ZENTRALORGAN DER DEUTSCHEN SOZIALDEMOKRATISCHEN ARBEITERPARTEI IH DER TSCHICHOSIOWAKISCHEN REPUBLIK ERSCHEINT MIT AUSNAHME DES MONTAG TÄGLICH FRÜH. Redaktion und Verwaltung präg xii., fochova a. telefon sxm, HERAUSGEBER! SIEGFRIED TAUB. CHEFREDAKTEURi WILHH.M NIESSNER. VERANTWORTLICHER REDAKTEUR, DR. EMIL STRAUSS, PRAG. ümlpnlt 70 HbVm (elntdilloBlidi 5 HoHor Porto] 15 Jahrgang Donnerstag, 26. September 1935 Nr. 225 Genf. Der Bölkerbundsrat tritt Don Görings Jagdgäste sind außer Gömbös auch von Ribbentrop, Hillers Vertrauensmann in außenpolitischen Fragen, und eine Reihe hoher p o l.n i sch e r Funktionäre, so der Staatssekretär im Polnischen Kriegsministerium General F a b r i r e, Fürst R a d z i w i l l und Graf P o t o ck i. Die Polnischen Gäste weilen schon seit der Borwoche in Deutschland,, ahne daß die deutsche Presse darüber berichtet hätte. B u d a p c st. Der ungarische Ministrrprä- sident gömbös begibt sich Donnerstag früh im Flugzeug nach Deutschland, um auf Einladung des Ministerpräsidenten General G ö r i n g an einer von diesem veranstalteten Jagd teilzuneh» men. Ministerpräsident Gömbös wird auf seiner Reise auch Berlin berühren und dort Hitler seine Aufwartung machen. daß er den Wert dieser Mitteilung h o ch einschlägt und sie mit Genugtuung ausgenommen hat." Zu dieser amtlichen italienischen Mitteilung wird von maßgebender Seite noch bemerkt: Italien habe keinen Streitfall mit England und wolle ihn auch jetzt nicht. Der Streitfall bestehe zwischen Italien und Abessinien und der Kolonialcharakter dieses Streitfalles sei so klar, daß es für jeden gesunder] Menschenverstand unmöglich und widersinnig erscheine, ihn auf Europa her- überzgtragen und damit die italienisch-englischen Beziehungen zu verfälschen. Der Nesus verlangt Feststellung des Angreifers Addis Abeba.(Reuter.) Dir abessinische Regierung ersucht den Völkerbund, sofort ein Flngzeng der internationalen Kommission— salls notwendig, auf Kosten der abessinischen Regierung— nach Abessinien zu entsenden. Diese Kommission soll bezeugen, ob Abessinien Offensivmaßnahmen ergriffen hat, und fcststrllen, wer die Feindseligkeiten beginnt. * Genf. Nach den in Völkerbundkreisen vorherrschenden Ansichten hat daS Ersuchen Abessiniens um Entsendung von Beobachtern tp e n i g Hoffnung auf eine günstige Aufnahme durch den Rat, weil man der Ansicht ist, daß es nicht zur Beruhigung beitragen und schwerlich seine Mission erfüllen würde. n e r s t a g um 10 Uhr 30 zusammen. Das Sekretariat des Völkerbundes veröffentlicht den Bericht des Fünferausschusses an den Dölkcrbundrat, in welchem dargelegt wird, wie der abessinisch-italienische Konflikt beigelegt werden sollte. Die Wichtigkeit dieses Berichtes beruht auf dem Umstand, daß auf Grund des Ergebnisses der bisherigen Verhandlungen der Mitglieder des Bölkerbundrates dieser Bericht als Endempfehlung des Völkerbundrates übernommen werde» kann. Der Bericht enthält einen theoretischen Teil, kn welchem hauptsächlich die Prinzipien Erwähnung suchen, von welchen der Ausschuß geleitet wurde, und festgestellt wird, daß der Ausschuß sowohl die gegen Abessinien erhobenen Klagen der italienischen Regierung alS auch die Antwort der obesfimschon Regierung auf diese Anklagen in Betracht gezogen hat. Rach Anficht des Fünferausschusses ist die internationale Hilfeleistung, welche Abessinien gewährt werden soll, eine für beide Parteien annehmbare Lösung. Die Ll n- ab HLngigkeit und die t e» r U toriale Integrität Abessiniens sollen respektiert werden. Demgegenüber hätte Italien die Möglichkeit, mit Abessinien wieder eine engere Zusammen- arbeit bei garantierter Sicherheit aufzunehmen. Politische Jagd Gömbös bei Göring/ Auch ein polnischer General dabei I Italiens Einwände Italien hat seine Antwort auf die Vorschläge deS Fünferausschusses mündlich durch Baron A l o i sii dem Vorsitzenden des Fünferausschusses bekanntgegeben. Italien beschwert sich darüber, daß der Rat nicht die italienischen Beschwerden gegen Abessinien in Erwägung gezogen habe und Abessinien als vollwertigen Mitgliedstaat ansehe. Nach italienischer Auffassung sollte das abessinische Problem in Genf auf Grund folgender zwei Hauptprinzipien gelöst werden: 1. Abessinien soll in eine derartige Lage gebracht werden, daß es seiness Nachbarn „nicht schaden" könne. Seine Administrative soll„zivilisiert" werden. 2. Verschieden« unter abessinischem Joche besindlichen Völker sollen„befrei t" werden. Leiters machte Baron Aloisi darauf auf- mersiäm, daß der abessinische Staat neben barbarischen Verhältnissen auch eine stark entwickelte Rüstung aufwcise, so daß die internationale Kontrolle diises Staates entschieden nicht genügt und Jtalienanvertraut werden sollte, welche in Abessinien seinen gefährlichsten Feind erblickt. Ein neuer Ausschuß? Rach der Veröffentlichung des Berichtes des FLnferünsschuffes nuiß nunmehr für die donnerstägige Sitzung deS^Ratrs der Modus festgesetzt werden, mit welchem der Rat diese Phase der Lösung des italienisch-abessinischen Konflikts beenden wird. Man glaubt, daß rin Sonderausschuß ernannt werden wird, in welchen gegebenenfalls auch sämtliche Ratsmitglieder gewählt werden und der in den nächsten Tagen einen Vor- schlag für die e n d g ü l t i g e Empfehlung des Rates ausarbeiten soll. Völkerbundplenum in Permanenz Am Abend trat das Präsidium der Völker- hundSversammlung zusammen, um über die AnEnslisches Geschwader in der Adria Athen. Am Mittwoch lief in den Hafen vonNavarino, Argostoli und Korfu eine Division der englischen Mittelmeerflotte, bestehend aus vier Schlachtschiffen, zwei Flugzeug-Mutterschiffen, acht Kreuzern und 48 Zerstörern, ein. Die englische Flotte wird bis zum 23. Oktober in den griechischen Gewässern bleiben. In Korfu erwartet man außerdem tzas Eintreffen eines italienischen Hilfsschiffes. Höfliche Freundschaftsbeteuerunsen Rom. lieber die am Montag erfolgte Unterredung zwischen M'u s s o l i n i und dem englischen Botschafter wird folgende amtliche Mitteilung ausgcgeben: „Der Duce hat im Palazzo Venezia den englischen Botschafter Sir Eric Drummond empfangen, der ihm eine persönliche Botschaft des englischen Außenministers Sir Samuel Hoare übermittelt hat, der darin als alter Freuird Italiens seinem besonderen Wunsche Ausdruck gibt, jedes unnötige Mißverständnis zwischen den beiden Ländern zu beseitigen. Der Duce hat den Botschafter gebeten, in London wissen zu lassen, regung zu entscheiden, nach welcher die Versammlung ihre 10. Tagung, sobald die Kommissionen ihr« Arbeiten abgeschlossen haben werden, nicht schließen, sondern ihre Sitzungen bloß vertagen soll, so daß die Delegationen jederzeit einberufen und der Bersammlrmg der abessinischitalienische Konflikt zur Erledigung vorgelegt werden könnte. Rach einer längere« Debatte, an der sich der britische Minister Eden, der schweizerische Delegierte Motta und der irische Delegierte d e/ B a l e r a beteiligten, wurde beschlossen, die Entscheidung über diese Frage in der nächsten Sitzung deS BcrsammlungSpräsidiums am Donnerstag oder Freitag zu tteffrn. Der Sturz Mussolinis der einzige Auswes für Italien? Paris. Die Genfer Korrespondentin deS Linksblattes„2' O u v r e" meldet, daß die Position Italiens sowohl bezüglich seines inneren Regimes als auch bezüglich des europäischen Friedens als sehr gefährlich bezeichnet wissd, und registriieTt in Genf kursierende Gerüchte über die Möglichkeit einer anderen Regierung in Italien, angeblich mit einer hochstehenden Persönlichkeit«n der Spitze a» Stelle Mussolinis. Wiewohl diosen Einzelheiten keine Wichtigkeit beigcmessen wird, glaubt man nichtsdestoweniger dem ,,L' Oeuvre" zufolge, daß in Italien der Augenblick kommen könnte, in welchem nur eine A e n de rung der Regierung die Lage gegenüber dem Völkerbünde und den Großmächten retten könnte. Kriessvorbereitunsen In Ostpreußen? Paris.„Echo de Paris" meldet eine Bewegung deutscher Truppen südlich von Königsberg und vertritt die Absicht, daß die Memeler Frage bereits jetzt den Gegenstand der Verhandlungen im Völkerbundrate bilden sollte. Der Pariser„Jntransigeant" befaßt sich mit der deutschen Propaganda im Mrmelgebiet und sagt, daß deutsche Automobile und Motorräder das ganze Gebiet durchfahren, deutsches Propagandamaterial verbreiten und gleichzeitig das baldige Einschreiten des deutschen Nationalsozialismus bekanntgeben. Der litauische Rundfunk werde durch die gleichzeitige deutsche Sendung systematisch gestört. Auch seien bereits„schwarze Listen" fertig. Die militärischen Vorbereitungen in Ostpreußen seien groß und ein nationalsozialistischer Putsch im Memelgebirt sei nicht ausgeschlossen. Litauische Garantien In Berlin notifiziert Genf. Ministerpräsident Laval hatte am Mittwoch eine Besprechung mit dem litauischen Außenminister Lozoraitis. Zu der Unterredung erfährt der Genfer Berichterstatter des„T e m p s": .Litauen gab bereits vor der Nürnberger Rede Hitlers Frankreich, England und Italien als Garantiemächten die ausdrückliche Versicherung, daß die litauischen Behörden, deren Vorgehen in früherer Zeit berechtigte Kritik hervorrief, das Wahlstatut anläßlich der Wahlen vom kommenden Sonntag voll respektieren werden. Außenminister Lozoraitis wiederholte nun den Vertretern aller drei Großmächte diese Versicherung. England, Frankreich und Italien werden die von der litauischen Regierung gemachten Zusicherungen, daß die Wahlen ganz normal vor sich gehen werden, unverzüglich im diplomatischen Wege der Berliner Regierung bekanntgeben. Abessiniens Unabhänsiskeit muß respektiert werden Der Schlußantras des Fiinferausschusses Deutschland fordert Kolonien! Im deutschen Buchhandel erscheint soeben mit ausdrücklicher Genehmigung der NSDAP eine Broschüre von Dr. Bauer mit deut Titel: »Kolonien oder nicht?" Der Verfasser setzt sich mit äußerster Entschiedenheit für die Rückerstattung der ehemaligen deutschen Kolonien ein und betont, daß Hitler selbst ein Anhänger der Kolo« nialpoliük sei: Deutschlandmüssejo« lange kämpfen, bis die Haken« kreuzfahnen.auf der deutsch- afri- klinischen Erde flattern. Die Red. Die Vorbereitung des Kriegsverbrechens ast Abessinien durch Mussolini und die Anstrengungen des Völkerbundes zu seiner Verhinderung ermöglichen es der deutschen Regierung, ihre kommenden.außenpolitische» Vorstöße weniger beobachtet von der Öffentlichkeit einzuleiten. ES köimte fast scheinen, als ob mit der Zerreißung des Verfailler Friedensvertrages, mit der Wiederaufrichtung Deutschlands als führende europäische Kriegsmacht, die außenpolitischen Pläne der gegenwärtigen Machthaber zunächst erfüllt seien. Aber diese Annahme wäre ein schwerer Irrtum, obgleich seit der gesteigerten Aktivität im vergangetten Frühjahr eine äußerliche Pause zu bemerken ist. Denn das Programm des neuen deutschen Imperialismus ist mit dem Aufbau einer starken Kriegsmacht zu Lande, auf dem Wasser, in der Luft keineswegs erfüllt. Im Gegenteil darf gerade diese gewaltige Aufrüstung nur angesehen werden als die Schaffung von Voraussetzungen, die hie Durchführung der weitzielenden imperialistischen Pläne überhaupt erst ermöglichen. Die Nationalsozialisten glauben sich zu der Sendung berufen, das Deutsche Reich vergrößern zu müssen. Mancherlei Länder haben sie sich als Objekte ihrer Eroberungssucht ausgesucht. In Europa und außerhalb Europas. Je mehr Deutschland seinen gewaltigen Kriegsapparat vervollständigt, desto mehr werden bestimmte territoriale Forderungen von ihm in den Bordes gründ gerückt und mit allem Nachdruck, die es ihnen als vollwertige Kriegsmacht zu geben vermag, vertreten werden. Vieles spricht dafür, daß der Zeitpunkt, an dem es die Neuregelung der Weltaufte,ilung auf die Tagesordnung stellt, nicht mehr weit entfernt ist.; Schon seit zwei Jahren wird in Deutschland eine ganz außerordentliche Propaganda für den Kolonialgedanken betrieben:«Deutschland muß wieder Kolonien bekommen I" so wird dem Volke in der Schule, in den Zeitungen, in den Reden der»Führer" ununterbrochen eingehämmcrt. Diese Kolonialpropaganda hat in der jüngsten Zeit einen so hohen Grad der Intensität erreicht, daß die offizielle Anmeldung des Anspruchs Deutschlands al» Kolonialmacht in Kürze zu erwarten ist. Wieder ein Stück der»nationalen Schmach" soll getilgt werden. Deutschland ist im Versailler Vertrag der gesamte koloniale Besitz weggenommen worden und es wurde, ihm darin auch die Qualifikation als Mandatsmacht abgesprochen. Der weitaus größte Teil von den früheren deutschen Kolonien wurde in die Betreuung Englands gegeben, einen kleineren Teil erhielten Frankreich und Japan- England hat das'ehemalige Deutsch-Südwestafrika inzwischen fest in sein großes südafrikani« sches Kolonialreich eingegliedert und betrachtet— wie auch die anderen Erben— die ihnen zugewiesenen Länder mehr oder weniger als festen Besitz. Es ist sicher, daß die deutsche Forderung nach Zurückgabe der Kolonien die weltpolitischen Spannungen noch steigern und die Kriegsgefahr verschärfen muß. Hugenberg hatte als ReichöwirtschaftSmini- ster der Hitlerregierung schon auf der'Weltwirt- fchastskonferenz im Frühjahr 1933 die Kolonialforderung erhoben. Er war damit zu weit gestoßen— das Regime hielt, sich damals weder innen- noch vor allem außenpolitisch gefestigt genug, um die Komplikationen auf sich nehmen zn können, die sich aus dem Festhalten an der von Hugenberg vorgetragenen Forderung ergeben mußte». Also sprach man vorerst nicht mehr darüber und Hugenberg selbst nahm bald darauf seinen Abschied. Erst zwei Jahre darauf hat Dr- Schacht, der Reichsbankpräsident und Reichswirtschaftsminister, auf der Leipziger Frühjahrs-Messe ganz aggressiv die Notwendigkeit von Kolonieri Sette 2 DonnerStag, 26. September 1935 Nr. 225 Was für Afrika gilt— gilt für Europa Eine Resolution der französischen Gewerkschaften Paris. Auf dem Kongreß der G e w e r l* schaftsorganisationen CGT betonte Generalsekretär I o u h a u x die Tätigkeit des Allgemeinen Arbeitsverbandes für den Frieden und erklärte: Wir haben in Genf versichert, den Völkerbund in allen seinen friedliebenden Sanktionen unterstützen zu wollen. Die friedliebenden Völker Frankreich, England und Rußland müssen solidarisch bleiben. Erhalten wir den Frieden. Deutschland weiß, daß das, was für Afrika gilt, auch für Europa gelten wird. für die deutsche Wirtschaft betont. Nach Schacht hat dann eine ganze Anzahl von Nachgeordneten Wirtschaftsführern die Forderung aufgegriffen. Außerdem hat das Propagandaministerium die Presse zur höchsten Steigerung der Bearbeitung des Volkes im kolonialen Sinne herangezogen. Dabei unterliefen den Propagandisten blamable Regiefehler: die einen verlangten Kolonial besitz, die anderen begnügten sich damit, Deutschland als Mandatsmacht zu sehen. Schließlich hat die„Deutsche Kolonialzeitung" in schärfster Form gegen die letzteren Stellung genommen und sie fast als Staatsfeinde diffamiert. „Deutschland kann nicht das geringste Interesse daran haben", so schrieb die„Deutsche Kolonialzeitung",„Mandatsmacht zu werden, sondern seine klare Forderung muß auf Rückgab"« der ihm geraubten Ueberseegebiete in eigene Hoheitsverwalt.ung lauten." Die koloniale Offensive hat vor den Bundesgenossen des fascistischen Deutschlands im Fernen Osten, den japanischen Imperialisten, Halt gemacht. Auf eine Anfrage im Abgeordnetenhaus konnte vor einiger Zeit der japanische Kriegsminister erklären:, „Der deutsche Botschafter hat mir versichert, daß Deutschland niemals in seinen territorialen Forderungen beabsichtige, einen Anspruch auf Gebiete ün Süllen Ozean geltend zu mach«, die jetzt unter japanischem Mandat stehen." Man muß wissen, daß es sich dabei um nicht Unbedeutenden ehemaligen deutschen Kvloialbesitz handelt. Wer um sich die Freundschaft der japanischen Imperialisten für spätere Gegendienste zu erhalten, verzichtet Hitler auf die„Wiedergutmachung der nationalen Schmach" im Stillen Ozean l Dafür läßt er mit den berüchtigsten Methoden in den anderen Kolonialländern für 'seine imperialistischen Pläne arbeiten.> Die „Times" konnte erst dieser Tage melden, daß der in Windhuk tagenden südwestafrikanischen Verfassungskommission vom Generalstaatsanwalt umfangreiches Schriftenmaterial über die nationalsozialistische Aktivität in dem frühere n Deutsch-Südwest- a f r i k a vorgelegt worden ist. Die Dokumente belegen, daß die Nationalsozialisten bestrebt sind, Süpwe st afrikazurückzuerhalten und dort nationalsozialistische Methoden einzuführen. Offenbar wurde die„freiwillige Rückgliederung" nach dem Vorbilde der Saar vorbereitet! Die Kolonialpropaganda in Deutschland übertrifft noch die Lügenhaftigkeit der in der Kaiserzeit. In einem Artikel in der nationalsozialistischen Presse wurde u. a. behauptet, oaß Deutschland früher 80 Prozent seines Rohstoffbedarfes in den eigenen Kolonien gedeckt habe. Dabei konnten die Kolonien nur den Bruchteil eines Prozents dessen liefern, was die deutsche Wirtschaft Italien bringt Das Motiv des Mussolinischen Feldzuges gegen Abessinien ist nach italienischen Erklärungen rein humanitären Charakters: Befriedigung der Expansionsbedürfnisse Italiens und— Z i- vilisierung Abessiniens. Wie aber Italien berechtigt ist mit Kolonisierung betraut zu werden, beweisen seine zwei afrikanischen Kolonien: Libyen und Erythräa. Die Zustände dort geben ein Bild über das zukünftige Schicksal eines von Italien besiegten Abessiniens. Zuerst Libyen, dessen ein Teil die Fortsetzung der Wüste Sahara bildet und der andere sich zum Mitteüneer erstreckt. Der erste Teil ist für Kolonisierungszwecke fast unbrauchbar, der zweite aber besitzt fruchtbaren Boden. Die Eroberung der beiden Teile: Tripolitktnien und Cyrenaika begann bereits im Jahre 1911. Bier Jahre später war Tripolitanien schon beinahe„pazifiert". Bald aber wurde es nötig, dank den andauernden kolonialen Aufständen, das ganze Gebiet aufs neue zu erobern. Was Cyrenaika anbetrifft, so ist es nie aus diesem Zustand herausgekommen, Unruhe ist dort permanent. Welches waren nun die Zivilisationsgüter, die Italien zu danken sind? Im Lahre 1915 zählte Tripolitanien 669.000 Einwohner. Im Jahre 1931 waren es nur 523.000. Seitdem wurden keine Zahlen mehr veröffentlicht. Aus der Cyrenaika wurden 60.000 Eingeborene einfach in die Wüste deportiert, wo sie durch' Wassermangel„pazifiert" wurden. Das Land lebte hauptsächlich von Viehzucht. Folgende„Er- folge" wurden erzielt: Im Jahre 1910, also vor der Eroberung, waren 1,411.800 Stück Vieh vorhanden. Die Zivilisierung machte Fortschritte: Die„Pazifierung" des Jahres 1926 reduzierte diese Zahl auf 978.300 und die im Jahre 1933 vollendete Eroberung— auf 139.300. Um die italienische Emigration und die Ansiedlung von Kolonisten zu fördern, mußte eine Agrarreform durchgeführt werden. Am 18. Juli 1928 wurden durch Dekret 202.000 Hektar expropriiert. Die Hälfte davon wurde an 513 Kolonisten zum Preis von 50 Lire pro Hektar, mit Zahlungserleichterungen übergeben. Außerdem erhielten die Kolonisten noch verschiedene Subventionen, die bis 1934 sich auf 572 bis 1806 Lire pro Hektar beliefen. Diesen Kolonisten wurden 1300 Bauernfamilien als Arbeitskräfte zur Verfügung gestellt. Die Frage, ob die Lage dieser „exportierten" Bauern hier besser.wurde als in der Heimat, erübrigt sich. Die italienische Zivilisierung begnügte sich aber nicht damit. Bis 1921 besaß Tripolitanien 249 Kilometer Eisenbahnlinien, im Jahre 1934 waren es schon— 269 Kilometer. Die fascistische Zivilisierung brachte nicht einmal zwei Kilometer neuer Eisenbahnstrecken pro. Jahr hervor. Das Land besitzt wie zuvor keine Industrie, die Bodenschätze werden nicht erforscht. Der Handel mit Italien belief sich vor der Krise auf etwa 250 bis 300 Millionen Lire. Die Kolonisierung ErythräaZ ist schon über 40 Jahre alt. Die ungünstigen Verhältnisse brauchte. So vollzieht sich vor unseren Augen die planmäßige gewissenlose Irreführung eines Volkes. Es wird für ein imperialistisches Abenteuer präpariert, das dem Fascismus zur Festigung und Ausdehnung seiner Macht dienen soll und bei dem die Gefahr zur Gewißheit wird, daß es in einen neuen furchtbaren Krieg hineinführt. Zivilisation... des Bodens wie in Tripolitanien, sind hier nicht vorhanden. Der Boden Erythräas ist fruchtbar und leicht zu bewässern. Die Plateaus bilden vorzügliche Weideplätze. Bei Massaua und den Inseln Darlak werden Perlen gefischt. Pottasche bei Datlol, vielleicht die größten Mengen der Welt, Gold und möglicherweise Petroleum sind vorhanden. Die italienische Exportliste aus diesen Kolonien enthätt weder Pottasche, noch Gold oder Pettoleum. Ausgeführt werden Produkte der primitivsten Kultur, wie Kaffee, trockene Felle, Perlmutter, Perlen und Meersalz. Italien hat während seiner ganzen Kolonisierungsherrschaft die Ausbeutung der Bodenschätze zu fördern nicht verstanden. Nicht aus großzügigen Gründen selbstverständlich, sondern weil es, im Gegensatzsatz zu anderen kapitalistischen Ländern, wie Frankreich und England, keine finanziellen Möglichkeiten dafür besitzt. Die italienischen Koloni- sierungsmechoden sind deshalb die rückständigsten und primitivsten, und können nur an die der spanischen Granden des Mittelalters erinnern. Dasselbe steht selbstverständlich Wessinien bevor, sollte es Mussolini wirklich gelingen, daS Land zu erobern. Ein Unterschied kann im fascistischen Regime und in der katastrophalen wirtschaftlichen Lage Italiens liegen, was zweifellos die Unterdrückung der Besiegten nur noch verschärfen müßte. In diesem Zusammenhang sei auf die Tatsache verwiesen, daß in Süditalien große Gebiete vorhanden sind, die nur regelrechte Gesundungsarbeiten brauchen, um der italienischen Bevölkerung fruchtbaren Boden zu geben. Italien ist das einzige euroväische Land, wo käst zwei Drittel der Eisenbahnlinien eingeleisig sind. Dies sind für ein kapitalistisches Land wirtschaftliche Löcher, die es dringlichst stopfen müßte. Italien, oder besser gesagt, Mussolini, ist nicht imstande dies zu tun. Genau wie der andere fascistische Diktator, Hitler, ist er gezwungen, nachdem er das Land zum Ruin geführt, eine Wlenkung zu suchen; für beide ist sie dieselbe: Der Krieg! I. Ules. Wahlen In Debreczin annulliert Budapest. Ttzr Verwaltungsgerichtshof hat die Ergebnisse der jüngsten Reichstag'ÄüaWn in Debreczinwegen gesetzwidrigen Vorgehens der Wahlbehörde fürnich- ttg erklärt. In Debreczin werden daher Neuwahlen stattfinden. Tie unabhängige Kleinlandwirte- Partci hatte eine Beschwerde beim Verwaltungsgerichtshof eingebracht, daß ihre Wahlliste von der Wahlbehörde gesetzwidrig abgelehnt worden sei. Der Gerichtshof hat diesen Einwendungen stattgegeben. Auch das Wahlergebnis des Nyirbatorer Wahlbezirkes wurde annulliert. 34 VILLA OASE oder: DIE FALSCHEN BORGER Roman von Bugen« Dablt Berechtigte Uebertragung aus dem Französischen von Bejot Er hielt mit seinen Glückwünschen nicht zurück. Ja, er gab sogar zu, daß vieles moderner war als bei ihm in Cergy. Im Garten ließ er Charlier mit Julien vorangehen. Er schrieb nie an seine Geliebten, auch nicht an Irma, höchstens eine gleichgültige Ansichtskarte. Aber jetzt war er voller Interesse. „Ich war schon in Sorge um dich", sagte er. „Wer du siehst gut aus. Tas Landleben bekommt dir. Und zu langweilen scheinst du dich auch nicht." „Nein. Ich denke auch fast nie mehr an Helene." „Nun, mit meiner Ruhe ist es nicht so wett her."> „Vertragt ihr euch nicht, du und Felix?" „Nein, das ist es nicht. Mit dem Großen kann man sich immer verständigen. Und der Miß braucht man nur einen Witz zu erzählen oder einen Kavalier vorzustellen. Nein, darum handelt eS sich nicht. Ich lasse im Montbert alles verändern. Julien liebte das Altmodische. Ich habe einen anderen Geschmack. Das weißt du ja. Doch daS kostet Geld, und ich sitze auf dem Trockenen. Glaubst du» daß mir der Dicke etwas leihen würde? Es wäre befttmmt besser angelegt als bei der Bank." Da Julien und Charlier umkehrten, setzte er schnell hinzu.: „Ich will ihm gleich ein paar Worte sagen, tzch rechne auf dich." Er nahm Juliens Arm. Von Zeit zu Zeit blieb er stehen, um die Schönheit des Teichs zu rühmen, das Haus zu bewundern. Dann brachte er seine Geschichte vor, die er sich lange zurechtgelegt hatte. „Ich werd« mit Irma sprechen", erwidette Julien.„Jetzt, da ich frei bin, wird man sich ja bald Wiedersehen. Wenn wir ein Mädchen haben, schreibe ich euch. Dann gibt's eine solenne Fresserei." Der unerwartete Besuch bereitete Irma und Julien Vergnügen und hinterließ eine angenehme Erinnerung. Während des Morgenspazierganges mußte Irma an Alfreds Worte denken. Anfangs argwöhnte sie, er sei nur des Geldes wegen gekommen. Dann aber fiel ihr sein zärtlicher Ah- schiedsblick ein und ihre ganze Vergangenheit, und sie zweifelte nicht, daß ihr Freund das Montbert in ein. Hotel ersten Ranges verwandeln würde. Tas Vertrauen zu ihm kehrte ihr zurück, ja, ihre Bewunderung wuchs sogar. Sie mußte ihm helfen, wie er«inst ihr geholfen hatte. Am Nach- mtttag sprach sie mit Julien. Zögernd erst und mit allerhand Listen, die sie.manche Worte betonen ließen, als gehorche sie einem Befehl. Zum Schluß erklärte Julien, er sei bereit, Alfred hunderttausend Franken vorzuftrecken. Auch er hatte sein« Sorgen. Er suchte ein Mädchen und fand es nicht. So wohlgelitten er auch war, so unmöglich schien es zu sein, in der Gegend einen dienstbaren Geist aufzutreiben. Eines Tages bemerkte die Mutter Pougette: „Vielleicht würde Ihnen meine Aelteste passen? Sie arbeitet bei einem Kaufmann in Melun, aber die Leute sind Pfennigfuchser und behalten sie nur tagsüber. So mutz sie früh und abends sieben Kilometer laufen. Das kann so nicht bleiben." „Wie alt ist das Mädel?" „Bald achtzehn. Und fleitzig und sauber und gehorsam..." „Bringen Sie sie mal her." Irma schnitt, als er es ihr erzählte, ein Gesicht. Die Solange war vermutlich so ein Dreckfink wie die Mutter. Und sollten sie die Familie eines Verbrechers unterstützen, während anständige Leute... „Er ist ja, nach dem, was die Mutter Pougette erzählt, zu Unrecht verurteilt worden", schrie Julien.„Ich hab's jedenfalls satt, hinter einem Dienstmädel herzulaufen." Sie waren beim Essen, als die Mutter Pougette kam. Sie schick ein junges Ding mit ängstlichem Gesicht und, zerzausten blonden Haarzotteln vor sich her, das in einenx armseligen blauen Fähnchen mit grotzen Punkten, vermutlich seinem Sonntagsstaat, eine etwas lächerliche Figur machte. Da die Tochter nur unverständliche Brocken zu stammeln wagte, herrschte die Alte sie an: „Sprich deutlich und sag meiner Herrschaft guten Tag, Solange!" „Willst du in der Billa Oase arbeiten?" fragte Julien.„Du hättest es besser hier als bei deinem Tütchenkrämer." Sie hob den Kopf. Sie hatte ein weißliches Gesicht wie ein altes Weibchen, mit flacher Stirn, gerader Nase und hohlen Wangen. Ihre Augen sahen Julien neugierig an. Die Mutter Pougette wartete nicht ab, bis sich ihre Tochter zu einer Antwott aufraffte, sondern erwiderte für sie: „Natürlich will sie. Morgen früh fängt sie an." Am nächsten Morgen erschienen sie beide. Julien teilte ihnen die Arbeit zu? dann erklärte er Irma: .„Heute kann ich nach Paris fahren. Ich gehe in die Rue Bourquin und nehme dies und jenes mit, und dann ins Montbert, um Alfred das Geld zu bringen." Es war schon längst dunkel, als Irma den Wagen einfahren hätte. Julien ging mit schweren Schtttten und zog, als er sich setzte, die Schul- Spanische Schandjustiz Javier B u e n o, Redakteur des sozialistischen Blattes„Avance" in Oviedo, ist jetzt zu dreißig Jahren Gefängnis und einer „Geldstrafe" im Bettag von 220 Millionen EL verurteilt worden. Als Begründung dieses ungeheuerlichen Urteils muß die Behauptung dienen, aus dem Gebäude jener Zeitung fei auf die Regierungstruppen geschossen worden. In der Verhandlung haben Zeugen beschworen, daß diese Behauptung falsch ist. Javier Bueno ist übttgens verhaftet worden, bevor noch die Kämpfe ausbrachen. Selbst die spanische Presse sagt zu diesem Richterspruch, man mache offenbar den Redakteur verantwortlich für alles, was in Oviedo und seiner Umgebung vorgekommen ist. Reaktion bleibt am Staatsruder Madrid.(Havas.) Der bishettge Finanzminister Chvpaprie.a, unabhängiger Abgeordneter, hat das neue spanische Kabinett zusammengestellt. Es setzt sich wie folgt zusammen: Ministerpräsident: Chapaptteta(unabhängig). Außen- ministettnm Lerroux(radikal), Justiz- und Ar- beitsministettum: Salmon(katholische Bolksak- tion), Kriegsministerium: Gil Nobles(katholische Bolksaktion), Marinemini stcrium: Rahola (katalanische Liga), Finanzministerium: Chapa- prieta, Innenministerium: Pablo Blanco(radikal), Unterrichtsministerium: Rocha(radikal), Ministtrium für öffentliche Arbetten und Verkehr: Lucia(katholische Bolskaktion), Ministerium für Landwirtschaft, Handel und Industrie: Martinez Velasco(Führer der Agrarier). 0er neue Frledensblock Genf. Minister Dr. Benes lud am Mittwoch die Vertreter Frankreichs, Sowjetrußlands und der Staaten der K l e i n e« Entente sowie der Balkanentente zum Mittagessen rin. Bei dieser Gelegenheit erfolgte ein politischer Meinnngs- austausch über die zur Zeit im Bölker- bundrate und in der Bölkerbundversammlung behandelten Fragen. Auf Streichers Spuren Oesterrelchlscher Sportverband ohne Juden Wien. Der Oesterreichische Skiverband hat in seiner Generalversammlung die Satzungen mit einer Arierklausel ergänzt. In die Statuten wurde folgendes ausgenommen:„Die Satzungen der Einzel- und Verbandsvereine müssen die Bestimmung enthalten, daß als Mitglieder nur Personen*Vt i s ch e r Abstammung ausgenommen und als Amtswalter nur Personen germanischer Volkszugehörigkeit in Oesterreich bestellt werden dürfen." Zwei deutsche Senatoren In Polen Warschau. Der Präsident der Republik Hal heute die Liste von 32 ernannten Senatoren unterfertigt. In den neuen Senat wurden zwei Vertreter der deutschen Minderheit ernannt, u. zw. der ehemalige Senator Hatzbach und Jng. Rudolf Wiesner aus Bielitz. Ferner wurden zwei Juden ernannt. tern krumm, so daß sie dachte:„Er hat«in Glas über den Durst getrunken." Sein Gesicht war rot und aufgequollen, die Augen sahen stier, und die Falten in den Mundwinkeln schienen sich vertieft zu haben. Kragen und Krawatte hielt er in der Hand. „Eine Hitze in Patts, zum Umkommen", stöhnte er.„Aber ich habe alle dein« Aufträge erledigt." „Haft du Alfred gesehen?" „Wir haben zusammen gegessen. Dann, im Cafj des Courses, habe ich die ganze Bande zum Sonntag eingeladen. Und du? Wie ging es mit der Kleinen?" „Sie ist weder besonders schlau, ncch übertrieben sauber." „Was willst du? Bei ihr zu Haus mag's auch anders aussehen, als in der Villa Oase." Irma war kaum in der Küche, als sie ein näselndes Geräusch hörte, dem Orchestermusik und Gesang einer hellen, durchdringenden Tenorstimme folgt«, die einen Schlager aus dem" Casino de Paris trompetete:> „Sie hatte Brüstchen, so winzig klein, Valentine, Valentine..." Starr vor Staunen, Lffeete sie die Türe zum Eßzimmer. Julien stand vor einem großen Kasten. Er unterbrach den Vortrag und rief ihr freudig zu: „Ich habe dir zum Gebuttstag ein Grammophon gekauft, Matte Pathe, das beste, was es gibt, mit dreißig Platten. Chevalier, die Mistin- guette, Bttard, Tangos, JavaS, alles, wäs du willst. Wir können am Sonntag tanzen." Nach dem Essen führte er alle Platten vor. Beim Aufziehen machte er ein ernstes Gesicht. „Niemals bis zu Ende, daS ist daS wichtigste." Doch wechselte er die Nadeln nicht auS. DaS war nicht nötig. (Fortsetzung folgt.) *?r. 225 Donnerstag, 28. September 1835 Sette 3 ff mietendentsdier Xeiispiegei Der angelehnte Ständestaat Punkt Punkt Der^ Prozeß gegen den verantwortlichen Redakteur der„P rager Presse", Arne L ä u- r i n, ist den Henleinleuten arg in die Knochen ge- fahren. Man kann es verstehen, daß da? von Laurin angebotene Beweismaterial über die Bewindung zwischen der SHF und den reichsdeutschen Nazi den Herren qrgen Schrecken eingejagt hat. Es scheint, daß sie vor Schreck so sehr den Kopf verloren haben, daß sie nun mit ihren gestammelten Bemühungen, sich aus dem Dreck herauszuwursteln, nur noch tiefer hineingeraten. Ganz besonders die Entgegnung der»S u d e- tendeutschen Pressebriefe" erinnert auffallend an die bekannte Verteidigung:»Erstens hab ich mir keinen Topf auSgeborgt, zweitens har er das Loch, schon gehabt und drittens hab ich ihn ganz zurückgegeben." So erfährt man etwa aus den aufschlußreichen»Tatsachenfeststellungen" der Pressebriefe über deren Herausgeber Hermann Honig, dessen Tätigkeit in Oesterreich noch -Gegenstand des Prozesses bilden soll: »... In Wirklichkeit wurde der Chef der Wiener Redaktionsvertretung des Scherl- Verlages, der Hermann Hönig als Sekretär angehörte, wegen einer der österreichischen Regierung unerwünschten Berichterstattung ausgewiesen und mit ihm gleichzeitig Hermann Hönig." ' Henlelnpresse den Wiener Neuesten' Nachrichten eingesetzten Regierungskommissär Dr. Olschka konnte Dr. Neu- wirth die Einstellung des Strafverfahrens gegen seinen Freund und einstigen Berufsgenossen und dessen Enthaftung erreichen. Seit wann sind denn tschechoslowakische Rechtsanwälte befugt, die rechtsfreundliche Vertretung von Klienten im Aus« l a n d zu übernehmen? Es müßt« sich schon um eine Reihe außerordentlich zufälliger Fügungen handeln, wenn die richtige Lesart nicht eher die wäre, daß Dr. Ncuwirth vielmehr in seiner Eigenschaft als Parteigenoffe des in den Wiener Nazipntsch verwickelten Freundes, für diesen interveniert Hütte. Schließlich ereifern sich die Pressebriefe Henleins mit einer Wut, die sich nur durch Angst erklären läßt, über die als Beweismaterial vorgelegten»mysteriösen" SA-Befehle: „Wer deutsche Ordnung und Organisationstechnik kennt, kann nur über die Zumutung lachen, ein derartiges Schriftstück für echt zu halten Hätte Dr. Boukek die Dokumente unvoreingenom licht werden.) In der Diskussion kam von allen Seiten zum Ausdruck, daß die Einheitsfront oder ein eventuell organisatorischer Zusammenschluß der Wunsch aller Teile des Verbandes ist. Alle Redner betonten, daß dieser Wunsch nicht nur bei den Funktionären, sondern auch bei der Mitgliedschaft besteht, daß aber erst die nötigen Voraussetzungen geschaffen werden müssen: Wir sind keine Gegner der Einheitsfront und der Einheitsorganisation— wir hatten sie ja früher. Ohne unsere Schuld besteht sie heute nicht mehr. Wir können aber durch voreilige Handlungen den durch dir Spaltung übriggebliebenen sozialdemokratisch orientierten Teil des Atus nicht neuerdings rinor Gefahr aussetzen. ES wäre verhängnisvoll für die Interessen des gesamten Proletariats, wenn durch unüberlegt« Handlungen und Beschlüsse Taten gesetzt würden, die diese Gefahr heraufbeichwö- ren können. Wir dürfe» bei der Beschlußfassung dieser Frage nie außer acht lassen, daß wir auch hier den Weg nur gemeinsam mit unseremtschechischenBrnderver. b a n d e, der DTJ, gehen können. Die notwendigen Beschlüsse, die, wie oben erwähnt, noch veröffentlicht werden, wurden einst i m m i g gefaßt. Neben diesen wichtigen Punkten, die in der Hauptsache die Tagung beherrschten und einer Klärung zugeführt würden, wurde noch über die Olympiade in Antwerpen im Jahre 1937 ein Bericht erstattet und die notwendigen Beschlüsse gefaßt. Die Delegierten gingen auseinander in der Ueberzeugung, daß sie gute Arbeit geleistet haben, und mit dem festen Willen, den Atus in jener disziplinierten Form zu erhalten, die er besitzt, und dem Gelöbnis: Alle Kraft nun für das Bundesfest, das unter der Devise:»Der Atus an die Front" veranstaltet wird. SdP gegen das Christentum Nachdem der Herr Prälat Hilgenreiner von- der Führung der christlichsozialen Partei verdrängt wurde und seinen Laden im Rektorat der deutschen Universität aufgemacht hat, kommen die Christlichsozialen endlich darauf, daß die nationalsozialistische Bewegung und dse geisttg mit diesen gleichgeschaltete Sudetendeutsche Partei eine Gegnerin des Katholizismus ist. Die„Deutsche Presse" macht in ihrem Leitartikel vom Mittwoch aufmerksam auf ein Organ,»Die junge'Front", welche in Friedek-erscheint und das sich durch seinen ganzen Inhalt als Henleinblatt deklariert. Im Septemberheft dieser Zeitschrift ist nun ein Artikel von Jng. Karl Koberg über das Thema„Entchristlichung Europas" erschienen, indem eS u. a. heißt: „In Deutschland aber entschwindet das Kirchenvoll den christlichen Kirchen, deren System von Glaubenssätzen sich als ohnmächtig erweist, daS religiöse Geschehen im Dritten Reich in sich aufzunehmen, zu deuten und zu gestalten. Die magische Macht über die Herzen hat heute Deutschland nicht das Christentum, sondern die große Einfall des Glaubens an den Führer zur schöpferischen Einhett boN Blut uüd Boden im Geiste des Volkstums. Der WesenSkern des Staatlichen gewinnt alS geglaubter Urgrund des Lebens göttliche Würde, das Unerforschliche wird als Kraft des VollStumS verehrt, dem Führer als Sendboten Gottes geglaubt und gefolgt." „Deshalb ist es auch nicht zuviel gesagt, wenn der Züricher evangelische Pfarrer Klaus Jsenhard sich zu der Einsicht bekennt, daß auch in Deutschland die christliche Sache verloren ist." »„Uns Grenzlanddeutschen tut es not, diese Erkenntnis als Voraussetzung lbon uns gesperrt) für unseren Vollszusammenhang ins Auge zu fassen." Insbesondere der letzt« Satz dieses Zitats zeigt deutlich, daß nun mst der antichristlichen Agitation auch in der Tschechoslowakischen Republik eingesetzt werden soll. Die deutschen Christlichsozialen können jetzt wenigstens sehen, was für eine vortreffliche Politik sie im letzten Jahre getrieben haben und welche Früchts ihnen die würdelose Anbiederung an Henlein trägt. men geprüft, hätte er sich sagen müssen,, daß«S ganz unmöglich ist, daß im Jahre 1934 eine SA- Standarte noch nicht über eigenes Dienstpapier verfügt und lediglich auf einem Fetzen Papier den Kopf Ihrer amtlichen Schriftstücke mit Schreibmaschinenschrift Herstellen lassen muß." Wenn's nicht wörtlich so in tzen„Sudetendeutschen Pressebriefen" stünde, wurde man's kaum glauben. Hat nicht Herr H e n l e i n s e l.b st in Leipa verkündet, er könne sich über d a S Dritte Reich nicht äu ß e r n, da man ihw eine Reise dorthin unmöglich mache und er deshalb keine Ahnung davon hätte, wie es dort aussehe und was dort vorgehe? Und nun ist er mit einemmal nicht nur über die deutsche Organisationstechnik, ja sogar über die formellen Bestimmungen üver dieAnsfrrtigungvonSA-Befe tz- len so genau informiert, daß seine Pressevrirfe in der Lage sind, Sachverständigenurteile über deren Echtheit abzugeben! Woher kommt den Herren, die noch vor kurzem mit rührender Naivität fragten:„M utter, was ist das, ein Nazi?", plötzsich solche detaillierte Information über das interne Dienstreglement der SA? Sollten etwa hier durch ein« „Reihe zufälliger Fügungen" gerade dieZu- sammenhänge aufgedeckt worden s«in, die man doch ableugnen wollte? 1: Bundesfcst 1938 in Komotau. 2: Einigungsverhandlungen der Arbeitsgemeinschaft mit den Arbeiter-Radfahrern. 3: Organisation.' 4: Einheitsfrontangebot der kommunistischen Sportorganisation. Das B u n d,e 8 f e st findet am 4„ 5. und 6. Juli in Komotau statt. Die Hauptfestlei- tüng wurde gewählt, das Programm, das vorgelegt wurde, genehmigt. Ein Garantiefonds wird eingehoben. Nach einem einleitenden Referat durch Ge- nossen H. Müller und einer anschließenden langen Diskussion wurde ein von der Kanzlei des Atus vorgelegter Entwurf der Arbeitsgemeinschaft Atus und Aruk zum eingehenden Studium und Ergänzung überwiesen. Weiter wird eine erweiterte Vorstandssitzung des Aruk am 28. und 29. September dazu Stellung nehmen. Beim dritten Punkt der Tagesordnung, zu dem Genosse U l l m a n n referierte, wurden eine Anzahl Anträge finanzieller und organisatorischer Art vorgelegt und nach einer langen Diskussion auch angenommen. Das Einheitsangebot der Kommunisten Nach einem Referat des Genossen Müller und nach einer geistig sehr hochstehenden, äußerst sachlich dukchgeführten Diskussion wurde «ine Antwort an den ehemaligen 4. Kreis be- die Front!“ Die Fräse der Einheitsfront „Zufällige Fügungen rund um Henlein Unfreiwillige Geständnisse der „ntUS Reichskonferenz in Komotau Am 21. und 22. September tagte in Komo-> schlossen.(Die Antwort soll gesondert veröffent- iau eine Reichskonferenz des Atus, die sich aus‘ dem Bundesvorstand, den Kreis- und Bezirks- obmännem, der erwefterten Bundeskontrolle und den technischen Hauptleitern des Bundes zusam mensetzte. Vier Hauptpunkte wurden dort behandelt und dazu die entsprechenden Beschlüsse gefaßt. Puntt Punkt Jeder Mensch weiß, daß der Berliner Scherl- Verlag selbstverständlich wie alle reichsdeütschen Verlage ein dem Naziregime gleichgeschaltetes Unternehmen ist und daß nach der reichsdeütschen Gesetzgebung in Verlagen nur verläßlich nationalsozialistisch« Elemente beschäftigt werden dürfen. Aus dem Bericht der„Sudetendeutschen Pressebriefe" kann man also nichts andere- schließen, als daß deren Herausgeber im Dritten Reich als verläßlicher Nationalsozialist akkreditiert ist, selbst wenn man nicht wüßte, daß die„der österreichischen Regierung unerwünschte Berichterstattung" selbstverständlich eine Berichterstattung i m nationalsozialistischen Sinne war. Die„Aufklärung" des Falles Dr. Neu- Wirth hingegen, die in den Pressebriefen gegeben wird, ist noch aufklärungsbedürftiger als der Fall, den sie avfklären möchte. Es wird dort zu« gestanden, daß Dr. Neuwirth im August 1934 in Wien war, .... aber nicht um 300.000. Schilling zu schmuggeln, sondern in rechtsfreundlicher Unterstützung eines einstigen RedakttonS- kollegen und Freundes, der durch eine Reihe zufälliger Fügungen nach den Juli- Ereignissen in ein Straf versah een verwickelt worden war. In eingehenden Verhand. lungen mit dem Bundeskanzleramt, der Polizei- direktion und dem von der Wiener Regierung bei Schuschnigg:„Mussolini, wenn Du nach Abessinien marschierst, muß ich mich an den andern Stiefel anlehnen.. An unsere Leser und Kolporteure! Da anläßlich des Staatsfelertages, am Samstag, dem 28. September, in den Druckereien nicht gearbeitet wird, entfällt die Sonntagapsgabe unseres Blattes. Die Verwaltung. Der„Präser Mittag“— letzten Endes Der„Prager Mittag", der einst— lang ist es her— als antifascistisches Kampfblatt gegründet wurde und seither die Devise des Frei- heitskampfes gegen die materielleren Devisen des Herrn Strafella vom österreichischen Fremdenverkehrsbüro vertauscht hat, befaßt sich in seiner gestrigen Ausgabe mit dem italienischabessinischen Konflikt, zu dem ihm folgendes einfällt: „Englands militärische Maßnahmen im Mittelmeer... lassen keinen Zweifel darüber auftom« men, daß England gewillt und bereit ist, auf eigene Faust, auch ohne Genf, ohne Frankreich „präventive Sanktionen" über Italien zu verhängen, wenn es von seinem Marsch auf Abessinien nicht absieht... Läßt sich Italien einschüchtern, so wird das fascistische Regime hinweggefegt und Italien geht ander Anarchie zugrunde. Und auch das bedeutet einen Weltkrieg. Es gibt nur eines, was die Katastrophe vielleicht vermeiden könnte: man muß Italien nicht nur einen ehrenhaften, sondern einen glorreichen Rückzug ermöglichen, der in Italien selbst als Vormarsch gedeutet werden könnte...Letzten E n d e s ist das was sich vorbereitet durchaus nicht ein Kampf gegen den Fascismus, sondern eine W e ltkat astrophe, welche zur Erhaltung der englischenVorherr- schäft in Afrika ausgelöst wird..." Allerletzten Endes aber ist das was sich ein einst antifascistisches Blatt hier leistet, weit entfernt davon, ein ehrenvoller oder gar glorreicher Rückzug zu sein, die jämmerlichste Kapitulation einer Gesinnung vor der Subvention, die nirgends in der Welt anders gedeutet werden kann, als das was sie eben ist. Daß ein Blatt, das nebst anderem- auch den Kredit anti- fascistischer Gesinnung sucht, den Mut ausbringt, die Anarchie als einzige Folge des Sturzes eines Fascismus hinzustellen, kann nicht mehr Gegenstand der Diskussion sein. Nur der Feststellung, daß der „Prager Mittag"„endgültig aufgehört hat ein Blatt zu sein, das mit dem antifas.cistischen Kampf, zu dem es gegründet wurde, das Gering st e zu tun hat. Der>,Prager Mittag" gibt dieser Stellungnahme eines Umgefallenen den Titel„Der Weg ins Verderbe n".— Mit Recht." Kommunistische Märchen Die„Rote Fahne" kann es wohl mit dem berühmten Werke der arabischen Literatur»Märchen aus tausend und einer Nacht" aufnehmen. So erzählt sie von dem„Verbrüderungstag", d. h. der kommunistischen Demonstration, die in Teplitz-Schönau stattgefunden hat und an der sich auch Sozialdemokraten beteiligt haben sollen, als Beweis für diese Behauptung folgendes: Neben den kommunistischen Parlamentariern und den führenden Teplitzer Genossen sah man den alten sozialdemokratischen Kämpfer Roggenbauer aus Aussig, den Genossen Neumann aus Aussig, Pollak aus Bodenbach» Palme aus Haida, den gewesenen sozialdemokratischen Parteisekretär von Asch, Genossen Lorenz und andere sozialdemokratische Genossen. Wie es mit der Wahrheitsliebe der„Roten Fahne" bestellt ist, geht daraus hervor, daß Roggenbauer seinerzeit aus der Mitgliederliste der sozialdemokratischen Partei gestrichen wurde', weil er eineinhalb Jahre mit seinen Beiträgen im Rückstände war, daß Neumann und Pollak aus der Partei ausgeschlossen worden sind, ebenso wie bekanntlich der ehemalige Parteisekretär Lorenz. Man kann sich also vorstellen, wer die„anderen sozialdemokratischen Genossen" sind. Wilson-Plakette für Masaryk Läny. Die heurige Jahresversammlung der amerikanischen Wilsonstiftung, die am 7. Mai stattfand, hatte beschlossen, den Präsidenten T. G. Masaryk mtt der Plakette dieser Korporation auszuzeichnen. Der Gesandte der Vereinigten Staaten in Prag, I. Butler-Wright, stattete am Mittwoch in Läny einen Besuch ab, um in Vertretung des Vorsitzenden der genannten Korporation dem Präsidenten der Republik diese Plakette zu überreichen. Der Präsident empfing den amerikanischen Gesandten in seinem Arbeitszimmer um t^16 Uhr. Die-Audienz dauerte über eine halbe Stunde und nach einem kurzen offiziellen Akt, bei' welchem die Plakette überreicht wurde» trug sie den Charakter eines ungezwungenen freundschaftlichen Beisammenseins, Seift 4 DonnerSfag, 26. September 1935 «r. S» i Großfeuer in den Londoner Docks London» Nacht achtstündiger ausdauernder und zäher Tätigkeit gelang es den etwa 300 Feuerwehrleuten einen der größten Brände zu lokalisieren und zu bewältigen, der je in den Londoner Docks an der Themse gewütet hat. Der Brand vernichtete am Molo in Wapping ein großes siebenstöckiges Lagerhaus mit unermeßlichen Vorräten an Rohkautschuk vollständig. Das Feuer brach im letzten Stockwerk aus und ergriff dann ein Stockwerk nach dem anderen, wobei auch die umliegenden Lagerhäuser bedroht wuÄ»en, die geräumt werden mußten. Horthy braucht schon wieder Geld. Vertreter französischer, Schweizer und holländischer Banken trafen Mittwoch in Budap e st ein, um mit dem ungarischen Landesausschuß für Auslandsschulden über kurzfristige Kredite zu verhandeln. Ein Tag im Land der Katastrophen. Während eines auf der zum Tokioter Bezirk gehörenden Insel Kiusiu tobenden Taifuns kamen "8V Menschen U17IS°'Oert?■ Im* BtziM S ch k- zuck«find durch die U e b e r s chw em m u n- g e n 600 Kulis von der Welt abgeschnitten und habeNckeine Lebensmittel. IN Tokio, stehen 53.000 Häuserunter W a s s e r, deo Verkehr in der inneren Stadt ist unterbrochen. Berichten aus den Küstengebieten zufolge besteht auch die Befürchtung, daß 62 Fischer ums Leben gekommen sind. Die deutschen MusikstaatSprüfungen für de« Privatunterricht finden ab 4. November im Gebäude der Deutschen Musikakademie, Prag II.,. Vladi- slavova 23, statt. Anmeldeformulare gegen Voreinsendung von 20. XL bei der Direktion erhältlich. Ende der Einreichungsfrist: 19. Oktober. Abkühlung unter Regenschauern. Unter dem Einfluß einer tiefen Druckstörung, die nunmehr über Dänemark liegt, hat sich das Wetter in unseren Gegenden von Westen her verschlechtert. In Böhmen fiel Mittwoch nachmittag an vielen Orten Regen und nur im mittleren Teil der Republik war es noch stellenweise ziemlich heiter. Hinter der erwähnten Störung dringt von der Nordsee eine A b I-ü h- l u n g unter Regenschauern gegen das Binnenland vor; aus Nordwestdcutschland werden, starke Stürme gemeldet. In Jnnerskandinabien Nnd Finnland fällt strichweise Schnee; auf der Balkanhalbinsel herrscht dagegen schönes Wetter mit Temperaturen von 27 bis 29 Grad.— Wahrscheinliches Wetter von heute: Unbeständig, im Westteil der Republik veränderlich, im allgemeinen wieder abnehmende Bewölkung. Vereinzelt Schauer, mäßig kühl, frischer bis starker Nordwestwind. Im Karpathengebiet vorwiegend bis wechselnd bewölkt, stellenweise Regen, mäßig warm, im allgemeinen jedoch kühlere Später ebenfalls, windig.— Wetteraussichten für F r e i t a g: Allmähliche Beruhigung, in den böhmischen Ländern untertags wieder ein wenig wärmer. Vom Rundfunk empfehlenswertes aus den PrograaMMBl Freitag: Prag: Sender L: 10.05: Deusche Presse, 10.30: Schulfunk. 11.35: Populäres Konzerts 12.10: Chansons. 12.30: Mittagskonzert, 13.30: Arbeitsmarkt. 13.40: Szenen aus der Oper„Der Kuß", 16.30: Rachmittagskonzert, 18.20: Deutsche Sendung: En- fantin-Negrelli-Lesseps, zur Geschichte des Suezkanals, 18.50: Arbeitersendung: Aktuelle zehn Minuten, 19: Deutsche Preffe, 21.40: Jirak: Streichquartett, 22.30: Ann rikanische Tonfilmschlager. Sender S: 14: Leichte Musik, 14.15: Deutsche Sendung: Für die Frau, 14.30: Opern- Arien.— Brünn: 15: Orchesterkonzert, 17.40: Deutsche Sendung, 18.45: Klavierkonzert, 19.35: Radiojazzorchester.— Mähr.-Ostrau: 18: Deutsche Sendung: iirbanowski: Entwicklungsbedingungen der Volkswirtschaft.— Preßburg: 20,15: Schall« plattcnkonzert. Fischdampfer mit elf Mann gesunken Alle Rettungsversuche vergeblich Vertrauensmänner- Versammlung in Bensen Sozialdemokratie und Einheitsfront In der am Sonntag, dem 22. September» in Bensen stattgefundenen Plenarversammlung der Vertrauensmänner, an welcher die Delegierten von 18 Lokalorganisationen, 6 Gewerkschaftsgruppen, 4 Gruppen der Freidenker, 3 Gruppen des ÄtüZ und 6 Ortsgruppen des sozialistischen Jugendverbandes mit 72 Delegierten teilnahmen, beschäftigte sich Abgeordneter Genosse Kögler in einem ausführlichen Referat mit der Frage der Einheitsfront. Genosse Kögler gab zunächst einen geschichtlichen Abriß über die schweren Kämpfe, welche die sozialdemokratische Partei zu führen hatte und deren Erfolge die heutigen Errungenschaften der Arbeiterschaft sind. Er besprach die außenpolitische Situation der Sowjetunion, die Militärverträge zwischen dieser und Frankreich, ebenso jene mit der Tschechoslowakei, den Eintritt der Sowjetunion in den Völkerbund und die daraus resultierende neue Taktik der kommunistischen Internationale, die auf den außenpolitischen Bedürfnissen der Sowjetunion fußt. Er verwies auf die Einigungen in der europäischen Arbeiterklasse, die mit der Schaffung einer neuen Internationale endete, auf die wiederholten Versuche zwischen dieser und der III. Internationale, zur Erreichung eines gemeinsamem Kampfes, die Unmöglichkeit dieser Ueberbrückung, die in den damaligen außenpolitischen Bedürfnissen der Sowjetunion gelegen waren und die neue Lage Rußlands, seine Bedrohung im Osten und gleichermaßen durch den kriegerischen Fascismus im Westen. Er ging übet auf die Verhältnisse in Frankreich, besprach ausführlich die Linksfront und ihre Rückwirkungen auf die innerfranzösische Politik und aus die von Stalin gebilligte LaNdesvertcidigungspolitik der Kommunisten in Frankreich. Schließlich besprach er die Beschlüsse des 7. Kongresses der Komintern und ihre Auswirkungen auf die sozialdemokratischen Bewegungen in Europa. Die von ihm aufgezeigte Perspektive, die in der Tschechoslowakei in einer vollkommenen Umbildung begriffene Taktik der Kommunisten, die in der parlamentarischen Praxis noch nicht bewiesene Klärung der Lage und die daraus gegebenen Konsequenzen. Die Ausführungen des Genossen Kögler, die darin gipfelten, daß die Einheitsfront von Smichov gehütet werden müsse und nicht gefährdet werden dürfe, der Appell zu eisernerDisziplin, die Schlußfolgerungen für die gesamte Partei, die in den Beschlüssen des Partei- Vorstand e s niedergelegt' sind, wurdet» VSn der Konferenz mit Beifall ausgenommen. In der Diskussion sprachen eine große Anzahl von Vertrauensyiännern, die nicht nur grundsätzlich, sondern auch taktisch dem Referenten beipflichteten. Die Konferenz fand nach einmütigem Verlaufe um 12 Uhr mittags ihr Endel Jüdischer Fußballer in ßatibor totgeschlagen M-Ostrau. In Ratibor kam es, wie das„Pr. Tagbl." meldet, bei einem Fußballspiel zwischen einer heimischen Mannschaft und einem polnischen Team aus Rybnik zu einem folgenschweren Zwischenfall. Vor Beginn des Spieles hatte es sich unter den Zuschauern herumgesprochen, daß in derpolnischen Maün- s chaf t e i n Jude m i t sp i e l e n werde. Als die polnischen Spieler das Feld betraten, wurde ihnen aus dem Zuschauerraum in Sprechchören:„Juda verrecke!" und„Juden r a u s!" zugerufen. Als das Match begann, verstärkten sich die Zurufe noch, so daß der Schiedsrichter den Kampf abpfiff. Nach wenigen Minuten; als er glaubte, daß die Zuschauer sich beruhigt hätten, pfiff er das Spiel wieder an. Nun warfen einige Zuschauer Steine nach den Sportlern. Um sie zu schützen, pfiff der Schiedsrichter den Kampf zum zweiten Mal ab. In. diesem Moment stürzten sich die Zuschauer auf des Fußballfeld, verprügelten die polnischen Spieler und schlugen auf den 21jäh- rigen Juden Edmund Baumgartner so lange ein, bis er in einer Blutlache liegen blieb. In schwerverletztem Zustande wurde er in das Ratiborer Krankenhaus eingeliefert, wo er starb. Rom. Der„OsservatoreRomana" schreibt zu diesem Vorfall in Ratibor:„Dieses Verbrechen ist die Episode eines Systems des Hasses, der politischen und sozialen Verfolgung, die in eine tägliche moralische Steinigung ausgeartet ist. Bevor diese Bewegung eine Regung London. Der in Hüll beheimatete Fischdampfer„S k e g n e ß" ist bei Speeton Riff an der Küste von Uorkshire im Sturm zerschellt. Trotz übermenschlicher Anstrengungen, dem in Seenot geratenen Schiff vom Land her Hilfe zu bringen, hat die elfköpfige Besatzung den Seemannstod gefunden. Am Nachmittag konnten bereits zwei Opfer des Unglücks an Land geborgen werden. ., lieber den Hergang des Unglücks liegen folgende Einzelheiten vor: Die„Skegneß" ljef im Laufe der Nacht an einer Stelle, wo die Steilküste über 120 Meter aus dem Wasser ragt, in einem Nordoststurm von ungewöhnlicher Stärke auf. Von der Küste, wo man das Unglück bemerkte, wurden sieben Bergungsraketen abgefeuert, die jedoch sämtliche das Fahrzeug verfehlten und vom Neuer tschechoslowakischer Flugmotor Schweröle statt Benzin als Brennstoff Nach langjährigen Versuchen hat, wie die „Prager Presse" meldet, die Brünner Waffenfabrik einen Flugmotor für. schivere Brennstoffe cherausgcbracht, der nach dem Dieselschen System arbeitet. Die Betriebskosten vermindern sich durch die Verwendung von Naphtha statt Benzin auf etwa ein Drittel. Es kann auch tschechoslowakisches Naphtha mit hohem spezifischen Gewicht verwendet werden Der Hauptvorteil des neuen Motors ist seine große Sicherheit vor Explosionen. Die Anwendung des Zweitaktprinzipes ermöglicht beträchtliche Leistungen auf ein Liter Zylinderinhalt, nnd damit auch die Verminderung des auf ein HP entfallenden Gewichtes^ Der Motor ist neunzylindrig, in Sternform konstruiert, luftgekühlt und wiegt 287 Kilogramm. Brennstoffverbrauch bei voller Belastung 185 Gramm, bei Belastung auf 0.9 179 Gramm pro Pferdekraft und Stunde, Oelverbrauch 2 bis 3 Gramm. Die mit dem neuen Motor angcstcllten Versuche(mehrere 100 Stunden) vor einer Kommission des Arbeitsministeriums und von Militärfachleuten hatten ein glänzendes Resultat. Die Brünner- Waffenfabrik wird nunmehr eine größeres Anzahl''Mcher Motoren herfwllM; Vie-'M) absehbarer Zeit praktisch--verwendet- werden sollen. Iäeob wurde gefoltert Paris. Pressevertretern berichtete Berthold Jacob, daß er sich während der ersten 16 Nächte in einer t a g e s h eil e r l t u ch t e t e n Zelle mit nach vorn g e f e s s e l t e n H ä n d e n befunden habe, Im Hintergrund der Zelle hätten sich zwei Aufseher aufgehalten, die ihn nicht schlafen ließen. Dadurch habe man seinen Widerstand brechen wollen. Diese Folter sei aber vergeblich gewesen. Als die öffentliche Meinung alarmiert war, habe seine Folter aufgehört. »Generalprobe der großen Zeit" London. In M a l t a fand am Dienstag abends ein V e r d lt n kelungsmanöver statt. Von 9 Uhr 30 ,Min. bis 10 Uhr abends lagen die Hauptstadt V aletta und die übrigen Orte der Insel völlig im Dunkel. Während der Verkehr auf den Straßen der Insel ruhte, konnte man die Motorengeräusche der an dem Scheinangriff beteiligten britischen Luft- streitkräfte vernehmen. In einer Reuter- meldung aus Malta wird auf das mustergültige Verhakten der maltesischen Bevölkerung während der Dauer der Uebungen hingewiesen. Hitler bietet»ns Anekdoten an! Seitdem und obwohl das Dritte.Reich besteht, werden etliche Verleger und Korrespondenzen nicht müde, uns ihre„Dienste" anzubieten. Immerzu erhält unsere Redaktion Vorschläge aus Deutschland, doch dies oder jenes zu bestellen, oder-zu abonnieren, das draußen erscheint. Dieser Tage empfahl uns der Horn-Verlag in Berlin, doch seinen ausgezeichneten„Anekdoten- D i e n st" und seinen beispielhaften„Kub- turellen N a ch r i ch t e n d i e n st" zu abonnieren! Aus dem Lande des blutigen Fascis- mus Anekdoten für ein sozialdemokratisches Blatt, aus dem Reiche der Konzentrationslager kulturellen Nachrichtendienst für ein demokrati- sches Organ! Fast möchten wir mit Pg. Johst sagen: Wenn wir von der„Kultur" hören, entsichern wir unseren Revolver! Nach dem Un- Sturm zurückgetrieben wurden. Infolge des gewaltigen Seeganges konnten, sich auch die Rettungsboote nicht dem Fischdampfer nähern. Im Lichtkegel eines auf der- Küste aufgestellten Scheinwerfers vollzog sich hierauf das Schicksal der„Skegneß", die immer wieder gegen die Felsen geschlagen wurde ,und bald fast vollständig unter Wasser stand. Von dem Schornstein und der Kommandabrücke war nichts übrig geblieben. Kurz nach Mitternacht gab das Fahrzeug seine letzten Lichtsignale ab. Damit war die letzte Hoffnung auf Rettung der Mannschaft geschwunden. Bei aufkommender Flut- brach-das Schiff schnell auseinander.. Für die Geschwindigkeit, in der sich das Unglück abgespielt haben muß, ist die Tatsache bezeichnend, daß das SOS-Signal nicht einmal zu Ende gegeben wurde. schon vor der Niederschrift der Adresse„Sozial- demokrat" behakenkreuzigen müßten, uns, gerade uns— für acht Mark monatlich— ihre Kultur und. ihre Anekdoten anbieten l Ja, bis zum 1. November, so. schreibt der genannte Verlag, könnten wir die Anekdoten sogar unentgeltlich beziehen und abdrucken. Nicht geschenkt! Aber die Herren draußen mögen sich nicht darüber kränken, daß ihnen bei uns ein Geschäft in der§SR verloren geht. Sie haben doch sicher- lich bei den Henlein-Redaktionen auch angefragt und dort wird man ihnen schon etwas abkaufen — sei es auch Nur, um die bekannte Unzulänglichkeit der Informationen des„Führers" hier über Neudeutschland zu beseitigen.». Soldatenselbstmord. Am Mittwoch verübte der 21jährige Soldat des 105. Artillerie-Regiments Jan Sokolik aus Novosedly in der Kaserne bei Budweis Selbstmord durch Erschießen. In einem an die Mutter hinterlassenen Brief klärt er die Ursachen seiner Tat auf, die mit militärischen Angelegenheiten nichts gemein haben. Sokolik-sollte in diesen Tagen avancieren. Bier Jahre Zuchthaus für einen Spion. Am Dienstag wurde von dem Kreisgerichte in Kasch a u der Spionageprozeß" gegen den Angeklagten Friedrich N o t eck es aus Nikolsburg in Mähren verhandelt, Noteckes, der ein internationaler Betrüger und schon mehrmals vorbestraft ist, trat in der letzten Zeit, in die Dienste des ungarischen Nachrichtendienstes und beschaffte diesem verschiedenes Material, betreffend die Verteidigung unseres Staates. Nach zweitägiger gehei« mcr Verhandlung wurde, heute Roteles zu vier Jahren Zuchthaus verurteilt..: Auf dem Motorrad vom Schlag getroffen? Dienstag fuhr der Maschinist Strnad auf seinem Motorrad vmr J e mn i c e nach Pokck- t e k. Als er sich der Ortschaft Horni Dubenka näherte, stürzte er plötzlich auf der geraden Straße und blieb t o t liegen; der Sturz blieb unaufgeklärt, weil er an kein Hindernis auffuhr. Da sich Strnad nur äußerlich eine unbedeutende Kopfverletzung zugezogen hatte, wurde seine Leiche ins Krankenhaus nach Pocätek gebracht^ wo sie obduziert werden wird, um festzustellen, ob Strnad, infolge des Unfalles starb oder ob er etwa.einem S chl a g a n fall erlegen ist. Hitler in Polen gesetzlich geschützt. Das Warschauer Bezirksgericht verurteilte. den jüdischen Kaufmann H a l b e r st a d t wegen Beleidigung des deutschen Staatsoberhauptes zu acht Monaten Gefängnis ohne Bewährungsfrist. Wie bereits berichtet, hatte der Angeklagte die. Zusendung einer deutschen Firma uneröffnet zurückgehen lassen und auf die Rückseite des Briefumschlages einen die Reichsrcgierung beleidigenden. Vermerk angebracht. Der polnische Staatsanwalt hatte daraufhin Klage wegen Beleidigung eines fremden Staatsoberhauptes, erhoben. Gangsterkrieg im Osten'. Mit Gewehren und Pistolen ausgerüstete Ba n d i t e'n überfielen heute überraschend die Stadt Tientau im Süden von Kwantung. Sie stürmten das Büro der öffentlichen Sicherheit, e r'm o r d e t e n 20 Offiziere und Polizisten und entkamen, bevor Truppen eintrafen. Ein 18sitziges Segelflugzeug. Die Probefahrten des unlängst in Leningrad gebauten 18- sitzigen Segelflugzeuges„G—31" sind erfolgreich verlaufen. Die Flügelspannweite des neuen Segelflugzeuges beträgt 28 Meter. Ein Flugzeug brennt— der Fallschirm versagt. Unweit von Pensqucola in Florida fing ein Flugzeug in der Lust Feuer. Der Flieger wollte den Fallschirm benützen, dieser öffnete sich jedoch nicht. Bei dem Falle kam der Flieger umsLeben..,, Der Fallschirm blieb hängen. In der Nähe von Versailles stießen zwei französische Militär- Jagdflugzeuge in der Luft zusammen und stürzten ab. Sin Pilot, der mit dem Fallschirm, absprang, öffnete diesen zu bald, so daß er an der« Tragfläche hängen blieb, abstürzte und den Tod fand. Zwei Dampfer rufen um Hilfe. Die Funkstation in Casablanca hat einen funkentelegraphischen WDS-Ruf aufgefangen, der besagt, daß die beiden Dampfer„Ellin" und„Utharia" auf der Höhe der Einfahrt zum Hafen von Lissabon zusammengestotzen sind. Der griechische Dampfer' „Ellin" fordert sofortige Hilfeleistung. säglichen, das Hitler und die Seinen über die den Namen einer Nastenlultur verlegte, die Folge~.......,.... eines Gesetzes der Gewalt, die. sich auf diese Sozialdemokrat,e m Deutschland' gebracht haben, Rassengesetzgebung stützt und nicht nur auf das den tausenden Auslassungen gegen die sportliche, Gebiet angewandt wird, sondern sich\„marxistischen Untermenschen" i’t es doch der der Menge geworden ist, wurde sie von v e r a n t- wchrtlichen Personen, über die m a n g e n a u u n t e r r ich t e t t st, v e r- an laßt. Sie ist dieFolge einer Theorie, die sich überall kundgibt, wo sie ihre Eroberungen gc-i Gipfelpunkt schamlosester Geschäftemacherin macht zu haben glaubt.".^wenn die gleichgeschalteten Verlage, die sich doch Der Stellvertreter des Kaisers von Abessinien Der Kaiser von Abessinien soll für die Zeit, während der er an der Front weilen wird, den Ras Emitou von G o j j a m zu seinem Stellvertreter in Addis Abeba ernannt haben. Es ist ein Neffe der Kaiserin. Nr. 225 DonnerStag, 26. September 1935 Seite 5 Konkurrenz für Lourdes und Konnersreuth Die rumänische Oeffentlichkeit besaht sich seit einiger Zeit mit dem sogenannten„28 undervon Maglatvit". Ein dort lebender Hirte will eine Gotteserscheinung besehen und mit Gott, den er„den Alten" nennt, gesprochen haben. Maglawit ist seit Wochen bereits das Zentrum eines ununterbrochenen Stroms von Pilgern, die in diesem Hirten einen Heiligen verehren. Der bekannte Bukarester Psychiater Professor Marinescu begab sich ebenfalls nach Maglatvit, um mit-em Hirten Peter Lupu zu sprechen. Die versammelten Gläubigen wollten zunächst verhindern, daß Professor Marinescu mit Lupu spreche. Eine fanatisierte Menge umgab den Hirten, um ihn, wie sie behauptete, davor zu schützen, weggeführt zu werden. Unter dieser Dkenge befanden sich auch einige Popen. Dem Bezirksarzt, der Profeffor Marinescu begleitete, gelang es, die Menge zu beruhigen und schliehlich doch ein längeres Gespräch zwischen dem Bukarester Psychiater und dem Hirten herbeizuführen. Professor Marinescu hat sein Gutachten für Ende September in Aussicht gestellt. Er erklärte jeddch, daß der Hirte weder geistesgestört noch geistig zurückgeblieben sei. Der ganze Fall sei einer der interessantesten Fäll« von Massenpsychosen, die in der letzten Zeit in Rumänien zu beobachten waren. Borficht ist der bessere Teil... Aus Batavia wird gemeldet, daß die Schiffe der Java- New Aork-Linie nicht durch Len S u e z- k an a l, sondern um das Kap vergüten Hoffnung fahren. Nene Volkszählung in der Sowjetunion. In der Sowjetunion wird im Dezember 1936 eine neue allgemeine Volkszählung durchgeführt werden. Nach der letzten Volkszählung im Jahre 1928 zählte die Sowjetunion 147,027.000 Einwohner. Die Volkszählung hatte 187 Völkerschaften- die in 149 Sprachen sprechen, erfaßt. Seit dem Jahre 1926 sind im Lande große Veränderungen vor sich gegangen. Die Stadtbevölkerung hat sich beträchtlich vermehrt. Es wurden neue Industriestädte und Siedlungen gegründet.. Die bevorstehende Volkszählung in der Sowjetunion, die gegenwärtig ungefähr 170 Millionen Einwohner hat, soll auch ein klares Bild über alle erfolgten Veränderungen geben. Aber wie ist'S mit dem Wein? Das in Neusatz erscheinende Blatt„Dan" veröffentlicht Ziffern über den Bierkonsum in Jugo- s l a w l e n. Während in Deutschland jährlich durchschnittlich-S&l, in der- Tschechoslowakei 28.b und in Oesterreich 76.1 Liter- auf den einzelnen entfallen, trinkt der Jugoflawe nur etwa 1% Liter Bier i m Jahr. Die jugofla- Die Wiederkehr der Aechtung ■*' Neben vielen anderen Barbareien des Mittelalters hat daS Dritte Reich auch das alte, längst überholte Institut der Aechtung wieder hervorgeholt und will es, nachdem es in den vergangenen zweieinhalb Jahren ohne jegliche Rechtsgrundlage bereits verwandt worden ist, nunmehr im neuen deutschen Strafrecht, wenn man von Recht überhaupt reden darf, verankern. Die Aechtung soll, wie die amtliche deutsche Strafrechtskommission vorschlägt, die schwerste Strafe werden, denn die Todesstrafe soll nur ein Teil von ihr sein. Der zum Tode verurteilte Bauer, der seinen Vater vergiftet hat, um früher in den Besitz des Hofes zu gelangen, wird auch in Zukunft sein Vermögen vererben und noch in der Todeszelle letztwillige Verfügungen tresfen dürfen, der wegen Verbrechens an der Volksgemeinschaft Geächtete geht selbst dieses Rechtes verlustig, er wird nicht nur ehr- und staatenlos, was mit Rücksicht auf die folgende Hinrichtung ohne große Bedeutung ist, sondern er verliert auch jede Geschäftsfähigkeit einschließlich der Fähigkeit, ein Testament zu machen, und, was das bezeichnenbe fijx die gegenwärtigen Rechtsverhältnisse in Deutschland ist, diese Unfähigkeit beginnt nicht etwa mit dem Tage der Rechtskraft des Aech- tungsurteils, sondern bereits mit der Tat, für die später die Aechtung verhängt wird. Das politische Ziel dieser Strafandrohung liegt auf der Hand. Die Entscheidung, was zum Ausschluß aus der Volksgemeinschaft und zur Aechtung führt, liegt ganz im Ermessen nationalsozialistischer Richter, womöglich noch des sogenannten Volksgerichtshofes, der aus Parteifunktionären zusammengesetzt ist. Sie sind nach dem neudeutschen Grundsatz, daß auch ohne gesetzlich« Grundlage verurteilt werden kann, wenn die Tat dem von ihnen repräsentierten Volksempfinden widerspricht, in ihren Entscheidungen bis zur völligen Willlür frei. Wer sich also im Dritten Reich oppositionell regt, riskiert, daß ein späteres Aech- tungsurteil auch alle von ihm in der Zwischenzeit durchgeführten Rechtshandlungen für ungültig erklärt und so auch alle schädigt, die von diesen Handlungen Vorteile haben sollten oder überhaupt an ihnen beteiligt sind. Besonders für jene oppositionellen Kreise, die über Geldmittel verfügen, ist die Drohung deutlich, aber auch die Abschreckung für die anderen Volksgenossen, sich, mit wischen Brauereien konnten im Vorjahr ihre Kapazität kaum zu 15%, ausnützen. Der Bierkonsum Jugoslawiens ist in den Jahren 192.8 bis 1934 um 71% gesunk e n. Der Bierausstoß in der ersten Hälfte dieses Jahres betrug 105.405 Heftoliter, während er im gleichen Zeitabschnitt des Vorjahres nach 109.582 Hektoliter betragen hatte. Verwandtschaft. Ein gewisser Thomas Deller heiratete im Alter von 65 Jahren Miß Meßner, 22 Jahre, aus Hannnond(USA). Diese ist die Tochter von Joseph Meßner, der wiederum in zweiter Ehe mit der Tochter von Della verheiratet ist. Auf diese Weise wird Deller der Schwiegersohn seines Schwiegersohnes, und seine Tochter wird seine eigene SHviegermutter. Sollte das junge Paar Thomas Teller—Emmi Meßner, ein Kind bekommen, so wird die Sache noch komplizierter. Dann wird nämlich Frau Joseph Meßner geborene Deller die Großmutter ihres eigenen Bruders, bzw. Schwester. Aber das unglückliche Kind ist auch Schwager, bzw. Schwägerin seiner eigenen Großeltern, und darum Tante seiner eigenen Mutter, bzw. deren Onkel. Sonstig« Bcrwandtschaftsbeziehungen bestehen unseres Wissens nach nicht, aber wir lassen uns gern eines anderen belehren. Prag. Der Nimbus abenteuerlicher Romantik, den die Auwren oewisser Sensationsgeschichten um die Welt der Einbrecher— vor allem der berufsmäßigen Kassenknacker— gewoben haben, hält einer nüchternen Betrachtung nicht stand. Jeder ständige Besucher des Gerichtssaales weiß, wie nüchtern und uninteressant die Prozesse gegen Einbrecherplatten im allgemeinen u verlaufen pflegen, auch wenn es sich um Unternehmungen großen Formats handelt. Keine Regel ohne Ausnahme.— Dieser vor dem Sttafsenat I l l n e r verhandelte Prozeß war wirklich einmal reich an abenteuerlichen und merkwürdigen Momenten. Am 29. Dezember v. I. hatte das Städtchen U v a l y seine Sensation. In der vorhergehenden Nacht hatten mehrere Täter einen verwegenen und wohldurchdachten Anschlag gegen die dortige„Bürgerliche Sparkasse" ins Werk gesetzt. Die Einbrecher waren vom Nachbargrundstück aus über eine hohe Mauer in den Garten der Sparkasse eingedrungen, hatten mit einer Spitzhacke die Tür zum Archiv aufgesprengt und waren dann weiter in die Kanzleiräume gelangt, wo ein T r e s o r stand, in welchem zu dieser Zeit Dukaten und goldene Wenzelsmedaillen für 8000 Kä, ferner 18.000 Kö in bar und Wertpapiere für 8000 KC lagen. Die Einbrecher arbeiteten nicht leise genug und so wurde der im Sparkassengebäude wohnende Buchhalter RoöovskH aufgeweckt. Als er in die Kanzlei eilen wollte, fand er, daß er die versperrte Türe seiner Wohnung nicht aufschließen konnte. Die Einbrecher hatten das Schloß durcheimen von tr ü ß'e Wftch lils 1»l l».ch.gesteckten S p er r haken blockiert. Der Buchhalter riß das Fenster auf und rief um Hilfe. Gleich dar- Volkswirtschaft und Sozialpolitik Voraussetzungen für die wirtschaftliche Gesundung - Der amerikanische Staatssekretär Hüll Hai vor kurzem in einer Diskussion die Voraussetzungen angegeben, die zu einer Gesundung der amerikanischen Wirtschaft notwendig sind. Nach seiner Ansicht sind dies: 1. Es muß eine materielle Grundlage durch Hervorrufung eines Bedarfes nach Kapital- und Dauergüter geschaffen werden. 2. Ein besseres Gleichgewicht in den industriellen Preisen ist notwendig, da die Preise wichtiger Schwer- und Bauindustrien stark überhöht sind. 3. Es muß alles daran gesetz werden, um eine Ausgleichung der internationalen Preise zu erreichen. Die Möglichkeit von Steigerungen der Preise muß unterbunden werden. Die Beseitigung von Schwankungen in den Währungen würde das Streben nach Ausgleichung der Preise erleichtern, worauf auch die bestehenden künstlichen Schranken, die jetzt den internationalen Verkehr behindern, befestigt werden können. auf krachte von" draußen ein Schuß, worauf er es begreiflicherweise vorzog, sich in. die Sache nicht mehr einzumengen und den Dingen ihren Lauf zu baffen. Aber nicht nur der Buchhalter war alarmiert worden, sondern auch ein anderer Hausbewohner, ein Herr Hlävka, der sich eben aufs Klosett begab, wurde auf dem Gang über die„Pawlatsche" durch den Schutz aufgeschreckt. Er erfatzte sofort die Situ- atton und schrie aus Leibeskräften:„H i l f e! Einbrecher!" Und wieder krachte ein Revol- verschutz aus dem dunklen Garten und eine Stimme rief:„Brenn' ihm eins aufs Fell!" Herr Hlävka bewies anerkennenswerten Mut. Obwohl unbewaffnet, lief er in den Garten, von wo aus die Schüsse gefallen waren. Er wurde durch einen dritten S ch u.tz empfangen. Der Lichtkegel einer starken Taschenlampe, ihm direft in die Augen gerichtet, blendete ihn, und wieder hörte er die gleiche Stimme:„Alter, du entkommst uns nicht!" Gleich darauf krachte es zum vier- tenmale. Nun räumte auch Hlävka das Feld und zog sich ins Haus zurück. Aber auch die Einbrecher zogen es vor, den begehrten Geldschrank ungeschoren zu lassen und enttarnen auf dem gleichen Weg, auf dem sie gekommen waren. Auf dem Tatorte hinterließen sie«inen Hut, zwei Knöpfe und drei ausgeschossene Pattonenhülsen. Der Hut wurde agnosziert als Eigentum eines polizeibekannten Dübjettes, des 40jährigen Anwn G ö tz aus Michle, der alsbald ausgeforscht und festgenmnmen wurd«, Götz., legte das Geständnis ab, den Einbruch,^ursternomryen zu haben, wobei, ihm der 80jährige Anton Frhdl und der 38jährige Georg Kaspar assistierten. Kaspar habe Schmiere FeindtejnisereivZähw sind am gefährlichsten, wenn sie ihr Zerstörungswerk unbemerkt vollbringen können wie das Millionenheer det Fäulnisbakterien. Wenn die Schäden sichtbar werden, ist es schon zu spät. Besser ist rechtzeitiges Vorbeugen durch regelmäßige Zahnpflege mit Chlorodont-Zahnpaste, die trotz größter Putzkraft den empfindlichen Zahnschmelz nicht angreift. Tube Kc 4'—. gestanden und auch die Schüsse abgefeuert, doch habe- er nicht auf Rosovskh und Hlävka gezielt, sondern gegen die Erde geschossen. Nun nahm man diese beiden aufs Korn-. Frydl wurde alsbald verhaftet, Kaspar erst bei späterer Gelegenheit, wobei er sich wieder als Revolverschütze produzierte. ES handelte sich um einen nächtlichen Zusammenstoß mit dem Detekttv Mota, der Kaspar anhielt, als dieser von einem Einbruch in Nusle, mit Beute beladen, in seinen Unterschlupf heimkehrte. Damals versagte der Revolver Kaspars, den er auf Inspektor Mota angelegt hatte. Der Detektiv schob gleichzeitig, aber mit besserem Erfolg, denn sein Schutz zerschmetterte Kaspar die rechte Hand. Kaspar entfloh damals zwar, wurde aber später halbverblutet aufgefunden und vor Gericht gestellt. Er bekam mit- Rücksicht auf seine 22 Vorsttafen damals drei Jahre, die er derzeit in Karthaus absitzt und von- wo er zur heuttgen Verhandlung zum Prager Kreis-- gericht transportiert wurde, um sich nachträglich für. den Uvaler Einbruch zu verantworten. Kaspar, der jede Beteiligung an dieser Sach« leugnete, war nicht allein.durch das Geständnis seine- Kumpans Götz überführt. Durch Waffensachverständige war mit absoluter Sicherheit festgestellt worden, datz die aufgefundenen Patronenhülsen aus dem Revolver Kaspars abgefeuert wurden, den man bei seiner Verhaftung beschlagnahmt hatte.- Da nicht nachgewiesen werden konnte, daß Kaspar auf RoöovskH und Hlävka wirklich gezielt hat(man fand keine Einschläge in der Mauer,) kam er nicht wegen Mordversuches vor das Schwurgericht. Die Anklage lautete lediglich auf das Verbrechen derErpressung, weil er durch seine Schreckschüsse(also durch gefährliche Drohung!) den Rückzug der Bedrohten erzwang. Außerdem war er natürlich des schweren Einbruchs« diebstahls angellagt, ebenso, wie seine beiden Spiehgesellen. Von diesen ist der Führer der Banie« Anton Götz, gleichfalls ein schwerer Junge.' Er hat„nur" zehn Vorstrafen, darunter aber zweimal je vier Jahre, einmal drei, Jahre und einmal zwei Jahre schweren KerkerS. Insgesamt hat dieser 40jäh- - rige Einbrecher, der diesmal seine Kumpane inS »Kriminal gebracht hat, etwa siebzehn Jahre im Gefängnis verbracht. A n t o nF r h d l' ist noch ein Neuling; er ist nur viermal wegen leichterer Delikte vorbestraft. DaS Urteil erfolgte erst in den späten Nachmittagsstunden. Götz und KaSpar wurden zu je zwei Jahren, Frhdl zu einem Jahr schweren und verschärften KerkerS verurteilt. MitangeklaUt war noch wegen V o r s chubleistungdie Geliebte , tz, hje^ 28iährigL Vroftittlierte Bozena. Z ä h r ä d k a, die sich bechüht hat, die Polizei auf falsche Spür zu lenken. Sie erhielt dafür vier" Monate Kerker. rb. Mit Sperrhake« und Revolver Gl«— ausnahmsweise— romantischer Girrbrecherprozetz solchen oppositionellen Individuen in irgendwelche Geschäfte einzulasien. Selbstverständlich ist bei der Aechtung auch die Beschlagnahme des Vermögens vorgesehen, so datz nicht nur der Erbe um seinen väterlichen Besitz kommt, sondern auch der Käufer eines Hauses, das einem Geächteten gehörte, sein Eigentum verliert, obwohl er das Haus noch vor dem Prozeß und in Unkenntnis der später bestraften Tat erworben hat. . Die deutsche Straftechtskommission hat damit unter Paragraphen gebracht, was gegenüber den politischen Flüchtlingen aus dem Dritten Reich bisher schon Tag fjir Tag praktiziert worden ist. Ohne Urteil werden nicht nur Staatsbürgerschaften abgesprochen, sondern selbst in jenen Fällen, in denen nicht einmal nationalsozialistische Rechtswillkür zu diesem Mittel zu greifen sich entschließt, wird Ausgabe oder Verlängerung reichsdeutscher Pässe ohne Begründung abgelehnt, wodurch der Betroffene eines wesentlichen Staatsbürgerrechtes verlustig geht; ohne Urteil werden Bankguthaben, Sparkassenbücher, Einfamilienhäuser, Wohnungs. einrichtungcn einstiger politischer Gegner beschlagnahmt und es wird auch nicht anerkannt, wenn solche Vermögenswerte etwa in der Zwischenzeit — ein schriftlicher Bescheid über die Beschlagnahme wird fast nie ausgestellt!-— in dritte Hände, selbst die eines Ausländers übergegangen sind. Im Gegensatz zu ihrer sonstigen Uebung wie z. B. bei der Erweckung der Zünfte, dem imitierten Reichsschwert für Hitler, der Thingromantik, dem Erbhofbauerntum usw. ist diesmal vom nationalsozialistischen Deutschland ausdrücklich betont worden, daß die nationalsozialistische Aechtung mit der mittelalterlichen nicht identisch sei. Die Ermordung von Lessing und Formis und die Entführung von Jacob fanden nicht di^ Zustimmung des unverständigen Auslandes und so wollen die nationalsozialistischen Rechtsheroen jetzt schon ausdrücklich feststellen, haß die moderne Aechtung im Gegensatz zur mittelalterlichen keinen allgemeinen' Tötungsauftrag an jeden x-be- liebigen enthält. Womit natürlich nicht gesagt ist, daß im gegebenen Falle der Mörder, wie die Erfahrung lehrt, nicht doch straffrei bleibt, wenn es ihm gelingt, nach Erledigung seines Opfers auf ausländischem Boden die schützenden Reichsgrenzen zu erreichen.Es sind eben immer Halbwahrheiten, die Goebbels verbreitet, bestimmt, Laien uns Habbfachleuten, besonders aber gutgläubigen Engländern Sand in die Augen zu streuen. Schließlich werden auch die heutigen Zünfte keine Meistersinger hervorbringen und der.Führer" wird auf keinem Kaiserthron mit dein imttierten Reichsschwert in der Hand Recht sprechen und mit Ausnahme Görings wird auch niemand sich in Felle hüllen und Auerochshörner aufs Haupt setzen, um gemeinsam mit dem französischen Emigranten- sprößling Dar« an einem Thing teilzunehmen oder aus dem Berliner Zoo entlassene Auerochsen im Neandertal zu jagen. Und doch ist die Verknüpfung mit dem Mittelalter unverkennbar und für das Dritte Reich charakteristisch. Die Große Französische Revolution war die Erfüllerin der Ideen der Aufilärer, der deutsche Nationalsozialismus erinnert sich der germanischen Barbaren, die die römische Kultur vernichteten, und sucht im Kulturellen ihre Tradition fortzusetzen. Die Ausmerzung des römischen Rechtes aus hem gegenwärtigen.deutschen Rechtsleben liegt ganz im Zuge dieser Entwicklung. Die barbarische Achtstrafe war aus dem deutschen Rechtsleben verschwunden, noch bevor die Stürme der Französischen Revolution, gegen deren Auswirkungen sich der Nationalsozialismus durchaus konsequent wendet, die vorhandenen verstaubten Rechtsbegriffe auf den Kopf stellten und auch in den deutschen Richterstuben wenigstens ein Fenster einschlugen und ftische Luft hineinließen. Sie war in den letzten Jahrhunderten ausschließlich zu einer Strafe gegen politisch mächtige Gegner geworden. Schiller läßt in „Wilhelm Tell" den geächteten Herzog von Oesterreich, der seinen„Ohm und Kaiser" erschlagen hatte, als Parricida auftreten,„dem Freund verboten und dem Feind erlaubt. Ihr dürft nicht weilen, wo die Ruhe wohnt!"; Martin Luther wie der letzte König von Böhmen, Friedrich V., der Winterkönig, wurden von ihr getroffen. Luther wurde von dem damals mächtigsten deutschen Kurfürsten, dem von Sachsen, dem kaiserlichen Zugriff in einem Versteck auf der Wartburg entzogen, Friedrich, der sich der Protestantischen Union angeschlossen hatte, unterlag in der Schlacht am Weißen Berg« bei Prag und floh geächtet nach Holland. Die letzte eigentliche Acht wurde 1706 gegen den Kurfürsten von Bayern und seinen Bruder, den Kurfürsten von Köln, verhängt» weil sie auch nach dem gegen Frankreich erklärten Reichskrieg von der Verbindung mit Paris nicht lassen wollten. Doch kurz darauf gelang es den Reichsständen bereits, dem Kaiser die Acht« erllärung, die ein wichtiges politisches Kampfmittel geworden war, aus den Händen zu winden, indem ihre Verhängung an die Genehmigung der Stände gebunden wurde. Damit war die Acht tot, bis Hiller sie zusammen mit dem imttierten Reichsschwert zu neuem Leben erweckte. Es entbehrt nicht der historischen Pikanterie, daß der letzte kaiserlich habsburgische Aechtungsantrag bei den Reichsständen gegen Friedrich den Großen wegen seines Ueberfalls auf Schlesien eingebracht wurde, an deren Widerspruch aber scheiterte. Die große politische Bedeutung der Aechtung lag in dem Recht der Krone, das Vermögen, bei Fürsten also ihr Land, einzuziehen, und in dieser Richtung wird man unter Anpassung an die modernen Verhältnisse auch einen Teil der Bedeutung der Hitlerschen Aechtungsgesetze zu sehen haben. Eine spätere. Zukunft wird es deutlicher werden lassen.. Die Kraft der Aechtung gegen die lleineren Schächer hatte sich früher verloren. Schon zur Zeit der deutschen Rechtsbücher, des Sachsen- und des Schwabenspiegels, also im 13. Jahrhundert, galt sie eigentlich nur noch für Landfriedensbruch, also meist auch schon ein Delikt politisch und wirtschaftlich einflußreicher Kreise. Der gemeine Verbrecher, der in den Urwald geflüchtet war und dort ehrlos und vogelfrei, wie ein Wolf ruhelos ein mehr als kümmerliches Leben führte, während seine Frau als Witwe und seine Kinder als Waisen galten, gehörte schon damals einer vergangenen vorchristlichen Epoche an. Das Asylrecht der Kirchen hatte diesem Spuk ein Ende bereitet, der scheue Waldläufer, den jeder Men durfte, verschwand aus dem deutschen Leben. In Deutschland gibt es, bekanntlich dank der Leistungen der Nationalsozialistischen Partei, keine Urwälder mehr und so ist es trotz besten Willens nicht möglich, den vogelfreien Waldläufer wieder auferstehen zu lassen. Die Strafrechtskommissiön hat daher auf ihn verzichtet. Es ist jedoch nicht anzunehmen, daß die deutsche Staatsraison natio, nalsozialistischer Prägung die Möglichkeit, den politischen Gegner kurzerhand zu. killen, überhaupt verworfen hat. Da werden eben auch fernerhin einer gläubig-ungläubigen Welt Fluchtversuche vorgetäuscht werden, bei denen Arbeiter und Arbeiterführer das Leben gelassen haben, von unbekannter Hand erschossen, und wenn der Umfang der Erschießungen die Erllärung mit dem üblichen Geschastsverfahren der Gestapo verhindert, wird offenbar wieder ein Reichsgesetz erlassen werden, das nachträglich die Morde billigt, wie es nach dem 30. Juni 1934 geschehen ist, an dem Dutzende von Menschen gemeuchelt worden sind. Die Proklamation des„Führers" auf dem Nürnberger Parteitag läßt iy dieser Beziehung an Deutlichkeit nichts zu wünschen. Deutschland watet auch weiterhin in Menschenblut. Sekte« „Sozialdemokrat" DonnerSiag, 26. September 1935. Nr. 225 Trager Zeitung Ein Sozialist< spricht über China Es war zu erwarten, daß Professor Julius Tandler vor vollem Hause seinen Vortrag über seine Eindrücke iu China halten werde, nicht aber,(daß der grosse Kinoüml der Urania zu klein sein wetde, um allen.Raum zu gewähren, die da gekommen Ovaren, um den berühmten Arzt und Forscher über eine uns allen fremde Welt berichten zu hören. Tatsächlich mutzten viele Wieder uwlehcen, weil der Platz für sie fehlte. Tandler, dessen Vortrag für die Teilnehmer zu einem Erlebnis wurde, stellte an die Spitze seine- Vortrages die Gegensätze zwischen dem Europäer und dem Bewohner Chinas, der als Rätsel erscheint wie alles, was ihn umgibt. Diese Feststellung übermittelle er durch die Wiedergabe eures kurzen Abschnittes des von ihm geführten Tagebuches in so anschaulicher Form,, dass man aus dieser Sprache heraus förmlich die Wcknd fühlte, die sich dem Westländer in Chinst entgegenstellt. Tandler stellte in den Mittelpunkt seiner Schilderung, die an vielen Stellen zu prächtig angebrachten Vergleichen mit westlichen Einrichtungen und Anschauungen führte, die soziale Struktur des Rie senreicheS, den gesellschaftlichen Aufbau und daS Ringen um den Fortschritt. In plastischer Weise zeigte er auf, wie die 400 Millionen Menschen, von denen 90 Prozent Ackerbauer sind, arbeiten und leben. Wir lernen aus dem kaum zwei Stunden dauernden Vortrage besser, als es durch viele Bücher möglich wäre, das entsetzliche Leid, das der chinesische Pächter ertragen muss, seinen nie endenden Fleiß, seine kaum glaubliche Genügsamkeit und seinen Kampf um die Scholle kennen. So hart wie der Ackerbauer, so hart muss der Industriearbeiter den Reis, den er für sich und die Familie braucht, erschinden. Außer Reis hat der übergrosse Teil der Chinesen nichts zu essen. Und auch dieses einzige Nahrungsmittel geht ihm Jahr für Jahr gebietsweise durch Naturkatastrophen verloren und zu Hunderttausenden gehen die Menschen des Hungers zugrunde. Aber all dieses Ungemach im Leben des Chinesen, das durch die nach unseren Begriffen unmenschliche Wohnart, das Fehlen jeglicher Annehmlichkeit und Bequemlichkeit noch verschärft wird, vermag dem Menschen seinen Frohmut nicht zu nehmen. Auch der geschundene Chinese glaubt an die Zukunft und bereitet sich vor. Ritschkakulis schaffen sich Genossenschaften, um der Ausbeutung durch ihre derzeitigen Unternehmer zu entgehen. Kühne begeisterte Männer, wie Jimmi Fen, gründen Schulen und Erziehungsorganisationen, um den Chinesen mit allen Errungenschaften unseres- Jahrhunderts vertraut zu machen. Lehrer ziehen durch das Land, Aerzre werden herangebildet, Hebammen genießen eine Ausbildung, wie sie auch in Europa oder Amerika nicht besser sein könnte. Anfänge nur in der Aufwärtsentwicklung eines Volles, das heute noch die gleichen Transportmittel und Ackergeräte besitzt, wie sie vor Jahrhunderten gebraucht wurden, aber immerhin Zeugen einer beginnenden neuen Welt in Asien. Eigenartig und fesselnd war die Darstellung Professor Tandlers über die Geburtenbewegung in China, erschütternd seine Mitteilungen über.die Ziffern von den in den Straßen der Städte aufgelesenen toten Kindern und wirksam sein Spott Über die Methoden der westlichen Länder zur Hebung der Geburtenziffern. Julius Tandler sprach als Arzt, aber als sozialistischer Arzt. Er hat in China so wie in Europa die Wunden»nicht nur am Körper der Menschen, sondern vor allem am Körper der Gesellschaft gesehen und wirbt durch seinen Vortrag für die Heilung all dieser Gebrechen. Wirbt für sie auch ohne Lehrstuhl an einer Universität. Dafür dankten ihm am Mittwoch abend in der Urania die Hörer, als der Vortrag mit einer Reihe prächtiger Lichtbilder abschluh, durch minutenlangen begeisterten Beifall, der mich Noch' andauerte, äl- Tästdler längst däs Podium vsrlgssen hatte.— f Invalider Heiratsschwindler heiratet per Telephon Gestern wurde in Brane der 37jährige invalide Betriiger und ehemalige, jetzt arbeitslose Privatbeamte Wenzel TLsinsky verhaftet, der dem Frl. V. P. aus Prag unter dem Versprechen, sie zu heiraten, 3700 KL und deren Bruder 1000 KL herausgelockt hat. Hiebei gab er sich als den Oberstleutnant des Geheimdienstes Jng. V. Tu- rinsky aus. Die Heirat suchte er-ständig zu verzögern, schloß sie aber auf Drängen der Braut am 14. d. in der Art ab, daß er vom Wrschowitzer Postamt aus, wohin er die Braut hatte kommen hassen, das Standesamt anrief, sich für einen hoben Offizier ausgab,- der aus privaten Gründen die Heirat nur telephonisch abschließen könne und außerdem angab,^daß sich andere hohe Offiziere, die er namhaft machte, als Zeugen beim Telephon befänden. Tesinsky gestand die Tat und motivierte sie mit materieller Not. Die Betrogene hatte ihm geglaubt, da et in ihrer Gegenwart eine förmliche Köpenickiade aufgeführt hatte; er ging stets in Uniform, stellte häufig Soldaten, denen er wegen ihrer»schlappen Haltung" Verweise erteilte, und schickte seiner Braut auch oft Ordonnanzen. Auch erklärte er ihr, daß es beim Militär üblich sei, telephonisch zu heiraten. Schmuckdiebstahl. Gestern erstattete der Goldschmied Bohumil Novak aus Prag II die Anzeige, daß in der Mittagspause unbekannte Täter in sein Geschäft eingebrochen seien und 22 goldene Verlobungsringe, 3 goldene Herrenarmbanduhren, f"ns platinene Damenuhren, 9 goldene Armbänder usw. im Werte von 30.000 KL gestohlen hätten. Leichenfunde. Gestern morgens um 6 Uhr fand die Polizei beim Friedhof in Smichow die Leiche eines unbekannten Mannes mit einer Schußwunde im Kopf. Neben ihm lag ein abgefeuerter. sechs- schüffiger Trommelrevolver auf der Erde. Nach der Legitimation, die der Unbekannte bei sich trug, konnte in ihm der 46jährige Trafikant Vojtcch K a d l e c aus Radotin festgestellt wirden. Das Motiv der Tat ist unbekannt, da Kadlec keine Briefe hinterlassen hat.— Gestern morgens wurde vom Fährmann Franz Barek bei der Fähre in Hollescho- wih die Leiche eines jüngeren Mannes, die schon stark in Verwesung begriffen war, aus der Moldau gezogen. Trotzdem konnte er noch als der 26jährige Hilfsportier der Kolbenwerke in Lieben, Josef Pro- chäzka, identifiziert werden,»der nach Angabe des jetzigen Portiers bereits seit dem 20. d. M., vermißt wird. Da? Motiv des Selbstmordes ist unbekannt., Seine Leiche wurde, wie die des Kadlec, ins Institut für gerichtliche Medizin gebracht. Iümst und Msstzn- Nachwuchs für die Bühne Gestern fanden in der Kleinen Bühne wiederum Prüfungen von Bühnenanwärtern statt. Gerade in der letzten Zeit wurden verschiedentlich Stimmen gegen diese ganze Einrichtung laut, ohne daß jedoch gesagt wurde, wie anders für eine Erleichterung der Auslese gesorgt werden könnte. Wenn es auch richtig ist, daß ein junger Mensch, dem bei der Prüfung die Eignung zum Schauspieler nicht zuerkannt wird, dennoch später auf der Bühne Talent nachzuweisen in die Lage kommen könnte, so ändert solche Möglichkeit von Irrtümern dennoch nichts an der Tatsache, daß der Hauptzweck dieser Prüfungen, durch Auslese das Kunstniveau zu heben und schädlichen Zustrom zum Theater fernzuhalte», anscheinend doch durch keine andere Methode objektiver und demokratischer gehandhabt werden kann. Bei Sängern vollends verringert sich die menschliche Jrrtumsmöglichkeit ganz besonders. Hier ist völliges Untalent doch sofort feststellbar. Bei beiden Gattungen aber schafft das Probejahr und die K o n k u r r e n z der Tüchtigeren auf jeden Fall ein Regulativ gegen Fehlapprobationen jener, die sich nachher doch als dem Beruf nicht gewachsen zeigen. Wieder, wie immer bei solchen Prüfungen, gab es auch gestern sozial und menschlich bemerkenswerte Erscheinungen. So beispielsweise das Auftreten eines zweifellos talentierten jugendlichen Liebhabers, der auch schon«inen Vertrag an das Stadttheater in Eger in der Tasche hat, aber auf Befragen angeben mußte, daß er eine Monatsgage von 370 KL erhalten wird! Oder man hörte eine dramatische Sängerin, deren Unvermögen schlechtweg rührend War und die wahrscheinlich dennoch mit der Ueber- zeugung heimgehen wird, daß sie eine verkannte, große Künstlerin sei. Dann wieder trat eine Frau überreifen Alters auf—und ging nach zwei Worten von der Bühne ab, ausserstande, vor Aufregung, vor Scham, vor Nervosität, ihr Können zu zeigen. Prüfungen sind, um welches Gebiet menschlichen Wissens oder Wirkens immer es sich handelt, nicht einmal für den nur beobachtenden Zuschauer eine erquickliche Angelegenheit. Und das Allzumenschliche in jedem schließt Fehlentscheidungen nie aus. Aber es wäre wahrhaftig schon sehr schön, wenn man die Ueberzeugung hätte, daß überall so nach bestem Wissen und Gewissen geurteilt würde, wie bei diesem, nun schon wiederholt von uns beobachtetem Vorsprechen und Vorsingen vor der Paritätischen Kommission der Bühnenleiter und ausübenden Künsüerl Das Prüfungsergebnis gestaltete sich also: von 29 Kandidadten und Kandidatinnen wurden siebzehn als geeignet erklärt, vier. wurden zurückgestellt, acht abgelehnt. BIS geeignet wurden befunden:. Evelyn Bardäch(Naivel, Franz Deck(Schausmeler)^ Mar Bäh«(jugendlicher Liebhaber), Lilly Dien(Altistin), Hynek Fried(Bassist), Gerda Heinz!(Operettensoubrette), Walter Janowitz(drastischer Komiker), Franz Karin(Schauspieler), Irma Läufer (jugendliche Liebhaberin), Maria Loß(dramatische Sängerin), Elisabeth Ludolff(dramatische Sängerin), Annemarie Othmar(Koloratursoubrette), Friedl Pölzl(lyrische Sängerin), Emil Seifert (lyrischer Tenor), Erich Steiner(jugendlicher Liebhaber), Bernhard Strauß(lyrischer Tenor) und Franz Wittack(Schauspieler). Spiclplan des Neue« Deutschen Theaters. Heute, Donnerstag, halb 8 Uhr: C o s i f a n tutte, C2.— Freitag, halb 8: WUR, D2.— Samstag, halb 8: Der Bettel st udent, CI. Spielplan der Kleinen Bühne. Heute, Donnerstag, 8: Der König mit demRegen- schirm.— Freitag, 8: Der König mit dem Regenschirm.— Samstag, halb 8: Attentat, Uraufführung. 8port-8piek-Iiörperpskege Die Leichtathletikmeisterschaften der Arbeitersportler Polens wurden am Samstag und Sonntag, dem 21. und 22. September, in Warschau auf dem Sportplatz des Vereines Skra durchgeführt und waren in sportlicher Hinsicht ein voller Erfolg. Die Laufbahn war locker und sandig und daher sehr schwer, was sich denn auch irt> den Ergebnissen aushrückte. Auch bei den Sprungbewerben machte sich dieser Uebelstand stark bemerkbar. Aus Danzig nahmen 14 Sportler und Sportlerinnen teil, die ebenfalls wieder einige Meistertitel mit nach Hause nehmen konnten. Interessante Kämpfe gab eS über 1500 Meter und den 4X100 Meter-Staffeln der Männer und der Frauen. In der Punktewertung, welche in Polen üblich ist, errang Warschau bei den Männern 125 und bei den Frauen 91 Punkte und damit die ersten Plätze, während Danzig mit 112 bzw. 68 Punkten die zweiten Plätze besetzen konnte. Am Sonntagnachmittag erfolgte ein Aufmarsch der Sportler und die Genossen Dr. Michalowicz(Warschau) und H. Tho- mat(Danzig) hielten Ansprachen. Die wichtigsten Ergebnisse sind: Sportler: 100 Meter: 1. Norberczak(Skra Warschau) 11.8, 2. Brauer(Danzig) 11.9 Sek.— 200 Meter: 1. Brauer 24.3, 2. Norberczak 24.4 Sek. — 400 Meter: 1. Mulack(Skra Warschau) 54.9. 2. Reiss(Danzig) 56.7 Sek.— 800 Meter: 1. Li- sowski(Czerwoni Legjonow) 2:09.8, 2. Czucha (Danzig) 2:10 Min.— 1500 Meter: 1. Mulack Der Seifiepende trfag&clUift ist cur Be«aMun$ der(Uonnements^elüftr zu bewenden! Ver im Rückstände WeiAt, schädigt die(Tadel und deren Iresse Die Verwaltung 4:21.6, 2. Eichel(Skra Warschau) 4:23.2, S. Ka« mischke(Danzig) 4:27.8 Min.— 5000 Meter: 1. Eichel 16:24.9 Min.— 4X100 Meter: 1. Danzig l 47.2, 2. Danzig II 48 Sek., die beiden Warschauer Staffeln wurden disqualifiziert.— 4X400 Meter: I. Danzig l 3:51.1, 2. Skra Warschau I 3:57.6 Min.— Große olympische Stafette: 1. Skra War« fchau 3:56.6, 2. Danzig! 3:59.6 Min.—- Hochsprung: 1. Szpetecki(Lemberg) 1.60 Meter, 2. Stein(Danzig) 1.55 Meter.— Weitsprung: 1. Minkiewicz(Skra Warschau) 6 Meter, 2..Schlegel (Danzig) 5.85 Meter.— Stabhoch: 1. Musialowicz (Skra Warschau) 3.10 Meter.— Kugel: 1. Allin- tina(Skra Warschau) 12.50 Meter, 2. Brauer(D) II. 85 Meter.— Speer: 1. Musialowicz 49.04 Meter; 4. Reitz(D) 43.53 Meter.— Diskus: 1. Allintina 35.22 Meter; 4. Karsch(Danzig) 81.30 Meter.— Hammerwerfen: 1. Allintina 26.55 Meter; 4. Stern(D) 21.42 Meter. Sportlerinnen: 60 Meter: 1. Wenzlow- na(Skra Warschau) 8.5, 2. Schröder(Danzig) 8.7 Sek.— 200 Meter: 1. Druschkart(Danzig) 29.8 Sek.; 3. Sawicka(Skra Warschau).— 500 Meter: 1. Druschkart 1:30.4 Min.; 3. Paramonowna(Skra Warschau).— 4X100 Meter: 1. Danzig I 56.8, Sek., 2. Warschau ll 1:04.2 Min.; die Staffel Warschau I wurde wegen Bahnkreuzens disqualifiziert. — Kleine olympische Stafette: 1. Danzig 58.8, 2, Warschau I 59 Sek.— Hochsprung: 1. Wenzlowna 1.35 Meter, 2. Schmidt(Danzig) 1.25 Meter.-— Weitsprung: 1. Wenzlowna 4.86 Meter, 2. Schmidt 4.51 Meter.— Kugel: Sawicka 9.01 Meter; 3. Schröder 8.31 Meter.— Diskus: 1. Wenzlowna 27.10 Meter, 2. Schröder 25.47 Meter.— Speer: 1. Wenzlowna 28.40 Meter. Norwegische Arbeiterfussballer in Finnland. Spartakus Oslo spielte in Tampere, wo das erste Spiel mit 2:5 verloren ging, während das Rückspiel mit einem 2:1-Sieg endete. Ein drittes Spiel trugen die Norweger in Turku aus, wo sie 2:0 geschlagen wurden. Max Barr— k.». In New Dork gelangte der Ausscheidungskampf für die Box-Weltmeister« schafi im Schwergewicht der Profi zwischen dem ehemaligen Weltmeister Max Baer und dem Negerboxer Joe Louis zum AUStrag. Der Neger gewann schön in der vierten Rund« durch k. o., nachdem Baer schon in den vorhergehenden Runden zu Boden mutzte.-‘ Vereinsnackrickten, Rote Wehr-Fahrt. Samstag, den 28. September, um 5 Uhr früh, Näm. Republiky. Nähere. Informationen Freitag von 6 bis 9 Uhr im Parteiheim..— © Ortsgruppe Prag. Treffpunkt. Samstag, den 28. September,.? Uhr früh, Smichower Bahnhof. Fahrt nach CcrnoZice. Wanderung von Eernosiee zur Hütte, am zweiten Tage von der Hütte über Jince-Cenkov nach Dobtis. Führer: Lauer. Arbeiterverein Kinderfreunde, Freitag, den 27. September 1935 um 20 Uhr im Hotel„Monopol" gegenüber dem Masarykbahnhof Vortragsabend des Genossen Prof. GustavSchweitzer- Brünn über das Thema„Politische Erziehung bei Kindern". Im Anschlutz an diesen Vortrag wird die Generalversammlung stattfinden. Deutsche BolkSfinggemeinde. Die Proben beginnen am Dien s« t a g, dem 1. Oktober. Die Probe des Frauenchors beginnt um 7 Uhr abends, die Probe des Männerchores um 8 Uhr. Mitteilungen aus dem Publikum. Unzulänglichkeiten im Schulwesen des Zliner Bezirkes. Im neuen Zliner Bezirk liegen 12 Ortschaften, die unbedingt neue Schulgebäude benöfigen und 16 Ortschaften, die Zubauten nötig haben, 6 Ortschaften brauchen Bürgerschulen. Das wären die dringendsten Erfordernisse des Zliner Landes. Die armen walachischen Ortschaften hatten Jahrzehnte, ja Jahrhunderte hindurch keine Möglichkeit, ihre Schulen ordentlich auszurüsten. In vielen Gemeinden wird"in ungesunden, mehr als 150 Jahre alten Gebäuden unterrichtet, die nach Versicherung der Bürgermeister eine Schande unseres Jahrhundertbilden. Da man heute nicht erwarten kann, datz die Gemeinden mit ihren jetzigen Mitteln die ungünstigen Schulverhältnisse beseitigen, ersuchte der Zliner Bürgermeisterausschutz das Finanzministerium und .den Landesausschuß um Erlassung des 23prozentigen Beitrages für die Lehrergehälter. Dieser Beitrag, der in Mähren beinahe ein Viertel der Gemeindeeinnahmen ausmacht(in anderen Ländern wird er nicht gezahlt), erreicht bereit- eine Höhe von 135 Millionen KL, also einen Betrag, mit welchem schon längst den mährischen Ortschaften zu besseren Schu« len geholfen werden konnte. Dieser 23prozentige Beitrag dürfte wohl die Hauptursache sein, warum in den mährischen Gebieten verhältnismäßig di« wenigsten Schulen seit dem Umsturz erbaut wurden. Bezugsbedingungen: Bet Zustellung in- Hau- oder der Bezug durch die Poft monatlich KL IS.—. vierteljährig KL 48.—. halbjährig KL 96.— ganzjährig» KL 192.—.— Inserate werden la« Tarif billigst berechnet. Bei öfteren Einschaltungen Preisnachlass.— Rückstellung von Manuskripte« erfolgt nur bei Einsendung der Retourmarken.— Die ZeitungSkrankatur wurde von der Post« und Tele« graphendirektion mit Erlass Nr. 13.800/VII/1930 bewilligt.— Druckerei:.Orlis". Druck«. Verlags» und ZeitungS-A.«G„ Prag.