Einzelpreis 70 Hellet (•imchlMlich I Haller Porto) ZENTRALORGAN DER DEUTSCHEN SOZIALDEMOKRATISCHEN ARBEITERPARTEI IN DER TSCHECHOSLOWAKISCHEN REPUBLIK ERSCHEINT MIT AUSNAHME DES MONTAG TÄGLICH FRÜH. Redaktion und Verwaltung präg xii., fochova 62. telefon swn. HERAUSGEBER! SIEGFRIED TAUB. CHEFREDAKTEUR! WILHELM NIESSNER. VERANTWORTLICHER REDAKTEUR! DR. EMIL STRAUSS. PRAG. 15 Zahrgang Dienstag, 8. Oktober 1935 Nr. 234 6snf s’ellt einstimmig fest: Italien hat den Pakt verletzt Der Rat nimmt die Ausschußberichte an Genf.(Tsch. P. B.) Der Völkerbunds rat hat Montag abends gegen die Stimme Italiens den Bericht des Dreizehnerausschuffes gemäß Art. 15 angenommen, ferner den Bericht des Sechserausschuffes, durch den festgestellt wird, daß Italien entgegen den Verpflichtungen aus Artikel 12 z u m Kriege geschritten ist. Genf. Reuter.) Das von dem Delegierten Baron Alois» vorgebrachte italienische Ersuchen, die Aussprache über den Bericht des Sechserausschusses zu vertagen, wurde vom Völkerbundsrat abgelehnt. Zn diesem Sinne wurde ein Schreiben redigiert, in welchem Baron Aloifi darauf aufmerksam gemacht wird, daß der Krieg im Gange, daß rasches Handeln unbedingt nötig sei und daß infolgedessen sein Ersuchen abgelehnt werde. Die Feststellung, daß Italien den Artikel 12 der BundeSsatzung verletzt hat und zum Angriff übergegangen ist, leitet die Prozedur der Sanktionen eigentlich automatisch ein. Ob der Artikel 16 nun im vollen Umfang angewendet werden wird, hängt allerdings davon ab, ob sich bis Mittwoch Frankreich und England über die Sanktionen zu einigen ver- m ögen. Während England Sonderverhandlungen mit dem Friedensbrecher bisher ablehnt und in Genf auf scharfe Sanktionen drängt, verficht Laval, der ja um sein persönliches Prestige und um die Weiterexistenz seines Kabinetts kämpft, noch immer zu Verhandlungen mit Mussolini und zu einer Einigung zu gelangen. Die französische Presse vertritt die metttvürdige Auffassung, daß man Italien jetzt, da er militärisch seine Revanche für 1896 genommen habe, vielleicht durch ein grösseres Zugeständnis zum Frieden betvegen könne. Man spricht in den französischen Blättern davon, dass nur Alt-Abessinien selbständig bleiben, die von den Amhara— der Herrenschicht—- unterworfenen Stämme aber den Italienern ausgeliefert werden sollen. Auch über Alt-Abessinien will nran Italien ein Dkandat einräumen. Sollte Frankreich wirklich wagen, diese Auffassung, auch nur ernstlich zu verfechten, so würde es freilich den Begriffen der europäischenSicher- heit und des Völkerrechts den T o d e s st o ss versetzen. Denn wenn man vor dem frechen Friedensbruch Italiens es noch hätte verteidigen können, dass dem Erpresser gut- Rom. Sonntag abends veröffentlichte das Propagandaministerium ein Eommuniquee, in dem der Fall von Adua amtlich gemeldet wurde. Es heisst darin: „Heute(Sonntag) zeitlich früh eröffneten die Truppen des zweiten irationalen Armeekorps die Offensive und um 10 Uhr 30 marschierten sie in Adua ein. Auf der ganzen Kampflinie wurden bereits Verbindungen zwischen den einzelnen Heeresgruppen hergestellt." Weiter wird gemeldet, daß sich die Priesterschaft und Abordnungen der Bevölkerung im italienischen Hauptstabe ein gefunden und sich feierlich der italienischen Oberhoheit unterstellt habe. Die Meldung von dem Falle AduaS versetzte Rom und ganz Italien— zumindest nach den offiziellen Schilderungen— in einen wahren Siegrstaumel. Mussolini teilte dem König persönlich die Einnahme Aduas mit und sandte sofort an der kommandierenden General de Bono eine De- pesche, in welcher er erklärte: „Die Eroberung Aduas erfüllt alle italieni- schen Seelen mit Stolz. Du und Deine Militärabteilungen verdienen mein höchstes Lob und die Dankbarkeit der Nation." Es verlautet, dass Mussolini in den nächsten Tagen in einem besonders raschen Flugzeuge aus Rom nach Adua fliegen werde, um sich dort vor dem Andenken an die in der blutigen Schlacht des Jahres 1896 gefallenen Italiener zu verbeugen. Ein an dieses tragische Ereignis erinnernder Ge- d« n k.st e i n wurde bereits am Sonntag von den Italienern nach Adua gebracht. willig ein Stück der geforderten Prise hingeworfen wird, damit es nur nicht zum Kriege komme, so hiesse ein Zugeständnis an Italien in diesem Augenblick ja, dass man auf den Friedensbruch und die Verletzung des Völkerbundpaktcs geradezu eine Prämie aussetzt. Wenn der Völkerbund sein Prestige wahren will, so müsste er gerade jetzt erklären, dass Italien keinen Fussbreit Bodens bekonnnt, sondern sich zu fügen hat. Das bedeutet keineswegs, einen europäischen Krieg heraufzubeschwören, vielmehr jeden Krieg im Keime zu ersticken, denn Italien ist der vereinigten Macht der Genfer Dlächte nicht einen Tag lang gewach- sen. Sollte Frankreichs Standpunkt ernsthaft erörtert werden, so wäre das im voraus für Hitler dse Rechtfertigung jeder beliebigen Vertragsverletzung. Dann könnte ja auch Hitler mit gutem Grunde kalkulieren, dass man ihm, sobald er etwa Memel beseht, freiwillig noch halb Litauen dazugeben müsste, damit er wieder friedlich wird! Das„Recht" Hitlers auf Memel sicht dem Mussolinis auf Adua nicht nach. Die Franzosen würden sich wahrscheinlich sehr bedanken, wenn der Völkerbund Hitler etwa das Recht auf R,e vanche für 1918 zugestehcn würde. Billigt man aber Italien zu, dass es ein Recht hatte,„Revanche für Adua" zu nehmen, dann verliert der Völkerbund auch Hitler gegenüber seine moralische Autorität. Es hängt für Europa alles davon ab, dass Frankreich sich bis Mittwoch dem einzig möglichen britischen Standpunkt anbequemt! Am Abmd fanden große Umzüge in Rom statt, in welchen auf die italienische Armee begeisterte Hochrufe ausgebracht wurden. Eine gleiche Begeisterung gab sich auch in den übrigen Städten Italiens kund- AddisAbeba.(HavaS.) In der abessinischen Hauptstadt ist die Einnahme AduaS durch einen amtliche» Bericht bekanntgegcben worden, in welchem cs heisst, daß Sonntag um 13.30 Uhr das italienische Militär, von 20 Flugzeugen begleitet, in Adua einmarschiert ist, nachdem eS vorher Adigrat eingenommen hatte. Nach Reuter entwickelte sich der letzte Angriff, mit dem Adua eingenommen würde, bereits in den frühen Morgenstunden. Die zweite Kolonne der italienischen Armee, unterstützt durch leichte, schnell« Tanks, begann nach einer ausgiebigen Artillerievorbereitung den Angriff von den Höhen, die das Tal umgeben, in welchem Adua liegt. Durch den Angriff wurden die Abessinier zum Rückzug und zur Räumung Aduas gezwungen. Beide Seiten erlitten schwere Verluste. Reserven Im Anmarsch London. Den letzten Berichten von der abessinisch-italienischen Nordfront zufolge ist eS dm italienischen Truppm gelungm, die verschiedenen Tmppmsäulm zu einer Einheits fon t auf der Linie Adua— Entisci o— Adigrat zu vereinigen. Der gegenwärtige Stand der Operationen an der Tigre-Front scheint darauf hinzudeuten, daß ein gewisses verlangsamtes Tempo in den italienischen Vormarsch eingetreten ist. Die Italiener, die bereits 40 Kilometer in die Provinz Tigre auf einer Frontbreite von 50 Kilometer einge- drungcn sind, konsolidieren jetzt ihre Positionen auf der Linie Adua—Entiscio—Adigrat. Tausende von italienischen und eingeborenen Arbeitern errichten im Rücken der vormarschirrenden Armee eiligst Straßen, durch welche die Versorgung der italienischen Front mit Munition und Lebensmitteln gesichert werden soll. Der abessinische Oberbefehlshaber Das Sey- oum, der die Verteidigung von Adua leitete, hat sich seinerseits in einer Linie, die sich von A k s« m nach M a k a l e erstreckt, festgesetzt. Grosse abessinische Verstärkungen sollen von Fiche nach diesem Gebiet unterwegs sein. An abessinischen Regierungsstellm hegt man das Verträum, daß die 100.000 Mann starkm Abteilungen unter dem Kommando des Ras Kassas nach Italienisch-Erithrea eindringen werdm und dass es ihnen grlingm wird, die Verbindung der auf abessinischem Gebiet befindlichm italienischen Truppm mit dem Hinterland zu unterbrechen. Die it'»mischen Truppm, die Adua erobert haben, befestigen inzwischm ihre Stellrmgm. Ihre Bewegungsfreiheit wird jedoch dauernd durch abessinische Scharfschützen behindert. Bon der italimischm Seite dür Front wird frmer gemeldet, dass in den lehtm 24 Stundm ununterbrochen Tausende von italienischen Truppm dm Grenzfluss Rareb überquert haben und in der Richtung von Adua aufrückm. Train» soldatm, Pionierabteilungen und Munitionsnachschub folgm ihnm auf dem Fuße. An der Mittelfront bei Französisch Somali- lm»d durchquerm italienische Eingeborenmtruppm die Wüste vom Berg Muss» Ali nach der Provinz A u s s a in der Absicht, die Eisenbahnlinie von Addis Abeba nach Dschibuti abzuschncidm. Nach abessinischm Berichten ist in O g a d e n ein ständiger Guerillakrieg im Gange. Nach abessinischen Schätzungen beträgt die bisherige Zahl der Toten auf abessinischer Seite 6000, auf italienischer Seite 800. Elefantenfallen gegen Tanks Die Abessinier verwenden eine beim Elefantenfang benützte Methode, in dem sie auf die Wege, welche die italienischen Tanks passieren, tiefe Gräben änbringen, welche sie mit Zweigen und aufgeschüttetem Sand überdecken. Auf diese Weise sollen bereits vier italienische Tanks vernichtet und ihre Besatzung getötet worden sein. Große Geländeschwierigkeiten Der Sonderberichterstatter des Reuter- BureauS bei den italienischen Truppen in Abessinien meldet: Durch die letzten Erfolge erhielten die Italiener eine Aufmunterung, denn ihr Vorgehen erfolgt nichtobneS ch w i erigk eiten, und wie die Offiziere erklären, dürfen die« n- gehruren Hindernisse, die zu überwinden sind, nicht unterschätzt werden. Der Boden gewährt den Abessiniern alle Möglichkeiten zur Legung von Hinterhalten. Addis Abeba. Das abessinische Rote Kreuz richtete an die internationale Rote Kreuz-Zen- träle in Genf das Ansuchen, ihm monatlich 10.000 Pfund Sterling zuzuteilen, was hier für eine annähernd 750.000 Soldaten zählende Armee als ungenügend angesehen wird. •„Times" meldet aus Port Said: Die Italiener haben jetzt 25 Kriegsschiffe im Roten Meer, darunter den Kreuzer„Mranto" und vier Unterseeboote. Die anderen Fahrzeuge sind Zerstörer und Avisos sowie fleine Hilfsschiffe. In dem Raume beim Berge Maussa Ali konzentrierten die Italiener 50.000 Mann, 70 Tanks und verfügen dort über etwa 100 Flugzeuge. Labour und Kriegsgefahr Ein denkwürdiger Parteitag I. H., Brighton, Anfang Oktober. Auf dem Gewerkschaftskongreß in Margate vor vier Wochen hatte die britische Arbeiterbewegung mit überwältigender Mehrheit ihre Entschlossenheit erklärt, die Sanktionspolitik des Völkerbundes gegen den räuberischen Ueberfall Italiens auf Abessinien bis zur äussersten Konsequenz zu unterstützen. Wenige Tage später kündigte George Lansbury in den Zeitungen sttnen Entschluß an, seine Parteiführerstelle zuruckzulegcn; er hatte in Margate noch den offiziellen Parteistandpunkt vertreten, wenn auch sichtlich nicht aus vollem Herzen— und der alte Mann hatte in den 75 Jahren seines Lebens stets aus heissem Herzen Politik gemacht I Zugleich resignierte Sir Stasford Cripps, der junge Führer der„So- cialist League", der kleinen, aber ideologisch bedeutsamen Links-Organisation innerhalb der Labour Party, als Mitglied der Parteiexekutive, und Lord P o n s o n b y trat als Führer der Labour-Fraktion im Oberhaus zurück. Alle diese Rücktritte hatten ihre Ursache in dem Widerstreben gegen eine Politik, die die britische Arbeiterbewegung zur Unterstützung eines Krieges, und sei cs auch eines Krieges im Namen des Völkerbunds, führen könnte; im einzelnen waren sie verschiedenartig motiviert: bei Lansbury durchaus religiös, aus dem urchristlichen Prinzip der absoluten Gewaltlosigkeit; bei Ponsonby aus unbedingtem Pazifismus; bei Cripps und der So- cialist League aus prinzipieller Ablehnung jedes kapitalistischen Krieges, der, wie immer verkleidet, in Wahrheit nichts anderes als ein Zusammenstoß imperialistischer Interessen sein könne. Die Exekutive der Labour Party nahm den Rücktritt Sir Stafford Cripps' kühl, den Rücktritt Lord Ponsonbys mit Bedauern entgegen und forderte Lansbury auf, seiflß Führerstelle weiter zu behalten. Der unmittelbar bevorstehende Parteitag in Brighton sollte die aufgeworfenen Streitfragen endgültig klären. Ltimmen 1:20, Redner 1:1 Nach einer zwei Tage langen Debatte hat der Parteitag von Brighton soeben mit der zwanzigfachenMehrheit von 2,168.000 gegen 102.000 der vertretenen Stimmen die Politik der Partei in der Sanktionenfrage bestätigt. Die Mehrheit war noch grösser als in Margate, da in der Zwischenzeit zwei Gewerkschaften, die vor vier Wochen gegen Sanktionen gestimmt hatten, ihren Standpunkt geändert hatten.(Die Gewerkschaften bilden in England bekanntlich den Grundstock auch der politischen Pattei.) Aber wichtiger beinahe noch als dieses Ergebnis war die Debatte selbst, die, aiG ausserordentlich hohem geistigen Niveau gefuyrt, das ganze komplizierte Problem der Stellung der Arbeiterschaft zum Krieg zur Sprache brachte und daher gerade in dem jetzigen entscheidungsvollen Augenblick die Aufmerksamkeit des internationalen Proletariats in hohem Masse verdient. Die klare, durchaus realistische Völkerbundpolitik der Patteiführung auf der einen, die antiimperialistische Prinzipienpolitik der Socialist League auf der anderen Seite fand gleich in den beiden ersten Reden ihren vollen Ausdruck. Hugh D a l t o n, in der letzten Laboür-Regierung der Unterstaatssekretär Hendersons im Auhenamt, zeichnete in eindringlichen, dramattsch knappen Worten, das Bild der gegenwärtigen Lage: Die Partei hat stets von der Regierung die volle Erfüllung der Völkerbundverpflichtungen des Landes verlangt; da sie ihnen nun zum erstenmal entschieden nachkommt, ist es unsere Pflichf, sie dattn zu unterstützen. Wenn Mussolini jetzt freie Bahn bekommt, bricht das System der kollektiven Sicherheit endgültig zusammen, wir werden zu- rückgeworfen in die internationale Anarchie der Vorkriegszeit und ein neuer Weltkrieg in nächster Zukunft ist völlig unvermeidlich. Zusammen mit Sowjetrußland, zusammen mit den drei sozialistisch regierten skandinavischen Staaten, zusammen mit all den kleinen Ländern» deren Sichcr- hett von der gemeinsamen Abwehr unprovozierter Ueberfälle abhängt, muß Großbritannien die Völkerbundaktion gegen den Angreifer durchführen. Demgegenüber gab C r i p p S der Ueberzeu- gung Ausdruck, dass der Völkerbund von heute Einnahme Aduas gemeldet Ganz Italien schwimmt In Begeisterung Seite 2 Dienstag, 8. Oktober 1835 Nr. 234 nichts anderes sei als ein Werkzeug imperialistischer Interessen. Im Kapitalismus gäbe es keine internationale Rechtsordnung. Er zog die Parallele zu 1914: Damals galt es dem überfallenen Belgien zu helfen, heute ist es Abessinien; damals sollte es der»letzte" Krieg sein, um„die Welt sicher zu machen für die Demokratie"— heute soll der Krieg geführt werden um den Völker- bundpakt durchzusetzen und den Fascismus zu stürzen. Um schöne Phrasen zur Rechtfertigung von Kriegen war man niemals verlegen; aber der Imperialismus, dem sie in Wahrheit dienen, verfälscht alle Ziele. Anders stünde es, wenn eine sozialistische Regierung am Ruder wäre. Einer imperialistischen Regierung aber und der machtvollen Kriegsmaschinerie, die sie allein beherrschen würde, dürfe man die Arbeiterbewegung nicht ausliefern. Imperlalistsdi« Interessen? Auch innerhalb der Sotialist League wird diese Stellungnahme, die eine realistische Analyse der gegenwärtigen Lage vermissen Iaht, von einer Minderheit als doktrinär empfunden. Es wqr Sir Charles T r e v e l y a n, der in einer kurzen, aber eindrucksvollen Debatterede dem allzu unbedenklichen Realismus Daltons und dem Doktrinarismus Cripps' eine wahrhaft sozialistische Betrachtung der Situation gegenüberstellte. Trevelyan hatte 1914 den Mut gehabt, aus dem Kabinett Asquith, dem er als liberaler Minister angehörte, zum Protest gegen den Krieg auszutreten. Er hatte später als Minister im Labour- kabinett Macdonalds als einziger den Mut, zurückzutreten aus Protest gegen das Zurückweichen vor einer sozialistischen Politik. Er ist heute ein prominentes Mitglied der Socialist League. Aber mit- überzeugenden Worten legte er nun dar» wie grundverschieden, trotz aller oberflächlichen Aehnlichkeit mit 1914, die Situation heute sei. Und er wendete sich gegen den Defaitismus, der die Arbeiterschaft in so schicksalsschwerer Stunde zur Passivität verurteilen wolle aus Angst, dah ihr Einsatz von der Regierung für imperialistische Zwecke mißbraucht werden könne. Gewiß, diese Gefahr ist nicht gänzlich auszuschließen; aber wenn di« britische Aibeiterbewe- gnng in Verbindung mit den französischen Arbeitern und der Regierung Sowjetrußlands handelt, wird sie ihr begegnen können. Mit Nachdruck wurde der Socialist League in der Debatte auch entgegengehalten, daß der Völkerbund, zumal nach dem Eintritt Sowjetrußlands, doch keineswegs als bloßer Deckmantel imperialistischer Bestrebungen angesehen werden könne. Auch das imperialistische Interesse Großbritanniens in dem gegenwärtigen Konflikt werde von der Socialist League überschätzt und übertrieben. Schon bisher hatte ja Italien Kolonien am Roten Meer, die den vielberufenen Seeweg nach Indien hätten gefährden können; aber zu einer Garantierung sämtlicher imperialistischen Interessen Englands war Mussolini eben jetzt mehr als je bereit, wenn man ihm nur den Prestigeerfolg über Abessinien ließe. In der Tat tvaren auch gerade die imperialistischen Repräsentanten des englischen Bürgertums durchaus dafür, Mussolini gewähren zu lassen; die City— die Grotzfinanz■— ist heute noch gegen Sanktionen. Es war die völkerbundfreundliche Stimmung im Lande und im besonderen die konsequente Bölkerbundpolitik der LabourParty, die der Regierung ihre gegenwärtige Haltung aufgezwungen hat, nach langem Schwanken— Anthony Eden gegen I Chamberlain usw.— innerhalb der Regierung selbst. Daher könne auch keine Rede davon sein, daß die Arbeiterbewegung ins Schlepptau der Regierung geraten sei. Die Regierung, deren I Politik in früheren Jahren so viel zur Entwicklung der heutigen kritischen Situation beigetragen hat, fand die schärfste Kritik von den Rednern aller Richtungen in der Debatte. (Schluß folgt.) i Tschechoslowakei und Sowjetunion Eine Rede des AuBenminlsters Sonntag abends fand zu Ehren der Sowjetgäste im Gesellschaftsklub ein Abendessen statt, das vom Außenministerium veranstaltet wurde. Minister Dr. Benes hielt dabei eine Rede, in deren politischem Teil er u. a. an die seinerzeitigen Feststellungen Litwinows erinnerte, daß die Tschechoslowakei und Sowjetrußland gemeinsame Lebensinterefsen, gemeinsame Ideale und Bestrebungen in der Frage der Erhaltung des Friedens in Europa und der Welt haben. Unsere gemeinsame Politik, erklärte Tr. Benes, hat bisher chren prägnantesten Ausdruck in dem gegenseitigen Hilfeleistungsvertrag gefunden. Sie ist der strikten internationalen Kontrolle unterworfen und wird niemals unrechten oder nicht guten Zielen dienen, die der Völkerbund nicht gutheißen kann. Ich zweifle nicht daran, daß die durch diesen Vertrag ausgedrückte Politik uns auch in Zukunft verbinden, uns tit jeder schwierigen europäischen und Weltsituation nebeneinander stellen wird, wo es sich um den Frieden, um unsere Sicherheit und um die Verteidigung des Friedens in Europa überhaupt handeln wird. Staatsangestelltenvertreter beim Ministerpräsidenten. Der Vorstand der Arbeitsgeminschaft der öffentlichen Angestelltenorganisationcn verhandelte am Montag mit dem Vorsitzenden der Regierung Malypetr und mit dem Vorsitzenden der parlamentarischen Spar- und Kontrollkommission Abg. Beran über die Forderungen der öffentlichen Angestellten, die dem Vorsitzenden der Regierung zu Beginn der Parlamentsferien vorgelegt worden waren. Eine Entscheidung über diese Forderung ist bisher nicht gefallen. Paris.(AP) Die Verhandlungen über größere italienische Bestellungen bei der französischen Stahlindustrie sind'gescheitert. Die italienischen Preisangebote waren zu niedrig, und außerdem verlangt man von französischer Seite, daß zunächst einmal die alten Schulden bezahlt werden. Ueberhaupt kann man sagen, daß die französische Wirtschaft sich zur Zeit Italien gegenüber bereits sehr reserviert verhält. Stockholm:(AP) Auch die schwedischen Schifffahrtslinien dirigieren ihre Schiffe jetzt um das Kap der Guten Hoffnung herum. Athen.(AP) Alle griechischen Dampfer haben Anweisung erhalten, keine Fracht mehr von und nach Italien zu befördern. Die im Fernen Osten weilenden griechischen Dampfer haben Order bekommen, nicht mehr durch den Suezkanal zu fahren, sondern auf dem Wege über das Kap der Guten Hoffnung zurückzukehren. Bukarest.(AP) Bon rumänischer Seite ist Italien mitgeteilt worden, daß sämtlich« Petroleumlieferungen an Italien sofort eingestellt würden, wenn nicht unverzüglich die Bezahlung der Schuld von 1.26 Millionen Pfund Sterling erfolge. Die Bedingungen für Frankreichs Waffenhilfe Gegenseitigkeit für den Fall eines deutschen Angriffes London. Der Wortlaut der französischen Antwort auf die englische Anfrage vom 24. September wurde am Montag Abend veröffentlicht. Es heißt darin unter anderem: Die französische Regierung ist bereit, gegenüber der britischen Regierung folgende Verpflich- tun gen zu übernehmen: A) Falls eine der beiden Mächte es für notwendi g hält, zu Lande, zur Ser oder in der Luft Maßnahmen zu ergreifen, di« sie in die Lage versetzen soll, notwendigenfalls die Bei- standsverpflichtung durchzuführen, die sich aus der Bölkerbundsatzung oder aus dem Locarno- Bertrag ergeben, so wird sie über dies« Frage mit der anderen in Beratung treten. Die gleichen Maßnahmen sollen ergriffen worden, wann eine der beiden Mächte es für notwendig hält, zu Lande, zur See oder in der Lust Maßnahmen zu ergreifen, um sich selbst in di« Lage zu versetzen, erforderlichenfalls einer Lag« zu begegnen, in der sie gemäß der Böl- kerbundsatzung oder des Locarno-Bertrages berechtigt sein würde, den Beistand der anderen Macht zu erhalten. B) Die Tatsache, daß die eine oder die andere der beiden Mächte nach dieser Beratung(Consultation) und dem sich hieraus er- grbenden Uebereinkommen die obenerwähnten Maßnahmen ergreift, soll m keinem Fall als eine Provokation angesehen werden, die irgend einen dritten Staat berechtigen würde, seine internationalen Verpflichtungen nicht zu er- füllen. C) Falls eine der beiden Mächte wegen der Maßnahmen angegriffen wird, die sie nach Konsultation und Uebereinkommen ergriffen hat, wird der andere Staat ihm Beistand l e i st e n. Die Antwort In London nicht genehm London.(Reuter.) Ne französische Antwort wird wahrscheinlich von den entscheidenden britischen Kreisen als unbefriedigend erachtet und mit dem Gefühl der Enttäuschung ausgenommen Weeden. Man nimmt an. daß Frankreich die Gelegenheit wahrgenommen hat, nur Garantien gegen den Fall eines möglichen Angriffes Deutschlands auf Frankreich zu fordern. Die französische Antwort hält sich, wi« es scheint, nicht genau an die Eventualität, welche die britische Regierung offensichtlich im Sinne hatte, und bezieht sich eher auf andere Umstände. Aus diesem Grunde mutz die französische Antwort von der britischen Regierung sorgfältig studiert werden. pariser Rechte gegen Sanktionen Paris. Samstag abends veranstalteten die Rechtöorganisationen in der Umgebung der Oper und dem„Bouevard des Italiens" neue Manife-1 stationen für die Neutralität Frankreichs. Die Polizei brachte 180 Personen auf das Polizeikommissariat, entlietz aber die meisten nach Feststellung der Personalien. SchütrengrSden um Addis Abeba Schutz vor Fliegerangriffen Addis Abeba. Der Negus ordnete an, daß die Bevölkerung der abessinischen Hauptstadt aus Gründen der eigenen Sicherheit auf den Hügeln in der Umgebung der Stadt Schützengräben errichte. Tausende Einwohner Addis Abebas begaben sich bei Morgengrauen mtt Frauen, Kindern und Haustieren auf die Hügel der Umgebung der abessinischen Hauptstadt. Es wurden alle notwendigen Maßnahmen getroffen, damit die Stadt geräumt werden könne, falls der Anflug italienischer Flugzeuge gemeldet wird. Es verlautet, daß die Mitglieder des divlo- masischen Korps an ihre Regierungen auf telegraphischem Wege das Ersuchen richteten, von der italienischen Regierung die Zusicherung zu erhalten, daß weder Addis Abeba noch Dirttmwa werden bombardiert werden. Amerika verbietet Waffenausfuhr New Aork. CHavas.) Durch eine Proklamation des Präsidenten Roosevelt wird für das gesamte Kriegsmaterial das Ausfuhrverbot ausgesprochen, insbesondere für Munition aller Art, für Geschütz-, Maschinengewehr-, Tank- und Gewehrmunition, ferner für Flugzeugmaterial, Motore und Flugzeugbestandteile, Einrichtungen für Kriegsschiffe, für Flammenwerfer«sw. Eine Uebertretnng des Verbots wird mit fünf Fahren Gefängnis und 10.000 Dollar bestraft. Wahrscheinlich wird durch eine spätere Verordnung des Präsidenten Roosevelt daS Ausfuhrverbot auch aus Rohstoffe ausgedehnt werden. Durch Vermittlung des Schatzamtes hat Staatssekretär Hüll alle Zollbehörden aufgefordert, sofort zur Durchführung des Embargo- zu schreittn. Amerikanischer Journalist in Addis Abeba gestorben Addis Abeba. Hier ist am Sonntag der amerikanische Journalist und Sonderkorrespondent des„Daily Herald" und der„Chicago Tribuns" WilfredBarber an Malaria gestorben, zu der sich eineNierenentzündung und Grippe gesellt hatte. Wilfred Barber weilte seit Juni dieses Jahres in Abessinien und war einer der ersten Journalisten, welche nach Abeffinien gekommen waren. Der Verstorbene wirkte vorher sechs Jahre hindurch in der Pariser Redaktion der„Chicago Tribüne". 43 VILLA OASE oder: DIE FALSCHEN BORGER Roman von Eugene Dablt Berechtigte Uebertragung aus dem Französischen von Bejot Er war ein Mann von Welt, der Privatstunden zu fünfzehn Franken gab, und von dem Irma sich besirre Beziehungen versprach. Er drängte Julien, sich zu den nächsten Gemeindewahlen aufstellen zu lassen, und Julien sagte nicht mehr nein. DqS würde ihn ablenken. Vielleicht würde er eines Tages Bürgermeister werden, würde Cha- pelle-sur-Seine in Schwung bringen, wie er feine Besitzung in Schwung gebracht hatte, und dir Regierung würde ihm einen Orden geben. Während sie ihre Manille spielten, sprachen sie über Politik. Maigret war nicht engstirnig und verstand das Lehen. Julien konnte ihm alles erzählen. Nur schade, daß er so früh aufbrach. Um zehn ging Julien nach oben. Früher war er so müde von der TageSarbeit, daß er schnell einschlief. Jetzt hielten die Gedanken ihn wach. Seine Dicke machte ihm Sorgen. Er fühlte ihre Nähe. Sie lag ganz still, tat, als ob sie schliefe, etwas Feindseliges ging von ihr aus. Er fragte sich, was ihnen die Zukunft wohl bringen werde. Und plötzlich unterbrach sie sein Sinnen mit den Worten:»Ich höre Schritte." Er mußt« aufstehen und im Hemd hinunter- gehen. Er sah nach dem Kesiel, machte eine Runde, ttank ein Glas und stieg wieder hinauf. Am Morgen sprach Irma von ihren Träumen. Sie wußte zwar, dah er sich nicht dafür interessierte, aber die Gedanken peinigten sie so, daß sie sie auch Bokchy anvertraut hätte. Sie hätte schlechte Erinnerungen an ihren Aufenthalt in Saint-Dizier und behauptete, es werde ejnen neuen Krieg geben. Sie litt auch an Alpdrücken. Man wollte sie ermorden, oder Helene spukte um den Teich, oder bestimmte Zeichen verkündeten, wie sie sagte, einen baldigen Todesfall. Julien lachte nicht mehr über diese Geschichten. Er hatte mtwche Gefahr überwunden, aber er war nicht mehr so jung, und Abenteuer dieser Art» selbst wenn sie unwirklich waren, machten Eindruck auf ihn. Der Tag fing schlecht an. Er wünschte, daß ein Brief käme oder ein Besucher. Doch man hatte sie vergeffen. Er benutzt« den ersten besten Vorwand, um nach Paris zu flitzen. Endlich, eines Tages, ging der Briefträger nicht mehr vorüber. Julien studierte die Schrift auf dem Umschlag, wandte ihn hin und her, bis er ihn öffnete, und' stellte dann fest, daß Alfred der Absender des Briefes war. Er teilte ihm mit, daß Charlier gestorben war. »Irma", sagt« er,„der arme Charlier hat das Streckfieber bekommen. Er wird dieser Tage beerdigt. Willst du mitkommen?" Sie ließ ihn allein fahren. Er kam spät zurück. Beim Abendessen erzählte er, daß sein Freund in einer Klinik gestorben war, an derselben Krankheit wie das Mädel. Alle Kameraden waren seinem Sarge gefolgt. Hinterher habe er noch einen Strauß auf Helenes Grab gelegt. „Es war richtig, daß du nicht mitgegangen bist", erflärte er.„Lustig wars nicht. Papa Adam hat nie bis Saint-Ouen gehen können. Charlier- Frau hat geweint. Ich mutz nach ihr sehen und versuchen, sie zu trösten. Bald machte er ihr den ersten Besuch, tags darauf den zweien. Immer kam er sehr vergnügt von ihr nach Haus. Den Grund sollte Irma überraschend schnell erfahren. „Was würdest du dazu sagen, Dicke, wenn man wieder ein Hotel übernähme? Frau Charlier wäre glücklich, wenn wir ihre Teilhaber würden. Und für uns wäre das eine gute Gelegenheit." „Ah. jetzt verstehe ich, warum du immerzu nach Paris gefahren bist. Du bist ein ganz Ausgekochter. Aber"— sie schüttelte energisch den Kopf—„du verlierst deine Zeit, mein Lieber." »Bedenke doch, du hättest nichts zu tun.- »Du hast mir versprochen, wir würden nicht mehr arbeiten."' „Ich finde, die Renten sind nicht groß genug, unt> ich habe doch Geld bei Alfted und könnte hier einen guten Preis bekommen." Seit Mei Wochen beschäftigte er sich mit dem Plan. Er ttäumte davon wie von einer neuen Zukunft. Und jetzt versperrte Irma ihm den Weg. „Jetzt habe ich's bald satt", schrie er sie an. „Für dich habe ich genug getan. Nun bin ich an der Reihe." „Kaufe das Modern-Hotel. Ich bleibe hier." „Um den ganzen Tag dein Mädel anzuglotzen? Was jetzt geschieht, mag sie verantworten. Zunächst werde ich mal das Bild an die Wand schmeitzen." „Rühre es nicht an, Julien!" Er stteß sie hart zurück, dachte an alle Dummheiten, die er um ihretwillen begangen hatte. Dann griff er nach dem Bilde. Sie klammerte sich an ihn. „Laß los, oder ich fleb dir eine. Du glaubst es nicht? Da, da... die steckst du nicht Hintern Spiegel." Irma brach in dumpfes Heulen aus, taumelte und fiel jammernd in den Sesiel. Er stand wie angewurzelt, stierte erst das schief hängende Bild, dann die schluchzende Irma an. Seine rechte Hand, mit der er zugeschlagen hatte, betrachtete er mit einem Gefühl der Scham. Da Irmas Tranen immer reichlicher floffen, verlor er die Faffung. „Verzeihe", stammelte er,„ich habe es nicht mit Absicht getan. Du weißt, ich habe dich nie geschlagen. Wir bleiben hier, wenn du willst, ich hie überhaupt alles, was du willst, Dicke. Ich schwöre eS dir. Ich fahre auch nicht mehr nach Paris und latz mir nicht mehr den Kopf ver drehen. Hörst du? Und ich frage einen Baumeister, ob man den Teich zuschütten kann. Dann hast du deine Ryhe, wenn du im Garten bist." Er tauchte ein Handtuch ins Wasser, betupfte Irmas Stirn und warf einen scheuen Blick auf die bleiche Wange» auf der die Spuren seiner Finger sichtbar waren, die beschämenden Zeichen, die er am liebsten ausgelöscht hätte. Aber wie sollte er die Erinnerung an diese Szene tilgen, den Augenblick vergeffen, in dem sie wie zwei Feinde aufeinander losgefahren waren? Er zog sie aus und brachte ihr das Effen ans Bett. Während sie kaum an die Speisen rührte, sprach er sanft von den schönen Tagen, die im Begriff wären, aufs neue für sie anzubrechen. II. Sie verbrachten eine schlimme Nacht. Bei Irma wechselten Augenblicke völliger Erschöpfung mit Ausdrücken starker Erregung. Dann umspannte Julien ihre Handgelenke und hielt sie so lange fest, bis sie sich nicht mehr rührte. Plötzlich befiel sie eine neue Krise. Er verlor den Kopf und rief Solange. Erst gegen Morgen schlummerte sie ein. Julien lag längst in tiefem Schlaf. Um neun fuhr er im Auto nach Melun, um einen Arzt zu holen. Er nahm ihn gleich mit, und Irma bekam eine Spritze. Sie dürfe, erklärte der Arzt, weder Auflegungen haben, noch dürfe sie sich anstrengen. Julien stotterte einige Dankesworte. Ihm konnte man nichts erzählen. Er kannte sein« Frau bester als alle Profefforen. Am Nachmittag gingen sie in den Garten. Die Luft war mild, die Vögel sangen, würziger Dust stieg von den Wiesen auf. Vor dem Teich wandte Irma den Kopf ab, und Julien, der sie am Arm führte, beschleunigte den Schritt.„Morgen mutz ich mich um die Sache kümmern", dachte er. Der Entschluß fiel ihm nicht leicht, aber die Dicke würde dann mehr laufen. Und der Medizinmann hatte ihr Bewegung verordnet. (Fortsetzung folgt.) Nr. 234 DienStag, 8. Oktober 1835 Seite 3 fudetendeu isther Zeitspiele! Teplitzer Grubcnkatastrophc sc«n» k« regnerischen Wetters eines außerordentlich zahlreichen Besuches erfreute. Unter dem Vorsitz des Genossen Vizebürgermeisters I e n t s ch sprach als erster Redner Genosse I a k s ch. Seine Ausführungen über die Vorgänge in Abessinien gipfelten in der Feststellung, daß sich der Fascismus, der bisher nur als Feind der Arbeiterklasse betrachtet und vom ganzen Bürgertum toleriert wurde, nun als Feind der ganzen Menschheit enüarvt habe. Es stünde besser um Europa, wenn die bürgerlich« demokratischen Staatsmänner schon früher erkannt hätten, daß der Fascismus sein Versagen in der Innenpolitik durch kriegerische Abenteuer wettmachen müsse. Der Fascismus müsse als KriegSfak- tor bekämpft werden und die Rettung des Weltfriedens liegt bei der Aufrichtung einer demokratisch-sozialistischen anfifascistischen Europafront. Auf die Manöver der Nationalsozialisten in Oesterreich hinweisend erinnerte Genosse Jaksch an die Verpflrchtungen der demokratischen Weststaaten und der Kleinen Entente gegenüber den öster- Weitere Zeugeneinvernahmen Im Brünner Nazlprozeü Gestern wurde die Verhandlung gegen die Brünner Nazi-Funktionäre mit der Einvernahme weiterer drei Zeugen fortgesetzt. Für Unterhaltung sorgte der als Zeuge einvernommene Gastwirt und Gemeindeausschußmitglied Ferdinand Schaden aus Joslowitz, ebenfalls ein Angehöriger der Nazipartei. Auf die meisten Fragen antwortete er:„Dös woas i net". Die Sitzungen der Parteiortsgruppe seien immer mit einer Kellerpartie beendet worden. Ob er Ortsparteileiter gewesen sei, wisse er nicht, er „war halt w a S". Es folgte die Einvernahme des Obmannstellvertreters der Brünner Kreisleitung Ober-Rat Lernh, der ursprünglich als Beschuldigter einvernommen worden war. Er gab an, daß er von Gröger den Eindruck hatte, daß er sich groß machen wollte. In einer Mitteilung Wer die Wahl der Kreisleitung wird der Angeklagte Richter als Schriftführer angegeben. Der Angeklagte bestreitet, daß er dies gewesen sei. Er habe im Gegenteil der Kreisleitung keine Puppe abgeben wollen. Dem nächsten Zeugen, Friedrich L a w o r Y, Journalist, ehemaliger Berichterstatter deS„Ta- gesbote", wird ein Brief vorgehalten, in dem er sich als enragierter Judengegner bekennt und sagt, daß die hiesige Nazipartei dieselben Ideen habe, wie die Hitler-B e» w e g u n g und nur aus taktischen Gründen hier die Form einer Partei habe. Der Zeuge behauptet, damit nur die Judenfrage gemeint zu haben. ES folgten nun wieder Verlesungen. Zenfimeter besteht und zweitens, daß die Grube keine Fluchtstrecke besitzt. Die Grube glich also einer Menschenfalle. Durch das Fehlen des Luftschachtes und der Fluchtstrecke war jede Rettung der Bergarbeiter von vornherein unmöglich. Wie man jetzt erfährt, hat das Teplitzer Revierbergamt schon vor vielen Monaten eine ganze Reihe von Maßnahmen zur Sicherung der Grube angeordnet, doch wurden sie icht durchgeführt. Es zeigt sich, daß die Grubenbesitzer den bergbrhördlichen Anordnungen einfach nicht Folge leisten, daß aber auch die Bergbehörden viel zu lau find, wenn eS sich um die Sicherung der Menschen in den Gruben handelt. Das Grubenunglück hat unter der Bevölkerung des Teplitzer Gebietes große Erregung hervorgerufen. Den Angehörigen der eingeschlossenen Bergarbeiter wendet sich allgemeine Teilnahme zu. Die Schuldigen verhaftet Daß die Grubenbesitzer und der Betriebsleiter mit schwerer Schuld an dem GrWenunglück beladen sind, beweist schon die Tatsache, daß auf Grund der ersten Feststellungen der auf der Grube Prokop erschienenen behördlichen und gerichtlichen Kommission am Sonntag die beiden GrWenbesitzer U h e r r und M u s i c a k, sowie Deutschbürgerliche opfern ein deutsches BezIrksausschuBmandat In Leitomischl fand Freitag die Konstituierung der Bezirksvertretung und die Wahl des Bezirksausschusses statt. Dabei wäre es möglich gewesen, durch eine Koppelung der Landbündler, der deutschen Christlichsozialen, der Kommunisten und unserer Partei ein weiteres deutsches Bezirksausschußmandat zu gewinnen, welches den deutschen Sozialdemokraten zugefallen wäre, während eS ohne diese Koppelung die tschechischen Klerikalen besetzt hätten. Der kommunistische Vertreter, übrigens ein Tscheche, war zu dieser Koppelung bereit, die deutschen Christlichsozialen und die Landbündler, von welchen ein Teil bereits Henlein näher steht als der Partei, die sie in die Bezirksvertretung geschickt hat, lehnten die'Koppelung jedoch ab und wollten das Mandat lieber den tschechischen Bürgerlichen als den deutschen Sozialdemokraten überlassen. Sie hatten damit Erfolg, denn als die sozialistischen Parteien durch Koppelung dieselbe Mandatszahl erreichten wie die tschechischen Klerikalen, fiel das Bezirksausschußmandat durch Los den tschechischen Bürgerlichen zu. Ein lehrreicher Beitrag zur nationalen Politik der deutschen Bürgerlichen, die nicht genug Wer den angeblichen nationalen Verrat der Sozialdemokratie schreien können! In der Hauptstrecke des 80 Meter tiefen Schachtes der Zeche»Prokop" in S o b or te n bei T e p l i tz, der den Herren U h e r r und M u s i c a k gehört und auf dem insgesamt 50 Mann beschäftigt sind, bestanden schon seit Wochen zwei Brandherde, von denen der eine besonders gefährlich war, weil das Feuer in einem Hohlraum der Kohlendecke stak. In der Nacht vom vergangenen Samstag zum Sonn tag waren elf Mann mit der Bewältigung des Brandes beschäftigt. Fünf von ihnen waren mtt der Herbeischaffung von Löschmaterial und die übrigen unmittelbar bei den Gewältigungsarbei« ten an den Brandstellen beschäftigt. Wenige Minuten vor 1 Uhr nachts" blitzte obertags beim Schachteingang plötzlich ein Lichtschein auf, dem wenige Sekunden darauf eine Detonation folgte. Die zur Zeit obertags mit der Materialbesorgung beschäftigten Bergarbeiter fuhren sofort nach der Explosion in die GrWe ein, wo sie mit Entsetzen ftststellen mußten, daß bei dem ersten Brandherd glühende Kohlenmassen herein gebrochen waren und die dort beschäftigten Kameraden unter sich begraben hatten. Die Koh lenmassen hatten eine BrandgaSexploston hervor gerufen und den größten Teil der Hauptstrecke in Brand gesteckt, so daß auch die beim zweiten Brandherd belästigten Kameraden verloren schienen. Die glühenden Kohlenmassen, das offene Feuer, vor allem Wer der starke Qualm, machten jedes Vordringen in der Strecke unmöglich. Auch die herbeigeeilten Rettungsmannschaften der »Elbe" und»Emanuel" mußten, angesichts des DütenS der Elemente, ihre RettungSversuckie auf geben. Es wurde den Rettungsleuten bald zur traurigen Gewißheit, daß alle sechs Kameraden, von denen drei oder vier vom dem glühenden Kohlenmassen verschüttet wurden, verloren sind. Das Feuer griff rasch um sich und machte die Absperrung der Haupt st recke, etwa 20 Meter vom Füllort entfernt, notwendig, die von den anwesenden Vertretern deS Teplitzer RevierbergamteS angeordnet wurde. Beim Morgengrauen war bereits eine große Menschenmenge vor dem Schachte und dem Kanz leigebäude, das die Aufschrift»Dül Prokop" trägt» versammelt und den ganzen Sonntag um lagerten, trotz deS starken Regens, viele Menschen die Zeche, auf Nachrichten über das Schicksal der Eingeschlossenen wartend. Sie vermochten aber nur zu erfahren, daß die sechs in der Grube befind lichen Kumpels zu den Toten zu zählen sind, daß die Hauptstrecke bereits abgesperrt wurde und erst nach einigen Wochen geöffnet werden dürfte. Vor und in der Zechenstube spielten sich herzzerreißende Szene« ab, als die erschienenen Angehörigen diese nieder schmetternde Nachricht über den Gatten, den Vater, den Sohn, den Bruder erhielten und daß alle Anstrengungen auf deren Rettung leider vergeblich sind. Die Toten In der Grube sind eingeschlossen: Pacher Rudolf aus Mariaschein, Jahre alt, verheiratet, finderlos; Hermann Richard aus Serbitz, Jahre alt, verheiratet, Vater von 5 Kindern; Wagner Eduard aus Graupen, 85 Jahre alt, verheiratet, kinderlos; Hybs Josef aus Soborten, ungefähr 35 Jahre alt, verheiratet, kinderlos; Winkler Anton aus W i st r i tz, 34 Jahre alt, verheiratet, kinderlos, und KoreluS Wenzel aus Marschen, 44 Jahre alt, verheiratet, Vater eines Kindes. Sechs Familienväter in den besten Jahren mußten also in der GrWe»Prokop" ihr Leben lassen. Diese sechs toten Bergarbeiter sind eine «neuerliche furchtbare Anklage gegen das heutige Ausbeutungssystem und die heutige Gesellschaftsord nung, die um des Profites willen immer wie der kostbare Menschenleben vernichten. Konnte denn, so muß man fragen, dieses neue Grubenunglück nicht verhindert werden? Gewiß hätte es verhindert werden können, wenn alle notwendigen Sicherungsmaßnahmen zum Schutze der Menschenleben getroffen worden wären. Es ist unter denBergarbeitern bekannt, daß gerade auf der Grube»Prokop", auf der alles sehr primitiv ist, vieles im Argen lag und daß für die Sicherheit der Menschen sehr wenig getan wurde. Nur Hunde, Hunde, war die tägliche Pa role! Die Sicherung der Grube gegen Unglücks fälle war eine Nebensache. DaS beweisen zwei un erhörte Tatsachen: Erstens, daß kein regelrechter Luftschacht, sondern nur ein Bohrloch, im Durchmesser von 34 eingetragen. Die Tschechen dürften 15 Mandate, „Verwässerung" der Nürnberger Judengesetze? Der radikale Flügel der Nazi verstimmt Berlin. Die Ausführungsbestimmungen> zu den Nürnberger Judengesetzen sollen, wie verlautet, nicht im vollen Wortlaute auf einmal veröffentlicht werden; sie dürften vielmehr vorläufig einzeln bekanntgegeben werden. Dieses ungewöhnliche Verfahren läßt sich dadurch erklären, daß der radikale Flügel der ncktionalsozialistischen Partei verstimmt ist über di« angebliche Verwässerung der Nürnberger Gesetze. Diese Berwässeruna wird darin erblickt, daß nur sogenannte Volljü- Man kann hoffen, daß, wenn in der kam-] den, also Personen, welche zu mehr als 75 Promenden Gemeindevertretung die sozialen Inter- zent jüdischen Blutes sind, von den neuen ge- esscn der Bevölkerung auf dem Spiele stehen. schlichen Bestimmungen betroffen werden sollen. 01« Aussiger Arbeiter gegen Krieg und Fascismus Gemeinsame sozialdemokratische Kundgebung 1. Tschech. Volkspartei 278(226) o Sudetendeutsche Partei 1009 (964) 3. Tschech. Gewerbepartei 154 (167) 4. Nationale Vereinigung 133 (129) 5. Deutsche Christlichsoziale 243 (208) 6. Deutsche Gewerbepartei 98 — 7. Bund der Landwirte 89 (41) 8. Deutsche Sozialdemokraten 22 (57) g. Tschechische Agrarier 193 (115) 10. Kommunisten 77 (195) 11. Tschech. Sozialdemokraten 537 (318) 12. Tsch. Nationalsozialisten 222 (122) Insgesamt wurden demnach 8055 Stimmen Seite? Dienstag, 8. Oktober 1835 I Nr. 234 steuern. war. und Rohstoffen reiche Nahrung sand und sich Wohnung von einem Kriminalbeamten angehalten. rasch ausdehnte. ' er/. w..,.. vvh if«Jiii iy z uv» nui gelegen und schon gestern konnte man mst eimger Bewölkung, mäßig warm. Im Osten etwas kühler. Freude daran zu zweifeln wagen, ob die Ata- immer noch wärmer als in den böhmischen liener sich auf die Dauer in Adua so wohl und Ländern.— Wetteraussichten für Mittzuhause fühlen werden wie die in Rom Daheim- woch: Wetterlage unsicher. Allmähliche Verschlech- Flugzeugkatastrovhe mit 12 Toten in USA Schüsse aus einer Repetierpistole ab und tötete ihn. Auf welche Art Koudelka in den Besitz der Pistole gekommen ist, ist unbekannt und wird erst durch die Untersuchung sichergestellt werden. Es ist höchstwahrscheinlich, daß sie ihm ins Spital geschmuggelt wurde. Koudelka bemächtigte sich dannBukvalsRades und fuhr in der Richtung Slatinany. Seine Spur verliert sich in Nasabrky. Die ostböhmische Gendarmerie fahndet angestrengt nach dem Mörder. Koudelka ist 170 Zentimeter hoch, von schlanker Gestalt, intelligentem Aussehen, hat ovales Gesicht, kastanienbraunes Haar, welches er nach rückwärts gekämmt trägt, blaue Augen, auf dem linken oberen Eckzahn hat er eine Goldkrone. Er hat auffallend Helles Haar, hat eine hellbraune Trampbluse, hinten in der Taile gerafft, lichte Hosen, schwarze Halbschuhe und helle Socken. Er ist mit einer Repetierpistole bewaffnet. L ö b l, B l a s ch W e b e r und P r o k s ch. Schließlich genehmigte die Hauptversammlung noch Statutenänderungen und überließ die Festsetzung des Tagungsortes der nächsten Hauptversammlung dem Reichsausschuß. Beschlossen wurde weiter, daß alle Mitglieder das Vereinsabzeichen erwerben müssen und es bei jeder Naturfrcundeveranstaltung zu tragen haben. Mit Worten des Dankes an die Delegierten, an den Genossen Lukas für die hervorragende Ausgestaltung des.Naturfreund" anläßlich der Tagung und den Genossen Escher schloß Genosse Dietl die harmonisch verlaufene, von 26 Delegierten und 17 Gästen besuchte Haupwersammlung. Plötzlich zog Kollar einen Revolver, zielte auf den Kriminalbeamten, so daß dieser zurückweichen mußte. In diesem Augenblick schwang sich Kollar aus dem Fenster der im dritte« Stockwerk gelegenen Wohnung und stürzte sich auf die Straße, wo er mit schweren inneren Verletzungen liegen blieb. Er wurde dem Jnquisitenspital eingeliefert. Wetterlage weiterhin unsicher. In Südosteuropa ist es noch immer sehr warm. Auf der Balkanhalbinsel wurden Montag nachmittags wieder 27 bis 31 Grad verzeichnet, Ungarn und das Karpathengebiet der Republik hatten Temperaturen um 25 Grad. Aus den westlichen und südwestlichen Teilen des Festlandes wurden dagegen nur durchschnittlich 15 Grad gemeldet. Der Luftdruck ist in unseren Gegenden allgemein gestiegen und auch in Westböhmen haben die Regenfälle aufgehört. Die Weiterentwicklung des Wetters bleibt trotzdem unsicher, da sich über dem westlichen Mittelmeer erneut kleinere Störungen bilden, die der Wärmegrenze entlang leicht gegen das Binnenland Vordringen können.— Wahrscheinliches Wetter von heute: Ruhig, aber nur vereinzelt geringere Herzen ein Geschoß festgestellt. Auf dem Schirm war klar zu sehen, daß das Geschoß in der rechten Herzkammer lag und sich zusammen mit ihr bei jedem Zusammenziehen des Herzmuskels bewegt. Durch Befragen des Kranken wurde festgestellt, daß er während des Bürgerkrieges als roter Freischärler einen Brust schuß erhalten hatte. Demnach befand sich das Geschoß 17 Jahre in seinem Herzen und verursachte ihm erst während der letzten Zeit Beschwerden. Nach der Meinung der Fachleute ist das ein äußerst seltsamer Fall, der beweist, wie anpassungsfähig der Herzgefäß- apparat ist. Pardubitz. Unter dramatischen Umständen entwich Montag in Chrudim der 25 Jahre alte gewesene Schloffergehilfe Stanislav Koudelka aus Chrudim, der vor drei Wochen wegen versuchten Kasseneinbruches verhaftet worden war. In der Haft des Bezirksgerichtes in Chrudim hatte er sich mit Absicht am Bauch verletzt und war in das Chrudimer Bezirkskrankenhaus überführt worden. Montag vormittags forderte die Krankenhausverwaltung das Bezirksgericht auf, Koudelka in die Haft wieder einzuliefern. Als nach 11 Uhr der Aufseher Cejchan Koudelka zum Kreisgericht führte, warf, ihm Koudelka vor dem Theater dieAkten- tasche unter die Füße, nützte die Verwirrung aus und floh hinter die Stadt. Den Flüchtenden verfolgte der 42jährige Aufseher Bukel und holte ihn bei der Jandera-Mühle ein. Koudelka jedoch feuerte auf seinen Verfolger drei Zum 100. Geburtstage Saint-Saens* Am 9. Oktober jährt sich der Geburtstag des französischen Komponisten Saint-Saens zum 100. Male. Saint-Saens hat die verschiedensten Musikwerke komponiert, von denen seine Oper »Samson und Dalila" einer der größten Erfolge war. Reichstagung der^Naturfreunde" Explosion in einer Lackfabrik New Jork. Wie aus Chicago gemeldet wird, ereignete sich dort in einem siebenstöckigen Gebäude einerLackfarbenfabrik aus bisher, noch unbekannter Ursache eine schwere Explosion. Die ersten Meldungen besagen, daß etwa 20 Personen ums Leben gekommen sind. Etwa 75 Personen sollen noch unter den Trümmern begraben liegen. Ferner spricht man von zahlreichen Verletzten. Infolge der Explosion brach in der Fabrik Feuer aus, das an den leicht brennbaren Lackvorräten wie immer dem sei: o h n e Unterschied ist die Dummheit der Menschen, da wie dort, damals wie heute; ohne Unterschied die Beein- flußbarkeit, die Freude am nationalistischen Rausch und die verfluchte Phantasielosigkeit, die sich weder das Grauen des Augenblicks noch das Dunkel der Zukunft vorzustellen vermag! Alpinisten-Tod. Bei der Besteigung des Fei- stelpeilsteins im Gebiet des Hochschwab stürzten zwei Grazer Alpinisten infolge Seilbruches in die Tiefe. Einer von ihnen, der Bankbeamte Brunnecker, wurde getötet, der zweite erlitt schwere Verletzungen. Die Geliebte als Mitwisserin..Die rumänische Polizei hat die Geliebte des Mörders T e o d o r e s c u, der die Leiterin der Bukarester Kunstgewerbeschule Frau Farcasanu im D-Zug getötet hat, verhaftet. Es bestehen zahlreiche Verdachtsmomente dafür, daß sie Mitwisserin des Mordplanes war. Die rumänische Polizei glaubt, daß der Mörder beresis wieder auf rumänischem Boden ist. Die verhaßte Fahne. Anläßlich des deutschen Erntedankfestes hat die deutsche Kolonie in L u z e r n an ihrem Sitz eine Hakenkreuzfahne gehißt, die im Laufe des Stamstckgnach- mittags zu einem BolkSauflauf führte. Mehr als 500 Personen fanden sich vor dem Hause ein, das von der Polizei geschützt wurde. Bon einem Fenster eines Nachbarhauses hielt ein Demonstrant eine Ansprache, in-der er das Hissen dieser Fahne als Provokation bezeichnete. Die Fahne wurde dann unter dem Lärm der Demonstranten von Vertreter« der deutschen Kolonie freiwillig« ingezogen. Der Kampf der Schweiz gegen das Spitzelunwesen.(R. F.) Dieser Tage ging ein Aufruf durch die schweizerische Presse, aus dem hervorging, daß die Aufgabe, dem Treiben der Gestapo- Spitzel in der Schweiz wirksam entgegenzutreten, die Kräfte der regulären Bundespolizei zu übersteigen beginnt; Daher hat sich mit Zustimmung der zuständigen Instanzen eine „Freiwillige Nachrichten-Agentur"(„F r e n a") gebildet, die die Oeffentlichkeit ersucht, sie im Kampfe gegen die Spitzelgefahr zu unterstützen. Eine Reihe von Adressenangaben orientiert das Publikum darüber, wohin es sich mit seinen Informationen zu wenden hat. Royalisten sind in das Haus der Arber- terpartei in Athen eingedrungen und haben dort die Einrichtung demoliert. Sodann bewarfen sie das Gebäude des venizelistischen Blattes„Pa- tris" mit Steinen. Flucht ins Verderbe«. In Wien wurde der wegen Diebstahls, verbotener Rückkehr und Flucht aus der Haft des Landesgerichtes in Wien verfolgte tschechoslowakische Staatsangehörige, der 25jährige unterstandslose Arbeiter Johann Kollar in einer Cheyenne fWyoming).