oder genauer saft die gleiche der Maschinenbauarbeiter hatte, wie die Bereinigten Staaten im Jahre 1929 r 1,195.000 in Rußland und 1,209.000 in Amerika. In der chemischen Industrie sind 76 Prozent von 226.000 Arbeitern in Betrieben mit über 1000 Arbeitern beschäftigt, in den USA. nur 45 Prozent von 354.000 Arbeitern. Das gleiche Bild ist in der Leichtindustrie zu verzeichnen: 77 Prozent der Textilarbeiter sind in Großbetrieben mit über 1000 Arbeitern angestellt gegen 23 Prozent in den Vereinigten Staaten. Di« große Bedeutung der Konzentration der Industrie besteht— abgesehen vom sozialpolitischen Gesichtspunkte— vor allem in der Möglichkeit der Maffenproduktion, die mit einer Verbil- liguna der Herstellungskosten verbunden ist. Demoralisierung im Dritten Reich AP. Man kann einen Querschnitt durch das Dritte Reich machen, indem man von dem Gesichtspunkt ausgeht, alle Narrheiten, die dort inzwischen Mode geworden sind, aufzuzeigen. Das ist sehr ertragreich, mag man nun an den Führerkult mit Hitleraltären oder an den Wotanskult mit heiligen Hainen, Thingstätten und Bärenfellschmuck denken, mag man sich die Frau vergegenwärtigen, die sterilisiert zu werden wünschte, weil sie„ostisch überlagert" sei, oder den Feldzug gegen Mendelssohns„Sommer- nachtsträum", Heines„Loreley", das^Niederländische Dankgebet" wegen jüdischer Herkunft. Mit diesen Narreteien hat es aber nicht sein Bewenden. Weit erschreckender ist das Bild der Demoralisierung, das das Dritte Reich bietet. Denkt man einmal ernsthaft über diesen Gegenstand nach, so stößt man auf derart viel Material, daß man kaum weiß, wo man anfangen soll. Das Dritte Reich hat, ebenso wie aus der Wissenschaft, auch aus der Justiz den Begriff der Objektivität verbannt. Die primitivsten Rechtsbegriffe sind mit Füßen getreten. Nachdem das Ideal der Freiheit'zerfetzt war, stempelte man Menschlichkeit und Brüderlichkeit zu Merkmalen verweichlichter Rückgratlosigkeit, Pazifismus zu dekadenter Feigheit, erhob die Unduldsamkeit auf den Thron, heroisierte den Terror, ja den politischen Mord. Die Vergottung von Staat und Führer, von Blut und Boden führte zu einer Umwertung aller Werte. Die Folgen sind dem- entsprechend grauenhaft. Zunächst wurde die Gesinnungslosigkeit Trumpf. Durch Gleichschaltung und Gesinnungsterror, Stockschläge auf den Magen und Konzentrationslager züchtete man die Heuchelei und den Verrat, die Kriecherei und den Byzantismus. die Thrlosigkett und Gesinnungslumperei. DaS galt sowohl für den Beamten, der heute gute Miene zum bösen Spiel machen mutz, wie für den Arbeiter, den man in die Arbeitsfront pretzt, für den Geschäftsmann, der„Heil Hitler" grüßen muß, und den Passanten, der dem Geßlerhut seine Reverenz zu erweisen hat, seihst wenn ein 70jähriger an zwölffährigen Hitlerbuben vorbei- kommt. Der Lehrer, der anders denkt, der Richter, der noch eine Vorstellung von Rechtsstaat hat, sie müssen schweigen. Rücken werden gekrümmt, die man so leicht nie wieder gerade biegen kann. Und schlimmer als das Schweigen, gegen das nur wenige sich aufzulehnen vermochten, war noch das erzwungene Bekenntnis zum Gegenteil der eigenen Auffassung: der Antifascist in der SA, der Demokrat, der zum Hitlergruß gezwungen ist, der politisch Neutrale, dem man das Singen deS Horst Wessel-Liedes abpreßt. Die Behauptung der alten Stellung, die Jagd nach der neuen"Stellung, der Kampf um das kärgliche bißchen Brot nötigt zu dieser Heuchelei. Die Angst vor Verfolgung, das Schreckgespenst der Gestapo zwingt zu dieser Heuchelei, führt dazu, alte Ideale wegzuwerfen, zu reden, was man nicht glaubt, die Ellbogen zu gebrauchen, die anderen zu übertrumpfen. Der Kampf um den P o st e n— er entspricht im Dritten Reich dem Tanz ums goldene Kalb. So sieht die sittliche Erneuerung, die Ausrottung des«materialistischen Denkens" aus. Nie war die Korruption so groß wie in der Diktatur. Denn dort fehlt jegliche Kontrolle, fehlt der frische Luftzug einer kritischen Presse. Wo die politisch« Ueber- zeugung(oder angebliche Ueberzeugung) an Stelle fachlicher und charakterlicher Eignung zum alleinigen Maßstab wird, kann es ja nicht anders sein. Die Angaben über Korruption sind keine Uebertreibung. Sie sind täglich so zahlreich— oft gibt es pro Tag bis zu 50 Meldungen darüber—, daß man sie nicht mehr registrieren kann. Hand in Hand damit geht der Geist der Denunziation. Schüler denunzieren den Lehrer, Kinder die Eltern, Konfirmanden den Pfarrer, Beichttinder den Geistlichen. Denunziation aus Fanatismus, Denunziation zur Verdeckung der polittschen Vergangenheit, Denunziation zur Erlangung einer' Position oder um des Gewinnes willen, Denunziation zur Erreichung von Straffreiheit und Befreiung aus der Hast— also durch Terror erpreßt—, Denunziation aus privater Rache. Es ist, als ob der Nationalsozialismus die niedersten Instinkte aufgewühlt hätte. Grausenerregend die Fälle eines Vaters, der seine Tochter, und des Juden, der seinen Bruder der Gestapo wegen„Raffenschande" denunziert. Da haben wir den Gipfelpunkt der EharskjxxWaM. In anderen Fällen, gitt es dem Nachbar, dem Hauswirt, dem ehemaligen Liebhaber, dem Konkurrenten. Ueberflüssig, über die Verwahrlosung der Jugend zu sprechen, die sowohl bei der Hitlerjugend wie beim Bund deutscher Mädel Orgien feiert: Gewalttätigkeit, Ueberheblichkeit, Großmannssucht, Scheu vor Arbeit, Abneigung gegen alles Lernen, Anbetung des Körpers und des Körperlichen. Reben der Rache werden Neid und Haß zu Leitmotiven: Hätz, gegen die Juden, Haß gegen die Intellektuellen, Haß gegen das Ausland, Haß gegen alle Nndersderckenden. All dies ist untermischt mit Minderwertigkeitsgefühlen, die beim Pangermanismus eine große Rolle spielen, mit Verfolgungswahn und schweren Sexualkomplexen(man vergleiche die„Raffenschande" mit der„schwarzen Schmach" im Rheinland und mit der Lynchjustiz in Amerika), die auch bei den spontanen Aktionen und den sadistischen Mißhandlungsorgien eine Rolle spielen. Ueber allem aber steht die Anbetung der Gewalt. Tefstrrer Bergbauer«... Proletarierleben über den Deen der Südschweiz Nirgendwo lockt die Landschaft so sehr zu begeisterter Stimmungsmalerei wie im Tessin, über dem gerade im beginnenden Herbst das Füllhorn der Blütenpracht sich ergießt. Hier wird es doppelt schwer, nüchtern zu beschreiben, hier liegt noch auf der ärmlichsten Hütte ein romantischer Abglanz der Sonnenhelle,— den Maler verleitet es unfehlbar, auch seinersetts in bunten Farben zu schwelgen: die Kamera deS Reporters allein läßt sich nicht täuschen, sie sieht auch über den funkelnden Seen der Südschweiz das Gesetz dieser Gesellschaftsordnung lebendig, und hält das Leben ihrer Opfer im wahrheitsgetreuen Bilde fest. Das Leben der Teffiner Bergbauern ist ein Leben der Arbeit inmttten von Gefilden, die dem Fremden nur der Erholung gewidmet scheinen, ihrer'ganzen Natur nach angetan zu Freude und Wahltag. Wer es aber näher betrachtet, der sieht mehr als diese Kehrseite der Landschastsmedaille; er muß erschüttert bekennen, daß der Kontrast ihm bis ans Herz greift, daß soviel häßlicher Daseinskampf in einer, Welt der Schönheit beispielhaft ist für die Unordnung des menschlichen, des'gesell- sckaftlichen Seins. So daß er gerade hier, wo er sichs nicht träumen ließ, vyn neuem den Befehl vernahm, im Kampf um eine bessere Gestaltung, einen planvoller organisietten Stand der Dinge nicht zu erlahmen. Sehen wir die Photos an, die der Reporter mitgebracht hat! Es sind aewitz nur Einzelaufnahmen und er hat geleknt^nicht zu verallgemeinern. Aber diese Einzelaufnahmen erscheinen ihm typisch für eine ganze Klaffe. Ihr Tag beginnt bei Morgengrauen: um 8 Uhr hört der Fremd« ihre Stimmen schon, und noch, wenn der letzte Abendschimmer hinter dem Hügel versank, sind sie am Werk. Zwischen 9 und 10 Uhr des späten Abends werden die Stimmen anders gefärbt: dann liest er mit melodischem Gesang einen Artikel aus der Zeitung vor... und erst dann wird Nacht, kurze Nacht, die im Schlaf Erquickung geben soll für so viele Stunden härtester Frohn. Hier gibt keine Fabrikssirene die Zeit an für Arbeitsbeginn und wohlabgewogenen Feierabend, hier ist immer zu tun, hier, ist ewiger Akkord ums tägliche Brot, hier wird in. keiner Schicht das Pensum bewältigt: immer neue Arbeit ist liegen geblieben und morgen weiterzuführen und wenn die Woche, wenn der Monat um ist, kommt keiner, der den Lohn zahlt oder das Gehalt. DaS pure arme Leben ist's, das Teffiner Bergbauern gewinnen. Die Casa gehört nicht ihnen, das Land, die Reben, das Holz dem Herrn, dem„Großbauern", der irgendwo im Orte wohnt. LBdach und Nutzung der Feldstücke gibt er ihnen, dafür liefern sie den Dung von Kuh und Schwein für seine Felder, dafür halten sie sein Land instand und pflegen seine Rebstöcke, dafür hat er einen Hüter auf seinem so entlegenen Besitz, aus dem er den Gewinn zieht. So tut die Frau: Sie melft die Kuh, sie ttägt zweimal am Tag die Milch ins Tal und steigt wieder herauf, oft schwer beladen mit den Dingen, die der Ort ihrem Leben geben muß. Der spitz nach unten sich verengende Korb hat seine Heimstatt auf ihrem geplagten Rücken: bis zu einem Zentner vermag sie zu tragen, denn Tragen und Steigen— das ist das A und O ihres Lebens. Körbe voll Reisig schleppt sie heran, daß im Kamin ein Feuer sei. Körbe voll am Weg geschnittenen Grases für die Kuh, die das Frischfutter nicht selbst auf der Alp sich holen kann, sondern zwischen ansteigender Waldung auf steilem Pfad, unter'Reihen von Reben und mit Gemüse bepflanzten Flek- ken Felds im heimeligen Stall einer verfallenen Ruine hausen muß. Bei all der Plage aber weicht der zärtliche Ruf nach Hühnern und Katzen nicht von ihren Lippen, daß keines sich verlaufe; die Karnikel wollen Futter, die spärlichen Beete doppelte Pflege. Und so ist das Sich-Bücken ihr Beruf, so wird sie vorzeitig alt und hat doch immer ein gutes Wort für den Fremden. Und wann sie die Polenta, den Maiskuchen, zum Mittageffen kocht, wann sie den dünnen Kaffee, wann sie die Ministra, die Gemüsesuppe, zum Abendmahl bereitet, an ihre kleine Wirtschaft denkt,—• er weiß es nicht. Die Damen und Herren, deren Auto auf der Straße wartet, finden es vielleicht schmutzig bei ihr. Aber sie wohnen am See unten und das „Personal" sorgt für ihre Wohnung».. So tut der. Mann: Seine Augen sind nicht mehr gut. Mit dem Stab ertastet er die oft so gefährlich steinig-steilen Pfade. Er lebt Mischen den Ställen, der sprudelnden Quelle, aus der er Eimer um Eimer heränschleppt, und dem Wald. Die Kuh, das Schwein, r— sie sind sein.^kapital", ihr Leben ist seines, ihr Wohlbefinden ist alles. Er redet mit den Tieren, indem er sie versorgt. Mit der Sichel liegt er fast auf dem Boden, um das letzte bißchen Grün zu ergattern, er breitet es in der Sonne aus, er sammelt es wieder ein, Heu und Spreu heißen seine Aufgaben. Von ttef unten, wo er sie geschnitten hat, bringt er blattragende Zweige auf den Kopf getürmt, zersägt er die dickeren, schichtet Reisig, Waffer und Wasser auf die Feldstücke, die erbarmungslose Sonne auSdörrt. Die Reben beschneiden, mit dem grünen Gift bespritzen, das dem Ungeziefer wehrt, damit des Herren Ernte-reich sei. Das Werkzeug instand, die brüchige Casa unversehrt halten, das wenige Obst ernten, die Tomaten binden und wieder Holz und wieder Grünfutter und wieder Waffer und wieder Dung, und keine Tabakspfeife und kein Stumpen dazwischen. Oft aber kommt der Herr, und dann ist dies und das und jenes nicht recht und das Leben fast nie eine Freude. Wissen sie von der Schönheit, in der sie leben? Sehen sie je den See, der tief unten azurn lacht? Am Sonntag kommt der Sohn, der in der Stadt in der Handwerkslehre ist, und bringt der Mutter die kargen Frankenstücke die er verdient, sitzt bei den Eltern und raucht eine Zigarette. Aber das währt nicht lange. Auch für ihn ist Arbeit aufgehoben, auch der Sonntag— so fromm man ist, so regelmäßig man den beschwerlichen Weg zur Messe auch macht— bleibt nicht ohne Arbeit. Denn das Vieh will sein Recht und wieviel ist liegen geblieben von aller Wochentagsarbeit^ Dazwischen aber darf die Kuh einmal aus dem Verlies und treu behütet die engen Wege, zwischen Beet und Rebstock trotteln, die bewachsenen Ränder abfressen, sich der Sonne fteuen. Ja, auch das. Schwein watschelt ans Tageslicht, beklatscht an den fetten Seiten, geleitet durch besonoers guten Bissen, mit dem man es in die gewünschte Richtung lockt. Und dann,— ja dann gibt es wohl auch einen Tropfen Wein, der so verschwenderisch hier wächst. Und dann ist es Sonntag gewesen. Wie aber wird man Mehl und Brot und Kaffee und gar ein Stückchen Fleisch bezahlen? Wo Sämereien kaufen und ein neues Hemd? Abends, kurz vor der Sttlle der Nacht, dringt der Ton der Sorgen noch an des Reporters Ohr... Seife S „Sozialdemokrat^ Mittwoch, 18. September 1935. Nr. 218 Trager Rettung Achtung auf die Wählerverzeichnisie! Primator Dr. B a x a wendet sich in einer Kundmachung an die Bevölkerung Prags, dem Magistrat bei der Führung der Wählerverzeichnisse zu unterstützen. Die Bevölkerung möge sich um die Wählerverzeichnisse auch in den Monaten der Vorbereitung des Katasters(März, April, September und Oktober) kümmern und den zuständigen Magiftratsämtern Aenderungen zur Kenntnis bringen. Der Stadtrat macht in der Kundmachung darauf aufmerksam» daß die polizeiliche Meldung allein für die Eintragung in die Wählerverzeichnisie nicht genüge. Bon Sand verschüttet. Gestern vormittags fiel bei Grabungsarbeiten in der Strojnicka invHollescho- Ivitz eine Schichte Sand auf den 38jährigen Arbeiter Wenzel Spieka aus Koschirsch und verschüttete ihn bis zur Hälfte des Körpers. Spiika wurde von den andern befreit und verliest die Arbeitsstätte mit dem Bemerken, datz er auf die Klinik gehe. Auf dem Weg wurde er jedoch von Unwohlsein befallen und muhte durch die Rettungsgesellschaft auf die Klinik Jirasek gebracht werden, wo festgestellt wurde, dah er eine Quetschung des Brustkorbs erlitten hatte. Die weiteren Arbeiten bei dem betteffenden Haus wurden bis zum Eintreffen der Baukommission eingestellt^ Das Verfahren wurde eingeleitet. Giftiges Fleisch. Der 44jährige Zimmermann Jaroslav R a d o st n y aus Zizkov und die 48jährige Franziska Prokop, die mit ihm in gemeinsamem Haushalt lebt, wurden gestern nachmittags durch die Rettungsgesellschast ins Allgemeine Krankenhaus gebracht, wo sie angaben, vorgestern abends bei einem Zijkover Selch« in der Nähe der Remise Hackfleisch zum Nachtmahl gekauft zu haben. Kurz nachher seien sie von starken Magenschmerzen befallen worden und ihre Nachbarin, die'sie morgens in Krämpfen gefunden habe, habe die Rettungsgesellschast verständigt. Auf der Klinik Pelnak wurde bei beiden eine Vergiftung infolge GenuffeS von verdorbenem Fleisch feftgestellt. Radostny wurde in häusliche Pftege entlassen, die Prokop auf der Klinik zurückbehalten. Die„Soziale Hilfe" bittet für viele Hilfe- suchende um Kleider, Wäsche, Möbel, ete.„Soziale Hilfe", Prag II., BojistL 22. Tel. 41197. 2—3 nm. Das arme Mädchen vor dem Ringelspiel Ein Kinderschänder. Prag. Die kleine elfjährige Marie ist ein armes Kind. Ihr Vater ist Taglöhner und der Arbeitslohn, den er heimträgt, reicht kaum für das tägliche Britt der Familie. So muh die kleine Marie denn auch beiseite stehen, wenn ihre glücklicheren Kameradinnen die Freuden der Schau- und Lebzeltbuden, der Ringelspiele und„amerikanischen Schaukeln" auskosten, die sich von Zeit zu Zeit in das Dorf verirren, in dem dieser Fall spielt... An der Tür des Verhandlungssaales hängt die ominöse Tafel:„GeheimeVerhand- l u n g". Hinter der, für die Oeffentlichkeit ver- schloffenen Tür wird vor dem Sttafsenat C erbt n k a die Anklage gegen den 24jährigen Wenzel Haas verhandelt, der des Verbrechens der Schändung an diesem elfjährigen Kind angeklagt ist. Eines Tages kamen wieder„Komödianten" ins Dorf und die kleine Marie stand wieder einmal abseits und sah zu, wie sich ihre glücklicheren Altersgenossinnen am Ringelspiel vergnügten. Die sehn- süchttgen Augen des Kindes verrieten wohl, wie ihm zu Mute war. Der Angeklagte machte sich gerade in diesem Augenblick an die Kleine heran.„Willst du Ringelspiel fahren?"—„Ach Gott— ich habe kein Geld." —.Mouun mit mir l Wenn du mir hilfst, die Pferdchen abzustauben, darfst du umsonst fahren, so ost du willst." So lockte der Angeklagte das kleine Mädchen unter eine Zeltplache, wo angeblich die Ringelspielpferde verwahrt waren, die abgestaubt werden sollten. Der Wüstling hatte freilich andere Ziele verfolgt. Nach einer Weile kam das Mädchen weinend .zur Mutter gelaufen und erzählte ihr, Dinge, die zur sofortigen Verhaftung des Angeklagten führten- Dies ist der Sachverhalt, den uns die Zeugen auf dem Korridor erzählten. Und dieser Sachverhalt wird wohl tatsächlich vorliegen, denn der Gerichtshof verurteilte nach geheimer Verhandlung den Angeklagten zu vier Monaten schweren und verschärften Kerkers, u. zw. unbedingt. rb. Der Defraudant und sein Reisegefährte Student unter schwerer Anklage Prag. Im März d. I. wurde der Buchhalter Und Kassier einer hiesigen Firma, Franz Von- d r ä L e k, zu achtzehn Monaten schweren Kerkers verurteilt, weil er seiner Firma 181.000 XL veruntreut hatte. Mit diesem ansehnlichen Betrag flüchtete er ins Ausland und wurde lang« Zeit vergeblich gesucht. Schliesslich kehrte er mit leeren Taschen heim und stellte sich reumütig der Polizei. In seiner Verantwortung wälzte Vondraöek einen beträchtlichen Teil der Schuld auf einen Hochschüler F. ab, der mit ihm nach Paris gefahren war. Nach den Behauptungen Vondraceks hat dieser nicht nur die Reiseauslagen für seinen Freund F. bestritten, sondern auch dessen kostspieligen Aufenthalt in Paris. Der Student F. habe von seinen Veruntreuungen gewusst, habe ihm mit Rat und Tat beigestanden und schliesslich von dem defraudierten Geld in Paris ein üppiges Leben geführt. Eines schönen Tages sei der Student F. dann verschwunden, wobei er eine ihm zum Einwechseln anvertraute 5000 XL-Note mitgehen hiess. Auf diese Aussagen des Defraudanten Bondrä- Lek wurde der Student F. von der Polizei ins Verhör genommen, wobei er entrüstet jederlei Verschulden in Abrede stellte. Er sei zwgr mit Vondracek in Paris gewesen, habe aber von dessen Geld keinerlei Vortest gehabt, sondern sich alles aus eigener Tasche gezahlt. Der Polizei schien die Verteidigung des Studenten aber offenbar nicht völlig überzeugend, denn sie leitete die Sache weiter"und die Staatsanwaltschaft klagte den Studenten F. der M i t- täterschaft am Verbrechen der Veruntreuung an. Die vor dem Strafienat Kaplan durchgeführte Verhandlung schuf keine Klarheit. Der angeklagte Student berief sich darauf, dass ihm sein Vater genügende Geldmittel für seine Pariser Ferienreise zur Verfügung gestellt habe. Er sei zwar mit VondräLek beisammen gewesen, habe aber von dessen Destaudationen erst nachträglich erfahren. Alle Beschuldigungen Vondraceks seien glatt erfunden. Da dieser aber auf seinen Beschuldigungen beharrte, blieb dem Gerichtshof nichts übrig, als die Verhandlung über diesen rätselhaften Fall zwecks Hörung neuer Zeugen zu vertagen. rb. Deutsche sozialdemokratische Frauenorganisatso« Prag Freitag, den 20. Septembar, 8 Uhr abends, im„Plonopol"(gegenüber de« Dlasarykbahnhof), Vortrag des Genosse« Hofbauer über das Thema: Josef Seliger- Kampf um die Einheit der Arbeiterschaft Zur Erinnerung an de« denkwürdige« Karlsbader Parteitag vor 15 Jahren. Jfaftst und Wlssw Der Bettelstudent Das Prager Deutsche Theater hat gestern sein so anerkennenswertes Bemühen um die alte Operette mit einer Neuinszenierung des.Bettelstudent" fortgesetzt, in den unsere Mütter verliebt waren und der nicht schuld daran ist, dass man von ihm nicht mehr sagen und singen kann:„den jeder kennt". Carl Millöckers, des Wiener Meisters bedeutendstes und berühmtestes Werk hat in einem halben Jahrhundert nichts von seinen Reizen ein- gebüht, nichts von der Wirkung seines rhythmischen Schwunges, seiner liebenswürdigen Einfälle und Erfindungen, der schmeichelnden Eingängigkett seiner Melodien und natürlich seiner idealen Sangbarkeit. Auch die wenigen Zutaten und Sttiche der Bearbeitung durch Eugen Otto haben an dem„Bettelstudent", weil sie ersteulicherweise durchqus unaufdringlich sind, fast nichts wesentlich geändert. Und so erzielte denn die gestrige Erstaufführung wirklich, wie man zu sagen pflegt, den Erfolg einer Premiere. Dies freilich— abgesehen von' der verdienstvollen Vorstandsarbeit vor allem des■ Regisseurs Mordo und des Dirigenten Schick,— in erster Linie durch zwei Sänger. Herr Kurt P r e g e r als Simon entzückt wiederum mit seinem schmelzenden, in der Höhe strahlenden Tenor und durch den natürlichen Adel seiner Vortragsweise, ist illusionsvollkommen in der Erscheinung, vorbildlich in der Wortbehandlung in Prosa und Gesang und würde den-vielen Beifall, den er findet, wahrscheinlich noch verzehnfachen, wenn er eine gewisse Nonchalanee, die auch die Konturen dieser seiner Leistung etwas verschwimmen lässt,_ oblegen könnte. Brillant, stimmlich und gesanglich, Herr Josef Schwarz als Ollendorf, und übrigens auch darstellerisch überraschend gelöst, so dass man die Pizarro- und sonstigen Fidelio-Reminiszenzen in der angenehmsten Weise hinnehmen konnte. Herr Schwarz durfte den Löwenanteil des Beifalls für sich in Anspruch nehmen; das ist um so erfreulicher, als diese Anerkennung einem jener Künstler gezollt wurde, denen man die notwendige Rückkehr an dieses Theater nicht eben leicht macht. Neben diesen beiden Sängern hielt sich Fräulein C o t Y in der anspruchsvollen Gesangspattie der Laura in Ehren und ward von der sympathischen Bronislava des Fräulein Rahn und von der nur ein wenig zu opernhaften, nicht genug drastischkomischen Mutter des Fräuleins W anka sehr schön sekundiert. Frau Carpentier ist ein reizender Kornett, Herr L i b a l ein passabler, wenn auch nicht überzeugender Herzog und Herr Dudek holte aus den Resten, zu denen der Enterich in dieser Bearbeitung zusammengeschmolzen ist, das Möglichste an erheiternder Wirkung heraus. Ganz vortrefflich die Chöre und überhaupt das Musikalische bei Ksi- pellmeister Schick in geschickten Händen, die sich auf den Elan und auch auf die Herausarbeitung des einfach Melodischen wie der- Ensembles verstehen, wenn auch noch nicht alle Bogen ganz ausgefüllt, alle Uebergänge glatt sind. Der Regie Mordos ist Animo und Tempo, den Bildern PirchanS luftvolle Farbigkeit nachzurühmen. Das Publikum fand sich von Anfang an in bester Sttnnnung und lieh so einen ausgiebigen Erfolg erhoffen, dem man dieser beinahe durchwegs musterhaften Aufführung eines unsterblichen Werkes hundertprozenttg wünschte. L. G. Das neue Abonnement im Deutschen Theater. Ausgaben der Karten ab Donnerstag, den 19. September, für bisherige Abonnenten, die eine Aen- derung ihres Abonnements angemeldet haben. Anmeldungen für neueinttetende Abonnenten täglich! Zahlungen in fünf Raten möglich! Ermässigung bis zu 60 Prozent. Samstag„Ein Querschnitt", Werbeabend in der Kleinen Bühne, mit teilweise neuem Programm! Oper, Operette,'Schauspiel. Führung wieder Dudek und Padlesakl Zahlreiche Mitwirkendel Unter anderem stellen sich die neuen Mtt- glieder vor! Preise: K£ 6.—, 12.—, 18.—. Spielplan des Reuen Deutschen Theaters. Heute Mittwoch:„Der Troubadour". Bl.— Donnerstag:„Die heilige Johanna" C 2.— Freitag:„Cosi fan t u t t e". Dl.— Samstag„Der Bettelstudent" D. 2.— Spielplan der Kleinen Bühne. Heute Mittwoch 8 Uhr:„Ich hab's g e t a n". Volkstümliche Vorstellung. Preise nur: Kö 6.—, 12.—, 18.—. — Donnerstag:„K i k i"(Gutscheine A 1, A 2), — Freitag:„Der Geizige"(Kulturverbands- freunde 1934/35 und freier Verkauf). §p»rj-§piek-Iiörpcfi^kege Die Herbstserie der Atus-Fußballer im V. Kreis beginnt, wie bekannt, mit 2 2. September, an welchem Tage nachstehende Spiele stattfinden: Gruppe II: Nestersitz gegen Karbitz, Aussig- Nord gegen Schönpriesen, Kleische gegen Wannow, Ullgersdorf spielfrei. Gruppe III: Krochwitz gegen Glashütte, Pred- litz gegen Türmitz, Schönfeld gegen Aussig-Ost. Gruppe IV: Dux gegen Prosetitz, Ladowitz gegen Kleinaugezd, Langugest gegen Weiskirchlitz, Pihanken spielfrei. Gruppe V: Tischau gegen Eichwald, Novy Dvory gegen Kosten, Wisterschan gegen Sobrusan, Wohontsch spielfrei. Die Serie der Gruppe VI beginnt mit 2 9. September: Komotau I gegen Sporitz, Komo- tau II gegen Atus Saaz, Neudorf gegen Tschern, Semmering Saaz gegen Weipert, Trupschitz spielfrei. Der erste Verein ist immer der Plochgeber. Der Anstoss für alle Spiele wurde um 3 Uhr nachmittags angesetzt. Sollte eine Aenderung der Anstosszeit stattfinden, sind die jeweilige Gruppenleitung und der Kreisschiedsrichterobmann, Genosse Seemann, acht Tage vorher zu verständigen, mit der Voraussetzung, Lass der Spielgegner einverstanden ist. Sollte dies von einem Verein unterlassen werden, wird er zur Tragung der entstandenen Unkosten haftbar gemacht. Die Kreisspielleitung. Wer wird Turnspiele-KreiSmeister? Sonntag, den 22. September, vormittags, finden in Predlitz die Spiele um die Kreismeisterschaft deS V. Kreises im Hand-, Raff- und Faustball statt. Da Heuer neue Mannschaften um den Kreistttel spielen, werden alle Spielfreunde des Atus zum Besuche eingeladen. Für den 1. B e- zirk besteht bis Mittag Spielverbot. Di« Einteilung lautet: Um 9 Uhr: Rafsball: Bilin gegen Rosawitz. Schiedsrichter: Mücke.— 10 Uhr: Handball: Predlitz gegen Johnsdorf. Schiedsrichter: Sandsteiner.— Faust ball: 9 Uhr: Probstau gegen Lerchenfeld. Schiedsrichter: Liebscher.— 9.40 Uhr: Schaiba gegen Oberleutens- dorf. Schiedsrichter: 1. Bezirk.— 10.30 Uhr: Sieger aus den Spielen 1 und 2. Schiedsrichter: Liebscher. Makkabi-Weltkongresi gegen Hitler-Olhmpiade Der in Brünn vor kurzem stattgefundene Weltkongress des Makkabi-Verbandes befasste sich u. a. auch mit der Angelegenheit der Teilnahme jüdischer Sportler, an der Nazi-Olympiade in Berlin und nahm folgende Entschliessung an: In Anbettacht der Lage der Juden in Deutschland ersucht der Kongress des Makkabi- Weltverbandes sowohl das Olympische Komitee als auch die sonstigen Sportbehörden, jüdische Sportler von der Teilnahme an den Olympischen Spielen zu besteien. Diese Entschliessung wurde mit allen gegen die Sttmme des VertteterS aus dem Hitler-Reich angenommen. Bürgerlicher Profisportler in Moskau. Der ehemalige stanzösische Welttekordläufer Ladoumegue, dem der stanzösische bürgerliche Verband vor Jahren die Amateureigenschast absprach, startete dieser Tage in Moskau. Die bürgerliche Presse berichtet, dah das Auftreten des stanzösischen Profisportlers im Dynamo-Stadion ein grosser Erfolg war Trotzdem es regnete, lief Ladoumegue die 800 Meter in 1:53.9 Min., um 25 Meter vor dem russischen Meister. Denisow, dessen Zett 1:56.4 Min. betrug und um 0.4 Sek. besser ist als der russische Rekord. Das sowjetrusfische Marathonlaufen» welches vor kurzem in Moskau zur Durchführung gelangte, gewann Boborykin in 2:48:23 Stunden. Rund 80.000 Kc an Prämien erhielten die Spieler der Vrager Spqrta für ihre Anstrengungen im Mttropaeup. In der ersten Runde gegen Pienna erhielt jeder Spieler die außertourliche Prämie von 500 XL. In der zweiten Runde gegen Fiorenttno er-1 Barbara Werk spielt die Hauptrolle in dem amerikanischen Film „Das Geheimnis des Nacht-Express". höhte sich diese Prämie schon auf 1.300 XL. Für die Spiele mit Juventus in der dritten Runde er- hielt der einzelne Spieler 2000 XL und in den beiden Endkämpfen mit Ferencvaros 3000 XL. Es bekam somit jeder Spieler der Sparta insgesamt 6 800 XL und da auch Ersatzleute jeweils mit daran beteiligt waren, beträgt die Gesamtsumme rund 80.000 XL. Rechnet man ein Spiel voll mit 90 Minuten, so ist das bei neun Spielen eine„Arbeitszeit" von insgesamt 13'/z Stunden, d. s. nicht einmal zwei bolle Arbeitstage zu acht Stunden, und so ergibt sich, dah ein Spartaspieler per Stunde 500 XL„verdiente",. tlus- der Partei Heute um 8 Uhr Gruppenabende. Holleschowitz(Ka- menickä-Heim): Heimabend. Wein- berge-Smichov(Parteiheim): Heimabend. Zentrumsgruppe gemeinsam mit MSO Diskussionsabend„U Sedmiku". Sonntag Wanderung aller Gruppen. 8 Uhr 14er KaLerov. 'Ü'erelnsnatAdcftten Heute. Mittwoch, um halb 8 Uhr im Parteiheim, Nä- rodni tt. 4. w i ch t i a e Ausschusssitzung.— Frauenturnen. Unsere letzte Frauenturnstunde wies bereits einen guten Besuch auf. Unter der Leitung einer Genossin, die Teilnehmerin dltt Reichsbundesschule war. wollen wir den Uebungsbctrieb fürFrauen weiter ausbauen. Wir laden daher alle Frauen zur Teilnahme an den Turnstunden, die nun regelmässig ieden Mittwoch von halb 7 bis 8 Uhr abends stattfinden, ein. Filme in Prager Lichtspielhäusern Urania-Kino:„Einmal eine große Dame sein", — Adria:„Du b ist d>i e Einzige." Elisabeth Bergner. E.— Alfa:„Drei bengalische Reiter." Cooper. E.— Avion:„Neues Leben." Anna Sten. E.— Beränek:„Bosambo." Paul Robeson. E.— Fknix:„Fra Diavolo." Stan Laurel und Oliver Hardy. E.— Flora:„Roberta." E.— Gaumont:„Ende schlecht, alles gut." Szöke Szakall. D— Hollywood:„Ende schlecht, alles gut." D.— Hvizda:„Das Geheimnis im Nachtexpreß." E.— Julis:„Kleine Mutti." Franziska Gaal. D. ,— Kinema, B.-Th.: Journale, Groteske, Report. Ab —947.'— Koruna:„Das Geheimnis im Nachi- express." E.— Kowa:„Mata Hari." Greta Garbo. A.— Lucerna:„Fra Diavolo." Stan Laurel und Oliver Hardy. E.— Metro:„Das elfte Gebot." Tsch.— Olimpicr„Letzte Liebe." Meinl, Bassermann. D.— Passage:„Die blonde Carmen." D.— Praha:„Quer durch Abessinien." — Radio:„Tarzan, der Sohn der Wildnis." E.— Skaut:„Tarzan, der Sohn der Wildnis." E.— Svitozor:„Die blonde Carmen." D.— Alma: „Roberta." E.— Bajkal:„Tarzan, der Sohn der Wildnis." E.— Belvedere:„Die große Sühne."— Beseda:„Zarewitsch." D.— Carlton:„Der König der Dschungel." E.— Illusion:„Roberta." E.— Lido II.:„Roberta." E.— Louvre:„Der Held einer Nacht." Burian. Tsch.— Maceöka:„Zum schwarzen Walfisch." E. Janning. D.— Roxy:„Strahlende Augen." Sh. Temple. E.— Sport, Smichov:„Zirkus Barnum." Beery. Fr.--- U Bejvodü:„Das Erbe in Pretoria." D.— Baldek:„Späte Liebe." Heimischer Film*,— Bio Beletrhy:„Strahlende Äugen." Temple. F. Jug. E. Derlanael überall Dulhniinder! Bezugsbedingungen: Bet Zustellung tnS Haus oder bet Bezug durch die Poft monatlich XL 16.—. vierteljährig XL 48.—. halbjährig XL 96.—. ganzjährig XL 192.—.— Inserate werden laut Tarif billigst berechnet. Bei öftere» Einschaltungen Preisnachlass.— Rückstellung von Manuskripten erfolgt nur bei Einsendung,der Retourmarken.— Die Zeitungsfrankatur wurde von der Post- und Tcle- graphendirektion mü Erlass Nr. 13.800/VII/1930 bewilligt.— Druckerei:„OrbiS". Druck-. Berlars- und ZeitungS-A.-G- Prag.