Sonntag, 22. September 1935 15. Jahrgang Nr. 222 (einMWIefilich i Halter FortoJ 1EHTRALORGAN DER DEUTSCHEN SOZIALDEMOKRATISCHEN ARBEITERPARTEI IN DER TSCHECHOSLOWAKISCHEN REPUBLIK ERSCHEINT MIT AUSNAHME DES MONTAG TÄGLICH FRÜH, Redaktion und Verwaltung frag xii., fochova«2. telefon hoff. HERAUSGEBERI SIEGFRIED TAU», CHEFREDAKTEUR) WILHELM NIESSNER, VERANTWORTLICHER REDAKTEUR) DR. EMIL STRAUSS, PRAG, Ein hochpolitischer Prozeß in Prag Henlein und das Dritte Reich Der loyale Henlein klagt auf Ehrenbeleidigung/ Der Kläger wird zum Angeklagten/ Sensationelle Beweisanträge: SA-Raufbolde über die Grenze Eino Spezialwaffe der Sudetem deutschen Partei war bisher die massenhafte Einbringung von Preffeklagen gegen alle Zeitungen, die sich ein Wort des Zweifels gegen die Loyalitäts- beteuerungen der Herren Henlein, Sandner& Comp. erlaubten. Aber der Krug geht solange zmn Brunnen, bis er brüht. Eine am Samstag vor dem Prager Pressegericht durchgeführte Verhandlung brachte böseUeberrafchungen für die Ankläger. Der wegen Ehrenbeleidigung» begangen durch die Presse, von Henlein geklagte Chefredakteur der„Prager Presse*» L a u r i n, drehte diesmal den Spieß um. Sein Anwalt Dr. B 0 u ö e k stellte sensatio nelle Beweisanträge über die Auslandsbeziehungen der SdP und die A» s landsreifen des Herrn Henlein. Dadurch erscheinen die von«ns in der letzten Wahlkampagne veröffentlichten Meldungen dokumentarisch bestätigt, daß in einzelnen Grenzorten Prügel- Kolonne« von SA-Banditen gegen unsere sozialdemokratischen Arbeiter losgehetzt worden sind. Richt minder interessant ist jener Teil der, Beweisanträge, der auf Tag und Stunde genau die auf reichsdeutschem Boden stattgefundenen Zusammenkünfte zwischen Henlein «n d Krebs in der Oeffentlichkeit des Gerichtssaales aufdeckte. Charakteristisch für den Rollrntausch bei der Berhandlung ist auch die Tatsache, daß einer der Anwälte Henleins» Abgeordneter Dr. Reuwirt h, selbst zu den Beschuldigten gehört. In den Beweisanträge« Dr. Bouieks wird ihm zum Borwurf gemacht, daß et sich auf dem Umwege über Oesterreich alS politischer Geldvermittler betätigt hat. Die Verhandlung fand vor einem äußerst zahlreichen Auditorium von in- und ausländischen Journalisten statt. Der erste Eindruck der Beweisanträge Dr. BouLeks war für die Nagende Partei niederschmetternd. Ihre Anwälte zeigten offensichtlich ein großes Interesse daran, daß eine möglichst l a« g e F r i st für die schriftliche Borlagr und Prüfung der Beweisanträge eingeräumt werde, denn Herr Henlein wird anscheinend einen nenen Urlaub am Genfer See benötigen, um sich von den peinlichen Ueberraschungen dieses ersten Prozeßtages zu erholen. MitRücksicht auf vieDcftimmungen des Preßgesetzes, welches jede Einflußnahme auf ein schwebendesBerfahren verbietet, müssen wir»ns»orlänfig eine- politischen Kommentars enthalten. SdP-Loyalität unter der Lupe Der Verlauf der Verhandlung Abgelehnt I Rom. Der italienische Minister- rat hat die Vorschläge des Genfer Fünferausschuffes über die Lösung des italienisch-abessinischen Konflikts ab« gelehnt. Der Beschluß des Ministerrats hat folgen, den Wortlaut: »Der Miniftcrrat hat von dem in dem Bericht deS Fünferausschusses enthaltene» Vorschlägen Kenntnis genommen; er hat ste zum Gegenstand einer aufmerksamen Prüfung gemacht. Bei aller Achtung drS von dem FünferanSschuß unternommenen Versuches ist der Ministerrat zu dem Entschluß gekommen, diese Vorschläge als unannehmbar zu betrachten, da ste keine ausreichende Minde ft g rundlage für etwaige Abmachungen biete«, mit denen endlich und in wirksamer Weise den lebenswichtigen Rechte« und Jutrressen Italien- Rechnung getragen würde." Der Ministerrat wurde für nächsten DienS- tag zu einer neuen Sitzung einberufen, bei der die Entwicklung der politischen Lage weitevver- folgt werden soll. Fünferausschuß wartet die amtliche Nachricht ab Genf. Die Abendsitzung des Fünferausschusses des Völkerbundrates, der mit der Lösung des abessinisch-italienischen Konfliktes betraut ist, dauerte bloß 30 Minuten. Es wurde beschlossen, daß das römische Kommunique nicht als amtliche Antwort der italienischen Regierung auf die Vorschläge deS Ausschusses angesehen werden könne. Der Ausschuß wird demnach abwarten, bis Botschafter Baron Aloisi die endgültige Entscheidung der italienischen Regierung dem Ausschüsse direkt bekanntgeben wird, und wird dann dem Rate Bericht erstatten. Hinsichtlich der Antwort der abessinischen Regierung ist man der Ansicht, daß ste im Wesen positiv ist und daß der abessinischen Regierung bloß an unwesentlichen Aenderungen betreffend die Art der Ernennung der eventuellen Regierungsberater in Addis Abeba gelegen ist. Der Völkerbundrat, der am Montag nachmittags zusammentreten soll, wird den Bericht des Fünferausschuffes behandeln, der, falls die amtliche Antwort der italienischen Regierung rechtzeitig einlangt, am Montag vormittags ausgearbeitet werden soll. Mussolini erwartet neue Vorschläge? Rom. Bon maßgebenden Stelle« wurde dem römischen Berichterstatter des ReuterbüroS der Standpunkt Italiens folgendermaßen dargr- legt: Italien hat sein Wort gesprochen. Run liegt es an den Großmächten oder am Völkerbund, neue Vorschläge zu unterbreiten, welche den italienischen Aspirationen mehr entsprechen würden. Das ist möglich und ein Bruch ist noch nicht eingetrete«. Italien konstatiert englischen Angriff Apennlnlsche Halbinsel im Verteidigungszustand R 0 m. In Italien werden die englischen Schiffsbewegnngen im Mit- tclmeer als Vorbereitungen für einen englischen Angriff auf Italien erklärt und daher werden Arbeiten für die Verteidigung der apenninischen Halbinsel vorgenommen. In allen italienischen Häfen werden bereits seit einigen Tagen Ketten eingelagert, durch die die Häfen gegen Unterseeboot« abgesperrt werden sollen. Bei Kriegsausbruch werden dir Hafenstädte Neapel, Palermo, Messin a und B a r i als Kr i e g sz 0 n e erklärt werden. Prag. Ein Presseprozeh, der das stärkste Interesse der Oeffentlichkeit auf sich zieht, fand SämStag vor dem Preffesenat M i k u l a seine Eröffnung. Der GerichtSsaal war von Pressevertretern überfüllt und der Verlauf der Verhandlung bewies, dah dieses Interesse wohl begründet war. Herr Konrad Henlein hat in seiner Eigenschaft als Vorsitzender der SHF den verantwortlichen und Chefredakteur der„Prager Presse" Arne Laurin wegen eines am 13. Jänner 1938 in der Rubrik„Die politische Woche" erschienenen Artikels geklagt, durch den Herr Henlein sich und sein« SHF in ihrer tiefen Loyalität gegen unseren demokratischen Staat als schwer verletzt erachtet. Der erwähnte Artikel knüpfte?an eine Aeuhe- rung des Premierministers an, nach welcher alle Versuche, die Demokratie bei den bevorstehenden Wahlen unter äuherlicher Benutzung demokratischer Methoden zu untergraben, energisch vereitelt werden würden. Die Klage des Herrn Henlein wendet sich nun vor allem gegen einen Passus des betreffenden Artikels, in dem es heitzt:„Hier müssen wir neben anderen Gruppen an HenleinundseineBewegungdenken." Die Behauptung, dah Henlein und seine Bewegung nicht auf dem Boden der verfassungsmäßigen Demokratie stehen, wurde in dem Artikel mehrfach wiederholt und weiters hieß es dort, dah Henlein,„die Klaviatur des Hakenkreuzes meisterhaft beherrscht" und dah seine SHF ein Ersatz der aufgelösten Hakenkreuzparteien sein solle. Die Klage deS Herrn Henlein beschwert sich insbesondere darüber, dah der Verdacht erweckt werde, dah die SHF mit staatsfeindlichen Faktoren in Verbindungstehe, besonders von der Zeit an, als nach dem Artikel Dokumente vorlägen, welche deren Beziehungen zu der berüchtigten nazistischen„österreichischen Legion" nachweisen. Herr Henlein, der nach der Anklage sich durch solche„Unterstellungen" aufs tiefste verletzt fühlt, klagte— Chefredakteur L a« r i n, der persönlich zur Verhandlung erschienen war, lehnte jeden Vergleich ab und sein Anwalt Dr. B»«» Lek bat den Wahrheitsbeweis für sämtliche inkriminierten Aeutzerungen an. Reben dem Anwalt Henleins, dem 1 Advokaten Dr. Hans Kohl, nahm, gleichsam als Repräsentant, der- SHF, der A b g e 0 r d u e t e. der »Sudetendeutschen Partei", Herr Dr. R e u w i r t, Platz, von dem des weiteren noch die Rede war. Unter allgemeiner Spannung ergriff-dann der Verteidiger des geklagten Chefredakteurs das Wort zur eingehenden Begründung seiner wahrhaft sensationellen Beweisanträge Einleitend bemerkte Dr. Boukek, er, persönlich würde natürlich gegen solche Beschuldigungen mit einer Klage antworten, aber: „Wenn ich in der Haut deS Herrn Henlein stäke, würde ich mich nur ärgern wie einer, dem man eine unangenehme Wahrheit inS Gesicht sagt. Ich bin verpflichtet, hier festzustellen, welche ethische Motive und welches öffentliches Interesse den Geklagten geleitet haben." Sein« Beweisführung über die tatsächlichen Beziehungen der SHF zu staatsfeindlichen Faktoren begann Dr. Bouöek mit der Verlesung von zwei Gehelmbefehlen der SA- Standarte 134 In Plauen an die unterstellten Sturmbannführer Der e r st e Brief, datiert vom 19. Dezember 1933, lautet in wörtlichem Nachdruck folgendermahen: „SA. der NSDAP. Standarte 134 2863/33—Ic Plauen, de« 19. XU. 1933. Persönlich!!!! An die Sturmbannführer der Standarte 134 zur Beachtung und entsprechenden Bekanntgabe. ✓ Bom Reichspropagandaministerinm wird mitgrteilt, daß die„Sudctendeutsche Heimatfront(SHF. in der CTR. in aller Kürze sich als„Partei" eintragen läßt. Die„SHF." bildet die getarnte NSDAP, welche bekanntlich in der ESR. verboten ist. Der Stabschef verbietet hiemit alle Pro- pagandaredrn usw. nm das„Sudetendeutschtum", damit die Arbeit der SHF. nicht grstörtwird Der Führer der Standarte 134 Standartenführer." - Unleserliche-Unterschrift. Noch interessanter ist der Wortlaut d«S folgenden Dokumentes, das wir ohne Kommentar, gleichfalls im Wortlaut wiedergeben: „SA. der NSDAP. Standarte 134 968/34—Ic. P l a« e«, 5. März 1934 Streng geheim!!!!, persönlich!!! An die Sturmbannführer der Mundart« 134. Betr.: Schreiben der Standarte 134, Tgb. 2863/33—Ic und 636/34—le. Bon den gemeldeten SAM. sind an die Standarte 134 nochmals die zuverlässigsten SAM. 5« melden. Termin 8. 3.1934, unbedingt einhalten!!. Grund: Mit Schreiben 2863/33 wurde mitgeteilt, daß die SHF. in der ESR. die g c- tarnte NSDAP darstellt und nun in den nächsten Tagen endlich„Partei" wird. Wie auch bei«ns sind Versammlungen unentbehrlich. Die Versammlungen werden aber durch di« SPD der ESR. dauernd gestört und gesprengt. Ein Saalschutz ist unbedingt nötig. Parteigenossen der SHF. können den Saalschutz nicht vornehmen, da sonst eine nochmale Auflösung zu befürchten ist. So ist mit dem Führer Konrad Honlein beschlossen worden, den Saalschutz aus den Reihen der SA. und SS. zu stellen. Die Angehörigen gehen in Zivilkleidung mit Reisepaß über die Grenze. Versehen mit Pist0le und P a r t e i v« ch der verbotenen SPD.(Reisepaß und Parteibuch lauten auf den gleichen Namen). Die genauen Anweisungen erteilt der Führer der Brigade 36(Plauen).— ES muß erreicht werden, daß durch getarnte Terrorakte der gefährlich st e Gegner, die SPD. in der ESR., evt. a u f g e l ö st wird. Die SA.-Führer wissen nun Bescheid und haben nur die allerbesten SAM. zu melde«. Der Führer der Standarte 134, Standartenführer." Unleserliche Unterschrift. Zum Beweis dafür, daß es sich hier nicht um leere Worte handle, beantragte Dr. Bouiek die Requirierung der Gerichts- bzw. Gendarmerieakten über mehrere gewalttätige Versammlungsstörungen im Grenzgebiet bei Braunau und Eger, wobei einerseits die Beteiligung von Raufbolden aus dem Dritten Reich festgestellt und anderseits Gummiknüttel und Stahlruten reichsdeutschen Fabrikates beschlagnahmt wurden. Ms weiteres Glied in der Beweiskette für die Loyalität der SHF stellte Dr. Bouöek unter Beweis, daß Konrad Henloin in enger Verbindung mit de« ehemaligen nazistischen Aig. Krebs, derzeit Re» gierungSrat im RmchSinnrnministeriwn, gestanden habe. In dem Beweisantrag wird unter genauer Zeitangabe festgestellt, daß Henlein, bzw. seine intimsten Mitarbeiter mit Krebs und anderen Nazis in Bad Elster, bzw. Mark Neukirchen» Zusammenkünfte hatte. Insbesondere fand am 28. Dezember 1932 eine Sitzung mit führenden Funktionären der NSDAP statt. Dr. Boucek flizzierte in seinen weiteren Ausführungen die nazistische Propagandaarbeit, in die sich neben dem Reichsinnenministerium (in welchem der„Regierungsrat" Krebs sitzt), das P r 0 p a g an daministerium des Herrn Goebbels und das Reichs«ußenministe- r i u m teilen. Die Bearbeitung der österreichiichen und tschechoslowakischen Gebiete war eng miteinander verknüpft. Schon im Jahre 1929 habe u. a. ein gewisser Dr. Walter Heini sch, ein enger Mitarbeiter Görings,' als Leiter von verschiedene» „Schulungskursen", eine Rolle gespielt und eben die- Sette 2 Sonntag, 22. September 1933 Nr. 222 ser nazistische Funktionär habe später in der Hen- leinbetvegiing ähnliche SchulungSarbett verrichtet.' »AnS Deutschland fließen große Geldbeträge zn une", fuhr Dr. Boudek fort und in diesem Zusammenhang wandte er sich dem neben dem Anwalt Henlein» sitzenden Abgeordneten der»Sudetendeutschen Partei", Herrn Dr. Neu Wirt zu:»Ich Weitz nicht, ob der Herr Dr. Neuwirt, der sich mir heut« früh hier dorgestellt hat, identisch ist mit dem Herrn, von dem ich nun sprechen will." Sicher sei aber soviel, datz seinerzeit in Wien nach Einstellung der radikalnazistischen»Wiener Neuesten Nachrichten" ein NaziKurier abgefaßt wurde, der Dr. Neuwirt hieß und aus dem Dritte« Reich 300.000 Schillinge nach Oesterreich schmuggelte— natürlich zu nazistischen Propagandazwecke«. Dr. Boudek beantragte über diesen Pmckt Beweis durch das Wiener Bundeskanzleramt und des weiteren durch Vernehmung des ehemalige« österreichischen Vizekanzlers Dr. Winkler, der den rätselhaften Dr. Neuwirt vor solchen Unternehmungen nachdrücklichst gewarnt habe. Solcher Dinge zählen die Anträge des Verteidigers noch eine ganz« Reihe auf. So seien 400.000 Kd nach der Tschechoslowakei gebracht worden, wobei neben dem noch nicht festgestellten Dr. Neuwirt auch«in Balte namens Hasselblat«ine Rolle spielt«. D«S weiteren berief sich Dr. Boudek zur Illustrierung der SHF-Loyalität auf ein Interview des bekanntenDr. Sebekovsktz(derzeitmatzgebender Funktionär der»Sudetendeutschen Partei") mit dem französischen Journalisten Gordon, in welchem Se- bekovsky bemerkt habe, datz die Sudetendeutschen die Dschechoflowakische Republik nicht schützen werden, solang« sie nicht»HeimatSgefMe" für diesen Staat empfinden könnten. Dr: Boudek, der«. a. darauf hinwieS, datz Hunderte ehemalige Funktionäre der aufgelösten hakenkreuzlerischen Parteien bei der SHF tätig seit«, führt« als weiteres Beispiel de« Herausgeber der„Sudetendeutschen Pressebriefe"(der offiziellen HenleinKorrespondenz) an, Herrn Hermann Hönig, der im Jahre 1934 dem Kreisgericht Krems eingeliefert wurde, wegen nazistischer Propaganda und wegen Verdachtes von Verbrechen gegen das Sprengstoffgesetz. Bezüglich des ebenfalls bekannten Dr. Walter Brand stellte Dr. Boudek fest, dqtz dieses unter "Verdacht von Delikten'gegen das Schuhgesetz in gerichtlich« Untersuchung gezogen wurde. Zum Beweise dafür, welches hohe Vertrauen die Behörden de» Dritten Reiches den Anhängern der SHF entgegenbrachten, zitiert« Dr. Boudek das bekannt gewordene»Protokoll von Christofshammer", au» welchem hervorgeht, datz ein Angehöriger der SHF um Ueberstempelung seines Lichtbildes in der Mitglied»legitimation mit dem Gemeinderundstempel , ersucht, mit der Begründung, datz solch« Mitgliedsausweise von den deutschen Grenz- Brauten alS gleichwertig mit offiziellm Grenz- ««-weisen angesehen werden. Der Verteidiger brachte indeffen die Verlesung seiner Anträge nicht zum Abschlutz, da deren Protokollierung in Anbetracht ßhres Umfanges technisch auf grotze Schwierigkeiten stieß. Der Vertreter Herrn HenleinS'bestritt selbstverständlich alles, was Dr. Boudek vorgebracht hatte und ersticht« um detail lierte schriftliche Einbringung der Anträge, damtt er sie genau studieren könne. Das Gericht vertagte die Verhandlung unter Festsetzung einer einmonati- gen Frist zur schriftlichen Einbringung der Anträge. Warum Stafford-Cripps die Labour-Party verlaßt London. Der Führer der sozialistischen Liga Stafford-Cripps hat seinen Austritt aus der Partei näher dahin begründet, datz er internationale Sühnematznah- men nicht unterstützen könne, wenn sie den i m- perialistischenZielen Großbritanniens oder anderer Mächte dienen. Nur dann sei er für militärische Mahnahmen, wenn sie von einer Gruppe s ozialistis cher Staaten zur Unterstützung einer internationalen sozialistischen Ordnung gegen einen kapitalistischen Angriff angewandt würden. Entscheidende Woche In London London. Man erwartet, datz die n ä ch st e Woche eine wichtige Tätigkeit der britischen Regierung bringen wird. Die Plenarsitzung des Kabi n e tts wird wahrscheinlich Dienstag stattfinden. Konkurrenzfähigkeit im Exportgeschäft Wicken. Um die Flüsiigkeit. auf dem Geldmärkte tu erhalten, ist Ruhe und Vertrauen nötig, vor allem in der öffentlichen Wirtschaft. Daher müffe das Budget wenigstens in einem solchen Gleichgewicht sein, datz eS sich io weit wie möglich der Wirklichkeit nAert. Ueber die Befürchtung bezüglich eines Lebensmittelmangels und bezügsich Preissteigerungen wurde bereits in den parlamentarischen Ausschüsien ausführlich gesvrochen. ES sind Maßnahmen vorbereitet, nm weder EmährungSschwierigkeiten noch größere Preissteigerungen znznlaffen. Malhpetr führte dann eine ganze Reih« von Daten über die Preise von Fleisch. Fett. Milch. Butter und Eiern in der zweiten Sevtemberwoche 1834 und 1936 an. wie sie in den Prager Markthallen notiert wurden. AuS diesen gebt hervor, datz Rind- ftcisch von der Teuerung nicht ergriffen wurde und datz sich die- Verteuerung bei Schtveinefteisch und Butter um 1 bis 2 Kd pro Kilo bewegt. In den Preisen von Mehl und Brot sei fast kein Unterschied gegenüber dem Vorfahr und nur bei Kartoffeln zeige sich ein größerer Preisanstieg, der damit zu- sammenhängt. datz bisher noch keine Herbstkartoffeln aus den Markt gekommen sind, deren Preis erst kür di« Versorgung richtunggebend sein wird. Nach dem Sinken der Kartoffelpreise an der Börse dürfte sich der heurige Preis dem vorfähriaen annäbern. Aus einem Vergleich der Lebensmittelpreise aus der Feit vor der.Kris«(1928) und Heuer gebt hervor, datz die Preise nicht unwesentlich gesunken sind. Dir Regierung, erklärt« Malvpetr abschließend, wird dasiir kor-en, daß genug Lebensmittel zu angemestzonen Preisen vorhanden sind. AlS Mittel zn diesem.stick werden solche gewählt werden, die«ine-voll« Bürgschaft für den Erfolg geben. Eine Angst sei daher nnbegriindet. notwendig fck vielmehr Neberle-nng und Rnbe in der Beirrteili-ng der intornasionnlen wie der inländischen verhältnisie. vor allem mülle man da» eine gemeinsame Ziel verfolgen: Gerechttgkeit gegenüber allen, Ausgleich der G-aensäbe»bne Verdächtigungen und persönliche Anremvckungeu. Der Ministerpräsident berührte auch die Frag« der Kartelle. Er sagte, datz das Kartellwesen gewisse vosittve Seiten habe, man dürfe aber auch nicht auf die schädlichen Seiten vergessen. Man werde das Kartellgesed in geeigneter Art abändert müssen, damit e- insbesondere nicht zu einer Sabotage kommen könne, die vielfach offensichtlich ist, auch.wenn hinreichende Beweise find, datz in die Kartellpreise ein Eingriff gemacht werden könnte. Nalgpctr Ober Ole Wirtsdiattslage Kein Währungsexperiment— Optimismus In Innen* und Außenpolitik Im Rahmen einer Pressekonferenz äußerle sich Ministerpräsident Malypetr am Samstag über die gegenwärtig im Brennpunkt des Interesses stehenden wirtschaftlichen Probleme, die auch schon Gegenstand der parlamentarischen Erwägungen in den sozialpolitischen Ausschüssen und deren Subkomitees waren. Malhpetr war bemüht, an Hand objektiver Ziffern de» Nachweis zu führen, daß alarmierende Nachrichten über die Verschlechterung der Wirtschaft unbegründet sind«nd vielmehr eine wenn auch nur langsame Besserung vorliegt, die sich auch in dem Anstieg der Beschäftigten um etwa 4 Prozent gegenüber dem Vorjahr zeigt. In anerkennenswerter Weise stellte er di« Arbeitsbeschaffung in den Mittel- punkt seiner Ausführung. Dezidiert erklärte er auch, daß mit der Währung keine Experimente gemacht werden würden. Selbst hinsichtlich der internattonalen Situation legte er einen gewissen Optimismus an den Tag. Konkret kündigte er ferner die Zinsfußsenkung schon für die nächste Zeit an. Ganz entschieden war anch seine Erklärung, datz die Regierung weder Ernährungsschwierigkeiten noch größere Preissteigerungen zulassen werde. Einleitend wies Ministerpräsident Malhpetr aus die erhöhten Sorgen hin, die der nahende Winter auch in normalen Zeiten und um so mehr in der heutigen Krise, verursacht. Diese Sorgen können direkt bedrohliche Formen annehmen, wenn die Gerüchte Boden finden, datz unsere Verhältnisse sich verschlechtern, datz die Produktion nicht nur nicht steigt, sondern sinkt, datz die ArbeitSlosigkett statt ab- zunimmt, datz ein Mangel an gewissen Lebensmitteln eintreten wird, deren Preise rasch steigen, datz ein« Teuerung bevorsteht etc. Demgegenüber stellt Malhpetr fest: Wir dürfen nicht vergessen, datz die Krise unS mit voller Ducht erst tast zwei Jahre später als andere Staaten, vor allem Amerika, England«nd die Nordstaaten ttaf. Beim WiedergesundungSprozetz. der in vielen Staaten schon erkennbar ist. können wir daher zeitlich auch nicht gleichen Schritt chatten: da» soll kein Trost sein, aber eine Erkenntnis. Mr die Entwicklung nuferer wirtschaftlichen Verhältnisse haben wir immerhin gewisse genaue Daten al» Anhaltspunkte znr Beurteilung zur Verfügung. Wenn wir die Daten für die ersten acht Monate der Jahre 1934 und 1935 ber» anziehen, so ist der Umsatz unseres Außenhandels im reinen Warenverkehr zwar nm 91V Millionen Ad geringer, aber die Handelsbilanz um 322.7 Millionen besser. Für die Beschäfttgung ist vor allem der Export an Fertigwaren matzgebend und gerade dieser stieg Heuer gegenüber dem Vorjahre um 163.6 Millionen, d. i. um 5.2 Prozent. Ei« dementtprechend« Besserung trat auch auf dem Arbeitsmarkt ans, wenn wir den Beschäftigungsgrad nach der Statistik der Krau- kenvorsichenmgSanstalten über die Zahl der Beschäftigen beurteilen. Da kommen wir zu folgenden Ziffern: Fm Juni 1934 gab eS insgesamt 2,626.580 Angestellte, im Juni 1935 2,692.300, also nm 65.450 mehr. Für den Juli lauten dieselben Ziffern 2,624.037 und boner 2,734.917, also nm 110.880 mehr, daS sind nm 4.2 Prozent. Davon entfallen auf die Arbetter 98.880, der Rest auf die Au gestellten. Eine ältliche Entwicklung läßt sich bei den Bahnen feststellen. In den erste« sieben Monaten 1934 wurden 24,287.901 Tonnen befördert, im Fahre 1935 aber 25,381.286 Tonnen, daS ist um über eine Million Tonn« oder nm 4.6 Prozent «ehr. Diese Daten bemchttgen zn der Behauptung, daß sich nnser WirttchastSleien nicht nur nicht verengt, sondern sich bessert, allerdings nicht so schnell, wie eS notwendig wäre. An» diesem konstanten, aber langsamen Anstieg ergibt sich der begreifliche Wunsch nach seiner Besch.! e u n i g u n g. Die diesbezü"sichen Anregungen betreffen einerseits den heimischen Konsum, andererseits die Belebung deS Exportes. ES ist kein Zweifel, daß der Rückgang deS Einkommens der Bevölkerung und vor allem die Ausschaltung der ArbcktSlosen und Kurzarbeiter aus dem Konsum sich unheilvoll auSwirft und daß also die Beseitigung»der zumindest Milderung dieteS Nebel» nicht nur für die Betroffenen selbst, sondern für da» ganze Wirtschaftsleben günstige Folge« hätte. E» ist daher di« Pfsicht von u«S allen, sich darum ans jede Weise und mit allen geeigneten nnd möglichen Mitteln zu sorgen. Insoweit ei« größere Entfaltung und ein dauernder Aufstieg der Privatwirtschaft nicht erreicht ist, muß wenigsten» zum Teil die öfsentsiche Jinvefti- ttonstättgkeit einspringen. Datz die Regierung dem ihr Augenmerk widmet, gebt daraus hervor, datz Heuer die Summe der ausgeschriebenen und vergebenen Investitionen fast fünf Milliarden Ad erreichen. Die Frage der Beschaffung ausreichender f,i n a n z i e l l« r M i t t« l siir die Investitionstätigkeit und die Frage einer Erweiterung unsere? Exportes und damit einer Vcr- grötzerung unserer Produktton hat schon viele sach- siche und weniger sachliche Diskussionen hervorgerufen. Malppetr erklärt, er könne nicht damit über- einftimmen. datz man hiebei an Stelle von Gründen und Beweisen Me anderen de» bösen Willens ver- dächttge und Zensuren aus wirttchaftlicher Fortschrittlichkeit austeile. Wenn da» auch in Tagesblättern geschieht(ist damtt vielleicht auch der.Sen« kov" gemeint? Die Red.) und wenn e» sich um so heikle Fragen bandle, wie es Geldangelegenheiten find, so erwecke da? in der Bevölkerung vielfach Mitz- verständnisse, au» denen dann entweder übertrieben« .Hoffnungen oder Mißtrauen und Unsicherheit entstehen. di« der Wirttchaft ernst« Schäden zusügen können. Malvpetr erklärte demgegenüber dezidiert, daß wir in keinem Zweige de» WirtschaftS- lebenS unüberlegte Versuch« machen werden, wie wir die» auch bisher nicht getan haben, als» auch nichtmitderWäbruug. An der nächsten Zett beabsichtigt die Regierung eine allgemein« Erleichterung in der Belastung durch den Zinsfuss eintreten zu lassen, wobei sie sich aus die Tatsache stützt, datz sich auch bei un» mit der beginnenden Besserung der Wirttchaft ein« grössere Flüssiakei auf demGeld- markt« eingestellt hat. di« man zur Herabsetzung der Zinssätze als«ine? Mittel» zur weiteren Belebung der Wirtschaft auSnützen mutz. Die zu erwartende Belebung der vrivaten und öftentsichen Ban- und Investitionstätigkeit wird, wie man zuversichtlich erwarten kann, zur Milderung der Arbeitslosigkeit beittagen und auch unsere 31 VILLA OASE oder: DI« FALSCHEN BORGER Roman von Eugene Debit Berechtigte Uebertragung aus dem Französischen von Bejot Dann schilderte sie ihr die Freuden des Landlebens. Jedes Jahr ging Irma nach Deauville, nach Aix-les-Bains oder in ein anderes Bad. Mer jetzt kamen Ferienreisen nicht mehr in Frage. Rose» Erzählungen versetzten sie im Geist nach Chapelle-sur-Seine. Sie sah sich Obst pflücken oder den Hühnern Futter«streuen. Julien sollte doch die Leute draußen ein wenig antreiben. Sie konnte es kaum erwarten, hinauszuziehen. Er erwiderte ihr, die Arbeiter hätten nicht mehr den rechten Eifer, aber die Wahrheit war, daß er, wie Alfred, immer neue Dinge ausbrütete und seine Anordnungen beständig uiststieß. Er hatte schon sechzigtausend Franken ausgegeben. Dafür hieß es auch allgemein, ihre Billa würde die modernste in der ganzen Gegend. Endlich, nachdem er ihre Geduld auf eine harte Pröbe gestellt hatte, konnte er ihr die freudige Mitteilung machen, der Umzug werde nächste Woche vonstatten gehen. Im Montbert war alles soweit geordnet. Alfted hatte zweihunderttausend Franken ausbezahlt und für den Rest einen. Wechsel unterschrieben. Nichts hielt sie mehr in Paris. Irma packte mit Begeisterung. Sie war in beständiger Bewegung, lachte, fand ihre Jugend wieder. Bor einem Jahr ging sie ins Krankenhaus, um ihr« arme Kleine zu besuchen. Bor einem Jahr! Jetzt schien daS Dasein sie nicht mehr erdrücken zu wollen, aber gestohlen hatten sie, wie Julien sagte, ihr Glück nicht. Die Stadtwohnung gaben sie natürlich nicht auf. Wenn die Sehnsucht nach Paris zu brennend wurde, wußten sie doch, daß auch dort ein Bett für sie bereit war. Eines Frühlingsmorgens fuhren sie hinaus. Julien hatte es sich zum Prinzip gemacht, nicht zu sprechen, wenn er steuerte. Mtt tief in die Stirn gezogener Mütze hielt er, in einem bequemen Reiseanzug, das Lenkrad in fester Hand. Der Fuß ruhte leicht auf dem Gashebel. So fühlte er sich jeder Situation gewachsen. Bei jeder Wegkreuzung wurde Irma ängstlich und behauptete, er führe zu schnell. Sie hietten vor Billa Oase. Julien übergab seiner Frau ein Schlüsselbund und steuerte den Wagen fluchend in die Garage. Er hatte sie vergrößern lassen müssen, da sie für seinen Delage zu klein gewesen war. Endlich gelang ihm die Einfahrt. Irma stand sm Schlafzimmer und räumte auf. Sie war schnell durch alle Zimmer gelaufen, glücklich, daß Julien, der ihr die Freude oft verdarb, sie nicht begleitete. Sie träumte nicht. Was sie sah, was sie berührte, gehörte ihr. Sie war geborgen bis ans Ende ihrer TÄge, in ihrem eigenen Haus und mit einer Rente, die ihr erlaubte, mit den hier ansässigen Bürgern auf gleichem Fuß zu leben. „Wollen wir jetzt den Besitzer-Rundzang machen?" fragte Julien. Er war ausgelassen wie ein Schuljunge. Bald heuchelte er Neberraschung, bald geriet er in übertriebene Bewunderung und erzählte zum hundertsten Male, wie er die Handwerker hatte beaufsichtigen müssen, damtt nichts schief gehe. Er wollte in den Garten. Dort hatte er nicht mitgearbeitet, sondern sich ganz auf den Gärtner verlassen, der ein Mann von Geschmack war. Sie umkreisten den Tisch. Julien sah im Wasser sein lächelndes Bild. Irma hielt sich etwas abseits. Die Wege waren mit Buchsbaum eingefaßt. Di« Bäume standen in Blüte. Bor jedem machte Irma halt und fragte:„Was ist das?" Julien aber hatte keine Ahnung und blieb ihr die Antwort schuldig. Ein sanfter Wind trieb kleine Wölkchen am Himmel hin, die Lust erfültte würziger Dust, die Bügel sangen. Ob es wohl Nachttgallen waren? Sie kamen in den Gemüsegarten, wo sie sich verschnauften. „Der ist ja gewaltig groß", sagte Irma. „Viertausend Quadratmeter! Ein richttger Park. Man kann im Sommer Luftbäder nehmen, ohne daß die Nachbarn einen stören. Und für Gemüse und Obst brauchen wir keinen Sou mehr auszugeben." Sie setzten ihre Promenade fort. Bor der Billa war der Boden mit weißem Kies bestreut. Tisch und Rohrsessel, die sie bestellt hatten, mußten jeden Augenblick eintreffen. Unter den Linden, am Rande des Teichs, der Kühlung geben würde, wollten sie ruhen. Sie sahen sich stillschweigend an. Ein glückliches Lächeln strahlte aus ihren Gesichtern. Julien seufzte wohlig auf und llatschte übermütig in die Hände. „Ich habe einen Bärenhunger. Wir wollen heute bei Paul essen." Julien und Paul waren bereits gute Freunde. Beim Apdritif sprachen sie von dem Hundeleben, das man in Paris führte. „Ein ausgekochter Junge", erklärte Julien, als Paul sich verzogen hatte. „Das scheint mir auch so", stimmte Irma zu.„Vor allem weiß er, was er an dir hat." Julien zuckte die Achseln. Er würde be- stimmt nicht ost hierher gehen. Irma hatte den Keller noch nicht besichtigt, denn die Schlüssel bewahrte er selbst. Auf den Regalen standen die feinsten Sorten. Für ihn und die Freunde war auf lange Zeit für einen guten Apdritif gesorgt. Gegen zwei waren sie wieder in Billa Oase. Julien vertauschte seinen feinen Anzug gegen einen Leinenkittel, zog Hausschuhe an und ging hinunter, um zu sehen, ob er irgendwo Hand anlegen könne. Irma blieb noch im Zimmer, um zu ruhen. Sie war das so gewöhnt. Aber eine solche Sttlle, einen so ttefen Frieden hatte sie noch nie genossen. Als sie erwachte, glaubte sie sich zuerst in Montbert. Ihr fiel, da ihr bald Klarheit kam. ein Stein vom Herzen, und sie dachte:„Wie lange habe ich mich nach der Freiheit sehnen müssen?" Seit dem Tage, an dem sie Julien gefolgt war, hatte sie nie aufgehört, sich abzuschinden. Wie gefahrvoll war ihr Leben in Saint- Dizier gewesen. Sie hatte Fliegerbomben kennen gelernt und die Ausschreitungen betrunkener Soldaten, die alle Augenblicke wüste Drohungen ausstießen. Dann, im Montbert, der beständige Aer- ger mit Felix und der Miß! Aber trotz allen Widerwärttgkeiten hatte sie ihr Ziel nie aus dem Auge verloren. Und mit Alfreds Hilfe hatte sie das Schiff so gut gesteuert, daß sie jetzt ein Landhaus besaß samt einer Rente. Und das war mehr, als sie in ihren kühnsten Jugendträumen erhofft hatte. Im Morgenrock ging sie in den Garten. Sie würde ihn nicht oft verlassen, höchstens, um den Wald von Fontainebleau kennen zu lernen. Wie glücklich wäre die arme Helene gewesen, wenn sie an ihrer Seite das alles hätte genießen können. Ach, das Schicksal hatte es anders beschlossen..'. Sie fühlte sich wohl, daß sie nicht mehr Toilette zu machen brauchte wie im Hotel. Dort begann jetzt um diese Stunde der Hochbetrieb. Die Gäste kamen, die Mädchen waren auf den Beinen. Ob die Miß sie wohl schlecht machte? Und wenn... jetzt konnte es ihr gleich sein. Wohin sie auch sah: überall fiel ihr Blick auf die Blütenfülle der Bäume. Und die weiße Pracht bannte ihre Gedanken in die Kinderjahre in Italien zurück, in denen sie selbst sich ihre Zukunftsbilder schuf.„Jetzt weiß ich, was das Leben ist", dachte sie. Die Gegenwart ließ die Vergangenheit verblassen. Die Menschen jener Zeit: Lagorio und die alte Tante, die sie aufgezogen hatte, sah sie ohnehin nur noch als Schatten. Wie gern hätte sie sie hier gehabt, um sie teilhaben zu lassen an ihrem Erfolg..(övrtsetzung folgt./ Nr. 222 Sonntag, 22. Srptemsier 1935 Seite 3 „Sen Ostland woll’o wir ziehen..." In den Stunden, in denen der italienische Fascismus am Werl ist, die Welt von Afrika her in Brand zu setzen, droht der deutsche Fascismus den Kriegsbrand im Nordosten Europas zu entfachen. Hitlers Nürnberger Drohungen gegen Litauen waren nicht mitzzu- verstehen und die alarmierenden Berichte über deutsche Truppenkonzentrationen in Ostpreußen zeigen, daß Hitlers Kriegsdrohungen keineswegs auf lange Friste berechnet sind. Nicht umsonst gröhlen die Söldner der deutschen Reaktion seit je als Lieblingslied:„Gen Ostland woll'n wir ziehen!" Dort an der Memel, dem östlichen Grenzfluß des Reiches, liegt ja das politische und geistige Geburtsland des braunen Fascismus. Noch als die russische»« Grenzprovinzen Estland, Livland und Kurland zum Zarenreich gehörten, unterhielten die deutschsprachigen „baltischen Barone" dieser Provinzen, deren Peitschenherrschaft über das verarmte Bauernvolk sprichwörtlich geworden ist, die besten Beziehungen zu den adchigen Junkern des Deutschen Reiches. Sie waren es auch, die sich nach dem Zusammenbruch des Zarenreiches und der Gründung der Sowjetrepublik an die Spitze des sowjetfeindlichen Bürgerkrieges im Baltikum stellten und den Kampf gegen das verhaßte Räteregime noch längst nach dem offiziellen Waffenstillstand und der Auflösung der deutschen Armee als Bandenkrieg unter Awalow-Bermondt fortsetzten. Mit dem Ende des bewaffneten Krieges war der Kampf der preußischen Reaktion um das Baltikum nicht beendet. Zwei große Ziele gab es und gibt eS dort für die ostelbischen Barone zu erreichen: den berühmten„Siedlungsraum im Osten"(der in vieler Hinsicht Mussolinis Traum vom„SiedlungSraum im Süden" entspricht) und vor allem— die für die fernere östliche Eroberungspolitik unentbehrliche militärische Grenze gegen Sowjetrußland. Alle Träume von der unermeßlichen deutschen Zukunftskolonie im russischen Raum, alle Träume von einem reaktionären Kreuzzug gegen das gehaßte Bolschewikenland stehen und fallen mit dieser Grenze. Es ist kein Zufall, daß die „altenBaltikumkämpfer" die erstenreaktionären Bandenzellen bildeten, aus denen später die SS und SA und die ganze braune Terrorarmee des Nationalsozialismus hecvorging. Schon in den aflerersten Fahren der Weimarer Republik, als das deutsche Bolk sich noch allzublind in ewiger Freiheit glaubte, entstanden aus den Baltikumkämpfern die erzreaktionären Vereinigungen des„Kur-, Liv- und Est- ländischen StanunadelS" und der„Ekbala", zu deren tätigsten Funktionären Herr Alfred Rose n b e r g'gehörte, der spätere„weltanschauliche" Mentor des Nationalsozialismus. Keiner der neu gegründeten Randstaaten Estland, Lettland und Litauen war der deutschen irredentistischen Agitation so sehr ausgesetzt, wie das direkt an daS Reich grenzende Litauen. Selbst ul« der allgemeine Bandenkrieg um das Baltikum schon zum Stillstand gekommen war, tickte an den Ufern der Memel noch immer ein unterirdischer Guerillakampf, der auch von den interalliierten Truppen, die in das gefährdete Gebiet zur Aufrechterhaltung der Ordnung geschickt worden waren, anfangs nicht völlig unterdrückt werden konnte. Erst als nach dreijährigen Kämpfen am 15. Jänner 1923 litauische Truppen wieder einmal den deutschsprachigen Grenzstreifen des Landes bis an die Memel besetzt hatten, griff der Völkerbund entscheidend ein. Im Memel st atut wurde festgelegt, daß jener Grenzstreifen von nun ab litauisches Mandatgebiet unter Kontra Ile der Signatarstaaten des Völkerbundes sei. Das Memelland erhielt— obwohl der litauischen Regierung in Kowno unterstellt— seine eigne vom Völkerbund garantierte Verfassung und seinen eigenen in mancher Hinsicht autonomen Landtag. Aber die deutsche Reaktion dachte gar nicht daran, mit dieser Lösung auf ihre Ostziele zu verzichten. Zwar versuchte die deutsche Republik den Kampf zu liguidieren und eine Zeitlang schien es, als sollte das gelingen, besonders da Litauen nach dem polnischen Raubzug nach der eigentlichen litauischen Hauptstadt Wilna Anlehnungen Polens großen Gegner Deutschland suchte. Die Totengräber der deutschen Republik, die ostpreußischen Stammväter des HitlertumS aber sind auch in dieser Zeit von ihrer imperialistischen Ostpolitik gegen das Memelland nicht abgewichen. Und mit dem Machtantritt des Nationalsozialismus fielen die letzten Hemmnisse. Das Schema der deutschen Politik in Litauen gleicht aufs Haar jenem in unserem Sudetengebiet. Was das Sudetengebiet für unsere Republik, ist das Memelland für Litauen. Der litauische„Henlei n", ein Mann namens Dr. Schreiber, erhielt reichliche Geldmittel, um dort eine nationalsozialistische Bewegung großzuziehen. Der Erfolg dieser schrankenlosen Demagogie blieb nicht aus: so wie es in Oesterreich geschehen ist, war den„vaterländischen" litauischen Fascisten die politische Gefahr infolge der Nazihetze ein willkommener Anlaß, die„autoritäre" Regierung auszurufen und unter dem Vorwand des Antinazikampfes das parlamentarische Regime in Litauen zu stürzen, jede politische Freiheit zu unterdrücken, die Sozialdemokratie aufzulösen und ihre Mitglieder zu verfolgen. Ein sehr wesentlicher Umstand aber unterscheidet die Entwicklung in Litauen und in Oesterreich: die Verfassung des Memellandes, die vom Völkerbund garantiert ist, entzog sich dem Zugriff der„autoritären" Regierung in Kowno, so daß längst nach der Auflösung des litauischen Staatsparlamentes der litauische Landtag nach wie vor besteht und eben jetzt für den 29. September seine Wahlen ausgeschrieben hat. Es scheint nun, daß gerade dieser Wahlkampf Hitler den Anlaß zu einem entscheidenden, in seiner Auswirkung unabsehbaren Schritt gegen Litauen bieten soll. Die litauische Regierung hatte im Feber des vorigen Jahres die getarnte nationalsozialistis che Partei des Memellandes, die„sozialistische Volksgemeinschaft", aufgelöst und gleichzeitig durch Regierungsverordnung allen Mitgliedern, die länger als sechs Monate bei der Partei eingeschrieben waren, das Wahlrecht entzogen. Der offen nationalsozialistische Präsident des Landtages, Dr. Schreiber, dessen Verbindungen mit der Nazizentrale in Berlin unzweifelhaft nachgewiesen wurden, wurde abgesetzt, zu seinem Nachfolger der litauisch„vaterländische" Herr R e i s g y s ernannt. Für die nun bevorstehenden Wahlen hat die nationalsozialistische memelländische„Volksgemeinschaft", deren Wahlaufruf von allen deutschen Parteien mit Aus nahme der deutschen sozialdemokratischen Partei unterzeichnet ist, als Spitzenkandidaten wieder jenen Dr. Schreiber aufgestellt. Daraufhin holte die litauische Regierung zum Gegenstoß aus: sie ließ die Staatsbürgerschaft Dr. Schreibers über« prüfen; mit dem Ergebnis, daß seine Staats- bürge r s chaft für ungültig erklärt und ihm damit das passive Wahlrecht entzogen wurde. Nun besteht gewiß kein Grund, di« Berfas- sungsbrüche der litauischen autoritären Fascisten- regierung zu verteidigen. Geradezu grotesk aber nimmt es sich aus, wenn ausgerechnet Herr Hitler sich in Nürnberg über die„Einschränkung der parlamentarischen Freiheit und des Wahlrechtes im Memelland" ereifert. In Wahrheit liegen die Dinge so, daß der Sturz der Demokratie in Litauen, ganz so wie in Oesterreich, die verzweifelten Mittel ständig neuen Verfaffungsbruches erst notwendig gemacht hat. Unter dem Borwand, die Nazigefahr in Memelland zu bekämpfen, hat der litauische Fascismus sie erst recht genährt, so sehr genährt, daß der deutsche Ostkrieg nun zum Greifen nahe vor der Türe zu stehen scheint. Wo immer der Fascismus an der Macht ist, im Süden oder Norden, in mächtigen Reichen oder lleinen Staaten— überall treibt er mit schauerlicher Notwendigkeit zum Krieg. Vom Nil bis an die Memel raffeln drohend die Waffen... Herr Schuschnigg bekommt Angst „Er hat sich nie einseitig an Im österreichischen Regierungslager herrscht wegen der weltpolitischen Entwicklung steigende Bestürzung. Maßgebend« Regie- rungsbenmte, dir in den letzten Tagen ein« auffallende Beflissenheit an den Tag legen, „Staatsfeinde" mit Jnformatitionen zu versehen, berichten von einer wahren B e r- zweiflungsstimmung der klerikv- fascistischen Führer, di« durch da« a f r i k a- nischeAbenteuer ihre« Kolonialherrn die letzten Grundlagen ihrer Macht inS Wanken geraten sehen. Bollkomm«n planlos bemühen sich dir Herren um hastige Verhandlungen mit denNa»iS, dren Vertreter in den letzten vier- zehn Tagen im Bundeskanzleramt ein- und aus- gehen. Besonders der Kreis um den Landeshauptmann von Oberösterreich, Gleißnr r, ist entschlossen, alles auf diese letzte Kart« zu setzen, und seine Macht anstatt durch den unsicheren Kolonialherren Mussolini durch den— wie sie meine«— vorläufig noch sichereren Kolonialherrn Hitler zu ersetzen. Ein anderer Teil der auf- geschreckton„ Führer" garnituron sucht eilig(aber wie man hört, nicht gerade erfolgreich) Anschluß an die bisher abgesägten demokratischen Bertreter der alten christlichsozialen Partei, die wenig Lust zeigen, sich an daS außenpolitisch wansiende Regime zu ketten. Gleichzeitig werden nach allen Seiten diplomatische Fühler ausgestreckt, ob man nicht„schlimmstenfalls" bei irgendwelchen anderen Mächten»der Mächtegruppen Unterschlupf finden könnte. Außerordentlich bezeichnend ist in diesem Zusammenhang ei» Wiener Bericht d«S gestrigen « 4 Standgerichtsanzeigen wegen der Salzburger Höllenmaschinen Salzburg. Die Staatspolizei veröffentlicht einen amtlichen Bericht über den Versuch von Massenattentaten auf führende Salzburger Persönlichkeiten, der Mitttooch in Linz aufgedeckt wurde. Unter den Adressaten befand sich der Salzburger ErzbischofWaitz, der ehemalige sozialdemokratische Abgeordnete A b r a m und der Salzburger Vizebürgermeister Döbler. Die Polizei hat die Urheber des Attentates ausgeforscht, von denen fünf verhaftet worden sind. Die Hauptschuldigen, der Tischlermeister Johann lallen angelehnt" „Prager Mittag", der sich, wie mau weiß, sehr guter Beziehungen»um Preffereferat des österreichischen Bundeskanzleramtes erfreut. DaS Blatt schreibt: „In Oesterreich verfolgt«an di« britisch« Flottenkonzentratioa im Mittelmeer mit st e i- geudrrLrsorgnis... Für Oesterreich er. gäbe sich au» dies« Entwicklung dir Notwendigkeit, sich stärker alS bisher»ach Westeuropa zu orientieren, was sür dir Regierung Schuschnigg kein Frontwechsel wäre, weil sie sich nie einseitig au Italien angr- lehut und zum Beispiel di« Beziehungen zu Prag i«m«r sorgfältig gepflegt hat...." ES ist sehr bezeichnend für die Stimmung im Bundeskanzleramt, daß man jetzt bereits so offen das AbrückenvomitalienischenPro- tektorat vorbereitet und Sicherungen auf anderer Seit« sucht. Di« Herren werden sich aber wohl auch flar machen müssen, daß die Tschechoslowakei ein demokratischer, von den sozialdemokratischen Parteien mitregierter Staat ist und nicht das fasristisch« Italien. DaS heißt, daß di«„sorgfältige Pflege" der österreichischen Beziehungen zu Prag, die nicht nur auS politischen, sondern auch auS wirtschaftlichen Gründen für beide Teil« sehr zu begrüßen wäre, wesentliche Veränderungen in den innrrpolitischen Methoden Oesterreichs vorauSsetzt, da nur ein« konsolidierte, durch die Zustimmung der VolkSmassen legitimierte Regierung, die Pflege solcher Beziehungen fruchtbar erscheinen läßt. t« Hochwarter auS LeoberÄwrf und der Schustergehilfe Johann Danninger auS Gmunden, sind jedoch nach Deutschland entflohen. Gegen die Schuldigen wurde die Anzeige beim Standgericht erstattet. Schuschnigg rüstet Im Blitztempo Wiener-Neustadt. Die während des Wellkrieges von der Firma Daimler errichtete Flugzeugfabrik wurde an die Flughafen-Betriebsgesellschaft weiterverpachtet, die in den Fabriksanlagen„Sport- und BerkehrSfllMeuge" bauen, aber auch für den HeereSbedars arbeiten wird. Handelsvertragsverhandlungen mit Oesterreich ergebnislos Delegation abgereist Prag. Die Handelspolitischen Verhandlungen mit Oesterreich wurden vorälufig been- d e t. Während der Verhandlungen verwiesen die Bertreter der tschechoslowakischen Nationqjbank auf die Entwicklung der Zahlungsbilanz in den verflossenen acht Monaten und hoben insbesondere die Tatsache hervor, daß die Zahlungsüberweisungen„nach Oe st erreich sich im heurigen Jahr bedeutend erhöht haben. Die österreichische Delegation verließ gestern Prag. „christlicher" Terror gegen eine totkranke Frau Wir lesen in der„Arbeiterzeitung": Genossin B a i k a aus Graz wurde vom Grazer Landes« gericht zu fünf Jahren schweren Kerkers verurteilt, weil bei ihr ein Flugblatt gefunden worden ist. Die Genossin ist schwer krebskrank. Sie mußte deshalb aus der Untersuchungshaft in das Spital überführt werden und konnte sich auch in der Gerichtsverhandlung nur sitzend verantworten. Trotz ihrem schweren Leiden wurde sie aus dem Spital in den Kerker überführt. Sie hatte sich nämlich auch in und nach der Gerichtsverhandlung standhaft geweigert, anzugeben, von wem sie das Flugblatt erhalten hatte; deshalb hat man die schwerkranke Frau in den Kerker gesetzt! All das im christlichen Staat im Zeichen der Ouadrage- simo anno! Hoch nicht alle Möglichkeiten erschöpft? Paris. Die römischen Korrespondenten der Pariser Abendblätter bemerken zu dem amtlichen Bericht über die Sitzung des italienischen Ministerrates, daß noch nicht alle Möglichkeiten erschöpft seien.„Temps" erklärt aber jetzt schon, daß diese Hoffnungen nur sehr gering seien. Die sozialistische Presse fordert von der französischen Regierung, in Genf ein schärferes Vorgehen einzuschlagen und Sanktionen gegen Italien in Anwendung zu bringen. Auch die Radikalen sind für die Geltendmachung der Paktbestimmungen, doch ist ihr Standpunkt zurückhaltender. Dagegen stellt sich ein Teil der konservativen Presse auf die Seite Italiens. Kriegsvorbereitungen In Aegypten Kairo. Unter Berufung auf zuständige militärische Stellen beschäftigen sich die ägyptischen Blätter mit dem Verteidigungsplan an der Westgrenze des Landes. Dieser Plan sieht die Räumung der Wüste bis Amerieh, 30 Kilometer vor Alexandria unter gleichzeitiger Zerstörung der darüber hinausführenden Eisenbahn st recke vor. In Amerieh seien kriegsmäßige Vorbereitungen und die Aufftapelung von Meterial im Gange. Vor dem Prozeß gegen die Marseiller Mordkompllcen Paris. Der Kassationshof hat den Einwand der drei Kroaten, die wegen Mitschuld an der Ermordung des Königs Alexander in Marseille angeflagt sind, verworfen und bestimmt, daß sie im H e rb st e vor daS Schwurgericht in Aix-en-Provence kommen werden. „Tag des Friedens" der französischen Einheitsfront Pari-. Die Linksfront, welche die politischen Parteien und Organisationen von den Kommunisten bis einschließlich zum linken Flügel der Radikalen zusammenfaßt, trifft Vorbereitungen, damit der 11. November— der Jahrestag des W affen still st andes— von den Linksparteien mit Maffenfeiern als ,.F e i e r t a g de» Frie- d e n s" in Verbindung mit„Kundgebungen gegen den Fascismus" begangen werde. Vor wichtigen ErgSnzungswahlen In Frankreich Paris. Am 20. Oktober finden inFrank- reich die Ergänzungswahlen zum Senat statt, und zwar werden 107 Senatoren gewähll, das ist annähernd ein Drittel des Senates. Den Wahlen kommt als Spiegelbild der polttischen Bolksstimmung große Bedeutung zu. Man rechnet allgemein mit einem bedeutenden Stimmengewinn der Linken. Spanische Opposition fordert Heuwahlen Madrid. Präsident Zamora Hält mit den Vertretern der einzelnen Parteien Besprechungen ab. Die Oppositionsparteien beharren auf ihrer Forderung nach Neuwahlen, während die Regierungsparteien die Bildung eines dem Kabinett Lerroux ähnlichen Ministeriums empfehlen. I Seife 4 Smtttteg, L2. September 1935 «e. 222 Englisch-französische Entente auch für Europa London.„Marning Post" schreibt, daß zwischen der britischen und derfranzö- fischen Regierung vollständige Uebereinstim- mung darüber herrsche, wie sich Großbritannien im Aalte eines eventuellen Angriffes in Mittel-Europa zu verhalten gedenke. Es wird behauptet, daß es sichnicht mehr darum handelt, daß die Regierung Großbritannien besondere, diesen Teil Europas betreffende Garantien biete.„Daily Mail" behauptet, daß die französische Botschaft in London Instruktionen erhalten habe, im britischen Außenamte darauf zu verweisen, daß für die französische Politik' zwei Dinge von besonderer Wichtigkeit sind: 1.) das Bestreben, in Europa den Frieden zu erhalten und 2.) der Wunsch nach e n g st e r Zusammenarbeit mit der britischen Regierung in dieser Hinsicht. Iscod In Parte Paris. Berthold I a e o b ist gestern vormittags in Begleitung eines Sonder-Kommissärs der Schweiz in Paris eingetroffen. Die Ankunft erfolgte, ohne Aufmerksamkeit zu erregen. Die Polizei erklärt, sie wisse nicht, wohin sich der Journalist begeben habe, da sie ihm volle Freiheit lasse. Herr Gustav Hacker ist wieder da Rach den Wahlen war es eine Zeitlang stille Um die beiden Führer der deutschen Landjugend, Hacker und Dr. Hetz. Heß soll inzwischen im Schoß der alleinseligmachenden SdP gelandet sein. Hak- ker aber scheint mit seinem Erfolg, durch eine konsequente Schaukelpolitik zwischen Demokratie und - Fascismus gut drei Viertel der Landjugend in das Lager Henleins überführt zu haben, nicht zufrieden zu sein. Er, der sein Führertalent in der deutschagrarischen Jugendbewegung so schlecht bewährt hat, meldet sich wieder aus dem Schmollwinkel zu Wort und stellt neue Führungsansprüche. Eine in Saaz neuestens erscheinende Zeitschrift»Das junge Landvolk" verlangt nicht mehr und nicht weniger, als daß Hacker„mit einem Stabe ihm gleichgesinnter Mitarbeiter" die Führung des B. d. L. anvertraut werden soll. Die hiefür gegebene Begründung klingt nicht gerade bescheiden: „Die Tatsache ist nicht aus der Welt zu schaffen, daß Gustav Hacker gegenwärtig der Repräsentant des sudetendeut- schen Bauerntums ist... Genau so bekannt und anerkannt»st aber auch der Umstand, daß einzig und allein die Person Gustav HackdrS es gewesen ist, welch« die Schluß- 1 katastrophe des B. d. L. nach den Wahlen verhindert hat." An Einbildung scheint es dem Schreiber wie dem Inspirator dieses Artikels nicht zu mangeln.' Es ist einfach grotesk, wenn sich Herr Hacker als „Repräsentant" des sudetendeutschen Bauerntums bezeichnen läßt, nachdem durch seine Mitschuld ein großer Teil dieses Bauerntums bereits in das Lager Henleins abgeschwenkt ift.. Jedenfalls scheinen die Herren Pfrogner und H o d i n a nicht die geringste Lust zu spüren, auch heute noch Hacker als ihren Kommandanten anzuerkennen, nachdem sie in Eger einem anderen „Führer" die Treue geschworen haben... In dem zitierten Artikel wird übrigens noch verraten, daß Hacker nach seiner politischen Selbstbeurlaubung die Führung im B. d. L. anstrebt, um eine„Zusammenarbeit mit den übrigen Gruppen des sudetendeutschen Volkes" herbeizuführen. Der Zweck des Vorstoßes liegt also auf der Hand:: Hacker will die Restbestände des B. d. L. auf kaltem Wege mit der Henleinpartei gleichschalten. Dazu ist vom Standpunkt der politischen Gesanmtinteresscn des Sudetendautschtums einiges zu sagen. Die einzig mögliche Begründung jedes politischen Führungsansprnchrs ist die Fähigkeit zur Verantwortung. Davon haben die Führer der Landjugend noch kein Jota bewie sen, sonst säße nicht eine ganze Anzahl ihrer früheren Mitarbeiter hinter Schloß und Mrgel.' Hacker hat öffentlich für jenen Herrn Schmidt aus Dobrzan Partei ergriffen, der später als Gestapo-Agent übrführt und abgeurteilt worden ist. Wer sich bereits derart in seiner Leichtgläubigkeit oder Berantwor- tungslosigkrit blamiert hat, dem ziemt es sich, mehr Bescheidenheit an den Tag zu legen. Sollte Herr Hacker angesichts der beginnenden Zersetzung und der nahenden Katastrophe der SdP wieder in die Bresche springen und die Henlein-Agitatoren erneut unter die enttäuschten f Bauern tragen wollen, dann wird er zum Schluß z w i s ch e n sämtlichen verfügbaren Stühlen sitzen. Es ist keineswegs die Ausgabe der jungen Generation, das Chaos in der sudetendeutschen Politik zu vergrößern. Totengräber des deutschen politischen Einflusses sind in diesem Staale schon genug am Werke. Indem sich Hacker nach seinem Freund Dr. Hetz anscheinend zu ihnen gesellt, erbringt er nur den letzten Beweis, daß der. Führung der Landjugend nicht nur jedes Verantwor- tungsbewußtseip, sondern trotz ihres überheblichen Getues auch der Wille und die Fähigkeit abgeht, für das sudetendeutsche Volk positive Arbeit zu leisten. Abessinische Frauen opfern für die Verteidigung des Vaterlandes In Addis Abeba fanden große Frauenversammlungen statt,-in denen beschlossen wurde, daß die abessinischen Frauen sich durch Spenden von Geld und anderen Gaben an der Landesverteidigung beteiligen sollen. Hier sieht man Abessinierinnen, die ihre Geldspenden auf den Tisch des.Bersammlungshauses legen. 30 Tote bei einem Bootsunglück Simla. Auf dem Gandak ereignete sich ein schweres Bootunglück, bei dem dreißig Personen den Tod fanden. Bisher wurden sieben Leichen geborgen. Maffenunglück Dresdner Schulkinder Dresden. Bei der Ausfahrt ans dem Bahnhof DreSden-Neustadt ereignete sich Samstag gegen acht Uhr ein Zugsunglück. Ein Leerzug der Reichsbahn fuhr auf diesem Bahnhof einem Kin- der-Sonderzug in die Flanke. Sieben Wagen des Honderzuges stürzten um. Es sind drei Tote, sechs Schwerverletzte und sechs"Leichtverletzte zu bekla- acn. Es handelt sich durchaus um Dresdner Schulkinder. Die Schuldfrage ist noch nicht geklärt. Tod durch eine verschluckte Wespe Berlin. Der Besitzer des großen Sanatoriums Schwarzeck in Blankenburg in Thüringen, Sanitätskat W i e i t 6 it r g, verschluckte beim Trinken eine Wespe, die ihm einen S t i ch i n die Speiseröhre zufügte. Sanitätsrat Wiedeburg suchte sofort die Jenaer Universitätsklinik auf, doch führte ein plötzlicher Er- st i ck u n g s a n f a l l seinen Tod herbei. Russische Flugrekorde Odessa.(Taß.) Der bekannte Fallschirmabspringer Maschkowskij sprang Samstag mit seinem Fallschirm aus einer Höhe v o n 8 0 0 Metern ins Meer ab. Den Luftraum im Ausmaß von 200 Metern ging der Flieger ohne offenen Fallschirm herab, der sich erst in einer Höhe von 600 Metern öffnete. Moskau.(Taß.) Die beiden sowjetrussischen Flieger Bobykin und T o m a n o w absolvierten auf einem Freiballon von 2200 Ku- bikmeter Rauminhalt einen Flug von Zwenigorod bei Moskau Vach Kazalstqn, wodurch sie den Streck en Weltrekord für Freiballons überboten. Sie durchflogen die Strecke von 2300 Kilometern in 86 Stunden. Ronstopflug USA—Litauen Rew Aork.(Reuter.) Der Flieger Felix Vaitkus, ein naturalisierter Litauer, startete um 6.48 Uhr Ortszeit' zu einem Ronstopflug nach Litauen über Neufundland, Irland, England, Dänemark, Ostsee. Den Flug absowicrt er allein. -Eine Geste. Das Ministerium für Nationalverteidigung sorgt für Veröffentlichung eines Appells, in dem Minister Machnik die„gesamte Oeffentlichkeit und besonders die Arbeitgeber" auffordert, ausgediente Soldaten in ihre Dienste zu nehmen. 7 0.0 00 Sold aten werden jetzt nach Hause entlassen, die meisten von ihnen ohne Aussicht auf Beschäftigung. Der Herr Nattonal- Verteidigungsminister habe sich wohl an alle Ressorts mit der Bitte gewendet, das Möglichste zur Unterbringtmg der gedienten Soldaten zu tun, aber leider könne die Staatsverwaltung nur eine unbedeutende Zahl beschäftigen. Und deswegen müsse die übrige Oeffentlichkeit helfen. Dieses Bemühen des Ministers um Arbeit für die.entlassenen Soldaten ist an sich gewiß lobenswert. Aber ein nennenswerter Praktischer Erfolg wird ihm Wohl kaum beschießen'sein■— wobei wir aber wenigstens hoffen wollen, daß die ministerielle . I I Bitte an die Unternehmer von diesen nicht so verstanden werde, daß sie jetzt Arbeiter oder Angestellte aufs Pflaster setzen, um entlassene Soldaten bei sich unterzubringen! Abgesehen davon aber— mft solchen Bitten ist wenig oder eben gar nichts getan. Erst müssen Arbeits Möglichkeiten geschaffen werden— dann wird Hilfe wenigstens für einen Teil des Arbeitslosenheeres gebracht werden können, gleichviel ob sie sich aus dem tschechoslowakischen Heer oder sonst aus der industticllcn Reservearmee rekrutieren! Hitler nicht mehr in der Wochenschau. Das Bild„Hstler bei den deutschen Herbstmanövern" in der Fox-Wochenschau, das wir in unserer Notiz„Fascismus und Kriegsgeist auf der Leinwand" am vergangenen Donnerstag erwähnten, ist, wie wir erfahren, noch am gleichen Tage von der Zensur nachträglich entfernt worden. Neues Mineralwasservorkommen bei Kokin. Im Mai dieses Jahres begannen die Brüder Wenzel und Ladislav Cvinkara auf ihrem Grundstück in Vellkß Ose^Bersuebsbohrunaen. um Vie Bodenzusammensehung zu prüfen. Sie stießen-bei den ersten Bohrungen auf eine Mineralwasser- auelle, die. reichlich Wasier lieferte. Bei näherer Untersuchung stellten sie fest, daß das Wasier beachtliche Mengen von Kohlensäure enthalte und sehr erfrischend schmecke. Das Bohrloch wurde sodann mit Stahlrohren ausgefüttert und ergab einen Ertrag von 26 Minutenlitern. Die Wirkung des Wassers wird nun von verschiedenen Aerzten untersucht. Die Besitzer der Quelle geben einstweilen das ans einer Tiere von 60 Metern aufsteigende Wasier rmentgeltlich ab. Das Wasier wird allgemein„Cvanöarka" genannt. Wien und Addis Abeba. Für die Wiener bildet begreiflichevtveise der italienisch-abessinische, Konflikt das Tagesgespräch, wobei die Hoffnungen, die an das Abenteuer Mussolinis geknüpft werden, nicht gerade„vaterländisch" genannt werden können. Sehr verbreitet ist in den letzten Tagen dieser Scherz:„In Genf hat man sich daraufhin geeinigt, Abessinien Herrn Mussolini zu überlassen. Weil abex schließlich doch Gerechtigkeit sein muß, wurde beschlossen, daß Mussolini dafür dem Negus eine andere italienische Kolonie überlassen muß — nämlich Oesterreich... Schließlich sei aber diese Lösung des Konfliktes an dem erbitterten Widerstand des klerikalen österreichischen Regimes gescheitert, dem der Negus zu wenig schwarz ist." An der Grenze erschossen. In der Nacht auf Mitttvoch bemerkte die b u l g a r i s ch e Grenzpatrouille zwei Leute, einen Mann und eine Frau (wie nachträglich festgestellt wurde, handelt es sich um russisch e Staatsangehörige), die versuchten, die Grenze illegal zu überschreiten, um rumänisches Gebiet zu erreichen. Als sie von der Wache vergeblich aufgefordert worden waren, stehen zu bleiben, machte diese von der Waffe Gebrauch; die F r a u wurde erschossen, der Mann verletzt. Ueber den Zwischenfall wurde die Untersuchung eigeleitet. Schweres Eisenbahnnnglück in Frankreich. Auf dem T o u l o n e r Bahnhof sind zwei Personenzüge zusammengestoßen. 35 Personen wurden verletzt, zwölf davon schwer. Ehepaar tödlich verunglückt. Der Staatsrechtler Professor Dr. JUR. Poetsch-Heff- l e r ist als Opfer eines Automobilunfalles in der chirurgischen Klinik in Kiel gestorben. Professor Dr. Poetsch-Heffler war Freitag mit seinem Auto, in dem sich noch seine Frau und drei Kinder befanden, auf der Kiel-Lübecker Chaussee gegen einen Baum gefahren, wobei alle fünf Insassen verletzt wurden. Auch die F r a u des Professors ist inzwischen ihren Verletzungen erlegen. Bei den verletzten Kindern besteht keine Lebensgefahr. Aus der Arbeitersängerbewegung Konferenz der Internationale der ArbeitersSnger(I.D.A.S.) In Prag waren Samstag, den 14. und Sonntag, den 15. September die Abgesandten der Arbeitersängerverbände mehrerer Länder zu wichtigen Beratungen zusammengekommen. Vertreten waren die Verbände England, Holland, Schweiz, und Ungarn sowie"der tschechische und deutsch« Verband in der CSR. Die Konferenz hatte drei Hauptaufgaben zu erfüllen. 1. Mußte sie die auf Grund der Ereignisse von 1933 in Deutschland und 1934 in Oesterreich geschaffene, gegen vorher vo'llständig veränderte Situation einer eingehenden Analyse unterziehen und auf Grund des erzielten Ergebnisses 2. die Arbeiten für dieZukunft festlegen und der neuen Situation anpasien. 3. Mußten über ein Angebot des Internationalen Musikbüros in Moskau(J.M.B.) auf„Schaffung einer breiten Einheitsfront" die notwendigen Beschlüsse gefaßt werden. Durch den Raub des J2MT-Vermögens, welches von der preußischen Staatspolizei zugunsten des Staates beschlagnahmt worden ist, sind der I.D.A.S. fast keine Mittel mehr zur Weiterführung ihrer administrativen, sowie organisatorischen und agitatorischen Arbeiten geblieben. Trotzdem wurden die internationalen Beziehungen aufrechterhalten, der„Internationale Pressedienst" weiter bedient und in Versand gebracht und die administrative Agenda laufend erledigt. In die Berichtszeit Juli 1933 bis Juli 1935 fällt auch die notwendig gewordene Selbstauslösung des Arbeitersängerbundes des Saargebietes. Die bezüglich des künftigen organisatorischen Belebens und agitatorischen Wirkens gefaßten Beschlüsse dürften einen Neuaufstieg des I.D.A.S. sicher im Gefolge haben. Ebenso wurde Vorsorge getroffen, daß der unermeßliche Ausfall auf dem Gebiete des Schaffens neuer und neuzeitlicher Chorliteratur für die Arbeiter durch den Zusammenbruch in Deutschland und Oesterreich, einigermaßen wettgemacht wird. Bezüglich der„breiten Einheitsfront" in der Arbeitersängerbewegung hat die Konferenz nach längeren Beratungen die Antwort an das J.M.B. beschlossen. Dazu wird u. a. gesagt, daß die Schaffung der Einheit der Arbeiterklasse zunächst Aufgabe der politischen Parteien ist.(Die Arbeiter- sängerüewegung lehnt sich, wie auch die anderen Kulturorganisationen, an politische Parteien an.)! Als Sih der I.D.A.S. wurde Teplitz-Schönau, wo er seit dem Umsturz in Deutschland ist, belassen. Die Verhandlungen, die unjfer Leitung des Genossen W o n d r e j z geführt würden, nähmen den Samstagabend und den ganzen Sonntag in Anspruch. Das Wetter in unseren Gegenden wird von einem Druckhoch beherrscht, das sich über ganz Mitteleuropa erstreckt. Infolgedessen lösen sich nunmehr auch die Wolkenreste auf, welche sich noch stellenweise am Nordostrand der Republik behaupteten und dort die Tageserwärmung hemmten. Die Aussichten für die weitere Entwicklung des Wetters. sind günstig. Wahrscheinliches Wetter Sonntag: Vorwiegend heiter, in den Tälern strichweise Morgennebel. Nachts wieder vielfach kühler, tagsüber relativ warm, ruhig. Wetteraussichten für Montag: Fortdauer des ruhigen und im allgemeinen schönen Wetters. Vom Rundfunk taiptalilanswertes aus«lan Programussi Montag Prag: Sender L.x 6.00 Gymnastik. 10.05 Deutsche Presse. 11.00 Schallplatten, Smetana: 11.83 Unterhaltungsmusik. 12.10 Chansons. 12.80 Mittagskonzert. 13.25 Arbeitsmartt. 17.50 Voskovee und Werich singen Lieder auf Schallplatten. 18.20 Deutsche Sendung: Kopf: Ein Maler sieht Tahiti. 18.35 AuS dem Manuskript. 19.00 Deutsche Presse. 20.40 Klabierquartett. 22.30 Tanzmusik. 02.45 Deutsche Nachrichten.— Sender St.: 7.30 Salonorchester. 14.20 Deutsche Sendung: Tee mit berühmten Gästen.— Brünn: 13.25 Arbeitsmartt und Sozialinformationen. 17.40 Deutsche Sendung: Dr. Müller: Karl Spihweg zum 50. Todestage. 18 20 Lieder auf Schallplatten. 19.25 Wie der Schlager entsteht.— Mähr.-Ostrau: 18.20 Deutsche A r- beitersendung: Leilich: Arbeiterbewegung im Altertum. Schallplatten: Strauß. 20.40 Liederkonzert.— Preßburg: 15.00 Orchesterkonzert. 20.40 Unterhaltungsmusik.— Kascha«: 21.25 Orchesterkonzert. DienStag Prag: Sender L.: 10.05 Deutsche Prelle. 11.00 Schallplatten. 11.05 Deutscher Schulfunk. 15.00 Or- chefterkonzert. 18.20 Deutsche Sendung: Chefredakteur Albrecht: Wirtschaftliches Relief. 18.30 Lieder von Liszt und Cornelius. 19.00 Deutsche Presse. 19.30 Uebertragung aus dem Prager Nationaltheater:„Auf dem alten Bleichplatz von Kovarovik", Oper. 22.30 Tanzmusik.— Sender St.: 7.30 Leichte Musik. 14.15 Deutsche Sendung: Prof. Schärft: Die Technik im Dienste der Sprachenerlernung. 14.30 Lieder aus Operetten.— Brünn: 17.40 Deutsche Arbeitersendung: Soziale Information. Schuster: Sozialversicherung, ein Teil der Arbeiterbewegung. 21.00 Opernmusik.— Preßburg: 18.00 Klavierkonzert.— Kascha«: 18.30 Violinkonzert. 9lr. 222 Sonntag, 22. September 1938 Sekte 8 Deutsches Blut und deutsche Ehre Bon Hans Rheinländer Der Fremdenverkehr im August war in der CSR etwas schwächer als im Juli d. I., jedoch zahlenmäßig im Verhältnis stärker als im August 1934. Nach der Grenzerhebung haben heuer im August(Juli) unsere Grenze bei der Einreise 232.300(234.100) Ausländer überschritten und bei der Ausreise 231.999 (195.600) Ausländer. Im August 1934 kamen 201.400 fremde Staatsangehörige zu unS. Der diesjährige August weist also gegenüber Juli des Vorjahres einen Rückgang der ausländischen Besucher von 0.8% und gegenüber August 1934 eine Zunahme von 15.3% aus. Eine ähnliche Tendenz— jedoch im stärkeren Ausmaße— zeigt auch der Reiseverkehr der Tschechoslowaken in das Ausland. In der Zeit von Jänner bis August(Feber bis August) 1935 kamen 1,181.200(1,091.100) Ausländer zu uns und 858.800(792.600) Tschechoslowaken verließen unser Staatsgebiet. Für Feber bis August 1934 weist der Zugang an ausländischen Besuchern 1,031.800 Personen und der Abgang unserer Staatsbürger 645.300 Personen aus. Der Reiseverkehr bei uns ist daher in diesem Jahre zahlenmäßig größer als im Vorjahre. Die qualitativen Ergebnisse des Fremdenverkehres haben sich im August dieses Jahres nach beiden Seiten hinverschlech- t e r t. Der Aufenthalt der Ausländer bei uns sowie unserer Staatsbürger im Auslande ist im August kürzer geworden, und zwar zu unserem Vorteile in stärkerem Ausmaße bei den Auslandsreisen der tschechoslowakischen Staatsbürger. Gegenüber dem Vorjahre bleibt aber die Aufenthaltsdauer der» Tschechoslowaken im Auslande immer noch beinahe doppelt so hoch. Der Aufenthalt der Ausländer hat sich bei uns Heuer gegenüber dem Vorjahr« u m 13.4% vermindert, während der Aufenthalt der Tschechoslowaken im Ausland« in der gleichen Zeit u m 68.6% zu- genommen hat. Hinsichtlich der Staatsangehörigkeit der ausländischen Besucher ist ein weiteres Ansteigen des Aufenthaltes der Besucher aus den Weststaaten, namentlich der Engländer, zu verzeichnen. Bon den Nachbarstaaten überwog in qualitativer Hinsicht im Vorjahre Deutschland, heuer dagegen Oesterreich. Der Aufenthalt der Oesterreicher bei uns ist in diesem Jahre beträchtlich gestiegen. Die Angehörigen aller übrigen Nachbarländer haben heuer den Aufenthalt bei uns verkürzt, am meisten die Reichsdeutschen(—41.4%), dann die Polen(-—37.5%), die Rumänen i(—14.4%) und die Ungarn(—14.0%). Der Besuch von Prag und der größeren Städte durch Ausländer ist im August d. I. gestiegen. Dagegen war der Binnenreiseverkehr unserer Staatsbürger geringer. Der Besuch der Badeorte leidet offensichtlich unter der vorgeschrittenen Saison. Sehr stark ist der Rückgang bei unseren Weltkurorten. Der Bäderverkehr in Böhmen ist im August d. I. gegenüber Juli d. I. um 23%, in Mähren und Schlesien um 18.3% und in. der Slowakei um 17.1% zu- rückgegangen. Die Piraten Schanghai. Der von zwölf als Fahrgäste berkleideten Seeräubern überfallene Dampfer „Paofeng" ist Samstag nach Schanghai zurückgekehrt. Der Ueberfnll erfolgte Freitag in der Nähe von Wusung. Die Räuber erschossen drei Mitglieder der Schiffsleitung und warfen ihre Leichen über Bord. Sie steuerten sodann den Dampfer nach der Küste von Tschekiang, wo sie an Land gingen und mit 40.000 Dollars Beute verschwanden. Jagendfragen unserer Zeit, polittsche, wirtschaftliche, erzieherische und kulturelle Probleme der Jugend, behandelt in vorbildlicher Art die Monatsschrift„Das junge Volk", die von Karl Kern geleitete Zeitschrift jener Jugend, in der noch und jetzt erst recht der Geist der Jugendbewegung lebendig ist, jener Geist, der sich nicht einschnüren, nicht kommandieren lasten will, der wahrhaft jugendlich ist und darum die Freiheit will! Vom Weltkongreß^solcher Jugend, von der Tagung der Sozialistischen Jugendinternationale in. Kopenhagen wird berichtet, von„Deutscher Jugend"— jener Jugend, di« der Nationalsozialismus uniformiert und gedrillt und ent- geistet und verroht hat,— und dann erzählen junge Menschen von einer Urlaubsfahrt ins unfreie Wien, das Arbeitslager des Bezirkes Tetschen in Neu-Ohlisch wird geschildert, in Zuschriften der Leser an die Redaktion und in Berichten über Sommerlager, Jugendtage und das „Jahr der Kameradschaft" des Sozialistischen JugendverbandeS wird das Leben jener Jugend sichtbar, die lernend und arbeitend dem Sozialismus zustrebt. Diese Jugend ruft zu einem Reichs» jugendtag, der zu Pfingsten 1936 in Bodenbach große Scharen arbeitender Burschen und Mädchen vereinen soll zu einer großen Kundgebung. Rudolf Geißler spricht in dem Aufsatze„Zwei Lebensführer" sehr anschaulich über zwei Bücher, über den Roman„Ursel macht Hochzeit" von Ernst Preczang und über Künkels„Jugendcharakterkunde", die besonders den in Jugendorganisationen an verantwortlicher Stelle Wirkenden empfohlen wird. Geißler versteht es, in seiner Besprechung das Wesentliche des Buches darzustellen, so daß auch jene, die es nicht zu kaufen vermögen, eine klare Vorstellung seines Inhaltes bekommen. Tine schöne Leseprobe aus Preczangs Buch macht mit dem Wesen des Dichters bekannt. >— Nicht mehr als eine Inhaltsangabe der Zeit- Der von uns wiederholt gebrandmarkte Unsinn, daß Adolf Hitler von den wilden Vorgängen in seinem Dritten Reich nichts weiß und daß er sie abstellen würde, wenn sie ihm zur Kenntnis gelangten, ist jetzt wohl ein für allemal abgetan. Wer mit solchen faulen Ausreden, die zumeist nur gebrauchr wurden, um das eigene schlechte Gewisten zu beruhigen, fernerhin noch kommen wollte, würde sich n a ch Nürnberg als unheilbarer Einfaltspinsel legitimieren. Hitler war und ist nicht der brave Knabe, der von den irrenhäuslerischen Handlungen Streichers nichts gewußt hat. Die Dinge liegen ganz anders: Streicher hat nichts getan, ohne der Zustimmung seines Intimus Hit- ler gewiß zu sein. Jetzt Hilst kein Mundspitzen mehr, jetzt mutz gepfiffen werden, denn vollkommen klare Tatsachen, an denen nichts mehr gedeutelt werden kann, liegen vor. Was Hitler in Nürnberg vor seinem sogenannten Reichstag als Gesetze verkündet hat, ist das Kommando zur Rückkehr in das Mittelalter, ist der Sieg der borniertesten Natio- nalsozialisten. „Nichts von gleichen Rechten oder gar GleiWeit alles desten, was Menschenantlitz trägt, hat Gott schaffen wollen, sonst hätte er nicht die Rassen, nicht Arier und Juden geschaffen." So hat Göring dem Sinne nach di« Nümberger Greuel gegen die Juden begründet. Was für ein minderwertiger Mensch mutz in den Augen der Nazibanausen Heinrich Heine gewesen sein, der in seinem herrlichen„Buch der Lieder" geschrieben hat: Alle Menschen gleich geboren— sind ein adliges Geschlecht. Da find die Nazidichter doch andere Kerle, in hundert Variattonen haben sie gesungen, datz alles, was Hitler schaffen werde, viel leichter getan sei, „Wenn Judenblut vom Messer spritzt." Das ist nationalsozialistische Poesie, die Deutschlands Ehre nicht schändet. Der Christ, der einer Jüdin in inniger Liebe und Treue zugetan ist, oder der Jude, der eine geliebte Christin freien will, sind Verbrecher, die Deutschlands Blut verderben wollen. Sie sollen ins Zuchthaus gesperrt werden. Die jüdischen Familien, die arme oder verwaiste Christenmädchen vielleicht jahrzehntelang wie ihre eigenen Kinder im Hause hielten, müssen diese spätestens am 1. Jänner 1986 auf die Straße werfen, wenn sie bis dahin ihr 45. Lebensjahr nicht vollendet haben. Denn Hausangestellte unter diesem Alter könnten unter den Familienangehörigen männlichen Geschlechts Liebhaber finden, die imstande wären, deutsches Blut zu verjuden. Ins Zuchthaus mtt den Rassenschändern l. Ueber den grenzenlosen Unsinn, den die Nazi über das reine Arierblut schwatzen, brauchen'wir nichts weiter zu sagen. Ueber die deutsche Ehre, die durch die Juden gefährdet ist, lohnen schon einige Worte. Ein« Sache der Ehre ist es, die Wahrheit zu sagen. Die ganze nationalsozialistische Politik ist auf Unwahrheit aufgebaut. Was die Nazi über di« Juden, Marxisten, Jesuiten und Freimaurer gesagt haben, ist zu 99.9 Prozent absolute Unwahrheit. WaS sie auf finanzwirtschaftlichem Gebiete als moderne Grundsätze anpreisen, hätte vor ihrer Herrschaft jeden, der nach diesen Grundsätzen gehandelt hätte, ins Zuchthaus gebracht. Was die Nazi jahrelang vor ihrer Herrchast als ihre wirtschaftlichen, politischen und sozialen Programmsätze verbindet haben, ist zu 99.9 Prozent preisgegeben oder verleugnet worden. AIS inttme Freunde HttlerS auf die endliche Durchführung des als unabänderlich verkündeten Programms drängten, wur- schrift kann hier gegeben werden. Aber sie dürfte genügen, ihren Wert erkennen zu lassen und dem »Jungen Volk" neue Freunde zu werben. Ein« katastrophale Feuersbrunst hat am Frettag das Alpendorf Quelles in den fran- zösischen Alpen unweit GrLnoble heimgesucht. Binnen kurzer Zeit waren siebzehn Häuser und die Kirche ein Raub der Flammen. Die ganze Ortschaft besaß weder eine Feuer- svritze noch Wasser zum Löschen und die Feuerwehr der nächsten größeren Ortschaft und Truppen aus Grenoble, die in Autobussen herangeholt wurden, konnten nur mit Mühe an das am Berg» abhang liegende Dorf heran, zu dem keine fahrbare Straße führt. Das Feuer breitete sich mit ungeheurer Schnelligkeit aus und fand in den Holzhäusern und in den großen Heuvorräten aus den Böden reichliche Nahrung. Fünf Häuser sind von dem ganzen Dorf stehengeblieben. Els Familien mit insgesamt sechsunddreitzig Personen sind obdachlos geworden. Der Sachschaden wird auf eine Million Francs beziffert. Wieder Zusammenstöße in Belfast. In Belfast kam es in der Nacht zum Samstag wiederum zu äußerst blutigen Zusammenstößen zwischen polittschen Gegnern. In der Vorstadt Greencastle entwickelte sich ein Strahenkampf, bei dem Steine geworfen und mehrere Schüsse abgefeuert wurden. Ein Mann wurde durch einen Schutz getötet. Ei« prachtvoller Kerl. Das Blatt„Breme" macht auf den talentterten 81jährigen Landwirt Ilja Lubiö aufmerksam, der in Sikirevci im Save- Banat lebt. Lubik machte im Alter von 16 Jahren aus Holz eine Wanduhr, die noch heute geht und den sie auf Befehl des Führers zu vielen Dützen» den abgeschoffon. Das alles geschah im Interesse der deutschen Ehre und zur Reinhaltung deS deut» schen Blutes. Als im August 1914 das große Ringen um Deutschlands Ehre begann, da war einer der ersten, die ihr Leben einsetzten, um für DeuffchlandS Ehre zu kämpfen, der marxistisch-jüdische Reichs- tagsabgeordnete Dr. Ludwig Frank. Er war der erstem freier Wahl gewählte Volksvertreter, der in schwerem Kampfe fiel, und er ist auch der letzte deutsch« Volksvertreter geblieben, der sein Leben hingegeben hat. Viele der lautesten Schreihälse unter den Nazi, die jetzt auf die Juden schimpfen, saßen damals in den Etappen, oder auf den Schulbänken, haben jedenfalls niemals feindliches Pulver gerochen. Dem Sozialdemokraten Ludwig Frank folgten weitere 12.000 deutsche Juden in den Tod... Ihr Los scheint jetzt beneidenswert, denn sie fielen als„deutsche Helden" für DeuffchlandS Ehre und Freiheit, Alle Juden, die diese 12.000 Helden überlebten, müssen jetzt im Dritten Reich als Minderwertige, als Bluwerderber, Rassen- und Ehrenschänder herum» laufen: sie sind Fremdlinge, Schädlinge, Vertreter einer minderwertigen Raffe, denen keinerlei StaatSbürgerreöbte gelassen oder gar neu zuge» billigt werden könnten. Wie lange noch wird es dauern, bis in Deutschland jedem Juden wieder ein gelber Flek- ken auf die Kleidung geflickt wird, damit er auf der Straße schon von weitem als vogelfreier Fremdling erkannt wird! Als der Führer seinen Reichstagsabgeord- neten seine Gesetze vorgelesen hatte, da begannen sie pflichtschuldigst zustimmend zu toben und zu jubeln. Das müssen sie, weiter haben sie nämlich nichts zu tun für die 7200 Mark, die ihnen dafür jährlich gezahlt werden. Keiner dieser sogenannten Volksvertreter darf ein Wort sagen, wenn er nicht in ein Konzentrationslager, in ein Gefängnis oder Zuchthaus gesperrt oder abgeschos, sen werden will. In einem großen Blatt war in einem Bericht aus Nürnberg zu lesen: Wer glaubt, datz Deutschland wirklich hinter Dieser Claqueur» front steht? Das deutsche Volk ist seiner Freiheit beraubt und stumm. Seine Stimme hört man nicht! Das ist vollkommen richtig. Am Abend nach seiner neuesten Nürnberger Leistung sagte Hiller Journalisten gegenüber fol» gendes:„Deutschland ist das einzige Land der Welt, in dem die Juden jetzt ungestört ein völkisches Eigenleben führen können," Zur Brutalität gesellte sich hier der billige Hlchn. Ein Drittel Kaserne, ein Drittel Irrenhaus, em Drittel Zuchthaus, das ist das Dritte Reich der Nationalsozia» listen. Die„zivilisierte" Welt machte den Italienern große Konzessionen in ihrem Vorgehen gegen Abessinien, weil eS sich um ein Land handelte mit rückständigen und barbarischen Einrichtungen. Dieses„barbarische" Land ist aber Mitglied des Völkerbundes. Wie lange soll diese erbärmliche Heuchelei eigentlich dauern? Wie lang« Zeit wird man noch gebrauchen zu der Erkenntnis, daß Abessinien«in Land der Freiheit ist im Vergleich mit dem Dritten Reiche, das dem Völkerbunde nicht mehr angehört? Abessinien stört kein anderes Land der Welt, das Dritte Reich aber, im Herzen Europas gelegen, ist ein Riesenlager der gefährlichsten Explosivstoffe, in denen Herr Streicher mit Zündhölzern spielt. Der Pariser„Populaire" hat die Bemerkung gemacht, daß das Dritte Reich geisteskrank sei. Das ist richtig, gemeingefährliche Geisteskranke steckt man aber in die Zwangsjacke, wenn andere Mittel zur Sicherung der Umgebung nicht helfen. noch keiner Reparatur bedurfte. Später verfertigte er eine hölzerne Taschenuhr, die nicht aufgezogen zu werden braucht. Ferner konstruierte er eine Schreibmaschine aus Holz. Er lernte selbst lesen und schreiben und bildet sich eifrig weiter. Er kann französisch, deuffch und Esperanto und hat eine Bibliothek von tausend Bänden ausgewählter Weltliteratur, die er alle gelesen hat. Unentgeltliche Fernflüge. Bei den erfolgreichen Wettbewerben, die am Sonntag im Rahmen der Nattonal-FlugeS ausgetragen wurden, wurde unter den Besuchern eine Verlosung unentgeltlicher, teils von der Tschechoslowakischen Flugverkehrsgesellschaft, teils von der Tschechoslowakischen Aerolinie und teils vom Aerollub R§S gebotener Fernflüge veranstal» tet. Zum unentgeltlichen Flug von Prag nach Leipzig und zurück auf Flugzeugen der Tschechoslowakischen FlugverkehrSgrsellschaft würde die Nummer 2051 auSgelost, zum unentgeltlichen Fluge von Prag nach Wien und zurück die Nummer 720. Auf Flugzeugen der Tschechoflowakischen staatlichen Aerolinien unentgeltliche Flüge von Prag nach Brünn und zurück zu unternehmen wurden auSgelost di« Nmmnern: 2040, 1018, 1716, 1145 und 1435. Für-unentgeltliche Rundflüge auf Flugzeugen des Aeroklubs über dem Flugplätze wurden- auSgelost die Nummern: 4887, 1689, 2154, 2059, 2669, 4955, 2856, 8592, 1053. 2786, 2151, 1675, 1714, 1007, 1733, 858, 1699, 2474, 1341, 1088, 1890 2990, 845, 1678, 2025, 1725, 507, 2902, 583, 1020, 4961, 807, 2819, 3882, 2756, 4108, 846, 8345, 18L9, 8604, 2125, 4067, 2917, 972, 4388, 520, 3772, 2891, 1063, 2825. Die Inhaber der ausgelosten Nummern mögen sich im Sekretariat des Aeroklubs der Tschechoslowakischen Republik melden. Vie Schikanen der neuen Lohnvermahlungsbestimmungen Nach der Novellierung des Gesetzes über das Getreidemonopol hat die Gctreidegesellschast ein« Kundmachung über die Lohnvermahlung erlassen, die alles bisher Dagewesene auf den Kopf stellt. Mit dieser Kundmachung wird jedweder Umtausch von Getreide gegen Mahlproduktr«nd Brot verboten. Wer Getreide baut oder als Entlohnung erhält, muß es in die Mühle bringen, dort vermahlen lassen und nur die daraus gewonnenen Produkte darf er wieder zurücknehmen. Wer die Verhältnisse am Lande nicht kennt, kann freilich nicht ermessen, was ryit dieser Verordnung angerichtet wurde. In den meisten Land» gebieten war es bisher üblich, daß der Müller mit einer Fuhre Mahlprodukte(Mehl) Kleie, Schrot) in die Orte fuhr und dort von den ärmeren Schichten, die nicht selber zur Mühle fahren können, Getreide gegen seine Mahlprodukte eintauschte. Ost nahm auch der Bäcker am Dorfe Getreide und verabfolgte dafür Brot. Man mutz wissen, daß es tausende arme Häusler und Landarbeiter gibt, die entweder selbst erzeugtes oder Deputatgetreide haben, jedoch kein Zugvieh besitzen, um es zur Mühle zu bringen. Manche haben wieder nur Kuhgespann, mit dem sie keine weiten Strecken fahren können, besonders im Winter nicht. Sie alle müssen nun nach der neuen Verordnung zusehen, wie sie ihr Getreide in die Mühle bringen. Nachfolgender Brief an den Kleinbauernverband gibt darüber Aufschluß: „Erlaube mir anznstagen, ob es tatsächlich wahr ist, daß dir Dtiillcr nicht mehr ttm Getreide zur Vermahlung ausfahren dürfen. Wir sämt-, lichen Kleinbauern sehen»nS durch dieses Verbot sehr grschädigt, well wir nicht selber i« die Mühle fahre» können und daher zu einem Bauern gehe» urüffen, damit drffrlbe so höflich ist, daß er einem daS Getreide zur Mühle fährt u»d das Mehl wiederbringt. Da muß man jetzt wieder bitten und betteln und noch dazu recht viele Tage arbeiten gehen dafür, damit man seine eigene» Mahlprodutte erhält. Wir sind der Meinung, daß dagegen scharst Stellung genommen werden sollte. WaS gedenkt der Zentralverband zu tun? Ortsgruppe N. N." Das ist also der Effekt dieser fcunosen Verordnung: Die arme Landbevölkerung tvird nun den Großbauern wirrer ausgeliefert, damit diese billige Arbeitskräfte bekommen, die natürlich gleich ein paar Tage arbeiten müssen, wenn der Herr Fuhrwerksbesitzer so gnädig ist, für sie auf ein paar Stunden in die Mühle zu fahren. Wie begründet man diese Verordnung? DaS Schwarzmahlen, das angeblich entgegen den Getreidemonopolbestimmungen vorgekommen sei, soll damit verhindert werden. Das ist natürlich blanker Irrsinn. Hem. Mensch.kann, verhindern, datz man mit solchen Verordnungen das Schwarz» mahlen verhindert, das wäre nur möglich, wenn das GetreidemoncPol in die Mühlen einen Mann zur Ueberwachung hinstellen könnte» der den ganzen Tag über alle Anlieferungen und deren Vermahlung kontrollieren müßte. Das ist natür». lich nicht möglich und so wird niemand einen Müller so leicht beim Schwarzmahlen erwischen. Aber ists auch Wahnsinn, so bringts doch Gewinn, nämlich für die Großagrier, denen die arme Landbevölkerung auf Gnade und Ungnade wieder ausgeliefert wird. Bei der gehässigen Einstellung unserer Henleingroßbauern kann es auch Vorkommen, datz man ein Fuhrwerk überhaupt verweigert und so ein armer Teufel ein solches von einem stundenweit entlegenen Dorfe bestellen mutz. Hier fragt man sich,»6 denn tatsächlich das Monopol durch derartige Schikanen der ärmeren Landbevölkerung bis in die Seele hinein verleiden will? Diese Verordnung darf auf keinen Fall aufrecht bleiben, sie mutz fallen, denn sie ist durch nichts begründet, außer daß man damit eine be» wußte Schädigung der kleinen Leute am Lande herbeiführen wollte.•• MblMsUB W WIM Weitere Einschränkung der Reis-Zmporte geplant Es ist bekannt, daß die agrarischen Monopolkreise die Einfuhr von Reis schon lange mtt scheelen Augen betratchen. Die Reisimporte steigen in den letzten Jahren, was in Anbetracht des großen Nährwertes und des billigen Preises, sowie der durch das Getreidemonopol geschaffenen Verhältnisse, durchaus begreiflich ist. Schon wiederholt versuchten die Agrarier, Reis in das Getreidemonopol„zu bekommen". An dem zähen Widerstand der Konsumentenvertreter ist dieser Plan gescheitert. Im Ausgleichswege wurde dann Reis in das Bcwilligungsverfahren eingereiht und die Einfuhr für das heurige Jahr auf 5600 Waggon herabgesetzt, gegen annähernd 7000 Waggon im Vorjahr. Mit Rücksicht auf die großen' Voräte, die Ende vorigen Jahres angeschafft wurden, ist die Kürzung der Einfuhr in den Preisen noch nicht fühlbar geworden und die geringe Preiserhöhung in der letzten Zeit sind nur eine Folge höherer Weltmarktpreise. Wie verlautet, besteht die Absicht, die Einfuhr für das nächste Jahr weiter zu drosseln,»nd zwar ans 4600 Waggon. Wir find entschieden gegen die Durchführung dieser Absicht, wett diese neuerliche Einfuhr-Einschränkung unbedingt in höheren Preise« zum Ausdruck komme» müßte. Stift 6 Sozialdemokrat" Sumfitf, 22. September 1935. Rr. 222 Kroger Leitung Ein Emigranlenheim wird gebaut Die„Vereinigung zur Unterstützung deutscher Emigranten in Prag" hat zu einem annehmbaren Kostenpreis in StraZnice ein Fabrikgebäude gepachtet. Di« bisherigen Emigrantenquartiere befinden sich in einem völlig menschenunwürdigen Zustand und sind derart überfüllt, daß die Zahl der Kranken von Tag zu Tag steigt. Ein harter Winter steht abermkrls-vor der Tür und stellt an sich für den Verein bei dem ständigen Zustrom von neuen Flüchtlingen gewaltige Aufgaben. Aus einer alstrn Maschinenfabrik soll ein menschenwürdiges Heim entstehen. Die ersten Arbeiten sind von den Emigranten bereits selbst in Angriff genommen. Große Schwierigkeiten sind zu überwinden, denn es mangelt vorerst an Baumaterialien aller Art. wie: Ziegeln, Zement, Kalk usw. Mit dem zur Verfügung stehenden Baufonds können diese Aufgaben nicht gelöst werden. Der Verein wendet stch mit der Bitte an wohlgesinnt« Baufirmen, dieses Werk zur Schaffung eines menschenwürdigen Heims durch die oben angeführten Baumaterialien tatkräftig unterstützen zu wollen. Für ca. ISO Personen muß das Heim eingerichtet werden. In der schon länger als zwei Jahre dakstrnden Emigration sind die Einrichtungsgegen- ständ«, wie: Betten, Decken usw. vollständig verbraucht und in ungenügender Zehl vorhanden. Es werden etwa 106 Betten, LOO Decken, 800 Betttücher benötigt. Der Verein wendet sich daher an die ihm wohlgesinnte Bevölkerung mit der Bitt« um Hilf«. ^Bereinig««» zur Unterstützung deutscher Emigranten in Prag", Prag XII, Rimskä 21. Telephon: 896.08. Aufruhr um Straßenmustkanten. Gestern vormittags stellten in der Palackystvatze in Prag H Organe der sozialen«Fürsorge drei klein« Straßenmusikanten. Als die Vorübergehenden sahen, daß die Kinder vorgeführt werden sollten, protestierten sie heftig und nahmen gegen die Beamten Stellung. Rasch sammelte sich eine Menge von etwa 400 Personen an.angesichts deren Haltung Polizeiverstärkung herbeigeholt werden mußte. Der 29jährige Kohlenhändler Jaroslav Novotny aus ZiZkov und ein Lljähriger Privatbeamter aus Bubentsch, die zu Gewalttätigkeiten aufgereizt hatten, wurden verhaftet. Verletzt war niemand worden. Davongefahrener Motorradfahrer stellt sich. Gestern wurde die 42jährige Hausgehilfin Anna Dajs aus Prag mit tiefen Rißwunden an Armen und Beinen auf die Klinik Schlaffer gebracht, wo sie angab, daß sie eben eine Straßenkreuzung in Rust« habe überqueren wollen, als sie von einem Motorrad, das hinter einer Elektrischen plötzlich her- borgekommen sei, zu Bodhn geworfen und verwundet worden sei. Der Motorradfahrer sei davongefahren, ohne sich um sie zu kümmern. Dieser, der 24jährige Angestellte Franz Campirek, meldete sich jedoch einig« Stunden später selbst bei der Polizei und gab an, daß er in der Aufregung über den Unfall und über die Verwundung im Gesicht, die er selber dabei erlitten hätte, im ersten Schrecken davongefahren sei. Er wurde vorläufig in Haft belassen. Vergiftet. Gestern vormittags spürte der Portier eines Rüster Hotels«inen penetranten Geruch auf dem Gang vor dem Zimmer, wo sich der 25jäh- rige Fleischer Bohumil Urban aus Schwarzkosteletz mit seiner Geliebten, der 23jährigen Köchin Vlasta Kalina, derzeit im Kosteletzer Sanatorium für Lungenkranke, eingemietet hatten. Auf sein Klopfen meldete sich die Kalina und erklärte, daß sie soeben mit ihryn Geliebten«in unbekanntes Gift genommen hätte. Beide wurden ins allgemeine Krankenhaus auf die Klinik Pelnak gebracht. Xunat und WUsin- Spielplan deS Neuen Deutschen Theaters. Sonntag, halb 8: DieJüdin, Gastspiel Emanuel List, B 2.— Montag, halb 8: Das Lanh^es Lächelns, volkstümliche Vorstellung, Abonn. aufgehoben.— Dienstag, halb 8: W U R, Erstaufführung, Al.— Mittwoch, halb 8: Der Bettel» student, B 1.— Donnerstag, halb 8: C o s i f a n tutte, C2.— Freitag, halb 8: WÜR, D2.— SamStag, halb 8: Der Bettelstudent, CI. Spirlpla« der Kleinen Bühne. Sonntag, halb 8:DerKönigmitdemRegenschirm, Erstaufführung.— Montag: Geschlossen.— Dienstag, 8: Der König mit dem Regenschirm.— Mittwoch, 8U: Schule für Steuerzahler, volkstümliche Vorstellung.— Donnerstag, 8: DerKünigmit dem Regenschirm.— Freitag, 8: Der König mit dem Regenschirm.— Samstag, halb 8: Attentat, Uraufführung. Der Mm. Der König der Straße Der Kabarettist Karel Hasler, eine Prager Lokalgröße. di« je nach Geschmack als Schlagerfabrikant oder Volksliedschiwfer. als wilder Nationalist oder als harmloser Musikant gewertet wirb, hat hier lmit dem Regisseur Miroslav Cikän gemeinsam) einen tschechischen Film geschaffen, der manches Liebenswürdige hat. Wäre dieser Film bei feinem Gründmotiv geblieben, dann wäre«r«ine Romantisierung des Prager Straßensänaers geworden, der in der elenden Wirklichkeit zwar mehr armselig als rmnäntisch ist, aber— in der Szenerie des alten Prag— doch noch etwas vom Zauber böhmischen Musikantentums und von der Volkstümlichkeit des fahrenden Sängers hat. Im Zug« der Romantisierung hätte es auch geschehen dürfen, daß man uns eine Zunft dieser wandelnden Musikanten vorgedichtet hätte, die unter dem Protektorat' eines „Vaters Martin" stehen, der