Sosialdemokrat ZENTRALORGAN DER DEUTSCHEN SOZIALDEMOKRATISCHEN ARBEITERPARTEI IN DER TSCHECHOSLOWAKISCHEN REPUBLIK ERSCHEINT MIT AUSNAHME DES MONTAG TÄGLICH FRUH. REDAKTION UND VERWALTUNG PRAG XII., FOCHOVA 62. TELEFON 53077. HERAUSGEBER: SIEGFRIED TAUB. CHEFREDAKTEUR: WILHELM NIESSNER. VERANTWORTLICHER REDAKTEUR: DR. EMIL STRAUSS, PRAG. 15. Jahrgang Dienstag, 24. September 1935 Regierung Schuschnigg Einzelpreis 70 Heller ( einschließlich 5 Heller Porto) Nr. 223 Sollen die kleinen Landwirte völlig ruiniert werden? völlig kopflos Dürfen Großagrarier ungestraft Hochkonjunktur für Nazipakler Schuschniggs Nachfolger am Werk Neutralisierung Oesterreichs durch den Völkerbund Gesetze übertreten? Im Hopfenbau gehen Dinge vor sich, die bei den Kleinlandwirten oft 60 bis 70 Prozent. einer entschiedenen Kritik bedürfen, nachdem an- Gerechteriveise hätte daher der gesetzlichen Bes 1928 zugrunde gelegt werden müssen. Wien.( Eigenbericht.) Aus absolut verläß nung vertreten, daß es jetzt notwendig sei, das scheinend unsere zuständigen Stellen blind und schränkung die Hopfenanbaufläche vom Jahre 1 Quelle werden die Nachrichten über wachsende Projekt einer Vanitstimmung im Bundeskanzleramt bestätigt. Man erfährt, daß die Furcht vor den außenpolitischen Konsequenzen des abessinisechen Abenteuers Mussolinis, die längst schwärenden Gegensätze im Regierungslager zum schwärenden Gegensäße im Regierungslager zum offenen Ausbruch gebracht haben. In den letzten Wochen kam es dreimal bei Sitzungen des Ministerrates zu solchen Zusammenstößen, daß Schuschnigg mitten in den Berhandlungen aufsprang und erregt das Sitzungszimmer verließ. Einen ähnlichen Auftritt gab es bei einer Unterredung zwischen Schuschnigg und seinem präfumtiven Nachfolger, dem oberösterreichischen Landeshauptmann Gleißner. Schuschnigg brach diese Unterredung ab, indem er vom Verhandlungstisch auffprang und Herrn Gleißner allein siten ließ. Gleißner, der überall als der kommende ,, österreichische Papen", der Steigbügelhalter für die Nazi in Oberösterreich gilt, legt eine auffallende Aftivität an den Tag. Er verbringt den größten Teil der Zeit nicht in seiner Amtsstadt Linz, sondern in Wien, wo er stundenlange Unterredungen mit Naziunterhändlern einerseits und nazifreundlichen hohen österreichischen Regierungsfunktionären andererseits hat. Allge tein herrscht im Regierungslager die Auffassung, da die Lage- ganz abgesehen davon, ob es zu friegerischen Verwicklungen in Afrika tommt.oder nicht für die Regierung unha Itbar werden muß, da Italien für alle Fälle eine so schwere außenpolitische Einbuße erlitten habe, daß es kaum in der Lage sein werde, Herrn Schuschniggs Regime zu garantieren. S t a r hemberg gilt als der einzige, der unentwegt an dem italienischen Kurs um jeden Preis fest hält, während Schuschnigg selbst zwischen dem Einfluß Starhembergs und den anderen politischen Einflüssen haltlos schwankt. neuerlich ernst zu prüfen. Man weist darauf hin, daß schon das außenpolitische intakte Regime Mussolinis nicht imstande war, den steigenden Nazieinfluß in Destereich einzudämmen, um so weniger werde das dem ramponierten Italien von heute gelingen. Als einzige fonkrete Augenblickslösung, die nach der Meinung dieser Kreise die drohende Nazigleichschaltung verhindern könne, bliebe die Sicherung der österreich ifchen Unabhängigkeit durch ein Völkerbund regime, welches dem gefährlichen außenpolitischen Kampf um Oesterreich ein für allemal ein Ende sezen könnte. taub sind. Das neue Hopfengesetz vom Jahre 1933 bestimmt, daß die Hopfenanbaufläche über den Stand vom Jahre 1933 hinaus nicht ausgedehnt werden darf, nachdem in den vorangegangenen Jahren eine erhebliche Einschränkung des Hopfenbaues, und zwar ungefähr 40 Prozent der Fläche vom Jahre 1928 erfolgte. Hiebei muß festgestellt werden, daß schon hier eine Schädigung der kleinen Landwirte vorliegt. Die Hopfenanbaufläche ist vorwiegend von den kleinen Besitzern und im deutschen Gebiete eingeschränkt worden. Während die größeren Hopfenbauern, in erster Linie Restgutsbesitzer, nur 15 bis 20 Prozent ihrer Hopfengärten aufließen ( in einzelnen Fällen erfolgte bei ihnen überhaupt feine Einschränkung), beträgt die Einschränkung Mussolini lenkt ein Italiens Gegenvorschläge Aloisi fuchte Genf. Der Leiter der italienischen Delegation beim Völkerbund Baron Montag vormittags den Vorsitzenden des Fünfer ausschusses des Rates, den spanischen Gesandten Madariaga auf und übergab ihm den Text des Beschlusses der italienischen Regierung über die Vorschläge des Ausschusses für die Regelung der italienisch abeffinischen Beziehungen. Die Motive, die die italienische Regierung zur Ablehnung der Genfer Borschläge veranlaßt haben, legte Baron Alofi nur mündlich dar. Nach der Meldung einer stets gut unter- Arme e gesprochen hätten. Dementsprechend verrichteten Depeschenagentur handelt es sich um lange er, daß ein großer Teil des abessinischen folgende Forderungen: 1. Italienisch Somali- Land und Erythräa müffen eine territoriale Verbindung erhalten durch Abtretung eines breiten Gebietsstreifens quer durch Abessinien; 2. Wenn Abessinien einen Zugang zum Meer erhält, so müsse das durch einen Korridor durch italienisches Gebiet entweder in Erythräa oder in Italienisch Somali- Land verwirklicht werden; Heeres en twaffnet und der Rest unter italienische Führung gestellt werde. Genf. Der Fünferausschuß tritt Dienstag zusammen, um den dem Völkerbundrat zu unterbreitenden Rapport auszuarbeiten. Der Rat wird für Dienstag oder Mittwoch einberufen werden, um sich über die Gesamtlage ins Benehmen zu Es mehren sich in diesen Tagen der Verwir sezen. Der Fünferausschuß vertritt die Ansicht, daß er mit Rücksicht auf die italienische und die rung übrigens auch die Versuche alter, halbde3. Kritisiert Muffolini, daß die Vorschläge abessinische Antwort seine Mission nicht fortsetzen mokratischer christlich sozialer Kreise, sich wieder in die Politik einzuschalten. Von diesen des Fünferausschusses betreffend die Reorgani- könne, denn die im Spiele stehenden Interessen Kreisen sollen die Bemühungen um eine bef- fierung Abessiniens auf organisatorischem und seien unermeßlich wichtig und es werde notwendig sere Beziehung zur Kleinen verwaltungsmäßigem Gebiet nur von einer K on. sein, daß ihm der Rat ein neuerliches Mandat erEntente ausgehen, Bemühungen, die aller- trolle der Polizei, nicht aber der teile. dings angesichts der erbitterten Anfeindung von seiten des Starhemberg- und auch des Gleißnerflügels in Oesterreich wenig Aussicht auf Verwirklichung haben. In demokratischen und Gewerks Jung und Schubert geflohen Der Vorschlag des Fünferrates Diese Einschränkung des Hopfenanbaues, die zum übergroßen Teile auf Kosten der kleinen Bes fiber ging, hat eine Preiserhöhung des Hopfens bewirkt infolge der verringerten Produktion. Der Hopfenpreis hält sich seit dem Jahre 1933 ununterbrochen zwischen 1400 und 2400. Damit war nun die Rentabilität im Hopfenbau in den letzten drei Jahren gesichert. Diese günstigen Preise aber lassen die Herren Hopfengroßprodus zenten nicht in Ruhe. Sie umgehen nach allen Regeln der Kunst das Beschränkungsgesetz. So liegen uns Berichte aus dem Saazer Gebiete vor, und Horatih mehrere hundert Schock Hopfen über daß große Grundbesizer in Litschkau, Ferbenz das zulässige Ausmaß ausgefeßt und davon auch geerntet haben, ohne von den Behörden, denen eine strenge Ueberivachung obliegt, gehindert wor den zu sein. Hingegen wacht das Auge des Gesetzes streng darüber, daß ja kein Häusler auch nur eine einzige Hopfenpflanze mehr ausseßt, tut er dies, so hat er am anderen Tage schon die Gendars merie auf dem Felde und er wird gezwungen, die Hopfenpflanzen wieder herauszunehmen. Es ist der Fall vorgekommen, daß fleine Hop fenlandwirte dazu verhalten wurden, die ge< ringe Anzahl von fünf oder sieben Hopfenflanzen herauszureißen, während die großen Grundbesitzer Brazda, Litschkau, Kloster Břevnov, Stiftsmeierhof Libotschan, David, Hockau, Gutsbesitz Setschitz, Diel, Ferbenz 1. a. weit über tausend Schock Hopfen mehr ausgesetzt haben, ohne daß sie von der Gendarmerie behelligt wurden. Jm März d. J. hat eine Abordnung des Kleinbauern Verbandes * beim Präsidium der Landesbehörde vorgesprochen und auf diese Zustände aufmerksam gemacht. Präsident Sobotka hat damals erklärt, daß die Leute ruhig nach Hause gehen kön nen, es werde niemandem die Ver. größerung der Hopfenanbaufläche er. laubt werden, auch den größeren Be sitzern nicht. Diese Zusicherung ist nicht eingehalten worden, wobei wir keineswegs behaupten wollen, daß etwa mit Zustimmung des Herrn Lan. despräsidenten sich die obengeschil. derten Dinge ereignet haben. Hier liegt eine himmelschreiende ungerech tigkeit vor und eine straflose Gesetzesverletzung durch großagrarische Hopfenproduzenten. Im Saazer- Lande spricht man davon, daß diese Hers ren irgendwo eine große Protektion haben müssen. Genf. Das Sekretariat des Völkerbundes hat rater stehen, die übrigen Berater würden entweder schaftstreifen wird nun oft die Mei- die vorläufigen Vorschläge des Völferbundrates, dem Delegierten des Völkerbundes beim abessis Gerüchte besagen auch, daß man einigen größes wie sie am 18. September von dem Gesandten nischen Kaiser untergeordnet sein oder ein Kolle- ren Besizern die Erweiterung der HopfenanbauMadariaga den Genfer Vertretern Abessiniens gium bilden, wobei einer von ihnen den Vorsiz fläche erlaubt habe, weil sie angeblich durchwegs und Italiens überreicht wurden, veröffentlicht. führen und Delegierter des Völkerbundes sein ausländische Abnehmer hätten. Hiebei handelt es Die Vorschläge des Fünferausschusses berufen sich würde. Das 4. Kapitel bestimmt, daß die Beras sich wohl nur um eine fadenscheinige Begrün auf die Notwendigkeit, die Unabhängigkeit der fer- ter vom Völkerbundrat mit Zustimmung des Kai- dung, mit der man die Gesebesübertretung bes ritorialen Integrität und die Sicherheit aller Mitsers von Abessinien gewählt würden. Die übrigen schönigen will, denn der Großteil des tschechoslogliedsstaaten zu respektieren, sowie auf die Not Berater würden vom Kaiser von Abessinien auf wakischen Hopfens geht ins Ausland, ob nun der wendigkeit, unter allen Mitgliedstaaten gutnach Empfehlung des Delegierten des Völkerbundes er- Hopfenproduzent direkte Beziehungen dorthin hat Vor der Eröffnung ihres Prozesses barliche Beziehungen zu sichern und behandeln in nannt werden. Dem 5. Kapitel zufolge würde oder nicht. Wie die„ Prager Preffe" meldet, find die fünf Stapiteln die einzelnen Fragen betreffs Neu- mindestens einmal jährlich der Delegierte des Völ- Das neue Hopfengeset sollte der Anfang ehemaligen nationalsozialistischen Abgeordneten regelung der abessinisch- italienischen Beziehungen. terbundes in Abessinien dem Wölferbundsrat über einer planwirtschaftlichen Regelung der landwirts Jung und Schubert aus ihren bisherigen Jm 1. Kapitel wird festgestellt, daß der Völkerbund schaftlichen Produktion sein. Die Umgebung des Wohnsitzen Troppau und Fulnek ver- die Pflicht hat, der abessinischen Regierung seine seine Tätigkeit Bericht erstatten. Ein 6. Kapitel Gesetzes durch die großen Besizer zeigt, daß diesen schwunden. Es wird angenommen, daß sie nach Mitarbeit und Mithilfe auf internatonaler fol- bestimmt, daß der Sanierungsplan fünf Jahre Leuten jede Planwirtschaft Wurst ist, Hauptsache Deutschland geflüchtet sind. Gegen beide lektiver Grundlage zu gewähren. Dieses Kapitel Gültigkeit haben soll und daß er abgeändert oder ist ihr Profit, selbst auf die Gefahr hin, dagtide fchwebte ein Strafverfahren nach dem Schußgefet, betont, daß jeglicher Gesundungsplan ehestens bon erneuert werden fann. Ueber allfällige territoriale diese Erweiterung der Hopfenanbaufläche der welches in der nächsten Zeit in Brünn zur Ber- der abessinischen Regierung gebilligt werden Aenderungen sprechen die Vorschläge des Fünfer- Hopfenpreis neuerdings ins uferloſe ſinkt. handlung kommen sollte. Mitangeklagt waren auch müsse. Jm 2. Kapitel werden alle administrativen ausschusses nur mit Rücksicht auf die BereitivilligAndererseits gibt es Tausende von Häuslern die ehemaligen Nazi- Abgeordneten Krebs und Maßnahmen die in Abessinien neu eingeführt wer- feit Englands und Frankreichs, diese Aenderungen und Kleinlandwirten im Saazer Gebiete, die in Kasper. Das Verfahren gegen Kasper wurde den sollen, sowie die wirtschaftlichen, finanziellen durch eigene Konzessionen zu ermöglichen. Außer der Zeit der schlechten Hopfenpreise ihre Anbauniedergeschlagen, weil er sich vorwiegend gewerk und jene Maßnahmen, welche die öffentlichen dem erkennen Frankreich und England insbeson- fläche verringerten, weil sie damals oft noch schaftlich betätigt hatte. Krebs ist seinerzeit von Dienste insbesondere die Justiz, den Unterricht dere die Wirtschaftsinteressen Italiens in Abesi- in ihrem Nebenberuf als Arbeiter oder HandAluffig aus geflüchtet und nun sind auch Jung und und das Gesundheitswesen betreffen besprochen. nien an und genehmigten, daß zwischen den beiden werker etwas verdienen konnten. Seither sind die Schubert feinem Heldenbeispiel gefolgt. Das 3. Kapitel betrifft die innere Struktur der Staaten ein Wirtschaftsabkommen geschlossen wer- meisten arbeitslos geworden und leiden oft arge internationalen Hilfe für bessinien. An der Spitze de, wobei die Rechte der Engländer und Franzosen Rot. Sie haben seinerzeit erkannt, daß nur durch der vier öffentlichen Dienste würde ein Hauptbe- allerdings vollkommen gewahrt würden. . Die Segnungen des Dritten Reiches mögen fie über die ausgestandenen Aengste trösten. cine Beschränkung der Hopfenanbaufläche eine Seite 2 Dienstag, 24. September 4833 Nr. 223 Bergarbeiterkämpfe Ab 30. September: Grubenstreik in Polen Kattowitz. Sonntag traten hier die Betriebsräte sämtlicher ost oberschlesischen Gruben und Hütte« zusammen. Rach einer lebhaften Aussprache wurde von den etwa 600 Betriebsratsmitglicdern beschlossen, in den Betrieben am 30. September den Streik zu proklamieren. 450.000 Bergarbeiter streiken in USA Washington. In 21 Staaten hat heute ein Streik der Bergarbeiter der Braunkohlengruben eingesetzt, an welchem rund 450.000 Personen beteiligt sind. Man erwartet,-atz Präsident Roosevelt nach Washington zurückkehren und zugunsten einer friedlichen Beilegung des Konfliktes intervenieren wird. Zwischen den Arbeitgebern und den Bergarbeitern finden bereits längere Zeit Verhandlungen statt. Der einzige strittige Punkt ist nur noch der Akkordlohn. Der Generalstreik wird re st los durchgeführt. Die Arbeit ruht in allen Braunkohlenwerken Pennsylvaniens und Westvirginias. Auch die Bergwerke, die durch den Ablauf des alten Tarifs nicht betroffen wurden, haben sich dem Streik angeschlossen. Eden für Meinungsfreiheit Genf. Eden als Berichterstatter für die Danziger Fragen fügte zu den von ihm vorgelegten Bericht einige Bemerkungen hinzu. Er erklärte u. a.: In der Vergangenheit hatten sich die vor den Dölkrrbundsrat gebrachten Danziger Fragen fast ständig auf die Beziehungen zwischen der Freien Stadt und Polen bezogen. Seit einiger Zeit sei es aber die Aufgabe des Rates, nur Angelegenheiten der inneren Politik Danzigs zu prüfen. Es sei bedauerlich, daß der Rat eingreifen müsse, um die Rechte eines Teiles der Bevölkerung der Freien Stadt gegen Uebergriffe eines anderen zn schützen. Eden sprach die Hoffnung aus, daß die Danziger Regierung künftig mit dem Bölkcrbundskommissffar vorbehaltslos Zusammenarbeiten werde. Bon den in der Verfassung vorgesehenen Grundrechten sei das Recht der freien Meinungsäußerung, insbesondere der Presse, von der gegenwärtigen Danziger Regierung offenbar aufs stärkere eingeschränkt worden. Der Rat habe das Recht zu verlangen, daß künftig die einschlägigen Gesetz« von den zuständigen Behörden im Geiste der Verfassung angcwendet würden. Besserung in der Hopfenwirtschaft eintreten kann, jetzt aber müssen fie zuseh«», wie die Großagrarier unter Umgehung der Gesetze den Rahm ab» schöpfen, während die sozial bedürftigen Menschen mit Gendarmeriegewalt am Hopfenaussatz gehindert werde«. Hier mutz einmal Wandel geschaffen werden, wenn man die arme Landbevölkerung in diesem Gebiete nicht vollends der Not und der Verzweiflung in die Arme treiben will. Schon im Frühjahre haben die im Kleinbauernverband organisierten kleinen Hopfenlandwirte gefordert, daß den sozial Bedürftige« eine Vergrößerung der Hopfrnanbaufläche gewährt wird, während die größeren Besitzer mit strenge« gesetzlichen Maßnahmen zu einer Einschränkung ihrer Fläche verhalten werde« sollen, besonders jene, die in der Zeit vom Jahre 1928 bis 1932 nur eine geringe Einschränkung ihrer Hopfeirbestände vorgenommen haben. Mit aller Schärfe aber wurde verlangt, gegen die großagrarischen Gesetzesübertreter vor» zugehen, wenn eine unberechtigte Erweiterung der Hopfenanbaufläche festgestellt wird. Die im Gesetze vorgesehenen strengen Strafen find gegen fie in Anwendung zu bringen, dem geernteten Hopfen ist die Signierung zu verweigern und die vorgesetzten Aufsichtsorane sind zur Verantwortung zu ziehen, ganz gleich ob es untere oder höhrrgrstellte Beamte sind. Nach wie vor fordern die kleinen Hopfenbauern dringlichst eine Berücksichtigung dieser Vorschläge, wenn nicht ansonsten im Hopfenbau Verhältnisse eintretetr sollen, die einem Chaos gleichkommen, denn allzulange werden sich die notleidenden Kleinlandwirte diesen groh- agrarischen Betrug nicht mehr gefallen lassen. Es dürfte einmal für die Behörden sehr schwer sein, tausende von ihnen an der Erweiterung ihrer Hopfenflächen zu verhindern oder gar zu bestrafen. Mit Recht sagt sich der Klein- bguer im Hopfengcbiet: Wenn der grotze Besitzer ungestraft das Gesetz durchbrechen kann, so mutz gleiches Recht auch für mich gelten. Die z u- ständigen Stellen unserer Partei werden sich einmal eindring- lichstmit diesen Vorgängen befassen und darauf drängen, datz die gerechten Forderungen der kleinen Hopfenbauernschleunige Berücksichtigung finden. Schlimme Anreichen London. Die„Times" berichten aus Beiret, italienische Agenten hätten mehrere hundert Arbeiter aus dem Libanon angeworben, die gestern nach Erythräa abgegangen sind. In einer hiesigen Moschee kam es am Samstag zu einer Kundgebung, bei der gegen die Tätigkeit italienischer Agenten im Libanon Einspruch erhoben wurde. Aus Damaskus wird über eine ähnliche Versammlung berichtet. London. Die.Times" melden aus Malaga, datz auf ausdrückliche Weisungen Roms hin alle britischen Angestellten der»Jtal-Cable-Com- pany" entlassen worden sind. Die Jtal-Cable- Company hat Stationen in Malaga und auf den Kanarischen und den Kapverdischen Inseln .News Chroniele" zufolge sind 70 Italiener, die in der Flugstation Abukir beschäftigt waren, entlassen worden. Kairo. sHavas.) Wie gemeldet wird, haben »amtliche militärischen Behörden das italienische Personal entlassen. Gestern haben 7000 italienische Soldaten den Suezkanal passiert. Das Blatt.Reforme" teilt mit, ein britischer Minenleger habe die Fahrt inS Rote Meer angetreten: Italienischer Bote verhaftet Addis Abeba.(Reuter.) Die abessinischen Behörden in Gondar haben einen italienischen Boten, der nach Adua unterwegs war, verhaftet. Der italienische Gesandte Vinci erhob gegen diese Verhaftung Protest. Ausserdem wurde dem italienischen Konsul in Gondar verwehrt, sich nach dem Sudan zu begeben, bleuer Konzessionsvertrag Paris. Nach einer Unterredung mit dem abessinischen Gesandten in London Dr. Martin erklärte der amerikanische Finanzmann Leo Cbrr- tock einem Vertreter des Havasbureaus, daß er einen Konzessionsvertras mit Dr. Martin abgeschlossen habe. Das Konzessionsgcbirt umfasse 170 Quadratkiloineter und befinde sich im Westen Abessiniens in der Provinz Wallaga. Es störe in keiner Weife die Konzession RickettS. Ehertock betonte, daß er nur amerikanisches Kapital vertrete und daß er dabei sei, eine Gesellschaft zur Ausbeutung des an Gold und Platin reichen Konzes- sionsgebietrS zu gründen. Nobile wird gebraucht Paris.(HavaS.)„Matin" erfährt über London aus Moskau, dass der seinerzeitige Führer der italienischen Arktisexpedition im Jahre 1928, General Nobile, ersucht wurde, unverzüglich nach Rom zurückzukehren. General Nobile arbeitet bereits seit 5 Jahren mit russischen Ingenieuren am Bau eines Lenkluftschiffes. Wichtige Beratungen des englischen Ministerrats London. In der Montag-Sitzung des Kabinetts sind noch keinerlei Beschlüsse gefasst worden, doch dürften voraussichtlich die Richtlinien für die Haltung verzeichnet worden sein» die der Vertreter Englands auf der bevorstehenden Ratstagung nach der Ablehnung der Vorschläge des Fünferausschusses durch Mussolini einnchmen soll. In den frühen Abendstunden fand im Hause des Ministerpräsidenten eine weitere Vorbesprechung statt, an der diesmal auch die Chefs der drei Wehrministerien,sowie der Stabschef der englischen Luftstreitkräfte Luftmarschall Sir Edward Ellington teilnahmen. Abessinien verhandelt über Völkerbundantrag Paris. Der abessinische Vertreter Tecle Ha- wariate hat dem Genfer Havasvertreter am Montag vormittags erklärt: Meine Regierung hat mich soeben wissen lassen, dass sie die Vorschläge des Fünferausschusses zur Regelung unseres Streites mit Italien annimmt. Meine Regierung nimmt diese Vorschläge in der Form an, in der sie uns übermittelt worden sind, d. h. als Verhandlungsgrundlage. Wir beabsichtigen in der Tat über die Art und Weise ihrer Durchführung zu verhandele Opposition in Jugoslawien für volle Demokratie Belgrad. Der Führer der ehemaligen demokratischen Partei und Mitglied der vereinigten Opposition Ljuba D a v i d ö v i L sprach sich in einer Volksversammlung in Kladovo grundsätzlich für die Demokratie aus. Er erklärte auch, dass die Jugoslawen nicht zwei Kammern eines Senats benötigen, sonder^ dass nur die Skupschtina genüge, in die das Volk frei gewählte Abgeordnete entsenden würde. VILLA OASE oder: DIE FALSCHEN BORGER Roman von Eugene Dablt Berechtigte Uebertragung aus dem Französischen von Bejot Die Sonne sank. Es wurde kühler. Sie kehrte um. Julien sah am Teiche in einer Stellung, als sei er eingeschlafen. „Hallo, Dicker", rief sie ihn an. „Nun, wie war der Spaziergang?" fragte er.„Und wie gefallt dir dein neuer Beruf?" „Ich möchte keinen anderen mehr haben." „Wenn man bedenkt, dass die Kollegen jetzt im Cast deS Courses verblöden..." Er würde jedenfalls seinen Aperitif in Billa Oase trinken. Jeden Abend. Das heisst: wenn ihn je einmal das Verlangen nach Paris anwandeln sollte, hinderte ihn ja nichts, seinen Wagen aus der Garage zu holen. Sie atzen in bester Laune in der Küche. Julien schlug noch eine kleine Abendpromenade vor. Aber sie waren kaum bis zum Teich gekommen, als Irma schon wieder nach Haus drängte. Sie hatte eine Fledermaus flattern sehen, und ihr war, als höre sie am Ende des dunklen, ach, so furchtbar dunllen Gartens klagende Laute. „Du muht alles zuschlietzen", bat sie. „Keine Angst, hier tut dir niemand was!" „Trotzdem sollst du zuschlietzen." Sie hörte, als sie im Zimmer war, seine Schritte und das Anschlägen der eisernen Läden. Gewiss war es in Chapelle-sur-Seine nicht so gefährlich wie in Paris, aber ohne diese Vorsicht könnte sie nicht schlafen. Als Julien über die Schwelle trat, war ihre erste Frage: «Hast du auch die Querstangen vorgelegt?." „Wir sitzen hier wie in. einer Festung, Dicke." Sie machte das Fenster zu und zog sich aus. Das Bett stand, wie in der Rue Bourquin, inmitten des Zimmers. Julien lag der Tür am nächsten und bildete so mit seinem Körper einen natürlichen Schutzwall. Das Laken war frisch, die Matratze weich; sie konnte nicht besser liegen. Ein Summen schreckte sie auf. Die Scheiben zitterten.„Es wird der Zug sein", sagte sie sich.' „Die Strecke ist ja ganz nahe." Bald darauf llirrten die Fenster abermals. Wieder ein Zug. Dann ein dritter. Das Hotel" in. Saint-Dizier war dem Bahnhof gegenüber gestanden. Und nachts hatten sie immer die Transporte gehört, die nach Verdun gingen. Sollte etwa wieder Krieg...? War sie nicht verrückt» an so etwas zu denken? Nun war Sille, so vollkommene Stille, dass das leiseste Knistern darin widerhallte wie ein Stein, der in einen Brunnen fällt. Sie lauschte, alle SinNe anspannend, sie versuchte, das Dunkel mit den Blicken zu durchforschen und kam nicht von dem besorgniserregenden Gedanken los, dass sie keine Nachbarn hatten. Plötzlich hörte sie ein knirschendes Geräusch. Ihr stockte der Atem. DaS Geräusch, das wie ein leises Sägen klang und von unten kam, wiederholte sich. Sie zählte, fröstelnd, die Schläge ihres Herzens und kaute ihren Speichel. Nach einer Weile rüttelte sie Julien wach. »Macht Licht! Schnell! Es ist jemand im Hause." „Was", lallte er schlaftrunken,„wer soll im Hause sein?" „Ich habe ein verdächtiges Geräusch gehört. Sieh, bitte, nach." Er ging mit schleppendem Schritt die Treppe hinab, rüttelte an den Läden und fluchte. Tann kam er wieder. „Du hast geträumt", sagte er, unter die Decke kriechend. „Nein, ich schwöre dir, es war in der Küche. Wenn du nach Paris fährst, bringst du deinen Revolver mit. Ausserdem sollten wir einen Hund haben." „Einen Köter? Immerzu hast du neue Wünsche." Er drehte ihr den Rücken zu und schlief wieder ein. Jetzt achtete sie nicht mehr auf das Knirschen. Andere Geräusche nahmen ihre Aufmerksamkeit in Anspruch: bald war eS ein Murmeln, bald ein Rascheln, bald der Schrei eines Vogels, bald das Raunen der Stille selbst. Sie sah den Garten vor sich, den Teich, der ihr erschien wie ein Hinterhalt, dann sah sie weite Felder, den dunklen Wald, das ganze geheimnisvolle Land, von dem zum Glück sie eine feste Mauer trennte. Sie drückte sich an Julien» rührte sich nicht mehr, und eine einschläfernde Wärme durchströmte sie. Niemand trachtete ihr nach Geld und Leben. Sie schloss die Augen. V. Die Tage vergingen. Sie eilten dahin, denn sie waren unbeschwert, und jeder einzelne brachte Irma eine neue Freude, steigerte ihr Ruhegefühl, gewährte ihr Vergessen, erhöhte ihre Sicherheit. Dieses Rentnerleben war das einzig richtige: ohne Hast, ohne Lärm und Geschrei» sorgenlos und im schönen Gleichmass und voll der Gewissheit, dass man dem nächsten Morgen ohne Bangen entgegensehen, dass der Ablauf der Zeit an ihrem Glück nichts ändern könne. Irma ging, diese Regel fast nie durchbrechend, früh schlafen und stand um acht auf. Im leichten Hauslleid erschien sie in der Küche, wo Julien ihr das Frühstück: Milchkaffee, Confitüre und Käse, servierte. Der Appetit hatte sich gottlob wieder eingestellt. Julien genehmigte ein Gläschen Kognak, auch zwei, denn er hatte ja, wie er sagte, schon allerhand getan. Gewöhnlich machten sie nach dem Frühstück das Tagesprogramm. Nach der Entrechtung, die Enteignung der Juden Einer Pressemeldung aus dem Dritten Reich zufolge wird jetzt die Gründung einer sogenannten Auffanggesellschaft ins Auge gefaßt, um den Inden» die auöwandern wollen, den Besitz abzunehmen. Diese Gesellschaft wird wahrscheinlich von der Bank der deutschen Arbeit errichtet werden, die alle Vorarbeiten zur völligen Plünderung der Juden in Deutschland treffen soll. Man müsse den Juden, die auswandern wollen, die Möglichkeit, ihren Vorsatz zn vollbringen, geben, sagt die Pressemeldung heuchlerisch, und für 20.000 bis 40.000 RM die jüdischen Unternehmen erwerben. Berthold Jacob über seine Entführung Paris. Der Journalist Berthold Jacob empfing heute französische und ausländische Kollegen. Er erklärte ihnen, er sei im Verlaufe des Entführungsversuches eingeschläfert und mittels Auto nach Deutschland geführt worden. Dr. Wesemann habe in den Likör, den beide tranken, ein Schlafpulver geschüttet. Er habe dies bei der Konfrontation in Basel am Freitag eingcstanden. Jacob habe bei der Entführung ein Notizbuch bei sich gehabt, in welchem u. a. auch die Namen von acht seiner Bekannten in Deutschland enthalten waren. Alle diese Bekannten seien verhaftet und erst nach zwei bis drei Monaten auf freien Fuss gesetzt worden. Konzentrationskabinett In Spanien geplant Madrid. Der Präsident der Republik betraute Santiago Alba mit der Bildung des neuen Kabinettes. Alba erklärte Journalisten. Präsident Zamora ivünsche, dass das neue Kabinett eine Regierung des Parteifriedens sei und womöglich die breiteste nationale Konzentration darstelle, aus der auf der Rechten bloss die M o n a r ch i st e n, auf der Linken die K o m m u n i st e n, die anarchistischen Gewerkschaftler und der linke Flügel der Sozialisten ausgeschlossen wären. und gleichzeitig: reaktionäre Todesurteile Madrid. Das Kriegsgericht von Oviedo verurteilte den Chefredakteur des sozialdemokratischen Blattes„Avanze" wegen „Anstiftung zur Revolution in Asturien", begangen im Oktober 1934, zu d r e i tz i g I a h- ren Zuchthaus und zur Zahlung von 7 0 Millionen Peseten Schadenersatz. Aus einem„gesicherten" Regime Wien. Auf einem Bauplatz in Ottakring wurde ein geheimes sozialdemokratisches W a s« fenlager entdeckt. In Oelpapier sorgfältig verpackt, fand man zwei zerlegte Maschinengewehre, eine grosse Anzahl von Militärgewehren, automatische Pistolen und dazugehöriger Munition sowie einen Kurzwellensender, der durch wenige Handgriffe funktionsbereit gemacht werden kann. Einige bekannte Sozialdemokraten wurden verhaftet. Es wird behauptet, dass das Waffen« lager sofort nach dem Feberaufstand angelegt wurde. An Arbeit fehlte es nicht, aber Irma vertrat den Standpunkt, sie hätten reichlich Zeit, die Einrichtung zu vollenden. Sie ging vor die Türe, Ein frischer Luftzug kühlte ihr Gesicht, und das grelle Licht blendete ihre noch schlaftrunkenen Augen. Sie näherte sich dem Teich. Auf dem Wasser schwammen Blätter, zuweilen tauchte auch der Rücken eines Fisches auf. Sie bedauerte, dass sie nickt schwimmen konnte. Aber die ersten Versuche waren nicht ermutigend gewesen. Sie hatte Wasser geschluckt, sickald der feste Boden unter ihren Füssen entglitten war, und seitdem hatte fie es aufgegeben. Ja, sie fürchtete sich vor dem Wasser, und der Teich, auf den Julien so stolz war, bereitete ihr neuerdings Unbehagen. Ihre Freude war, auf den taufeuchten Wiesen zu gehen oder auf den Wegen, deren Kies unter ihren Sohlen knirschte. Sie trippelte mit ganz kleinen Schritten und machte den Mund auf, um die reine Morgenlust in vollen Zügen zu atmen. Sie liebte die Natur—- hatte sie nicht als Kind auf dem Lande gelebt?— und beobachtete mit brennender Neugier das Reifen der Frückte und das Wachsen des Gemüses. Zuweilen sah sie einer Schnecke zu, einem Insekt oder einem Maulwurf, und lächelte dabei über ihre eigene Angst. Durch eine kleine Pforte kam sie auf den Weg, der bis an die Seine führte. Vor ihr lagen weite Felder mit hochragenden grünen Stengeln— war eS Korn?— und im Rücken breitete sich das Dorf aus mit der etwas abseits stehenden Pappel, die das Wahrzeichen ihrer Besitzung war. Wenn sie den Eisenbahnviadukt hinter sich gelassen hatte, war sie bald am Fluh, dessen stillem Lauf sie folgte. Nicht lange. Denn die leise Bewegung der Wellen erregte in ihr ein Schwindelgefühl, und die Sonne begann zu brennen. Einmal nur war sie bis an das Wehr von Sermalze gekommen, vor dem die Schlepper gellende Pfeifsignale ertönen liessen. ^Fortsetzung folgt.)! 9h. 223 Dienstag, 24. September 1935 Seite 3 tfudetendeutsdm Zeifspie^d Verbindlichkeit des Kollektivvertragcs eingetreten sind. Nentwich oder May? Die Berichtigung unserer dokumentarischen Enthüllungen über den Sippenkampf Unter den nordböhmischen Henleinfüh- rern ist noch immer ausständig. Dafür liegt eine Bestätigung unserer Mitteilungen vor. Von der Hauptleitung der Sudetendeutschen Partei wird eine Erklärung des Inhalts veröffentlicht, daß in der Affäre Nentwich-May noch keine Entscheidung getroffen wurde. Der Tatbestand wird noch untersucht.— Bei dem Umfang der gegenseitigen Beschuldigungen Wird das ziemlich lange dauern und es dürfte noch einige Zeit unentschieden bleiben, ob Nentwich oder May die Partei verlassen muß, oder ob alle beide gegangen werden. „Was haben sie getan?“ »Sechs Jahre haben sie geredet, jetzt werden wir handeln."— Das waren so ungefähr die Schlagworte, mit denen Henleins Agenten den Kampf gegen den„Marxismus" führten. Nun sind die Henleins dutzendweise gewählt, aber auf ihre große„Handlung" müssen ihre Wähler immer noch warten, es sei denn, daß etwa Nentwichs Brief und die im Prozeß Henleins gegen die „Prager Presse" bekannt gewordenen Dokumente als die großen, den Tatwillen der Heimatfrontler erhärtenden Beweisdokumente gewertet werden sollend Indessen kommt aus Joachim stal eine Nachricht, unscheinbar zwar und von keiner besonderen politischen Bedeutung, für die aber, die es angeht, eine wirkliche, jeden einzelnen mit Freude und Beruhigung erfüllende Tat: Jahrelang grassierte unter den in den Radiumgruben in Joachimstal beschäftigten Arbeitern ein unheimlicher Dämon:„Die Bergkrankheit",„d e r R a d i u m t o d"; Worte, Namen, die Tragödien und Dramen umfassen, hinter denen sich Not und Sorge, Seelenschmerz und qualvolle Verzweiflung häuften. Viele, viele Bergleute, die das radiumhältige Erz aus den Tiefen der Erde holten, das kranken Menschen Heilung und Verlängerung des Lebens brachte, starben an den Folgen der zwar heilbringenden, aber auch gefährlichen Strahlungen dahin. In jungen Jahren waren sie dem Siechtum und dem Tode verfallen, i Augenkrebs und schwere Zerstörungen der Gewebe brachten sie frühzeitig ins Grab. Nun kommt aus Joachimstal ein« freudige Nachricht: Die Kommission, die vom Arbeiren- ministerium zur Untersuchung der Joachimstaler Bergarbeiter eingesetzt wurde, die vom Lungenkrebs bedroht sind, konnte feststellen, daß der Gesundheitszustand der Bergarbeiter im großen und ganzen zufriedenstellend ist. Die ernsten Befürchtungen vor dem Lungenkrebs sind nicht mehr berechtigt. Die Kommission hat vom Jahre 1932 an, als die Oeffentlichkeit durch die Nachricht über die furchtbare Gefahr, in der sich die Joachims- ialer Bergarbeiter befinden, alarmiert wurde, systematisch die Bergarbeiter untersucht. Alle Arbeiter der staatlichen Urangruben und der Radiumfabrik in Joachimstal mußten sich der roent- genologischen und laringologischen Untersuchung unterziehen. Bei vielen Arbeitern wurde ein« erhöhte Tätigkeit der Schilddrüse und einige damit verbundene Nebenerscheinungen konstatiert- Bei allen Untersuchten konnte kein Lungenkrebs, ja nicht einmal Anfangssymptome dieser Krankheit festgestellt werden. Bei 90 Prozent der Bergarbeiter wurde ein Katarrh der oberen Atmungsorgane konstatiert. Trotz der bisherigen negativen Ergebnisse werden weiterhin die Untersuchungen fortgesetzt, neue Schutzmaßnahmen werden eingeführt und es werden regelmäßig Messungen über die Radioaktivität der Luft in den Gruben und in der Fabrik vorgenommen. Noch im Jahre 1933 wurden bei der Sektion von vier verstorbenen Bergarbeitern geringe Anzeichen für Lungenkrebs festgestellt. An der Gesamtzahl der Bevölkerung des Staates gemessen, sind die Joachimstaler Berg- An unsere Leser und Kolporteure! Da anläßlich des Staatsfeiertages, am Samstag, dem 28. September, in de« Druckereien nicht gearbeitet wird, entfällt die Sonntagausgabe unseres Blattes. Die Verwaltung. arbeiter nur ein ganz geringer Bruchteil. Deswegen werden die Feststellungen und Maßnahmen des Arbeiten, Gesundheits- und Fürsorgeministeriums zwar die breite Oeffentlichkeit nicht allzustark berühren. Den Joachimstaler Bergarbeitern aber bedeuten sie unendlich viel. Die Feststellungen des Arbeitenministeriums aber genügen nicht. Es muß auch festgestellt werden, daß die Maßnahmen und Vorkehrungen zum Schutze des Lebens und der Gesundheit der Joachimstaler Bergarbeiter entsprungen ist der starken Initiative der Sozialdemokraten im Parlament und daß dieses Hilfs- und Schutzwerk s»einen eifrigsten Förderer fand in dem„M a r x i- sten" Dr. Ludwig Czech. . Es ist darüber nicht viel geredet worden. Es wurde eine Tat gesetzt, die nun ihre Wirkung zeigt, indessen die„Antimarxisten" immer noch „rede n". Anti-Teuerungskundgebung In Brünn Wie sich die Kommunisten die Einheitsfront vorstellen Montag fand in Brünn auf dem Krautmarkt eine von den Gewerkschaften einberufene große Teuerungs-Kundgebung statt, an der ungefähr 15.000 Personen teilnahmen. Die Manifestation wurde vom Vorsitzenden des Gewerkschaftsrates Genossen Svoboda eröffnet, es sprachen Genosse H u b a l e k und für die Nationalsozialisten K o d a r und die Abgeordnete P a t k o v a. Die Würde der Kundgebung wurde vou einer verhältnismäßig geringen Zahl von Kommunisten gestört, die durch unausgesetztes Pfeifen und Johlen ihre Anwesenheit bemerkbar machten. So stellen sich also die Kommunisten die Einheitsfront vor l Es erübrigt sich wohl zu betonen, daß die Einheit auf diese Weise wohl nicht zustande- kommen wird. Gewerkschaften und Kreditpolitik Wie uns von der gemeinsamen Gewerkschaftszentrale mitgeteilt wird, hat sich diese g e- g en jede Entwertung unserer Währung ausgesprochen, weil sie darin nicht das geeignete Mittel zur Belebung der Wirtschaft sieht. Sie verlangt gleichzeitig die Sicherstellung von langfristigem und billigem Kredit, insbescck-- dere auch die Herabsetzung des Zinsfußes, weiters gesetzliche Maßnahmen, welche es der Nationalbank ermöglichen würden, Hypothekarkredite teilweise zu lombardieren und damit Mittel bereit zu stellen. Die Einführung neuer Steuern wird abgelehnt und das Gleichgewicht im Staatshaushalt darf nicht durch Herabsetzung der Lebenshaltung und durch die Beschränkung prüduktiver Ausgaben erzielt werden. Ein Erfolg der Textilarbeiter Die Regierung hat den ostböhmischen Textil- arbeitcrkollektivvertraq für verbindlich erklärt. Die Folge davon ist, daß alle Textilbetriebe des ostböhmischen Gebietes— eine größere Anzahl deutscher Textilarbeiter kommt nur im Wildenschwerter Gebiet in Betracht— die in dem Vertrag vereinbarten Löhne zahlen müssen, auch jene, welche Kollektivverträge mit den Arbeitern nicht abgeschlossen haben. Damit hat di« Textilarbeiterschaft Ostböh, mens in einem lange andauernden Kampfe obsiegt. In dem Gebiet waren vereinzelt furchtbar niedrige Löhne, es soll sogar, wie das„Prävo Lidu" schreibt, vorgekommen sein, daß Arbeiter 30 KL wöchentlich verdient haben. Die Betriebe, welche solche Schundlöhne gezahlt haben, haben dann jene Unternehmungen, welche sich an den Kollektivver- trag gehalten haben, unterboten, so daß auch die anständigeren Unternehmer des Gebietes fiir die Zwei Ministerreden Finanzminister Trapl in Tabor, Verteidigungsminister Machnik in Blatni Der Sonntag brachte zwei Ministerreden, eine des Finanzministers Dr. Trapl, die dieser bei der Einweihung des neuen Gebäudes der staatlichen Finanzbehörden in Tabor, und eine andere, welche beim Wehrhaftigkeitstage in Blatna Verteidigungsminister M a ch n i k hielt. Finanzminister Trapl sagte u. ä. als Antwort auf eine Rede des Taborer Bürgermeisters: Ein großer Teil der Bürgerpflichten gegenüber dem Staate sei wirtschaftlichen und finanziellen Charakters. Die Pflichten wachsen proportional mit den Aufgaben des Staates. Wir müssen uns, sagte der Minister, vergegenwärtigen, daß die Pflicht des Bürgers, zu den Bedürfnissen des Staates beizutragen, kein Geschenk ist, weil der Staat diese materiellen Opfer des Bürgers in anderer Form in bollem Maße zurückerstattet. Der Bürger stellt dem Staat zur Dell kung seiner Ausgaben das zurück, was der Staat bereits jedem Bürger gewährt hat. Der Minister verwies im allgemeinen nur auf die Fürsorge deS Staates für das Schulwesen, für die rechtliche und persönliche Sicherheit... Der Minister stimmt mit dem Wunsche des Bürgermeisters von Tabor boll überein, daß wir uns zu den englischen Verhältnissen emporarbeiten, wo sich die Bevölkerung zur Erfüllung ihrer Pflicht drängte, als der Staat rief, und wo es jeder Bürger für unehrenhaft ansehen würde, der Erfüllung seiner Pflicht gegenüber dem Staate nicht nur in außerordentliche^ Zeiten, sondern auch bei der üblichen regelmäßigen Erfüllung der"Bürgerpflichten ausziiweichen Minister für Nationalverteidigung M ach- n i k hielt anläßlich des Wehrtages in Blatna daselbst eine längere Rede, in der er einleitend auf den Ernst der Zeit verwies und über die Verteidigung des Staates folgendes sagte: Wir haben unsere Armee durch den zweijährigen Militärdienst die Möglichkeit zur Ausbildung gegeben, die Armee hat heut« auch eine feste moralische sittlich« Grundlage, wir müssen aber im Hinblick auf technische Ausrüstung noch vieles einholen. Ich bin überzeugt, daß dies im neuen Budget berücksichtigt werden wird. Wenn wir an vielem sparen, der Armee müssen wir alles geben, dessen sie bedarf. Nach der Ansprache des Ministers folgte eine Defilierung und die Enthüllung einer Gedenktafel für gefallene Legionäre. 5000 Millionen Krotten Steuerrückstände In den letzten Jahren sind die Steuerrück- stände fortgesetzt gestiegen und erreichten im Jahre 1933 die Höhe von 4866 Millionen Kronen. Aus I dem Staatsrechnungsabschluß für das Jahr 1934 geht hervor, daß im vergangenen Jahre eine leichte Verminderung eingetreten ist. Es werden noch 4845 Millionen Kronen, also 21 Millionen Krü- ,nen weniger, Steuerrückstände ausgewiesen. Da- Sudetendeutt ehe Geschichte Solange die Deutschen Böhmens und Mährens ein Teil des österreichischen Deutschtums waren, ging ihre Geschichte entweder in den einzelnen Landesgeschichten oder in der Geschichte Oesterreichs auf. Erst seit 1918, da die Sudetendeutschen ein besonderes politisches Schicksal erfuhren, ist auch das Interesse für eine gesonderte Behandlung der Geschichte der Sudctendeutschen erwacht. Der Prager Universitätsprofeffor Josef P f i tz n e r, der durch seine ideenvolle Behandlung des geschichtlichen Stoffes und durch sein Buch über die politische Geschite der Sudetendeutschen im Vormärz die Aufmerksamkeit schon früher auf sich gezogen hat, will, wie er im Vorwort seiner neuesten Schrift sagt, nichts weniger als„ein neues Bild sudetendSutscher Geschichte zur Anschauung bringen"*), wobei er von der löblichen und begrüßenswerten Absicht ausgeht,„dem *) Josef Pfitzner: Sudetendeutsche Geschichte. Reichcnberg, Sudetendeutscher Verlag Franz Kraus. Radikalismus der nationalen Versöhnung und des nationalen Ausgleichs zu dienen." Ist Pfitzner diese Absicht gelungen? Pfitzner hat sich für ein Büchlein von nicht mehr als etlva 60 Seiten zu viel vorgenommen i Nicht geleugnet soll werden, daß er bestrebt ist, die sudetendeutsche Geschichte zu deuten, wobei er sich auf die ähnliche Aufgabe beruft, die sich für die tschechoslowakische Geschichte Palacky, Masaryk und Pctak gesetzt haben. Die Frage, ob PfitznerS Deutung der sudetendeutsen Geschichte befriedigt, möchte ich damit beantworten, daß Pfitzners Arbeit e i n A n f a n g ist. Die wesentlichen Tatsachen der sudetendeutschen Geschichte waren nach Pfitzner, daß die Sudetendeutschen und ihre Kultur unlöslich mit dem Gesamtdeutschtum verbunden, daß sie in Stämme zerspalten, daß sie Nachbarn der Tschechen sind und daß sie niemals einen selbständigen Staat gebildet haben. Die Folgerungen, die der Autor daraus zieht, sind die, daß zwischen Nachbarn„Mein und Dein eindeutig geschieden sein" müsse und daß die Sudetendeutschen eine kulturvermittelnde Rolle spielen müssen. Auf Grund dieser Auffassung gibt nun Pfitzner eine kurze Uebersicht über die sudetendeutsche Geschichte, die einige interessante Gedanken enthält, aber viel zu kurz ist, um ein wirklich tieferes Eindringen in die Geschichte jener deutschen Stämme möglich zu machen, ivelche in den Sudetenländern siedesn. Wir werden also auf spätere Arbeiten Pfitzners warten müssen, damit jene Aufgabe erfüllt werde, welche sich Pfitzner gestellt hat. Dem Verfasser lväre nur noch zu sagen, daß seine Arbeit— es sind dies nur wenigen Stellen — am schwächsten dort ist, wo er sich auf das politische Gebiet begibt oder überhaupt Tatsachen erörtert, die mit den gegenwärtigen politisch-soziale», Problemen irgendwie zusammenhängen. So wendet er den großen sozialen Problemen, die das Sudetendeutschtum seit dem 19. Jahrhundert bewegen, zu wenig Aufmerksamkeit zu, und über die politischen Gegenwartsprobleme, soweit sie der Verfasser anschneidet, sei lieber nicht viel geredet. Es wäre zu wünschen, daß der geistvolle Historiker, den wir an Pfitzner hoffentlich gewonnen haben, nicht im sudctendeutschen Provinzialismus der Lehmann und Gierach untergehe, sondern da» j Schicksal der Sudetendeutschen im Zusammenhang mit den großen Entwicklungskräften der Geschichw betrachte. E. St. von entfallen 2194 Millionen auf direkte Steuern, 1724 Millionen auf die Umsatzsteuer, 145 Millionen auf die Verbrauchssteuer und 783 Millionen auf die Gebühren. 1714 Millionen Kronen betragen die Rückstände bei den Selbst- vcrwaltungszuschlägen. Die Steuerrückstände erreichen demnach damit noch immer fast den Betrag von 5000 Millionen Kronen. Der kleine Rückgang kann in keiner Weise befriedigen, um so weniger, wenn man bedenkt, daß das Jahr 1934 für eine nicht geringe Zahl von industriellen und gewerblichen Unternehmungen eine erhebliche Besserung gebracht hat. Aus den Jahresabschlüssen zahlreicher Unternehmungen ging hervor, daß sie 1934 einen bedeutend größeren Gewinn erzielt haben als im Jahre vorher, daß größere Abschreibungen gemacht und zum Teil auch höhere Dividenden zur Ausschüttung gebracht wordtn sind. Es hätte demnach, wenn die in Betracht stimmenden Kreise ihre Steuerpflicht gewissenhafter nehmen würden, eine viel größere Verminderung der Steuerrückstände eintreten müssen. Der hohe Betrag, der bei der Umsatzsteuer rück'tändig ist, zeigt, daß ein Teil der Getverbe-, Handels- und Jndustrieunterneh- mer dem Staate Gelder vorenthält, die sie von den Konsumenten für den Staat eingehoben haben. Es muß überhaupt einmal offen herausgesagt werden, daß diese Steuerrestantep zum größten Teil jenen Kreisen angehören, die immer über angeblich hohe Steuern klagen, die sie, wie sich herausstellt, tatsächlich nur zu einem geringen Teil tragen. Man stelle sich einmal vor, daß der Staat die fünf Milliarden Krone« Steurer-ckstände zur Verfügung hätte und sie für Arbeitsbeschaffrmgs- zwecke investieren könnt«. Wieviel Arbeitslosen könnte da Arbeit gegeben und wieviel Rot könnte da mit einem Schlage gelindert werde«! polnisch-Tschechoslowakisches Der Sonntag brachte auch verschiedene Ereignisse an der tschechoslowakisch-polnischen Grenze Es war der Jahrestag, an welchem polnische Flieger bei Teschen verunglückt sind, aus welchem Anlaß in der Pfarrkirche in Oberterlitz ein polnischer Kaplan eine Seelenmesse las und Funktionäre des tschechoslowakischen Aeroklubs von der Kapelle, die zum Gedenken an die beiden Flieger errichtet wurde, Kränze niederlegten. Eine polnische Deputation in der Zahl von 35 Personen begab sich an die seinerzeitige Unglücksstelle, wo der polnische Konsul in Mähr.-Ostrau Dr. Klotz einen Kranz niederlegte. Der Konsul hielt dann vor dieser geschlossenen Gesellschaft«ine scharf gegen die Ische« choslowakischen Behörden und deren Maßnahmen gerichtete Kundgebung. Unterdessen wurde in Polnisch-Teschen eine antitschechische Manifestation abgehalten, bei- welcher der Sekretär der Katto« witzer Wojwodschaft Rzyman eine Rede hielt Ein Umzug von etwa 1000 Personen begab sich dann zum Denkmal der gefallenen Legionäre, das sich gegenüber der Reichsbrücke befindet, wo das Lied„Rota" gesungen wurde. Zu der Manifestation in Polnisch-Teschen hatte sich auch der polnische Konsul aus Mähr.-Ostrau Dr. Klotz eingefunden, der von den Versammelten mit großem Jubel empfangen würde. Auf tschechoslowakischer Seite fand in J a b- l u n k a u anläßlich der Enthüllung eines Denkmals für den Präsidenten Masaryk eineFeier statt, wobei Abgeordneter U h l i t sprach. Er sagte, daß im Teschener Gebiete niemals eine ansere Fahne wehen werde als die tschechoslowakische uns daß eher die dortigen Berge in Staub zerfallen werden, bevor dieses Gebiet der Tschechoslowakischen Republik entrissen werden wird. Volksfrontaktlonen In Frankreich bei Wahrung des getrennten Parteiprogramms Paris. Die sozialistische und die kommuni st ische Partei veröffentlichten gestern in ihren Blättern die Grundsätze des gemeinsamen Vorgehens, zu dem sie sich entschlossen haben. Es sind dies einerseits gemeinsame soziale Grundsätze gegendie Regierungsdekrete, gegen die A r- beitsll^'igkeit, die Krise und den Kapitalismus. Auf politischem Gebiete fordern sie die A b r ü st u n g, das Verbot der privaten Waffenerzeugung und des Waffenhandels, Entwaffnung und Auflösung derfaseistischen Organisatio- n e n und ähnliches. Leon Blum erklärt im sozialistischen„Populaire", daß beide Parteien ihre eigenen politischen. und getverkschaftlichen Programme weiter aufrechterhalten, daß sie sich aber zwecks eines erfolgreichen Kampfes gegen die Regierung einander nähern. Beide Parteien bleiben auch den Grundsätzen der sogenannten Volksfront treu. vle Fasdsten provozieren Paris. Die fascistischen Feuerkreuz-Oraani- sationen veranstalteten Sonntag 15 große Volksversammlungen in allen Teilen Frankreichs. Die größte Versammlung fand auf dem ehemaligen Schlachtfeld an der Marne statt. Glelßner packelt— Starhembers läßt verhaften Wien. Im 16. Wiener Gemeindebezirk wurde eine Propagandakanzlei der verbotenen Nationalsozialistischen Partei ausgehoben. Sechs Personen wurden verhaftet. Seite 4 DienStag, 24. September 1934 «r. 223 GGrapnell-Explosion im MannfGaflSzimmer Vier Goldaten toi, zwei schwer verletzt Pro g.(Tsch. P. B.) Am Sonntag, dem 22. September, um 12 Uhr brachte in die Ubikation der Arbeitsabteilung 3 in Obecnice bei P r i b r a m der Soldat Adolf Pesek des Art.-Reg. 105 das Kopfstück eines 10 Zentimeter-G-Schrapnells, mit welchem er manipulierte, wobei es um 12 Uhr 10 Minuten explodierte. Die Explosion entstand im Mannschaftszimmer, wo einige Soldaten anwesend waren, von denen vier tödlich und zwei schwer verletzt wurden. Bon den vier tödlich Verletzten starben der Soldat Pr 4 ek Adolf vom Artillerie- Regiment Nr. 105, der Soldat Oswald 3 e i d l e r vom Artillerieregiment 102, der Soldat Alfred Kellermann vom Artillerieregiment 105 an Ort und Stelle, der Soldat Alois Spiegel der Artillerieabteilung 252 nach Ueberführung in das Krankenhaus in Pklbram, wohin auch die beiden Schwerverletzten, und zwar der Soldat Johann R ö h l i n g der Artillerieabteilung 252, und der Soldat Bäclav B r o n e c des Genierrgiments 5 gebracht wurden. Alle Soldaten waren nach ihrer Zuteilung zur Arveitsabteilung über das strenge Berbot belehrt worden, Geschosse auf der Schießstätte zu berühren oder gar aufznlesen. Der Borfall wird untersucht. Jüdischer Protest gegen die Judenverfolgung Der Oberste Rat der jüdischen Kultusgemein- den-Verbände in Böhmen, Mähren und Schlesien beschloß gegen die brutale Bedrückung der Judcn- heit in Deutschland eine Protestkundgebung, an deren Schlüsse es heißt:„Im Namen der Menschlichkeit rufen wir alle Regierungen und zivilisierten Völker und, als tschechoslowakische Staatsbürger, besonders die tschechoslolvakische Regierung und das tschechoslowakische Volk an, den Opfern der deutschen Regierung, insbesondere im Rahmen des Völkerbundes, die rettende Hand zu reichen." Ungarische Hpionagezentrale ausgehoben Kascha«. Die hiesige Polizeidirektion verfolgte bereits längere Zeit die Tätigkeit einer großen Schmugglerbande in der nahe der ungarischen Grenzstation Hidasnemeti gelegenen Gemeinde P e r e n a. Da gleichzeitig auch festgestellt wurde, daß die Schmuggler auch Spionage zugunsten Unga rn s^betrie- ben, nahm die Kaschauer Polizei Hausdurchsuchungen in Perena und Gombos Puszta vor und verhaftete 20 Personen. Ertrunken Riega. Im Daugava-Kanal sank bei Gauja infolge Anpralls gegen einen Brückenpfahl ein Motorboot, das mit Ansflüglern des Verbandes ehemaliger Frontkämpfer heimkchrte, wobei zehn bis zwölf Personen ertranken. Tod durch Pilze Paris. In Valence mußten 16 Gäste zweier Restaurants nach dem Genüsse von Pilzen mit schweren Vergiftungscrscheinungcn in ein Krankenhaus eingeliefert werden. Drei von ihnen sind bereits kurz nach ihrer Einlieferung gestorben. Bei neun anderen besteht Lebensgefahr. Der schuldige Verkäufer,, ein landwirtschaftlicher Arbeiter, ist verhaftet worden, der die Pilze selbst gesucht und sie dann zu einem sehr niedrigen Preis verkauft hatte. Die Käuferin hat ihre Un» Vorsichtigkeit mit dem Leben bezahlen müssen. Täglich Bluttaten in Belfast London. Wie aus Belfast gemeldet wird, sind die politisch-religiösen Zwistigkeiten während des Wochen-Endes erneut aufgeflackcrt. Nachdem am Freitag ein P r o t e st a n t in Greencastle aus dem Hinterhalt erschossen worden war, ist nunmehr in der Nacht zum Sonntag ein K a t h o- lik ermordet worden. Auch in einem anderen Teile Belfasts wurden. in der Nacht zum Sonntag Schüsse durch die Fenster cmcs Hauses abgcfcuert, die jedoch niemanden verletzten. Sieben Skelette London. Blättermeldungen aus Siidwest- Afrika zufolge wurde ander Küste, etwa 650 Kilometer nördlich von Swakopmund im Wüstensand von einer Expedition das Skelett eines Mannes gesunden. Etwa 12 Kilometer weiter lagen sechs weitere Skelette neben dem Rest eines Rettungsbootes. Es soll sich um Mitglieder der Besatzung des dänischen Segelschiffes„Kobenhaven" handeln, das mit 60 Mann im südlichen Teil des Atlantischen Ozeans verschollen ist. Man nimmt an, daß die sieben Mann an Bord des Rettungsbootes die Küste erreichten und daß einer von ihnen sich auf die Suche nach Wasser machte. Die nächste Wasserstelle aber befindet sich 80 Kilometer von dem Fundort. Die gefundenen Schädel sind nordisch. Fetzen blauer Kleidung zeigen, daß die Träger Seeleute waren unb das Gerippe des Rettungsbootes soll skandinavischer Bauart sein. Die gleiche Expedition fand bei dem Ugab- Fluß Sättel, Geräte und Tagebücher des deutschen Seeoffiziers Picardi, der im Jahre 1910 in der hüdwcstafrikanischen Wüste ums Leben lam. Mahnhans auf dem Monte Grappa. Am vergangenen Sonntag wurde auf dem Monte Grappa, auf dem im" Weltkrieg der Tod zehntausendfach Ernte hielt, ein gewaltiges Beinhaus eingeweiht, das in fünf Terrassen den ganzen Bergesgipfel einnimmt und 15.000 Gefallene birgt. Nicht genug damit: an das Beinhaus schließt sich ein Heldenfriedhof an, in dem mehr als zehntausend Gefallene der österreichisch-un- garischen Armee ruhen. Nichts zu sagen dagegen, daß man also die Weltkriegstoten von Freund und Feind ehrt. Aber da diese Hcldenehrung, die doch zugleich auch ein Memento gegen allen Krieg sein müßte, in jenem Italien erfolgt, vor dessen Kriegslüsternheit jetzt die ganze Welt zittert, darf man wohl auch fürchten, daß dieses ungeheuerliche Heldenmal nicht so sehr deshalb getürmt wurde, um die Lebenden mit Schrecken vor dem Krieg zu erfüllen, sondern eben, um den Heldengedanken zu pflegen und den Lebenden, die vielleicht binnen kurzem geopfert werden, wenigstens den Ruhm nach dem Tode in Aus- sicht zu stellen. Und das mit der Aussicht ist ja leider, in doppelter Hinsicht, fast wörtlich zu nehmen. Bon dem grauenhaft-riesigen Beinhaus auf dem Monte Grappa leuchtet eine gewaltige kupferne Kuppel mit einem sechs Meter hohen Stahlkreuz in italienisches Land. Entsetzlicher Gedanke, daß auch dieses Kreuz nicht als Sinn- bild des Friedens, sondern als Segen der Kirche für die Waffen der Gegenwart und der Zukunst aufgefaßt werden kann. Wenn man hört, daß mehr als zehntausend italienische Inväliden und Verstümmelte des Weltkriegs-sich freiwillig für die Abessinien-Armee zur Verfügung gestellt haben, dann muß man fürchten, daß auch das beispiellose Beinhaus auf dem Monte Grappa eher als beispielgebend denn als abschreckend hingenommen werden könnte. Und.das wäre die fürchterlichste Erkenntnis, die man seit dem Ende des Weltkrieges zu buchen gezwungen wäre. Di« tschechoslowakische MUitärdelegatio«, die den Manöver« des Kiewer Militärkreises beiwohnte, ist Montag in Moskau angckommen. Sie wurde am Bahnhof u. a. vom Stabschef der Roten Armee Jegorow und Mitgliedern der tschechoslowakischen Mission begrüßt. Der Bahnhof war mit tschechoslowakischen und sowjetrusstschen Fahnen geschmückt und der tschechoslowakischen Delegation wurden von einer Ehrenkompanie die militärischen Ehren erwiesen. Eisenbahnunfall. Montag um 6 Uhr 40 früh entgleisten beim Verschieben auf dem Brünner Bahnhof einige Personenwagen, die beschädigt wurden. Bei dem Unfall wurde der Eisenbahnangestellte Karl N e d r i v a aus Rossitz im Gesicht leicht verletzt. Er wurde in die Landeskrankenanstalt gebracht. Einige Morgenzüge erlitten Verspätungen. Die Ursache des Unfalles wird von der Brünner Staatsbahndirektion untersucht. Ein Einbrecher hat Pech^ In einem Hause in der Sperl-Gass» in Reichenberg wurde gestern ein E i n b r e ch e r, der auf rätselhafte Weise in das Haus gelangt war, von den Hausbewohnern überrascht, gefesselt und der Polizei übergeb e n. Es handelt sich um den mehrmals vorbestraften und von der Polizei eifrig gesuchten 30jährigen Einbrecher.Alois V o- k a s i l aus Zwickau i. B. Strolche. Aus Berlin wird gemeldet: Das neue Flaggengesetz ist in der vergangenen Woche allen SA-Stürmen bekanntgemacht worden. Hiebei betonte einer der Sturmführer, daß es selbst in der SA noch„Strolche-" gegeben habe, die die alte schwarz-weiß-rote Flagge gezeigt hatten. Künftig solle sich niemand unterstehen, den„Lappen" noch zu zeigen. Etwa noch vorhandene schwarz-weiß-rote Fahnen seien sofort zu vernichten. Die Kämpfe in Frankreich. In Blois fand eine Manifcstationssitzung- der sogenannten Bauernfront statt. Ms sich die Manifestanten zerstreuten, kam es zu. Zusammenstößen mit den Kommunisten. Etwa 20 Personen wurden verletzt. Die Gendarmerie hat die Ordnung wieder hergestcllt. Erschworte Ehescheidunq in USSR. Der Rat der Volkskommisiäre hat beschlossen, die Bestimmung aufzuheben, der zufolge die Scheidung einer Ehe über Ersuchen e i n e s der Ehepartner durchgeführt werden kann. Künftighin wird die Zustimmung beider Ehegatten notwendig sein. Im Falle der Uneinigkeit zwischen den Ehegatten entscheidet das Gericht. New Dorkor Weltausstellung 1939. In New Dork ist ein Organisations-Komitee mit der Aufgabe gebildet worden, anläßlich des 15 0. Jubiläums der Regierung und der Vereidigung Washingtons in New Dorf im-Jahre 1939-4-0- eine Weltausstellung zu veranstalten. Präsident Roosevelt sowie der Bürgermeister von New Dork solle« hiezu bereits ihre.Zustimmung gegeben haben. Ms Mcsstellungsgeländc sei ein Grundstück in der Vorstadt Oueens vorgesehen. Durch eine neue U-Dahnlinie soll das Ausstellungsgelände mit dem bestehenden Verkehrsnetz verbunden werden. Las ter ArbcMcr-Tnrn- und Sportbewegung Stomotau tüftel m Mestnltft 193t Der Atus hielt am Samstag und Sonntag in Komotau eine erweiterte Sitzung des Bundesvorstandes ab, in der endgültig beschlossen wurde, das im nächsten Jahre fällige Bundesfest in Komotau abzu- am 4., 5. und 6. Juni 1936 stattfinden. Aus diesem Anlaß hatte die Parteibezirksleitung für Samstag ins Volkshaus in Komotau eine P l e n a r k o n f e r e n z- aller sozialdemokratischen Vertrauensmänner einberufen, die ausgezeichnet besucht war und vom Genossen U l l m a n n, Aussig, einige wichtige, das Fest betreffende Informationen entgegen« Nahm. Bezirksvertrauensmann Genosse Reichl erklärte, daß die Arbeiterschaft des Kömotauer Bezirkes den Beschluß des Bundesvorstandes außerordentlich begrüßt und mit ganzer Kraft dazu beitragen wird, das Atus-Bundesturnfest 1936 zu einer überaus wuchtigen Manifestation des klassenkämpferischen Proletariats zu gestalten. Das Bundesturnfest in Komata« wird alle bisherigen Veranstaltungen dieser Art weitaus übertreffen. Glück im Unglück. Aus Dien wird gemeldet: Minister V. I. N a j m a n erlitt Sonntag b:i Neunkirchen einen Automobilunfall. Er unternahm in seinem Privatauto mit dem Abgeordneten Alois Benes einen Ausflug auf den Großglockner. Als sein Chauffeur einem anderen Wagen vorfahren wollte, mutzte er einem Motorradfahrer scharf ausweichen, der Wagen stürzte in den Straßengraben, überschlug sich ztveimal und wurde beschädigt. Minister I. V. Najman und Abgeordneter Benes kamen bei dem Unfall ohne Verletzung davon und trafen abends in Wien ein, wohin auch ihr beschädigter Wagen gebracht wurde, um repariert zu werden. Offizierskorps in der Roten Armee. Durch eine Verordnung des Zentralexekutivaus- schuffes und des Rates der Volkskommissare wurde die Einführung militärischer Titel in der Roten Armee verkündet. In der Motivierung der Verordnung wird erklärt,.daß die„Kadres ein wertvolles Kapitel darstcllen". Durch diese Verordnung werde ein w i r k l i ch e s Offizierskorps errichtet und die Bedeutung der Armee betont. Den Offizieren verbleibt der Titel auch nach dem Verlassen der Armee. Flugverbindung Tschcchoftowakei—Dubrovnik. Der tschechoslowakische Probeflug von Susak nach Dubrovnik als Vorbereitung der Eröffnung einer regelmäßigen Flugverbindung von der Tschechoslowakei nach Dubrovnik im kommenden Jahre wurde mit Erfolg abgeschlossen. Das Flugzeug würde in P r a g um 7 Uhr früh starten, um Mittag in S u s a k, mm etwa 15 Uhr in S p l i't und um 16 bis 17 Uhr in Dubrobnik sein. Im Wahnsinn das eigene Kind enthauptet. In dem Dorfe Nagyigmandin der Nähe von Gyär ereignete sich eine entsetzliche Bluttat. Eine junge Landwirtsfrau zog singend und tanzend durch die Straße des Dorfes. In der Hand hielt sie den abgeschnittenen blutigen Kopf ihres eigenen Kindes. Nur mit Mühe gelang es den Dorfbewohnern, die Frau zu überwältigen und ihr den Kopf zu entreißen. Die Untersuchung stellte fest, daß die Frau, die vor einigen Jahren von einer Irrenanstalt als geheilt entlassen worden war, plötzlich wieder irrsinnig geworden ist.■ In diesem Zustand hat sie ihrem Kind mit einem Rasiermesser den Kopf abgeschnitten. Sie wurde wieder in die Irrenanstalt überführt. Eine Sprache feiert Geburtstag. Am 26. September wird in der ganzen Türkei der Feiertag der Reform hertürkischen Sprache festlich begangen werden, aus der alle arabischen und persischen Bestandteile entfernt wurden und die durch eine Reihe von Ausdrücken turkmenischen Ursprungs eine Ergänzung erfahren hat. Bei dieser Gelegenheit werden im Rundfunk Vorträge und Rezitationen in dieser neuen türkischen Schriftsprache gesendet werden. Schuschnigg pumpt schon wieder.. Der „Oesterreichischen Zeitung am Abend" zufolge werden in der nächsten Woche im österreichischen Finanzministerium Verhandlungen mit den Vertretern der österreichischen Geldinstftute über eine Anleihe von drei Millionen Schilling für Kärnten ausgenommen werden. Es ist nicht ausgeschlossen, daß ein Teil der Anleihe ins Ausland vergeben werden wird. Vom Rundfunk tMH*hl«niw«rtM aus Wen Progruurail Mittwoch Prag, Sender L.: 10.05: Deutsche Presse, 11: Schallplatte«. 12.30: Blasorchesterkonzert. 13.40: Deutscher Arbeitsmarkt. 17.55: Schallplatte«: Beethoven. 18.35: Deutsche Arbeitersendung: Karl K e r n: Hans Kudlich. der Demokrat. 18.55: Sozialinformationen. 19: Deutsche Presse: 21.25: Orchesterkonzert. 22.30: Tanznrufik.— Sender S.: 7.30: Salonorchester. 14: Unterhaltungsmusik. Mährisch Ostrau: 16.30: Orchesterkonzert. 18: Leichte Musik.— Preßburg: 18.35: Klavierkonzert.— Kascha«: 15: Orchesterlonzert. Deutsche Militärflieger-Katastrophe Sieben Tote in Bayern Paris. lHavas.) Die Pariser Ausgabe des „New Dork Harald" meldet aus München: Erst Sonntag kam es zutage, daß am Donnerstag abends unweit von Bergen in den bäurischen Alpen ein deutsches Militärflugzeug abgestürzt ist. Augenzeugen erklären, daß das Flugzeug, ehe es ««« Flugzeug-Unglück bei Proßnitz Proßnitz. Das Flugzeug der Masarykflug- liga der Type„S 239" befand sich Sonntag auf dem Fluge von Zlin nach Pardubitz und wurde von Fluglehrer H a v l i c e k gelenkt. Es war weiter mit dem Pilot-Konstrukteur S t a r o b a bemannt. Knapp vor der Landung in Proßnitz stieß das Flugzeug mit einem Flügel gegen einen Mast, den der Pilot wahrscheinlich übersehen hatte. Beim Aufprall des Flugzeuges auf den Boden wurde der Pilot aus dem Flugzeug geschleudert und blieb bewußtlos liegen. Staroba wurde in die Konstruktion des Flugzeuges eingekeilt, konnte sich aber ohne fremde Hilfe befreien. Beide Flieger wurden von einem Sanitätsauto in das Allgemeine Krankenhaus in Proßnitz überführt. Der Pilot Havliäek erlitt neben einer Quetschung des Beines eine leichte Gehirnerschütterung. Seine Verletzung ist verhältnismäßig leichteren Grades, so daß er in einigen Tagen wird in häusliche Pflege entlassen werden können. Der Konstrukteur Stgroba erlitt Rißwunden am Kopf sowie Quetschungen der Knöchel und Schenkelgelenkr. Die Aerzte hoffen jedoch, daß auch er das Krankenhaus bald wird verlassen können.. Todessturz eines Amateurfliegers in Komotau Komotau. Der hier wohnhafte Techniker Fritz Remtifch hatte einen Eindecker konstruiert, mit welchem er sich am Komotauer Flugtag beteiligen wollte, wozu ihm jedoch seitens der Behörden die Bewilligung nicht erteilt wurde. Trotz dem Verbote bereitete Remtisch mit seinem Freunde, den Boden berührte, in Flammen aufging. Sechs deutsche Offiziere und der Pilot kamen hiebei ums Leben. Mle sieden verkohlten Leichen wurden am Freitag in die Militärfliegerschule von Schlcßheim gebracht. Das Flugzeug kehrte offenbar von den Manöver« zurück. dem Techniker Franz Weiß, für Montag einen Probeflug vor. Weiß, der eine Fliegerschule absolviert hat, jedoch kein Fliegerzertifikat besitzt, startete mit dem Eindecker Montag vormittags um halb 11 Uhr auf einem Felde in der Nähe des sonntägigen Flugplatzes. Der Aufstieg ging glatt vonstatten und der Motor funktionierte gut. Weiß erreichte eine ziemliche Höbe und flog einige Runden ohne Zwischenfall. Plötzlich begann aber der Apparat zu schwanken, weshalb Weiß zu landen versuchte. Während des Niedergehens brach der eine Flügel des Flugzeuges ab und der Appamt stürzte auf einer Wiese bei Trauschkowitz zu Boden, wobei er zertrümmert wurde. Herbeigeeilte Leute konnten den Flieger Weiß nur no