I i Mittwoch, 25. September 1935 15. Jahrgang Einzelpreis 70 Hin« (otesehlieBlteh S Heiter Porto) 1EHTRALORGAN DER DEUTSCHEN SOZIALDEMOKRATISCHEN ARBEITERPARTEI IN DER TSCHECHOSLOWAKISCHEN REPUBLIK' ERSCHEINT MIT AUSNAHME DES MONTAG TÄGLICH FRÜH. Redaktion und Verwaltung frag xii., fochova«r. telefon snn. HERAUSGEBER! SIEGFRIED TAUB. CHEFREDAKTEUR! WILHELM NIESSNER. VERANTWORTLICHER REDAKTEUR! DR. EMIL STRAUSS, PRAG. Morgen[Meldung in Genf Letzter Kompromlßversndi' Wenig Hoffnung/ Regenzeit In Abessinien vorbei Genf. Der Fünferausschuß beendete Dienstags den Bericht, den er dem Bölkerbundrat unterbreiten soll. Der Bölkerbundrat ha» sich bis Donnerstag vertagt. Der Ausschuß konnte auf gewisse Ereignisse der letzten Tage keine Rücksicht nehmen und an seinem Bericht im ganzennichtS ändern. Die gnnze Verantwortung für da- weitere Vorgehen bei der Regelung des italienisch-abessinische« Konflikts fällt somit auf da» Bölkerbund- rat, der entscheiden muß» ob das Mandat des Fünferausschusses mit einer neuen Verhandlungsbasis erneuert werden soll, oder ob bereits zur Anwendung derArtikel des Völkerbund Paktes geschritten werden müsse. Heute werden noch die Bertreter Englands, Frankreichs und Italiens zusammentreten, um den letzten Versuch eines gemeinsame« Kompromisses zu machen. Die Hoffnung auf die Erzielung eines solchen Kompromisses ist jedoch schon sehr schwach. Ministerrat In Born; „Italien kann nicht anders** Rom. Der dienstägige italienische Ministerrat, von dem mal» wichtige Entscheidungen Erwartet hatte, hat sich auf Samstag vertagt. Mussolini erstattete einen kurzen Bericht über die Entwicklung der politischen Lage von Samstag bis heute, wobei er feststellte, dass Italien in Genf keine Gegenvorschläge * unterbreitet hat. Alles, was seit Samstag vor sich gegangen sei, sei ein Beweis dafür, daß die Haltung der italienischen Regierung nicht anders sein konnte. ... und In London: Für den Fall des Krieses in Europa London. Das englische Kabinett trat Dienstag vormittags um elf Uhr zum ersten Male seit der am 22. August abgehaltenen Sondersitzung wieder zusammen. Hauptgegenstand der Besprechungen war der italienisch-abessinische Konflikt. Die Politik, die bei dieser Gelegenheit von Großbritannien vertreten wurde, wurde von dem Kabinett in voller Gänze genehmigt. Ferner wurde der Text der britischen Antwort an Frankreich betreffend die britische Stellungnahme im Falle eines Angriffes in Europa geprüft. Die Antwort soll im geeigneten Augenblick an die französische Regierung abgeschickt und Ende der Woche veröffentlicht werden. Allgemeine Mobilisierung Addis Abeba. Die Regenzeit ist zu Ende. Schon seit zwei Tagen ist kein Regen mehr gefallen. Der Kaiser von Abessinien hat Dienstag den Befehl zur allgemeinen Mobilisierung unterschrieben. Dieser Befehl wird aber wahrscheinlich erst am Feiertage Maskala, der am Ende der Regenzeit begangen wird, oder aber ehesten- nach diesem Feiertage kundgemacht werden. Und was ist mit Hitler? Paris. Der Berichterstatter des Wehraus- fchusses der Kammer, der radikale Deputierte A r ch i m t> a u d, hielt eine Rede, in der er befürwortete, daß die in Genf versammelten Delegationen sich dagegen aussprächen, daß Italien den Völkerbundpakt verletze. Gleichzeitig stellt aber Archimbaud die Frage, warum die gleichen Staaten, D e u t s ch l a n d die gewaltsame Verletzung des Versailler Vertrages gestatten.„Wir wisse», daß die deutsche Armee bald ebenso stark sein wird. wie die französische Armee, daß das deutsche Kriegsmaterial täglich vervollkommnet wird und daß das R h e i n g e• biet keine entmilrt avisierte Z o n e mehr ist L«r Völkerbund weiß dies und schweigt, England weiß dies und wir erwarten ständig eine große Rede Sir Samuel Hoares über diese Angelegenheiten." Italien droht dem Völkerbund Genf.(Havas.) Einige Delegierte erwägen heute abends mit dem Vorsitzenden des Völkerbundes Dr. Benes die verschiedenen Prozeduren, unter denen der Bölkerbundrat am Donnerstag zu wählen haben wird. Im italienischen Kommu- niquee wurde nicht verhehlt, daß Italien seine Konsequenzen ziehen werde, wenn gewisse Artikel des Völkerbundpaktes angewendet werden würden. Man sieht darin die Drohung, daß Italien den Völkerbund verlassen wird, wenn der Völkerbundrat sich entschließen werde, Artikel 15 zu appisi- zieren. Musterung der Jahrgänge 1901—1914 In Italien Rom. Die Beschlüsse d«S dienstägig«» Mini» sterrates betreffen-um größten Teil milktärische Verwaltungsgesckäfte, die mit der italienischen Expedition nach Ostafrika Zusammenhängen. Die wichtigste Maßnahme bestimmt, daß alle Wehrpflichtigen der Jahrgänge, 1901 bis 1914, die bisher aus gesundheitlichen und anderen Gründen nicht ausgebildet worden waren, sich einer neuen Ausmusterung unterziehen müssen. Der Dienst in den nach Ostafrika entsandten Schwarzhemdendivisionen wird dem Dienst des regulären Heeres gleichgestellt. Die höheren Offiziere der fascistischen Miliz erhalten den Rang von Reserveoffizieren der Armee. Die Mitglieder der Regierung und des Großen fascistischen Rates können Flkegeroffiziere in der Reserve werden. Ausfuhrverbot für Kriegsmaterial In USA Washington.(Reuter.) Das nationale Kontrollamt für Munition hielt unter dem Vorsitz Hulls seine erste Sitzung ab und arbeitete ein Verzeichnis des Kriegsmaterials aus, das dem Ausfuhrverbot unterliegen soll. Dieses Verbot wird Roosevelt auf Grund des Neutralitätsgesetzes verkünden. Das Verzeichnis wurde gebilligt und wird Roosevelt vorgelegt werden. vemomtrationen in Wien 150 Verhaftungen Aus Wien wird dem Prager Tagblatt gemeldet» daß am Abend vor den Flugabwehrübungen, also Montag, in einigen Wiener Bezirken Demonstrationen, sowohl der Nationalsozialisten als auch der Sozialdemokraten und Kommunisten stattsandcn, bei denen Flugzettel verteilt und geklebt wurden. Die Polizei, welche offenbar sehr spät von diesen Demonstrationen Kenntnis erhielt, nahm insgesamt 15 0 Verhaftungen vor. Angeblich soll auch ein Anschlag auf das Riesenrad, welches bei den Luft- schntzübungen als Beobachtungspunkt dienen sollte, vorbereitet gewesen sein, weshalb es die militärischen Führer des Manövers vorzogen, das Kommando auf einen anderen Platz, der weniger gefährlich schien, zu verlegen. Henleinpartei- angeprangert! Abg. Dr. Köllner der Unwahrheit überführt! Wie haltlos die Behauptungen von Funktionären der Sudetendcptschen Partei sind, wenn es sich um Anschuldigungen gegen unsere Partei handelt, wie unernst selbst die ersten„Amtswalter" der Sudctendeutschcn Partei sich benehmen und Ivie wenig man ihren Angaben Glauben schenken kann, geht aus dem nachstehenden Fall hervor, den wir hier vor der gesamten sudetendeutschen Oeffcntlichkeit anprangern. Im sozialpolitischen Ausschuß des Abgeordnetenhauses hat der Abgeordnete der Sudetendeutschen Partei Dr. Köllner in seiner Rede die Behauptung aufgestellt, daß die Gemeinden im deutschen Gebiete, insbesondere die sozialdemokratisch beeinflußten, in der Verteilung der Ernährungskarten und der Arbeitslosenunterstützung überhaupt parteisch vorgehen und daß insbesondere im Verteilungsapparat der Ernährungskarten die Konsumvereine besonders begünstigt sind. Genosse Taub forderte vor dem gesamten Ausschuß den Abgeordneten Dr. Köllner sofort auf, er möge den Namen auch nur einer einzigen sudetendeutschen Gemeinde nennen, wo dies der Fall fei; worauf der Herr Dr. Köllner mit einigem Zögern den Namen Lanz nannte. Genosse Taub fragte ihn, welches Lanz er meine, woraus Köllner replizierte, Lanz im Bezirke Falkenau. Wir sind nun dieser Anschuldigung des Abgeordneten Dr. Köllner gegen eine sudetendeutsch: Gemeinde nachgegangcn und legen unseren Leser» sowie allen anderen wahrheitsliebenden Mensche» und schließlich allen jenen Sudetendeutschen• welche noch Sinn für Wahrheit und Recht haben, folgendes Dokument vor: Bestätigung. Ucber Verlangen der Mitglieder der sozialen Gemeinde-Kommission wird hiemit wahrheitsgemäß bestätigt, daß die Ernährungskarten seitens der Gemeindesozial-Kommisston strenge«ach de» Richtlinien des Mini stör iums für soziale Fürsorge in voller Unparteilichkeit ausgegebon werden. Es erhält jeder ohne Unterschied der Partei seine Lebensmittelkarten, insofern er von der sozialen Bezirkskommission bzw. von der Bezirksbehörde in Falkenau a. d. Eger als bezugsberechtigt anerkannt wurde. Die Einlösungen der Lebensmittelkarten bei den einzelnen Geschäftsleuten und Konsumverein steht in keiner Weise unter Einfluß der sozialen Gemrindekommission und steht es jedem Beteiligten frei, seine Karten dort einzulösen, wo er selber will. Gemeindeamt Lanz, «im 23.' September 1935. Der Gemeindevorsteher: Stampiglie. Wenzel Hoffmann. Damit ist klipp und klar festgestellt, daß in der Gemeinde Lanz bei der Verteilung der Ernährungskarten in voller Unparteilichkeit vorgegangen wird. Dieses Zeugnis der Gemeinde werden unsere Leser und wird die gesamte Oeffent- lichkeit erst in seinem vollen Werte erkennen, wenn- wir erzählen, daß der unterfertigte Gemeindevorsteher nicht etwa Mitglied der sozialdemokratischen Partei ist, sondern daß er der Sudetendeutschen Partei nahe st eh t. Er wird mm selbst sehen, wie leichtfertig die ihm nahestehende Partei Beschuldigungen erhebt. Wie es mit der Begünstigung des Konsumvereines steht, geht daraus hervor, daß von 420 der Gemeinde zur Verfügung gestellten Lebensmittelkarten 75, also nicht einmal der fünfte Teil im Konsumverein eingelöst werden. Herr Dr. Köllner, der diese An» schuldigung erhoben hat, ist damit vor der gesamten sndetendeutschen Oes» fentlichkeit gerichtet und mit ihm die Sudetendeutsche Partei, die er vertritt. Labour-Party und Außenpolitik Der angeblich bevorstehende Rücktritt George Lansburys und der schon vollzogene Rücktritt Lord Ponsonbys und des Sir Stafford Cripps von ihren Parteifunktionen in der La- baur-Party bedeutet für die englische Arbeiterpartei zwar den Verzicht auf geschätzte Führer, unter denen der greise Lansbury, der Leiter der Opposition im Unterhaus sind repräsentative Führer der Partei, besonders populär ist,— aber eine politische Krise bedeutet der Rücktritt dieser Männer nicht, die auch weiterhin Angehörige der Partei bleiben werden. Was Lansbury, Cripps und Ponsonby zu ihrem Rücktritt veranlaßt hat, war weniger ein politischer Konflikt mit der Mehrheit der Partei, die hinter den außenpolitischen Beschlüssen der Trade- Unions, der englischen Gewerkschaften, steht, als ein Gewissenskonflikt. Das gilt insbesondere für Lansbury und den bisherigen Fraktionsführer im Oberhaus Lord Ponsonby, die in ihrer streng pazifistischen Gesinnung die Mitverantwortung an kriegerischen Maßnahmen ablehnen, die angesichts der Haltung Mussolinis im abessinischen Konflikt von der englischen Regierung ergriffen werden könnten. Der letzte Parteikongreß der Labour-Pärty, der voriges Jahr in Southport abgehalten wurde, hat die Stellung der Partei zur Kriegsfrage gegen eine(von Lord Ponsonby geführte) streng pazifistische Minderheit; dahin festgelegt, daß die Partei ein bewaffnetes Vorgehen nur dann dulden und billigen werde, wenn es vom Völkerbund beschlossen und als gemeinsame' Maßnahme der Völkcrbundsmächte eingeleitet werde. Dieser Beschluß war die Folgerung, die man aus der durch Mussolini und Hitler geschaffenen Lage zog— und aus dem Mißerfolg der Abrüstungspolitik, deren aufopferndster Vorkämpfer Arthur Henderson damals in Southport von dem Posten des Generalsekretärs der Labour-Party schied. .Wenn jetzt, angesichts der Kriegsdrohung Mussolinis, der englische Gewerkschaftskongreß in Margate sich für Völkerbundssanttionen gegen einen italienischen Angriff ausgesprochen hat(mit dem Zusatz: auch wenn diese Sanktionen einen Krieg zur Folge haben könnten), dann hat er damit nur die Konsequenz aus den Beschlüssen von Southport gezogen,— und es ist so gut»wie sicher, daß auch die bevorstehende Jahreskonferenz der Partei dieselbe Stellung einnehmen wird. Es kann also keine Rede davon sein, daß die Labour-Party angesichts der durch Mussolini geschaffenen Situation plötzlich einen neuen Kurs eingeschlagcn hat. Und es hat auch keiner der hohen Parteifunktionäre, die jetzt ihre Ämter verlassen, einen solchen Vorwurf erhoben. Wenn Lansbury und Ponsonby die Verantwortung an den möglichen Folgen der anti-italienischen Sanktionen ablehnen, dann legen sie damit nur das persönliche Bekenntnis ihrer ethisch-religiösen Friedensgesinnung ab, die sie bis zuletzt hoffen ließ, der Friedenswille der Völker werde einen, neuen Krieg nicht zulassen»— wobei sie die tragische Tatsache nicht deutlich genug erkannten, daß der Wille der Völker in den vom Fascismus eroberten Staaten geknechtet ist und sich nicht äußern kann. Der Rücktritt Lansburys und Ponsonbys ist also mit dem vorjährigen Rücktritt Hendersons zu vergleichen; sie müssen sich einer Realität beugen, die sich— leider— stärker erweist als ihr gläubiger Friedenswille. Um den Gewissenskonflikt, in den Lansbury, Ponsonby und Cripps geraten! sind, ganz zu verstehen, muß man freilich noch die Tatsache berücksichtigen, daß die Labour-Party innerpolitisch in schärfster Opposition zur„nationalen" Baldwin-Regierung steht und daß insbesondere Stafford Cripps, der Leiter der„Sozialistischen Liga"(die den linken Flügel der Partei bildet)! die Aufgabe der Opposition gegen die Außenpolitik der Regierung für bedenklich hält. Das Mißtrauen gegen die herrschenden Konservativen äußert sich in der Befürchtung, daß die englische Regierung aus einem Abwehrkampf im Zeichen des Völkerbundes einen imperialistischen Kolonialkrieg machen könnt?»— aber dieses Mißtrauen ist nicht auf den Kreis der Pazifisten und der Sozialistischen Liga beschränkt und wird die gesamte Labour-Party zu erhöhter Wachsamkeit gegenüber den Maßnahmen der Regierung verpflichten, die ja mit dem von Sir Samuel Hoare &tUt 2 MittwoK, 25. Sevteinver 1838 Nr. 224 I in Genf vorgetragenen Angebot einer internationalen Rohstoffverteilung den außenpolitischen Forderungen der Labour-Party schon ein deutliches Zugeständnis gemacht hat. Die bevorstehende Jahreskonferenz der Labour-Party wird gerade in diesem Punkte Klarheit und Einigkeit zu bekunden haben, und der Rücktritt der drei führenden Männer, die zwar schwer zu ersetzen sein werden, aber doch der Partei nicht verloren gehen, hat den Weg zur Einigkeit in keiner Weise erschwert. Denn keiner der drei, die aus Gewissensnot auf ihre Ämter verzichten, hat Spaltungsabsichten(wie sie Mac- donald vor vier Jahren hatte), sondern alle haben den Willen, mit der Partei in Frieden und Treue weiterzuarbeiten. Mäßige Wirtschaftsbelebung Bericht der Nationalbank Der Bankrat der tschechoslowakischen Nationalbank hielt am 24. l. M. seine ordentliche MonatSsitzung ab. Dem borgebrachten Geschäftsberichte für den verflossenen Zeitabschnitt entnehmen wir folgendes: Die Nachrichten aus dem Auslande zeugen in den letzten Wochen von erhöhtem internationalem Bestreben nach einet sachlichen Lösung der gegenwärtigen politischen und wirtschaftlichen Ätzeltprobleme; die politische Weltsituation bleibt aber anhaltend ernst und die zukünftige Entwicklung unklar. Auf dem Gebiete der Wirtschaft sind die wieder auflebenden Bemühungen um die Stabilisierung dec Hauptwährungen des Welthandels bemerkenswert, womit die Grundlage für die weitere allmähliche Beseitigung der Folgen der Weltdepression gegeben wäre. Die Wirtschaftsdaten über das Ausland zeug!» von anhaltender, wenn auch nicht überall gleichlaufender Besserung derAktivität in den einzelnen Ländern. Diese Besserung setzt sich aber bloß unter bedeutenden Schwierigkeiten im Welthandel durch. Die wirtschaftliche Entwicklung der Tsche« chöflowakei ließ in den letzten Wochen einige günstigere Anzeichen, namentlich imJnlandsabsatz erkennen. Aber auch der Export hält sich und zeigt bei den gegebenen Verhältnissen befriedigende Umsätze. Der Geldmarkt ist weiter flüssig; der Augustultimo war saisonmäßig stärker als der Juliultimo. Der kurzfristige Bedarf an Betriebsmitteln, hauptsächlich in der Landwirtschaft, würde leicht befriedigt. Auf dem Markte der langfristigen Kredite war der erforderliche Kredit fürwertbeständigeObjekteohne grötzereSchwierigke i ten zur Verfügung; auch ist steigendeSJnteresse für Kommunalschuldverschreibungen festzustellen. In den Spareinlagen .trat im August im Durchschnitt die saifönmäßlge Senkung der Stände ein, die aber geringer war als in derselben Zeit des Vorjahres. Die Getreideernte ging glatt vor sich und wurde früher als gewöhnlich beendet. Die Ergebnisse der Ernte sind sehr ungleichmäßig; denn in den einzelnen Distrikten machte sich der Einfluß nicht nur der Witterungs-, sondern mich der Bodenverhältnisse in verschiedenem Grade geltend. Sowohl quantitativ, als auch qualitativ ist die- Getreideernte schwächer als sie ursprünglich geschätzt wurde. Den besten Ertrag ergab Weizen, den geringsten Hafer. Der Einfluß der Trockenheit auf den Ertrag der Getreidernte war besonders in einem großen Teil Böhmens zu spüren. Die Hackfrüchte, hauptsächlich Kartoffel, litten in Böhmen durch Mangel an Feuchtigkeit. Spätkartoffel, namentlich in höheren Lagen, könnten sich nach Regenfällen noch ein wenig erholen. Ver- hätlnismäßig am meisten schadete die Trockenheit den Futtermitteln. In der Beschäftigung der Industriebetriebe herrschte auch in diesem Zeitabschnitt keine einheitliche Entwicklung. Auf dem Jn- landsmarkte erfuhr der Absatz eine mäßige Belebung; auch in den Baubranchen wurde eine gewisse Besserung beobachtet, hauptsächlich im Bereiche größerer Städte, alS auch hervorgerufen durch JnvestitionSarbeite« der öffentlich en Hand. Auf dem Arbeitsmarkte war die Entwicklung im August etwas günstiger als in derselben Zeit des Vorjahres. Die Augustergebnisse des Außenhandels zeigen. daß die tschechoflowakische Ausfuhr sich allmählich trotz den gegenwärtigen Schwierigkeiten, die überall für den Export bestehen, weiter bessert, wobei sie sich zugleich mehr auf daS solventere Ausland verschiebt und eine breitere territoriale Basis gewinnt. Der Augustumsatz des Außenhandels war dem Werte nach höher als im Vorfahre, die Fertigwarenausflihr erreichte dabei die höchste Heuer verzeichnete Monatsziffer. Tschechische Sozialdemokratie fordert Sicherstellung der Ernährung Der Zentral-Vollzugsausschuß der tschecho- flowakischen sozialdemokratischen Arbeiterpartei hielt am Dienstag, den 24. September d. I. eine Sitzung ab. Den Vorsitz führte Genosse Abg. A. H a m p l, der die Beratungen mit einer ausführlichen Uebersicht über die Ereignisse seit der letzten Sitzung des Zentralvollzugsausschusses ein-, leitete und einige Aufklärungen msbesöndere hin-' sichtlich dringender Wirtschafts- Und'Währütigs- fragen und der neuen Taktik der kommunistischen Partei gab.Bor Eröffnung der Verhandlungen gedachte Hampl des Ablebens-Dr. Leo Winters, Dr. Fleischmanns und der Sekretäre Iirus und Chat und würdigte in warmen Worten ihre verdienstvolle Tätigkeit. Minister Genosse B t ch y n-k sprach in sei-' nem Bericht über die politische Lage, zunächst über die mit jedem Tage wachsende Kriegsgefahr. Der Minister schilderte dann die ffnanziefle Lage des Staates und gab ein Bild der Möglichkeiten der Investitionstätigkeit und der sozialpolitischen Eingriffe des Staates. Hierauf befaßte sich Bechynö mit innerpolitischen Fragen und mit dem gegensestigen Verhältnis der Koalitionspar- teien. Großen Nachdruck lege die tschechoflowakische sozialdemokratische Partei auf die Sicherung der Ernährung der breiten Volksschichten, insbesondere was die Versorgung mit Brot, Kartoffeln und Fett im Sinne der den sozialpolitischen Ausschüssen vorgelegten Forderung anlangt. Die Vertreter der Partei bei den Koalitionsverhandlungen seien entschlossen, in dieser Angelegenheit mit der größten Entschiedenheit vorzugehen. Die Partei lehne mit Recht die Angebote der Kommunisten auf eine Arbeitsgemeinschaft oder eine Einheitsfront ab, die auf die Preisgabe der bisherigen Koalitionspolitik und das Einschlagen einer Taktik abzielen, welche zu sehr schädlichen und unabsehbaren Folgen für die Arbeiterklasse führen würde. Die sich in Europa zuspitzenden Verhältnisse bestärken uns, sagte der Minister, noch mehr in der Erkenntnis der Richtigkeit unseres Vorgehens sowohl im Interesse der Republik und ihres demokratischen Regimes als auck im Interesse des arbeitenden Volkes. Schließlich sprach Minister Genosse Bechynk über die Exportschwierigkeiten einiger Industriezweige und über die Hemmung ihrer Produktion durch das Vorgehen der Kartelle. Genosse Minister Jng. R e L a 8 sprach dann über wirtschaffliche und sozialpolitische Fragen. Er befaßte sich namentlich mit der Frage der Versorgung des arbeitenden Volkes und des Kampfes für die den sozialpolitischen Ausschüssen vorgelegten Forderungen der sozialistischen Partei. Mit dem gleichen Problem befaßte sich Genosse Dr. Meißner, der den Verlauf und den Stand der Arbeiten im sozialpolitischen Ausschuß und in dessen Subkomitee schilderte und hiebei die Bedeutung der Arbeiten hervorhob. Hierauf erstattete Genosse Senator D. D n n d r einen Bericht über die Arbeften des Vorstandes und des Sekretariates der Partei. Senaisvorsitzender-Genosse Dr. S: u k u p referierte über die Beratungen der sozialistischen Internationale. Statt deS verstorbenen Genossen Dr. Winter wurde in die Exekutive der Sozialistischen Internationale Genosse Abg. Josef S t i v i n entsandt. Tag der Erinnerung Im„Prävo Lidu" erinnert Senatspräsident Dr. Soukup daran, daß es gerade am Dienstag, dem 24. September 1888, dreißig Jahre gewesen ist, daß er gemeinsam mit dem Präsidenten Masaryk auf einet großen Kundgebung am Havliöekplatz in Prag gesprochen hat. Masaryk hat damals ungefähr folgendes gesagt: Ich habe mich zum Worte gemeldet als Mann-der Kopfarbeit und weil ich einsehen muß, daß wir nichts mehr sind als Ihr, Männer der Handarbeit, halte ich es für meine Pflicht, im Rauten der fortschrittlichen Arbeiter des Kopfes und der Feder zu verkünden, daß wir Eure Führung in dieser gerechten Forderung als die unsere ansehen und daß wir uns in allen Konsequenzen an Euch anschließen. Ich stimme mit de» Vorrednern in allem überein! Ich stimme damit überein, daß Ihr, die Verfolgten und„Verräter" Genannten die HoffnuNg der tschechischen Nation seid. Ich begreife auch Eure Erregung und ich begreife, daß Ihr Euch zum Generalstreik vorbereitet. DaS ist keine Gewalt, daS ist die Verteidigung Eures Menschen- und Eures TschechentumS. Es lebe das allgemeine und gleiche Wahlrecht! Mord an der Grenze Schmuggler oder Marxist? Berlin. Der„Völkische Beobachter" meldet, daß an der tschechischen Grenze bei Bad Reinerz mehrere Schmuggler gestellt wurden. Da die Schmuggler auf den Anruf hin flüchteten und auch bei nochmaligem Anruf nicht stehen blieben, machte die Finanzwache von der Schußwaffe Gebrauch. Einer der Schmuggler, der aus Grenzendorf stammt, wurde erschossen. Ole herabgerissene Maske Das Blatt der tschechischen Volkspartei über Henlein In einem Leitartikel unter, dem Titel„Die herabgerissene Maske" kommen die ,Mdov! Lisch" auf den Prozeß Henlein gegen die„Prager Presse" zu sprechen und schreiben: Was schon bei der ersten Gerichtsverhandlung festgestellt wurde, bestätigt die allgemeine tschechische Meinung über die Henleinpartei. Wir sagen gleich: wir wissen, daß es in der Sudeten- d rutschen Partei nicht nur lauter Hakenkreuzlec gibt, wir wissen, daß dort ein Teil sozial unzufriedener Anhänger sind» welche sich durch die Propaganda und durch das Versprechen baldiger Hilfe mitreißen ließen, aber es handelt sich darum, wer über die Richtung der Politik in dieser autoritativ geleiteten Partei entscheide. Wir werden noch kein endgüligeS Urteil fällen und warten noch auf weiere Beweise und auf die Verteidigung des Beschuldigten, aber klar ist eines: es kann bei uns keine Partei existieren, welche Weisungen aus dem Auslande annimmt und deren tatsächliche Leitung anderswo als in unserer Republik liegt. Das tschechoslowakische Volk hat die Existenz der Partei deS Hakenkreuzes auf dem Gebiete deS Staates, welchen eS selbst geschaffen hat, nicht geduldet. Es duldet daher auch keinen Ersatz dieser Partei. Wenn die Henlein-Partei ihr Leben retten will, mutz sie alle Reste des HakenkreuzlertumS beseitigen. In genug naher Zeit wird sich zeigen, ob dies noch und überhaupt möglich sei. Ehemaliger Justizminister Dr. Beselh gestorben. Im Bulovka-Krankenhaus in Prag ist Dienstag mittags der gewesene Senator und ehemalige Justizminister JUDr. Frantisek Beselh nach längerer Krankheit gestorben. Beselh, von Beruf Advokat in Beneschau bei Prag, wurde am 18. September 1863 in Jicin geboren. Seit dem Jahre 1900 war er in der tschechischen Fortschritts-(realistischen) Partei tätig. Während des Krieges wär er Mitglied der Maffia und gehörte zu den Personen, die Professor Masaryk nach sei- Uem Abgang ins Ausland informierten. Im November des Jahres 1918 wurde Beselh von der Fortschrittspartei in die Nationalversammlung entsendet. Im Jahre 1920 trat er in die tschecho- flowakische nationalsozialistische Partei ein und wurde für dieselbe in den Senat dec Nationalversammlung gewählt, dessen Mitglied er bis zu den letzten Wahlen war. Im Juli 1919 wurde Beselh zum Justizminister ernannt und übte diese Funktion bis zum 7. Mai 1920 aus. Das Gesetz betreffend bedingte Verurteilung wurde auf seine Initiative erlassen. Dr. Veselh war auch publizistisch tätig und gab im Jahre 1918 das Buch „Masaryk, sein Leben und sein Werk", und im Jahre 1925„Masaryk als Mensch" heraus. 33 VILLA OASE oder: DIE FALSCHEN BORGER Romen von Eugene Debit Berechtigte Uebertragung aus dem Französischen von Bejot Auf dem Rückweg ging sie, die einzelnen Anwesen mit neugierigen Blicken musternd, durch das Dorf. Sie hatte den Wunsch, ihren Bekanntenkreis zu erweitern. Bisher erstreckten sich ihre Beziehungen nur auf einen Gastwirt, der Bürgermeister und den Pfarrer, und damit war ihr Ehrgeiz nicht bcftiedigt. Als sie heimkehrte, begrützte Julien sie mit den Worten:„Du siehst, der Spaziergang gibt dir Farbe." Sie pustete und schwitzte, aber sie verlor ihr schwammiges Fett und mit ihm, wie ihr schien, die qualvollen Erinnerungen. Ihre Aufwärterin war da. Sie nannten sie Mutter Pougette. Sie war klein, schwarz, verunstaltet und bewohnte mit ihren Kindern eine Hütte. Infolge eines Speicherdiebstahls war ihr Mann zehn Jahre des Orts verwiesen, aber er tauchte zuweilen heimlich auf, nächtigte bei seiner Frau und machte ihr bei der Gelegenheit ein Kind. Julien hatte sie, in Ermangelung einer besseren Kraft, für die grobe Arbeit angenommen. Ein einziger dunkler Punkt trübte Irmas Glück. Wenn sie von ihrem Ausgang nach Hause kam, mutzte sie kochen. Diese Pflicht konnte sie weder auf die Mutter Pougette noch auf Julien abwälzen. Sie zog ein Kochbuch zu Rate, dessen Rezepte sie nickt immer verstand. Es konnte also geschehen, daß sie eine Sauce verdarb, das Fleisch anbrennen ließ. Außerdem stieg ihr in der Hitze das Blut in den Kops, oder der Geruch verursachte ihr Uebellcit, oder sie verbrannte sich die Finger und beschädigte sich die Hände. Kurzum, das Ko- cken war für sie eine Qual und eine Heimsuchung. Gegen Mittag schenkte ihr Julien ein paar Tropfen Absinth ein und tröstete sie:»„Hab nur noch ein wenig Geduld. Wir finden schon ein Mädchen." Wenn es sie aber zu sehr anwiderte, loste Julien sie ab und kochte einen ungenietzbaren Fratz zusammen. Nach dem Essen holte er die Rohrsessel aus dem Waschhaus und stellte sie im Schatten der Linden auf. Er setzte sich, lockerte seinen Hosenbund, zog die Mütze über die Augen und schlief, mit gefalteten Händen und weit von sich gestreckten Deinen, bald ein: Irma lag auf dem Liegestuhl, rauchte eine Zigarette und las die Zeitung. Aber auch sie wurde schließlich müde und konnte dem Schlummer nicht widerstehen. Julien erwachte zuerst. Er griff nach der Zeitung, die er ernsthaft studierte, denn in Paris kriselte es allenthalben. Er dachte schon daran, sein Geld von der Bank zu holen, um es lieber hier aufzubewahren. Irma gegenüber behielt er h>iese Sorgen für sich. Er sah sie an. Sie schlief mit offenem Munde und stieß Seufzer aus. Mit einer Handbewegung verscheuchte er die Fliegen, die sie umsckwirrten. Als sie nach einer Weile die Augen auffchlug, lächelte er ihr zu. Die Müdigkeit lag ihnen in den Gliedern. Sie waren zu faul zum Sprechen und verhielten sich stumm. Ihre Gesichter waren gerötet, ihre Leiber aufgetrieben. Libellen kreuzten über dem Teich. Insekten summten. Die Luft, die über dem Rasen stand, zitterte, und zwischen den Blättern wurde ein Stück Himmelsblau sichtbar. Nichts störte den Nachmittagsfrieden als zuweilen der Schrei einer Schiffssirene oder das Rollen der Züge. „Wie weit liegt Paris!" rief Julien plötzlich aus. Er dachte kaum an seine Freunde oder an seinen früheren Beruf. Und Irma pries ihren Schöpfer, daß sie nicht mehr zu arbeiten brauchte. Sie freuten sich ihres Glücks und genossen es so, daß sie der übrigen Welt vergaßen. Ihr Leben war umhegt von den Mauern ihres Besitztums. An Regentagen spielten sie im Eßzimmer eine Partie Belotte. Um Geld. Wenn Irma verlor, warf sie die Karten hin und schlug ein Buch auf. Dann schlenderte Julien durchs HäuS oder er genehmigte einen. Aber diese Tage waren selten. Meistens waren sie nachmittags im Garten, bewunderten ihr HauS, wiederholten die gleichen Phrasen, erhoben sich, um eine Tour und den Teich zu machen, und wie zur Belohnung schlug dann die Stunde des Aperitifs. Das Bett ließen sie nicht lange auf sich warten. Sobald sie den Tisch abgedeckt hatten, zog sich Irma ins Schlafzimmer zurück. Julien ging indessen durch alle Räume, verschloß die Türen, machte die Läden zu, sicherte sie mit essernen Querstangen und stellte fest, ob das Feuer im Küchenherd erloschen war. Irma, die sich schon niedergelegt hatte, beruhigte er mst den Worten: „Du kannst auf beiden Ohren schlafen." Anfangs war dieser Rundgang eine Arbeit für ihn gewesen. Aber bald war er ihm zur Gewohnheit geworden, beinahe zum Bedürfnis, an dessen Notwendigkeit und Nutzen nicht zu zweifeln war. Noch beim Einschlafen sagte er sich, daß er ein unerahnt schönes Leben führe. Sein Schnarchen ging Irma, die, an Nachtarbeit gewöhnt, nicht so schnell einschlief, bald auf die Newen. Sie las immer noch eine Weile. Und lauschte interessiert auf das Rollen der Züge. Es war die Zeit, um die der Riviera-Expreß vorübersauste. Dieses Geräusch, als Begleitmusik zu dem Roman, in den sie gerade verttest war, befruchtete ihre Phantasie, von weiten Reisen zu träumen. Gott, sie hatten die Zeit und auch das Geld, ferne Länder zu besuchen. Sie war nicht mehr jung, aber die jugendliche Begeisterung für das Unbekannte besaß sie noch. Ihre Traume verblaßten, wenn der letzte Zug vorüber war. Noch immer mußte sie auf den Schlaf warten. Aber die Unruhe der ersten Nacht verspürte sie nicht mehr. Es war warm, die Fenster standen auf, und die nächtlichen Geräusche, die sie schon kannte, drangen ins Zimmer. Bald war es däs Krachen eines Zweiges, bald das Murmeln des Wassers, der Schrei eines Nachwogels oder das Brummen eines Auws. Plötzlich fuhr sie in die Höhe. Sie hatte einen ungewohnten Laut gehört. Er kam aus dem Hause oder aus dem Garten. Sie suchte sich zu beruhigen, sagte sich, daß Julien ja soeben erst nachgesehen hatte» doch die Angst blieb dq und wuchs, bis sie sich nicht mehr beherrschen konnte. Sie mußte Julien wecken. Am Tage die Kocherei, nachts die Schlaflosigkeit: das waren die beiden Schatten, die Irmas Freude zuweilen trübten. Eines Morgens, zu ungewohnter Stunde, schlug die Klingel an. Julien ging brummend hinaus. Wer störte sie in ihrer Ruhe? Als er Alfreds und Charliers Stimmen erkannte, beschleunigte er seinen Schritt. „Wir fragten uns, ob du überhaupt noch lebst", rief ihm Alfred zu.„Und gestern haben wir uns vorgenommen» nach dir zu sehen, Charlier und ich." „Die Dicke wird sich fteuen. Besuch, Irma!" Auch sie hatte Alfreds Stimme sogleich erkannt und war schnell hinaufgelaufen, um ein Kleid anzuziehen und ihre Frisur zu ordnen. Als sie hinunterkam, fand sie die Freunde in der Küche. Julien war im Begriff, ihnen die Einrichtung zu zeigen. Alfred küßte sie auf beide Backen und schalt sie wegen ihres Schweigens väterlich aus. „Wir wollten gerade schreiben, daß alles bereit sei", antwortete sie. „Und wann gebt ihr den Einzugssckmaus?" ,(Fortschung folgt,)! Nr. 224 Mittwoch, 28. September 1838 SeUt 3 An unsere Leser und Kolporteure! Da anläßlich des Staatsfeiertages, am Samstag, dem 28. September, in de« Druckereien nicht gearbeitet Wird, entfällt die SonntagauSgabe unseres BlatteS. Die Verwaltung. fudctendcutsdier Zeitspicget Presse Eine sozialdemokratische Manifestation die I veröffent- gegen die SrudenstrelK in USA dauert an Washington. Der Streik in der Braun, kohleninduftrie dauert noch an, da die Verhandlungen zwischen den Arbeitgebern und dLn Arbeitnehmers vertagt werden mutzten, ohne eine Einigung erzielt zu haben. Gesetze hohnlachenden„Tatsachenfeststellungen" der Preffebriefe nachzudrucken, der„Tagesbote' freilich, ehemals deutschdemokratisch, seither bedingungslos henleinfreündlich, glaubt sich mit Rücksicht auf die von den Brünner Behörden gegenüber«Tagesbote",»Morgenpost" usw. geübte Praxis schon alles erlauben zu können. Der Landespräsident D r. Eernh hat als Premier- und als Innenminister seinerzeit eine Schneidigkeit bewiesen, das ist gegenüber den Kommunisten, die ihm einen gewiffen Ruf eingetragen hat, gegenüber den offenen und getarnten Hakenkreuzlern hat er sich bisher überraschend zurückhaltend benommen, denn was sich„Tagesbote" und die angeblich zur Regierung in einem gewiffen Verhältnis stehende„unparteiische Brünner„Morgenpost" bereits an Verherrlichung des Hakenkreuzes und an Propaganda für die Hitlersche Filiale hierzulande geleistet haben, das ist nur bei weitgehendster Duldsamkeit der republikanisch-demokratischen Staatsbehörden möglich getvesen. Es ist wahrlich weit gekommen, wenn die kaum mehr 1 getarnte Hitlerfront bei uns unge- Werkmelstertagung des Allge meinen Angestellten-Verbandes Am 22. September fand in Reichenberg eine große Tagung der Werkmeister, welche im Allgemeinen Angestellten-Verband organisiert sind, statt. Die grotze und kleine Volkshalle des Rathauses war als Tagungsort ausersehen und bereits vor Eröffnung der Tagung überfüllt. Nach kurzer Begrüßung des Vertreters der Stadt Reichenberg, Vizebürgermeisters Biegel, des Gewerbeinspektorates Jng. Psenicnh, der Textilfachschule Prof. Holicky, der ZGK Abg. Macoun, der KGK Karl Zimmer und der Pressevertreter durch Verbandssekretär Ernst Grünzner wurden zahlreiche Solidaritätsschreiben aus fast allen Gruppen des Allgemeinen Angestellten-Berbandes zur Kenntnis gebracht. Das Hauptreferat hielt Verbandsobmann Flor. Bergmann, der zu Beginn seiner Rede die Entwicklung des Angestelltonrechtes in der Tschechoslowakei aufzeigte und dann auf die augenblickliche Stellung des Werkmeisters in der sozialen und arbeitsrechtlichen Gesetzgebung einging. Die neuerdings sich bemerkbar machenden Bestrebungen der Organisationsstellen des Unternehmertums, die Kategorie der Meister und technischen Angestellten autzerhalb des Wirkungskreises des Privatangestelltengesetzes zu stellen, haben dadurch dem Allgemeinen Angestellten-Verband einen neuerlichen Kampf aufgezwungen, der schon längst zu Gunsten jener Angestelltenkategorien durch Gesetz und Judikatur entschieden war. Das neue PrivatangesteUtengesetz, welches im Vorjahre in Wirkung trat, wurde von diesen SteUen zum Anlatz genommen, neuerlich die alten Rechte jener AngesteUtenkategorien zu bestreiten. An Hand von zahlreichen Beispielen und Urteilssprüchen oberster Instanzen wies Vcrbandsobmann Bergmann nach, datz die Dienstleistungen der Werkmeister und technischen Angestellten zweifellos als Dienste höherer Art zu werten sind und dcmirach das Gesetz Nr. 154 betreffend das Arbeitsverhältnis der Privatbeamten, der Handlungsgehilfen und anderer Dienstnehmer in ähnlicher Stellung für sie voll in Anwendung treten. Das Referat, welches die gesamte Frage der Unterstellung der Werkmeister und technischen AngesteUten unter dieses Gesetz gründlichst behandelte, war Ausgangspunkt einer Debatte, in der auch der Vertreter der Zentralgewerkschaftskommission Abg. Macoun daS Wort ergriff und die Unterstützung der Zentralgewerkschaftskom- mission in jeder Hinsicht zusagte. Im Anschluß an die Debatte wurde eine Entschließung gefaßt, die an alle in Betracht kommende Stellen zur Versendung gelangt und die Wünsche und Forderungen von Werkmeistern und technischen Angestellten formuliert. der tschechischen und deutschen Arbeiterschaft bildete am Sonntag, dem 22. September, die festliche Eröffnung eines neuen Volkshause s in dem nahe bei B r ü s a u in Mähren gelegenen Jndustrieort Mähr.-Chrostau. Die Schaffung dieses neuen und schönen Heimes der sozialistischen Arbeiterschaft ist den vereinigten gewerkschaftlichen und politischen Organisationen des Bezirkes zu danken, deren Mitglieder in vorbildlich opferwilliger Weise für die Sicherung der finanziellen Grundlagen des Heims sorgten. Die am letzten Sonntag erfolgte Eröffnungsfeier gestaltete sich bei herrlichem Wetter zu einer mächttgen Manifestation der Arbeiterschaft, die aus rund zwanzig Gemeinden des Bezirkes herbeigeströmt war. Die Zahl der Teilnehmer mit 6000 abschätzen, heitzt nicht zu hoch greifen. Eröffnet wurde die Feier mit einem Meeting aus dem Hauptplatze in B r ü s a u durch den Brüsauer Bürgermeister Genoffen Grünt, worauf nach dem Hissen der Staatsflagge der Minister für so- Um die uewerkschaftseinhelt Kongreß des französischen Gewerk* Schafts verbände« Paris. Der Kongreß des Allgemei» nen Arbeitsvervandes EGT wurde gestern vormittags in Anwesenheit von Vertretern der Gewerkschaftsorganisationen ganz Frankreichs und der Delegierten von zehn fremden Staaten eröffnet. Der Generalsekretär des EGT Leon I o u h a ü x empfahl die Tagesordnung des Kongresses, auf der vornehmlich die Frage der Vereinheitlichung der Gewerkschaftsbewegung in Frankreich sowie der sozialen. und wirtschaftlichen Erneuerung steht. Jouhaux betonte, die Absicht des EGT,, zu einer Gewerschaftseinheit zu gelangen. Es wurde eine Resolution angenommen, die sich für den Frieden ausspcicht, die Stetlung Italiens gegen Abessinien verurteilt und den letzten Appell an den Völkerbund richtet. Albas Regierungsbildung gescheitert Angst vor Neuwahlen Madrid. Der spanische Landtagspräsident ^Alb a hat soebep seinen Auftrag zur Bildung eines.neyen Kabinetts,.in- die Hänoa^des Staatspräsidenten z u r ü ck g e l egt. Der Präsident beauftragte nun den bisherigen Finanzminister Chapapriata, der keiner Partei angehört, mit der Neubildung der Regierung. Es ist ihm zur Aufgabe gemacht worden, a u f j e d e n Fall ein Kabinett zu bilden, das eine Garantie gegen die Auflösung des Landtages und gegen Neuwahlen bietet. Klubsekretär der SdP unter den Verhafteten Zu dieser Notiz in unserem Blatte vom Donnerstag, dem 19. September 1935, erhielten wir vom Vorsitzenden des Klubs der Abgeordneten der Sudetendeutschen Partei Rudolf Sand- ner folgende Berichtigung nach dem Paragraph 11 des Pretzgesetzes. Es.ist nicht wahr, datz einer der Verhafteten, Herr Jng. Walter Appelt, der zweite Sekretär des Abgeordnetenklubs der Henlein- Partei ist. * Wir wissen nicht, welche amtliche Bezeichnung in seiner Tätigkeit für die Sudetendeutsche Partei der verhaftete Ingenieur Walter Appel» ist. Herrn Sandner fällt es nicht im geringsten ein zu behaupten, daß Herr Appelt etwa nicht der Sudetendeutschen Partei angehört. Es fällt ihm auch nicht ein, zu sagen, was für eine Funktion denn Herr Appelt in der Sudetendeutschen Partei bzw. im Abgeordnetenklub der Partei bekleidet. Gelten für die SdP und Ihre noch die Gesetze? In dem am Sonntag von uns lichten Bericht Wer den von Henlein „Prager Preffe" angestrengten Ehrenbeleidi- gungsprozetz haben wir uns auf die Wiedergabe der Vorgänge während der Verhandlung und der von der Verteidigung gestellten Beweisanträge beschränkt, so verlockend es auch gewesen wäre, an die dem Gerichte borgelegten Dokumente, durch welche die Verteidigung Verbindungen Henleins und seiner engerer Gesinnungsfreunde mit Hakenkreuzorganisationen im Dritten Reich nachzuweisen bestrebt ist, Betrachtungen zu knüpfen. Wir haben dies selbstverständlich unterlassen mtt dem ausdrücklichen Hinweis auf die Bestimmungen des Gesetzes, das jede öffentliche Erörterung von in einer Gerichtsverhandlung vorgebrachten Beweismaterial während der Dauer des Prozesses verbietet. Weniger Zurückhaltung und Rücksicht aus die Gesetze glauben sich die von Henlein herausgegebene Zeitungskorrespondenz„Sudetendeutsche Preffebriefe" und die von ihr belieferte deutschbürgerliche Preffe auferlegen zu müffen. Sie nehmen zu dem'zur Stellung von schriftlichen Bcweisanträgen vertagten Prozeß in einer Weise Stellung, die mit einer Rücksichtnahme auf die Bestimmungen des Gesetzes nichts zu tun hat und die sich nicht scheut, jn eindeutigster Art von der Verteidigung vorgelegte Dokumente in ihrer Echtheit anzuzweifeln, ja sie direkt als Fälschung zu bezeichnen. Taktisch bedienen sich die Henleinschen Preffebriefe derselben Methode, wie es die SdP bei ihrem polittschen Auftreten tut. Sowie sie— obwohl es kaum noch jemanden gibt, der die ernst nehmen würde— Beteuerungen der Loyalität als schützenden Schirm ihrem Tun vorhält, so verabsäumen auch die «Sudet^ndeutschen Preffberiefe" nicht, bei ihrer Stellungnahme zu dem Prozetz die Versicherung voranzustellen, datz sie der Prozetzführung weder vorgreifen, noch sich Wer die gesetzlichen Schranken hinwegsetzen wollen, die es auf Pro- zetzdauer verbieten, in Erörterung prozetzgegen- ständlicher Beweismaterialien einzugehen— nur um eine Reihe von Tatsachcnfeststellungen sei es den„Sudetendeutschen Preffebriefen" zu tun. Wie sieht es nun mit der-Nichteinmengung in ein sMordendes Gerichtsverfahren t!nd mit dem Verharren in den gesetzlichen Schranken aus? Soweit die„Tatsachenfeststellungen" der „Sudetendeutschen Preffebriefe" die von der Verteidigung erhobenen Behauptungen einer Verbindung der Herren Hermann Honig(das ist der offizielle Herausgeber der„Sudetendeutschen Preffebriefe") und den bei der Verhandlung anwesenden SdP-Abgeordneten Dr. Neuwirth betreffen, mag dahingestellt bleiben, ob sie dem Prozeßverfahren voezugreifen suchen oder nicht. Eine korrekt« Auslegung des Gesetzes wird Wohl auch schon hier den Versuch einer Bemängelung der Beweismaterialicn und Beeinflussung des Gerichtes erblicken können. Ganz außer Zweifel aber liegt das Bestreben einer Erschütterung der Beweiskraft prozeßgegenständlicher Verteidigungsanträge dort vor, wo sich der Vertuschungsbericht der„Sudetendeutschen Preffebriefe" mit den vom Verteidiger Dr. Bouäek dem Gerichte borgelegten zwei SA-Befehlen beschäftigt. Daß der Bericht sagt, Dr. Neuwirth habe schon bei der Verhandlung di« vorgelegten Photographien, auf welchen diese SA-Befehle wiedergegeben sind, als„offenkundige Fäl- schung" bezeichnet, mag als Wiedergabe deS Verlaufs der Gerichtsverhandlung angesehen werden, obtvohl sich jeder Unvoreingenommene ftagen wird, wieso Dr. Neuwirth so unerhört prompt Dokumente, die er— wie der Bericht zugibt— nicht einmal in der Hand gehalten hat, ohne jede genauere Prüfung als„offenkundige" Fälschung bezeichnen darf. Die Erklärung dafür liegt wohl in dem Unbehagen, das die zwei SA-Befehle bei den Herren von der SdP zu erwecken geeignet erscheinen. Doch das gehört auf ein anderes Blatt. Ein Borgreifen dem Prozeßverfahren, das allein berufen erscheint, Beweismaterialien zu prüfen, ist es jedenfalls, wenn es in dem Stimmungsmache- Bericht der„Sudetendeutschen Preffebriefe" Wer die zwei SA-Befehle wörllich heißt:„Wer deutsche Ordnung und Organisationstechnik kennt, kann nur über die Zumutung lachen, ein derartiges Schriftstück für echt zu halten". Um genau zu sein: ob das so genau in den „Sudetendeutschen Preffebriefen" steht, können wir nicht nachprüfen, wir lesen dies so im Brünner„Ta g e 8 b o t e", der allerdings angibt, daß dies die Preffebriefe Henleins schreiben. Aber ob nun die Preffebriefe oder der„Tagesbote" dafür die Verantwortung trägt, mutz man es als unerhörten Skandal bezeichnen, datz die Preffcbehörde eine solch« offenkundige Beein» fluffung des Gerichtes zum Schaden der angeklagten Partei zulätzt. Eine Reihe deutschbür- gerlicher Zeitungen hat sich gehütet» die dem straft die Gesetze verletzen darf und die Behörden erst mit der Nase darauf'gestoßen werden müffen, ihre Pflicht zu erfüllen. Wir sind keineswegs darauf erpicht, jemandem, sei es auch wer immer, ein Unrecht zuzufügen. Doch hier liegt die Sache vollständig klar: der Prozeß Henleins gegen die„Plager Preffe" ist ein eminent wichtiger und politisch bedeutungsvoller. Es müßte als selbswerständlich gelten, daß in diesem Prozeß die Beweise unvoreingenommen geprüft und dem Angeklagten die uneingeschränkte Möglichkeit der Beweisführung gegeben werde, nicht aber datz unter Duldung der Behörden gleich zu Beginn des Prozeßes die Beweis- materialien öffentlich und unter Mißbrauch des Gesetzes zu diskredstieren und ihrer Beweiskraft zu berauben gesucht werden. ES ist unsagbar traurig für unsere Demokratie und beweist die Schwäche ihres Selbstbehäuptungs- und Verteidigungswillens, wenn Faktoren, deren wahre Einstellung zum Staate trotz ihrer von Loyalität triefenden Kundgebungen nunmehr schon genügsam bekannt ist, sich rücksichtslos-über die Gesetze hinwegsetzcn können. ein kommunistischer „Verbrüderungstag" in Teplitz-Schönau Für vergangenen Sonntag hatte die kommunistische Partei ihre Anhänger zu einem Ber- brüderungstreffen nach Teplitz-Schönau einberufen. Gegen zwei Uhr nachmittags fand ein Umzug statt, der von der Richard-Wagner-Straße seinen Ausgangspunkt nahm und über Schönau, Königstraße, Schulplatz auf den Marktplatz führte. Der Vorbeimarsch der Umzugsteilnehmer, bei denen zirka 1000 Leute mit Rädern in Sechserreihen, alle übrigen Teilnehmer in Zehn- und Zwölferreihen, marschierten, dauerte eine Viertelstunde. Bei der Kundgebung selbst kamen fast ein Dutzend Redner zum Worte, von denen Smeral, Abg. Appell und Senator Kreibich als die bekanntesten bezeichnet werden können. In ihren Reden wendeten sie sich hauptsächlich gegen den Hitler- fascismus und die Henleinpartei, sowie gegen die Teuerung und Senkung der Löhne. Sie forderten zur Bildung einer Bolksfrontbewegung auf, die so stark werden solle, daß es zur Bildung einer Volksfrontregierung kommen könne, die dann auch von den Kommunisten unterstützt würde und in die sie als Kommunisten eventuell auch einzutreten bereit wären. Diese Volksfrontregierung müßte alle Rechte den Fascisten neunen und sie den Antifascisten geben. Auch seien die Antifascisten mit Waffen zu versehen. Abg. Appelt erklärte auch, daß die Kommunisten bereit wären, in einer Volksfrontbewegung mit der Waffe in der Hand gegen den Hitlerfascismus zu kämpfen u. a. m. Die Teilnahme von sozialdemokratisch Orientierten Arbeitern war außerordentlich gering, obzwar die Kommunisten vor Stattfinden der Kundgebung durch mündliche Propaganda und durch die„Rote Fahne" ankündigten, datz„tausende Sozialdemokraten" und besonders die RW teilnehmen werden und auch Genoffe Rcitzner von Bodenbach sprechen werde, Dies hat sich als ganz übler Agitationstrick erwiesen. Die Kundgebung selbst verlief ohne Störung. Auch war sie bezeichnend für die Stärke der kommunistischen Partei, weil sie ihre Anhänger aus dem ganzen nordwestböhmischen Gebiete (von Rumburg bis Karlsbad) sowie aus dem Innern des Landes zusammengezogen hatten. Senator Genoffe Nießner. Beide Reden fanden stürmischen Beifall. Einen Festzug von so imponierender Größe wie jenen,-der sich nach der eindrucksvoll verlaufenen Festversammlung formierte, hat Brüsau fest langem nicht gesehen. Zahlreiche Radfahrer mit geschmückten Rädern, eine starke Abteilung der Roten Wehr, tschechische Arbeiterturner in der Uniform und Line Mädchen- gruppe in der kleidsamen tschechischen Nationaltracht gaben dem Fostzug, in dem zwei Musikkapellen Marschweifen aufspielten,-ein farbenreiches Gepräge. In M ä h r.-E h r o st a u angelangt, gruppierten sich die Maßen um die dort errichtete Tribüne, von der die Abgeordneten Po- lach, Lausman, die Senatoren Nießner und Filipinsky und Minister NeLa s Ansprachen hielten, worauf der Schlüssel des Hauses an die Genossin K o p e c k y übergeben wurde,-die sich um die Schaffung des Volkshauses in hervorragender Weise verdient gemacht hat und die mit schönen und eindringlichen Worten'die Arbei- ........ terschast aufforderte, zur Erhaltung des Hauses ziale Fürsorge, Genoffe Jng. N e L a s, die Fest-—durch zahlreichen Besuch beizutragen. Eine fröh- rede hielt, in welcher er auch Wer eine Reihe wich- liche Unterhaltung im Freien neben dem Hause tiger aktueller wirtschaftlicher und sozialer Fra« und in seinen sämtlich«» Räumen beendete Zen spxgch. In deutscher^Sp.rache hielt di«.Zestrede denkwürdige Feier.^ „Solange Hitler mit seinem Lumpenvolk regiert...* Warschau. Vor dem hiesigen Bezirksgericht fand Dienstag die aufsehenerregende Verhandlung gegen den jüdischen Kaufmann Raum Halberstadt statt, der von der Warschauer Staats- amvaltschaft wegen Beleidigung des Reichskanzlers Hitler zur gerichtlichen Verantwortung ge-. zogen worden war. Halberstadt hatte nämlich seinerzeit von der Dresdner Firma,,Elektrcden- tal-Fischer" ein Schreiben erhalten, das er ungeöffnet zurückschickte. Auf den Briefumschlag schrieb Halberstadt folgende Bemerkung:„S o» lange'in Deutschland Hitlermit seinem Lumpenvoll regiert, wird kein ordentlicher Mensch mit Ihnen Geschäfte mache n". Der | Briefumschlag wurde von der reichsdeutschen Post an das Berliner Auswärtige Amt gesandt,.welches auf diplomatischem Wege die polnischen Behörden ersuchte, Halberstadt wegen Beleidigung des Reichskanzlers zu belangen. In der heutigen Verhandlung gab Halberstadt zu, die Bewertung auf dem Briefumschlag niedergeschrieben zu haben, betonte aber, daß er sich nicht schuldig fühle, da er die Tat" in der Ueberzeugung begangen habe, daß in Deutschland den Juden seitens des nationalsozialistischen Regime großes Unrecht geschehe. Das Gericht hat sich die Urteilsverkündung für Mittwoch Vorbehalten. Der heutigen Prozetzverhandlung wohnte eine grrtze Zahl in- und ausländischer Pressevertreter bei. Leite 4 Mittwoch, 25. Leptemder 1835 «r. 224 400 Opfer einer Zugsentgleisung 200 Tote Schanghai» Ein aus der Lokomotive und fünf Waggons bestehender Militärzug der Lunghai-Bahn, der die 109. Division zur Bekämpfung der Kommunisten nach der Provinz Schenei beförderte, entgleiste in der Rahe von Schentschau in West-Honan und stürzte eine« dreißig Meter tiefen Dergabhang hinab. Es werden bisher zweihundert Tote und etwa zweihundert Verwundete gemeldet. Julius Tandler in Prag Genosse Julius Tandler spricht heute abends in der Urania. Er wird an Hand zahlreicher Lichtbilder über China berichten, wohin er kurze Zeit, ehe die blutige Nacht des Februar über Oesterreich anbrach, eine Berufung als Lehrer erhalten hatte. Es gibt nicht sehr viele Man. ner in Europa, deren Wort so sehr Gehör verdient wie das Tandlers, des Mannes, dessen gewaltiges, von reiner Menschlichkeit und ehr- lichstem Sozialismus getragenes Aufbauwerk im roten Wien, richtungweisend für die so- ziale Arbeit der ganzen Welt wurde und noch sein wird, wenn die Macht der Kanonenchristen, die es zerstört haben, längst der Vergangenheit angehört. Es war Tandlers Werk, wenn im roten Wien jedes Kind, das zur Welt kam, von der Oeffentlichkeit betreut, mit Wäsche, Pflegematerial und Milch versorgt wurde. (Eine der ersten Taten der Dollfußchristen war die Abschaffung der verhaßten„roten Windeln" Julius Taridlers). Und es war Tandlers Werk, wenn für die Kinder Wiens Spielplätze und Planschbecken und Schulzahnkliniken und Kinderübernahmestellen geschaffen wurden. Als er seinen Urlaub in Wien nahm, um der Berufung nach Peiping nachzukommen, ahnte er nicht, daß wenige Monate später die Kanonen und Galgen des Herrn Dollfuß sein großes Werk zertrümmern würden. Auf die Nachricht vom Heldenkampf und der Niederlage des roten Wien, verließ er sofort China und kehrte nach Oesterreich zurück, wo er von den Herren des „neuen Wien" sofort verhaftet wurde. Da aber nicht einmal die Dollfußjustiz das Kunststück zuwege brachte, Tandler nachzuweisen, daß er von China aus den Aufstand der österrei- chischen Arbeiter organisiert habe, mußte man ihn schließlich wieder in Freiheit setzen. Fünf Schwerverletzte bei den Fliegerübungen in Wien Wien. Jn^Wien wurden Dienstag vormittags Uebungen der Fliegerabwehr veranstaltet, an denen 2832 Mann und 22 Flugzeuge teilnahmen. Das Zentrum der Uebungen war die Umgebung des Praters beim Nordbahnhof, wo, um den Eindruck der Echtheit zu schaffen, eine Gasrohrleitung angebohrt wurde, aus der eine Flammensäule hervorschoß, und eine Wasserleitung durchgeschlagen, so daß die ganze Umgebung überschwemmt war. Durch einen unglücklichen Zufall wurden durch die Explosion im Laufe der Uebungen zwei Soldaten schwer verletzt und bei dem Zusammenstoß eines SanitätsautoS mit der Straßenbahn drei Personen verwundet. 50 Hitlerbilder über die Grenze gebracht Bor dem Kreisgericht Eger hatte sich der knapp zwanzigjährige landwirtschaftliche Praktikant Ernst H o l l i k aus Brotzen bei Dauba zu verantworten, bei dem man beim Grenzübertritt aus Deutschland 50 Hitlerbilder gefunden hatte. Neben den Nazibildern trug Hol- lik auch den Entlvurf eines Aufnahmegesuches bei sich, das mit„Heil Hitler" schloß. Haussuchungen bei Verwandten des Hollik förderten belastendes Briefmaterial zutage. So einen Brief über Theaterveranstaltungen der Hitlerjugend, an denen Hollik teilgenommen hatte.„Hier geht es famos zu, ganz anders wie bei uns inBöhme n", so lautete ein Passus dieses Briefes. Hollik, der nach Paragraph 17, Ziffer I, Absatz 2, des Schutzgesetzes angeklagt war, verteidigte sich sehr wenig Heide n- h a fit, spielte den Naiven und behauptete, keine Ahnung von d e"n eigen 1t- lichen Zielen der NSDAP zu haben. Dabei ist Hollik als„alter" Hakenkreuz-„Kämpfer" bekannt. Er würde zu einem Monat stren- 8 e n Arrestesunbedingt verurteilt. Den Schwager erstochen Pilsen. Zwischen dem 45jährigen Schlosser Johann Ketzistgcr und seinem 43jährigen Schwager, dem Tischler Anton Skudla, die in einem gemeinsamen Hause in Tremosna wohnen, kam es, zu Streitigkeiten, die von den Gattinnen der beiden' unterstützt wurden. Gestern brach wiederum ein solcher Streit aus, bei welchem Ketzinger seinen Schwager ins Gesicht schlug., Skudla zog ein Messer aus der Tasche und versetzte Ketzinger einen so heftigen Stich unterhalb des Kinns, daß die Klinge bis in den Mund drang und Ketzinger so schwer verletzte, daß er kurz datauf starb. Der Täter flüchtete nach der Tat, doch gelang es der Gendarmerie, ihn zu fassen. Er wurde verhaftet und dem Kreisgericht in Pilsen eingeliefert. Schlacht gegen Banditen Schanghai. In einem schweren Gefecht zwischen japanischen Truppen und 200 Banditen, die den Ort Huangkutun an der Peiping—Mulden- bahn bei Mulden angriffen und dabei zeitweise die Station von Mulden ernstlich bedrohten, sind 56 Japaner und 4 3 B a n d i t e n gefallen. Zehn Banditen konnten gefangenge- nsmmen werden. Die Banditen wurden nach mehrstündigem Nachtgefecht zurückgeschlagen. Der Eine Minderjährige bringt fünf Kinder vom eigenen Vater zur Welt JBie fürchterliche Not unserer Zeit beleuchtet ein Tragödie, die sich in R a d o t i n bei Luditz zugetragen hat. Im dortigen Gemeindehanse wohnte die Familie G r a tz in unsäglich dürftigen Verhältnissen. Die ganze Familie hauste in einem verfallenen Raum, der Küche, Wohnraum und Schlafzimmer zugleich war. Als die Mutter starb, mußte die minderjährige Tochter den Haushalt führen. Das bisher arbeitsame, häusliche Mädchen verwahrloste, und wurde fünfmal schwanger. Als Väter führte sie fünf verschiedene Burschen aus Radotin an. In den ersten vier Fällen bekannten die genannten Männer sich auch zur Vaterschaft, beim fünften Kinde regte sich Widerspruch. Durch einen Zufall wurde die Polizei auf die fünsmalige.Mutter aufmerksam. Sie stellte Nachforschungen an. Das Resultat war grausig. All fünfKinder waren vom eigenen Vater gezeugt. Der blutschänderische Vater wurde in Untersuchungshaft genommen, gegen die Tochter läuft ein Verfahren, weil sie ihr fünftes Kind in einer Badeanstalt ertränkt hat. Rettungsboot mit sechs Toten Halifax. In Iudique, in der Provinz Neuschottland, ist ein Rettungsboot angetrieben worden, in dem sich sechs männliche Leichen und ein an Sterben liegender Mann befanden. Kurz nach« 'dem das Doot das Land erreichte, verstarb auch dieser. Den" zusammenhanglosen Schilderungen/ die der Sterbende vor seinem Ende abgab, ist zu entnehmen, daß es sich bei den Unglücklichen um Angehörige eines bei Cap Breton untergegangenen Gctreidedampfers handelt. Bisher ist nicht bekannt geworden, ob das angetriebene Boot das einzige Rettungsboot dqs Dampfers war oder ob noch andere Rettungsboote umhertreiben. Die Menschen in dem angetriebcnen Rettungsboot sind an Erschöpfung gestorben. Arbeiterzug abgestürzt Warschau. In der Nähe von Hohensalza entgleiste infolge falscher Wcichenstellung ein Arbeiterzug, wcbei vier mit Arbeitern besetzte Wagen einen fünf Meter hohen Damm hinabstürzten und teilweise zertrümmert wurden. Ein Arbeiter fand den Tod, neun weitere erlitten schwere Verletzungen.' Exkursion nach Ioachimsthal Am Montag besichtigte eine Exkursion von rund 90 Bergingenieuren und technischen Fachmännern die Staatsgrube„S v o r n o st" in St. Ioachimsthal, in deren Schächten seit dem Jahre 1931 für die Grubenstühen und Schwellen mit Sublimat imprägniertes Holz verwendet wird, das sich durch große Widerstandsfähigkeit gegen Fäulnis auszeichnet, die sonst in kurzer Zeit das Hok vernichtet. Die Fachmänner konnten sich an Orr und Stelle überzeugen, daß mit Sublimat imprägniertes Holz der Fäulnis Widerstand leistete, während anderes Holz durch den Fäulnisprozeß bereits nach acht öder zwölf Monaten unbrauchbar war. Den Exkursionsteilnehmern,/unter denen sich Vertreter des Eisenbahn- und des Ministeriums für öffentliche Arbeiten befanden, wurden die Sanitätsvorkehrungen der Staatsverwaltung zum gesundheitlichen Schutz der Bergarbeiter erläutert, die an Lungenkrebs starben, der durch die Radium, Emanationen der Uran-Erze verursacht wurde. Tie Schächte werden gründlich gelüftet, wobei pneumatische Säugpumpen verwendet werden. Die Förderstelle wird mit Wasser bespritzt, damit kein Staub Entstehen könne.' Ein Flug--- sechs Rekorde Rom.(Stefani.) Ein vom Oberst B i s e o gelenktes italienisches Bombenflugzeug stellte bei einem Rundstreckcnflug in der Nähe von Rom, der sechs Stunden 15 Minuten dauerte, insgesamt sechs internationale Rekorde auf. Die Strecke von 1000 Kilometern mit 500 Kilogramm Nutzlast legte Biseo in einer Durchschnittsgeschwindigkeit von 390 Stundenkilometer»/ zrprück.(Den bisherigen Rekord Belagerungszustand ist verhängt worden. Der Bahnverkehr ist unterbrochen. Etwa sechzig mit modernen Gewehren und Speeren betvaffnete Banditen überfielen die Volksschule von Loeffing an der Südküste von Tschekiang. Sie plünderten das Schulgebäude aus und entführten einen Lehrer, 29 Schüler und zwei Schuldiener. In sieben Dschunken entkamen sie, bevor die Bauern der Nackibarschast Hilfe bringen konnten. Heinkel-Flugzeug mit 347 Kilometern.) Zwei weitere Rekorde über 1000 Kilometer mit 1000 bezw. 2000 Kilogramm Nutzlast wurden gleichfalls mit 390 Stundenkilometern aufgestellt. (Die bisherigen Inhaber waren Amerikaner auf einer Douglas-Maschine mit 308.5 Kilometern.) Drei weitere Rekorde brach Oberst Biseo schließlich auf der 8000 Kilometer-Strecke mit Nm?- lasten von 500, 1000 und 2000 Kilogramm mit einer Durchschnitts-Stundengeslbwindigkeit von 880 Kilometern.(Der bisherige amerikanische Rekord auf„Douglas" betrug 307.234 Kilometer.) Opfer der Wissenschaft Bndo.-est. Wie die Blätter aus Basa melden, ist der junge ungarische Archäolog Stephan B u r a n y i, der in der Gegend von Madaras mit Ausgrabungen beschäftigt war, seit einer Woche spurlos verschwunden. Alle Nachforschungen nach ihm blieben erfolglos. Am Sonntag wurde auf einem Felde ein Spaten gefunden, der dem Verschwundenen gehörte. Nach längeren Nachforschungen gelang es dann, in einem verschütteten Graben die Leiche des jungen Gelehrten aufzufinden. Allem Anscheine nach ist Buranpi während der Arbeiten plötzlich von Erdmasien verschüttet und sofort getötet worden. Reine Hoffnung... Oviedo. In der Grube San Felix bek Mieres ereignete sich ein Einsturzunglück, bei dem sechs Bergarbeiter verschüttet wurden. Die, Rettungsaxheiten wurden sofort aufgcnom- l Men,' doch besteht k e'n e Hofs n ung/^vic Unglücklichen lebend zu bergen. Ei« guter Nazi mag wohl keinen Inden leide«... aber wenn er auch nicht Hut oder Hose bei einem Juden kaufen darf, die Schatzscheine der Fünshundertmillionen-Anleihe, die im Jn- lande ausgenommen werden soll, darf er getrost bei den großen jüdischen Banken zeichnen. Selbst, verständlich dürfen auch Juden dem Nazi-Staat Geld borgen. Sie dürfen eö sogar bei nichtjüdi. schen Banken einzahlen.— Zu dem Bankcnkon- sortium, das das Zeichnungsangebot macht, gehören auch folgende Firmen: S. Bleichröder, Mendelssohn 6c Co., I. Dreyfus& Co., Gebrü- der Arnhold, Simon Hirschland, M. M. Warburg 6c Co., Strauß& Co., Sal. Oppenheim jr. 6c Co., Jacob S. H. Stern, Pest L. Homburger, A. Levy, I. H. Stein, Anton Kohn.— Viel- leicht gibt es noch andere jüdische Bankhäuser unter den Unterzeichnern des Aufrufes.-Dielleicht ist nicht jedes der von uns genannten jüdisch. Aber man kann nicht bestreiten, daß es unter den Mitgliedern des Konsortiums von jüdischen Fir- men geradezu wimmelt.— Nach„Brechung der Zinsknechtschaft" schaut ja die ganze deutsche Finanz- und Wirtschaftspolitik nicht aus. Nun, an diese Verheißung glaubt ja kein Pg. mehr. Aber der Antisemitismus! Na— er trifft kleine jüdische Kaufleute, Angestellte, Arbeiter, Wissen- schaster— aber die großen Juden! Ja, Pg., das ist ganz was andres! Auf dem Wege ins Krankenhaus... Aus Neuhaus wird uns geschrieben: Der Geschäftsvertreter Franz Langhammer aus Novo- sedly führte mit dem Motorrad seinen Bruder Vaclav in das Neuhauser Krankenhaus. Als er in der engen Vaclavska ulice einem Wagen vorfahren wollte, kam plötzlich von dem steilen Hang der Väclavskä der Radfahrer Franz Eerv aus Pkibraz, der die Gewalt über bas Rad verlor und mit aller Kraft in das Motorrad hineinfuhr. Durch den Zusammenstoß wurden die beiden Fahrer von ihren Rädern geschleudert, fielen auf das harte Pflaster und erlitten schwere Verletzungen. Der kranke Väclav Langhammer im Beiwagen blieb unversehrt. Die beiden Verletzten wurden ins Krankenhaus gebracht. 150 Kilometer in der Stunde. Der neue aerodynamische Expreßzug„S i l v e r Iu- b i l e e", der auf der Strecke L o n d o n— Newcasfle von der großen britischen Eisenbahngesellschaft„London and Northeastern Railway" in Dienst gestellt wurde, hat bei einer Probefahrt eine Durchschnittsgeschwindigkeit von 100 Meilen hielten die Deutschen auf einem.in der Stunde zurückgelegt. Ak der Arbeiler-Turn- ond Sportbewegung Futzballergebnisfe der Sonderklasse im 3. Atus-Kreis Gruppe II: Aussig-Nord gegen Schönpriesen 4:2, Kleische gegen Wannow 5:2. Grnppe HI: Schönfeld gegen Aussig-Ost 3:1, Predlitz gegen Türplitz 1:1. Die Spiele Nestersitz—Karbitz und Glashütte— Krochwitz fanden nicht statt, da Glashütte und Karbitz nicht erschienen waren. Gruppe IV: Dux gegen Prosetitz 3:1, Lang»« gest gegen Weiskirchlitz 3:2. Gruppe V: Wisterschan gegen Sobrusan 6:4, Tischau gegen Eichwald 1:5, Novy Tvory gegen Kosten 3:0. Di« kommenden Meisterschaftsspiel« am 2 9. September bringen nachstehende Begegnungen: Gruppe II: Nestersitz gegen Aussig-Nord, Schönpriesen gegen Kleische, Ullgtrsdorf gegen Wannow. Gruppe III: Schönfeld gegen Krochwitz, Tür- mitz gegen Aussig-Ost. Spielfrei: Predlitz. Gruppe IV: Pihanken gegen Kleinaugezd, Pro- setih gegen Ladowitz, Weiskirchlitz gegen Dux. Spielfrei: Langugest. Gruppe V: Wohontsch gegen Kosten, Novy Tvory gegen Tischau, Eichwald gegen Sobrusan. Spielfrei: Wisterschan. Gruppe VI: Komotau I gegen Sporitz, Komo- tau l l gegen Atus Saaz, Neudorf gegen Tschern. Saaz-Semmering gegen Weipert. Spielfrei: Trupschitz. Da die Vereine Karbitz und Aussig-GlaShütte gesperrt und aus der Sonderklasse ausgeschieden wurden, mußte eine Neueinteilung der Gruppen II und JTI platzgreifeitz Tie Vereinsleitungen und Kreisschiedsrichterorganisation werden auf die erfolgte Neucinteilung aufmerksam gemacht, damit keine Irrtümer daraus entstehen. In der Serieneinteilung ist immer der erstgenannte Verein der Plahgeber. Anstoß für alle Vereine 3 Uhr. Berrinssperren Die Vereine Aussig-Glashütte und Karbitz werden wegen Nichtantretens zu hen vorgeschriebenen Meisterschaftsspielen ab 25. September 1935 gesperrt. Der Verein Karbitz hat für die Wiedergutmachung deS Schadens kür den Verein Nestersitz und Glashütte für den Verein Krochwitz aufzu- kommen. Weiter werden beide Verein« aus der Sonderklasse ausgeschieden und in die 2. Klasse für 1936 eingeteilt. Die Vereinssperre bleibt solange bestehen, bis die Differenz endgültig geregelt erscheint und der Widerruf durch die Kreisspielleitung erfolgt. Svielabschlüsse baben daher zu unterbleiben. Alle Bezirks- und BereinSleitungen wollen dies zur Kcnntnit nehmen. Die Kreisspiellcitung des 5. AtuS-KreiseS. Fliegertod. Auf einem See in der Nähe von Konstantza(Rumänien) zerschellte beim Niedergehen ein militärischer Hydroavion. Seine dreigliedrige Besatzung fand den Tod. Ein Vulkan in Tätigkeit. Aus dem südlichen Teil der japanischen Insel K i u s ch wird ein schwerer Ausbruch des Vulkans S a k u r a j u gemeldet, der von einem starken Erdbeben und heftigen Stürmen begleitet war. Die Ernte hat durch die ausgeströmten Gase und Rauchschwaden erheblichen Schaden genommen. Zum Schutze der Bevölkerung wurden umfangreiche Vorbereitungen getroffen, da die Ausbrüche des Vulkans nach der Ansicht sachverständiger Kreise schwerer sind als im Jahre 1914. Damals wurden auf der Insel furchtbare Verwüstungen angerichtet. Die Pilzvergiftungen in Valence und Umgebung haben bisher sechs Todesopfer gefordert. Fünfzehn Personen befinden sich außerdem noch in ärztlicher Behandlung; drei von ihnen schweben in Lebensgefahr. Die SonntagS-Rückfahrkarten gelten in dieser Woche von Freitag, den 27. September, bis Sonntag, den 29. September, für die Hinfahrt,, und von Samstag, den 28. September, bis Montag, den 3". September, 12 Uhr mittags, für die Rückfahrt. Ti« Rückfahrt muß am letzten Tage der,Gültigkeit der Fahrkarte längstens bis 24 Uhr beendet sein. Wahrscheinliches Wetter Mittwoch: Wechselnd bewölkt, morgens stellenweise nebelig. Auch im Karpathengebiete stärkere nächtliche Abkühlung. Tagsüber mäßig warm. Im Nordwesten der Republik später etwas unsicher. Vom Rundfunk taptahlanswarla« au*«taa Proaramaaii Donnerstag Prag, Sender L.: 10.05: Deutsche Presse. 21.10: Schallplaüen. 15: Blasguintett. 18: Ba- kulcsänger. 18.20: Deutsche Sendung: Sporwor- schau. 19: Deutsche Presse. 20.15: Gesangskonzert. 22.8!Ä Tanzmusik.— Sender S>: 7.30: Leichte Musik. 14.15: Deutsche Sendung: Drinks: Freude, eine Lebensnotwendigkeit. 14.35: Unterhaltungsmusik.— Brünn: 13.35: Deutscher Arbeitsmarkt 17.40: Deutsche Arbeitersendung: Süß: DaS Jndividium und die Gesellschaft. 18.20: Bosto« vec und Werich ssngen Lieder. 19.30: AuS dem Brünner Landestheater aus„Don Quichotte".— Mätn.- Ostra«: 11: Schallplatte». 18.20: Deutsche Sendung: Gröbel: Ein Wirtschaft?- und Wohlstcmdsfak- tor.— Populäre Chansons.— Prrhburg: 18; Violinkonzert. Nr. 224 Mittwoch, 25. September 4935 Sette 5 Zu ßericktssaat Volhswirtsdiaft and SozlalpolMIK Unser Außenhandel nach Ländern Starke Intensivierung unserer Handelsbeziehungen mit den Balkanländern wirtschaftliche find die Zif- Ausfuhr von» wollte ihn dem dienstübergeben. Pristiö eine ungeahnte: seiner unvollkommenen- Jänner bis August 1938 aus, bezw. nach den 3u wichtigsten Austen Handelsländern den Ziffern des gleichen vorjährigen Zeitraumes gegenübergestellt. die anderen nichtjüdischen Böller»fressen" und »vertilgen" können.^ Das letzte Kapitel dieser jüngsten einzigartigen Lügensammlung beschäftigt sich mit dem nächsten Ziel Alljudas: Deutschland. Deutschland, das Bollwerk gegen den Bolschewismus, muß erst erobert werden.„Alljuda weiß, daß es dann ein leichtes Spiel haben würde, wenn diese Festung erobert ist. Alljuda weiß, daß dann der Bolschewismus ungehemmt sich in die europäischen Länder ergießen könnte. Darum beschäftigten sich auf dem letzten»Komintern"-Kongreß die Redner vorwiegend mit Deutschland. Darum reichten sich die jüdischen Machthaber in der Sowjetunion und die jüdischen Machthaber in Frankreich die Hand und schloffen ein Militärbündnis. Und darum gesellte sich als Dritter zu diesen zweien der Präsident Masaryk der Tschechoslowakei, ein Mann, der vom Judentum völlig abhängig^st. Er stellt 240 Seiten. In Leinen geb. KC 14.—, broschiert K£ 12.—. beziehen durch die Zentralstelle für das Bildungswesen, Prag XU., Slrzfta 13. für den Sowjet-Aufmarsch nach Deutschland die Tschechoslowakei zur Verfügung und seine Beauftragten verhandeln zu diesem Zwecke schon seit langer Zeit mit dem Generalstab der Sowjetjuden."— Mit einem Zitat aus dem„Prävo Lidu" schließt diese Glanznummer des»Stürmer". Noch nie, seit Druckfarbe vergossen wird, wurde s o systematisch, s o unentwegt und konstant und s o von dem höchsten Leiter einer Reichspolitik expressis verbis gebilligt, zur Ermordung der Angehörigen einer Raffe gehetzt wie dies heutzutage allwöchentlich Herr Streicher tut. Die neuen Judengesetze sind Streichers persönlicher Erfolg. Sie haben immerhin das Gute, daß sie die leiseste Hoffnung unbelehrbarer Juden vernichten, die es bis heute in Deutschland noch gegeben haben soll, die Hoffnung, es könne sich die Judenschaft irgendwie mit den Barbaren arrangieren. I. E. Der Außenhandel der Tschechoslowakei in den ersten acht Monaten des laufenden Jahres weist in bezug auf seine Richtung einige bemerkenswerte Veränderunge nauf. Obwohl der Gesamtumsatz der Einfuhr und der Ausfuhr höher liegt als im Vorjahre, ist d i e E i n f u h r der Tschechoslowakei aus fünfzehn von den dreißig wichtigsten Austenhandelsländern geringer gewesen, während die tschechoslowakische A u s f u h r in der Periode von Jänner bis August 1935 sich im Vergleich mit demselben Zeitraum des Vorjahres nach elf Ländern vermindert hat und nach neunzehn Staaten g e st i e g e n ist. Wertmäßig am stärksten ist die Einfuhr aus Deutschland zurückgegangen, nämlich um rund 103 Millionen Kronen. Die Einfuhr nach Frankreich hat um 65 Millionen Kronen, die nach Italien um 41 Millionen Kronen abgenommen. Auffallend ist der scharfe Einfuhrrückgang aus Rußland. Für rund, 45 Millionen Kronen hat die Tschechoslowakei in den ersten acht Monaten 1935 weniger russische Waren gebraucht als 1934. Sonst befinden sich unter den Ländern mit verringerter Einfuhr in unseren Staat außer Oesterreich noch einige Ueberseeabsatzmärkte. wie Australien, Brasilien, Argentinien und Südafrika. Gestiegen ist die Einfuhr aus den Balkan- lilndern, aus den Niederlanden, Spanien, Schweden, der Türkei, China, Japan, Britisch- Jndirn, Kanada und aus. den Bereinigten Staaten. Die Ausfuhr nach Deutschland hm um 211 Millionen Kronen abgenommen. Dadurch ist das tschechoslowakische Aktivum der Handelsbilanz mit Deutschland von 165 Millionen Kronen auf 57 Millionen Kronen in den ersten acht Monaten dieser Jahres zurückgegangen. Das Aktivum im Handelsverkehr mit Deutschland war bekanntlich für unsere Wirtschaft von sehr zweifelhaftem Wert, da der Betrag in Deutschland eingefroren blieb, also nicht bezahlt wurde. Noch jetzt beträgt die tschechoslowakische Clearingspitze gegenüber Deutschland mehr als 300 Millionen Kronen. Auch der Ausfuhrrückgang nach der Türkei in Höhe von 66-Millionen Kronen fällt ins Gewicht; doch must dabei berücksichtigt werden, daß die Tschechoslowakei im Vorjahre ihrs Ausfuhr nach der Türkei ganz sprunghaft steigern konnte. Dagegen hat die Ausfuhr nach der Mehrzahl der mit uns handclstreibendeu Länder zugenommen. Von der ganz abnormalen Erhöhung der Ausfuhrziffer nach der Schweiz um 189 Millionen Kronen müffen 152 Millionen Kronen in Abzug gebracht werden, die als Goldüberweisung an die BIZ in Basel gegangen. Es bleibt also eine Ausfuhrerhöhung von 37 Millionen Kronen übrig. Nach einigen der übrigen Länder betrug sie in Millionen Kronen: Rumänien 96, Vereinigte Staaten von Nordamerika 78, Grostbritanien 45, Bulgarien 39, Rußland 34, Polen 35, Frankreich 25, Jugoslawien und Kanada je 20, Niederlande 13. Mit den vier Balkanländern Jugoftawien, Rumänien, Bulgarien und Griechenland hat die Tschechoslowakei in diesem Jahre ihren Außenhandel gegenüber dem Vorjahre bisher ein gut Stück intcnsivieten können. Im Verkehr mit allen ist die Ein- und Ausfuhr gestiegen. Besonders erfreulich ist dabei die sehr beträchtlich Umsatzsteigerung im Außenhandel mit den Bündnisstaaten, der Kleinen Entente. Dir starke Erhöhung der tschechoslowakischen Einfuhr aus Jugoslawien(75 Mill. Xi) und auS Rumänien(32 Mill. Xi) und die noch größere Steigerung der Ausfuhr können wohl wenigstens teilweise alS ein Erfolg der unausgesetzten Bemühungen gewertet werden, daS politische Bündnis durch eine engere Zusammenarbeit zu ergänzen. In der nachstehenden Tabelle fern der wertmäßigen Ein« und Kontrolle der KriegsmaterialSauSfuhr aus Frankreich Das Außenministerium hat eine Verordnung über die Ausfuhr von Kriegsmaterial er» lassen. Danach wird die Ausfuhr der wichtigsten Arten von Kriegsmaterial aus Frankreich und Algerien von der vorherigen BewMgung eines Ministerkomitees abhängig gemacht. Die Bewilli- gung muß innerhalb eines fallweise festzusetzenden Zeitraums, der drei Monate nicht überschreitet, ausgenützt werden und erlischt dangch. (Selbstverständlich sind Maßnahmen dieser Art, die ja auch in vielen anderen Ländern schon eingesetzt haben, als»Kriegswirtschaft" aufzufaffen und von planwirtschaftlichen Bestrebungen im eigentlichen Sinn deutlich zu unterscheiden. Red.) Eine gefährliche Prothese Episode aus dem Leben eines BerufSdettlerS Prag. Der 31jährige ftowakische Landstreicher und Berufsbettler Gaspar P r i ft i ö hat seinerzeit den rechten Fuß verloren und trägt eine Prothese. Sie ist nicht gerade erstklassigen Fabrikates. Sie quietscht und knirscht in den Gelenken und unterstreicht auch, durch holpernden Gang, das Gebrechen ihres Besitzers. Gaspar P r i st i ö ist da-. mit ganz einverstanden, denn diese unvollkommene Prothese trägt sehr dazu bei, das Mitleid zu erregen, von dem er ja lebt, und zwar recht gut lebt, wie die meisten professionellen Bettler, die sich auf ihr Gewerbe verstehen. Ueber dieses Kapi-» tel wäre allerlei zu sagen, doch kehren wir zurück zu der Prothese des Gaspar Pristiö, die in diesem vor dem Senat M a r e ö e k verhandelten Prozeß eine wichtige Rolle spielt. Pristiö hat, wie erwähnt, ein« ausgezeichnete Prager-.Praxis", die ihm hübsche Einkünfte, ab-' wirft, Hlber er„arbeitet" nicht nur- in der Stadt. selbst. Da er die Spesen nicht zu scheuen braucht, unternimmt er, das Nützliche mit dem Angenehmen verbindend, an Sonntagen Ausflüge in die Umgebung. Er klappert dabei die von Ausflüglern und Touristen überfüllten Eisenbahnzüge hübsch. methodisch von einem Ende zum andern ab und verdient ganz gut. Als man ihn am 21. Juli d. I.• verhaftete, trug er 126.50 Kö in Kleingeld bei sich.. Zu dieser Verhaftung kam es aber folgendermaßen. Pristiö fuhr in gewohnter Art mit einem Ausflüglerzug nach Eule. Er war in den letzten Waggon des Zuges eingestiegen und bettelte sich Abteil für Abteil zum nächsten Wagen durch. Ter Schaffner untersagte ihm daS, aber ohne Erfolgs Als er ihn vor der Station Modkan zimr dritten Male beanständete, forderte er ihn auf, den Zug zu verlassen und habenden Stationsbeamten Nun entwickelte aber Behendigkeit. Ungeachtet Prothese sprang er blitzschnell auS dem Waggon, und in einen auf dem Nebengeleise stehenden Zug, dse'sich"ebön^rn"dör"Gegenrichtüng"k8 BewegünFk? setzte.' Der Statjonsbeamt« bracht« den Zug zum Stehen, aber Pristiö war bereits auf der anderen. Seite wieder abgesprungen, kletterte über eine auf dem dritten Geleise stehend^ Lastwagengarmtuc und suchte in den Feldern zu verschwinden. Er wurde von vier Eisenbahnern verfolgt,. denn sein überraschendes Ausreißen schien auf ein schlechtes Gewissen zu deuten. Als man ihn einholte, wehrte' er sich zunächst mit Faustschlägen. Er wurde zu Boden geworfen und, da er wie rasend um sich schlug, an den Händen gefesselt. Aber er ergab sich noch lange nicht, sondern begann seine Prothese alSWaffezu benützen und teilte mit ihr nach allen Setten wuchtige Hiebe aus, durch welche einige seiner Verfolger verletzt wurden. Es blieb schließlich nichts übrig, als ihm die g e f ä h r l i ch e Prothese mit Gewalt vom Leibe zu schnallen, womit sein Widerstand schließlich gebrochen wurde. ES wurde eine Anklage wegen äffe ntlich er Gewalttätigkeit daraus. Da die Vorstrafenliste deS Angeflagten zahlreiche Verurteilungen wegen Vagabundage, Trunkenheit, Diebstahls und Gewalttätigkeiten ausweist und Pristiö mich sonst keinen sonderlich guten Eindruck machte, konnte er auf keine besondere Milde rechnen. Der Gerichtshof verurteilte ihn zu vier Monaten schwerenKerkers, natürlich unbedingt. rb. Nürnberger Irrenhaus Eine Parteitags-Sondernummer des„Stürmer* „Der Stürmer", jenes Blatt, von dem sein Herausgeber Streicher sicherlich mit Recht! rühmte, daß es das einzige sei, das der Führer regelmäßig von A bis Z lese, jenes Blatt, dessen alleinige Aufgabe es ist, Blutrausch in Millionen Köpfen der Deutschen zu erzeugen— um von den wahren Schuldigen an der Tragödie dieser Deutschen abzulenken— dieser»Stürmer", Zentrum infamster Lüge und Verleumdung der jüdischen Raffe, hat eine zwanzigseittge Sondernummer zum Nürnberger Parteitag herausgebracht. Es ist sOver festzustellen, auf welcher dieser zwanzig Seiten der Gipfel der Lüge, Gemeinheit, mit einem Wort des Verbrechertums seines mindestens fünfzigmal vorbestraften Herausgebers Julius Streicher erklommen wird. Man möchte jeder den ersten Preis geben. Die Sammlung von Unflat ist von derartiger Ekelhaftigkcit, daß einem nur noch ttefe Traurigkeit erfüllt angesichts der Tatsache, daß solch ein verbrecherischer Wahnsinn, komprimiert auf zwanzig Druck-j feiten, einem Volke von sechzig Millionen dargeboten werden kann, einem Volke, deffen Schoß' I I Kant und Schopenhauer, Goethe und Nietzsche, Hölderlin und Beethoven entsprossen sind. Wenn an der Tiefe des Falles eines Bolles sich die Höhe seines dermaligen Aufstteges ahnen ließe, bliebe einem zum Trost die Gewißheit der unermeßlichen Höhe jenes Gipfels menschlicher Kultur, Vorbehalten einer deutschen Zukunft nach Ausrottung jener Pest, die sich heute vom Allgäu' zur Ostsee und vom Schwarzwald bis in die Romin- ter Heide über die Hirne zahlloser Deutscher gesenkt hat. »Mcnschenmörder von Anfang an. Der jüdische Weltbolschewismus von Moses bis zur Komintern" ist der Gesamttitel der Parteitagsnummer des»Stünner".(Es ist wahrhaftig schade, daß er hierzulande und anderswo verboten ist. Eine bessere Darstellung des kulturellen Niveaus dieses Dritten Reiches, als sie das Dreckblatt liefert, ist nicht leicht denkbar I) Der ganzen Nummer einziger Sinn ist, die ewige Streicher- Hitler-These zu»beweisen", daß schlechthin jegliches Unglück, das seit den Tagen des Herodes unseren Planeten heimgesucht hat, von Juden verursacht sei. Von Herodes bis zur Demonstration gegen die Hakenkreuzflagge im Hafen von New Aork ist alles Unglück dieser Erde das bewußte Teufelswerk der Juden. In ihrer absoluten Primitivität und Idiotie liegt die Gefahr dieser These. Nichts ist idiotisch genug, um von den Deutschen(von einem sehr großen Teile wenigstens) bei entsprechender Aufmachung nicht doch geglaubt zu werden. Trotzki ist in Opposition zum Stalinschen Regime? Alles nur jüdisches Theater:„Mit Trotzky wurde eine noch interessantere Szene aufgeführt. Er wurde aus den SSSR, dem Gebiete der Sowjetrepubliken,»ausgewiesen". Auffallend ist dabei folgendes: Nach seiner»Ausweisung" nahm er Aufenthalt in Konstantinopel und das Ergebnis war; Freundschaft der Türken mtt dem Sowjetstaat. Er nahm Aufenthall in Spanien-und das Ergebnis war: Blutige Aufstände* und Unruhen. Er nahm Aufenthalt in Paris und das Ergebnis war: Militärbündnis zwischen Frankreich und dem Sowjetstaat. So wirken sich die Reisen dieses„Verbannten" und „Ausgewiesenen" in großer Weise zugunsten der Sowjetunion aus." Unter dem Bilde Stalins in dieser Nummer steht»Der Nichtjude Stalin. Stammt aus Georgien. Er ist nicht der Diktator der Sowjetunion. Er ist ebenso wie Lenin ein Werkzeug in der Hand der Juden. Die Tochter des Juden Kaganotvitsch ist seine Frau." Damit ist das Problem gelöst. Selbst, daß die Frau Stalins längst tot ist, ficht den»Stürmer" nicht an. An solchen Kleinigkeiten hat man sich nie ge- stcßen. Doch weiter:„Der Jude Lunatscharsky Vollskommissär für Vollserziehung(Kultusminister) der Sowjetunion. Ließ die Schullinder zum gegenseitigen Geschlechtsverkehr auffordern. , Die Folge war eine erschreckende Verseuchung der russischen Kinder durch Syphilis." Unter einem anderen Bild, dem des Außenministers Litwinow, steht die faustdicke Lüge:„Der Jude Litwinow heißt eigentlich Wallach Meyer. Im Jahre 1908 verübte er in Tiflis einen Bankraub. Die fran- . zöstsche Zeitung»Le Journal" berichtete darüber. Ein Steckbrief wurde gegen Litwinow erlassen. In Paris konnte der Jude im Jänner 1908 verhaftet und wegen noch verschiedener anderer Delikte abgeurteilt werden. Heute ist der ehemalige Bankräuber und spätere Bolschewistenführer Außenminister der Sowjetunion und Präsident des Völlerbundes(II!)." Neben der mit diesem Text gezierten Photographie Litwinolvs zeigt der »Stürmer" zwei Zeichnungen unter denen die nicht minder große Lüge steht:„Aufnahme Litwinows aus dem Pariser Verbrecheralbum". Schließlich— und das scheint zweifelliw einer der Lügenrekorde dieser Nummer des „Stürmer" zu sein— wird die Behauptung gebrückt, bie jüdischen Machthaber hätten in der Sowjetunion das Blut von 50 bis 60 Millionen(!!!) Menschen vergossen. Von dieser Zahl wird gesagt, daß sie sich von Monat zu Monat, von Jahr zu Jahr immer schrecklicher erhöhen werde:„Mit kalter Berechnung, mit dämonischer Freude, mit beftiedigter Mordgier sehen-die Juden der Sowjetunion die verhaßten„Gojim" dahinsterben. Und sie warten auf den Augenblick, wo sie nach der Verheißung ihres Gottes Jahwe auch Z« de« englischen Flottenzusammenziehungen Das größte Schlachtschiff der Welt, der 42.000 Tonnen große Schlachtkreuzer ,4) o o d". Diese schwimmende Festung hat sich nach kurzem Aufenthalt in Gibraltar ebenfalls in das Mittelländische Meer begeben. Damit werden die englischen Flottenzusammenziehungcn im Mittelländischen Meer immer augenfälliger. Ein Negerromani Joe Conway: Schwarz und Rot Einfuhr Jänner bis Aug. in Mill. Aö Ausfuhr Jänner bis Aug. in Mill. ttö. Deutschland, 712.4 815.6 769 980 Hamburg,. 105.2 179.2 89.5 55.2 Oesterreich ,■ 194.6 207.3 460 462 Polen,«. 154.3 150.7 122 86.7 Ungarn.. 66.7 70.8 79.7 94.8 Rumänien., 180.4 108.3 239.8 143.6 Jugoftawien. 201 125.8 181.6 161.1 Bulgarien,. 83 19 50.7 11.0 Belgien.. 96.6 100.8 91.3 83.2 Großbritannien 222.3 225.3 823.7 278 Frankreich. 217.8 282.6 188.3 168.6 Italien., 120.6 161.8 127.2 126.» Niederlande• 157 187.7 171.2 158.2 Spanien.■ 45.4 40.9 41.2 82.3 Schweiz,, 117.7 125.9 365.5 176 Dänemark., 30.3 86 42.9 48.3 Schweden. 84.22 68.5 102.6 90.1 Griechenland, 27.9 17.2 38.8 32.« Rußland.. 29.8 74.4 48.8 14.5 Türkei«,, 49.5 18.5 57.1 124.5 China,., 16.3 10.6 49.7 58.4 Japan..■ 106 6.9 19' 15.. Britisch-Jndien 173.6 157.8 54 60. i Aegypten.. 74.1 73.3 27.2 80.1 Südafrika-,■** ,6.5. 24 86.4 S- 87:6 Kanada 10.-4 2.9 29.2 •19.« Vereinigte St. 221.9 213.4 878.4 299.2 Argentinien v. 80.9 106.5 64.2 61.3 Brasilien,, 87.4 50 29 29.6 Australien., 87.8 61.7 22.5 18.3 WEH MM IjLl Seite 6 Sozialdemokrat^ Mittwoch, 25. September 1935. Nr. 224 Jroger fe-itunq Jugendliche Diebe verhaftet. Am 20. September wurde der Altar der Pfarrkirche von Cako- witz beraubt, indem der Altarschrein aufgebrochcn und ein Kelch, drei Oelgefäße, ein Ziborium und einige kleinere Gerätschaften, insgesamt im Werte von KL 2000.— gestohlen wurden. Dienstag gelang es, die Täter in der Person eines Jugendlichen unter 18 Jahren und des ebenfalls jungen, noch unbescholtenen I. S. zu verhaften. Beide waren geständig, Auf Grund ihrer Angaben gelang es, fast alle gestohlenen Gegenstände bei Prager Hehlern zu beschlagnahmen. Nur der Kelch, den die beiden, wie sie sagten, hinter Cakowitz weggeworfen hatten, konnte nicht gefunden werden. I. S. wurde in die Haft des Pankratzer Kreisgerichtcs, der andere, der auch bei einem seiner Verwandten KL 3000.— gestohlen hat, in die Haft des Jugendgerichtes eingeliefert. Gift aus Amerika. Dienstag vormittags wurde die 50jährige Spediteursgattin Anna Vys- koLil auf die Klinik Prof. Schmidt eingeliefert, wo sie angab, das; sie irrtümlich statt Aspirin mehrere Tabletten eines unbekannten Giftes genommen habe, das sie angeblich aus Amerika bekommen hätte. Da sie in Ohnmacht fiel, konnte sie ihre Angaben nicht fortsetzen. Mit dem Kopf in die Scheibe. Montag um 8 Ilhr abends fuhr der 14jährige Lehrling Josef Cada aus Holleschowitz durch die Belcredisttaße, als eine unbekannte Frau die Straße überqueren wollte und Eada, um ihr auszuweichen, mit dem Rad bis zum Trottoir heranfuhr. Es gelang ihm jedoch nicht mehr, zu bremsen und so fuhr er gegen die Auslagescheibe des Obstgeschäftes M. Kohout, die er mit dem Kopf einstietz. Eada erlitt ziemlich tiefe Riß- und Schnittwunden am Kopfe, wurde jedoch aus der Klinik Jiräsek in häusliche Pflege: entlassen. Einlageiücher gestohlen. Dienstag nachmittags drang ein unbekannter Täter in die Wohnung des Miroslav Paluska in Holleschowitz ein, wo er mehrere Anzüge und fünf Einlagsbücher stahl. Eine größere, zum Zahlen des Zinses bestimmte Menge Bargeld, die knapp danebenlag, übersah er. . Ter Schaden beträgt LL 50.000.—; die Einlagsbücher sind jedoch binkuliert. Blitz-Schachturnier in Prag. Der Prager Schachgau hat in einer Vollversammlung beschlossen, das Blitzturnier um die Meisterschaft hon Groß-Prag am 19. Oktober zu veranstalten. Anmeldungen für das Turnier mit Angabe des Klubturnierleiters sind spätestens bis zum 7. Oktober d. I. einzusenden, an welchem Tage die Auslosung stattfinden wird. Die Anmeldungen für den Auskcheidungspokalwcttkampf sind bis zum 7. Oktober einzubringen. Der Prager Gau wird die Svende, die von der Stadt Split der Stadt Prag gewidmet wurde, anläßlich des Wettkampfes Prag— Gplit überreichen. »M Kunst und Wissen WUR Das schöne(wenn auch reichlich späte) Verdienst des Prager Deutschen Theaters, sich jetzt des „utopistischcn Kollektivdramas" KarelCapeks anzunehmen, wurde bei der gestrigen Erstaufführung durch geistvolle Regie und vorbildliche Ensembleleistung einer hochqualifizierten Schauspielerschar deutlichst und kräftigst unterstrichen, durch die Anteilnahme eines überaus zahlreichen, um viele Tschechen vermehrten Publikums in der lebhaftesten und erfreu! üen Weise gewürdigt. Also ein voller Erfolg der Bühne, der internationalen Kunstberührung, des Autors und gewiß auch des Uebersetzers(Otto Pick). WUR, obwohl schon ganz knapp nach dem Weltkrieg geschrieben, wirkt heute noch als gewisser-^ maßen frisch modernes Stück, zweifellos als eines der besten und intereffantesten nicht nur des tschechischen. sondern des Welttheaters. Das Problem des Maschinemnenschen und die Probleme, die seine Vorstellung und Darstellung entzünden, haben nichts an Reiz verloren und manche Stelle des Eapef'schen Dialogs, vor allem die, die den Fluch des Nationalismus am Roboter so furchtbar ersichtlich und fühlbar zu machen versteht, sind mehr als aktuell gerade in unserer Zeit, wie denn überhaupt die Veranschaulichung jenes technischen Fortschritts, der bislang in der Hauptsache nur der Weltvergiftung, dem Haß- und Mordgedanken, dem Kriegsgrauen dient, insbesondere von der Schaubühne herab nichts an Wucht und Wirksamkeit verloren hat^Bezeichnend— allerdings auch für das hohe Nivcaudes Publikums — daß nicht mißverstehender Beifall gerade bei einem Satz aufflackerte, her mit der Angst unserer Tage am deutlichsten korrespondierte. Gewiß, Eapeks IV 17 R ist, so sehr es auch ein kühner Wurf ist, nicht ohne Verhalten und Verzögern; hie und da hört man den Dichter allzu undramatisch sich mit sich selber auseinandersetzen und im zweiten Akt raschelt es manchmal nach Papier. Und schließlich scheint die ^Dichtung gegen ihr Ende in dem Maße an Kraft zu verlieren, als sie das Philosophische und Soziale ins Religiöse aufzulösen beginnt. Aber das ändert nichts an der Tatsache, daß hier Soziales, gestaltet ist und daß ein wirklicher Dichter am Werke ist. Und diese beiden Tatsachen, zusammen mit dem Umstand, daß Eapeks dramatischer Versuch zum Nachdenken anregt sind mehr als Rechtfertigung jeder solchen Aufführung, machen sie zum Ereignis in einem Theater, das ja sonst leider allzusehr rückwärtsgewandt ist. Julius Gellner versteht es ausgezeichnet, Grundstimmüng zu schaffen und festzuhalten, Dynamik und Rhythmik sind ausgezeichnet gestuft, die Schauspielerpersönlichkeiten im allgemeinen totsicher erkannt und genützt. Ueber manchen Strich und über die Unterlassung manches Strichs ließe sich rechten. Besonders der Schluß hätte sich so verkürzen lassen, daß wirklich nur die Synthese zwischen dem ewig Menschlichen und dem Kollektivistischen aufgeschienen wäre—- ohne die Zuflucht zu der Vaterunser-Verschwommenheit des Textes. Aber trotz alledem sind die Konturen der Regieleistung bis zum Schluß stark und deutlich. Was die Darsteller anlangt— in ein vorzügliches Bühnenbild von Frank Schultes gerückr —, so würde man in diesem Falle vielleicht wirflich zur genauesten Würdigung gelangen, wenn man das im allgemeinen nicht geschätzte Pauschallob ausspräche. Allerdings ein ungewöhnlich hohes Pauschallob. Und nur, um den Versuch der Gerechtigkeit nicht zu weit zu treiben, seien vor allem Marion W ü n s ch e als seelisch und geistig vollkommen überzeugende Frau Helene und rührend echt wirkende Robotin Helene an erster Stelle genannt, dann Fritz Klippel als kraftvoll nervöser, vielleicht nur ein wenig zu derber Domin, die Herren Volker und Marlf als einprägsame Figuren, Walter Taub als ein Busman, der mit erstaunlicher Weitsicht ist und mit hoher Intelligenz auf die Ueber-- raschungen seines Charakters bin angelegt ist. Herr Siedler schöpft aus der Wärme seines Organs und der Eleganz seiner Erscheinung, Herr Richter trefflich ans seiner Schlichtheit, die dann allerdings für seine faustische Schlußaufgabe doch nicht ganz auszureichen scheint. S chm e r z e n r e i ch gibt dem ersten Sprecher der Roboter alle mögliche Kraft. V a l k s chüttelt sie aus dem Handgelenk, Frau S t e i n, Hermann Brix und die anderen ergänzen gut. Alle haben ihren Anteil an der ungewöhnlich intensiven Anteilnahme des Publikums, diesih nach den Aktschlüssen in großem Beifall ansdrückt L. G. Das Hans an der Landstraße.-Die„stille Komödie" des erfolgreichen, jungen.französischen Autors Jean I. B e r n a r d, die jetzt i m Ständetheater ffchechisch erstaufgeführt wurde, ist ein„stilles Drama" zweier Menschen— von Vater und Tochter, die ihren Träumen, Phantasien und Wünschen leben. Die Landstraße und, die auf ihr vorbeirasenden Autos geben täglich ihrer Träumerei ftische Nahrung. Zwei Jahre lang steht schon die Tochter am Fenster, die Äugen auf die Landstraße geheftet, woher das große- Glück kommen muß. Neben ihr der Vater, ein-fleiner pensionierter Beamte, voller Erwartung, die die Grenzen zwischen Traum, Wirklichkeit und Phantasie verwischt. In diese stille Welt kommen plötzlich ein Pariser Romanschriftsteller mit seinem Sohne, durch einen Autounfall an der Weiterreise nach Indien gehindert. In dem jungen Mädchen erwacht die Liebe zu. dem jungen Manne,'der wie eine Verheißung in ihrer Tür erschien,' über auch die Liebe des ruhelosen älteren Schriftstellers zu dem jungen Mädchen, die Hoffnung auf neues Lebe^ Und Ruhe verspricht. Die- Wirklichkeit tötet den Traum des Mädchens, das Sehnen des alternden Mannes nach Ruhe, die Phantasiegebilde des Vaters. Der Schmerz läßt nur BxtHubungsmkttel suchen, er steigert sich nur, als auch die Land- sttaße, di« verheißende, verlegt wird. Mit spar- famen Mitteln— fünf Akte spielen in dem einfachen Wohnzimmer des ländlichen Hauses— ging ein auf Gefühl und Traum eingestelltes Drama über die Bübne, einige meisterhaft geleitete Szenen zeigeikd(im dritten und vierten Akte). Frau Schein pflugova, als Fvanzine, war ein verträumtes Kind, das seiner Phantasie lebt; stellenweise zu einfältig, aber überzeugend in den Szenen des- Schmerzes. Herr V 0 j t a als ihr Vater bot eine glänzende Leistung mit seinem fteudigen Träumer, der Phantasie als Wirklichkeit erlebt. Frau Dostälovä als Mutter verkörperte die nüchterne Wirklichkeit, Herr V h d r a und Herr Kohout die große unbe kannte Welt, beide gut in Charakteristik und Zusammenspiel. Nach der dramatischen Spannung des dritten, und vierten Aktes wirkte der> fünfte matt und ernüchternd, wie der Ausklang einer jeden Tragödie des Einzelnen. m. i. DaS neue Abonnement! Ausgabe für Neueintretende ab 27. September! Rechtzeitige Anmeldung erbeten! In diesem Jahr« werden den Abon- Franchot Tone und Ioan Crawford in dem Revue-Film„Die tanzende Venus nenten zahlreiche interessante Gastspiele pro«' minenter Künstler im Abonnement geboten werden, und zwar in einem regelmäßigen Turnus für alle Serien. Sonntag gastierte bereits Kammersänger auf B(in.Lüdin"); als nächstes Gastspiel ist auf D„T r i st a n" mü Anni Ko- netzni angesetzt(am 5. Oktober). Als nächste Abonnements-Gäste folgen demnächst Maria Müller und Stabile. Diese Gastspiele bilden einen weiteren besonderen Vorteil des neuen Abonnements. Wochenspielplan des Reue» Deutschen Theaters Heute Mittwoch, halb 8 Uhr: Der Bettelstudent, BI.— Donnerstag, halb 8: Cosifan tutte, C 2.— Freitag, halb 8: WUR, D 2.— Samstag, halb 8: Der Bettelstudent, CI. Wochenspielplan der Kleinen Bühne. Heute, Mittwoch, viertel 9 Uhr: Schule für S t.eu e r z qöb l e r, volkstümliche Vorstellung.— Donnerstag, 8:DerKönigmitdemRegen- schirm.— Freitag, 8: Der Kömig mit dem Regenschirm.— Samstag, halb 8: Attentat, Uraufführung. Der Mm Die tanzende Denn« Ein nicht sehr gelungener amerikanffcher Film, der eigentlich nur eine Revue-Operette ist, aber den Ehrgeiz hat, keine sein zu wollen. Er macht also die Mitwirkenden der Revue zu Akteuren einer ernstgemeinten Liebesgeschichte, in deren Mittelpunft eine junge Tänzerin steht, die von einem reichen Jüngling begehrt wird, aber den großen Regisseur vorzieht. Dieser Konflikt, der die Revue und die Karriere der Tänzerin eine Weile in Gefahr bringt, löst sich schließlich in einem raschen happy end auf, — und vorher bekommt man dann doch nach all den realistischen Szenen von der Probenarbeit die Revue selbst zu sehen, die recht amerikanische Ausmaße annimmt und den Erfolg, den sie im Film hat, nach unserem Dafürhalten nicht verdient. Die Hauptdarstellerin der Liebesgeschichte und der Revue ist I 0 an C r a w f 0 r d, die wir feit den „Menschen im Hotel" als vorzügliche Schauspielerin kennen, die aber von ihren Fähigkeiten als Tanz- Star nicht in gleichem Maße überzeugt. Ter eigentliche Tanz-Star ist hier der hinreißend bewegliche Fred Astaire, der aber um der Crawford willen nicht genügend zur Geltung kommt. Die beiden Liebhaber sind Franchot Tone und Clark Gable: der eine etwas zu blaß und der ändere gar zu rauh. —eis— Spwt-Sptet-JCorperpffege Hollands Arbeiter-Handballer siege« Belgien verliert 4:9 Der am Sonntag in Hilversum stattgefundene Handballwettkampf zwischen den Auswahlmannschaften der Arbeitersporwerbände von Belgien und Holland endete mit einem überlegenen 9:4-Sicge der Holländer. Durch diesen Erfolg hat sich der holländische Sportbnnd in der internationalen Handballbewegung der SATJ eine gute Position erobert., Am 13. Oktober soll das holländische Sportbund-Handballtcam in Zürich mit dem S a t.1 s- Auswahlteam einen Wettkampf austtagen. Die Leichtathletik-Meisterschaften der norwegischen Arbeitersportler Die Meisterschaften der Leichtathleten des norwegischen Arbeitersportverbandes(AFF) wurden geteilt zur Austtagung gebracht. In Oslo wurden die Einzelmeisterschaften der Sportler und Sportlerinnen und in Lilleström die Fünfkampfmeisterschaft ausgetragcn. Pier neue Bestleistungen konnten verzeichnet werden. Die Osloer Wetttämpfe ergaben u. a. folgende Ergebnisse:>100 Meter: Hansen 11 Sek.; 200 Meter:. Amundsen 23.3 Sek.; 400 Meter: Myhre 51 Sek.; 800 Meter: Jansgaard 2:00.6 Min.(Vorlauf 1:59.7 Min.); 1500 Meter: Lau« ritsen 4:12.5 Min.; 5000 Meter: Dypoiken 15:36.6 Min.(neue Bestleistung); 10.000 Meter: Sund 33:29.7 Min.(neue Bestleistung); 110 Meter Hürden: Sbendsen 16.1 Sek.; 400 Meter Hürden: Bostadt 1:00.5 Min.; Weitsprung: Svendsen 6 78 Meter; Hqchsprung: Larsen 1.83 Meter; Stabhoch: Leines 3.30 Meter; Speer: Svartaas 53.88 Meter; Diskus: Kleppe 41.93 Meter; Schleuderball: Eriksen 54 83 Meter; Kugel: Jacobsen 13.56 Meter; 4X100 Meter: Olson Oern 44.5 Sek.— Sportlerinnen: 100 Meter: Olsen 13.6 Sek.; Weitsprung: Olsen 5.14.5 Meter(neue Bestleistung); Hochsprung: Olsen 1.40 Meter; 200 Meter: Brun- dahl 26.8 Sek.(neue Bestleistung); Diskus: Andersen 28.88 Meter; Kugel: Jensen 9.15 Meter. Den Fünfkampf gewann Alf Kleppe und erzieüe folgende Einzelergebnisse: 100 Meter: 12.2 Sek.; 800 Meter: 2:10 Min.; Weiffprung: 6.22 Meter; Speer: 54.14 Meter; Diskus: 41.54 Meter Ferner wäre mitzuteilen, daß Alf Svartaas bei eidem Meeting in Meraker im Speerwerfen mit 59.20 Meter eine neue Bestleistung erzielte und Lau- rttsen in Bergen über 800 Meter eine Zett von 2:03.4 Min. benötigte. Die leichtathletischen Meisterschaften deS DTJE- BerbandeS gelangen am kommenden Samstag und Sonntag, den 28. und 29. d. M., in Pilsen auf dem Stadion der DTJ Pilsen I zur Austtagung und werden eine große Uebersicht über den Stand und die Entwicklung der Leichtathletik in unserem ffchechi- schen Bruderverbande geben. Neber 150 Sportler und Sportlerinnen aus allen seinen Kreisen werden sich an den Wettkämpfen beteiligen. Donald Cook«nd Peggy Shannon in dem Film„Das Gesetz des Dschungels". Finnische Arbeiter-Leichtathletik. Eine neu« Tul-Bestleistung erzielte S. Heino im Hammerwerfen mit 50.58 Meter. L. Böök sprang 1.80 Meter hoch. Im Kugelstoßen kam A. Franzen auf 14.21 Meter und R. Lindfords auf 14.02 Meter. Das Speerwerfen brachte eine ganze Reihe von beachtlichen Würfen: Arkela 58.65 Meter, Mattila 59.11 Meter, Saloranta 59.87, Rautavaara 61.47 Meter. Ueber 1500 Meter lief Korppi in 4:98.2 Min. und Hämäläinen über 10.000 Meter in 33:44.2 Min. A. Tammisto erzielte über 100 u. 200 M. die ausgezeichneten Zeiten von 10.6 bzw. 22.6 Sek. Im Schleuderball kamen Mämikkö auf 53.75 Meter und Numelin auf 54.63 Meter. Eine gute Leistung ist auch der Dreisprung von Salonen mit 14.13 Meter. Die Frauen erzielten ebenfalls einige gute Ergebnisse: 60 Meter: Fila Nieminen 8.1 Sek.; 100 Meter: Fila Nieminen 13.2 Sek.; Weiffprung: Salmi Lethonen 4.54 Meter; Kugel: Jrja Kataja 10.14 Meter; Weitsprung: Rauha Rintamäki 5.07 Meter. Französischer Arbeiter-Bahnradrennsport. In Paris fand einBahnrennenmitSchritt- machern um die Verbandsmeisterschaft der FSGT statt, das ttotz dem regnerischen Wetter einen guten Besuch und spannende Kämpfe aufwies. Die Schrittmacher fuhren auf Gebrauchsmaschinen. Im Einzelrennen über zehn Kilometer siegte DÄndrea(EST d'Jvrh) in 14:45.1 Min. und, im Rennen um di« Verbandsmeisterschaft über 50 Kilometer siegte Pe- brier(CS Dcllevillc) m 51:33.3 Min. in überlegener Weise. Jugendbewegung Kreis Prag. Gruppenabender XL Zentrum Ligaheim 20 Uhr, K. / n W. Deutsche Tie Arbeiterbewegung 1 I in England. Weinberge 19 sw* J jü Uhr Rärodni-Hcim, 19 Uhr Aus- J schuß, 19.30 Uhr„Der VII. Welt- kongreß der Komintern". Hole« s 0 v i c e: Ferienerlebnisse. Wanderung: Sonntag 8 Uhr HluboLepy, Endstation der Fünfer. Mitteilungen aus dem Publikum. Ein neues Fünfzrhn-Etagen-HochhanS der Bakawerke.— Eine bewegliche Direktion der Baka- werke. Die Administrative der Bakawerke ist bisher noch immer in den verschiedenen-Teilen des Werkes versfleut. Nun soll nach einem eben fertiggestellten Plane des Architekten Gahura die Verwaltung der Werke in zwei Wolkenkratzern untergebracht werden, die durch einen Zwischenbau vom dritten bis zum dreizehnten Stockwerk verbunden werden. Unter dke- sem Zwischenbau wird das Häupttor der Bakawerke sein. Beide Gebäude mit dem Zwischenbau werden eine gewaltige Einheit bilden, deren Front 185 Meter messen wird. Eine der vielen Besonderheiten dieses Verwaltungsgebäudes wird das Direktionszimmer sein, das in einem A-^maß von 6X6 Meter in einem großen Aufzug eingebaut wird, so daß es jederzeit in eines der Stockwerke, in welchem es gerade notwendig erscheint, übersiedelt werden kann. Diese in Europa noch unbekannte Baumaßnahme wird der Direktion wie auch den Angestellten viel Zeil ersparen. Kakteen mit ft Zauverdung" begossen, werden zauberhaft schön. Senden Sie uns KL 5.60 in Brief« marken, wir liefern Ihnen dafür den guten Blumenzauberdung, den besten Dungguß für Ihre Blumen. Sie werden staunen, wie herrlich dann Ihre Blumen gedeihen. Verwaltung„Frauenwelt", Prag XIl., Fochova tr. 62, und durch alle Kolporteure erhältlich. Bezugsbedingungen: Bet Zustellung ins Haus oder bei Bezug durch die Post monatlich KL 16.—. vierteljährig KL 48.—, halbjährig KL 96.—. ganzjährig KL 192.—.— Inserate werden laut Tarif billigst berechnet. Bei öfteren Einschaltungen Preisnachlaß.— Rückstellung von Manuskripten erfolgt nur bei Einsendung der Retourmarken.— Die ZeitungSkrankatur wurde von der Post« und Tel«» graphendirektion mit Erlaß Nr. 13.800/VII/1930 be willigt.— Druckerei:„OrbiS" Druck-. Verlags« und ZeitungS-A.-G.. Prag.