Freitag, 20. September 1935 15. Jahrgang Etaalprtls 70 HeBei («iiuchlitSlkh S Haller Fort«) UNTRALORGAN DER DEUTSCHEN SOZIALDEMOKRATISCHEN ARBEITERPARTEI IN DER TSCHECHQSIOWAKISCHEN REPUBLIK ERSCHEINT MIT AUSNAHME DES MONTAG TÄGLICH FRÜH. Redaktion und Verwaltung frag xii.,fochova 62. Telefon 0077. HERAUSGEBER! SIEGFRIED TAUB. CHEFREDAKTEUR* WILHELM NIESSNER. VERANTWORTLICHER REDAKTEUR* DR. EMIL STRAUSS, FRAG. Kein Tag ohne Verhaftung loyaler Henlein-Jünger Auch In Sternberg ein SdP-Mann verhaftet In den letzten Tagen wurden auch in Sternberg durch Gendarmen eine Reihe van Hausdurchsuchungen vorgrnommen, die zur Verhaftung eines bekannten SdP-Mannes und früheren'Nationalsozialisten führten, dessen Name im Interesse der Untersuchung noch verschwiegen wird. Er wurde sofort in die Haft des Kreisgerichtes Olmütz eingeliefert. Weitere Hausdurchsuchungen wurden in der Altvater-Buchhandlung Schmidt, sowie in der Wohnung deS Geschäftsinhabers, weiters bei dem Buchbinder Eduard Schücke r und einem gewissen Karl H e k e r l e durchgcführt. Beim Buchbinder Schücker soll verbotene nationalistische Literatur beschlagnahmt worden seiti. Karl Hekerle zählt zu den Gründern der Sternberger SdP. Alle anderen gehören gleichfalls dieser Partei an und sind als frühere Nationalsozialisten bekannt. Ueber das Ergebnis der Hausdurchsuchungen und die Gründ«, die dazu geführt haben, konnten bisher nähere Einzelheiten nicht festgestrllt werden. Vie ostpreußischen Kurse — bewußte Ausiandspropaganda Im Zusammenhang mit den kürzlich gemeldeten Verhaftungen von SdP-Leutrn wegen Teilnahme an nationalsozialistischen Schulungskursen in Ostpreußen ist folgende Meldung aus Riga wichtig, die zeigt, daß es sich hier um eine plan- mäßigcAktion zur Beeinflussung des gesamten Auslandsdrutschtums im nationalsozialistischen Sinne handelt: Fünf Deutsche lettischen Ursprunges, Mitglieder nationalsozialistischer Organisationen, wurden zu Kerkerstrafe« von acht bis zwölf Monaten verurteilt, weil sie junge Leute von der deutschen Minderheit in Lettland zu den«dtionalsozialisti» schon Propagandakursen für die Ausländsdeutsche« nach Königsberg in Oft- Preußen geschickt hatten. Die Henleinpartei wird jetzt wohl oder übel Rede und Antwort stehen müssen, was ihr Klub- srtretär und ihre Anhänger bei diesen Schulungskursen zu suchen hatten. Dir Herrschaften verfolgen ja di« kleinste Andeutung, daß sie in Verbindung mit offiziellen Stellen des Dritten Rei- ckies stehen könnten, sofort mit gerichtlichen Schritten. Im Falle Jng. Appell werden sie jetzt allerhand aufzuklären haben! Streikgefahr in Oberschlesien Die Bergarbeiter fordern den Achtstundentag K a t t o w i tz. Die oberfchlesischen Bergarbeiterorganisationen haben bereits vor längerer Zeit eine Aktien zwecks Berkürzungder Arbeitszeit in der Kohlenindustrie auf acht Stunden täglich ausgenommen. Jin einer in Kat- towitz stattgefundenen Konferenz lehnten die Arbeitgeber diese Forderung der Arbeiterschaft ab. Die Delegierten der Bergarbeiterorganisationen haben daraufhin den Beschluß gefaßt, für nächsten Sonntag nach Kattowitz eine Betriebs- rätekouferenz von Polnifch-Oberschlesieir einzubc» rufen, und dieser den Beschluß auf Proklamierung eines allgemeinen Streiks in der Berg- und Hüttenindustrie zu unterbreiten. Falls die Industriellen weiterhin eine unnachgiebige Haltung rinnehmrn sollten, werden mit allen anderen Arbeiterorganisationen Verhandlungen zwecks Proklamierung des Generalstreiks ringrleitrt werden. I Mussolini Alolsls Romreise abgelehnt verzichtet auf Ratschläge Genf.(Havas.) Zn Völkerbundkreisen Hut die Nachricht große Beunruhigung hervorgerufen, daß der italienische Delegierte Aloisi keine Weisung erhielt, sich zu Beratungen mit Muffolini nach Rom zu begeben. Es verlautet sogar, daß Ministerpräsident Mussolini Baron Aloisi telephonisch direkt gesagt habe, erbrauchek eine Ratschläge. Einige Mitglieder des Fünferausschuffes des Völkerbundrates hatten darauf gedrängt, daß Baron Aloisi Muffolini die Einzelheiten der Lage Italiens in Genf darlege und ihn zurNachgiebigkeit veranlasse, zu der Muffolini, wie auch aus seinem jüngsten Interview hervorgeht, offenbar nicht bereit ist. Die diplomatischen streife in Genf befaffen sich bereits mit der Erwägung, wie es verhindert werden könnte, daß die wahrscheinliche Aufnahme der Feindseligkeiten in Afrika infolge eventueller englischer Sanktionen allzu ernste Erschütterungen inEuropa zur Folge habe. „l.ächerlicheVorschläge" Der Pariser„Matin" bringt eine Erklärung zum Abdruck, welch« Mussolini dem Korrespondenten des.Daily Mail" über die Vorschläge des Fünfer-AusschuffeS machte. Dir Vorschläge, erklärte Mussolini, sind nicht nur unannehmbar, sonder« geradezu lächerlich. Der Völkerbundausschuß glaubt vielleicht, daß ich ein Sammler von Wüsten bin. Der Kreis D a n a k i l, welchen der Fünferausschuß Italien anbirtet, habe ein Flächenausinaß von llO.OOO^uadratmrilen, und in diesem Gebiet« wohnen nur 62.000 Menschen. Das Danakil-Lrmd liege 260 Meter unter der Meeresoberfläche und ist ganz mit Salz bedeckt, so daß man dort nicht leben könne. Das zweite Land, welches der Fiinferansschnß Italien an- bietet, O g a d e n, ist eine Steinwüste. Zunächst nur wirtschaftliche Sanktionen Paris. Der Londoner Berichterstatter der »Information Financiäre" meldet, an britischen amtlichen Stellen habe die Nachricht große Urber- raschung ausgelöst, wonach im Falle eines Einmarsches Italiens in Abessinien Großbritannien sofort militärische Sanktionen gegen Italien ergreifen würde. England beharre auf der Respektierung des Völkerbundpaktes und werde nach der Prozedur des Bölkrebundes vorgehen, aber keineswegs allein und ans eigen« F a u st. Die einzigen Sanktionen, an die in London gedacht werde, seien Sanktionen wirtschaftlicher und finanzieller Art. Großbritannien würde sie im vollen Einvernehmen mit Genf ergreifen. Die Entsendung von Kriegsschiffen ins Mittelmerr dürfe nicht als eine Vorbereitung Englands zu militärischen Sanktionen anfgefaßt werden. Der Negus hält den Krieg für unausweichlich Der Berichterstatter des„News Chroniele" in Addis Abeba schreibt, die Ueberzengung des Itrgus und auch seiner Berater sei die, daß der Krieg unausweichlich und bloß eine Frage von nur mehr einigen Stunden oder Wochen sei. Der Kaiser setzt alle seine Hoffnungen darauf, daß das Embargo, das heißt das u. a. auch von England erlassene Verbot der Waffenausfuhr nach Abessinien, noch vor Ausbruch der Feindseligkeiten aufgehoben werden wird. Ferner müßten in Europa Abessinien Kredite eingrräumt werden. Bedrohung des Suez«Kanals? Italienische Truppgnkonzentrationen in Libyen London. Mit großer Aufmerksamkeit chpr- dm von der hiesigm Presse die Meldungen über die Verstärkung der italimischm Besatzung in Libyen verfolgt.„Daily Telegraph" schätzt die Stärke der italienischen Abteilungen in Tripolis auf 70.000 Mann und 375 Flugzeuge. Jtalienischerseits wird diese Truppenkonzen- tration in bedrohlicher Nähe Aegyptens mit der Möglichkeit von Auf st ä«den derSenussi begründet. Rmter läßt sich jedoch aus Rom melden, daß rin weiterer Grund darin liege, daß Italien auf die britischm Flottmkonzrntrationen im Mittel- meer mit dem Hinweis darauf antivorten wolle, daß von Lyvien aus ein Handstreich gegen den Suezkanal durchaus nicht außerhalb des Bereiches der Möglichkeit liege. Im Falle von mglisch-italimischen Feindseligkeiten würde eine starke Streitmacht, die aus der Eyrmaira nach Oste« in der Richtung gegen den Suezkanal vorstoßen würde, eine der wichtigsten Vcrbin- dungslinien des Britischen Reiches bedrohen. I« Rom glaube man, daß schon die bloße Gefahr einer solchen Aktion„eine heilsame Wirkung auf Staatsmänner habm müsse, die gegenwärtig an Sanktionen gcgm Italien dächten". Vie Staatskrüppel werden neuerlich gemustert Rom. Alle in den Jahren 1911 bis 1914 geborenen Männer, die auf Grund eines ärztlichen Gutachtens vom Militärdienst befreit wurden, sollen einer neuerlichen Musterung unterzogen werden. Diese Verfügung wird allmählich auch auf alle früheren Assentklaffen, beginnend mit dem Jahrgange 1901, ausgedehnt werden. Luftmanöver über Malta London. Ueber Malta haben in der Nacht zum Donnerstag die lurgekündigtrn großen Luftmanöver stattgefunden. Die Hauptstadt La Valetta war in Dunkelheit gehüllt. Das Flugzmgumtterschiff„CourageouS" griff die Insel an. Starke Scheinwerfer suchtm dm Himmel nach den feindlichen Flugzengm ab. Generalmajor Andrew McCullock, Befehlshaber der 52. Division, reist am Freitag von England ab, nm dm Oberbefehl über die britischen Truppen auf Malta zu übernehmen. Er ist 59 Jahre alt und im Bnrmkrieg und im Weltkrieg ausgezeichnet worden. Im Mittelmeer weilm gegenwärtig nach dm„Times" an britischen Kriegsschiffen sechs Großkampfschiffe, elf Kreuzer und ungefähr 45 ! Zerstörer. Gegenwärtig liegen davon in Gibral- tar zwei Großkampfschiffc imd vier Krmzer» in Alexandria zwei Großkampfschiffe und drei Kren- zer, in Port Said zwei Großkampfschiffe imd ei« Kreuzer, bei der Orlstation von Haifa drei Kreuzer. Wie Reuter ans Gibraltar meldet, wird daS dort am Mittwoch, beziehungsweise Dianstag ein- getroffen« Geschwader der mglischen Heimatflotte für unbestimmte Zeit in Gibral- tar bleibm. Der Bevölkerung von Gibraltar wurde amt- licherseits bekanntgegebm, daß„Umstände eintreten können", welche am Abend das Erlöschen aller Lichter notwendig machen würdm. Die Verstärkung der englischen Truppen in Aegypten wird ununterbrochen fortgesetzt. In London wurde ein Husarmregiment eingeschifft, das nach Alexandrien dirigiert wird. Das erste schottische Garderrgimmt wird Anfang Oktober England verlassen. hlach den Festen Nürnberger Rhetorik und deutsche Wirklichkeit Es war nicht nötig, den Beifallslärm im Rundfunk zu hören, um zu wissen, daß Hitler in Deutschland immer noch gläubige Anhänger hat. Ein zuverlässiges Bild von der Stärke dieses Anhangs gibt aber weder die Größe des Lärms noch die Länge"der Demonstrationszüge. Di« große Masse des deutschen Volkes blieb- teilnahmslos. Eine tiefe Wirkung kann der Nürnberger Parteitag nebst seinem Reichstagsanhängsel auf sie schon deshalb nicht haben, weil die dort gehaltenen Reden meist gar nicht gehört oder gelesen wurden. Die Unruhe, die das Volk erfüllt, die Erregung über die steigenden Lebensmittelpreise, das Bewußtsein der politischen und sozialen Rechtlosigkeit, die Sorge um die Zukunft werden darum nach diesem Parteitag weder stärker noch schwächer sein. Unbeeinflußt von ihm setzt sich der Schmelzprozeß, dem die Massengrundlage des Systems unterworfen ist, weiter fort. War also der Nürnberger Parteitag für das Verhältnis zwischen dem System und den Massen bedeutungslos, so war er das keineswegs für die Auseinandersetzungen innerhalb des Systems selbst. Um diese Auseinandersetzungen zu verstehen, muß man sich daran erinnern, daß die Regierung Hitler vor zwei Jahren und acht Monaten als eine nationalsozialistisch-deutsch- nationale Koalitionsregierung ins Leben getreten ist und sich seitdem zu einer nationalsozialistischen Diktaturregierung'entwickelt hat. Auf dem Wege dieser Entwicklung liegen der Reichstagsbrand, der Sturz Hugenbergs, der Kameradenmord vom 30. Ium 1934, die Auflösung des Stahlhelms, das gefälschte Hindenburgtestament und ähnliche Beweise von Treu und Redlichkeit. Die deutschnational« Partei wurde genau so vernichtet wir die anderen Parteien. Es blieb aber in ihrer Konsistenz unverändert die Herrenschicht der hohen Offiziere und Bürokraten, die Bankiers und die Industriellen, von denen nur ein winziger Bruchteil zu den Nationalsozialisten, pie große Mehrheit aber zu den Deutschnationalen steht. Die nationalsozialistische Partei ist eine Partei der kleinen Leute, aber die nationalsozialistische Parteidiktatur ist eine Diktatur der großen Herren. An diesem inneren Widerspruch krankt das ganze System, mit ihm haben sich auch die Führer auf dem Parteitag herumgequält. Im ganzen stellt der Parteitag einen Versuch dar, die kleinen Leute zu beschwichtigen und sie mit der Diktatur der großen Herren auszusöhnm. Darum mußte Hitler durch sein ganzes Auftreten daran erinnern, daß er nicht nur Alleinherrscher und Gesetzgeber, sondern auch ein alter Bandenführer ist. Diese Erinnerung ist geeignet, die kleinen Leute zu beruhigen und die großen Herren, soweit dies nötig, ein wenig einzuschüch- tern. Die großen Herren bekommen alles, was sie brauchen. Für den Verlust der kaiserlichen Fahne werden sie durch Profit- und Beförderungsmöglichkeiten reichlich entschädigt. Sollten sie-rber übermütig werden und nach der Krone des»Führers" greifen, so gibt es immer noch Erschießungen auf der Flucht. Auf der anderen Seite braucht man aber bin Objekt, an dem die Keinen Leute ihre niedrigste« Instinkte befriedigen können. Zu diesem Zweck hat man in Deutschland die Juden. Die Partei hat einen radikalen Flügel,, dessen Radikalismus sich im Judenkrawall austobt, und einen gemäßigten, dessen Freude am Judenkrawall durch die Angst vor der Auslandswirkung getrübt wird. Zwischen den beiden Flügeln hat der Führer entschieden, indem er die Judenhatze in Ge- setzcsform gegossen und dann seine Anhänger zur Gesetzlichkeit ermahnt hat. Aber auch diese Ermahnung ist nur hypothetischer Natur:, wenn die „formale Bürokratie" im gesetzmäßigen Judenschinden keine Höchstleistungen aufzuweisen hat, sollen die Pogrombanden wieder losgelassen werden. So muß im Lande des„Ersatzes" die Juden« hetze in ihren, beiden Formen als„Ersatz" dienen für die„Brechung der Zinsknechtschaft", für die „Enteignung der Bank- und Börsenfürsten" und viele andere schöne Dinge, die im nationalsozialistischen Programm stehen. Die Bourgeoisie wirft ihre jüdischen Klassengenosscn unbedenklich dem rasenden Mob zur Beute hin, damit hält sie sich ihn vom Leibe, und außerdem verringert sich dis Seite 2 Freitag, 20. September 1935 Nr. 220 Konkurrenz. Der Mob aber heult Beifall, wenn Göring als Hauptinhalt eines neuen Gesetzes zur »inneren Befreiung des deutschen Volkes" verkündet, datz Juden nur noch Dienstmädchen halten dürfen» die über 45 Jahre alt sind. Es ist ausfällig, datz dieses merkwürdige «Gesetz", dessen Roheit nur durch seine Albernheit übertroffen wird, vom Reichstag apportiert werden mutzte. Seit Hitler das Recht der Gesetzgebung auf sein Kabinett übertragen lietz, war daS militärisch befohlene Aufstehen im Nürnberger Kulturvereinshaus der erste Akt einer sozusagen«parlamentarischen" Gesetzgebung. Hitler kann allen Einwendungen, denen er im Kabinett begegnen könnte, entgehen, indem er den Reichstag Mr einstimmigen Annahme seiner Vorschläge kommandiert. In seiner Schlutzansprache hat er mit auffallender Schärte hervorgehoben, datz er als Parteiführer zugleich Oberster Befehlshaber der Wehrmacht ist, und datz demzufolge das Heer unter dem Kommando der Partei steht. Allzulieblich werden diese Radomontaden den Reichswehrgeneralen nicht in den Ohren geklungen haben! Am 30. Jänner 1933 hatte Blomberg als Wehrmini ster der neuernannten Hitlerregierung einen Tagesbefehl erlassen deS Inhalts, datz die Reichswehr unbed'ngt an ihrem überparteiischen Cha- rakter festhalte— und nun soll fie einer Partei untergeordnet sein? Nicht ohne Nachdenklichkeit mögen die Generale die hohle Deklamation des .Führers" gehört haben:«Die Partei bringt dem Heere das Volk." Ja, wenn das Volk nicht mehr mit der Partei geht, was ist dann noch die Partei für das Heer? Zwei Erscheinungen charakterisierten die Entwicklung vor dem Parteitag: das Zusammenschmelzen der MassenbasiS, auf der das System beruht, und das Wachsen der Spannungen an seinen Spitzen. Datz der erste dieser beiden Prozesse durch die Nürnberger Tagung nicht aufgehalten wird, jst schon gesagt worden, ob es gelungen ist, den zweiten zu mildern, mutz die Zukunft lehren. Aber wie immer man über das denkt, was in Deutschland zunächst kommt, auf keinem Fall wird dabei der Arbeiterbewegung in Deutschland etwas geschenkt werden. Schritt für Schritt auf blutiger gefahrvoller Bahn und unter namenlosen Opfern wird sie sich nach ihrem furchtbaren Sturz den neuen Aufstieg erkämpfen müssen. FriedrichStampfer.' Hinter den Kulissen der„Volksgemeinschaft” Wer nicht kuscht— fliest z Wie sich Dr. Brand unbequemer Kritiker erledigt Man lese folgende„Sondermitteilung", die von der Leitung der SdP an alle ihre Parteistellen gesendet wurde: Werte Kameraden! Die„Rumburger Zeitung" hat sich abermals offen in die Front der uns gegnerischen Zeitungen gestellt. In ihrer Ausgabe vom 13. August 1935 veröffentlicht sie eine Bemerkung zu einer Zuschrift Dr. WalterBrands und zur Erklärung des aus der SdP ausgeschlossenen Herrn Dr. Robert Goldberg, die sowohl gegen Dr. Walter Brand, als auch gegen das oberste Ehrenschiedsgericht der Bewegung, wie indirekt gegen die gesamte Sudetendeutsche Partei Stellung nimmt. In ihrer Schreibweise kommt das Bestreben zum Ausdruck, nach bekannten Beispielen Uneinigkeit in unsere Bewegung zu tragen. Auf das entschiedenste müssen die Verdächtigungen gegen das oberste Ehren- schiedsgericht zurückgewiesen werden, das in einem ordnungsgemäßen Verfahren seine Entscheidung gefällt hat. Es ist bezeichnend für die An» maßung und die Tendenz der„Runtburger Zeitung", wenn sie sogar Entscheidungen des obersten Ehrengerichtes der größten sudetendeut» . schen Partei angreift, um sich die Mittel für ihre Zersetzungsarbeit zu beschaffen. Die politische Tätigkeit Dr. Walter Brands als„bedenklich für Einheit und Zukunft des Su« detendeutschtumS" zu bezeichnen, ist ein Angriff nicht nur gegen unseren Kameraden persönlich, sondern gegen die gesamte Bewegung und unmittelbar gegen Konrad Henlein, der sich Dr. Walter Brand zu einem seiner ersten und engsten Mitarbeiter erwählte. Ueber Dr. Robert Goldberg hat daS oberste Ehrengericht bereits entschieden. Durch den Versuch der„Rumburger Zeitung", sich die Stellung eines politischen Sittenrichters in der sudetendeutschen Politik anzumaßen, stellt auch diese fich außerhalb der Bolks- gemeinschaft. Wir wollen sedoch ein für allemal feststellen, daß es weder marxistischen und tschechischen Hintermännern, noch gewissen«völkischen" Intriganten gelingen wird, die echte Kampf« und Arbeitsgemeinschaft von Führung und Gefolgschaft der Sudetendeutschen Partei auch nur im geringsten zu erschüttern. Wie, die«Rumburger Zeitung" des Intrigantentums, der Zersetzungsarbeit, des Ueber- laufens in die Front der gegnerischen Zeitungen und der Anmaßung beschuldigt? Wie, die Getreue, die noch bei den Wahlen begeistert und eifrig den Henlein-Humbug mitmachte und in den vordersten Reihen des sournalistischen Heerbannes stritt — ausgestoßen aus der«Volksgemeinschaft", beschimpft, verfemt, mit dem grotzen Banne belegt?!... Ihr Verbrechen ist allerdings groß: sie hat den sudetendeutschen Gottsöbersten, Dr. Walter Brand,-— Henlein selber ist sa nur die Paradefigur, die als«Führer" der Masse zur Anbetung hingestellt wird— gekränkt und dafür wird sie nun aus der«Volksgemeinschaft" hinauSge- lvorfen, was mit der wirtschaftlichen Schädigung gleichbedeutend ist. Die Maßregelung steht im Zusammenhang mit einem vom«Ehrengericht" der Henleinpartei gegen den aus der früheren nationalsozialistischen Partei zur SdP gekommenen Dr. Robert Goldberg. Dieser hatte über den Spiritus rector der SdP, ecken den Herrn Dr. Walter Brand, verschiedene- erzählt, wa- diesen veranlaßte, ihn vor ein«Ehrengericht" zu zitieren. Ein ' Ehrengericht, das dem Hauptmacher der SdP Un- I recht geben würde, erscheint so gut wie ausgeschlossen, Dr. Goldberg wurde prompt verurteilt, die von ihm erhobenen Beschuldigungen blieben im Dunkel, doch ganz geduldig nahm Dr. Goldberg den Schiedsspruch nicht hin, er veröffentlichte vielmehr in der„R u m b u r g e r Z e i t u n g" eine Erklärung, in welcher er es„alS bedenklich für Einheit und Zukunft des Sudetendeutschtums" bezeichnete, daß Dr. Brand in der SdP die entscheidende Rolle spielt. Daraufhin erfolgte ein Anschnauzer der„Rumburger Zeitung" durch Dr. Brand, weil sie sich unterstanden hatte, die Er. klärung Dr. Goldbergs abzudrucken, was wieder zu einer gepfefferten Antwort der„R. Z." Anlatz war. Die nächste Etappe war die oben abgedruckte „Sondermitteilung", die Dr. Brand, um Rache zu nehmen, bei der Parteileitung durchgesetzt hatte und von der die„R. Z." schreibt, sie hätte sie zu» erst für eine Fälschung gehalten, da es ihr unbegreiflich erschien, daß ein„völkisches" Blatt geächtet werden könnte, weil es an einer einzelnen Person Kritik geübt hatte. Die»,R. Z." wollte Klarheit haben: „So war es bisher guter Brauch unter ehrenhaften Männern und so wollen wir es halten. Wir tun es nicht ohne Not. Wir haben die Hauptleitung der SdP aufgefordert, das Schriftstück zu widerrufen und zurückzuziehen und eine Erklärung in der„Rundschau" abzugegen, die uns Gerechtigkeit widerfahren läßt und die Hauptleitung in keiner Weise bloßftellt. Wir erhielten nicht einmal eine Antwort." Ueber die Behauptungen der„Sondermitteilung" aber schreibt die„Rumburger Zeitung" u. a. dieses: „Wir haben in dem vorliegende« Fall einem LandSmann, dessen unbescholtener Name durch die Art der Veröffentlichung seines Ausschlusses aus der SdP schwer verunglimpft wurde, die Gelegen» beit gegeben, sei« Wort dazu zu sagen. Die Ant- wott deS Herrn Dr. Brand, der in der Erklär»«» deS Dr. Goldberg angegriffen wurde, war ein doppelzündiger Angriff auf uns,— einmal so und höflich an un», und einmal ander- und beleidigend in der„Rundschau". Dagegen setze» wir«nS zur Wehr und schon damals haben wir die Bezichtigung der gegnerischen Einstellung zur SdP als z« dem Zweck gemacht bezeichnet, unS bei dm national gesinnten Sudetendeutschen zu verleumde«. Man hat fich auch jetzt nicht bemüßigt gefühlt, de» Vorwurf der Verleumdung mit stichhältigen veweism zu widerlegen, sondern begnügt fich, die Behauptungm zu wiederholen. Da eS NUS widerwärtig ist, genug Bekanntes und»st Gesagtes«nS zum Lobe auSzu- kramen und zu wiederhole«, gar lal Anlaß einer hinterhältigen, niedrige« Ehratschneiderei, so erklären wir hier ein für allemal: Wenn eS gelingt, uns trotz unseres jahrelange« Kampfes gegen Parteigeist und Zersplitterung im Sudetmdeutschtu« einen Aufsatz,' eine Bemerkung, eine Stellungnahme nachzuweisen, die fich gegm die Einigungsbestrebungen der Sudetm- dmtschm»nd gegm dir SHF, jetzt SdP, voll- zogme Sammlung der überwiegende« Anzahl der Sndetmdmttchm richtet, der möge es tun. Wer e- nicht kann und trotzdem von einer von«n- geleisteten„Zersetzungsarbeit" spricht»der uns eine Gegnerschaft gegm die Einigung der Sudetm- deutschm andichtet, ist rin Verleumder. Gegm Ausdrücke, wie„völkische Jntriga»- 1m" wehem wir uns nicht. Sie tresfm uns nicht, denn fie find zu dumm." ,.Doppelzüngig leit",„Verleumdung",„nied- drige Ehrabschneiderei"— für eine Volksgemeinschaft, an der fa die„Rumburger Zeitung" doch mitgearbeitet hat, ist das schon allerhand. Aber daS ist noch nicht alles, die Abrechnung geht wie folgt weiter: „Damtt wird die Unverfrorenheit offensichtlich, mit der man unter Zuhilfenahme eines logisch schäbigen KettmschluffeS dm von Dr. Brand auf«ns geführtm Angriff zu einem Angriff von«nS auf die„gesamte Bewegung»nd ««mittelbar gegen Konrad Henlein selbst"« m- biegt. Sich auf einmal hinter dm Namen Konrad Hmleins z« verkriechen oder ih« schützend vorznschiebm, weil fich Herr Dr. Brand anscheinend scheut, selbst für seine Sache einzustrhm, ist alles andere als tapfer«nd Wittlich eine Schiebung übelster Art. Man tat da- vermutlich aus zwei Gründen: erstmS, weil man sich besondere Wirkung davon versprach, und zweitens, weil man sich dachte, die Sache bliebe hübsch in einem geschloffmm Kreise und käme nicht an die breite Oeffmtlichkeit. Rur so können wir«ns auch den»nvettchimtm Schluß deS vorletztm Absatzes erklären, in dem die„Rumburger Zeitung" außerhalb der BolkS- gemeinschaft gestellt wird... ....Aber schließlich überwog der A b s ch e« vor der Art, mit der im Dunkeln gegm uns»nd unsere Arbeit gehetzt wird, wie man u»S mit haltlose« Berdächtigungen besudeln »nd unsere völkische Ehre schänden will, indem man»nS ächtet, auS der Volksgemeinschaft ausschließt. Wir aber sollten nicht- davon erfahren, damit wir unS nicht zur Wehr setzen könnm. Man hatte nicht dm politischm»nd journalistischen Anstand und nicht die Geradheit,»nS da- ins Gesicht z» sagm, waS man einer„Sondermitteilung" für die lritmdm Patteistellm a«vertraute, sondern brachte nur dm trauttgm Mut auf, a»S dem Hinterhalt dm Pfeil nach unserem glücken abzuschnellen." Es wäre verlockend, im Wortlaut noch mehr von der Antwort der„R. Z." abzudrucken» aber es sei mtt der Feststellung genug getan, datz der „R. Z." die Zusendung der Henleinschen Pressebriefe eingestellt wurde und datz sie sagt, man habe die Absicht, das Blatt aus Konkurrenzgründen umzubringen und zwar mtt Rücksicht auf da- am 1. Oktober erscheinende Hen- leinsche neue Tagblatt. Nur die kraftvolle Warnung, die die„R. Z." zum Schluffe an die Urheber der„Sondermitteilung" richtet, sei noch hergesetzt: Er möge es sich doppelt überlegen, wenn er dabei, den Begriff der„Volksgemeinschaft" im Munde führend, sein Zitt, da er eS auf sachlichem Wege nicht erreichen kann, mittels Unwahrhettm, Verleumdungen, Verdrehungen»nd Verhetzungen ansteuert: der Knüppel, den er dm Volksgenossen zwischm die Beine schleudern will, kann fich leicht in einen Bumerang verwandeln, der ihm den eigenm Schädel einschlägt, möge sich der sauber» Heckenschütz« auch noch so vorsichtig und hinterlistig in ein vermeintlich schützendes Dickicht verstecken." Wenn man angesichts dieser„völkischen"" Auseinandersetzung einen Wunsch hat, so ist eS der, fie möge weiteste, allerweite st e Verbreitung finden. Der BolkSge« meinschafts-Schwindel erscheint durch sie in wahrhaft bengalische Beleuchtung gerückt. „Volksgemeinschaft"— dm Nicht-alle-werdenden wird sie als Popanz hingestellt, in Wirklichkeit geht es unter den Volksgemeinschaftlern so zu, datz man an daS Treiben der revolverbewaffneten dunklen Gestalten in den Kaschemmen amerikanischer Goldgräberstädten erinnert wird, wie sie in gewissen Abenteurerfilmen gezeigt werden. 29 VILLA OASE Oder: DIE FALSCHEN BORGER Roman von Eugene Debit Berechtigte Uebertragung aus, t dem Französischen von Bejot gr Er rühmte die Gegend. Im Sommer machte er lange Spaziergänge im Walde von Fontainebleau. Außerdem war er im Besitz einer Angelkarte, und sobald die Fischerei begann, satz er in seinem Kahn auf der Seine. „Du kannst alles, was du brauchst, von mir haben." „Danke", erwiderte Julien.„Ich fische weder, noch bade ich. Wir können beide nicht schwimmen." „Dann kannst du auf die Jagd gehen." „Und mir eine blaue Bohne in den Hintern feffern lassm? Ebenfalls abgelehnt. Nein, wir wollen als bare Bürger von unseren Renten leben und uns im Grase aalen." Sie fuhren durch Melun. Am Futz eines bewaldeten Hügels floß die Seine. Ein Zug flitzte vorüber. Hinter Bäumen lag das Dorf Chapelle- sur-Seine. Dann rollte der Wagen auf einer Landstraße, die von Bauernhäusern und stillen weißen Villen hinter Gitterzäunen flankiert war. „Gefällt's dir hier, Dicke? Wir sind gleich am Ziel." Er half ihr aus dem Auto. Beide hoben gleichzeitig den Kopf, um die Villa Oase stillschweigend zu mustern. Es war ein einfaches zweistöckiges Haus mit rotem Ziegeldach, geputzter Fassade, vier Fenstern Front. In der Umfassungsmauer ein fleines Pförtchen. Irma, di- sich während der Fahrt vor Neugier kaum halten konnte, war enttäuscht. Aber Julien beschwichtigte sie mit der Erklärung, die eigentliche Fassade läge nach dem Garten zu. Langlois stellte ihnen Herrn Flechon, einen munteren Vierziger vor, der eS für richtig hielt, ungesäumt mit der Besichtigung zu beginnen. Im Vestibül hing eine schmiedeeiserne Laterne, in der Küche waren Wände ustd Fußboden gekachelt. In das geräumige Eßzimmer führten, zwei Stufen. „Ich verkaufe mit kompletter Einrichtung", bemerkte Flächon.„Alles echter Henri II-Stil." Julien fragte Irma mit einem Blick. Sie blinzelte zustimmend, schien also beftiedigt zu sein. Fttchon gab bereitwillig Auskunft; er erklärte alles, was sie wissen wollten und bald war jede Scheu zwischen ihnen überwunden. Im ersten Stock sahen sie ein großes, schönes Zimmer und ein kleineres, für das Mädchen. Im zweiten Stock noch zwei Zimmer. Auf dem Flur stand die Leiter zum Boden. „'Hinaufklettern können wir später", sagte Julien schnaufend.„Erst müssen wir das Schöyste bewundern." Als sie in den Garten kamen, jauchzte Irma auf. Der Teich! Es war ein zwanzig Meter langes, zehn Meter breites, ringsum gemauertes Becken, das eine Quelle speiste. Wie die Ortsansässigen berichteten, hatte sich früher eine Wäscherei dort befunden. Langsam gingen sie um den Teich herum. Julien neigte sich über die Wasserfläche. Irma klammerte sich an ihm fest. „Vorsicht!" warnte Flechon.„Man kann ertrinken. Der Teich ist zwei Meter tief 1" „Soll man ihn einzäunen?" fragte Irma. „Oder wollen wir einen Kahn darauf setzen?" „Erst wollen wir mal weitergehen", be» merkte Julien lächelnd. Der Garten war viertausend Quadratmeter gr"tz. Er enthielt Gemüsebeete, ein Rosarium, Obstbäume, ein Stückchen Wald mit Dickicht und Fichtenbäumen, alles von einer Mauer umgeben, • die allein ihre dreitzigtausend Franken wert war. Als sie sich umwandten, hatten sie. eine Rasen-1 fläche vor sich iznd den Teich, in dessen stillem Wasser sich der Winterhimmel spiegelte. Hinter kreuzförmig gepflanzten, Linden stand die Villa Oase mit gedeckter Terrasse und mtt Holzbalkon vor den Fenstern. Rechts davon Waschhaus und Garage. „Man könnte sich vielleicht erst einmal stärken", schlug Julien vor. „Ja, die Luft macht hungrig", stellte Irma wohlgelaunt fest. Sie merkte schon die günstige Wirkung der fteien Natur. Ihre finsteren Gedanken waren wie weggeweht. In ihren neuen Pelz eingemummt, ging fie nachdenklich neben den Männern her und atmete tief. Sie sah sich schon in dem Hause und empfing im Geiste den Besuch ihrer Freundinnen. Wenn sie den Kopf ein wenig drehte, hatte sie den Blick ins Seinetal, das sie auf ihren Spaziergängen ost besuchen würde. Die Villa Oase gefiel ihr. Wenn man nur einige Kleinigkeiten veränderte, lietz sich ein prächtiges Haus daraus machen. In aller Gemächlichkeit gingen sie die Rue du Petit Dau hinauf. Bor jeder Billa blieb Ftt- chon stehen, um einen kleinen Vortrag zu halten. Die eine gehörte einem Pariser Großindustriellen, die andere einer Sängerin von der Oper, jene, mit der hohen Mauer, einer Baronin. Jä, es war eine feine Gegend, ohne Arbeiterbevölkerung. Selbst Bauern waren nur noch vereinzelt anzutreffen. Auf dem Kirchplatz begegneten fie dem Pfarrer. „Herr Doutre", sagte Flkchon. Bor einem Wirtshaus machten sie halt. Langlois öffnete die Tür, schob zuerst den Pfarrer hinein, und dann folgten sie, einer nach dem anderen. Julien musterte das Lokal. DaS Cast deS TourseS war es nicht, aber eS sah durchaus nicht übel aus. Gut, für den täglichen Aperitif war also gesorgt, „Einen Picon", bestellte er. „Zwei", rief der Pfarrer. Der Wirt, Herr Paul, ein Schlauberger mit lebhaften Bewegungen, und ausgesprochen pariserischem Akzent, bediente selbst. Julien lud ihn ein. Der Pfarrer sprang auf, grüßte und verschwand. „Ein drolliger Kauz", bemerkte Julien. „Einen ähnlichen lernte ich mal in Transvaal kennen. Das heißt, er war aus der Kirche ausgetreten..." Das Essen zog sich in die Länge. Nach dem Kaffee setzten sich Julien und Flöchon in den Tanzsaal, um ungestört reden zu können. Nach einer Weile tauchten sie wieder auf, beide mit roten Köpfen, und Julien verkündete feierlich: „Die Sache ist perfett. Paul, bringen Sie Champagner." Er hatte gut gegessen, allzu reichlich getrunken, und die frische Lust berauschte ihn vollends. Er lud noch zwei Gäste ein: den Bürgermeister, der im Hauptamt Tischler war, und den Lehrer, einen langen Schlaks, denen er von seiner Billa und seinen Verschönerungsplänen erzählte. Irma mahnte zum Aufbruch. „Ich möchte vor dem Abend in Paris sein, Julien." Stt gingen noch einmal in die Billa. Julien untersuchte die Wandschränke, befühlte die Möbel und durchmaß mit langen Schritten die Räume. Und Irma satz im grotzen Zimmer und träumte von dem angenehmen Leben, das sie erwartete, fern vom Lärm und Hotelbetrieb. Die beiden Männer scheuchten sie auf. Julien öffnete das Fenster, und Fltchon beugte sich hinaus. „Dort sehen Sie Bois-Ie-Roi", sagte er, „too Ihr Freund Nonoche wohnt. Links Sermaize und Fontaine-Ie-Port. Die Aussicht ist wundervoll, und Morgenfonne haben Sie auch. Stt machen einen guten Kauf. Meine Eltern haben dreißig Jahre hier gewohnt, bis zu ihrem Tode." .(Fortsetzung folgt«) Rr. 220 Freitag, 20. September 1938 Seite 3 tfudetendeu tscften Zeifepie^ef das Mitglied Lappat Josef ausschlirßen. Lap- pat selber hat auch eine Grupp« gebildet, di« auf den Obmann Haber losging. Haber wurde im Zeichen der Volksgemeinschaft so verprügelt und mit Fußtritten traktiert, daß Frack undHemd in Fetzen herunterhingen. So zngerichtet taumelte er weinend nach Hause. Das Lokal sah nachher aus wie ein Schlachtfeld. Der Vorfall rief unter den übrigen Mit- gliedern größte Empörung hervor. Einige jugendliche Henlein-Anhänger warfen ihre Abzeichen weg, daß sie am nächsten Tage noch vor dem Gasthaus herumlagen. Auch ein enttäuschter Gewerbetreibender meinte angrsichts solcher Blüten der Volksgemeinschaft, di« einzigen ehrlichen Politiker seien doch nur die Sozialdemokraten. Das Geheimnis der SdP Die Wähler der Sudetendeutschen Partei müßten Gelegenheit haben, die klägliche Rolle, die die von ihnen gewählten Abgeordneten bei der Behandlung ernster sozialer Fragen in den parlamentarischen Ausschüssen spielen, zu beobachten. Während die sozialistischen Abgeordneten mit sorgfältig vorbereiteten Anträgen der Regierung den Weg zu einer wirksamen Bekämpfung der ungeheuren Notlage breiter Bevölkerungsschichten zeigen, wissen die Abgeordneten der Sudetendeutschen Partei außer ein paar nur allgemeine Phrasen enthaltenden Reden nichts zu dieser brennenden Aufgabe beizutragen. Es macht den Eindruck, als ob man sich innerhalb der Henleinpartei über das, was konkret an sozialen Maßnahmen gefordert werden soll, nicht einig werden kann. Darin wird man bestärkt durch das Kommunique, das über die Tagung des Hauptrates der SdP, die vom 11. bis 13. September unter dem Vorsitz Henleins in Spindlermühle stattfand, veröffentlicht wird. Es enthält die folgenden Zeilen: „Nach Berichterstattung über die Krisenverhältnisse im sudetendeutschen Gebiet wurde eine Reihe von Anträgen und Maßnahmen beschlossen, die sowohl im parlamentarischen Bereich wie auch auf dem Wege der Selbsthilfe im kommenden Herbst und Winter durchgeführt weiden müssen." Die Anträge und Maßnahmen, von denen hier gesprochen wird, bleiben das Geheimnis der SdP. Die Sozialdemokraten und die, freien Gewerkschaften haben ihre Vorschläge in der Oef- fentlichkeit vertreten. Die Sudetendeutsche Partei ist, nachdem die Teuerung schon monatelang anhält,.noch ,immer nicht in der Lage. zu sagen, wie sie die Notlage bekämpfen will.--Der Hinweis „auf den Weg der Selbsthilfe" ist doch nur eine klägliche Flucht vor der Verantwortung, die sie als stärkste politische Partei für die Besserung der sozialen Verhältnisse der sudetendeutschen Bevölkerung hat. Wieder 300 Arbeiter-Existenzen in Gefahr Kontingentierung ruiniert den letzten Erwerbszweig im Bezirk Blschoftelnltz Im Bezirk Bischofteinih werden seit mehr als 50 Jahren Feldspat und Quarz, Rohstoffe, die zur Erzeugung von Porzellan, keramischen Waren, Eisenemails und Glas gebraucht werden, gefördert und veredelt. Außer in Schweden und Norwegen kommt dieser wichtige Rohstoff nur noch in der Tschechoslowakei vor. Die skandinavische Ware ist frei von angewachsenen Verunreinigungen und wird daher bevorzugt. Dagegen gelang es den hiesigen Spatmühlen erst nach jahrzehntelangen Bemühungen, im Aufbe- reitun'gsverfahren die Qualität soweit zu verbessern, daß sie auch im Ausland konkurrenzfähig wurden. Daran habe« di« Spatarbeiter selbst ein großes Verdienst, weil sie auf eigene Kosten Hunderte Bersuchsgrabungen durchführten, um die qualitativ besten Vorkommen zu finden. Unter den im Spatbergbast herrschenden eigentümlichen Verhältnissen haben sich die Spatarbeiter durch Uebernahme dieses Risikos das Recht ge- -sichert, in solchen Gruben dann solange arbeiten zu können, als dort guter Feldspat vorhanden war. In den Wintermonaten der letzten Jahre sind bei der Spaterzeugung im Durchschnitt 300 Arbeiter, freilich zu äußerst niedrigen Löhnen, beschäftigt gewesen. Der größte Teil des geförderten Rohstoffes ist nach Deutschland gewandert. Mit Rücksicht auf die billigen Frachtkosten hatte sich die Porzellanindustrie im benachbarten Bayern fast ausschließlich auf den Bezug von hiesigem Feldspat eingestellt. Dieser Markt war gesichert, weil es einen ziemlichen Aufwand kostet, den Betrieb dieser Porzellanfabriken:uf eine bestimmte Sorte von Feldspat einzurichten und weil ein Wechsel der Qualität wieder mit großen Unkosten verbunden ist. Trotzdem sind alle Gruben im Bischofteinit- zer Bezirk derzeit eingestellt und 300 Arbeiter stehen vor der drohenden Gefahr, im kommenden Winter auch noch diesen bescheidenen Verdienst zu verlieren. Die Ursache liegt in einer im Juni d. I. mit Deutschland abgeschlossenen handelspolitischen Vereinbarung, wonach wir Feldspat nur für 100.000 Reichsmark im Jahre nach Deutschland ausführen können. Dieser Abschluß wurde getroffen— und das ist bezeichnend für die unmöglichen bürokratischen Methoden in unserer Exportpolitik— ohne daß dieinländischen Interessenten auch nur gefragt worden wären. Auf Grund dessen sind den deutschen Fabriken Bezüge über das abgeschlossene Kontingent hinaus verboten worden. Ein Teil der bisherigen Abnehmer ist schon abgefallen. In Deutschland sind daneben noch wissenschaftliche Versuche im Gange, die dem Zwecke dienen, durch entsprechende Verarbeitung der eigenen Materialien jede Spateinfuhr überflüssig zu machen. Es besteht also die Gefahr, daß dieser letzte industrielle Erwerbszweig des Bezirkes Bifchofteinitz dauernvernichtet wird, wenn nicht in letzter Stunde eine Aenderung der Kontingent-Vereinbarung erzielt werden kann. Derzeit sind Bemühungen im Gange, die Existenz der 300 Spatarbeiter z« retten und die zuständigen Behörden hätten allen Grund, sich ernstlich zu bemühen, daß die Folgen der unbegreiflichen Borgangsweise vom J«ni d. I. gemildert werde». Eindeutig unsozial! Henlelnbauern ruinieren die Klelnlandwlrte Herr Sandner hat unlängst behauptet, feine Partei sei„eindeutig siyial". Jeder Tag bringt aber neue Beweise, daß gerade die vermögenden Anbeter Henleins eindeutig unsozial handeln. Hier ein neuer Beleg dafür. In der Gemeinde Hniemitz, Bezirk MieS, wurden unlängst die Gemeindegründe verpachtet. Die im Ort herrschenden Henleinbauern hatten sich verabredet, die Pachtpreise um daS Zwei« bis Dreifache hinaufzusteigern. Die Nei- nen Bewerber konnten die geforderten Pachtsummen nicht zahlen und fielen bei der Lizitation aus. So haben die wohlhabenden Henleinbauern auch noch die Gemeindepachtgründe an sich gerissen! Diesen VolkSgemeinschaftlern macht eS gar nichts aus, daß so mancher arme Teufel dadurch gezwungen wird, seine letzte Kuh zu verkaufen. ES wäre schon hoch an der Zeit, die Gemeindeordnung in dem Sinne zu revidieren, daß bei der Vergabe von Gemeindepachtgründen in erster Linie die bedürftigen Kleinbauern und Häusler zu berücksichttgen sind. Die Kleinbauern und Häusler fordern Hilfe Eine Abordnung des Zentralverbandcs der deutschen Kleinbauern und Häusler, bestehend aus den Genossen Schmidt, Zenker, Mrasek und Michel sprach Donnerstag unter Führung des Genossen Abg. I a k s ch in der deutschen Sektion des LandeSkulturrateS für Böhmen vor, um diese berufene Interessenvertretung auf den schweren Notstand der kleinen ländlichen Existenzen in den deutschen Randgebieten aufmerksam zu machen. In einer Aussprache mit dem amtierenden Vizepräsidenten, Herrn L i e b l und den zugezogenen Fachreferenten wurde zur Erörterung gestellt: der katastrophale Mangel an Futtermitteln und seine Auswirkung auf die kleinen Viehzüchter, die unhaltbaren Futtermittelpreise des Getreidcmonopols, die Schikanierung der Häusler und Kleinlandwirte durch den letzthin vorgeschriebenen Selbsttransport ihres Mahlgetreides in die Lohnmühlen, die Ungerechtigkeiten bei der Durchführung des Hopfenrestriktionsgesetzes usw. Die Delegation ersuchte um Einschreiten des Landeskulturrates bezüglich der Beistellung, bzw. Kreditierung von Futtermitteln, Kartoffeln und Saatgut für die landwirtschaftlichen Notstandsgebiete. Ferner wurde die Forderung nach angemessener Berücksichttgung der bedürftigsten Kleinlandwirte und Häusler bei der Durchführung der notwendigen Hilfsmaßnahmen erhoben. Herr Vizepräsident Liebl betonte in seinen Ausführungen, daß bezüglich der einzulcitenden Hilfsmaßnahmen durch die deutsche Sektion des Landeskulturrates dem Landwirtschaftsministerium bereits entsprechende Vorschläge unterbreitet wurden. Auch wegen einer objektiven Durchführung der in Vorbereitung befindlichen Aktion wurden von ihm befriedigende Zusagen gegeben. * Im Laufe der nächsten Woche wird in Prag eine gemeinsame Sitzung der sozialistischen Kleinbauernverbände stattfinden und sich mit den notwendigen weiteren Schritten zur Durchsetzung der Notstandsforderungen der Kleinbauern und Häusler befassen. Volksgemeinschaft— daß die Fetzen fliesten Aus Höllischen wird berichtet: Samstag nachts bekämpften sich unsere Henleinleute untereinander so heftig, daß Gläser und Stühle herumflogen. Eine Gruppe wollte Subkomitee um eine Woche vertagt Agrarier wollen erst Erhebungen pflegen Prag. Die Beratungen des Subkomitees deS sozialpolitischen Ausschusses wurden gestern auf eine Woche, das ist bis nächsten Do n- n e r S t a g vertagt. Bon dem sozialistischen An- trag, der zur Verhandlung steht, wurden nach dem offiziellen Bericht all« jene Punkte angenommen, welche dieArbeitsbe sch a f f« n g und die Einreihung einer weiteren Anzahl von Arbeitslosen in de« Arbeitsprozeß betreffen. Ferner wurden auch die Bestimmungen angenommen, die sich auf die Ergänzung und Novellierung des Kartellgesetzes beziehen. Dann kamen jene Puntte zur Verhandlung, welche bestimmte Maßnahmen gegen die Verteuerung von wichtigen Lebensmitteln Vorschlägen (Freigabe der Kartoffeleinfuhr, Erhöhung des Kunstfettkontin^ents, Herabsetzung der Futtermittelpreise, eventuell Freigabe der Vieheinfuhr und schließlich Herabsetzung des Zuckerpreises). Der Vertteter der tschechischen Agrarier, D u b i c k h, erklärte, man müsse zunächst, da es sich um vitale Interessen der landwirtschaftlichen Bevölkerung handle, genaue Daten über den Stand der einheimischen Produktion in diesen Zweigen einholen,, und beantragte zu diesem Zwecke die Vertagung der Verhandlungen, was von der Mehrheit auch genehmigt wurde. Die„Prager Presse" erfährt hiezu, das gleichzeitig Vorbereitungen zu Beratungen der Koalitionsparteien getroffen wurden, zu welchen Ackerbauminister Dr. H o d z a, Fürsorgeminister Jng. N e c a s und Innenminister Dr. CernH geladen sind. Diese Beratungen, die eine Verständigung über die Anträge bezwecken, die einerseits auf den Schutz der landwirtschaftlichen Pro« duktion, andererseits auf den Schutz der Konsumenteninteressen abzielen, sollen Montag abends einsetzen. * In diesem Zusammenhang muß verzeichnet werden, daß der agrarische Parteivorstand sich am Mittwoch gegen«ine Erhöhung der Kunstfctt-! kontingents ausgesprochen hat. Das freitägige! „Prävo Lidu" bedauert diesen Beschluß und hofft, daß die Agrarier ihn nach reiflicher lieber« legung noch revidieren werden. Fleischeinfuhr Mittwoch fand eine Ausschußsitzung des Viehsyndikates statt, in der über Antrag des Genossen Hain beschlossen wurde, für den Monat September ein Ergänzungskonttngent von 7000 Schweinen zur Einfuhr zu bewilligen. Für den Oktober wurde das Kontingent mit 14.000 Stück bemessen und für den Fall, daß dies nicht genügen sollte, überdies eine Reserve von 6000 Stück. Außerdem wurden für den Oktober 170 Waggons Schmalz zur Einfuhr fteigegeben. Butter und Eier werden nach Bedarf eingeführt werden. Genosse Hain teilte ferner mit, daß er für die Verbrauchergruppe Verhandlungen mit der Regierung wegen Einfuhr von Rindvieh und Regelung der Einfuhrzölle eingeleitet habe. Cripps resigniert London.(Tsch. P.-B) Der ExekutivauS- schuß der Arbeiterpartei hat die Resignation seines Mitgliedes Sir Stafford Cripps entgegengenommen und daS Bedauern ausgesprochen, daß seine in Widerspruch mit der Anwendung von Sanktionen stehenden persönlichen Ansichten mit der Polittk der Partei nicht in Einklang stehen. Es wurde ferner konstatiert, daß Cripps k e i st e n Gegensatz zwischen der sozialistischen Liga, deren Führer er ist, und der Arbeiterpartei wünsche. * Nach einem im„Daily Herald" veröffentlichten Schreiben ist der Grund für den Rücktritt Cripps der gleiche, wie für die Niederlegung der Führung der Arbeiterpartei im Oberhause durch Lord Ponsonbh. Beide sind mit der offiziellen Politik des Vollzugsausschusses in der Frage möglicher Sanktionen nicht einverstanden. Diese Politik war erst vor zwei Wochen in Mar- gat h e auf einer gemeinsamen Sitzung de? Generalrates des Gewerkschaftskongresses und der Vollzugsausschüsse der Arbeiterpartei und der parlamentarischen Arbeiterpartei bestätigt worden. Der Gewerkschaftskongreß hatte diese Politik mit beinahe drei Millionen Stimmen Mehrheit airgenommen. Die norwegischen Gewerkschaften treten der Amsterdamer Internationale bei Oslo.(Havas.) Der Generalral der norwegischen Gewrrkschastsorganisationen beschloß mit großer Sttmmenmehrheit, ab 1. Jänner dem Internationalen Gewerkschaftsbnnd brizutreten. * Die norwegischen Gewerkschaftsorganisatto- nen waren bisher nicht Mitglieder der Gewerkschafts-Internationale. Ebenso ist die norwegische Arbeiterpartei weder Mitglied der sozialistischen noch der kommunistischen Internationale. Fünf Jahre Kerker wegen Verbreitung Illegaler Druckschriften Leoben. Hier wurde wegen Hochverrats, begangen durch di« Verbreitung illegaler Druckschriften, der 27jährige Hilfsarbeiter Josef Schmeller aus Knittelfeld vom Schwurgericht z« fünf Jahren schweren Kerkers verurteilt. Er betätigte sich für die sogenannten revoluttonären Sozialisten und wurde von einer Konfiden- tin der Gendarmerie angezeigt. Hazlgendarm schießt über die österreichische Grenze Wien. An der österreichisch-deutschen Grenze bei Schärding ereignete sich Mittwoch folgender Zwischenfall: Als ein österreichischer Gendarm mit einem ordnungsmäßigen Paß versehen, die deutsche Grenze passierte, hielt ihn unmittelbar darnach ein SS-Mann an und setzte ihm seinen Revolver an die Brust. Der Gendarm sprang zurück und befand sich auf österreichischem Boden. In diesem Moment f ch.o ß der SS-Mann und verletzte den österreichischen Gendarmen schwer. Der SS-Mann konnte unbemerkt entkommen; der schwerverletzte Gendarm wurde später von Vorübergehenden aufgefunden. Höllenmaschine explodiert In der Linzer Pollzeldirektlon Linz. Mittwoch erhielt die Bundespolizeidirektion Linz ein P a k e t, das der diensthabende Kriminalbeamte öffnete. In diesem Augenblick explodierte das Paket, wobei der Kriminalbeamte sehr schwer verletz t wurde. Es konnte einwandftei festgestellt werden, daß sich in dem Paket eine Höllenmaschine befand. Abessinien— ein zweites Belgien? London. Der ehemalige britische Premierminister Lloyd George hielt in Bradford eine Rede, in der er u. a. erklärte, daß ein Angriff gegen Abessinien ein Angriffskrieg von der gleichen Bedeutung wie der Einfall in Belgien im Jahre 1914 sein würde. Lloyd George fügte hinzu, daß er sich mit Sanktionen, die zu spät kommen würden, um wirffam sein zu können, nicht zuftieden geben würde. Belgische Offiziere führe« abessinische Freiwillige Addis Abeba. In Anwesenheit des Negus und des Kriegsministers wurden(5000 Freiwillige unter das Kommando der neu angekommencn belgischen Offiziere gestellt. Vor neuen Spardekreten Lavals Paris. Das Finanzministerium bereitet neue Regierungsdekrete über Sparmaßnahmen vor. Staatsbeamtinnen, welche mit Staatsbeamten verheiratet sind, wird das Gehalt um ein Drittel gekürzt werden. Auch die Aemterkumulierung der Staatsbeamten wird verboten. Es wird weiters erwogen, die Altersgrenze der Staatsbeamten auf 56 Jahre herabzusetzen und bei einigen Zweigen sogar auf 50 Jahre. Die Gewerkschafts- und Linkspresse protestiert scharf gegen die beabsichtigten Dekrete. Große Schweinelieferunsen aus Jugoslawien nach Deutschland? Belgrad.(Avala.) Wie die Blätter melden, werden in den nächsten Tagen zwischen Jugoslawien und den zuständigen d e u tz ch e n Handelskreisen Verhandlungen über die Ausfuhr einiger hunderttausend jugoflawischer Schweine nach Deutschland eingeleitet werden. Sette? Freitag, 20. Geptemker 1035 Nr. 22V N-estmügLeiteir Pogrome in Hannover Zeh« Sude« erschlage« Der„Neuen Weltbühne" wird aus Hannover berichtet, daß in der Umgebung der Stadt SA' im Bunde mit Jugendlichen und gemietetem Gesindel planmäßig die Dörfer überfällt und regelrechtePogrome inszeniert. Die jüdischen Wohnungen werden gestürmt, man schlägt alles kurz und klein; die Juden — Männer, Frauen und Kindor— werden aufsfurchtbarstemitzhandelt. Neber- wachungskommandos bleiben zurück, um aufzupassen, daß die Bevölkerung ihnen später keine Hilfe gewährt; kein Arzt darf kommen, und niemand darf darüber sprechen, was passiert ist. Nach den Mitteilungen einiger Juden, denen es gelang, nach Hannover zu entkommen, steht bisher fest, daß mindestens zehn Urberfa l l e n e entweder sofort totgeschlagen wurden oder später an den Folgen starben. Die hannoverschen Zeitungen berichten nicht eine Silbe, die zuständigen Stessen wissen von nichts. Einzel- aktionen find ja aufs strengste verboten... 180.000 Obdachlose Nanking. Bei Hsia-Zetzuan in der Provinz Kiangsu arbeiten seit acht Tagen 12.000 Mann nntcr glühender Sonnenhitze, um das Hochwasser des Hoangho abzudämmen. Sie haben bereits einen 25 Kilometer langen N o t d a m m errichtet. Man hofft jetzt, die Fluten endgültig eingedämmt zu haben. Trotzdem sind durch die letzten Dammbrüche im Bezirk von Peishien aufs neue 180.000 Menschen obdachlos geworden. Die Fluten haben die S o j a p f l a n- zungen acht Tage vor der Ernte völlig vernichtet. Unzweifelhaft sechs verbrannt Die armen Opfer des Schobrrbrandes Mährisch-Ostra«. Der Schoberbrand auf dem staatlichen Gute in Friedck wurde gestern vormittags gelöscht. An der Brandstätte fand sich bereits Mittwoch eine Gerichtskommiffion ein, die dort auch gestern tätig war. Aus der Asche wurden verkohlte Knochen geborgen, nach deren Prüfung die Gerichtsärzte erklärten, daß unzweifelhaft sechs Menschen verbrannten. Die Aerzte schließen aber die Möglichkeit nicht aus, daß noch mehr Personen verbrannten. Die Identität der Brandopfer wird kaum fcstgrstellt werden können. E h h l e k ist bereits den erlittenen Brandwunden erlegen., * B.-Budweis. In der Aktiengesellschaft in Kolm gehörenden Böhmisch- Budweiser C h e m»» scheu Fabrik brach gestern vormittags Feuer aus. An der Lokalisierung des Brandes, der bald bewältigt werden konnte, beteiligten sich 12 Feuerwehren und Militär. Trotz starkem Winde wurde eine Ausbreitung des Feuers auf die übrigen Fabriksgebäude verhindert. Es verbrannten die Dächer der Werkstättengebäude. Die Ursache des Brandes uno die Höhe des Schadens werden untersucht. Schweres Flugunglück Bukarest.(Rador) Ein Militär-Hydroavion aus Constanza stürzte ins Meer ab, wobei ein Leutnant, zwei Piloten und ein Mechaniker schwer verwundet wurden und ein Radiotelegraphist ertrank. Tas Flugzeug ist vernichtet worden? Ist Gold Wertvoll? Auf den ersten Blick scheint die Frage, ob Gold wertvoll ist, rasch zu lösen zu sein. Man nimmt einen Klumpen Gold und zum Vergleich einen gleichen Klumpen Eisen und geht damit zur nächsten Bankfiliale. Dort wird man dann deutlich sehen, wieviel Geld und Waren man für den Klumpen Gold eintauschen kann und wie wenig für den gleichen Klumpen Eisen. Einzuwenden ist gegen diese Lösung die Frage, ob eine Bankfiliale den Schiedsspruch wirklich unbefangen und besser als wir selber fällen kann. Wir müssen bedenken, dass Bankfilialen Vertreter des herrschenden Wirtschaftssystems sind. Dass dieses Wirtschaftssystem aber irrsinnig ist,.können wir an vielen anderen Dingen beobachten. Während Millionen Hungernde auf der Erde sitzen, behauptet dieses System, es hätte zuviel Nahrungsmittel und müsse sie ins Meer werfen oder anzünden oder Strassen damit pflastern. Das ist die typische Handlungsweise eines Wahnsinnigen. Sollen wir von Vertretern dieses Wahnsinnigen entscheiden lassen, ob Gold oder Eisen wertvoller sei? Es ist eine schlechte Gewohnheit, die wir von dem grossen Irrsinnigen angenommen haben, Waren in erster Linie nicht nach dem Gebrauchswert, sondern nach dem Tauschwert zu beurteilen, obwohl uns jedes Fünkchen des verbliebenen Menschenverstandes sagt, da sses umgekehrt sein Nach dem Nürnberger Parteitag Der deutsdibewußte Jude: „DaS Hakenkreuz darf ich nun nicht mehr zeige«, dafür steht aber meine jüdische Flagge unter staatlichem Schutz". Ziehung der Klassenlatterie' (Ohne Gewähr.) Prag. Bei der DonnerStag-Ziehung der IV. Klaffe der 33. tschechoslowakischen Klaffenlotterie wurden nachfolgende Lose gezogen: K£ 20.000 die Lose Nr. 48598 36938 84788. K6 10.000 die Lose Nr. 72795 43109 1479 106661. Kö 5.000 die Lose Nr. 10848 53969 47635 70414 14041 21014. K6 2.000 die Lose Nr. 26134 53766 33596 58909 72045 806 43126 34851 60973 38936 91499 100207 99146 92705 60123 16488 37226 13735 9697 36294 62205 46169 56745 73965 81583. Kultnrführer. Nach einer Meldung der „Frankfurter Zeitung" hatte der Geschäftsführer der Reichskulturkammer, Hans Hinkel, mit einem Redakteur eines Frankfurter Blattes eine Unterredung über die Neuorganisation der Kulturkammer. Diese Kulturkammer des Dritten Reiches entscheidet bekanntlich über alle personel- len und künstlerischen Fragen, über Musik, Theater, Ltteratur, Malerei und Bildhauerarbeiten genau so wie über die Menschen, welche die Organisationen dieser Kunstgruppen führen. Wie es um die Führung der Kunst und die Führung der Organisation der Künstler heute bestellt ist, darüber erhalten wir durch Hinkel hinreichende Auskunft:. „Der berufenste Künstler bringt noch nicht die Voraussetzung mit, nationalsozialistischer Kulturpolitiker zu sein. Der im Erleben des Kampfes • gewordene Nationalsozialist dagegen besitzt alle Be- röchtichMg', vle'kulturpoliiischm Forderungen unserer Weltanschauung zu verwirklichen und er ist somit zwangsläufig der Führer der Kulturschaffenden. Wir haben erlebt, um nur ein Beispiel zu nennen, dass einer der grössten schaffenden Künstler, die wir heute haben, kulturpolitisch versagt hat, beziehungsweise versagen musste in dem Augenblick, wo es darum ging, für die selbstverständlichen rassemätzigen Voraussetzungen auf einem speziellen Gebiet entscheidend einzutreten."....„Dem entsprechend wurde bei personellen Entscheidungen gehandelt und Vorsorge getrosten, dass von nun an, da die Reichskulturkammer in ihrem endgültigen Aufbau steht. Mich die kleinste Gruppe von Kunst- und Kulturschastenden von nationalsozialistischen Persönlichkeiten, die mit dem Herzen denken können, geführt wird." Also im Geiste Horst Wessels müssen Kunst und Künstler geführt werden. Der Trommler einer Ml-Kolonne kann über den grössten Dichter oder Musiker den Sieg davontragen. Denn diese denken mit dem Hirn, im Dritten Reiche aber sind nur Menschen beliebt und anerkannt, die mtt verrohtem Herzen denken. Der SS-Mann: „Mei« Fräulein, find Sie auch wenigste«- art- verwandten Blutes?" Die Sieger in der Gordon-Benett-Konkur- renz. Aus den diesjährigen internationalen Ballon-Konkurrenzen um den Gordon-Benett- Preis sind folgende Ballons als Sieger hervorgegangen: An erster Stelle plazierte sich der polnische Ballon„P o l o n i a" mit den Piloten Hauptmann Burzynski und Oberleutnant Wysocki, der die längste Flugstrecke von 1660 Kilometern in 60 Stunden zurücklegte. Der Ballon landete im Bezirke Jlowla, 60 Kilometer nördlich von Stalingrad. Die zweite Stelle besetzte der polnische Ballon„W a r s z a w a7 mit 1500 Kilometern, die dritte der belgische Ballon„B e l- g i c a" mit 1400 Kilometern und die vierte der deutsche Ballon„Erich D e k u" mit 1400 Kilometern. Der Gordon Benett-Pokal ist somit endgültig in den Besitz Polens übergegangen, das zum dritten Male den Sieg in den internationalen Freiballon-Konkurrenzen verzeichnen kann. Die Kurfrequenz Karlsbads hat sich im Vergleich zu der Saison 1934 fa st r e st l o s zu behaupten vermocht. Am 17. September blieb die Zahl der Kurfrequenz nur um ein Prozent hinter der Ziffer zur gleichen Zeit des Vorjahres zurück. Nach den einzelnen Ländern ergibt sich bis zum 14. September d. I. folgender Besuch: Tschechoslowakei 15.768(1934: 116.387), Oesterreich 3272(3400), Ungarn 898 i(1596), Deutschland 6512(6307), Rumänien 2093(2441), Polen 3213(3062), NSA 806 (690), Grohbritannien 453(375), Frankreich 536(576), Schweiz 566(488), Italien 252 (225), Schweden 277(201), die übrigen Staaten 2868( 2295). Bis zum 14. September wurden somit 37.532 Personen gemeldet, was verglichen mit dem Vorjahr ein Minus von 512 be» deutet. Dieses MinUS ist'bk? zutn 17.'Gtpteinbed auf 375 Personen- zurückgegangen: Allerdings kann aus den relativ günstig lautenden Ziffern kein Rückschluss auf den Erfolg der Saison gezogen werden, da dieser von der Kauflrast des Kurpublikums abhängig ist, welche gerade in diesem Jahre durch die herrschenden Devisenschwierigkei« tcn aufS äusserste beschränkt war. Blutige Bodenverteilung. Anlässlich einer Bodenverteilung entstand in einem Dorfe im mexikanischen Staate Puchla eine Schlägerei, bei der zehn Personen erschlagen und 20 Personen verwundet wurden. Ein Bataillon Infanterie stellte die Ruhe wieder her. Zwanzig Per- ;onen wurden verhaftet. Em großes Meteor wurde am 12. September l. I. um 21 Uhr 48 in O st b ö h m e n und in Mähren beobachtet. Das Meteor zeigte einen langen glühenden Schweif. Die Stefanik-Bolks- sternwarte in Prag-Petkin bittet alle Beobachter, ihr alle Beobachtungen’ mitzuteilen. Gewünscht werden folgende Angaben: 1. Beobachtungsort, 2. Zeitpunkt der Beobachtung, 3. Lage des Eintrittsund des Auslaufpunktes der Meteorbahn, am besten an Hand der Posttion der Sterne oder nach Weltrichtung und der Höhe in Bogcngraden über Der selige Hindenburg: „Nur noch Hakenkreuzfahnen— und ich wollte doch die ganz« Sache für Schwarz-weiß-rot machen!" dem Horizont, 4. Beschreibung der Erscheinung und ihrer Spuren(Dauer der Spuren, Bewegung, Farbe des Meteors usw). Wichtig sind insbesondere die Beobachtungen aus jenen Orten, welche die Erscheinung direkt im Zenit(gerade über dem Kopfe) hatten und ferner aus jenen Orten, in denen die Erscheinung keine Bewegung zeigte, sondern als helftr Punkt gesehen wurde. Sind daran auch die Juden schuld? In G l e i w i tz war plötzlich auf einem hohen Fabrik- schornstein in Riesenbuchstaben zu lesen:„Wir hungern, sind daran auch die Juden schuld?" Darauf wurden 200 Arbeiter verhaftet, ohne daß man der Täter habhaft werden konnte. 19 betrügerische Stencrbcamte verhaftet. Bei der Steuerbehörde in Montevideo wurden gross: Unterschlagungen aufgedcckt. Es handelt sich um einen Betrag im Werte von'rund einer Million Reichsmark.• Neunzehn Beamte der Steuerbehörde sowie verschiedene Privatpersonen, denen die Fälschung geschäftlicher Steuererklärungen sowie Schiebungen mit Stempelmarken und Stempelpapieren nachgewiesen wurde, wurden verhaftet. Unbeständiges Wetter. Im Zusammenhang mit einer sehr tiefen Druckdepreffion über der Nordsee weht ein westlicher Luftstrom vom Ozean gegen das Festland. Eine schmale Zone besseren Wetters über Mitteleuropa zieht gleichzeitig ostwärts ab. In Karpathenrussland, wo es Donnerstag morgens noch geregnet hat, tritt nunmehr eine allmähliche Aus« heiterung ein; dagegen hat sich der Himmel in Böhmen wieder umzogen und in der Umgebung des Erzgebirge- ist etwas Regen gefallen. Bei frischem Westwind dürfte der allgemeine Wettercharakter zunächst noch unbeständig bleiben.— Wahrscheinliches Wetter von heute: Unbeständig, im "allgemeinen"'wieder stärkere Vewisskung und zeitweise Regenneigung, mässig warm, frischer, auf den Bergen stärkerer Westwind. Rur im Südosten der Republik etwa- besseres und ruhigeres Wetter.— Wetteraussichten für Samstag: Im Westen der Republik Besserung, im Karpathengebiet noch unbeständig. Vom Rundfunk empfehlenswertes aus«an ProgramwMai Sam-tag: Prag, Sender L: 10.05: Deutsche Presse, 11: Schallplatten, 12.10: Leichte Musik, 16.80: Blasorchesterkonzert, 17.45: Chansons auf Schallplatte«,'/ 18.20: Deutsche Sendung: 800 Jahre Klavier- musik, 19: Deutsche Presse, 22.80: Orchester auf Schallplatten. Sender S: 7.30: Leichte Musik, 14.10: Deutsche Sendung: Janetschek: Musikalische Zeitgeschichte, 14.40: Kulturrelief, 14.50: Deutsche Rundfunkmeldungen.— Brünn 15: Orchesterkonzert, 17.40: Deutsche Sendung: Klaviermusik für das Kind, 18.20: Schallplatten: Tschaikowski, 18.45: Operettenlieder.— Mährisch- Ostrau 12.80: Orchesterkonzert, 18: Wandervogellieder.— Preßburg 20.15: Lehar: Wo die Lerche singt.— muss. Wenn heute eine Nation Zucker erzeugt, dann fragt sie nicht: welchen Nährwert hat dieser Zucker für unsere Hungernden?, sondern sie fragt: wo kann ich diesen Zucker in der Welt sür irgendetwas anderes vertauschen, am besten für Gold? Zu essen braucht man nicht, tauschen muh man und am schönsten tauschen kann man mit Gold. Wollen wir also lieber zu unserem eigenen Verstand zurückkehren und uns eine einfache Frage vorlegen: Was wäre schlimmer für die Menschen, wenn das Gold oder das Eisen aus der Welt verschwände? Leicht kann das jeder selber beantworten. Unsere ganze Lebensweise bräche zusammen, wenn wir plötzlich das Eisen nicht mehr hätten. Wir würden Jahrzehnte eines anstrengendsten Kampfes der ganzen Menschheit erleben, um dieses so wertvolle Metall nur in gewissen Grenzen ersetzen zu können und ganz würde uns das sicher auf lange Zeit hin nicht gelingen. Werfe jeder nur einen Blick um sich und er kann ganz ermessen, wie wertvoll uns dieses grauweisse Eisen ist. Was würde dagegen geschehen, wenn dieses gelbe Metall Gold aus der Welt verschwindet? Nichts! Vielleicht würde man deutlicher erkennen, dass der beste Garant einer Geldwährung der Wohlstand des ganzen Volkes, ein Bblk ohne Ar- beitslosigkeit und ohne Hunger ist. Man würde sehen, dass die gerechte Verteilung der Arbeit und der Güter ein Volk reicher macht, als Riesen mengen eines gelben Metalls, das in den Tresoren liegt. Wozu ist Gold denn noch nütze, als in eisernen Tresoren zu liegen? Gold als König der Schmuckmetalle, weil es glänzend und unveränderlich ist, das existiert nur noch in der Einbildung einer gewissen Schicht. Wie sehr nur in der Enbildung— das zeigt eine Geschichte, die sich in drei europäischen Hauptstädten, zuerst in Paris, dann in London und zuletzt in Prag abgespielt hat. Gold ist für Schmuck zu weich. Es muss mit anderen Metallen zusammengeschmolzen werden, um hart genug für den Gebrauch zu sein. Schmilzt man es mit Kupfer, gsbt es rotes Gold, schmilzt man es mit Silber, dünn gibt es das noch ,,wertvollere" weihe Gold. Solches weisses Gold wurde den Juwelieren der Grossstädte, also gewiegten Fachleuten, angeboten. Ein Ausländer erschien bei ihnen und gestand unumwunden, dass er Gold geschmuggelt hätte. Er öffnete ein Paket und zeigte einige Barren herrlichstes Weissgold. Normales Weissgold. kostet das Kilo achtzehntausend Kronen, er würde es um vierzehntausend geben. Aber sie mühten sich rasch entscheiden, denn er habe keine Lust, mit der Polizei... Die Juweliere sahen ein Geschäft. Sie prüften das Gold mjt ihren Säuren. Es widerstand und verhielt sich wie— Gold. Nur später im Schmelzfluss, bei der komplizierten technischen Bleiprobe stellte es sich dann heraus» dass dieses so schöne und unangreifbare Metall kein Körnchen Gold und nur Eisen, Chrom und Nickel enthielt. Die Juweliere mutzten schweigen, denn sie hatten sich beim Einkauf gegen alle Vorschriften des Goldhandels vergangen. Wir ersehen aus dieser Affäre, dass das Gold auch in dem kleinen Reich seiner technischen Herrschaft geschlagen ist. Während in der Industrie des billigen Schmuckes die Vergoldung in den letzten Jahren durch die Herrschaft des Chroms verdrängt wurde, kann man jetzt, wie wir sahen, aus billigen Metallen eine so goldähnliche Legierung herstellen, dass sie auch Juweliere nicht mehr zu unterscheiden vermögen. Es ist nur eine Frage der Zeit, wann diese neue Legierung allgemein bekannt sein wird. Vorläufig behält der grosse Unbekannte das Geheimnis der genauen Zusammensetzung, mit dem er auch auf reelle Art sicher Geld verdienen könnte, für sich. Er hält die Methode der Eisenerzeugung und des Schwarzverkaufes der Eisen-Chrom-Nickelstangen an Juweliere zum ermäßigten Wcissgoldpreis für einbring- licher. Es bleibt uns also von den königlichen Eigenschaften des Goldes nur noch seine grosse Dehnbarkeit. Diese könnte ihm zusammen mit seiner chemischen Widerstandsfähigkeit schon eisten bescheidenen Platz in der Technik sichern. Aber es muss sich dann in die Reihe anderer technischer Spezialmetalle republikanisch einordnen. Von einem Köyig der Metalle ist dann keme Rede mehr. Kurt Doderer. 9t. 220 Freitag, 20. September 1935 Seite 5 e Jugend. Im 17. Wiener Gemeindebezirk wurde dieser Tage eine Bande festgenommen, deren alte st es Mitglied noch nicht 14 I a h r e alt ist. Die Bande hat wiederholt in Ge- schäftsläden im 18., 17. und 7. Bezirk umfangreiche Diebstähle ausgeführt. DaS Liebeslebcn der Hirsche setzt mit dem Beginn des Herbstes ein. Wer jetzt durch die Wälder bei Herrnskretschen wandert, hört gegen Abend das prachtvolle Röhren der brunstenden Hirsche. Besonders auf dem Prebischtor hört man von allen Seiten ein seltenes Konzert von eindrucksvoller Wirkung. Politische Speisekarte. Die Speisekarte des am Donnerstag in Genf beim Völkerbund veranstalteten Essens der Journalisten enthält außer den üblichen Zeichnungen der Karikaturisten Derso und Kelen, die die politischen Persönlichkeiten der heurigen Bölkerbundsversammlung in Gewändern des Königs Salomon darstellen, eine ganze Reihe SprichwörterSalomons, insbesondere: «Mir gehört der Rat und der Erfolg",«Ich bin die Vorsicht, ich habe die Kraft, mit mir herrschen die Starken und Großen",«Alle diejenigen, die auf Erden richten",«Besser ein Teller Gemüse in Freundschaft, als ein dicker Ochse in Feindschaft",«Der Zorn des Königs ist ein Fest des Todes, die Rede eines Weisen aber macht gesund". 30.000 Arbeiter find in M o s k a u an dem Bau der zweiten Untergrundbahnstr e ck e in einer Länge von 11 Kilometer beschäftigt. Nach den bei dem Bau der ersten Strecke gewonnen Erfahrungen schreitet der Bau schneller und wirtschaftlicher fort und wird in zwei Jahren beendet sein. Die Strecke wird sieben Untergrundstationen und zwei Stationen ober Tag haben. Die neue Brücke für diese U-Bahn über den Moskau- fluß sowie die Bahnhofshallen werden von den besten Architekten der Sowjetunion ausgestaltet werden. In Europa finkender Kaffeeverbranch. Nach der eben veröffentlichten Statistik des National- Kaffeeamtes betrug nach einer Berechnung von 8. Laneuville der Weltverbrauch an Kaffee während der ersten sieben Monate des Jahres 1935 13,7.69.000 Sack zu 60 Kilogramm, was gegenüber dem Verbrauch im gleiche» Zeitabschnitt des Vorjahres mit 14,336.000 Sack einen 3.96pro- zentigen Rückgang bedeutet. Von diesem Verbrauch entfielen auf Europa 5,956.000 Sack, d. i. um 11.4 Prozent weniger als im Vorjahr, auf die Bereinigten Staaten 7 Millionen(um 1.65 Prozent mehr als im Vorjahr) und auf die südamerikanischen Häfen 723.000 Sack, d. i. um 13.15 Prozent mehr als im Vorjahre. Weil sie bei eine« Jude« kauften. Der plötzliche Rücktritt des Rekwrs der Bonner Universität. Prof. Kipp, und des Dekans der juristische» Fakultät, Prof. Doll«, ist-darauf zurückzuführen, daß der«Westdeutsche Beobachter" ihr« Namen unter den — Kunden eines jüdischen Schlächtermeisters publiziert hatte. Der Wiederaufbau von Quetta AP. Roch find di« Spuren des furchtbaren Erdbebens, das Ende Mai Quetta, die Hauptstadt BeludschistanS, heimsuchte, nicht verwischt, und schon regen sich fleißig« Hände, um auS den Trümmern eine neue Stadt erstehen zu Waffen. Der britische Grneralstab verzichtet zwar astf Quetta als Festung und will alle Kräfte in Karatschi zusammenziehen, waS die Umgestaltung deS nordindischen Verteidigungssystems bedeutet. Die Bevölkerung aber Will nicht auswandern. In einigen Baracken hat sich die Stadwerwaltung niedergelassen. In Kürze sollen 40 Lebensmittelgeschäfte eröffnet werden. In zehn Tagen wurden sieben Straßen aufgeräumt und 83 Geschäfte mit Inhalt aus den Trümmern herausge- holt. In der Umgebung reiht sich Zelt an Zelt, die Unterkunft der Flüchtlinge, die jetzt als Hilfsarbeiter tätig find. Bor der Stadt werden Steinbrüche mit den Trümmern gefüllt. Die Arbeiten werden noch «in Jahr dauern, aber es entsteht langsam ein neues Quetta. Aetherschmuggel an der deutsch-polnischen Grenze Bor dem Kriege blühte in Oberschlesien der Schmuggel an der russischen und österreichischen Grenze. Jetzt, nach der Teilung Oberschlesiens, ist der Schmuggel an der deutsch-polnischen und an der tschechoslowakisch-polnischen Grenz« in Schwung gekommen. Im Kreise Rybnik in Lberschlesien, der sowohl an Deutschland wie an die Tschechoslowakei grenzt, gibt es aber noch eine besondere Act von Schmuggel, gegen den die Behörden mit größter Schärfe vorzugehen allen Anlaß haben. ES ist der Schmuggel mit Aether. Seit 10 Jahren werden riesig« Mengen dieses gefährlichen Gifte», da» sich als Alkoholersatz bei der Landbevölkerung großer Beliebtheit erfteut, auf illegalem Weg« ins Land gebracht. Alle Bemühungen der Behörden waren bis jetzt vergeblich Das Bolk hat sich bereits an den Genuß von Aether gewöhnt, zumal dies Rauschgibt wesentlich billiger als Alkohol ist. Die HemptdertriebSstellen befinden sich in den Ortschaften Gorschütz ruck Czirsowitz, die unweft der tschecho- siowakischen und deutschen Grenze gelegen find. Hier kann man die geheimen Aetherquellm direkt riechen. Hier bezechen sich nicht nur junge Burschen mit ihren Mädchen am Aether, selbst Kinder huldigen diesem Genuß. Die» Gebiet ist für den Großschmuggel ge» tadezu prädestiniert. Der Schmuggelbetrieb ist regelrecht organisiert. Es wird bandenweise gearbeitet. Jeder Zug, der zur Nachtzeit die Grenze passiert, hat eine Vorhut, die die günstigen Grenzübertrittsstellen ausfindig zu machen hat. Die Flüsse werden durchschwommen. Dabei befindet sich der Aether in flachen Blechbehältern, die 3 bis 5 Lfter fassen. Ist das polnische Ufer erst erreicht, dann beginnt die Gefahr, denn die Grenzbeamten sind mit allen Tricks vertraut. Doch haben die Schmuggler überall ihre Schlupfwinkel. Der Aether geht in der Regel an Großabnehmer, die einen festen Kundenkreis haben. Nicht immer geht der Betrieb glatt von« statten. Manchmal muß ein Schmuggler stundenlang im Wasser ausharren, bis er das Ufer gefahrlos betreten kann. Wird er gefaßt, so ist die Hauptsache, daß er die Ware schnell los wird. Hat er erst einmal seinen Behälter fortgeworfen, so ist ihm schwer etwas nachzuweisen. Wenn er flieht, wird Der Kampf um Die Fettimporteure sind gegen die Die Fettimporteure stellen sich in einem ausführlichen Viemorandum an die Regierung gegen unsere Forderung nach Erhöhung der Kunstfett- Kontingente. Trotzdem in diesem Memorandum behauptet wird, daß diese Stellungnahme nicht auf egoistische Motive(soll heißen Profitintereffen) zurückzuführen ist, weiß der Informierte und fühlt auch der Laie, daß nurdieSorge um den Profit, der aus dem Schweinefettimport erwachsen kann, die ausschlaggebende Triebkraft ist. In der Eingabe wird darauf hingewiesen, daß der steigende Verbrauch an Kunstfett den Schweinefettimport lahmgelegt habe, wodurch in eben diesem Ausmaße die Exportmöglichkeiten für unser« Industrie zurückgegangen seien. Es ist richtig, daß der Import in Schweinefett zurückging und darunter auch unser Industrie-Export leidet, weil Schweinefett ein beliebter Kompensationsartikel ist. Die Herren kennen aber die Ursachen viel bester, als aus dem Memorandum zu entnehmen ist. Sie wiffen ganz genau, daß sich die Wirtschaftslage der Verbraucher in den letzten Jahren und von Jahr zu Jahr so verschlechtert hat, daß die Mittel eben nur knapp noch für die billigsten Waren ausreichen. Aerger noch als dies, daß oft nicht einmal die notwendigsten Lebensmittel für den Haushalt angeschafft werden können. DieHerrenverwechselnUrsache mit Wirkung. Der Entfall von 5sH Milliarden Einkommen muß doch im Konsum wichtiger Lebensmittel irgendwie zum Ausdruck kommen. Gerade die Fettstoffe sind ein verläßlicher Barometer zur Beurteilung der Kaufkraft der breiten Berbraucherschichten. Der Konsumverein verwendet Kunstfett nicht aus Uebermut, sondern aus Not.- Der Fettbcdarf im Haushalte hex Hex-. ren Fettimporteure ist gewiß auch dann gesichert, wenn Butter 30 KC und Schweinefett 20 KC kosten wird. Für deren Haushalt spielt die Mar- garinesrage gar keine Rolle, aber für die breiten Verbrauchormaffen ist dies wirklich ein« Lebensfrage. ES ist unerträglich nnd««haltbar, daß eine kleine Handvoll Fellhändler in einem Memorandum an die Regierung es wagen kann» ihre Profittnteressrn gegen das LebenSinteresse von hundert- tausenden notleidenden Menschen zu verteidigen. Die volkswirtschaftliche Abhandlung in diesem Memorandum ist praktisch nur eine Bemäntelung der eigentliche» Tendenz der Eingabe, oder glauben denn dir Fettimporteur«, daß ein» Einschränkung der Margarinepro- Prähistorische Grabungen bei Mies In dem eben erschienenen letzten Heft der „Sutzeta", der deutschen urgeschichtlichen Zeitschrift Böhmens, geleitet von dem Universitätsprofessor Dr. Leonhard Franz, wird über hochbedeutsame Grabungen bei Mies berichtet. Die Gegend von MieS galt noch vor kurzem auf den prähistorischen Karten als fundleer, so daß von maßgebender wissenschaftlicher Seite die Meinung vertreten wurde, daß dieses Gebiet erst durch die slavische Kolonisation im 12. und 13. Jahrhundert urbar gemacht worden war. Der in Mies gebürttge Archäologe Dr. Otto Eichhorn hat vor zwei Jahren bei Geländebegehungen, unterstützt von seiner Ortskundigkeit elfgroßeHL- gelgräberfelder mit über 200 urgeschichtlichen Grabhügeln in der Nähe von Mies festgestcllt. Unter der organisatorischen Leitung der Professoren Georg Schmidt und Dr. Wilhelm W e s ch t a hat nun das Mieser Museum auf dem Hügelgräberfeldern Grabungen durchführen lassen, die von Dr. Otto Eichhorn beauf« sichtigt wurden, wobei vornächst ein Gräberfeld nach dem anderen durch Versuchsgrabungen abgetastet wurde. Zuerst wurde bei M a l o w i tz ein Hügel geöffnet und dabei ein Frauengrab mit reichen Beigaben bloßgelegt, unter anderem: sechs Bronzearmspangen und zwei Fingerringe, eine Amphore mit schönen Verzierungen und weißer Jn- krustation. Das Grab stammt aus der Bronzezett, ungefähr der Mitte des zweiten Jahrtausend vor Christi Geburt, und gehört einer Kultur an, die sich auch sonst im Pilsner und Budweiser Becken, in ganz Nordost- und Mittelbayern und im nördlichen Nieder- und Ober-Oesterreich vorfindet und unnachsichtlich nach ihm geschossen. Der Aether kommt durchwegs aus Deutschland, jedoch wird häufig der Umweg über die Tschechoslowakei gewählt. Er kostet pro Liter im Einkauf etwa 2.30 Zloty und wird mit 8 bis 10 Zloty weiterverkauft. Dabei wird er verdünnt, und ein Liter ergibt unter Beimischung von Wasser und Himbeersaft etwa 6 Liter Schnaps, der dann immer noch stark genug ist. Es wird also genug daran verdient, aber die Gewinne stecken di« .Großunternehmer" ein, die mehrere Trupps für sich arbeiten lassen. Di«- eigentlichen Schmuggler jedoch, die die Trägerdienste verrichten, sind arme Teufel, die ihr gefährliches Gewerbe bei schlechtem Lohn ausüben müssen. Und die Strafen sind hoch. Schon für den Besitz von Aether allein gibt es nicht selten 6 Monate, für den Schmuggel natürlich entsprechend mehr. Gegenwärtig sitzen einige der de» rüchtigsten Schmuggler, und der Betrieb ist in der Tat gegenüber dem Vorjahre etwas zurückgegangen. die Margarine Erhöhung der Kunstfettkontingente duktion eine Steigerung des Schweinefett-Konsums zwangsläufig zur Folge haben wird? Leben die Herren am Mond? Wiffen sie nicht, daß Schweinefett auch dann für die Verbraucher en» unerschwinglicher Luxusartikel sein muß, wenn kein Kunstfett zu haben ist? Heute schon fällt es dfm Verbraucher schwer, die 7 bis 8 Kö für Kunstfett auszulegen. Wie könnte er dann mehr als das Doppelte für Schweinefett aufbringen? Schweinefett ist viel zu teuer, teils als Folge der Dürre in aller Welt, teils wegen des übermäßigen Agrarschutz» z o l l e s und der vielen Abgaben, die bei der Einfuhr eingehoben werden. Wir würden verstehen, wenn die Fettimporteure auf diese Dinge mit allem Nachdruck aufmerksam machten. Wir selbst haben ja vor längerer Zeit schon auf die unhaltbar hohen Fettzölle hingewiesen und die — wenig st ens zeitweilige— Aufhebung des Zolles und der sonstigen Abgaben, die heute insgesamt KL 3.58 per Kg. betragen, gefordert. Das Ergebnis der intensiven Bemühungen war aber sehr schmal: der Zoll wurde nur uw 1 KL ermäßigt und auch diese Ermäßigung gtu nur bis Ende Oktober. Vielleicht tritt dann wieder der gesetzliche Zoll in Kraft, was eine Belastung von KL 4.58 bedeuten würde. Hier wäre also das richtige Betätigungsfeld auch für die Fettimporteure. Infolge der hohen Weltmarkt» preise wird das Schweinefett auch dann immer noch teuer sein, wenn der ganze Zoll und alle Abgaben aufgehoben werden, aber die Preisdifferenz gegenüber Kunstfett wird dann nicht mehr .so chedeutend^sev;,,uich.eine zeitwerse^llmsatzsteigr- rung inSchweinefetts sicherlich eintretey. Der Fiskus hat nichts von hohen Zöllen, die mangels Einfuhren nur am Papier bleiben. Der Fiskus kann aber profitieren durch den verstärkten Export, der zwangsläufig durch die hohen Fettimporte ermöglicht würde. Die Fettimporteure haben den Mut zu behaupten, daß die heurige Kunstfettquote von 5539 Waggon hinreichend sei. Sie sagen bewußt Dinge, die mit den Tatsachen in Widerspruch stehen. Die Wahrheit ist, daß heute schon Not an Kunstsett besteht, was ein Rundgang in die Ber- kaufsläden dartut. Die Fettimporteure Manen sich leicht davon überzeugen. Mit allem Nachdruck wiederholen wir» datz die dringendsten Lebensbedürfnisse der breite», Berbrauchermassen weit über den Profitinteressen der kleinen Handvoll Fettimportevre stehen. F. S. darum die sudetisch-danubische Hügelgräberkultur genannt wird. Dieselbe Kultur wurde auch bei den Grabungen auf dem weit ausgedehnten Gräberfelde von Unola festgestellt» wo ebenfalls reiche Grabbeigaben, Bronzeringe, Dolche und viel Keramik geborgen wurde. Dort wurde aber auch ein Hügel geöffnet, der seiner Kultur nach um mindestens ein halbes Jahrtausend später anzusetzen ist(Hallstattzeit). Mitten im Dorfe Unola wurde auch die Wohnstätte dieser Hügelgräberleute festgestellt. Es ist dies für die Besiedlungsgeschichte WestböhmenS von. außerordentlicher Bedeutung, da es nicht Zufall sein kann, daß die späteren mittelalterlichen Kolonen und Gründer des Dorfes Unola dieselbe Stelle für ihre Wohnsitze ausgesucht haben. Es muß unbedingt die seinerzeitige Urbarmachung noch erkannt worden sein, falls überhaupt eine siedlungsleere Zeit angenommen wird. Auf dem Gräberfelde des sagenumwobenen Teufelssteines bei K s ch e u tz wurde in den Hügeln eine Kultur aus dem 5. Jahrhundert vor Christus festgestellt. Dort wurde der kostbarste Fund gemacht, nämlich ein Teil einer Bronze- f i b e l in Gestalt eines Kriegers. Die Figur, die in der„Sudeta" in dem erwähnten Heft Nr. 2. des Jahres, 1935 abgebildet ist, zeigt eine merkwürdige Mischung von Realismus(grob gestutzer Schnauzbart) und feiner Stilisierung. In diesen Hügeln ist die ausgehende Hallstattkrcktur bereits mit der kommenden Latenekultur Rr zweiten Hälfte des ersten Jahrtausends vor Christus vergesellschaftet.. Die Grabungen bei Mies wurden In den vergangenen Ferienwochen fortgesetzt und haben wiederum reiche wissenschaftliche und museale Ergebnisse gezeitigt. Auf dem Gräberfelde von Ostrau, dem sogenannten Abbrennten-Schlag, wurden zwei WroifMall M Mpoffl Die Entwicklung der deutschen Sparkassen Nach dem Bericht, der auf der Vollversammlung des Verbandes der deutschen Sparkassen gegeben wurde, ist das Jahr 1934 für die deutschen Sparkassen bedeutend günstiger verlaufen als das Jahr vorher. Während 1933 um 809 Millionen KL mehr abgehoben als eingelegt worden sind, wurden 1934 nur noch 347 Millionen KL mehr abgehoben. Durch die Gutschrift der Zinsen erscheint der Rückgang des Einlagen- standes noch geringer, nämlich nur 151 Millionen KL, während er 1933 588 Millionen KL betragen hatte. In dem Bericht wird gesagt, daß der Abgang in der Hauptsache größere Einlagen umfaßt, während der kleine Sparer nach wie vor den Weg zur Sparkasse findet. Der Einlagenbestand der deutschen Sparkassen in der Tschecho- slowakei erreichte Ende 1934 5571 Millionen KL. Es wird der Hoffnung Ausdruck gegeben, daß im laufenden Jahre das Gleichgewicht zwischen den Rückzahlungen und den Einzahlungen wieder hergestellt wird. Leichte Besserung bei den Staatsbetrieben Aus dem Staatsrechnungsabschluß für das Jahr 1934, der soeben vom Obersten Rechnungs- konttollamt fertiggestellt worden ist, geht hervor, daß die Staatsbetriebe im vergangenen Jahre wesentlich besser abgeschnitten haben als im Jahre 1933. Vierzehn Staatsbetriebe weisen ein günstigeres Ergebnis auS; die Besserung beträgt 258 Millionen KL. Nur bei fünf Betrügen ist ein um insgesamt 39 Millionen KL schlechteres Ergebnis festzustellen. Besonders ungünstig schneidet die Tabakregie ab. Ihr Budget weist eine Mindereinnahme von 205 Millionen KL aus. Statt der vorgesehenen 1463 Millionen KL wurden nur 1258 Millionen KL Einnahmen erzielt. Das Ergebnis des staatlichen Münzamtes bleibt um 1.7 Millionen KL hinter dem Voranschlag zurück, während die Staaisbäder eine Mindereinnahme von 915.000 KL haben. Günstiger schneiden in dem Staatsrechnungsabschluß die Staatsbahnen ab. Ihr Verlust beträgt 1934 669 Millionen KL und ist damit um 165 Millionen KL geringer als im Jahre 1933. Im Budget war mit einem Verlust von 718 Millionen KL gerechnet worden, so daß sich das Ergebnis um 49 Millionen KL besser stellt.'■ Streik in der Brünner Holzindustrie. Seit Mitte September streiken die Arbeiter der holzverarbeitenden Betriebe in Brünn. Sie fordern die Einhaltung der Kollektivverträge und der Sozialgesetze, die von den Unternehmern dadurch gebrochen wurden, daß sie die Löhne seit 1930 um 50 bis 60 Prozent gekürzt haben und die Arbeiter zu Sonntags- und Ueberstundenarbeit zwingen. Englands Arbeitslosigkeit finkt. Die Zahl der Arbeitslosen in England, die im Juli zum erstenmal unter die Zwei-Millionen-Grenze zurückging, hat sich bis Ende August weiter verringert. Die Zahl der Arbeitslosen betrug zu diesem Zeitpunkt 1,947.964. Gegenüber dem August 1934 bettägt die Verminderung 8.8 Prozent. Hügel geöffnet, die prächtige Gräber der mittleren Hallstattzeit ergaben. In einer rot und schwarz gefärbten, niedrigen Urne lagen untxr dem gesammelten Knochenstückchen des Brandgrabes zwei schwarze Bronzehohlringe, sogenannte Turbanringe. Mächtige Hallftatturnen und Schüssel» standen fast unversehrt auf der Brandschichte innerhalb der Steinsetzung. Das ausgedehnte Hügelgräberfeld von der Stelka bei Kscheutz, ergab ärmliche Brandgräber der Milaveker-Kultur. Außer auf dem Urboden liegenden Gefätzscherben waren keine Grabbeigaben vorhanden. Die Hügel des Gräberfeldes von Elhotten bei Tschernoschin sind durch ihre Form bemerkenswert. Sie stellen weist einen ganz regelmäßigen Pyramidenstumpf mit Gräben an den Seite» tor. Ein Hügel wurde geöffnet und dabei ein nachchristliches Brandgrab der älteren Burgwallkultur festgestellt. Auf dem Wolfsberge bei Tschernoschin befindet sich ein uralter Wall, in dessen Nähe eine vollständig erhaltene bronzene Tüllenlanzenspitze aus der Urnenfelderzeit(ungefähr 1000 vor Christus) gefunden wurde. So wurden bereits die meisten der entdeckten Hügelgräberfelder untersucht und abgesehen vom Elhottener Gräberfeld eine zusammenhängende Hügelgräberkultur von der Mitte des zweiten Jahrtausend bis ins fünfte Jahrhundert vor Christus festgestellt, wobei auffallende Aehnlich« ketten mit den Kulturen in Nordost- und Mittel- Bayern bestehen, so daß eS sich zweifellos um dieselbe. Volkszugehörigkeit der Hügelgräberleute diesseits und jenseits des BöhmerwaldeS handelt. Das Mieser Museum beabsichtigt, in den I nächsten Jahren die systematischen Grabungen der zahlreichen von Dr. Otto Eichhorn entdeckten Hügelgräberfelder in der Umgebung von Mies fortzusetzen. Tritt 8 ^Sozialdemokrat* Freitag, 20. September 1935. Nr. 220 Kunst und Wissen Zur Spwt-Spiet-K&rperpffcße Samstag„Der Bettelstudent Derelnsnacäncüttn Meter Brust schwamm Genosse (Antwerpen) in 2:89.3 Min. und eine neue Verbandsbestlei- Von den übrigen Ergebnissen wären zu 100 Meter Freistil: Hielen(Antwer- Die Lrichtatblrtik-Meisterschaften des polnischen Arbeitersportverbandcs(ZRTS) werden am 21. und 2 2. September in Warschau auf dem Sportplätze des stärksten polnischen Leichtathletikvereines Skra ausgetragen. Die polnische Arbeiterleichtathletik hat in den letzten Jahren einen starken Aufschwung genommen, lieber 100 Meter z. B. besitzen die Polen einige gute Läufer, welch« imter 11 Sek. kommen und im Weitsprung find 6.70 Meter keine Seltenheit mehr. Es wird daher erwartet, dass in vielen Disziplinen die Leistungen stark verbessert werden dürften. An den Meisterschaften beteiligen sich auch Danziger Arbeitersportler und-Sportlerinnen. gewiesen, bei dem er 3000 Kc erbeutet hatte. Die Untersuchung wird fortgesetzt. Erhängter zum Leben erweckt. Gestern früh fanden ein Detektiv und ein anderer Passant einen Mann beim Wasserturm in Prag-Weinberge an einem Baume hängen. Der Detektiv schnitt ihn ab und es gelang ihm, ihn durch künstliche Atmung wieder zum Leben zu erwecken. Er wurde von der Rettungsgesellschaft ins allgemeine Krankenhaus auf die Klinik Hynek geschafft. An Dokumenten wurde bei ihm nur eins auf den Namen Jaroslav Samuel gefunden: ferner«in Brief an seinen Bruder, aus dem das Motiv der Tat, nämlich Arbeitslosigkeit, hervorgeht. Samuel ist 24 Jahre alt, ohne Wohnung und Geldmittel. Ein Gepäckschein— 54.000 K<5 wert. Am 18. September verlor ein Mitinhaber der Firma Sternberg und Pasternak aus Prag II., Wenzelsplatz 60, den Aufbewahrungsschein der Garderobe des Wil- sonbahnhofes auf zwei Koffer, in denen sich verschiedene, zur Probe vorbereitete, zugeschnittene Kleider im Werte von 54.000 KC befanden. Der Finder dieses Scheines behob gestern früh die Koffer aus der Garderobe. Die Nachforschungen nach ihm wurden eingeleitet. Vor dem Kauf der Kleider wird gewarnt. Die Jahres- und HalijahreS-Eiseniahnkarten. Die Staatsbahndirektton in Prag macht aufmerksam, dass die vom 1. Oktober 1935 geltenden Jahresund Halbjahreskatten bereits in den Amtsstunden auf dem Masarykbahnhof in Prag auSgegeben wer- Dentsche sozialdemokratische Bezirksorganisatto» Prag. Montag, den 23. September, um 8 Uhr abends im Parteiheim in der Narodni 4 w i ch tige Sitzung der Exekutive. Freie Bereinigung sozialistischer Akademiker., Freitag, 20. d. M., um 20 Uhr Mitgliederversammlung im Parteiheim. Narodni 4. lich zu vierzehn Tagen Arrestes verurteilt. Die Zuerkennung der bedingten Verurteilung war allerdings in Anbetracht seiner vielen Vorstrafen ausgeschlossen. Die im Schutzgesetz vorgesehene Geldstrafe zu verhängen, fand der Gerichtshof nicht für notwendig. rb. Mitteilungen aus dem Publikum. Geist und Körper halten Sie durch regelmässige Einreibungen mit dem Menthol-Franzbranntwein Alpa gesund. Diese stärken Nerven und Muskeln. DaS sagt auch Ihr Arzt. chen Zeit ein gewisser Karl Georg Marek, 38 Jahre alt und, nach der Anklage,.Redakteur" einer fascisttschen Zeitung, zu verantworten, der am 22. April bei einer Wählerversammlung im Dorfe D a- mineves als Redner seiner Partei in gröbster Weise die Republik beschimpft hatte.. Dieser Herr Marek ist offenbar bei Herrn Hitler in die Schule gegangen, denn seine Reden strotzten gleichzeitig von den blödesten antisemittschen Ausfällen. Die alte Erfahrung, dass solche.Reiniger der Nation" sich zum grossen Teil aus offenkundig kriminellen Subjekten rekrutieren, trat auch hier wieder in Erscheinung. Herr Karl Georg M a r e k ist insgesamt elfmal vorbestraft und dass es sich nicht um rein polittsche Verurteilungen handelt, beweist die Tafiache, dass ihm durch gerichtliches Urteil längst die bürgerlichen Ehrenrechte aber r a n n t worden find. Dieser Angeklagte fand indessen in dem Senat des GR. Novotny milde Richter. Er wurde lediq- Deutsche sozialdemokratische Frauenorganisation Prag Freitag, den 20. September, 8 Uhr abends, „Monopol"(gegenüber dem Masarhkbahahof), „Der Held einer Nacht** Dentscke Premiere. Ra den Hauptrollen Blafta Burian und Milalieder deS Deutschen Theaters. Urania-Kino, Klimentska 4. Fernsprecher S1S23. Belgischer Arbeitersportbrief Aus Brüssel wird uns geschrieben:- Nach einer ausgezeichneten internationale« Saison haben die Arbeiterschwimmer ihre Wettkämpfe im Rahmen eines Festes, verbunden mit den Verbandsmeisterschaften, beendet, welches am Sonntag in dem herrlichen BadepalaiS von O st e n d e stattfand und viele Zuschauer anzog. lieber 200“'~~—-- Pauwels stellte hiebei st u n g auf. erwähnen: pen) 1:08.4 Min.; 200 Meter Freistil: Hielen 2:48 Min.; 100 Meter Rücken: Wilmot(Gent) 1:18.2 Min.; 3X50 Meter: Antwerpen 2:03, Gent 2:06.3 Min. Im Wasserballspiel gewann Antwerpen gegen Gent 6:1. Im allgemeinenchaben die Schwimmer in diesem Jahre einen F o r t s ch r i t t gezeigt. Wir erinnern daran, dass sie bei internationalen Begegnungen über die holländischen und schweizerischen Schwimmer erfolgreich blieben Die Fussballsaison hat unter dem Zeichen des Regens begonnen.^ Es hat.mit einer so!» chen Jnlensltat geregnet, dass zahlreiche Spiele nicht ' beendet werden konnten. ES ist zu früh, um gegen» f wärtig die Situation der Mannschaften zu beurteilen. Wir wissen, dass einige Mannschaften der vergangenen Saison unter dem Uebertritt von Spielern— als Professionals-— ins bürgerliche Lager gelitten haben; wir wissen aber ebenso, dass unter den Mannschaften der ersten Division einige sind, welche ausgezeichnete Spieler besitzen, aber diese müssen sich mit der Zeit der ersten Division eingliedern, kurz, wenn gewisse Favoriten- Mannschaften der letzten Saison der Zukunft mit Optimismus entgegensehen, werden sie anderseits zu kämpfen haben, um ehrenvoll zu bestehen. In der kommenden Saison werden etwa zehn Schülermannschaften mehr tätig seist. Die Verbandsmeisterschaft im Ball-Pelote gewann in der ersten Division Braquegnies, in der zweiten Nivelles und in der dritten Pelote socielle von Schaerbeet. Dieser Sport hat im Jahre 1935 eine sehr starke Tätigkeit entwickelt. In der Leichtathletik hat am 15. September in Falisoll« die französische Ber- bandsmannschaft jene von Belgien mit 65:47 Puntten besiegt. Es war die dritte Begegnung der beiden Verbände. Belgien konnte seinen besten Sprinter nicht aufstellen. Wegen dem Regen sind die Ergebnisse nicht als sehr gut zu bezeichnen. Nachstehend einige der besten Leistungen: 100 Meter: Jeansou(F) 11 Sek.; 400 Meter: Tätard(F) 54.1 Sek.; 1500 Meter: Brunel(F) 4:26.2 Min., Vandenberghe(B); 5000 Meter: Bonneau.(F) 17:08 Min., Vanderose(B)«inen Meter zurück; 4X100 Meter: Frankreich 47 Sek.; Olympische Stafette: Frankreich 4:04.1 Min.; Hochsprung: Dubin (F) 1.60 Meter; Stabhoch: Lecrart(B) 2.90 Meter. 2.- Spielplan der Kleinen Bühne. Heut« Freitag:„D er Geizige" Kultur- Verbandsfreunde 1934/35 und freier Verkäuf). Der Bildhauer Bernhard Reder aus Budapest, der seine Arbeiten für einige Wochen in der Galerie Manes ausgestellt hat, hat sich durch das Geschrei gegen den„^llturbolschetyismus" nicht entmutigen lassen. Er formt Skulpturen, denen man auf den ersten Blick ansieht, dass sie vom grössten Teil des Publikums als abscheulich empfunden werden: Menschenleiber in tierischer Haltung und monströser llep- pigkeit. Und es wäre auch für den kritischen Betrachter sehr bequem, sich mit der einfachen Feststellung, dass dieseArt Äunft„nicht schön" ist, von ihr abzuwenden— wenn nicht gerade das Unbequeme dieser Kunst ihn immer wieder zum Hinschauen zwänge. Er kann, wenn er hinschaut, nicht leugnen, dass dieser unbequeme Künstler mindestens ein Konnex seines Handwerks ist: erstaunlich, wie er das schwierigste Material, den Stein, in schwellende Formen zwingt und bei aller plumpen Sprödigkeit zum Sprechen bringt— in einem barocken Stil, den man als monströs oder exzentrisch bezeichnen kann, der aber doch nicht ohne Präzision ist. Ein paar Proben beweisen, dass Reder ein beachtlicher und unbestrittener Tierbildner sein könnte, wenn er es nicht vorwiegend auf den Menschenleib(und insbesondere den weiblichen) abgesehen hätte, den er so erschrek- kend animalisch darstellt, dass die üppigen Figuren Maillols daneben wie heiterster Klassizismus wirken würden; denn das Animalisch« bei Reder wirtt nicht beglückend, sondern beklemmend. Wer nur Vollendetes liebt, wird mit dem Bildhauer Reder vorerst nichts anzufangen wisse«. Wen aber Werdendes und Mögliches interessiert, der wird seinem Wirken Beachtung widmen.—eis— Troubadour. Nun hccken wir vorgestern den neuen lyrischen Tenor Herrn Kurt Baum auch in einer grösseren Partie gehört: als Manrico. Was wir Herrn Baum erst kürzlich anlässlich seines Singens im Werbekonzert des Deutschen Theaters zu bedenken gaben, sei ihm neuerlich und eindringlich als Manrico nahe gelegt: lieber der Tonstärke nicht die Tonschönheit zu vergessen. Gerade weil dieser reichbegabte Sänger sehr viel Sttmmaterial besitzt, hat er es nicht nötig, zu forcieren. Darunter leidet nicht nur die Schönheit des Tones im besonderen, sondern auch der Stimme im aMgemeinen, und die schönen Eindrücke, die man von Kurt Baum als Belcantisten in kantablen Ariosos empfängt, werden durch unnöttges Treiben der Sttmme in dramatischen Momenten zerstört. Auch daran ist das Forcieren des Sängers schuld: Dass seinem Ton in der Höhe im entscheidenden Moment die richtige Atemstütze fehlt unr dass er zu unästhe- tischem hörbare« Atmen gezwungen chttrd. Piel, zu lernen hat noch der Schauspieler Baum; um das Konventtonttkz abzufttttstn und dramatisch lebendig und echt zu wirken. Fritz Zweig dirigierte die Opernaufführung; rhythmisch beschwingt und allgemein-musikalisch recht anständig, ohne aber dem vielen Fälschsingen steuern zu können, das diesen Abend auSzeichnete. E. I. Das nett« Abonnement. Ausgabe der Karten für bisherige Abonnenten, die ändern wollen, und Anmeldung für Neueintretende, täglich! Ratenzahlung möglich! Ermässigung bis zu 60 Prozent. Samstag Wcrbeabend i« der Kleinen Bühne. Grösstenteils neues Programm! Oper, Operette, Schauspiel! Führung Dudek, Padlesak und Taub. Vorstellungen der neuen Mitglieder: Henders, Baum, Costa, Stanescu, Käthe Walter a. G., singt den Walzer der Musette und de« Walzer aus„Giuditta", Macheiner und ötz mit Liedern aus Benatzkys Novität„Der König mit dem Regenschirm". Zum Schluss Sketch„Der Selbstmörder" mit Panzner. Siedler, Volker. Preise nur KC 6.—, 12.—. 18.—.• Erstaufführung„Der König mit dem Regenschirm". Operette von Benatzky, Sonntag Erstaufführung in der Kleinen Bühn«, mü Carpentter, Coty, Macheiner, Costa, Dudek, Götz, Padlesak in den Haupttollen. Regie: Costa, Dirigent: Rieger, Neuausstattung: Kotulan. Wiederholung Dienstag. Keine Gittscheine. Spielplan des Reuen Deutschen Theaters. Heute, Freitag halb 8 Uhr:„Cosi fan tutte". D 1. D. Statt de« Schwiegervater sich selbst angeschaffen. Vorgestern um 8 Uhr abends telepho- nierte der Inhaber des Wäschegeschäftes Jaroslav Sulc am Tylplatz auf die Weinberger Polizeiwach- stube,. dass sein Schwiegersohn, der Architekt Jng. Ladislaus Plihal, vor dem Geschäft auf ihn Watte und ihn erschiessen wolle. Die sofort an Ott und Stelle enttandte Wache fand Plihal jedoch nicht vor und begleitete Sulc auf dessen Ersuchen in seine Wohnung. Die Sttafanzeige wollte Sulc erst am nächsten Tage erstatten. An diesem jedoch, um 9' Uhr früh, wurde der diensthabende Polizist vom Hausmeister des Sulcschen Hauses am Tylplatz mit dem Bemerken geholt, dass Plihal sich im Hause befinde; zugleich mit einem anderen Wachmann, der von der Verkäuferin des Sulc verständigt worden war, fand er Plihal auch tcttsächlich auf einem Kottidor warten. Eine Taschendurchsuchung blieb ergebnislos, da Plihal keine Mässe bei sich zu haben schien, und so führte ihn der Polizist zur Einvernahme auf di« Wachstube. In der Francouskä hörte her Polizist, der Plihal einen Augenblick aus den Augen gelassen hatte, jedoch plötzlich«inen Dchuss und . sah Plkhal Mich darauf zu Boden stürzen. Er I brachte den Verwundeten in einem Auto auf die Klinik Jiräsek, wo ein Durchschuss des linken Lungenflügels festgestellt wurde. Woher Plihal die Waffe genommen hat, will der Polizist nicht gesehen haben. Kurz nach diesem Vorfall erschien Sulc abermals auf 8em Polizeikommissariat und erstatttte gegen seinen Schwiegersohn die Anzeige wegen gefährlicher Drohung. Scheinbar hat Plihal ursprünglich tatsächlich seinen Schwiegervater erschiessen wollen, ist jedoch durch die Intervention der Polizei daran gehindert worden. Jagd auf schießende Räuber. Seit einigen Tagen fahndeten die Detektive angestrengt nach dem 30jährigen Anton K a d l e e aus Lisov bei Bud- weis, der mehrere Raubüberfälle in Prag am Gewissen hat. In seiner Ermanglung konnte jedoch biÄher— gestern früh— bloss sein Komplice, der 33jährige Josef Barus aus Reu-Rousin. festgenommen werden. Bei ihm wurden bei einer Haussuchung zwei Koffer voll gestohlener Ware gefunden. Gestern um 11 Uhr vormittags sah jedoch der Detektiv Noväk von der Plattform einer Tramway aus den gesuchten Kadlec durch die Täborskä nach Michle gehen und sprang, aus dem Wagen, um ihn fest- zünehmen. Kadlec bemerkte dies jedoch und ergttff, vom Detektiv verfolgt, durch die Jauresgaffe die Flucht. Inzwischen war Noväk ein zweiter Detektiv zu Hilfe gekommen, der Kadlec zu überholen versuchte; dieser wandte sich jidoch plötzlich zurück, zog einen Revolver und schoss auf Noväk, ohne ihn zu treffen. Inzwischen waren die- Passanten aufmerksam geworden und beteiligten sich an der Jagd; das«gentlicke Verdienst der Gefangennahme des Kadlec gebührt jedoch dem Wachmann Voita, der sich zur Zeit gerade auf Urlaub befindet und während der ganzen Szene im Garten vor seinem Häuschen fass. Kadlec feuert«, bevor er verhaftet wurde, noch zwei Schüsse ab, verletzte aber niemanden. Vorläufig wurde ihist ein grösserer, vor 14 Tagen ver- übter Einbruch in der Nusler Meinl-Filiale näch st» Vortrag des Genossen Hofbauer üb« das Themar Josef Scligers Kampf um die Einheit der Arbeiterschaft Erinnerung a« den denkwürdigen Karlsbader ' Parteitag vor 15 Jahren. Zu diesem Vortrag sind alle Genossinnen u>id Genossen herzlichst eingeladen. Zwei Prozeffe nach dem Schutzgesetz I. Trunkenbold mit 54 Borstrafen beschimpft die Republik Prag. Ihren Ausgang nahm diese vor dem Sttafsenat Cervinka verhandelte Sache damtt, dass der Angeklagte, der 35jähttge Fuhrmann Anton Müller, in einem Autobus„unzüchtige Reden führte", wie sich die Anklageschrift aus- drückt. Das ettegte Aergernis unter den übrigen Fahrgästen und in der Station Rodosevice musste schliesslich ein Gendarmeriewachtmeister einschreiten, der Anton Müller aufforderte, sich eines anständigen Benehmens zu befleißigen. Durch diese Aufforderung fühlte sich Müller aber mächtig gekränkt und revanchierte sich damit,. dass er gröblichst beleidigende Ausdrücke über die Republik fallen liess, die nicht wiederzugeben sind. Müller wurde wegen„roher Schmähung der Repu- bltk" nach z 14 des Schulgesetze» unter Anklage gestellt.' Er vttttidigte sich«ft vollkommen er Trunkenheit und beteuerte, dass er die beleidigenden Ausdrücke im Zustande völliger Unzurechnungsfähigkeit habe fallen lassen. Dstse Detteidi- gung scheitette aber an der Aussage des Gendarmen, nach welcher der Angeklagte ihn nicht nur erkannt hat, sondern die Ermahnung weiterhin auch beherzigte, was bei einem tatsächlich sinnlos Betrunkenen nicht möglich sei. Da zudem die Verlesung der Sttafkarte nicht weniger als 54 Vorstrafen des Angeklagten zutage brachte(davon 45 Gewalttätigkeiten), schenkte der Gerichtshof seiner Vetteidigung keinei^Glauben und verutteilte ihn zu zwei Monaten st rengenArrestes und 200 K£ Geldstrafe unbedingt. II. Ein elfmal vorbestrafter faseistischer „Redakteur" Vor dem Senat Novotny hatte sich zur glei- Zeit ein gewisser Karl Georg Marek, 35 Die versteckte Preistreiberei ist weit schlimmer und verbreiteter als die offene. Wir können sie am besten in Prag selbst beob- ächten: Hier ist besonders derjenige, welcher keinen eigenen Haushalt führt, sind aber auch andere, gelegentliche Frequentanten von Speisehäusern, Buffets und Selchereien einer völlig anonymen Teuerung ausgeliefert, um die sich offenbar niemand kümmert. Diese Teuerungswelle drückt sich nicht in den Preisen, sondern im Quantum aus, das gegenüber der gleichen Zeit des Vorjahres vielfach um ein Drittel geringer geworden ist. Man braucht nur etwas kritischer auf das Brot bei den einzelnen Speisen zu sehen, das man früher und jetzt für dreißig Heller bekommt. Es ist keine Uebettreibung, wenn man behauptet, daß das gleiche Quantum Brot, welches heute'lnit dreißig Hellern bezahlt werden muß, einer Brotration im Vorjahre im Werte von zwanzig Hellern entspricht. Oder während man vor noch nicht ällzulanger Zeit zu einer bestimmten oder als Hauptspeise vier Scheiben Knödel erhielt, muß man sich jetzt bei dem gleichgebliebenen Preise mit drei Scheiben begnügen. Das gleiche gilt natürlich auch für die Fleischbeilagen. Hier müßte einmal eipe dementsprechende Kontrolle vorgenommen werden. Sie ergäbe sicher den Beweis dafür, daß die Teuerung nicht allein durch ein« hemmungslose Agrarpolitik, sondern auch durch die durch diese Politik begünstigte Geldgier einzelner Menschen hervorgerufen wird. Bezugsbedingungen: Bei Zustellung ms Hau» oder bei Bezug durch die Post monattich KL 16.—. vietteljährig KL 48.—, halbjähttg KL 96.—. ganzjähttg KL 192.—,— Inserat» wttden laut Tattf billigst berechnet. Bei öfteren EinschalMngen Preisnachlass.— Rückstellung von Manuskripttn ttfolgt nur bei Einsendung der Retourmatten.— Die ZeitungSfrankatur wurde von der Pott« und Tele« graphendirektion mit Erlass Nr. 13.800/VI1/1930 bewilligt.— Druckerei:.Ork-iS". Druck«. Verlag»- und ZeitungS-A.-G„ Mag. pelle zeigen, die eine Nachbildung der Kapelle von Lourdes ist. Nachdem wir all dem Genüge getan haben, wenden wir uns westwärts und wandern auf der roten Kammarkierung. die nach Dobris führt, weiter. Nach einer halben Stunde mündet von rechts ein gelb markierter Weg ein, der uns ein Stück begleitet. Nach kurzer Wanderung kommen wir zu einer großen Wiese. Hier verläßt uns die gelbe Mattierung, die, nach links abzweigend, nach Kytin führt. Wir wandern nun entlang der grossen Wiese unserem rot markierten Kammweg weiter, bis wir am Ende der großen Wiese, etwa 100 Schritte vom Weg« rechter Hand das neue Blockhaus der Prager Naturfreunde erblicken, das uns gern gastlich zu längerer Rast aufnimmt. Nach der Rast lenken wir unsere Schritte nach Mnisek. das wir von der Hütte in einer H-Stunde erreichen.Jn einer weiteren Viettel- stunde sind wir am Bahnhof, dem Ausgangspuntt Line Skalka-Wanderung An» der Wandermappe der Prager Naturfreund«. Wir fahren vom Braniker Bahnhof, mit dem Zuge um 8 Uhr früh nach Mnisek. Es ist hier nicht notwendig, eine Rückfahrkarte zu lösen, da für diese Strecke ein besonders ermäßigter Tarif gilt, auf den die Wochenendermässigung nicht gewähtt wird. Fahrpreis bis nach Mnisek 4 KL. Die Fahrt geht bis Wran durch das Moldautal, dann geht es durch dqs Bojaner Tal weiter bis nach Mnisek. Der Bähnhof liegt zirka% Stunde wom Ott entfernt, den wir auf guter Strasse«tteichen. Der Marktplatz mit seiner schatttgen Kastanienallee und seiner schmucken Barockkirche atmet beschaulich« Ruhe. Entlang der unteren Marktplatzfront streben wir nun ckder nahen Skalka zu, zu der wir in einer halben ^Stunde gelangen. Hier lassen wir uns vom Kloster- Witt das Deckengemälde von Brandl und dz« Ka- OttSgruppe Prag. Samstag, den 21. September, Zusammenkunft um halb 3 Uhr beim Autobus. Cafe Westend, Smichov. Fahrt nach Mnisek. Wanderung zur Hütte. Decken mitbttngen.— Sonntag, den 22. Sep tember, Führung in die Umgebung der Hütte. Füh- ...__. rer: Zechner.— Die im„Berg-Frei" angekün- unserer Herbstwanderung. Wanderung 15 Kilometer, digte Tour in die PoZarer Wälder findet aus tech- Fahrpreis tour retour 8 KL.,' nischen Gründen nicht statt.