Donnerstag, 3. Oktober 1935 Nr. 230 15. Jahrgang (•tmchlieBlich 5 H«U»r Porto) deiTdeutschenSozialdemokratischen Arbeiterpartei IN DER TSCHECHOSLOWAKISCHEN REPUBLIK ERSCHEINT MIT AUSNAHME DES MONTAG TÄGLICH FRÜH.«»AKTION UNO Verwaltung MAO xn, FOCHOYA a. TELWOS«77. HERAUSGEBERi SIEGFRIED TAU», CHEHtDAKTEUKi WILHELM NIESSNER, VERANTWORTLICHER REDAKTEUR, ML EMIL STRAUSS, MAO« Mussolini geht los Der Einmarsch In Abessinien beginnt/ Fascistischer General-Appell In Italien ««Auf Krieg wird mit Krieg geantwortet” Der bewaffnete Konflikt in Ostafrika scheint nunmehr unvermeidlich zu sei«. Im Laufe des Mittwoch haben italienische Truppen bereits die abesst- nische Grenze an der DrellLnder-Eche Erttrea-Französisch Somallland-Abesfi- nien überschritte«. Für 18!lhr 30 wurde durch den ttalienischen Rundfunk der„Generalappell" aller Fascisten angeordnet, die fich sofort in ganz Italien an die vorher bestimmten Sammelplätze begeben mußte«. Rach halb 7 Uhr abends hiett Mussolini an seine Schwarzhemden eine Rundfunkansprache, in der er erklärte, daß die„feierliche Stunde in der Geschichte des Vaterlandes" anbreche. Italien laste sich den Platz an der Sonne nicht nehme«. Es werde auf Sanktionen wirtschaftlichen Charakters mit Der Berg Musali liegt unweit des Punktes, wo die Grenze des südöstlichen Zipfels von Italienisch- Eritrea, Französisch- Somali und Abessinien zusammenlaufen. Die abessinisch-italienische Grenze ist in diesem Landstrich n i ch t genau f e st g e l e g t. Die..theoretische** Grenze Genf. fTsch. P. B.) In hiesigen englischen Kreisen wird darauf hingewiesen, daß die Grenze zwischen dem italienischen und dem abessinischen Gebiet, wo nach abessinischen Angaben der italienische Bormarsch begonnen haben soll, nur eine theoretische Linie bilde. Der angrenzende Streifen der französischen So- maliküstr ist in dem römischen Abkommen vom 7. Jänner den Italienern zugesprochen worden, doch hat die Üebergabe dieses Gebietes und demgemäß die Festsetzung der neuen Grenze noch nicht stattgefunden. Was vielleicht noch dir Mög- R o m. Der fett einigen Tagen mit größter Spannung erwartete Generalappell der faseistisrhen Partei ist Mittwoch nachmittags Tatsache geworden. Um 18 Ahr 30 ertönten überall die Sirenen und die Glocke«, um die Schwarzhemden zu ihre« Sammelplätzen zu rufen. Wenige Minuten vorher war der Appell-Befehl über de« Rundfunk gegangen. „Die feierliche Stunde in der Geschichte des Vaterlandes bricht an", so begann Mussolini beim Generalappell am Mittwoch abends seine wieder von rauschendem Beifall unterbrochene Disziplin, Gleichmut, und Opferbereitschaft, auf Sanktionen militärischen Charakters mit milttärische« Maßnahmen, auf Kriegshandlungen mit Kriegshandlungen antworte n; es wolle aber alles Mögliche tun, um zu verhindern, daß der koloniale Konflikt europäischen Charakter annehme. Die Soldaten in Ostafrika sind, wie Muffolini ausdrücklich erklärte, imBegriffindenKampf z u g e h e n. Damit sind die letzten Hoffnungen auf eine friedliche Beilegung des Konfliktes vernichtet. Die Folgen dieses Vorgehens sind noch nicht abzusehe«. Die brttische Regierung hat, wie Havas berichtet, nach den ersten Mel- dutzgen über den ttalienischen Vormarsch die zuständigen Ministerien der nationalen Verteidigung ermächtigt, alle mtt Bezug auf die Situation not« wendigen Maßnahme» zu treffe«. Grenzverletzung Ms man jedoch nach dem gemeinsame« Sieg, zu dem Italien mit 670.000 Toten beigctragen hat, am Verhandlungstisch eine? erbärmlichen Friedens zusammenkam, da fielen für Italien nur die Brosamen einer großen Kolonialbeute aus, di« sich andere nahmen. 13 Jahre lang haben wir geduldig gewartet. 40 Fahre lang haben wir die abessinische Provokation geduldig ertragen. Jetzt ist es genug! Anstatt das gerechte Recht Italiens anzuerkennen, wagt man, im Völkerbund von Sanktionen zu sprechen. Bis zum Beweis des Gegenteils weigere ich mich zu glauben, daß das französische Volk sich Sanktionen gegen Italien anschließen könne, daß das englische Volk sein Blut vergießen und Europa auf den Weg der Katastrophe bringen wolle, um ein barbarisches Land zu verteidigen. Trotzdem dürfen wir aber nicht so tun, als »b wir die Möglichkeit von Sanktionen in der nahen Zukunft nicht sähen. Auf Sanktionen wirtschaftlichen Charakters werden wir mit Disziplin, Gleichmut und Opferbereitschaft antworten. Auf Sanktionen militärisch«« Charakters antworten wir mit militärischen Maßyahmr», auf Kriegshandlungen mit Krieashaudlnnge«. Niemgnd ' täusche sich darüber, m»S klein z« kriegen, den« er wird eine» harten Kampf bestehen müssen. Aber noch einmal sei eS in der kategorischesten Weise, wiederholt: Wir werden, alle? möglich« tun, um zu vermeiden, daß der koloniale Konflikt den Tharafter und die Bedeutung eines europäischen Konfliftes annimmt. »Darum marsch!", Italien, auf daß der Ruf seiner bis aufs äußerste unerschütterlichen Entschlossenheit gen Himmel steige und unsere Soldaten in Ostafrika erreiche, die im Begriffest« d, indenKampf zu gehen. vom schwimmt in Begeisterung Die Rede Mussolinis wurde von der nach Zehntaufenden zählenden Menge auf der Piazza Venezia immer wieder von stürmischen Beifallsrufen unterbrochen. Am Schluß brachte die Menge Mussolini, der immer wieder von neuem auf dem Balkon erscheinen mußte, nicht endenwollende Kundgebungen dar. Nach den Klängen des Giovinezza-Liedes erklärte Parteisekretär Staracr über den Rundfunk den Generalappell für beendet. Bei den« Generalappell wurde das britische Botschaftsgebäude in Rom von über 300 Polizisten, Karabinieri und Soldaten qcschützt. Abessinische Mobilisierung Wie Reuter aus Addis Abeoa meldet, wird die allgemeine Mobilmachung der abessinischen Streitkräfte einer amtlichen Mittellung zufolge am Donnerstag vormittags um 11 Uhr angeordnet werden. Die italienische Gesandtschaft in Addis Abeba schickt bereits ihre Archive mit der Eisenbahn aus der abessinischen Hauptstadt ab und verbrennt ihr Schriftenmaterial im Garten des , Gesandtschaftsgebäudes. Das Pariser Linksblatt„Oeuvre" meldet, daß die Abessinier die Italiener in die Niederungen Vordringen lassen werden und sich selbst in die Berge zurückziehcn werden. Beim Einsetzen I der neuen Regenzeit werde die Situation für die italienischen Truppen kritisch werden. Das gleiche Blatt erfährt, daß einige Führer des. jetzigen italienischen Regimes, darunter auch Marschall Badoglio, bezüglich der Beendigung des abessinischen Feldzuges unter den schlechten Bedingungen, mit. denen man wahrscheinlich rechnen müsse, sehrpessimistisch sind. Brandrede Mussolinis beim General-Appell aller Schwarzhemden immer Rede f dem der lichkeit einer Regelung drS Zwischenfalles in sich schließe. Italien könne noch immer geltend machen, daß es sich um ein M i ß v e r st ä n d- n i s, jedenfalls nicht um den Beginn eines Bormarsches ins Innere Abessinien- handelt. Die Feststellung» ob ein Angriff stattgefunden hat, werde auf alle Fälle noch einen Gedankenaustausch mit der italienischen Regierung notwendig machen. Rom dementiert nicht P a r i s. Der Korrespondent der Agencr Havas meldet: Die Meldungen über den Einmarsch italienischer Truppen in Abessinien werden in Rom nicht mehr d e m e n t i e r t. Die italienischen Truppen hätten die Feindseligkeiten jedoch noch nicht aufgenommrn. Sie sollen nur einige militärische Bewegungen in den bewaldeten Gebieten unternommen haben, nm ihre „Defensivpositionen" besser zu organisieren. an das italienische Volk. 20 Millionen Italiener sind in diesem Augenblick auf allen Plätzen Jtalieüs versammelt. Seit vielen Wochen läuft das Rad der Geschichte unter dem Antrieb unseres festen Entschlusses auf das Ziel zu. In diesen letzten Stunden ist das Tempo noch rascher und geradezu unaufhaltsam geworden. Es ist nicht nur ein Heer, das seinen Ziesen entgegen marschiert, es sind 44 Millionen Italiener, die mit diesem Heer mar- schierey, während man versucht, gegen sie die s ch w ä rzeste Ungerechti gkeitzu begehen und u n SdenPlatz an der Sonne zu nehmen. Als im Jahre 1918 Italien fein Schicksal mit Alliierten verband, wieviel Versprechungen! _’• P'D.) Das Sekretariat des Völkerbundes erhlett heute Nachmittag vom Kaiser von Abessinien folgendes Telegramm; „Wir gebe« bekannt und fordern, daß allen Mitgliedern des Völker- bundrates und allen Mttgliedstaaten mitgetettt werde, daß italienische Truppe« unerlaubter Weise die a b e s s i n i s ch e G r e n z e in der Ge- send südlich vom Berg Mvsali ü b e r s ch r i 1 t e« und eine Basis für einen Angriff großen Umfanges vorbereitet haben. Die Mähe des Meeres und der leichte Zugang über Französisch-Somaliland zu dieser Stelle ermöglicht es, daß der Dölkerbundrat einen Beobachter entsende oder sich die Bestätigung dieser Nachricht über die Verletzung abessinischen Gebietes durch Dermttt- lang der lokalen Regierung in Französisch-Somaliland beschaffe. Gezeichnet Halle Selasie." Nesus Genf.(T Einheitswollen gegen Spaltungsgeist Zur Erinnerung an die Schicksalstase von Karlsbad i. Vor fünfzehn Jahren fiel die folgenschwerste Entscheidung in der Geschichte der sudeten^eutschen Arbeiterbewegung. Vom 3. bis 7. Otkober 1920 waren in Karlsbad zum letzten Male die Sendboten einer einheitlichen deutschen sozialistischen Bewegung in diesem Lande versammelt. Das große geistig-politische Ringen zwischen Sozialdemokratie und Bolschewismus nahm auf unserem Boden von diesem Parteitag seinen Ausgang. Unerhört großes und tragisches" Geschehen ist in den eineinhalb Jahrzehnten, die uns von diesem ersten Kräftemeffen trennen, vorbeigerauscht. Die Generation, die dabei war und bebenden Herzens mitgcstritten hat um die Bestimmung des Weges und um die Rettung der Einheit der Partei, wird den Schicksalstagen von Karlsbad gerne einen Augenblick der Erinnerung schenken. Der jüngeren Generation, die seither ihren Platz in der sozialistischen Kampffront bezogen hat, ist bei diesem Anlaß zu sagen, wo der Ausgangspunkt des Bruderzwistes in den proletarischen Reihen lag, welch stolze Tradition sie zu hüten und welch großes Vermächtnis sie zu erfüllen hat. * Die Welt trug vor fünfzehn Jahren ein anderes Gesicht. Die Hungersnot des Krieges und der Umsturzzeit, die Schwierigkeiten der Demobilisierung, die Hemmungen, welche die Friedensverträge der sozialistischen Politik unter den besiegten Völkern auferlegt und die Hoffnungen, die die russische Revolution auch bei den Arbeiterklassen Mitteleuropas entzündet hatte, aber auch die ersten Anzeichen einer großen konterrevolutionären Welle bestimmten das Denken und Handeln der klassenbewussten Arbeiterschaft. Trotz den überstandenen Schrecknissen und Entbehrungen hatten die arbeitenden Menschen aus den Schützengräben und Munitionsfabriken ein erhöhtes Selbstbewusstsein heimgeträgen. Eine Massenarbeitslosigkeit im heutigen Umfange war unbekannt. Das Land und die Welt standen im Zeichen des Warenhungers. Bei der damals herrschenden Kohlenknappheit konnte ein Streik der Bergarbeiter das Wirtschaftsleben in seinen Grundfesten erschüttern. Unsere Kohle, unser Zucker wurden im Auslande mit Gold bezahlt. Auch die sudetendeutschen Exportindustrien hatten Anteil an der ersten Nachkriegskonjunktur. In den Glashütten, in den Metall- und Porzellanfabriken herrschte Hochbetrieb. Die nordböhmische und die mährisch-schlesische Textilindustrie belieferten noch ihre alten Absatzgebiete im Bereich des ehemaligen österreichisch-ungarischen Fünfzigmillio- nenstaakes. Man wusste noch nichts von der kommenden Jndustriewandcrung. Der Begriff dec Rationalisierung war in seiner heutigen Prägung unbekannt. Die Vorstellung, dass unser deutschböhmisches und nordmährisch-schlesisches Grenzland in zehn oder fünfzehn Jahren ein grosser Jndustriefriedhof sein werde, fand nicht einmal im Denken des ärgsten Pessimisten Raum. Fast alle Betriebe im deutschen Gebiet waren geschlossen in den freien Gewerkschaften organisiert. Es bedurfte nur eines gemeinsamen Aufrufes der Partei und Gewerkschaften, die Belegschaften geschlossen auf die Strasse zu führen. Kein Unternehmer wagte es, sich einer solchen Aktion zu widersetzen. Erfolgreiche gewerkschaftliche Lohnkämpfe schufen eine günstige Stimmung für die Organisations- und Werbearbeit der Partei. Der deutsche sozialdemokratische Jugendverband zählte gegen 30.000 Mitglieder. Die bürgerlichen Parteien waren noch vom Kriege her diskreditiert und in die Defensive gedrängt. So brachten die ersten Wahlen in die tschechoftowakische Nationalversammlung den sozialdemokratischen Parteien große Erfolge. Es gab weder im deutschen noch im tschechischen Lager eine sozialistische Mehrheit, doch die Sozialdemokratie war hier und dott die führende Partei. Politisch waren alle Vorbedingungen einer weiteren Aufwärtsentwicklung der Arbeiterbewegung gegeben. Die durch Krieg und Umsturz aufgerifsene Kluft zwischen der tschechischen und der deutschen Arbeiterschaft wurde allmählich durch die Notwendigkeiten einer sozialisti-i Seite 2 Donnerstag, 3. Oktober 1935 Nr. 230 schen Aktionsgemeinschaft überbrückt. Die deutschen Sozialdemokraten waren bereits eingeladen, an der Regierung Tusar teilzunehmen. Wäre diese Entwicklung nicht durch äußere Störungsmomente gewaltsam unterbrochen worden, so hätte sie wahrscheinlich die Politik des Landes auf eine lange Periode unter sozialistische Führung gestellt und der wirtschaftlichen Orientierung des Staates eine andere Richtung gegeben. Da brauste ein Sturm aus dem Osten daher. Der Flammenschein dec großen russischen Revolution überblendete die ganze Problematik des sozialistischen Ringens in Mitteleuropa. Die siegreiche bolschewistische Partei Rußlands erhob ihren Führungsanspruch über die ganze internationale Arbeiterbewegung. Als Sozialist und Klassenkämpfer sollte künftig nur anerkannt werden, wer sich blindlings in die Gefolgschaft Moskaus begab. In-en vielzitierten 2_ Punkten waren die Bedingungen für den Beitritt zur neugegründeten 3. Internationale unerhört scharf formuliert. Sie gipfelten im Wesen darin, daß jede Arbeiterpartei, die dieser Internationale angehören wollte, unter bolschewistische Führung gebracht werden sollte und die Diktatur des Proletariats als einzige Uebergangsform zum Sozialismus anerkennen mußte. Diese Forderungen verstrickten die sozialistischen Arbeiter Mittel- und Westeuropas in einen schweren Gewissenskonflikt. Ihre Sympathien gehörten uneingeschränkt dem neuen Rußland. Der zeitlveilig erfolgreiche Bormarsch der roten Armee in Polen erweckte hochfliegende Erwartungen, daß alle Schwierigkeiten und Probleme des eigenen Landes durch einen baldigen Generalsieg der Weltrevolution übersprungen werden könnten. Die sozialistischen Arbeiter .Mittel- und Westeuropas liebten aber nicht minder ihre eigenen Parteien und Gewerkschaften, die sie in Jahrzehnten mit beispiellosen Mühen und Opfern aufgebaut hatten. Der ganze Aufstieg dieser Arbeiterschaft war verbunden mit den ruhmvollen Kämpfen und Siegen der westeuropäischen Sozialdemokratie. Nach dem glänzenden Wahlsieg im April 1920 fing der Richtungsstreit in der sudetendeutschen uwd gleichzeitig in der tschechischen Arbeiterbewegung an. Reichenberg und Kladno wurden zu den Ausfallspositionen der»linken Sozialdemokraten", die unter K r e i b i ch s und S m e- r a l s Führung die tschechoslowakische Arbeiterbewegung für den Bolschewismus erobern und der 3. Internationale zuführen wollten. Am 9. Mai 1920 fand eine Sonderkonferenz der deutschen Linken statt und beschloß die sogenannten„Reichenberger Richtlinien" als ideologische Plattform für die Bolschewisierung der Partei. Eine leidenschaftlich Diskussion in der Parteipresse, in Versammlungen und Konferenzen wurde dadurch ausgelöst. Die Auseinandersetzung griff auf die Gewerkschaften und auf die Betriebe über. Wo sich Arbeiter zu Beratungen versammelten, gab es Kampfabstimmungen zwischen„Linken" und „Rechten", zwischen Kommunisten und Sozialdemokraten. Die Reichenberger und ihr Anhang steuerten entschlossen auf ihr Ziel dec Eroberung der Partei und Gewerkschaften zu. In der Masse der Mitglieder stiegen Zweifel auf. Ging es um eine Radikalisierung der Partei, ging es um die furchtbare Gefahr einer Spaltung? Auch in der tschechischen Sozialdemokratie spitzten sich die Gegensätze zu. Die Fronde des kommunistischen Flügels brachte die Regierung Tusar in Gefahr. Unter ungeheurer Spannung der gesamten proletarischen«und politischen Oeffentlichkeit trat der Parteitag in Karlsbad zusammen. Bei der Wahl der Delegierten hatte es auf den Bezirkskonferenzen schon zahlreiche Machtproben zwischen zwei scharf abgegrenzten Lagern gegeben. Alles drängte nach einer Klarstellung. Waren nicht schon zwei Parteien in der Partei? War die schwer bedrohte Einheit der Bewegung noch durch eine oftene Aussprache, durch ein programmatisches Kompromiß zu retten? Karlsbad sollte die Entscheidung bringen. An einem trüben Oktobertag traten die Sofia.(Tsch. P.-B.) Die bulgarische Regierung hat Mittwoch um die Mittagsstunde den Ausnahmszustand verkündet, da eine umfangreiche gegen die Regierung und vielleicht auch gegen den König gerichtete Verschwörung aufgedeckt wurde. Die Verschwörung war, wie aus den Gerüchten hervorgrht, die sich in den Vormittagsstunden blitzschnell in der bulgarischen Hauptstadt verbreiteten, von den führenden Funktionären jener politischen Kreise verbreitet, die um den sogenannten„Zvrno"-Kreis mit der KapitänSliga, die bereits im vergangenen Jahre<19. Mai) einen Umsturz herbeiführtc, gruppiert sind, weiter von führenden Anhängern der oppositionellen Agrarier ans der Gruppe„Pladne" und einem Teil des jüngeren Offizierskorps. Wie mit Bestimmtheit verlautet, wurde Mittwoch früh bei Dragoman im Sofioter Gebiet Oberst a. D. Damjan Weltschew verhaftet, der bekanntlich im Exil lebte und jetzt nach Bulgarien zurückkrhren wollte. Damjan Weltschew hielt sich zrrerst in Jugoslawien, später in Frankreich auf. In Sofia wurden weiter verhaftet: der ehemalige Finanzminister im Kabinett Georgiew Peter T o d o r o w, der Chef dieses KabinetteS, Karakulakow, und der Direktor der bnlgarischen Landwirtschaftsbank während der Georgiew-Regierung Andrejew. Die drei Genannten sind führende Funktionäre des Zveno-Kreises und republikanisch gesinnt. Bon bekannten Anhängern der Cladne-Bereinigung wurden verhastet: der ehemalige Abgeordnete Dr. Dimitrow und Boris Bumbarow. Die Verhaftungen von Anhängern der beiden politischen Gruppen werden fortgesetzt. Die ans Anlaß des Jahrestages der Thronbesteigung des König VoriS und der Erklärung der bulgarischen Unabhängigkeit für Donnerstag vorbereiteten Feiern wurden verlegt. Große Erregung hat die Nachricht hervorgerufen, daß der bekannte agrvrkommunistische Emigrant Titsche Uznnow mit einer größeren Grupp« von Emigranten«Nf bulgarisches Gebiet gekommen ist, um einen Umsturz vorznbereiten. Stegen die Banden Uzunows wurden Polizeiäb- teilungen entsandt. Seit der gewaltsamen Ausrottung des bäuerlichen Stambolijski-Regimes durch den städtisch-bürgerlichen Fascismus ist Bulgarien nicht mehr zur Rühe gekommen, obwohl jede Regierung ihre Arbeit mit der Versicherung antritt, daß s i e der Unruhe, der Unordnung und den ewigen Verschwörungen ein Ende bereiten werde. Das liegt daran, daß die Krone und die von ihr berufenen Kabinette nicht über jenes Maß von tatsächlicher Macht verfügen, ohne das eine Delegierten der sudetendeutschen Arbeiterbewegungen dem größten Saal des westböhmischen Weltkurortes zusammen, auf roter Erde, denn das Egerland hatte zuvor 131.823 sozialdemokratische gegen 122.816 deutschbürgerlich« Stimmen in die Wahlurnen geworfen. Die Entscheidungsschlacht zwischen dem Einheitswollen und dem Spaltungsgeist in der sudetendeutschen Arbeiterbewegung begann. Staatsführung nicht existieren kann. Der Staatsapparat ist zum Teil in den Händen der Opposition, vor allem ist etwa die Hälfte der Armee republikanisch gesinnt und von der„Kapitänsliga", den Z v e n o- L e u t e n um Damjan Weltschew, beherrscht. Aber diese Gruppe, die den Umsturz vom 19. Mai 1934 angezettelt hat, scheint für sich allein auch zu schwach zu sein, da sie eben die andere, monarchistische Hälfte der Armee und den Nationalsozialismus Zankows gegen sich hat. . Die vereinigte Opposition vermag also die jeweiligen„autoritären" Ordnungskabinette der Krone zu stürzen, aber infolge der Gegensätze im oppositionellen Lager vermag sie nickt zu regieren. Daher die periodischen Systemwechsel. Der gegenwärtige Putsch scheint von den Weltschew-Lcuten auszugehen, aber sich kommen werde, da London und Paris darin einig sind, daß die wirtschaftlick-en und finanziellen LrsLnruns des Locarnopaktes? Paris. Dir Privatagentur Radio meldet aus London auf Grund von Informationen aus gut unterrichteter Stelle, daß das englische Kabinett sich Mittwoch mit wichtigen Vorschlägen Sir Samuel Hoares beschäftigt habe. Es handelt sich um ein bestimmtes französisch-englisches der Unterstützung Zankows und der N a t i o« nalsozialisten zu erfreuen, obwohl Zan- kow in einem vor wenigen Tagen verbreiteten Manifest gerade den Zveno-Staatsstreich von 1934 aufs heftigste verurteilt hat. Das mag aber vielleicht ein Trick gewesen sein, der die Zusammenarbeit der beiden oppositionellen Gruppen verschleiern sollte. Neben den beiden Haupttagcrn der Opposition, eben dem Weltschews und dem Zankows, gibt es noch bürgerlich-demokratische, sozialdemokratische, kommunistische und radikalbäuerliche politische Gruppen in großer Zahl, die meist zu jedem der drei untereinander abwechselnden Regimes, dem königlichen, dem militärdiktatorischen und dem fascistischen, in Opposition stehen. Am schwersten ist es, sich in der außenpolitischen Orientierung der verschiedenen bulgarischen Richtungen zurechtzufinden. Jede versichert, friedens- und verständigungsbereit zu sein, jede greift ihren Gegner wegen seiner kriegerisch-nationalistischen Politik an, um nachher selbst diese Politik zu treiben. Z a n k o w, der als Nachahmer Hitlers gilt und mit Hitler zu sympathisieren scheint, spielt sich z. B. in seinem jüngsten Manifest auf den Freund Rußlands, der Türkei und der Kleinen Entente und einer europäischen Verständigungspolitik auf. richtet aber auch Vorwürfe gegen Jugoslawien und gegen Georgiew, der doch eben jene Freundschaften gepflogen hat. Die Regierung Toschcw scheint des Putschcs tatsächlich Herr geworden zu sein» trotzdem aber nicht fest im Sattel zu sitzen. Ein Personenwechsel ist wahrscheinlich, eine Schwenkung des Systems — vielleicht zu Zankow— nicht ausgeschlossen. „Wenn jedoch der abessinische Feldzug von längerer Dauer sein und die britische Blockade, die im Mittelmeer die Verbindung zwischen Italien und Ostafrika hemmen würde, angefallen würde, dann wäre die durch die Bestimmungen des Artikels 16 des Bölkrr- bundspaktes diktierte Verpflichtung solidarisch. Militärabkommen, das sich ausschließlich auf die Grenzen Frankreichs und keineswegs auch z. B. auf die Grenzen Oesterreichs, Memels oder ähnliche bezöge. Dieses Abkommen erklärt den Locavlovertrag in dem Sinne, daß Großbritannien sich verpflichte, Frankreich sofort zu Hilfe zu eilen, wenn seine Grenzen überfallen würden, und zwar ohne die Entscheidung von juristischen Experten über di« Bezeichnung des Angreifers abzuwarten. Neue Sustemkrlse In Bulgarien Ein Putsdiplan gegen Regierung und König in allerletzter Minute auigededtt Verspricht Frankreich Hilfe zur See? Entscheidung Im freitägigen Ministerrat PatiS. Tas französische Außenminist erium bereitet im Einvernehmen mit den Ge- neralstäben des Lairdheevcs und der Marine dir Beantwortung der Anfrpge der britischen Regierung vor, welchen Standpunkt Frankreich praktisch einnrhmen würde» wenn britische Truppen im Mittelländischen Meere bei der Durchführung von Sanktionen gegen Italien überfallen würde. An französischen Äegierungsstellen erwar tet man, daß es zn dieser Eventualität nicht Sanktionen gegen Italien anfangsgering- f ü g i g sein würdcir, so daß Italien auf sie sicherlich nicht durch Militäroperationen rea gieren würde. Laval hatte am DienStag diesbezüglich Besprechungen mit dem englischen und dem ita- lienischen Botschafter. Di« Angelegenheit, welcher große Bedeutung beigemessen wird, wird in der am Freitag stattfindende« Sitzung des französischen Ministrrratrs den Gegenstand der Aussprache und wahrscheinlich auch der Entscheidung bilden. Man glaubt, daß die Antwort der französischen Regierung bejahend sein wird, d. h„ daß Frankreich England im Falle eineS durch Italien provozierten Konflikts Hilfe zur See gewähren würde. 39 8 VILLA OASE W oder: DIE FALSCHEN BORGER Roman von Eugene Dabit Berechtigte Uebertragung aus dem Französischen von Bejot Mittags kam Irma hinunter. Dann aßen sie schweigend. Früher konnten sie noch von Zukunstsplänen sprechen. Jetzt erlebten sie die Erfüllung, hatten keine Sorge mehr, und die Tage folgten einander, ohne die geringste Ueberraschung zu bringen. Julien wiederholte die Klatschgeschichten, die im Lande die Runde machten, und schimpfte über den Regen und die Kälte. Und Irma, die nicht aus dem Zimmer gekommen war, wußte überhaupt nichts zu sagen. Die Uhr schlug eins. Julien räumte ab und trug die Reste in den Keller. Dann ließen sie das Grammophon spielen. Er lag in einem bequemen Sessel und lauschte den Melydien, die ihn an die Abende auf Montmartre erinnerten. Solange summte in der Küche mit. Auch Irma hörte, die Zigarette im Mundwinkel, zu. Sie mußte bei der Musik an mancherlei denken. Aber man konnte ihr nicht vom Gesicht ablesen, ob die Musik sie froh oder traurig stimmte. Julien packte die Platten wieder ein, trat ans Fenster und blieb, mit herabhängenden Armen, eine Weile' still stehen. Ihn drückten nicht die Gedanken. Er spürte nur Schwere in den Gliedern. Die Schwere unverbrauchter Kraft. Nachdem er mit den Fingern auf die Fensterscheiben getrommelt hatte, beschloß er, eine Tour durch den Garten zu unternehmen. Aber dazu bedurfte er erst einer besonderen Ausrüstung: einer alten Mütze, eines Halstuches und eines Sweaters aus Kamelwolle. Vor der Türe schlüpfte er in die Holzpantinen, und nun war er marschbereit. Der Wind bewegte das- Wasser im Teich. Kleine Wellen schlugen an den Rand und plät- sckerten dabei wie in einem See. Er rieb sich die Hände. Er war stolz auf seinen ganzen" Besitz, aber dem Teich gehörte seine besondere Liebe. Er machte sich zu schaffen. Bald sammelte er die dürren Zweige auf, balb hackte er die Wege. Für den Frühling plante er verschiedene Verschönerungen. Dabei war es sein Vorsatz, die ganze Arbeit an Stelle des Gärtners zu machen, der sich einen Stundenlohn von drei Franken bezahlen ließ. Prüfend musterte er jeden Baum, als müsse er ihm sein Geheimnis entreißen. Das Schlafen der Natur war ihm etwas Unbegreifliches. Er hatte Angst, seine Bäume und seine Rosenstöcke könnten eingehen. Deshalb packte er die Stämme in Stroh ein. Wenn er sein Hab und Gut betrachtete, hatte er ein zwar verkleinertes, aber getreues Abbild der Welt vor Augen. Frierend kam er nach Haus zurück. Welcher Genuß: die Holzpantinen gegen ein paar mollige Pantoffeln zu vertauschen, die Liebkosung einer gut durchwärmten Luft zu spüren, einen Menschen zu witternl Er rief:„So ein Marsch bringt das Blut in Gang. Du solltest auch ein wenig laufen, Irma." Sie fürchtete, sich zu erkälten. Deshalb blieb sie lieber in ihrem Sessel sitzen und stickte weiter an ihrem Tischläufer. Julien griff nach der Zeitung. Da sie aber nur schlechte Nachrichten brachte, warf er sie bald fort. Einmal fing er den Roman zu lesen an. Doch er konnte sich nicht lange für unwirkliche Personen interessieren, die Leidenschaft seiner Frau für solche Geschichten nicht begreifen. Sich regen, etwas schaffen, jal Zu seinem Unglück fand er keine rechte Beschäftigung. Es war das erstemal in seinem Leben, daß er untätig blieb. Mit zwölf Jahren war er in die Lehre gegangen. Die eine Bude hatte er verlassen, in der - anderen auch nicht ausgehalten, so hatte er keinen Beruf richtig erlernt. Aber ein Faulpelz war er nie gewesen. Auch im Montbert hatte er nicht auf der Bärenhaut gelegen. Er sah sich noch, wie er den Keller fegte, den Heizkessel bediente, auf die Mädchen aufpaßte. Das war noch richttge Arbeit gewesen. Was er jetzt tat, war nur Spielerei. Und das Bedürfnis, seine Kräfte irgendwie zu verwenden, wurde immer größer. Im Laufe seines Lebens hatte er niemals innegehalten, um nachzudenken. Eine Tätigkeit war auf die andere gefolgt, und so waren die Jahre vergangen. Nun war Sckluß. Er würde nichts mehr unternehmen, ihm blieben nur noch die Erinnerungen. Doch sie brachten ihm keine Freude. Er bedauerte vielmehr, daß er das Hotel verkauft hatte. Aber Irma konnte ja nicht mehr arbeiten. Während des Sommers hatte er immer noch gehofft, seine Dicke würde wieder die alte werden. Die Regenzeit war gekommen, und Irmas Miene hatte sich verfinstert wie der Himmel. Eines Nachts hatte er sie psiegen müssen. Sie rief nach Helene. Also dachte sie doch wieder an das Mädel. Das hing wahrscheinlich mit dem Bild zusammen. Doch daran war nicht mehr zu rütteln. Ihr letzter Blick vor dem Einschlafen, ihr erster nach dem Erwachen gehörte dem Porträt ihrer Tochter. Und tagsüber verbrachte sie viele Stunden im Schlafzimmer. Einmal hatte er Miene gemacht, das Bild abzunehmen. Doch Irma war hochgefahren.„Wenn du daran rührst, bringt eS mir Unglück." Und sie hatten sich gezankt wie nie in ihrem Leben. Das Ende vom Liede war, daß das Bild, wie ein stummer Wächter, im Zimmer blich). Julien selbst litt nicht darunter. Er hatte dem Mädel gegenüber seine Pflicht erfüllt. Mer er wollte Irma gern von der traurigen Vergangenheit befreien. Nie zuvor war er auf unüberwindliche Schwierigkeiten gestoßen, und von dem verdammten Bild— welche Kateridee, es überhaupt machen zu lassen I— kam er nicht mehr los. Er sah es an. Papiere, Striche, Farben, etwas Totes. Und ihm hielt seine Frau Ansprachen und lebte in einer Welt» für die er kein Verständnis hatte. Wenn es Wend wurde, sagte er:„Man könnte zu Paul geben." Doch Irma ertviderte, sie wäre zu»müde. Ließ er sie allein, so bestano Gefahr, daß sie sich»on den schwarzen Gedanken überwältigen ließ. Er knackte mit den Fingern, io peinigte ihn das Verlangen nach Bewegung. Er dachte an die Freunde, die in der Stunde, in der die jungen Arbeiterinnen vorübergingen, auf die Place de Clichy kamen. Er sah Alfred ins Cafe treten und hörte ihn sprechen: von einem Mädel, dem er nachgestiegen war. Alle umringten den Papa Adam. Man trank, man scherzte, man hatte einen Rcnngewinn in der Tasche. Das war ein Leben! tz Er rief Solange, und gab ihr d.en Auftrag, Irma Gesellschaft zu leisten. Dann ging er, eingemummt bis an den Hals, in strohgefüllten Holzschuhen aus dem Hause. Die Rue du Petit- Vau war pechschwarz. Er patschte durch Pfützen und fluchte auf den in jeder Beziehung rückständigen Gemeinderat. Schließlich erreichte er die Rue de Paris, in der das aus einem Laden fallende Licht und hie und da eine Glühbirne ein wenig Helle verbretteten. Pauls Lokal am finsteren Kirchplatz wirkte wie festlich illuminiert. Das Cafe des Courses war es freilich nicht. Dennoch hatte er Eile, hineinzukommen. Dem Wirt, der ihn begrüßte, rief er zu:„Ein hübsches Ende bis zu dir, mein Alter." Beide setzten sich an einen Tisch, und Paul füllte den Absinth in die Gläser. Sie erzählten, wie sie den Tag verbracht hatten. Julien war nicht aus dem Bau gekommen, Paul hatte keine Katze gesehen. Sie schimpften auf den Regen und ließen ihrer Frühlingssehnsucht freien Lauf. (Fortsetzung folgt.) Nr. 230 Seit» 3 Donnerstag, 3. Oktober 1935 fudc/endeutediet Zcrtspie^d Volksversicherungs anstalt„Vorsorge“ Eine neue Einrichtung der deutschen Arbeiterbewegung In der CSR Die Gewerkschaften und Genossenschaften unserer Bewegung haben sich zusammengetan und die»Vorsorge, Allgemeine Versicherungsaktien- gesellschaft" mit dem Sitze in Prag gegründet. Es handelt sich um ein Unternehmen, das dauernd unter dem Einfluß dieser beiden Zweige unserer Bewegung bleiben soll. Zu diesem Zweck wurde in dem Gesellschaftsstatut die Bestimmung getroffen, daß die Aktien nicht an der Börse gehandelt werden dürfen und daß eine Uebertragung der Aktien auf andere Körperschaften oder Personen nur mit Zustimmung des Verwaltungsrates möglich ist. Die„Vorsorge"--ist ein gemeinnütziges Unternehmen, die den Versicherungsschutz zum Selbstkostenpreise gewähren will. Der gemeinnützige Charakter der Gesellschaft kommt schon darin zum Ausdruck, daß das Aktienkapital höchstens mit fünf Prozent verzinst werden darf und daß jede weitere Gewinnbeteiligung der Aktionäre satzungsgemäß ausgeschlossen ist. Ebenso dürfen auch den Mitgliedern des Verwaltungsrates keinerlei Tantiemen bezahlt werden. Alle Ueberschüsse müssen nach Speisung der notwendigen Sicherheitsreserven restlos wieder den Brr- sicherten in der Form von Gewinnanteilen zugute kommen. Die unter der Verwaltung der„Vorsorge" stehenden Kapitalien werden wieder den Kreisen nutzbar gemacht, aus denen sie ihr zuge- flosscn sind, sei es zur Stärkung gewerkschaftlicher oder genossenschaftlicher Institutionen oder sei es zur Förderung des genossenschaftlichen Kleinwoh- nungsbau-s und ähnlicher gemeinnütziger Bestrebungen der Arbeiterschaft. Auf Grund ihres Gesellschaftsstatuts ist die „Verlorne".chtiat, sämtlich? aesetzlieb erlaubten Versich^rungs^we.ge zu betreiben, insbesondere die Levensv-rsnycrung, steuer-, Einbruch-, Unfall-, Haftpflicht-, Autohavarie- und Glasbruchversicherung. Als ihre Hauptaufgabe aber betrachtet die„Vorsorge" die systematische Verbreitung der modernen Bolksversicherung. Die Prämiensätze werden niedrig, die Versicherungsbedingungen günstig sein, Prämienzuschläge für gefährdete Berufe sollen nicht erheben werden. Mir die Dauer der Erwerbslosigkeit werden Maßnahmen getroffen, damit der versicherte Arbeiter nicht geschädigt tvird. Getragen vom Vertrauen der Arbeiter und Angestelltenschaft wird die neue Gesellschaft ihreni hohen Ziel zustreben, eine wirklich uneigennützige Vorsorge für alle Werktätigen in Stadt und Land zu sein. Einheitsfrontier, die aus der Rolle fallen Eine lehrreiche Versammlung In Hradzen Die kommunistische Jugend besitzt im ganzen Pilsner Kreisgebiete eine einzige Ortsgruppe, die erst nach der Wahl gegründet werden ist. Trotzdem ist sie bestrebt, zwischen ihren im weiteren Gebiet nicht vorhandenen Mitgliedern und den sozialdemokratischen Jugendlichen eine„Ein- heitsfront"* herzustellen. Anstatt unter der Henleinjugend zu werben, sind im Pilsner Kreis die Prediger der Einheitsfront vor allem bemüht, die jungen Sozialdemokraten zu Kommunisten zu machen. Mit dieser leider alltäglichen Form der„Einheitsfront"-Propaganda beschäftigte sich Samstag nachmittag eine sehr zahlreich besuchte sozialdemokratische Versammlung in Hradzen, zu der auch eine Anzahl Kommunisten erschienen waren. Nach dem Referat des Genossen I a k s ch meldete sich ein Jungkommunist zu Wort, der im Wesen unserem Redner zuftimmte und unseren Genossen in den freundschaftlichsten Tönen zuredete, daß es Mcskau diesmal mit der Einheitsfront ehrlich meint. Als sich aber wr sozialdemokratische Betriebsvertrauensmann Genosse Otta aus Holeischen zu Worte meldete und einige sachliche Einwände geltend machte, änderte sich plötzlich das friedliche Bild. Die meisten der anwesenden Kommunisten waren unentwegte alte Bruderkämpfer gegen die Sozialdemokratie und sie versuchten, den üblichen Radau zu inszenieren. Der kommunistische Redner war bemüht, sie im Sinne der neuen Linie zu einem gesitteten Betragen zu veranlassen und dabei wäre es beinahe unter den Kommunisten selbst zu Tätlichkeitei/ gekommen. Die sozialdemokratische Versammlungsmehrheit genoß dabei einen lehrreichen Anschauungsunterricht, wie es mit der neuentdeckten kommunistischen Bruderliebe in der Tat bestellt ist. Für freie Wahl, für Demokratie — aber nur In Litauen I In den letzten Tagen kann man in der Hen- leinpresse Hller Grade eine lebhafte Anteilnahme an der E r h altung der Demokratie und der freien Wahl bemerken. Die Zeitungen, die von der Pressestelle der SdP dirigiert werden, erhitzen sich lebhaft für weitestgehende demokra- ftsche Freiheiten und sprechen mit größter Entrüstung von yndemokratischen Wahlpraktiken, Wahlfälschungen uNl> Wahlter- r o r. Nur meine niemand, daß die Henleinblätter dabei im entferntesten an Deutschland denken! Ueber Deutschland kann Henlein bekanntlich nichts aüssagen, da er es zu selten besucht, um sich ausreichend informieren zu können. Nein, wenn man da liest: Die wüstesten Parlamentswahlen, die bisher in Europa abgehalten wurden, oder in einem anderen Blatt der gleichen Richtung: Weltblamage der... Wahl... Wahlbehinderungen und Angriffe und ähnliche Titel in jedem Blatt von Asch bis Preßburg, so glaube man nicht, daß es sich um die sogenannten„Wahlen" im Driften Reich handelt, bei denen der Wähler nur eine Liste „wählen" darf und mit einem Nein-Zettel seine Stellung, sein Vermögen, seine Gesundheit, sein Leben und das Wohl und Wehe seiner Angehörigen riskiert! Glaube niemand, daß die demokratische Henleinpresse etwa über berüchftgte „Wahlen" in gewiffen Konzentrationslagern schreibt, wo die Gefolterten und Halb-Erschlagenen unter den Augen ihrer Peiniger und Peitschenhalter einen Ja-Zettel abgeben dürfen! Nein, so wenig die Henleinpresse, wenn sie von Terror redet, das Dritte Reich meint, so wenig Nit 95 Prozent aller Stimmen Bringhton. Die Konferenz der Labonr. Party hat mit 2,168.000 Stimmen gegen 102.000 Stimmen eine Resolution angenommen, die die Politik des Erekutivausschusses der Partei, namentlich im Hinblick auf die Geltendmachung von Bölkrrbundsanktionen, gutheißt. Damit hat sich eine 95prozentige Mehrheit der Partei für den Standpunkt der Gewerkschaften erklärt, wornach die Bölkerbundsatzung bis zur Gewaltanwendung unterstützt werden mutz. Bekanntlich hat der Führer der Partei, George L a n s b u r y, in der Frage der Sanktionen schon früher einen gegenteiligen Standpunkt eingenommen. In der Dienstagsitzung verteidigte Lansbury diese Haltung mit seiner eigenen christlich-pazifistischen Weltanschauung und gab zu, daß er durch seine persönliche Stellungnahme der Partei Schwierigkeiten mache. In dieser Erkenntnis habe er bereits eine Sondersitzung der parlamentarischen Gruppe der Partei einberufen, und es sei möglich, daß er nicht wieder' in seiner jetzigen Stellung auf der Rednertribüne erscheinen werde. Hugh D a l t o n, der gewesene Unterstaatssekretär im Labour-Kabinett, schlug der Konferenz eine Resolution vor, die die Politik Mussolinis scharf verurteilt und an das italienische Volk appelliert, seinen Verpflichtungen nachzukommen, auf den Krieg als Instrument der Politik zu verzichten und die Mitverantwortlichkeit für die Erhaltung des Friedens mit den übrigen Völkern die Mitglieder des Völkerbundes sind, zu übernehmen. Die Resolution fordert die Regierung auf, mit den Mitgliedern des Völkerbundes zusammenzuarbeiten und alle Maßnahmen zu treffen, die der Völkerbundspakt an die Hand gibt, um Italien zu zügeln. SirStafford Cripps betonte in seiner Erflärung, daß die wirtschaftlichen Sanktionen von den militärischen Sanktionen untrenn- Dle Seestreitkräfte der Mittelmeermächte Nach einer Statistik des„Paris Midi" befinden sich im Mittelländischen Meer an hundert französische Kriegsschiffe in Bereitschaft, und zwar drei große(„Schlacht"-) Kreuzer, sechs Kreuzer von 10.000 Tonnen, ein kleiner Kreuzer, 33 Torpedobootzerstörer, zwei Flugzeugmutterschiffe und 50 Unterseeboote. Es ist dies der normale Stand, der im Laufe der letzten Wochen nicht verstärkt worden ist. England hat im MitteUändischen Meer fünf große(„Schlacht"-)Kreuzer, zwei Schlachtschiffe, zwei Flugzeugträger, einen Kreuzer von 10.000 Tonnen, elf kleine Kreuzer, 28 Torpedoboote und gcht U-Boote. Italien hat im MitteUändischen Meere zwei große(„Schlacht"«)Kreuzer, ein Flugzeugmutterschiff, sieben Kreuzer zu 10.000 Tonnen, 18 kleine Kreuzer, 88 Torpedoboote und Torpedobootzerstörer und 69 U-Boote. In Brest wurde Mittwoch nachmittags der Kreuzer„Dunkerque", das größte von Frankreich seit dem Weltkrieg gebaute Schlachtschiff, vom Stapel gelassen. Er hat 24.500 Tonnen. Simla. Britisch-indische Truppen haben den Befehl erhalten, sich für den Fall eines abessinisch-italienischen Krieges als P o I i z e. i t r u p- p e n für die'britischen Kolonien in Ostafrika bereitzuhalten. In Bombay werden Vorbereitungen getroffen, um die Einschiffung der Truppen, falls sie notwendig werden sollte, so schnell wie mög- lich vorzunehmen. sie an den 30. Juni denkt, wenn sie von Politischem Mord spricht, so wenig denft sie an das Nächstliegende, wenn sie sich über Wahlkomödien ereifert. Sie meint dann einzig und immer n u r Memel. Und sie zeigt sich dabei in ihrer ganzen verlogenen Heuchelei. Denn so ftandalös die Zustände in Litauen sein mögen, sind sie nur ein ganz unzulänglicher Abklatsch dessen, was sich in der hundertfachen Ouantität und Qualität im Dritten Reich abspielt, das den Henleinblättern als das Musterland der Demokrafte erscheint. Rückgang der tödlichen Unfälle im Bergbau In den ersten sieben Monaten dieses Jahres ereigneten sich im tschechoflowakischen Kohlenbergbau insgesamt 24 tödliche Unfälle, davon acht im Steinkohlen- und 16 im Braunkohlenbergbau. In derselben Zeit des Jahres 1934 ereigneten sich in unserem Bergbau(ohne die Nelsonopfer) 45 tödliche Unfälle. Außerdem verunglückten am 3. Jänner 1934 in der Nelsongrube noch 142 Menschen tödlich.' Gegenüber dem Vorjahre ist also heuer eine Abnahme der tödlichen Unfälle in unseren Gruben zu verzeichnen, was sehr erfreulich ist. Die strengere Handhabung der Sicherheitsvorschriften wirkt sich, wie der Vergleich ergibt, auf den Schutz des I Lebens der Bergarbeiter vorteilhaft aus. bar sind. Er schloß mit einer feurigen Erflärung. derzufolge die britische Politik unter dem Einfluß kapitalistischer Interessen stehe. Mittwoch vormittag ergriff C l h n e s das Wort. Cs sei jetzt notwendig zu handeln, denn sonst würde dies bedeuten, daß^er Völkerbund äufhöre, ein Faktor im internationalen Leben zu sein. Mussolini sich entgegenzusteflen bedeute, die Institution des Friedens zu verteidigen. Rücktritt Lansburys? London.(Reuter.) Infolge der Abstimmung der Konferenz der Labour Party, die sich für Sanktionen aussprach, ist die Positton des Parteiführers Lansbury unhaltbar geworden und seine Demission scheint unvermeidlich zu sein. Sein wahrscheinlicher Nachfolger wird Morrisson sein. Japanische Mllltärmlsslon Insgeheim nach Abessinien? Addis Abeba. Nachrichten des Reutervertreters in Shanghai zufolge, sei eine japanische Militärmission insgeheim nach Abessinien entsandt worden. Schon am 30. Juli hätten tatsächlich 16 japanische Offiziere an Bord des Dampfers„Hakusan Maru", welcher nach Aden unterwegs war, den Hafen von Shanghai passiert. Die militärische Delegafton führte ein Mitglied des japanischen Generalstabes. Das genannte Schiff soll große Mengen von Munifton geladen haben. Die japanischen Behörden dementieren diese Information in der kategorischesten Weise. In der Hauptstadt sind Gerüchte verbreitet, daß in Britisch-Somali bereits an 100 japa- nffche Offiziere eingetroften sind. Dieses Gerücht wurde bisher noch nicht bestätigt. „Flur allgemein" Brüssel. Ueber die Unterredung des belgischen Ministerpräsidenten mit dem Vertrauensmann Hitlers, von Ribbentrop, heißt es, daß sie „einen rein privaten und persönlichen Charatter trug und nur allgemeine Fragen betraf". An belgischen politischen Stellen wird erklärt, daß von Ribbentrop und van Zeeland nicht über den Plan eines Nichtangriffspaktes, zwischen den bej- den Staaten verhandelten, sondern nur allgemein die Besserung der Beziehungen zwischen Belgien und Deutschland besprachen. Erklärung „Die Schriftleitung der„Sudetendeutschen Tageszeitung", des„Nordböhmischen Tagblatt", resp. der„Deutschen Tageszeitung" hat in d-r Folge 118 dieses Blattes einen aus der deutschen Zeitung„Bohemia" in Prag übernommenen Artikel zur Veröffentlichung zugelassen, in welchem der Freien Vereinigung sozialistischer Akademiker in Prag der grobe Mißbrauch des Namens des Präsidenten vorgeworfen wurde. Da sich die Schriftleitung überzeugt hat, daß die in dem Artikel gemachten Anschuldigungen durchaus unbegründet sind, erklärt die Schriftleitung, diese Veröffentlichung zu bedauern." Die internationale Aktion gegen den Krieg Sitjung der gemeinsamen Antikriegskommission(IGB u. SAI) (I. 3) Die Gemeinsame Antikriegskommission des Internationalen Gewerkschaftsbundes und der Sozialistischen Arbeiter-Internationale ist am 27. September unter dem Vorsitz von De Brouckire in Paris z« einer Sitzung zusammengetreten, der für die SAI Leon Blum(Stellvertreter Alba r d a s) und Friedrich Adler(Se- kretär der SAI) und für die ZGB Generalsekretär Waller Schevenels, Hicks(Stellvertreter von C i t r i n e) und T a d e r l e(Stellvertreter von Zonha« x) sowie als Vertreter der ZFT Jarrigion beiwohnten. Die gemeinsame Antikriegskommission des ZGB und der SAZ(Sechserkomitee) hat neuerdings auf die sehr ernste Lage aufmerksam gemacht. Es zeigt sich immer deutlicher, daß allein die in der Resolution der beiden Internationalen vom 6. September geforderte energische Politik der kollektiven Sicherheit den Frieden noch retten kann. Die Kommission fordert die A r- beiter aller Länder auf, sich sofort vorzubereiten, um mit aller Kraft die Sanktionen zu unterstützen, die der Völkerbund unserer Auffassung nach ergreife« wird. Rom über die Gömbös-Relse verstimmt Rom. In politischen Kreisen wird der Reise GömböS' kein großes Gewicht beigelegt und derselben höchstens handelspolitische Bedeutung beigemessen. Aus gut informierten Kreisen ist nichtsdestoweniger die Ansicht durchgedrungen, daß die Reise Gömbös' trotz der Betonung ihres privaten Charakters in Rom nichtdenbesten Eindruck hervorbrachte, denn, wenn bei dieser Zusammenkunft eventuell politische Angelegenheiten erörtert wurden, geschah dies nicht nach einem vorhergehenden festen Einvernehmen mit Italien. kein Kurswechsel In Spanien Madrid. Die neue spanische Regierung stellte sich am Dienstag dem Parlamente vor. Die Sozialdemokraten waren wiederum der Sitzung fern» geblieben. Ministerpräsident Chapapriete gab eine kurze Regierungserklärung ab, in der es heißt, die neue Regierung werde die von dem zurückgetretenen Kabinette eingeleitete Politik fortsetzen. Im Ministerrat erklärte der Innenminister, daß alle Vorsichtsmaßnahmen getroffen worden seien, um am Jahrestage der Oktoberrevolution etwa geplante Linkskundgebungen, Streiks usw. zu verhindern. Starke Wahlbeteiligung In Memel Memel.(Tsch. P.-B.) Die vorläufige endgültige Feststellung der Wahlbeteiligung bei den Wahlen in den memelländischen L mdtag ergibt bei 74.931 Wahlberechtigten 68.459 Wähler, das bedeutet eine Wahlbeteiligung von 91,3 Prozent. In diesem Gesamtergebnis sind die Zahlen aus den Militärbezirken mitenthalten. Enquete Im Justizministerium über die Novellierung des Kartellgesetzes Im Justizministerium fand am Dienstag unter dem Vorsitz des Justizministers Dr. Derer eine Enquete über die die Novellierung des Kartellgesetzes betreffenden Fragen statt. An der Enquete nahmen Vertreter des Ministerratspräsidiums, verschiedene Ministerien und des Statistischen Staatsamtes teil. Sozialpolittsche Resolution auch im SenatS- Subkomitee angenommen.'Im Senat hielt das Subkomitee des sozialpolitischen Ausschusses am Mittwoch eine Sitzung ab, in der nach abgeführ« ter Debatte eine Resolution zur Frage der Arbeitslosigkeit und der Teuerung beschlossen wurde, die sich mit der vom sozialpolitischen Ausschuß des Abgeordnetenhauses beschlossenen vollinhaltlich deckt. Dem Ausschußplenum wird diese Resolution am nächsten Mittwoch vorgelegt werden« Labour partv kür Sanktionen Stile t Donnerstag, 3. Oktober 1935 «r. 230 Der Mann, auf den jetzt die ganze Wett blickt r Sir Samuel Hoare, der britische Außenminister Authentische Aufstellung Uber die Stempelgebühren Ein Erlaß des Finanzministeriums Das Finanzministerium hat auf Verlangen der Oeffentlichkeit für den Gebrauch der Finanzbehörden und der Steuerträger einen Erlaß über die S t e m pelpflicht herausgegcben, in welchem die geltenden Bestimmungen über die Stempelpflicht bei gewöhnlichen kaufmännischen Aufzeichnungen, insbesondere bei Rechnungen, Kontoauszügen, Kassenbestätigungen, Lieferscheinen, Gutschriften, Debetnoten, Mahnungen, Oefferten, Bestellscheinen, Quittungen usw. enthalten sind- Weiters wird bestimmt, daß in der Uebergangszeit eine Reihe von Delikten nicht geahndet werden sollen. Dagegen wurden gegen die bisherige Praxis zahlreiche Vereinfachung en und Erleichterungen vorgenommcn. Weiters wurden gewisse Erleichterungen bei der Stempelung von Bestellscheinen, Auftragsbüchern und Bestellscheinen eingeführt. In anderen Belangen mußte an der bisherigen Praxis festgehalten werden, so z. B. bei Kassenbestätigungen. In Fällen, wo Kassenbestätigungen ausgegeben werden, die der Stempelpflicht unterliegen, kann diese statt durch Aufkleben von Stempelmarken durch Bezahlung der Stempelgebühr in barem(eventuell bei gleichzeitiger P a u s ch a- lierung) entrichtet werden. Diesbezügliche Ansuchen werden vom Finanzministerium erledigt. Wo keine neuen Erleichterungen bewilligt werden konnten, wird der bisherige Rechtsstand gegenüber den vielfach verbreiteten unrichtigen Ansichten klar präzisiert. Weitere Erleichterungen und Vereinfachungen können nur auf legislativem Wege erfolgen.. Anträge über Regelung einiger Stcmpelsätze und Befreiung von Rechnungen und anderer Dokumente, die auf kleinere Beträge lauten, befinden sich im Stadium der Beratungen. Der Böhmische Landesausschuß gab in seiner Sitzung vom 2. Oktober seine Zustimmung zur Vergebung zahlreiches Regulierungs- und Meliorationsbauten durch das Land Böhmen, einerseits direkt durchgeführter, andererseits subventionierter Bauten, deren Gesamtaufwand 2,255.000 KL beträgt, genehmigte das Budget für den Bau der städtischen Wasserleitung in Ober-Rosenthal in der Höhe von 4,000.000 KL und bewilligte zu diesem Zweck einen Landesbeitrag. In Gemeindeangelegenheiten bewilligte der Landesausschuß 404 Gemeinden die Einhebung verschiedener Abgaben und Gebühren und genehmigte außer 28 Gemeindebudgets den Beschluß der Zentralvertretung der Stadt Prag bezüglich eines Schulbaues in Branik mit einem Aufwand von 5,000.000 KL. In der Agenda der volkswirtschaftlichen Angelegenheiten der Bezirke genehmigte der Landesausschuß u. a. den Beschluß des Bezirksausschusses in D a u b a betreffend die Rekonstruktion der Straße Liboch—Wegstädtl mit einem Aufwand von 2,000.000 KL. Der Parteivorstand der tschechischen Sozialdemokratie hielt am Mittwoch eine Sitzung ab, in der sich zu der bevorstehenden Exekutivsitzung der Sozialistischen Arbeiter-Internationale, die'zu dem Einheitsfrontangebot der Komintern Stellung nehmen wird, eine ausführliche Debatte entspann. Die Debatte sprach sich f ü r d a s b i s h e r i g e V o r g e h e n derPartei aus, das auch von dem Vertreter in der Exekutive vertreten werden wird. Vom Rundfunk iMptahlMiwartsi aus den Programmm Freitag: Prag, Sender L: 10.05: Deutsche Presse, 11: Schallplatten, 12: Kompositionen von Tschaikowski, 12.85: Konzert, 17.05: Beethoven: Harfenquartett, 17.40: Chansons, 18.10: Deutsche Sendung: Dr. Schwarz: Franz von Assissi, 18.20: Dr. Kreitner: die künftige Gestaltung der Prager Burg, 18.85: A r b e i t e r s e n d u n g: Aktueile zehn Minuten, 19.30: Uebertragung aus dem Nationaltheater: Verdi: Othello, 22.30: Tanzmusik. Sender S: 74J0: Salonorchesterkonzert, 14.50: Deutsche Sendung: für die Frau, 14.30: Chansons auf Schallplatte».— Brünn 17.50: Deutsche Sendung: Sportbericht, 20.15: Konzert.— Mährisch- Ostrau 10.10: Leichte Musik, 21.55: Mexikanische Lieder, Umverfitätsbrand in Warschau vernichtet zoologische Sammlungen und Laboratorien Warschau. In der verflossenen Nacht brach im zoologischen Museum der Warschauer Universität ein Brand aus, der trotz der angestrengten Rettungsaktion aller Warschauer Feuerwehren bis gegen vier Uhr morgens andauerte und das ganze dreistöckige Gebäude ein- äscherte. Dem Brand sind die unschätzbaren zoologischen Sammlung en, insbesondere über 60.000 präparierte Tiere(Vögel, Fische u. a.) zum Opfer gefallen. Der Brand hat auch die im dritten Stockwerk gelegenen Universitätslaborator i e n mit der ganzen wertvollen Einrichtung vernichtet. Die Rettungsaktion war infolge der fortwähr e'n den Explo- TlgesneuigLeiten Gemüse umsonst! Sofia. Bulgarien hat Heuer eine ungewöhnlich gute Gemüfeernte zu verzeichnen. Die Preise find deshalb unglaublich gesunken. In Nordbulgarien verkaufen die Bauern 1000 Paprikaschoten zu 20 Lewas. Das Kilo Paradeisäpfel kostet auf dem Lande ungefähr sieben Heller. Der Gcmüsemarkt in Sofia war dieser Tage derartig mit Waren vollgestopft, daß die Kaufleute verschiedene Gemüsesorten schließlich« m- sonst anboten, nur um Kisten und Säcke leer zu bekommen. An Rusa warfen die Gemüsehändler großeMengenvonGemüse in die Donau, um die Preise z« halten, was den Unmut der Bevölkerung erregte. In den südbulgarischen vlemüsezentren errichteten die dortigen Gemeinden eine Reihe improvisierter Unternehmungen zur Konservierung von Gemüse, um die(Gemüsezüchter vor empfindlichem Schaden zu bewahren. Diese Unternehmungen arbeiten ki^senlos. Die Bauern und Gärtner bezahlen bloß die Konservenbüchsen. Winzer-Aufstand auf einer griechischen Aisel Athen. Auf der Insel Lankas kam es zu blutigen Unruhen. 4000 aufständische Winzer, in der Mehrzahl bewaffnet, gingen gegen die Polizei vor und setzten die Vertreter der Behörden in der Hauptstadt der Insel ab. Militär und Gendarmerie, die aus der Proveza zusammengezogen wurden, um die Ruhe wieder herzüstellen, wurden. von den Aufständischen mit Schüssen empfangen. Bei den Zusammenstößen wurde ein Zivilist getötet und drei Soldaten sowie viele Zivilisten verwundet. Die Regierung sst entschlossen, den Forderungen der Winzer nachzugeben und hofft auf baldige Beilegung des örtlichen Aufstandes. Hundert Millionen Japaner? Tokio. 250.000 Beamte haben jetzt in Japan die Volkszählung begonnen. Das Ergebnis der Zählung wird im Dezember verlautbart werden. Nach den Schätzungen der Agentur Rengo beläuft sich die Bevölkerungsziffer Japans auf nahezu 100 Millionen Seelen. BerschtoSrung auch in Mexiko Mexiko. Der Polizei ist es gelungen, eine Verschwörung aufzudecken, die die Ermordung des mexikanischen Landwirtschaftsministers General Saturnino Cedillo sowie des Abgeordneten Luis L a r r a g a zum Ziel hatte. Vier Personen, denen 10.000 Pesos für die Durchführung der Mordtat versprochen worden waren, wurden festgenommen. Braunkohlenfunde bei Trentschin-Teplitz Oestlich von Trentschin-Teplitz liegt unterhalb des Steilhanges Zihlavnik das Dörfchen£nt< senie. Das Dorf ist von Hängen umgeben,» die mit Wacholdersträucherst bewachsen sind und die zahlreichen Verbrüche des Steinbodens sind ein Beweis dafür, daß die Erdbewegung in diesem Gebiete in Urzeiten ungewöhnlich stark war. Diese schöne Gegend wird deshalb von Geologen gern besucht, die hier viel Interessantes finden. In letzter Zeit stellten Fachleute aus dem Ostrauer Revier Gesteinsformationen fest, von welchem sie behaupten, daß sie Braunkohle mittlerer Qualität, jedoch von guter Verwendbarkeit enthalten. Dieses Urteil wird durch den Umstand bestätigt, daß die Schmiede der nahen Dörfer dieses Gestein ausgrabcn und in ihren Schmiedeessen verwenden. Die Oberschichte dieses Gesteins ist zwar verwittert, doch nimmt man an, daß die tiefer liegenden Schichten gute Kohle enthalten werden. Die Fachleute stellen nun darüber Erwägungen an, ob die Funde nicht mst den Flötzen in Handlovä zusammenhängen, da die geologische Zusammensetzung der Fundstellen große Aehn- lichkeit austvcist. s i o n e n der in den Laboratorien und Museumssälen befindlichen Spiritusbehälter überaus erschwert. Nur ein Flügel des Museumsgebäudes, in dem sich die Bibliothek sowie eine kostbare Sammlung von Schmetterlingen und Insekten befindet, konnte gerettet werden. Der Brand bedrohte auch das an das zoologische Museum anliegende Rochusspital. Während der Evakuierung des Spitals entstand unter den Kranken, von denen die meisten aus dem Schlafe gerissen wurden, eine für ch t bare Panik; viele Kranke erlitten hysterische Anfälle. Der Materialschaden läßt sich vorläufig nicht genau übersehen und dürfte viele Mil- l i o n e n Zlcty übersteigen. 20 Jahre Kerker für eine« ungarische« Gpio« Das Kreisgericht in Kaschau verurteilte den 33jährigen ungarischen Staatsangehörigen Stephan F.ülöp aus Budapest zu 20 Jahren Zuchthaus. Fülöp wurde im Herbst vorigen Jahres verhaftet. Er war unter verschiedenen Namen aufgetreten und betrieb Spionage zugunsten Ungarns. Ein Opfer der Gestapo in Prag gestorben! Ein junger deutscher Antifascist ist am 30. September in einem Prager Krankenhaus an den Folgen schwerer Mißhandlungen, die er im Dritten Reich durch die Gestapo erlitten hat, verstorben. Es handelt sich um den 21jährigen Werner Behrendt aus Berlin. Werner Behrendt stand seit seiner frühesten Jugend in den Reihen des kommunistischen Jugendverbandes Deutsch, lands. Trotz seiner schleichenden Krankheit setzte er, auch nach Aufrichtung der Hitlerdiktatur, den Kampf mutig fort, einer der vielen namenlosen jungen Helden des um Freiheit ringenden deut- schen Volkes. Er fiel den tierischen Henkersknechten in die Hände, sie schlugen ihn, aber kein Wort des Verrats kam über seine blutigen Lippen. Standhaft und treu der Sache, der sein Leben gehörte, trat er auch im Gefängnis dem Feinde entgegen. Kaum war ck wieder in Freiheit, da stand er schon wieder im Schützengraben illegaler antifascistischer Arbeit. Wieder wird er verhaftet, wieder mißhandelt und gefoltert. Endlich gelingt es ihm ins Ausland zu fliehen. Aber die furchtbaren Leiden, die Martern in den Kellern der Gestapo haben die Kräfte des kranken jungen Körpers erschöpft, Trotz der Fürsorge seiner Genossen vermochte er sich nicht mehr zu erholen. Werner Behrendt ist einer der vielen Tausenden, die die Mörder in den Regierungsstellen des Dritten Reiches auf dem Gewissen haben. Ein mufigcr Kämpfer für die Sache des geknechteten deutschen Volkes, für die Sache der Freihest und des Sozialismus ist nicht mehr. Aber der TM wird kommen, wo das deutsche Volk seinen Mördern die Rechnung vorlegt und auf dieser Rechnung wird in der endlosen blutigen Reihe der Ermordeten auch der Name Werner Beh- rendt stehen. Siegfried Köhlers Bestattung. Eine große Anzahl guter Freunde, unter ihnen natürlich vor allem. viele Mitglieder der Prager Bezirksokga- nisationa und der Angestellten-Ortsgruppe, weiter Genossen aus der tschechischen Bewegung und alle Kollegen und Kolleginnen aus dem„Sozialdemokrat"^ und dem Parteisekretariat hatten I sich gestern um die Hinterbliebenen Siegfrieds Köhlers geschart, um dem traurigen Abschied Mr immer beizuwohnen. Feierlich erklang im neuen Krematorium die Musik der Instrumente und mit Innigkeit trugen unsere Prager Arbeiter- sä n g e r Beethovens„Hymne an die Nacht" vor. Dann widmete Genosse Dr. Strauß namens der Partei und der engeren Kollegen des Verstorbenen dem treuen, jederzeit opferbereiten, nur von Liebe für den Sozialismus erfüllten Gc- noffen herzliche Worte und im selben Sinne sprach dann noch Genoise Franz Kirchhof- Reichenberg, der noch einmal die besonderen Verdienste Köhlers um die Angestelltenbewcgung hervorhob. Dann wurde, während das„Lied der Arbeit" den alten Kämpfer zum letzten Male grüßte, der blumengeschmückte Sarg den Flammen übergeben. Verurteilt« Wilddiebe. Die Geschworenen von U z h o r o d verurteilten die viergliedrige Bande von Wilddieben, die anfangs Jänner d. I. in den Wäldern des MukaLevoer Großgrundbesitzes„Latorice" den Heger Michal Masjak mit der Waffe angefallen, am Bein verwundet und ihn seinem Schicksal überlassen hatten, so daß er verblütete. Die Angeklagten, der Bauer Andräs Bakos aus der Gemeinde Hati» wurde zu viereinhalb Jahren und Mikulas Bakos zu zwei Jahren, Andräs Lörinc zu zweieinhalb Jahren und Andräs Molnär zu drei Jahren Zuchthaus verurteilt. Bei der Verhandlung bestätigte es sich, daß der Heger Michal Masjak vor der Verblutung hätte gerettet werden können, wenn er nicht ohne Hilfe gelassen worden wäre, . Der Mörder der Frau Farcasanu, deren Leiche bekanntlich auf der österreichischen Strecke der Eisenbahnlinie Bukarest—Paris aufgefunden worden war, ist nunmehr festgcstellt worden. Als Mörder wurde ein rumänischer Staatsangehöriger namens Trajan Teodorescu festgestellt, der bereits wiederholt wegen Eisenbahndiebstählen mit den internationalen Kriminalbehördcn in Konflikt geraten war. Er hat sein Opfer offenbar ganz plötzlich angepackt und mit großer Wucht durch das Zugfenster geschleudert. Der Tod der Frau mutzte durch den Sturz auf den Bahndamm eingetreten sein. Dem Mörder gelang es, französischen Boden zu erreichen. Ein schweres Autounglück ereignete sich auf der Landstraße in der Whe von Ghör(Raab). In einer Kurve verlor der Chauffeur eines Lastkraftwagens die Herrschaft über den Wagen und fuhr auf eine Wiese, wobei sich der Wagen mehrmals überfchlug. Von den sechs Insassen war einer, ein Gtzörer Kaufmann, auf der Stelle tot, die übrigen fünf erlitten schwere Verletzungen. Weiterhin unbeständiges Wetter. Ein heftiger, trockener, von der Balkanhalbinsel ausgehender Luftstrom traf Mittwoch über dem böhmisch-mährischen Hügelland mit einer Kältewelle zusammen, welche vom Südwesten her in das europäische Binnenland eingedrungen ist. In Böhmen und in den Alpenländern regnete es allgemein. Am Mittwoch um 14 Uhr meldeten Innsbruck und München nur 7, Prag und Böhmisch Dudweis 9, dagegen Wien und Troppau 21, Uzhorod und Sofia 26 Grad. Die Wetterverschlechterung breitet sich nur sehr langsam gegen Osten aus. Das Haupttief liegt noch immer zwischen Irland und Island.. Deshalb dauert auch in den Gebieten des Binnenlandes, wo es sich abge- kühlt hat, der Luftzuflutz aus Südwesten an. Der Luftdruck ist nunmehr in ganz Europa unternormal. — W ah r s ch e inliches Wetter von heute: In Böhmen unbeständig, ziemlich kühl, allmähliche Abnahme der' Niederschlagsneigung. In den östlichen Ländern fortschreitende Watterverschlech- terung, teilweise regnerisch, allmählichch Abkühlung. Nur in Karpathorußland noch.warm.— Wette r- a u s s ich t e nj ür Freitag: Andauern des unbeständigen Äettcrcharakters, strichweise noch Regen. Wei« und Blut• Der große traditionelle Festzug beim WeinfestinRom stand diesmal'Unter kriegerischen Zeichen. Die Festwagen zeigten zumeist Tanks, Geschütze oder Flugabwehrgeschütze, wie auf unserem Bild, Nr. 230 Donnerstag, 3. Oktober 1935 Seite 5 Die Lohndrückerei auf den staatlichen Straßenbauten Durch Jahre hindurch geht der zähe, unermüdliche Kampf der sozialistischen Parteien um die Durchführung von Jnvestitionsarbeiten. Das Hauptargument dabei ist, daß die schon seit Jahren hungernden Arbeitslosen wieder einige Kronen verdienen sollen und daß ein großer Teil des Aufwandes wieder in Form von Lohnzahlungen der allgemeinen Kaufkrafthebung zugute kommt. Bei der Durchführung der Investitionen, namentlich der Straßenbauarbeiten, wird diese Zielsetzung leider vielfach ins Gegenteil verkehrt. Bei den Strastenarbeiten der Bezirke ist eine Schmutzkonknrrenz der offerierenden Privatfirmen eingerissen, die in allen Fällen aus Kosten der Arbeiter geht. Entweder werden Arbeitsleistungen verlangt, die in keinem Verhältnis zur Bezahlung stehen, oder es wird auf allen möglichen Umwegen versucht, die Verdienste bei der Bemessung der Akkordsätze zu drücken. Bei den staatlichen Straßenarbeitcn, die von der Abteilung 42a der böhmischen Landesbehörde in Eigenregie durchgeführt werden, wäre die Gelegenheit gegeben, mit gutem Beispiel voranzugehen. Es geschieht aber das Gegenteil. Immer Wiede? entstehen Schwierigkeiten, weil nach dem unerforschlichen Ratschluß der hohen Bürokratie im Arbeitenministerium und in der erwähnten Abteilung der Landesbehörde ein Lohn- tarif zur Grundlage genommen wurde, der zwischen einem Jngenieurverein und einer agrarischen Land- und Forstarbeitergewerkschaft abgeschlossen worden ist. Wieso gerade diese Gewerkschaft, die in unseren Randgebieten so gut wie gar keine Mitglieder hat, als Vertragskontrahentin ausgesucht wurde, wird noch aufzuklären sein. Jedenfalls sind die auf diese Weise statuierten Löhne bei weitem niedriger als die von der zuständigen Bauarbeitergewerkschaft gebietsweise vereinbarten Tarife, an die beispielsweise die Privatfirmen gebunden sind. Die aus diesem Zustand entstehenden Differenzen«»erden von der Abteilung 42a der Landesbehörde in der denkbar selbstherrlichsten Weise erledigt. Man scheint dort und im Arbeitsministerium die demokratische Gepflogenheit nicht zu kennen, mit den zuständigen Gewerkschaften über die berechtigten Forderungen der Arbeiterschaft zu verhandeln und die auftauchenden Differenzen im Vergleichswege zu bereinigen. Ueber die in diesem Ressort geübte Bor- gansgweise geht uns eine neuerliche Beschwerde zu: Bei Reparaturarbeiten auf der Staatsstraße Beraun— Haselbach wurden im Bereich der Bezirke Bischofteinitz und Taus in der ersten Woche 2.85 XL pro Stunde bei vierzigstündiger Arbeitswoche bezahlt. Das war den maßgebenden Hrn. Beamten Noch zu hoch. Durch Diktat wurde eine Lohnherabsetzung auf 2.80 XL pro Stunde durchgeführt. Dann ist den Arbeitern ein neuer Lohntarif vorgelegt worden, nach welchem die Arbeiter über 57 und unter 19 Jahren nur 1.90 Kronen pro Stunde und die übrigen 2.20 XL erhalten. Was dabei in vierzig Stunden und mit allen Abzügen verdient wird, ist leicht auszurechnen. Diese Borgangsweise wurde bereits in der Pilsner»Nova Doba" einer heftigen Kritik unterzogen. Alle Versuche von gewerkschaftlicher und parlamentarischer Seite, eine erträgliche Neuregelung zu treffen, wurden unter Hinweis auf den famosen Vertragsabschluß der agrarischen Land- und Fc-rstarbeitergewerkschaft abgelehnt. Ein solches Verhalten der höheren Bürokratie steht in krassem Gegensatz zu ihrer eigenen Einstellung, wenn es um Beamtengehaltsfragen geht. Während in solchen Fällen besondere Betonung auf das Kaufkraft-Argument gelegt wird, sind die maßgebenden Herrn offenbar der Meinung, daß für einen verheirateten Arbeiter ein Wochenlohn von hundert Kronen noch zuviel ist. Ueber diese Einstellung und über diese Methoden bei Durchführung der öffentlichen Arbeiten wird sowohl bei den Budgeiberatungen des Abgeordnetenhauses als auch der böhmischen Landesvertretung ein ernstes Wort zu sagen sein. Dazu werden Investitionen nicht durchgekämpft, daß die hohe Bürokratie dabei mit den Privatunterneh- mern auf dem Gebiete der Lohndrückerei konkurrieren kann! Man.muß es vorher sagen... und weitersagen! i. Alle Kriege entstehen nur um den Besitz von Geld. Platon(427—347 b. Chr.) II. Im längsten Frieden spricht der Mensch nicht soviel Unsinn und Unwahrheit, als im kürzesten Kriege. Jean Paul. Hl. Dereinst wird man in den Museen Kanonen ausgestellt sehen, wie jetzt die alten Folterwerkzeuge, und wird darüber staunen, daß derlei einmal im Gebrauch sein konnte. Victor Hugo. IV. Lehrt die Kinder, den Haß zu hassen... Erziehet sie zu vernünftigen Menschen, die... dem nationalistischen und imperialistischen Ehrgeiz widerstehen, der ihre Väter zermalmt hat. Anatole France. V. Alle edlen Menschen sollten diese Gesinnung mit warmem Menschengefühl ausbreiten, Väter und Mütter ihr« Erfahrungen darüber den Kindern einflöße«, damit das fürchterlich« Wort»Krieg", das man fo leicht ausspricht, den Menschen nicht nur verhaßt werde, sondern daß man es mit gleichem Schauer als Veitstanz, Pest, Hungersnot, Erdbeben, den Schwarzen Tod zu nenen oder zu schreiben kaum wage. Aus Herders Nachlaß. Der Ueberläufer Linder. Zu unserem Wiener Bericht über die Gleichschaltung des ehemaligen Stadtrates Julius Linder wird uns von österreichischen Genossen mitgeteilt, daß Linder in der Partei niemals eine nennenswerte Rolle gespielt hat. Julius Linder, der übrigens schon fest den Feberkämpfen eine sehr zweideutige Haltung eingenommen hatte, war lediglich als Fachmann für Ernährungswesen in den Wiener Stadtrat berufen worden. Bon irgendeiner politischen Bedeutung ist er nie gewesen. Di« wissenschaftlich« Expedition auf dem Eisbrecher„Sadko", an deren Spitze G. Uschakow steht, kehrt nach erfolgreicher Arbeit in den nördlichen Gewässern der Arktis nach Archangelsk zurück. Die Expedition erforschte insbesondere das Gebiet -wischen Franz-JosefS-Land und dem Nordland, das bisher auf den Karten Sowjetrußlands als»weißer Fleck" figurierte. Im Mittelpunkte dieses Gebietes wurde«ine Untiefe festgestellt und in die Karte eingetragen, während an den Küsten des Nordlandes eine große und drei kleine Inseln entdeckt wurden. Soll man Frauen seinen Platz anbieten? Der »Daily Expreß" hat bei seinen Leserinnen eine Umfrage veranstaltet, ob sie es erwarten, daß ihnen ein Mann im Autobus oder in der Untergrundbahn seinen Platz anbietet. Seltsamerweise ist die Antwort durchaus anders ausgefallen, als man meinen sollte. Die- einsichtigen englischen Frauen fordern diese Höflichkeit von feiten des Mannes keineswegs mehr. Da diejenigen Frauen, die auf den öffentlichen Verkehrsmitteln keinen Platz bekommen, meist während der Stunden des größten Andranges, das heißt aber, zur Arbeit fahren, so müßten sie sich unter den modernen Verhältnissen mls dem Manne völlig gleichberechtigt betrachten. Wenn das aber für die Arbeit als solche gilt, so gilt das auch für die damit verbundenen Unannehmlichkeiten. Gegen diese Logik ist freilich nichts einzuwenden I Volkswirtschaft und Sozialpolitik Neue österreichische Zollnovelle. Die neuerlich angekündigte neue österreichische Zollnovelle wird im Oktober erlassen lverden. Sie soll in erster Reche dem Schutze einiger neu entstandener Industriezweige dienen und andererseits den niedrigen Preisen der internationalen Konkurrenz ein Gegengewicht bieten. Ferner-soll in den nächsten Tagen ein Ausfuhrverbot für Heu und Stroh mit Gültigkeit bis zum 15. Mai nächsten Jahres erlassen werden. Oeffentkiche Arbeitesbeschaffnng in Neu- Seeland. Der Finanzminister CoateS hat im Par» lament in Neu-Seeland ein Arbeitsbeschaffungsprogramm im Betrage von fünf Millionen Pfund verkündet; es enthält u. a. große Siedlungsplane. Daneben sollen auch frühere Kürzungen der Pensionen und Gehälter wieder wettgemacht werden, um die Massenkaufiraft anzukurbeln, Regulierung des Weizenmarktes in Kanada. Die Regierung hat den Weizenpreis dieses Jahres auf ein Minimum von 87.5 Cent pro Bushel festgesetzt. Steigt der Weltmarktpreis über diese Grenze hinaus, dann erhält der Farmer den höheren Preis. Fallt er darunter, wird die kanadische Regierung den Preisunterschied ausgleichen, d. h. sie garantiert dem Farmer den festgesetzten Preis von 87.5 Cent pro Bushel. Der Aufkauf von überschüssigen Weizenmengen obliegt der staatlichen Getreidegesellschaft„Canadian Grain Board".? Russische Ausfuhr von Landmaschinen! Die Odessaer Werke„Oktoberrevolution" haben im laufenden Jahre etwa 5000 Landmaschinen nach Holland, Griechenland, der Türkei und Mongolei ausgeführt. Neuerdings haben die Odessaer Werke aus der Türkei einen Auftrag auf Lieferung eines großen Postens sogenannter.Brabant"-Pflüge erhalten. lieber Ole Sittlichkeit Von Th. G. Masaryk. In der„Sudeiendeutschen Buchgemeinde" erschien soeben eine Auswahl aus Masaryks philosophischen Schriften unter dem Titel ,„Ideale der Humanität" sübeksetzt voü.'M.' Anton M o u ch a). Wir entnehmen dein Büche folgende Betrachtungen Masaryks über Problem« der Ethik: Bei der Untersuchung der Sittlichkeit und der Grundlagen der Sittlichkeit ist eine Frage formaler Art von Wichtigkeit: Wie erkennen wir die obersten Wahrheiten der Sittlichkeit? Was soll über meine Sittlichkeit entscheiden? Bestimmter gesprochen: Kann ich den Ursprung der Sittlichkeit aus dem Verstände oder aus dem Gefühl ableiten? . Fast alle älteren Philosophen des vergangenen Jahrhunderts haben den Ursprung der Sittlichkeit aus der Vernunft abgeleitet. Die Philosophie der Vernunft'bestimmte den Charakter des ganzen achtzehnten Jahrhunderts. Damals war es Brauch, sich in allem auf die Vernunft zu berufen. Heute berufen sich die Menschen in der Theorie und Praxis gerne auf das Gefühl. Auf die Zeit des Rationalismus folgte die Zeit des Gefühls. Für die Zeit des Rationalismus und der auf die Vernunft gegründeten Ethik ist Kant ein bedeutender Name. Die reine Vernunft gibt dem Menschen den kategorischen Imperativ, das angeborene innere Bewußtsein dessen, was sein soll; nach Kant ist dieser Imperativ durch die Vernunft geheiligt. Dagegen sagen wieder andere und ich führe nur Hume an: Die Sittlichkeit ist nicht in der Vernunft, sondern in dem Gefühl und zwar in der Sympathie, der Humanität, der Liebe begründet. Einander zu lieben— das ist das Gesetzbuch jeder Sittlichkeit. Diese Vorschrift muß nicht bewiesen werden, das Gefühl gibt sie jedem von selbst. Ich bekenne mich hier zu jenen, die die Sittlichkeit auf das Gefühl gründen, aber ich denke nicht daran, daß das Gefühl mit der Vernunft im Widerspruch stehen soll: Es gibt viele Gefühle: schöne, unschöne, edle, unedle, grobe, rohe— das sind alles Gefühle. Die Gefühlsethik darf sich in den Gefühlen nicht verlieren. Ich glaube also, daß die Harmonie des Gefühls mit dem Verstand und bis zu einem gewissen Grade eine Vorherrschaft des Gefühls als Grundlage der Sittlichkeit dienen kann. Nach der formalen Frage über den Ursprung der Sittlichkeit wollen wir uns über die Grundsätze der Sittlichkeit klar werden. Dazu wählen wir das beste von dem, was wir gehört haben. Aber ich fürchte, daß es sich nur um Selbstverständliches handeln wird. Ich erinnere mich da immer an den Eulenspiegel, der die Schneider einberief, weil er ihnen etwas wichtiges zu sagen habe. Alle kamen herbei und Eulenspiegel machte sie darauf aufmerksam, daß sie nicht vergessen sollten, einen Knoten zu machen. Und ähnlich geht es dem, der nach der Untersuchung der philo sophischen und ethischen Systeme seine eigene Entscheidung treffen soll. Die Grundlage der modernen Sittlichkeit ist nichts neues, sondern der alte anerkannte Grundsatz:«Liebe deinen Nächsten wie dich selbst". Wer ist der Nächste? Wir sprechen vom Ideal der Humanität-; ich nehme dieses Ideal an. Es hat für uns eine» doppelten Sinn: erstens: das Ideal vkr Menschlichkeit, ein Mensch- zu sein: Zweitens: Rücksicht auf die Menschheit im weitesten Umfange. Aber die Humanität als Liebe zur Menschheit im weitesten Umfange kann leicht rein begrifflich, eine Liebe in der Phantasie, nicht in der Wirklichkeit bleiben. Die Liebe muß konzentriert werden. Man kann nicht alle in gleicher Weise lieben. Wir wählen aus und müssen uns die Gegenstände unserer Liebe aussuchen. Wir müssen ein bestimmtes Ziel haben. Und deshalb ist der Allernächste unser Nächster, wenn die Liebe zu ihm praktisch wirksam sein soN. Und die Allernächsten sind für uns die Mutter, der Vater, der Bruder, die Schwester, die Frau, die Kinder. Wir haben noch keine Ahnung davon, was man in diesem Kreise, den wir zu lieben glauben, leisten kann. Aber bitte, beobachten Sie sich und andere, welches Verhältnis wir zu den nächsten Personen haben und wir werden oft staunen, wie wenig wir sie kennen und wie wenig wir sie in Wahrheit lieben. Es läßt sich also wenigstens nicht behaupten, daß man nur das liebt, was man wenig kennt. Die Nächsten unter den Verwandten siyd für uns alle die Kinder. Schon längst wurde gesagt:»Ehre deinen Vater und deine Mutter I" Ich glaube, daß wir hinzusetzen müssen: Ehre die Seele deines Kindes! Denke an die künftigen Generationen! Unsere Liebe wird also auf Gegenseitigkeit beruhen, aber sie darf bei der Gegenseitigkeit nicht aufhören. Der Nächste des Mannes ist die Frau, für die Frau der Mann. Dieses inttmste Verhältnis muß eine wirkliche Liebe auf das wirksamste heiligen. Die Frau ist dem Manne völlig gleich, nur der physische Unterschied ist anzuerkennen: sie ist schwächer. Wenn das Menschlichkeitsideal, das sich auf die ganze Menschheit erstreckt, ein wenig unbestimmt ist, ist es dadurch bestimmter, daß es auch die Nation einschließt? Ist die Nation nicht auch ein unbestimmter und allgemeiner Gedanke? Der Mehrzahl der Menschen ist das nationale Ideal zwar etwas weniger geläufig als die Idee der Menschheit, aber doch unbestimmt, wie bei jenen, die an die Menschheit denken. Und wieviel wird ebenso im Namen der Menschheit gelogen! Die Liebe, dje Menschlichkeit müssen positiv sein. Ost hält man z. B. den Haß gegen ein anderes Voll bereits für die Liebe zum eigenen Volle. Wertvoller ist es, keinen Haß zu hegen, sondern positiv zu lieben. Ich werde nicht darüber streiten, ob man etwas Fremdes ebenso lieben kann, wie das Seine. Zum Beispiel ein fremdes Voll so wie sein eigenes. Es wäre unnatürlich das zu verlangen; aber man gewöhne sich das Voll, die Familie, die eigene Partei, jeden positiv zu lieben, das heißt ohne den Hintergrund des Ausweis für den Monat September (Die erste Zahl bedeutet Parteifonds, die einge- llammerte Wahlfönds:) Bodenbach: XL 4300.—(900.—). Karlsbad: XL 4480.—(1120.—), Kez- mark: XL 35.—, Landskron: Kc 400.— (100). Pilsen-Budweis: XL 880.— ■(220), Prag: XL 375.—(92.—). Preßburg: XL 40.—(10.—), Reichender g: XL 70.—. Sternberg: XL 1360.—(340.—), Teplitz- Saaz: XL 3200.—(800.—). Trautenau: XL 800.—(200.—). Troppau: XL 1440.— (360.—). Hasses und es wird sich uns eine ganz neue sittliche Welt erschließen. Die Liebe muß tatkräftig sein. Wir müssen für den Nächsten etwas tun, für ihn arbeiten. Aber ein unruhiges, aufgeregtes Suchen und Hasten ist keine Arbeit; hie Arbeit muß ruhig, ihrer Ziele bewußt sein. Heute wird die Arbeit schon überall und viel geehrt. Aber auch die Ruhe kann eine Arbeit sein. Ich erinnere an den Ausspruch Miltons:„Die nur stehen und warten, dienen auch". Achtgeben auf das, was geschieht. Die Arbeit ist kein Ideal, kein oberster Zweck. Sie ist ein Mittel. Wir, jeder, will seine freie Zeit haben. Und dann wird es sich darum handeln, was man mit der Freiheit anfängt. Arbeit bedeutet Kleinarbeit, die wenig angenehm ist. Das ist jene Arbeit, die niemand tun will. Aber wir sind Romantiker. Solcher Romantik steckt in jedem genug. Wir wollen Helden sein und uns großer Taten rühmen. Taten, aber keine Arbeit. Doch wie viele solche Generäle und Helden gibt es und wie vielen Menschen glückt eine große Tat? Wir wollen alle Führer sein. Es ist kein Zweifel darüber, daß es Führer geben muß, aber der Führer soll keinen Herren spielen. Ein guter Führer wird der sein, der zu dienen versteht und fühlte daß er selbst geführt wird und geführt werden will. Manchmal bedarf es großer Opfer, wenn auch selten. Es gibt sicher wenig Menschen, die die Gelegenheit hatten, das Leben zu opfern, aber doch malen wir uns alle— in der Phantasie— die Situation aus, in der wir bereit wären unser Leben für eine Sache zu opfern. Aber das ist eine Phrase, ein Phantasiegebilde. Die Menschheit-, das Volk, die Familie, die Partei, der Kamerad brauchen unsere Arbeit. Man soll am Märtyrertum keinen Gefallen haben. Man soll am Tode keinen Gefallen finden. Es ist merkwürdig: die Menschen wollen leben,und können sich vom Tode nicht losreißen. Wenn man also leben will, kann- man nicht Märtyrer sein wollen. Wenn bisher der Ruf lautete: Weg mit den Peinigern! muß man auch sagen: Weg mtt den Dlärtyrernl Solange es Peiniger gibt, gibt es auch Märtyrer, aber so lange es Märtyrer gibt, wird es auch Peiniger geben. Man erinnere sich an die sympathische Marianne in Turgenjews Roman„Neuland", die ihr Leben für Rußland opfern will. Stets wartete sie, bis -die Gelegenheit kommt und das Volk'sagt: jetzt -opfere dein Haupt. Dieser Augenblick kam nicht» obwohl sie ihn ständig erwartete. Aber es kam der Fabriksdirektor Solomin, ein praktischer Mensch, und der zeigte ihr, um was es sich handelt: Rußland erivartet nicht, daß du dein Leben opferst, aber kämme diesem unsauberen Knaben die Haare, wasche den schmutzigen Topf üsw., das ist notwendig. Arbeiten heißt dem Bösen beharrlich widerstreben. Ueberall, immer und namentlich dem Uebel in seinen Anfängen. Das bedeutet nicht radikal, sondern ausdauernd sein. Keine Angst zu haben, möchte ich sagen. Aus Angst sind Menschen gewalttätig, aus Angst lügen sie. Ein Tyrann und ein Lügner haben Angst und auch der, welcher vergewaltigt, ist ein Sklave? Seneka sagte:»Loutemptor sunemet vitae dominus alienae«(wer das eigene Leben verachtet, ist Herr fremden Lebens). Aber wir dürfen unsere Macht nicht mißbrauchen— weil die Welt betrogen sein will, dürfen wir sie nicht betrügen. Liebe bedeutet nicht Empfindsamkeit. Wir sind allzu gefühlsselig und Gefühlsseligkeit ist Egoismus. Wir sind mit Kindern und Erwachsenen zärtlich, aber wir haben von jener bewußten Liebe, von der Neruda sprach, keine Ahnung. Eine solche bewußte Liebe muß etwas sagen, was für den ersten Augenblick vielleicht überrascht: Liebe auch dich! Aber das ist nichts so sonderbares; Christus sagte auch: Liebe deinen Nächsten wie dich selbst! Aber die Menschen verstehen es nicht, sich selbst zu lieben. Pfiffigkeit und Be- rechnnug sind noch keine Selbstliebe. Liebe dich und kümmere dich um dich selbst. Beglücke nicht ständig andere, tue nur deine Pflicht. Es ist ein großes Uebel, daß wir Angst davor haben, was der Nachbar über uns spricht. Aber es kommt darauf an, sein eigenes Urteil zu besitzen, eine Persönlichkeit zu sein. Wahren wir entschlossen unser eigenes Selbst! Wir sollen nicht auf fremde Rechnung, auf Kosten eines fremden Gewissens leben. Die Sittlichkeit ist im Gefühl verankert. Aber nicht jedes Gefühl ist echt, schön, und weil die Sittlichkeit auf dem Gefühl ruht, widerspricht sie deshalb dem Verstände nicht. Wir suchen uns zu bilden; gerade weil das Gefühl blind ist, müssen wir das Gefühl mit dem Verstand erleuchten. Wir müssen eine praktische, aber auch eine allgemeine und philosophische Bildung suchen. Heute brauchen wir auch eine geschichtliche, politische Bildung. Sittlich bedeutet heute in hohem Maße politische Sittlichkeit. Man darf keinen Unterschied zwischen Politik und Sittlichkeit machen. Wer nach wahrer Bildung strebt, muß beobachten und denken lernen und nicht nur die Restgier stillen. Weise zu sein, darum handelt es sich. Vieltvisserei bringt keine Rettung. Seife 6 „Sozialdemokrat" Donnerstag. 3. Oktober 195. Nr. 230 Wer über den Faseismus in seiner klassischen— der italienischen— Form sich unterrichten will, der lese das grundlegende Werk von Ignacio Silone:„Der Faseismus" geb. Kd 54.—, drosch. KC 42.50. Wer das Leben italienischer Bauern unter fascistischer Herrschaft kenne« lernen will, der lese des gleichen Autors Dorfroma« „Fontamara", drosch. Kö 32.—. — Heute rasieren Sie besser. — Tatsache? — Tatsache/ — Ja, wir haben mehr Licht. — Stärkere Lampen? — Nein, Tungsram Doppelspirallampen. — Macht das so viel aus? — Ja, sie geben mehr Licht und der Chef sagt, die Stromrechnung steigt nicht dabei. Aaqer jei-tuog Die Bestattung Werner Behrendts findet Freitag, den 4. Oktober, um 3 Uhr nachmittags aus dem Alten Krematorium statt. Geld in Zeitungspapier. Gestern meldete der Fleischer B. K. aus Prag X, auf der Polizei, daß er vorgestern vor 6 Uhr früh den Betrag von 26.000 Kd in einem Motorwagen der 19er Linie vergessen habe, als er ausgestiegen sei. Das Geld sei in Zeitungspcchier eingepackt neben ihm auf der Bank gelegen. Totenschädel in der Melantrichgaffe. Vorgestern mittags stießen Arbeiter beim Graben eines Schachtes in der Melantrichgaffe auf drei Totenschädel, von denen der eine ein goldenes Stirnband trug: ferner auf verschiedene kleinere silberne Schmucksachen. Die zugehörigen Gerippe wurden beim Weitergraben ebenfalls gefunden. Von dem Funde iourde das archäologische Institut verständigt. Die Gerippe sollen jedenfalls über hundert Jahre in der Erde gelegen haben. Schwurgericht in geheimer Verhandlung Prag. Vor dem Schwurgericht hatte sich der 42jährige pensionierte Postangestellte Josef H a n u i wegen schwerer Sittlichkeitsverbrechen zu verantworten. Die Anklage legte ihm zur Last, drei minderjährige Mädchen, im Alter von neun, elf und vierzehn Jahren in ärgster Art mißbraucht zu haben.' Der Angeklagte ist nach Feststellung der Gerichtsärzte chronischer Alkoholiker und beschränkter Vernunft, aber strafgesetzlich verantwortlich. Die in der Anklage verzeichneten Einzelheiten sind wirklich scheußlichster Art. Die Anklage lautete auf das Verbrechen der Notzucht. der Schändung. der Verführung einer Minderjährigen zur Unzucht und auf die Uebertretung der Trunkenheit. Rach Verlesung der Anklage erklärte der Vorsitzende GR Dr. Eervinka die Verhandlung für geheim. Das Verdikt der Geschworenen wurde erst gegen Wend verkündet. Der Angeklagte wurde nur mit sieben Stimme« schuldig erkannt, so daß die zur Verurteilung erforderliche Dreiviertelmehrheit nicht erreicht wurde. Der Schwurgerichtshof fällte im Sinne deS Verdiktes der Geschworenenbank einen F r ec- spruch. rb. Hyänen der Krisennot Ei« Konsortium zynischer StellenveirmittlmtgS- fchwindler vor dem Prager Kreisgericht.— Nach zweitägiger Verhandlung milde Strafen. Prag. Wir haben mehrfach auf das verbrecherische Treiben gewisser Individuen hingewiesen, die aus der schrecklichen Not dieser Zeit ihren schnmtzigen Profit schlagen. Die Gilde der Kautions- und Stellenvermittlungsschwindler betreibt ihr Geschäft in aller Seelenruhe weiter. Diese Burschen kennen die Unzulänglichkeit unseres 132 Jahre alten Strafgesetzes Nur allzu wohl, das für Sozialverbrecher dieses Schlages keine entsprechenden Strafen hat und nur selten mit dem unzulänglichen Betrugsparagraphen gegen solche gemeingefährliche Individuen einschreiten kann. Vor dem Strafsenat N e b u 4 k a standen acht Angeklagte, die der systematischen Ausplünderung arbeitsuchender Menschen angeklagt waren. Die Verhandlung dauerte zwei Tage. Auf Einzelheiten brauchen wir nicht erst einzugehen. Der Sachverhalt ist der gleiche, wie in allen derartigen Strafprozessen und wie in hunderten anderer Fälle solcher Art. die nicht vor Gericht kommen. In den Anzeigenspalten der Bürgerpreffe wimmelt es bekanntlich von.freien Stellen". Diese verlockenden Stellenangebot/sind meist anonym inseriert, niemals aber fehlt die Vorschrift, etliche Kronen in Marken als.Rückporto" beizulegen. Ei« beträchtlicher Prozentsatz dieser„Stellenangebote" besteht aus aufgelegt schwindelhafte« Inserate«. Da, erfahrungsgemäß auf jede„offene Stelle" ganze Stöße von Angeboten arbeitsuchender armer Menschen einlaufen, fließt ständig ein ansehnlicher Geldstrom in die Taschen gewisser skrupelloser Gauner. Nach dieser Methode arbeitete auch das Konsortium, das sich vor dem Strafsenat N e b u s ka zu verantworten hatte. Die Anklage betrifft Kautions- und andere Schwindeleien, wobei die Betroffenen um Beträge bis zu 8000 XL geschädigt wurden. Die Anklage nennt ferner 122 Fälle, in welchen die Gauner„bloß" das Rückporto(im Betrage von 2 bis 7.50 XL) einsteckten, ohne sich weiter um die armen Teufel zu kümmern, die ihnen das Geld in den Rache» geworfen hatte». Zunächst etablierten sich die Angeklagten(vorwiegend ehemalige Privatbeamte) unter der Firma „UPZ", Die offizielle Bedeutung dieser Abkürzung wurde bei der Verhandlung nicht festgestellt, aber bezeichnend für den Zynismus der Angeklagten ist die Deutung, die sie ihrem Schwindelunternehmen untereinander beilegten. Sie deuteten nämlich die abkürzende.Bezeichnung ihrer Schwindelfirma als .Uiedne povolenä Zlodejnä". zu deutsch: „Behördlich bewilligte Dieberei". Nach außen hin wechselten die Betrüger öfter ihr Firmenschild und arbeiteten mit verteilten Rollen. U. a. betrieben einige von ihnen auch eine„Stellenvermittlung für angehende Filmschauspieler". wobei sie die Sehnsucht jugendlicher Phantasten, nach der Filmkarriere ausbeuteten. Nebst den„Rückportos" floffen ihnen auch Beträge bis zu 400 XL von einzelnen besonders begeisterten Adepten der Filmkunst zu. Die armen Teusel wollten die Protektion der vermeintlichen Stellenvermittler gewinnen. Das Enunziat der Anklage umfaßt 13 Schreibmaschinenseiten. Und hier das Urteil: Arkadius Lodr, 25 Jahre alt, von Beruf „Kommissionär", wurde mangels Belveisen freige- sprocho«; Stephan Trhal und Albert Schuster wurden zu je vier Monaten Kerker verurteilt. Fran» Starosta zu fünf und Johann Sindelar z» zwei Monate«.(Sämtliche Vorgenannten sind Beamte.) Bohumil Koptik, von Beruf Maler, bekam drei Monate Kerker und der Filmhersteller Anton Vojtechovskh nur wegen Uebertre- tung des Betruges eine« Monat Arrest.. Es wäre dringend zu wünschen, daß die im Zuge befindliche Novellierung unseres überalterten Strafgesetzes den Richtern die Handhabe bieten würde, derartige Delikte in entsprechender Art zu strafen. rb Mitteilungen aus dem Publikum Der englische Physiker Magre prüfte in einer Fabrik den Zusmnmenhang zwischen der Beleuchtung und der Leistung der Arbeiter. Zunächst beleuchtete er die Arbeitsplätze mit 14 Lichteinheiten („Lux" genannt), dies war jedoch nicht genügend, denn die Arbeiter strengten ihre Augen an und ermüdeten bald. Magee verstärkte die Beleuchtung auf 78 Lux, wodurch die Arbeitsleistung um 13.% gesteigert wurde. Bei stufenweiser Verstärkung des Lichtstromes erhöhte sich die ursprüngliche Arbeitsleistung bei 108 Lux um 17.9% und bei 168 Lux sogar um 25.8%. Diese vorzügliche Arbeitsplätzebeleuchtung ist durch eine einzige untergebrachte Tungsram-Doppolspirallampe von 40 Dekalumen leicht erzielbar. 80—68 Xunat mut Wteftw Lotte Lehman«, gefeierte Opernsängerin New Dorks, Wiens, Salzburgs, widmete ihren Prager Konzertabend(in der Lucerna) ganz dem Lied und dies vor allem in vorbildlichem Stil und mit feinstem Geschmack. Die warme, edel timbrierte, mühelos ansetzende und ideal ausgeglichene Stimme der großen Künstlerin berückt vor allem im getragenen Lied, dessen Gefühlsinhalt von ihr ohne'Rest erschöpft werden, gleichviel ob es sich um Mozart und Schubert, um Schumann und Brahms oder um Berlioz handelt.„Du bist die Ruh" etwa kann kaum schlicht-grandioser borgetragen werden, als es die Lehmann unter begeistertem Beifall vermag. Nicht ganz so überzeugend— merkwürdig genug bei einer dramatischen Sängerin— glückt ihr das dramatische, ja auch nur das rhythmisch bewegte Lied. Aber reife Künstlerschaft atmet dennoch der ganze Abend(an deffen Gelingen übrigens der vortreffliche Begleiter am Flügel, Prof. Leo Rose n e k, vollen Anteil hatte). g. Bilder aus Tahiti. Im Kunstverein für Böhmen stellen Maxim Kopf und Paul E n g d a h l Arbeiten aus. die ihres Sujets wegen interessieren können: die Südseelandschaft und die Eingeborenengestalten von Tahiti hat, in Gauguins Spuren wandelnd. Maxim Kopf in farbenfrohen Oelgemälden, freundlichen Aquarellen und porträtierenden Zeichnungen festgehalten, während Engdahl in seinen Gobelin-Entwürfen den Zauber der Tropen in dekorative Formen gebracht hat, so daß sich die ausgestellten Werke der beiden Künstler wirkungsvoll ergänzen. Spielplan des Neuen Deutschen Theaters. Donnerstag, halb 8 Uhr: Ich kenne Dich nicht mehr, Erstaufführung.— Freitag 8 Uhr: A t.t e n t a t.— Samstag 8: Ich kenneDich nicht mehr. Spielplan der Kleinen Bühne. Donnerstag%8: D i e Afrikanerin, C 1.— Freitag halb 8: G i u d i t t a, volkstümliche Vorstellung, Abonnement aufgehoben.— Samstag halb 7: Tristan und Isolde, Gastspiel Anni Konetzni, D 1. Äer Silm Die Tänzerin Das ist ein Film der Berliner Ufa, in dem sich der herrschende Geist der hitlerdeutschen„Kunst" ziemlich vollkommen spiegelt. Geistlose Ufa-Filme gab es auch früher,— aber keinen, der seine Geistlosigkeit auf so plumpe Art betonte wie diese Geschichte von verwechselten Bräuten und totgeglaubten Verwandten, und der so schmierenhaft inszeniert und gespielt war wie dieses Durcheinander von kasernenhofartigen Revueszenen, kitschigen Gefühls-Einlagen und grobem Verwechslungsklamauk. Da der Schauspieler Romanowskh als vertrottelter Advokat wenigstens noch alte Theater-Routine zeigt, muß er als Star dieses kläglichen Films gellen.—eis— Cleopatra Der Hollywood-Regisseur Cecil B. de Mille, der die monströsen christlichen Ausstattungsfilme „KöniK der Könige" stnd„Im Zeichen'.de- Krcst- zes" geschaffen(und inzwischen auch die Kreuzzüge verfilmt) hat, konnte der Verlockung nicht wi- derstehen,. die von Shakespeare bis Shaw immer wieder besungene Aegypterkönigin Cleopatra zur Hauptfigur eines historischen Zirkusfilms zu machen, der mit Cäsars ägyptischem Feldzug beginnt und mit der Schlacht von Actium endet. Es ist beinahe sehenswert, wie Mister de Mille die antike Geschichte amerikanisiert hat: Julius Cäsar(der mit„Exzellenz" angeredet wird, während seine Frau mit„Hallo, Dear" begrüßt wird) fällt den Dolchen der Verschwörer zum Opfer, weil er die schöne Aegypterin in Rom heiraten und daselbst zur Königin machen wollte, und als Marc Antonius (genannt„Anthony") dann nach Aegypten zieht, um die gefährliche Frau gefangen zu nehmen, verwirrt sie ihn durch die Vorführung einer echt ame- rikanischen Revue die Sinne, bis heiße Liebe sein Herz ergreift, und als er um dieser Liebe tvillen zum Verräter am römischen Vaterlande wird, bringt auch Cleopatra es nicht mehr übers Herz, ihn zu vergiften, was eigentlich ihre Absicht war. Und so kommt es dann zu der historischen Liebes» Clandette Colbcrt und Henry Wilcox«« in dem Film„Cleopatra". tragödie, die Shakespeare unsterblich gemacht bat. — aber wenn auch der Verfasser von.Lullus Cäsar" und„Antonius und Cleopatra" hier in: Film komischerweise von den alten Römern zitiKst wird, so hat die Schöpfung des Misters de Mille doch nichts mit Shakespeare, sondern vielmehr mit dem alten Zirkus- Barnum zu tun: eine histori- sche Ausstattungsrevue mit zirzensischen Darbietungen, deren kitschige Naivität unbeschreiblich ist,— doppelt unbeschreiblich, weil sie offenbar ernst gemeint ist. Ob die Darsteller ihre Sache durchioegs ernst genommen haben, ist allerdings die Frage. Die komische Art. in der Warren William den Cäsar spielt, scheint beabsichtigt zu sein, während..die Revue-Schönheit Claudette Colbert in der Titelrolle und der athletische Henry Wilcoxon anscheinend unfreiwillig komisch wirken.—eis— Die Nacht der Liebe. Von dem New Norker Opernstar Grace Moore sagt die amerikanische Filmreklame, er habe eine Stimme, die den Zuhörer .'auf die Beine bringt", was ja einigermaßen' dop- pelsinnia ist, denn man könnte ans Davonlaufen denken. Man denkt auch im Laufen dieses Filmes daran.— nicht wegen der Stimme, die(soweit man Gesangskunst im Tonfilm beurteilen kann) technisch respektabel und klanglich sehr reizvoll ist,'sondern wegen der schablonenhaften Machart dieses Films, der sich von den Tenorsilmen eben nur dadurch unterscheidet, daß er ein Sopranfilm ist. im übrigen aber auch nur eine Handlung hat. die Vorwand für dauernde Gesangseinlagen und für ein happy end des Ruhms ist. Der musikalische Höhe- und Schlußpunkt ist das Auftreten der Grace Moore als Butterfly.—eis— Boykott der Hitler-Olympiade! Der gemeinsame Aufruf der beiden Arbeiter- Sport-Jnternationalen hat in der Oeffentlichkeit aller Länder ein starkes Echo gefunden. Nun gilt es, dem Worte die Tat folgen zu lassen. Das Präsidium der SASJ fordert auf, den Kampf gegen die Hitler-Olympiade gemeinsam mit allen sozialistischen Arbeiterorganisationen sofort und mit allen» Nachdruck zu organisieren. Es bleibt— nach dtn Beschlüssen der Konferenz der beiden Arbeiterinternationalen—■ jedem Lande selbst überlassen, in welcher Weise der Kampf geführt werden soll. Die Landesverbände der SASJ führen, wie dem Präsidium bereits von ihnen mitgeteilt wurde, den Kampf selbständig, d. h. ohne eine Bindung an irgendeine andersgerichtete Organisation. Auf zur Arbeit I Auf zum Kampf! Nieder mit der fascistischcn Hitler-Olympiade I Achtung, Fichtelgebirge-Wanderer! Wanderer und Touristen, die in den Grenzgebieten des Fichtelgebirges wandern, stoßen jetzt in den Wäldern plötzlich auf hohe Bretterwände, und während sie noch erstaunt schauen, werden sie schon von SA-Leuten zur Rede gestellt und eventuell festgenommen. Bei näheren Betrachtungen stellt sich heraus, daß der Arbeitsdienst und die Gelände» übustgsmannschaften deS Dritten Reiches im Grenzgebiete betonierte Unterstände bauen, um wahrscheinlich die Friedensliebe des Herrn Hitler praktisch zu demonstrieren. Für die Touristen ist die Sache sehr unangenehm, da sie, wenn ihr Weg durch diese Gebiete fühxt, nicht nur angerempelt, sondern unter Umständen auch noch wegen Spionageverdacht den Gerichten eingeliefert werden. So ist es nicht nur tschechoslowakischen und reichsdeutschen Touristen ergangen, auch Schwämmesucher wurden ganz einfach festgenommen und in das Gefängnis eingeliefert. Dabei ist es in der ganzen Umgebung de- Fichtelgebirges bekannt, daß diese Unterstände gebaut und mit Waffen und Munition versehen werden, um wahrscheinlich die Freundschaftsbande mit der Tschechoslowakei noch enger zu knüpfen. Unsere Touristen seien auf diese Tatsache aufmerksam gemacht. Geht den Kriegsvorbereitungen und den Betonunterständebauten in weitem Bogen aus dem Wege. Sportparodoxe Wenn ein Rekordschrittmacher langsam Schrill machen muß. Wenn ein Held des Zements einen Gipsverband erhält. Wenn einem Flieger die Luft ausgeht. Wenn ein Matador der langen Strecke bei der Preisverteilung zu kurz kommt. Wenn ein Großer deS Sports klein beigeben muß. Wen« ein neuer Ster« in den Mond guckt. Wenn ein Geher als„kommender Mann" gepriesen wird. Wenn ein Straßenrennen bahnbrechend wirst. Wenn ein Sechtstagefahrer ein Siebenmonats- kind ist. Wenn ein Lcichtqewichtsjockey schwermütig wird. Wenn ein Schwerathlet leichtsinnig ist. Wenn ein Kraftfahrer eine schwache Stunde hat. Westn ein Sch.oimmer einen trockenen Humor hat. Wenn ein Taucher oberflächlich ist. Wenn sich ein Ruderer als Steuerbeamter über Wasser hält.' Wenn ein Jäger als Fußballer ein Tor'chießt. Veceinsnacfirichtui „Kindcrfrcnndc", Prag. D o n n erstag, de« 3. Oktober, abends 8 Uhr, im Parteiheim. Närodni tr. 4. wichtige Ausschußsitzung. Bezugsbedingungen: Bei Zustellung ins Haus oder bei Bezug durch die Poft monatlich XL 16.—. vierteljährig XL 48.—, halbjährig XL 96.—. ganzjährig XL 192.—.— Jnierste werden laut Tarif billigst berechnet. Bei öfteren Einschaltimgen Preisnachlaß.— Rückstellung von Manuskripten erfolgt nur bei Einsendung der Retourmarken.— Die ZeitungSsrankatur wurde von der Post» und-Tele» graphendirektion mit Erlaß Nr. 13.800/VW1930 be willigt.— Druckerei:„Orbis". Druck». Verlags» und Zeitungs-A.-G„ Prag.