>en UM '.et, ch- ist Li« S* deS Uhler« PP» llhr cng. Le ber, it- m« ge« Hof. At« aut :Ie- Rr. 229 Mittwoch, 2. Oktober 1935 ünaDHis70iwn (•iiueMiefilich 5 Halter P«H 1 A 1ENTRALORGAN DER DEUTSCHEN SOZIALDEMOKRATISCHEN ARBEITERPARTEI IN DER TSCHECHOSLOWAKISCHEN REPUBLIK ERSCHEINT MIT AUSNAHME DES MONTAG TÄGLICH FRÜH, Redaktion UNO Verwaltung PRAG xiufochova 62. TELEFON«77. HERAUSGEBER, SIEGFRIED TAUB. CHEFREDAKTEUR» WILHELM NIESSNER. VERANTWORTLICHER REDAKTEUR» DR. EMIL STRAUSS, PRAG. 15. Jahrgang irlffe erheischt die volle Wachsamkeit ten haken- und krukenkreuzleriscken Umtrieben ein Ende zu bereiten und die Unruhe, die sich neuerdings von breiten droht, rechtzeitig zu ersticken. der Kleinen Entente, um durch den Ab- Wien aus über Mitteleuropa zu verschluh des Donaupaktes den vereinigJn den Kommentaren der Presse heißt cS dazu, daß England keine Zusicherung auf sofortige Waffenhilfe wünsche, sondern nur für den Fall beabsichtige. Die englischen Zeitungen bestätigen die Meldung nicht, stellen die britische Anfrage aber auch nicht in Abrede. Es heißt nun, daß Frankreich seine Antivort zum Anlaß nehmen werde, von England noch weitergehende Zusicherungen zu erzielen als sie Sir Samuel Hoare in seinem Schreiben gegeben hat. Ueber den Empfang Grandis im Foreign Office bewahren die englischen Blätter Stillschweigen, betonen aber, daß die Situation sich nicht geändert habe. London.(Amtliches Radio.) Die Nachricht, daß die britische Regierung bei der französischen Regierung eine Anfrage betreffend das Vorgehen Frankreichs unter gewissen Umständen ringebracht habe, wurde Dienstag in London bestätigt. Wie erklärt wird, bezieht sich die Anfrage auf die Dköglichkeit eines isoliertenAngriffes einer Partei bei der Behandlung eines bestimmten Konfliktes vor dem Völkerbund gegen ein Mitglied des Völkerbundes, das bei den Verhandlungen in Genf erklärte, daß es seine aus dem Pakt sich ergebenden Verpflichtungen loyal erfüllen werde. Im Fall«, daß ein isolierter Angriff auf Großbritannien wegen dessen Erklärung, daß es die Grundsätze des Völkerbundes unterstützen werde, oder wegen vorläufigen Maßnahmen, die es mit Rücksicht auf das bedrohliche Verhalten, die diese Erklärung hervorrief, für gut befindet, erfolgen würde, stellt die britische Regierung an die französische die Anfrage, ob sie eine solche Situation, falls sie eintreten würde, als jener analog ansehen würde, von welcher jm dritten Absatz des Artikels 16 des Paktes gesprochen wird/ In diesem Absatz heißt eS:. Die Mitglieder des Völkerbundes sind sich darin einig, daß sie sich g e g e n s e i t i g e Hilfe gewähren, um den bcsonderen Maß- nahmen, die gegen eines derselben ein den Vertrag brechender Staat unternehmen würde, entgegenzutreten. In London zweifelt man nicht an der Art der französischen Antwort, doch wird London nicht überrascht fein, wenn diese Antwort mit einer gewissen B e r z ö g r r u n« erfolgt, denn Ministerpräsident Laval will sich in dieser Sache mit seiner Negierung beraten. Hitler-Offensive gegen Oesterreich Politische Lizitation London-Paris kritik ist nicht der erste Erfolg Papens, der seit Monaten Oesterreich bereist und die Geschäfte der NSDAP und des Dritten Reiches, besorgt, ohne daß die österreichische Presse ihn angreifen dürfte. Die Stellung der„patriotischen" Oesterreicher in der Regierung, vor allem Starhem- bergs und des Außenministers Berger-Walde- »cgg, gegenüber dem Drängen der Funder- Leute für die Papen'schen Angebote wird von Tag zu Tag schwieriger. Diese Leute drängen darauf, daß die österreichische Regierung mit Papen in Unterhandlungen über sein« Vorschläge ein trete. Dabei ist es klar, daß Herr v. Papen über Weisung aus Berlin mit seinen Anträgen zwei Ziele verfolgt: zunächst den Donaupakt, der von Berlin keinesfalls gewollt wird zu t o r- p e d i e r e n, indem vorher ein zweiseitiger österreichisch-deutscher Vertrag abgeschlossen werde, der einen späteren- Donaupakt überflüssig oder wertlos machen würde;— sodann die jetzige Regierung, wenn sie das Berliner Angebot Ist Italien 6en Briten gewachsen? Die Blätter beschäftigen sich immer konkreter mit der Frage, ob die italienische Seemacht ausreichend ist, der britischen überhaupt eine Schlacht zu liefern. Im allgemeinen wird die Qualität der italienischen Schiffe sehr hoch eingeschätzt. Die italienisibenSchiffe sind an S ch n eilig k e i t fast durchwegs den gleichen Kategorien, der englischen Flotte überlegen, an Bestük- kung den Engländern gleich. Dagegen hat England natürlich auch für den Fall eines unglücklichen Kampfes im Mittelmeer die größeren Reserven und die Möglichkeit von Ersatzbauten, während Italien unter einer Blockade schwer leiden würde und seine Verluste kaum ersetzen könnte. Endlich besitzt Italien fast keine Flugzeugmutterschiffe und hat gerade seine größten Schiffe noch im Bau, so daß es der führenden britischen Schiffsklasse noch nichts Gleichwertiges entgegenstellen kann. * Rom.(Havas.) Durch drei Sonderdckrete wurden die Unteroffiziere und Soldaten bestimmter Kategorien der Assentjahrgänge 1907, 1909, 1910 und 1912 unter die Fahnen gerufen. Neapel.(Tsch. P.-B.) Das Flugzeugmutterschiff„Miraglia" ist mit Bombardierungsflug- zeugcn und 380 Fliegern, an Bord aus dem hiesigen Hafen ausgelaufen. „Queen Elizabeth“ in Gibraltar eingetroffen London. Das neue Flaggschiff der englischen Mittelmeerflotte, das Schlachtschiff „Queen Elizabeth"(31.000 Tonnen), traf Dienstag vormittags, von England kommend, in Gibraltar ei«. Vas macht Frankreich, wenn...? In gleichem Maße, in dem sich Italien in das abessinische Abenteuer festrennt, in gleichem Dkaße, in dem die Verwirrtheit unter den Westmächten wächst, in eben diesem Maße steigert sich auch die außenpolitische Aktivität Hitler-Deutschlands.- Die Ereignisse der letzten Wochen haben gezeigt, daß die neue Offensive, die das Dritte Reich insbesondere auch gegen Oesterreich begonnen hat,— trotzdem sie sich dort weit weniger geräuschvoll vollzieht, als der gleichzeitig mit den Fanfaronaden von Nürnberg eingeleitete Angriff auf Litauen,— schönes ehr beträchtliche Erfolge aufzuweisen hat, die erst kürzlich in der Revolte der österreichischen Landeshauptleute in Erscheinung getreten ist. Die von Herrn von Papen, dem Sondergesandten Hitlers, mit unleugbarer Geschicklichkeit und großer Ueber'redüngskunst geführte Nazipropaganda, äußert aber nicht nur in der Provinz, sondern auch am Sitze der Regierung selbst ganz deutlich ihre Wirkung. Hier ist es vor allem der Chefredakteur der- «Ffeichspost", Staatsrat Dr. Funder» als Orakel der chrisüich-sozialen Partei noch immer eine der einflußreichsten Personen in Oesterreich, der, in die Netze der Papen'schen Propaganda eingesponnen, sich in letzter Zeit gerade zum Vermittler fstr die Vorschläge,. dtt.der deutsche^Ge-, sandte ans Berlin überbracht hat und dem kleriko- fäscistischen Regime gemacht hat. Papen hat sich ihm mit zwei eigenhändigen Schreibe« Hitlers legitimiert: ei« Schreiben, gerichtet an die Gau- leitnng der NSDAP in Oesterreich, verbietet-iS auf Widerruf jede Aktion in Oesterreich; das zweite bevollmächtigt Papen, einen Vertrag mit der jetzigen österreichische« Regierung unter den folgenden Bedingungen abzuschließen, die wohl nur als vorläufiges Minimalprogramm gedacht find: 1. Zeh« Jahre Nichtangriff, ahn- Nch dem Vertrage mit Polen; 2. Regelung der wirtschaftlichen Beziehungen, Begünstigungen für Oesterreich, mindestens im Umfang, wie sie Ungarn, Rumänien und Zu- goslawien angeboten wurden, beson ders, für Holz und Vieh, Einräumung der Meistbegünstigung sür alle Clearingabkommen; 3. Begnadigung' der österreichischen Legionäre, sowett sie nicht ge- richtlich verfolgt oder verurteilt wurden, also Erlaubnis zur Rückkehr von etwa 10.000 Nazi; 4. Keine Schlechterstellung der NSDAP gegenüber anderen politischen Parteien, falls solche wieder zugelassen werden, und bei Bestellung von Bürgermeistern; 8. Aufnahme eines Nicht-Nazi von nationaler Verläßlichkeit, z. B. des früheren Ministers, Prof. Dr. Srbik in die Wiener Regierung. Der systematischen Wühlarbeit der„Betont- Nationalen" ist es gelungen, sowohl die Christlichsozialen, wie auch die Heimwehren in einen konservativen(legitimistischen) und in einen nationalistischen Flügel zu spalten. Zu den Nationalen gehören in der christlichsozialen Partei außer Dr. Funder besonders noch der Generalsekretär der Vaterländischen Front und frühere Gcnkralstabsöberst, Adam, und der Bürgermeister Schmitz, der aus früherer Zeit intime Beziehungen zu v. Papen unterhält; bei den Heimwehren vor allem die Tiroler mildem dem Fürsten Star- hemberg gegnerischen jetzigen Generalkonsul in Triest, Dr. Steidle, ferner der Graf Revertera, Sicherheitsdirektor. in Oberösterreich und alle Nichtadeligen. Diese beiden nationalistischen Gruppen kooperieren miteinander und stehen jetzt zueinander in intimerem Verhältnisse, als zu den anderen Christlichsozialen, bzw. zu den adeligen Heimwehroffizieren. Die Drosselung der Pressenicht annehmen sollte, als national „unverläßlich" zu stürzen und durch eine Regierung zu ersetzen, in der jedenfalls nicht mehr ein Heimwehrmann Außenminister sein würde.> Bei dieser zweiten Zielsetzung spielt'auch dxr Ehrgeiz des Bürgermeisters Dr. Schmitz eine treibende Rolle, der gerne an Stelle Schuschniggs Bundeskanzler werden und den autoritären Kurs — unter Abwendung von der westlichen Orientierung,— straffer führen und in gute Relation zu Berlin setzen möchte. Die Entwicklung dieser Verhalt- Uebereinstimmend berichten die französischen' eines Angriffes Italiens die Situation zu klären Blätter, daß die englische Regierung, nachdem sie Frankreichs Anfrage, wieweit Großbritannien den Frieden auf dem europäischen Festland zu sichern bereit sei, in dem Schreiben Sir Samuels Hoares beantwortet habe, ihrerseits an Frankreich die Anfrage gerichtet habe, wie sich Frankreich in dem Fall verhalten würde, daß die englische Flotte im Mittelmeer angegriffm würde.- flilgcnrclncrs Abgang Was seit Monaten als selbstverständliche Folgerung aus einem erlittenen Fiasko galt, das ist am Sonntag Tatsache geworden: Thcölogie- professor und Senator Dr. Hilgenreiner ist als Vorsitzender der Deutschen christlichsozialen Partei zurückgetreten und an seiner Stelle hat der Parteitag der Christlichsozialen den ehemaligen Senator Friedrich Stolberg gewählt. In seinem politischen Referat auf dem Parteitag hat dcr Abgeordnete Dr. Luschka zu betonen für nötig befunden» die Partei nehme keinen Kurswechsel vor, aber schon die Wahl Stolbergs als Nachfolger Hilgcnreiners beweist alles andere eher als das Festhalten an dem vvn Hilgenreiner bestimmten politischen Kurse, der die Partei in die trostloseste Sackgasse geführt, in der sie seit ihrem Bestände, gewesen ist. An sich betrachtet wäre die Erwählung eines neuen Parteivorsihenden eine innere Angelcgen- heit.dcr Christlichsozialen, doch da sie in diesem Falle beachtliche politische Ursachen hat und es die Politik war, die Herr Hilgenreiner seiner Partei aufzwang, die im Mai überraschenderweise die schwere Wahlniederlage der Christlichsozialen zeitigte, so entbehrt die Kaltstellung Hil- genreiners nicht des allgemeinen politischen Interesses. Das Wort Kaltstellung ist berechtigt, denn wenn auch der bisherige christlichsoziale Parteiführer Senator bleiben sollte, eine bestimmte Rolle auf die Führung der Partei wird ihm kaum mehr eingeräumt werden. x. Die Deutsche christlichsoziale Partei ist äuS der alten christlichsozialen Partei in Oesterreich hervorgegangen, sie trug in allem deren Geist und Gesicht. In ihr war keine Spur des Geistes etwa des reichsdeutschen Zentrums,»christlich" bedeutete und bedeutet bis heute bei ihr klerikal, und.sozial" war und ist sie seit je nur insoweit zum Scheine, um die in ihren Reihen stehenden katholischen Arbeiter bei der Stange zu halten. Im Wesen ist diese von wirklichen und verhinderten Geistlichen geführte'Partei stockreaktionär, fortschritts- und arbeiterfeindlich und wenn" es seinerzeit, als die Partei in die Regierungsmehrheit eintrat, schien— aber auch nur schien— als ob die christlichsoziale Partei Verantlvor- tüngs- und Wirklichkeitsgefühl besitze, so tat sie in Wahrheit diesen Schritt nicht, um für das deutsche Volk im allgemeinen und für die sozial Notleidenden in diesem Volke zu wirken, sondern um ihren reaktionären Gelüsten zu folgen. Immerhin kann gesagt werden, daß der von den deutschen Christlichsozialen unter ver Bürgerkoalition eingeschlagene Kurs bei ihren Wählern keinen stärkeren Widerstand weckte. Unruhe und Zerrüttung wurde erst in den letzten Jahren' in die christlichsoziale Partei getragen, als Prälat Dr. Hilgenreiner weitgehendst Weg und Taktik bestimmen durfte. Die Spuren, sür die Ursachen der Katastrophe der Christlichsozialen sichren bis in die Zeit der Machtergreifung Hitlers und der behördlichen Auflösung dcr nationalsozialistischen Partei bei uns zurück. Der, wenn auch mit den verbrecherischesten Mitteln errungene Haken- kteuzsieg in Deutschland; ließ die nationale Kampfader des Herrn Hilgenreiner mächtig anschwellen. Ex ist immer weniger Christlichsozialcr, selbst nicht in dem bei uns üblichen Sinne, als Deutschnationaler gewesen; seinen Neigungen urigehemmt zu folgen, daran hinderte ihn nur sein Priestergewand. Hitlers Machtanttitt brachte diese letzten Hemmungen in Wegfall, er begrüßte ihn segnend wie einen Erfolg der katholischen Kirche selbst, erst viel später erklärte er gegenüber den Totalitätsansprüchen der Nazis, es genüge das einfach« Kreuz, seine Partei brauche kein Hakenkreuz, welche Meinung er wieder korrigierte, als die Wiener Kanonenchristen Arbeiterhäuser mit Granaten beschossen. Da wandte sich Hilgenreiners Herz auch dem Krukenkreuz zu. Zu HikgenreinerS Trugschluß, Hitler werde unter anderem auch die Geschäfte des katholischen Klc- rikalismus besorgen, gesellte sich nach der Auflösung unserer Nazipartei die Spekulation. Das heißt, Hilgenreiner spekulierte darauf, die ehemalige Gefolgschaft der Nazipariei einzufangen und so schlug er mit Leibeskräften die nationale Pauke; warf sich als Anwalt der Nazis auf und mimte in Geste, Tonart und Wort den in heilige Entrüstung geratenen Teutonen. Daß seine Rattenfängerkunststücke vergebliche bleiben würden, das hätte Herr Hilgenreiner bald aus dcr Tatfache festftellen können, daß die Nazianhäuger gay Seite 2 Mittwoch, 2. Oktober 1835 Nr. 228 keine Neigung zeigten, zu den Schwarzen überzulaufen, doch die falsche Spekulation zu erkennen, die schließlich der Partei mehr Schaden als Nutze» zufügen mutzte, daran hinderte ihn eine üble Eigenschaft, sein eitles Selbstbewusstsein, dem jede Selbstkritik mangelt und das ihn dahin führte, um so hartnäckiger in der falschen Richtung zu laufen, je mehr.Zweifler seine Politik fand. Unter dem Einfluß Hilgenreiners bewahrte die von ihm geführte Partei kaum mehr als ihren Namen, denn so wie zuerst Hitler, so mutzte die Partei später auch Henlein dienlich sein. Dieses Aufgeben der eigenen Parteigrundsätze und die kaum mehr natürlich zu erklärende Sucht, sich für anderer Parteiinteressen zu exponieren, hat den Christlichsozialen die schwerste Niederlage eingetragen, die sie jemals erlitten haben. Niemand, außer wahrscheinlich Dr. Hilgenreiner selbst, gläubte daran, die Entrostung der nationalistischen Fahne werde den deutschen Christlichsozialen viele frühere Nazis zutreiben, aber niemand Wohl hat sich eine so katastrophale Niederlage gegenüber Henlein vorgestellt, wie sie in der Tat erfolgte. Denn bisher war es immer so, daß der Glaube, die Religion sich in selbst für den Kleri- kaliSmuS schlechteren Zeitpunkten als unauflösliches Bindemittel bewährten und gegenüber jeder Agitation politischer Gegner standhielten. Daß diesmal sogar dieses Bindemittel versagte, das ist, wenn vielleicht auch nicht zur Gänze, so doch zu einem sehr bedeutenden Teile das persönliche Verdienst Senator Hilgenreiners. Ob Herr Hilgenreiner nun' aus eigener Einsicht oder über dringlichstes Anraten von seiner Führerstelle weicht, er fällt als Opfer seines Sozialistenhafles. Und das ist die tiefere Ursache seines Falles: er hat HitlerS Sieg und Henleins Aufstieg mit den heißesten Segenswünschen begleitet, weil er in ihnen das Werkzeug zu erblicken glaubte, mit dem der Marxismus endgültig erschlagen werden kann. Doch dieser hat Hilgenreiner überlebt, wie er Hitler und seinen Gefolgsmann Henlein überleben wird. vcr Kampf gegen öle Teuerung Regierung(ragt den sozialistischen Forderungen weitgehend Rechnung Prag. Am Dienstag nahm der sozialpolitische Ausschuß des Abgeordnetenhauses nach Abschluß dor Debatte, die durch die Verhandlungen dos Subkomitoes seinerzeit.unterbrochen worden war, die vom Subkomite« ausgearbeitete R e s o l u t i o n, die wir bereits im Wortlaut veröffentlicht haben, unverändert an und beschloß ferner über Antrag des Referenten T« L n h, ein« Reihe von Anregungen und Anträgen, die in anderen Resolutionen enthalten waren, der Regierung als Wunsch vorzutragen und zur Erwägung anheimzustellen. Gegen Schluß der Debatte gaben die zuständigen Ressortminister Dr. E e r n h und Jng. R e L a s Erklärungen ab. AuS dem" Schlußwort des Innenministers geht, wie auch der AuS- schutzvorsitzende Genosse Dr. Meißner betonte, eindeutig hervor, daß die Regierung tatsächlich geneigt ist» die Anregungen des Ausschusses als ernste Grundlage für ihre weiteren Verhandlungen zu nehmen, und namentlich in der Frage der LrbenSmittelbeschaffung und der Bekämpfung der Teuerung sich eng an die im dritten Teil der Resolution vorgesthlagenen Maßnahmen zu halten. Darum geht es auch, denn die schönste Resolution würde nichts nützen, wenn sie nicht von dem hiefür kompetenten Faktor in di« Tat«mgesetzt wird. Bezüglich der Kartoffeln konnte der Innenminister namens der Negierung bereits die feste Zusage geben, daß die nötigen Mengen für den Konsum unter allen Um st änden und rechtzeitig bereitgestellt werde«, nötigenfalls durch Einfuhr entsprechender Mengen auS dem Ausland. Auch die Zusage, daß die Kartoffelaktion für Arbeitslose wie im Borjahr, wahrscheinlich aber in erhöhtem Ausmaß durchgeführt werden wird, wird sicher von weiten Kreisen mit Befriedigung ausgenommen werden, ebenso die Zusage, daß die Borsorgizng des Marktes vor allem mit den billigen Margarinesorten, die für die notleidenden Schichten als Fettstoff allein in Frage kommen, voll gesichert werden wird. Es ist nur zu wünschen, daß gerade die Margarinefrage ehestens in ihrer Gesamtheit geregelt wird. Schon jetzt kann also mit Genugtuung festgestellt werden, daß die sozialistische Initiative hinsichtlich des Schutzes der arbeitenden Schichten gegen die drohend« weitere Berelendung ihrer Lebenshaltung bereits ihre Früchte getragen hat, bevor noch das Parlament seine normale Arbeit wieder eröffnet hat. Es soll dieS ein Ansporn sein, auf diesem Wege mit verdoppeltem Eifer fortzufahren und namentlich auch die Zusammenarbeit der drei sozialistischen Parteien, die sich hier so bewährt hat, weiterhin auSzubauen und zu vertiefen! Zu der im dritten Punkt der Ausschußresolution aufgeworfenen Frage der Versorgung mit Lebensmitteln und der T e u e- r u n g führte der Minister an, daß den Bezirksbehörden strenge aufgetragen wurde, darauf zu achten, daß die Maximalpreise für Roggen- und Weizenmehl nach dem Stand vom lö. Juli eingehalten werden. AuS den amtlichen Berichten gehe hervor, daß die Preise auch genau eingehalten werden und es nur in sehr wenigen Fällen zu Zwangsmaßnahmen kommt. Bei einigen Mehlsorten seien die Preis« noch etwas niedriger als die Maximalpreise, die sich als ein wirklicher Konsumentenschutz erweisen und durch die in den Mehlhandel Ordnung gebracht wurde. Der Minister kann versichern, daß diese Mehlpreise unter allen Umständen werden eingehalten werden. Auch hinsichtlich deS BrotpreisrS ist der Minister durch die Regierung zu der Erklärung ermächtigt, daß di« Regierung alle Maßnahmen getroffen hat, bzw. treffen wird, damit der BrotpreiS nicht erhöht«erde. Auch der Kartoffel konsum wird in ausreichendem Maße unter allen Um st Laden gesichert und alle diesbezüglichen Maßnahmen zeitgerrcht durch- geführt werden. BiS zum 8. oder 10. Oktober wird die Regierung ein verläßliches Bild über den Ernteertrag haben. FallS nicht genug einheimische Kartoffel vorhanden sind, werde« Kartoffeln zur Zeit auS dem Auslande ringe f ü h r t werden. Die Kart-fselhilfS-kti-n für Arbeitslose, wird auch Heuer wiederholt werden» vielleicht in einem noch größeren Ausmaße. Die Frage der Tarife und der Sistierung der Verzehrungssteuer wird günstig gelöst werden; die Frage der Suspendierung der Steuern auf Kartoffel ist bisher noch nicht, vereinbart, aber es besteht die Hoffnung, daß es zu einer annehmbaren Lösung kommt. Ueber das Verbot der industriellen Verarbeitung von Speisekartoffeln wird noch verhandelt. Auch die Frage der Versorgung mit b i l- liger Margarine beschäftigt die Regierung intensiv; ihre Entscheidung ist schon in den n ä ch st e n Ta g e n zu erwarten. Die Bedürfnisse der Bevölkerung werden vor allem bezüglich der billigsten Kunstfettsorten unter geeigneter Kontrolle deS Staates voll gedeckt werden. Ebenso wird sich die Regierung mit der Frage der ungestörten und ausreichenden Versorgung mit Milch befassen und dieses Problem zeitgerecht läsen. Beschwerden über unzureichende Milchversorgung gäbe es keine, auch wenn die Milchbelieferung bei einigen ländliche« Molkereien stark gesunken sei. Bezüglich deS Z u ck e r p r e i s e S erklärte der Minister, daß das Kartellgesetz novelliert werden wird, waS eng mit der Frage des Zuckerpreises zufammenhängt. Die Regierung wird die Frage der Kartellpreise einer neuen und gründliches Revision unterziehen. Alle Probleme, über die im sozialpolitischen Ausschuß verhandelt wurde und die auch in der Resolution enthalten sind, sind Gegen st and ernster Erwägungen der Regierung, die sie eine nach der anderen lösen wird. Bisher wurden eine absolute Einigung in der Mehl-, Brot- und Kartoffelfrage erzielt. Abschließend betonte der Minister neuerlich die Notwendigkeit gegenseitiger Zusammenarbeit und gegenseitigen Verständnisses. Unsere Devise müsse sein, jentn Arbeit zu verschaffen, die sie ohne Schuld verloren haben, und die Arbeit anständig zu honorieren. Rur so könne man den Konsum heben. Der Vorsitzende deS Ausschusses, Genosse Dr. Meißner» dankte dem Minister für seine Kundgebung, aus der, wie er sagte, ersichtlich sei, daß die Regierung in der Hauptsache die in der Resolution enthaltenen Anträge a n n i m m t und an ihre Durchführung geht und daß also zwischen dem Subkomitee und feinen Ansichten und I Beschlüssen und der Aktion der Regierung v ö l- I l i g e Lebe rein st immung besteht. her Winter droht Fürsorgeminister befürchtet starkes Ansteigen der Arbeitslosigkeit Fürsorgcminister Genosse Jng. NeöaS sprach in seinem Schlußwort offen die Befürchtung aus, daß, falls nicht durchgreifende Ma ßnahmen getroffen werden, die Zahl der Arbeitslosen im Winter wiederdie vorjährige Höhe erreichen wird. Um so mehr muß von sozialistischer Seite alles darangesetzt werden, daß auch die erste und zweite Gruppe der Anträge aus der Resolution, die von der Bekämpfung der Arbeitslosigkeit und von den Hilfsmaßnahmen für di« Arbeitslosen handeln» in weitestem Umfange und vor allem sorasch wienur möglich in die Tat umgesetzt werden. Genosse Jng. Neöas konnte in seinem Schlußwort, mit dessen Details wir uns noch ausführlich beschäftigen werden, zunächst mit Befriedigung konstatieren, daß alle Debattenredner, deren Zahl gegen 60 betrug, den Ernst der Zeit wie auch die Dringlichkeit außergewöhnlicher Vorkehrungen erkannt haben. Auch die Anträge, wie wir aus der Wirtschaftskrise herauskommen und welche außergewöhnlichen Mittel zur dringenden Milderung der Arbeitslosigkeit und zur Belebung unseres Wirtschaftslebens angewendet werben sollen, haben sich in ihren groben Umrissen voneinander nicht sonderlich unterschieden. Dir Zeichen einer wirtschaftlichen Belebung sind, wie der Minister«. a. erklärte» wirklich nicht di«, wie wir sie bei Vergleich unseres Wirtschaftslebens mit jenem des Auslandes wünschen. Es besteht die Gefahr, daß die wirtschaftliche Belebung bei unS in den Frühlings- und Sommermonaten nur vorübergehend ist, ebenso wie eS im Jahre 1934 der Fall war, und daß im Herbst und im Winter wieder ein« newerlichr Verschlechterung eintritt, so daß sich die Krise bei unS in eine konstant« wirtschaftliche Depression verwandelt. Jährlich kommen zehntausende Jugendlicher aus den Schulen auf den Arbeitsmarkt; infolge der niedrigen Löhne und Gehälter verbleiben Ueberdienende und Leute, welche verschiedene Arten von Einkommen beziehen, weiter im aktiven Dienswerhältnis, aus dem Auslande lehren jährlich einige Tausende Repatrianten zurück und endlich belasten den Arbeitsmarkt zehntausend« von Leuten, welche früher entweder für immer oder vorübergehend Arbeit im AuSlande suchten. Der heurige Herbst wird, noch dadurch ärger, daß eben 70.000 Soldaten aus dem Präsenzdienste entlassen wurden und wenn auch die gleiche Anzahl ihren Präsenzdienst antritt, kann man nicht damit rechnen, daß auf alle von diesen verlassenen Arbeitsplätzen neue Arbeitskräfte eingestellt werben, sondern man kann mit Sicherheit erwarten, daß eine sehr ansehnliche Zahl der so frei gewordenen Stellen unbes etzt bleibt und deshalb wird auch die Anzahl derArbeits- losen wegen Rückkehr der Soldaten aus dem Präsenzdienst vermehrt. Wir müssen also, wenn nicht durch- greifenbe Vorkehrungen getroffen werden, mit dem Faktum rechnen, daß in tat Wintermonaten die Zahl der Arbeitslosen die vorjährige Höhe erreichen wird. Der Minister teilt in dieser Hinsicht di« Befürchtungen» die von den Mitgliedern der sozialpolitischen Ausschüsse beider Häuser ausgesprochen wurdeir. man von Eugen« Dabit chtigte Uebertragung aus Französischen von Bejot VILLA OASE Oder: DIE FALSCHEN BORGER Eines Morgens setzte Julien die Zentralheizung in Betrieb. Im ganzen Haus wurde bald angenehme Wärme spürbar. Irma saß im Sessel am Fettster und stickte an einem Tischläufer. Es war eine Äcduldprobe, die sie von Zeit zu Zeit unterbrach, um einen Blick in den Garten zu werfen. Die Blätter wirbelten durch die Lust, die Pappel bog sich im Winde. Jenseits der Mauer sah sie das Land, die kahlen Felder, die .entlaubten Bäume, die Häuser von Melun unter dem grau verhängten Himmel. Die Züge ließen gellende Pfiffe, die Schlepper ihr trauriges Brüllen vernehmen. Irma kauerte sich, erschaudernd, zusammen und dachte^ wie gut es sei, jetzt still und allein im behaglichen Zimmer zu sitzen. Um vier legte sie ihre Arbeit auS der Hand, um Tee zu trinken. Sie entfernte sich vom Fenster. Dabei fiel ihr Blick zufällig auf Helenes Bild, das, gegen die Wand gelehnt, auf der Erde stand. „Ich habe doch Julien gebeten, es aufzuhängen," brummte sie. Sie drehte das Bild um, neigte sich darüber und fuhr zurück. Das Glas war zerbrochen. Sie rief nach ihrem Manne. Aber es dauerte eine Weile, bis er, halb auSgezogen und mit schwarzen Händen, erschien: „Ist daS eine Schinderei, bis man die Heizung im Gange hat!" „WaS ist mit dem Bild?" „Es muß unterwegs einen Stoß bekommen haben. Ich bringe es zum Glaser, sobald ich nach Melun komme." „Nein, niemand soll es berühren! Hänge es auf, wie es ist." Er schlug zwischen den beiden Fenstern einen Haken ein, befestigte das Bild und trat einen Schritt zurück, um die Wirkung zu prüfen. Dann sagte er, die Stimme dämpfend: „Du weißt, ich habe ein Versteck für unser Geld gefunden. Ich habe mehrere ausprobiert, aber dies ist das beste: hinten im Kamin, in einer Kassette, auf die wir Holzscheite legen." Er schob das Schutzblech in die Höhe, um Irma die Sache zu erklären. Dann setzte er die Brille auf die Nase, nahm einen Notizblock zur Hand und rechnete. In der ersten Zeit hatte er mit dem Gelde um sich geworfen. Teils zu seinem Vergnügen, teils auch, um den Leuten zu imponieren. Aber jetzt notierte er die kleinste Ausgabe. Er wollte Ersparnisse machen. Deshalb kontrollierte er die Einkäufe, wog das Fleisch nach, das der Schlächter lieferte, und prüfte die Preise. Das war nötig. Denn sie lebten vom Kapital, hatten nicht genug Vertrauen zur Hochfinanz, um Aktien zu kaufen, und besaßen kein andere- Wertpapier als Kriegsanleihe. Solange eine energische Regierung am Ruder war, brauchte man sich wenigstens darüber keine Sorgen zu machen. Irma, die ausgetrunken hatte, nahm ihre Arbeit nicht wieder auf. Ihr gingen trübe Gedanken im Kopf herum. Seit sie in Chapelle- sur-Seine waren, hatte sie Helena fast vergessen. Sie war schon länger als ein Jahr tot. Jetzt versuchte sie, sie sich vorzustellen. Dabei durchlief sie ein Frösteln. Sie bedeckte ihre Augen mit der Hand, ließ sie wieder fallen und starrte auf das Porträt, dessen reine Linien sich nie verändern würden. „Allerheiligen will ich auf den Friedhof gehen," flüsterte sie. Am ersten November fuhren sie im Auto nach Saint-Ouen. Die Gitterketten waren rostfleckig, die Blumen in den Schalen vertrocknet, ein Chrysan- themenstrautz lag auf der Marmorplatte. Vermutlich hatte Berthe ihn hingelegt. Julien ging brummend um das Grab. Langlois, der die Pflege übernommen hatte, vernachlässigte seine Pflicht. ... WaS war das? Er hörte Schluchzen. „Heul nicht, Dicke. Komm, du hast genug um sie geweint." Langsam gingen sie, Seite an Seite, durch die stille Stadt, in der die Blumen ihre Farben verloren, im Dämmerlicht eines grau bewölkten Himmels leise Schatten glitten. Irma sah und hörte nichts mehr. Ein Kummer drückte sie nieder wie am Tage ihres ersten Besuchs. Zu Hause eilte sie ins Schlafzimmer und warf sich aufs Bett. Sie hörte Solange den Tisch decken, Julien das Feuer schüren. Hunger hatte sie nicht. Sie dachte an den Kirchhof, auf dessen jetzt völlig im Dunkel liegenden Alleen sie gegangen war, zwischen Gräbern hin, die sich beinahe berührten. DaS ihre trat deutlich hervor. Sie sah die rote Marmorplatte, in die eines^ Tages die Worte„Irma Monge" eingraviert sein würden. Auch ihr würde man zu Allerheiligen einen Chrysanthemenstrauß bringen. Ach, aber Julien, Berthe, Ernest und ihre Schwester würden dann wohl auch nicht mehr am Leben sein. Niemand also würde um sie trauern. Dann drängte sich ihr der Gedanke auf, daß Flechons Eltern vielleicht in diesem Bett gestorben waren. Daß ihre Hände die Möbel berührt hatten, die sie jetzt selbst berührte, daß auch sie einmal durch dieses Haus gegangen waren. Und jetzt? Jetzt waren sie nichts mehr, und sie, Irma, lebte hier an ihrer Stelle. Lange, lange würde sie hier sein, bis sie, in diesem stillen Zimmer, den letzten Seufzer tun würde. Ja, es kam auch für sie einmal der Augenblick, in dem sie die Billa Oase verlassen, sich von allen, allem trennen mutzte. Die frohen Sommertage erschienen ihr schon weit entrückt. Wie groß war noch ihr Glück ge wesen, als ihre Freunde zum Ejnzugsschmaus gekommen waren. Jede Einzelheit stand ihr noch vor den Augen: das Essen, das Bad, die Fahrt zu Paul, ihr Tanz mit Alfred, den Kopf an seine Schulter gelehnt..., Alfred vernachlässigte sie seitdem. Sie war allein mit ihrem Manne, der von Tag zu Tag sonderlicher wurde. Sie zog sich auä und legte sich ins Bett. Ein wenig später kam auch Julien. Die Wochen waren vergangen, und nichts hatte sich geändert. Sie sah dieselben Dinge, hörte dieselben Geräusche, doch sie fürchtete sich nicht mehr so vor der Nacht. Nur eine unerklärliche Melancholie beschlich sie. Wie im Hotel Montbert. Sie starrte auf das Bild, das vor ihr hing. Die Augen gewannen Leben, der Mund schien sprechen zu wollen. Sie fühlte sich nicht mehr so einsam. VII. Schon seit einem Monat hielt das schlechte Wetter Julien im Hause fest. Die Vormittage verbrachte er mit Solange. Die Kleine war brav, aber schwer von Begriff und leichtsinnig. Man mutzte ihr dauernd auf die Finger sehen. Er klopfte die Teppiche und polierte die Futzböden. Eigentlich war es Frauenarbeit. Für ihn war es, verglichen mtt dem, was er früher getan hatte» ein Kinderspiel. Dann half er in der Küche. Solange plauderte von ihrer trunksüchtigen Mutter, von ihrer Schwester, ihrem Bruder, und er erinnerte sich dabei an seine eigene Jugend. Die Eltern hatten vor lauter Zank und Streit ihre Kinder vergessen, und ejt, als Nettester,.hatte sich um Berthe und Charles kümmern müssen. Die Erinnerungen sttmmten ihn nachsichtig. Wenn Irma Solange ihres lärmenden Wesens wegen ausschalt, trat er für sie ein. Was tat es denn? Die Kleine brachte dach nur Leben ins Haus. '(Fortsetzung folgt.). «r. 229 Mittwoch, 2. Oktober 1935 Seite 3 2. 8. Böhm.- Kamnitz.(Eigenbericht). Am DienStag, kurz vor 12 Uhr mittags, wurde in den Räumen des Kamnitzer Sparvereines in Böhm.-Kamnitz ein räuberischer lleberfall ausgeführt, der an die Darstellungen in den berüchtig. sten Kriminalromanen erinnert. Um die angegebene Zeit erschien im Kassenraum der genannten Anstalt«in junger Mann und ehe eS sich die dort anwesenden Beamten versahen, hielt er ihnen einen Revolver entgegen. In der ersten Verblüf- fung der Beamten gelang es ihm, einige Tausend XL an sich zu nehmen und das Weite zu suchen. Auf di« nun folgenden Alarmrufe der Beamten stellte sich dem Flüchtenden am Roßmarkte rin Mann namens Karl Sauerstei» entgegen und»ersuchte ihn auf-uhalten. Das benützte der Räuber zum Anlaß, Sauerstrin mitdem Revolver zu bedrohen. Mittlerweile war auch die Gendarmerie alarmiert worden und der Gendarmeriewachtmeistrr Holub kam gerade da. g«, als der Räuber Sauerstein mit dem Revolver in Schach hielt. Der Gendarmeriewachtmeister richtete nun seinerseits den Karabiner gegen den Verbrecher und als sich dieser nunmehr von zwei Oberaktuar Kavschil und der städtische Beamte der Karlsbader Propagandaabteilung Josef Mastino nach Prag, um beim Landesamte in verschiedenen Angelegenheiten zu intervenieren. Auf der Rückfahrt von Prag bei der L^tschaft Horo- sedl, kam ein fünfjähriger Knabe auf einem Fahrrad vor den Kühler des Karlsbader Autos. Der Chauffeur bremste scharf. Der städtische Beamte Mastino, der neben dem Chauffeur sah, rih die Tür auf und stürzte durch den scharfen Ruck aus dem Automobil. Mastino dürfte auf einen di« Strahe einsäumenden Straßenstein gefallen sein und war auf der Stelle tot. Bizebür- germeister Ulbert verständigte sofort einen Arzt und die Gendarmerie. Mastino ist verheiratet und hinterläßt zwei minderjährige Töchter. Meldungen wird erst nach Einlangen aller Meldungen möglich sein und vom Statistischen Staatsamt durchgeführt werden. Was die Erwerbstätigkeit von Ausländern betrifft, so ist hervorzuheben, daß das Gesetz zum Schutz des heimischen Ar- beitSmarkteS vom Jahre 1928 sich nicht auf jene Ausländer bezieht, die vor dem l.Mai 1 9 2 3 in die Tschechoslowakei gekommen sind und sich hier seither ständig aufhalten. Diese Ausländer unterliegen keinen Beschränkungen hinsichtlich des Arbeitsplatzes. Ebenso wurden Gegenseitigkeitsverträge mit Deutschland(1929) und mit Oesterreich(1930) getroffen, die einer weiteren Kategorie von Ausländern eine Ausnahmestellung auf dem Arbeitsmarkt einräumen. Diese Beiträge dienen natürlich in erster Linie dem Schutz der tschechoslowakischen Staatsbürger im Auslande. Was den Betrieb vonGe« werben durch Ausländer anlangt, wurden die Landesämter angewiesen, bei Neuanmeldungen rigoros vorzugehen. Repressalien gegen Polen wesen der Ausweisungen von Tschechoslowaken Der Minister erklärte dann noch, daß eS in letzter Zeit im Verkehr mit Polen zu einer b e• trächtlichen Verschlechterung der Position der dort ansässigen tschechoslowakischen Staatsbürger gekommen ist. DaS scharfe Borgehen der polnischen Behörden gegen unsere Staatsbürger wird von unseren Behörden sorgsam verfolgt. Die tschechoslowakischen Behörden bemühen sich, im Rahmen der geltenden Vorschriften diesem Borgehen entgegenzutreten und werden auS unserem Staatsgebiet jene polnischen Staatsbürger entfernen, die gegen geltende Vorschriften verstoßen haben oder bei denen andere Mängel, namentlich im Hinblick auf ihre Verläßlichkeit, festgestellt wurden. Nachspiel zu Romlnten Warschau. Der Präsident der Republik Polen empfing Dienstag nachmittags in gemeinsamer Audienz den Ministerpräsidenten S l ck- w«^, den Generalinspeltor der Armee General Rydz Smigly und den Minister des Aeuheren Beck. Nur 1664 Emigranten In der ganzen Tschechoslowakei des sudetendeutschen Volkes willen sofortwie- der in ihre Heimat abgeschoben werden. 2. Dasselbe gilt für die Feiglinge uno Drückeberger... Es schadet keinem Su- detendeutschen etwas— und am wenigsten unserer Bewegung, wenn er seine Heimat im tschechischen Kerker erst einmal genau kennen gelernt hat Ihr jämmerliche» Feiglinge, die ihr euch womöglich noch Nationalsozialisten nennt, habt ihr vergessen, daß auch Adolf Hitler in den Kerker wandern muhte? Und was nützt eS, wenn ihr euch von dem Abbühen eurer Strafe drücken wollt?— Ihr verlaßt eure Heimat, euer Elternhaus, um sie nie wieder, solange Tschechen regieren, sehen zu können. Uun nun zu jenen Drückebergern, die sich dem Dienst im tschechischen Heere durch Flucht entziehen wollen. Ihr bildet euch vielleicht gar noch ein, daß ihr Helden seid, und eS gibt immer noch reaktionäre Spießer in Deutschland genug, die euch als Helden feiern. Pazifisten seid ihr und Feiglinge. Held ist für uns, wer auch als tschechischer Soldat seinem Deutschtum treu bleibt, für sein deutsches Volkstum kÄnpft. Wir müssen daher wiederum fordern, daß Feiglinge und Drückeberger um des sudetendeutschen Volkes willen sofort nach Drübe» abgeschoben werden." Natürlich, 1>ie Krebs, Viererbl, Jung und Schubert werden nicht abgeschoben werden, weil bekanntlich eine Krähe der andern kein Auge aus- I hackt. Nur im U r t e i l sind die Genannten mit- Prag. Man erinnert sich, welche Hetze in der deutschen wie in der tschechischen Rechtspresse immer und immer wieder gegen die politischen Emigranten getrieben wird, die bei uns ihre Zuflucht gesucht haben. Da werden die übertriebensten Angaben über die Zahl dieser Emigranten in die Welt gesetzt und womöglich noch die Ausschaltung aller Ausländer überhaupt aus dem ErlverbSleben verlangt, ohne zu bedenken, dah andererseits Hunderttausende von Tschechoslowaken im Ausland ihr Brot finden, die dann Repressalien ausgesetzt wären. Es war deshalb sehr am Platze, dah der Innenminister am Dienstag im sozialpolitischen Ausschuß genaue Ziffern über die Zahl der Emigranten brachte, d. h. jener, die aus politischen Gründen aus unseren Nachbarländern flüchten muhten, gegeben hat. Der Minister betonte hiebei selbst, däh diese Dinge gewöhnlich übertrieben und zu Agitationszwecken mißbraucht werden. Nach den genauen Feststellungen deS Innenministeriums gibt eS in der Republik im ganzen 1373 reichsdeutsche Emigranten, davon in Böhmen 1095, in Mähren- Schlesien 187, in der Slowakei 90- und in Karpathorußland einer. Oesterreichifch'e Emigranten gibt eS bei unS 291, davon der Hauptteil, nämlich 197, in Mähren-Schlesien. Die Zahl der Ausländer überhaupt, die sich zumeist ständig bei uns aufhalten, ist allerdings wesentlich größer. Nach dem Gesetz über die Meldepflicht der Ausländer liefen beim Landesamt in Prag rund 40.000 Anmeldungen ein, bei der Polizeidirektion in Prag 35.000. Das Landesamt in Brünn mel- I det bis heute 25.000 Anmeldungen, wobei die Mährisch-Ostrauer Polizeidirektion noch fehlt. DaS LandeSamt in Prehburg erhielt 20.000 Anmeldungen. Die statistische Verarbeitung der An» 16 Italienische U-Boote im Roten Meer? AddiSAteba.(Reuter.) ES kursieren Gerüchte, daß im Roten Meer 16 italienische Unterseeboote ankern» und zwar zu dem Zwecke, um den Versuch zu machen, die Zufuhr von Munition und Kriegsmaterial aus verschiedenen Staaten nach Abessinien unmöglich zu machen. tJn der Nähe von Dschibuti, in den Gewässern von Französisch- Somaliland, sollen zwei geheimnisvolleSchiffe ohne Flaggen gesichtet worden sein. Man nimmt an, daß sie einige tausend Maschinengewehre an Bord führen und daß sie auf einen geeigneten Augenblick warten, um die Waffen ans Land zu bringen. Regreß zurückgestellt Fürsorgeminister Jng. NeLckS befaßte sich im Sozialpolitischen Ausschuß unter anderem auch mit der schon so oft diskutierten Frage des Regresses. Nach einer Uebersicht über die chronologische Entwicklung dieser überaus komplizierten Frage erklärte der Minister u. a., daß es unter den gegebenen wirtschaftlühen Verhältnissen nicht möglich sei, von de» sozial schwachen Eigentümern der Fa- milienhäuser, die die Mehrzahl der Bauherren bilden, zu verlangen, daß sie dem Staate einen Ersatz leisten. Die gleiche Situation sei dann auch bei den gemeinnützigen Bauvereinigungen gegeben, insbesondere bei jenen, die Häuser mit der bloßen Staatsgarantie nach den Gesotz über die Baubewilligung aus den Jahre» 1927—1930 gebaut haben oder mit der Garantie des StaatswohnungsfondS. Das allgemeine Sinken deS Mietzinse-, da- eine verminderte Steuerbasis der gesamten Bevölkerung mit sich gebracht hat, hat auch diese Bereinigungen gezwungen, den erhöhten MietzinS.in den dem Regreß unterliegenden Häusern zur Deckung der Abgänge bei den übrigen Häusern zu verwenden, so daß der erhöhte Betrag, der eigentlich den Gegenstand des Ersatzes bilden soll, heute hier schon zur Erhaltung des finanziellen Gleichgewichtes dieser juristischen Personen benützt wird. Eine neue finanzielle Belastung wäre daher für sie wirtschaftlich untragbar. Aehnlich verhält eS sich mit den Häusern der Gemeinden, deren unerquickliche finanzielle Lage hinreichend bekannt ist. Diese Tatsachen würden auch heute zu einem notwendigen Aufschub der Durchführung deS Regreßrechtes bei einer bedeutenden Mehrheit jener Bauherren führen, die von den Begünstigungen aus Grund der Gesetze über die Baubewegung auS den Jahren ISIS—1824 Gebrauch gemacht haben, so daß der Anspruch des»Staates auf Ersatz in der gegenwärtigen Zeit unausweichlich nur auf den verhältnismäßig engen Kreis begüterter Hauseigentümer beschränkt werden müßte. Im Hinblick darauf könnte man nur mit einem unbedeutend verringerten Ertrag des Regreßrechtes rechnen, und zwar nach der Schätzung der parlamentarischen Kommission höchstens mit 10,000.000 Kronen, die sich noch um die bedeutenden Ausgabeposten verringern würden, die die Durchführung des neuen Gesetzes erfordern würde. DaS Ministerium für soziale Fürsorge wird daher in der Frage des Regresses im Einvernehmen mit den zuständigen Faktoren vorgehen, geleitet von der Grundtendenz, daß unter den heutigen Verhältnissen diese Frage nur bei den vermögenderen Kreisen erfolgreich gelöst werden kann. Aus dem Auto gestürzt und getütet Karlsbad. Dienstag vormittags fuhren mit einem städtischen Automobil der Stadtgemeinde Karlsbad der Vizebürgermeister der Atadt Karlsbad Ulbert, Stadtrat Grimm, Seiten gestellt sah, ächtete er den Revolver gegen seine rechte Schläfe und brachte sich einen Durchschuß quer durch den Kopf bei. Er wnrde sofort ins Krankenhaus in Böhm.-Kamnitz gebracht, wo er jedoch kurz nach seiner Einlieferung starb. Die sofort angestellten Erhebungen ergaben, daß der verwegen« junge Mann Benno Dimmer heißt, 20 Jahre alt ist und aus Stern- s ch ö n a u stammt. ES wurden bei ihm noch ei« zweiter Revolver, verschiedene Personaldokumente und eine auf seinen Namen lautende Mitgliedskarte der Sudetendeutschcn, Heimatfront bzw. der Sudetendeutschen Partei, Ortsgruppe Steinschönau, gefunden. ES wurd« weiter festgestellt, daß die in semem Besitz befindlichen Waf- fen ans einem Einbruch herrühren, welcher vor einigen Tagen im Waffengeschäft F i- scher in Steinschönau(ebenfalls Anhänger der SdP) durch Ausschneiden der Auslagenscheib« verübt worden war. Der von ihm geranbte Betrag in der Höhe einiger Taufend K£ wurde bei ihm vorgefunde«. berliner pledlszltplüne für Lupen? London. Wie»Daily Expreß" erfahren haben will, hat Hitlers Bevollmächtigter von Ribbentrop in seinen Unterredungen mit Mitgliedern der belgischen Regierung den Boden dahingehend sondiert, ob Belgien zur Zulassung eines Plebiszites in den Kantonen Eupen und Malmedy geneigt sei, von welchem sich Deutschland für den Fall seiner Durchführung anscheinend ein für das Reich günstiges Ergebnis verspricht. Für das Zugeständnis einer Volksabstimmung habe Deutschland, wie verlautet, Belgien die Gewährung wirtschaftlicher Vorteile angeboten. Fußtritt von drüben Urteil aus dem Dritten Reich über die„Feiglinge" und„Drückeberger" ä la Krebs, Jung, Schubert Unser Karlsbader„Volkswille" bringt ein paar aufsehenerregende Zitate aus der national sozialistischen„Chemnitzer. Volkszei tung", denen gerade jetzt, nach der Flucht auch Jungs und Schuberts, unbezweifelbare Aktualität zukommt. Wir zitieren: „Ganz kalt und nüchtern stellen wir an die ser Stelle die Frage: Welcher Teil unserer su detendeutschen Volksgenossen'kommt ins Reich? Wir unterscheiden drei Klassen. 1. tfudetendcutscfter Zeitspieget „Nelson" gibt seine Toten heraus Ossek.(Tsch. P.-B.) Dienstag wurde unter der Leitung des Betriebsleiters Jng. Hauser im „Nelson"-Schacht ein neuer Grubenabschnitt erschlossen. Der Streckengewinn beträgt etwa 1000 Meter. Beim Vordringen stieß man auf die Leichen dreier verunglückter Arbeiter, und zwar auf die des Fördermeisters Ott und die der Förderer Kraus und D r a x l. SHF--„Sei Hitlers Freund!“ Zerstörung der Tschechoslovakel— die „Mission“ des Henleinamtswalters «Bekanntlich" ist die Henleinpartei eine durchaus loyale und staatstreue Bewegung. Ein prächtiges Exempel für diese Staatstreue liefert die Vorgeschichte der Berhaftung des Lehrers des „deutschen Privatunterrichtes" Anton Maier im Hultschiner Land, über welche die„Prager Presse" aufschlußreiche Einzelheiten erfährt. Anton Maier, der unter dem Verdachte des Verbrechens von Anschlägen gegen die Re publik in Haft genommen wurde, ist selbstverständlich Funktionär der Henleinpartei. Bei dön letzten Wahlen tat er sich sogar als Agitator und Ordner im Dienste Henleins besonders hervor. Und er würde wohl auch heute noch in voller Freiheit für die„Idee" des Turnlehrers wirken, wenn er nicht— trotz seines Berufes als deutscher Sprachlehrer— einen unverzeihlichen Irrtum in der Abschätzung einer deutschen Mundart begangen hätte. Er hatte sich nämlich im August dieses Jahres in einem Kaffeehaus in Troppau an einen Tisch gesetzt, an welchem zwei Leute saßen, die er ihrer Sprachweise nach für Reichsdeutsche hielt.-Kein Wunder, daß er sich auf diese Vermutung hin— wie sollte man es von einem Henleinmann anders erwarten— ganz wie zu Hause fühlte und aus seinem Herzen keine Mördergrube machte. Und so teilte er ihnen mit aller Offenheit mit, seine„Mission" im Dienst« der SHF fei' die „Befrei« n,g" des Hultschiner Landes von der tschechoslowakische» Herrschaft. Die Borbereitun- Der größte Teil setzt sich aus Abenteurern zusammen, denen es drüben nicht mehr paßt, denen der Druck der Tschechen zu stark wird, und die im Reich ein leichteres Leben erhoffen und daneben bei uns noch etwas er leben möchten. Dann kommt eine ganz beachtliche Zahl von Feiglingen und Drückebergern zu unS, Leute, die sich von der Militärpflicht und von der Verbüßung von Haftstrafen drücken wollen. Schließlich wandern aber auch noch jene Su detendeutschen ins Reich, auf die der Haß der Tschechen sich mit ganzer Wucht entladen hat. Betrachten wir nun jede Klaffe der sudeten deutschen Flüchtlinge für sich: 1. Jeu« jungen sudetendeutschen Aben teurer sind Schädlinge. Gewiß, eS mag verständlich erscheinen, daß die Jugend das Auf blühen des Reiches miterleben will, aber da nach dürfen wir nicht fragen. Der Sudetendentsche gehört, solange er existiert, nach Sudetendeutschland, er hat dort für sein Volks- einbezogen, ja an erster Stelle getroffen. Aber tum, seine Muttererde zu kämpfen und, wenn eS die Wucht der Tatsachen trifft die a n d e r e n, die sein muß, zu sterben.... Wir müffen deshalb Geführten, Verführte n, Betro- fordern, daß solche sudetendeutsche Abenteurer um g e n e n. Der SHF-Mann als Kassenräuber! Verwegener Ueberfall In einem Geldinstitut Der 20jShrlse Kassenräuber erschießt sich selbst Btn für diese Arbeit seien in der SHF im vollen Gange. Und um seinen neuen Freunden zu beweisen, daß er wiicklich dieser Partei angehöre, zog er auch gleich das SHF-Abzeichen heraus und erläuterte die Bedeutung der Buchstaben:„Sei Hitlers Freund", was— so fügte er hinzu— ohnehin jeder Mensch wisse. Da die Henleinvewegung von Deutschland aus moralisch und materiell auf das beste unterstützt werde, erklärte er weiter, sei mit der Lostrennung der deutschen Gebiete schon für die allernächste Zeit zu rechnen. Da Herr Maier aus K r a w a r n aber, wie gesagt, sich in der Staatszugehprigkeit seiner beiden Tischnachbarn getäuscht hatte, endete sein freimütiger Bericht im Kreis geeicht. Eine Haussuchung, die im Laufe der Untersuchung gegen ihn vorgenommen wurde, brachte reichliches Material zutage, durch das die irredentistische Tätigkeit deS HenleinamtSlvalterS bewiesen wird. Man fand in seiner Wohnung außer den Abzeichen des irredentistischen„Vereines für das Deutschtum im Auslande" eine umfangreiche Korrespondenz mit der SHF sowie Briefe seiner Mutter aus Deutschland, in denen ausführlich mitgeteilt wird, was in Deutschland gegen die Tschechoslowakei unternommen wird. CfHt 4 NittwvK, 2. Oktober 1935 Nr. 229 k^IocK einmal VollcsKllfe-Ll(sn6sl? "Die„parteilosen" Macher der Sudetendeutschen Volkshilfe, für die die Bundesleitung des Bundes der Deutschen in den Vordergrund tritt, sind bei der Vorbereitung für eine Wiederholung der^Sudetendeutschen Volkshilfe". Entgegen der tatsächlich geübten Praxis haben sie vor den geladenen Vertretern der Behörden und Organisationen behauptet, daß für die Sudetendeutsche Volkshilfe„als einziger Grundsatz die Not des deutschen Volksgenossen, nicht aber die Zugehörigkeit zu einem Verein oder einer Partei Geltung habe". Demgegenüber muß mit allem Nachdruck darauf aufmerksam gemacht werden, daß diese Sudetendeutsche Volkshilfe nicht nur zum ersten Mal im Winter vor den letzten Wahlen aufgezogen wurde, sondern daß auch in vielen Orten die Funktionäre der Dudeten- deutschen LolkShilf« die gleichen Personen warm, die als führende Agitatoren für die Sndetendentsch« Partei des Herrn Henlein auftraten. Aber damit noch nicht genug. Es sind über die Durchführung der Aktion dieser Volkshilfe eine große Anzahl von Berichten veröffentlicht worden, aus denen einwandfrei hervorging, daß bei der Auswahl der Hilfsbedürftigen weniger die Rot als die politische Gesinnung oder die Parteizugehörigkeit ausschlaggebend war. Darum hat diese Aktion in weiten Kreisen st a r k e Beunruhigung und sogar Empörung ausgelöst. Wichtiger aber noch für di« Frage, ob sich der Sudetendeutsche- Volkshilfe- Skandal, Skandal deshalb, weil an dem Feuerchen der Volkshilfe das Süppchen der Sudetendcutschen Partei gekocht werden soll, noch einmal wiederholen soll, ist die Tatsache, daß durch diese„Volkshilfe* vielerorts die Hilfsaktionen der Gemeinden sabotiert worden sind Da aber bei einer gemeindlichen Hilfsaktion die Möglichkeit einer wirklichen Kontrolle besteht, mutz gefordert werden, daß ihre Sabotage diesmal nicht wieder ermöglicht wird. Es bedarf keiner Sudetendeutschen Volkshilfe, die auch in neuer Auflage nichts anderes sein soll als ein getarnter Propaganda-Apparat für die Henleinleutel Es wäre richtig, wenn die Gemeinden oder di« Bezirksbehörden diesmal die Winterhilfsaktion selbst organisieren und dazu alle in Betracht kommenden Vereinigungen hcranziehen würden. Da-< durch würde jede Zersplitterung verhindert und dir überparteiliche Verteilung der Spenden gesichert werden. . In einem demokratischen Staatswesen mutz es ausgefchlosien sein, daß die soziale Not von hunderttausenden Staatsbürgern zum Gesinnungskauf auSgenützt wird. Oer Prozeß gegen die Brünner Funktionäre der DNSAP Am ersten Verhandlungstag wurde noch der Angeklagte Richter einvernommen, der angab, sich um das Programm der Partei nicht gekümmert zu haben. Er sei nur Beirat für Wohnungsfürsorge und geschäftssührender Obmann der Ortspartei gewesen. Dis Jugendgruppe habe gegen ihn Flugzettel verteilt, in denen sie ihn einen„l iberalen Bonzen" nannte. Er bezeichnet sich als einen miserablenPoli- t.j k e r, der von Gröger immer eine„Doppel- Null" geheißen wurde. In Brünn sei keine Politik gemacht worden(!) Er habe als Oxtsgruppen- obmann nicht einmal gewußt, was in der Kreisleitung vorging, vielleicht weil Gröger auf ihn schlecht zu sprechen war. Es kam dann zu einem Zusammenstoß zwischen Staatsanwalt und Verteidigung wegen der Definierung des„Dritten Reiches". Richter erklärte, er verstehe darunter eine ,„g eistige Gemeinschaft auf der Basis der Brechung der Z ins k n e ch t s ch a f t". In der gestrigen Verhandlung fand das Verhör mit I u d e x und Kruge statt. Iudex bekannte sich ebenfalls nicht als s ch u l d i g. Er habe zu Uebungszwecken Reden konzipiert, die er dann nicht einmal gehalten habe. Aus Ehrgeiz habe er in die Gemeinde kandidiert. Erst nachher sei er eigentlich Nationalsozialist geworden. 1932 war er als.b e z a h l t e r O r t s g r u p p e n f ü h r e r abgesägt worden und nachher habe er sich um die Partei nicht mehr gekümmert, weil man ihn, der eine schwerkranke. Frau und zwei Kinder hatte, aufs Pflaster gesetzt hatte. Der Vorsitzende verlas aus einem Vortrage Judex' folgende Stelle:„W i r stehen andächtig vor dem Ge- b u r t s h ause Adolf Hitlers." Ein Votant weist darauf hin, daß dies von der Sympathie des Angeklagten für Hitler'zeuge. Auch der Angeklagte Kruge bezeichnet sich als n>i cht schuldig. Er habe sich politisch nie betätigt. Er macht den Eindruck eines Prüfungskandidaten, der sich schlecht vorbereitet hat. In der Partei hieß er„d a s K i n d'e r- m ä d e l", da er auf die Jugendlichen aufzupasien gehabt habe. Die- Verteidiger beantragten die Einvernahme einer Reihe von Zeugen und der Staatsanwalt stellte mehrere Beweisanträge. Die Verhandlung wurde Dienstag mittags abgebrochen und wird Donnerstag früh wieder ausgenommen« Erleichterte Volksernährung in USER Moskau.(Taß.) Seit 1. Oktober werden auf dem gesamtem Staatsgebiete der Sowjetunion Lebensmirtel ohne Zuteilungskarten verkauft. Das Netzt der Verkaufsstellen wurde in bedeutendem Maße erweitert, es wurden weiter zahlreiche neue Kaufläden errichtet und die alten vergrößert. Auf den Kolchos- märkten ist bereits die Herabsetzung des Fleisch-, des Butter- und Gemüse- Preises sowie auch die Reduktion der Preise der übrigen Produkten bemerkbar. Di« staatlichen Handelsunternehmungen und Märkte sind vollauf in der Lage, die Nachfrage der Bevölkerung nach den verschiedenartigste» Nahrungsmitteln zu befriedigen. Verlustliste London.(Reuter.) Nach einem amtlichen Kommuniquee des Ministeriums für Indien hat das englische Militär bei den blutigen Zusammenstößen an der Nordwestgrenze Indiens folgende Verluste erlitten: Ein Offizier wurde getötet und von einem zweiten nimmt man an, daß er gleichfalls gefallen ist; vier britische Offiziere wurden verwundet. Von britischen Einge- borenen-Offizieren wurden zwei getötet und zwei verwundet. Von den britischen Soldaten wurde einer getötet und^ bei einem zweiten hat es den Anschein, daß er gleichfalls den Zusammenstößen zum Opfer fiel. Von den Unteroffizieren und den Soldaten der britischen Eingeborenen-Armee wurden achtzig Mann getötet und verwundet. Olympischer Fackelzanber. Aus Anlaß der Olympischen Spiele' im Jahre 1936 wird ein Fackellauf veranstaltet, der in O l y m h i v beginnt und in Berlin endet. Sieben Länder werden die Läufer zu durchqueren haben und 3053 Kilometer beträgt die Wegstrecke, bis das Licht von Olympia in die geistige Nacht Berlins gebracht wird. OlympiarSymbol einer Kultur und einer Zeit, die ihre Wirkung noch nach Jahrtausenden übt. Im alten Griechenland gesellte sich zur körperlichen Bildung der Jugend das Streben nach geistiger Vollendung, wurden Werke geschaffen auf Gebieten der Kunst und der Dichtung— die jenen versagt bleiben müssen, welche heute von der Jahrtausende währenden Dauer ihrer Werke reden, noch bevor eines von ihnen geschaffen ist. Denn es ermangelt diesen Lehrern und Führern eines Reiches, das sich das„Dritte" nennt und dabei an Stumpfheit und grausamer Dummheit eine erstmalige Form darstellt, an allen jenen Eigenschaften, hie den Ruf der Olympier und Olympias begründet haben. Nun will man das Licht— entzündet in der altehrwürdigen Stadt— gerade nach Berlin tragen, der Stadt, ist der heute eine geistige und moralische Dunkelheit herrscht, für welche noch kein Symbol geftmden wurde außer jenem Kreuz mit Haken verziert, an deren jedem man soviel olympische Fackeln anbringen mag als man will, ohne damft den Erfolg zu erzielen, den man beabsichtigt: Das Kreuz wird nicht strahlen, wird selbst in dieser Vermählung nicht in der Lage sein die Nacht zum Tage zu wandeln, in die es das Land, und zum Teile Europa, gestützt hat! Berlin und Olympia! Keine Brücke führt zu einer Verbindung dieser Welten— kein Weg, und sei er noch so lang, erreicht in Berlin das geistige Ziel— und die Fackel, das Symbol der g r o ß e n schönen olytnpischen Ideenwelt, wandelt sich zur Lunte, da sie die Läufer über die Grenze des Dritten Reiches tragen, wird zur Brandfackel, die Tod und Vernichtung be- deutet, schafft ganz andere Vorstellungen in einer Welt des Hasses und der Barbarei, der Unduld- samkeft und desgeistigenBetrugs, als es die Veranstatter dieser Spiele beabsich- tigten. Niemand in der Well würde es überraschen, wenn in dem Lande der Streicher— (Streicher und„Olympia" I) Goebbels und Görings, der Helldorfs und der Gestapo"— plötzlich ein schwarzer S.S.-Gardist den Weg des Läufers sperrte, die Fackel an sich risse, sie zum Verlöschen brachte— weil er in ihr kein anderes Bild eyrennen kann, als jenes, das ihn an die Ereignisse einer Februarnacht gemahnt, in der eine Schar„ehrenwerter Männer" mit Fackeln versehen in den Reichstag stiegen, um die Tribüne der Freiheit in Flammen aufgehen zu lassen. Flammen, die der Stadt Berlin eine ganz andere Bedeutung gaben als die Fackelflammen von Olympia! Selbstmord? Die Gattin des technischen Oberrats Kalfuß aus Troppau wurde in'ihrer Wohnung durch Leuchtgas vergiftet tot aufgefunden. Bisher konnte nicht festgestellt werden, ob es sich um einen unglücklichen Zufall oder um Selbstmord handelt. Ei« gewissenloser Streber. In Klagenfurt wurde der Vorstand des Arbeitsvermittlungsamtes Müller-Strobel verhaftet, der in systematischer Weise' verschiedene Perscmen der-illegalen Tätigkeit in verbotenen politischen Organisationen, hauptsächlich in der sozialdemokratischen und nationalsozialistischen Organisation, bezichtigte und so einige Personen ins Gefängnis brachte, deren absolute Unschuld zur Genüge erwiesen wurde. Der Verhaftete hat eingestanden, daß er auf diese Weise jene Personen beseitigen wollte, die sein'er Karriere im Wege standen. 90 Kilometer— 45 Verletzte. Bei Baken« c i a stieß ein vollbesetzter Triebwagen,; der mit einer Geschwindigkeit von 90 Kilometern, fuhr, mit einem auf der Strecke stehenden Eisenbahnwaggon zusammen. Aus. den Trümmern wurden 45, zum Teil schwer verletzte Fahrgäste geborgen. Eine Person ist nach der Einlieferung ins Krankenhaus gestorben. Opf« eines Zyklons. Aus Kingston(Jamaika) wird berichtet, daß der nächtliche schtvere Sturm auf der kleinen britischen Insel Cayman- Brac, die zur Cayman-Inselgruppe gehört, schweren Schaden angerichtet hat. 40 Häuser wurden völlig zerstört und 105 andere schwer beschädigt. 190 Personen sind obdachlos. Verluste an Menschenleben wurden bisher nicht gemeldet. Familieutragödie. Montag nachmittags öffnete die 48jährige Frau des Auwunternehmers Marie Horner in ihrer Wohnung in Wien den Gashahn. Als ihr Mann, der 54jährige Franz Horner, und die 24jährige Tochter Grete Horner sie tot fanden, schlossen sie sich in ihrer Wohnung ein und öffneten ebenfalls den Gashahn. Sie wurden Dienstag früh beide tot aufgefunden. In ihrem hinterlassenen Schreiben geben sic bekannt, daß sie ohne die Frau und Mutter nicht weiter- leben wollen.. Die Tuberkulose des Rindviehs scheint nunmehr dank den wissenschaftlichen Arbeiten des schweizerischen Gelehrten Henry S p a tz l i n g e r endgültig ü b e r w u n den zu sein. Er hatte bereits im Jahre 1922 ein Serum hergestellt, das Kühe gegen den Tuberkuloscvirus immun machte. Seit dieser Zeit wurden in dem großen Milchindustriezentrum in U l st e r in Irland 32' Versuche unternommen, die eine hinreichende Ucbcr- sicht sowie definitive Ergebnisse liefern. Tödlich? Dosen von tuberkulösen virulenten Bazillen, di? mit dem Spatzlinger-Serum geimpften Kühen injiziert- wurden, hatten absolut kein Ergebnis für di« Dauer von sechs Monaten, während welcher die Kühe beobachtet wurden, während Kühe, die nicht geimpft wurden und denen eine starke Ba- zillendysis injiziert wurde, in der Durchschnittszeit von 43 Tagen zugrunde gingen. Diese Versuche wurden unter der Kontrolle einer vom Landwirtschaftsministerium des nordirischen Staates "ernännten Kommission vorgenommen. Sträflingsrevolte in Polen. In dem großen Gefängnis für Schwerverbrecher: in Koronow bei Bromberg brach Dienstag unter den dork untergebrachten 1000 Sträflingen eine Revolte aus. Die Sträflinge verbarrikadierten sich in ihren Zellen, demolierten die Einrichtung derselben und traten dann in den Hungerstreik, Die Luftjacht des Maharadscha»an Patiala. Der Maharadscha von Patiala hat sich eine neue Luftjacht bestellt. Das Flugzeug wird das größte und schnellste in Privatbesitz sein. Es wird selbstverständlich aufs Luxuriöseste ausgestattet. Der Passagierraum ist in einen Salon verwandelt, in dessen Mitte sich ein langer Tisch befindet, um den sechs Klubsessel stehen. Der Maharadscha ist ein passionierter Schachspieler, und so wird auf dem Tisch ein Schachbrett eingelegt werden. Die Schachfiguren werden eine besondere Vorrichtung erhalten, damit sie während des Fluges nicht umfallen. Die Wände sind völlig schalldicht, und' enthalten eingebaute Schränke, eine Bar, einen Lautsprecher und eine Bibliothek. Eifersucht? Der 24jährige Arbeiter Ludwig Cerny aus Branka bei Troppau schlich sich in das Zimmer seiner Verlobten Blokesovä aus Chlebiöov ein, wartet« deren Rückkehr von einer Tanzunterhaltung ab und gab gegen sie Mehrere Schüsse ab. Durch «inen Schütz in den Kopf verübte er sodann Selbstmord. Der Hund als Lebensretter. In Bar-le-Duc versuchte eine 35jährige Frau, di« von ihrem Mann verlassen worden war, Selbstmord zu verüben. Sie sprang in einen Kanal, der in der Nähe einer Fabrik vorbeiführt. Unweit davon befindet sich ein Kolonialwarenladen, vor dessen Tür ein Wolfshund schlief. Der Hund erwachte durch das Geräusch des Aufschlagens des Körpers auf das Wasser. Das Tier war darauf dressiert, alles, was ins Wasser fiel, wieder herauszuholen. Er setzte mit einem großen Sprung der Selbstmörderin nach, faßte sie an ihren Kleidern und holte die Lebensmüde wieder ans Ufer zurück. Das Tier soll die Rettungsmedaille bekommen. Radium im Schweinemage«. Im Hospital von Mov-in Minnesota verschwand ein Stückchen Radium an Werte von 3000 Dollar. Bei der Suche stellte es sich heraus, daß es bestimmt auf den Müllhaufen gekommen war. Leider war aber der Müll bereits abtransporttert und, um das Unglück vollzumachen, an Schweine verfüttert. Aber zum Glück gibt«S Instrumente, mit denen man daS Vorhandensein von Radium in einem Körper feststellen kann. Mit diesem Instrument bewaffnet, untersuchte Dr. Buchta, der Leiter der Radiumabteilung, die 600 Schweine, die in Betracht kamen. Tatsächlich fand man das Radium im Magen eine? der Tiere. Für den frechen Radiumraub ist der vierfüßige Uebeltäter mit dem Tode bestraft worden<— denn die Klinik mußte ja Ans do* Arbclfcr-Turn- und Sportbewegung Die Fußballserie im 5. Kreis Die Ergebnisse.her Spiele in der Sonderklasse vom Sonntag sind: Gruppe II: Nestersitz gegen Aussig-Nord 8:2, Schönpriesen gegen Kleische 1:5, Ullgersdorf gegen Wannow 2:0. Gruppe III: Schönfeld gegen Krochwitz 4:3, Türmitz gegen Aussig-Ost 3:2. Gruppe IV: Weiskirchlitz gegen Dux 2:0 ab- gebr., Pihanken gegen Kleinaugezd 3:4, Graupen gegen Langugest 2:0, Prosetitz gegen Ladowitz 1:3. Gruppe V: Novv Dvory gegen Tischau 2:1, Eichwald gegen Sobrusan 6:1, Wohontsch gegen Kosten 4:0. , Die Schiedsrichter werden ersucht, die Berichtsbogen direkt an den jeweiligen Gruppenleiter zu übermitteln, damit in der Berichterstattung keine Verzögerung eintritt. * Die nächste Runde der Sonderklasse amSonnt a g, dem 6. O k t o b e r, bringt folgende Begegnungen: Gruppe I: Nieder-Liebich gegen Böhm.-Kam- nitz, Rumburg gegen Schönlinde. Gruppe II: Aussig-Nord gegen Wannow, Ullgersdorf gegen Kleische, Schönpriesen gegen Nestersitz. Gruppe III: Predlitz gegen Krochwitz, Schönfeld gegen Türmitz. Spielfrei: Aussig-Ost. Gruppe IV: Langugest gegen Pihanken, Kleinaugezd gegen Prosetitz, Dux gegen Ladowitz, Weiskirchlitz. gegen Graupen. Gruppe V: Wisierschan gegen Wohontsch, Kosten gegen Tischau, Eichwald gegen Novy Dvory. Spielfrei: Sobrusan. Di« Spiele der Gruppe VI gibt die dortige Gruppenleitung selbst bekannt. Anstoß aller Spiel« um 3 Uhr nachmittags. Das Spiel-Predlitz gegen Krochwitz wurde auf vormittags halb 11 Uhr verlegt. Die Kreisspielleitung. schließlich ihr Radium wiederhaben. Und übrigens wäre das Tier, unter gräßlichen Qualen zugrunde« gegangen, wenn das Radium in seinem Magen geblieben wär«, Stenographie-Kurse. Der Klub der Parlaments- und Kammerstenographen macht darauf aufmerksam, daß er in seinen Kursen für beide Systeme, die vom 1. Oktober d. I. an. veranstaltet werden, auch eine Abteilung für das GabelSberger-Shstem einrichtet. Prospekte'sind beim Schuldiener der Handelsakademie in Prag II., Reßlova ul. oder schriftlich bei Professor Petraska, Prag I., Abgeordnetenhaus erhältlich. WahrscheinsicheS Wetter Mittwoch. Im Wcstteil des Staates vorwiegend bewöllt, Zunahme der Regenneigüng, weitere Abkühlung. Im Osten, der Republik: Zunahme der Bewölkung, schwül, weitere Verschlechterung. Vom Rundfunk ■■ptaNMiwertu aus«len Programmen« Donnerstag Prag, Sender L.: 11:. Schallplatten. 13.40: Schallplatten. 15: Orchesterkonzert. 17.45: Deutsche Sendung: Jugendstunde. 18.45: Deutsche Presse. 19.15: Englischer Sprachkurs..20: Ueberttagung aus London: Konzert des Symphonieorchesters.— Sender S.: 7.30: Leichte Musik. 14.50: Deutsche Sendung: Stefan: Entdeckung in Verdis Nachlaß. 18: Konzert des Trompeter-Ensembles. 14.50: Deutsche Rundfunkmeldungen.— Brünn: 13.80: Deutscher Arbeit? markt. 16.10: Orche- sterkonzert. 17.05: Wandervogelfunk. 17.40: Deutsche Sendung: Arbeiterfunk: Fritz Verl- see: Das neue Rußland in der Dichtung. 19.30: Saxophonsolo.— Mährisch Ostrau: 18.05: Deutsche Sendung. Max Halbe feiert seinen 70. Geburtstag Ter bekannte Dichter und Schriftsteller Max Halbe wurde am 4. Oktober 1865 in Guettland (Westpreußen) geboren, feiert also in diesen Tagen seinen 70. Geburstag. Ter Dichter verdankt seine besondere Berühmtheit den packenden Dramen, die er für das Theater schrieb, und die für den Naturalismus von> ausschlaggebender Bedeutung wären. Große Erfolge hatten seine Dramen»Jugend" und„Der Strom*-- Nr. 229 Mittwoch, 2. Oktober 193S Seite 5 4 Halbanalphabeten als Marxkritiker Es ist alter, wenn auch nicht guter Brauch des völkischen Intellektuellen, sich nicht zu sehr mit Wiffensballast zu bebürden. Es ist zur Tradition des völkischen Politikers geworden, den Marxismus, gegen Len er kämpft, grundsätzlich nicht kennen zu lernen. Er folgt damit dem Beispiele des Vorbildes aller Streiter wider' den Marxismus, Hitlers, der mit jedem Worte, das er in seinem sprachschludrigen»Standard"-Werk dem Marxismus widmet, den Beweis erbringt, daß er keine Ahnung vom Marxismus hat. Warum sollten die kleinen sudetendeutschen Hitlerianer es anders halten? Der»Rüdiger" der Henleinschen»Rundschau", der in der Folge 39 über den Marxismus blödelt, ist jedenfalls von keinerlei Sachkenntnis angekränkelt. Sonst könnte er nicht schreiben: »Und wie steht es mit der materialistischen Geschichtsauffassung, die Karl Marx erfunden, aus der Luft gegriffen hat, die den Geschichtsablauf lediglich als Spiegelbild der wirtschaftlichen Verhältnisse und Machtkämpfe-«stellt? Wie steht es mit Karl Marxens Behauptungen, die verworrene Sätze nicht klarer machen und wonach das gesellschaftliche Sein vom Bewußtsein bestimmt ist, was in gutem Deutsch heißt, daß von geistigen und moralischen Gütern und Werten jemand desto mehr'versteht und aufnimmt, je mehr Geld er hat? Wie steht eS damit? Sind es moralische Lehren, ist es Erziehung zur Freiheit, wenn Marx lehrt, daß der klein« Mann auS dem Volke nichts von der großen Geschichte, nichts von den großen Geistern seines Volkes versteht, daß aber der begüterte Mann davon um so mehr weiß, dieweil er Geld hat, den Tag über im Kaffeehaus lümmelt und Kaviar frißt?" Das wqre, wer immer ihr Verkünder wäre, gewM keine moralische Lehre. Aber wir kennen auch niemanden, der daS gesagt. Marx gewiß nicht. Er hat auch nicht jenen Satz gesprochen, der dem Rüdiger verworren erscheint. Rüdiger hat nach dem Hörensagen zitiert. Die materialistische Geschichtsauffassung lehrt nicht, und weder Marx noch einer seiner Schüler hat je Aähnliches auch nur andeutungsweise behauptet, daß man von geistigen Gütern um so mehr versteht, je mehr Geld man hat. Hätte Marx das gemeint, dann hätte er sich mit feiner gewiß nicht leicht zu verstehenden Lehre nicht just an die Arbeiter gewandt.—- Der falsch, genau verkehrt zitierte Satz stammt aus dem Vorwort»Zur Kritik der politischen Oekonomie" und lautet richtig:»ES ist nicht das Bewußtsein der Menschen, das chr Sein, sondern umgekehrt ihr gesellschaftliche- Sein, da- ihr Bewußtsiiw bestimmt.." Dieser Satz, für sich allein leineswegs genügend,. das Verständnis für den historischen Materialismus zu erschließen, sagt, daß»en»Ideen", dem»Be- wußtwerdrn" etwas zugrunde liegt: die ökonomische Basis der Gesellschaft. Er ist in prägnantester Form die Erklärung, warum in bestimmten Gesellschaftsepochen bestimmte.Ideen", bestimmte Ideologien entstehen. Der Marxist wird ebensowohl des Entstehen der sozialistischen Ideen wie da« Auftauchen nationalfascistischer Gedankengänge verstehen, er wird den»Rüdiger" besser verstehen als der sich selber. Der hiswrische Materialismus. ist" Millionen Proletariern der Erzieher zur Freiheit geworden, weil er ihnen die Erkenntnis nicht nur der Möglichkeit, sondern auch der geschichtlichen Notwendigkeit der Unigestaltung der Gesellschaft zu einer Gemeinschaft freischaffender Menschen gab. Er hat in unzähligen Arbeitern den glühendsten Idealismus geweckt. Und deshalb kann man auf Marx selber die Worte anwenden, die er in seiner philosophischen Doktorarbeit schrieb:»Prometheus ist der vornehmste Heilige und Märtyrer im philosophischen Kalender." Christlicher Gewerkschaftskongreß Am 28. und 29. September fand in Prag ein Kongreß der christlichen Gewerkschaftsorganisationen Böhmens statt. Referate erstatteten Abgeordneter Petr über die Wirtschaftslage, Sekre» täx N e p r a s über die Planwirtschaft und Doktor D o l e z a l und Dr. F o r m a n e k über die päpstlichen Enzykliken. Zum Vorsitzenden wurde Abgeordneter Petr gewählt. Unter den angenommenen Anträgen heben wir einen solchen auf Schäftung eines, staatlichen Wirtschaftsrates, Verbindlichkeitserklärung der Kollettivverträge, Zwangsarbeitsvermittlung und ein Beratungskollegium der Gewerkschaften beim Ministerium für soziale Fürsorge hervor. 40 prorent Mitgliederzuwachs der finnischen Sozialdemokratie HelsingforS. Die Oeffentlichkeit beschäftigt sich in steigendem Maße mit den für 1936 bevor- steh'nden Wahlen. Die Sozialdemokratie entfaltet eine große Aktivität. Ihr Führer Tanner erklärte, daß eine Koalition mit der finnischen Bauernpar« t e i nach dem Muster Norwegens nicht unmöglich sei. Der sozialdemokratische Optimismus gründet sich darauf, daß die finnischen Gewerkschaften, die eine Reihe von Streiks durchgeführt und dabei Lohnerhöhungen bis zu IS Prozent durchgesetzt haben, ihre Mitgliederzahl im letzten Jahre um 40 Prozent steigern konnten. Außerdem g-lang der Sozialdemokratie«in stärkerer Estrbruch ins lommunitzische Lager. M KN MW, feine M MU MM Ehetragödie vor dem Schwurgericht— Die Frau ohne Mitgift Wer über den Aafetsmus Prag. Vladimir Cernohorsky, ein 26- jähriger Bäckermeister aus Postovice bei Schlan, steht vor den Geschworenen unter furchtbarer Anklage. Er hat sein« Frau durch einen Revolverschuß auf den Tod verwundet(sie kam nur wie durch ein Wunder mit dem Leben davon) und sein vierjähriges Töchterchen durch einen Kopfschuß getötet. Die Anklage lautet auf dar Verbrechen des vollbrachten und des nicht vollendeten Mordes. Im Hintergrund dieser furchtbaren Ehetragödie steht der Fluch des Mammons. Die Armut der Braut als Stein des Anstoßes Bor sieben Jahren lernte der Angeklagte seine spätere Frau Marie kennen. Seine Eltern, ziemlich vermögende Gewerbetreibende, sahen dieses Verhältnis mit scheelen Augen an, denn die Braut ihres Sohnes war eine arme HäuslerSwchter. Trotz allen Widerständen kam es zur Eheschließung. Aber diese Ehe bedeutete keineswegs eia glückliches Ende — im Gegenteil, sie leitete eia langjähriges Martyrium der armen Frau ein. Die Anfeindungen seitens der Eltern deS Angeklagten setzten sich in gesteigertem Ausmaß fort und dke„hergelaufene" Schwiegertochter war ständig den ärgsten Verdächtigungen und Beschuldigungen ausgesetzt. Schließlich ließ sich der Sohn von seinen gehässigen Eltern mehr und mehr beeinflussen und machte seiner Frau das Leben zur Hölle. ES nützte nichts,' daß sich das junge Ehepaar vorübergehend von den Eltern des Angeklagten trennte. Die Zerwürfnisse waren bereits zu weit gediehen. Auch das Töchterchen, das dem jungen Ehepaar im Jahre 1981 geboren und auf den Namen Eva getauft wurde, vermochte die einmal aufgerisiene Kluft nicht zu überbrücken. ES wurde immer ärger und ärger. Die Ehegatten bezichtigten sich gegenseitig der ehelichen Untreue und die Hiebe Verwandtschaft sparte nicht mit allerlei sonstigen Hetzereien und Verdächtigungen. Vladimir Cernohorsky begann seine Frau mit Ohrfeigen und Fußtritten zu traktieren und so reifte die trostlose Situation der blutige» Katastrophe entgegen. Gegen Ende April häuften sich die ehelichen Auseinandersetzungen und am 24. jene- Monates fanden sie ihren tragischen Höhepunkt. Nach den Ausführungen der Anklageschrift kehrte Cernohorsky in den Abendstunden vom AuS- tragen deS Gebäcks heim und fand seine Frau und seine kleine Tochter zum Weggehen gerüstet. Auf seine Frage erklärte ihm seine Gattin, sie habe ein« Besorgung zu machen, worauf er sich nochmals entfernte. Als er wieder in die Wohnung zurückkam, fand er auf dem Bett ein aufgeschlageneS Schreibheft, das sich als Tagebuch seiner Frau erwies und dessen letzte Eintragung Abschiedsworte an ihren Mann enthielt. Cernohorsky behauptet, er habe-aus den Abschiedsworten seiner Frau entnommen, daß sie Selbstmord- begehen-wolle.----E» begab sich auf die Suche nach, ihr und holt« sie tatsächlich in einem Wqld vor dem. Dorfe ein. Bei der folgenden Auseinandersetzung habe die vierjährige Eva sich an den Rock ihrer Mutter geklammert und diesen so in die Höhe geschoben, daß der Angeklagte einen in ihren Unterhosen ver st eckten Revolver sab. Cernohorsky behauptet nun, er habe ihr den Revolver entreißen wollen; dabei sei dieser losgegangen. Vor dem Untersuchungsrichter hat der Angekütgte gestanden, daß er seine Frau bei dem Kampf um den Revolver Fan st schlüge inS Gesicht versetzte. Da sie auf einem Auge blutete, habe er geglaubt, fie werd« erblinden und ihr deshalb eine Kugel in die Schläfe geschossen. Dieses Geständnis widerrief er später und bei der Hauptverhandlung erklärte er, er habe überhaupt nicht gewußt, was er tue und der Schuß sei nur durch Zufall losgegangen, als er seiner Frau den Revolver entwinden wollte. Die kleine vierjährige Eva klammerte sich entsetzt an ihren Vater. Und der Vater jagte dem armen Kind eine Kugel in die linke Schläfe. Die arme Kleine war sofort tot,,, Der tatsächliche Hergang der schrecklichen Tai wird wohl für immer ein Geheimnis bleiben. Als einzige Tatzeugin erschien die schwer angeschossene Gattin des Angeklagten vor dem Schwurgericht. Sie hat einen Kopfdurchschuß erlitten. Das Projektil des Revolvers hat ihren Kopf von der linken zur rechten Schläfe durchschlagen. An den Schläfen sind die Einschuß- und AuSschuß- narben deutlich zu erkennen. Es ist ein Wunder, daß sie am Leben blieb. Aber Marie Cernohorsky entschlug sich der AuSsage gegen den angeklagten Gatten unb_ so bleibt alles nähere unaufgeklärt. Als sie erklärte, nicht aussagen zu wollen, schrie ihre im Auditorium sitzende Mutter aus:»Mariechen— — nicht!" Aber Marie Cernohorsky blieb bei der Verweigerung ihrer Aussage und so sind die näheren Tatumstände in Dunkel gehüllt. Insbesondere auch der Tod des armen Kindes. Vladimir Cernohorsky verteidigte sich vor den Geschworenen damit, er habe im Augenhlick der Tat überhaupt nicht gewußt, was er tue. Wie bereits erwähnt, steht diese Verantwortung im Widerspruch mit seinen früheren Aussagen. Er hat ferner vor dem Untersuchungsrichter gestanden, sein Kind erschossen zu haben, weil er eS nicht allein und verlassen zurücklaffen wollte. Er hat trotz der angeblichen SinneSverwirkung unmittelbar nach der Bluttat Geistesgegenwart genug gehabt, den durch die Schüsse alarmierten Dorfbewohnern mit gerungenen Händen zuzurufen: »Meine Fra» hat unser Kind«nd sich selbst erschösse».. Er hat ferner einige Selbstmordversuche borgetäuscht, dke so vorsichtig angestellt waren, daß sie kaum ernst genommen werden können. Die Hauptzeugin hat eS borgezogen, zugunsten deS Angeklagten zu schweigen. Aber daS Tagebuch der gequälten Fra» liegt in den Gerichtsakten und kam zur Verlesung. In der letzten Eintragung, die dem Gatten als Abschied zugedacht war, heißt eS u. a.: „Ich habe mich bemüht. Dir eine gute Frau zu sein, aber Du hast mir meinen Glauben an daS Gute und den Glauben an die Treue zerstört. Ich wollte im guten mit Dir auskommen, aber Du hast mich immer gleich geschlagen... Vielleicht tue ich»gut, wenn ich Dir unser Töchterchen nicht lasse... DaS Kind beginnt zu begreifen«nd hätte doch nur eine vergiftete Jugend." Diese letzte Tagebuchnotiz deutet ferner an, daß -die Frau ihren-Mann verlassen und zu ihren Eltern zurückkehcen wollte. Eine Selbstmordabsicht kann jedoch dieser letzten Eintragung nicht unterstellt werden. Bei der Einvernahme der weiteren Zeugen, die lediglich der Aufhellung der FaMilienverhältniss: diente, kam eS zu erregten Auftritten. Die Eltern der Frau sagten zurückhaltend aus, desgleichen auch der Vater deS Angeklagten. Dagegen entwickelt» dessen Mutter eine unglaublich giftige Beredsamkeit. Sie mußte schließlich auS dem GerichtSsaal entfernt werden, als sie auf die AuSsage eines Zeugen, daß sie auch schon die Ehe ihres ältesten Sohnes zerstört habe, in ein unbeschreibliches Gekeife ausbrach. In den Abendstunden zogen sich dke Geschworenen zur Beratung zurück, deren Ergebnis war, daß Vladimir Cernohorsky mit allen zwölf Stimmen deS vollbrachten»nd deS nicht vollendeten Mordes schuldig erkannt wurde. Der Schwurgerichtshof(Vorsitzender OEM. Ho man) verurteilte hierauf den Angeklagten zu fünfzehn Jahren schweren Kerkers, rb. in seiner klassischen— der italienischen— Form sich unterrichten will, der lese das grundlegende Werk von Ignacio Silone:„Der Fascismus" geb. K£ 54.—, drosch. XL 42.50. Wer das Leden italienischer Bauern unter fascistischer Herrschaft kennen lernen will, der lese des gleichen Autors Dorfroman „Fontamara", drosch. XL 32.—. Volkswirtschaft und Sozialpolitik Die Sonderkonjunktur in der Strumpfindustrie Die tschechoslowakische Strumpfindustrie die ihren Sitz in Schönlinde und Umgebung hat, erfreut sich seit längerer Zeit einer ausgesprochen guten Konjunktur. Schon in den letzten Fahren war im Gegensatz zu der schlechten Beschäftigung in den meisten anderen Exportindustrien der Beschäftigungsgrad in den Strumpffabriken ein guter zu nennen. In der letzten Zeit aber haben einige Strumpffabriken größere ausländische Aufträge erhalten. Die Firma I. I. Schwadron & Co. hat einige bedeutende Aufträge nach Rußland auszuführen, während die' Firma Stefan Schindler für Exportaufträge nach anderen Län-, dern stark beschäftigt ist. Andere mittlere und kleinere Firmen arbeiten an Aufträgen für Bata und für die größte Strumpffabrik I. I. Kunert & Söhne in Warnsdorf. Bata hat seine neue Strumpffabrik in Otrokowitz ebenfalls in Betrieb genommen. Die Firma Kunert arbeitet in mehreren Schichten. Es wird sogar behauptet, daß sich bereits ein Mangel an geschulten Cottonarbeitern bemerkbar mache. Jedenfalls kann die Strumpfindustrie als eine Oase in unserer darniederliegenden Exportindustrie bezeichnet werden. Man kann nur wünschen, daß die Konjunktur fortdauern möge und daß cs der Arbeiterschaft gelingt, ein Lohnnweau zu erkämpfen, daS dann den Arbeitern anderer Industriezweige ein leichteres Loskommen von den Elendsquellen der Krisenzeit ermöglicht. Labour für Planwirtschaft Der JahreSkonferenz der Labour Party in Bringhton wird voM Vorstand ein, Programm vorsielegt Mrdey, Mdxm.,,ejn.e. umfassende untz- konstruktive Politik, in d.er Richtung^xiner vollen" öffentlichen Auswertung unserer verfügbaren Hilfsquellen und internationaler wirtschaftlicher Zusammenarbeit" verlangt wird. Dazu sei ein einheitlicher Plan auf Grund öffentlicher Kontrolle der grundlegenden Industrien und Dienste notwendig, ferner die Entfaltung einer Marktorganisation für In- und Ausland und internationale Abmachungen über eine Ausdehnung der Weltkaufiraft und damit deS Welthandels. Für die britischen Notstandsgebiete wird eine Verstärkung der Hilfsmaßnahmen und eine Einflußnahme deS Staates auf die Wahl des Standortes neuer Industrien gefordert; dies soll durch die Tätigkeit einer»Nationalen Planwirtschaftsbehörde" und eines„Nationalen Jnvestitionsamtes" erreicht werden. Zum Beispiel sei es notwendig, in den notleidenden Kohlengebieten öffentliche Betriebe zur Kohlenverflüssigung zu errichten. Auch soll die lokale Wirtschaftsplanung zusammengefaßt werden. MSmrerbünde der Galla F. Bei den australischen und aftikanischen Urbölkern findet sich häufig die primitive Sozialorganisation der Männerbünde. Freud und Blü» her haben diese Erscheinung analytisch zu ergründen gesucht. Ganz gleich aber, welche verborgenen seelischen Menschheitserlebnisse sich in diesen Organisationen manifestieren mögen, ihre Kenntnis ist von soziologischer Bedeutung für die Enträtselung der Urformen menschlichen Gemeinschaftslebens. Die Männerbünde beweisen, daß dort, wo noch keine Klaffengliederung nach dem Gesichtspunkt der Herkunft oder eines fest gegründeten Besitzes, also auch kein HerrschastsverhältniS zwischen Siegern und Besiegten besteht, sich«in kastenmäßiger Aufbau aufGrund der Altersklassen und der Lebens« funktionen findet. Diese primitive Sozialorgani« sation wird erhalten durch den Zwang überkommener mystischer Vorstellungen. Sie findet daher ihre äußerliche Garantie in einer Reihe von traditionellen Festakten geheimnisvoller Art. Ein besonders packendes Beispiel einer solchen Männerbundorganisation mit altersklaffigem Stufenbau bieten die G a lla, einer jener kriegerischen Stännne, die wegen ihrer Zugehörigkeit zum abeffinischen Kaiserreich jetzt im Vordergrund des allgemeinen Jntrreffes stehen. Ueber ihr» Bräuche berichtet der Ethnograph Schurtz(wir zitieren nach Hans Freimark: Das Sexualleben der Afrikaner) einige höchst eigenarfige Einzelheiten. Die Galla haben ihr Altersklassensystem den Zwecken eine» Halbweg» geordneten Staatswesens aufs sonderbarste angepaßt: „Die etwa im zwölften Jahre zur Versehung von StaatSgeschäftea auserkorene» und formell gewählten Angehörigen einer sog.„Gada"- Gruppe erhalten bei ihrem Amtsantritt die Bezeichnung„ajü" oder„boü"(Landesvater), welche sie während des„buttä" oder dcS Zeitraumes von acht Jahren führen. Sie nehmen in dieser Zeit an allen Staatsgeschäften Anteil. Ihre Amtshandlung leiten sie mit einem Opfer ein, das gleichfalls„buttä" heißt und dem bei Todesstrafe kein Fremder beiwrchnen' darf. Nach Beendigung von vier Jahren in dieser Eigenschaft lassen sich alle„ajü" beschneiden. Sie werben während der ersten acht Jahre, wo sie noch junge Burschen sind, auch„debett" genannt, führen untereinander mit Ausschluß der Frauen Tänze auf und begehen Festlichkeiten zu Wien des Stamme», dem sie angehören. Sind die ersten acht Jahre verflossen, so wird, ohne daß hierbei jemand Waffen tragen darf, eine Versammlung abgehalten, gleichsam um zu resümieren, was geleistet wurde, Madafa (Häuserbau) genannt. Die Galla, deren„buttä" zu Ende ging, erhalten den Namen„folö", Pflanzen zum Gedächtnis an diese Zeit jeder einen PoduarpuS- ober Cypreffenbaum, führen jeder gern eine lange Rute in der Hand, verkleiden sich als Frauen, Hunde, Affen, überhaupt mit Vorliebe als Tiere und haben in dieser MaSke das Recht einer schrankenlosen Meinungsäußerung, die sogar zu Spott und Insulten der ihnen Begegnenden ausarten darf. Die Erfahrungen, die sie als Leiter politischer Angelegenheiten gesammelt, vielleicht der Zusammenhang mit mancher noch aktuellen Angelegenheit verschafft ihnen ein gewisses Ansehen als Kenner der Staatslage und ihre Stimme ist für viele von Interesse. Während der nächsten acht Fahre, deren Beginn mit einer Versammlung während des Früh- lingsäquinoktium»(Tag- und Nachtgleiche), in auguriert wird, führen die Galla den Namen „Kondalla", Pflanzen abermals Gedächtnisbäume und begehen in demselben Jahre bei dem Herbstäquinoktium ein neues Fest,„benti", an dem viele heiratsfähige Mädchen teilnehmen und bei welcher Gelegenheit die Ehen unter den jungen Leuten verabredet werden und wo die Heiratswerber dem Mädchen ein Geschenk— eine Jacke oder einen Lederunterrock— machest. Im dritten Jahr nach dem„benti" findet ein. nationales Stieropfer der Kondalla swtt, welches der ajü ihrer Familie darbringt. Die letzten acht Jahre in der politischen Laufbahn jedes Galla, die vierte „gadä", beginnen mit einer„degagga" genannten Versammlung aller Beteiligten, die fortan den Namen„gadoma" oder„dgroma" führen, welche Bezeichnungen soviel wie Bollbürger zu bedeuten scheinen, denn sie bringen den Männern.das Recht aller politischen und Ehrenrechte, sowie die Befugnis, religiöse Opfer aller Art zu verrichten. Auch diese Zeitperiode ist durch Pflanzungen von Bäumen und eine sehr zahlreich besuchte Schlußver- sammlung aller Teilnehmer„oda"> markiert, während welcher die ersterwählten„ajü" ihr Amt antreten. Nach dieser Zeit, also in der Regel in einem Alter von etwa 60 Jahren, zieht sich der Galla gewöhnlich von den Staatsgeschäften zurück und macht jüngeren Kräften seiner Familiengruppe Platz. Während der letzten 16 Jahre hat er den Titel„akakajü", Großvater des Landes, geführt und nach Möglichkeit die jüngeren ,^ajü" beraten. Der Rücktritt der abgehenden Alten,„luba"« wird durch ein tumultarisches Fest gefeiert, worauf die Greise den Namen„buba" annehmen und Polstisch nicht mehr hervortreten." (Seite 6 Sozialdemokrat^ Mttnwch, 2. Oktober 1S35. Nr. 229 AagerZMmg Xinst und Mssea 1 Kammermnstk-Konzert: Das Wiener Kolisch-Quartett der Herren Rudolf K o l i s ch, Felix K h u n o r, Jenö Lehner und Benjamin Heifetz, das Montag abend Gast des Prager Deutschen Kammermusikvereines war, gehört derzeit zu den begabtesten Kammermusikvereinigungen Mitteleuropas. Im Prag hat man die ausgezeichnet zusammengespielten und unerhört musikalischen Künstler erst anfangs September beim Internationalen Musikfest gehört; Montag spielten sie im Kammermusikverein, Donnerstag geben sie ihr eigenes Konzert im Saal der städtischen Bücherei. Ihr montägiges Programm bei der fünften Aufführung des Deutschen Kammermusikvereins gipfelte in dem aus dem Jahre 1825 stammenden, dem Fürsten Galitzin gewidmeten Quartett in A-Moll von Beethoven. Dieses ist eines von den letzten berühmten Quartetten des Meisters, in denen sein Innenleben von Leid und Freud ergreifend zum Ausdruck kommt. Die Ueber- schrift des dritten Satzes des A-Moll-Quartettes offenbart dies vor allem:.Heiliger Dankgesang eines Genesenden an die Gottheit"; oder das mit der Ueberschrift:.Neue Kraft stählend" versehene Andante. Auster dem Quartette Beethovens spielten die Künstler ein wundervolles Quartett'von Mozart und'ein klangdelikatcs Quartett von dem Franzosen Ravel. Dast die rein klanglichen Wirkungen des Kolisch-Quartettes nicht immer restlos befriedigten, mag an der Akustik des Aufführungsortes liegen, dem Festsaal des Deutschen Hauses, der für Kammermusik noch weniger geeignet ist, als für Symphoniemusik. E. I. „Menschen in Weiß". Sorgfältig und in interessanter Ausstattung hat das Weinberger Stadttheater Sidney Kingsley's Spiel einstudiert und am 27. d. M., zum ersten Male aufge- führt. In der Gestalt des Chirurgen Hochberg(eindringlich im Auftreten und mit schlichtem Pathos gespielt) zeichnete B. B r b s k h die Figur eines edlen, aufopfernden, seiner Wissenschaft und dem Menschendienste ergebenen Arztes, der von seinen Leuten, im Dienste der Menschheit Unmögliches verlangt und selbst leistet. Die Ausstattung zeigte die Einrichtung eines großen, musterhaft modernen Krankenhauses; die knapp bis zum Beginn der Operation vorgeführten Vorbereitungen wirkten aufregend und doch irgendwie beruhigend. Den jungen Arzt Fergusson gab Herr P l a ch y in. einer sorgfältig einstudierten Mimik, Frau Fretzlovä verkörperte die verzogene reiche Tochter und das liebende Weib, die Pflegerin Dennin, das tragische Schicksal und Opfer der Liebe, Unwissenheit und sozialer Ungerechtigkeit Frau Lhotobä. In der Schar der Aerzte stach der stets hungrige Pete des Herrn Veverka, der herabgekommene Dr. Levin« des Ko- vatik, sowie andere Typen herber, dem. amerikanischen Leben abgelauscht und meist mit Verständnis interpretiert. m. i. Das neue Abonnement. Ausgabe für Neueintretende I Gute Galeriesihe schon ab 6.60 Kc, gute Parkettsitze ab 15:70 Kd. Erste Vorstellung im neuen Abonnement Donnerstag, den 10. Oktober! Baldige Bestellung erbeten! Donnerstag«emnszeniert MeyerbeerS große Oper„Die Afrikanerin"(CI). Hauptpartien: Pauly, Book, Medak, Baum, Scheidl, Andersen, Gutmann, Libal, Hey, Stanescu. Dirigent; Szell, Regie: Mordo, Bühnenbild: Pirchan. Samstag Anni Konetzni a. G.„T r i st a n u n d Isolde"(DI). Tristan—Fischer(zum 1. Mal); ferner Frau Kindermann und die Herren Andersen Schwarz usw. Dirigent: Zweig, Regie: Scheidl. Sonntag abend Neuinszenierung„Die spanische Fliege".(Abonn. aufgeh.) Volkstümliche Vorstellung. Preise: 2.50 bis 20 Kd. Donnerstag Erstaufführung„Ich kenne dich nicht mehr", Komödie von Benedetti, in der Kleinen Bühne. Regie: Costa.(Gutscheine: B 1, B 2.) Wiederholung Samstag. Spielplan des Renen Deutschen Theaters. Mittwoch 8 Uhr: Der König mit dem Regen- schirm.— Donnerstag halb 8: Ich kenneDich nicht mehr, Erstaufführung.— Freitag 8 Uhr: Attentat.— SamStag 8: I ch kenneDich nicht mehr. Spielplan der Kleinen Bühne. Mittwoch halb 8: W U R, B 2.— Donnerstag halb 8: Die Afrikanerin, CI.— Freitag halb 8: Giuditta, volkstümliche Vorstellung, Abonnement aufgehoben.— Samstag halb 7; Tristan und Isolde, Gastspiel Anni Konetzni, D 1. Der Mm Charlie Cha» in London Die(aus dem Film„Charlie Chans Mut" auch hier schon bekannte) wunderliche Figur des chinesischen Detektivs, der mit behutsamer Wachsamkeit, kindlich-weisen Reden und freundlicher Bescheidenheit ohne Aufregung die aufregendsten Kriminalfälle enträtselt, ist zur Hauptgestalt einer amerikanischen Filmserie geworden, deren einer Teil diese Londoner Affäre ist, hei der es sich um die Aufhellung des Mordes in einem englischen Jagdschloß handelt, den ein Unschuldiger am Galgen büßen soll, — was Charlie Chans Scharfsinn im letzten Augenblick verhindert. Sehr glaubwürdig, ist weder der am Ende aufgeklärte Tatbestand noch die Umstände, die zu seiner Ermittlung führen,— aber Warner Oland in der Rolle des Chinesen-Detektivs macht seine Sache sehr nett, und der Film ist auch sonst nicht ganz so geistlos und plump wie die meisten an deren Kriminalfilme. Dafür hat er freilich den Fehler, mehr ein verfilmtes Gespräch als ein sprechender Film zu sein.—eis— Ich liebe alle Frauen Ueber den Tenor Jan Kiepura ist nichts Neues zu berichten: seine Stimme ist und bleibt ebenso großartig, wie seine Art zu singen und zu spielen langweilig bleibt. Der ehemals Prager Regisseur Karl Lamad hat in diesem(aus dem Dritten Reich stammenden) Film zwar versucht, die Langweiligkeit durch Humor zu mildern,, aber der Humor des Herrn Lamad hat in letzter Zeit(wie auch schon der Ondra-Film„Großreinemachen" zeigte) viel von seiner alten Frische verloren— und im übrigen hat er hier einen sehr schweren Stand gehabt: denn der krampfhaft lächelnde und eitel posierende Kiepura beherrscht in einer Doppelrolle den ganzen Film, dessen Handlung auf der Aehnlichkeit zwischen einem Sänger und einem Gurkenhändler beruht,— einem Einfall, der selbst für«inen Tenorfilm beinahe schon zu schlecht ist.—eis— Jeanette MarDoNald und Maurice Chevalier in dem Lubiksch-Film„Die lustige Witwe". l 8part-§piek-Mrperpskege Westböhmischer Arbeitersport Die Fußballer in Aktion Durch das Einsetzen der Herbstseri« in allen Fußball klassen gibt es in Westböhmen wieder scharfen Spielbetrieb. Es spielen heuer in der Kreisklasse 13 Mannschaften; ASK Eger und Atus Fleißen sind ausgeschieden. Eine Woche lang konnte FFK Falkenau Spitzenführer bleiben; durch«inen unerwartet hohen Sieg über Franzensbad stellt sich Altrohlau nunmehr an die Spitze, da der FFK seine Punkte in Maierhöfen lassen mußte. Durch den Sieg über die spielstarken Falkenauer hat der Bundesmeister den schlechten Eindruck seiner Franzensbader Niederlage etwas wettgemacht. Atus C h o d a u hat sich durch das erfolgreiche Spiel in Unterreichenau an- die Ferse Altrohlaus geheftet—> es soll dort bei den Chodauern viel Muskelkraft vorgeherrscht haben. Drahowitz sinkt durch eine-unliebsame Niederlage in Fischern vom zweiten auf den siebenten Tabellenplatz. Das soll aber am Anfang der Serie nicht viel sagen, wie auch der Wechsel in der Spitzenführung gar nicht ausschlaggebend ist. Eine besondere Ueberraschung brachte Atus Karlsbad vom Gebirge nach Hause— die Sportbrüder wurden am eigenen Platz besiegt. S ch a n k a u, welches zum erstenmal in der ersten Klasse startet, hatte im Erzgebirge weniger Glück; mit zwei verlorenen Spielen von drei kommt es zu Unterreichenau und Franzensbad an das Tabellenende. Durch das Eintreten des ASV Graslitz in'die Serie am kommenden Sonntag wird diese an Tempo gewinnen. Am vergangenen Sonntag gab es nachstehende Ergebnisse: ASV Maierhöfen gegen FFK Falkenau 4:?, ASB Altrohlau gegen Atus Franzensbad 7:2, Atus Fischern gegen Atus Drahowitz 2:1, Atus Unterreichenau gegen Rote Elf Chodau 1:3, Sportbrüder Eibenberg gegen Atus Karlsbad 1:2, Atus Neudek gegen ASV Schankau 4:1, ASB Graslitz gegen ASK Eger 10:0, ASV Maierhöfen gegen Atus Franzensbad 2:3, ASV Schankau gegen Atus Fischern 6:2, Atus Drahowitz gegen Sportbrüder Eibenberg 3:1, Atus Karlsbad gegen ASV Neudek 2:1, Rote Elf Chodau gegen ASB Altrohlau 2:2, FFK Falkenau gegen Atus Unterreichenau 2:1. Die Tabelle nach dem dritten Spielsonntag ASV Altrohlau. 3 2 1 0 5 10:4 Rote Elf Chodau. 3 2 1 0 5 8:5 Atus Karlsbad, 3 2 0 1 4 4:3 FFK Falkenau. a g 8 2 0 1 4 7:5 ÄSV Maierhöfen a B 3 2 0 1 4 7:5 ASV Neudek.« B 3 1 1 1 3 6:4 Atus Drahowitz, B B 3 1 1 1 3 d:4 ASV Schankmi. 3 1 0 2 2 7:7 Atus Unterreichenau t 8 1 0 2 2 5:5 Atus Fischern. a s 8 . 1 0 2 2 6:10 Atus Franzensbad • 3 1 0 2 2 5:12 Sportbr. Eibenberg • 3 0 0 3 0 8:8 Handball Sonntag spielte in Karlsbad Atus Karlsbad gegen AtuS Fischern 1:1. Am Spieltag in Falkenmr wurden folgende Faustball-Spiele ausgetragen: FFK Falkenau gegen Atus Altsattl 29:62(für Altsattl), Atus Grasseth gegen Atus Falkenau 52:65(für Grasieth), Atus Altsattl gegen Atus Grasieth 50:27; somit wurde Atus Altsattl Festmeister für Faustball. Herbstmeisterschaften der Leichtathleten In Falkenau führte der 5. Bezirk und in Drahowitz der 1. Bezirk im Rahmen von Spoot- und Spieltagen leichtathletische• Wettkämpfe durch. Bemerkenswerte Resultate wurden erzielt. 5. Bezirk(Falkenau). Sportler: Schleuderball: Stingl(Liebautbal) 42.84 Meter; Speer: Stingl(Altsattl) 39.40 Meter; 100 Meter: Seiferr (Grasieth) 12.4 Sek.; 1500 Meter: Hönisch(Haselbach) 4:56 Min.; 4X100 Meter: Atus Falkenau 52.4 Sek.— Sportlerinnen: Weitsprung: Pichl (Zwodau) 4.10 Meter; 100 Meter: Vodermaver (ElbogeN) 14.3 Sek.; Ballweitwerfen: Sollner(Lie- bauthal) 53.28 Meter; 1000 Meter: Schürrer(Falkenau) 4:34.1 Min.; 4X100 Meter: Elbogen 1:00.6 Min. 1. Bezirk(Karlsbad). Sportler: Weitsprung: Kugler(Drahowitz) 5.64 Meter;* 100 Meter: Janda(Karlsbad) 12.2 Sek.; 200 Meter: König(Drahowitz) 27.6 Sek.; 400 Meter: Janda (Karlsbad) 55.4 Sek.; Hochsprung: Reif(Schlaggenwald) 1.52 Meter; Kugel: Reim(Maierhöfen) 11.65 Meter; DiskuS: Reim(Maierhöfen) 33.01 Meter; Speer: Janda(Karlsbad) 36.80 Meter; Schleuderball: Löw(Drahowitz) 45.10 Meter. Leichtathletik-Meisterschaften der DTIL Samstag und Sonntag wurden die leichtathletischen Meisterschaften der Sportler und Sportlerinnen des DTJ-Verbandes in P i l s e n zur Austragung gebracht. Sie zeigten, welche Fortschritte in der Leichtathletik der DTJ seit der III. Olympiade gemacht wurden und mit Freude kann konstatiert werden, daß eine Anzahl Leistungen trotz der weichen Bahn doch wieder eine Verbesserung erfuhren. Neber 100 Wettkämpfer und Wettkämpferinnen aus den Kreisen Brünn, Mähr.-Ostrau, Proßnitz, Königgrätz, Pardubitz, Jungbunzlau, Brür, Prag und Pilsen waren erschienen. Die Organisation sowie die Abwicklung des Programms war gut. Alle Kämpfe wiesen schöne Besetzungen auf, waren interessant und spannend und das erfreulichste— eS ging diesmal auch ohne Proteste. Die Wettkämpfe wurden am Samstag mit dem Aufmarsch aller Teilnehmer unter den Klängen der„Internationale" eröffnet. Im Namen der Stadt Pilsen sprach Bürgermeister Abg. Genosse Pik BegrüßungSwort«. Die wichtigsten Ergebnisse: Sportler: 100 Meter: 1. Pokorny(Pilsen) 11.4 Sek., 2. ZanaAa(Brünn) Brustbreite.— 200 Meter: 1. Plzak(Pilsen) 24.0, 2. Pokorny 24.2 Sek.— 400 Meter: 1.'Saulich(Proßnitz) 53.3, 2. Zanaska 54.7 Sek.— 800 Meter: 1. Kolin (Prag) 2:04.1, 2. Saulich 2:04.9 Min.— 1500 Meter: 1. Kolin 4:24.3, 2. Kraft(Pilsen) 4:34.2 Min.— 5000 Meter: Kalabus(M.-Ostrau) 16:56.2, 2. Chalupa(Prag) 17:18.3 Min.— 10.000 Meter: 1. Kalabus 32:20, 2. Hrdlikka (Brünn) 32:35.4 Min.— 110 Meter Hürden: 1. Poupa(Königgrätz) 18.0, 2. Sindler K.(Pilsen) 18.4 Sek.— 4X100 Meter: 1. Pilsen 46.7. 2. Brünn 47.1, 3. Prag 47.6, 4. M.-Ostrau 48.5 Sek.— Schwedenstafette: 1. Brünn 2:12.9, 2. Pilsen 2:13.4, 3. Prag 2:15.4 Min.— Olympische Staffel: 1. Pilsen 3:51.3; 2. Prag 3:51.6, 3. M- Ostrau 4:15.2 Min.—- Hochsprung: 1. Smrkka 1.70, 2. Tösitel(beide Prag) 1.70 Meter.— Weitsprung: 1. Goth(Prag) 6.51, 2. Saulich 6.34 Meter.— Dreisprung: 1. Goth 12.86. 2. Palkov- sky(M.-Ostrau) 12.02 Meter.--- Stabhoch: 1. Jouza(Prag) 3.27. 2. Rvdl(Pilsen) 3.14 Meter. — Kugel: 1. A. Schöps(Prag) 12.12, 2. Bauer (Pilsen) 12.12 Meter.— Diskus: 1. Holec(Brüx) 33.76, 2. V. Schöps(Prag) 33.45 Meter.— Speer: 1. Bruha 44.85, 2. Herink(beide Pilsen) 44.58 Meter.— Schleuderball: 1. Hala(Prag) 46.18, 2. Cechura(Pilsen) 43.92 Meter.— Fünfkampf: 1. Jelinek(Pilsen) 331.50, 2. Pükorny(Brünn) 327.65 Punkte. Sportlerinnen: 60 Meter: 1. Razkovä (Königgrätz) 8.3, 2. Sokolovä(Pilsen) 8.4 Sek.— 100 Meter: 1. Razkovä 13.7, 2. Nesnidalovä(Pilsen) 14.1 Sek.— 200 Meter: 1. Cuiikovä 31.5, .2. Plzakovä(beide Pilsen) 32.5^ek.— 4X100 Meter: 1. Pilsen 56.7 Sek.— Hochsprung: 1. Ma- zurovä(Pilsen) 1.40, 2. Razkovä 1.35 Meter.—« Weitsprung: 1. Cernä(Königgrätz) 4.49, 2. Ma« zurovä 4.43 Meter.— Kugel: Cubovä(Prag) 9.26, 2. Sulovä(Pilsen) 8.10 Meter.— Diskus: 1. Po« korovä(Jungbunzlau) 26.93, 2. Cerna 26.48 Meter, — Speer: Hruskovä(Pilsen) 25.39, 2. Pokorovä 21.58 Meter.— Schleuderball: 1. Pokorovä 33.23, 2. Cernä 33.16 Metxr.— Dreikampf: 1. Patr- manovä(Proßnitz) 207.12, 2. Pokorovä 205.28 Punkte. In der Kreiswertung siegte bei de» Sportlern Pilsen mit 86 Punkten vor Prag 72, Brünn 31, M.-Ostrau 27, Proßnitz 17, Königgrätz 6, Brüx 4 Punkte. Bei den Sportlerinnen besetzte ebenfalls Pilsen mit 47 Punkten die Spitze, gefolgt von Königgrätz mit 27, Jungbunzlau 14, Prag und Proßnitz mit je 6 Punkten.— Die Gesamt- Wertung sieht Pilsen mit 133 vor Prag mit 78 Punkten als Sieger. Vwdtienachdchtui „Kinderfrennde", Prag. Donnerstag, den 3. Oktober, im Parteiheim, Narodni tr. 4, wichtige Nusschußsitzung. Literatur für Planwirtschaft G. D. Cole: Principles of Econömic Planning(Grundsätze der Wirtschaftsplanung) London, 1935, 428 Seiten. Dieses Buch zeichnet sich nicht nur durch eine ungewöhnlich klare Darstellung aller wesentlichen Probleme der Planwirtschaft, sondern überdies auch durch eine unkomplizierte und doch geistreiche Darstellungsweise aus. Da in den ersten Kapiteln auch der Mechanismus der gegenwärtigen Wirtschaft erklärt wird, ist es eigentlich zugleich auch ein Lehrbuch der Nationalökonomie. Der Grundgedanke, den das ganze Büch durchzieht, ist die Aufgabe der Wirtschaft, allen Menschen ein möglichst hohes Niveau der Lebenshaltung zu ermöglichen. Insbesondere trennt Cole immer wieder die„einschränkende" Planung von der Planwirtschaft im eigentlichen Sinn, die zum Hauptzweck die Ausdehnung des Verbrauchs und der Produktion haben müsse. Das Buch beginnt mit der Frage:„Warum brauchen wir einen Plan? Die Antwort darauf wird durch eine Untersuchung der Funktionsmängel des liberal-kapitalistischen Wirtschaftssystems gegeben, wobei der Verfasser nebenher auch einige Scheinprobleme der überkommenen Wirtschaftswissenschaft erledigt. Sodann wendet er sich der Frage zu, ob eine Planwirtschaft auf kapitalistischer Grundlage möglich sei. Er würdigt die bereits bestehenden Ansätze dazu, meint aber, daß eine Planung, die nur einzelne Wirtschaftszweige umfasse, nur eine Planlosigkeit auf höherer Stufe sei und überdies zu einer Drosselung, statt zu einer Erhöhung der Güterversorgung führe. Dann wird ein System der Planwirtschaft in seinen einzelnen Teilen—> Erforschung des Bedarfes, Verteilung der Produktivkräfte, Außenhandel usw.— dargelegt, wobei Cole wenigstens einen Teil seiner früheren Theorien über„Gildenorganisation" der Industrie(d. h. weitgehende Selbstverwaltung der einzelnen Industriezweige im Rahmen einer einheitlichen Planwirtschaft) anwendet. Als ein Hauptmittel der Wirtschaftslenkung soll die Einkommenyerteilung angewandt werden. Leider ist es hier nicht möglich, im einzelnen die interessanten Organisationsvorschläge Coles darzulegen— heben wir nur hervor, daß in seinem System auch das Einfuhrmonopol keineswegs zur Einschränkung der Einfuhr, sondern bloß zu ihrer Anpassung an den übrigen Wirtschaftsplan dienen soll; Cole meint sogar, daß erst die Planwirtschaft das einstige liberale Ideal der internationalen Arbeitsteilung verwirklichen könne. — Cole beschreibt auch eingehend die innere Organisation der planwirtschaftlichen Organe, deren Einführung er sich keineswegs mit einem Schlage vorstellt. Eine wichtige Rolle soll dabei die Mithilfe der Arbeiterorganisationen spielen. Es werden dann noch die besonderen Probleme der britischen Wirtschaft der Nachkriegszeit erörtert. Ein ausführlicher statistischer Anhang ist dem Büche beigegeben. a Unser Gatte und Vater Siegfried Köhler ist Samstag, den 28. September 1935, im Sanatorium Sanopz gestorben. Den Leichnam des Verstorbenen übergeben wir Mittwoch, den 2. Oktober 1935, um 10 Uhr vormittags im neuen Krematorium in Prag-Strasnice den Flammen.\ Hans Köhler, Sohn. Emilie Köhler, Gattin. Bezugsbedingungen: Bei Zustellung ins HauS oder bet Bezug durch die Post monatlich KC 16.—. vierteljährig Kd 48.—. halbjährig Kd 96.— ganzjährig Kd 192.—.i— Inserate werden laut Tarif billigst berechnet. Bei öfteren Einschaltungen Preisnachlaß.— Rückstellung von Manuskripten erfolgt nur bei Einsendung der Retourmarken.— Die Zeitungskrankatur wurde von der Post- und Tele- ■ rraphenüirektion mit Erlaß Nr. 13.800/VI1/1930 bewilligt.— Druckerei:„Ork-iS" Druck-. Verlags- und Zeitungs-A.-G.. Prag.