Sonntag, 6. Oktober 1935 Nr. 233 15. Jahrgang EtaHlmls 70 Hell« (•intchli.Wich S H«ll«r M4 IENTRALORGAN DER DEUTSCHEN SOZIALDEMOKRATISCHEN ARBEITERPARTEI IN DER TSCHECHOSLOWAKISCHEN REPUBLIK ERSCHEINT MIT AUSNAHME DES MONTAG TXGLICH FRÜH. Redaktion und Verwaltung mag xii.,fochova«. Telefon non. HERAUSGEBERi SIEGFRIED TAUS. CHEFREDAKTEUR! WILHELM NIESSNER, VERANTWORTLICHER REDAKTEUR, DR. EMIL STRAUSS, FRAG. Wird Genf versagen? Höchstens wirtschaftliche Sanktionen und auch die nicht so rasch Paris. Der Genfer Sonderberichterstatter der Agentur Labas erfährt zum Verlauf der Genfer Verhandlungen am Samstag, daß von militärische« Sühnemaßnahmen oder einer Blockade, die ebenfalls unter müitärische Sühnemaßnahmen zu zählen sei, nichtmehrdieRede sein Könne. Es sei lediglich damit zu rechnen, daß wirtschaftliche und finanzielle Maßnahme« gegenüber Italien angewandt würden, aber auch hierzu feien,«ach dem Verlauf der Samstag-Sitzung zu urteilen, langwierige Verhandlungen notwendig. Paris. Unter dem Eindruck der einstim» migen Entschließung des französischen Ministerrate-, der militärische Sanktionen gegen Italien adlehnte und »nr wirtschastbiche Sanktionen in allmählichem Tempo in Gang fette« will, sswie unter dem Eindruck der Beruhigung-Vorschläge Mussolinis an Sir Sa» muel Hoare ist die französische Presse am SamS- tag ruhig und spricht die Hoffnung aus, daß die richte prüfe. Der Rat tagte zunächst in nichtöffentlicher Sitzung, in der das weitere Borgehen bei der Lösung des afrikanischen Konfliktes festgestellt wurde, und nahm dann, in öffentlicher Sitzung den Berich tdes Drei zehner au s- sch n s s e S des Rates an, der nur eine objek- tipe Darstellung aller Ereignisse des Konfliktes bis zur Eröffnung der Feindseligkeiten enthält. Der Rat selbst beschränkt sich vorläufig auf die Empfehlung, sofort jeder Paktver- Addis Abeba.Während Samstag früh bereit- amtlich der Fall von Adua gemeldet und auch die Eroberung A k s u m s für die nächste« Stunden in Aussicht gestellt wurde, wurde später gemeldet, daß die Abessinier beide Orte noch'in ihrem De sitz habe« und auch Adigrat «och«icht gefalle« ist.Reuter bestätigte diese Meldung noch um 16 Ahr. Offenbar spielen sich um den Besitz der Stadt noch erbitterte Rah- Kämpfe ab, in denen die Italiener mtt alle« ihnen zur Verfügung stehende« moderne« Kampfmitteln Vorgehen. Die Verluste sind aufbelde« Seiten schwer. Reuter meldet, daß die beide« im Norden von Adua kämpfenden Gegner im verzweifette» Kampf vor ttallenischen Schützengräben zusam- menttafen, wobei Mann gegen Man« mit Dolche« und Dajo- Feindsrligkeiten in Abessinien nur von kurzer Dauer sein werden. Pari-. Die Genfer Verhandlungen und dir Mitteilungen Mussolini- an die englisch« Regierung werden an amtlichen Pariser Stellen als neue Aussichten auf eine verhältnismäßig nahe hevorstehende Einstellung der Feindseligkeiten und Regelung drS Konfliktes ohne Erschütterung der englisch-französisch-italienischen Zusammenarbeit auSgelegt. Niemand verhehlt aber, daß di« Angelegenheiten noch nicht in diese Phase gettrtr« find. letzung«in Ende zu machen. Außerdem behält er sich vor, später andere geeignete Empfehlungen zu machen. Der italienische Vertreter Baron Aloisi behielt sich die Stellungnahme zum Bericht deH Dreizehncrausschusses bis zur Montagssitzung des RateS vor. Den gleichen Beschluß faßte auch der abessinische Delegierte. Der Rat beschloß dann, am Montag wieder^usammenzutreten. nett en gerungen wurde. Keiner der beide« Parteien sei es bisher gelungen, einen nennenswerten Vorteil zu erringen. Rach anderen Meldungen hat Adua im Laufe des Tages wieder» holt den Besitzergewech» selt. Trotz der Tapferkeit der Abessinier ist jedoch kaum anzunehmen, daß sie die Stadt werden hatten können. Der Fall Aduas wurde in Rom schon im Laufe des Freitag erwartet, doch leisteten die Abessinier erbitterten Widerstand, so daß der letzte Angriff auf Adua auf Samstag früh drei Uhr verschoben werden mußte. In der Nacht hatten die Abessinier noch erfolgreiche Gegenangriffe unternommen. Die Italiener gehen mit insgesamt- sechs Divisionen, die 100.000 Mann zählen, in einer Breite von 63 Kilometer von Eritrea her vor. Schätzungsweise haben die italienischen Truppen bis jetzt■ etwa 3000 Quadratkilometer abessinischen Gebietes besetzt. Der italienische Vormarsch erfolgt nach dem »Daily Telegraph" i n d r e i H e e r e s s ä n- len. Die linke Säule unter dem Oberbefehl des General Santini hat Adigrat genommen, die mittlere Säule unter General B i r o l i befindet sich in Debradamo nordwestlich von Adigrat, während die rechte Säule unter General Maravigna unmittelbar auf Adua marschiert. Oer letzte abessinische Bericht lieber den letzten Stand der GefechtS- W läge sst folgendes Telegramm des Armeeführers Ras Seyum eingegangen: In der Umgebung von Mayeta und Enguela ist zwischen, den Italienern und Abessiniern eine Schlacht im Gange. Die Abessinier haben zahlreiche Gewehre und Maschinengewehr« erbeutet. Die Italiener haben starke Verluste erlitten. Adigrat ist von der italienischen Streitmacht n och nicht eingenommen. Die Italiener find erfolgreich biS H a v a- r i a t vorgedrungen, daS etwa eine Stunde von Adigrat entfernt liegt. Die Abessinier leisten trotz ständigen Bombenangriffen Widerstand. In den Gebieten, in welchen fich die abessinischen Truppen nicht zu stellen beabsichtigen, rücken die Italiener nach den bisherigen Ersiih- rungen täglich etwa sieben Kilometer vor. Unter diesen Umständen wird hier auch mit der baldigen Eiwnahme von Aksum gerechnet. Abessinische Reserven unterwegs Der NeguS ordnete an, daß sich Ras Amru, der Kommandant der Reserven in der Provinz Godjam, in Marsch setze und die Positionen rinnehmr, welche früher in der Umgebung von Debra Tabor Ras Kassa inne hatte, der nun mit 100.000 Mann in die Gegend von Adua und Adigrat zieht, um Ras Seyum Hilfe zu leisten. »Paris Soir" meldet aus Addis Abeba: Abessinische Flugzeuge befördern Munition nach Adua. Reguläre abessinische Truppen haben die zurückgehenden Formationen, denen sie zu Hilfe eilen, noch nicht erreicht. Im Gebiete des Berges Muss« A l i begegnen die Italiener großen Schwierigkeiten. Ihre Flugzrngbombardements bleiben unwirksam, denn die Eingeborenen besitzen in den Bergen glänzende natürliche Unterstände. Ole sauren Trauben... Rom. An amtlicher Stelle werden die Nachrichten Wer eine Einnahme von Adua durch die Italiener und eine Wiedereinnahme von Adua durch abessinische Truppen aufs bestimmteste dementiert. Adua sei bis jetzt von den italienischen Truppen überhaupt noch nicht besetzt worden, Auch am Samstag sei der Zweck der Operationen gewesen,»lediglich den Druck auf Adua von.zwei Seiten her zu verstärken". Man nehme an, daß Adua in den nächsten Tagen, vielleicht schon am Samstag, in italienische Häiide fallen werde. Die italienischen Verluste seien bis jetzt ganz geringfügig(?), doch könnten noch keine Verlustziffern angegeben werden. Abessinische Hauptwlderstands- llnie erst viel weiter südlich Emer Meldung des„Daily Telegraph" auS Addis Abeba zufolge hat ein abessinischer Regie- rungSvsrtreter erklärt, daß Abessinien auf Grund eines lange vorbereiteten Planes n i e m« IS| beabsichtige, die Linie Aksu m—A d u a zu verteidigen. Der wirkliche Entscheidungskampf werde viel weiter südlich vor sich gehen. Daß die abessinischen Truppen an der Nordfront dem italienischen Vormarsch Widerstand leisteten, sei geschehen, um nicht direkt die offene Tür zu zeigen. Man rechnet mtt der Fortsetzung des italienischen Angriffs, ist aber überzeugt» daß der italienische Vormarsch auf der Linie Makale—Attabe—Masfini aufgr halten werden wird. Einheitswollen gegen Spaltungsgeist Die Schlcksalstase von Karlsbad (Schluß.) Drei Tage lang währte der entfesselte Kamps der Meinungen. So erbittert, so voll letzter Hingabe und Leidenschaft ist auf sudetendeutschem Boden noch nie um politische Klarheit gerungen worden» Auf solcher geistiger Höhe find die Probleme der Nachkriegszeit selten auf einem soziäli« stischen Parteitag erörtert worden. Alte Kampfgefährten standen gegeneinander, ja Vater und Sohn strittew in verschiedenen Lagern. Die alte Parteimehrheit ließ eine ganze Reihe von starken Verfechtern ihrer Jdeengänge aufmarschieren, aber auch die andere Seite führte blendende und wirkungsvolle Redner ins Treffen. In der Debatte dominierte ernste Sachlichkeit,'doch das Tcmpera- ment der Redner und Zuhörer ließ immer wieder zu Sturmszenen aufbrausey. Der Vorsitzende hatte ein schweres Amt. Seiner Kaltblütigkest und der Disziplin der Delegierten war es zu danken, daß die Verhandlungen des Parteitages doch nach jeder stürmischen Unterbrechung wieder in das Fahrwasser einer sachlichen Auseinandersetzung gelenkt werden konnten. Liest man heute in den schon etwas vergilbten Seiten des Protokolls nach, so verspürt man noch den Gluthauch dieser Tage Kommende Historiker werden es als ein großes Dokument einer schicksalsvollen Zeit mit Eifer nachlesen, als wertvollen Beitrag zur Geschichte der sudetendeutschen Arbeiterbewegung und der deutschc» Politik in diesem Land« entdecken. Die Situation, in der damals gekämpft wurde, war in vieler Hinsicht eine andere als heute. Es wäre also eine billige Wortklauberei, hier jedes Wort oder jeden Satz nachzuprüsen, inwiefern er von dem Lauf der Geschichte widerlegt oder bestätigt worden ist. Was aber die Grundauffassung anbelangt, so ist in der Zwischenzeit den Vertretern der sozialdemokratischen Richtung so manche Genugtuung zuteil geworden. Einer der prominentesten Redner der Linken— er ist inzwischen aus dem politischen Leben unrühmlich abgegangen, wie so viele, die mit ihrer revolutionären Gesinnung nicht genug lizitieren konnten — proklamierte die Aufgabe, die Massen auf den Zusammenbruch vorzubereiten. Aus dieser Perspektive, daß schon in ganz naher Zeit zwischen der Demokratie und der Diktatur des Proletariats zu wählen sei, erflärte er auch: »Genosse Seliger, eine Verständigung zwischen zwei Richtungen, von denen di« eine von der Diktatur des Proletariats, die andere von der bloßen Demokratie die Verwirklichung des Sozialismus erwartet— bei so grundverschiedenen Ansichten halte ich eine Verständigung für unmöglich." Es mag sein, daß die Bedeutung, der Demokratie als Kampfmittel in diesem Ringen von sozialdemokratischer Seste manchmal Werbetont wurde. Man konnte vor fünfzehn Jahren noch nicht übersehen, was die seelischen Verwüstungen des Krieges auf mitteleuropäischem Boden, dem Vordringen sozialistischer Ideen an furchtbaren Hindernissen aufgerichtet hatten. In Skandinavien, in England, in der Schweiz, außerhalb also des kontinentalen Zauberkreises des Völkerhasses und des Revanchegeistes der Besiegten, hat sich die Demokratie als Vormarschgelände der Arbeiter- flasse und damit des Sozialismus zweifellos bewährt. Und die konterrevolutionären Siege in den mitteleuropäischen Ländern hätten wahrscheinlich keine so verheerenden Ausmaße annehmen können, wenn nicht«der kommunistisch gewordene Teil des Proletariats selbst zur Pernichtung der Demokratie beigetragen hätte. Die Triebfeder der Spaltung war die Ungeduld einer sich revolutionär gebärdenden Schicht, die nicht darauf warten wollte, bis die arbeitenden Massen für die Ideale des Sozialismus erobert sind. Ohne Gefolgschaft der werktätigen Massen gibt es aber weder eine erfolgreiche Sozialreform, noch eine siegreiche Revolution. So oder so— es muß der Machtergreifung die Eroberung der Gehirne vorausgehen. Das wollen nun auch die Kommunisten im Wege von Einheitsfronten und Volksfronten zuwege bringen. ES stünde wahrlich um den westeuropäischen Sozialismus und auch um So- Noch ein Ausschuß Völkerbundplenum für Mittwoch einberufen Genf.(Renier.) Die Völkerbund Versammlung wurde für Mittwoch de« 8. d. um 16 Ahr einberuf««. Der Dölkerbundrat beschloß am Samstag folgende Empfehlungen r 1. Wenn irgendeine Verletzung des Völkerbundpaktes eingetreten ist, so müsse eine Remedur eintreten. 2. Der Dölkerbundrat behalt sich das Recht vor, alle notwendige« Maßnahme« zu treffe«. 3. Der Dölkerbundrat hat eine« sechsgliedrigen Ausschuß gebildet, welchem der engttsche, der französische, der rumänische, der portugiesische, der chllenische und der dänische Delegierte angehören, damit er die Lage im Lichte der von den beide« Streitpartelen eingegangenen letzte» De» erbittertes Ringen um Adua Nahkampf mit Bajonett und Dolch Die Italiener kommen nicht vorwärts Stift 2 Sonntag, 6. Oktober 1935 Nr. 233 wjetrußland besser, wenn Moskau nicht erst auf fünfzehnjährigem Umweg zur Einsicht gekommen wäre, däß die Erhaltung Wenn mich nur der bürgerlichen Demokratie deni Sieg des Faseismus Uorzuziehen ist! » In der entscheidenden Abstimmung des Parteitage- wurde der Antrag Hillebrand mit 292 gegen 146 Stimmen angenommen. Obwohl sich nach aller Gepflogenheit die Minderheit der Zweidrittelmehrheit einfach zu fügen gehabt hätte, wurden noch immer goldene Brücken gebaut. Denn der Antrag Hillebrand verlangte die Einsetzung einer Kommission» die einen Kompromißvorschlag au-arbeiten sollte. Die Kommission tagte Tag und Nacht. Der todkranke Seliger gab seine letzten Kräfte her, um doch zu einer einheitlichen Plattform mit den sogenannten linken Genoffen zu kommen. Bor Müdigkeit kaum der Sprache fähig, berichtete Seliger sodann in einer Nachtsitzung, daß doch ein Kompromiß gefunden wurde, die sogenannte Karlsbader Deklaration. Sie stellte in der Tat ein Höchstmaß von Verständigungsbereitschaft der Parteitagsmehrhesi dar. Auch die Dik- tatur wurde als Eventualfall bejaht, sobald der friedliche Vormarsch des Proletariats durch den Gewaltstreich einer kapitalistischen Minderheit bedroht war, als Diktatur der Mehrheit über die Minderheit. Diese dann vom Parteitag einstimmig angenommene Deklaration enthielt auch folgende Abschnitte: »Der Parteitag verpflichtet di« Parieimit glieder zu vollständiger Einheitlichkeit der Aktion der Partei, wobei er das Recht aller Parteimitglieder, ihrer Ueberzeugnng gemäß all« Probleme des Sozialismus zu erörtern, anerkennt. Jede gehässige, persönliche Kampfescheise innerhalb der Partei, sowohl in der Presse wie in Versammlungen und Organisationen, ist zu unterlassen. Von der Bildung eigener Gruppen innerhalb der Partei und von der Veranstaltung von Son- deraktionen wird Abstand genommen. ES ist selbstverständlich, daß die Beschlüsse des Parteitages für jedes Parteimitglied als bindend anzusehen sind." Obwohl mit diesen heiß erkämpften Formulierungen die Einheit der Partei gesichert erschien, gingen doch di« meisten Delegierten mit einem sorgenvollen und beklommenen Gefühl nach Hause. Es sollte in der Folgezeit auch keineswegs als selbstverständlich gelten, daß die Beschlüsse des Parteitages für jedes Mitglied verbindlich seien Die sogenannte Reichenberger Linke war in der Zeit, da sie in Karlsbad noch Vergleichsverhand- lungen führte und zum Schein einer Kompromißresolution zustimmte, bereits der Dritten Internationale angeschloffen. Nur aus taktischen Gründen vermied sie noch in Karlsbad den offenen Bruch, weil dir Verhältnisse in der tschechischen Sozialdemokratie noch nicht völlig auSgereift waren. Deshalb wollten die deutschen Linken nicht vorprellen, sondern einen günstigen Moment für die Sprengung der Partei abwarten. Er schien ihnen gekommen, als im Dezember 1920 der bekannte Streikputsch ausbrach, der die Begleitmusik zur Zerreißung der tschechischen Ar- beiterbewegung war. Von einer Einheitlichteit in der Gesinnung und Taktik war schon seit Karlsbad nicht mehr die Rede. Es war nur die äußere Konsequenz des gegebenen Zustandes, als im Jänner 1921 das Tischtuch zerschnitten und Kreibich die ersehnte Gelegenheit gegeben wurpe, als Führer einer kommunistischen Partei zu beweisen, daß er die Arbeiterschaft zu größeren Erfolgen führen könne als ein Viktor Adler, ein Josef Seliger, ein Karl Eermak und ein Oswald Hillebrand. » Heute predigt Karl Kreibich den sudetendeutschen Arbeitern wieder die Einheitsfront. Längst wagt kein Kommunist mehr zu behaupten, daß die kommunistische Partei allein die Weltrevolution beginnen oder die Diktatur des Proletariats aufrichten könnte. Heute braucht man bei jeder kleinen Aktion wieder die Mithilfe der Sozialdemokraten, die fünfzehn Jahre als Verräter, als Lakaien der Bourgeoisie und zuletzt als Sozial- fascisten geschmäht wurden. Heute ruft man auch die Kleinbürger und die Kleinbauern, deren Bedeutung von den linken Rednern in Karlsbad so gering eingeschätzt wurde, zur sogenannten Volksfront. Heute aber nehmen wir Karl Kreibich bei den Worten, die er in Karlsbad gesprochen hat: „ES wurde hier von der Einheit des Proletariats gesprochen. Die Einheit deS Proletariats ist unser sehnlichster Wunsch, aber die Einheit hat nur einen Sinn, wenn sie die Einheit inr revolutionären Klaffenkarnpf ist.(Zustimmung.) Die Einheit ist keine formale Sache, ist Sache des Gedankens, in dem wir siegen wollen, und wenn das Proletariat nicht in diesem revolutionären Geiste des Klassenkampfes einig ist, dann ist die organisatorische Einigkeit für das Proletariat von ge- geringem Wert und wir wollen Und unser Ziel ist: das Proletariat auf diesem Wege zu dieser Einheit zu bringen." Amtlich, wird gemeldet: Der Kattowitzex polnische Rundfunk fordert seit dem 15. September systematisch die Angehörigen der polnischen Minderheit in der Tschechoslowakischen Republik zu a n t i st a a t- lichen Aktionen auf und gibt ihnen hiebei die Versicherung, daß die ganzePol- nische Republik hinter ihnen st e h t. Diese provokative und in den internationalen Beziehungen sicherlich vereinzelte und unerhörte Kampagne hat zur Folge, daß sich auf dem Gebiet« der Tkchrchoflowakischen Republik doch einzelne Angehörige der polnischen Minderheit gefunden haben, die sich» angeeifert durch die Hetzorrien deS Kattowitzer Rundfunks in provokativ« und strafbare Handlungen einlaffen. Polnisches„Märtyrertum" — als Trick Wie das amtliche tschechoslowakische Preßbüro mftteilt, setzen die offizielle Polnische Telegraphenagentur und der polnische Rundfunk ihr« Hetzereien gegen die Tschechoslo- wakische Republik fort und führen in tendenziöser Weise einige Fälle von angeblicher »roher Behandlung" polnischer Staatsangehörige, und tschechoslowakischer Bürger polnischer Nationalität auf tschechoslowakisch-polnischem Gebiete an. Dazu wird konstatiert, daß in letzter Zeit polnische Staatsangehörige des öfteren direkt mit der Absicht in die Tschechoslolvakei kommen, durch ihr unanständiges Auftreten ihre Verhaftung zu provozieren, sich so in Polen einen Namen zu machen und leichter eine Anstellung zu finden. Im ver- Wie weit haben es die Parteispalter mit der Einigkeit deS Proletariats gebracht, indem sie fünfzehn Jahre vom revolutionären Kürffenkampf geschwätzt haben? WowäredieArb eiter« bewegung der Tschechoslowakei heute, wenn nicht dieSozialdeno- traten trotz Schimpf und Hohn ihre demokratischen Dase in sgrun dla• gen gerettethätten? Der Kreibich von 1920 zeugt gegen den Kreibich von 1985. Damals hatte für ihn die formale Einheit keinen Wert und deshalb mußte sie zerschlagen werden. Heute hausiert er im Lande mit der Lehre herum, daß Sozialdemokraten und Kommunisten wer weiß was für revolutionäre Taten sehen, wenn sie gemeinsame Komitees bilden. Die Einheit vom Jahre 1920 war die schlechte— und heute jubelt die»Rote Fahne" über einen großen Erfolg, wenn Sozialdemokraten und Kommunisten einen Kilometer hintereinander auf der Straße marschiert sind, ohne sich zu prügeln. 1920 wußte es Kreibich, daß selbst die organisatorische Einheit von geringem Wert ist, ohne die Gemeinsamkeit der Anschauung und der Gesinnunq. Heute nähme er mit jedem Kuddelmuddel vorlieb. Jawohl, die Einiguna im revolutionären Geiste ist notwendig, aber nicht in einem Geiste, der nur revolutionär ist gegen die Sozialdemokratie, sondern revolutionär in der Liebe und in der Sorge kirr die Arbeiterklasse, wie jene Männer und Frauen, die unter Josef Seligers Führung in Karlsbad für die Einheit der Bewegung gestritten haben I gangenen Monat führte die polnische Telegraphen» Agentur eine Kampagne gegen die Tschechoslowakei wegen der Verhaftung und Verurteilung der polnischen Staatsangehörigen Sophie R zyma n o v ä, die während des zweitägigen Aufenthaltes in der Tschechoslowakei durch eine Eintragung im Fremdenbuch da- tschechoslowakisch« Volk grob beleidigte. Nunmehr veröffentlicht diese Frau im Krakauer illustrierten Kurier Godzienni ein Inserat folgenden Wortlautes:»Ein Opfer tschechischer Persekution, aller Mittel zum Lebensunter- haltentblöst, bittet um irgendeine Beschäftig»»g". Bereits aus diesem Falle gehen die Absichten klar hervor, von welchen sich einige polnische Staatsangehörige bei ihren Exkursionen in die Tschechoslowakei leiten lassen. diene Provokationen Im Teschener Gebiet AuS dem Teschner Gebiet werden weitere Fälle gemeldet, wo F e n st e rscherb en in tschechischen Schulen eingeschlagen wurden. In der Nacht auf Samstag haben unbekannte Täter um 2.80 Uhr die Fenster des tschechischen Kindergartens in Stanislavovice zertrümmert. Drei Steine wurden auch in die Wohnung des Schulleiters O n d r ä c e k geworfelt, ohne jemanden zu treffen. In derselben Nacht wurden um 1 Uhr die Fensterscheiben in Horni TirliLko und in der Wohnung des Schulleiters eingeschla- gen. Auch im Kinderheim in Horni Terlicko wurden fünf Fensterscheiben zertrümmert. Schließlich schlugen unbekannte Täter fünf Scheiben in der tschechischen Schule in Oldiichovice ein. ES gelang nicht, die Täter zu finden. 56K polftlk führt ins Verderben Demonstration In RoBhaupt Zwanzig Verhaftungen Durch alle Blätter ging im Laufe der Woche die Meldung über die Vorfälle im Dachauer Bezirk, bei denen nicht nur demonstriert, sondern als Endergebnis des von Henleinleuten organisierten Aufstandes, gegen 20 Menschen verhaftet wurden. Im Jntereffe dieser Verhafteten, als auch im Jntereffe der Wahrheit sei deshalb der Verlauf dieses bedauerlichen Ereignisses kurz dargestellt. Das Restgut„Schafhütte" in Roßhaupt ist vor zwei Jahren herrenlos geworden. Um den Boden, der nunmehr neuerlich irgendwie aufgeteilt werden mußte, möglichst zweckmäßig zu verwerten, versuchte man durch Errichtung einer Pachtgenoffenschaft die Gründe den ansäffigen Kleinlandwirten und Häuslern zu erhalten. Dieser Weg war aber mit großen Schwierigkeiten verbunden und da andererseits das Bodenamt auf eine endgültige Regelung drängte, um den Boden nicht noch länger brach liegen zu lassen, mußte die Kleinzuteilung vorgenommen werden. Daß sich nunmehr auch tschechische Bewerber bei der Zuteilung einfanden, braucht nicht sonderlich erwähnt und begründet zu werden. Aber es ist nicht richtig, daß den tschechischen Bewerbern zwei— und den deutschen nur ein Drittel des zur Verteilung gelangeichen Grundes zugewiesen I wurde. Es ist überhaupt noch nicht ganz klar, wieviel auf die deutschen und wieviel an die tschechischen Bewerber entfallen sollte. Schon aus diesem Grunde war es entschieden verfrüht, mit irgendwelchen Aktionen gegen die beabsichtigte Zuteilung einzusetzen. Um so mehr, als man wußte, daß nur durch kluges Verhandeln mit den maßgebenden Stellen ein Erfolg für die deutschen Kleinlandwirte herbeigeführt werden könne. Aber die Henleinführer dachten anders. Sie hatten kein Jntereffe an einem tatsächlichen,— sondern nur an einem politischen Erfolg. Deshalb gingen sie hin und beriefen für Sonntag, den 29. September, eine Versammlung ein, die vorläufig^wch ohne äußeres Ergebnis blieb. Montag, den 30. September, wurde neuerdings eine bei der Behörde nicht gemeldete Versammlung ahgehalten, in welcher der Bierverschleißer H a y b a ch daß große Wort über die Aufteilung des Restgutes führte und'' die Versammelten in Erregung brachte. Dienstag wurde dann zur Aktion geschritten. Ungefähr dreihundert Personen versammelten sich auf der Staatsstraße und nachdem sie vorerst vor der Verkaufsstelle des Konsumvereines„Nieder mit dem Konsum!" geschriecn hatten, zogen sie vor die Wohnungen tschechischer Staatsangestellter und protestierten laut gegen die beabsichtigte Art der 'Dodenäustennng. Nicht genug anven dummen Schimpfereien, schnitten Demonstranten an einigen Stellen die T e l e f o n l e it u n g d u r ch, um zu verhindern, daß Gendarmerie zugezogen werde. Haybach verlas eine Resolution gegen die Bodenzuteilung an tschechische Bewerber und dann zogen die Demonstranten wieder heimwärts. Es war also eine Aktion von politischen Dummheiten, die in ihrem Gefolge alle jene hatte, die da glaubten, daß ihnen auf diese Art geholfen werden könne. Aber am anderen Tage mußten sie nur zu deutlich fühlen, daß so ihr Recht nicht verteidigt werden kann. Neben dem Bezirksfiihrer der SdP in Roßhaupt, H a y- b a ch, und dem Vorsteherstellvertreter Tietz, Der polnische Rundfunk fordert zu Verbrechen gegen unsere Republik auf VILLA OASE Oder: DIE FALSCHEN BORGER Roman von EiigMie Berechtigte Übertragung aus dem Französischen von Bejot In der Nähe lagen das Elysöe-Montmartre, wo er mit seiner ersten Frau getanzt, und der Zirkus Me'drano, wohin sein Vater ihn an einem Weihnachtsabend geführt hatte. Wie fern lagen die Tage, an denen er auf der Terraffe eines der Cöfks an der Place Blanche gesessen hatte. Einen seltsamen Freundeskreis hatte er damals. Die einen verkauften Lakritzenwasser, die anderen trieben Mädchenhandel, aber Genießer waren sie all«. Was mochte aus ihnen geworden sein? Er warf eisten Blick auf die armselige Faffade des Kabaretts zum Himmel und auf Moulin Rouge mit den entfärbten Flügeln, die sich nicht mehr drehten. Ach, ihr Montmartre war tot. Man begegnete dort nur noch Fremden, gegen die er eine Abneigung hatt«. Zum Glück war im Cafi des Courses noch aHeS unverändert. Er ließ sich an seiner alten Stellt, neben Papa Adam, auf das ausgeleierte Sefa fallen. Vergangenheit, Gegenwart und Zukunft: alles ging in seinem Köpfe durcheinander. Die Freunde führten eine lebhafte Unterhaltung. Papa Adam empfahl vorteilhafte Kapitalanlagen und warf mit Ziffern um sich. Er war, trötz seinem Alter, noch immer unternehmungslustig, während er. Julien, an der Kette lag. Zuweilen stieg blinde Wut auf Irma in ihm hoch. Dann beschwichtigte er sich selbst, indem er sich sagte, daß er mit einer Kranken lebe. Nicht ohne Grund behandelte man ihn wie einen zur Ruhe gekommenen Familienvater. Aber das war er nicht immer gewesen. Hatte er sich etwa das Geringste entgehen lassen? Noch jetzt? Lebte er nicht in Paris, ohne einen Sou auszugeben? Konnte er nicht, wenn eS ihm einfiele, morgen zurück aufs Land gehen? Den Winter i» der Stadt verleben, den Sommer in seiner Villa, ganz wie ein Kapitalist? Als er ins Hotel zurückkam, saß Irma mft einem Buch in der Hand, und auf ihren Knien lag eine kleine Photographie ihrer Tochter. Sie hörte kaum zu, wenn er sprach. Am liebsten hätte er sie geohrfeigt wie ein ungezogenes Schulmädel. Immer wieder predigte er ihr, sie solle ihren Aufenthalt doch besser verwenden, oder er schlug ihr vor, mit ihm ins Kino oder ins Barietö zu gehen. Sie sagte nein, ohne die Ablehnung zu bechmnden. Aber er kannte den Grund. Es war ihr nicht mehr möglich, sich von Helenes Schatten zu befreien. Er schrie, eines Tages werde er alles in Stück« schlagen. Er hätte sie an den Schultern packen, sie schütteln, sie gewaltsam aus diesem Zustand reißen wollen. Anfangs, als sie die Villa Oase verlassen hatten, schien sie ganz zufrieden zu sein. Sie hatte noch gelegentlich einen Besuch gemacht. Aber jetzt behauptete sie, ihre Freundinnen wären mißgünstig und wünschten ihr Schlechtes. Sie zählte die Tage, die sie noch von der Rückkehr aufs Land trennten. Charlier ließ sichs wohl sein aus ihre Kosten. Sie schwor, der einzige Grund ihrer Mißstimmung sei ihre körperliche Erschöpfung. WaS blieb Julien übrig, als an seinen Freund zu schreiben? Sie gingen nach Chapelle-sur-Seine zurück und begannen wieder ihr monotones Leben. Der Winter zog sich in die Länge. Sooft sich das Wetter aufhellte, ging Julien in den Garten und arbeitete, um seine tüben Gedanken zu verscheuchen, wie ein Taglöhner. Abend? befiel ihn daß graue Elend. Irma saß und stickte, und er sah ihr auf die Finger. Herrlich, ihr Rentnerleben! Bor einem Monat war er noch in Paris. Jetzt war er allein mft einer Nervenkranken, einer Gestörten, die nicht sprach, nicht mehr Karten spielte, die einem Porträt geheim-isvolle Zeichen gab und im übrigen wie eine Gelähmte in ihrem Sessel bockte. DaS war seine Zukunft. Er ersehnte den Frühling und die Zeit, in der die Freunde wieder Leben in die Bude bringen würden. Gegen seine frühere Absicht Latte er doch den Gäriger wieder angenommen. An einem schönen Nachmijjag führte er Irma hinunter und zeigte ihr die neuen Wege, die er anlegen ließ. Sie ging ganz langsam wie eine von schwerer Krankheit Genesene. »Nun, gefällt dir das?" »Nein. Ich möchte lieber einen französischen Garten haben. Man müßte den Teich beseitigen." »Willst du mich frotzeln?" „Was nützt er uns eigentlich, dein Wunderteich? Er sieht uns Mücken auf den Hals uns stinkt. Man sollte ihn zuschütten." „Das wäre«ine Riesenarbeit. Uebrigens hatte ich das Haus ja hauptsächlich des Wassers wegen gekauft." Sie gingen weiter und stritten sich. Irma versteifte sich auf ihre Idee. Sie kehrte ins HauS zurück und setzte sich ans Fenster, auf ihren alten Platz. Hier hatte sie den größten Teil des Winters verbracht, und hier würde sie noch Jahre verbringen, immer den Teich vor Augen, auf dessen düstere Oberfläche sie in alle Ewigkeit würde starren müssen. Wenn sie das Porträt ihrer Tochter angesehen hatte, war ihr, als werfe das Wasser Helenes Bild zurück, und so fand sie Ruhe, sich in ihre Trqume einzuspinnen. Julien stand unten am Rande deS Teichs. Er erzählte gern, er habe einen See in seinem Park.„Einen See, Jungens, einen richttgen See." Der Dummkopf! Sie war ihm böse wegen seiner unerschütterlichen Riche. Wenn sie ihm gestanden hätte, daß der T-ich sie traurig stimmte, hätte er sie ausgelacht. Es reizte sie, ihm zuzusehen. Er schlenderte am Waffer hin, hob einen dürren Zweig auf, riß Unkraut aus, war zufrieden mit sich selbst und sah nicht weiter, als seine Nasenspitze reichte. Mehr als essen, schreien und schlafen konnte er nicht. Aber sie, Irma, gab den Dingen eine Seele, durch die sie Leben gewannen. Sie deutete Zeichen und Vorzeichen der Natur, entschleierte ihre Geheimnisse und sucht« täglich den Sinn ihrer Träume. Auf einem Spaziergang hatte sie versucht, Julien in ihre Gedanken einzuweihen. Aber er, der mit seiner massigen Figur den Raum ausfüllte, hatte verständnislos geantwortet:„Mir scheint, du legst dich auf den Aberglauben." Jetzt, hörte sie seinen Schritt auf der Treppe. Jetzt trat er ins Zimmer. »Ich habe mit dem Gärtner gesprochen", sagte er.„Man kann nichts machen, da der Teich von einer Quelle gespeist wird. Aber sieb ihn dir doch mal richttg an. Mich erinnert er an eine Eck« deS Sees von Annecy." Er glaubt« an eine Laune und fand kein besseres Gegenmittel, als daß er ihr die Schönheit des Teichs in all Sn Tönen anprieS und ihr er, zählte, daß man sie überall darum beneide. Für den Sommer wolle er ein Boot kaufen, so daß"c rudern könnten, und einen SHvan. Der Frühling war nahe. Bald konnte er die Rohrmöbel draußen aufstellen mit dem Gesicht zum Wasser. Irma drehte ihren Sessel dem Hause zu. Er zuckte die Achseln. So wandten sie einander beinahe den Rücken und verbissen ihren Aerger. Abends, wenn sie chre Suppe gegessen, hatten sie ihre kleinen Gewohnheiten wie zwei alte Leute. Irma liebkoste Bobby, rauchte Zigaretten und las in einem Roman. Julien gähnte, stand auf, ging in die Küche, schwatzte mit Solange und trank. Wenn Irma einmal besser aufgelegt war, spielten sie eine Partie Belotte. Gelegentlich empfingen sie den Besuch des Herrn Maigret, eines Lehrers, der zugleich Gemeindeschreiber war. .(Fortsetzung folgt.). Nr. 233 Sonntag, 6. Oktober 1935 Sekte 3 Mussolini will weiter verhandeln der ebenfalls der SdP angehört, wurden noch an die zwanzig Personen verhaftet, die zum Teil nach dem Kreisgericht in Eger und zum Teil zum Bezirksgericht in Pfraumberg gebracht wurden. So endete eine von der SdP aufgezogene Kundgebung, in der man zweifellos die um einen Acker kämpfenden Kleinlandwirte auf das scheußlichste zu Agitationszwecken der Henleinpartei mißbrauchte, nicht nur mit einer Verschlimmerung der Aussichten für die deutschen Landbewerber, sondern auch noch mit schwerem persönlichen Ungemach für einige der armen Teufel, die statt des erhofften Bodens nun einige Monate Gefängnis bekommen werden. Die SdP aber und ihre Presse wird nach all dem noch versuchen, durch verschärfte nationale Hetze Kapital aus dem Unglück dieser deutschen Kleinbauern zu schlagen. Betriebsausschußwahlen In der PoldlhQtte In Komotau Metallarbeiterverband holt auf In der Poldihütte in Komotau fand am Freitag die Neuwahl des Betriebsausschusses 'statt, die folgendes Ergebnis brachte: Wahlberechtigt 488, abgegebene Stimmen 470, davon gültig 466. Es erhielten: Internationaler Metallarbeiterverband 204 Stimmen und drei Mandate(im Vorjahre 130 Stimmen, drei Mandate), Deutsche Arbeiterge- werkschast Gablonz 227 Stimmen und vier Mandate(147,3) und Christliche Gewerkschaft 35 Stimmen und kein Mandat.(Im Vorjahr nicht kandidiert.) Daß die Völkischen das neu zu besetzende 7. Mandat gewannen, hat vor allem darin seine Ursache, daß sich unter den im vergangenen Jahre neu eingestellten Arbeitern verhältnismäßig wenig Freigewerkschaftler befanden. Trotzdem bedeutet der Wahlausgang für den JMB. einen schönen Erfolg. Der Brünner Naziprozeß Weitere Zeugeneinvernahme Im Prozeß gegen die Brünner Nazifunktionäre wurden gestern drei weitere Zeugen ein- vernommen. Der Angeklagte Gröger hatte angegeben, daß er sich bei den Behörden erkundigt habe, ob die Zugehörigkeit zur DNSAP. für ihn als Staatsbeamten keine Folgen haben könne. Der als Zeuge vorgeladene Präsidialchef der Brünner Landesbehörde Dr. P a v e l e k kann sich dessen nicht entsinnen. Auch der nächste Zeuge, Oberrat F u k a l, der daraufhin auf Verlangen der Verteidigung vereidigt wurde, konnte sich an nichts erinntrn. Der Zeuge, städtischer Oberdirektor i. R. I a n i k, gab an, daß Judex ihm den Austritt aus der Partei seinerzeit mitgeteilt habe. Es folge»..nun..wiederVerlespagLM u. a, eine Rede deS Jng. Jung, in der es heißt:„Das Dritte Reich ist das erste Reich, denn vor dem D r i t t e n hat es noch gar kein Deutsches Reich gegeben". In einem Schreiben kommt der Ausdruck„Tscheche!" vor, das der Vorsitzende als charakteristisch für den Geist, der in der Partei herrschte, bezeichnet. Der Angeklagte Richter gab an, er habe sich Reden und Bücher verschafft, um reden zu lernen, so das Buch„Wie lerne ich reden?" oder Reden von Krebs. Vorsitzender:„— der nach Deutschland geflüchtet istl" In einer Rede über das Schicksal Deutsch- Südtirols heißt es:„Die ganze jüdischmarxistische Journaille ist auf Mussolini losgegangen. Mit einem Orangen krieg wollte man ihn zwingen". Zum Schluß der Verhandlung legte der Staatsanwalt ein Paket mit Schriften vor, aus denen hervorgehen soll, daß die Angeklagten Mit- glicder des„Volkssports" bis zu dessen Auflösung waren. Die Verteidiger stellten sich gegen die Verlesung dieser Schriften. Der Vorsitzende teilte mit, daß die Schriften zuerst gesichtet und dann darüber entschieden werden soll. Die Verhandlung wurde sodann auf Montag vertagt." Antrittsaudienz des neuen Italienischen Gesandten Lany. Samstag vormittags erschien der neue italienische Gesandte Domenico de F a c e n d i s beim Präsidenten der Republik in Antrittsaudienz. Der Gesandte betonte in seiner Ansprache, daß die italienische Regierung den von der tschechoslowakischen Regierung freundschaftlich aufrecht erhaltenen unparteiischen Standpunkt würdige. In seiner Entgegnung erklärte der Präsident, daß auch die Tschechoslowakei die schweren Zeiten, die beide Nationen gemeinsam durchlebten, unter keinen politischen Umständen vergessen werde. Die Kämpfe um Adigrat dauern an. Die Abessinier, die sich in Vergne st ern verschanzt haben, leisten starken Widerstand. Auch hier haben beide Seiten große Verluste zu verzeichnen. Memel-Wahlergebnis nicht vor Montag Memel. Am Freitag abend wurde die Zählung der Umschläge, die die Stimmzettel der Memelwahlen enthalten, beendet. Die Auszählung der Stimmen nach Kandidaten begann am Samstag. Das Ergebnis der Wahlen wird für Montag abend erwartet. Sir Hoare lehnt ab London. Wie jetzt bekannt wird, hat der italienische Botschafter Grandi am Freitag bei seiner Borsprache dem britischen Außenminister Sir Hoare ein neues Verhandlungsangebot überreicht. Dieses soll in einer sehr herzlich gehaltenen Botschaft Mussolinis bestehen, worin er erklärt, daß er nach wie vor darauf bedacht sei, wenn möglich in voller Uebereinstimmung mit der englischen und der französischen Regierung, jeden Schritt zu vermeiden, der zu einer Ausdehnung des Streitfalles führen könnte. Wenn es nach ihm ginge, so würde der Streit„örtlich begrenzt" und verhindert werden, daß sich ein Kolonialkrieg zu einem allgemeinen Krieg entwickelt. Mussolini schlägt weiters vor, die gegenwärtige Spannung im Mittelmeer dadurch zu beseitigen, daß all« getroffenen Vorsichtsmatz- Von den anderen Fronten AddisAbeba. I« der Rächt auf Samstag hat sich nach und nach eine sehr erbitterte Schlacht in der D a n a- k i l-Gegend, insbesondere bei Asfabu entwickelt. Beide Parteien erlitten schwere Verluste, die nichtamtlichen Berichten zufolge aus Seite der Abessinier 1300, auf italienischer Seite 700 Tote betrage». An der Südfront(an der Grenze zwischen der abessinischen Provinz O g a d e n und Italienisch Somaliland) haben die Italiener an der Dreiländergrenze Abessinien-Italienisch Somali- Britisch Kenya die Grenzstadt Dolo besetzt. Italienische Flieger bombardierten die Stadt Gorahai in Ogaden, etwa 100 Kilometer von der Grenze am Fluß Fasano. Kleine Scharmützel sind in der Umgebung von Gerlogubi, 50 Meilen nordöstlich von Gorahai, im Zuge. Berlin. Die katastrophale Lebensmittelknappheit, die von Tag zu Tag besorgniserregender wird, muß nun selbst von der gleichge schäftet en deutschen Preise e in g e st a n- ! d e n werden. Unter dem Titel„A n g st kau f'e" geben die Blätter den Bericht des amtlichen deutschen Nachrichtenbüros wieder, in dem zugegeben wird, daß eine merkliche Verknappung der Butter und des Schweinefleisches eingetreten ist. Dieser bedrohliche Zustand hat den Ernährungsminister D a x r i zur Verordnung von Zwangsmaßnahmen veranlaßt, nach welchen die Butterproduzenten verpflichtet sind, zehn Prozent ihrer Erzeugung einer zwangswirtschaftlichen„Reichsstelle fi'ir Milcherzeug- niffe, Ocle und Fette" zu liefern, die die Aufgabe hat, mit ihren Vorräten an den jeweils bedrohtesten Stellen einzuspringen. Es wird aber in der gleichen amtlichen Kundmachung bereits angekündigt, daß weitere ZwangSmatznach- m e n unmittelbar bevorstehen. Das letzte„Achtel** In Berlin und anderen Großstädten herrscht unter der Bevölkerung wegen der Lebensmittelnot steigende Erregung. Man sieht in den letzten Tagen vor den Lebensmittelgeschäften die Frauen wieder in„Schlangen" ange- stellt wie in der K r i e g s z e i t. Margarine ist überhaupt nicht mehrzu haben, Butter wird nur an Stammkunden und auch an diese nur Viertelpfundweise abgegeben. Das vorhandene Schweinefett wird von den Selchern zur Wursterzeugung aufgekauft, im freien Handel ist es nicht mehr zu sehen. Ebenso geht es mit dem Schweinefleisch, das in Deutschland kaum mehr aufzutreiben ist. Die Bauern erklären, daß wegen der hohen F u t« termittelpreise die Aufzucht von Schweinen sich nicht mehr rentiere, die wenigen Mastschweine, die sie besitzen, wollen sie nicht verkaufen, da sie angesichts der Lebensmittelknapphest mit einer baldigen hohen Preissteigerung rechnen. Die staatlich festgesetzten„Höchstpreise" für Schweinefleisch und Fett erweisen sich als Farce, da allerorts wieder der übelste Schleichhandel blüht, und Lebensmittel von den Wucherern zum zwei- bis dreifachen Höchstpreis eingekauft und zu entsprechenden Preisen an jene, die sichs noch leisten können, abgegeben werden. Arbeiterfrauen gegen LA Besonders in den Berliner Proletarie r b e z i r k e n ist die Stimmung unter derk Hausfrauen maßlos erbittert. Als es in den letzten Tagen vorkam, daß Geschäfte, vor denen hunderte Frauen angestellt waren, plötzlich die Rolladen herabließen und eine Tafel mit„A u S- verkauftl" davorhängten, kam es zu Straßenkrawallen der Frauen. SA- Patrouillen, die herbeigerufen wurden, um „Ordnung zu schaffen", begnügten sich in der nahmen von beiden Seiten gleichzeitig parallel aufgehoben werden. Die militärischen Operationen verschließen nicht*den Weg zu einer neuen freundschaftlichen Erörterung mit Frankreich und England. Sir Hoare antwortete» daß di« unternommene militärische Aktion, je länger sie andauere» um so mehr den Weg zu einem Einvernehmen erschwere. Auf die Anregung» daß gleichzeitig alle im Mittelmeer auS Vorsicht ergriffenen Maßnahmen aufgehoben werden mögen» antwortete Hoareüberhauptnicht. Nach britischer Ansicht befindet sich der Streit in den Händen deS Völkerbünde- und man wünsche daher brittscherseits nicht eine Wiederaufnahme der DreimLchte-Besprechungen. Dem Vernehmen nach wird eine formelle Antwort auf Mussolinis Vorschläge nicht gegeben werden. Flieger an der Arbeit Addis Abeba bedroht Addis Abeba. Italienische FluWeug« bombardierten Samstag um 8 Uhr früh Dessie. (Kürzlich war mitgeteilt worden, daß sich dort das Hauptquartier des abessinischen Kronprinzen befinde.) Dessie liegt im Gebirge an der von Adua und Adigrat nach Addis Abeba führenden Verkehrsstraße. Sieben italienische Flugzeuge überflogen den Ort HajaFedschije, welcher nur 70 Meilen von der abessinischen Hauptstadt entfernt ist. Andere italienische Flugzeuge zerstörten durch Bombenabwurf die abessinische Sendrstafion m Kuarati in der Provinz Ogadon. Zwei» hu n d e r t Personen sollen hier umS Leben gekommen sei«. Addis Abeba. Eine abessinische amtliche Meldung teilt mit, daß das Fliegerbombar- drment von Adua insgesamt 63 Opfer an Menschenleben gefordert hat. Regel damit, die umliegenden Straßen abzuriegeln. Daß die LebenSmittelnot sich keineswegs auf Fett und Butter beschränkt, beweist ein sehr ausführlicher Bericht' des Berliner Korrespondenten der bürgerlichen dänischen Tageszeitung„Politiken", in dem die einzelnen Preissteigerungen aufgezählt sind. Danach istSchinken imPreis von 30 Pfennig pro Viertelpfund auf 60 Pfennig, also auf das Doppelte gestiegen, Ochsest« l e b e r von 90 Pfennigen auf 1 Mark 30. In den Volksspeisehallen der Firma Aschinger wurden die Preise in den letzten Tagen um 20 bis 30 Prozent hinaufgesetzt. Eier kosten jetzt bereits 40 Pfennige(3 KCl) pro Stück, Obst ist im Preise um durchschnittlich 50 Prozent gestiegen. Wer Ist schuld? Im Zusammenhang mit den Lebensrnittel* schwierigkeiten wird gegen D a r r i Sturm gelaufen. Diese Unzufritdenheit geht nicht Nur von der Masse aus, sondern auch von führenden Parteikreisen. Man wirft ihm vür, daß er den Devisenbedarf für die Einfuhr von Agrarprodukten zu niedrig angegeben habe, weil er im Interesse der— unerreichbaren— agrarischen Autarkie und einer Hochhaltung der Preise für landwirtschaftliche Produkte keine Lebensmittel hereinlassen will. Darin treffen sich sein« Intentionen mit denen Schachts, der Devisen sparen will und sparen muß. Teils ist auch das indirekt eine Auswirkung der Agrarpolitik, denn der gesunkene landwirtschaftliche Import führte zu einem Sinken des industriellen Exports. Teils aber liegt eS an dem Devisenbedarf für die Zwecke der Rüstungspolitik. Wenn man also genau sein will, so muß man sagen, daß für die Lebensmittelknappheit, insbesondere die Fleischund Fettknappheit, Darrs und Schacht und Blomberg, also das ganze Regime verantwortlich ist. Goebbels bagatellisiert Lebensmlttelknappheit Hannover. Reichsminister Dr. Goebbels hielt Samstag am Vorabend des Erntedankfestes vor Bauern und Landarbeitern eine Rede, in der er u. a. ausführte: Daß sich hier und da auf dem deutschen Lebensmittelmarkt Verknappungser- s ch einungen zeigen können, ist ganz natürlich. Wenn zur Zeit in Deutschland zehn Prozent der zum Verbrauch erforderlichen Butter« mxnge fehlen, so glaube ich, daß bei der notwendigen Disziplin das deutsche Bolt diesen„kleinen Fehlbetrag"(l) ertragen könnte. Wenn aber manche Hausfrauen in eine Angstpsychose verfallen und Butter hamstern, so müßten die Regierung und die Oeffentlichkeit eingreifen, um diesen Schädlingen das Handwerk zu legen. Ein Nazlfflusblatt— der Schuschnlsssturmscharen wirbt österreichische„Freiwillige für Mussolinis Afrikaarmee“ Wien. In den Straßen Wiens wurden gestern Unmengen von Flugblättern verstreut, die von der„Zentralleitung der o st• märkischen Sturmscharen"(der monarchistischen Spezialtruppe Sch u s ch n i g g S) unterzeichnet waren und in welchen zum freiwilligen Eintritt in den italienischen Kriegsdienst aufgefordert wurde. Die ostmärkischen Sturmscharen, heißt es in diesen Flugblättern, wurden von BundeSkanz« ler Schuschnigg und von Mussolini aufgefordert» ein Expeditionskorps zur Hilfeleistung Italiens im abessinischen Krieg auszurüsten. Den österreichischen Freiwilligen wird hoherSold und das Recht zur Führung der österreichischen Farben versprochen. Ganz gleiche Flugblätter wurden mit einem Brief, der ebenfalls die Unterschrift der Zen« tralleitung der ostmärkischen Sturmscharen trug, an zahlreiche Landpfarrämter geschickt. Die Pfarrer wurden in diesem Brief ersucht, den Appell zum Eintritt in die italienische Armee in der heutigen Sonntagspredigt zu verlesen. ' Das Flugblatt war, wie die Regierung Schuschnigg nun amtlich und im Rundfunk verlautbaren läßt— vondenNaziSherge- stellt und verbreitet worden. Neuwahl in Dänemark Arbeiterregierung appelliert ans Volk Seit sechseinhalb Jahren regiert die sozialdemokratische Partei zusammen mit der kleinen Gruppe der Radikalen Dänemark. Ministerprä« sident ist all diese Zeit unser Genosse Stau« n i n g. Der Zusammenschluß der Bauernpartei —.Benstre"(gleich: Linke)— mit den Konservativen zur Opposition gegen die Regierung gibt diesen beiden Parteien die Möglichkeit, ihre Bier-Stimmen-Mehrheitim Oberhaus(Landsthing) zur Sabotierung aller Beschlüsse des Unterhauses(Filkething) auszunutzen, und das hat Stauning veranlaßt, die Auflösung des Folkething zum 21. Ofiober zu verkünden und seine Neuwahl auf den Tag darauf anzusetzen. Bereits einmal, 1932, hat das Kabinett Stauning vor Ablauf der Wahlperiode an das Volk appelliert. Die Wahl ergab eine Stärkung der sozialdemokratisch-radikalen Mehrheit. Diese betrug seitdem 76 zu 74. Man erwartet vom 22. Oktober einen neuen Erfolg der Mehrheit, die es zuwegegebracht hat, die Folgen der Weltkrise für Dänemark erheblich zu linderm Trotzdem stellt die Bauernpartei immer-weitergehende Forderungen, zu deren Durchsetzung sie im Sommer den Protestaufmarsch nach Kopenhagen mit verfassungswidriger Anrufung des König zur Einmischung in die Staatspolitik veranstaltete. Bestätigt die Neuwahl die Regierung Stauning in ihrem Amt, so kann sie gestärkt daran gehen, dem Landsthing di« Macht zur Sabotage zu nehmen. Der bereits veröffentlichte Staatsvoranschlag fiir 1936-37 weist einen Ueberschuß von 14.4 Millionen AL auf, ohne daß neue Anleihen oder Steuern vorgesehen wären. Die französische Antwort Gegenstand weiterer Verhandlungen London. Der französische Botschafter Carbin fand sich Samstag beim britischen Autzenamt«in, um die Antwort der französischen Regierung auf die britische Anfrage vom 1. d. Pt. über die Zusammenarbeit der beiden Großmächte im Mittel« meer zu überreichen. Die ftanzösische Note wird vor der kommenden Woche nicht veröffentlicht werden, da einerseits deren amtliche englische Übersetzung noch sticht genehmigt worden ist, andererseitS'weil beide Regierungen noch über einige Punkte derNoteverhandeln sollen. Französischer Bahnschutz Dschibuti. Zweihundert französische Weiße Soldaten gehen Sonntag nach Dieredava, dem Hauptbahnhofe auf der Strecke Dschibuti- Addis Abeba ab, wo in normalen Zeiten eine zahlreiche europäische Bevölkerung wohnt. Sowjetjournallsten In Prag Prag. Am Samstag abends traf eine Delegation von dreizehn Sowjetjournallsten und Schriftstellern in Prag zum Gegenbesuch ein. Der Führer der Delegation ist Michael K o l tz o w. Zu ihrer Begrüßung hatten sich u. a. der russische Gesandte Alexandrowsks, Senatspräsident Dr. Soukup, hohe Beamte des Außenministeriums, die Mitglieder des Klubs der außenpolitischen Redakteure und sonstige Journalisten eingefunden. Ansprachen hielten Senator Pichl, der Syndikus^>er tschechoflowokischen Journalisten und Direktor S v i h o v s k h. Namens der Delegation antwortete Koltzow. Einer der Gäste, Redakteur Fadejew, hat von Wladiwostok auS einen Weg von 10.500 Kilometer zurückgelegt. Bor dem Bahnhof wurden di« Gäste von einer großen Menschenmenge herzlich begrüßt. „Butter ausverkauft“— im Dritten Reich In Berlin steht man wieder Schlange— Weder Fett noch Schweinefleisch— Krawalle vor Lebensmittelgeschäften Seite 4 Sonntag, 6. Oktober 1935 Nr. 233 Iszunz Lies Kor.sumentenbelrates Der Beirat für Konsumcntenfragen befaßte sich am Samstag im Fürsorgeministerium mit aktuellen Wirtschaftsproblemen, vor allem mit Preis-und Ernährungsfragen. Fürsorgeminister Genosse Jng. N e c a s wies auf die Wichtigkeit des Preisproblems nicht nur für den Konsum, sondern auch für die Produktion und für den Absatz hin. Die Regierung bemühe sich, eine Losung zu finden, die den Konsumenten befriedigt, ohne die schwer erreichte Rentabilität der Erzeugung zu bedrohen. Am konkreten Beispiel zeigte er auf, wie sich die Preise in einer ganzen Reihe von Geschäftszweigen unter dem Druck der Krise entwickelten und wie andererseits die durch Kartelle usw. gebundenen Preise unbeweglich blieben, so daß sich heute große Ungleichheiten zeigen, deren Beseitigung auf Schwierigkeiten stößt, weil hier die kompliziertestenZusammenhänge vorliegen.die keine radikale, sondern nur eine allmähliche Lösung zulassen. Die Novellierung des Kartellgesetzes wird vorbereitet, um es zu ermöglichen, aus größerer Nähe in die Preiskalkulation einzudringen und die einzelnen Ursachen der Starrheit der Preise festzustellen. Man müsse aber dem Konsum auch von de: anderen Seite her der Bevölkerung der Einkommen und durch Arbeitsbeschaffung helfen. Nach der Kundgebung des Ministers wurde über aktuelle Wirtschaftsfragen verhandelt und vor allem die Notwendigkeit festgestellt, genügend Margarine sicherzustellen, da die Kunstfctte bei dem gegenwärtigen Stand der Kaufkraft niemals weder durch Butter noch durch Fett ersetzt werden können. Weiter wurde die Notwendigkeit betont, durch eine Zollherabsetzung eine regulierte Einfuhr von Vieh für die Versorgung der mittellosen Bevölkerungsschichten zu ermöglichen. Ferner wurde über die Kartoffelpreise bzw. die Einfuhr von Mqrtoffeln verhandelt unö" konstatiert, daß mit allen geeigneten Mitteln die Stabilität der Mehl- und Brotpreise gesichert werden muß. Der Beirat sprach sich entschieden gegeneineMilch- preiserhöhung aus; er erblickt in der Herabsetzung der Futtermittelpreise den einzig möglichen Weg, um die Rentabilität der Milchproduktion zu verbessern. Geheuerter Stand der Staatsbahnen Die Wirtschaftsgebarung der Staatsbahnen weist für den Monat Juli 1933 neuerdings eine Erhöhung der Betriebseinnahmen auf. Die Erhöhung beträgt gegenüber dem Juni d. I. 9,11 Prozent, gegenüber dem Juli des Vorjahres 5,22 Prozent. Die Einnahmen aus dem Personenverkehr betrugen im Juli(im Vergleich zum Juli 1934)- 83(plus 8,3) Millionen, aus dem Frachtenverkehr 167,6(plus 12,3) Millionen; sonstige Verkehrseinnahmen 45,6(minus 6,9) Millionen. Gesamtsumme der Betriebseinnahmen 296,2(pluS 14,7) Millionen. Die Betriebsausgaben, in denen diesmal das vierteljährig vorausbezahlte Quartiergeld enthalten ist, betragen ohne die Abschreibungsquote 300(plus 5) Millionen Kt. Die Personalausgaben haben sich um 2.3, die Sachausgaben um 2,7 Millionen Kä erhöht. Im Juli wurden insgesamt 16 Millionen Reisende befördert, das ist gegenüber dem Vorjahre um 1.7 Millionen weniger. Dieser Rückgang ist aber in erster Linie darauf zurückzuführen, daß im Vorjahre aus Anlaß der Arbeiterolympiade der Personenverkehr außerordentlich hoch war. Wenn trotzdem die Einnahmen aus dem Personenverkehr gestiegen sind, so geht das darauf zurück, daß einerseits bei der Olympiade sehr erhebliche Fahrpreisermäßigungen gewährt wurden, andererseits Heuer mit Beginn der Sommerferien sich die Zahl der Rundreisekarten namentlich auf große Entfernungen vermehrt hat und auch die Schnell- und Eilzüge häufiger benützt wurden. Der Gütertransport erfaßte 3,3 Millionen Tonnen, das ist um rund 246.000 Tonnen mehr als im Vorjahre. Di« Zahl der Angestellten ist gegenüber dem Juni 1935 um 1953, gegenüber dem Juli 1934 um 5277 gestiegen, was fast zur Gänze auf die Aufnahme von Vertragsarbeitern im Streckenerhaltungsdienst zurückzuführen ist. Vom 1. Jänner bis 31. Juli 1935 betrugen die Betriebseinnahmen 1724.5(plus 55.5) Millionen, die Betriebsausgaben 1888.5(plus 26.2) Millionen. Beirat für Bauförderung konstituiert. Am Samstag fand im Fürsorgeministerium die konstituierende Sitzung des Beirates fürBau- förderung statt. Fürsorgeminister Genosse Nekas führte u. a. aus, daß die Belebung der Baubewegung auch ein Mittel sei, um die Arbeitslosigkeit zu lindern. Aufgabe des Beirates werde es sein, nachzuprüfen, warum sich in der Baubewegung in letzter Zeit«ine fast absolute Stagnation zeige, und Anregungen zu geben, wie man wieder das Jntereffe an der Baubewegung namentlich bei den breitesten Schichten wachrufen könne. Die erste Gelegenheit zur Mitarbeit werde der Beirat schon in nächster Zeit bei der Novellierung des Bauförderungsgesetzes und der Verordnung über Steuererleichterungen bei Hausreparaturen haben. Auch die gesetzliche Regelung der Ansiedlung von Arbeitslosen werde Gegenstand der Verhandlungen des Beirates bilden. Die Mitglieder des Beirates sind durchwegs Fachleute aus dem praktischen Leben, Streikende Farmer in USA sperren die Milchzufuhr nach den Großstädten New Dork. Aus verschiedenen Landesteilen wird heute eine Zunahme der Streikunruhen gemeldet. In verschiedenen Bezirken drohen neue Ausstände. In New Orleans kam es wiederum zu blutigen Unruhen streikender Hafenarbeiter. Dabei wurde eine Person getötet, zahlreiche Personen trugen Verletzungen davon. In Jllionis und Wisconsin versperrten streikende Milchfarmer vielfach die Landstraßen, um die Milchzufuhr nach den Großstädten zu verhindern. Auf zahlreichen Milchfarmen goßen die Streikenden Petroleum in die Milchkannen, um die Milch unbrauchbar zu machen. Bei Ke« nosha in Wisconsin versuchte eine Farmergruppe mehrere Milchlastwagen anzuhalten. Bei dem Zusammenstoß wurde ein Farmer getötet. Das Ziel des Streiks ist eine Erhöhung der Milchpreise. Bombenerfolg sicher! War die Mitwirkung der Wehrmacht beim Hitlerschen„Parteitag der Freiheit" allenfalls noch zu verstehen, so nimmt ihre propagandistische Einbeziehung in das großangelegte deutsche Erntedankfest auf dem Bückeberg bereits wieder geradezu groteske Formen an. Die eigentliche Feier am 6. Oktober wird programmgemäß den folgenden erhebenden Anfang nehmen: „Gegen 12 Uhr: Eintreffen Adolf Hitlers auf. dem Kundgebungsgelände. Eine Batterie feuert bei seinem Eintreffen Salut." Sodann wird eine Ehrenkomganie abgeschritten, und endlich gehts richtig los:.DreiKnallbomben geben das , Zeichen zur Eröffnung der Kundgebung." Nachdem dann Herr Hitler mit einer„Erntekrone" und Herr Darre bloß mit einem „Erntekranz" dekoriert werden sein wer- den und nachdem der unvermeidliche Goebbels geredet haben wird, findet über den versammelten Bauernschädeln ein„Begrüßungs- flugvonsiebenStaffelnder Luftwaffe" statt. ^„Während des Vorbeiflug- spielen die M u- sikkorps einen F l i e g e r m a r s ch, bis eine Knallbombe den Beginn der g r o ß e n Gefechtsübung der Webrmacht verkündet. Schlußzeichen"für die Gefechtsübung: eine Knal^lbombe." Danach„begibt" sich der Führer zu einer Tri- büne und redet:"„Rede Adolf-Hitlers. National- Hymnen. Abschuß von 3 0 0 Fallschirm- bomben." Inzwischen wird es Abend, der Führer schreitet wieder eine Ehrenkom- P a g n i e ab, und den Beschluß bilden„große r Zapfenstreich" und„großes Feuerwerk". Die Zahl der e n d g ü l t i- gen Schlußbomben wurde allerdings nicht mitgeteilt, der Improvisation steht also noch Tür und Tor offen. Der deutsche Bauer aber wird, so denken wir nach diesem Goebbels-Pro- gramm, beruhigt von dannen ziehen mit dem Gefühl, daß die Regierung nichts unversucht lassen wird, neben vielem andern auch die deutsche^rnte in die Lust zu Puffen. Den glei- chen Eindruck dürsten auch diejenigen sonstigen „Volksgenossen" haben, die bei einem Erntedankfest weniger an Bomben und Fliegerstaffeln denken als daran, daß in Deutschland eine recht erhebliche Lebensmittelknappheit herrscht und von der Regierung weniger„knallig" behoben werden sollte. Neue Grubenexplosion in Herne. Auf der Zeche„Mont Cemn" in Herne-Sodingen ereignete sich Samstag früh wieder eine Explosion, welcher der Betriebsführer und ein Berg- assessor zum Opfer fielen. Die beiden Verunglückten, die zur Besichtigung eines Branddammes in die Grube eingefahren waren, konnten in kürzester Zeit geborgen werden, doch hatten die sofort angestellten Wiederbelebungsversuche keinen Erfolg. Heikry de Jouvcnel gestorben. Der französische Politiker Senator Henryde Iou- v e n e I erlag Freitag mitternachts in Paris einem Herzschlag. Er fiel plötzlich auf der Gasse in der Nähe des Theaters Marigny um. Wachleute führten ihn mit einem herbeigerufenen Auto ins Krankenhaus, wo sein Tod konstatiert wurde. Jouvcnel ist einer der Vorkämpfer für ein Bündnis zwischen Frankreich und Italien gewesen. Noch in seinen letzten Lebenstagen veröffentlichte er erbitterte Artikel, um den Plan von Sanktionen gegen Muflolini zu bekämpfen. Krim—Prag in einem Flugtag. Nach seinem Besuche in Rußland ist das Flugzeug der Masaryk-Flugliga mit seiner fünfgliedrigen Besatzung, d. i. Chefpilot der Masaryk-Flugliga Kostale k, Generalsekretär Syne cjij. Jng. Elsnic, Jng. P e st a und R a s i n ran Freitag zurückgekehrt. Die Flieger starteten um 8 Uhr aus der Halbinsel Krim und setzten nach einer Zwischenlandung in Krakau um 14.40 Uhr den Flug nach Prag fort,-wo sie um 17.30 Uhr eintrafen. Englische Dampfer meiden Neapel. Wie Reuter aus Neapel meldet, haben die drei in Neapel fälligen englischen Vergnügungsdampfer „Strathmore",„Franconie" und„Atlantic" ihrenKurs im letzten Augenblick geändert und sich nach nichtitalienischen' Häfen gewandt. Auch der amerikanische Dampfer „Präsident Hyaes", der sich zur Zeit auf einer Weltreise befindet, wird auf Anweisung aus Washington Marseille an Stelle Neapel anlaufen. Die Wasserversorgung der italienischen Truppen. Die Wasserversorgung ist für die italienische. Heeresleitung in Ostafrika eines der wichtigsten Probleme. Für jeden Mann sollen täglich 10, für jedes Tier 20" Liter Wasser zur Verfügung gestellt werden. Das bedeutet bei 120.000 Mann und 60.000 Maultieren, Pferden und Kamelen einen täglichen Bedarf von 2400 Tonnen Wasser! Daher bringen eigene Dampfer Wasser heran, man destilliert Meerwasser, man hat ungezählte neue Brunnen gegraben, Wasserbehälter und Wasserleitungen gebaut. Den marschierenden Truppen folgen Autozisternen, motorisierte Wassertanks, die die Soldaten zu versorgen haben. Dennoch bereitet es die allergrößten Schwierigkeiten, die nötigen Quantitäten hcrbeizuschaffen. Straßenbahnkätastrophe in Stuttgart. Freitag abends sprang in Stuttgart ein SSraß'enbLW- wagen in einer Kurve auf abschüssiger Strecke aus den Schienen, fuhr mit voller Geschwindigkeit etwa 30 Meter auf dem Pflaster weiter und stürzte um. Dabei wurden zwei Personen getötet und 45 verletzt. Rekordflug bei 60 Grad Kälte. Der bekannte sowjetrussische Flieger Kokinaki stieg Freitag mit einem einmotorigen Flugzeug in eine Höhe von 11.800 Meter auf und verweilte dort eine ziemlich lange Zeit. Die Temperatur betrug dort 6 O Grad unter Null. Gattenmord— in„Notwehr". Der Oberstleutnant a. D. K o m j a t h y hatte sich Samstag vor dem Budapester Gerichtshof wegen Gattenmordes zu verantworten, weil er im Laufe eines Familienstreites seine Frau erschossen hat. Der Angeklagte verteidigte sich damit, daß er in Notwehr gehandelt habe, weil die e r st enSchüsse seine Frau auf ihn abgegeben hätte. Der Gerichtshof nahm Notwehr als erwiesen an und sprach den Angeklagten frei. Harakiri eines japanischen OffiAers. Der 49 Jahre alte japanische Oberst Damada hat Selbstmord, durch Harakiri begangen. Damqda war Abteilungschef im Kriegsministerium unter General Nagata, der kürzlich von Oberst Aizawa kn seinem Dienstzimmer getötet wurde. Wie es j heißt, fühlte sich Damada mitverantwort» I lich für den Tod Nagatas. Auch Taufen verboten! Der„Judenkenner" I verlangt, daß auch die Taufe der Juden rückgän- I gig gemacht und weitere Taufen verboten wer-] den. Die Kirchen hätten dieser versteckten„Ras- I senschande" Vorschub geleistet. Aus 42.000 feit I 1903 geschlossenen Mischehen seien 100.000 Kin- I der entsprungen. Nach drei Generationen wür- I den insgesamt drei Millionen Mischlinge her- I Umläufen. Die Zahl der Taufen betrage seit 1 1908 zirka 40.000. Schlechte Aussichten für werdende Mittelschvl- i lehrer. Das Ministerium für Schulwesen und Volks- 1 kultur macht die Abiturienten der Mittelschulen, die I sich dem Lehrerberufe an Mittelschulen widmen wol- I len, aufmerksam, daß der Bedarf an Mittelschul- I Professoren für lange Zeit hinaus an geprüften bis- 1 her nicht angestellten Professur-Kandidaten aller I Gruppen gedeckt ist. Ein vorübergehender Mangel 1 zeigt sich jetzt nur für Lehrer aus Deutsch und Latein a in Verbindung mit einer modernen Sprache an 1 Mittelschulen mit tschechoslowakischer Unterrichts-,» spräche und für Lehrer aus Tschechisch mit einem» wissenschaftlichen Fach an Mittelschulen mit deutscher V Unterrichtssprache. DaS Wetter. Die Wärme, welche sich am Frei« I tag aus Südosteuropa gegen unsere Gebiete auszu- 1 breiten begann, hat Samstag im mittleren und öst« I lichen Teil der Republik ihren Höhepunkt erreicht. 1 Die Temperatur stieg dort auf 24 bis 27 Grad an. 1 Aus Jugoslawien wurden bis zu 82 Grad gemeldet 1 und auch in Ungarn und Rumänien erreichte die> Temperatur stellenweise 80 Grad. Gleichzeitig ist H nach Böhmen vom Westen her etwas kühlere Lust bei 1 ziemlich starkem Druckanstieg eingedrungen. Eine» merkbare Abkühlung ist jedoch nur auf den Bergen 1 eingetreten. Stellenweise hat es dabei ein wenig 1 geregnet. Der Zufluß warmer Luft aus dem Süd- I "osten gegen das Karpathengebiet dürfte nunmehr all- I mählich aufhören.— WahrscheinlichesWet- 1 ter von heute: Wechselnd bewölkt, im Westen M strichweise wieder aufklärend, in den Tälern mor-| gens vielfach neblig, trocken oder nur ganz verein- 1 zelt geringfügig Regen. Mäßig bis ziemlich warm. I Im mittleren und östlichen Teil des Staates im all-» gemeinen kühler und Abflauen des Windes.— a Wetteraussichten für Montag: Keine I größere Aenderung. Vom Rundfunk Impfahlanswartas au»«Ian Prosrammaat Montag: Prag, Sender L: 10.05: Deutsche Presse, 1 10.05: Schulfunk, 11: Schallplatten: Smetana, 1 15: Schallplatten, 17: Kinderftunde, 17.40: Opern»] anen, 18.10: Deutsche Sendung: Dr. Schwarz-« wald: Kall man Briefe schreiben?, 18.25:- aus I dem Manuskript: Lieder von Haas, 18.45: Deutsche I Presse, 19.15: Englisch für Anfänger, 22.20: Tsche-] chisch für Deutsche, 22.40: deutsche Nachrichten. I Sender S: 7.30: Salonorchester, 14: Chansons, I 14.20: heitere Schallplattensendung, 19.10: Kla- 1 Vierkonzert:— Brünn 13.36: Arbeitsmarkt und I Sozialinformationen, 17.'40: Deutsche Sendung: W Reichmann: Unser Wald und seine Bedeutung für» Volk und Staat, 19.30: wir spielen auf allen In« I ftrumenten.— Mährisch-Oftrau 17: Kinderstunde, I 18.10: Deutsche Sendung: Arbeiterfunk: fl Kamler: Der Arbeiterverlag Gutenberg.— 1 Preßburg 16.10: Orchesterkonzert. Dienstag: Prag, Sender L: 10.05: Deutsche Presse, 11.05: 1 Deutscher Schulfunk, 12.10: Schallplatte»: Dvorak, 1 13.40: Unterhaltungsmusik, 17:Jug«ndfunk,18.10: 1 Deutsche Sendung: Wirtschaftliches Relief von Dr. i Zak, 18.20: Kammermusik, 20.20: Konzert deS 1 Prager Rundfunkorchesters, 22.15: Tanzmusik.] Sender S: 7.30: Leichte Musik, 14.15: Deutsche I Sendung: Dr. Libora: Des Lichtbildners Herbstpro- I gramm, 14.30: Leichte"Musik, 18: Schrammel- I konzert.— Brünn 17.40: Deutsch« Sendung: A r« V beiterfunk: soziale Informationen, Lederer:» über Altenberg und sein Schaffen.— Prehburg I 17.50: Klavierkonzert. Kriegsschiffe in Matta I Die nächsten Tage werden über Englands Haltung zum italienisch-abessinischen Kriege entscheiden, Falls ii.'■ I es zu einschneidenden Sanktionen kommt, dann wird die Insel Malta, Englands Hauptstützpunkt im Mittelmeer/ seine strategische Bedeutung erweisen. Unser Bild zeigt die Schlachtkreuzer„Royal Oak",„Royal Sovereign",„Devonshire" und „Shropshire" im Hafen von Italia. Im Hintergrund das größte Schwimmdock der Welt, das in Deutschland gebaut wurde, aber im Jahre 1919 an England ausgeliefert werden mußt«.--»-••-••> Ii sl n tt 2 n 8 a s< e d li st v d d si § n r 6 z e l< P st u n gl st g> b d tr st u zt st S S ui gl L K r< sii F n> A N hi I N A B si w fi g d> Si c n tl e 8 A n K d g f g g a z e r r «• 'S k e s k 1 1 Nr. 233 Sonntag,'S. Oktober 1935 Sette 8 Absenz der spanischen Sozialisten Madrid. Der spanische sozialistisch« Par» lamentsklnt beschloß, sich an den Parlament-» sitzmrgen nicht zu beteiligen, solange in Spanien nicht die Brrfaffungsgarantien wiedrrhergestrllt werden. Dunkle Geschäfte zwischen Rom und Berlin Berlin.(A.P.) Durch Mittelsleute fuhrt Italien mit deutschen Stellen Verhandlungen über weitere Kriegslieferungen, und zwar insbesondere Fabrikate der Ersatzindustrien. Man spricht vor allem von Leder-Ersatz-Produkten(Pferdegeschirre, Riemenzeug usty,). Aber auch hier kommt es zu Differenzen über die Zahlungsmodalitäten, da Deutschland Devisen verlangt, während Italien in Register- und Sperrmark zahlen wollte. In der Schweiz sollen von italienischen Aufkäufern für diesen Zweck bereits große Mengen von verschiedenen Sorten dieser Mark reserviert worden sein. Der letzte Kurssturz dieser Mark soll darauf zurückzuführen sein, daß di« Aufkäufer sie jetzt wieder abstoßen müssen, da man in Deutschland auf die Bezahlung in Sperrmart nicht eingehen will. Griechenland rechnet nicht mit Neutralität Athen. Zum italienischen Vorgehen in Abesiinien schreibt das Regierungsblatt„Preia", Griechenland sei als Mitglied des Völkerbundes zur Teilnahme an Sanktionen verpflichtet. Bei einem Konflikt im Mittelmeer werde Griechenland unabwendbar zumMittel- punkt des Kriegstheaters; die Bewahrung der Neutralität Griechenlands sei kaum denkbar. Die griechischen Reeder haben den Kapitänen ihrer Schiffe die Weisung erteilt, Ladungen, die aus Italien kommen oder für dieses bestimmt sind, n i ch t an Bord zu nehmen. Die griechischen Handelsschiffe im Fernen Osten haben den Auftrag erhalten, die Rückfahrt nicht durch den Suezkanal, sondern um das Kap der Guten Hoffnung anzutreten. Mussolinis Beispiel lockt ,.. Tokio.(AP.) Die bekannte japanische Zeitung„Nishi-Mshi" fordert, daß Japan die wirtschaftliche Erschließung Niederländisch-Jndiens und der Südsee-Jnseln energischer betreibe, und zwar nicht nur im Interesse der japanischen Wirtschaft, sondern auch des nationalen Verteidigungs- Systems. Für Japan sei es im Interesse seiner Sicherheit unerläßlich, nach Süden vorzurücken und die amerikanischen RüstungchNaßnahmen in gleicher Weise zu beantworten. In Niederländisch- Jndien findet Japan Oel, Baumwolle, Wolle, Kautschuk und Eisenerze. Die Frage eines ausreichenden Schutzes der japanischen Fischerei im südlichen Pazifik müsse endlich gelöst werden. Die Fischereifahrzeuge seien im Ernstfall Mittel der nationalen Verteidigung im Pazifik, in dem Amerika nicht die Hegemonie haben dürfe. Die Naturschätze auf Borneo und Holländisch-Neu- Fischotterjagd ««ter dem B«rr««dov Nachdenkliche» zur Zivilisation Sollte es ihm— dem Fischotter, dem es höchstwahrscheinlich auf der wilden, verwegenen Jagd nach einem besonders fetten Barsch in der Moldau bis dorthin verschlagen hatte, wo die Auto-Serpentine von Barandow über verzackten Basalt und kühne Bögen von Eisen und Zement sich ins Prager Hollywood emporgeschwindelt und wo hinter den blanken Scheiben der Limousinen für Sekunden linear lackierte Augenbraunen, giftgrüne Vamp-Augen und«Lippen sichtbar werden, als hätte Gottvater sie aus puren roten Rüben erschaffen,—r— also sollte es ihm, dem Ottertier, etwa gelingen, an den Jägerstammtisch in der heimatlichen Siedlung, irgendwo weit,hinter den„Stromschnellen", zurückzukehren, so kann er etwas erzählen. Das hat so leicht noch kein Fischotter der heute lebenden Generation erlebt. Aber so ist es eb?n, wenn ein argloses Lebewesen m>t dem kollidiert, was man so gemeinhin die Kultur nennt!. Der Fischotter von Barandow und der Negus von Addis Abeba find für den, der über genügend Phantasie verfügt, doch gewissermaßen Schicksalsgefährten... Was den Fischotter betraf, so verzehrte er frohgemut und noch ein wenig erhitzt von der langen Jagd hinter dem Beutetier her seinen Barsch genau da, wo über ihm der gut genährte, wenn auch sorgenvoll dreinschauende Besitzer einer Badeanstalt, sich unablässig Hinterm Ohr krauend, gerade den Bilanz- und Schlußstrich unter dem Kassenbuch, Sommersaison 1935, zog und danach den. Arbeitern den Befehl gab, die Schwimmeaiflans hochzuziehen,— es käme ja doch keiner mehr, jetzt, Ende September. Das nun eben war des Fischotters Verhängnis, daß zivilisierte Wesen im allgemeinen nur ins Wasser gehen, wenn man ungefähr Eier in ihm sieden kann. Woher soll das ein braver Otter, der es da anders hält— und er hat ja auch das, Fell dazu — auch wissen?! Das war also sein erster Anprall gegen die kulturellen und zwilisatorischen Guinea könnten von den Holländern selbst nicht auSgebeutet werden. Daher seien diplomatische Verhandlungen mit Holland notwendig. Voraussetzung aber sei eine mächtige japanische Kriegsmarine. In kurzem werde die Admiralität eine Broschüre mit dem Titel„Achtet auf Niederlän- disch-Jndien im Interesse der nationalen Verteidigung" herausbringen. Das japanische Volk müsse sich über die Bedeutung dieser Frage so schnell wie möglich klar werden. Mexikos psrlsment gegen Italien Mexiko City. Im Zusammenhang mit den Meldungen über das Vorgehen italienischer Militärabteilungen in Abessinien nahm die mexikanische Kammer einstimmig eine Resolution an, in der das Proletariat der ganzen Welt aufgefordert wird, sich der verbrecherischen Aktion des Kapitalismus entgegenzustellen, deren verderbliche Folgen neue Kriege sein würden. Belange! Und sofort rächte sich diese Sünde an ihm. Nämlich: halb unter, halb neben dem Caisson—- solange er nämlich dort bleibt— läßt sich gut schmausen und profitabel verdaue». Wie aber, wenn eine unsichtbare Macht dies Ding plötzlich ohne begreiflichen Anlaß mit unheimlichem Quitschen total verrosteter Schrauben in die Höhe zieht. Auf jeden Fall erblickte plötzlich einer der Arbeiter dicht über dem Wasser, genau an der Stelle, wo bisher der Caisson schwamm, einen imponierend quadratischen Kopf, dicker, sstls ihn der Kater Bismarck vom Gastwirt Behounek in Radotin hat. Und ein blau-bräunlich schimmernder Fischschwanz zappelte vergeblich vor gesträubten Schnurrbarthaaren gegen das Schicksal an, ganz verschlungen zu werden. Was da vielleicht ein weitläufig Verwandter, Cousin oder so etwas des Flußgottes, ein wenig auf Besuch aus fernem Land herübergekommen? Beim heiligen. Nepomuk, der dieses dunkle und der Geschichte heilige, wenn auch nicht immer apothekerreine Wasser vieldutzendfach über schönen alten Brückenbogen behütet und segnet, obschon es ihm seinerzeit ein allzu vorzeitiges Ende dank der bekannten, von Schweden, Preußen und anderen wilden Volksstämmen gefürchteten Hitzköpfigkeit der Prager Bevölkerung bereitete und schon flog eine dicke rostige Eisenschraube, dem ein bereits angegrautes halbes Brecheisen folgte, in die Richtung, wo der Kopf des Fremdlings sichtbar geworden. Aber der tauchte, yur ein paar wehmütige und resignierende Wasserblasen zur Oberfläche entsendend, gelassen unter. Zwiefach gerät angesichts solcher Sachlage hier der Kulturhistoriker mitten ins wilde Gestrüpp der.Philosophie und vergleichenden Geschichtsbetrachtung! Erstens einmal—: Fremdartigkeit war immer der instinktsgemätze Uranfang aller Feindseligkett. Weil das doch wohl ein Kopf war, Per so gar keinem von denen glich, die sich sonst— im Unterbewußtsein des gewalttätigen Schrauben- und Eisenwerfers— zur sommerlichen Zeit in diesem Wässerlein tummeln. Köpfe mit Glatzen und solche mit Bubischnitt, mit Vollbärten und mit Bartbinden, mit plombierten Zähnen und mtt hörneren Brillen— nein, ein Die Stellung Spaniens Madrid.(AP.) Im Schoße der neuen spanischen Regierung herrscht in außenpolitischen Fragen keineswegs Einheitlichkeit. Gil RobleS ist unbedingt italienfreundlich, antifranzösisch und seit der englisch-italienischen Spannung auch antienglisch. Außenminister Lerroux dagegen ist seiner Tradition entsprechend nicht italophil und auch nicht hitlerfreundlich. Er galt von jeher als profranzösisch und ist demgemäß heute auch an der Seite Englands. Der neue Marineminister Rabola Molinar, ein Katalane, und Mitglied der katalanischen Liga(Campo-Gruppe), ist anti- ttalienisch und frankophil. Diese Einstellung beruht bei den Katalanen nicht nur auf Tradition, sondern auch auf wirtschaftlichen Momenten. Denn Katalonien hat in Italien einen gefährlichen Konkurrenten auf dem Weltmarkt, da es dieselben Artikel wie Italien, Südfrüchte und Reis, ausführt. so ganz und gar fremder, ungewöhnlicher- sonst nie gesehener Kopf— klatsch, bums, und der Mordstahl flog schon irgendwo hin. Hasse,, was du nicht kennst! Wie viele-Kriege mögen eigentlich seit den Tagen der Ilias nur auf dieser psychologischen Grundlage zustandegekommen sein?! Zweitens aber: der zappelnde Fischschwanz, deutlich genug vor dem Maul des unheimlichen Fremden sichtbar gewesen,— hatte er nicht die ganze verbrecherische Gesinnung deS Eindringlings allzu beweiskräftig bereits entlarvt? Ohne Patz, ohne gültige Papiere war er sicherlich bis hierher vorgedrungen. Nicht im geringsten hatten ihn weder die Zollmaut noch die Gendarmeriestation von Klein-Kuchle alteriert. Wie kann ein fremdes Subjekt einen Barsch fressen, der ihm nicht gehört?! Wenn er aber schon einen gefressen hat und er also des Lhnchtodes schuldig ist, was mag sein eigenes Fell wert sein? Gibt es nicht Staatsprämien auf erlegte Ottern? Im Gehirn jenes Zivilisierten verbanden sich auf jeden Fall blitzesschnell Instinkt und Berechnung gegen die Barbarei. So flog di« Schraube, dann das Brecheisen... Freilich zunächst noch ohne greifbaren Erfolg. Denn nach einigen zwanzig Sekunden und eben so vielen Metern geradezu gespenstischen Nicht-mehr-daseins— siehe da— schwamm unser Otter munter, jetzt schon so ziemlich in der Mitte der Moldau, den Fluß abwärts. Halloh und horidoh! Die Arbeiter und auch ihr gut genährter, aber sorgenbeschwerter Chef springen in den nächsten plumpen Kahn am Ufer und legen los. Der Fährmann— mag er schon Charon heißen — läßt die Schatten, die, na pivo gehend, bereits den Acheron zu überschreiten sich anschicken, einfach Schatten sein und begibt sich zum Gros der Schlachtflotte mitten auf dem Gewässer. Noch drei, vier Fischerschaluppen kommen hinzu. Ein sehniger Alt-Herr vom Ruderverein ReptunuS bugsiert sich elegant auf schwankem, leichtem Gefährt wie ein Torpedobootzerstörer vor die Linie der Großkampfschiffe. DaS Otter-Tier schwimmt wacker— trotz Dreadnoughts und Torpeders. Hei— jetzt holt der alte bessere Herr von NeptunuS mit dem langen Ruder nach ihm aus. Hat ihn schon? Aber nein— nur war der Fremd« Baltlkum-Pontus-Kanal? Bukarest.(AP) Der frühere Präsident der Handelskammer von Galatz hat ein großzügiges und aufsehenerregendes Projekt ausgearbeitet, das die Errichtung eines riesigen Kanals zur Verbindung von Danzig mit den Donauhäfen Galatz und B r a i l a vorsieht. Dieser Wasserweg würde um 900 Kilometer kürzer sein als der Weg von Stettin nach Sulina. Durch die Errichtung dieses Kanals würden die skandinavischen Länder mit dem Südosten Europas enger verbunden werden. Heute beträgt die Distanz vom Norden Europas bis nach Konstantinopel 3000 Kilometer, wobei über Gibraltar und durch das Mittelmeer ein enormer Umweg gemacht werden muß. Zur Realisierung des Planes müßte der P r u t v schiffbar gemacht werden, und zwar von der Stell«, an der er durch einen Kanal mit dem Dnejesto verbunden wird, bis zur Mündung in die Donau. Um den Wafferstand des Pruth zu erhöhen, müßte der S e r e t h in den Pruth geleitet werden. Nach dem Projekt würden folgende an dem zu bauenden Kanal gelegene Städte Hafenstädte werden: Thorn, Plock, Warschau, Iwangorod, Horodenka, Cernauti und Jassy. Zur Durchführung würden ungeheure Kapitalien benötigt werden. Da jedock> dieser Kanal, der die O st s e e mit dem S chwar, z e n M e e r verbinden würde, internationalen Charakter haben und sowohl den skandinavischen und baltischen Ländern als auch Deutschland und der USSR große Vorteile bringen würde, könnte die Realisierung durch eine internationale technische und finanzielle Zusammenarbeit erfolgen. Auch Polen würde dadurch«inen Zugang zum Schwarzen Meer erlangen. Für Rumänien würden sich ungeahnte Perspektiven eröffnen, da es das Verbindungsland zwischen dem Norden und Süden werden würde. Sekretär des sozialistischen MetallarbGterverban- des von Fascisten gefesselt, an ein Auw angehängt und durch die Straßen der piemontesischen Hauptstadt zu Tode geschleift wurde, wie im Feber 1928 der politische Gefangene G. Sozzi im Kerker von Perugia Jodinjektionen in den Aster bekam bis seine Eingeweide den Dienst versagten und eines qualvollen Todes swrb; nur weil er sich weigerte, seine Genossen anzugeben. Bilder mit Galgen sind unerfreulich. Maa sieht so etwas nicht gerne. Aber die Bilder von den Gehängten in Addis Abeba dürfen nicht vergessen lassen, daß der erste, der nach Wiedereinführung der Todesstrafe in Oesterreich an den Galgen kam, ein armseliger Landstreicher war. der aus Rache die Scheune eines hartherzigen Bauern angezündet hatte. Und auf Oesterreich hat, wenn wir uns nicht täuschen, Italien weit größeren Einfluß als auf Abessinien. Wenn in Europa öffentlich gehängt, geköpft und gefoltert würde, wenn Ausländer da^ bei unbehelligt photographieren dürsten, dann ließe sich sicherlich ein sehr eindrucksvolles Memorial über Barbarei im zwanzig st en Jahrhundert zusammcnstellen, nur wenige europäische Staaten würden vor einem Zivilisationsgerichtshof, den Mussolini gerne errichten möchte, bestehen, und die Jllustrazione Jtaliana würde sich hüten, daraus Auszüge zu veröffentlichen. rw. ling aus der barbarischen Sippe der Marder, Iltisse und Hermeline wieder ein wenig untergetaucht: sozusagen unter den Beinen des trainierten Sportsmannes durch! Ganz wohlgemut schnappt er zehn Meter auf der anderen Seite des ihn bedräuenden Zerstörers ein wenig von jener Luft, die auch sein Leben ausmacht. Da aber rauscht auch schon das Geschwader der schwerfälligeren Panzer heran. Charon, der Fährmann selbst, hält den Enterhaken in nerviger Faust. Ein Schlag—- ein Stoß dreißig Meter jetzt Weiter oberhalb tut wahrhaftig der Otter so, als Wollte er sich gerade wieder einen neuen Braten auf Kosten seines Gastlandes, dieses Mal einen ranken und schlanken Hecht, zulegen. Die Zivilisation gibt den Kampf gegen die Barbarei nicht auf. Wieder ist das Ottertier eingekreist von allen Seiten. Die Gesichter der Angreifer sind mittlerweile rot vor Jagdfieber und seemännischen Strapazen geworden. Das zwar prämiierte, aber noch nicht erlegt« Fell glänzte weit hinaus. Nur drei Sekunden. Dann ist der Feind wieder verschwunden. Zwei Kreuzer rammen sich schwer und die Kommodores beschuldigen sich gegenseitig des Vertragsbruches und der völkerrechtswidrigen Kriegsführung. Der Enterhaken Charons treibt hoffnungslos dem in der Herbstsonne glänzenden Hradschin zu. Ein Ruder ist am Basaltriff zerschellt. Der Otter schwimmt. Viermal war der Otter umzingelt und nach allen strategischen Regeln Hannibals, Wallensteins, Napoleons und GneisenauS verloren. Viermals hustete er seinen Verfolgern etwas von unten— was an den leicht und froh herauf-. steigenden Blasen auch für den Nichtfachmann nicht zu verkennen war. So endete denn schließlich der Kampf zwischen der Zivilisation gegen das Unzivilisierte mit z einem riesigen Mißerfolg der Zivilisation. Weil jede der beteiligten„Mächte"— so sagt man wohl in solchem Falle— daS Fell gerade nur für sich ergattern wollte, kriegte es keiner. Es gab keinen einheitlichen KriegSplan. Es gab nur einen sehr schwächlichen, sehr improvisierten Völkerbund... Und so entkam eben das Ottertier. Wenn es nun jetzt nach Abessinien schwämme und dem NeguS berichtete—? F. E. Roth. Italiener gegen die italienische Politik Ein erheblicher Teil der italienischen Nation— man schätzt etwa 9.5 Millionen— lebt im Ausland. Schon Jahrzehnte vor der Machtergreifung des Fascismus war das politische Leben unter den, meist proletarischen, italienischen Auswanderern äußerst rege. Mussolini selbst trat erstmals im Kreise italienischer Arbeiter in der Schweiz ins polittsche Leben. Diese, dem Einfluß des Regimes nur mittelbar(soweit sie Verwandte oder materielle Interessen zu schützen haben) unterworfenen Auslandsitaliener zeigen durchwegs kein Verständnis für die koloniale Abenteuerpolitik des Fascismus. Von New Dork bis Buenos Aires, von Brüssel bis Tunis regt sich, seit der afrikanische Feldzug vorbereitet wird, lebhafte Opposition in den zahlreichen Organisationen der Auslandsitaliener. Die gemeinsame Gegnerschaft und die Erkenntnis, daß die Zeit des Handelns gereist ist, haben neuerdings alle proletarischen Organisationen zusammengeführt, von der Liga für Menschenrechte bis zu den Anarchisten. Ein gemeinsamer^ nti- kriegskongretz wird am 12. und 13. Oktober zusammentreten und im Namen jener, die in der Heimat zum Schweigen verurteilt sind, deren Sinn nach Arbeit und Brot, nicht nach der «Zivilisierung" Abessiniens steht, sprechen. Dieser gemeinsame Protest ist der Ausdruck allgemeiner Ablehnung der kolonial-imperialistischen Polttik Roms, des Krieges als letzten Mittels, um eine ausweglos gewordene politische wirtschaftliche Situation des herrschenden Regimes zu überbrücken. Darüber hinaus bleiben natürlich die programmatischen und grundsätzlichen Sonderheiten der beteiligten Organisation nen gewahrt. Daher ist auch die Beteiligung der Angrchisten, die im Lande nicht über Stützpunkte verfügen, und der Liga für Menschenrechte in erst r Linie von demonstrativer Bedeutung. Engeres Zusammenwirken hat sich hingegen schon vor der Initiative zu diesem Kongreß zwischen den drei sozialistischen Gruppen ergeben. Selbst die seit Jahren sektierisch abgeschlossenen maxi- malistischen Sozialisten(Balabanoff-Gruppe) haben ihren Widerstand gegen die Aktionseinheit und damit den bisher festgehaltenen Monopolanspruch auf die Unfehlbarkeit in der Interpretation des Marxismus aufgegeben und sich dem Vorbereitungskomitee des Kongresses angeschlossen. Noch ist diese Aktionseinheit der Sozialisten nur eine Allianz der drei hiswrischen Gruppen.er italienischen Arbeiterbewegung. In Italien aber reist währenddem schon, aus Erkenntnis und der Analyse der in dreizehn Jahren fascistischer Herrschaft sich ergebenden Situation, die sozialistische Einheit des Handelns von morgen. * Abessinische und andere Greuel Schwarzer Greuel ist die große Mode im Lande der schwarzen Hemden. DaS in Genf präsentierte Memorandum enthält weniger politische Argumente als abessinische Greuelberichte, um so darzutun, daß der zivilisatorische Einfluß Italiens unerläßlich sei. Die Jllustratione Jtaliana bringt, offenbar auf höhere Anweisung, einen Auszug der daS Memorandum begleitenden Bilder; Photos von Hinrichtungen, von verstümmelten Dieben und gefesselten Verbrechern. Man ist in Rom neuerdings für die Modernisierung des Strafvollzugs in— Addis Abeba äußerst eingenommen. Es läßt sich dabei nicht leugnen, daß diese Bilder europäischem Empfinden nicht durchwegs entsprechen. In Europa werden Hinrichtungen seit einiger Zeit nicht mehr öffentlich, sondern hinter Mauern vollzogen, was die Unannehmlichkeit des Gehängtwerdens aflerdings für den Betroffenen nicht mildert. Der Unterschied zwischen Abessinien unb Europa ist daher Photographisch schwer darstellbare Man hat beispielsweise seinerzeit in Köln nicht ausgenommen, wie fünf Arbeiter um ihrer politischen Gesinnung willen hintereinander geköpft wurden, wobei, wie amtlich verlautbart, bei einem eine»weitere Schneidebewegung" notwendig war; anscheinend weil der Henker sich auf seinen Dienst mit reichlich viel Alkohol vorbereitet hatte. Niemand hat es ferner photographiert, wie in stürmischen Tezembertagen 1922 in Turin der Sette S .Sozialdemokrat* Sonntag, 6. Oktober 1835. Nr. 233 Träger Leitung DerkehrSverlrgung in Smichov. Die Direktion der Staatsbahnen in Prag teilt mit: Während der Zeit der Sperre der Kreuzungsstelle„u Andela" in Smichov wegen Reparatnrarbeiten der Strecke der elektrischen Straßenbahn werden die Autobuslinien Prag—Zbrasiav—-Novy Klin—Zupanovice—Dobkis —Pkibram in Smichov über die Zborovska, die tkida Svornosti und die Vltavskä geführt. Die Linien Prag—Beraun und Smichov—Kladno gehen über den Stefanik-Platz nach KoZike durch die Holekkova. Die Haltestelle„u Andiila" wird daber für die Linien nach Kosir zum Kinsky-Garten, für die Linien in .der Richtung Zbraslav an die Ecke Zborovska—Pa- lackcho verlegt. Die am Wege sterben. Vorgestern abends verließ der 40jährige Arbeitslose Kellner Karl Grünt aus Kobhlis seine Wohnung, um auf der Kohlenhalde bei der Kobyliser Schießstätte Kohlenabfälle zu sammeln. Als er jedoch bis zum Morgen des nächsten Tages nicht zurückkehrte, ging ihn seine Gattin suchen, und als sie beim Eingang der Halde sein Rad und seinen Sack stehen sah, in den er di« Abfälle hatte tun wollen, stieg der Verdacht eines Unglücks in ihr auf. Sie verständigte den in der Nähe befindlichen Militärposten, daß ihr Mann möglicherweise verschüttet sei. Tatsächlich fand man nach kurzer Zeit Grünt e r st i ck t auf. Die Leiche wurde ins JnsHtut für gerichtliche Medizin gebracht und das zuständige Verfahren eingeleitet. Grünt ist Vater von drei Kindern. Zwei Selbstmordkandidaten. Gestern früh wurde die 26jährige Raseursgattin Rosa Trojan aus Prag- Weinberge auf die Klinik Hynek gebracht. Sie hatte sich mit Leuchtgas zu vergiften versucht und war in ihrer Wohnung bereits bewußtlos aufgefunden worden.— Gestern früh warf sich der 45jährige Beamte Anton Mhflivedek aus Zijkov in der Hybernergasse vor einen Motorwagen der 7er Linie. Er wurde bewußtlos auf die Klinik Jiräsek gebracht, wo festgestellt wurde,, daß er eine Gehirnerschütterung und Rißwunden am Kopfe erlitten hatte. JCuftat und Mssen Marie Gutheil-Srhoder gestorben In ihrer thüringischen Heimat verstarb am Freitag fast sechzigjährig Marie Gutheil-Schoder, eine der bedeutendsten Frauengestalten der deutschen Opernbühne unseres Jahrhunderts. Die Gutheil-Schoder, die in den Neunzigerjähren erst am Nationaltheaier ihrer Heimatstadt Weimar ge- wirtt hatte, wurde 1900 von GustavMahler andieWienerOper gebracht, wo sie durch ihre außergewöhnliche operndrmnatische Begabung bald den Ruf der bedeutendsten Gesangsschauspielerin erwarb. Die Gutheil-Schoder, deren Glanz- partten die Carmen, Salome und Elektra, die„Tiefland"-Martha waren, wirkte weniger durch ihre Stimme leinen seltsam herbspröden Mezzosopran) als vielmehr durch ihre Darstellungskunst, die von einer genial zu, nennenden Musikalität unterstützt wurde. Gustav Mahler selber äußerte sich über die Gutheil-Schoder als hervorragendes Beispiel vom Geheimnis der Persönlichkeit also: „Sieh diese auf den ersten Mick unscheinbare Frau mit ihrer mäßigen Stimme und her sogar unsympathischen Mittellage— und jeder Ton ist Seele und in jeder Miene und Bewegung liegt eine Offenbarung des Charakters, den sie darstellen will und den sie aus dem Mittelpunkt heraus begreift und in allen Zügen umschreibt, wie es nur der Genius eines schöpferischen Wesens vermag."— Die Gutheil-Schoder(die übrigens auch am Prager Deutschen Theater wiederholt zu sehen war), hat sich vor etwa einem Jahrzehnt als Darstellerin von der Opernbühne zurückgezogen, ttat aber noch vor kurzem als Regisseurin und dramattsche Lehrerin immer wieder in den Vordergrund. „Der Aufruhr im Dorfe" als Kollektivdrama Zum 300. Todestage des spanischen Dramatikers Lope de Vega hat das tschechische Nationaltheater das Spiel von der Bauernrebellion im südspanischen Dorfe Fuente Ovejuna als interessantes Kollektivdrama aufgeführt. Der Name Fuente Ovejuna wurde durch die Auflehnung des Dorfes gegen den die Einwohner hart bedrückenden Komtur Gomez des Ritterordens Calatrava(1475) bekannt. Die Bauern töteten den Komtur, unterwarfen sich aber der Herrschaft Philipps von Aragonien, der sie dem Calattava-Orden zur Bestrafung freigab, aus der fie nur das solidarische, kollektivistische Borgehen des ganzen Dorfes, das Einstehen Aller für den Einen rettete. Für die tschechische Bühne wurde das Stück von OtakarFischer meisterhaft nachgedichtet und umgearbeitet und ein Ereignis, das beinahe 500 Jahre zurückliegt, an die heute weltbewegenden Menschheitsideen angeknüpft. Seine Verse verraten viel vom Kolorit der Zeit und der Umgebung und dennoch den Puls der Gegenwart; man hörte wieder einmal echte Dichtung von der Bühne herab. Die Uebersetzung und somit das Stück beginnt mit dem Augenblick, als der Komtur, vom siegreichen Feldzug gegen die Feste Cuidad Real zurückkehrend" wieder mit der Bedrückung des Dorfes und seinem ausschweifenden Leben beginnt, die Frauen des Dorfes und alle, die sich zu ihrem Schutze stellen, Hari verfolgt, für die Not des Dorfes aber kein Verständnis findet. Die Tochter des Vorstehers Estaban, Laurenzia, widersteht dem Wüstling, der sich am Tage ihrer Hochzeit an ihrem Bräutigam, ihrem Vater und ihr selbst rächt. Die Bauern schwören Rache; von den wildgewordenen Frauen aufgerüttelt, ziehen sie zum Hause des Komturs und üben bluttges Gericht an ihn und seiner Umgebung. Inzwischen hat sich der siegreiche Philipp mit dem Calatrava-Orden ausgesöhnt und sendet seine Richter nach dem Dgrfe, um die Mörder des Komturs zu bestrafen. Hier beginnt die kollettive Solidarität der Dorfleute, die das Unglück des Liebespaares zur Sache des ganzen Dorfes gemacht haben. Vergeblich ist die Müh/, den Namen des Mörders zu erfahren— der Name des Dorfes, den der Komtur sterbend auf der Treppe seines Hauses verflucht hatte, wurde zum Kampfruf und zur siegenden Fanfare: von den Lippen der verhörten, foltergequälten Männer, Frauen und Kinder kommt nur der eine einzige Name; Fuente Ovejuna, der Mörder sind wir, Fuente Ovejuna. F. T r ö st e r hat es zuwege gebracht, die wechselnden zwölf Bilder auf der Drehbühne in ungewöhnlich kurzer Zeit aneinanderzureihen, so daß das Tempo der Ereignisse zum Ausdruck kam. Die Regie Frejkas hätte einige eindrucksvolle Szenen geschaffen.— Störend wirtte nur das Halbdunkel, das manche Szenen nur verschwommen erscheinen ließ. Herr Stepänek gab dem Komtur kalte, schneidige, unbarmherzige Stimme, Frau Sejbalovü der Emerenzia die Anmut des Dorfkindes, das Selbstbewußtsein der Tochter d«S Dorfschulzen, der liebenden Frau und die Leidenschaft der Rächerin. (Herr Rogoz war gut in der Gestatt des königlichen'Schwächlings.) Unter den übrigen Darstellern trat Herr B e v e r k a als Mengo hervor in dem Peitschenlied und der Marterszene, Herr Karen als Esteban. Das Stück hatte zum Schlüsse einen starken Beifall, der der Idee, der Aufführung und dem Ucbersetzer galt. m. i. Die erste Zusammenkunft der deutschen und tschechischen Bühnenmitglieder findet Samstag, den 12,' b. M., um 22.15 Uhr im Manessaal statt. Es sprechen: V n o u c e k vom Mestske divadlo. Taub vom Deutschen Theater über die Aufgaben des Klubs deutscher Bühnenangehörigen. Ueber das Moskauer Theaterfestival sprechen Oberregisseur D o st a l, Oberregisseur Thein, Werich und P r u ch a(tschechisch), Regisseur Hirschfeld vom Züricher Schauspielhaus(deutsch). Den Vorsitz führen V y d r a und V a l k. Wochenspielplan des Reuen Deutsche« Theaters. Heute Sonntag nachmittags halb 3 Uhr: DieheiligeJohanna, volkstümliche Vorstellung, halb 8: Die spanische Fliege, Abonnement aufgehoben.— Montag halb 8: Ser- vuslServusl volkstümliche Vorstellung, Abonnement aufgehoben. Dienstag halb 8: DieAfrt- kanerin, AI.— Mittwoch halb 8: A r t i» st en, Erstaufführung, BI.— Donnerstag halb 8: W U R, erste Vorstell, d. neuen Abonn. CI.— Freitag halb 8:Artisten, D2.—- Samstag 7 Uhr:Tannhäuser, B2.— Wochenspielplan der Klein»« Bühn«. Heute Sonntgg 3 Uhr: Kiki, 8: Attentat.— Montag 8: I ch Habs getan, volkstümliche Vorstellung.— Dienstag 8 Uhr: Ich kenne Dich nicht mehr.— Mittwoch 8:Attentat.— Donnerstag 8%: EinQuerschnitt.— Freitag halb 8: Maria Magdalena, Theatergemeinde des Kulturverbandes und freier Verkauf.— Samstag 8: I ch kenneDich nicht mehr.’— Der Dün, Die schwarzen Augen Wenn dieser französische Film nicht eine Handlung hätte, die einem Lesebuch für Töchterschulen entnommen sein könnte laber von dem Regisseur Tourjanski stammt), dann wäre er seiner gelungenen Einzelheiten und seiner Darsteller wegen zu empfehlen. Der große Schauspieler Harry Baur zeigt hier erneut seine Kunst, indem er die Gestalt eines um die eigene Selbstbeherrschung und um das Glück seiner Tochter kämpfenden Zählkellners mit einer durch ihre Stille ergreifen^ den Dramatik darstellt. Die junge Simone(die schon in dem Film„Stürmische Jugend" auffiel) erweist sich wieder als reizvolle halbreife Mädchenfigur, und der jugendliche Liebhaber Pierre A u m o n t hat mehr Natürlichkeit als die meisten seiner Fachkollegen. Es gibt ein schönes Zusammenspiel— und viele Szenen, die Tourjanski als Regisseur mit guter Beobachtungsgabe, mit Sinn für Sttmmung und stillem Humor aufgebaut hat. Nur die Dramatik dieses Films, der im Vorkriegsrußland spielt, ist mißlungen, weil sie allzu primitiv konstruiert ist. Die Irrungen eines Mädchens,- das einem reichen Verführer beinahe zum Opfer fällt, mit Hilfe des Vaters aber(der Augenzeuge des Verführungsversuches wird) in die Arme des ehrlich liebenden Musiklehrers zurückfindet, sind weder fesselnd noch überzeugend, und werden, wie gesagt, mit lesebuchartiger Moral.serviert. —eis— Entführung Der Roman des französischen Schweizer C.-F. Ramuz„Die Scheidung der Rassen", den dieser Schweizer Film auf die Leinwand bringen wollte, ist nicht nur eine dichterische eigenartige, sondern gerade heute interessante Erzählung. Wie Heinrich Manns„Zwischen den Rassen" lange vor der po- litischen Machtergreifung gewaltsamer Rassentheoretiker geschrieben, gibt sie am Beispiel zweier feindlicher Dörfer, die an der deutsch-welschen Völkergrenze liegen, ein von realistischen Voraussetzungen zu mythischer lleberwirklichkeit aufsteigendes Epos des Rassengegensatzes, nicht etwa des modischen Gegensatzes von arisch und nichtarisch, sondern der durch Sprache und Geschichte bestimmten Scheidung der Romanen von den Germanen. Diesseits und jenseits eines Berggipfels siedeln ihre äußersten Vorposten und stehen einander in feindseliger Fremdheit gegenüher, die ihnen zur nicht mehr erklärbaren Gewohnheit geworden ist, bis eines Tages der Welsche ein Mädchen aus dem Dorf von drüben entführt und der schon schlafende Haß von neuem erwacht. Die Geraubte will sich an dem Entführer rächen, will ihn und das ganze Dorf durch Feuer vernichten,— aber sie selbst fällt der Vernichtung auch zum Opfer, und als die Flammen die Brandstifterin und den Entführer umlodern, wird der Haß, der den Tod herbeirief, zur letzten versöhnenden Liebe. Sicher hätte sich aus dieser Handlung ein pak- kender Film machen lasten, und es ist zu bedauern, daß der(hier in deutscher Version vorgeführte) Film des Regisseurs Kirsanoffso mangelhaft im Aufbau und so unklar im Wechsel von Landschaft und Menschen ist, daß er zerfahren wirtt und daß die Darsteller(mit Dita P a r l o und V i t a l an der Spitze) ihre Aufgaben nicht meistern können. Immerhin ist es ein Film in deutscher Sprache, der nicht kitschig ist, ein paar gute Landschaftsaufnahmen enthält und wenigstens am Ende eindrucksvoll wird.—eis— dus- der Sartei Simone Simon, die Darstellerin der Puck in.Hell in Frauensee* spielt in dem Film„Schwarze Augen" neben Harry Baur die Haupttolle. HandarbeitskurS der Frauenorganisation. Jeden Dienstag um 4 Uhr im Parieiheim, Prag II., Na- rodni tr. 4, 3. Stock. 'üeremsiwcftckftten. O BolkSsinggemeinde. Frauenchor: Probe am Dienstag um 7 Uhr abends im Vereinslokal.— Männerchor: Alle Sangesgenoffen werden dringend ersucht, an der D i e n s- tag-Prol e vollzählig teilzunehmen, da neue Chöre einstudiert werden sollen als Vorbereitung zur Mitwirkung bei der großen Akademie am Staatsfeiertag, 28. Oktober. n ies. Drei Teams, welche sehr ehrgeizig auf de« ersten Platz, sind. Es gibt aber trotzdem Mannschaften wie Peruwelz, Bruyell und F l e n u, welche nicht leicht abzuferttgen sein werden. Zusammenfaffend kann gesagt werden, daß trotz der Konkurrenz, welche der bürgerliche Verband mit der Schaffung einer Kategorie von Berufs- und Gelegenheitsspielern macht, die Moral eine gute ist und alle Schwierigketten des Arbeitersportes bewältigt werden. * Ein internationales Fußballmatch fand in Paris statt, wo der belgische Meister für 1935, RK Turnhout, ein Auswahlteam der FSGT mit 5:2 besiegen konnte. Literatur Sport-Spiel-JCorperp(fege Die Landesmeisterschaft der Arbeiterfußballer i» Belgien Die ersten Eindrücke Wir erhallen aus Brüssel nachstehenden Bericht: Wir befinden uns in der vierten Runde der Verbandsmeisterschast und der Augenblick gekommen, in dem die Reihe an den Provinzen ist. Es sind 6 7 Mannschaften, welche die Nationalmeisterschaft der ersten Division bestreiten. Sie sind in fünf Provinzen verteilt, welche außerdem noch eigene Provinzial-Meisterschaften organisieren. Man stellt dieses Jahr mit Vergnügen fest, daß drei Provinzen eine Kategorie von Schülermannschaften aufgestellt haben: in Brüssel rechnet man mit acht Jugendmannschaften, was für die Zukunft von starker Bedeutung ist. Bettachten wir di« einzelnen Provinzen: Brabant. Der Meister des vergangenen Jahres A v e n i r ist neuerdings an der Spitze und dem Verein Vilvorde um einen Punkt voraus. „Travail et spart" erfreut sich einer guten Form, während sich die„Promotions"-Mannschaft „Le Personnel Enseignant"(welche sich im vergangenen Jahre für die Division klassifizierte) schwerlich in der ersten Division behaupten wird. Große Anstrengungen haben einige Kluhs gemacht, um eine Verbesserung der Spielstärke zu erreichen. Lüttich. Ein neues Provinziallomitee ist an der Arbeit und hat sich zum Ziel gesetzt, im Laufe der beginnenden Saison 20 neue Klubs zu gewinnen. Der Platz des Meisters ist besetzt durch A w a n s, welchem diese Ehre zum ersten Male zufällt. Mons und Ans folgen. Diese sind die Anwärter für die Spitze. Die Promotionsmann- schast„Comblain" erweckt das Staunen aller wegen seiner guten Leistungen. Micheroux befindet sich an letzter Stelle. Antwerpen. Es ist für niemandem ein Geheimnis, daß diese Provinz sehr unter dem Abgang seiner besten Spieler gelitten hat, welche von den bürgerlichen Klubs„gekauft" wurden. Genn- tjes, welcher Mittelstürmer der belgischen Mannschaft gegen Frankreich gelegentlich des Festes in Heysel im letzten Juni war, itt bereits eine Stütze der bürgerlichen Mannschaft„l'Antwerp". In einer einzigen bürgerlichen Mannschaft, und zwar Renaix, werden fünf Spieler gezählt, die"bon der Arbetter- mannschaft Groen-Wit stammen. Was G r o e n- Wit keinesfalls behindert, an der Spitze der Tabelle vor Roode Zon und Stormvogels zu stehen. Letzterer ein Neuling, welcher vielversprechend ist. Turnhout, der Meister von 1935, wird stark zu kämpfen haben, um seine Chancen in den Endrunden zu verteidigen. Flandern. Die große Ueberraschung des Meisterschaftsbeginns ist die Schwäche Mouser o n s und die ausgezeichnete Form von V D B aus Gent. Auch Eendracht und Thilt sind sehr gut in Form und deren Mannschaften könnten den Meister sehr bedrängen. H a i n a u t. Trotz der großen Kosten, die sich aus der Entfernung der Mannschaften ergeben, wik- kelt sich die Meisterschaft mit einem guten Interesse ab. Bernissart führt mit einem Puntt vor Ecaussines, La Louvriöre und Guig- Eine neue Karte von Abessinien ist soeben im Verlag der Graphischen Kunstanstalt Josef Ulbricht, Schreckenstein I, erschienen. Die vorliegende Karte weicht von den üblichen Atlantenkarten durch ihre Größe, Genauigkeit und Uebersichtlichkeit erheblich ab. Sic ist in einem Maßstab von 1:5,000.000 gehalten, siebenfarbig koloriert und mit textlichen Erläuterungen zur Bevölkerungsdichte, Topographie, Gebirgsformationen, Klima, Bevölkerungsdichte und Religionsverhältnisse versehen. Selbstverständlich sind auf dieser Karte alle- Kommunikationen, Straßen, Verbindungswege, Eisenbahn, Gebirge, Seen unb sämtliche bedeutenderen Städte und Siedlungen leicht zu finden. Auch die an Abessinien angrenzenden Kolonien und Hoheitsgebiete sind zur Orientterung beigezogen. Die Karte ist bei jedem Buchhändler oder dirett beim Verlag Josef Ulbricht, Schreckenstein I, Postfach 21, zum Preise von 10 Kd zu beziehen. Filme in Prager Lichtspielhäusem Adria:„Die Nacht der Liebe". A. G. Moore. — Alfa:„Drei bengalische Reiter". A. Cooper.,— Avion:„Cleopatra". A.— Beranrk:„Neues Leben". A. Anna Sten.— Fen ix:„Die lusti, o Witwe". A. Chevalier, MacTonald.— Flora: 'Neues Leben". A. Nach Tolstoj.— Gaumont: „Susi". A. Lilian Harvey.— Hollywood:„Susi". A.— Hvözda:„Der verhängnisvolle Augenblick". Tsch.— Julis:„Schwarze Augen". Fr. Harry Baur.— Kinema: Journale, Grotesken, Reportagen. Halb 2 bis%7.— Koruna:„Das Gesetz der Dschungel". A.— Kotva:„Der Vetter von Dingsda". D.— Lurerna:„Die lustige Witwe". A. Ernst Lubitsch.— Metro:„Die Heilige uno ihr Narr". D.— Passage:„Ich liebe alle Frauen". D. Jan Kiepura.— Praha:„Charlie Chan in London" A.— Radio:„Die Katz im Sack". D.— Svitozor: „Ich lieb alle Frauen". D. Jan Kiepura.— Alma: „Mata Hari". A. Greta Garbo.— Bajkal: „Die gefährliche Blonde". A. I. Harlow.— Belvedere:„Mata Hari". A. Greta Garbo.—• Beseoa:„Die Karnevalsnacht". D.— Carlton: „Mata Hari". A.— Illusion:„Späte Lieb«". Tsch. — Kapitol:„Entführung". D.— Lido II:„Unser tägliches Brot". A. Regiq, King Vidor.—- Louvre:„Der Kosak und die Nachtigall". D.— Maceska:„Mata Hari". A.— Roxy:„Neues Leben". A. AnnaSten.— Sport:„Der weiße Adler". A.— Baldek:„Der Kosak und die Rach- ttgall". D.— Bio Veletrhy:„Der Kosak und die Nachtigall". D. VERLANGEN SIE la jeder VerkaufssteUe des Konsumvereines SELCHWAREN der Firma HEGNER& Cie., PILSEN Selchwaren der Fa.HEGNER&Cie.,Pilsen 4«sind dl« allerbesten» Verlanget überall Volkszünder Bezugsbedingungen: Bei Zustellung tnS Haus oder bei Bezug durch die Post monatlich Kd 16.—. vierteljährig Kd 48.—, halbjährig Kd 96.—. ganzjährig Kd 192.—.— Inserate werden laut Tarif billigst berechnet. Bei öfteren Einschaltungen Preisnachlaß.— Rückstellung von Manuskripten erfolgt nur bei Einsendung der Retourmarken.— Die ZeitungSkrankatur wurde von der Post- und Tele- graphendirettion mit Erlaß Nr. 13.800/VIU1930 be willigt.— Druckerei:„Orbis". Druck-. Verlags- und ZeitungS-A.-G.. Prag.