Samstag, 28. September 1935 15. Jahrgang Nr. 227 Einzelpreis 70 Hellei (einschließlich 5 Heller Porto) 1ENTRALORGAN DER DEUTSCHEN SOZIALDEMOKRATISCHEM ARBEITERPARTEI IN DER TSCHECHOSLOWAKISCHEN REPUBLIK ERSCHEINT MIT AUSNAHME DES MONTAG TÄGLICH FRÜH, REOAKTiON und Verwaltung mag xii.. fochova 42. TELEFON 5X77. HERAUSGEBERi SIEGFRIED TAUB. CHEFREDAKTEUR! WILHELM NIESSNER. VERANTWORTLICHER REDAKTEURi DR. EMIL STRAUSS, FRAG. Nun auf zu rascher Tat I Das sozialistische Krisenbekämpfungsprogramm fast restlos angenommen Schnellste Durchfahrung unbedingt erforderlich Prag. Nunmehr liegt die Resolution des sozialpolitischen Subkomitees in ihrer endgülti«> gen Fassung im Wortlaut vor. Ihre Vorgeschichte ist noch in aller Erinrrnng. Ans Initia tive der sozial! st ischen Parteien wurde der sozialpolitische Ausschuß anfangs September rinberufen, um zu der geradezu unerträglich gewordenen wirtschaftlichen Lage der breiten Volksschichten Stellung zu nehmen. Fürsorgeminister Genosse Jng. Rekas entwickelte dort ein furchtbares Bild der Situation. Seine Rede trug sicher viel dazu bei, daß die Debatte nicht im Sande verlief, sondern in einem Subkomitee die der Negierung zugeschlagenden Maßnahmen eingehend beraten wurden. Das Ergebnis ist nun die vorliegende Resolution, die noch dem Aus plenum zur Genehmigung vorgelegt werden wird. Die Grundlage der ganzen Diskussion im Subkomitee war die von den drei sozialistischen Parteien ausgrarbeitetr und auch von der tschechischen Volkspartei ausgearbritete Resolution, dir wir seinerzeit abgedruckt haben. Scho» rin flüchtiger Vergleich zeigt, daß diese Resolution zum allergrößten Teile wortwörtlich vom Subkomitee akzep tiert wurde. Keine Aenderung trifft irgendwie den Kern des von den Sozialisten vor geschlagenen Programmes der Krisenbekämpfung. Die sozialistischen Parteien können also mit Recht auf ihre rrfolgreike Initiative in Sachen der Krisenbekämpfung stolz sein. Anerkennung verdienen aber auch die anderen Parteien, die dnxch die Annahme dieser Vorschläge ihr Ver ständnis für den Notstand der arbeitenden Bevölkerung bewiesen haben. Eines dürfen wir aber nicht vergessen: Vorläufig existiert nur eine Resolution, draußen aber steht schon ein Krisenwnter vor der Tür, der seinen Vorgänger« leider nichts nachgeben wird. Darum muß die Regierung jetzt alles daransetzen, um diese Resolution snch in die Tat«mzusetzen, und zwar sorasch alsnur irgend möglich, damit die Auswirkungen dieses Programmes noch vor dem Winter sichtbar werden und mit dazu beitragen, den Winter glimpflich zu überstehe«. Nicht von der Resolution, sondern erst von wirtschaftliche«nd damit auch die politische Teile abhängen. Die Regierung hat das Wort! Die Resolution Die Regierung wird aufgefordert: I. Zwecks Linderung der Arbeitslosigkeit die nötigen Maßnahmen zur Belebung des Inkandsmarktes, zur Vermehrung der Arbeitsgelegenheit«, zur Erhöhung der Kaufkraft der Bevölkerung und zur Erhöhung und Beschleunigung der Handelsumsätze zu treffen. Zu diesem Zwecke wird verlangt: a) So bald wie möglich Maßnahme« zur Verbilligung des Kredite- zu treff«; b) Jnvestitiousarteitrn des Staates«nd der Selbstverwaltung außerhalb des Staats- bzw. der autonom« Budgets in einem außergewöhnlichen, dem Umfang der Arbeitslosigkeit entsprechend« Maße zu ermöglich«. Zu diesem Zwecke soll« geeignete Kreditoperationen durchgeführt werd«; c) über die Durchführung dieser Arbeit« zeitgerecht ein Abkomm« mit d« Selbftverwal- tungsinstanz« zu vereinbar«; d) zur initiativ« Tätigkeit in der Richtung der Arbeitsbeschaffung die volkswirtschaftliche Abteilung beim Ministrrratspräsi- dium zweckmäßig auszubauen; e) die Administrative des Staates und der Selbstverwaltung derart zu regeln, daß die Erledigung der Jnvestitionsarbeit« mit g r ö ß- ter Beschleunigung erfolge; f) dem Außenhandel systematische Fürsorge zu widm«,«nd zwar durch Beseitigung aller Exportschwierigkeiten, durch Ausstattung der Lcrtretungsämter mit Handelsfachleuten, durch zweckmäßiger organisierter Versorgung der Repu- blik mit Rohstoff« auf direktem Wege aus d« llrsprungSlände«, um dadurch eine günstigere Position beim Abschluß von Handelsverträgen zu erreichen; g> Maßnahm« zum Zwecke der Belebung der Baubewegung zu tref fen, namentlich soweit es sich um Baut« mit Kleinwohnungen handelt, und die Verordnung über Steuererleichterungen bei Hausreparaturen zweckmäßig zu ergänz«. II. Für die Einreihung einer weiteren Zahl von k'rbeitSlosen in den Arbeitsprozeß Vorsorge zu trrf- sc«, und zwar mit Rücksicht darauf, wie lange der Angestellte auS der Arbeit auSgeschieden war»der keine Gelegenheit zur Arbeit hatte und mit Rücksicht auf di« soziale Stellung,«nd weiterhin tun klngestrllten angemessene Löhne zu schern. Zn diesem Zwecke wird gefordert: a) So.bald wie möglich die Regirnmgsvrr- handlungen über Arbeitsvermittlung «nd Arbeitszeitverkürzung positiv zu beenden; b) die Verbindlichkeit der Kollckktivverträge in den Textilbetrieben nach der Verordnung 102/35 durch,«führ««nd nach vorhergehenden Versuchen nach gütlicher Einigung analoge Maßnahmen auch in anderen ArbeitSzweig« zu tref fen,«nd zwar mit der nötigen Rücksicht auf die i Produktions- und Exportbeding«ng«; 1 ihrer Praktischen Durchführung wird die weitere Entwicklung unseres Staates zu einem erheblichen , t) daß die BezirkSbebörden darauf achte«, daß die Verordnung über dl« Verbindlichkeit der Kollektivverträge von den Arbeitgebe« eingehalt« werd«; d) so bald wir möglich eine neue Vergebungsordnung zu erlaßen, die ein« gute Qualität der Arbeit«nd ihre gerechte Entlohnung verbürgt; e) die Bestimmungen über die Unterstützung In dem Brief des Hmleinabgeordnetm Jng. Alfred Nentwich, dm der„Sozialdemokrat" vor vierzehn Tagen veröffentlichte, schreibt Kamerad Nentwich an seinen Parteigenossen Rudolf Sachse in Bodenbach:„Nur zu, je forscher, desto eher ist der Scherben da." Nun, Herr Kamerad Nentwich hat recht behalten— die Scherben sinds ch o«da: Auf Grund unserer Veröffentlichung des Briefes Nentwichs, durch den ein Teil der skandalösen Vorgänge in der Henleinpartei aufgedeckt wurde, ist nun Nentwich a«S dem Ab- geordneten Klub der Henleins hinausgeworfen worden. Die„Rundschau" veröffentlicht heute eine parteiamtliche, von Rudolf Sandner gezeichnete gewundene Erklärung, in der es heißt: „Abg. Nentwich hat im Einvernehmen mit Konrad Henlein sein Mandat als Abgeordneter der Partei niedergelegt. Durch die Rirderlegung seines Mandates hat er die durch Veröffentlichung seines, eine persönliche Stellungnahme zu örtlich« Auseinandersetzung« in Tetschm enthaltende» Brieses tim„Sozialdemokrat" Red.) entstandene Konsequenz gezogen... Die willkürliche Ausdeutung deS veröffentlichten Briefes bezüglich der beteiligten Person«(vor allem dm Kreis- leiter des Wahlkreises V Hans May betref send) entbehren jeder Grundlage. r.„M" bedeutet im Briefe des Kameraden Nentwich nicht eine Abkürzung des Namms des KreiS- leiters May, sondern bezog sich anf e i n M i t g l i e d der Bewegung in Tetschen..." der Arbeitslos« zum Zweck« der Vereinfachung des Verfahrens zu revidieren; f) mit größtem Emst die Frage der Rekultivierung des vom Bergbau verwüsteten Bodms und der Kolonisierung zu löse«, wobei iu erster Linie auf den Bedarf der Bevölkerung in Kar- pathorußland und der Slowakei Rücksicht genom- meu werde« soll; g) das Doppelverdienertnm Einzelner»der die Erwerbstätigkoit von Pensionisten mit einer ausreichend« Rente überall dort zu verbiet«, wo dies der Staatsmacht möglich ist. in. Damit die Lage der Berbraucherschichten nicht durch eine Verteuerung der LebenSbedürfniffe verschlechtert werde, wird die Regierung zu folgmd« Maßnahmen aufgefordert: a) alles vorzukehren, um dir verbindliche Erklärung der Regiernng vom 20. Juli 1835 zu erfüllen, daß die M r h l-» n d B r» t p r e i s« nicht über das Nivea« vom 15. Juli 1335 erhöht werden. Namentlich wird die Regierung aufgefordert, bei der Durchführung dieses Beschlusses alle Mittel anzuwenden, damit das Brot nicht ver- teuert werd« kann; b) sofort alle Maßnahmen zu dem Zwecke zu treffen, um den K a r 1» f f r l k» n s» m in dem nötigen Maße bei nicht erhöht« Preis« sicher,nftellvn. Diese Maßnahmen soll« noch vor "Eintritt der Fröste durchgeführt werden, um di« Bildung von Vorräten zu ermöglich«; dabei sind Vorkehrungen zur Beschaffung von K a r t o f- f«ln für Arbeitslose zu treffen. Neber dies« Maßnahme ist dem sozialpolitisch« Ausschuß in der Zeit vom 10. bis 20. Oktober ein Bericht zu erstatt«. Bei der Distribution der Vorräte sollen zum Zwecke der Verbilligung der Wen glaubt Herr Sandner mit diesem Gestammel(in seinen Kreisen würde man es als „jüdischen Dreh" bezeichn«) dumm machen zu können? .- In dem von- uns veröffentlichten Brief Rentwichs, dessen E ch t h e i t n u n von der „Rundschau" bestätigt wird, heißt es wörtlich: „ich erkenne klar, daß Du recht hast, wenn Du von der Festigung des Blockes sprichst, der gegen uns den Dolch im Gewände trägt, doch eß ich die Suppe nicht so heiß, wie sie die Herrn vom Kreis M., der mir immer«ehr das geistige Oberhaupt— soweit die Herren ans dem anonhmen Dunkel hervortan- chen— erscheint, kochen und einrühren wollen... M. muß von hier weg und das darf nicht locker behandelt werden." Die Henlein-„Rundschau" muß vom Verstand ihrer Leser eine verteufelt schlechte Meinung haben, wenn sie glaubt, daß sich auch nur ein einziger einreden läßt, daß mit jenem„M", den Nentwich als das g e i st i g e O b e r h a u t bezeichnet, irgend ein b e l i e b i g e s, u n bekanntes M i t g l j e d der Bewegung gemeint ist. And vollends die Behauptung, daß jemand mit dem„Kreis M" nicht den Kreis des Kreisführers M gemeint habe(der Kreisführer des Kreises Tetschen aber i st d e r A b g. F r a n r M a tz), beweist schon ei» hohes Maß Preise die N» t t a r i f e der Bahn« angewen- det»nd die Verzehrungssteuer aufgehoben werden. Die Berarbeitung von Speisekartoffeln zu industriellen Zwecken ist zu verbieten; e) Maßnahmen zu treffen, damit dir Produktion von Volks-Pflanzenfette« den Bedarf der Bevölkerung voll decke. Die entsprechenden Kontrollmaßnahm« sind von der Regierung durchzuführen; d) da ein M i l ch m a n g e l droht«nd auch sonst der hohe Preis der Fnttermittel auf di» Viehzucht schädlich etnwirkt, soll die Negierung Maßnahmen treffen, um«»Herabsetzung der FuttermiTtelpreise z« erzielen, vor allem für die Notstandsbezirke; e) insoweit in der Versorgung mit Fleisch «nd tierischen Fetten di« heimische Zucht und die bisherigen Maßnahm« der Regierung zur Deckung des Inlandsbedarfes nicht anSreichen, sind weitere entfpre- chende Maßnahmen zur ausreichenden Versorgung der Bevölkerung zu treffen; f> endlich soll die Regiernng eine Entscheidung über die Herabsetzung der Zuckerpreise treffen. IV. 1. Tie Negierung soll mit größter Beschleunigung der Nationalversammlung den Entwurf einer Novelle deS Kartellgesetzes vorlegen, die nach all« Richtungen staatliche Eingriffe in di« Kartrllpolitit ermöglicht«nd weiter die Oeff«tlichkeit deS Verfahrens, die Publizität der Kartellverträge, di« Zuerkennung der aktiven Legitimation an die Kon- sumrntenorganisationen zur Eröffnyng des Verfahrens und weitere Bestimmungen enthält, um«in schnelles Verfahr««nd eine schnell« Entscheidung sicherzustellen. 2. Bei der Durchführung des 0) e Werbeschutzes soll dir Praxis so gehandhabt werd«, daß Selbsthilfeaktionen der K»nsum«t«schichten nicht«umögiich gemacht und gebührende Rücksicht aus d« Arbeitsmarkt g«»mmen wird 3. Die Regiermrg wird aufgefordert, di« Möglichkeit von Schutzmaßnahmen für verarmte, selbständig erwerbstätige Personen zu prüf«. 4. Die Schritte zur Novellierung und Durchführung der Versicherung der selbständig« erwerbstätigen Personen sollen beschleunigt werden. von Verwirrung und Kopflosigkeit im Henleinhauptquartier. Es ist auch bekannt, daß im Henleinlager des Kreises Tetschen, aber auch darüber hinaus, kein Mensch dieses verlegene Gestammel glaubt. Die Empörung und Verwirrung wird von Tag zu Tag ärger. Die genasführten Mitglieder, den nun die Augen aufzugehen beginnen, wollen wissen,' Wie es mit den anderen Enthüllungen in dem Brief Nentwichs steht, was mit dem„zweifelhaften Bundesgenoffen", dem Henleinlandesvertre» ter H e l z e l los ist und was mtt dem Henleinsenator Robert TschaKert, von'dem in dem Brief erklärt wird, das„die Dllettanten über ihn herfallen". Vierzehn Tage lang hat's den Henleinbon- zen die Rede verschlagen und sie haben versucht, den Skandal totzuschweigen. Das hat sich als unmöglich erwiesen— Kamerad Nentwich mußte geopfert werden. Jetzt versucht man den Skandal durch kindisches Gestammel zu vertuschen.. Das wird auch nicht lange gehen. Das große Scherbengericht, das Rent- wich ankündigt, hat begonnen. Mit Herumreden läßt es sich nicht aufhalten. Die Bonzen haben sich gegenseitig die Maske vom Gesicht geriffen. Das sude- tendeutsche Volk sieht jetzt, wer die Leute sind, von denen es sich bluffen ließ. vis Lntküllunx 668„Sozialdemokrat“ hat gewirkt: Nentwich aus dem Henleinklub Zank und Empörung im Henleinlager hinausgeworfen Seite 2 SarnStag, 28. September 1838 *t. 227 «e- wäßigenLenkung des Kapitalstromes im Interesse unsere« Wirtschaft ausgenüht werden. Mag sein, daß alle die von uns vorgeschlagenen Maßnahmen nicht auf einmal durchgeführt werden können, cs müßte eben ein auf mehrere Jah're berechneter Plan in Angriff genommen werden. Ein solcher Mehrjahrsplan müßte auch in großzügiger Weise die Arbeitsbeschaffung im Jn- lande organisieren, worauf wir in einem dritten Artikel zurückkommen werden. Genf.(Havas.) Die polnische Bölker- iundsdelegatiou dementiert die Meldungen, wonach Polen, und Ungarn Luftpaktes I leihe viel größer sein wird, wenn inzwischen eine- Senkung des Zinsfußes und damit 1 «ine K onversion der Staatsschuld herbeigeführt wird. Wir haben jetzt Staatsschuld-; Papiere zu verschiedenem Zinsfuß und wenn diese auf einen einheitlichen Zinsfuß gebracht werden und der. Kurs dieser Papiere stabilisiert wird, dann wird das kaufende Publikum mehr Interesse für solche Werte haben und es wird dann eine innere Anleihe mit größerer Aussicht auf Erfolg durchgeführt werden können. Es wird sich also als zweckmäßig erweisen, daß die Senkung des Zinsfußes einer inneren Anleihe vorängeht. Diese Neuregelung des Zinssatzes im Sinne einer weiteren Senkung ist unbedingt notwendig, um. unsere Produktion rentabel zu machen. Ein hoher Zinsfuß macht es dem Unternehmer unmöglich, sich Geld auszu, borgen und mit diesem Gelde dann zu wirtschaften. Auf Grund des Gesetzes vom 2. März 1933 muß also eine aUgemeine Senkung des Zinsfußes durchgeführt werden und wie bekannt arbeitet das Finanzministerium eine diesbezügliche Vorlage aus. Der Ministerpräsident selbst hat in seiner Rede vor den Journalisten die Zinssenkung als eine der ersten Aufgaben der Regierung bezeichnet. Was den Kredit für die SellstverwultungSkörper betrifft, liegen hier die Aussichten günstiger, denn der Verkauf von Kommunalschuldverschreibungen, aus denen ja die Summen für die Vergabe von Krediten an Länder, Bezirke und Gemeinden gewonnen werden^ geht sihr gut vor sich. Es herrscht nach diesen Schuldverschreibungen große Nachfrage. Auch der Verkauf von Pfandbriefen durch die Hypothekenbanken hat sich in der letzten Zeit gebessert und das Geschäft der Böhmischen Hypothekenbank, das lange gestockt hat, hat sich wieder belebt. Außerordentlich bedeutsam ist auch die Bereitstellung von langfristigen Kvediton für unsere Industrie. Soweit billige Kredite für unsere Industrie bisher gegeben wurden, ist dies aus den Mitteln dec Zentralsozialversicherungsanstalt geschehen, welche auf dem Wege über die Landesbank solche Jndu- striekrcdite gewährt. Der Umfang dieser Kredite findet naturgemäß seine Grenzen in den Mitteln der ZSVA und es tväre daher notwendig für die weitere Beschaffung, Maßnahmen von billigen, langfristigen Jndüstrickrediten zu schaffen. Es wird nun der Vorschlag gemacht, eine Obliga- t i o n s z e n t r a l e zu errichten, d. h. ein Institut, bzw. eine Abteilung des Reeskomtinstituts zu schaffen, welches Industrie-Obligationen ausgibt, die genau so gekauft werden wie Kommu- nalschuldverschreibungen und Pfandbriefe und woraus die Mittel für langfristige Jndustriekre- dite gewonnen werden können. Es wäre tatsächlich wert, diesen Vorschlag zu prüfen,. Schließlich bleibt noch das wichtige Gebiet der kurzfristigen, ö. h. Betrtebskrediten für di« Industrie übrig. Bisher haben sich hie Industriellen dieses Geld u. a. verschafft mittels Lombardierung von Deutschland über den Abschluß eines verhandeln. ungarischen politischen Krei- , der Ortschaft L a n c u t in Klein-Polen Botschafter von Ribbentrop eingctroffen, um über Einladung des Grafen Potocki an einer ,/Hirsch- jagd" teilzunehmen. Die polnische oppositionelle Presse mißt diesem Besuche politische Bedeutung bei, während, in dem der Negierung nahestehenden Kreisen der Aufenthalt Ribbentrops lediglich als eine„rein private" Angelegenheit dargestellt wird. Genf. Das Präsidium der Bölkerbunds- Dersammlung beschloß, am Samstag dem Plenum vorzuschlagen, sich nur zu vertagen, nicht aber die Session zu beenden. Dadurch würde die Einberufung der Plenarversammlung binnen 24 Stunden ermöglicht, falls dir Lage dies erforderlich macht. Dieser Beschluß erfolgte trotz den Vorbehalten des italienischen Delegierten Baron A l o i s i, der erklärte, es bestehe keine Ursache, die Session nach Erschöpfung ihrer-Tagesordnung nicht 3« schließen. Dreizehner-Ausschuß in Tätigkeit Gen f. Freitag vormittags fand die erste Sitzung des 13gliedrigeir vom Bölkerbundrate eingesetzten Ausschusses statt, um den Bericht über den italienisch-abessinischen Konflikt anszuarbri- ten. Zum Vorsitzenden wurde der spanische Delegierte Botschafter Madariaga gewählt. Dem„Echo des Paris" zufolge werde, ditser Beschluß für Italien wenigergünstig sein als die Vorschläge des Fünferausschusies vom 18. September. Das gehe aus der vertraulichen Sitzung des Rates hervor. Die Staaten, welche sich bedroht fühlen, überfallen zu werden, haben n i«mass den Vorschlägen zugestimmt, die bestimmt waren, Abessinien zu Gebietsabtretungen zu veranlassen. Diese Staaten haben bisher geschwiegen, um die VersöhnungSversuche nicht zu stören, aber jetzt tool- len sie öffentlich erklären, daß sie eine Lösung für gefährlich ansehen, die die Souveränität und territoriale Unantastbarkeit eines Staates, nicht achten würde, der Völkerbundmitglied ist und von«intm Ueberfall bedroht ist. Eine solche Lösung würde für die Zukunft einen gefährlichen Präzedenzfall zugunsten des Angreifers schaffen. Das hättest'in verschiedenen Worten aber einmütig T i t u l e s< n, Litwinow und der türkische Außenminister Rusch di Aras zum Ausdruck gebrach^ die die Mehrheit des Rates und der Völkerbundversamm- lung hinter sich haben. Völkerbundplenum nur vertagt Gegen den Einspruch Italiens Demarche in Berlin Zur Wahrung der GesetzmäBigkeit in der Memelfrage Budapest. In sen wird betont, daß dem Gegenbesuch des. Ministerpräsidenten Gömbös in Deutschland keiner- l e i politische Ziele beigemessen werden.dürfen, die über das freundschaftliche Verhältnis zwischen den beiden Staaten hinausgehen und auch dritte Staaten berühren oder gar gegen diese gerichtet sein könnten. Die Weltwirtschaftskrise hat ist allen Ländern, die von ihr ergriffen wurden, auch zu einer Krise desKredits geführt, d. h. den normalen Verlauf des Prozesses G eid—Ware—Geld unterbrochen. Vielfach wären die Voraussetzungen zur Produktion gegeben, wenn das dazu notwendige Geldkapital vorhanden wäre,'Die Beschaffung von Kredit gehört, also zu den vornehmsten -Mitteln der Bekämpfung von Krise und Arbeitslosigkeit. ES gibt in der TSR Kreise, welche sich die -Geldbeschaffung sehr einfach vorstellcn, nämlich durch vermehrten Banknotcnumlauf, d. h. Neudruck von Papiergeld. Die Folgen einer solchen I n flat io u sind den heute-lebenden Menschen aus den Kmegs- und ersten Nachkriegs- sahren bekannt. Die Vermehrung des. Notenumlaufes würde zu einer. En t wer t Ung des Gelde s, d. h. einet: Steigerung der Preise führen. Daran haben nur diejenigen ein Interesse, welche ihre Schulden los werden wollen, vor allem also die- Hypothekarschuldner, deren Kronenschulden verringert würden. Dcsivegen treten die Agrarier für eine zweite Devalvation, d. h. für eine neuerliche Senkung des Wertes der XL ein. Die Arb e-i ter f ch.a f t hat n i ch t d a s g e r i n g st e 3n le r esse an e i n e r z w e i t e n D e v a.l v a t i o n, ganz im Gegenteil, sie hat ein Interesse-daran,-daß der Wert unserer Währung erhalten bleibt,, weil sonst eine Verteuerung und damit-Herabsetzung der Lebenshaltung die Folge wäre. Gerade kn einer Zeit der Arbeitslosigkeit und Teuerung können die Vertreter der arbeitenden Massen auf keinen Fall Experimente mit unserer Währung dulden, wie schon Genosse, Taub im sozialpolitischen Ausschuß festgestellt hat.- . Von gewisser Seite werden zur Geldbeschaffung die sogenannten' Operationen auf dem freien Markte empfohlen, eine Transaktion, welche bereits seit mehr als hundert Jahren in England durchgeführt wird. Sie besteht darin, daß die Nationalbank auf dein freien Markt Staätspapiere einkauft und verkauft. Der Zweck, der englischen Operationen auf dem freien Markt, ist aber kejn anderer, als d ie Ku r se d e r S t a a,t s p ä p i e r e ft a b i l z u erhalten. Steigen nmnlich die Kurse/dann fällt die Verzinsung, fallen die Kurs«,-so steigt die. Verzinsung. Der Staat hat nun ein Interesse daran- daß- der Besitzer der Staatspapiere eine stabile Verzinsung erhält. So- » weit es sich aber um diese Stabilität drr Kurse der Staatspapiere bei uns handelt, besorgt dies bereits das Reeskompte-Jnstitut. Manchen Anhängern der Operationen auf dem freien Markte - aber handelt es sich darum, durch Einführung der -Operationen auf-dem freien Markte nicht allein die Kurse zu stabilisieren,, sondern-auch neues Geld in Umlauf zu.bringen, womit öffentliche Investitionen finanziert werden sollen. Das aber würde dieselben Folgen haben, wie Inflation,. ■' Zur Durchführung öffentlicher Investitionen bleibt also kein anderer Weg übrig als der einer inneren Anleihe. Diese Anleihe wäre möglich, äbec ebenso wahrscheinlich ist es, daß der Erfolg einer solchen An« Berlin. Am Freitag erschienen nacheinander die Botschafter Englands, Frankreichs und Italiens im Auswärtigen Amte und gaben Erklärungen ab, die der deutschen Regierung zur Kenntnis bringen, daß die Signatarmächte sich ernstlich um die Angelegenheit des Memelgrbietes bekümmern. Sie appellierten an den guten Willen der beiden Parteien und sprachen den Wunsch aus, daß entsprenchend dem Memrlstatut dir Gesetzlichkeit gewahrt bleiben werde. Zugleich verständigten die Bertreter der genannten Großmächte die deutsche Regierung von den Zusicherungen, die die litauische Regierung in Genf abgegeben habe, und drückten die Hoffnung aus, daß auch Deutschland die Gelegenheit wahrnehmen werde, die gleiche Absicht an den Tag zu legen, wodurch es möglich sein würde, in diesem Geiste zu einer Besserung der Beziehungen zwi scheu'dem Deutschen Reich« und Litauen zu langen. kiddentrop in Polen Warschau. Freitag vormittags ist in Wege aus der Krise 2. Die Beschaffung der Mittel l Staatspapieren durch die Nationalbank. Wenn Wiedereinstellung von Arbeitslosen in die Pros nun die Nationalbank die Staatspapiere höher duktion dienen, könnten zu einer gewissen plan- lombardieren würde, etwa zu 85 Prozent, uno'"'' die Laufzeit der Kredite verlängern würde, viel leicht bis zur Zeit von sechs Monaten, dann könnte innerhalb dieser sechs Monate das Betriebskapital ! umschlagen und es würden so für die einzelnen Industriebetriebe kurzfristige Kredite geschaffen : werden. Dazu müßte freilich eine Aenderung des i Notenbankgesetzes durchgeführt werden, wobei - sonst an dem Gesetz nichts geändert werden müßte. Alle diese Eingriffe in das Kreditwesen, welche der Ankurbelung der Wirtschaft und der 36 VILLA OASE Oder: DIE FALSCHEN BORGER Roman von Eugene Dablt Berechtigte Uebertragung aus dem Französischen von Bejot Hupend und lachend fuhren sie durch Chapelle« sur-Seine. die Leute sahen ihnen erschrocken nach. Sie kamen an den Fluß, machten halt vor dem Lokal„Zum Stauwehr-Karpfen",-ließen sich nieder und bestellten zu trinken. Pärchen bevölkerten die Lauben. Andere liefen'um die Wette oder schaukelten, und ein Grammophon leierte die ältesten Couplets. „Das erinnert mich an meine Jugend", meinte Alfred,„an die Zeit, in der man Sonntags nach Nogent-sur-Marne zu Convert pilgerte." Julien mußte lächeln. Dort hatten sie ihre ersten Sauser gemacht. Reich waren sie nicht gewesen, aber hübsche Kerle, die den kleinen D!äd- cheü schon gefallen konnten. Als er von ihren Abenttutrn erzählte, unterbrach ihn Nonoches Fraü mit dem Geständnis: „Nicht ihr allein habt Liebschaften in der Gegend gehabt." Claudine war eine alte Freundin Irmas. Sie Erinnerte an manche Sonntage, an denen sie nicht aushörten, zu schwofen. Damals waren sie jung und schlank und konnten sich stundenlang amüsieren. Vom Fluß hörten, sie das Gelächter der Badenden, die'Rufe der Bootsfahrer, aus den Lauben Kreischen und Flüstern, aus dem Saal erklangen die Mißtöne eines mechanischen Klaviers: Sie schwelgten immer noch in Jügend- erinnerungen, bis Alfred in die Gegenwart zurücksteuerte, indem er den Vorschlag machte, ein Bad zu nehmen. In prall sitzenden Trikots tauchten sie aus den Kabinen auf. Die Frauen hüllten sich züchtig in ihre Morgenröcke. Julien und Papa Adam erwarteten sie an dem sandigen Strand, an einer Stelle, von der aus man das Wehr und die Häuser von Fontaine-le-Port sehen konnte. „Hat man Grund?" fragten die Frauen. ..„Wenn ihr ersauft, fische ich euch raus", rief Alfred. Er machte einen Kopfsprung, und di« anderen klatschten Beifall. Für einen,Einarmigen schwamm er schnell. Charlier und Langlois versuchten, ihn einzuholen. Sie johlten, pusteten, peitschten das Wässer und riefen den Frauen, die ängstlich warteten, zu, sie könnten ruhig weitergehen. Irma hatte sich auf den Sand gekauert und ihre Finger in den Boden gebohrt, als wolle sie sich festklammern. Dann faßte sie Mut, legte sich im Wasser auf den Rücken, sah ihre Brüste und ihren Leib emportauchen und gab Julien, der ihr zuschrie, sie solle Bewegungen machen, zur Antwort:„Ich lasse mich treiben." Ein Schlepper fuhr vorüber, eine Welle überflutete sie. Prustend kam sie wieder hoch. „Mir war ganz schwarz vor den Augen", sagte sie entsetzt. „Ich hab« immer Angst, man könne da drinnen mal einen Schlag erwischen", gestand Julien. „Kommt lieber an Land." Sie fuhren nach Chapelle-sur-Seine zurück und machten bei Paul Station. Auch hier war Tanz. Die jungen Leute und die sonntäglich geputzten Mädchen drehten sich, die Pariser schoben. Sie fanden Platz an einem Tisch. Paul servierte ihnen den Aperitif. Alle fühlten sich matt. Aber Alfred forderte Irma auf, mit ihm zu tanzen. „Deine Dicke spinnt nicht mehr", bemerkte Papa Adam.«Das Mädel hat sie doch hoffentlich vergessen." „Glücklicherweise. Das hat sie hinter sich." Sie hielt den Kopf auf Alfreds Schulter geneigt, glitt leicht vor ihm hin und lächelte den anderen zu. Julien blinzelte zurück. Er war glücklich, sie genesen zu sehen. Die Freunde dankten ihm für den herrlichen Tag und versprachen, bald wiederzukommen. Ihre Worte taten ihm wohl, und er fühlte, wie ihm das Blut vom Herzen in die Wangen strömte. VI. Die Freunde hielten Wort. Die einen blieben einen Tag, die anderen länger. Ja, Papa Adam, der das Land haßte, blieb zu Juliens großem Erstaunen eine volle Woche. Allerdings ließ man ihm nicht Zeit, sich zu langweilen. Jeden Tag machten sie mit ihm Autotouren in die Umgebung; bald fuhren sie am Loing entlang, bald besichtigten sie das Schloß von Fontainebleau, sind am Nachmittag saßen Julien und Papa Adam'am Teich und tranken ihren Absinth. Dabei war ihnen zumute, als wären sie, als einzige Gäste, im Cafs des Courses. Sie sprachen von den stillen Jahren, denen der Krieg ein Ende gemacht hatte. Julien kramte gern in der Vergangenheit. „Hol's der Teufel", prahlte er,„ich habe allerhand gesehen, mir kann keiner was vermachen. In Transvaal war ich mit einer Karawane auf Löwenjagd, und auf der Rückfahrt bin ich bei Santt Helena vorübergesegelt. In Argentinien, in den Pampas, betreiben sic die Viehzucht en zros, da konnte man sich an Beefsteaks delektieren I" Hatte er nicht klug getan, damals so viel umherzugondcln? Jetzt, wo er in seiner Billa saß. würde er sich nicht mehr rühren. Jetzt lag er vor Anker wie ein seebefahrenes Schiff im Hafen. „Auch ich komme nun zur Ruhe", gestand Papa Adam.„Vor vierzig Jahren baute ich Brücken über die Loire, 89, auf der Ausstellung arbeitete ich als Zimmermann. Dann ist mir meine Frau davongelauken, und ich hatte angefangen»-mich im Cafö hcrumzudrücken, wo ich! später deine Bekanntschaft gemacht habe. Aus Paris bin ich dann nicht mehr hinausgekommen, höchstens, um nach Longchamp oder Vincennes zu fahren oder, am Tage des Dianapreises,- nach Chantilly. Mein Landaufenthalt tvar der grüne Rasen." „Wenn du dich erholen willst", meinte Julien, brauchst du nur herzukommen. Hier hast du dein Zimmer, und in der Villa Oase bist du wie zu Hause." Er bewunderte ihn, verehrte ihn beinahe. Papa Adam war eine Welt für sich, er war die Seele, das Gehirn des ganzen Kreises. Wenn er sagte:„Weg mtt den Weibern— alles Kroppzeug!" so richtete sich Julien danach, ebenso. ie er den Rat befolgt hatte, für die alten Tage-u sparen. Ein einziges Mal war er in die Wohnung seines Freundes in der Rue des Dames gekommen» eine Trödelbude mit zerbrochenen Möbeln, leeren Zigarrenkisten und Zeitungsstapeln. Mehr wußte er nicht von seinem Leben, das sich, dem Anschein nach, überhaupt nur im Cafö des Courses abspielte, wo Papa Adam, vr:n frühen Morgen an, eine Menge Geschäfte aus dem Kopf erledigte. Nie hatte er ihn von seiner Vergangenheit sprechen hören. Er fing übrigens an, sich seinetwegen Sorgen zu machen. Es beunruhigte ihn, daß der dick: Leib zusehends dünner wurde, daß die plumpen Hände immer mehr zitterten, und daß sein Freund die Füße nicht mehr recht heben konnte. Einmal sagte er Irma:„Ich glaube, Papa Adam macht's nicht mehr lange." Nachdem er alle seine Freunde bei sich gesehen hatte, dachte Julien daran, auch leine Schwester einmal einzuladen, die ihn seit dem Tage, an dem sie einen Streit mit Irma gehabt hatte, schnitt. Berthe hatte ihr Vorwürfe gemacht, weil sie Helene ins Krankenhaus gebrächt hatte. Aber Julien war nicht nachträglich, und da er wußte, daß die Arenoud nicht das Geld hätten, sich einen Landaufenthalt zu leisten, schrieb er an sie.(Fortsetzung folgt!) Nr. 227 Samstag, 28. Srptemter 1935 Seite 3 dem abessinischen Feldzug den Charakter eines für die Italiener gefährlichen Waffenganges zu nehmen. Da werden den Lesern in den Zeitungen die Erinnerungen eines englischen Offiziers vorgesetzt, der erzählt, daß die Engländer gelegentlich ihres Feldzuges in Aethiopicn in den Sechzigerjahren(!) überhaupt keinen Toten im Felde und nur einige Dutzend Sterbefälle in Spitälern hatten. Der italienische Soldat in Abessinien wird dort wohl wie ein Vergnügungsreisender leben. 15.000 Mann stünden dem Negus nur zur Verfügung; sie seien aber damit beschäftigt, in der Nähe von Addis Abeba die Kniebeuge zu lernen. Ein Witzblatt zeigt abessinische Offiziere, wie sie sich abmühen, einen ungeheuren italienischen Tank in einer winzigen Mausefalle einzufangen. Kann ein Volk so naiv sein, einer so plumpen Stimmungsmache zu erliegen?„In Afrika ist Raum und Ruhm für alle!" verkünden Plakate; von Malaria, Typhus und Hitzschlag wissen sie nichts. Eine den Kolonialinteresien Italiens gewidmete Zeitschrift ruft auf der Titelseite ihren Lesern zu:„Mit Genfl Ohne Genf! Gegen Genf!" Und unter der letzten Aufschrift sieht man Truppen marschieren. Fast in jeder Buchhandlung werden Karten von Nordostafrika feilgeboten, auf denen zwischen italienisch Somaliland und der italienischen Kolonie Erythräa einerseits und Abessinien andererseits überhaupt keine Grenzen mehr eingezeichnet sind. Von der Einladung des Mailänder Reisebüros, im nächsten Jahre eine Reise in die„ehemalige" Hauptstadt des Negus zu unternehmen, wurde in den Spalten dieses Blattes bereits gesprochen. Es ist die uns bekannte„Serbien mutz sterben"-Ideologie, mit der ein Volk blöd gemacht werden soll. Es scheint aber doch nicht so ganz zu gelingen. Schon eingangs wurde vor zuweit gehenden Schlüffen gewarnt. Aber manche Dinge sind doch recht vielsagend. So z. B. ein Aufruf der Bischöfe anläßlich des Generalappells der fascistischen Partei. Die Bischöfe ermächtigen die Pfarrer, aus Anlatz des Appells die Airchenglocken läuten zu lassen. Aber mit welcher Begründung! Nicht etwa, weil sie dem Appell einen Erfolg wünschen. Die Bischöfe hüten sich ängstlich, auch nur mit einem Worte die„Waffen zu segnen". Sie sprechen nicht von Italien, nicht vom Staat oder der Regierung, sie sprechen sehr deutlich vom„Regime", das jenen, die de» Ruf zum Appell überhört hwben sollten, Unannehmlichkeiten zufügen könnte. U m das zu vermeiden, gestatten die Bischöfe, wie sie sagen: ausnahmsweise, das Läuten der Kirchenglocken, aber nur in den Orten, in denen es kein anderes Verständigungsmittel gibt. Wer zwischen, den Zeilen zu lesen versteht, wird dieser Stellungnahme der Kirche, die über Massenstim- mungen gut unterrichtet ist und mit ihnen rechnet, manches entnehmen können. Interessant ist auch, datz die Nachfrage nach ausländischen Blättern stark gestiegen ist und datz in den Kaffeehäusern insbesondere die großen bürgerlichen Schweizer Blätter geradezu verschlungen werden, von denen namentlich die linksliberale„Basler Nationalzeitung" die italienische Kolonialpolitik ungemein scharf verurteilt. Man muß das Schmunzeln gesehen haben, mit dem Italiener einander die in einem Prager Blatt erschienene Karikatur Th. Th. Heines gezeigt haben, die zwei Räuber darstellt, wie sie einem Ueberfallenen im Walde zurufen, daß sie seine Brieftasche unter ihr Mandat stellen wollen. Daß die Widersprüche in der offiziellen Kriegspropaganda jedem nicht Verblendeten die Augen öffnen müssen, liegt auf der Hand. Was einmal eine nationale und kulturelle Miffion des italienischen Volkes ist, kann nicht sofort darauf eine unbedeutende Polizeiaktion sein, und wenn Abeffinien wirklich der „elende afrikanische Landstrich" ist, als den ihn Muffolini in einem Interview in einem Pariser Blatte hinstellt(seinetwegen würde man doch keine Sanktionen ergreifen!),was bedeuten dann wieder die Verheißungen, datz dort„Raum und Ruhm sirr alle" ist, datz Italiens Zukunft auf dem glücklicher: Ausgang dieses Kriegszuges beruht? Von den Vorteilen, die ihr die Eroberung Abessiniens bringen wird, fühlt die Bevölkerung Italiens noch nichts. Hingegen weiß sie, datz die Steuern gewaltig erhöht werden, sie weiß, datz—sehr bezeichnend für den Fascismus— die Ausgabepost für-die Kriegsbeschädigtenfürsorge gesenkt worden ist, und sie fühlt vor allem die sehr empfindlichen Preissteige- r u n g e n noch vor dem Waffengang. Der Fascismus lügt auch dort, wo er die Wahrhest zugeben muß: Er nennt Preissteigerungen„Abänderungen einiger Lebensmittelprcise".(Im Dritten Reich heißt das„Hebung des Preisniveaus".) So ist, um einige Beispiele hervorzu- 8 Lire, der Detailpreis von Schweinefett von 6.40 Lire auf 8 Lire gestiegen. Die harten Tatsachen dieser„Abänderung" werden die Kriegsbegeisterung kaum steigern. ,AM Ob die angesammelte Unzufriedenheit zu Mr Explosion führen kann und wird, die das italienische Volk von seinen Bedrückern befreit, vermag heute, am Vorabend des Beginnes der Feindseligkeiten in Afrika, niemand vorauszusagen. —g^.. Addis Abeba feiert Feste Zuversichtliche Stimmung Addis Abeba. In der Hauptstadt hatte.! am Freitag niemand Sinn für die Schrecken der Kriegsgefahr und alle Abessinier feierten das Mascala-Fest. Die Feier fand ihren Höhepunkt am Nachmittag mit einer großen Truppenparade vor dem Kaiser. Die Stadt ist von Soldaten überfüllt. Die Häuptlinge der einzelnen Stämme begleiteten ihre Truppenabteilungen nach Addis Abeba. Es scheint, daß seit zwei Tagen die Stimmung betreffs des Konfliktes mit Italien in Addis Abeba wieder zuversichtlich geworden ist. Die Reorganisierung des abessinischen Flugwesens wird fortgesetzt. Unter dem Schutz der Schiffsseschütze Kairo. Vor Alexandria- kamen am Freitag die britischen Schlachtkreuzer„Renown" und „Hood" an. Sie liegen außerhalb des Hafens. Am Hafeneingang wurden Geschütze mit großer Reichweite in Stellung gebracht. Auch fanden Manöver unter Teilnahme der Flotte und von Flugzeugen statt. Tie Hafeneinfahrt wurde zum Schutz gegen U-Boote mit Stahlnetzen abgesperrt. Ms wurde nur eine kleine Fahrtrinne offen gelassen. Im Hafen selbst herrscht ein lebhaftes kriegerisches Treiben. Kraftwagen, Panzerwagen, Flugzeuge und Munition werden ausgelahen. nJnerhalb von fünf Tagen kamen'170 Flugzeuge an, die zusammengesetzt werden und für den Flug- östlich von Alexandrien,-/bestimmt heben, der Detailpreis von Speck von T Lire Hafen Abukir, Abessinien— das Ziel der Raubkriegsplane Mussolinis •SMA»*’ '(MM SBNAi ■riGRE. säet«! i*ho I lßC«eMMiuRies«nreich gestützt, den südlichen AuSgang des Roten MeereS beherrscht, dann wird die nördliche Zufahrt zum Roten Meer, der Suez-Kanal— das Glanzstück des britischen Imperialismus, machtpolitisch wertlos. Was hilft eS, daß die britischen Schiffe inS Rote Meer einfahren könne«, wen« Mussolini es in der Hand hätte, sie an der Ausfahrt z« hindern? Hier geht es nicht um M o r a l, sonder««m sehr reale Macht. DaS bekommt Herr Mussolini jetzt zu spüren. Warum— das ist auf diese Karte deutlich zu sehn. Italienische Eindrücke Mailand, Ende September. Wer heute Italien bereist, dem drängt sich bi« Ueberzeugung auf, daß das Land sich in einer Situation befindet, aus der es ein Zurück nicht gibt und nicht geben kann, will das Regime sein Prestige wahren. Niemand könnte aber sagen, er habe den Eindruck gewonnen, das afrikanische Abenteuer Mussolinis sei im Lande irgendwie populär. Der gewissenhafte Beobachter wird nicht wagen, ohne Fühlungnahme mit allen Schichten der Bevölkerung— was naturgemäß in einem diktatorisch regierten Lande sehr schwer ist— das Urteil zu fällen, daß das italienische Voll in seiner Gesamtheit den abessinischen Feldzug ablehnt. Aber kein einziges Merkmal spricht für die gegenteilige Annahme, nichts deutet darauf hin, daß die italienische Bevölkerung für die kolonialimperialistischen Raubpläne des Fascismus Verständnis oder gar Sympathie hat: das Voll steht der geschäftlichen Stimmungsmache der Apparatleute vollkommen apathisch gegenüber. Dabei wird wirklich nichts unterlassen, um die patriotischen Instinkte anzueifern und wachzurufen. Sogar der alte König, dessen Rolle nicht gerade beneidenswert ist, wird der Bedeutungslosigkeit, in die er dank, dem Fascismus geraten ist« entrissen. Auf großen Plakaten wird er dem Volle im Stahlhelm(I) gezeigt. Daß Mussolinis Konterfei- überall prangt und sogar in neuester Zeit auf Hauswände gemalt wird, ist weiter nicht verwunderlich^ In den letzten Wochen erschienen aber Plakate mit dem Mussolinikopf, unter denen nicht anderes zu lesen war, als:„Duce! Duce! Duce!"» als würde es der Anfeuerung Mussolinis noch bedürfen. Die fascistische Kriegspropaganda arbeitet mit einer SkruppÄlosigkeit ohne gleichen. Selbstverständlich wird gegen Abeffinien „Greuelpropaganda" in breitestem Ausmaße getrieben. Die Mörder Matteottis ergehen sich in sittlicher Empörung Wer abessinisches Gefängniswesen, wiewohl doch-er Negus niemals behauptet hat, daß sein Land ein Kulturstaat ist. Die Bur- Ischen, die ein ganzes Voll in Sklaverei geworfen haben, greinen darWer, daß in Abessinien noch hie Sklaverei besteht, wiewohl sie natürlich in den benachbarten italienischen Erythräa auch noch Nicht betrügt wurde. Sichtbar ist die-Tendenz, Seite 4 GnmSiag, 28. September 1838 Nr. 227 fadc/cndeufecfter Zeitspiegel Im Zeichen der Volksgemeinschaft Ein Notschrei der Bergarbeiter— 15 bis 25 Ki Schichtlohn Drei Kronen für eine Nachtwache Die Wähler Henleins erleben furchtbare Enttäuschungen. Auch die ihm noch so treu ergebenen Bürgerblätter vermögen die Tatsache nicht zu verschleiern, daß die Partei, die mit so großem Pomp in die Wahlschlacht zog, jetzt mit leeren Händen vor den Wählern steht.. Wohl bemühen sich die sudetendeutschen.Bürgerzeitungen, von Not und Elend im sudetendeutschen Gebiet zu schreiben, aber niemals führen sie die wahren Gründe an, die das Elend verschuldeten. Niemals wird fest- und klargestellt, daß di» BolkSgenossen-Unternehmer keine Rücksicht nehmen auf die Notlage der Arbeiter, daß teilweise geradezu Hungerlöhne an die noch in Arbeit stehenden Volksgenossen gezahlt werden. Und kein Henleinabgeordneter bemüht sich, einzugreifen, die unerträglichen Zustände abzustellen. Uns ging dieser Tage ein Notschrei von Bergarbeitern zu, den wir gern abdrucken, weil er nach mehr als einer Richtung aufschlußreich ist. Die Bergarbeiter, unter denen auch Arbeiter sind, die Henlein wählten, schreiben uns: „Auf dem„Anna-Schacht" bei Auschine im Nussiger Bezirk herrschen Zustände, die drastisch beweisen, wie die Herren Unternehmer allgemein umspringen würden, wenn Henleins Partei zur Macht käme. Derzeit werden auf dem Schacht 12 Mann beschäftigt in einer Arbeitszeit von 8 Stunden täglich. Die Leute untertags sind st ä n d i g Grubengasen ausgesetzt. Die Ausbauten werden nur mit schwachem Holzmaterial vorge- nommen. Es besteht£ie Gefahr des Sin* sturzes. Die schwere mühevolle Arbeit bezahlt man den Arbeitern mit 25 Ke für die Schicht. Für diesen Bettel müssen die Arbeiter ihre Gesundheit und ihr Leben aufs Spiel setzen. Die Behandlung der obertags Arbeitenden erinnert an Zustände in sibirischen Bergwerken zur Zeit des Zarenregimes. Ständig wird angetrieben und gebrüllt. Kein Tag vergeht, an dem nicht für das geringste Vergehen die Entlastung angedroht wird. Besonders ein Vorarbeiter(dessen Name der Redaktion bekannt ist) scheint der Auffaffung zu sein, daß man mit Prügel und Geschnauze am ehesten zum Ziel kommt. Für die Schufterei erhalten die Arbeiter 15 XL. Bezahlung ohne Krankengeld und Pen- sionöabzüge. Was da zum Leben übrig bleibt, kann sich jeder selbst ausrechnen. Ab Montag wird 12 Stunden gearbeitet. Für die vier Ueberstunden gibt es eine Zulage von ö XL, also je Stunde XL 1.25. Drei Arbeiter, die das Ansinnen des Unternehmers äblehnten, hätten ihre Freimütigkeit beinahe mit einer Tracht Prügel bezahlen müssen.' Der Vorarbeiter wagte es, die Hand gegen einen Arbeiter zu erheben und nur der Solidarität der Proleten ist es zu danken, daß es nicht zu einem, Exzeß kam... Tie Arbeiter mutzten mit anhören, daß sie überflüssig seien, datz sich täglich Leute melden(wenn schön, dann von der Not getrieben— Red.), denen das Geld Nebensache sei... Zunächst scheint das allerdings ein Phantasiegebilde der Unternehmer zu sein, die diesen„Ldealzustand" erstreben... Sind das etwa dio Erfolge, die die Hen- leinwahlen zeitigten? Tas zu fragen, ist man berechtigt zu fragen! Einem alten Arbeiter, der auf der Grube Nachtwächterdienst versah, entlohnte man mit 3 — drei— XL pro Nacht... Am ersten Tag der Gewerkschaftskonferenz in Reichenberg, über dessen Verlauf wir bereits berichtet haben, stimmte die Tagung nach dem Schlußwort der Berichterstatter noch einmütig einer E n t s ch l i e ß u n g zu, in der es u. a. heißt: Die gemeinsame Konferenz der Vertreter der Verbände und Kreisgewerkschaftskommissionen des Deutschen GewerkschaftSbundes stimmt dem Programm der drei sozialistischen Parlamentsparteien zu und unterstreicht insbesondere daS Verlangen nach Einführung der 40-Stundenwoche, nach endlicher Regelung der Arbeitsvermittlung, nach Maßnahmen gegen die Verteuerung lebenswichtiger, unentbehrlicher Erzeugniffe, nach Bereitstellung ausreichender Mittel für Investitionen und NotstandSbaüten, ausreichende Versorgung der arbeitslosen Bevölkerung mit Kartoffeln und Freigebung der Einfuhr von Speisekartoffeln. Es muß verhindert werden, daß die Mehl- und Brotpreise über die Preise vom Juli 1935 hinauSgehen. DaS Kontingent für Pflanzenfette ist entsprechend zu erhöhen und der Preis des Zuckerherabzusetzen. Die Herstellung einer gesunden Preispolitik erfordert eine entsprechende Aende, rnng dez KartellgesetzeS. Die produktive ArbritS« losenfürsorge ist auSzubauen und dafür die notwendigen Mittel bereitzustellen. Durch eine entsprechende Verbilligung des Kredtis ist eine Belebung der Wirtschaft zu ermöglichen. Zur Durchführung der vorhandenen wirtschaftspolitischen Maßnahmen ist ein besonderer staatlicher Wirt- schaftSrat zu errichten, in welchem die Gewerkschaften der Arbeiter und Angestellten eine ausreichende Vertretung haben. Durch billige Exportkredite ist die Ausfuhr von Erzeugnissen unserer Exportindustrie zu steigern. Unerläßlicb ist die Vereinfachung deS Clearing-Verkehrs durch Beistellung von Mitteln durch die Nationalbank zum Ausgleich jener Forderungen unserer Exporteure, die im Auslande schon bezahlt sind, aber auS den Mitteln der ausländischen Verrechnungskonti in der Tschechoslowakischen Republik nicht zeitgerecht überwiesen werden können." Am zweiten Verhandlungstage erledigte die Konferenz Angelegenheiten der Arbeitslosen« Samstag müssen die armen abgerackerten und ausgehungerten Proleten drei bis vier Stunden warten und betteln, damit sie überhaupt etwas Lohn erhalten. Lohnrückstände sind in größerem Ausmaße vorhanden» die Vorgänger der jetzigen Arbeiter büßten Lohnsummen in der Höhe von 100 bis 1000 XL ein." ♦ Soweit die Zuschrift der Bergarbeiter, die ein einziger Notruf ist gegen unerträgliche Zustände und miserable und völlig ungenügende Bezahlung. Hier helfend einzugreifen, dürfte Aufgabe der Behörden und aller Menschen sein, die guten Willens sind, erträgliche Lohn- und Arbeitsbedingungen auch in Krisenzeiten zu schaffen. Unterstützung. Darüber berichtete zuerst Genosse Kirchhof. Er besprach die bevorstehende Novellierung de- Gesetzes über den Staatszuschuh zur gewerkschaftlichen Arbeitslosenunterstützung. Die von ihm erstatteten Vorschläge beziehen sich vornehmlich auf die Abänderung der Bestimmungen der§8 6, 7 und 8. Im zweiten Teil seiner Ausführungen behandelt der Berichterstatter die Auswirkungen der Regierungskundmachung Nr. 34/1934 über die Unterstützungsregeln der Arbeitslosenfonds. Als zweiter Redner zur Frage der Arbeitslosenunterstützung erstattete Genosse B u r i a- n e I einen aufschlußreichen Bericht über den Entwurf einer Regierungsverordnung, der viele anfechtbare Vorschriften enthält und die Vereinheitlichung der Buchführung bei den Arbeitslosenfonds fordert. Nach Abschluß der Debatte wurden die Vorschläge der Berichterstatter Kirchhof und Burianek für die Neuregelung des Gesetzes über den Staatszuschuß zur Unterstützung Arbeitsloser und zur Vereinheitlichung der Buchführung der Arbeitslosenfonds genehmigt. Damit war die umfangreiche Tagesordnung erledigt und eine Arbeit getan, die sich durch großen Ernst und Sachlichkeit auszeichnete. An den beiden Tagen sind in eingehenden Beratungen mit erfreulicher Gründlichkeit wichtige Organisationsfragen und dringliche Probleme der Sozialpolitik und der Wirtschaft behandelt worden. Die Beratungen der.Konferenz standen unter dem Eindruck der Sorge der Arbeiterklasse um ihre nächste Zukunft, sie waren aber völlig frei von Kleinmut und Verzagtheit/ In allen Reden kam der nner- schji-terliche Wille zum Ausdruck, an der Stärkung der Gewerkschaftsbewegung writerzubaurn. Die schweren Aufgaben und die barten Tage, vor denen die gesamte Gewerkschaftsbewegung unseres Staates steht, müssen überwunden werden. Dazu wollen die Verbände des Deutschen Gewerkschaftsbundes— das haben die zweitägigen Verhandlungen gezeigt— ihren Teil beitragen. Trotz aller Feinde und aller Bedrohungen au» dem Lagst des deutschen Faseismus in den Sudotonlän- deru muß und wird es vorwärts gehen! Abschluss der Gewerkschaftskonferenz Wirtschaftliche Resolution— Novellierung des Genter Systems Budapester Eindrücke Von Wenzel Zatsch (Fortsetzung.) Bon den Erfahrungen eines Natlonalitäten- staaieS ausgehend war es interessant, die Auswirkungen dieser ungarischen Minderheitenpraxis auf die deutschungarische Arbeiterschaft festzustellen. Tie persönliche Berührung mit diesen wackeren Genossen verschaffte so manchen tiefen Einblick. Ein Vertrauensmann auS der Nähe unserer Grenze sagte:„Wir brauchen uns über Zurücksetzung nicht zu beklagen. Wir besitzen genau so viele Rechte, wie die ungarischen Klassengenossen, nämlich keine." Auf soziales Gebiet scheint aber der Nationalismus noch nicht so weit vorgedrungen zu sein. Wenigstens wurde gesagt, daß etwa bei Ausbesserungen am Bahnoberbau oder auch sonst bei privaten oder öffentlichen Arbeitsgelegenheiten kein Unterschied gemacht wird, ob der Arbeitsuchende ein Nationalungar oder ein „Schwob" ist. Will ein Minderheitsbürger in den Staatsdienst kommen oder beim Militär Unteroffizier werden, dann mutz er unbedingt zuvor seinen Namen magyarisieren lassen. Aus den schwäbischen Dörfern wurde die Klage geführt, daß Kinder, die in die ungarischen Schulen gehen mutzten, nachher weder die Muttersprache, noch die Landessprache ordentlich beherrschen. Auch dort haben die Arbeiter ein großes Interesse daran, ihre Kinder gut für den Lebenskampf auszurüsten. Beim Kampf um eine Minderheitsschule argumentierte der deutsch-sozialdemokratische Vertrauensmann gegenüber dem mehr magvarophilen Pfarrer folgendermaßen:«Wir wollen, daß unsere Kinder di« Landessprache erlernen, aber auch ihre Muttersprache, denn sie ist eine Weltsprache. Mit ihr kommt man auch in der Fremde durch." Mehr aber als Kulturfragen interessiert unsere deutschungarischen Gtnossen derzeit die Verbesserung der herrschenden Wahlrechtes. Trotz des Hit« lerfreundlichen Gömbös-Kurses konnte die halbe Million Deutscher in Ungarn bei der letzten Wahl nicht einen einzigen deutschen Abgeordneten durchbringen... Ohne Demokratie gibt es eben kein Minderheitenrecht, siehe auch Südtirol und Polen. Die Sudetendeutschen sollten das endlich zur Kenntnis nehmen. Die große Krise hat Ungarn wieder weit in den Zustand der Naturalwirtschaft zurückgeworfen. Der Geldumlauf ist sehr zurückgeschraubt, auf ein Drittel gegenüber dem benachbarten und volksärmeren Oesterreich. Die Geldknappheit geht so weit, daß man in manchem Bauerndorf nicht einmal ein zwei Pengö(zehn Kronen)-Stück wechseln kann. Zum Dorftaufmann kommen Bauernmädchen, legen ein Ei auf den Ladentisch und verlangen dafür eine Schachtel Zündhölzchen. Der Dorfkaufmann fährt mit einer ganzen Fuhre von Landesprodukten zum Kaufmann in die nächste Stadt und tauscht sie wieder gegen Textilien und sonstige Bedarfsartikel ein. Bargeldloser Verkehr. Dabei ist eS natürlich nicht so einfach, Mitgliedsbeiträge hereinzubekommen, wenn in den Taschen deS Landproletariers messt nicht ein luckerter Heller zu finden ist. Die Bekleidungs- und Beschu- hungsfrage der ungarischen Landarbeiter, die fast ausschließlich mit Naturalien entlohnt werden, bleibt ein unlösbares Problem. Auf den ungarischen Dörfern und Gutshöfen lebt eine Viertelmillion überflüssiger Menschen. Die Forderung nach einer durchgreifenden Agrarreform kann daher nicht mehr von der Tagesordnung der ungarischen Politik abgeseht werden. Ueberhaupt gibt eS soziale Abstufungen, die alle Vergleiche aus unserem Milieu überbieten. Beim Budapester Tandlmarkt(Gerümpelmarkt) lagern die sogenannten Kubikoschs. Das sind Erdarbeiter, die mit einer Schiebtruhe, Hacke und Schaufel vom Land hereinziehen, um sich in der Hauptstadt zu verdingen. Jeder führt zugleich Maiskolben, Paprikaschoten, gelbe Rüben etc. mit, welche vegetarische Kost im Freien zitbereitet wird. In der Schiebkarre des Kubikosch fehlt auch der obligate Schafpelz nicht, denn er ist gewohnt, soweit es das Wetter nur erlaubt, unter dem Himmelszelt zu kampieren. Ihrer viele warten in der Hauptstadt vergebens auf einen„Erlöser" in der Gestalt eines Unternehmers, der sie zu einem Schundlohn dingt. Tragödie der überflüssigen Menschenkraft. Herr Gömbös würde es schlver haben, das ungarische Parlament zu verbieten, denn der monumental am Donauufer hingebaute Reichstag ist die historische Tribüne derNation. An sie knüpfen sich große Erinnerungen an heiße Auseinandersetzungen mit dem habsburgischen Zentralismus. So erklärt sich auch, daß in diesem scheinkonstituionellen Lande die Wertschätzung der Mandatsträger außerordentlich groß ist. Es ist schwer, Mitglied des ungarischen Reichstages zu werden, aber eine ungewöhnliche gesellschaftliche Rangerhöhung, es zu sein. Bei der ärgsten Ver- botSpraxis der Behörden kommt eS nicht vor, datz etwa eine Versammlung verhindert wird, in welcher der Abgeordnete des Wahlbezirkes seinen Rechenschaftsbericht erstatten will. Jeder Gastwirt rechnet es sich zur Ehre an» wenn der„Herr Deputierte" bei ihm einkehrt und eine Wählerbesprechung abhält. Dann läßt er den besten Wein austischen, die Honoratioren der Gemeinde stellen sich gerne ein und trinken ein Gläschen mit. In den wohlhabenderen Dörfern des Westens ist eS auch Sitte, die politischen Besprechungen mit einem Schweine-Schlachtfest oder mit einer Kostprobe in den Weinkellern zu verbinden.! Wehe, wenn der Abgeordnete eine solche Einladung ablehnen sollte. An der Grenze des Burgenlandes ist uns angeblich ein Wahlbezirk auf eine Generation verloren gegangen, weil der sozialdemokratische Abgeordnete Abstinent, Vegetarier und sogar Rohköstler war und überdies die wenig populäre Meinung vertrat, der Wein seiner Kleinbauernwähler wäre„Gift". (Schluß folgt.). Henlein vom Innenminister nicht empfangen I Tas Tschechoslowakische Pretzbüro teilt mit: Die in einigen Tagesblättern erschienenen Nachrichten, wonach Innenminister Dr. Eernh dieser Tage den Vorsitzenden der Sudetendeusschen Partei Konrad Henlein empfangen haben soll, sind unrichtig. Memelwahlen— unter Kontrolle der Signatare London.(Reuter.) Die litauische Regierung ersuchte die diplomatischen Vertreter von Großbritannien, Frankreich und Italien in Kaunas, sich Sonntag nach M r m e l-u begeben und den Verlauf der Wahlen zu beobachten für den Fall, daß sich Zusammenstöße ereignen sollten. Wie in London verlautet, werden die Gesandten der drei Großmächte der Einladung Folge leisten und sich Samstag nach Menul begeben. Die Gewerkschafts einigung in Frankreich Paris. Freitag abends traten der Kongreß des Allgewerkschastlichen Arbeitsverbandes und des kommunistischen Arbeitsverbandes zu einer gemeinsamen Sitzung zusammen. In der Vormit- tqgSstihung der beiden Delegationen wurde das Prinzip akzeptiert, daß der künftige einheitliche Allgewerkschaftsverband in politischen Beziehungen unabhängig sein wird. Zu diesem Beschluß drängte hauptsächlich der Allgewerkschaftliche Arbeitsverband. keine weiteren Ira nsporte nach Libyen Rom. Am Mittwoch sollten weitere italienische Transporte nach Libyen und T r i p o- l i S abgrhen. Die Schiffe sind jedoch nicht ausgelaufen und warten neue Instruktionen ob. An informierten Stellen erblickt man in der Zurückziehung des Befehles zum sofortigen Auslaufen dieser Transportschiffe ein Anzeichen dafür, daß Italien nunmehr einen abwartenden Standpunkt einnehme. Triebe redet Wie wir aus verläßlicher Ouelle erfahren, ließ sich der wegen seiner Darlehensgeschäfte vor zwei Jahren verhaftete und angeklagte Joses Triebe vor einigen Tagen, als er von der Untersuchung über seinen Geisteszustand nach Pankrae zurücktam/ dem llnteusuchüngsrichter bwfWi* ren und gab dort eine Reihe von Mitbeteiligten an seinen Darlehensgeschästen bekannt. Tie Folge ist nun, datz gegen eine Anzahl von S p a r k ä s- senbeamten. und Selb st Verwaltungsfunktionären die Strafanzeige erhoben werden wird. Triebe hat also seine bisherige Taktik, den Geisteskranken zu spielen, aufgegeben und so kann die Oeffentlicktkeit noch in der nächsten Zeit recht interessante Details über diese Darlehensgeschäfte erfahren. Vieverläßlichen“ Henlelndemokraten Verhaftungen im Braunauer Bezirk Dienstag, den 24. September wurden in Schönau bei Braunau die als sehr rührig bekannten Henleinmänner Robert Mann, Franz Spitzer sen. und Franz Spitzer jun., der letztere in Grotzdorf wohnhaft, verhaftet. Die gleichzeitig vorgenommenen Haussuchungen bei den Verhaftungen sollen sehr viel belastendes Material zutage befördert haben. Robert Mann bekundete ein besonderes Interesse für die Tätigkeit und die Personen der Sozialdemokratie, so daß man seit einiger Zeit schon die Auffassung hatte, er sei mit einer besonderen Mission betraut worden. Am gleichen Tage wurde in Haupt- mannsdorf bei Braunau der ebenfalls für die SHF sehr fleißig arbeitende Hugo Scholz verhaftet. Alle vier Festgenommenen wurden noch am Mittwoch nach Kvniggrätz eskortiert. Abgeordneter Dubirkh, Vorsitzender der Arbeitgeber-Konföderation. Die tschechoslowakischen Unternehmerverbände haben eine Spitzenorganisation, die sogenannte Arbeitgeber-Konföderation, die dieser Tage ihre Jahresversammlung abhielt. An Stelle des zurückgetretenen bisherigen Vorsitzenden Prof. Dr. HodaL wurde der agrarische Abgeornete D u b i e k ö zum Vorsitzenden, der Generalsekretär deS tschechoslowakischen Jndn- striellenverbandes, Jng. Mixa, zu seinem Stellvertreter gewählt. k Zentralsozialversichrrungsanstalt für Zinsfußsenkung. Der„Benkov" hat vor einigen Tagen behauptet» datz der schärfste Gegner der Senkung des Zinsfußes die Zentralsozialversiche- rungsanstalt set und hat im Zusammenhang damit behauptet, daß gegen die Zinsfußsenkung die Banken untek Führung des Generaldirektors Dr. Pretß und die Zentralsozialversicherungsanstalt, an deren Spitze Abgeordneter Genosse Hampl ist, seien. Wie nun die„Prager Presse" meldet, hat in einer Borstandssitzung der Anstalt der finanzielle Direttor der ZSBA, Dr. K l u m p a r, eintn Bericht erstattet, wonach die Anstalt zum Regierungsantrag, betrefend die ZinSfußsenkung einen positiven Standpunkt einnimmt. Ter Vorstand stimmte dieser Auffassung zu. Nr. 227 SamStäg, 28. September 1838 Seite« Aus der ArbeNer-Turn- und Sportbewegung Der 8. Kreis beginnt seine Vorarbeiten zum 3. Bundesturnfest 1936 in Komotau In der am 25. September in Teplitz stattgefundenen Kreisexekutivsitzung wurden entscheidende Beschlüsse für die Vorarbeiten zum dritten Bundesturnfest 1936 in Komotau gefaßt. 70 Bezirks- nnd Kreistrchnikcr— Männer, Frauen- und Kinderturnwarte— sowie alle Kreisspartenleiter•— Leichtathletik, Schwimmen, Erzieher, Schwerathletik, Schach, Turnspiele, Fußball ufw.— werden vom 26. bi s 28. Okto b e r zu einer großen Schulungsaktion zur Erlernung des Bundesfeftprogrammes in Aussig zusammengezogen. Neben der technischen Zielsetzung— Ausscheidung zur Arbeiterolympiade 1937 in Antwerpen— wird das größte Augenmerk auf di« aktive Beteiligung jedes Mitgliedes des Kreises gerichtet werden und cs darf Wohl nach den Erfahrungen des letzten Jahres— Kreisturnfest Aussig .— heute schon gesagt werden: Die Mitglieder des 5. Kreiseswerden amBun- desturnfest 19 3 6 v o ll ihrePflicht erfüllen. Enttäuschte Grenzlandhoffnungen Als im Frühjahr dieses Jahres durch die sudetendeutsche Presse die Mitteilung ging, daß Deutschland 70 Millionen KL für den Bäderbesuch der Tschechoslowakei zur Verfügung gestellt habe, und daß weitere Verhandlungen auch den Bäderbesuch für die Monate Juli und August zu sichern versprechen, ging ein grcßes Hoffen durch die Reihen derer, die im sudetendeutschen Grenzgebiet bis zum Anbruch des Dritten Reiches von den Einnahmen auS dem Besuch der reichsdeutschen Sommerfrischler zum gut Test lebten. Sie erhofften einen neuen Auftrieb ihres Geschäftsganges und mancher von ihnen dankte wohl im stillen dem großen Adolf.!., der so gnädig war, den sudetendeutschen Volksgenossen zu gut besuchten Sommer- frischei, und damit zu guten Geschäften zu verhelfen. Jetzt wird es aber besser, sprachen die Hoffenden, denn sie glaubten allen Ernstes, daß nun jedetz Reichsdeutsche mit der Brieftasche voll von 50- und 100-Markscheinen über die Grenzkommen ibtrde. Doch es vergingen Wochen, Monate, der Sommer—i’rfwr birgSkämme dcS sudetendeutschen Grenzgebietes, die Saison geht zu Ende, aber noch immer hat der Fremdenzustrom auS Hitlerian nicht eingesetzt. Die im Frühjahr so laut Hoffenden sind stumm geworden. Sie sagen nicht mehr, jetzt wirds aber besser. Die Hoffnung auf Aufhebung der 10- Mark-Grenze, auf gute Geschäfte mit reichsdeutschen Sommerfrischlern hat sie zum Narren gehalten. Demi nur einig« Unentwegte, die di, Unannehmlichkeiten der lästigen Devisenkontrolle der Grenzwächtrr des Dritten Reiches nicht scheu» ten, manch« unter ihnen vielleicht auch nicht zu fürchten brauchtet«, weil sie dem braunen Regime als zuvetlässige Garanten scheinen, haben ihre Ferien im sudetendeutschen Grenzlande verbracht. Doch M't denen waren keine nennenswerten Geschäfte zu machen. Sir kamen mit dem Betrage von 10 Marl über die Grenze. Richt'für einen Tag oder eine Woche, sondern für einen ganzen Monat dürfen sie nur 10 Mark mit über die Grenze nehmen. Wollten die Gastwirte dieses Geschäft aber mitnehmen, dann mußten sie auf die Gesichter dieser wenigen Sommerfrischler bauen und sich auf nachträgliche, ratenweise Abzahlung der Kosten des Pensionsaufenthaltes einlassen. Die? unsichere Geschäft haben einige auch abge- sckl-ssen, die nun jeden Monat sehnsüchtig auf di« Summe von 10 Mark warten, bis sie ihr Geld herein haben. So geht es allen, die ihre Host« n'ingen auf Hitler und den Nazismus setzten, sie sind die Betrogenen. Aber auch wer als Devisenausländer zu Kur-, Erholung?- oder zum Studienaufenthalt ins Dritte Reich fährt, muß sich verschärfte Devisenbestimmungen gefallen lass«». Di« Reichsstelle für Devisenbewirtschaftung hat, um einer angeblich mißbräuchlichen Verivendung von Reichsmarkbeträgen aus Sperr- und Sonderkonten sowie Registerguthaben eines Dcpifenausländers vorzubeugen, einen besonderen Runderlaß über. die Sperrguthaben aus isonderkonten für inländische, nicht geschäftliche Ressen, Kur-, Erholungs- ode» Studienaufenthalte herausgigeben. Die Devisenstellen und Devisenbmiken werden darin angewiesen, durch geeignete Maßnahmen die Verwendung der im innerdeutschen Reiseverkehr von Sperroder Sonderkonten abgehobenen Beträge sicherzu- stellen. Die Rcichsbank überwacht, daß ein Reifender, der Registerguthabcn in Anspruch genommen bat, für den gleichen Zeitraum nicht Beträge aus seinem Sperr- oder Sonderkonto fiir Reise, Erholung, Kur- oder Studienzwecke abhebt. Umgekehrt wird es auch nicht zugelaffen, daß ein Reisender nebxn Abhebungen von Sperr- oder Sonderkonten noch Registerguthaben bzw. Reichsmarktreuhandguthaben beansprucht. Ein Land wie daS Dritte Reich, das bereit- derart in Finanzschwierigkeiten von seinen Gewalthabern operiert wurde, daß es sogar die Aus gaben der es zu Erholungs«, Kur- oder Studienzwecken bereisenden Devisenausländer kontrolliert und besonders scharfen gesetzlichen Bestimmungen unterwirft, wird die Hoffnungen unserer, aus Fremdenzustrom aus dem Dritten Reiche bauenden Gastwirte im sudetendeutschen Grenzgebiet immer zum Narren halten. Außerdem:„Deutsch-! Eßt nur deutsches Gemüse".„Deutsche! Trinkt nur deussche Biere",„Deusschel Reist nur in Deutschland". Auf was hofft denn da der Gastwirt im sudetendeutschen Grenzgebiet noch angesichts solcher Parolen, die täglich dem deusscheu Volk eingehämmert werden und für deren Einhaltung„Kraft durch Freude" und die SA, wenn nötig mit Gummiknüppel und Konzentrationslager wohlwollend Sorge trägt? 30 Arbeiter unter Neubau-Trümmern Die Weltfeuerwehr „Sollen wir nun den Brandstifter v erhaften— oder nur das Feuer lokalisieren?“ Verletzunsen des Asylrechtes In Genf trat der tschechoslowakische Gesandtetrotz diesem Belege und liefert ihn in den Schub« Künzl-Jizerskh vor der 6. Kommission als Berichterstatter in, Emigranten-Angelegen- heiten auf und über seinen Antrag wird der Völlerbundversammlung eine Resolutionvorgelegt werden, die eine Reihe von Empfehlungen zum Schutze der Flüchtlinge enthält, darunter die, daß Flüchtlinge nicht ausgewiesen werden, falls sie keine Bewilligung zum Ueberschreiten der Grenze eines anderen Staates erhalten. So der tschechoslowakische Gesandte in G«ns... Anders aber, di« i w. T s chechoslowakei. Täglich ereignen sich besonders in letzter Zeit Fälle, die, wenn man die Haftung der Tschechoslowakei in.Gens ernst nimmt, als Verletzungen des Asylrechtes und als Willkürakte gekennzeichnet werden müssen, Man macht die Erfahrung, daß man bxi gewissen Referenten menschliches Verstehen findet, es gibt aber eine ganze Reihe von Beamten(besonders Kommissären und Inspektoren), denen nicht nur menschliches Interesse mangelt, sondern deren Handeln geradezu dem Geiste der obersten Stellen entgegengesetzt ist. Statt zu polemisieren, statt in Worten anzuklagen, seien hier krasse Fälle der letztenTage bekanntgegeben, die zeigen, wie sehr manche Organe des Staates die Demokratie verletzen, zu deren Schutze sie bestellt sind. Folgende Ausweisungen und Verhaftungen sind erfolgt, die Verletzungen des Esylrechtes sind: 1. Dem reichsdeütschen Emigranten Quido K, Lehrer, der sich nie politssch in der Tschechoslowakei betätigt hat, dem in Deutschland eine hohe Zuchthausstrafe, vielleicht sogar die Todesstrafe droht, wurde vom BrünnerLandes« amt die Aufenthaltsbewilligung verweigert. 2. Der 24jährige reichsdeutsche Emigrant Reinhold H.. der wegen eines politischen Deliktes (zusammenhängend mit dem Sprengstoffgesetze) aus Deutschland als Staatenlof er ausgewiesen wurde, der aus Oesterreich und Ungarn be« reits ausgewiesen ist, erhält vom Brünner Landesamt keine Aufenthaltsbewilligung. Er übernachtet ein paar Tage im Lager der Liga für Menschenrechte» bekommt eine B e st ä t i« gung derLiga in die Hand, aus der hervorgeht, daß die Liga beim Landesamt intervenieren wird. Um 3 Uhr früh(!) kommt ein Inspektor ins Lager, findet ihn, verhaftet ihn arrest ein. Wohin wird die Tschechoslowakei diesen armen Burschen ausweisen? 3. M. E., ein Saarflüchtling, mit dem Aus weis der Verwaltung des. Saarlandes, bckymmt vom Landesamt, bzw. vom. Ministerium des Innern keine Aufenthaltsbewilligung, weil er keinen ordentlichen Paß habe und daher l ä st i g e r Ausländer sei. Als ob ein Emigrant einen Paß haben müßte, als ob er der erste Emigrant wäre, der ohne Paß ge- louwieu isl;.., v■ 4. Trr reichsdeutsche Emigrant R. wird von der Polizei Brünn. wegen Landstreicherei verhaftet, dem Bezirksgerichte in Brünn eingeliefert und erhält einen Monat Arrest. Ein Emigrant darf sich also nicht an Menschen mit der Bitte um Hilfe wenden. Oder wird man von nun ab alle Emigranten wegen Landstreicherei bestrafen? Willkür eines Polizeiinspektors! 5. Der reichsdeutsche Emigrant H o r st K. wird vom Polizeikommissariat I g l a u als lästiger Ausländer aus der ganzen Tschechoslowakei ausgewiesen. Der junge Mann ist kein Politiker, aber er hat eine Bekanntschaft mit einem arischen Mädchen, er ist Ha I b j u d e, int„Stürme r" wird gegen ihn und das Mäd-! chen gehetzt, er flüchtet, bevor er ins Konzentra- tionslager gebracht wird, der Polizeikommiffär in Jglau aber weist ihn als„lästigen Ausländer" aus. Das ist eine Auslese aus den letzten Tagen. Was in dieser Art von den slowakischen Behörden und den politischen Bezirksämtern in Böhmen und Mähren in letzter Zeit geleistet wird, verdient gleichartige Publikation.. Es scheint oft fast, daß das Asylrecht nur in den Köpfen einiger menschlicher Idealisten herrscht, nicht aber in den Amtsräumen der Bürokratie, ein Zustand, der dem Sinn der praktischen Demokratie widerstreitet... Weder die forcierte Anwendung des altösterreichischen Landstreichergesetzes aus dem Jahr« 1885 noch die Vorherrschaft des Begriffes des „lästigen Ausländers", noch die Mißachtung einer Organisation, wie" der Liga für Menschenrechte, die die Fürsorge für Staatenlose und Emigranten jenseits aller Politik nur nach menschlichen Gesichtspunkten organisiert, können dem Sinn wahrer Demokratie entsprechen. Otto Schütz. GGüsfe im GeriehtÄfaal Drei Personen, darunter der Vorsitzende, verletzt— Selbstmord des Täters Graz. Im Verlaufe einer Verhandlung bei dem hiesigen Landesgerichte zog der arbeitslose Schlossergehilfe Franz G e i s s e d e r, der sich wegen gefährlicher Drohung und Grabschandung zu verantworten hatte, plötzlich eine neunschüssige Armeepistole und feuerte zunächst auf die Zeugen zwei Schüsse ab, wobei die Militärintendantens- gattin Ludmila P ecnaez ek durch einen Nierensteckschuß lebensgefährlich und der Betriebsdirektor i. R. Ludwig Pfeiffer am rechten Unterarm verletzt wurden. Ein zweiter Schuß traf den Verhandlungsleiter Oberlandesgerichtsrat Dr. P r e i s i n g e r in den rechten Unterschenkel. Dann jagte sich Geisseder eine Kugel in die rechte Kopfseite, wodurch er einen Durchschuß de- Schädels mit Gehirnaustritt erlitt. Die beiden schwerverletzten Zeugen wurden in das Krankenhaus, Dr. Preisinger in seine Wohnung gebracht. Der Täter verschied kurze Zeit nach seiner Einlieferung in das Krankenhaus. Geisseder, der im Grazer Landeskrankenhauangestellt wai^und seine Stellung verloren hatte, gab die Schuld daran dem seinerzeitigen Betriebsdirektor Pseiffer. Er beschädigte auch aus Rache darüber die Grabstätte dessen Sohnes und Hai auch auS diesem Grunde gegen Direktor Pfeifser und Frau Pechaczek, die eine Verwandte desselben ist, die Schüsse abgegeben. Buenos Aires. Im Stadtteil Balgrano stürzte ein zweistöckiger Neubau ein und begrub 30 Arbeiter unter sich. Bisher konnten fünf Tote und fünf Verletzte geborgen werden. Der Mörder König Alexanders I. Paris.(MTP.) Ein volles Jahr hat die Untersuchung über den Königsmord in Marseille gedauert. Sie ist jetzt im wesentlichen abgeschlossen, und der Prozeß dürfte in einigen Wochen beginnen. Es ist auch gelungen, die wahre Identität des Mörders festzustellen. Sein Name ist Velitchko Dimitrow K e r i n. Die bulgarische Po«, lizei hat auf Grund der Fingerabdrücke des Mörders diese Feststellung getroffen. Kerin wurde 1897 in Kamenitz geboren. Er war zweimal ber- hieratet und gehörte seit 1920 den illegalen Ter- roristen-Organisationen der Mazedonien an. Er war der bulgarischen Polizei unter den Namen Blada Georgijev, Velitchko Georgijev, Velitchko Stojanov und Stepan Dimitriv bekannt. Auf sein Konto kommen eine Reihe von Mordtaten, und«r war zweimal zum Tode verurteilt, wurde aber beide Male wieder amnestiert. Erstem Jahr« 1932 ging er nach Ungarn, wo auf Janka Puszta der Marseiller KönigSmord vorberesset wurde. Der Riesenbrand in London breitet sich aus London. Das gewaltige Feuer in denk Lagerhaus im Ost-Londoner Stadtteil Wapping war nach Mitternacht noch immer nicht g e-i löscht. In den späten Abendstunden b r a ch e n mehrere Stockwerke zusammen. Wiederhoft erfolgten E x p l o s ion e n. Ein Teil der vom ThemseUfer äbgekehrten Hauswand stürzte auf die Straße herab. Um 23 Uhr verminderte sich die Heftigkeit des Brandes, doch war der Widerschein der Flammen am dunstigen Nachthimmel noch in einer Entfernung von 20 Kilometern zu sehen. Um 2 Uhr morgens trieb der Wind die Flammen gegen ein benachbartes Lagerhaus, das Kisten mit Tee enthaft, und die Feuerwehr richtete ihre ganzen Bemühungen auf die Rettung dieses Gebäudes. Ein Feuerwehroffizier erklärte, es sei zu befürchten, daß der Brand noch über Sonntag hinaus dauern werde. Filmhallen in Flammen Rom. Ein Großseuer hat gestern nachts die Hallen der größten italienischen Filmgesellschaft „Eine s" heimgesuchk. Der Schaden soll sich auf über 10 Mill i o n e n Lire belaufen. Das Feuer brach gegen 2 Uhr nachts aus und verbreitete sich mit ungeheuerer Schnelligkeit. Man vermutet, daß das Feuer durch Ku rzs chlu ß entstand. Außer zwei großen Bühnensälen wurden zahlreiche Apparate, wertvolles technisches Z u b e h ö r, sowie kostbare echte antike Möbel, darunter echte ägyptische Möbel, die man eigens aus Alexandria hatte kommen lassen und deren Wert sich allein auf 400.000 Lire beläuft, zerstört. Ferner wurden sämtliche Tonfilmanlagen ein Raub der Flammen. Zwei riesige Schuppen mit Bühnen dekorationen und K o st ü m e n waren ebenfalls nicht mehr zu retten. Grubenexplosion tötet 11 Bergleute Belgrad. Durch die Explosion Methangasen in einem Kohlenbergwerk bei R t a n j in der Nähe von B o l e v a c wurden elf Bergarbeiter getötet und 23 zum Teil schwer verletzt. Einer der Verletzten, ist auf dem Wege ins Krankenhaus verschieden. DaS Geheimnis der farbigen Punkte. Detektiv- Talente bewies eine Hausfrau, die nach dem Waschen eine merkwürdige Entdeckung machte: Trotz aller Mühe und Sorgfalt beim Waschen wies die weiße Wäsche an vielen Stellen kleine farbige Punkte auf, deren Herkunft sich die Hausftau zunächst nicht erklären konnte. War das Waschmittel schuld? Oder das Einweichmittel? Lag ein Fehler in der Waschmethode vor? Nichts von alledem. Nach sorgfältiger Prüfung ergab sich folgende Ursache: die weiße Schmutzwäsche war bis zum Waschtag zusammen mit der bunten Schmutzwäsche in einem Behälter aufbewahrt Wörden. Dabei schürften sich von der bunten Wäsche Fasern, ab, die an der Weißwäsche hasten blieben und dann beim Waschen, durch Abfärben die geheimnisvollen farbigen Punkte verursachten. Weißwäsche und bunte Wäsche sind daher immer getrennt aufzubewahren und getrennt zu waschen. Und um tadellos reine Wäsche zu erhalten, macht man rS am besten so: Einweichen mit Frauenlob und Waschen und Kochen mit der altbewährten Schicht» Hirschseife.— Rat und Auskunft in allen Baschangelegenheiten erteilt gerne die Georg Schicht A, G. in Aussig, 32a Seite 6 Samstag. 28. September 1935 Nr. 227 Taifun Tokio. Aus der Provinz Gumma, nordwest- lich von Tokio werden 190 Todesopfer des Taifuns uyd der Ueberschwemmung gemeldet, 130 weitere Personen werden vermiet. Rund 1500 Häuser sind überschwemmt oder eingestürzt. Der Bahnverkehr nach der Provinz ist unterbrochen. Vier Torpedobootzerstörer erlitten während eines Taifuns in den südjapanischen Gewässern bei Uebungen schwere Schäden. Zwei Zerstörer sind anscheinend zusammengestoßen, wobei im ganzen 51 Mann vermiß t werden. Das Lych ins Freie Bromberg. In dem großen Zuchthaus Krone bei Bromberg ist es in der letzten Nacht wieder zu einem verwegenen Massenausbruch gekommen. Aus eine n Schlafraum.' in dem sich 47 Gefangene befanden, sind deren sieben durch ein i n die Außenwand gestemmtes Loch ins Freie gelangt. Sie kamen von dort in die Pfarrkirche, und zwar, indem sie dort auch ein zweites Loch in die Mauer brachen. Frauen in Genf Im Genfer Bölkerparlament haben eine Reihe vop Frauen Sitz und Stimme. Es sind im ganzen^l4,• die als Delegierte, als Ersatzdelegierte oder Mitglieder von Kommissionen am Völkerbund mitarbeiten. Unter ihnen die Fürstin Völkerbund Mitarbeiten Unter ihnen befinden sich die Fürstin Starhemberg, die Komteffe A p p o ny i, die frühere erste Botschafterin der Sowjetunion, Frau Kollontai, weiter die Europäerinnen Forchhommer(Dänemark), Ma- laterre-Sellier(Frankreich), Horsbrugh(Großbritannien), Ciurlois'(Litauen), Reutz(Ncr- wegen), Kluyver(Holland), Vacarescu(Rumä- nieu) und Hosselgren(Schweden) und zwei Asiatinnen: die Krämerin Heknni und die Chinesin Den Chen. Herriot« Friedenspfeife Paris.(MTP.) Edouard Herriot, dessen Pfeife niemals ausgeht, hat in seiner Eigenschaft als Bürgermeister von Lyon vor einigen Tagen als Ehrengast bei den Tabakhändlern seiner Stadt an einem Bankett teilgenommen. Er hat die Gelrgerchcit nicht versäumt, das Rauchen und insbesondere das Pfei- fcnrauchen zu rühmen. Man habe ihm manchesmal nachgesagt, meinte er, daß er die Pfeife geradezu zu einem Mittel der europäischen Diplomatie gemacht hab«. Er würde dar durchaus begrüßen. Denn es gab schon einmal ei,re Diplomatie, die sich der Pfeife als Symbol bediente: es waren die Indianer, die bekanntlich die Friedenspfeife zu rauchen pflegten. Er würde lediglich wünschen, daß seine Pfeife in der europäische Diplomatie keine andere Bedeutung hätte. Die Jndengesetze. Wie der gewöhnlich sehr gut informierte Berliner Korrespondent der „Neuen Züricher Zeitung" meldet, hat bereits der Streit um die Auslegung der schändlichen Nürnberger Judengesetze begonnen. Zwischen dem Reichsinnenministerium und den Münchener Parteistellen sind„ernste Meinungsverschiedenheiten" über die Durchführung der Judengesetze entstanden, und eine für Dienstag einberu- fene Pressekonferenz, in der die Gesetze erläutert Iwerden sollten, ist deshalb abgesagt worden. Denn das Ministerium in Berlin will die Wirkung der Gesetze auf die reichsdeutschen„Bolljuden" beschränken, während die Parteihäuptlinge in München sie auch auf die in Deutschland lebenden jüdischen Ausländer und die arisch-jüdischen „Mischlinge" angewendet sehen möchten. Auch im Reichswehrministerium schüttle man nun die Köpfe: denn es gibt in Deutschland mehr als 100.000„Mischlinge", die von der Reichswehr im Falle der Tauglichkeit zum Militärdienst eingezogen werden und laut§ 15 des Wehrpflichtgesetzes nach Ableistung des Militärdienstes keine Nichtarierin heiraten dürfen. Sollen sie nun nach 8 1 der Nürnberger Gesetze auch keine Arierin heiraten dürfen? Man scheint in Nürnberg keine Zeit gehabt zu haben, sich mit solchen Fragen zu befassen, weil man offenbar in aller Eile die Rassengesetze zusammengeflickt hat, um den Anhängern der Bewegung am Ende überhaupt etwas„Positives" bieten zu können. Der erwähnte Schweizer Korrespondent hat auch erfahren, daß in Nürnberg nach den offiziellen Veranstaltungen noch tagelang, geheime Beratungen stattgefunden haben, darunter eine Versammlung sämtlicher Gauleiter imd Reichsleiter der Partei in Anwesenheit Hitlers, bei der Dr. Schacht eine Rede hiell, die sich inhaltlich mit seiner bekannten Königsberger Kundgebung deckte und in der Forderung gipfelte, den Antisemitismus ausschließlich auf„staatsbürger- liches" und„kulturelles'* Gebiet zu lenken, die Wirtschaft aber unberührt zu lassen. Es ist deni- nach nicht zu bezweifeln, daß die Gesetzesmach- werke von Nürnberg wieder ein echt hitlerisches Ablenkungsmanöver zugunsten des Kapitalismus waren, der dafür sorgt, daß nicht nur der Wahnsinn, sondern auch die Gemeinheit und die Verwirrung Methode haben. Ostrauer Ziffern. Aus Mährisch-Ostrau wird berichtet: Zur Linderung der Not der Arbeitslosen in Mährisch-Ostrau trägt in erster Reihe der Staat bei, dann die Stadt selbst, ferner der Bezirk und die Polizeidirektion. Seit dem Jahre 1930 erforderte die Arbeitslosenfürsorge in Mäh- risch-Ostrau einen Gesamtaufwand von Kö 26,103.627, wozu der Staat mit XL 21,180.144, der Bezirk mit 839.925, die Stadt mit 3,778.553 und die Polizeidirektion mit XL 305.003 beitrugen. Im Rahmen dieser Fürsorge wurde Heuer ein Betrag von XL 4,507.961 aufgewendet.— Nach dem Schlußausweis wurden in Mährisch- Ostrau Heuer an 32 tschechischen Volksund 13 Bürgerschulen 11.847 Kinder und an 10 deutschen Volks- und sechs Bürgerschulen 2145 Kinder, an drei polnischen Volks« imd einer Bürgerschule 150 Kinder und in der fünfllassigen jüdischen Schule 200 Kinder. Außerdem besuchten die tschechischen Kindergärten 1568 Kinder. Ein gewissenloser Chanffeur. Auf der von Prag nach Motol führenden Straße wurde bei der Ortschaft Pod Homolkou gestern nach Mitternacht der Soldat des Artillerieregiments Nr. 101 Antonin M ü l l e r in schwerverletztem Zustande aufgefunden. Er war von einem unbekannten Auto überfahren worden. Müller wurde mit einem Lastauto zuerst in die Kaserne von Motol und dann mit einem Sani- tätSauto in das Tivisionskrankenhaus überführt. Das Befinden des Verletzten, der neben anderen I Verletzungen auch einen Bruch des Schädelkno-| chens erlitt, ist sehr ernst. Nach dem unbekannten Chauffeur, der, ohne sicb um den Schwerverletzten zu kümmern, weitergefahren war, fahndet die Gendarmerie. Todessahrt auf dem Motorrad. Der 24jährige Student der Technik Ed. MakoviLka aus H o st i v a r bei Prag, der die 21 Jahre alte Marie Kucharovä, ebenfalls aus Hoftivar, auf seinem Motorrade mitführte, geriet auf der Staatsstraße bei Domasov unweit von Brünn, als er einem Schubkarren ausweichen wollte, in den Straßengraben und stieß mit dem Kopfe so unglücklich gegen eine kleine Straßenbrücke, daß er auf der Stelle tot war. Seine Begleiterin wurde mit leichteren Verletzungen in ein Krankenhaus in Brünn gebracht. Rauschgift. Die Wiener Polizei verhaftete einen der berüchtigsten Rauschgifthändler Wiens, den ehemalige Pharmazeuten Karl P l u g e r, der selbst leidenschaftlicher Morphinist ist. Pluger hat in der letzten Zeit über 200 Rezepte gefälscht und verhältnismäßig große Mengen von Rauschsgiften herausgelockt. Unter seinen Opfern befindet sich auch ein bekannter Wiener Rechtsanwalt, der vor einigen Tagen Selbstmord verübte. Die geistlichen Devisen. Vor dem Berliner Schnellschöffengericht begann gestern ein Devisenstrafverfahren gegen zwei Geistliche der Missionsgesellschaft der Pallotiner in Limburg (Lahn), denen Tevisenschiebungen in der Höh- von 190.000 RM Vorgeivorfen werden. Blutiger Ballon. Tie Bewohner des polnischen Dorfes Trczinka fanden auf dem Felde einen anscheinend deutschen Ballon mit der Aufschrift„Brautunesse". Der Ballon Ivar ohne Gondel und zeigte Blutspuren. Die Gondel und die Besatzung konnten bisher nicht gefunden werden. Herbstmanöver in Jügoslavicn. Gestern um 19 Uhr wurden die Heibstmanöver der jugoslawi- fchen Armee eröffnet. Die Blätter heben hervor, daß dies die größten Manöver seit der Gründung des neuen Staates seien. Hochwasser in Mexiko. Gewaltige Regengüsse im Staate Jalisco riefen eine Ueberschwem- mung weiter Gebiete in Mexiko hervor und richteten riesigen Schaden an. Zahlreiche Ortschaften stehen vollkommen unter Wasser. Spionage im Elsaß. Ter„Matin" meldet, daß im Elsaß in einer Fabrik für Erzeugnisse, die zur Nationalverteidigung bestimmt sind, eine Spionage-Affäre aufgedeckt wurde. Die Polizei bat wichtige entwendete Dokumente bei einem der Fabriksdjrektore n, einem Schweizer, beschlagnahmt. Ein englisches Militärflugzeug stürzte in einen yalähüüknWchMi><>&. S>x Pjl»» ,,»r». seine Begleiter wurden getütet. Fundverheimlichung? In K a s ch a n wurde der Arbeiter Fr. Kurfist, als er Goldmünzen zum Kauf anbot, von der Polizei gefaßt, die bei ihm 23 Stück Goldmünzen fand. Wie festgestellt wurde, stammen diese Münzen aus dem jüngst bei den Grundarbeiten für das Gebäude der Finanzdirektion in Kaschau gefundenen Goldschatz. Die Polizei verhaftete im Zusammenhang damit den Finder des Goldschatzes, den Arbeiter Peter Stachö, ferner St. Kondäs, Michal Haluska, Gabriel Hack, O. HonLiarik und Helene Kondasova. Tie Mehrzahl der gefundenen Goldmünzen konnte wieder sichergestellt werden. Vom Rundfunk Umpfehlenswerlea aus den PrograaimMi Sonntag: Prag, Sender L: 7.30: Konzert aus Karlsbad, 8.30: Violinkonzert, 9.10: Klavierkonzert, 15: Deutsch« Landwirtschaftssendung, 17.50: x Deutsche Sendung: Konzert des Prager Rundfuntorchesters, 20: Uebertragung aus dem Smetanasaal: Konzert des tschechoslowakischen Rundfunks, 22.25: Deutsch« Presse und Sport, 22.30: Tanzmusik. Sender T: 14.30: Deuts ch e A rb ei ters e n d u n g: A. Schmidt: Arbeitslosigkeit u. Auswanderung. 14.45: Etwas Weltgeschichte.— Brünn 9.10: Konzertstunde, 13.40: Berliner Philharmonie auf Schallplatten, 18.35: Deutsche Sendung: Jng. Tche- diwy: Kurzbericht vom Masarykring.— Mährisch- Ostrau 16: Nachmittagskonzert.— Preßburg 19.05: Durch Gesang und Tanz. Montag: Prag, Sender L: 10.05: Deutsch« Presse, 13.30: Arbeitsmarkt 11.25: Schulfunk, 15: Orchesterkonzert auf Schallplatten, 18.10: Deutsche Sendung: Josef Zak: Volk und Kirche, aus dem Manuskript. 19.10: Schallplatten: Smetana, 21.30: Schönberg „Verklärte Nacht", Sextett für Streicher. 22.30: Tschechisch für Deutsche, 22.35: Schallplatte»: Zeller: Der Vogelhändler. Sender S: 7.30: Salonorchester. 14: Chansons. 14.20: Deutsche Sendung' Sordan: Lieder, die sie nicht erreichten,, 19.10: Buntes Programm.— Brünn 11: Schallplatte» Mozart, 13.30: Arbeitsmarkt und Sozialinformationen, 17: Kinderstunde, 17.40: Deutsche Sendung: Dr. Hruby: aussterbende Pflanzen und Tiere unserer Heimat, 19.30: Alte Lieder und VolkSbräuche. — Mährisch-Ostrau 18.10: Deutsche Sendung: Ar- beiterftmk: RusiLkova: Die soziale Stellung der Frau im alten Rom,— leichte Musik.— Prcßburg 16.10: Orchesterkonzert. Dienstag: Prag, Sender L: 10.05: Deutsche Presse, 11: Schallplatte», 11.05: Deutscher Schulfunk, 12: Unterhaltungsmusik, 16.10: Orchesterkonzert, 17: Kinderstunde, 17.50: Unterhaltungsmusik, 18.10: Deutsch« Sendung: Die holzgeschnitzte Madonna, Hörspiel, 18.45: Deutsche Presse, 19.30: Blaskonzert. Sender S: 7.30: Leichte Musik, 14.50: Deutsch« Sendung: 14.30: Arien aus Mozartopern, 18: Schrammeikonzert.— Brünn 17.40: Deutsche Sendung: Arbeiterfunk: Sozialinformationen, Tesar: Kunst und Klaffe.— Mährisch-Ostrau 12.35: Orchesterkonzert.— Kascha» 15: Orchesterkonzert. Stipendium. Das Schulministerium verl'ffent- licht einen Konkurs mif ein von der'Gesellschaft der Freund« der Straßburger Universität ftir einen tschechoslowakischen Staatsangehörigen für vaS Wintersemester 1935/36 errichtetes Stipendimü. Näher« Bedingungen in den Dekanaten der Uviversität in Prag, Brünn und Bratislava. Wieder wärmeres Wetter,-Frankreich und E'Nsslcklio" irtiloffien gc jtfnr' cme pllrlere Ei Mr-' mung. London hatte nachmittags bereits wieder 20 Grad. In Mitteleuropa ist es noch kühl.— Prag meldete Freitag um 14 Uhr nur 14 Grad, auf der Schneekoppe herrscht noch immer leicht.cr Frost. Die kalte Lust wird nunmehr"osttvärtS zu- rückwcichen, wobei anfangs noch'stärkere/Bewölkung zu erwarten ist.— Wahrfchtinlichjts Wetter von heute: Winddrehung gegen Lüdwesten und langsame Erivärmung. Anfangs noch stärkere Erwärmung ohne wesentlichen Regeu, später allmählich auftlärend, namentlich im- Süden des Staates.— Wetteraussichten für Sonntag: Im ganzen schön, untertags^ weitere Erwärmung. Geteilte oder ungeteilte Unterrichtszeit? Vor einigen Jahren wurde vom Schulmini- sierium vielen Stadtschulen der ungeteilte Unterricht bewilligt. Diese Neueinführung hat sich bestens bewährt. Seit vorigem Jahr geht nun die Schulbehörde von ihrer Praxis ab. Zunächst wurde verlangt, daß an zwei Nachmittagen unterrichtet wird und im heurigen Schuljahre wurde nun in vielen Fällen die Beseitigung des ungeteilten Unterrichtes überhaupt verfügt. Merkwürdig dabei ist nur, daß die Anwendung eines einheitlichen Maßstabes vermißt wird. So sind z. B. Fälle bekannt, wo zwei Schulen, die Kinder aus dem gleichen Schulsprengel besuchen und in einem Gebäude untergebracht sind, verschieden behandelt werden. Der einen Schule wurde der ungeteilte Unterricht bewilligt, der anderen verboten. Dieses ganz willkürlich erscheinende Vorgehen in einer so wichtigen Frage erfordert die öffentliche Behandlung, damit unsere Schuljugend vor unnötigen Schäden bewahrt wird. Bei der Erörterung des Problems geteilte oder ungeteilte Unterrichtszeit darf selbstverständ- lich nur die Auswirkung auf das Schulkind untersucht werden und nicht etwa die Vor- oder Nachteile, welche dem Lehrer daraus entstehen können. Eine Reihe von Gesichtspunkten spielen eine Rolle, zunächst ist auf die Gesundheit des Kindes Rücksicht zu nehmen. Das maßgebende Wort dazu hat der Arzt. Dann ist die ausgesprochen pädagogische Seite zu betrachten und nicht zuletzt bestimmen die Entscheidung die sozialen Verhältnisse der Kinder..In der. gegenwärtigen Krisenzeit muß die Ernährung des Kindes vorangestellt werden. Das gewichtigste Wort gebührt also dem Arzte. .In den letzten drei Jahrzehnten wurde die Frage des geteilten oder ungeteilten Unterrichtes eingehend untersucht. Sehr eingehend wurde sie unseres Wissens zuletzt vom Großen Ausschuß der Badischen Gesellschaft für soziale Hygiene im Lahre 1923 behandelt. In der Schlußsitzung am 24. Juni, über die ein genauer Bericht vorliegt, sprach u. a. Univ.-Prof. Dr. Kassel über die gesundheitlichen Gesichtspunkte. Im wesentlichen führte er dabei aus:' Bei geteiltem Unterricht fällt zwischen den Vormittags- und Nachmittagsunterricht die Hauptmahlzeit des Tages. Es ist deshalb zu erwägen, wie die Verarbeitung und Ausnutzung der aufgenommenen Nahrungsmittel durch die Unterrichtszeit beeinflußt werden kann. Die Physiologie lehrt, daß die Verdauung sehr stark unter dem Einfluß nervöser Vorgänge steht. Weite Schulwege bei schlechtem oder heißem Wetter steigern die Nervosität und beeinträchtigen dadurch die Verdauung. Die Zeit nach dem Mittagessen ist für die geistige Tätigkeit höchst ungeeignet. Es ist eine bekannte Tatsache, daß namentlich die erste Nachniittagsunterrichtsstunde unter dem Einfluß einer starken Ermüdung des Schulkindes steht. Schon im Jahre 1907 hat der Dortmunder Schularzt Dr. Steinhaus experimentelle Versuche mit der, Lösung von Rechenaufgaben an Volksschulkindern angestellt und ist zu dem Ergebnis gekommen, daß bei getefltem Unterricht die Kinder zu Beginn des Nachmittagsunterrichtes nach zweistündiger Pause hohe Ermühung zeigten und die Ermüdungskurve weit über den Grad der am Ende des Vormittagsunterrichtes verzeichneten hinausging. Natürlich steigt diese Kurve auch im Laufe des Vormittagsunterrichtes, aber durch entsprechende Fächerverteilung kann auch wieder eine Abnahme der Ermüdung erreicht werden. An den Volks- und Bürgerschulen läßt sich der Stundenplan ohne jede Schwierigkeit so einteilen, daß Fächer, die weniger geistige Ermüdung bedingen, an den Schluß des Vormittags verlegt werden. Dies ist ohne jede gesundheitliche Schädigung der Kinder möglich. Schmid-Monnard hat sogar die Zahl der kränklichen Kinder bei geeiltem Unterricht größer gefunden als bei ungeteiltem. So weit Prof. Dr. Kassel. Der ungeteilte Unterricht bringt dem Kinde noch als großen hygienischen Vorteil die freie Verfügung über den Nachmittag. Ungestört von Schulfragen kann sich das Kind körperlich und geistig erholen. Die Vcr- dauungsarbeit kann sich ohne Störung durch Gehirnarbeit vollziehen. Bei 16.000 untersuchten Schülern in Halle a. d. S. fand man Nervosität, Kopfschmerzen und Schlaflosigkeit in folgendem Verhältnis bei Schülern mit geteiltem Unterricht: Knaben im Durchschnitt 26 Prozent, im Maximum 37 Prozent, Mädchen im Durchschnitt 30 Prozent, im Maximum 45 Prozent; bei Schülern mit ungeteiltem Unterricht: Knaben im Durchschnitt 13 Prozent, im Maximum 25 Prozent, Mädchen im Durchschnitt 21 Prozent, im Maximum 40 Prozent. Neben diesen wesentlichsten gesundheitlichen Argumenten treten noch eine ganze Reihe pädagogischer und erziehlicher Vorteile in Erscheinung. Es ist schon gesagt worden, daß die erste Nachmittagsstunde unterrichtlich nutzlos ist. im geheizten Schulraum im Winter, wie bei schwüler Temperatur im Sommer, sinken dem Kinde die Augenlider zu. Darüber hilft auch der anregendste Unterricht nur selten hinweg. Beim geteilten Unterricht gehen die hellsten Tagesstunden verloren, während beim ungeteilten Unterricht gerade die hellste Tageszeit recht gut ausgenutzt wird. Es ist stätistisch nachweisbar, daß durch den ungeteilten Unterricht der Schulbesuch regelmäßiger und besser geworden ist. Für die häuslichen Schularbeiten steht mehr Zeit zur Verfügung, sie werden daher auch sorgfältiger’ ausgeführt. Ein Lehrer führte auf der oben genannten Beratung wörtlich aus: „Die pädagogischen Nachteile des Nachmittagsunterrichtes sprangen offensichtlich ins Auge: Neigung zur Unruhe. Unarten,' Anwendunq von Strafen zur Erreichung der notwendigen Auf- merksamkeit und Konzentration, mechanischer Vorstellungsverlauf, verarmte, verflachte Phantasietätigkeit, Zunahme der Fehler." Zu diesen pädagogischen Gründen kommen nun auch ncch wirtschaftliche Vorteile. Unsere Schulgemeinden müssen sich infolge der Wirtschaftskrise der sparsamsten Verwaltung befleißigen. An allen Ecken und Enden muß gespart werden. Ausgaben für soziale Kinderfürsorge, die Beiträge für Lehr- und Lernmittel müssen gekürzt 'werden. Wo cs also tatsächlich um.jeden Heller geht, kommen die Schulbehörden und zwingen die Gemeinden nutzlos Geld auSzugeben für Beleuchtung und Beheizung. Da beim ungeteilten Unterricht die Klassenzimmer nachmittags nicht gebraucht werden, bedeutet er große Ersparnisse an den Kosten für Licht und Heizung. Die Eltern müssen natürlich auch gehört werden. Am besten ist es, ein Beispiel anzuführen. Der Ortsschulrat in Aussig hat vor Einführung des ungeteilten Unterrichtes dieses Problem eingehend untersucht, Schulärzte, Lehrer und Eltern haben dabei mitgewirkt. Aerzte, Lehrer und Eltern können all das bestätigen, was hier angeführt wurde. Die Eltern haben sich bei den alljährlich erfolgten Abstimmungen zu weit über 90 Prozent für den ungeteilten Unterricht ausgesprochen. Sie konnten es ohne jedes Bedenken tun, weil für jene Knaben und Mädchen', di« während der freien Nachmittage ohne Äufficht sind, nicht weniger als acht Horte zum Besuche zur Verfügung stehen. Zusammenfassend sei wiederholt: 1. Der viermalige tägliche Schulweg, der gerade in die stärkste S»*aßenfrequenz fällt, ist eine Gefährdung der K'nder. 2. Kinder mit weitem Schulweg müssen in Eile ihr Mittagessen verzehren. Bei schlechtem Wetter im Herbst, Winter und Frühjahr sind Erkältungskrankheiten nicht selten eine Folge des öfteren Schulweges. Der Nachmittagsunterricht beeinträchtigt die Verdauung und umgekehrt. Der ungeteilte Unterricht ermöglicht eine gründlichere Lüftung der Schulräume. 3. Die Schulgemeinde erspart Geld an Beheizung und Beleuchtung. 4. Die Wochenstundenzahl ist ohne Ueberlastung der Kinder in den meisten Fällen an den Vormittagen unterzubringen. Der Arbeitsunterricht der neuen Schule stellt an das Kind höhere Anforderungen im Beobachten und selbständigen Verarbeiten. Es braucht Zeit und Muße. Der ungeteilte Unterricht schafft die^ichtige Gelegenheit dazu. Die günstigen Erfahrungen in allen Orten mit dem ungeteilten Unterricht sprechen für seine Beibehaltung. Es liegt keine Ursache vor, diese bewährte Neuerung zu beseitigen. 5fr 227 SamStag, 28. September 1838 Seite'7 — Ob grob, ob fein — sie schafft es immer! PUTZFRAU VIM putzt Grobes und Feines Das Grobe macht sie gründlich rein— das Feine schonend sauber. Sie weicht und löst den Schmutz, holt ihn aus allen Ecken beim Groß reine machen. Schwer beschuldigter Kriminalbeamter Ei» Berle«mdtt«gsprozetz Prag. Im Juli 1934 wurde der berüchtigte und vielfach vorbestrafte Heiratsschwindler Karl Ku» neszu achtzehn Monaten verurteilt— ausnahmsweise nicht wegen der Ausplünderung heiratssüchtiger Weibchen, sondern wegen des Verbrechens der fälschlichen Bezichtigung. Aufsehen «regte dieser Prozeß deshalb, weil er schwerste Beschuldigungen gegen eine« Kriminalbeamten, den bekannten Prager.Detektiv, Oberinspektor Friedrich Pudil, zmn Gegenstand hatte. Wir wiederholen kurz den seinerzeit ausführlich geschilderten Sachverhalt. Kunes, der im Kriminal Stammgast ist, wanderte im Fahre 1933 wiederum wegen einer Reihe skrupelloser Heiratsschwindeleien auf dreiJahre in» Kriminal. Er wurde damals im Eisenbahnzug verhaftet, als er aus Königgrätz, wo er eben eine heiratslustige reiche Witwe um viele tausend liä er» keltert hatte, nach Prag zurückkehrte. Dies« Per Haftung nahm Inspektor Pudil vor. Kunes saß diese Strafe ab und begann, kaum in Freiheit gesetzt, sein Gewerbe als Heiratsschwindler wieder aufzunehmen. Wegen Betrügereien an einer gewissen Josefa Sulc kam er neuerlich vor Geycht und faßte weitere zwei Jahre und rSfi Monate aus. Nachdem er einige Monate abgesessen hatte, ließ er sich dem Gefängnisdirektor vorfuhren und brachte ein G'such um Wiederaufnahme des Verfahrens em. Ja diesem Gesuch erklärte er u. a., er hab» gegen» über d'.r Sulc keinerlei betrügerische Absichten ge» habt, sendern ganz reell mit ihr aus gemeinsamen Mitteln ein Geschäft gründen wollen. Daß es nicht dazu kam daran sei nur Inspektor Pudil schuld Als dieser ihn seinerzeit im Eisenbahnzug verhaftete, habe er ihm über SO.vvvKLbeschlagnahm» die Kunes seiner Königgrätzer.Braut" herauSgelockt hatte. Nun habe ihm der Detektiv eine-., ungeheuerlichen Vorschlag 'gemacht. Er habe ihm nämlich borgeschlagen, die Beute zum größten Teil verschwinden zu lassen. Inspektor Pudil hab» sich erbötig gemacht, dem Gauner Kunes 50.000 KL für spätere Festen in Verwahrung zu nehme: und nur 3.800 Kc abzuführen. Für seine Person habessich Inspektor Pudil eine Ent- lahnung von l 0.0 0 0 KJ ausbedungen. Kunes habe sich einverstanden erklärt und sie hätten diese Verabredung in einem Wirtshaus ordentlich begossen, ehe sie den Weg zur Polizeidirektion antraten. Als Ktines dann feine Strafe abgebüßt hatte und seine 50.000 Kö verlangt«, habe Inspektor Pudil altes abgeleugnet und von keiner Vereinbarung wissen wollen. Nur des halb habe Kunes seine finanziellen Verpflichtungen gegenüber der Sulc nicht erfüllen können.., Die folgende Disziplinaruntersuchung fand keinen Makel an Inspektor Pudil und Kunes wurde der fälschlichen Bezichtigung angeklagt und im Juli v. I. zu 18 Monaten verurteilt. Das Oberste Gericht hob dieses Urteil indessen auf uns ordnete neuerliche Verhandlung an. Auf die verschiedenen Zeugenaussagen wollen wir nicht weiter eingehen. Kunes bemühte sich durch verschiedene Zeugen nachzuweisen, wie auffallend kollegial sich der Kriminalinspektor Pudil zu ihm verhalten habe. Auf der anderen Seste führte der Staatsanwalt Zeugen dafür, daß das ganze eine wüster Racheakt des alten Kriminalbruders an dem gewissenhaften Beamten sei. Die Zeugen Kuncss versagten allerdings in den entscheidenden Punkten, während die Belastungszeugen(durchwegs ehemalige Zellengenossen) mit großer Bestimmtheit den Angeklagten belasteten. Doch sehen wir von diesen Zeugen ab! Das Oberste Gericht hatte u. a. anfgetragen, Schriftsachverständige zur Beurteilung eines unscheinbaren, aber schwerwiegenden BeweiSdokumentcs heranzuziehen. Dieses Bcweisdokument ist der mysteriöse Abschnitt einer Psstanweisuns über 300 K«, die ein unbekannter Wohltäter unter fingiertem Namen dem Kimes.zur Aufbesserung der Verpflegung" inS Gefängnis schickte. Auf diese Geldsendung haste sich Kunes u. a. berufen, indem er erklärte, daß der unbekannte Wohltäter niemand anderer gewesen sei als der I n s p« k t o r P u d i l. Er wollte damit die enge Verbindung mit diesem Kriminalbeamten nachweisen. Sicherlich wäre ein solches Indiz nicht zu unterschätzen, denn was in aller Welt sollte einen.Polizisten veranlassen, einem Sträfling Geld zu schicken? Inspektor Pudil be st ritt als Zeuge, dem Kunes jemals Geld geschicktzuhaben, aber die, unabhängig voneinander erstatteten Gutachten zweier bekannter Schriftfachverstän. diger erklärten dir Schrift auf dem P-ftabschnitt mit absoluter Sicherheit für die des Inspektors Pudil... Das erste Gutachten erstattete der Schriftsachverständige Redakteur Franz F l a n d e r k a, das zweite der inzwischen verstorbene Sachverständige Dr. Pithart. Der Strafsenat Kaplan, vor welchem diese interessante Verleumdungsanklage verhandelt wurde Jan Kirpura yg dmu Film^Jch liebe alle Kraue»'', Mitteilungen aus dem Publikum. Baka-Pneus im Vatikan. Der gute Ruf der billigen Baka-Pneumatiks dringt langsam in die ganze Welt. England, Belgien, Holland, Polen, Jugoslawien, Griechenland, Marokko und Indien gehören schon zu den ständigen Abnehmern. Es ist jedoch interessant, daß ab und zu Bestellungen aus Ländern kommen, in welchen bisher keine Vertreter der Baka-Gummiwerke arbeiten. So traf dieser Tage eine Pneumatikbestellung der wirtschaftlichen Sektion der Verwaltung des vatikanischen Staates in Zlin ein. Diese Bestellung bildet einen weiteren Beweis für die große wirtschaftliche Bedeutung der Fremdenverkehrs auch in indirekter Weise. Zu dieser Bestellung des Vatikans kam es nämlich nach dem Besuch der Gäste vom Vattkan in Zlin nach Be» endigung deS Katholikenkongresses in Prag. Die Gäste aus dem Vatikan konnten damals nicht einmal die Werke besichtigen, da die Bata-Menschen gerade auf Urlaub waren, doch schon der äußere Eindruck der Fabrikstadt erregte in ihnen Bewunderung und damit auch prattischeS Interesse um die Erzeugnisse dieser Stadt. Schuhe kauften die Gäste aus dem Vatikan bei ihrem Besuch in Zlin, die Bestellung , auf Pneumatiks traf mm ein. SefOäfte,»ie in andern TaaeszeUunaen inserieren, aber (CM nicht berücksichtigen, bekunden damit, dak sie die wirt- schastliche Dedeutunn der Kaufkraft unserer Leser noch »trht erkannt haben»der nicht erkennen wollen. Äeituna leien beibt. auch den- Anreiaenteil beachten und beim Einlaut die Inserenten bevorzuaen. Niemand wird sich Ge. schästsleuten ausdränaen, di« Arbeiterkundschaft nicht Mi schützen totff en Verlanget überall Unser Inserent. Dein Kaufmann I Im SOdbBhnilschen Winter* Wettbewerb. Im Rundrennen bei Bohm. Brod, Im Erzaobirasronnen, bei den .JOÜO Menen der Ceohoslo- vaker, im OatbOhmischen Rundrennen u. Zu verlässig- Veits Wettbewerb, im Auto- mobllturnlero in Luhaftovl- oe. Im VI. SOdbfihmisohen Wettbewerb usw.. bezwingt den Schwarzenberg durch die Fahrt zur Sokolbaude, die Sohneokoppe von der Badseite u Überwindet spielend alle, auoh die höchsten Pisse der Alpenriesen. Im Concours d'dldganoo In Brünn, Pickten», 117 Ostrau. LuhaOovioe und PodObradv und erringt 2 gold. Krknza, 4 pold. Binder. B gold. Flag* gen, 1 ooldene Schielte, 2 sllb. Kranze. 8 silb. Bänder, Preise für höchste Bequemlichkeit und SchSnheit, Welter 10 Sonderpreise, unter denen gewiss der höchste und wertvollste Preis der Zuschouerprols ist. durch welchen den Antos Skoda In PodObradv und Brünn der erste Platz zuerkannt wurde. AUTO SKODA AS AP- Wer k Mladä Boies I av verurteilst Karl Kunes abe-rmals zu achtzehn Monaten Kerker. Das. Urteil beruft sich in der Urteilsbegründung darauf, daß nach den vorliegenden Zeugenaussagen eine böswillige uno unbegründete Beschuldigung des Polizeibeamten angenommen werden müsse. Was den rätselhaften Postabschnitt betrifft, so sei auch für den Fall, daß .Inspektor Pudil das Geld wirklich geschickt habe damit nochnichtnachgewiescn, daß er wirklich mit Kunes in der von diesem behaupteten Verbindung stand. Nach dieser Seite ist dieser Fall endgültig erledigt. Nach allgemeiner Auffassung wird es nun aber Sache der berufenen Stellen sein müssen, den fatalen Zwiespalt zwischen der Aussage deS Inspektor« Pudil und den Gutachten der Sachverständigen aufzuklären. rb... Volkswirtschaft und Sozialpolitik Preiserhöhungen Daß man noch immer nicht von einem Stillstand der Teuerungswelle sprechen kann, dafür sind die immer wiederkehrcnden Meldungen vori Preiserhöhungen und die Entwicklung der Preise für Gemüse und Obst ein Beweis. Bei der Verteuerung der Preise für industrielle Erzeugnisse haben die Kartellmaßnahmen wieder einen her vorragenden Anteil. So haben sich die Erzeuger von Haushaltseife zu einem Kartell vereinigt, dessen erste Aufgabe die Erhöhung dir bisher geltenden Preise war. Die Verteuerung wird mit den erhöhten Rohstoffpreisen begründet. Die gleiche Wirkung hat in der Zementindu» st r i e der Anschluß der bisherigen Außenseiter an das Zementkartell gehabt. Ursprünglich war geplant, die Hinaufsetzung der Zementpreise erst am 1. Jänner nächsten Jahres in Kraft treten zu lassen, aber schließlich hat es das Kartell doch vorgezogen, die Preiserhöhungen sofort durchzusüh- ren. Aus den verschiedenen Zweigen der T e x t i l- i n d u st r i e kommen gleichfalls Nachrichten, die Preiserhöhungen mit dem Hinwies auf die Versteuerung der Nohstoffpreife ankihidigen, desgleichen aus der L e d e r i n d u stri e. Nachdem die Regierung ein energisches Einschreiten gegen die Teuerung ängekündigt hat, ist es notwendig, der Ankündigung auch die ent» sprechenden Maßnahmen folgen zu lassen. Mir die arbeitende Bevölkerung und für die Hundept- tausende, die als Apfer der Wirtschaftskrise auf Unterstützungen angewiesen sind, ist es.unerträg» lich, die Teuerungswelle immer weiter anstejgen zu sehen. Die Arbeiterschaft kann gar nicht anders, als mit dem größte^ Nachdruck di« Forderung nach Erhöhung der Löhne zu vertreten, chm dadurch einen Ausgleich mit der Teuerung herbeizuführen und ein weiteres Sinken ihres Lcbens- haltungsnibeaus zu verhindern. Glühlampen kaufen Sie wegen des Lichtes; darum müssen Sie darauf dringen, OSRAM-0-Lampen zu erhalten. Sie geben je nach Größe, bis 20% mehr Licht für ein Watt, also billiges Licht. So viel iüM Mr Wuüq Qetd Seite 8 »Sozialdemokrat* 28. September 1935. Nr. 227 81 Riederlaffnnge«. Szene aus Ernst Lnbitschs Film„Die lustige Witwe" Spx>rt- Spiet- JCarp^rpffege Clu£ der Jartei Vereinen aeftricRten Die »30 US PRAG Bauet Betonstraßen! Sie sind sowohl für den städtischen, als auch für den Ueberlandverkehr vorzüglich geeignet 2377 Bezugsbedingungen: Bei Zustellung ins Haus oder der Bezug durch die Poll monatlich KC 16.—. vierteljährig KC 48.—, halbjährig KC 06.— ganzjährig KC 192.—, zwei witzig Denn Erscheinen aller Mitglieder ist Pflicht! Abonnements- Bestellschein. Durchführung aller Geldgeschäfte. Sozialdemokratische, Frauenorganisatiim Prag. Dienstag, den 1.^Oktober, findet im Parteiheim um 15 Uhr 30 der erste Handarbeits« nachmittag statt. Wir erwarten zahlreiche Beteiligung» Das Bezirksfrauenkomitee. Verwaltungs-Kapital 830 MillionenLS. Haftungs-Kapital 82 Millionen KC. Kreditanstalt der Deutschen r. G. m. b. H., Prag. statt, da ein Moskauer Auswahlteam in Türkei einige Spiele austrägt. Die Begegnung wurde einvernehmlich auf 1936 verschoben.— Die Prager Sparta wird voraussichtlich im Juni kommenden Jahres in Rußland vier Spiele austragen und soll dafür eine— das melden bürgerliche Blätter!— .horrende Entschädigung" erhalten... Deutsche BolkSsinggemeinde. am Diens- Die Probe des nm 7 Uhr des Männer- Drr Schloßgarten auf der Prager Burg wird am 28. und 29. September l. I. der breiteren Oeffentlichkeit zum normalen Eintrittspreis von Kc 1.— Minder 50 Heller) von 8 bis 18 Uhr zugänglich fein. Eintritt in den Schloßgarten vom Präznl; most aus. Bolkskurs für Französisch' veranstaltet die Französische Alliance. Eröffnung am Montag, dem 30. September. Gebühre Kd 50.— halbjährig. Einschreibungen täglich im Französischen Institut, Prag II., Stkpanskä ul. 37. Sonderausflugszüge: In die Böhmisch- Sächsische Schwerz zum Preise von 120 KC. Abfahrt Samstag, den 28. September, vom Masa» rykbabnhof um 6 Ubr..— Zum Ma farvkring nach Brünn zum Preise von 95 Kc am Sonntag, dem 29. September, um 5.23 Uhr vom Masarhk- bahnhos; Rückkehr 23 Uhr. Fahrkarten und Eintrittskarten im Basar neben dem Wilsonbahnhof am Freztag den. ganzen Tag hindurch urid Samstag von 9 bis 12. Uhr. DaS Arbeiter-Radrennen Paris— Chartres über 140 Kilometer wurde am vergangenen Sonn tag. unter zahlreicher Beteiligung ausgetragen und war reich an Sabotageakten, welche die f a s c i st i s ch e Organisation.Croix de feu" (Fenerkreuzler) verursachte. Die Fascisten versuch ten nicht nur, Transparente und Fahnen zu Vernich-. ten, sondern sie beschmierten die umliegenden Häuser mit ihren geistvollen Parolerft und, was jedenfalls noch schändlicher war, sie verstreuten auf der Strecke Nägel, welche zum Glück nur Pneumatikdefekte — allerdings in mehrfacher Zahl— verursachten. Tas Rennen selbst konnten die Fascisten aber doch nicht verhindern. Diese große radsportliche Ver anstaltung stand wieder unter dem Protektorat des französischen Bruderblattes„Populaire". Auf der ganzest Strecke waren in den einzelnen Orten viel« Zuschauer, welche über die Sabotageakte der Feuer kreuzler sehr erbost und behilflich waren, die.Saat" unschädlich zu machen. Sieger dieses Rennens wurde Franzini(CS Belleville), welcher die 140 Kilometer in 4:43 Std. zurücklegte; auch er batte Reifendefekte. Den Mannschaftspreis gewann l'USO Paris XI. DaS Städte-Fußballspiel MoSkan—Prag, das für den 1. November proponiert war— mit den Bürgerlichen, selbstverständlich— findet nicht BÖHMISCHE UNION-BANK (VEREINIGT MIT DEM ALLGEMEINEN BÖHMISCHEN BANK-VEREIN) Zentrale In Prag AktinhiM» 200.000.000— FmrwM K 201.550 000- FILIALEN: Asch, Aussig, Bodenbach* Röhmiach-Rvdweii, Bratislava. Braunau i. R., Brünn. Brüx, Frehvaldau. Vrf- dek. Gablonza. N., Graslitr, Hohenekbe. Ifflau. Karlsbad. Köpigfnhof a. E. Leitmerifz, MarienbAd. Mähr■ Oslrau. Mähr.-Schönberg, N eu-Ti t schein, Oltr Jtz, Pardubitz, Pilsen, Prostejov, Reichenberg* Homburg, Saar, Tpp- litz-Schönau, Trautenau, Troppau, Warnsdorf* Zwittau. EXPOSITUREN; Prag Lieben und Prag-Weinberge. Zucker- Abteilungen: Prag. Bratislava, Olmiitz, Treppet ist ein Regisseur, für derr es offenbar kein gibt und den sein eleganter Witz, seine Pointen und seine Kunst. Szenen gu verlässt, auch wenn tbm ein Manuskript Belgischer Arbeitersportbrief Aus Brüssel wird uns geschrieben: Der erste Wettkämpf im griechisch-römischen Ringkampf zwischen den Arbeitersport- verbänden Frankreichs und Belgiens hat in zwei Begegnungen stattgesunden, und zwar am 21. in Brüsiel und am 22. September in Antwerpen. Die belgischen Ringkäntpfer haben sich überlegen gezeigt und gewannen fast alle Kämpfe, und zwar in Brüssel mit 10:2 und in Antwerpen mit 24.5:3.5 Punkten. Die belgische Mannschaft stellte sich wie folgt: Fliegengewicht: Otte, Bantam: Piet Molin, Federgewicht: De Graeve, Leichtgewicht: Deloof, Mittelgewicht: Berdonck, Halbschwergewicht: Ketels und Schwergewicht: Janffens. Nur der Franzose Lejeune besaß die Klasie der Beligier, denn es gelang ihm, einmal Deloof zu besiegen und ein unentschiedenes Match zu erzielen. Im Gewichtheben haben sich die F r a n- z o s e n besser gehalten. Im folgenden einige Ergebnisse von Brüssel: Leichtgewicht: Deriez(Frankreich) 67.5, 52.5, 80,105; Gesamt: 305 Kg.; Peeters(Belgien) 52.5, 65, 72.5, 102.5; Gesamt: 292.5 Kg. Halbschwergewicht: Louvageot(Frankreich) 80, 80, 95, 120; Gesamt: 375 Kg.; Van Put(Belgien) 52,5, 87.5, 85, 115; Gesamt: 340 Kg. Schwergewicht: Fagel(Frankreich) 80, 75, 100, 125; Gesamt: 380 Kg.; JefterS(Belgien) 72.5, 90, 95, 125; Gesamt: 382.5 Kg. In Anttverpen gelang es dem Franzosen Lou- vageot im Reißen beidarmig mit 82.5 Kg. die Bestie i st u n g fernes Verbandes zu verbessern. Bei den beiden Begegnungen gab eS zahlreiche Zuschauer. Ein zweiter Verbandswettkampf wird voraussichtlich noch im Laufe dieses Winters stattfinden. Der Narionalkongretz der Turner wird im November in Brügge, der antiken flämischen Stadt, abgehalten werden. Dort wird auch im Jahre 1936 das Verbandsturnfest stattfinden, welches eine Arr„Vor-Olympiade" darstellen wird. Im Handball schlug die Ländermannschafr von Holland jene Belgiens mit 9:4. kürzt, aber nicht zu kurz gekommen, die großen Ballszenen und die Kostümwirkungen sind mit Nachdruck zur Geltung gebracht,.— aber Lubitsch hat sich mst Effekten nicht begnügt: er hat jede einzelne Szene mit Witz, Geist und Heiterkeit behandelt, bis schließlich aus Lehärs.Lustiger Witwe" Lubitsch's»Lustige Witwe" geworden war. Daß die Darsteller nicht nur fehlerlos, sondern wirklich kunstvoll zusammenspielen, ist in einem Lu- biisch-Film nicht überraschend. Aber wieviel Laune und Können Maurice Chevalier hier entwickelt, muß doch betont werden, und Jeanette Mac- d o n a I d. die hier ihre reizvolle Stimmung vorführen kann, fügt sich dem Ensemble bester ein als je zuvor,—eis— I. Arbeitervorstellung„Der Bettelstudent", Operette, am Sonntag; dem 13. Oktober, um halb 3 Uhr nachmittags, im Neuen Deutschen Theater. Karten von 4—16 KC, Logen bis 65 Kd ab Dienstag, den 1. Oktober, täglich von 8—2 und 4—-6 Uhr bei Optiker Deutsch, Graben, Koruna.— Kanzleistunden des Bildungsvereines deutscher Arbeiter betreffend das Abonnement für die Arbeiiervorstellungen täglich von 5—8 Uhr abends. Sonn- und Feiertag 11 bis 12 Uhr vormittags, im Vereinsheim, Prag II.. Smecky 27, linke Stiege. Wochenspielplan des Reuen Deutschen Theaters. Samstag halb 8:DerBettelstudent, CI. — Sonntag halb 3: Servus! Servus! halb 8: Der Barbier von Sevilla, Gastspiel Toti dal Monte— Luigi Montesanto; Abonnement aufgehoben.— Montag 7: Cosi fan t utte, Theatergemeinde der Jugend(gemeinsam mit Urania), Abonnement aufgehoben.— Dienstag halb 8: Die Fledermaus, volkstümliche Vorstellung, Abonnement aufgehoben.— Mittlvoch halb 8: WUR, B 2.— Donnerstag halb 8: D i c Afrikanerin, C 1.— Freitag halb 8: Giuditta, volkstümliche Vorstellung, Abonnement aufgehoben.— Samstag halb 7: Tristan und Isolde, Gastspiel Anni Konctzni, D 1. Wochenspielplan der Kleinen Bühne. Samstag halb 8:Attentat, Uraufführung.— Sonntag 8 Uhr: DerKönigmitdemRegenschirm. *— Montag: geschloffen.— Dienstag 8: Attentat. — Mittwoch 8:Königmit demRegen- schirm.— Donnerstag halb 8:JchkenneDich nicht mehr, Erstaufführung.— Freitag 8 Uhr: Attentat.— Samstag 8: Ich kenneDich nicht mehr. Name:....»- Genaue Adresse:*, Letzte Poft:... Unterschrift (D.)-— Skaut: „Ich liebe alle „Mata Hari"(A.—• ,U-Boot A. L. 14"(«.) .Tarzan, der Sohn der Wildnis" „Ein Walzer für dich" 7-..-i,,...........,— Inserate werden laut Tarif billigst berechnet. Bei öfteren Einschaltungen Preisnachlaß.— Rückstellung von Manuskripten erfolgt nur bei Einsendung der Retourmarken.— Die Zeitungsfrankatur wurde vor der Poft- und Tcle- araphendireltion mit Erlaß Nr. 13.800/VID1930 bewilligt.— Druckerei:.Orlis" Druck». Verlags- und ZeitungS-A.-G. Prag Die lustige Witwe Daß auch dieser neue(aber doch schon Jahre alte) Lubitsch-Film glänzend und gemacht ist, ist eine Selbstverständlichkeit. Lubitsch ist Mißlingen Freude an bauen, nie fehlt, das seinem Geist entspricht. Jntereffanter als die Tatsache, daß dieser Film gelungen ist, ist die Art. wie er gemacht ist.— denn Lubitsch bat hier ein Musterbeispiel einer Operettenverfilmung geliefert, ein Lehrstück für die vielen Registeure. die in demselben„Genre" arbeiten, aber in den zwei Jahren, seit diese„Lustige Witwe" aus Hollhwood existiert,-leider gar nichts von ihr gelernt haben Lubitsch hat nicht etwa wie Renk Clair eine Operettenparodie geliefert, er bat LehärS Musik und das Libretto nicht auf den Kopf gestellt, aber er hat die Handlung ins Filmische übersetzt, wo die musikalischen Höhepunkte zu Episoden und die komischen und glanzvollen Situationen zur Hauptsache werden. Vor allem hat er das Ganze mit Pointen ausgehockert und zubereitct. mit ironischen Akzenten unaufdringlich verspottet und mit einem Schwung sondergleichen in Bewegung gebracht. Tie Musik ist zwar ge- Proben beginnen tag, dem 1. Oktober. Frauenchors beginnt abends, die Probe chores um 8 llhr. Allgemeiner Angestellten-Verband, Ortsgruppe Prag. Mittwoch, den 2. Oktober, um 8 Uhr abends im Handwerkerheim Wonatsversammlung. ES spricht Verbandsobmann Kollege Bergmann.— funktionärkonferenz am 16. Oktober im Abonniere ab. 1935 das täglich erscheinende Zentralorgan der deutschen sozialdemokratischen Arbeiterpartei „<5oMal&emotrat" , Verwaltung Prag XU., Fochova ti. 62, zum Preise von 16 KL monatlich, und sende diesen Betrag nach Erhalt deS Erlagscheines ein. VERLANGEN SIE tu jeder Verkaufsstelle des Konsum Vereines SELCHWAREN der Firma HEGNER* Cie.. PILSEN Selchwaren der Fa. HEGNER& Cie., Pilsen sind die allerbesten! Die„Erfolge" des Goebbels-Films s« Deutschland. Aus einer von der reichsdeutschen' Filmzensur veröffentlichten Statistik geht hervor, daß seit Beginn dieser Spielzeit zur Aufführung in Deutschland 33 Filme zugelassen wurden, davon zwölf reichsdeutschen Ursprungs, zwölf amerikanischer Herkunft, drei aus Frankreich, zwei aus Schweden und je einer aus Oesterreich, Polen und der Tschechoslowakei. Daraus geht also hervor, daß der Anteil der Goebbels-Filme an der Gesamtzahl der im Dritten Reich vorgeführten Filme fast nur ein Drittel beträgt— oder, mit anderen Worten, daß in Berlin prozentual nicht mehr Goebbels-Filme laufen als bis zum Beginn dieser Spielzeit in Prag liefen. „Jahrhundert in Flammen" von der Zensur verboten. Die Prager Zensur hat die Vorführung des dokumentarischen Films„Jahrhundert in Flammen" verboten; die Firma wird den Film in 1 einer neuen Bearbeitung nochmals vorlegen. OPTIK u. FOTO DEUTSCH PHkopy am Vereinsheim, Nürodni Nr. 4. Mittwoch, den 2. Oktober, um halb 8 Uhr abends Mit- gliederversamm- filme in prnner Lichtspielhäusern Adria:„D u bist die Ei n z i g e"(Engi.— E Bergner).— Alfa:„Drei bengalische Reiter" (A.— Cooper).— Aion:„Neues Leben"(A.— A Sten).— Beranek:„Das 11. Gebot"(Tsch.) Fenix:„Die lustige Witwe"(A.— Chevalier. I. MacDonald.)— Flora:„Eva"(T.)-— Gaumont: „Tie Tänzerin"(D.)— Hollhwood:„Ter König der Straße"(Tsch.)— Hvizda:„Ter verhängnisvolle Augenblick"(Tsch)— Julis:. Studenten- mutter"(Tsch.)— Kinema: Journale. Groteske«. Reportagen.( f /i2—%7).— Bantu«:„Gesetz des Dschungels"(A.)— Kotva:„Die tanzende Venus" (A.)— Lacerna:„Tie lustige Wittve"