r Nr. 228 Dienstag, 1. Oktober 1935 15. Jahrgang ttanlprtf s 70 HtiHi (liMchlliWch 5 Heller Port») DE|TdEUI^H^H5OZ1ALDE/AOKRATISCHEH ARBEITERPARTEI IN DER TSCHECHOSLOWAKISCHEN REPUBLIK ERSCHEINT MIT AUSNAHME DES MONTAG TÄGLICH FRÜH. Redaktion und Verwaltung präg xiu fochova a. telefon sjotp. HERAUSGEBER! SIEGFRIED TAUS. CHEFREDAKTEUR« WILHELM NIESSNER, VERANTWORTLICHER REDAKTEUR« DR. EMIL STRAUSS, PRAG, ge. Der Negus mobilisiert verließen Mit den beg^en Die englische Dresse, auch die offi- ziSsen Blätter, erklärt einmütig, daß es nicht- zu verhandeln gübe. England fürchte nicht- für seine Interessen, sondern für die Sache des Völkerbundes. Es handle sich nicht um einen Konflikt England mit Italien, sondern 2 t a« liens mit Genf. England werde nur das tun, was der Völkerbundrat beschließe. chen Grundsätze gegen jede Macht zur Geltung gebracht werden. Hier liegt Wohl eine deutliche Anspielung auf Frankreichs lange Zeit gezeigte Neigung vor, Mussolini Ausnahmen zu gestatten, die es Hitler nicht gestatten würde. Frankreich soll vor der Wiederholung solcher Extratouren offenbar gewarnt werden. 2. England läßt sich' nicht auf eine starre Formel festlegen. Frankreich mutz damit rechnen, datz man in London Grade des Angriffs unterscheidet und insbesondere negative Vertragsverletzungen nicht so scharf rügen wird wie aktive(also etwa Nichterfüllung des Versailler Vertrages durch Deutschland nicht so streng beurteilt wie Bruch des Friedens.) 3. England will eine gewisse Elastizität gewahrt wissen. Hier will Sir Samuel Hoare ohne Zweifel neuerlich betonen, waS ja England seit langem unterstreicht, datz der Frieden nicht ohne Revision gewisser Partien der Verträge gesichert werden kann(zu einer Revision in bescheidenen Grenzen war England ja auch in Abessinien bereit.) Frankreich kennt also die Bedingungen für seine weitere Zusammenarbeit mit Europa. Die nächsten Tage werden zeigen, ob Frankreich bereit ist, Englands Bedingungen zu erfüllen und so den Völkerbund zu retten, Mussolini aber preiszugeben. lische Nation voll für seine samten Grundsätze ei»steh en." * 9 Die Aufnahme der englischen Note in der französischen Presse ist freundschaftlich. Frankreichs öffentliche Mxinung liest aus der Note vor allem Englands Bereitschaft, die Sicherheit der Völkerbundmächte gegen jeden Angreifer zu schützen. Man Übersicht in Frankreich vielleicht gern die Reserve, mit der Englands Außenminister in der Note, die ein Meisterstück kurialen Stils ist, das Problem der Sanktionen einer Verallgemeinerung und starren Festlegung entzieht. Die englische Note betont drei Bedingungen, unter denen der Völkerbund, deutlicher gesprochen in diesem Falle eben Frankreich, mit der Hilfe Englands rechnen können: 1. Wenn der Völkerbund sich selbst nicht aufgibt, das heißt ohne Zweifel, wenn die glei- . Italien habe nicht die' Absicht, englische Interessen zu verletzen; dem Völkerbund werde die letzte Gelegenheit geboten, um Italien noch entgegenzukommen. Die fascistische Regierung erkläre in der feierlichsten Weise, daß sie alles vermeiden werde, was den italienischabessinischen Konflikt auf ein weiteres Gebiet ausdehnen könnte., Genf. Der Völkerbund wird amtlich davon verständigt, daß der Kaiser von Abessinien die allgemeine Mobilisierung angeordnet hat. Diese Nachricht wurde sofort den Mitglieder» des Rates bekanntgegeben. Rach einer späteren Reutermsl- dung aus Addis Abeba hat der Regus mit Rücksicht auf den Völkerbund noch einen kurzen Aufschub des Mobilislerungsbefehles angeordnet. Man schätzt die Zahl der Krieger, über die der Regus nach Durchführung der Mobilisierung verfügen wird, auf rund 750.000 Mann. London. Am Sonntag wurde die Antwort vor englischen Regierung auf die französische Anfrage veröffentlicht, wie sich England in Zukunft zur Frage der Sanktionen nach 8 16 des»öl- kerdundpakteS stellen werd«, wen« es sich um speziell europäische Fragen handeln sollte, wen« also ein europäischer Staat,'ob Bölker- bundmitglied oder nicht, znr Gewalt greift. Die Antwort ist in die Form eines Briefes des englischen Außenministers Sir Samuel Hoare an de« französischen Botschafter gerichtet. * Di« Antwort verweist auf die Red« des englische« Außenministers in Genf vom 11. September d. I. ES heißt da u. a.: I» meiner Rede in Genf wieS ich die Behauptung zurück, daß die Haltung der britischen Regierung eine andere denn eine solche nie schwankender Treue gegenüber dem Völkerbünde sei. Ich fügte hinzu, daß zu behaupten oder zu unterstellen, diese Politik bezöge sich aus irgend einem Grunde nur auf den italienisch-abessinischen Konflikt, würde ein völliges Mißverstehen sein. Ich weise darauf hin, und ich Wiederhole mit Betonung, ■ daß der Völkerbund und mit ihm England, fsir die kollektive Aufrechtorhaltmtg der Völker» bundsatzuirg in ihrer Gesamtheit eintrftt und insbesondere für einen festen und kollektive« Widerstand gegen all« Akte eines«»provozierte« Angriffs. Jedes Wort in diesem Sah hat seine volle Bedeutung. Es ist zugleich augenscheinlich, daß ei« Vorgehen des Artckels 16 der Bölkerbumdsat» zmrg, daS im Falle eines positiven Aktes eines unprovozierte« Angriffes geeignet wäre» nicht angewendet werde« ka«« im Falle eines negative« Aktes in Gestalt der Nichterfüllung der Bestimmungen eines Vertrages. Weiter ist es im Falle eineS Ergreifens von Gemalt klar, daß es Grade der Schuldhaftigkeit ««dGrade des Angriffes gibt, und daß infolgedessen in Fällen, im denen der Attikel 16 gilt, die Att der unter ihm zu ergrei. sende« geeigneten Attiouen verschieden fein kann, je nach den Methoden jeden besonderen Falles, Elastizität ist ein Teil der Sicherheit. Jedes Bölkerbundmit» glied mutz anerkennen, wie dies die Völkerbund, satzung selbst anerkennt, daß die W e l t n i ch t ft a t i s ch ist. Wenn zu verstehen gegeben wird, daß dies« Erklärung nur die Politik der gegenwärtigen englischen Regierung darstellt und nicht notwendigerweise die ihrer Nachfolger» so möchte ich darauf Hinweisen, daß— während meine Worte in Genf in der Tat für die gegenwärtige Regierung dieses Landes gesprochen worden sind— diese Worte zugleich mit»der überwältigenden Unterstützung und Billigung dieses Landes gesprochen worden sind. Die englische Regierung glaubt, daß ein Organismus, der nach englischer Ansicht die einzige wirkliche Hoffnung dafür darstellt, datz die sinnlosen Katastrophen der Vergangenheit vermieden werden und daß der Weltfriede durch kollektive Sicherheit in Zukunft gesichert wird, sich nicht selbst leichtsinnig durch einen mangelnden Glauben an seine eigenen Ideale und durch eine Verweigerung wirksamer Handlungen für dies« Ideale unvermögend machen wird. Aber die- ' ser Glaube und diese Handlung müssen, wie die Sicherheit, kollektiv sein. Dieser Punkt ist so , entscheidend, daß ich abschließend noch einmal meine Worte in Genf zitieren Möchte:«Wenn Gefahren für den Frieden auf sich genommen werben müssen, müssen sie v o n a l l e n auf sich genommen werden. Solange derVöl- . kerbund sich durch sein eigei^e, Beispiel er halt, werden di eeng. Als äußerst ernstes Vorzeichen des baldigen Begmnes der Feindseligkeiten durch Italien wird in Addis Abeba namentlich die Tatsache angesehen, daß die italienischen Konsulate in H a r r a r und inAddisAbeba selbst geschlossen wurden«nd die Beamten bereits ihren Posten verlasse« habe«. Abessinische Meldungen wissen von fortschreitenden italienischen Truppenverschiebungen an der Eritrea-Srenze zu berichten. In dem strategischen Dreieck von Adiugri—Asmara—Senas- sollen 61.000 Man«, davon 31.000 farbige Truppen zusammengezogen sein. Die Rückwärtsbewegung der abessinischen Truppen 30 Kilometer hinter die Grenze ist, wie in abessinischen Kreisen verlautet, beendet. Die abessinische Regierung dementiert jedoch offiziell die in der au-ländischen Presse erschienenen Meldungen, denen zufolge die italienische» Truppen an der abessinischen Grenze bereitfeindselige Aktionen begonnen hätten. In den nächsten Tagen erwartet man die mit DewlMgung de- Kaisers für den Schutz der Elsenbahnstrecks Dschibuti— Addis Abeba bestimmten weitze« französischen Truppen. Neue 10.000 Mann Rom. Im Laufe des Samstag 10.000 Mann den Hafen von Neapel, am Wochenende abgehenden Dampfern sich auch zahlreiche Korrespondenten ausländischer Agenturen nach Ostafrika. Flüchtlinge In Aden treffen Flüchtlinge aller Nationalitäten ein, und zwar im Großteil Missionäre und indische Händler aus Abessinien. Die Flüchtlinge kommen über den französischen Hafen Dschibutti. Wie verlautet, wird die französische Luftflotte in Dschibutti rasch verstärkt. Das Flugzeugmutterschiff„B e a r n e“ wird in Dschibutti in den allernächsten Tagen erwartet. knglsnd dem Völkerbund treu — solange er sich selbst treu bleibt I Mussolini In London abgeblitzt London.(E-D.) Mussolini hat> werden. Sonntag nochmal- versucht, sich aus der selbstgedrehten Schlinge zu befreien, indem er England in einem Kommunique direkte Berhand» 1 u n g e n über die gegenseitige Sicherung der Interessenzonen in Afrika an geboten hat. Mussolini hatte am Samstag mittags im Ministerrat betont, daß Italien den Völkerbund bis zu dem Tage nicht verlassen werde, an dem nicht der Völkerbund im vollen Umfange die Ver antwortung für Maßnahmen auf sich genommen haben werde, die Italien treffen. Italien werde keine Initiative auf einem Gebiet und in Krei sen(d.,h. in Genf) ergreife«, wo seine Jnter- l i k R eSl"N«auuLLice«g-esseu aus Voreingenommenheit»mißachtet" Grosse Woche der Weltpolitik Während in Genf der schwerfällige Mechanismus des Völkerbundes noch immer mit der weiteren Behandlung des italienisch-abessinischen Konfliktes beschäftigt ist, rüsten die beiden Streitparteien zur blutigen Lösung. Abessinien, das dem Aufmarsch der italienischen Armee an seinen Grenzen monatelang zugesehen hat, ohne ernste Abwehrmaßnahmen zu treffen, hat die Mobilmachung verkündet. Sicher ist das keine Mobilisierung nach europäischem Muster, nicht die Einschaltung eines Uhrwerkes, das nun Stunde auf Stunde genau abläuft bis zum ersten Kanonen- schuß, sondern es ist der Ausmarsch halbregulärer und wilder Truppen, aber es ist immerhin der letzte noch fehlende Beweis, daß Aethiopien den Fehdehandschuh aufnimmt, datz es sich der Großmacht Italien und ihrer technisch hoch qualifizierten Armee zum Kampfe stellt. Die bange Frage, die sich jetzt an der Schwelle des Krieges wie seit Monaten jeder Europäer vorlegt, ist die nach dem Schicksal Europas. Der afrikanische Konflikt ist längst zum Problem der Großmächte geworden und England hat in den letzten Tagen keinen Zweifel darüber bestehen lassen, datz es zum äutzersten entschlössen ist. Dieses»Aeutzer- ft t“ kann noch immer— solange Genf sich nicht eindeutig entscheidet— zweierlei bedeuten: Sanktionen des Völkerbundes, die selbstverständlich vor allem von England durchzuführen wären, oder aber, wenn der Völkerbund versagt, weitere Annäherung Englands an Deutschland. Die Antwort deS britischen Außenministeriums auf die französische Anfrage, wie sich England gegen einen Friedensstörer in Europa verhalten und ob eS in jedem Fall die Anwendung von Sanktionen billigen würde, ist ein Dokument, daS von neuem die Gefahren erhärtet, in denen trotz allem Europa noch schwebt. Die englische Antwort, überaus geschickt formuliert, läßt keinen Zweifel darüber bestehen, daß Großbritannien den Völkerbund nur solange hält, als er sich nicht selbst aufgibt. Nur wenn er sich, so darf man zwischen den Zeilen lesen, in jenen Fällen gegen den Angreifer stellt, in denen England eS für richtig und wichtig hält, den Frieden zu sichern, also nur, wenn Frankreick und Rußland in Fragen be8 britischen Interesses den Völkerbund einzusetzen bereit sind, wird England sich zu einer loyalen Gegenleistung bereit halten. Der französischen Forderung, sich eindeutig, festzulegen, weicht England aus. Die britische Politik hat starre Formeln nie gemocht und läßt auch jetzt durchblicken, daß sie nicht alle Fälle von Vertragsverletzung so scharf verurteilen würde wie Italiens Vorgehen gegen die Genfer Satzung. Hier spricht die in England vorherrschende Meinung mit, datz Deutschland im Gegensatz zu Italien gewisse berechtigte Revisionswünsche habe, die der Völkerbund in irgendeiner Form einmal befriedigen müßte. Hätte Frankreich von sich aus rechtzeitig MussoligiS Abenteurerpolitik eingedämmt, so wäre es jetzt nicht in der unangenehmen Lage, nur noch zwischen einer englisch-deutschen Freundschaft und einem englisch-deutschen Bündnis wählen zu können. * Die Rückwirkungenderita- lienischen Afrikapolitik auf Europa sind seit langem zu verspüren. Gerade in diesen Tage« nehmen sie die Form einer ernsten Bedrohung des Friedens an einem anderen End« der Welt an» als es daS von Mussolini zur Brandstiftung erkorene Afrika ist. Die deutscheAußenpol.itik hat sich als nächstes Ziel nach der Rückgliederung des Saargebietes das Memelland erkoren. Seit WMen treiben Rundfunk und Presse in Deutschland eine maßlos« Hetze gegenLitauen. Die Wahlen in den memelländischen Landtag waren der Anlaß, ein Problem aufzurollen, das anzuschneiden Deutschland um so mehr bereit war, als in der Memelfrage die Siegermächte und der Völlerbund kein ganz reines Gewissen haben.'Man hat ehedem den Litauern in Memel mehr durchgehen lassen, als das internationale Recht erlaubte. Nun rächt sich der Uebermut der Alleinherrscher von 1919. Litauen ist in arger Bedrängnis. Sein einziger Rückhalt für den Fall eines militärischen Angriffs seitens Deutschlands und Polens ist wohl die S o w j e t u n i o n. Aber das Streitobjekt ist so klein, daß man sich fragt, XX 1177 Seift 2 Dienstag, f. Oktober 1935 Nr. 228 ob Rußland wirklich wegen Litauens und Memels einen Krieg führen würde. Hitler rechnet mit diesem Zögern Rußlands, wie er mit den afrikanischen Verwicklungen rechnet. Die Wahlen im Memelland find Sonntag — angeblich wegen technischer Schwierigkeiten— nicht abgeschlossen worden. Die Urnen wurden versiegelt und es sollte Montag weitergewählt werden. Sicher ein ungewohnter und schwer zu verteidigender Vorgang, mit dem sich die ungeschickte litauische Negierung lübrigenS auch ein fascistisches Regime) eine neue Blöße gegeben und Hitler einen neuen Trumpf zugespielt hat. * Dabei könnte heute niemand außer den Machthabern in der Berliner Wilhelmstraße sagen, ob Deutschlands erster Stoß wirklich nach dem Osten und gegen Memel gehen wird oder ob Memel nicht ein Ablenkungsmanöver ist und Oe st erreich das wahre Ziel bleibt. Die politische Jagd in der Romjntener Heide, die Göring mit G ö m b ö S und illustren polnischen Gästen abgehalten hat, zeigt ja von neuem die Umrisse einer seit langem drohenden Konstellation. Ein neuer Drei- Memel. Die Abgabe der Stimmzettel bei den Wahlen in den Memeler Landtag ging am Sonntag nur sehr langsam vor sich, so daß der litauische Ministerrat in einer Sondersitzung beschloß, in Abänderung der Wahlordnung den Gouverneur von Memel zu ermächtigen, die Wahlen am Montag von 8 bis 18 Uhr fortzusetzen. Ein ernsterer Zwischenfall ereignete sich in dem Dorse ProkulS, wo zwei Gruppen beim Ankleben von Wahlplakaten aufeinander stießen. Es wurden einige Schüsse abgegeben, durch die vier Personen verletzt wurden. In den Gemeinden Juknaiciai und Agmo- nenai riefen Anhänger der deutschen Einheitskandidatenliste Zusammenstöße in den Wahllokalen hervor. Die Polizei stellte die Ordnung wieder her, wobei zwei Polizisten, davon einer schwer, verletzt wurden. Die Beteiligung bei den gestrigen Memeler Wahlen wurde für Sonntag auf 60 Prozent geschätzt. Seit Montag 8 Uhr sind die Wahlen wieder im Gange. In der Stadt Memel herrschte auch bund Berlin-Warschau-Budapest, also die Einkreisung der Tschechoslowakei, scheint das Ziel der Berliner Politik zu sein(die übrigens zugleich mit Belgien über einen- Nichtangriffspakt verhandelt, also England für den Westen weitere Sicherheiten bietet). Zwar dementiert Budapest alle Meldungen über ein Bündnis, aber die Spatzen pfeifen es von den Dächern der Ofener Burg, daß GömböS gegen die sich immer enger schließende Opposition im eigenen Lande nur eine wirkliche Stütze hat: Hitler-und die Hoffnung auf Revision mit Hitlers Hilfe. » Vielleicht werden, ehe diese Woche um ist, in Afrika schon die ersten Opfer der italienischen Politik fallen. Damit beginnt aber auch für Europa eine Zeit höchster und steter Bedrohung. Memel und die Romintener Entrevue stehen nicht zufällig in den gleichen Zeitungsspalten, die uns Abessiniens Mobilmachung und Mussolinis neueste Kriegsdrohung melden. Hier liegen Zusammenhänge vor, die wir in ihrer furchtbaren Tragweite nicht früh genug aufdecken können! am zweite« Wahltage von Anfang an i« den Wahllokalen ein erheblicher Andrang, insbesondere in den Arbeiterviertel«. Die Wahlkreiskommission trat am Montag zu einer längeren Sitzung zusammen, um sich zunächst darüber schlüssig zu werden, was mit den Wahlen in dem Bezirk Jugmaten-Wießen werden soll. In Jungmaten, einem Ort in diesem Bezirk, hatten Bauern die Wahlurne zertrümmert und die Wahlzettel zerstreut. Di« Wahl- kreiskommiffion beschloß, die Wahl für u n g ü l- t i g zu erklären und Neuwahlen auf den 6. Oktober anzuberaumen. Der Korrespondent des»Petit Parisien" teilt mit, daß die Deutschen einen vollen Sieg erwarten, der ihnen in dem autonomen Memelgebiete freie Hand lassen würde. Auch der Korrespondent des»Journal" schließt auf einen Sieg der deutschen Einheitsliste. Er erklärt, daß insbesondere die Fischer und Bauern gegenwärtig unzufrieden sind. Die Jugend sei fast vollständig dem Gedanken des Nationalsozialismus ergeben. Beck- Gömbös- Ribbentrop Abgeleugnete Konferenzen In Berlin Berlin.(Tsch. P.-B.) Der polnische Minister des Aeußeren hat Sonntag auf der Reise von Genf nach Warschau auch Aufenthalt in Berlin genommen. Im Verlaufe desselben konferierte Beck sowohl mit dem ungarischen Ministerpräsidenten Gömbös als auch mit dem Sonderbeauftragten des Reichskanzlers Herrn von R i b. b e n t r o p. Sowohl von polnischer, wie von ungarischer Seite wird dies allerdings kategorisch dementiert und erklärt, diese Gerüchte können nur dadurch entstanden sein, daß der deutsche General- leutnant Beck an dem Frühstück teilgenommen habe. Der ungarische Ministerpräsident G ö m b ö s war schon Samstag abends in Begleitung Görings auf dem Berliner Flugplatz eingetroffen. Am Sonntag stattete er Besuche beim Reichskriegsminister Blomberg und beim Reichsaußenminister von Neurath ab und wurde auch von Hitler zu einer zweistündigen Besprechung in Gegenwart Görings empfangen. Dabei soll, nach dem Tsch. P.-B. auch von der Behandlung der kommunistischen Frage die Rede gewesen sein. Montag stattete Gömbös dem Herrn von Ribbentrop und den Ministern Heß, Goebbels und Dr. Schacht Besuche ab. Bei der Unterredung mit Heß war Ribbentropp ebenfalls anwesend. In politischen Kreisen beachtet man sehr viel den Umstand, daß bei dem Frühstück, das Göring seinem ungarischen Gaste gab, die Zahl der anwesenden militärischen Gäste unverhältnismäßig groß war. Hitler in Ostpreußen Mit groSem militärischen Gefolge Königsberg. Hitler traf Montag gegen 17 Uhr von dem Truppenübungsplatz Stablack kommend an der Stadtgrenze in Königsberg ein. In seiner Begleitung waren der Reichskriegsminister und der Chef der Armee sowie eine große Anzahl von Offizieren. Rach ofliziellen Meldungen wird sich Hitler am Mittwoch an der definitiven Beisetzung Hindenburgs in Tannenberg beteiligen. Am Montag besichtigte Hitler die Feldübungen des Königsberger Infanterieregimentes südlich von LandS- berg, worauf er sich im Kraftwagen auf den Uebungsplatz in Stablack begab. Hier wohnte er dem Uevungsfchießen bei, das ein Bataillon dort gerade vornahm. Wahlen in Budapest III annulliert Bestrafung der Wahikommlsslon Budapest. Der Verwaltungsgerichtshof hat das'Ergebnis der letzten Reichstagswahlen im dritten Budapester Wahlbezirk annulliert. Dadurch hat das Gericht der Petition der christlichen Opposition wegen vorschriftswidrigen Wahlverfahrens stattgegeben und zehn Abgeordnete— drei Regierungsparteiler, drei Anhänger der christlichsozialen Wirtschaftspartei, zwei Sozialdemokraten und zwxi Liberale— ihrer Mandate für verlustig erklärt. Außerdem hat daS Gericht daS Stimmrecht des Präsidenten der Wahlkommiffion Dr. Berebelv und zweier Mitglieder der Wahlkommission auf drei Jahre suspendiert. Eindrucksvolle Kundgebung der Eisenbahner in Aussig Um die Kollegenschaft von dem Stand der Verhandlungen, namentlich über jene Forderungen zu unterrichten, die bei der internationalen Kundgebung der Eisenbahnerverbände am 11. und 12. August d. I. in Bodenbach besonders dringlich bezeichnet worden waren und um deren Forderungen erneut Nachdruck zu verleihen, hatten die im Zentral-BertrauenSmännerausschuß vertretenen Organisationen der Eisenbahner für vergangenen Freitag nach dem Auffiger Volkshaus eine öffentliche Kundgebung einberufen, die einen imposanten und eindrucksvollen Verlauf nahm. Ueber die vier hauptsächlichsten Forderungen: 1. Einstellung der Abzüge von dm festen Ge- hältern und Pmsionen, 2. Wiedereinführung des früheren Auszahlung-» termineS am 1. jeden Monats, 8. Gleichstellung der IV. Etappe der Altpensio- nistm, 4. Durchführung des 8 25 betreffend die Ange- stelltm-Anwärter und des 8 142 des GehaltS- gesetzeS betreffend die Einrechnung früherer Dimste referierte Genosse Mücka. Eingehend begründete Senator Genosse Grünzner die weiteren Forderungen der Eisenbahner, die ebenfalls al- dringlich bezeichnet werden müssen. Der Kampf um die Durchführung der Forderungen wird nicht leicht sein. Die maßgebenden Faktoren werden alles tun, aber die Kollegenschaft muß geschlossen hinter der Organisation und ihren Forderungen stehen. Zur Bekräftigung ihrer Forderungen beschlossen die Versammelten einstimmig eine Resolution, in der sie der Regierung die oben angeführten vier grundsätzlichen Forderungen vorlegen und darauf Hinweisen, daß sich bereits seit mehreren Jahren systematisch die GehaltS» und sozialen Verhältnisse der Eisenbahnbediensteten in ihrer Gesamtheit verschlechtern. Dasteigende Preisniveau hat die schwierige Situation der Eisenbahnbediensteten noch mehr erschwert. Wir sind überzeugt, heißt es am Schluffe der Resolution, daß die Regierung die Berechtigung ihrer Forderungen anerkennt, denn nur ein wirtschaftlich gesicherter öffentlicher Angestellter ist deren Stütze in der heutigen außergewöhnlich ernsten Zeit. Prasenzdlener-Elsenbahner Am 28. September fand in Prag-Weinberge im Närodni düm ein Kongreß der Präsenzdiener- Eisenbahner statt. Neben tschechisches Referenten erstattete auch Genosse E e e h(Verband der Eisenbahner) ein Referat, in dem er die Forderung nach Gleichstellung mit jenen Kollegen vertrat, die ohne Unterbrechung des Eisenbahndienstes durch die Militärzeit besser gestellt sind. In einer Entschließung wurden die Forderungen der Präsenzdiener-Eisenbahner zusammrngefaßt. Der Prager neue Nuntius vorher beim Papst. Der Papst hat in Castel Gandolfo den neuen Nuntius für Prag Msgr. Ritter, der bereits 14 Tage in Rom weilt und mit dem päpstlichen Staatssekretariat seine Mission in Prag betreffende Details verhandelt, in Audienz empfangen. DieVerhandlungen Msgr. Ritters mit dem päpstlichen Staatssekretariat werden in den allernächsten Tagen zum Abschluß gebracht werden, worauf Nuntius Ritter sich über Mailand nach Prag begeben wird. Widerstand der Eingeborenen gegen englische Truppen 130 Tote London. Im Berlaufe der seit 14 Tagen in Gang befindlichen britischen Strafexpedition gegen aufständische Stämme an der Nordwest grenze Indiens geriet am Montag Morgen eine englische Fronttruppe in der Nähe des Nahakki-Paffes im Mohmand-Gebiet in einen Hinterhalt und erlitt nach den bi-her vorliegenden Berichten den Verlust von 130 Toten. U. a. wurden zwei britische Offiziere getötet und zwei Offiziere verwundet. Der Nahakki-Paß war vor etwa zehn Tagen vom 2. Bataillon der leichten Hochländer- Jnfanterie und Artillerie besetzt worden. Insgesamt sind 15.000 englische Truppen an den Operationen beteiligt, die mit Flugzeugen, Kavallerie, Tanks, Infanterie und Artillerie durchgeführt werde». Don Oberbefehl führt Brigade-General Auchinleck. An der Spitze der Aufständischen steht der Hadschi von Turangzst. Am Sonntag wurden die Militärabteilun gen im Lager von Wuchajaver von Angehörigen des Stammes der Laskari überfallen und erlitten erhebliche Berluste. Memelwahlen am Montag fortgesetzt Abstlmmungstechnlk zu kompliziert 37 VILLA OASE oder: DIE FALSCHEN BORGER Roman von Eugene Dabit Berechtigte Uebertragung aus dem Französischen von Bejot An einem Samstag kamen sie an, beladen mit Paketen, als wollten sie umziehen. Sie waren blaß und mager und hatten eine Auffrischung nötig. Julien empfahl ihnen lange Morgen- und Mittagsruhe.und ergiebige Mahlzeiten. Aber sie lebten nicht nach seinem Rat. Die starke Lust-berauschte sie, allzu reichliches Essen verdarb ihnen den Magen. Sie zeigten sich schrullig und unbelehrbar. Im Morgengrauen ging Ernest mit voller Ausrüstung angeln. Ohne einen Fisch gefangen zu hcwen, kehrte er nach HauS zurück. Und wenn Julien nicht auf dem Posten gewesen wäre, hätte er seine Wut an den Goldfischen im Teich ausgelassen. Berthe, die nicht stillsitzen konnte, half Solange bei der Arbeit, gab ihr Kochunterricht oder nähte für Irma. Und Etienne strolchte umher. Julien predigte ihnen unermüdlich, sie sollten an ihr Vergnügen denken, ihre Ferien genießen und sich auf die Zeit freuen,^da sie sich jMist zur Ruhe setzen würden. »Wie sollen wir je dahin kommen?" fragte Berthe.^Mit unseren Einnahmen haben wir Mühe, die dringendsten Ausgaben zu bestreiten." Darauf versuchte Julien seinem Schwager klarzumachen, daß er das Leben nicht richtig angepackt habe. Er hätte sich ein Beispiel an ihm nehmen sollen. Er, Julien, wäre nicht in irgend einer Bude hocken geblieben, sondern hätte die Courage gehabt, zu reisen, Geschäfte zu unternehmen und trotz allen Fehlschlägen nicht locker zu lassen. Berthe fiel ihm ins Wort:' werden. Jeder für sich. Ihre L verschieden, daß sich eine Mauer zwischen ihnen erhob, dieselbe Mauer, die ihn auch von seinem Bruder Charles in Belleville trennte. Wenn er sein Schicksal mit dem der anderen verglich, befestigte sich seine Gewißheit, daß er sein Leben nicht verpfuscht hatte, obwohl ihn die Familie immer unsicher machten wollte. Aber sein Auto, sein Haus, sein Geld: alles bestätigte ihm, daß er die Partie gewonnen hatte, er allein, indem er wie ein Neger geschuftet hatte. Jetzt war niemand mehr zu erwarten. Die Jahreszeit verbot weitere Besuche. Die Vormittage wurden schon recht kühl, und Nebel lag über dem Seinetal. Der Wind schüttelte die Bäume, welke Blätter bedeckten die Gartenwege und den Teich, der richtige kleine Wellen warf. Von allen Himmelsrichtungen ballten sich Wolken zusammen, und eine Woche lang hörte der Regen nicht mehr auf. Die Straßen wurden schlammig, die Rue du Petit Bau verwandelte sich in einen Rinnstein, man konnte nur in Holzpantinen ausgehen. Die Tage wurden kürzer, und bald mutzte man an die Heizung denken. Irma und Julien erwarteten den Winter mit Seelenrühe. In Paris würde die Automobilausstellung allerhand Fremdenbetrieb mit sich bringen, und im Montbert würden sie alle Hände voll zu flm haben. Aber sie brauchte daS nicht zu kümmern. Irma überlegte«sich, wie sie die Abende gemütlich machen sollte. Sie würden wohl mich bald Verkehr mit besseren Leuten haben, vielleicht sogar mit der Baronin, sie würden sie bei sich sehen, sie besuchen..., jedenfalls wollte sie es an nichts fehlen lassen. Inzwischen vollendeten sie die Einrichtung des Hauses und trafen Vorbereitungen, als wenn sie in der EiS- region überwintern müßten. Eines TageS fuhren sie nach Paris. .\ Irma lief durch die Läden und machte Ein- iiber Einkäufe. Es war ein Geschrei und elkälige, und ihr war, als habe sie nie so viele n beisammen gesehen. In der Rue Bour- »Wäre der Krieg nicht gekommen, hättest du auch nichts." Sie erinnerte sich, daß ihr Bruder, nach langem Aufenthalt im Ausland, sich bei ihnen wieder Mut antzegessen hatte. Wenn auch gewiß nicht Neid aus ihren Worten klang, so schufen sie doch eine eisige Atmosphäre. Irma meinte, Berthe sei mit ihren Gist- spritzern reichlich freigebig. Sie schätzte diese Debatten nicht und bedauerte, daß ihre Freunde, deren friedliches Genietzertum ihr mehr behagte, nicht zugegen waren. Als ob es nicht immer Reiche und Arme gegeben hätte, um die Welt vollständig zu machen. Jetzt, da sie zu den Reichen gehörte, wünschte sie, datz dieser Zustand so bliebe. Wenn ihre Verwandten andere Wünsche hatten, so empfand sie das wie die Bedrohung eines Diebes, der vor ihr stand, um sie auszuplündern. Ein Glück, datz in Frankreich Ordnung herrschte, datz jeder an dem Platz zu bleiben hatte, den daS Schicksal ihm zugewiesen. Dieser Gedanke beruhigte sie. Acht Tage später brachte Julien die Familie nach Paris zurück. Der Wagen war beladen mit Früchten, mit gefüllten Einmachgläsern und mit Paketen, die Kleider und Wäsche für Berthe enthielten. Vor einem grauen Haus verabschiedete sich Julien von den Arenoud und lud sie ein, im nächsten Jahre wiederzukommen. Dann, nach kurzem Abstecher zum Last deS Courses, fuhr er nach Chapelle-sur-Seine zurück. Die Billa Oase erschien ihm still. Irma freute sich, datz sie endlich allein waren. Er gab ihr keine Antwort^ Wohl war er sich bewutzt, nur seine Psticht getan zu haben/indem er seine Verwandtschaft zu sich gebeten hatte, aber er verkannte nicht, datz ihre Gegenwart nicht lustig war. Mit ihnen gab es kein anderes Gesprächsthema als Krieg, Teuerung, Arbeitslosigkeit und soziale Ungerechtigkeit. Und er hatte sich doch^cht aus dem Schlamassel aufgepappelt, um/mist r es auch nur in Gedanken, wieder h^ißjstPLogen zu r eben so quin traf sie sich mit Julien. Auch er war vollkommen erschöpft. Er erzählte, datz er in der Bank gewesen sei, um vorsichtigerweise einen Teil seines flüssigen Geldes abzuheben. „Man ist kein Großstädter mehr," bemerkte er.„Ich kann nicht erwarten, datz wir wieder in Billa Oase sind." Irma nahm warme Wäsche und Wollkleider aus dem Schräük, die Julien verpacken mutzte. Im Salon wählte sie einige Bücher aus. Als sie sich umwandte, ftel ihr Blick auf Helenes Porträt. Sie verspürte eine peinlich beunruhigende Ueber- raschuna. Doch als sie schärfer hinsah, schien ihr, als lächle das Gesicht. Es war jung und zart, ein wenig melancholisch. Es wirkte auf sie wie eine ferne Erinnerung. Sie sagte: „Nimm das Porträt herunter, Julien. Ich möchte eS draußen aufhängen." Ohne Trennungsschmerz verließen sie die staubige Wohnung, um zunächst ins Cafe des Courses zu gehen. Die Freunde waren nicht da. Nur Papa Adam satz, die Hände über dem Stockgriff gefaltet, in seiner Ecke und schlief. „Komm, wir wollen gehen," flüsterte Irma» „damit wir noch bei Licht ankommen." Es dämmerte, als sie vor der Billa hielten. Julien rief Solange und reichte ihr die Pakete zu, eins nach dem andern, zuletzt das Bild. .„Achtung, das Glas hat in der Ecke einen Sprung. Irma wird schimpfen." „Ah," rief Solange,»das ist aber eine feine Photographie I" »Helene, als sie so alt war wie du jetzt." Er fand Irma im Schlafzimmer. Sie war schon im Hauskleid und las die Abendzeitung. Auch er machte sich'S bequem und ächzte: „Bis auf weiteres habe ich genug von Paris. Wir haben ja nun alles, was wir brauchen, um uns den Winter angenehm zu machen." (Fortsetzung folgt.)'. Nr. 228 Dkenstag, 1. Oktober 1938 Sette 3 fudetendeutscfier Zeitspie&et Ein zweiter Volkssportprozeß Vier Funktionäre der ehemaligen DNSAP vor Gericht Brünn. Montag begann vor dem Senat des Brünner Kreisstrafgerichtes ein Prozeß ähnlich dem seinerzeitigen Vollssportprozeß, wenn auch in viel kleinerem Maße. Auch das Interesse der Oeffentlichkeit ist weitaus geringer als es beim ersten Vollssportprozeß der Fall war. Angeklagt sind fünf ehemalige Funktionäre der aufgelösten Deutschen nationalsozialistischen Arbeiterpartei wegen des Verbrechens der Vorbereitung von Anschlägen gegen die Republik nach dem Paragraph 2 Les Schutzgesetzes, und zwar der 47jäh- rige ehemalige Oberadjunkt der Staatsbahnen i R„ ehemaliger Kreisleiter der DNSAP in Brünn, Erwin Gröger, der 60 Jahre alte Obersekretär der mährisch-schlesischen wechselseitigen Versicherungsanstaü in Brünn Johann Richter, der 41jährige Beamte und ehemalige Stadtrat Oskar Judex, der 25jährige Privatbeamte Karl Kruge. Der ebenfalls angeklagte 37 jährige ehemalige Sekretär der DNSAP Richard Wicker flüchtete seinerzeit nach Deutschland. Den Vorsitz führte OLergerichtsrat Dr. Hagel, die Anklage vertritt Staatsanwalt Dr. M e d e k, Verteidiger sind Dr. Karl Schwabe, der Gemeinderat der Henleinpartei in Brünn Dr. B r a n c z i k und Dr. K r e i s e l- Bodcnbach. Die Anklage führt aus: Da bei den führenden Funktionären der DNSAP, nach deren Einstellung am 4. Oktober 1833 von der Polizei eine Reihe von Hausdurchsuchungen vorgenommen worden seien, wobei schriftliches Material vorgefunden wurde, wurde aus diesem Material die ungesetzliche Tätigkeit der Partei ersichtlich. Von den programmatischen Grundsätzen und Deklarationen hat die Partei nie abgelassen. Da sie jedoch ihr Ziel nicht deklarieren konnte, wenn sie in der Tschechoslowakischen Republik weiter bestehen wollte, habe sie ihre Tätigkeit zu maskieren versucht. Der Beweis dafür, daß die Tätigkeit der Partei in Wirklichkeit auf Anschläge gegen die Republik hinziele, liegt der Anklageschrift zufolge in den verschiedenen öffentlichen Reden der Parteifunktionäre und Mitglieder. Beschlagnahmt wurden verschiedene Gedichte und Lieder und eine Landkarte, in der das von Deutschen besiedelte Gebiet der Republik als ein Teil des Dritten Reiches eingezeichnet ist. Zur Erreichung ihrer Ziele sei die Partei auch mit ihrer Schwesterorganisation in Deutschland und Oesterreich in Verbindung gewesen: Die Anklageschrift zitiert ein Rundschreiben der Kreisleitung der DNSAP, Kreis Brünn, vom 13. Mai 1931, in dem gesagt wird, daß nachdem.im Reiche die Bewegung zum Gestalter des Schicksals geworden ist, die sudetendeutschen Nationalsozialisten auf ihrem Heimatboden die gleichen Aufgaben haben". Bei den Angeklagten wurden Redeentwürfe, Zeitungen, Broschüren und anderes Material beschlagnahmt. Schließlich führte die Anklageschrift als ein gewichtiges Moment die Aussage des inzwischen ebenfalls nach Deutschland geflohenen Walter Vogel aus Joslowitz vor dem Kreisgericht für Strafsachen in Znaim an, in der Vogel cmführte, daß in Berlin ein Verein„Sudetendeutsche Vereinigung" bestehe, bei welchem er nach seiner Mitgliedschaft in der DNSAP befragt worden sei. Dieser Verein besitzt genaue Kartotheken und Verzeichnisse der führenden Mitglieder der DNSAP. Darin sieht die Anklage einen Beweis für den engen Zusammenhang der beiden Parteiorganisationen, der soweit ging, daß Mitglieder der Partei in der Tschechoslowakischen Republik gleichzeitig als Mitglieder der Partei in Deutschland betrachtet wurden. Als erster Angeklagter wurde Gröger ein- hernommen. Er erklärte sich nicht schuldig. Er schilderte, wie er im Jahre 1926 zur DNSAP kam, wo er bald, weil„der Kreissekretär Wicker zu jugendlich und zu stürmisch war" Kreisvorstand wurde. Im Jahre 1933. habe ihn der Sekretär Wicker aufgefordert, zu einer Sitzung zu kommen, in welcher über die Selbstauslösung der Partei entschieden werden sollte. Er habe aber keine Zeit gehabt und am nächsten Tage habe ihm der Sekretär mitgeteilt, daß sich die Partei aufgelöst habe,(l) Der Angeklagte erzählte dann, wie man darauf geachtet habe, daß sich die Mitglieder alle so benahmen, daß sie nicht als verdächtig gelten können und daß jeder, der sich verdächtig machte, ausgeschlossen wurde. Andere Führung— alte Richtung? Der Parteitag der deutschen Christlich* sozialen Die christlichsozialen Vertrauensmänner befrachten das letzte Wochenende bei ihrem diesjährigen Parteitag in Prag. Aus dem offiziellen Bericht, den sie darüber veröffentlichen, geht vor allem hervor, daß sie das Nichtzustandekommen„freundschaftlicher Zusammenarbeit der deutschen nationalen Parteien im neuen Parlament" bedauern,„selbständig" und„unabhängig" bleiben und sich nicht„einem Totalitätsanspruch opfern" wcllen; mit anderen Worten: die Christlichsozialen ziehen vorläufig einen Strich unter das umfana-, aber keineswegs ruhmreiche Kapitel ihres Kokettierens mit der Henlein-Partei — ohne daß natürlich irgendwer anzugeben wüßte, wann dieses Kapitel abschließt oder— seine Fortsetzung finden wird. Das bemerkenswerteste Ergebnis dieses Parteitages ist der Abgang des bisherigen Parteiobmannes Hilgenreiner, dessen Begeisterung für die Bollsgemcinschast die deutschen Christlichsozialen zeitweise gariz in das Schlepptau Henleins gebracht hat. Angesichts der ver- schärfsten Katholikenverfolgung, in Deutschland war dieser Kurs innen- und außenpolitisch unhaltbar geworden. Die Wahl des früheren Senators und schlesischen Großgrundbesitzers Stolberg zum Nachfolger Hilgenreiners zeigt noch keinen Kurswechsel an, sondern stellt offenbar Budapester Eindrücke Bon Wenzel Jaksch (Schluß.) Der Antisemitismus ist in den breiten ungarischen Volksschichten kapm zu Hause, obwohl die Herrenschicht schon vor Hitler mit dem Rassenfimmel begonnen hatte. Man schimpft hin und wieder über die Juden, kauft aber gerne bei ihnen. In den schwäbischen Dörfern soll es schon anders sein. Auch das deutsche„Sonntagsblatt" macht gelegentlich in Antisemitismus, obwohl die Deutschungarn von dem Durchdringen des verrückten Rassenstandpunktes in der Politik und nm' öffentlichen Leben am meisten zu befürchten haben. .Im übrigen ist die Judenfrage nicht so scharf gestellt, solange ein industrieller Ausbau noch neue Arbeitsmöglichkeiten herbeischafst. Die ungarische Textilindustrie hat sich nach dem Kriege in Raab (Ghör) ein Entwicklungszentrum geschaffen. Die Unternehmer sind meist Juden. DaS Landproletariat der Umgebung strömt gerne in die Fabriken, weil es bei der neuen Ausbeutungsform wenigstens einen Barlohn in der Tasche Heimtragen kann. Ein katholischer Geistlicher sagte zum Genossen Malasics, der der Abgeordnete des Bezirkes Raab ist:„Das muß man den Juden lassen, sie bringen Geld unter die Leute. In unserem Dorf tragen die Mädchen jeden, Monat tausend Pengö heim." Wenn der neue Reiz der Geldwirtschaft dahin ist und die Fabriken wieder stille stehen, wird auch der christlichsoziale Antisemitismus einen besseren Nährboden finden/ «» In der Agrardebatte des ungarischen Parteitages stand ein Kleinbauer auf, der zuvor den ganzen Verhandlungen schweigend beigewohnt hatte. Was er ausführte, klang in Ton und Sprache wie ein Heldenepos, der beim. Hirtenfeuer erzählt wird.' Der Genosse schilderte das Verhältnis zwischen Landbevölkerung und Bürokratie. Er hat für landläufige Begriffe Unerhörtes gewagt und ist mit einer Deputation armer Dorfproleten bis zum Vizegespan vorgcdrungen. Der hohe Herr empfing sie durch einen Türspalt seines Arbeitszimmers. Die Abordnung verlangte unter Hinweis darauf, daß reiche Bauern Saatgut vorgestreckt erhielten, daß der nach einer Mißernte hungernden Dorfarmut entweder Brot kreditiert oder Arbeit gegeben werde. Darauf meinte der Vizegespan:„W ennihrnächstesmaldie roten Agitatoren mit Steinen aus dem Dorfe jagt, dann bekommt ihr Arbeit." Aber unser Kleinbauer als der Sprecher der Abordnung bekannte sich dann— vor dem Vizegespan l— als Sozialist und fragte kühn, ob man einer so edlen Gesinnung wegen zum Hungertod verurteilt werde. Der Vizegespan wurde ungeduldig und gab Zeichen, daß die Audienz beendet sei. Doch die Deputation verlangte immer wieder Brot und Arbeit, Gerechtigkeit auch für die Dorfarmut. Was bei der Borsprache herauskam, erzählte der Redner gar nicht und der Parteitag schien darauf nicht einmal neugierig zu sein. ES ist einfach selbstverständlich, daß arme Teufel bei einem Vizegespan nichts ausrichten. Nur daß sie den Mut hatten, vor ihm als aufrechte Menschen zu stehen und sich zu ihrer Gesinnung zu bekennen, das war das Unerhörte an diesem Bericht. Als mir die Worte dieses Kleinbauern übersetzt wurden, dachte ich daran, wie selbstverständlich bei uns Vorsprachen geworden sind: bei Bezirkshanptleuten und Landespräsidenten und bei Ministern. Es bestehen gewaltige Unterschiede zwilchen einem Feudalstaat und einer demokratischen Republik! * Eine Episode verdient noch ausgezeichnet zu werden, die zu den schönsten Eindrücken von der Landeskonferenz der deutschungarischen Genossen gehörte. Dort wurde eine Botschaft der deutschsprechenden Arbeiter Altofens verlesen, die ein Die Grundsätze der Partei will Gröge» nicht gekannt haben, da sie seinerzeit schon überholt gewesen seien. Ebenso habe er von dem im Sekretariat aufgefundenen Broschüren nichts gewußt. Wicker sei wegen seiner Schulden nach Deutschland geflohen und Vogel, weil er seinen Eltern 1000 XL unterschlagen habe. Der Angeklagte betonte immer wieder von nichts gewußt zu haben, so daß der Vorsitzende meinte:„Ich will Sie nicht beleidigen, aber dann waren Sie ein Strohmann und kein Obmann." Als der Staatsanwalt dann auf die Aehnlichkeit zwischen der reichsdeutschen und der hiesigen nationalsozialistischen Partei hinwies. meinte der Angeklagte:„Es handelt sich vielleicht um eine ideenmäßige Verwandtschaft". Der Staatsanwalt verlangte die Protakollierung dieser Bemerkung. Ueber die anderen Angeklagten befragt, gab Gröger an, daß die meisten eigentlich nur Berater gewesen seien, ohne daß sie eigentlich etwas Wesentliches zu tun gehabt hätten. Der Vorsitzende: „lind wer hat dann eigentlich Politik gemacht bei Ihnen?" Angeklagter:„Nur der Sekretär, ich als Obmann habe ja gar keinen Kontakt mit den Gruppen gehabt." Nus Betragen des Staatsanwaltes gab der Angeklagte eine genaue Darstellung des Programms der Deutschen nationalsozialistischen Partei. Der Staatsanwalt meinte: „Nur über Ihr Programm wissen Sie nichts". Am morgiaen Tage werden die übrigen Angeklagten verhört werden. Der Prozeß dürfte die ganze Woche dauern. eine Kompromißlösung dar. In das Parteipräsidium wurden weiter Abgeordneter Z a j i i e I und der Brüxer Gerichtsrat Dr. Ritter gewählt, sämtlich Pesonen, die bisher keineswegs eine feste politische Orientierung gezeigt haben. Es bleibt daher auch nach diesem Parteitage in höchstem Grade unsicher, ob sich die deutschen Christlichsozialen nochmals zu einer selbständigen Politik aufraffen werden. ' Nach dem vorliegenden Bericht zu schließen, scheinen auch die jüngeren Kräfte der Partei ganz darauf verzichtet zu haben, eine Lanze für den demokratisch-sitzialen Kurs zu brechen, den sie vyr dem Einbruch der nationalistischen Welle in das sudetendeutsche Lager befürworteten. Landbund gegen Bund der deutschen Landjugend Wik haben seinerzeit die Nachricht gebracht, daß der Führer des Bundes der deutschen Landjugend Toni Müller» sowie der ehemalige Spitzenkandidat des Bundes der Landwirte im Budweiser Wahlkreis Dr. Robert H e tz der SdP beigetreten sind. Es scheint nun, daß diese Landjugendführer den Versuch machen, den gesamten Bund der deutschen Landjugend in das Lager der SdP Lderzuführen. Während sie nach außenhin den unpolitffchen Charakter des Bundes betonen, beeinflussen sie in Wirklichkeit ihre Mitglieder im Sinne der SdP. So wird in der letzten Nummer der Zeiffchrift des Bundes der deutschen Landjugend auseinandergesetzt, daß der deutsche Bauer einziges flammendes Solidaritätsbekenntnis mit der vom Fascismus geknechteten Arbeiterschaft war: „... Tausende und Zehntausend« unserer Brüder im Reich sind teils eingekerkert, teils hingemordet worden. Hinter Kerkergittern und dem Stacheldrahtverhau der Konzentrationslager leben Massen deuffcher Arbeiter und warten auf ihre Befreiung. Der Lebensstandard gesenkt, das Recht zum fteien Atmen genommen— hat ein solches Leben einen Wert für Leute, die gewohnt waren, ein fteieS, gesundes, menschenwürdiges Dasein zu führen? Nein und dreimal nein! Die Herren da drüben reden von einer deutschen Volksgemeinschaft.— Wir brauchen keine Volksgemeinschaft mitKrupp, mit Thyssen, mit den politischen Unterdrückern und wirtschaftlichen Ausbeutern des deutschen Volkes. Wir wollen eine Brüdergemeinschaft mit allen Arbeitenden, mit allen Unterdrückten der Welt, vor allem aber mit den ungarisch sprechenden Arbeitern hier im Lande, mit unseren Schicksals» und Kampfgenossen." Diese Boffchaft weiterzugeben, fand ich mich gerne bereit, denn sie ehrt die sozialistischen Vorposten im heutigen Ungarn, die, schwer mit eigenen Sorgen ringend, von der bescheidensten Tribüne aus noch für jene Brüder Zeugnis ablegen, die härteres Los zu tragen haben. Mögen an diesen Worten die Henleinproleten die Größe ihrer Schande ermessen, daß sie, vor den Kerkergittern des Dritten Reiches stehend, die Sache ihrer gemarterten Kampfgenossen aus besseren Tagen schmählich verraten haben. Ein fleiner Gesangverein aus B u d a ö r S stimmte nach dieser Landeskonferenz ein Lied an, daS heute in Oesterreich wie in Deuffchland höchstens hinter Kerkergittern gesungen werden kann: Auf Sozialisten, schließt die Reihen... Der Erde Glück... Der Sonne Pracht... Dem ganzen Volke sei's gegeben... Es wär ein schönes Erlebnis. in der Tschechoslowakischen Republik keine eigene Partei braucht. Die henleinfreundliche Leitung des Bundes geht auch direkt gegen jene Funktionäre des Bundes, die dem Landbund treu geblieben sind, vor. So wurde dieser Tage der wcst- böhmische. Kreisjugendführer Springer, der der Ortsgruppe Hradzen des Bundes der Landjugend angehört, von der Reichsleitung des Bundes ausgeschlossen. Springer hat allerdings diesen Ausschluß nicht zur Kenntnis genommen und man kann nun abwarten, wie diese Angelegenheit erle digt werden wird. Roter Aufmarsch In Nies Kreistreffen der Republikanischen Wehr Auch in Südwestböhmen treten die sozialdemokratischen Altivkaders zu neuer Offensive an. Am Samstag und Sonntag fand in der alten Bergstadt Mies ein Kreistreffen der Republikanischen Wehr statt. Ihre Organisation ist in diesem industriearmen Gebiet erst im Ausbau begriffen und doch waren gegen 200 uniformierte Wehrmänner beisammen, darunter eine Abteilung von Prager Genossen. Samstag abend fand im großen Adlersaal eine Ordnerversammlung statt, in der die Genossen Jaksch und Schön- f e l d e r-Prag mit kurzen Ansprachen die Aufgaben dieses wichtigen Zweiges der Arbeiterbewegung behandelten. Sonntag vormittags wurde nach einem äußerst eindrucksvollen Aufmarsch eine gemeinsame Kundgebung der Republikanischen Wehr mit den Partei- und Kleinbauerngenossen des Bezirkes auf dem Marktplatz abgehalten, an der sich gegen 1000 Personen beteiligten. Tie Kampfansage unserer Redner gegen den Henlein« fascismus wurde mit großem Beifall ausgenommen. Nachmittag wurden noch die abschließenden sportlichen Wettkämpfe ausgetragen. Die ganze Veranstaltung war von bestem Kampfgeist getragen. Um die Verpflegung der auswärtigen Gäste haben sich die sozialdemokratischen Frauen von Mies bescnderS verdient gemacht. Flaues Jugendfürsorge-Gesetz vom Fiirsorgemlnlster angekündlgt Prag. Am Sonntag fand im Prager Rathaus ein Kongreß der Funktionäre der tschechischen Bezirks-Jugendfürsorgestellen statt, der von der Landeszentrale der Jugendfürsorge veranstaltet wurde. Bei der Tagung hielt u. a. auch Fürsorgeminister Genosse Jng. N e L a S eine Rede, wobei er erklärte, daß wir in der gegenwärtigen schweren Zeit die Fürsorge für die Jugend unter die ernstesten Aufgaben der sozialen Verwaltung deS Staates einreihen müssen. Wir müssen sie unseren beiden größten'Sorgen, dev Arbeitslosenfürsorge und der Arbeitsbeschaffung, an die Seite stellen. Im weiteren wies der Minister darauf hin, daß die bisherige rechtliche Grundlage der Jugendfürsorge unzureichend und deshalb ein neues Jugendfürsorge-Gesetz notwendig sei, das die gesamte bisherige öffentliche und freiwillige Tätigkeit im ganzen Staate vereinheitlichen und regeln würde. Und wieder: österreichische Schandjustiz Wien. Das Schwurgericht in Wiener-Neustadt verurteilte im Juli dieses Jahres eine Gruppe von revolutionären Sozialisten wegen illegaler Tätigkeit und Teilnahme an Beratungen der sozialdemokratischen Brünner Emigration. Die Angeklagten legten beim Obersten Gericht Berufung ein. Das Gericht hat die Beschwerde abgelehnt und di« Strafen der Verurteilten durchwegs auf das Doppelte erhöht. So erhielten der erste Angeklagte T s ch ü r z t fünf statt dreieinhalb Jahre, seine zwei Mitschuldigen Muhr und Steck! vier statt zwei Jahre schweren Kerkers usw. Ein Ueberläufer Der ehemalige Wiener Stadtrat Julius Linder, der in den Zeiten des sozialdemokratisches Regimes auf dem Wiener Rathaus ein« bedeutende Rolle spielte, ist in den Regierung»- Gewerbebund eingetreten und erklärte, daß er sich vom Marxismus lossage und das heutige System vofl anerkenne. Helmwehr wird„Landwehr* Wien.(Tsch. P.-B.) Die Reorganisation der österreichischen Militärformationen, die bereits seit einigen Monaten durchgeführt wird, ist in dem Maße fortgeschritten, daß bereits um den 15. Oktober dieses Jahres an eine Umgestaltung ihrer Spihenorganisation, des sogenannten„Schutzbundes", in die Landwehr erfolgen wird. Via Wiener Nazi rühren sich wieder Wien. In der Nacht auf Montag verstreuten Nationalsozialisten in den Straßen des 8. Bezirks tausende von Hakenkreuzen und bemalten zahlreiche Häuser mit nationalsozialistischen Abzeichen und verschiedenen Aufschriften. Die Polizei führte bei vielen bekannten Nationalsozialisten Haussuchungen durch, beschlagnahmte viel gedrucktes Propagandamaterial und verhaftete eine Reche von Personen. Seite f DienStag, 1. Oki-Ver 1935 Nr. 228 Tschechische Gewerkschaftskongresse Eine Rede Hampls auf dem Metallarbeiterkongreß An den beiden Feiertagen fanden in Prag mehrere tschechische Gewerkschaftskongresse statt. Ter bedeutendste war der Kongreß der M e t a klar b e i t e r, der größten Gewerkschaftsorganisa- tiojl der Republik, die 71.000 Mitglieder zählt. Ein besonderes Interesse beanspruchte dieser Kongreß dadurch, daß der Vorsitzende des Verbandes und zugleich Vorsitzende der tschechischen Sozialdemokratie Genosse H a m p l dort eine Rede hielt. Hampl führte aus, daß die liberale Gesellschaftsordnung ihrem Ende entgegengehe und daß die Epoche der Planwirtschaft begonnen habe. Planwirtschaft bedeutet Regulierung der Erzeugung und die Verteilung in Form von festen Löhnen und Preisen innerhalb einer syndikatmäßigen Wirtschaft. Redner warnt mit aller Entschiedenheit vor einer einseitigen Landwirtschaftspolitik, welche die Bedürfnisse des industriellen Sektors der Volkswirtschaft nicht beachtet. Die Ausfuhr von Jndustrieartitel spielt eine bedeutende Rolle und die Autarkietendenzen sind schädlich. Zum Schlüsse sprach sich der Redner für die Schaffung einer einheitlichen Metallavbeiterorganisation in der Tschechoslowakischen Republik aus. Andere Referate hielten auf dem Kongreß die Genossen Kable c, Bälina und Benes. Gleichzeitig tagte der Kongreß der Steinarbeiter, in, welchem aus den natürlichen Reichtum der Tschechoflowakei an Natursteinen hingewiefen wurde, der den Ausbau der Straßen ermöglicht. Weiters sprach man sich gegen die überstürzte Rationalisierung aus, die ein Unglück für die Arbeiterschaft sei. Ferner tagten die Arbeiter derSpirituS- industrie. Auf dem Kongreß wurde darüber Klage geführt, daß in der Spiritusindustrie lauter agrarische Protektionskinder eingestellt werden. Auch die Verkürzung der Arbeitszeft auf 40 Stunden wurde gefordert. Schließlich tagten auch die gewerkschaftlich organisierten F r a u e n, die sich insbesondere dagegen aussprachen, daß die Unternehmer besser bezahlte Männer durch schlechter bezahlte Frauen ersetzen. Es müsse der Grundsatz gelten: für gleiche Arbeit gleicher Lohn. Das Reckt der Frau auf Arbeit dürfe nicht eingeschräilkt werden. Linen neuen Anschlag auf die Selbstverwaltung plant, wie„Prävo Lidu" an leitender Stelle berichtet. das Ministerium des Innern, in welchem gerade eine Vorlage auf Schaffung von Regierungssekretären ausgearbeitet wird. Diesen Regierungssekretären soll die Aussicht über Gemeinden eines bestimmen Gebietes übertragen werden, wobei ihnen vor allem die Agenda im übertragenen Wirkungskreise zufallen würde. Im Kriegsfälle kann der Landespräsidcnt bestimmen, daß die Kompetenz der Gemeinde zum Teil! oder zur Gänze an den Regierungssekretär über-| geht. Die Ernennung des Regierungssekretärs würde durch den Landespräsidenten erfolgen, unmittelbar unterstellt würde der neue Funktionär I dem Bezirkshauptmann werden. Nach der Vorlage kann der Sekretär den Verhandlungen der Gemeindevertretungen beiwohnen, er hat das Einspruchsrecht und kann die Entscheidung der vorgesetzten Behörde anrufen. * Wenn diese Meldung des„Prävo Lidu" den Tatsachen entspricht, dann kann von einer Autonomie der unteren Vertvaltungskürper nicht mehr gesprochen werden. In den letzten Jahren wurden die Rechte der Selbstverwaltung arg beschnitten. Wie der Referent des Verbandes deutscher Selbstverwaltungskörper am 10. Feber d. I. in der außerordentlichen Hauptversammlung in Prag mitteilte, sind allein seit dem 1. Jänner 1933 bis Ende Dezember 1934 21 Gesetze und Regierungsverordnungen erschienen, durch welche den Gemeinden die Mitwirkung bei Ausführung der gesetzlichen Bestimmungen auferlegt wurde. Kein'Gesetz und keine Regierungsverordnung kommt mehr heraus, ohne den Gemeinden neue Aufgaben vorzuschreiben. Aber immerhin waren dies« Aufgaben, die man den Gemeinden übertrug nur von den Organen der Gemeinden anzuordnen und durchzuführen und die Aufsicht war nicht unmittelbar, sondern wurde von einer zweiten Instanz, die keine Exekutivgewalt besaß, ausgeübt. Nun aber soll das offenbar auf Grund der jahrelangen systematischen Hetze der deutschen und tschechischen Agrarier gegen die Gemeindewirtschaft, vor allem im deutschen Gebiete, anders werden. Man seht neben den Bürgermeister einen bevollmächtigten Vertreter der Staatsbehörden, dessen Wille unumstößlich ist, der jeden Beschluß und jede Maß- nahme der Gemeinden sofort außer Wirksamkeit sehen kann. Wie es dann um unsere Schulen, di» soziale Fürsorge, die Verhältnisse in den Ge- mcindcbetrieben aussehcn würde, braucht man nicht erst zu sagen. Es tut sich durch diese Vorlage eineneue unermeßliche Gefahr für die Gemeinden auf, der von allem Anbeginn mit aller Energie entgegengetreten werden mutz. Und das wird zweifellos geschehen. Die Diktatur in den Gemeinden mützts zum völligen Stillstand des Fortschrittes und des sozialen Wohlstandes in den Gemeinden führen. Heller Rudi- der„Lepej" Westböhmens Die vergebliche Suche nach dem Gendarmenmörder Bis ins lleinste westböhmische Dorf hinein ist er das Tagesgespräch— der„H e l l e r R u d l". Die ganze Gendarmerie ist aufgeboten, ihn zu suchen, aber unter den abenteuerlichsten Umständen entschlüpft er immer wieder feigen Verfolgern, zu immer neuen tollen Räuberstückchen, die die ganze Bevölkerung in Atem halten. Seinen„Ruhm" erivarb er sich, als er am 12, August den Auscholvitzer Gemeindewachmann S t ö h r ermordete. Mit diesem Tag begann die tolle und bisher ergebnislose Jagd nach Rudolf Heller. Dutzendmal schon glaubte die Gendarmerie seine Verhaftung könne nur mehr eine Sache von Stunden sein. Wie sollte sich auch 1 ein Mann, der bei seiner Verfolgung fast seine ganze Habe verloren hatte, der oh.ne Nahrungsmittel, ohneWaffen und schließlich— er war beim Bade in einem Flutz überrascht worden— auch noch seine K l e i- der eingebützt hatte, gegen ein kleines Heer von wohlausgerüsteten Gendarmen halten können. Aber man hatte nicht mit Hellers tollkühner Entschlossenheit gerechnet. Vor wenigen Tagen erst brach er inTrpi st bei einem Landwirt ein, der mit seiner Familie auf dem Felde arbeitete. Halbnackt, ohne. Waffe, ohne Werkzeug, ohne Lebensmittel betrat er das Haus; von Kopf bis Fuß bekleidet, ausgerüstet mit einer Jagdflinte, mit Munition, Werk- Siegfried Köhler gestorben Ueberraschend ist am Samstag früh einer der bekanntesten unserer Prager Genossen, Siegfried Köhl e«, gestorben. Mit ihm ist einer von der alten Garde, einer der seit frühester Jugend für den Sozialismus und die Arbeiterbewegung gelebt hat, dem die Bewegung Lebensinhalt gewesen ist, dahingegangen. Siegfried Köhler war am 4. Juli 1880 in Prag geboren und wurde- nach Verlassen der Bürgerschule Handelsangestellter. Bald kam er nach Wien, wo er sich mit offenen Armen in den Strom der Arbeiterbewegung warf. Wenn er von jener Zeit erzählte— und er erzählte gerne— gedachte er mit besonderer Liebe des Gumpen- dorfer Arbeiteibildungsvereines in Wien VI, der dem wissensöurstigen Jüngling einige Jahre hindurch eine zweite Heimat ward und typ er alle die Führer der Wiener Sozialdemokratie ü. a. Victor Adler und Franz Schuhmeier hörte. Dort erwarb sich Köhler ein solides sozialistisches Wissen, mit dem sich seine gefühlsmäßige Hingabe an das Ideal der kämpfenden Arbeiterklasse verband. In Wien fand er auch Eingang in die gewerkschaftliche Bewegung der Angestellten, mit denen er all die Kämpfe um die Sonntagsruhe und den früheren Ladenschluß durchmachte. Mit Karl Pick, Bergmann, Eermak, und Taub, die sich in diesen Kämpfen ihre ersten Verdienste erwarben, verband ihn Freundschaft und Kameradschaft. Später kam er nach Prag, wo er in den Jahren vor dem Weltkriege zu der kleinen, aber tapferen Gemeinschaft gehörte, die sich innerhalb des großbürgerlichen, liberalen Deutschtums, das da im Schatten des Kasinos gedieh, zum. Sozialismus und zur verfemten Partei der Sozialdemokratie bekannte. Im Kriege mußte unser Köhler einrücken, wurde in Albanien gefangen und trat dann in die französische Orientarmce ein, wo er es zum Sergeanten brachte. Er kam mit dieser Armee bis nach Palästina und war dabei, als Jerusalem in die Hände der Entente fiel. Nach Beendigung des Krieges kehrte er nach Prag zurück, wo er insbesondere im Angestelltenverband sowie in der Bczirksorganisation durch viele Jahre— bis zum Beginn feiner Krankheit — Funktionär war. Als Obmann-Stellvertreter der Prager Ortsgruppe der Angestellten hat er sich durch seine fleißige Arbeit ebenso, wie durch seine gewerkschaftlichen Kenntnisse Verdienste erworben, die nicht so leicht in Vergessenheit geraten werden. Er gehörte sicherlich zu den besten Gcwerbegerichtsbeisitzern, welche die Angestelltenbewegung hatte und er hat mit seiner scharfen Logik hunderten von Angestellten zu ihrem Recht verholfen. In der Bezirksvertretung unserer Partei wurde Köhler als einer der aufopferungsvollsten Genossen geschätzt, der der Partei in der Tat Tag und Nacht zur Verfügung stand und als Beispiel treuester Pflichterfüllung hiogestellt werden konnte. Er stand im Kampfe immer in den vordersten Reihen— dort, wo es am gefährlichsten war. Der Streik der Bankbeamten trug ihm fei- nerzeit eine Gefängnisstrafe ein, die er tapfer abbütztc, er war— mit Recht— stolz darauf, für die Bewegung auch ein paar"Monate abzusitzen. Seit einigen Jahren schon kränkelte Köhler, trotzdem ging er seinem Beruf als Inseratenvertreter unserer Parteiblätter eifrig nach und unternahm beständig geschäftliche Reisen. Vor einigen Tagen wurde er bettlägrig, mußte nach „Sanopz" geschafft werden, wo das kranke Herz Samstag, den 28. September, um halb fünf Uhr früh zu schlagen aufhörte. Mit Siegfried Köhler, dessen Leib wir am Mittwoch, den 2. Lltobcr, um 10 Uhr Vorzeug und reichlichen Lebensmitteln verließ er es. Man wird Wohl in allernächster Zeit davon hören, daß er nun seine gewohnte„Arbeitsweise" wieder ausgenommen hat, die darin besteht, daß er auf einsamem Feld und auf Waldwegen Fuhrwerke und Fußgänger mit v o r- gehalten erWaffe anhält und bis auf den letzten Knopf ausraubt. Der besondere Trick des„Heller Rudl" besteht aber in seiner a ben- teuerichenSchlafmethode, die seine Verfolgung fast aussichtslos macht. Er schläft nämlich nicht wie gewöhnliche Menschen ausgestreckt auf irgend einem Lager, sondern meist tagsüber auf dem höchsten Wipfel eines Baumes, den er morgens bei Sonnenaufgang erflettert. Voiy Erdboden aus unsichtbar, wohlgeschützt vom Zweigwerk bindet er sich dort mit einem Strick an und schläft in dieser Stellung bis zum Abend. Dann erst verläßt er sein„Bett" und begibt sich auf sesne Raubzüge. Kein Mensch weiß, wo er in den nächsten Stunden auftauchcn wird. Zum letztenmal wurde er vorige Woche mit dem bei dem Einbruch erbeuteten Jagdgewehr über der Schulter am Hellen Tage in Mies gesehen, aber von den Einwohnern nicht erkannt. Als man erfuhr, daß es dxr westböhmische„Lepej" war, der eben durch die Stadt gegangen war, war er längst über alle Berge. mittags im neuen Krematorium in Prag-Stras- nice den Flammen übergeben werden, ist ein sozialistischer Idealist dahingegangen, der den Jungen als Beispiel stahlharter Gesinnung und leidenschaftlicher Begeisterung für unsere große Sache dienen kann und dca wir, die mit ihm gearbeitet und gekämpft haben, nie vergessen werden. Macht Schluß mit dem Kettenbriefschwindel.' In letzter Zeit nimmt wieder eine Unsitte überhand, die dazu dient, leichtgläubigen Leuten das sauer erworbene Geld aus der Tasche zu ziehen. Es kursieren in der Umgebung von Reichenberg, in ganz Westböhmen und Prag Kettenbriefe, in denen der Empfänger aufgefordert wird, den Brief abzusckxeiben und mit einem bestimmten Betrag weiterzugeben, worauf ihm in Aussicht gestellt wird, eine Summe von 10.000 bis 80.000 Eö zu gewinnen« Dieser plumpe Schwindel, auf den schon viele hereingeflogen sind, nützt die Not der Armen aus, denn es sind zum größten Teil Arbeiter und Arbeitslose, die in Mitleidenschaft gezogen werden. Es wäre Aufgabe der Polizei und der Behörden, dagegen einzuschreiten, um die Menschen vor Schaden zu bewahren. Tatsache ist, daß schon Hunderte Menschen ihr Geld dabei verloren haben, dagegen noch niemand etwas gewonnen hat. Die verbrecherischen Hintermäimer dieses frevelhaften Spiels allein sind die Gewinner dabei und alle anständigen Menschen sollten mithelfcn, ihnen das Handwerk zu legen.. Siebe« Tote bei de« deutsche« Luftmanöver« über Warnemünde, Berlin.(Tsch. P. B.) Die deutsche Luftwaffe ist in den letzten Tagen von mehreren Unglücksfällen betroffen worden. Vor einigen Tagen gab es nämlich große Luftmanöver oberhalb des Ostseehafens von Warnemünde, das bei Tag und Nacht von mehreren Bombenflugzeugen angegriffen und von Jagdflugzeugen verteidigt wurde. Die Schilderungen der Blätter über die Manöver waren sehr dramatisch, berichteten aber nichts über Unfälle. Wie jetzt bekannt wird, hat eine Jagdmaschine einer Staffel, welche Leutnant von Blomberg, ei» Sohn des Reichskriegsministers, befehligte, einen schweren Bomber von«ntrn her torpediert.' Das Schwanzstück des Bombers wurde abgerissen und der Benzintank sing Feuer, so daß der ganze Apparat brennend zur Erde stürzte. Der Pilot und die drei Mann der Besatzung kamen dabei«ms Leben. Auch das Jagdflugzeug stürzte ab und dessen Pilot, Oberleutnant Wehrmann, kam ebenfalls«ms Leben. In beiden Fällen konnten die Fallschirme nicht benützt werden, weil die Flugzeuge in zu geringer Höhe von dem Unfall betroffen wurden. Während des gleichen Luftfahrtmanövers ereignete sich noch ein Zusammenstoß zwischen Jagdflugzeugen, von denen das eine vom Oberleutnant von Wöllwarth geführt würbe. Beide Flugzeuge stürzten ab und die beiden Niloten kamen dabei ums Leben. Frauenmord im D-Zug Wien. Im D-Züg B u k a r e st—P ariS wurde während der Fahrt durch österreichisches Gebiet die 50jährige Direktrice der Kunstschule in Bukarest, Marie Marcasanu, ermordet. Der mutmaßliche Mörder der getöteten Rumänin ist ein rumänischer Student. Er reiste mit einer Studenten-Legitimation, deren Nummer beim Grenzübertritt vom österreichischen Schaffner notiert wurde. Man nimmt an, daß er den Zug bereits in Innsbruck verließ. Millionen-Schmuggcl italienischer Deserteure Mailand. IN dem Grenzort Ventimiglia sind die Gattinnen der bekannten italienischen Fußballspieler S c o p e l l i und G u a t t i wegen Devisenschmuggels festgenommen worden. Sir wollten 2,800.000 Lire heimlich ins Ausland bringen. Sie reisten ihren Gatten nach, die bereits nach Frankreich gefluchtet sind, um sich der Militärpflicht in Italien zu entziehen. Getarnte Bücher. Wie man hört, schnellen seit geraumer Zeit in gewissen sudetendeutschen Buchhandlungen die K a r l M a y- Bestände kolossal an. Als bloße Tatsache wäre das nicht weiter verwunderlich/ denn Karl May ist bekanntlich— und gleichfalls durchaus nicht verwunderlich— Herrn Hitlers Lieblingsautor. Nun aber meldet ein Blatt, daß es sich gar nicht um May handelt, sondern um May-Buch u m- schlage, unter denen sich dann Hitler„M ein Kampf" oder irgendein politisches Paniphlct sudetennazistischer Art befindet. Es wäre sehr wichtig, zu erfahren, ob diese Meldung wahr ist. Wahrs ch c i n l i ch ist sie. Wir haben schon darauf aufmerksam gemacht, wie seltsam sich die Auslagen gewisser Buchhandlungen im sudetendeutschen Gebiet ausnehmen und daß etliche von ihnen sich fast in nichts von denen im Drstten Reich unterscheiden. Es wäre also durchaus denk- bar, daß irgendwo durch Tarnung unterstützt würde, was. ungetarnt beim„besten" Willen nicht zu machen ist. Dennoch möchten wir erst eine behördliche Aeußerung zu dieser Nachricht hören. Dr. Benes' mißglückte Hundeliebe. In einigen Blättern erschien gestern die Nachricht, daß Außenminister Dr. Benes am Sonntag nach seiner Rückkehr aus Genf in Sezimova Üsti von einem Haushunde gebissen wurde. Nach dem Bericht des Tsch. P. B. verhält sich die Angelegenheit folgendermaßen: Der Minister wollte zwei spielende Hunde streicheln und wurde dabei von deren einem an der linken Hand gekratzt. Die Verletzung wurde im Krankcnhause von Tabor behandelt und dabei festgestellt, daß sie geringfügig ist. Es wurden alle Vorkehrungen getroffen, die bei derartigen Verletzungen notwendig sind. Ab Dienstag, den 1. Oktober, wird der Minister wieder seine regelmäßige Amtstätigkeit in Prag aufnehmen. Chauvinistische Lehrer. In Nosty bei Ja- blUnkaü würden ein polnischer Lehrer und tnec polnische Arbeiter unter dem Verdachte verhaftet, am Einschlagen von Fensterscheiben in tschechischen Schulen imTeschener Gebiet beteiligt gewesen zu sein. Sie wurden in die Haft des Kreisgerichtes in Mähr.-Ostrau eingeliefert. Die Zunft der Langfinger hatte während des Weinfestes in M e l rt i I, das Samstag sund Sonntag abgehalten wurde, ihre großen Tage. Das wunderbare Wetter brachte zehntausende Menschen in die Weinstadt, die sich das eigenartig« Fest ansehen wollten. Aber leider mußten sehr viele von ihnen statt der freudigen, mit traurigen Erinnerungen von dem Feste, heimziehen. Eine Schar von Taschendieben machte sich die seltene Gelegenheit in dem lebensgefährlichen Gedränge, das am Bahnhof und auf dem Marktplatz zu verzeichnen war, zunutze und zog den Besuchern die Geldbörsen aus Kleider- und Handtaschen. Schon Samstag nachmittag wurde der Polizei eine ganze Anzahl von Diebstählen gemeldet und obzwar der Lautsprecher auf dem Marktplatz immer und immer wieder auf die Taschendiebe aufmerksam machte und obwohl Sonntag sogar Aufschriften, die vor den Taschendiebstählen warnten, an einigen Stellen angebracht wurden, setzten die Burschen ihr einträgliches Handwerk fort. Hans Baluschek, einer der bekanntesten deut« scken Maler, ist im Alter von 65 Jahren gestorben. Das Wiener Raimund-Theater wurde am Montag wegen finanzieller Schwierigkeiten geschlossen. Der Transozeandampfer„Normandie" hat, wie verlautet, um volle sechs Stunden seinen vis- herigen Rekord in der Ueberquerung des Atlantischen Ozeans überboten. Vom Rundfunk tapftMeniwertei aus«le« Programmen« Mittwoch Prag, Sender L.: 10.05: Deutsche Presse, 12.10: Schallplatte«. 13.30: Arbeitsmarkt. 13.40: Deutscher Arbeitsmarkt. 16.55: Theater für die Jugend. 17.40: Schallplatte«: Volkslieder. 18.45: Deutsche Sendung: Dr. Moucha: Neue Bücher. 18.20:. Arbeitersendung: Karl Schmidt, Bergarbeitersekretär: Di« Gewerkschaften als Kulturfaktore n. 18.40: Sozialinformationen. 18.45: Deutsche Presse« 20.45: Gesangskonzert. 21.20: Orchesterkonzert.— Sender S.: 7.80: Orchesterkonzert. 14.15: Deutsche Sendung: Kinderstunde. 14.50: Deutsche Presse« 18.45: Solo für Violoncello. 19.10: Harmonika- auartett.— Brünnr 13.30: Arbeitsmarkt und Sozialinformationen. 13.40; Leichte Musst. 17.40: Deutsche Sendung: Im Wartesaal erster Klasse, für den Rundfunk. 20.30: Liebe in Liedern.— Mährisch Ostrau: 15; Orchesterkonzert.— Preß bürg: 19.25: Operettenabend.— Ka* schau: 16.10: Orchesterkonzert. Nr. 228 DienStag, 1. Oktober 1935 Seite 5 Fleisch- und Fettnot in Berlin Berlin.(Tsch. P.-D.) Die Verknappung von Butter und Schweinefleisch nimmt zu. Dieser Tage gab es in vielen Geschäften Berlins weder Butter noch Schmalz oder es erhielten die Käufer bloß rationierte Mengen. Das hat die bekannten Erscheinungen von Hamsterkäu^ f e n zur Folge gehabt und auch das chlan- genstehen konnte man schon vor manchen Berliner Lebensmittelhandlungen beobachten. Mit Rücksicht auf erhobene Klagen unternahm der Berliner Polizeipräsident Graf Helldorf unerwartet eine Rundreise mit mehreren Beamten und mußte in einigen Fleischerläden auch feststellen, daß gewisse Vorräte an Schweinefleisch aus gewinnsüchtigen Gründen zurückgehalten worden waren. Der Polizeipräsident ließ diese Mengen sofort verkaufen und ermahnte die betreffenden Fleischermeister. Der Reichs- und preußische Minister für Ernährung und Landwirtschaft hat Montag die beiden Direkwren der Reichsstelle für Tiere und tierische Erzeugnisse(Fleischversorgung) Holz- mann und Hasselbach mit sofortiger Wirkung ihrerAemter enthoben. Totschlag auf der Promenade in Davos. Am Sonntag abends wurde auf der Promenade in Davos der 46jährige Erich Heiken aus Wuppertal von dem 3 7jährigen Walter B ö t h k e aus Hannover durch sechs Dolchstiche getötet. Böthke, der seit kurzer Zeit in einem Davoser Sanatorium als Volontärarzt tätig ist, gibt an, früher in der Pension des Helken gewohnt zu haben. Er behauptet, der Getötete sei unberechtigter Weise auf ihn eifersüchtig gewesen und habe sich auf ihn gestürzt, als er ihm am Sonntag auf der Straße begegnete. Er, Böthke, habe sich in Notwehr befunden, als er den Angriff Hellens mit dem Stilett abwehrte. Er habe das Stilett schon seit einiger Zeit mit sich geführt, da er sich bedroht gefühlt habe. Der Täter stellte sich sofort der Polizei. Ein Zusammenstoß zweier Seine-Dampfer in Paris, am Sonntag Abend hat außer dem Verlust eines der schon ziemlich alten Schiffe keine schlimmen Folgen gehabt. An Bord des rammenden Dampfer befanden sich etwa 100 Fahrgäste, an Bord des untergegangenen Dampfers außer den drei Mann Besatzung nui^acht Fahrgäste, die rechtzeitig von dem anderen Schiff ausgenommen werden konnten. Zwei Frauen wurden leicht verletzt, konnten aber nach Anlegen von Verbänden in ihre Wohnungen zurückkehren. Das Wrack des gesunkenen Schiffes liegt quer in der Seine und ragt mit dem Sonnensegel heraus. Polarforscher. Nach Archangelsk ist jetzt die Expedition zurückgekehrt, die im hohen Norden an Bord des Eisbrechers„Sadko" Forschungen unternommen hat. Die Expedition legte in 85 Tagen über 12.000 Kilometer zurück, davon die Hälfte nördlich vom 80. Breitegvade. Ihre Forschungen erstreckten sich im Polargebiet von 8 Grad westlicher Länge bis 90 Grad östlicher Länge. Die sowjetrussischen Forscher sammelten in diesen Polargegenden zahlreiche, für die Schiffahrt bedeutungsvolle Erkenntnisse. Die Expedition entdeckte vier neue Inseln. An ihrer Spitze stand der hervorragende sowjetrussische Polarforscher Prof. Uschakow. Der Eisbrecher„Sadko" erreichte eine Breite von 82 Grad, 41 Minuten, 6 Sekunden, was einen Weltrekord für die Schifffahrt in den hohen Polarbreiten bedeutet. Die Bevölkerung der Stadt Archangelsk bereitete der zu- rückkehrenhen Expedition ein« begeisterte Begrüßung. Eine Windhose suchte den ganzen östlichen Teil der Insel Kuba heim. Die Telegraphenverbindung mit den Provinzen Ovente, Cama- guey und Santa Clara ist unterbrochen. Die ersten Meldungen über den Umfang berichteten von mindestens 3 2 Toten und 300 Verletzten. In Cienfuegos soll eintausend Häuser z e r st ö r t sein. Der Hafenort C a s i l d a wurde durch Sturmfluten vernichtet. Ueber der Hauptstadt Havanna gingen bloß starke Regengüsse nieder. Ein Pflaster für die Jeritza. Direktor Dr. Felix Weingartner hat am Montag der Kammersängerin Maria Jeritza das ihr bereits im Herbste des Vorjahres verliehene Ritterkreuz 1. Klaffe des österreichischen Verdienstorden- in Anwesenheit der Vertretung des Solopersonals und sämtlicher Vorstände des Institutes überreicht. Unbeständiges Wetter. Nach zwei ruhigen heiteren Tagen nimmt die Witterung nunmehr unbeständigen Charakter an. Ueber dem nördlichen Atlantischen Ozean veranlaßt eine tiefe Depression Sturmwetter. Die ersten Ausläufer dieser Störung find in der Nacht auf Montag auch nach Mitteleuropa borgedrungen. In den böhmischen Ländern war es am Montag veränderlich und etwas kühler als tagSzuvor; strichweise treten leichte Schauer auf, namentlich in der Umgebung des böhmisch-mährischen Hügellandes. Das Karpathengebiet des Staates, wo die Temperatur noch steigt, wird voraussichtlich noch unter der Einwirkung eines Hochdruckgebietes bleiben, das gegen das' Schwarze Meer abzieht. Im Westteil der Republik dürste sich jedoch der Einfluß der atlantischen Störungen noch steigern. Hier ist für die nächsten Tage sehr unbeständiges Wetter mit häufigen Temperatur-Aenderungen zu erwarten.— Wahrscheinliches Wetter von heute: Böhmische Länder: unbeständig, veränderliche Bewölkung, zeitweise Schauer, aufstischender Wind au» südwestlichen Richtungen. Im Osten der Republik wechselnd bewölfi, strichlveise ziemlich heiter, weiter« Erwärmung. Trager Leitung Trau, scha«, wem. Dr. B. E„ der gegen- wärfig den militärischen Präsenzdienst versieht, lernte im Feber vorigen Jahres«ine gewiffe Marie Klapka, 21 Jahre alt, aus Bubentsch kennen, mit der er eine ernste Bekanntschaft schloß, deren Ernsthaftigkeit durch Geldgeschenke von seiner Seite unterstrichen wurde. Er setzte ihr eine monatliche Rente von Kd 1500.— aus, und borgte ihr seine Legitimafion und Safeschlüffel, damit sie den Betrag auch gleich selbst beheben könne. Die Klapka machte von dem ihr geschenkten Vertrauen ausgiebigen Gebrauch und behob aus sämtlichen Einlage- biichern des Dr. E. Beträge von insgesamt KZ 127.000.—. Für dieses Geld stattete sie sich völlig aus und kaufte sich schließlich auch ein. Automobil. Als Dr. E. die Strafanzeige erstattete, wurde ein großer Teil der eingekauften Gegenstände bei der Klapka beschlagnahmt und ihm überwiesen: ebenso die letzten KL 30.000.— die sich noch bar im Safe befanden. Die Selbstmordchronik. Gestern"dormittags wurde in seiner Wohnung in Prag XU., der Hausmeister des Hauses Nr. 36 in der Moravskä, der 37jährige arbeitslose Handlungsgehilfe Jan Cer- n h, erhängt aufgefunden. Nach Aussage seiner Gattin hat er sich, seiner materiellen Notlage wegen, schon längere Zeit mit Selbstmordabsichten getragen. — Die 60jährige Lehrerin der Handelsschule Ma- dkra. Adele R o s i e k h, wurde gestern um 10 Uhr vormittags in ihrer Wohnung in Prag-Weinberge von ihrer Schwester bewußtlos im Bett gefunden. Sie wurde auf die Klinik Ronnenbruch überführt. In einem hinterlassenen Brief gibt-sie an, in selbstmörderischer Absicht eine größere Menge Schlafpulver zu sich genommen zu haben.— Gestern vormittags um 11 Uhr hörten die Bewohner des Hauses Nr. 1332 in Lieben Hilferufe aus dem dritten Stock und fanden beim Nachsehen die 46jährige Musiklehrerin Elisabeth Fischer bewußtlos in ihrer Wohnung am Boden liegen. Die Gashähne waren geöffnet und die ganze Wohnung mit Leuchtgas angefüllt. Frl. Fischer wurde von der Rettungsstation ins Krankenhaus auf der Bulovka gebracht; oh es sich um einen Selbstmordversuch oder einen Unglücksfall handelt, konnte, da sie aus ihrer Ohnmacht noch nicht erwacht ist, nicht festgestellt weiden. Toter im Kino. Gestern um 1 Uhr mittags fand ein Angestellter einen unbekannten Toten im Bio Kapitol in der Lützowgaffe. Durch Einvernahme der Angestellten des Kinos wurde festgestellt, daß es sich um einen Reklameträger des Kinos, den 50jährigen ehemaligen Schuster Josef S r p handelt, der sich nach der Vorstellung im Kino versteckt hatte, um dort übernachten zu können. Während der Nacht dürfte er von einem Unwohlsein befallen worden sein, das ihn zwang, von seinem Lager aufzustehen; am Wege zur Tür stürzte er jedoch zusammen. Die Leiche wurde ins Institut für gerichtliche Medizin gebracht. Schlechter Mundgeruch ist ein« unangenehme Sache. Man beseifigt ihn leicht durch regelmäßigen Gebrauch der herrlich erfrischenden Pfefferminz- Zahnpaste Chlorodont. Tube KL 4.—. Vierte Schwurgerichtsperiode L1r»e Session dramatischer Mordprozeffe Prag. Montag wurde die vierte Schwurgerichtsperiode des hiesigen Kreisgerichtes eröffnet, die etwa drei Wochen dauern wird. Im Gegensatz zu den drei vorhergegangenen Sessionen ist diese reich an inter- effanten und dramatischen.Fällen. Das Verhandlungsprogramm enthält nebst drei schweren Sitt- lichkeitsverb-rrchen Mei Anlagen wegen Totschlages, je eine Anklage wegen Mißbrauches der Amtsgewalt, wegen Geldfälschung und wegen Raubes, Während aber die Prozesse wegen Raubes, die sonst einen breiten Raum in dem Verhandlungsprogramm einzunehmen pflegen, in dieser Session in den Hintergrund treten, sind nicht weniger als fünf Mordprozesse zu erwarten. Gleich am zweiten Tag hat sich Vladimir Cernohorsktz wegen vollbrachten und versuchten Mordes an seiner Frau und seinem Töchterchen zu verantworten. Es handelt sich um eine Ehetragödie, die ihre Wurzel in der Armut der Frau hatte, welche deshalb ihren Schwiegereltern ein Dorn im Auge war. Die ehelichen Zerwürfnisse endeten mit Revolver«' schüssen. Die, schwer angeschoffene Frau wurde gerettet, das kleine Töchterchen erlag den Schüssen des eigenen Vaters.— Eine gewisse Verwandtschaft mit diesem Fall hat der Mordprozeß gegen Jaroflav I e jj ek, der in dreitägiger Verhandlung vom 7. bis 0. Oktober vor die' Geschworenen kommt. Der Angeklagte— ein reicher Bauernsohn— ist angeklagt, seine schwangere Geliebte, wieder das Kind armer Leute, in grausamer Weise ertränkt zu haben, um sich ihrer zu entledigen und eine reiche Braut Heimführen zu können.— Im Zeichen des Fluches des Mammons steht auch der Mordprozeß Würdig. der gegen Ende der Session zur Verhandlung gelangt, dessen Sachverhalt noch in frischer Erinnerung ist. Es ist kaum«inen Monat her, daß der Friseur Würdig aus Zijkov unter dem schweren Verdacht verhaftet wurde, seine Frau am zweiten Tag der Ehe unter Vorspiegelung eines Bootsunfalles in der Moldau bei Modkan ertränkt zu haben, um sich ihrer stattlichen Mitgift zu bemächtigen. Die zwei weiteren Mordprozeffe. die noch verhandelt werden, sind derzeit offiziell noch nicht ausgeschrieben. Der erste Schwurgerichtstag— ei« Rotzuchtsprozetz Ueber diese erste, von dem Schwurgerichtshof unter Vorsitz des KreiSgerichtS-Vizipräsidenten Chätvpar verhandelte Sache läßt sich nicht mehr berichte«, als aus der Anklage hervoraebt.«ach der« Verlesung die Oeffentlichkeit ausgeschlossen wurde. Der 26jährige Friseurgehilfe Wenzel«ule war angeklagt, eine gewisse B o jj e n a M. auS Schlau vergewaltigt zu haben. Am 19. August holte er sie auf seinem Fahrrad beim Dorf Tukan« ein und begann ein Gespräch. Es dunkelte bereits und Sulc lockte das Mädchen von der Straße auf einen dunkeln Seitenweg unter der Vorspiegelung, daß er fürchte, von den Gendarmen beanstandet zu werden, weil er keine Fahrradlaterne bgbe. Da Bojjena M. ihn gut kannte, ließ sie sich bereden,, mit ihm zu gehen. Auf dem dunkeln Weg fiel er über sie her und vergewaltigte sie. Am nächsten Tage erstattete ihre Mutter.' der sie alles erzählt batte, die Anzeige. Sulc, der verheiratet ist. leugnete die Gewaltanwendung und behauptete, daß dieses Schäferstündchen längst verabredet war. Was die Verhandlung zutage brachte, wissen wir nicht. Die Geschworenen schenkten der Verteidigung de? Sulc keinen Glauben und erkannten ihn einstimmig schuldig. Der Schwurgerichtshof verurteilte ihn darauf zu drrizrhu Monat«« schwer« Kerkers. Mit Bedauern muß festgestellt werden, daß die unmögliche Akustik des neuerbauten größten Schwurgerichtssaales der Republik mit keinen Mitteln in befriedigender Weise zu korrigieren ist. Im Anfang war es geradezu katastrophal. Weder an den Tischen der Journalisten, noch im Auditorium war etwas zu verstehen- Und mehr als das— selbst auf den Geschworenenbänken war die Akustik derart miserabel. daß in einem Prozeß der Verteidiger in seiner Nichtigkeitsbeschwerde sich u. a. darauf berief, haß die Geschworenen der Verhandlung ans diesem Grunde nicht ordentlich folgen konnten. Daraufhin wurden zur provisorischen Abhilfe Vorhänge an den Wänden und Filzhelage an den VerhandlungSttschen angebracht. Während der Gerichtsferien wurden nun die Wände mit Jsolierplatten verkleidet. Leider hat auch dieses Drittel' nicht den erwünschten Erfolg gebäht. rb. Iümst mut WUstn Vom Prager Deutschen Theater Die TotidalMonte, die vielleicht berühmteste lebende Koloratursängerin, an einem Sonntag- Abend vor schlecht besuchtem Haust Das sollte zu denken geben und läßt unS jedenfalls zu unserer alten Feststellung— so alt wie die Aera Dr.'Eger — zurückkehren, daß die Nachteile des repräsentativen Gasticrsystems die Vorteile deS Ensemble-Theaters bei weitem überwiegen. So dankenswert es ist, daß man schon in den ersten vierSpielzeitwochen einen Liszt,«ine dal Monte, die Konetzni(und bald sollen noch andere komm«) hören darf— dauernd an solches Theater fesseln kann man das Prager Publikum nicht. Und ist ein solcher Gast-Abend wirklich vorzüglich besucht, so büßen daS nachfolgende Ensemble-Vorstellungen. Unseres Erachtens, nach wie vor, hätte das Theater Woche für Woche und Monat für Monat durch Ensemblekunst' zu wirken und fiir sich zu werben. Star-Gastspiele wären mit größter Sparsamkeit nur einzustreuen und erst im letzten Viertel der Spielzeit mehr zu pflegen, um dann eben der Bühne größere Attraktion, etwa einer mehrmals gespielten Oper stärkeren Besuch zu sichern. Es fällt einem nicht leicht, auszusprechen, daß diejenigen, die Sonntag nicht beim„Barbier" waren, zwar die Bekanntschaft mit einer stupend singenden Diva, einem phantastisch ausgeglichenen, mit denkbarster Pxäzsion funktionierenden Stimmapparat versäumten, aber sich zugleich eine en» semblemäßig und rein künstlerisch weniger als mittelmäßige Vorstellung. ersparten. Die dal Monte mag noch so süß zwitschern, noch so lieb kindlich plappern und man mag die komisch kleine wurscht- lige Bühnengestalt(und hie und da sehr scharfe Kopftöne) noch so sehr als unwesentlich betrachten — die Seelenlosigkeit dieser Stimme läßt kalt, wie das Volumen und die tadellose Höhe ihres Gatt«, deS Herrn Montesanto, und sein fließendes italienisches Parlando nicht vergessen machen, daß wir einen Figaro noblerer Stimmkultur gewöhnt sind. Die Hauptsache aber: die Vorstellung beginnt nicht einmal generalprobenhaft, es regnet musikalische und szenische Schmisse, da- Durcheinander von Italienisch und Deutsch wirkt unfreiwillig komisch, der Sänger deS Almavwa Das sonntägige Endspiel zwischen Bohemians und Slavia endete nach einer torlosen Halbzeit mit 1:4 für die Slavia. Rur drei Ligakämpfe Nach dem 6:0-Siege des DFC im Freund» schastsspiele über AFKKolin endete das Koliner Ligaspiel mit einem 2:2(2:1). Die Koliner zeigen sich eben in Meisterschaftsspielen von einer anderen Seite, während der DFC immer„spielend" zu Erfolgen kommen will. Diesmal blieb noch ein' Punkt, aber wie wird es in den kommenden schwerer« Kämpfen— noch dazu bei einer solchen Verteidigung— aussehen? DSV Saaz hatte in Preßburg gegen den §SK nicht viel Chancen auf Erfolg und er verlor auch 2:5(1:4). Der schwache Tormann bei den Saaze« ist für die Niederlage miwerantwortlich. Die Preßburger Ware« wohl auch nicht besser und verdanken nur ihrem Budapester Mittelstürmer den Sieg. In Brünn schlug Zidenice mit 2:0(1:0» di« Pils«er Viktoria. Der Brünner Ce«h und der Pillener Mittelläufer Biro wurde vom Feld« gewiesen. Der Erfolg der Brünner war verdient, denn der Pilsener Sturm war schwach. Aus de« Divisionen Im D F V gab es in Böhmen nur zwei Begegnung«: SpVg Bodenbach schlug den Reichenberger FK knapp 4:8(3:1) und BSK Gablonz gewann gegen VfB Teplitz 2:0(1:0). Die Teplitzer hab« bisher fünf Spiele absolviert und ebensoviel Niederlägen erhalt«.— IMähren-Schlesien wurden folg«de Spiele durchgeführt: SB Jägerndorf gegen DSV Troppau 3:1(1:1), SK M.-Schönberg gegen DSV Brünn 8:1(1:0), DFC Jglau gegm DSK Tesch« 4:2(2:2). Nur ein einziges Spiel gelangte in der mit- telböhmischen Division zum Anstrag, und zwar siegte Sparta Kladno über Viktoria Russe mit 5:2(1:1). Böhmen-Land hatte zwei lleberraschnn« gen: SnLbaki Taus verzeichnete ein« Sieg mit 4:1 über Petfin und das Pardubitzer Ortsderby zwischen AFK und SK endete mit' em 4:8-Siege des AFK. Ferner: Königgrätz gegen Polaban Nimburg 3:2, Königinhof gegm Slavia Karlsbad 6:2, Jungbunz« lauer SK gegen Kopisty 2:0; CSK B.-BudwciS gegm Rakonitz als Freundschaftsspiel 4:1, Seite« .Sozialdemokrat^ Di«n-tag» 1. Wtobrr 1935. Rr. 228 Sn der mährisch-schlesischen Divi» sicm gab es nachstehende Ergebnisse: Prerau gegen Moravia Brünn 5:1, Polonia Karwin gegen Slovan M.-Ostrau 1:0, SK Olmütz geg. Zavovreskh 3:1. Tonstige Fufiballergebniffe. Prag: Rapid- Weinberge gegen Viktoria Zizkov 2:1, Cechie Karlin gegen Union Zijkov 3:0, Liben gegen Slavoj VIII 6:2.— Kuttenberg: Viktoria Pilsen geg. Respo 6:5(3:2).— Königgrätz: SK Nachod gegen SK 1:1(1:0).— Pisek: Urfahr-Lin, gegen SK 3:2(2:0).— Pilse n: SK gegen Viktoria Zizkov 3:2(1:1).— Karlsbad: Libeü gegen KFK 4:2(1:1).— Komotau: DFK Bilin gegen DFK 4:3(2:1).— Weipert: DTK gegen DFK Kaaden 10:1.— Teplitz: TFK gegen WürSndorfer FK 4:0(3:0).— Gablonz: DSK gegen DSV Trautenau 5:1.•— Reichen- berg: DSV B.-Leipa gegen DSV 3:2(0:1)/— 3lin: WAE Wien gegen Bata 3:2(0:2).— B u- dqpest: Hungaria gegen Ferencvaros 3:2!, Ujpest gegen Budafok 4:1.— Wien: Vienna gegen Rapid 2:1!, Liberias gegen Austria 4:2, FC Wien gegen Flor. SK 3:1, FAT gegen WAT 2:1, Wacker gegen Sportklub 2:1. Die tschechoslowakische Marathon-Meisterschaft gewann B e n a(Sparta Präg) in 2:51:53 vor seinem Klubkollegen Sulc 2:52:37 Std. Weltrekord im deidhindigen Kugelstoßen. Der ungarische Leichtathlet Dr. D a r a n y erzielte im beidhändigen Kugelstotzen mit 20.46 Metern einen neuen Weltrekord. Er warf rechts 15.77 und links 13.69 Meter. Den alten Rekord hielt mit 28.68 Metern der Amerikaner Torrance. Die tschechoslowakische Fstnfkampfmeisterfchaft der Frauen wurde in Dudweis durchgesührt und von Pekarobä(Slavia Prag) mit 371 Punkten gewonnen. Die Siegerin blieb mit nur fünf Punkten hinter dem Weltrekord der Nazi» Mauerberger zurück. Ihre Einzelleistungen waren: 100 Meter: 12.4 Sek., Hochsprung: 1.40 Meter, Weitsprung: 5.49 Meter, Kugel: 12.29 Meter, Speer: 38.03 Meter. Ei« Länderkampf im griech.-röm. Ringen zwischen der Tschechoslowakei und Italien wurde in Rom ausgetragen und überraschend von den Italienern mit 5:2 Punkte» gewonnen. Das Auto-Rennen auf dein Masarykring bei Brünn gelangte am Sonntag vor ungefähr 150.000 Zuschauern zur Durchführung. Rach der Absage des Mercedes-Benz-Teams und nach Erfüllung von„Wünschen" der Auto-Union-Fahrer— welche sonst nicht gefahren wären— starteten in der starken Kategorie neun und in der schwachen 13 Wagen. Von den insgesamt 22 Bewerbern kamen nur 11 durch das Ziel. Stück(Auto-Union) als Favorit hatte einen eigenartigen Unfall: Ein Vogel flog ihm bei der rasenden Fahrt an die Augenschutz- hrille und verursachte deren Bruch. Stuck erlitt dabei leichte Verletzungen und gab auf. Viele andere Fahrer mutzten wegen Defekte, ja ein Wagen fing sogar Feuer, aufgeben. Als Sieger präsentierte sich Rosemayer(Drittes Reich) auf Auto-Union, wel- 'cher in der schweren Klaffe die 17 Runden, d. s. 495.414 Km., in 3:44:10.6 Std. fuhr, vor Rubo- lari(Italien) auf Alfa Romeo in 8:50:48.4. Rosemayer fuhr durchschnittlich eine Geschwindigkeit von 132.588 St.-Km. In der schwachen Kategorie fiegte der Engländer Seaman auf ERA über 15 Runden, d. s. 437.139 Km.(118 Km. Stundengeschwindigkeit), in 3:48:32.1 Std.— Die heimische Autoindustrie war nur durch einen.Z"-Wagep vertreten, der nach der zwölften Runde ausfiel. Demzufolge kam auch der Ehrenpreis des Verteidigungsministeriums nicht zur Verteilung.■— Den Ehrenpreis des Präsidenten Masarhk erhielt Rosemayer (nebst 80.000 KL). Die Hakenkreuz-, die italienische und englische Flagge wurden bei den jeweiligen Nationalhymnen aufgezogen. Der Jubel, der herrschte, wollte kein Ende nehmen, die Sensation, das Rasen mit oder um den Tod, war Trumpf gewesen.,.. vorbei. Weit hinten im Land, in Stadt und Dorf, dort kämpfen und warten Menschen auf Brot und Arbeit... Solche.Spiele" bedeuten aber nicht Brot... tlus dec Partei Sozialdemokratische Fraurnorqanisatio« Pro,. Dienstag, den 1. Oktober, findet im Parteiheim um 15 Uhr 30 der erste Handarbeitsnachmittag statt. Wir erwarten zählreiche Beteiligung. Das Bezirksfraueickomitee. Deutsche sozialdemokratische BezirkSorzanisatimi Prag. Jene unserer Genoffen und Genossinnen, welche beruflich die Möglichkeit haben, stch an dem Leichenbegängnis des verstorbenen Genoffen Siegfried Kähler zu beteiligen, mögen Mittwoch, deck 2. Oktober, um 10 Uhr vormittags im neuen Krematorium in Prag-Strasnice erscheinen! Freie Bereinigung sozialistischer Akademiker« Dienstag, 1. Okwber 1935, um 20 Uhr wich« tigeMitgliederversammlung im Parteiheim Rärodni 4. UettlftSftacfcntfilw O Deutsche BolkSsinggemeinde. Die Proben beginnen am D i e u s« tag, dem 1. Oktober. Die Probe des Frauenchors beginnt um 7 Uhr abends, die Probe des Männer« chores um 8 Uhr. Allgemeiner Angeftellten-Berband, Ortsgruppe Prag. M i t t w o ch, den 2. Okwber, um 8 Uhr abends im Handwerkerheim Monatsversammlung. ES spricht Verbandsobmann Kollege Bergmann.— funktionärkonferenz am 16. Oktober im Dereinsheim, Rärodni Nr. 4. Jk Mittwoch, den 2. Oktober, um halb 8 Uhr abends Mit« gliederversamm« lang im Hotel Monopol, ge« AMIiK» genüber dem Masarykbahnhof. ASSShSSZS* Erscheinen aller Mit« PRAG glieder ist Pflicht! Allen Genossinnen, Genossen und Freunden geben wir die traurige Nachricht, daß unser Mitarbeiter und Genosse Die Verwaltung und Redaktion des„Sozialdemokrat“ v Wir geben die traurige Nachricht, daß unser Kollege und Genosse Siegfried Köhler Deutsche sozialdemokratische Bezirksorganisation Prag. am Samstag, dem 28. September 1935, gestorben ist. Wir verlieren in dem Toten einen guten und stets hilfsbereiten Kameraden. Die Einäscherung findet am Mittwoch, dem 2. Oktober 1935, um 10 Uhr vormittags im neuen Krematorium Straschnitz statt. Wir werden dem so früh Verstorbenen ein stets ehrendes Andenken bewahren. Die Kollegen und Kolleginnen der Verwaltung und der Redaktion des„Sozialdemokrat“ und des Parteisekretariats. Bezugsbedingungen: Bet Zustellung tnS Hau» oder bet Bezug durch die Poft monatlich KL 16.—. vierteljährig KL 48.—, halbjährig-KL 96.—. ganzjährig KL 192.—.— Inserate werden laut Tarif billigst berechnet. Bei öfteren Einschaltungen PreiSnachlatz.— Rückstellung von Manuskripten erfolgt nur bei Einsendung der Retourmarken.— Di« Zeitungsfrankatur wurde von der Post« und Tele» gravbendirektion mit Erlaß.Nr. 13.800/V11/1930 bewilligt.— Druckerei:.Orbis" Druck« Verlags» und ZeitungS-A.-G.. Prag. Siegfried Köhler am Samstag, dem 28. September 1935, gestorben ist. Er war seit der Gründung in unserem Blatte tätig und hat sich stets durch treue Pflichterfüllung ausgezeichnet. Die Einäscherung findet am Mittwoch, dem 2. Oktober 1935, um 10 Uhr vormittags in der Leichenhalle des neuen Krematoriums statt., Wir werden dem zu früh Dahingeschiedenen ein ehrendes Andenken bewahren. Die unterzeichneten Organisationen geben hiemit die Nachricht bekannt, daß Genosse Siegfried Köhler Samstag, den 28. September 1935, gestorben ist. Wir verlieren in dem Dahingegangenen einen aufopferungsvollen Funktionär, der durch viele Jahre hindurch in beiden Organisationen mit außerordentlichem Eifer und selbstloser Hingabe tätig gewesen ist und sein ganzes Können, seine Arbeitskraft, seine Rednergabe und seinen Idealismus in den Dienst unserer großen Sache gestellt hat. Wir werden seiner stets in Ehren gedenken als eines treuen Soldaten des Sozialismus und der»Angesteilten-Bewegung. -Den Leichnam des Verstorbenen übergeben wir Mittwoch, den 2. Oktober, um 10 Uhr vormittags im neuen Krematorium in Prag- Strasnice den Flammen. Ortsgruppe Prag des Allgemeinen Angestelltenverbandes.