Nr. 221 Samstag, 21. September 1935 15. Jahrgang (•'machlieMch 3 H.ll.r Fertal ZENTRALORGAN DER DEUTSCHEN SOZIALDEMOKRATISCHEN ARBEITERPARTEI IN DER TSCHECHOSLOWAKISCHEN REPUBLIK ERSCHEINT MIT AUSNAHME DES MONTAG TÄGLICH FRÜH. REDAKTION UND VERWALTUNG FRAG XIL, FOCHOVA 42. TELEFON 33077. HERAUSGEBER» SIEGFRIED TAUB. CHEFREDAKTEUR» WILHELM NIESSNER, VERANTWORTLICHER REDAKTEUR» DR. EMIL STRAUSS, FRAG. Die Brücken noch nicht abgebrochen Vorschläge des Fünferausschusses als weitere Diskussionsbasis? Die Losik im Rollstuhl Zur Antikrlegs-Resolution des VII. Weltkongresses der Komintern Von Kurt Hiller, präsidierendem Mitglied weiland der Gruppe Revolutionärer Pazifisten, Berlin Genf.(Reuter.) Am Frettag begann sich hier in einigen Kreisen eine gewiffe Hoffnung geltend zu machen, die auf der Tatsache beruht, daß die Vorschläge des fünfgliedrigen Aus- schufses des Völkerbundrates in Rom nicht sofort kategorisch abgelehnt worden sind. Der Sonderkorrespondent der Ha- vasagentur erführt, datz in italienischen Kreise« die Dorschlüge des Fünferausschusses einen weniger ungünstigen Eindruck Hervorgerufe« hätten als früher. In diese« Kreisen glaubt man, datz die Vorschläge des Ausschusses zur Grundlage einer Diskussion genommen werden könnten. Würde sich Mussolini konzilianter erweise« wollen, so wäre die Antwort darauf so, daß er wesentliche Konzessionen erreiche« könnte. Zn diesem Sinne kommentiert man auch die Anterredungen, welche Laval am Frettag mtt Aloisi und Eden geführt hat. Heute Antwort aus Rom Rom.(Tsch. P.-B.) Die Antwort des samstägigen Ministerrates dürfte nach Ansicht nnterrichtrter Kreise mit Bemerkungen verknüpft sein, die ihrerseits Gegenstand weiterer Beratungen des Fünferausschusses bilden könnten. Im Hinblick aus diese Möglichkeit wird in hiesigen unterrichteten autorisierten Kreisen der größte Wert darauf gelegt, festzustellen, datz die militärische Aktion Italiens in Ostafrika, die als Vorbeugungsmaßnahme gedacht sei, nicht über den Charakter ähnlicher kolonialer Maßnahmen hinausgehen soll, wie sie wiederholt in anderen Kolonialabschnitten durchgeführt worden sei und wie man sie unter Einsetzung von Tanks und anderen modernen Kriegswaffen zvr Zeit an der nordindischen Grenze erlebe. Auf keinen Fall werde Italien eine Initiative ergreifen, die den italienisch-abessinischen Konflikt auf Europa ausdehnen und den Kontinent in kriegerische Brnvick- lnngen ziehen könnte. Negus beharrt auf Unabhängigkeit AddisAbeba. Die Vorschläge des Fün» seransschusses, die noch weiter geprüft werden, bezeichnet man hier im großen und ganzen als Laval konferiert wegen Memel Während ein großer Teil der Delegierten beim Völkerbund am Donnerstag bei dem zu Ehren der Auslandsjournalisten in Genf gegebenen Diner zu Gaste war, speisten Laval und der polnische Außenminister privatim. Ihre Unterredung betraf, wie verlautet, hauptsächlich die M e m e l f r a g e. Vor seiner Abreise nach Paris hatte Lgval auch noch eine Zusammenkunft mit dem litauischen undGem lettischen Delegierten. Aegyptische Luftmanöver Kairo. Die fünftägigen Manöver der ägyptischen Luftflotte, die unter Führung englischer Offiziere äbgehalten wurden, wurden am Freitag beendet. Sie bestanden hauptsächlich im Bombe n a b w u r f a u f 3.1 e I e der W ü st e. Die Verbindung zwischen dem englischen Hauptquartier und der neu eingerichteten Flugbasis an der Ostküste des Suezkanals wurde durch Flugzeuge sichergestellt. Die in Helmich bei Kairo stehenden motorisierten Truppen erhielten die Weisung, sich f ü r W ü st e n e x p e d i tionenbereitzu- h alten. annehmbar. Die Regierung stehe aber auf dem Standpunkt, daß sie n i ch t in der Lage sein werde, Italien besondere Interessen einränmen zu können, da solche Sonderrechte eventuell zu Differenzen mit den anderen interessierten Großmächten führen könnten. Am Donnerstag abends betonte der Negus bei einem Diner, an dem 65 Vertreter der Weltpresse teilnahmrn, das Wort, datz er niemals ein Mandat annehmen könne, das die Unabhängigkeit des Landes verletze. Er sagte dann: Neber 2000 Jahre haben wir in Freiheit gelebt und unsere Fähigkeit gezeigt, uns ohne Protektorat selbst verwalten zu können. Ich, als Führer des Reiches und Beschützer meines Volkes, werde auch über unsere wirtschaftliche Freiheit wachen. London.(Havas.) Die Antwort der britischen Regierung auf die französische Anfrage betreffend den britischen Standpunkt und das Perhalten im Falle eines unprovoziertruAn- arisfes in Europa(Oesterreich und Memel! Die Red.) wurde versnoben, wahrscheinlich bis Mitte der nächsten Woche. Doch darf diese Verschiebung nicht alS rin Ausweichen, denn vielmehr als Bekundung des Vie Kehrseite des Krieges Schon Jetzt monatlich 500 Millionen Lire Defizit Mailand. Das Schatzamt weist für den Monat August Staatsrinnahmm in Höhe von 1599 Millionen Lira und Staatsausgaben im Betrage von 2103 Millionen Lira auf. Einschließlich des Julidefizites von 501 Millionen Lire beträgt das Defizit für dir bisher labgelan- frnrn zwei Monate des neuen Finanzjahres rund eine Milliarde Lire. Die außerordentlichen Ausgaben für die ostafrikanischen Kolonien betrugen im August 337 Millionen und vom 1. Juli bis 31. August 712 Millionen Lire. Italiens Goldvorrat nimmt ab Mailand. Der Goldvorrat der Banca d'Ita- lia hat in der Zeit vom 31. August bis 10. September eine weitere starke» Verminderung auf 4.56 (4.70) Milliarden Lire erfahren. Auch die Valu- tenreservc ging auf 432.05(438.09) Millionen Lire zurück. /Luch ffrankreich trittt militärische Vorkehrungen Paris. Die Abendblätter meldeten, daß vier französische Kriegsschiffe von Toulon nach Djibouti abgegangen sind, um dort den Schutz der französischen Interessen zu übernehmen. Diese Meldung wurde am Abend amtlich dementiert, ebenso wie die Meldung/ daß zwei Regimenter Kolonialtruppen von Senegalesen an die Küste von Französisch-Somaliland abgeschickt-werden sollen. Das Kolonienministerium hat jedoch bestätigt, daß es einBataillon Senegalesen- Schützen an die Somalilandküste schicken wird. Paris. Wie der Genfer Berichterstatter der„Information Finaneiere" bemerkt, werden die letzten Ereignisse betreffend daö Memrlgrbiet in Sowjetrußland aufmerksam verfolgt, da diese Frage natürlichermaßen Rußland weit unmittelbarer interessiert als Frankreich. Die Beziehungen zwischen Sowjetrußland und Litauen sind, wie der Berichterstatter meldet, ausgezeichnet.» Die Tagung der Kommunistischen Internationale in Moskau, die erste seit sieben Jahren, brachte ein Ereignis: die fundierte Initiative Georgis Dimitroffs für eine ehrliche proletarische Einheitsaktion, ja(darüber hinaus) für eine antifaseistische, antibarbarische Volksfront, und dieser Vorstoß, bei all seiner Positivität und Konstruktivität, trug auch sehr frische polemische Akzente— ge^en jenen Schematismus, Pedanten- und Sektierergeist, jenen Methodenstarrsinn und "subalternen Doktrinarismus, der die Katastrophe in Deutschland, 1933, nicht„verschuldet" aber durchaus mitverschuldet hat und dessen Verdienst es nicht ist, wenn sie gewissen andern Ländern bisher erspart blieb. Man muß keineswegs zu den Parteigenossen dieses bulgarischen Kämpfers von Weltrang gehören, um sich seiner muntern Re- Wunsches angesehen werden, der britischen Antwort einen möglichst b e stimmten Charakter zu geben. Mit Rücksicht auf den Ernst der Situation fordern einige einflußreiche Persönlichkeiten, daß dieses Dokument bestimmter und klarer sei, als es eine bloße Paraphrase der Rede sein könnte, die Sir Samuel Hoare in der Bölker- bundsverfammlung gehalten hat. Zwei italienische Divisionen verschwunden Rom.(Reuter.) 35.000 Mann» die zwei Armeedivisionen bilden, wurden in Genua auf 18 Dampfern eingeschifst, von denen der erste am 7. März und der letzte am 18. September Genua verließen. Urber den Aufenthalt dieser Truppen ist nichts bekannt geworden. Als Bestimmungsort wurde zwar Ostafrika angegeben, doch hätten bis zum heutigen Tage mindestens elf diese. Dampfer den Suezkanal passieren müssen. Aber ein eben aus Port Said eingetroffenes Telegramm behauptet, daß keiner von diesen Dampfern dort eingetroffe« ist. An zuständigen Stellen bestreite man, daß diese Truppen nach Rordafrika entsendet worden wären. Bei den Truppenverschiebungen nach Libyen handelt es sich nach dem„Giornale d'Jtalia" nur um„bescheidene" Truppenverbände, die als Ersatz für die nach Erythräa gebrachten Eingeborenen-Truppen von Italien nach Libyen abgeggngen seien. Die Lage in Libyen sei vollkommen ruhig, doch wolle die italienssche Regierung angesichts einiger verdächtiger außenstehender Bewegungen für alle Fälle vorsichtshalber bereit sein. Hendersons Zustand ungünstig London.(AR.) Der Vorsitzende der Abrüstungskonferenz Henderson,^ der sich infolge einer Magenkrankheit und Gelbsucht in ein Londoner Sanatorium in Behandlung begab, erhielt vom König und von der Königin ein Sympathieschreiben. Der Stand des Kranken istnichtge- rade derbe st e. Die sowjetrussischen Delegierten in Genf heben hervor, daß die Sowjetunion auf der v ö l- ligen Unabhängigkeit und territorialen Integrität Litauens besteht. Wenn aber Deutschland Litauen Überfällen würde, würde dies einen Schnß gegen Moskau bedeuten. bellentöne, seiner Tapferkeit und der Kraft seines Gedankens zu freuen. In Deutschland hatte manch führender Kommunist lange vor Hitler die Einsicht und Ansichten Dimitroffs, bloß nicht den Mut, sie einem unfähigen und von Unfähigen gegängelten, dafür inquisitorisch strengen Zentralkomitee ins Gesicht zu singen-,.•;. aus Furcht vor dem großen Kirchenbann. Köpfe sind nicht immer Charaktere; Charaktere leider nur selten Köpfe; das Wirken eines Mannes betrachten zu dürfen, der offensichtlich beides ist: wie rar und wie schön! Wie schön zumal, wenn er eine These verficht, die man selber unermüdlich und vergebens verfochten hat, Jahre bevor er sie vortrug. Indes der Begeisterung mischt sich Zweifel bei. Nicht Zweifel an Dimitroff. Vielmehr an der Durchführbarkeit dessen, was er will,— ich meine an der Erfüllbarkeit der parteiinternen, pädagogischen Aufgabe, die sein Programm bedeutet; an der Durchdringbarkeit eines Apparats mit den Dimitroffschen Tendenzen, der ihnen seit langem und bis gestern widerstrebt hat. Zweifel, bitte sehr, heißt nicht: Glaube an die Unmöglichkeit; Zweifel heißt: Unsicherheit im Glauben» an die Möglichkeit. Hoffende, Wollende müssen nicht aufhören, Psychologen zu sein. Nur Schwärmer verzichten, Widerstände in ihren utopischen Kalkül zu setzen, die einmal da sind. Der bewußte und der unbewußte Widerstand zahlloser Funktionäre der Komintern, von den kleinsten bis zu sehr maßgebenden, ihr Traditionalismus, ihr Klischeedenken, ihr alter harter Haß, ihr Mangel an geistiger Elastizität, ihre ganze Gestrigkeit(so redlich sie das rote Morgen wollen), kurz die gleichsam physische Weigerung ihres Wesens, eine edle doch törichte Strategie: die mit dem Kopf durch die Wand, aufzugeben(welche ja gerad so unfruchtbar bleiben, getiau so konterrevolutionär wirken muß wie jede opportunistische), dürfte erschweren» daß Dimitroffs großer Wurf gelingt. Eineftrübe Prognose. Es gibt gewiß etwas, was gegen sie spricht: die einmütige Zustimmung, die Dimitroff bei seiner Hörerschaft fand. Er redete nicht aus. dem hohlen Faß, sondern sicherlich nach langer Beratung und im Einklang mit den Entscheidenden. Die Annahme der Resolution, die— wenngleich in etwas entschärfender, breiter, die Wirkung leicht abschwächender Art— sich zu seiner Meinung bekannte, bedeutet schon etwas. Sein Vorstoß gegen den ultralinken Konservativismus war kein Privatakt eines beliebten Einzelgängers; er war ein durch' die blutig-ernste europäische Situation bedingtes kollektives Ereignis und berechtigt zu Hoffnungen. Sie schrumpfen aber erheblich, studiert man den Text der andern, erst recht durch die- internationale Lage diktierten großen Resolution, die der Kongreß am 20. August angenommen hat (zum Referat Ereoli):„lieber die Aufgabe der Kommunistischen Internationale im Zusammenhang mst der Vorbereitung eines neuen Weltkriegs durch die Imperialisten". Schon der Titel,ist nach einer Schablone gemacht, die dem neuen außenpolitischen Tatbestand nicht entspricht. Der Komintern darf zügemutet werden, die vom Außenkommiffariat der Sowjetunion geschaffenen Tatsachen wenigstens in groben Umrissen zu kennen.„Die" Imperialisten „bereiten". keinen„Weltkrieg"„vor". Sondern hungrige Imperialisten bereiten auf schwächere Staaten kriegerische Ueberfälle vor, zu deren Abwehr eine Reihe anderer imperialistischer Staaten mit nichtimperialistischen aber allerdings kapitalistischen und mit der Sowjetunion Bündnisse geschloffen haben. Wird diese kollektive Abwehr leider eines Tages aktuell und artet sie samtihrem Anlaß zu einem neuen Weltkrieg aus, so darf man doch deshalb die Vorbereiter der Abwehr nicht Vorbereiter des Weltkrieges nennen; die Sowjetunion wäre ja sonst. selber. Vorbereiterin des neuen Weltkriegs! Solch ein Anwurf liegt der Kommunistischen Internationale zweifellos fern. Wer dann sollte sie keine Formeln plakatieren, die ihn(objektiv) enthällen. Bedauerlicherweise häufen sich in dieser Resolution die Widersprüche. Da heißt es zum Beispiel:„Die Kommunisten bekämpfen energisch auch die Illusion, als ob Kriege abgeschafst werden könnten, solange noch die kapitalistische Gesell-, Schützt London such Oesterreich und Memel? Russland hinter Litauen Ueberfall auf Litauen wäre ein Schuß gegen Moskau «eite 2 Samstag, 21. September 1835 «r. 221 schaftsordnung besteht, und sehen zugleich alles daran und werden alles daran setzen, um den Krieg abzuwenden." Es für illusionär halten, daß unter dem Kapitalismus ein Krieg abgewendet werden könne, und zugleich alles daran setzen, ihn abzuwenden— ist das nicht Donquichoterie? »Wir wissen, daß Wit den Ausbruch des Vulkans nicht verhindern können; wir wollen aber alle Kraft einsetzen, ihn zu verhindern"— ich fürchte, . mit solcher Logik würde ein Geologenklub sich wenig Achtung erringen. Heber Kriegsdienstverweigerung läßt sich streiten; zweifellos auch gerade unter entschlossensten Gegnern des Krieges. Das unbedingte Ja zur Dienstverweigerung, das der Radikalpazifismus von 1920, 1925 aussprach, wurde durch Tatsachen der politischen und der technischen Entwicklung überholt. Ist die politische Ethik genötigt— und sie ist es zurzeit—, zwischen ungerechten und gerechten Kriegen zu unterscheiden, so entfällt die sittliche Möglichkeit der Dienstverweigerung in Staaken, die einen gerechten Krieg führen(etwa Abessinien gegen Italien). Als revolutionäre Maßnahme gegen den ungerechten Krieg(als eine Zersetzungsmethode neben andern) bleibt sie sittlich gutzuheißen und praktisch erörterbar. Sie könnte vom Völkerbünde sogar legalisiert werden: für die Angehörigen von Staaten, gegen die Sanktionen wegen Veranstaltung eines paktwidrigen Krieges verhängt sind. Wie wirkungsarm im Zeitalter des von enthusiastischen Eliten geführten Lust« und Chemiekriegs Massenkriegsdienstverweigerung wäre, weiß niemand bester als der revolutionäre Pazifist. Er begriffe es, wenn die Komintern da vor Allusionen warnte; ja, er schlösse sich der Warnung an. Der 7. Weltkongreß warnt. Aber er warnt in erster Linie mit der .Begründung, daß Kriegsdienstverweigerung, Mobilmachungsboykott, Sabotage in den Rüstungsbetrieben und ähnliche Methoden des Kampfs gegen den imperialistischen Krieg»dem Proletariat nur Schaden bringen";»diese Methoden erleichtern nur die Unterdrückungsmaßnahmen der Bourgeoisie gegen die Kommunisten und die revolutionären Arbeiter". Sie»erleichtern nur die Unterdrückungsmaßnahmen" I l I Mit solcher Argumentation kann wahrlich jeder, auch der besonnenste revolutionäre Schritt(vom»bewaffneten Aufstand" zu schweigen), kann sogar der Streik, ja selbst die harmloseste Straßendemonstration verworfen werden; das ist' ängstlicher, altjüngferlicher, spießbürgerlicher als der ultrarechteste Reformismus; das ist Defaitismus; das ist Konservativismus. Wie urkonservativ übrigens, wie vorgestrig, Kriegsdienswerweigerung und ähnliche Aktionsmittel gegen den Krieg»anarcho-syndikalistische Methoden" zu schelten, als hätten Romain Rolland und Einstein, Ponsonby und Fenner Brockway, Fimmen, Seger und alle jene sozialdemokratischen Pazifisten, die in den letzten anderthalb Jahrzehnten, mehr oder weniger bedingt) die Kriegsdienstverweigerung befürwortet haben, gar bürgerliche Völkerrechtler wie Professor Wehberg, auch nur das geringste mit Anarchismus und Syndikalismus zu tun! Kleine Schönheitsfehler? Gut. Man würde über sie hinwegsehn dürfen, umschliche' die Resolution das große geschichtliche Novum, nämlich die neu« Außenpolitik Rußlands, nicht mit Schritten, die ein einziges Attentat auf die Logik sind. Der Litwinowismus bedeutet die Unterscheidung zwischen kapitalistischen Staaten, die man als kleinere Uebel und willkommene Bundesgenossen im Abwehrkampf gegen das größere Uebel betrachtet, und jenen, in denen man eben(und mit Recht) dies größere Uebel erblickt. Der Litwinowismus ist ein realistisch gewordener Bolschewismus, der sich mit den europäischen Demokratien gegen den deutschen nationalsatanischen Angriff verbündet. Nur Dummköpfe oder heimliche Freunde des Satans bekommen es fertig, dieser Konzeptton ihren Beifall vorzuenthalten. Aber der Beifall genügt nicht; innerpolitische Konsequenzen sind zu ziehn. Die Resolution sagt:»Die kommunistischen Parteien müssen in allen kapitalistischen Ländern den Kampf führen: gegen die Rüstungsausgaben(Militäretat), für die Abberufung der Truppen aus den Kolonial- und Mandatländern" usw. Wohlgemerkt: nicht in gewissen— in a II e n kapitalistischen Ländern! Also, zum Beispiel, französische Kommunisten und tschechoslowakische sollen gegen die Voraussetzungen dessen kämpfen, daß Frankreich, daß die Tschechoslowakei, falls der Bündnisfall eintritt, sich als taugliche Bundesgenossen der Sowjetunion bewähren. Die französischen und die tschechoslowakischen Kommunisten sollen versuchen, durch Ablehnung des Militäretats ihrer Länder diese für den Fall eines Falls militärisch zu schwächen. Die britischen sollen die Abberufung britischer Truppen aus Aegypten, dem Sudan, Uganda, Kenya, Somali durchzusetzcn trachten, auf daß Mussolini Abessinien die Gurgel ungehindert und noch kräftiger zudrücke. Ein Standpunkt! Die Resolution selber lehnt ihn ab. Denn sie fährt fort:»Gleichzeitig müssen die Kommunisten zeigen, daß die Arbeiterklasse einen konsequenten Kampf zur Verteidigung der nationalen Freiheit und Unabhängigkeit des ganzen Volkes gegen jegliche Unterdrückung ynd Ausbeutung führt; denn nur die kommünistische Partei verteidigt bis zum letzten die nationale Freiheit und Unabhängigkeit des eignen Volkes." Sie verteidigt sie, indem sie ihm die Mittel zur Verteidigung verweigert, und nennt ihren eignen »Kampf"(»zur Verteidigung der nationalen Freiheit" und«gegen die Rüstungsausgaben"!) auch noch»konsequent^; spottet ihrer selbst und weiß nicht wie. Das Beharren der Komintern im Schema der internationalen revoluttonären Ein» heitsrezepte, in der sektiererisch-starren, nichtdifferenzierenden antimilitaristischen Tradition, in der Ablehnung der Militäretats auch jener Länder, mit denen die Sowjetunion verbündet ist, gewinnt aber geradezu den Anschein eines psychopathisch«: Symptoms, liest man zwei Ziffern weiter in derselben Entschließung: „Wird irgendein schwacher Staat von einer oder mehreren imperialistischen Großmächten überfallen, die seine nattonale Unabhängigkeit und nationale Einheit vernichten oder seine Aufteilung durchführen wollen... so kann der Krieg der nationalen Bourgeoisie eines solchen Landes zur Abwehr dieses Ueberfalles den Charakter eines BefteiungDkrieges annehmen, in den die Arbeiterklasse und die" Kommunisten dieses Landes eingreifen müssen. Die Aufgabe der Kommunisten eines solchen Landes besteht darin/-dem unversöhnlichen Kampf für die Sicherung der wirtschaftlichen und polittschen Positionen der Arbeiter, der werttätigen Bauern und der nationalen Minderheiten führend glcichzeittg in die vordersten Reihen der Kämpfer für die nationale Unabhängigkeit einzutteten.. — nachdem sie bis zu diesem Moment durch »Kampf gegen die Rüstungsausgaben" die Verteidigung der nationalen Unabhängigkeit nach Kräften erschwert haben! Die Kommunistische Internationale hätte den neuen, und wie ich glaube, segensreichen außenpolitischen Kurs der Sowjetunion ablehnen können. Das wäre unter einer Jahrhundertsperspektive des Sozialismus und der Humanität be dauerlich, unter dem Gesichtswinkel weltferner doch traditionstreuer Doktrinarität begreiflich gewesen; jedenfalls hätte Mut dazu gehört. Mut; denn man wäre gegen den Strom geschwommen; man hätte sich, steril, doch die eigne Existenz gefährdend, mit den stärksten Meistern und Meisterern der Bewegung: mit Stalin, Litwinow, Di- mitxoff, in-Gegensah gestellt. Dieser Mut fehlte. Aber der andre, der vielleicht noch mutigere Mut: ohne Schliche wirklich die neue Linie zu betreten, klar alle Folgerungen zu ziehn, eindeutig mit dem. Was veraltet an der Tradition war, zu brechen, — dieser Mut fehlte auch. So verbeugte man sich Die Bettkontrolle hat besonnen Das Gesetz, das den Geschlechtsverkehr zwischen Juden und„Staatsangehörigen deutschen oder artverwandten Blutes" verbietet, hat in Hitlers Heimat, in Oesterreich, seinen Ursprung, In den neunziger Jahren des vergangenen Jahrhunderts hauste im Wiener Parlament ein sonderbarer Kauz, ein ewig betrunkener Mechaniker namens Schneider, der durch seine radauantisemitischen Ausfälle ost Entrüstung, öfter Heiterkeit erregte. Dieser Mann brachte eines Tages einen Antrag zur Ergänzung des Strafgesetzes ein, der wörtlich lautete:„Der Geschlechtsverkehr zwischen Menschen und Juden wird als Sodomie bestraft". Zu den Jüngern des Mechanikers Schneider gehörte der junge Adolf.Hitler. Er selbst schildert in seinem Buch„Mein Kampf" die damalige antisemitische Bewegung Oesterreichs mit großer Sympathie. Auch an Anklagen gegen die argen Juden, die an den Straßenecken den deutschen Mädchen austauern, um sie ihrer weiblichen Ehre zu berauben, fehlt es in diesem Standardwerk nicht. Man verdunkelt den dem Führer gebührenden Ruhm, wenn man die Judengesetze als aus dem Geiste Streichers geboren darstellt. Sie sind aus Hitlers Geist geboren, und mit Recht tragen die Anträge im Reichstag seine Unterschrift als die erste. Es ist nun die Frage aufgeworfen worden, wie man sich die Durchführung dieses Gesetzes denkt. Soweit es sich um das Eheverbot handelt, ist sie verhältnismäßig leicht. Aber das Eheverbot drängt, erst recht zum außerehelichen Verhältnis, und wie will man dieses kontrollieren? Nun, auch dafür ist schon ein Weg gefunden. In Dresden haben sich, wie man uns von dort berichtet, sonderbare Dinge zugetragcn. Folgender Vorfall wird uns von Augenzeugen geschildert: -Ein Herr, und eine Dame fahren mit-» einaijdcx in Her Straßenbahn. Wie sie aussteigcn, folgt ihnen ein.dritter,..der sich als i Kriminalbeamter legitimiert. Er wendet sich an die Dame: „Wie kommen Sic dazu, mit diesem jüdischen Herrn spazieren zu gehen?" Darauf die Dame: „Bitte sehr, ich bin ja selber auch Jüdin." Der Beamte:„So sehen Die aber nicht aus. Haben Sie Papiere bei sich?" Die Dame:„Aber ich kann doch nicht immer alle meine Papiere bei mir tragen!" Der Beamte:„Dann kommen Sie mit!" Wie das Abenteuer endete, weiß unser Gewährsmann nicht zu berichten. Es wird uns aber versichert, daß der Vorfall keineswegs vereinzelt dasteht, sondern daß es sich um eine förmliche Razzia handelt. Man wird also in Zukunst die Verkehrsmittel, die Parks, die Hotels und natürlich auch die Privatwohnungen durchstöbern und in allen„verdächtigen" Fällen zwecks Feststellung 30 VILLA OASE Oder: DIE FALSCHEN BORGER Roman von Eugene Dabit Berechtigt« Uebertragung aus dem Französischen von Bejot Weiches Dämmerlicht fiel ins Zimmer, der Wind bewegte die Bäume, ein Pfiff ertönte und das Rollen des Zuges. Julien, den der Abend traurig stimmte, fühlte sich plötzlich müde. Er ftöstrlte und sagte: „Gehen wir." Langlois hatte den Motor anlaufen lassen und di« Scheinwerfer eingeschaltet. Julien und Irma verabschiedeten sich von Flechon und stiegen«in. „Er glaubte mich einzuwickeln, aber ich habe ihn eingewickelt", berichtete Julien während der Fahrt. Er verlangte hundertzwanzigtausend, zehntausend habe ich abgehandelt. Dafür ist die Billa halb geschenkt, Dicke. Ich lasse natürlich modernen Komfort hineinlegen." „Der Teich bleibt doch? Nicht wahr?" „Was denn sonst", erwiderte er erstaunt. „Wir sind die einzigen in der Gegend, die so etwas haben." Er druckte sich in die Ecke. Für den Garten wälzte er Pläne in seinen Kopf, die di« gehobene Stimmung ins Riesenhafte wachsen ließ. Irma schwieg. Ihr waren Autofahrten im Dunkeln unbehaglich. Er starrte mit großen Augen hinaus und war vollkommen glücklich, als helle, wohlbekannte Lichter aufflammten. Sie kamen gerade recht zum Aperitif. Im Cast des Courses saßen die Freunde, denen er die Neuigkeit beibringen wollte, schon wartend am Stammttsch. IV. Zweimal mußte Julien nach Melun fahren, um sich mit Flechon beim Notar zu treffen. Dann aber war er Besitzer der Villa Oase, und die Arbeiten sollten nun möglichst schnell in Angriff genommen werden. Deshalb verhandelte er mit den verschiedenen Handwerkern. Um nach Chapelle-sur-Seine zu gelangen, mußte man in Melun umsteigen und auf den nächsten Zug warten. Oder man stieg in Bois-le- Roi aus und hatte einen Fußweg von zwanzig Minuten. Julien hatte bald genug von den Eisenbahnfahrten. Seit Monaten schon wollte«er rin Auto kaufen. Jetzt war der geeignete Augenblick. Als er das Geschäft in Saint-Dizier führte, hatte Charlier, sein damaliger Teilhaber, ihm das Fahren beigebracht. Eines Abends sprach er mit ihm von seiner Absicht. Charlier kannte die Autos wie Papa Adam die Pferde. Er riet Julien zu einem Delage, einem geschmeidigen, guten Gebrauchswagen, den, wie er preisend erwähnte, jeder Großpapa steuern konnte. Er strich seine Provision ein, und die Sache war für ihn erledigt. Eine Woche lang machte Julien mst Irma, die sich zu diesem Zweck in Gala warf, Probefahrten im Bois de Boulogne. Sonntags fuhren sie auch nach Rouen und kamen am selben Tage glatt zurück. Dann wagte sich Julien auf die Sttaße nach Fontainebleau, und Chapelle-sur- Seine sah ihn in seinem königsblauen Delage am Ziel. Sein Gesicht strahlte. Nicht die kleinst« Panne, und den Zug um dreißig Minuten geschlagen! Julien hielt darauf, nur ortsansässige Leute zu beschäftigen. Der Bürgermeister, der die Tiscksserarbeiten ausfi'ihrte, empfahl ihm Maurer, Klempner, Maler, Ofensetzer und Gärtner. So hatte er aller, was er brauchte, bei der Hand, und es wurde nicht getrödelt. Er fuhr nun einige Male in der Woche nach Chapelle-sur-Seine. Allein. Irma verließ'sich ganz auf ihn.' Mit dem Bürgermeister, einem dicken Genießer, der ihn bereits Herr Julien nannte, ging er die Pläne durch, die er nicht immer verstand. Er prüfte auch die Anschläge und drückte die Preise, wo er könnte. Er sah den Maurern beim Anrühren des Mörtels auf die Finger, befühlte das Holz und wog die Bleirohre. Er stieg auf den Boden, um die Dachdeckerarbeiten zu kontrollieren, und im Keller beobachtete er die Aufstellung einer Pumpe,' die das Brunnenwasser ins Haus leiten sollte. Zwischendurch war er auch in den Zimmern und schimpfte, wenn er einen Mangel entdeckte. Er stellte Ansprüche für sein Geld. Von Woche zu Woche konnte er die Fortschritte feststellen. Die Maurer hatten die Fenster, die auf die Rue du Petit Bau hinausgingen, zugesetzt, hattqn Wände durchgebrochen und die Fassade neu geputzt. Die Maler pinselten, was das Zeug hielt. Der Klempner vollendete die Einrichtung des Badezimmers, Die Zenttalheizung funktionierte bereits. Julien bewundert« selbst die Kühnhett und den- genialen Wurf der Veränderungen und opferte"für sie stattliche Summen. Irma schilderte er mit Genugtuung das verdutzteGesicht, das Ftt« chon eines Morgens gemacht hatte, und das Erstaunen der Ortsbewohner. Triumphierend erklärte er:„Wir haben mehr Komfort als die Baronin." Irma konnte schließlich dem Wunsche, sich selbst von all der Pracht zu überzeugen, nicht länger widerstehen. Eines Tages zeigte sie sich also geneigt, Julien nach Chapelle-sur-Seine zu begleiten. Ohne Zwischenfall langten sie draußen an, und Julien begann unverzüglich mit der Demonstration. Sie hatte wenig einzuwenden und blieb äußerlich ruhig. Aber innerlich blähte sie sich auf, und das Bewußtsein, daß keine ihrer Freundinnen mit einer solchen Besitzung austvarten konnte,- tat ihr außerordentlich wohl. Nur etwas trübte ihre stolze Stimmung: man hatte die Si- chetheitsvorrichtungcn nicht» verstärü. Sie for- nach zwei Seiten hin: vor den Meistern und vor der Subälternität(welche an Zahl stets in der Uebermacht ist).; vor der neuen Erkenntnis und dem alten dummen Ritual. Eine Einerseits-An- drerseits-Tattik, mit der man sich, fürchte ich, das Vertrauen gerade jener Werktätigen verscherzt, die man gewinnen möchte, und sei's auch nur für die Einheitsfront. Keine Dialektik der Welt heilt d:e Knochenbrüche einer Logik, wie sie hier im Rollstuhl siechend an uns vorüberfährt.»Denn" (Mephisto behält recht)»ein vollkommner Widerspruch bleibt gleich geheimnisvoll für Kluge wie für Toren." I der Rassezugehörigkeit vorläufige Festnahmen anordnen. Das ist für die Polizei, bei der es aus der Zeit der Republik noch zahlreiche anständige Elemente gibt, gewiß eine schwierige Aufgabe. Aber wozu hat man SA und SS als Hilfspolizei? Verschärfter Boykott Deutschlands? Holländische Konfektionshäuser machen den Anfang Amsterdam. Di« Direktoren der wichttgsten holländischen Konfektionshäuser beschlossen einmütig, im Hinblick auf die letzten antijüdischcn Gesetze in Deutschland einen strengenBöy« kottallcraus Deutschland stam- mendenWaren durchzuführen. Eine Son- derkommifsion wird mit den übrigen holländischen Industrie- und Handelszweigen Verhandlungen aufnehmen, damit der Boykott deutscher Waren in Holland ein vollständiger werde.,* Wesemann kann Jacob nicht In die Augen sehen Jacob nach Frankreich ausgewiesen Paris. Die Baseler Sonderkorrespondenten der Pariser Blätter teilen mit, daß die Donnerstag abends erfolgte Konfrontierung des Journalisten Jacob mit Dr. Wesemann einen sehr dramatischen Verlauf genommen hat. Jacob beschuldigte seinen gewesenen Freund der verräterischen Entführung. Dr. Wesemann habe es während der ganzen zwei Stunden nicht gewagt, Jacob in die Augen zu sehen. Gestern nachmittag wurde Jacob aus dem Gefängnis entlassen und aus der Schweiz ausgewiesen. Er wird sich in Straßburg niederlassen..... Hafenstrelk In Sudfrankreich und Nordafrika gegen Rationalisierung des Weintransportes Paris. Die Gewerkschaftsorganisationen der französischen Hafenarbeiter haben bc« schloffen, einen 24stündigen P r o t e st st r e i k gegen die Benutzung von Zisternendampfern für die Beförderung vonWein zu veranstalten, da hiedurch einer sehr bedeutenden Anzahl von Hafenarbeitern die A r b e i t entzogen werde. Die Streikbewegung nahm gestern morgens in allen französischen Häfen ihren Anfang. Auch die Dockarbeiter von Tunis und Algier haben sich dem Streik angeschlosscn. derte also Eisenläden vor die Fenster und starke Riegel an die Türen. Damit sie sich, wie sie er- klärcnd bemerkt«, mehr zu Hause fühlten. „Und ivas weiter?" fragte Julien. Sie hielten sich im Gartkn auf, und sie betrachtete den Teich. •„JA möchte gern, daß er umfriedet wird." „Ja, sind wir denn Kinder, daß wir hinein- fallen könnten?" rief er aus. Sie wandte sich dem Hause zu, dessen äußere Holzteile auf ihren Wunsch leuchtend rot gestrigen wurden. Als sie im Begriff waren, zu gehen, blieb sie an der Pforte stehen. „Was ist schon wieder nicht richtig," fragte Julien gereizt. „Ich möchte ein größeres Schild und Billa Oase in Goldbuchstaben." Beschäftigung hatte sie jetzt mehr als genug. Da Julien ihr die Sorge überließ, Möbel und Stoffe einzukaufen, lief sie in alle Läden. Dann ging sie ins Montbert, um mit Hilfe von Ros« alle Rückstände aufzuarbeiten. Alfreds Frau war ihre Freundin. Ein richtiges Arbeitstier. Sie war jung nach Paris gekommen, hatte mit einem Milchhandel Geld verdient und von ihren Ersparnissen ein Grundstück gekauH- Bald darauf hatte Alsted sie geheiratet und dazu bestimmt, ein Hotel zu führen. Sie bewundette ihn und verzieh ihm alles: seine Untreue, seine Großmannssucht, die ihn stachelte, ein ruhiges Haus aufzugeben und dafür das Hotel Montbert zu übenehmen, und seine Leidenschaft, ihre Villa in Cergy und ihre Wohnung in der Rue Blanche dauernd umzumodeln. Für Jrpra war Rose mehr als eine Freundin. Ihr konnte sie von ihren„Erscheinungen" erzählen, ohne ausgelacht zu werden, bei ihr konnte sie sich über die hinterhälttgen Sticheleien der Miß beflagen. Rose, mit ihrem gesunden Menschenverstand, gab ihr zur Antwort:„In wenigen Monaten hast du das alles vergessen.". (Fortsetzung folgt.) Nr. 221 VsinnStag, 21. SeptemV« 1935 Lette 8 fadefcndeHfMfict Zcitspicget Henlein will die Inflation SdP sdilägt Finanzierung ötlcntlMhcr Arbeiten durch Banknotendrnch vor „Eindeutig sozial" so hat die„Rundschau" in ihrer letzten Folge die Stellung der Sudetendeutschen Partei zu den Folgen der Krise und Arbeitslosigkeit, über die jetzt gerade im sozialpolitischen Ausschuß des Abgeordnetenhauses verhandelt wird, bezeichnet. Wie es sich damit wirklich verhält lehrt das Rezept der Sudetendeutschen Partei, das nunmehr der Abgeordnete Dr. K ö l l- n e r im Subkomitee des sozialpolitischen Ausschusses enthüllt hat und das nichts weniger bedeutet, als Inflation, Vermehrung des Papiergeldes mit allen Schrecken, welche die Bevölkerung aus ihren Erfahrungen der ersten Nachkriegsjahre kennt. In der donnerstägigen Sitzung des sozialpolitischen Elfer-Ausschusses stellte nämlich der Abgeordnete Dr. Köllner der SdP den Antrag, die Mittel für die Durchführung öffentlicher Arbeiten(Investitionen) sollten durch Arbeitsbeschaffungswechsel beschafft werden. Es ist vor allem interessant, daß die SdP kein anderes Rezept zur Bekämpfung der Arbeitslosiglest weiß, als einfach die Methoden des Dritten Reiches zu kopieren. Auch dort sind Arbeitsbeschaffungswechsel zum Zwecke der Finanzierung vor allem von Rüstungen emittiert worden und die Summe, auf die sich die Arbeitsbeschaffungswechsel belaufen,' wird gegenwärtig ungefähr 10 Milliarden Mark betragen. Diese Wechsel muß natürlich der Staat einlösen, d. h. die Reichsbank muß sie bevorschussen und für die Wechsel Reichsbanknoten hergeben. So ähnlich dachte sich die Sache der Herr Dc. Köllner. Nachdem der Genannte im Ausschuß den Antrag gestellt hatte, erhob sich- in Vertretung des abwesenden Finanzministers Obersektionsrat Rudolf und äußerte sich zu dem Antrag folgendermaßen: „JnvestitionSarbeiten erfordern bei ihrer langfristigen Reproduktion von Kapital einen langfristigen Kredit. Der Wechsel ist aber die Form eines kurzfristigen Kredits. Wenn Wechsel zur Deckung von Jnvestitiouen.verwendet werden, dann kann man als sicher annehmen, daß der Wechsel am Fälligkeitstage nicht bezahlt, sondern durch einen anderen Wechsel ersetzt wird. Die Gewährung eineS solchen Kredits durch die Zettelbank wäre Inflation, es kommt letzten Endes nicht auf die Form, sondern auf das Wesen deS Kredits an. Obersektionsrat Rudolf betonte, daß er diese Erklärung nicht nur im Namen des Finanzministeriums sondern auch im Namen der Nationalbank abgebe. Der Vertreter des Finanzministeriums hat völlig recht, denn irgend jemand müßte die Wechsel einlösen, das könnte, wenn auch über den Umweg des Reeskompte-Jnstituts, nur die Nationalbank sein, die dafür Banknoten ausgeben würde. Es würden also die öffentlichen Arbeiten durch Vermehrung deS Banknotenumlaufs finanziertiwerden, was zu nichts anderem führen könnte, als zur Entwertung des Geldes, d. h. zu einer Steigerung der Preise. Nun bedenke man, die ganze Bevölkerung seufzt unter der Steigerung der Preise wichtiger Massenbedarfsartikel und das Rezept der SdP ist es, nundie Preise noch weiter in die Höhe zu treiben, also den Hunger der Bevölkerung noch zu steigern. Gerade die lohnarbeitenden Klassen würden dadurch am meisten leiden, denn sie wären in der Krise nicht stark genug, durch eine Erhöhung der Löhne der Steigerung der Preise zu begegnen und so ihr Lebensniveau zu bewahren. Lange hak uns die SdP eingeredet, sie hätte den Stein der Weisen gefunden und sie allein wisse, wie man Krise und Arbeitslosigkeit erfolgreich bekämpfe. Rnn kennen wir daS Rezept. ES ist Inflation, Nentwich und May bleiben in der Partei? Interessantes Dementi In der bürgerlichen Presse tauchten gestern Nachrichten über große Luftmanöver in der Hen- leinpartei auf. Es hieß, daß der Tetschner Abgeordnete Nentwich mit noch 38 Mitgliedern aus der SdP geflogen sei. Darauf beeilte sich hie Pressestelle Henleins in der„Reichenberger Zeitung" zu versichern, daß diese Nachricht„aus der Lust gegriffen" war. Auch gut. Von dem Brief des Herrn Nentwich über seine Kollegen May und Dr. Köllner, den wir veröffentlichten, konnte sie das nicht behaupten. W o bleibt das Dementi? Wo bleibt die Berichtigung? Haben sich die Nentwich und May schon wieder„Treue um Treue" geschworen? Wurde der„Bruch im Charakter" inzwischen ausgebügelt? Die Pressestelle der SdP wird um ein Lebenszeichen gebeten. Militärischer Verrat an der bayrischen Grenze Vor dem Strafsenate des Klattauer Kreisgerichtes hatte sich dieser Tage der 2 5jährige Handlungsgehilfe Alois Robl aus Markt- Eisenstein wegen des Verbrechens des Militärverrates zu verantworten.' Robl bestellte bei verschiedenen Buchhändlern Landkarten und Pläne von Städten» in denen sich militärische Garnisonen befanden, so insbesondere von Reichenberg, Pilsen, Aussig a. E„ Brünn, usw., und diese verkaufte er nebst einem Instruktion s b u ch fürUnteroffiziere an eine fremde Macht. Außerdem wurde auch festgestcllt, daß er wiederholt n achBayern wanderte, wo er sich längere Zeit auf der bayerischen Gendarmeriestation aufhielt. Dort soll er auch die Pläne verkauft haben. Schon in der Voruntersuchung erklärte Robl, er sei nicht schuldig, und verteidigte sich damit, daß er die Pläne einem gewissen Jng. I a v u r e k in einem Prager Kaffeehaus verkauft hätte. Man suchte nach diesem Ingenieur, doch-er war nicht zu finden. Es wurde daher angenommen, daß Robl den Namen bloß erfunden hat. Robl wurde zu vier Jahren schweren und verschärften Kerkers unter gleichzeitigem Verlust des Wahlrechtes verurteilt. Der Verteidiger des Angeklagten meldete gegen das Urteil die Berufung und die Nichtigkeitsbeschwerde an, so daß sich auch das Oberste Gericht mit dem Prozeß wird zu beschäftigen haben. Der erste Ministerrat ErnShrungsaktion verlängert Prag. Am Freitag fand der erste Ministerrat nach den politischen Ferien statt. Mit Rücksicht darauf, daß in den Komitees der politischen und der wirtschaftlichen Minister eifrig über dringende wirtschaftlichd und finanziell« Fragen verhandelt wird, wurden vor allem die angehäuften Entwürfe der einzelnen Ressorts erledigt. Dazu gehören insbesondere die Verlängerung des sozialen Abkommens mit Deutschland über die Sicherung der sozialen und Armenfürsorge für tschechoslowakische Staatsangehörige in Deutschland, der Vertrag mit Sowjetrußland über den Postpaketaustausch und b*e Abmachung mit Rumänien über gegenseitige Erleichterungen für die Einfuhr propagandistischer und touristischer Publikationen. Genehmigt wurde u. a. di« Verlängerung der Wirksamkeit des Syndikates für Viehverwertung bis Ende des Jahres 1933. Bewilligt wurden die«forderlichen Mittel zur FortsetzungderftaatlicheuEr- nöbrungsaktion für Arbeitslose und Kurzarbeit« und zur Milchaktiou für di« Kinder arbeitslos« und beschränkt arbeitender Familienernährer sowie zur Brotzuteilung für Arbeitslose in besonders schw« betroffenen Bezirk«. Volksbildung, wie sie nicht sein soll Aus Reichenberger Volksbildungskreisen wird uns geschrieben: Der Reichenberger Stadtbildungsausschuß veranstaltete Ende August in Verbindung mit dem Verband für Heimatforschung und Hcimatbildung und anderen Körperschaften in Reichenberg eine Sommerhochschulwoche. Der Veranstaltung lag das Thema.Landeskunde und Heimatforschung der Sudetenländer" zugrunde, das in mehr als zwei Dutzend Borträgen behandelt wurde. Jeder aufmerksame Zuhörer mußte aber feststellen, daß die Sommerhochschulwoche di« in sie gesetzte Erwartung nicht erfüllt hat. Der wesentliche Mangel der Tagung war, daß sie jede Leitung vermissen ließ und sehr schlecht organisiert war. Die Vorträge hatten mstein- ander gar keine Verbindung und endeten durchwegs ohne Aussprache, die ja vielfach erst den Gewinn einer solchen Tagung mit sich bringt. Manche von ihnen waren auch inhaltlich außerordentlich schwach, sie kamen vielfach über Gemeinplätze nicht hinaus. Wenn z. B. Herr Dr. Oberdörfer, der den Vortrag Wer das«Gemeindegedenkbuch" hielt, im wesentlichen nur auf das Buch des Oberlehrers Blau verwies und erklärte, daß er dem nichts hinzuzufügen habe, so ist damit der Bildungswert eines solchen Vortrages schon genügend gekennzeichnet. Einzeln« Borträge brachten einen Stoff, der in den Lehrbüchern der Bürgerschulen enthglftn" ist. Vielfach ent» Vermehrung des Bankudtennmlaufes, Entwertung des Geldes, Steigerung der Preise, Vermehrung des Elends. Eine solche Wirtschafts- und Finanzpolitik wäre nur im Interesse der Besitzer von S ach werten, von Grundstücken, Häusern- Fabriken, größeren Warenvorräten, deren Preise steigen würden. Die breiten Massen der Bevölkerung hätten aber die Kosten zu bezahlen. Die SdP hat sich damit als eine reaktionäre Partei enthüllt, die die Interessen der besitzenden Klassen vertritt. Es wird die Aufgabe der Sozialdemokratie, aller unserer Vertrauensmänner und Anhänger sein, die sudetendeutsche Bevölkerung darüber zu belehren, daß die Sudetendeutsche Partei kapitalistische Interessen verficht und der Staatsfeind Nummer 1 des sudetendeutschen Volkes ist. hielten sich die Vortragenden z. B. bei den Themen «Rasse und Familie" der Stellungnahme, was das Gefiihl aufkommen ließ, daß hier entweder eine starke Unsicherheit vorhanden ist oder daß man seine eigene Grundeinstellung nicht bekennen will. Die Vorträge wurden durchwegs nur gelesen und dazu vielfach recht schnell, so daß ihr Bildungswert auch dort, wo der Inhalt noch ein gewifles Interesse rechtfertigte, außerordentlich gering war. Zusammenfassend kann gesagt werden, daß di« diesjährige Reichenberger Sommerhochschul- wochc, die nach dem Programm einem barocküberladenen Stadthause, in der Durchführung aber einem Blick in seinen verwahrlosten Hof glich, nicht geeignet war, für ähnliche Veranstaltungen werbend zu wirken und daß sie insbesondere nicht den Anspruch auf die Führung in Volks- bildungsftagen, der oft von gewissenReichenberge: Kreisen ausgeht, rechtfertigt. Wieso es der»Verein für Geschichte der Deutschen in Böhmen", der immerhin einen gewissen Ruf besitzt, verantworten kann, als Mitveranstalter zu zeichnen, mag dieser, ebenso wie die Gesellschaft für Vor- und Frühgeschichte, mit sich selbst ausmachen. Eingeständnis des SdP-Bankrotts. Vor der Wahl machten die Henleinianer im ganzen Lande ein fürchterliches Geschrei, daß die deutschen Sozialdemokraten mit ihren 21 Abgeordneten die Not der sudetendeutschen Bevölkerung nicht beseitigt haben. Nun haben sie 45 Abgeordnete im Parlament und es müßte nach dm gegebenen Versprechungen mit der Beseitigung des Elends in den deutschen Gebieten eigentlich flott voowärtsgehen» Aber der Millionär» Ziegeleibesitzer und Standesgruppenführer derH^nlcin- arbeiter in Znaim, Herr Dr. Iilly, erklärte in einer Versammlung dortselbst: „Niemand ist imstande, die Not zu bändigen» niemand kann sie über Nacht beseitigen." Ein werwolleS Eingeständnis des begangenen Volksbetruges der Henleinparteil Rote Jugend marschiert im Adlergebirge. In Kronstadt im Adlergebirge, wenige Schritte von der Grenze des Dritten Reiches entfernt, marschierte Sonntag, den 15. September die Sozialistische Jugend des Bezirkes Grulich. Es war das erstemal, daß die Arbeiterjugend in jenem Gebiete demonstrierte, denn bisher war den Menschen in Kronstadt und Umgebung die Sozialistische Jugend etwas Fremdes, Niegesehenes gewesen. Um so mehr erstaunten die Bewohner, als sie so viele Burschen und Mädels in ihrer Einheitskleidung aufmarschieren sahen. An der Kundgebung nahm auch die Arbeiterschaft des Ortes in stattlicher Anzahl teil. Genosse Schäfer sprach im Namen des Parteivorstandesldrn nach Hause geschickt werde». Die Feuerwehr ist noch mit de« Löscharbeiten beschäftigt. Regierungsrücktritt in Spanien Madrid. Ministerpräsident Lerroux hat dem Staatspräsidenten den Rücktritt des gesamten Kabinetts angezeigt. Freitag nachmittag haben die Besprechungen des Staatspräsidmten mit den Parteiführer begonnen. Die ursprünglich beabsichtigte rein verwaltungsmäßige ministerielle Neuorganisation der Regierung hat sich zu einer politischen Krise ausgewachsen Die Ursache liegt in dem Rücktritt des Marine- und des Landwirtschaftsministers, die beide der Agrarpartei angehören und in der Stellungnahme dieser Partei, die laut Erklärung ihres Führers Martinez de Balesro einem neuen personell red«zi«te» Kabinett keinen Vertreter zuteilen will. Es besteht jedoch die Ansicht in Regierungskreisen, daß rin« neue Regierung eine ähnliche Zusammensetzung aufweisen wird wie die bisherige. Kongreß der sozialistischen Partei in Frankreich Paris. Die sozialistische Partei beruft für dm 28. und 29. September nach LimogeS einm außerordentlichen Parteikongreß, der fast ausschließlich landwi<1» schaftlichen Frag« gewidmet sein wird. Gefahr einer Militärdiktatur In Japan? Tokio. Ministerpräsident Okada hat die entschiedene Forderung des Kriegsministers, eine neue Regierungserklärung als Proklamation wahrer Nationalpolitik abzugeben, abgelehnt. Die gesamte Presse stellt eine ernsteSpannung zwischen dem Kabinett und dem Militär fest, deren Folgen nicht abzusehm seien. Gouverneur von Kreta bewaffnet die Monarchisten Athen. Infolge des sich immer mehr zuspitzenden Gegensätze zwischen Republikaners! und Monarchisten in Kreta ist nach einer Meldung des dortigen Gouverneurs die ganze Insel in höchster Erregung. Der Ausbruch von Unruhen sei wahrscheinlich. Der Gouverneur schlägt daher vor, den Monarchisten zu gestatten, sich zu bewaffnen., Verkehrsstrelk In Mexiko Mexiko-Stadt. Der gesamte Bahnver- k e b r von Vera Cruz ist st i l l g e l e g t, da die Arbeiter der Terminalgesellschaft, die die Besitzerin der Bahnanlagen in der Hafenstadt ist, wegen Lohndifferenzen in den Streik getreten sind. Die Züge vom Inneren-des Landes halten eine Station vor Vera Crux. Truppen sind m aller Eile angefordert worden. Um das Kunstffett „Pravo Lidu“ gegen die Agrarier Die tschechische Agrarpartei hat eine Sitzung ihres Vorstandes abgehalten, in der die Erhöhung des Margarinekontingents abgelehnt wurde. Das „Pravo Lidu" bemerkt dazu, daß die tschechischen Sozialdemokraten diesen Beschluß bedauern, weil er ein Beweis dafür ist, daß die Agrarpartei für die Bedürfnisse der breiten Massen der Bevölkerung, insbesondere für die Allerärmsten, kein Verständnis hat.„Pravo Lidu" hält es für unhaltbar, daß die Agrarpartei so einseitig die Interessen der landwirtschaftlichen Produzenten ohne Rücksicht auf die anderen Schichten der Bevölkerung vertrete, und es werde notwendig sein, die Angelegenheit von neuem zu erwägen und den Beschluß zu revidieren. Insbesondere ist das Blatt neugierig, ob die Vertreter der Agrarpartei in der Regierung auch für die Verteuerung billiger Fette sein werden. Das„Prävo Lidu" bespricht weiters die Forderung des„Venkov", des Zentralorgans der tschechischen Agrarpartei, nach der Einführung eines Kunstf»ttmonopols. Diese Forderung treffe die tschechischen Sozialdemokraten nicht unvorbereitet, denn diese seien für die Einführung eines solchen Monopols, allerdings unter der Bedingung, daß alle Zweige der Industrie« welche landwirtschaftliche Rohstoffe erzeugen, monopolisiert werden. So vor allem die Spirituserzeugung, was einer Verbilligung der Treibstoffe und damit zu einer Belebung des Automobilverkehrs führen werde. Die tschechische Sozialdemokratie sei bereit im Rahmen eines Gesetzentwurfes über die Syndizierung der Industrie zu verhandeln. ®eHe l ©omäföfl, 21. September 1935 Nr. 221 Nach Lepej— Mevee Vergebliche Jagd nach dem.Kompagnon" des toten Räubers Ujhorod. Eine zehngliedrige Gendarmeriepatrouille, die nach dem geflüchteten Räuber K l e v e c fahndet, stieß gestern nachmittags oberhalb der Ortschaft Sopky, an der Stelle, die Na Podrinu genannt wird, auf zwei unbekannte bewaffnete Männer. Die Patrouille farderte sie auf, sich zu ergeben. Als die beiden von der Waffe Gebrauch machen wollten, gab der Patrouillenkommandant gegen sie einen Schuß aus seinem Karabiner ab. Einer der Unbekannten wurde getroffen und konnte so angehalten werden. Er ist der 36jährige Wilderer Andrej C a r j, der in der Gemeinde Lozanskä wohnt. Carj, der an Gestalt dem Räuber Klevec ähnlich sieht, wurde durch das Projektil am rechten Noch im Sturm auf der Nordsee London. Donnerstag herrscht an der englischen Küste im Aermelkanäl und der Nordsee wieder ein äußerst starker Sturm, der aber nicht mehr die katastrophale Stärke annahm, wie in der Nacht zum Mittwoch. Auch diesmal mußte sich eine große Anzahl Dampfer von der hohen See in den Schutz der einzelnen Häfen retten. Ein Verkehrsflugzeug, das mit 25 Fahrgästen an Bord von Croyden nach Paris abgeflogen war, mußte nach zehn Minuten wieder umkehren. Tas zum Verschroten verkaufte U-Boot, das sich während des letzten katastrophalen Sturmes beim Bristol-Kanal von seinem Schleppdampfer loSgerissen hatte und ohne Besatzung angetrieben war, ist nach 36stündiger Irrfahrt plötzlich bei Gardiff aufgetaucht und gestrandet. Der regelmäßige Schiffsverkehr zwischen Folkestone und dem Festland« wurde für gestern nach Dover umgelciwt... Italienisches Schiff in Griechenland boykottiert Athen. Das italienische Motorschiff .Prometheus" aus Tarent ist wegen hohen Seeganges im Hafen von Argostoli eingelaufen. Nach einer griechischen Meldung lehnten die Griechen die Annahme von Lire und den Verkauf vonWaren an die Italiener in Argostoli ab. Auch Chinas zweiter Riesenstrom zerbricht die Dämme Schanghai. Der Norden von Mittelhopei ist von einer neuen ernsten Flutgefahr bedroht. Der Jangtseeflutz, der schon im Juli in Hopei Schäden von über- hundert Millionen Dollar angerichtet hat und mehr als eine Million Menschen obdachlos machte, hat jetzt aufs neue seine Dämme durchbrochen, große Strecken überschwenunt und mehrere hundert Quadratkilometer Reisfelder zerstört. Das Elend der Bevölkerung ist durch diese Katastrophe ins Unermeßliche gestiegen. Dom Anstreicher zum Flaggenmaler Berlin. Der.Führer" und Reichskanzler hat sich die Gestaltung der neuen Reichskriegsflagg« persönlich Vorbehalten. Ihre Einführung ist in kurzer Zeit zu erwarten. Starhemberg geifert gegen die„Arbeiterzeitung" Wien.^Der Heimatschützer", das Organ des Herrn S t a r h e mb e r g, beantragt den Abschluß einer internationalen Konvention über das Verbot des Erscheinens von Emigranten- Zeitschriften. In der Beründung wird betont, daß gerade jetzt die Zeitschriften der österreichischen Emigranten in der Tschechoslowakei wieder angriff s lustiger gegen Oesterreich sind und das Verhältnis zwischen Oesterreich und der Tschechoslowakei trüben. Wildwest i« Dortmund Freitag mittags wurde in Dortmund ein Dankbote, der sich auf dem Wege von der Reichsbank nach der inneren Stadt befand, überfallen und beraubt. Die Täter fuhren mit einem Auto an ihn heran; zwei sprangen aus dem Wagen heraus und schlugen den Boten mit Totschlägern nieder, während der dritte Täter am Steuer des Autos einen Schuß abgab, durch welchen ein den Ueberfallenen zu Hilfe eilender Chauffeur leicht verletzt wurde. Die Räuber erbeuteten 1000 Mark in Fünf-Mark-Stücken und fuhren mit dem Auto davon. 58 Stunden Ballonfahrt. Der Pilot des Ballons„Polonia", der im Gordon-Benett- Wettkampf siegte, erklärte, daß der Ballon sich 57 Stunden 54 Minuten in der Luft erhalten habe. Zuletzt sei die Bemannung gewungen gewesen, um die Geschwindigkeit der Landungsfahrt zu mildern, ihre Sauerstoffgeräte und andere Gegenstände Wer Bord zu werfen. Der Ballon erreichte eine Maximalhöhe von 5100 Metern. Schenkel verwundet. Der zweite Wilderer Niko- lej S o p k o flüchtete. Carj wurde nach Anlegung eines Notverbandes ins Landeskrankenhaus nach Sevljus gebracht. Durch die Untersuchung wurde festgestellt, daß er Klevec mitLebens- mitteln unter st ützt und den flüchtenden Räuber vor seinen Verfolgern gewarnt hatte. Die Gendarmerie verhaftete auch den Bewohner von Horincovce, Basil I a ch y m, der verdächtigt wird, der dritte Teilnehmer am Raubüberfall gewesen zu sein, den Lepej und Klevec beim Landwirte Vasil Beliöka in der Gemeinde Berezovä verübt hätten. Damals erbeuteten die Räuber 13.000 KL. Hundeleben. Unter dem Titel„Menüs für Hunde" berichtet eine Korrespondenz(der dabei übrigens auch nicht ganz wohl zu sein scheint) folgendes:„Die großen französischen Ozeandampfer sind wegen ihrer französischen Küche berühmt. Aber nicht nur Menschen, auch Hunde können ga st rono mische Orgien während der Ueberfahrt feiern. So hat die„Ile de France" beispielsweise verschiedene Menüs für die vierbeinigen Lieblinge; das eine heißt„Lunch Dog" und umfaßt Spinat, Karotten, grüne Bohnen und Reis. Das ist natürlich nur ein vegetarisches Frühstück. Das Diner hingegen bringt Hammelbraten garniert und Ochsenknochen mit Beilage. Für Schoßhündchen eignet sich eine Hundebouillon aus Markknochen mit Toast und Kartoffeln." Und für die Herrschaften, die ihren Hunden solches servieren las. sen, eignete sich das Leben eines jener Milli o- nen Arbeitslosen, die nicht einmal wissen, wie ein Hammelbraten aussieht, und deren Kindern der Mund wässerig würde, wenn sie hörten, wie die Gemüseplatte der Luxusviecher zusammengestellt ist. Ein Hundeleben? Diesen Ausdruck wird man streichen müssen! Eine Schande. Im böhmischen Landesamt benötigte die Abteilung für nichtstaatliche Straßen eine Schreibmaschine. Statt aber vom Landesausschuß den Ankauf zu verlangen» gibt die Landesbehörd« an die ihr unterstellten Bezirke einen Erlaß heraus, jeder der rund 100 böhmischen Bezirke möge der Landesbehörde einen vorgeschriebenen Betrag,-er sich zwischen 20 und 50 KL bewegt, zum Ankauf der Schreibmaschine einsenden l Auf welche Joeen doch die Bürokraten kommen. Es ist wohl überflüssig zu sagen, daß die Bezirksausschüsse es ablehnen, der Landesbe» hötde die«Schreibmaschine zu bezahlen. Aber schämt sich denn niemand bei der Prager Landes- Prag. Bor nahezu einem Jahr— am 18. Oktober 1934— begann vor dem hiesigen Kreisgericht der mehrtägige Sensatiousprozctz gegen das Ehepaar Vylekälek, welches des gemeinsamen Mordes am Vater der Frau beschuldig war. Der Prozeß endete mit der Berurtellung der Diarie Vylekälek als der Schuldigen an der bestialischen Ermordung des eigenen Vaters zu fünfundzwanzigJ ähren schweren und verschärften Kerkers, während ihr Gatte, dem keine direkte Beteiligung an dem Mord nachgewiesen wurde, mit zweieinhalb Jahren davonkam. Bekanntlich hat die entmenschte Tochter die Leiche ihres von ihr selbst erschlagenen BaterS über ein Jahr lang in einer Mauernische hinter dem Küchenherd verborgen gehalten. Marie Vyletälek, die bei der Schwurgerichtsverhandlung einen erstaunlichen Zynismus an den Tag legte, hatte ein mehr als fragwürdiges Vorleben und war bereits einmal mit dem Gesetz in Konflikt gekommen. Und nicht nur das— sie hat auf verschiedene Kameradinnen einen höchst unheilvollen Einfluß gehabt. Eine von ihnen wurde durch sie auf die schiefe Ebene gebracht und wurde in jungen Jahren Berufsdiebin. Marie Vylekälek wurde nun aus der Strafhaft dem Strafsenat I l l n e r vorgeführt, vor welchem eine alte Affäre diese? unheimlichen Weibes neuerlich verhandelt werden sollte. Diese Sache spielt im Jahre 1931, also lange vor dem grauenhaften Batermord. Zu dieser Zeft war Marie Vyletälek auch noch nicht mit ihrem letzten Gatten verheiratet, sondern eben zur Witwe geworden. Ihr erster Mann, ein gewisser Karl Pr«kes, war damals gerade gestorben und die Witwe war über seinen Tod keineswegs betrübt. Karl Prokes war ein armer Tuberkulöser gewesen, den sie zweifellos nur aus Berechnung geheiratet hatte und dessen baldiger Tod in ihren Zukunftsplänen eine Rolle spielte. Sie beerbte ihn und ergab sich, kaum daß ihr Gatte im Grabe lag, den gröbsten Ausschweifungen. Sie war Stammgast in verschiedenen anrüchigen Lokalen und hatte zahllose intime Bekanntschaften. Sie schloß Freund-< schäft mit einer Hausgehilfin Elisabeth Dudas. behörde, eine solche Bettelei bei den Bezirken, die noch weniger haben als das Land, vorzunehmen? Ein Landheim der Angestelltenjugend bei Komotau. Der Jugend des Allgemeinen Angestell- ten-Verbandes in Komotau würde anfangs September im herrlich gelegenen Dörntal bei Komotau ein Landheim übergeben, das feierlich und unter zahlreicher Beteiligung der Komotauer und Teplitzer Angestelltenjugend eröffnet wurde. Das neue Heim dient sowohl als Herberge als auch als Erholungsstätte von den Mühen des Werktages und verspricht damit, ein beliebter Anziehungsort für die wandernde arbeitende Jugend zu werden. Zwei Kinder vom elektrischen Strom getötet. Gestern vormittags kamen die beiden Töchter des Landwirtes Kendler in Hof bei Salzburg beim Spielen mit einem von der Hochspannleitung herabhängenden Draht in Berührung und waren auf der Stelle tot. Die Mädchen standen im Alter von viereinhalb und zweieinhalb Jahren. Wilderer gegen Wilderer. Im Stadiwalde bei der Gemeinde Kosovske Poljany im Bezirk von Rachovo' wurde beim Wildern Nikolaj S u s- mann schwer verwundet. Er wurde von einem anderenWilderer namens Jura PopoviL angeschossen. Die Veletzung ist sehr schwer, da beide Wilderer Militärgewehre benützten, welche sie mit Dum-Dum-Geschofsen geladen hatten. PopoviL wurde verhaftet. Der Mentor der sowjetrussischen Luftschifffahrt gestorben. Donnerstag starb in K a l u g a der bekannte russischen Gelehrte und Erfinder auf dem Gebiete der Luftschiffahrt Konstantin Ziol- kowskij im Alter von 73 Jahren an Magenkrebs. Die russische Regierung hatte ihm ein besonderes Laboratorium eingerichtet, in welchem er bis zu seinem Tode an dem Problem des g a n z- metallenenLuftschiffes und der Flugmotoren arbeitete. Eine mehrköpfige Familie stirbt an gifttgen Pilzen. In Sashalom bei Budapest erkrankten gestern nach dem Genuß von Pilzen eine Arbeiterstau und ihre fünf Kinder im Aller von eineinhalb bis elf Jahren. Im Verlaufe der Nacht sind die Kinder ge starben und es besteht auch für das Auflommen der Mutter keine Hoffnung. Vierlinge. In einem Dorfe unweit von Moskau gebar die Frau eines Arbeiters Vierlinge, drei Mädchen und einen Knaben. Der Gesundheitszustand der Mutter und der Kinder ist ein guter. Erneuerung erloschener LutotranSporttonzeffio- nen. Der Zentrawerband der AutoverkehrSgewerbe der Tschechoslowakischen Republik in Prag macht darauf aufmerksam, daß mit 80. September l. I. unwiderruflich die Frist zur Einbringung von Gesuchen um Erneuerung der erloschenen AutottanS« porttonzeffionen abläuft. Die Gesuch« find bei jenen Konzeffionsbehörden einzubringen, welch« die bisherigen Konzefiionsurkunden ausgestellt haben. Eines Tages machte fie mit dieser einen besonders tollen Bummel, der in dem berüchttgten Lokal„11 Senfloku" begann und im Abstcigequartter endete. Sie zahlte in diesem Lokal mit einer Tausendkronennote, was einem anwesenden Detektiv auffiel, der sich die beiden Frauen aufs Korn nahm. Da nun am gleichen Tag die Dicnstgeberin der Dudas entdeckte, daß ihr 8000 KL gestohlen worden waren, ergab sich der Verdacht, daß diese, angestiftet von ihrer Freundin Marie Vyletälek, den Diebstahl begangen habe. Dir Sache kam vor Gericht, doch wurden die beiden Angeklagten mangels Beweisen freigesprochen, obwohl die Indizien sehr belastend waren. Später erreichte die Staatsanwaltschaft, die neue Indizien aufgespürt hatte, die Wiederaufnahme des Verfahrens. So kam es, nach vier Jahren, zur neuerlichen Verhandlung dieses Falles, wobei Marie Vylekälek allein auf der Anklagebank saß, denn di« Mitbeschuldigte ist inzwischen nach der Slowakei verzogen und das Verfahren gegen sie ausgeschieden worden. Der Prozeß endete mit einem neuerlichen Freispruch der Vylekälek, da auch die neu erbrachten Indizien nicht zur Verurteilung ausreichten. Marie Vyletälek bewies durch ihr Benehmen im Gerichtssaal, daß sie weder durch die Verurteilung zu fünfundzwanzig Jahren, noch durch den seitherigen Aufenthalt im Gefängnis sonderlich berührt wurde. Sie benahm sich bei der Einvernahme recht zynisch, fast frech. Sie erklärte sich nichtschuldig: „Hätte es einen Zweck, wo ich 25 Jahre bekommen habe, wegen einer solchen. Keinen Sache Geschichten zu machen?!" Auch sonst ließ sie sich keine Gelegenheft zu allerlei zynischen Bemerkungen entgehen. Als sie nach der Nrteilsverkündigung abgeführt wurde, begegnete sie dem nächsten Angeklagten. Es war der aus der Benzinaffäre bekannte Herr Kolben, der wieder einmal mit dem Gericht zu tun hat.(Seine Verhandlung wurde indessen vertagt.) Marie Dyle- tälek, die ihn anscheinend gut kennt, brach bei seinem Anblick in lautes Lachen aus:„Sich da, der Herr Kolben! Das wird ein FresfenI" Und aus bollem Halse lachend und offenbar köstlich amüsiert, ging die Vatermörderin ab, die die GefängniSmauern— wenn überhaupt— erst als Greisin verlassen wird.., rb. i Vatermörderin Marie Vylekälek wieder vor Gericht Elve alte Diebstahlsaffäre in neuerlicher Verhandlung— Erstaunlicher Zynismus der zu 25 Jahren verurteilte» Verbrecherin Schopenhauer, zu seinem 75. Todestag am 21. September Sonderkurs« au der Deutsche» StaatSgewerbe» schule in Reichend«-. Im Schuljahr 1938/36 werden nachstchende Sonderkurse eröffnet: Baupoliere (1. TeiüurS): Samstag, den 19. Okwber. Dauer fünf Monate.(Kursgebühr 45 KL.) Innenarchitektur: Dienstag, den 1. Oktober, drei Monate. Straßenbau» und- erhaltung: Dienstag, den 7. Jänner, dreieinhalb Wochen, Kurse b) und c) ganztägig,(je 70 KL). Bau und Be« rechnungvonKüchen- undZim« merofen: Sonntag, den 10. November^ vier Monat«,(75 KL). Beleuchtungswesen: Mittwoch, den 2. Okwber, vier Monate,(85 KL). Betriebstechnik: Montag, den 14. Otto» ber, sieben Monaw,(130 KL). Flugtechnik: Donnerstag, den 7. November, sechs Monate,(65 KL). Heizer und Maschinenwärter: Samstag, den 9. November, sechs Monate,(75 KL). Heizung, Lüftungund sanitäre Anlagen: Sonntag, den 13. Oktober, sieben Monat«,(75 KL). Maschinen für Lebensmittelgewerbe: Mittwoch, den 5. Feber, drei Monate,(45 KL).Stark st romkurS: Samstag, den 9. November, sechs Monate,(85 KL). Rundfunktechnik: Donnerstag, den 7. November, fünf Monate,(85 KL). Bild- und Tontechnik(Kinooperateurkurs): Mittwoch, den 16. Oktober, sechseinhalb Monate,(175 KL). FeuerungStechnik für Kaminfeger: einen Monat(95 KL). Härtekurs für Schlosser: sechs Wochen(KL 95). Kraftwagenlenker: sieben Wochen(KL 665).— Anmeldung täglich von 10—12 Uhr in der Direkttonskanzlei, spätestens aber bei KurScröffnung. Teilnehmer genießen auf den Staatsbahnen 50proz. Ermäßigung. Diebe im Wafchkeffel. Da liegt die Hausfrau dauernd auf der Lauer, ihren Wäscheschatz zu hüten; mit Argusaugen wacht sie darüber, daß niemand dar Handtuch mißbraucht, daß keine Flecken ins Tischtuch kommen, daß die Bettwäsche geschont bleibt und die Kinder sich nicht im ärgsten Schmutz balgen. Und zu welchem Ende? Daß dann di« Diebe im Waschkessel sitzen. Diebe, vor denen kein Schloß schützt, weil man sie ja selbst eingeladen hat.— Es ist eine alte Geschichte: Wäsche unterliegt einer natürlichen Abnützung. Ein vorzeitiger und«»nötig rascher Wäscheverschleiß aber wird entstehen, wenn zum Einweichen und Wäschewaschen unsachgemäße, vor allem scharfe Mittel verwendet werden; das find wahre Diebe im Waschkessel, und— eins, zwei, drei— ist die sonst so sorgfältig gehütete Wäsche schleißig. Darum nimmt man zum Einweichen nur Frauenlob, das ideale Einweichmittel, und zum Waschen und Kochen die bewährte, milde Schicht- Hirschseife. Dann bleibt die Wäsche geschont und hält sich doppelt so lange. 82 Vom Rundfunk (taget Hrteitetlentag in tiefet Me Sonntag, den 22. September, 14 Uhr 30 bis 14 Uhr 45: Schwedens Weg aus der Krise (Paul Malles). Mittwoch, den 25. September, 18 Uhr 35 bis 18 Uhr 55: Hans Kudlich, der Demokrat (Karl Kern-Troppau). Freitag, den 27. Septtmber, 18 Uhr 50 bis 19 Uhr: Aktuelle zehn Minuten(Ernst Paul). Empfehlenswertes aus bat Programmen: Sonntag Prag: Sender L.: 7.00 Uebertragung aus Karlsbad. 9.15 Gesangsquartett. 13.45 Leichte Musik. 14.15 Nachmittagskonzert. 17.45 Opernszenen. 18.00 Deutsche Sendung: Uebertragung aus Teffchen. 19.00 Deuffche Presst. 21.15 Vollstüm« licheS Konzert. 22.35 Schallplatten. 22.40 Deuffche Presse und Sportberichte. 22.45 Jazzorchesterkonzert. — Sender St.: 14.30 Deuffche Sendung: Arbeiterfunk: Malles: Skandinavische Lösungen. 15.00 Aus Operette und Tonfilm.— Brün«: 11.10 Konzert: Mährisches Quartett. 16.00 Bunter Nachmittag. 18.00 Deutsche Sendung: Die schöne Galathee, komische Oper von SuppL.— Mähr.-Ostrau: 18.00 Deutsche Sendung: Dr. Nowak: Der Bauer, ein Höffpiel. 19.15 Tanzmusik. Nr. 221 VamStag, 21.«Keptemker 1838 Seite 5 Schopenhauer ««d dasProletariat I«« 78.Todestag de» Philosophen am 21. September Schopenhauer hat nicht für die große Masse geschrieben. Seine Werke wimmeln von abschätzigen Bemerkungen über die«niedrige Gesinnung, intellektuelle Stumpfheit und überhaupt Brutalität der großen Haufens aller Böller und Länder, über.die stets bleibende Stimmenmchrheit der Gemeinheit und Plattheit". Aber als Geistesaristokrat faßte er den Begriff dieser Masse sehr weit. Er verstand darunter.das Zeitaller, d. h. die jedesmalige stumpfe Dienge", vor allem jenen gebildeten Pöbel, den er in der ersten Auflage der.Welt als Wille und Borstellung" auffordert, sein Buch, wenn man es weder lese» noch verstehen könne, noch in schönem Einband verschenken wolle, doch dadurch zu verwerten, daß man es rezensiere. Er schrieb für die wenigen. Es ist immer nur einer Keinen Zahl gegeben, sich ernst und hingebend mit philosophischen Problemen zu beschäftigen. Vielen fehü Kraft und Lust, so hoch zu steigen; die meisten können zeitlebens den Blick nicht von dem Acker des Broterwerbs erheben. Als Denker aber/ der nicht ein Zeitalter oder eine Klasse, sondern die ganze Menschheit in höhere Regionen der Erkenntnis geführt hat, gehört Schopenhauer der Menschheit und also auch dem Proletariat, das diesen Begriff.Menschheit" aus dem Reich der Idee in das der Wirklichkeit zu übertragen bestrebt ist. Außerdem ist es von vornherein undenkbar, daß ein so redlicher und unbestechlicher Wahrheitssucher, der so gewaltige Geistesgaben in den Dienst seines-Forschens stellen konnte, nicht zu Erkenntnissen gekommen sein sollte, die auch auf den Weg des Sozialismus neue Klarheit werfen, wie es undenkbar ist, daß sein Erlösungsdrang nicht in Voraussetzung und Richtung vielfach zusammenfallen sollte mit den ethischen Triebkräften der sozialistischen Bewegung. Philosophie als begriffliche Bändigung der Welt hat sich Schopenhauer zur Aufgabe gestellt..Das ganze Wesen der Welt abstrakt, allgemein und deutlich in Begriffe» zu wiederholen, und es als reflektiertes Abbild in bleibenden und stets bereit liegenden Begriffen der Vernunft niederzulegen: dieses und nichts anderes ist Philosophie". Dabei geht Schopenhauer auf das Anschauliche zurück, auf das, was wir mit unseren äußeren Sinnen erfaßt haben oder dessen wir unmittelbar als Tatsachen unseres inneren Lebens inne werden. Er bekämpft den.alten Irrtum, daß nur dar Bewiesene vollkonnnen wahr sei und jede Wahrheit eines Beweises bedürfe; da vielmehr im Gegenteil jeder Beweis einer unbewiesenen Wahrheit bedarf, die zuletzt ihn oder auch wieder seine Beweise stützt: daher eine unmittelbar begründete Wahrheit der durch einen Beweis begründeten so vorzuziehe» ist, wie Wasser aus der Quelle dem aus dem Aquädukt". Diese Betonung der größere» Evidenz der unmittelbaren Anschauung setzt ihn in scharfe» Gegensatz zur PhiloscPhie feiner Zeit, die auf Begriffslettern zu Abstraktionen hin- au(kletterte, bei denen man sich weder etwas denken noch etwas vorstellen konnte. Und obwohl sich Scho-, perchauer ungeheuer wett von dem naiven Weltbild des philosophisch Ungeschutten entfernt, geht doch sein Gedankenbau immer auf etwas zurück, was jedem Menschen unmittelbar vertraut und ei» Teil seiner eigenen Wesens ist, auf den Wille». Während andere die.Substanz", das„Absolute" und derartige Ab- straktionen brauchen, um zu einem einheitlichen Weltbild zu kommen, geht Schopenhauer vom Bekannten aus als Schlüssel zum Unbekannten. Obwohl selten ein Lebenswerk so sehr als ein einziger gewalttger Block vor. der Nachwelt aufragt, wo jeder Teil das ganze bedingt und von ihm bedingt wird, können wir doch bei Schopenhauer unterscheiden zwischen dem, wohin ihn der Erkenntnisdrang und dem, wohin ihn der Erlösungsdrang trieb. Der Erlösungsdrang, als Ausdruck der ganzen körperlich-seelischen Persönlichkeit, ist dem Ich verhaftet, sieht durch die Brille individueller Stimmung, wie sie einem einzelnen Sein oder einer Phase dieses Seins entspricht, während Schopenhauer auf den Pfaden der Erkenntnis schreitet, unbestochen vom Ich, dem Objett hingegeben, nicht suchender Mensch, sondern suchende Menschheit. , Locke hat durch seine Kritik der Sinnesorgane und Kant durch seine Kritik der Erkenntnis den naiven Glauberi erschüttert, daß uns die Anschauung ein getteues Spiegelbild der Außenweü vermittelte. Bon der Welt außer uns Wissen wtt nichts; was nicht durch dis Beschaffenheit unserer Erkenntnismittel Form und Beziehung erhielte. Zu der Körperwett, die wir wahrnehmen, fügen wir, dank der Beschaffenheit unserer Sinnesorgane und unseres Gehirns etwas hinzu, mit welchem Etwas bekleidet oder durchtränkt sie unsere Vorstellung werden, unsere Erfahrungswelt, der Alltag, der uns umgibt, das Einzige, was sich uns als reale Welt der Dinge bietet. Der handelnde Mensch, wie die Wissenschaft— mit Ausnahme der Philosophie— nehmen diese Außenwelt als schlechthin vöchanden. Die Philosophie stellt die Frage, was denn dieses Etivas sei, das wir als Anschauungsformen über die Dinge werfen, indem wir sie als Vorstellung wahrnehmen, und was wohl von den Dingen bleibt, wenn wir diese LnschauungSfor- men abziehen. Mit anderen Worten: was an der Erscheinungswelt ist im erkennenden Subjtkt? Was können wir von dem nach Abzug dieser Subjettiven zurückbleibenden.Ding an sich" wisse»? Die Schopenhauersche Antwort lautet: Zeit, Raum und ursächliche Verknüpfung(Kausalität) liegen in uns, im erkennenden Subjett, find Formen der Anschauung, angeboren und vor aller Erfahrung unse-. rer Struktur eigen. Was immer wir wahrnehmen, »rschtint uns im zeitlichen Nacheinander, im räumli- Man kann ihr wirklich jede Arbeit geben! rAI M 11 MwMvl I» Sie räumt im Handumdrehen auf mit jedem Schmutz! Sie putzt das Grobe gründlidi und das Feine schonend. Sie weicht und löst den Schmutz, holt ihn aus allen Ecken beim Großreinemachen! PUTZFRAU VIM putzt Grobes und Feines chen Nebeneinander und in seinen Veränderungen bedingt durch vorhergegangene Veränderungen— Ursachen. Aber das, was wahrgenommen wird, in diese unsere Anschauungsformen gepreßt, nur in ihnen unseren Sinnen und unserem Gehirn zugänglich, ist.an sich", d. h. abgesehen von unserer Wahrnehmung und unabhängig von ihr, ohne Zeit,- ohne Raum, ohne Kausalität. Es ist der Wille. Als Schwere, Starrheit, Trägheü in der anorganischen Natur, als dumpfer Drang der Selbsterhaltung im Tier, wird er im Menschen bewußt, chm unerklärlich und nicht weiter abzuleiten, aber unmittelbar gewiß als sein eigenstes Erlebnis. Wo der Wille sich vergegenständlicht, ist er auf das Rad der Zeit geheftet, über den unendlichen Raum gespannt, als Ursache und Wirkung aufgereiht. Auch wenn er im Menschen zum Selbstbewutzffein gelangt, haften dem Willen diese Anschauungsformen an, in die das erkennende Subjekt den in ihm selbst vergegenständlichten Willen, wie die ganze übrige Welt der Vorstellung, kleiden muß. Diese Erkenntnislehre, für die die ganze Erfah- rungswett unsere Vorstellung und das ihr zugrunde liegende.Ding an sich" der Wille ist, führt nicht notwendig zum Pessimismus. Nietzsche gründet auf sie eine, dionysische Bejahung des Lebens mit all seinem Leid, seiner Ungerechtigkeit, seinem Widersinn. Aber Schopenhauer ist ein gewaltiger Zeuge des Leides der Kreatur, da« mitzufühlen und nachzuempfinden ihm in Höherem Maße bestimmt war, als den meisten genau zieht. Man findet bei ihm Aeußerungen, die sogar überdurchschnittliche Genußfähigkeit verraten, wie wenn er vom.unaussprechlichen Wohlgefallen an Kunst und Natur" spricht, vom.behaglichen Gefühl der Gesundheit", vom.Genuß im Gebrauch und Gefühl der eigenen Kräfte", vom.Enthusiasmus des Künstlers, welcher ihn die Muhen des Lebens vergessen läßt" usw. Weil er das Leben für Qual hält und Nichtsein für besser als Sein, gipfelt seine Ethik in der Forderung der Abtötung des Willens, als dem Quell des Uebels. Die Verherrlichung der Askese, von der Keuschheit bis zum Hungertode, wird jede kämpfende Masse ablehnen, ob sie ihr nun als philosophische, buddhistische oder christliche Forderung entgegentritt. Nicht ablehnen aber wird sie die Schopenhauersche Ethik, die, ganz unabhängig von seinem Pessimismus, im Mitleid wurzelt und in die positive Forderung ausläuft, im andern Geschöpf sich selbst zu fühlen. Bei ihm ist das metaphysisch unterbaut..Der andere bist du selbst", wie Marie von Ebner Eschenbach es auSdrückt. Die Menschheit als Idee ist eine Einheit, die nur in der Welt der Vorstellung in. Individuen zerfällt. Für den zur höchsten Erkenntnis gelangten Menschen fallen die Schranken des Ich. Dem Sozialismus liegt dieses selbe Gefühl— denn ein Gedanke ist es nicht— zugrunde und verwirklicht sich als Solidarität im Leiden und Tun, nicht in Weltflucht, sondern in Taten. Dar, was Schopenhauer für allzeit unverwirk lichbar hält, und der Welt der Vorstellung unerreichbar, erstrebt der Sozialismus, oder er erstrebt wenigstens eine Annäherung an dieses Ziel. Schopenhauer muß, uw von der Ungerechtigkeit der Erscheinungswelt erlöst zu werden, die Gerechttgkeit jenseits der Vorstellung verlegen, was unmittelbar einleuchtet, da die Ungerechttgkeit das Individuum voraussetzt, das Unrecht tut und Unrecht leidet, wobei beides aufgehoben ist, wenn ein einziges, noch nicht- in Individuen zerstäubtes Wesen, gleichzeitig tut und leidet, schuldig wird und büßt. Wen die Frage beunruhigt, woher wir in einer Welt der Ungerechtigkeit das Gefühl der Gerechttgkeit haben, den mag diese Auslegung, das wir nur Teilchen, 9siome einer großen Einheit sind, willkommen sein. Ueber die Ungerechtigkeit der Welt tröstet sie nicht. Wo sich Schopenhauer aber zu dieser Welt.als Borstellung herabläßt, macht ihn.seine Ethik znw scharfen Kritiker..Eigentum, welches ohne Unrecht dem Menschen nicht genommen' wird, kann nur dasjenige sein, was durch seine Kräfte bearbettet ist", die Despotte bezeichnet er als„ein öffentlich zugestandenes erzwungenes Unrecht", vom Tyraunenmord schreibt er:»Es ist ein seltener, bedeutungsvoller, ja erhabener Charakterzug, durch welchen der Einzelne sich opfert, indem er sich zum Arm der ewigen Gerechtigkeit zu machen strebt, deren eigentliches Wesen er noch verkennt." Es ist beinahe unehrerbietig, von Schopenhauer in einer Tageszeitung zu reden, wo man eben nur Andeutungen bieten kann. Er war ein anspruchsvoller Schriftsteller, der von denen, die seine Philosophie kennen wollten, verlangte, sie sollten jede Zeile von ihm gelesen haben. Es war ihm furchtbar ernst um sein Suchen nach Erkenntnis, weil es ihm dabei um seiner.Seelen Seligkeit", um die Erlösung ging. Deshalb schreibt Schopenhauer mit solcher Leidenschaft und Wucht. Unrecht, Sinnlosigkeit und Qual empören ihn; sie sind nicht nur Probleme, sie. sind Feinde. Er glaubt nicht daran, daß mau sie durch die Tat überwinden könne. Und so gestaltet er-eine metaphysische Welt, in der der blind wollende Wille im bunten Getriebe der Vorstellung alles Uebel gebärt. 2m menschlichen Bewußtsein wird er sehend, und erhebt sich zur Verneinung seiner selbst, die das Spiel der Erscheinung zerschlägt und Erlösung— Nirwana — bedeutet. Wenige sind ihm gefolgt. Einer kämpfenden Klaffe, deren Erscheinen in der Geschichte er nicht einmal geahnt hat, kann er kein Wegweiser sein. Aber, wie man Gletscher besteigt^ ohne Nutzwerte nach Hause zu bringen, so mag der aufwärts Strebende versuchen, Schopenhauer in seine geistigen Höhen zu folgen. Und er hat nicht zu fürchten, als- Verneiner dys Lebens zurückzukehren. Der Ungerechtigkeit, der Qual und der Sinnlosigkeit braucht man nicht in Metaphysik und Abtötung des Willens entrinnen. Man muß, wie dies der Sozialismus will, den Kampf mit ihnen aufnehmen durch die-Tat. Oda Olberg. Menschen. Deshalb nennt er den Optimismus„eine wahrhaft ruchlose Denkungsart", wett er ihm Vorbeisehen bedeutet an Qual und Tod, an Sklaverei und Hunger, an Unrecht und Niederttacht, und also ein .bittter Hohn ist über die namenlosen Leiden der Menschheit". Diese seine ttagische Zeugenschaft gegen das Leben bestätigt die Anklagen, mit denen der Sozialismus in die Geschichte tritt..Im Alter von fünf Jahren eintreten in die Garnspinnerei oder sonstige Fabrik, und von dem an erst 10, dann 12, endlich 14 Stunden täglich darin sitzen und dieselbe mechanische Arbeit verrichten, heißt dar Vergnügen, Atem zu holen, teuer erkaufen. Dies aber ist das Schicksal von Millionen, und viele andere Millionen haben ein analoges"..Vom Menschengeschlecht, so mächttge Werkzeuge er an Verstand und Vernunft auch hat, leben neun Zehntel in beständigem Kampf mit dem Mangel, stets am Rande deS Untergangs, sich mtt Not und Anstrengung über demselben balancierend". Für Schopenhauer sind.diese Uebel untrennbar mtt dem Leben verknüpft, in.sein Gewebe unlösbar eingewoben, denn der seit unendlicher Zeit wirkende Wille, der die hinter ihm liegende Unendlichkeit nicht benutzt hat, die Wslt zu bessern, kann in der winzigen Spanne, die für menschliche Geschichte in Betracht kommt, den Stand der Dinge nicht ändern. Für den Sozialisten handelt es sich hier um Uebel der gesellschaftlichen Ordnung, nicht des Daseins schlechthin. UNs gelten sie als überwindbar, ja, sie sind zum Teil heute, drei Viertel Jahrhundert nach Schopenhauers Tode, schon überwunden. Wären sie, wie auch die unsagbare Roheit und Grausamkeit gegen die Tiere, dem Leben untrennbar für alle Zukunft zugesellt, so müßte man wirklich den Optimismus für ruchlos ansehen und das Nirwana als das einzig Anzustrebende. Dieser neue „PHILIPS" bietet viel und ist nicht teuer! Das Sternen* und Wellenemblem— die bekannte Philips-Schutzmarke— ist das sichtbare Zeichen für den Mehrwert eines Philips-Gerätes. Nun hat aber Schopenhauer den Unwert des Lebens nicht nur durch soziale Tatsachen zu belegen gesucht, sondern begründet ihn mit der inneren Beschaffenheit des Menschen, für den Wunsch und Streben Quälerei bedeuten, das Erreichte Enttäuschung und Langeweile. Hier ist zu bemerken, daß der Pessimismus—- ebenso, wie der Optimismus— thcore- tisch weder zu begründen noch zu widerlegen ist. Die Entscheidung über den Wert des Lebens ist rein praktisch und individuell. Wenn ein Mensch mir erklärt, in seinem Dasein überwiege die Summe der Leides über die des Wohlseins, so kann ich annehmen, daß er sich im Bonne einer augenblicklichen Stimmung oder getäuscht durch falsche Erinnerungsbilder verrechnet hat, ebenso, wie ich annehmen kann, daß seine Behauptung für ihn selbst oder gar für die Allgemeinheit richtig ist. Widerlegen und ihn eines anderen überzeugen kann ich ihn nicht, so wenig er mich überzeugen kann, falls ich, auf Grund meiner ganzen seelisch-körperlichen Konstitution, dar Leben bejahe und — trotz allem— für ein Gut halte. Bei Schopenhauer hat man, nebenbei gesagt, den Eindruck, daß er das Fazit von Wohl und Wehe nicht Ein neues, preiswertes Dreiröhrengerät mit eingebautem Sperrkreis und stetig veränderlichem Tonregler, das mehr leistet, als ein Einkreisgerät jemals geleistet hat: Die auswechselbare übersichtliche Stationsnamenskala macht die Bedienung spielend einfach undder Kurzwellenteil ermöglicht auch den interessanten Empfang der Kurzwellensender; der vorzügliche dynamische Lautsprecher verbürgt eine herrliche, reine Wiedergabe...Lassen Siesich den Philips„Mars" beim nächsten Philips- Händler unverbindlich vorführen) Alle Philips-Geräte sind auch gegen günstige Ratenzahlungen erhältlich. Das Philips-Empfängerprogramm 1935/36: „MERKUR"—„MARS"—„SATURN"—„JUPITER"—„SIRIUS" Ikrkte 6 „Sozialdemokrat" SamStag, 21. September 1935. Nr. 221 In unss^sn wsiclisli unc! angsrisbrnsn blau5scliulisl> aus kariertem Filz kommt erst das richtige Gefühl der Bequemlichkeit auf. 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Bei dieser sah der zu ihrer Bedienung angestellte 27jährige Anton Vopalensky, der durch den Anprall gegen die Pumpe gequetscht wurde. Hiebei wurden ihm beide Beine gebrochen. Der Schwerverletzte wurde auf die Klinik Jirasck gebracht^ das Auto wurde, da der Chauffeur den Unfall einer geplatzten Pneumgtik zuschrieb, beschlagnahmt, dem Chauffeur der Führerschein entzogen und er selbst vorläufig in Haft behalten. Die Ben zinpumpe sowie das Automobil wurden stark beschädigt. Komplizierter Zusammenstoß. Gestern um 12 Uhr mittags fuhr der 20jährige Chauffeur Miloslav Pomahak aus Amselberg mit seinem schweren Lastauto aus der Kreuzherrengasse in die Karpfengasse, wobei er einen Motorwagen der 17er-Linie überholen wollte, hiebei aber mit dem stehenden Personenauto des 24jährigen Chauffeurs Wenzel Skobla aus Rican zusammenstieh. Nun drehte Pomahak sein Auto um, stieb aber hiebei in das Lastauto des Chauffeurs Franz Kukerä"aus Sirästhnitz. Hievei wurden bei den beiden Lastautos Pomahacs und Ku- ceras die Kotflügel und Schutzscheiben beschädigt, beim Personenauto hingegen der ganze vordere Teil zertrümmert. Pomahai wurde leicht verletzt. Das Verfahren wurde eingeleitet. Alter Mann überfahren. Gestern um 11 Uhr vormittags wollte der 73jährige Fan Marholt aus Mokropsy in Smichov eine Strahenkrcuzung überqueren, als er vom Autobus des Chauffeurs Stri- brsky aus Sedlec ersaht und zu Boden geworfen .»ff«:., GÄ tWCJi M OSftAMl vLb müssen vstounr dann erhalten Sie eine Lampe, die weißeres Licht und, je nach Type, bis 20% mehr Licht für ein Watt gibt. Verlangen Sie , aber ausdrücklich OSRAM mit der aufgestempelten Lichtleistung in Dekalumen(DLm) und dem Wattverbrauch-Attest. ql&t s£icht Wenig Qetd Verlanget überall Volkszünder wurde. Die Rettungsgesellschaft brachte ihn auf die Klinik Schlosfer, wo ein S ch ä d e l b r u ch feftgeftellt wurde. Nach Aussage von Zeugen ist jedoch Marholt selbst am Unfall schuld. lümst und WU&en Gedenkfeier für Henri Barbuffe. Die„Linksfront" veranstaltete am Donnerstag im Saale des Gewerkschaftshauses in Prag eine Barbusse-Foier, in deren Mittelpunkt ein Vortrag F. C.' Weibkopfs über Werk und Bedeutung des Dichters stand, der als weicher Lyriker und psychologisierender Romanautor begonnen hatte, mit dem Buche„Das Feuer" zum großen Ankläger gegen den Krieg geworden war und bis zu seinem Tode ein unermüdlicher Vorkämpfer für den Sozialismus blieb. Weißkopf feierte Barbusse als den Dichter, in dem sich der Geist der Marseillaise mit dem der Internationale vereinte, als den Bahnbrecher der Antikriegsliteratur und der Dichtung im Dienste des Proletariats, als den größten Propagandisten der antifascistischen Volksfront, der seine letzten, von der drohenden Kriegsgefahr beherrschten Gedanken galten. Aus den Schriften des verstorbenen Dichters lasen Charlotte Küter. Paul Lewit und Willi Volker bezeichnende Proben, unter denen die 7— von Willi Volker wirkungsvoll vorgetragene— Rede auf dem Pariser Schriftstellerkongreß über die nationale und internationale Aufgabe des Schriftstellers in der Gegenwart den tiefsten Eindruck machte. Der Abend wies erfreulich starken Besuch auf.-—eis— Die erste Arbritervorstellung findet nicht am 6., sondern erst am 13. Oktober statt. Wochenspielplan deS Neuen Deutschen TheatrrS. Samstag iDerBettelftudent, D2.— Sonntag, halb 8: Die Jüdin, Gastspiel Emanuel List, B 2.— Montag, halb 8: Das Land des Lächelns, volkstümliche Vorstellung, Abonn. aufgehoben.— Dienstag, halb 8: W UR, Erstaufführung, AI.— Mittwoch, halb 8: Der Bettelstudent, B 1.— Donnerstag, halb 8:Cosifan tu tt e, C2.— Freitag, halb 8: W U R, D 2.— Samstag, halb 8: Der Bettelstudent, CI. Gesundheit- Dein kostbarster Besitz! Gesund bleiben- Deine wichtigste Pflicht! An der Gesundheit sparen- das größte Verbrechen! Deshalb benützen Verantwortungsvolle nur den extrafeinen, vollkommen hygienischen und lassen sich nichts Minderwertiges als besser oder billiger auf drängen! An„Primeros“ verdient der Verkäufer am wenigsten, deshalb werden so oft andere Marken unterschoben oder empfohlen! Nur in Apotheken, Drogerien und Fachgeschäften ausdrücklich fordern, dort erhalten Sie sicher echte„Primeros 0 zu 2.50. 3.50. 5.—. 2822 nen leichtathletischen Kreiswettkampf Pilsen—Prag wurde außer der schon mitgeteilten Bestleistung des Prager Genossen Kolin über 800 Meter in ■2:02.8 Min. noch eine weitere Verbandsbestleistung aufgestellt, und zwar im Kugelstoßen von Saitz(Prag) mit 12.58 Meter. Interessant ist, daß im Kugelstoßen bei der erwähnten Veranstaltung noch zwei Genossen die alte Leistung übertrafen: Schöps(Neratotvitz) 12.54 und Mrva(Pilsen) 12.43 Meter; die alte Bestleistung hielt Schöps mit 12.38 Meter. Handball-Länderkampf Holland—Belgien. Am 2 2. Septembe? findet in Hilversum der Handball-Länderkampf Holland—Belgien statt. Der holländische Arbeitersportbund hat seine Auswahlmannschaft schon nominiert und erwartet einen neuerlichen Erfolg. Bekanntlich siegte im Juni d. I. Holland in Brüssel über das belgische Team 10:4. Die Holländer haben von den deutschen Arbeiter- Handballern in technischer Hinsicht seinerzeit viel gelernt und ihr Spielverkehr ist nach dem Ausfall Deutschlands nur auf Belgien und die Schweiz angewiesen. Wochcnspiclplan der Klemm Bühne. Samstag: „E i n Q u er s ch n i t t", Werbeabend.— Sonntag, halb 8: DerKönigmitdemRegenschirm, Erstaufführung.— Montag: Geschlossen.— Dienstag, 8: Der König mit dem Regenschirm.— Mittwoch, 8%: Schule für Steuerzahler, volkstümliche Vorstellung.— Donnerstag, 8: DerKönigmitdemRegen- schirm.— Freitag, 8: Der König mit dem Regenschirm.—Samstag, halb 8: Attentat, Uraufführung. der Jortei Deutsche sozialdemokratische Bezsrksorganisatioa Prag. Montag, den 23. September, um 8 Uhr abends im Parteiheim in der Narodni 4 w i ch tige Sitzung der Exekutive. Der Dim, Der verhSngnlssolle Augenblick Soweit dieser heimische Film, der als Aufklärung über die Gefahr der Geschlechtskrankheiten gedacht ist, medizinische Demonstrationen bietet, ist er seiner Aufgabe einwandfrei gerecht geworden. Man spürt, daß ein Fachmann(Ministerialrat Dr. Hynek F ü g n e r) dafür gesorgt hat, daß alles für den Laien Wissenswerte in knapper, verständlicher und anschaulicher Form vorgeführt wird. Soweit der Film aber eine Spielhandlung hat, ist er nicht weniger fragwürdig als die Sittendramen seligen Angedenkens. Denn die Figur des tugendhaften jungen Mannes, der kurz vor seiner Heirat mit der Direktorstochter von einem lasterhaften und niederträchtigen Kollegen regelrecht verführt wird, ist alles andere als überzeugend, und die Folgen des Fehltrittes sind so dick aufgetragen, daß die Krankheit, das Thema des Films, fast in den Hintergrund gerät. Diese Geschichte von.Flucht und Rückkehr hat mehr mit dem Kitschroman als mit der Volksaufklärung zu tun, und man kann es den Darstellern kaum Übelnehmen, wenn sie(unter Väclav Kubäseks Regie) ihre Rollen sehr unnatürlich spielen.Es ist, wie meist in solchen Fällen, ein medizinisch guter, aber künstlerisch miserabler Film.—eis— Spart• Spiet- Körperpflege Die Fußball-Meisterschaft' im V. Atus-Kreis sieht in der ersten Klasse für den 29. September folgende Spiele vor: Gruppe H: Karbitz gegen Aussig-Nord, Schönpriesen gegen Kleische, Ullgersdorf gegen Wannow. Spielfrei: Nestersitz.> Gruppe III: Schönfeld gegen Krochwitz, Glas- hüttte gegen Predlitz, Türmitz gegen Aussig-Ost. Gruppe IV: Pihanken gegen Kleinaugezd, Pro- seditz gegen Ladowitz, Weiskirchlitz gegen Dux. Spielfrei: Langugest. Gruppe V: Wohontsch gegen Kosten, Noby Dvory gegen Tischau, Eichwald gegen Sobrusan. Spielfrei: Wisterschan. Gruppe VI: Komotau I gegen Sporitz, Komo- tau II gegen Atus Saaz, Saaz-Semmering gegen Weipert. Spielfrei: Trupschitz. Nach Erhalt der' Serien-Einteilungen haben die Gruppenleiter die Verlautbarungen in der Presse selbst durchzuführen. Von der Gruppe I des 9. und 10. Bezirkes ist noch keine Einteilung bei der Kreisleitung eingelangt. Sollte dies bis Sonntag, den 22. September, nicht durchgeführt sein, schaltet sich die Gruppe aus. Die Bekanntgabe her Spiele für den 29. September ist von der dortigen Gruppenleitung selbst durchzuführen. Die Funktionäre aller Vereine und Bezirke werden ersucht, die Pressenachrichten genau zu verfolgen. MitteUungen aus dem Publikum. Zlin bereitet sich auf die Errichtung einer höheren maschinentrchnischrn Schule vor. Die hohen Preise einzelner Maschinen nötigten die Batawerke dazu, verschiedene Maschinen, die man früher aus dem Auslande beziehen mußte, selbst zu erzeugen- Es entstanden darum in Zlin ausgedehnte Maschinenbauwerkstätten, und neben den Schuhmacher«, Gerber-, Chemie- und Textil-Fachschulen auch eine Maschinenbaumeisterschule. Die Zliner Maschinenbauschule zeichnet sich dadurch aus, daß in ihr das theoretische Wissen dem praktischen Können nicht übergeordnet ist, sondern im Gegenteil das theoretische Studium nur zur Ergänzung der praktischen Erkenntnisse betrieben wird. Diese Art gibt bessere Ergebnisse für das Leben. Die Zliner Maschinenbauschule zählt heute über 300 Schüler in 11 Klassen mit 28 Lehrern, größtenteils alten Praktikern. Im nächsten Jahre soll diese Schule zu einer vierjährigen höheren Industrieschule für Maschinenbau erweitert werden, die im gleichen praktischen Geiste wie die übrigen Fachschulen in Zlin geführt werden wird.. x Doppeltes Garantie-Attest für Glühlampen. Durch die bisherige Watt-Bezeichnung allein wurde die Güte der Qualitäts-Glühlampen keineswegs dokumentiert. Da zur Beurteilung einer Lampe die Kenntnis der Lichtleistung— gemessen in Dekalumen— ausschlaggebend ist, wird der neuen Osram- O-Lampe, dte eine Hochleistungslampe ist, neben der Lichtleistung in Dekalumen(DLm) auch der Wattverbrauch(W) auf Lampensockel und Verpackung attestiert. Verlangen Sie daher immer die neuen Osram-D-Lainpen. Benutzen Sie Osrum-D-Lam- pen, dann sparen Sie Geld I 30—68 Er bietet viel und ist nicht teuer... Klang- reine Wiedergabe, einfache Bedienung, übersichtliche Stationsnamensskala. Kurzwellenempfang und elegantes, geschmackvolles Aeußere— das sind die Vorzüge, die der neue Philips-Empfänger„Mars" bietet. Trotzdem ist dieser gute Empfänger nicht teuer— er kostet nur KL 1295.— und ist auch, wie alle Philips-Geräte, gegen Raten erhältlich. Sie erwerben mir diesem Empfänger ein Qualitätsgerät, das Ihnen durch seine neuzeitliche Konstruktion und seine Betriebssicherheit auch nach Jahren noch dieselbe Freude wie am ersten Tage bereiten wird. 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