Mittwoch, 9. Oktober 1935 15. Jahrgang Einzelpreis 70 Henn (einxhlieUicb 5 Heller Porto) XENTRALORGAN DER DEUTSCHEN SOZIALDEMOKRATISCHEM ARBEITERPARTEI IN DER TSCHECHOSLOWAKISCHEN REPUBLIK ERSCHEINT MIT AUSNAHME DES MONTAG TÄGLICH FRÜH. REDAKTION UND VERWALTUNG PRAG XII.. FOCHOVA 62. TELEFON SNTP. HERAUSGEBER« SIEGFRIED TAUB. CHEFREDAKTEUR« WILHELM NIESSNER. VERANTWORTLICHER REDAKTEUR« DR. EMIL STRAUSS, FRAG. Europa blickt nach Genf Schicktalntunden der Völkerbünde» Bestrafung des Friedensbrechers oder Scheinsanktionen 7 Der Völkerbund tritt heute zu der bedeutsamsten und folgenschwersten Sitzung seiner bisherigen Geschichte und selbst dieses ereignisreichen Jahres zusammen. Er wird darüber zu entscheiden haben, welche Sanktionen, also welche Straf-, Sühne- und Zwangsmaßnahmen gegen Italien zu ergreifen sind, das nach dem einstimmigen Beschluß des Rates vcm Montag den Frieden und damit die Satzungen des Bundes gebrochen hat. Der ost zitierte Artikel 16 des Paktes hat folgenden Wortlaut: «Wenn ein Bundesmitglied unter Verletzung der durch die Artikel 12, 13 und 15 übernommenen Verpflichtungen zum Kriege schreitet, so wird cs ohne Weiteres so angesehen, als hätte es eine kriegerische Handlung gegen alle anderen Bundesmitgliedcr begangen. Dies« verpflichten sich, unverzüglich mit ihm alle Handels- und finanziellen Beziehungen abzn brechen, den Staatsangehörigen jeden Verkehr mit den Angehörigen des Vertragsbrüchigen Staates zu »erbieten und alle finanziellen, kommerziellen oder persönlichen Berbindungen zwischen den Angehörigen dieses Staates und denjenigen jede- anderen Staates akzubrechen, gleichviel, ob er dem Vunde angchört oder nicht. In diesem Falle ist der Rat verpflichtet, den verschiedenen beteiligten Staaten vorzuschlagen, mit welchen Land-, See- oder Luft streitkräften die Rundesmitglieder für ihren Teil z« der bewaffneten Macht beizutragen haben, die zur Wahrung der Bundespflichten bestimmt ist." 1. die Unterbrechung der diplomatischen Beziehungen, nicht aber der Konsularbeziehungen, 2. die Einschränkung des Post-, Eisenbahnverkehrs und der Verbindungen sonstiger Art, 3. wirtschaftliche Sanktionen im Sinne der Einschränkung der Ausfuhr bestimmter Warengattungen fest, die zu Kriegszwecken benützt werden könnten. Falls diese Maßnahmen Italien nicht zu größerer Nachgiebigkeit bewegen sollten, würde die Frage der Blockade erwogen werden, die von allen Mächten oder von einer oder zwei Mächten durchgeführt werden würde, die entsprechend den Weisungen des Völkerbundes handeln würden.^ Zu dieser letzten Art der Sanktionen würde der Völkerbund nur als zu äußersten Maßnahmen greifen, denn das würde bereits in den Charakter von militärischen Sanktionen fallen. Es ist wahrscheinlich, daß nur drejenigen Staaten, die entschwfsen sein werden, an den Sanktionen teilzunehmen, in dem mit der Koordinierung von wirtschaftlichen und finanziellen Sanktionen betrauten technischen Ausschuß vertreten sein werden. Am Jahr«.1921 hat der Völkerbund. dell Anhalt des Artikels 16 wie man sieht in sehr großzügiger Weise interpretiert und die Waffe der Sanktion stumpf gemacht. Mer nicht einmal diese Resolution ist ratifiziert worden, so daß die Gefahr besteht, daß der Bund zu weit geringeren Sanktionen greift. Soweit sich die Stimmung beurteilen läßt, die in den maßgebenden Ländern herrscht, so ist m England die Neigung zu scharfen Maßnahmen » gestiegen. Von den Konservativen bis zur Labour- Party und vom Erzbischof von Canterbury bis auf die äußerste Linke istdieNation einig in dem Verlangen, daß der Friedensbruch streng gerügt und alles getan werde, Italien zum Frieden zu zwingen. Von allen Blättern nimmt nur die„M orning Po st" einen abweichenden, nicht gerade italienfreundlichen, aber Sanktionen abgeneigten Standpunkt ein. Anders in Frankreich. Zwar hat die Opposition der Rechtskreise gegen die Sanktionen nachgelassen und die Linke nicht aufgehört, sie zu fordern, es ist aber in der Preffe und bei der Regierungsmehrheit die Tendenz unverkennbar, die Wirkung der Sanktionen abzu- s ch w ä ch e n, die Aktion hinauszuschieben und Mussolini durch eine Prämie für seinen Fricdensbruch zu einem friedlichen Ausgleich zu verlocken. Laval möchte auf zwei Stühlen sitzen: sich mit Italien nicht Überwerfen, aber der Schein der Völkerbundautorität wahren. Es ist eine überaus gefährliche Politik, die Frankreich da treibt. Sie könnte nur mit der Isolierung Frankreichs und einer Weiteren Annäherung Englands an Deutschland enden. Macht Frankreich diesmal den Völkerbund zum Gespött der Welt, so wird er in anderen Fällen erst recht Zersägen. Atalie n tritt in Genf immer noch sehr anmaßend auf und Aloisi bemüht sich, die offiziellen Lügen seiner Regierung recht und schlecht zu vertreten. An der italienischen Presse konzentriert sich die Hetze vor allem auf Lord Eden. Am übrigen deutet die Preffe an, daß Atalien nach dem»Sieg" bei Adua eher bereit sei zu verhandeln, da der„Ehrenpunkt" jetzt ausscheidet. Allerdings werde es nicht den ersten Schritt tun. „GazettadelPopolo" z.B. schreibt: Atalien gebe allen, die guten Willens sind, zu verstehen, daß es heute leichter sei, mit Italien zu verhandeln, als gestern, weil nach der Lösung der delikatesten Frage der Ehre und des Prestige, die nur eine Austragung mit den Waffen zuließ, über die anderen Probleme immer Verhandlungsmöglichkeiten bestanden hätten. Natürlich sei es nicht Sache Italiens, zu einer Beschleunigung zu treiben oder Angebote zu yr a ch e n. „P o p o l o d' A t a I i a" schreibt völlig größenwahnsinnig, mit dem 6. Oktober beginne eine neue Geschichte, die Geschichte des neuen Atalien Mussolinis, das sich seiner eigenen Macht und seines eigenen Rechts bewußt sei. Der Friede Europas stütze sich auf Atalien(I). Mit diplomatischem Betrug könne Atalien verurteilt werden, aber der Vormarsch des italienischen Soldaten, des italienischen Technikers sei der Vormarsch der Zivilisation. Am allgcmeineneglaubt man, daß Mus- s o l i n v aber gerade nach seinen Siegen zu ernsten Verhandlungen— auch wenn England sich soweit erniedrigte, sie aufzunehmen— nicht bereitfinden würde, lieber die Pläne Mussolinis gibt ein Bericht des Tsch. P. B. aus Rom intereffanten Ausschluß. Es heißt da: Italien bereitet sich schon seit längerer Zeit auf die Verteidigung gegen die Folgen wirtschaftlicher Sanktionen vor. An hiesigen Stellen wird versichert, dass die wirtschaftliche Stellung Italiens ziemlich stark ist, um diese Sanktionen für eine bestimmte Zeit ertragen zu können. Das Hauptstreben Italiens geht heute dahin, daß die Sankttonen nur sukzessive verwirklicht werden. In diesem Sinne entfaltete Rom in den letzten Tagen eine große diplomatische Tätigkeit, nicht nur in Paris, sondern auch in London. Mussolini unterscheide nach einer Ber- Der Wortlaut des Arttkels, statuiert in einer Zeit, da die Sieger von 1919 noch nicht dachten, daß zuerst einer von ihnen als Brecher des Vertrages dastehen würde, ist im Grunde eindeutig. Die dem Bunde angehörenden Staaten hätten im völlig eindeuttgen Sinne des Artikels 16 die Beziehungen zuIta« Iren abzubrechen und ihren Untertanen jeden Verkehr und alle finanziellen, kommerziellen und persönlichen Verbindungen mit Atalien zu untersagen. Das heißt, daß— eigentlich schon nach der Feststellung, daß Italien angegriffen hat— alle Bundesmitglieder den italienischen Gesandten die Päffe zuzustellen, den Eisenbahn-, Schiffs- und sonstigen Verkehr nach Atalien abzubrechen und die Grenze militärisch zu sperren hätten. Und all dies nicht schrittweise und verklausuliert, sondern«unver- z ü g l i ch". Die Aufgabe der Sitzung wäre es nach dem Wortlaut des Artikels 16 nur, nachdem der Angreifer festgestellt ist, die Stärke der militärischen Kontingente festzustellen, die von den einzelnen Mächten aufzubieten wären. Hier ergibt sich freilich schon eine ernste Schwierigkeit. Ein großer Teil der italienischen Landgrenze ist dem Friedensbrecher mit seinem Vasallenstaat Oe st erreich gemeinsam, deffen Regierung weder den Willen noch die Macht hat, eine Grenzsperre durchzuführen. Doch wäre das nicht entscheidend. Es steht außer Zweifel, daß die Durchführung der klaren Bestimmungen des Artikels 16 durch England, Frankreich, die Schweiz, Jugoslawien und die nicht an Atalien grenzenden Völkerbundstaaten Mussolini binnen wenigen Tagen auf die Knie und den Frieden in Afrika wieder herstellen, in Europa sichern körnte. Es liegt an der Uneinigkeit der Bundesmächte und der zwiespältigen Politik vor allem Frankreichs, wenn die Sttuation zur Ergreifung entschiedener und rascher Erfolg verbürgender Maßnahmen nicht reif ist. Ueber das Höchstmaß deffen, was der Völkerbund beschließen wird, unterrichtet die fol-, gende Reutermeldung aus Genf: An amüichen Stellen wird erklärt, daß Sanktionen entsprechend den Prinzipien der Resolution der Völkerbundversammlung vom 4. Oktober 1921 zur Durchführung kommen werden. Diese Prinzipien setzen Aufmarsch der Abessinier Die italienische Offensive unterbrochen Ein Tas ohne größere Kämpfe Die gestrigen Meldungen von den abessinischen Kriegsschauplätzen lassen trotz aller Widersprüche doch den Schluß zu, daß der italienische Elan durch die unerwarteten Schwierigkeiten vor Adua und Adigrat gedämpft ist. Die Italiener hakten es für rötlich, schon nach den ersten Kilometern ihres Bormarsches eine Pause einzuschalten, um sich auf dem gewonnenen Terrain zu sichern. Eine Meldung des Reuter-Bureaus, wonach Aksum gefallen sein sollte» wurde in Rom selbst dementiert. italienische Kolonialtruppen übergegangen? Addis Abeba. Die Nachrichten-Uebermittlung funktioniert sehr uneinheitlich. Meldungen von der Nordfront laufen nur sehr spärlich ein, da die einzige Telephonleitung Adua—Makale—Dessie —Addis Abeba seit der Einnahme Aduas unterbrochen ist. Die abessinische Regierung behauptet neuerdings, daß eine große Zahl von Eingeborenen aus Erithräa von den Italienern überlaufen sei und die abessinische Grenze, insbesondere im Bezirk Machale überschritten habe. Die Ueberläu- fer hatten zahlreiche Maschinengewehre mitgebracht. Vor einer Schlacht bei Makale Während die italienischen Berichte den Rückzug Ras Sayums melden, behaupten die Abessinier, die den italienischen Vormarsch in der Provinz Tigre westlich des Takase-Flusses zugeben, daß der rechte Flügel der italienischen Arinee im Norden von einem dreifachen Strom abessinischer Truppen bedroht ist, die unter der Führung von Ras Sayum, Dedschamatsch Ajel und Ras Kassa stehen. Ras Kassa rückt air der Spitze von 30.060 Mann zum Flusse Setit an der eriträisch- abessinischen Grenze vor. Auch im Gebiete von Makale werden starke Abteilungen konzentriert und man erwartet, daß es dort zu einer Schlacht kommen wird. Ras Sayum teilte telegrafisch mit» daß er einen italienischen Oberst und 30 Offiziere gefangengenommen habe. D^r Negus wünscht jedoch nicht» daß die Gefangenen in die Hauptstadt gebracht werden, weil er befürchtet, daß es unter der Bevölkerung zu Ausschreitungen kommen könnte. Todesleslonen Ueber London aus Addis Abeba eingelangte Nachrichten besagen, daß die sogenannten abessinischen Todeslegionen insgesamt fünf, von welchen jede 300 Mann zählt, nach Atalienisch- Erithräa eingebrochen sind und die Stadt Adi Caie besetzt haben. Diese Meldung wurde von Rom dementiert, von Addis Abeba jedoch neuerlich bestätigt. Vormarsch in Somaiitand An der Südfront rücken die italienischen Truppen in zwei Richtungen vor, und zwar von der Basis Dolo-Uet in der Richtung auf den Ganala-Doria-Fluß und von der Basis Ual-Ual in nördlicher Richtung auf Sasabaneh. Ado, rtörd- lich von Ual-Ual, ist Montag von den Italienern besetzt worden. Bisher unbestätigten Nachrichten zufolge wurde der Ort Dolo wieder erobert. Per italienische Heeresbericht: ' Im Verlauf des 7. Oktober haben die Truppen, die jenseits von Adua besetzten Stellungen ausgebaut und die Verbindungslinie und den Zubringedienst organisiert.- Zahlreiche Pionierabteilungen und eine große Anzahl von Arbeitern haben die rückwärtigen Verbindungen derart instandgesetzt, daß die Autokolonnen bereits regelmäßig bis an die Front herankommen können. Ein Gegenangriff auf Odmager wurde von den aus dem Grenzgebiet von Teffenei stammenden Askaris zurückgeschlagen. Die Bevölkerung der besetzten Gebiete hat unter dem Kultursvmbol der italienischen Trikolore ihr normales Leben wieder ausgenommen. Bei den Operationen der letzten Tage wurden Hunderte von Gefangenen gemacht und viel Kriegsmaterial weggenommen. Angesichts der auf italienischer Seite verwandten Schutzmittel sind die italienischen Verluste minimal. Die abessinischen Verluste sind, wenngleich noch nicht feststellbar, schwer. Die Stimmung aller Truppen ist vorzüglich. Diplomatische Beziehungen abgebrochen Addis Abeba.(Tsch. P.-B.) Die abessinische Regierung hat ihrem Charge d'affaires in Rom die Weisung erteilt, die Zustellung des Reisepasses anzufordern. « Genf.(Tsch. P.-B.) Der abessinische Gesandte Tecle Havaxiate überreichte dem Völker« b und rat eine Note, in welcher die abessinische Regierung auf den Umstand aufmerksam macht, daß sie dem italienischen Gesandten in Addis Abeba die Erlaubnis erteilt hat, im Lande zu verbleiben, obwohl Italien gegen Abessinien Krieg führt. ES geschah das unter der Bedingung, daß die italienische Gesandtschaft ihren Radio-Sendeapparat nicht benützen und keine innerpolitischen Schwierigkeiten in Abessinien Hervorrufen werde. Doch wurde das gegebene Versprechen gebrochen und die ttalienische Gesandtschaft entpuppte sich al- Zentrum von Spionage und Komplotten. Die abessinische Regierung hat deshalb das gesamte Personal der italienischen Gesandtschaft aufge- fovdert, Abessinien sofort zu verlassen. Für die Sicherheit der italienischen diplomatischen Personen sowie für das Archrv der Gesandtschaft wird die abessinische Regierung Sorge tragen. Flucht der Europäer aus Addis Abeba Wie aus Addis Abeba gemeldet wird, haben Dienstag früh zahlreiche Fremde die abessinische Hauptstadt mit einem Sonderzug nach Dschibutti verlaffen. Unter ihnen befanden sich, dem Reuter- Büro zufolge, 20 Amerikaner, 37 Aegypter, 20 Deutsche, sowie Franzosen, Griechen und Armenier. Auch 40 Eingeborene, Angestellte der italienischen Gesandtschaft und des Konsulates in Debra Markos, waren unter den Fahrgästen. Seite 2 Beneš in Genf Genf. Der Vorsißende der Völferbundsver= sammlung Minister Dr. Beneš traf Dienstag mittags in Genf ein und wurde auf dem Bahnhof von zahlreichen Mitgliedern der Delegationen der Kleinen Entente- Staaten begrüßt. Das Präsidium der Völkerbundversammlung tritt Mittwoch vor der Vollsizung der Versammlung zusammen. Die Unterbrechung in den Rats. sizungen wurde für private Beratungen ausgenüßt. Dr. Beneš hatte sofort nach seiner Ankunft in Genf eine Beratung mit Eden. und finanziellen Sanktionen einerseits und militärischen Sanktionen andererseits. Mittwoch, 9. Oftober 1935 Labour und Kriegsgefahr Ein denkwürdiger Parteitag ( Schluß.) Die Pazifisten Nr. 235 eine halbe Stunde lang das Evangelium Die Einheit der Internationale absoluter Gewaltlosigkeit preHerbert Morrison hatte diese lange und digte. Es war wohl seine letzte große Rede als Führer der Partei. Der Verfassung der Labour reiche Debatte im Namen der Parteierekutive Party nach bestimmt nicht der Parteitag, sondern abzuschließen. Er ist ein noch verhältnismäßig die Parlamentsfraktion den Führer. Aber Lans, junger Mann, aber er war als Transportminibury hat die Labour- Abgeordneten bereits für die ster der letzten Macdonald- Regierung einer der nächste Woche nach London zusammenberufen, wenigen Aktivposten dieser unglückseligen Epiund es ist so gut wie sicher, daß er ihnen seinen sode: er steht heute als Führer der Londoner endgültigen Südtritt mitteilen wird. Grafschaftsverwaltung auf einem der verantwor tungsvollsten Posten, den die Partei zu vergeben fehen, auch überflüssig, daß der Gewerkschafts- Schlußrede als eine wirkliche FührerpersönlichEs war daher, von allem anderen abge- hat, und er qualifizierte sich nun in dieser seiner Es war mehr als bloße taktische Geschic Nicht durch die Ueberzeugungskraft ihrer Argumente, aber durch die Kraft und Reinheit ihrer Gesinnung machten die Reden der absoluten Pazifiſten tiefen Eindruck auf die Konferenz Niemand konnte ohne innere Ergriffenheit, Lord Ponsonby in schlichten Worten vor den Ges führer Bevin, gestüßt auf die Macht, die ihm teit. die Vertretung von 500.000 Transportarbeitern fahren eines jeden Krieges warnen hören. Er verzichtete auf alles Pathos, suchte durch nüch- berleiht, durch die Derbheit seiner Angriffe auf einbarung mit Laval zwischen wirtschaftlichen terne sachliche Argumente zu wirken, indem er Lansbury und die anderen dissidenten Führer lichkeit, daß er die großen Gegensäße, die die auf die Schwäche der gegenwärtigen Völker pen einzigen Migton in diese große Debatte Diskussion zum Ausdruck gebracht hatte, aus dem bundkonstruktion und auf eine drohende Koalition brachte. Die Stimmung der Konferenz war denn allen gemeinsamen tiefen Sehnen der völkerbundfeindlichen Mächte hinwies, die auch unverkennbar gegen ihn, obwohl er im Sach- nach einer Welt des Friedens den italienisch- abessinischen Konflikt zum Weltlichen unzweifelhaft recht hatte, recht damit, daß ableitete. Und in flaren ruhigen Worten verfrieg erweitern würde. Und als er zum Schluß er für Disziplin und Geschlossenheit in einer so mochte er darzulegen, daß es in Wahrheit nur die englischen Arbeiter beschwor, sich durch feinen entscheidenden Situation eintrat, redyt auch darin, einen einzigen gangbaren Weg zu diesem Ziele öußeren Krieg ablenfen zu lassen von dem ein- daß er Lansburys warnendem Bibelspruch Wer gibt: den Frieden auf internationales Recht zu zig gerechten Krieg, dem Krieg gegen Ausbeu- zum Schwerte greift, wird durch das Schwert un gründen. Das war die Politik der Labour Party tung und Kapitalismus, dem Krieg für eine neue fergehen!" entgegenhielt, daß es doch Mussolini seit dem Krieg, sie muß sich jetzt im Ernstfall beund beffere Welt der sozialen Gerechtigkeit, da ſei, der zum Shaverte greift, und daß daher an währen. Und indem er dem Parteitag die ungehenere Tragweite seiner Entscheidung vor Augen übertönte dieser Appell im Augenblid beinahe ihm die Reihe sei, unterzugehen. das zivingende Gegenargument, daß der Aufbau führte, verlangte er eine erdrückende Mehrheit Dorothy Woodman, des Sozialismus in der Welt des Fascismus und Antifascistin, formulierte die Stellung der Bazi er sich in den eindringlichsten Worten dagegen, die aktive junge für die Sanktionspolitik. Zugleich aber verwahrte der fascistischen Kriegdrohung unmöglich ist... fisten vom Schlage Lansburys und Ponsonbys daß dieses Votum die Minorität, die aus ehrT In Rom erachte man militärische Sanktionen für ausgeschloffen und glaube nicht an einen Krieg in Europa. Italien er blidt in Frankreich denwich tigsten Faktor dafür, daß die Santtionen möglichst gemäßigt sein und auch nur langsam geltend gemacht werden. Deshalb wird hier die französisch- italienische Freundschaft für sehr fest gehalten, fester als je in den letzten Jahren. Italien will diefe Politik der Freundschaft mit Frankreich fortsetzen und sucht noch heute eine Annäherung an Großbritannien. Bezüglich Abessiniens hält es Italien für feine Hauptaufgabe, bestimmte Teile des Landes zu befehen und die militärischen Operationen noch vor der vol Ien Durchführung der wirt fchaftlichen Santtionen zum Abschluß zu bringen. Mussolini will also mit Hilfe Frantreichs den Völkerbund zu einer ver= Togenen und scheinheiligen Politik der Schein fanttionen bringen und das Kriegsberbrechen unterdessen fortseßen. Grweisen sich die Sanktionen wie es bei halben Maßnahmen nicht anders sein könnte- als wirkungslos und schreiten die Italiener in Abessinien bortärts, so wäre Mussolini dann der Sieger" über Addis Abeba und Genf, würde sich den Frieden teuer bezahlen lassen und fönnte sich neuen Eroberungen zuwenden. Angesichts dieser Lage tann es für den Völterbund nur einen Weg geben: rasches und rücksichtsloses Vorgehen gegen Italien als den aller Welt bekannten Friedensverbrecher. Der Völkerbund hat die Wahl, den Krieg wirklich zu ersticken und das große Beispiel der Durchsetzung des Rechtes gegen die Gewalt zu geben, oder aber durch ein Scheinmanö= ver seine Autorität zu opfern und dem Fascismus zu einem Triumph zu verhelfen. Der erste Weg wäre der Anfang vom Ende der fascistischen Kriegs. politik in ganz Europa, der zweite muß in eine Ratastrophe Europas, vor allem aber Frankreichs münden. Es handelt sich in Genf nicht darum, Mussolini nur zu hemmen, es ist heute möglich, ihn zu vernichten. Verzichtet der Völ. kerbund darauf, seine Macht auszu nügen, paktiert er mit dem Friedens. brecher, so begräbt er sich und die Prin. zipien von 1919 auf alle 3eiten. 44 VILLA OASE OASE oder: DIE FALSCHEN BURGER Roman von Eugene Dabit Berechtigte Uebertragung aus dem Französischen von Bejot Zum Schluß des ersten Debattetages fam treffend, indem sie sie als politische Seislichstem Gewissen dem Parteibeschluß nicht beiansbury selbst zu Wort. Die Konferenz lige in einer Welt der politi pflichten könne, auch wirklich erdrücke. Alles, was bereitete dem Führer, der sich in einer so ent- fchen Gangster 3 bezeichnete. Sie gehörte er von der Minderheit verlangte, war, daß auch Scheidenden Frage von der Partei getrennt hatte, auch zu jenen Debatterednern, die gerade in dem sie tolerant sein möge und ihre Gegnerschaft geminutenlange Ovationen so überzeugt ist jebigen Augenblick, in dem die britische Arbeiters gen die Parteipolitik der demokratischen Achtung jedermann von der unbedingten Lauterfeit der bewegung ein Stüd Weges mit der bürgerlichen vor der Majoritätsentscheidung anpasse. Motive diefes alten Mannes, der nun, mit brü- Regierung zusammenzugehen hat, eine umso chiger Greisenstimme beginnend und zum Schluß schärfere Abgrenzung berlangten, eine umso deutlich das ihre dazu beigetragen, daß die Mehrheit Die meisterliche Rede Morrisons hat sicherdie Töne prophetischer Leidenschaft erreichend, lichere Betonung des sozialistischen Zieles. AFRIKA 完 क ..Deine Zukunft?"" CH in der Tat erdrückend ausfiel. Das Stimmens verhältnis bringt die starken pazifistischen Strö mungen in der englischen Arbeiterschaft allerdings nicht ganz getreu zum Ausdruck; die Stimm fraft" der Gewerkschaftsvertreter verzerrt das Zahlenbild einigermaßen. Aber solange der Geist der Toleranz und Meinungsfreiheit in der Las bour Party waltet, kommt es darauf nicht an. Solange bleibt sie davor bewahrt, zur leeren politischen Maschine zu erstarren. Sie ist ein Iebendiger Organismus, der in geistigem Ringen zu seinen Entscheidungen kommt, nicht durch mechanische ,, Gleichschaltung". Nur in dieser politischen Atmosphäre echter Demokratie ist eine politische Diskussion von solcher Höhe denkbar. Mit Recht konnte Friedrich Adler nach dieser Debatte dem Parteitag im Namen der Internationale zu seinem Beschlusse gratulieren. Ec stellte diesen Beschluß in den Rahmen der internationalen Politik des sozialistischen Proletariats und er wies vor allem auf den entscheidenden Unterschied gegenüber 1914 hin: daß damals die Internationale am Tage des Kriegsausbruches zerschlagen wurde, während sie heute, am Tage des Kriegsausbruches, in voller Einmütigkeit gegen den fascistischen Friedensbrecher zusammensteht! Als die Delegierten, nachdem sie durch ihren Beschluß die britische Arbeiterbewegung in die Front des internationalen Proletariats eingereiht hatten, aus dem Kongreßgebäude ins Freie traten, Tiefen ihnen die Zeitungsjungen mit den Abendblättern entgegen: Mussolinis Truppen marschieren in Abesi inien ein!" Der Wagenkorb schaukelte. Erst rutschten| zu? Sie kannte jeden Weg, jeden Baum, und vor würde eine Menge sehen, im Meer baden, es den einige Steinbrocken hinunter, dann folgte ein ihr lag der Teich, dem sie sich nicht mehr näherte, Amerikanern gleich tun. Grdsturz von Schutt und Mörtel. Das Wasser seit Julien auf seinen Blan verzichtet hatte. Man sprizte auf. Julien beugte sich darüber. Die lachte sie aus wegen ihrer Angst. Die Freunde Oberfläche hatte sich getrübt. Eine Zeitlang bildeten sich Kreise, dann war alles wie vorher. Ein zweiter Wagen folgte. Fünfmal vollzog sich das gleiche Manöver. Man hörte die Massen fallen, und wieder hatte der Teich ein paar Kubikmeter Schutt verschlungen. lagerten sich am Ufer und ließen sich photographieren, während sie sich an einen Baum flammerte und ihnen Warnungsrufe zuschrie. Einmal nickte sie auf ihrem Schattenpläßchen ein. Plötzlich sah sie, wie im Traum, eine zarte Gestalt auf sich zukommen, die Gestalt eines jungen Mädchens mit blondem Haar. Wie ein Schlag durchfuhr es sie: Helene! Sie streďte ihr die Arme mit geschlossenen Augen entgegen. Dann schlug sie die Augen auf und erkannte ihr Mädchen. Ja, Solange. Sie sah auch die Ursache ihrer Täuschung. " Du trägst eine neue Frisur?" Julien benutzte den Wagen nur, um nach Paris zu fahren. Auf unbekannten Straßen zu steuern, machte ihm keinen Spaß. Alfred hatte aber gewichtige Argumente bei der Hand. Er übers zeugte ihn von der Notwendigkeit, Irma auf andere Gedanken zu bringen, und schredte ihn mit der Aufzählung von Gefahren, die ein so zurückgezogenes Leben mit sich bringen könne. Uebri gens wolle auch Langlois sich an der Fahrt beteiligen. Schließlich machte Julien sich an die Vorbereitungen. Er verbrachte halbe Tage in der Garage." Ein schöner Wagen", erklärte er, will behütet sein wie eine Liebste." Er putte ihn von außen und von innen und war nicht besorgt um feine von Schmieröl triefenden Hände. Dann fuhr er in eine Autowerkstatt in Melun, um den Motor überholen zu lassen. Solange errötete. Julien hatte ihr so viel von Helene erzählt, von ihrem Leben und ihrem Sterben, daß sie sich oft vor dem Bild aufgehalDiese Arbeiten nahmen ihn so in Anspruch. ten und gewünscht hatte, ihm ähnlich zu werden. Irma ihr geschenkt hatte. Auch von ihr hatte sie standen erklärt. Die Aussicht, wie einst einige Zeit Außerdem bejak sie ein Kleid von Helene, das daß er wenig an Irma denken konnte. Sie hatte sich anfangs gesträubt, zuletzt aber doch einvers zuweilen von dem jungen Mädchen gehört. Es war Sommer geworden. an Alfreds Seite zu leben, hatte sie bestimmt. Man lieferte ihr ein Schneiderkleid, Sportschuhe und einen Autokoffer. Sie sehte Schritt vor Schritt und ging mit „ Das dauert, bis es fertig ist", sagte Julien. leerem Gesicht, mit ausdruckslosen Augen und Er wünschte, seine Frau würde einsehen, bleichen Lippen. Die Ermüdung der Nacht wirkte daß man eine sinnlose Anstrengung unternahm. nach. Julien schleppte sie fast. Auch ihn verließ Das wiederholte sich mehrmals in der Woche. die Erinnerung an ihren Zant nicht, und ver- Schon hatten die Räder tiefe Spuren in den Weg stohlen jah er auf Irmas Wange. Er erzählte gegraben. Die Wagen wurden entladen, der Dred ihr, die Freunde würden bald kommen, und Alfred schivamm oben, die Erde verschwand. Julien würde vielleicht die Pfingsttage bei ihnen ver- hoffte, es würde sich bald eine Insel bilden, aber bringen. Sie tat, als hörte sie nichts, und als wenn er ins Wasser sah, bemerkte er nur dunkle, brauchte sie ihre ganze Straft, sich aufrecht zu bewegliche Flecken wie im Meere. In der Gegend hatte man für sein Vorhalten. Eine Woche verging, ohne daß ihr Zustand den Garten französieren, der Teich sei eine Brut haben kein Verständnis. Er erklärte, er wolle sich wesentlich veränderte. Nur einmal war sie ausstätte für Mücken, er wiederholte also Irmas ihrer Apathie erivacht: um Julien zu erklären, daß Worte. Man erwiderte ihm, er entwerte sein sie nie vergessen könne, was er ihr angetan habe. Eigentum. Von Tag zu Tag wurde sein Mut kleiEines Tages rief er ihr schon von weitem zu: ner, und seine Bereitwilligkeit verwandelte sich Wie im vergangenen Jahre kamen die " Ich habe eine gute Nachricht, Dicke. Der in dumpfen Born. Schließlich eröffnete er Irma, Freunde Sonntags in die Villa Dase. Das war Julien gab Solange Ferien. Eines Morgens Teich wird zugeschüttet." die Unternehmer hätten keinen Schutt mehr, man ein Fest! Man trant den Wein ohne Wasser, aß schloß er die Villa zu, und die Fahrt begann. Im müsse die Sache vorläufig aufgeben. nicht zu knapp und tanzte zur Begleitung des Montbert Holten sie Alfred und Rose ab, und eine Zu seiner großen Ueberraschung blieb sie Grammophons. Irma hielt sich abseits, sie aß Stunde später waren sie schon in der freien Natur. fast nichts, lachte nicht, hörte nicht zu und wünschte Alfred hatte über seine nie eine Karte ges ganz ruhig. An schönen Tagen ging sie hinunter. Sie nur, daß die Leute endlich gingen. Alle hatten breitet, die er an jeder Straßenfreuzung zu Rate suchte sich den dunkelsten Plaß unter den Zweigen schlechte Manieren, alle fielen ihr auf die Nerven, zog. Julien hielt das Lenkrad fest in der Hand Er bat Irma, sie solle sich ans Schlafzim- eines kleinen Nadelwäldchens. Und saß und dachte selbst Alfred. Sie fühlte, daß sein Interesse für und starrte unverwandt geradeaus. Er hupte, merfenster seßen, und dann öffnete er das große an Helene. Wie gern hätte sie die Tage, da sie sie sie nachgelassen hatte. Als sie sich darüber be- verlangsamte das Tempo an den Kurven, hatte Gartentor. Ein Lastwagen schwankte hinein und wiedergefunden, noch einmal erlebt, ihre Vergan- flagte, gab er ihr zur Antwort, sie sei schwerfäls nicht den Ehrgeiz, andere Wagen hinter sich zu fuhr bis an den Teich. Julien betrachtete den stil- genheit noch einmal auferstehen sehen. Sie dachte lig geworden oder denke zu viel an ihr Mädel. Taffen. Die beiden Frauen saßen, Bobby in der len, grünlichen Wasserspiegel, auf dem Algen auch an ihre Sünden und empfand die Gewis- Man kann nicht in der Vergangenheit leben, mitte, auf den Rückfißen und betrachteten die schwammen. sensbisse als gerechte Strafe. Würde das immer Irma." Auch ihr Verhältnis gehörte der Vergan- Landschaft. Von Zeit zu Zeit wandte Alfred den so bleiben? Nein, sie war noch nicht so alt, hatte genheit an... Stopf und stellte fest, ob Langlois mit seinem noch ein gut Teil vor sich. Sie gewann wieder An einem der nächsten Sonntage Sprach er Wagen folgte. Zubersicht und wollte ein Stüd gehen. Aber wo bon einer Autotour durch die Bretagne, Man ( Fortsetzung folgt.) Er hatte sich mit einem Unternehmer ver ständigt und ihm den Teich als Schuttabladeplaz angeboten. Hübsch paar Karren waren nötig, und die Sache konnte Monate dauern. Aber das Wich tigste war, daß ein Anfang gemacht wurde. „ 203!" fommandierte er. Und zu Irma: " Paß auf." " Nr. 235 Mittwoch, y. Oktober 1935 Seite 3 ffitdefcndcidscficg leifepie^el Volkssporturteil und dann in nickt öffentlicher Verhandlung die Anklage gegenJung undSchubert verlesen. Die Verhandlung wird■ heute fortgesetzt. Die Sanierung der Bruderladen Der Entwurf der Kommission: Neuerliche Durchberatung Am Freitag, dem 4. Oktober, hielt die Kommission für die Sanierung der Bergarbeiterversicherung unter Vorsitz von Prof. Dr. Schoen« bäum eine Sitzung ab, in der der Vorsitzende das Sanierungselaborat samt Motivenbericht voclegte, die von einem aus der Mitte der Kommission gebildeten Arbeitsausschuß fertiggestellt Worden waren. Der Sanierungsentwurf, heißt es in der offiziellen Mitteilung,' fordert, wie es bei der Verzweifelten Lage der Zentralbruderlade nicht anders sein kann, Opfer vom Staat, Von den Bergarbeitern und den Grubenbesitzern. Die Bergarbeiterver» sicherung werde jedoch hiedurch auf eine feste finanzier Grundlage gestellt, die es während der ganzen Dauer dieser Versicherung nicht gegeben hat. Bei Aufrechterhaltung der Selbständigkeit der Bergarbeiterversicherung wird das besondere Risiko dieser Versicherung durch Rückversicherung bei der Zentralsozialversicherungsanstalt zum Teil auf das große Kollektivum der gesamten Arbeiterschaft übertragen. In der Generaldebatte dankte Direktor Dr. Maloch für den Verband der Grubenbesitzer der Sanierungskommission und ihrem Vorsitzenden für die Opferwilkigkeit und die geleistete Arbeit und erklärte, daß di« Arbeitgebergruppe den vor« gelegten Antrag als Grundlage für eine weitere Verhandlung annehme, sich hiebei aber die Durchberatung einiger ihrer Forderungen Vorbehalte. Die Vertreter-er Gewerkschaftsocganisa« tionen, die Abgeordneten BroZik, Lane, Zäbotee, Kose! und Haas« gaben die Erklärung ab, daß sie die Vorteile des Sanierungsentwurfes anerkennen, sie verweisen jedoch darauf, daß die beantragte Herabsetzung der Renten, wenn sie auch kleiner sei als in den früheren Sanierungsanträgen, gerade jetzt auf Widerstand stoße, weshalb sie verlangen, daß alle Mittel versucht werden» um diese Bestimmung des Vorschlages zu mildern. Für die Durchberatung dieses Wunsches wuvde ein viergliedriger Unterausschuß gewählt. Genoffe Haase verwies in der Debatte darauf, daß eine Herabsetzung dec Renten um durchschnittlich 14.6 Prozent eine Verschlechte- , rung der ohnehin aüf einem erbärmlichen Niveau befindlichen Lebenshaltung und eine Bedrohung 7 der Gesundheit der.Bergacheiterfamillen zur Folge haben müßte. Da diese Maßnahme und die beantragte Kürzung der Ansprüche der aktiv versicherten Bruderlademnitglieder geeignet sind, unter den Provisionisten und aktiven Bergarbeitern die schärfste Abwehr auSzulöstn, müssen Wege gesucht werden, jene Mittel herbeizuschaffen, die erforderlich sind, um den Abbau der Amten und der Ansprüche zu vermeiden. Und da kommen in erster Reihe die Bergbau unternehm» n- g e n und der Staat in Frage. Für beide besteht di« moralische Verpflichtung, die bereits zugesicherten materiellen Leistungen zu erhöhen. Die Unternehiner haben di« sozialen Folgen der Rationalisierung ihrer Betriebe ganz einfach auf die Bruderlade abgewälzt. Denn diese war gezwungen, an die brotlos gewordenen Arbeiter Invaliden- oder Altersrenten auszuzahlen. Die Pflicht des Staates wiederum resultiert aus der Tatsache, daß die Bruderlade finanzielle Leistungen auf sich nehmen mußte, die unter das Kapitel Kriegsbeschädigtenfürsorge fallen, die also er zu leisten verpflichtet gewesen wäre. Schließlich darf nicht vergessen werden, daß die Bruderlade jsnen Bergarbeitern Renten und Ansprüche ohne die geringste Bedeckung sicherstellen mußten, welche in Gebieten wohnen, die auf Grund des Friedons- vertrages unserer RepMik zugefallen sind. Der Vorschlag geht im wesentlichen dahin, daß das Gleichgewicht der Bergarbeiterversicherung aus folgenden Quellen sichergestellt wird: Durch einen Versicherungsbeitrag von 66 XL monatlich, wovon die Hälfte zu Lasten der Arbeitgeber, die andere Hälfte zu Lasten der Versicherungsnehmer geht; durch einen Die Katastrophe in Soborten Im Mtnisterrat Regierungshilfe für die Hinterbliebenen Prag. In der am 7. Oktober d. I. stattgefundenen Sitzung der politischen und Wirtschaftsminister erstattete Minister Dr..Sramek in Vertretung des Ministers für öffentKche Arbeiten Bericht über die Katastrophe auf der Grube»Prokop" in Soborten. Der Bericht des Ministers, in welchem auch die Ursachen des unglücklichen Ereignisses besprochen wurden, wurde mit Zustimmung und mit der Kundgebung tiefer Anteilnahme zur Kenntnis genommen. Gleichzeitig wurde beschlossen, den Hinterbliebenen Witwen und Waisen sofortige Hilfe angedeihen zu lassen. Ferner teilte der Minister mit, daß er aufs strengste eine neue Revision der Gruben angeordnet hat. Jugendfürsorge in Gefahr Erhöhung der staatlichen Subventionen notwendig- Einer Pressekonferenz, welche Montag von der Aktion„Demokratie fürs Kind" einberufen wurde und welche Fürsorgeminister Genosse NeLaS eröffnete, legte der Boxsitzende der tschechischen LaNdessfürsorgestelle Genoffe Vojia Benes, erschütternde Ziffern über das Elend der Jugend vor. Wenn man die Erfahrungen der Prager Lan- deSkommiffion für Kinderschutz zu Grunde legt, muß man die Zahl der Kinder, welche auf die Ernährungsaktion der Jugendfürsorge angewiesen sind und dort zum großen Teil die einzige gehaltvolle Nahrung erhalten, in der ganzen RepMik auf wenigstens 300.000 schätzen. Aehnlich hoch sind die Anforderungen, welche an die Bekleidungsfürsorge gestellt werden. Aber in demselben Augenblick, in dem di« Jugendfürsorge am notwendigsten wird, gehen ihre Einkünfte in erschrek» kendem Maße zurück. Ganz auf freiwillige Zuwendungen beschränkt, ohne öffentlich-rechtlichen Charakter, steht die Jugendfürsorge vor der Tatsache, daß die Subventionen der Gemeinden und Bezirke versiegen— häufig infolge des Nichtver- ständniffes der vorgesetzten BerwaltungSinstan« zen—, daß die staatlichen Beiträge von Jahr zu Ruh« vor dem schwanen Sturm tLovrriavt dr H!trovr«»e.) MLP. Addi» Abeba, 8- Oktober. Adua ist verloren. Aber seltsam: diese Gewißheit hat hier nicht die Erschütterung ausgelöst, die man vielleicht auf italienischer Seite erwartet hätte. Der Name Adua hat für die Abessinier nicht mehr die gleiche mystische Bedeutung wie für die Italiener. Die Nachrichten von den ersten Niederlagen sind moralisch nicht niederschmetternd gewesen. Man hat sie allgemein erwartet, und, wie ein Vertreter des Negus erklärte, lag es überhaupt im Rahmen des abessinischen Kriegs- PlanS, Adua nicht unter allen Umständen zu halten. Dies ist schon vor Wochen vom abessinischen Generalstab beschlossen worden. Die ernsten Auseinandersetzungen worden erst sehr viel südlicher beginnen, etwa 170 Kilometer von den Grenzen des Landes, dort, wo die abessinischen Berge beginnen, den Charakter des Hochgebirges anzunehmen. Auf Hunderte Kilometer gibt eS hier eine natürliche befestigte Front. Seit unauS- dcnllichen Zeiten sind die Höhlen, die sich hier finden, als Zufluchtsstätten gebraucht worden. Sie werden jetzt als bombensichere Unterstände für die abessinischen Truppen dienen, die hier ruhig italienische Lustangriffe und italienisches Trommelfeuer abwarten können. ♦ Trotz der Gewißheit von Tod und TodeS- kampf auf drei Kriegsschauplätzen herrscht in Addis Abeba selbst Ruhe. ES ist allerdings eine gespannte und unheilrschlvangere Ruhe— die Ruhe vor dem schwarzen Sturm des ganzen Heerbannes des Kaisers des Schwarzen Kaiserreichs. Der Negus selbst ist ein Beispiel dieser Ruhe, unerschütterlich im Vertrauen auf die Gerechtigkeit seiner Sache, gläubig, ernst, aber keineswegs verzweifelt. Die Ruhe, die in Addis Abeba herrscht, wird durch die erstaunliche Tatsache unterstrichen, daß der italienische Gesandte, Graf Vinci, auch nach AuSbruch der Feindseligkeiten sich völlig ungehindert bewegen kann und anscheinend nicht die Absicht hat, Abessinien zu verlassen, es sei denn, daß ihm seine Pässe zugestellt werden, was allerdings wahrscheinlich ist, da er zweifellos in ständiger funstelegraphischer Verbindung mit seiner Regterun ist. Aber vorerst gibt er vor, weniger als alle anderen zu wissen und hat sogar für Freitag Abend zu einer Gesellschaft geladen gehabt. Ueberhaupt spielen die Italiener ganz und gar die Harmlosen. Mehrere Legationsmitglieder spielten seelenruhig Billard, als gerade die ersten Nachrichten von den Bomben auf Adua eintrafen. Major Calderini von der Gesandtschaft zahlte noch heute einen Scheck bei der Bank von Ethopien ein, und Graf Vinci promeniert in seinem Garten. Allerdings wurde diese beschauliche Promenade von dem Besuch des Kommandanten Dothee unterbrochen. Der Kommandant Dothee sagte I höflich, aber bestimmt:„Ihre Landsleute bombardieren unsere Städte. Sie töteten unsere Frauen und unsere Kinder. Ich fürchte, die Bevölkerung wird sich an den im Lande befindlichen Konsuln rächen." Aber der Kaiser hat die Ge- Jahr verkürzt wurden und daß die privaten Spenden in katastrophalem Maße zurückgehen.„Für die Armen hatten die Armen das größte Verständnis", sagte Senator Benes in seinem Bericht: Die Kris« hat die Möglichkeit zu spenden gerade bei den Opferbereitesten so verringert, daß die Jugendfürsorge heute nur ein Fünftel dessen bekommt, was ihr früher von privaten Spendern zufloß. Nicht eine einzige Bezirksjugendfürsorge vermag heute aus eigenem die Bedürfnisse zu decken, cs gibt zahlreiche, die vollkommen auf Unterstützungen von außen angewiesen sind, weil die verarmte Bevöllerung nichts mehr beisteuern kann. Gen. Benes wies besonders auf das Elend in den deutschen Randgebieten, in einigen Teilen der Slowakei und in.Karpathenrußland hin, wo alle Anstrengungen ohne Hilfe der Zentralstellen aussichtslos sind. Dabei muß berücksichtigt werden, daß die Jugendfürsorge von freiwilligen Helfern mit einem verschwindend geringen Regieaufwand und mit größter Wirtschaftlichkeit auS- gcübt wird. Die Erhöhung der staatlichen Beiträge ist für die Jugendfürsorge die einzige Rettung in einem Augenblick der höchsten Gefahr. vorübergehenden Zuschlag der Unter- n ehm e r von 21 XL monatlich, wodurch die Prämie auf die bisherige Höhe ergänzt wird; durch einen Sanierungsbeitrag der Grubenbesitzer von 1$£ Prozent der tatsächlich ausgezahlten und als Grundlage für die Bemessung der UnfallversicherungsPrämie angemeldeten Lohnsumme; durch einen S a* nierungsbeitrag der Versicherungsnehmer von 3 XL monatlich-; durch einen Sanierungzzuschlag zu den Kohlenpreisen, und zwar 10 Helllcr je> Tage von solch außerordentlicher Wichtigkeit und in ihren möglichen Konsequenzen so weitreichend, daß namentlich von sozialistischer Seite die Notwendigkeit betont wird, gleich nach der Rückkehr des Außenministers aus Genf, also noch Mitte Ostober, eine große außenpolitische Debatte, und zwar ncht in den Ausschüssen, wie am Montag angekündigt wurde, sondern im P l e n u m der beiden Häuser abzuführen. Auch die definitive Wahl der Kammerpräsidien, die infolge der Parlamentsferien nicht in der vorgeschriebenen Friss stattfinden konnte, muß nun vorgeiwmmen werden. Es ist anzunehmen, daß am Freitag die endgültige Entscheidung über den Tag der ersten Sitzung noch nicht fallen, sondern weiteren Verhandlungen des Kammerpräsidiums mit dem Ministerpräsidenten überlassen bleiben wird. Neues Beweismaterial im Brünner Naziprozeß Verlesung der Anklage gegen Jung and Schubert in nicht öffentlicher Verhandlung Die Brünner Polizeidirektion legte neues Beweismaterial vor. in dem behauptet wird, daß Richter und JudexKreisvor» sitzende gewesen seien, daß eine Hitlerjugend und ein Zusammenhang mit dem Volks sportbe st anden habe. Die Verteidigung verlangte eine Frist zur Sichtung dieses Materials. Verteidiger Dr. Kpeisl verlangte die Ausscheidung des neuen Beweismaterials, damit darüber ein neues Verfahren eingeleitet werde. Der Staatsanwalt betonte, daß es sich nicht um eine Erweiterung der Anllage handle, sonder« lediglich uw die Herbeischaffung von Material, das notwendig sei, da die Angeklagten leugnen. Der Gerichtshof beschloß, der Verteidigung zum Studium des neuen Materials einen Tag Zeit zu geben. Es wurde deshalb zunächst das Die internationale Arbeiterklasse gegen den Kries Angesichts der Weltlage, die durch den verbrecherischen Angriff deS italienischen Fascismus geschaffen worden»st, haben die Sozialistische Arbeiter-Internationale und der Internationale Gewerkschaftsbund beschlossen, dringend eine GemeinsameKon- ferenz der Exekutive« der SA3 und des ZGB einzuberufen, die SamStag, den 1). Oktober, in Brüssel zusammentreten wird. Vorher fin- den Tagungen deS Bureau- und der Exekutive der SAZ sowie der leitenden Körperschaften des ZGB gesondert statt. Attlee Labour-Vorsitzender London.(Reuter) Der stellvertretende Vorsitzende der Parlamentsgruppe der Arbeiterpartei Attlee wurde einmütig an Stell« Lans- burys zum Vorsitzenden gewählt. Die Par» lamentsgnippe der Arbeiterpartei hat beschlossen, die Regierung zu ersuchen, daS Parlament so schnell als möglich rinzuberufen und an dem Tage des ParlamentszusanrmentritteS eine Debatte über die außenpolitische Lage durchzuführen. Dies« Forderung wird den Gegenstand der morgigen Tagung des Kabinettsrates bilden. Parlament Mitte oder Ende Oktober? Freitag Parlamentspräsidium Prag. Für Freitag um halb 12 Uhr vormittags wurde das Pavlamentspräsidium zu einer i Sitzung einberufon. Offenbar wird sich das Präsidium mit der Frage des Termins der P a r- Ilamentsei n b erufung zu befassen | haben. Auf Seite der Regierung scheint Las Be- j streben vorhanden zu sein, das Parlament erst q Bra^köhfe?1S Hell« fÜrHq Sss-inköhl« e Oktober einzuberufen, um gleich in der und 20 Heller für einen q KokS und schließlich^"stcn Sitzung daS Budget vorlegen»u können, durch Herabsetzung der Summe!«ro«« sozmlpolltnche AuSiPrache, mit der die der angefällenen Renten, um ins- l Herbsstesston m den letzten Jahren embegleitet gesamt 30 Mill. XL. Den fehlenden R e st, der« u'""den pflegt, wurde heuer ,a ichon zum gro- mit SO Millionen XL Veramchlagt wird, soll der ßen Teil m den lozlalpol.tlschen Ausichußen der Staat beitragen. Nach Ablauf von zehn Iah-' et‘’o«^nomm e n..«ndererieitS ren werden die SankerungSbeiträge allmählich w'd die außenpol.t.,chen Geschehnisse der letzten zu s i n le n beginnen, wöbe, unter günstigen Verhältnissen schon eine frühere Senkung nicht ausgeschlossen ist. 'II i.IML-U J—1SS-SW-S---S-—U-W sandtschaft durch ein starkes Aufgebot von berittenen Garden schützen lassen. Man glcnckt allgemein, daß Mussolini Zwischenfälle wünscht. Die unheimliche Ruhe hat sie bisher vermeiden lassen. Wenn die Italiener in den nächsten Tagen alle Addis Abeba verlassen werden, dann wird der Zug von abessinischen Truppen bis an die Grenze geleitet. Kaiser Hatte Selassie hat in diesem Punkt, wie in vielen anderen, ein außerordentlich großes diplomatisches Geschick bewiesen. 4» Einige Stunden vor der Mobilmachung gingen Palastdiener daran, den Kronschatz, in Stahlbehältern verpackt, aus dem Palast fortzuschaffen. Irgendwo im Gebirge an einem Platz verborgen, den niemand außer dem Kaiser, seinem Kanzler und wenigen vertrauten Dienern kennt, ruhen nun die Juwelen von unermeßlichem Wert. Der eigentliche Kriegsschatz dagegen ist für die Kosten des Krieges bereitgestellt. Jahr für Jahr, seit der Zeit MenelikS, wurde er aufgehäuft. Er soll heute sehr bedeutend fein und man glaubt, daß Abessinien in diesem Feldzug, im Gegensatz zu Italien, keine Geldsorgen hecken wird. » Die Europäer in Addis Abeba fürchten, daß die augenblickliche Ruhe plötzlich einem wilden! Aufstand gegen die Weißen Platz machen wird. Sie fürchten auch Luftangriffe, und schlafen am liebsten in Zelten außerhalb der Stadt— wenn sie überhaupt schlafen. Di« Eingeborenen, die nicht aus Erfahrung wissen, was Luftangriffe find, gehen ruhig zu Bett, schlafen und träumen wie Kinder. Englische Neuwahlen Ende November? London. Der überwiegende Teil der Londoner Morgenblätter bezeichnet als Datum der nächste» Wahlen den 28. November. Falls sich die internationale Lage verschlechtern sollte, würde allerdings die Bolksbesragung unmöglich werden. „Daily Mail" glaubt, die jetzige KoalitionSbastS könnte durch Zuziehung Sir Herbert SamuelS (unabhängiger Liberaler) und einiger Führer der Labour-Party erweitert werden.„Morning Post" meint demgegenüber, die Tatsache, daß die schärfste Opposition der Arbeiterpartei gegen das Programm der Wiederaufrüstung, das dem Parlamente vorgelegt werden wird, als feststehend angenommen werden kann, festige innerhalb der Regierung das Gefühl, daß man daS Land zu Neuwahlen ausrufen müsse. Der autoritäre Galgen Neues Bluturtell In Oesterreich Wien.(Tsch. P. B-) vor dem Wiener Schwurgericht hatten sich fünf Angehörige der sozialdemokratischen Partei zu verantworten, die unter der Anstage standen» Sprengstoffe und Waffen erzengt und aufbewahrt zu haben. Der Hauptangeklagte, der 23jährige Zimmermann Franz Poslusnh, wurde zum Tode durch den Strang, die Mitangeklagten Karl Bauer und Alois Hangl zu fünf Jahren schweren KerkerS, die Angeklagten Otto Roth und Johann Doorer zu je 2)ch Jahren strengen Arrestes verurteilt. Der Verteidiger Poslnsnüs brachte gegen daS Todesurteil die Nichtigkeitsbeschwerde ein. Seite 4 Mittwoch, 9. Oktober 1935 Nr. 235. Wieder eine Grnbenkatastrophe Zwei Todesopfer in Nürfchan Pilsen. An der„A i e g l e r- G r« b e" der S k o d a-Wcrke in Nürfchan bei Pilsen brach Dienstag früh in einer Abteilung aus bis- ber ungeklärter Ursache ein Brand aus, begleitet von einer Explosion. Der 30jährige verheiratete Prag. Dienstag um 10 Uhr vormittags ereignete sich ein Flugunfall, bei welch ein zwei Militärflieger ums Leben kamen, und zwar der Bcobachtrr-Zugsführeraspirant Hermann M o l- L a n und der Pilot-Gefreite Stanislav Babus, beide vom Flieger-Regiment Nr. 3. Das Unglück ereignete sich etwa eineinhalb Kilometer südlich des Flugfeldes in Kaschnu. Die Flugmaschine ge- Feuerkreuz und Sowjetstern Paris. In der Gemeinde Villepinte in der Umgebung von Paris kam es Sonntag zu einem Zusammenstoß zwischen der Feuerkreuzorganisation und den Kommunisten. Uebcr zwanzig Personen wurden verwundet. Zwei von ihnen wurden durch Revolverschüsse ernstlich verletzt. Außerdem wurde ein Polizeikommissär durch einen Steinwurf am Kopfe verwundet. Verhinderte Großfälschung von Arbeitsanleihe Der Ingenieur Wenzel Stampfer aus Wrschowitz erstattete gestern die Anzeige bei den Finanzbehörden und bei der Polizei, daß eine Gesellschaft, bestehend aus Dr. Arthur Schmied!, Teilhaber einer Prager Advokatenkanzlei, dem 38jährigen Otto Kolben und dem 47jährige§ Pri- vatbeamtcn Karl Wälzer die Absicht habe, Arbeitsanleihepapiere auf 1000 XL Nominalwert in größerem Umfang zu fälschen. Dr. Schmied! habe nämlich Stampfer besucht und ihm mitgeteilt, er habe ein Millionengeschäft für ihn, brauche jedoch jemanden, der ihm gefälschte Arbeitsanleihepapiere» verschaffe. Stampfer könne hiehei 150 bis 200 XL pro Stück verdienen. Auch brauche er keine Angst zu haben, daß die Sacke Verraten werde, denn die gefälschten Papiere kämen an Stelle der echten ins Depot eines Prager Geldinstitutes und würden von dort erst nach zwanzig Jahren herausgenommen. Stampfer ging zum Schein auf Schmiedls Vorschlag ein, lvollte jedoch nur weitere Einzelheiten und vor allem den Namen des betreffenden Geldinstitutes erfahren. Tatsächlich erfuhr er 50 Nummern der geplanten Fälschungen und erhielt auch sechs Briefe von Dr. Schmiedl, in denen er ihn aufforderte, sich mit der ganzen Sache zu beeilen, lieber das fragliche Geldinstitut gelang es allerdings weder ihm, noch den Behörden Näheres zu erfahren. Sämtliche Verhafteten leugnen hartnäckig, obwohl sie mit Stampfer konfrontiert wurden. Sie wurden in die Haft des Prager Kreisgerichtcs cmgeliefert. Prozeß um den polnischen Ministermord Warschau. Der in Polen mit,größt er Spannung erwartete Prozeß gegen die Mörder'des polnischen Innenministers Pieracki ist auf den 1-8. November angesetzt worden. Die Untersuchung der Mordtat, die im Juni 1934 sich ereignete, ist streng geheim durchgeführt worden, so daß erst jetzt nach Drucklegung der 110 Seiten starken Anklageschrift die Namen der Angeklagten bekannt wurden, und ebenso erstmalig auch d»r Name des eigentlichen Täters Maci^ jko. Ma- ciejko selbst ist ins Ausland geflohen und bisher nicht aufgefunden worden. Wegen Vorbereitung und Beihilfe der Ermordung des polnischen Ministers bzw. wegen Erleichterung der Flucht Maciejkos sind zwölf Leute im Alter von 20 bis 30 Jahren an geklagt, darunter zwei Frauen. Bei sämtlichen Angeklagten handelt es sich um ukrainische Studenten. Hauptangeklagter ist Stefan Bänder s,„der den Attentatsplan ausgearbeitet hat. Man rechnet mit einer Prozeßdauer von etwa vier Wocken, da 1 4 4 Zeugen vorgeladen werden. Die Verteidrsiung aller Angeklagten.liegt in den Händen ukrainischer Rechtsanwälte. Auto—Straßenbahn— drei Tote Hamburg-Wilhelmsburg. An Hamburg stieß ein mit vier Personen besetzter Hamburger Kraftwagen mit einem Straßenbahnzug zusammen. Die Insassen des Kraftwagens wurden schwer verletzt. Als Pasianten versuchten, die Verletzten, die die Besinnung verloren hatten, aus dem Wagen zu befreien, explodierte der Benzintank. Drei der Autoinfassen verbrannten, bevor.Hilfe möglich war. Der vierte Kraftwageninsasse wurde mit schweren Verletzungen ins Krankenhaus geschafft. Arbeiter K. Svoboda aus Nürfchan wurde getötet, dar 36jährige verheiratete Arbeiter K. Hostet aus der gleichen Stadt ist auf dem Wege ins Krankenhaus seinen Verletzungen erlegen. Die Ursachen, der Explosion werden untersucht. härte zur Type A—11. Die Ursache des Unglücks bildete das allzurasche Steigen des Flugzeuges sofort nach dem Start, wodurch die Maschine, welche noch nicht die hinreichende Schnelligkeit besaß, i!n einen Trudel geriet und zu Boden stürzte. Die sofort an Ort und Stelle entsandte Militärkommission untersucht die Einzel» Herten des Unfalles. Maitresse für hundert Krauen... Wir lesen in der Wolfpresse nachstehendes Inserat: Jenem hübschen jungen Fräulein wöchentlich 100 XL, welches gebund., 27jähr. Herrn, Autobesitzer, diskr. Freundin ist. Anträge unter ,.-. In früheren Zeiten hätte eine derartige Annonce zweifellos einigen Anstoß erregt. In der Gegen- wart fällt sie fast gar nicht niehr auf, denn daß jemand durch die Zeitung eine Freundin sucht, ist längst nichts Neues mehr. Ungewöhnlich ist im vorliegenden Falle bloß der Umstand, daß auch gleich von der Taxe gesprochen wird. Viel ist es nicht gerade, was der Mann, der sich im- inerhin ein Auto leisten kann, hier bietet, aber unter dm gegebenen Verhältnissen wird es an Bewerberinnen für den inserierten„Posten" leider nicht fehlen. Um so mehr sei der indiskrete ungenannte Herr ongeprangert, der für hundert Kronen einen Menschen käuflich zu erwerben sucht.. Gegen die Sonntagsruhe richtet sich eine Notiz im„Prager Tagblalt" vom 8. Oktober. „Eine Leserin" fühlt sich bemüßigt, daran„zu erinnern", daß„in den meisten Ländern Sonntags alle Lebensmittelgeschäfte und Dkärkte offen sind ... die Kinder bekommen Sonntags ihre frische Milch... es wäre in anderen Ländern undenkbar, Sonntags weder Milch, Brot, Fleisch noch Gemüse und Obst frisch zu bekommen... die Lehensmittelgeschäfte sind,in anderen Ländern im Winter bis p»Uhr abends,-nn-Ssmmvr bis 4ENhr offen... dafür sind die Geschäfte von halb 1 Uhr nachmittags bis 4 oder bis 5 Uhr geschlossen..." Diese„Leserin" des„P. T." scheint nicht in unserem Staate zu leben, denn sonst müßte sie doch wissen, daß auch in jenen Orten, in denen bei uns die Sonntagsruhe im Handel besteht-— leider ist dies derzeit noch die Minderzahl— der Verkauf von Milch, frischem Obst und ftischem Gemüse in den einschlägigen Geschäften gestattet ist und gehandhabt wird. Es kommen also auch die Kinder Sonntags zu ihrer frischen Milch— abgesehen davon, daß in jenen Kreisen, denen die„Leserin des P. T" anzugehören scheint, die Milch auch Sonntags ins Haus zugestellt zu werden pflegt. Es ist gewiß noch kein Fall bekannt geworden, daß jemand deswegen, weil sich die Handelsangestellten in jahrzehntelangen Kämpfen die Sonntagsruhe wenigstens zum Teil errungen haben, verhungert ist. Und mit der Wochentags-Ladensperre ist es ähnlich. Ob ein Schließen der Geschäft.- von halb 1 bis 5 Uhr nachmittags den Levensgewohnheiten und Bedürfnissen unserer Bevölkerung entsprechen würde, ist wohl sehr fraglich Erwiesen ist dagegen, daß die Geschäftszeit bis 7 Uhr abends dem einkaufenden Publikum vollkommen genügt und daß auch die Kaufleute froh sind, nicht bis in die tiefe Nacht hinein im Laden stehen zu müssen. Die von den Angestellten angestrebte Sechs-Wr-Ladensperre würde auch entsprechen, weil auch dann noch Zeit genug für alle wäre, ihre Einkäufe zu besorgen. Auch die„Leserin des P. T." wird sich bestimmt nicht erst gegen 10 Uhr nachts daran zu erinnern brauchen, daß sie gerade noch etwas dringend zum Essen braucht— sie soll nur rechtzeitig daran denken und wird tagsüber bestimmt Zeit genug zur Besorgung ihrer Einkäufe haben. Die russische Delegation in Prag. Die Sowjet-Schriftsteller besichtigten Dienstag die Werke der Firma Eeskomoravskä- Kolben- Danck und wurden nachmittags auf dem Altstädter Rathaus vom Primator Baxa empfangen. Montag abends fand ein Empfang im Prager Gesellschaftsklub statt, welchen der Pressechef des Außenministeriums Jan Häjek veranstaltete. Gräßlicher Unfall. Dienstag nachmittags fuhr der 50jährige Bergmann Karl Hüla aus Kroce- hlav mit seinem Rade in der Riegerovä tri da in Kladno. Als er plötzlich in die Fahrbahn einbog, wurde er von einem Personenautomobil, das von dem Kaufmann Wenzel Runza aus Kladno gesteuert wurde, erfaßt. Durch den Zusammenstoß wurde Hüla von seinem Rade und mit dem Kopf an eine Telegraphenstange geschleudert. Er blieb auf der Stelle tot liegen. Seine Tochter, die sich auf dem Heimweg von der Schule befand und sich zu der Menschenansammlung gesellte, erkannte mit Schrecken in dem Toten ihren Vater. Ans den Spuvan der Mörder. Der Friseurgehilfe Adalber Szabo aus Kaschau, gegen den die Polizei als den Täter des an der Großmutter Szabos, der 81jährigen Marie Mi- halyanskä in Kaschau, verübten Raubmordes einen Steckbrief erlassen hatte, weilte Montag in Krom- pachy zu Besuch bei einem Kameraden, der von der Mordtat noch nichts wußte. Szabo hatte einen größeren Geldbetrag bei sich. Er wird weiterhin von den Sicherheitsorganen verfolgt. Die Spur nach dem verschwundenen Räuber Koudelka wurde in Zminnela bei Pardubitz aufgegriffen. Die Gendarmerie hat die Verfolgung auf« genommen und die dortigen Wälder umstellt. Didichten undurchdringlichen Wälder bieten jedoch dem Räuber ein sehr gutes Versteck. Unfall oder Verbrechen? Bei Bhro im Bezirk PrelouL, wurde der 48jährige Fleischer I. D o st ä l e k aus Prelouc, der sich gegen zwei Uhr früh mit dem Fahrrad auf einen Geschäftsweg begeben hatte, auf der Straße in schwer verletztem Zustand aufgefunden und ins Pardubitzer Krankenhaus gebracht. Dje Gendarmerie untersucht, ob es sich um eine« Unfall oder ein Verbrechen handelt. Die Nachforschungen werden dadurch sehr erschwert, daß Dostälek bishet aus seiner Ohnmacht nicht erwacht ist. Nazischulbücher auf Reisen. In einer Schule der englischen Stadt Manchester wurde jüngst für den Deutschunterricht ein Buch„Deutsches Leben" eingcführt. Ein löjähriger Schüler erkannte bald, daß es ein Nazipropagandabuch ist. Der verantwortlichen Schulbehörde lvar diese Tatsache entgangen. Nun aber machten die Arbeiterparteiler im Stadtrat den Schulrefcrenten auf das Buch aufmerksam, das er nicht gelesen hatte. Er halte dies nach und die Folge war, daß das Nazibuch sofort aus denh^Unterricht verbannt wurde. Der Fall ist auf dein Parteitag der Labour Party in Brighton zur Sprache gekommen und führte zur Annahme einer Entschließung gegen die Zulassung fascistischer, hitlcrdeutscher und militaristischer Bücher in den Schulen Enlands. Oestevttichische Bundesbahnen nehmen keine XL. Wie die„Reichspost" erfährt, haben die österreichischen Bundesbahnen die Annahme von XL in Noten und Münzen in den Bundesbahnhöfcn verboten. Die Zahlung der in XL ausgedrückten Forderungen hat in den im Jnlande gelegenen Bahnhöfen der Bundesbahnen in Schillingen, in den im Auslande gelegenen Bahnhöfen entweder in Schillingen oder in der betreffenden Landeswährung zu erfolgen. Erpresser. In Hollywood wurden sieben Männer verhaftet, welche sich an einem Komplott zwecks Erpressung von tausend Dollar von dem Film st ar May W e st beteiligten. In einem Schreiben drohten sie, daß sie, wenn ihnen die geforderte Summe nicht zukomme, ihr in den nächsten Tagen anflanern und Schwefelsäure in das Gesicht schleudern würden, wodurch ihr jede weitere Tätigkeit im Film unmöglich gemacht werden- würde. Segelflugrrkorde. Bei dem Segelfliegertreffen in Koktebel(Rußland) wurden neue Weltrekorde aufgestellt:- Und zwar bei Dauerflügen mit einem einsitzigen, zweisitzigen und dreisitzigen Segelflugzeug in 38 Stunden 40 Min., bzw. 38 Stunden 10 Minuten, bzw. 11 Stunden 30 Minuten. Und im Nonstopflug eines fliegenden Zuges auf 1524 Kilometer. Der Rekord für Frauen im Dauerflug mit einem einsitzigen Segelflugzeug betrug 15 Stunden 39 Minuten und mit einem zweisitzigen Flugzeug 12 Stunden 9 Minuten. Wiener vriek Die Jeritza braucht man dem Leser nicht erst vorzustellen. Das Opernpublikum zweier Welten kennt sie als glanzvolle Sängerin von hinreißender Därstellungskraft. Für Wien aber bedeutete sie mehr: man empfand es nicht nur dankbar, daß sic der Staatsoper, der Wiege ihres Ruhmes, eine— allerdings sparsam dosierte— Anhänglichkeit bewahrte und ihr alljährlich als herzlich willkommener Gast einige volle Häuser»,mit entsprechend reichen Einnahmen verschaffte; nein, man(das heißt die„maßgebende" Wiener Gesellschaft) betrachtete sic als zu sich gehörig in einen* engeren Sinne, die reiche Bourgeoisie, seitdem sie, die Brünner Tischlerswchter, nach reichlich genossener Freiheit durch Vermählung mit einem^,Baron" Popper gesellschaftsfähig geworden"war, der regierende klerikale Klüngel aber, seitdem sie vor Jahren einmal mit demonstrativer Geste einem katholischen Jünglingsverein die bei einer Balgerei mit sozialdemokratischen Jugendlichen zu Schaden gekommene große Trommel durch eine neue ersetzt hatte/ Das war „die" Jeritza. Unter diesen'Umständen war es nur selbstverständlich, daß anfangs September die überraschende Kunde von ihrer im Staate Arkansas vollzogenen Ehescheidung und neuerlichen Vermählung mit einem amerikanischen Filmkönig die gebührende Sensation hervorrief. Die Wortführer der öffentlichen Meinung verbanden mit herzlichen Glückwünschen den Ausdruck der Hoffnung, die neugebackene Mrs. Sheehan werde ihre alte Heimat nicht vergessen, sondern womöglich noch in diesem Herbst, wie gewöhnlich, ihren Verpflichtungen gegenüber der Wiener Oper nachkommen. Da, mitten in der schönsten Festesfreude, Der Mörder Koudelka erschaffen Bei einem Gefecht mit Gendarmen Pardubitz. Dienstag nach halb 20 Uhr wurde die Gendarmerieiwtion in Pardubitz vom Bezirksamt in Sezemice verständigt, daß ein junger Mann gesehen wurde, der nach der Personalbeschreibung mit dem Mörder Koudelka identisch war und daß er in der Richtung nach der Gemeinde Lukovna gegangen sei, wohin ihm drei junge Leute folgten. Daraufhin wurden sofort unter Führung des Gendarmeriemajors Holst drei Automobile mit Gendarmerie von Pardubitz nach Lukovna entsandt, wo Koudelka in einem Gasthaus getroffen wurde. Um 8 Uhr riegelten die Gendarmen das Gasthaus ab und nahmen dort Koudelka fest, der bei der Festnahme angeschossen wurde. Die Schwere seiner Verletzung konnte bisher nicht festgestellt werden. Koudelka ist noch am Leben. Eine spätere Meldung besagt: Die Festnahme des Mörders Koudelka ging folgendermaßen vor sich: Als die Gendarmerie das Gasthaus in Lukovna umzingelt yatte, trafen die Gendarstren Koudelka auf dem Gang an, der mit erhobenem Revolver heraus kam. Als einer der Gendarmen ihn» einen Schlag versetzte, drehte sich K o u'd e l k a um, sprang in den Hof und begann zu schießen. Die Gendarmen erwiderten das Feuer und Koudelka wurde in den klopf und in die Weiche getroffen. Er ist auf derStelle gestorben. Von den Gendarmen ist, wie durch ein Wunder niemand verletzt worden. Eine Gerichtskommission hat sich sogleich an Ort und Stelle begeben. Schiffszusammenstoß. Das amerikanische Küstenwachtschiff„Argo" an der Küste von Lang Island ist mit dem englischen Dampfer„Prontor"(2200 Tonnen) zusammengestoßen und brachte es zum Sinken. Die Besatzung wurde an Bord der„Argo" übernommen, die sich vergeblich bemühte, das Wrack der„Pronto" abzuschleppen. Wahrscheinliche- Wetter Mittwoch: Im Westen der Republik zunächst wechselnd bewölkt und. bei auffrrschendem Südwestwind vorübergehend- ein wenig wärmer, später wieder Zunahme der Bewölkung und der Regenneigung. Im übrigen Gebiet noch keine größere Aenderung. Wetteraussichten für Donnerstag: In den böhmischen Ländern unbeständig, kühler, Westwind. Im Karpathengebiet allmähliche Verschlechterung, aber-noch ziemlich warm. Vom Rundfunk InpfchleMwartai aus du Programmen! Donnerstag: Prag, Sender L: 10.05: Deutsche Presse, 12.10: Schallplatten: Tschaikowski, 12.35: Konzert, 17.15: Klavierkonzert, 17.45: Deutsche Sendung: Jugendstunde mit Musik. 18.45t Deutsche Presse, 19.15: Englisch für Anfänger,'21.15: Konzert des Prager Rundfunkorchesters. Sender S: 7.30: Leichte Musik, 14: Schallplatten, 14.15: Deutsche Sendung: Fuchs: Michelangelo, 14.50: Deutsche Presse.— Brünn 13.30: Deutscher Arbeitsmarktbericht, 15: Orchesterkonzert, 17.40: Deutsche Sendung: Arbeiterf^unk: Heinze: Ällemane und AllemanismuS, 18.30: Schallplatten: Debussy. — Mährisch-Ostran 18.10: Deutsche Sendung: Feigr: Wie der Regisseur eine Opernszene bildet—> Arien und Lieder.— Preßburg 16.10: Orchesterkonzert.— Kaschau 19.10: Klavierkonzert. flatterten zwei Gegenminen auf: die eine aus der Umgebung ihres emeritierten Gatten in Gestalt der Erklärung, ihm sei erstens von einer Scheidung überhaupt nichts bekannt, zweitens habe er noch gar nicht endgültig eingewilligt, drittens aber gebe es zwischen den geschiedenen Gatten noch eine Reihe schwerwiegender Einzelfragen „vorwiegend materieller Natur" zu regeln(ein Wink mit dem Zaunpfahl, der nicht mrßzuver- stehen war); der andere Schuß ,aber kam nicht von Herrn Popper, sondern— fast möchte man sagen: im Gegenteil— aus streng katholischen Kreisen und der hochdramatische weitere Verlauf dieser Angelegenheit wird aus einer Nüchternen chronologischen Darstellung am besten klar werden. Am 6. September schreibt die„Reichs- post", das allmächtige Hauptorgan der Klerikalen, unter dem bissigen Titel„Marie Jeritzas Ehen", ihre untrennbare katholische Ehe mit Herrn Popper fei„in Oesterreich bis zum heutigen Tage noch immer in Kraft". Ihre sonderbare„ArkansaSehe" bedeute daher,„daß sie auf alle ferneren Bindungen zu ihrem alten Heimatlande V e z i ch t I e i st e t. Die Auswirkungen dieser Loslösung betreffen, wie anzunehmen, auch eine event. künstlerische Tätigkeit an der S t a a t s o p e r, die mit Frau Jeritza gar keine vertraglichen Verpflichtungen hat und auf die die Künstlerin nach der ganzen Sachlage auch, keinen Wert mehr zu legen scheint". Also ein Hinauswurf in aller Form. Noch leidenschaftlichere Töne schlägt am 12. das„Katholische Leben", Organ des Volksbundes der Katholiken Oesterreichs, an; es spricht geradezu von dem„Verbrechen der Bigamie", findet das Verhalten der Staatsoper„sehr merkwürdig", cing Tod zweier Militärflieger in Kascha« 3a Iran Jeritza kauft den autoritären Staat Nr. 235 Mittwoch, 8. Oktober 1935 » Seite 5 Die schwangere 17jährige Geliebte ertränkt, um eine reiche Brant heimzuführen? Tr»sS-ie am Borroeihrrachtstag— Dreitägiger Dchwurgerichtsproretz ^Würdelosigkeit sondergleichen", und. fährt fort:»Wir sind überzeugt, daß auch die führenden Männer unseres Staates unserer Ansicht sind und die nötigen Maßnahmen treffen, um das Ansehen und dieEhre des katholischen Staates auch gegenüber untergeordneten Organen zu wahren... es handelt sich hier nicht um den Fall Marie Jeritza, sondern eshandeltsich umdas katholische Oesterrei ch." Am 14. stellt die„Reichspost" fest, daß die im Umlauf befindlichen„Gerüchte" über eine vertragliche Verpflichtung der Oper falsch seien. Trotz diesem Machtwort aber beginnt nunmehr die Gegenoffensive, zuerst ganz schüchtern. Am 18. mit der Meldung, Mister Sheehan, der Gatte, habe in Unt« rach, dem Scmmersitz der Jeritza, 5000 Schilling für verschiedene Institutionen Darunter auch das Heimatschutzkorps und das Pfarramt) gewidmet und sei zum Danke dafür zum Ehrenbürger dieser natürlich streng katholischen Gemeinde ernannt wor-den. Am 18. wird bekannt, daß die erste Ehe mit Herrn Popper gar nicht katholisch, sondern evangelisch vollzogen worden war. Am 17. greift in auffallender Weise die (amtliche)„W iener Zeitung" ein, nennt die Affäre„reichlich ü b e r f l ü s s i g", da man.„bei einigem Nachfragen" gleich anfangs hätte erfahren können, wie es mit dieser Ehe stehe; und„maßgebend für die Beurteilung ist doch nur die Sängerin, und da dürfte man nicht veryeffen... mancherlei Sei« st u n g e n für Oesterreich und sein Ansehen...volle Häuser bei besonders erhöhten Preisen usw. usw.", und überhaupt,„was man in Salzburg toleriert, kann doch nicht i n W i e n verdammenswert sein"— eine Anspielung auf Max Reinhardt, der trotz seiner bedenklichen Scheidungsaffäre auch von offiziell katholischen Kreisen gerne als Anziehungskraft verwertet wird. Das ist offenkundig die Sprache der Staatstheaterverwaltung und es hat nunmehr den Anschein, als ob mit dem Feldruf„Hie Religion I— Hie Fremdenverkehr!" ein Kampf zwischen den Organen des autoritären, christlichen Staates entbrennen sollte. Denn auch die Klerikalen geben sich noch keineswegs geschlagen. ■ Am 17. noch erklärt das klerikale» dem Bundeskanzler nahestehende„W e l t b l a t t", durch die Feststellung, daß die erste Ehe protestantisch war, seien die Erörterungen nur„zum Teil" gegenstandslos geworden. Das„Volk der Schauspieler und Künstler", das bereits vor 100 Jahren Aufnahme in die bürgerliche Gesellschaft gefunden- hcche,„müßt, nun, endlich auch darangehen, sich in seinem Privatleben vollkommen den Auffaffun- gen und sittlichen Ansichten der guten bürgerlichen Gesellschaft anzupassen". Auch die„Reichspost" bleibt unerbittlich, und als am 19. eine Erklärung der Rechtsanwälte veröffentlicht wird, di« geschiedenen Gatten hätten loyaler Weise alle schwebenden Fragen, auch „die vermögensrechtliche Auseinandersetzung über die Auflösung der Haushalte" bereinigt, findet die„Reichspost" einzig die Mitteilung über die Auflösung der Haushalte be» merkenswert. Frau Jeritza wird also in Kürze nach Amerika davonfahren und somit„e r- Lbrigt sich ein weiteres Eingehen auf die Begleitumstände dieser unerquicklichen Angelegenheit". Also auf deutsch: man braucht sie nicht mehr hinauSzuwerfen, da sie von selbst geht. Und mm, drei Tage später, geschieht das große Wunder. Am 22. September verlautbart dieselbe „Reichspost":„Kammersängerin Marie Jeritza wird, in inniger Verbundenheit mit Oesterreich und Wien, folgenden wohltätigen Zwecken Spenden zuwenden..." und nun folgt eine ganz respektable Liste, beginnend mit dem Herma v. Schuschnigg- Fonds, der BaterländischenFront, der Heimwehr und der Dollfußkapelle und endend mit dem Katholischen Jünglingsverein Josefstadt(das ist der mit der großen Trommel!) und dem Erzherzog Rainer- Deteranenverein. Summa summarum sind es 20.000 Schilling. Tags darauf wird offiziell mitgeteilt, daß Frau Jeritza am 1. Oktober in bet Staatsoper als Tosca auftreten werde und so geschieht es auch; und damit nicht genug, es wird ihr noch zuvor mit besonderer Feierlichkeit das Offizierskreuz erster Klasse des Oesterreichischen Verdienstordens iiberreilbt! Keine Rede mehr von„Unsittlichkeit", vom„Verbrechen der Bigamie", von„Gefährdung des Ansehens und der Ehre des katholischen Staates", im Gegenteil:„innigste Verbundenheit" mit Oesterreich, insbesondere mit der regierenden klerofascistischen Sippschaft. Mit einem Scheck der Mister Sheehan hat sich die Jeritza den ganzen„autoritären, christlichen Staat auf ständischer Grundlage" gekauft. Er hat nicht einmal viel gekostet; im ganzen zwanzigtausend Schilling, nur viermal so viel wie die kleine Gemeinde Unterach. Jetzt weiß man wenigstens, tvas der ganze Krempel wert i st. Justus K e n n t r. Prag. Das hiesige Schwurgericht steht seit Montag im Zeichen eines großen Prozesses. In dreitägiger Verhandlung hat sich der 25jährige Maschinenschlosser Jaroslav Iezek aus K o z i t i n bei Pribram wegen Ermordung seiner 17jährigen schwangeren Geliebten zu verantworten. Den Vorsitz der Verhandlung führt OGR. H r u s k a, als Ankläger fungiert Staatsanwalt Dr. T r z i c k Es sind insgesamt 30 Zeugen geladen; die Verhandlung dürfte einen äußerst dramatischen Verlauf nehmen. Dir Anklagt führt aus: Am 81. März d. I. wurde aus dem Teich Drojdäk die Leiche einerjungen Frau gezogen, deren Identität einstweilen nicht festzustellen war. Das Gesicht war bereits vollkommen unkenntlich, doch waren an der Nase und in der Augengegend blutige Verletzungen zu erkennen. Der Körper war rot verfärbt und aufgedunsen. Um den Hals der Leiche war mehrfach «ine Schnur geschlungen, daran eine Windung über das Kinn lief und den Unterkiefer nach links zog. Die Enden dieser Schnur waren in einer Weise zerfasert, die darauf hinwies, daß sie durch Reibung an einem schweren, kantigen Gegenstand durchgescheuert wurde. Das Gesamtresultat der Leichenbeschau und nachfolgenden Obduktion war, daß die mit einem schweren Stein beschwerte Leiche mehrere Monate im Wasser gelegen hatte, bis der den Stein festhaltende Strick von den Steinkanten durchgescheuert war und der von Verwesungsgasen aufgetriebene Körper an die Oberfläche aufstieg. In der Leich« wurde die 17jährige Marie D u ch o st festgestellt, die seit dem 23. Dezember 1934 abgängig war. Ob es sich um Mord oder Selbstmord handle,- war- einstweilen nicht festzustellen. Festgestellt wurde-dagegen, daß Marie Tuchost sich im Zustand vorgerückter Schwangerschaft befand. Die Erhebungen der Gendarmerie ergaben, daß Marie Duchost am 23. Dezember um die zweite Nachmittagsstunde von daheim weggegangen war. Die Armbanduhr der Leiche war zweiMinuten vor halb sieben stehen geblieben. Um diese Zeit hatte also düs unglückliche Mädchen den Tod gefunden. Allgemein wurde in der ganzen Umgegend der Geliebte der Dochost, der heute angeklagte Jaroflav JeZek des Mordes bezichtigt, um so mehr, als festgestellt wurde, daß er am kritischen Tag um 18 Uhr mit ihr zusammen gesehen worden war. Je- zek wurde ins Verhör genommen, leugnete jedoch auf das bestimmteste jede Schuld ab. Man führte ihn zu der Leiche. Er zeigte sich erschüttert, blieb aber bei seinen Unschuldsbeteuerungen. Nach längerem, gütigem Zureden brach er plötzlich in Tränen ans und legte ein Geständnis ab. . Er schilderte den Hergang in der. Art, daß Anna Duchost ihn am 23. Dezember um die- sechste Abendstunde abgeholt habe. Er entledigte sich feiner Holzpantoffeln und zog Halbschuhe an. Gleichzeitig holt« er aus der Speisekammer eine starke Zuckerschnur. Unterwegs habe das Mädchen gesagt, sie werde Selbstmord begehen, worauf er ihr vorschlug, sich gemeinsam mit ihm zu ertränken. Unter diesen Reden, seien sie zu dem Teiche gekommen. Er wollte sich mit ihr zusammenbinden, um gemeinsam mit ihr in den Teich zu springen. Sie habe aber den Mut verloren. Nun warf er sie auf den Boden, schlang ihr di« Schnur um den Hals, schlug sie mit einem Stein ins Gesicht und zog die Schlinge zu. Als sie kein Lebenszeichen mehr zeigte, habe er an die Schnur einen schweren Stein gebunden und den Körper im Teich versenkt. Ihm selbst sei dann der Mut zum Selbstmord vergangen. Widerrufenes Geständnis— schwere Indizien. Als Je z e k dem Bezirksgericht eingeliefert und dort einem neuerlichen Verhör unterzogen wurde, widerrief er sein freiwillig abgelegtes Geständnis. Auf einmal erzählte er, daß die Duchost sich selbst die Schnur genommen und erklärt habe, sie werde sich eüvas antun. Auf Fragen nach Einzelheiten verweigerte er die Aussage und wiederholte nur immer wieder, er wiffe, daß es schlecht um ihn stehe. Auf die Frage, wer an dem Tod der Duchost schuld sei, antwortete er:„I ch b i n s ch u Id." Bei einem weiteren Verhör erklärte er sich ruhig als gänzlich unschuldig. Seine Geliebte habe, von ihm Geld verlangt, um sich die Frucht abtreiben zu lassen. Er habe ab gelehnt. Wieder bei einem anderen Verhör erklärte er, im Gegenteil er habe der Duchost z u g e r e d e t, sich das Kind nehmen, zu lassen und sei mit der Ptibramer Geburtsassistentin S a d i l in Verbindung getreten. Bei all diesen widersprechenden Aussagen blieb er nur in einem Punkte konsequent: Er habe mit demTod derDuchostnichts zutun gehabt. Nun ist allerdings eine ganze Reihe von Belastungszeugen geladen, deren Aussagen die Annahme der Anklage stützt, daß Jaroflav Jejek sich seiner schwangeren Geliebten durch Mord entledigte,«m eine reichere Braut heimführen»« können, deren Eltern sich rrbötig gemacht hätten, ihm eine« Poften bei der Polizei(!) oder bei dm Prager elektrische« Unternehmungen z» verschaffen. Auf diese Dinge wird im Zuge des Gerichtsverfahrens zurückzukommen sein. Hier sei nur noch das Indiz angeführt, aus das sich die Anklage beruft: Der Teich DroZdäk wird seit dem Jahre 1895 niemalsabgelassen, weil sein Abfluß die Bergwerke in Bbezove Hory mit Wasser versieht, so daß keine Gefahr bestand, daß ein« versenkte Leiche in absehbarer Zeit aufgefunden werden könne. Nach Verlesung der 20 Seiten umfassenden Anklage folgte die Einvemahme des Angeklagtm. Jaroflav JeZek erklärte sich wieder für absolut unschuldig und nahm keinen Anstand, die Tote in schonungslosester Art anzuschwärzen. Rach seiner jetzigen Darstellung habe sie S e I b st m o r d verübt. Als ihm der Vorsitzende vorhielt, daß nach dem Gutachten der Sachverständigen Selbstmord ausgeschlossen sei, besonders mit Rücksicht auf die über den Unterkiefer verlausend« Schling«, und ihn fragte, wer an dem Tod der Duchost sonst ein Interesse haben konnte, antwortete Jejek nach einigem Ueberlegen:„Dann-glaube ich. daßsiees selb st so angelegthat, damit ich vor Gericht komme(k)"— Diese Antwort kennzeichnet den Angeklagten zur Genüge, der übrigens auch sonst keinen besonders guten Eindruck macht. Er ist ein schmächtiges, mittelgroßes Bürschchen von unangenehmer Beredsamkeit. Er benahm sich äußerst zuversichtlich, die zahllosen Widersprüche in seinen bisherigen Aussagen vermochte er nicht aufzuklären. Das Zeugenverhör Zuerst schilderte Gendarmerieleutnant S r e j e r. dem der Angeklagte sein ursprüngliches Geständnis abgelegt, in klarster und überzeugendster Weise, wie sich dieser spontan zu dem Mord bekannte und den Hergang unter Demonstrierung allerangewendetenGriffeund Hiebe schilderte. Dieses später widerrufen« Geständnis deckt sich, was die, Tötung selbst betrifft, in allen Punkten mit dem objektiven Befund. Dienstag, am zweiten Verhandlungstag. wurde durch mehrere Zeugen festgestellt, daß in der sechsten Abendstunde des kritischen Tages die Anna Duchost ihren Geliebten abholen kam. Er gibt das zu, behauptet aber, er habe sie nur ein Stück begleitet, worauf sie ihn verlassen habe. Jaroflav JeZek tauchte dann nach sieben Uhr abends im Dorfwirtshaus aus. Er machte nach den Aussagen einer weiteren Gruppe von Zeugen den Eindruck eines abgehetzten Menschen und war st a r k> v e r schwi tz t. Der Zeuge Ptäkek sagt aus. er habe ihn nebst einigen anderen Kameraden am Tage nach dem Verschwinden der Marie Duchost unter Tränen zugerufen:»Jungens, sagt niemandem, daß ich mit ihr gestern abends draußen war-" Als die erstaunten Kameraden meinten, s i e w e rd e schon zurückkommen, rief der Angeklagte aus: 1 „O nein! Sir kehrt nie mrhr zurück!" Dieses unbegreifliche Verhalten gewann schwere Bedeutung. als dreiMonate später die Leich« Abschaffung der Lebensmittelkarten in der Sowjetunion 1935 wird in der Geschichte des Sowjetstaates als ein Jahr dcks wirtschaftlichen Fortschritts bezeichnet werden. Am Anfang d. I. hat die Sowjetregierung die Brotkarte abgeschafft, die im Herbst 1928 eingeführt wurde. Sechs volle Jahre dauerte es, bis in der früheren„Kornkammer" Europas das wichtigste Nahrungsmittel der russischen Bevölkerung— das Brot— nicht nach Rationen,.wie in der Kriegszeit, sondern frei, nach beliebigen Mengen verabfolgt wird. Und nun ordnet die von Stalin und Molotow unterzeichnete Verfügung an, daß sämtliche Lebensmittel und vor allem Fleisch, Butter, Fisch und Zucker,— ab 1. Oktober 1935 in den staatlichen und Kooperativläden frei zum Verkauf gelangen sollen. Dadurch hat die Sowjetregierung, eine der wichtigsten Aufgaben des zweiten Fünfjahrplanes— das Kartensystem abzuschaffen und eine bessere und reichlichere Versorgung mit Lebensmitteln herbeizuführen, schon jetzt, nach der ersten Hälfte der zweiten Fünfjahrplanperiode, teilweise erfüllt. Manche Wirtschaftspolitiker erblicken merkwürdigerweise in der Abschaffung der Lebensmittelkarte den Abbau eines großen Teiles der Planwirtschaft in der Sowjetunion. Diese Auffassung scheint irrig zu sein. Die Einführung der Rationierung der Lebensmittel war nicht als Bestandteil der Planwirtschaft gedacht, sondern als eine N o t m a tz n a h m e, die durch den Mangel an Lebensmitteln hervorgerufen wurde. Ebenso unrichtig ist die Behauptung, daß durch den freien Lebensmittelverkauf dem Privathandel ein wesentlich erweiterter Spielraum eingeräumt wurde. Der Anteil des Privathandels am gesamten Umsatz des Landes ist gering. Der Verteilungsapparat bleibt nach wie vor zum überwiegendsten Teil in den Händen des S t a a t e s. Es ist daher völlig unrichtig zu behaupten, daß durch die Abschaffung der Lebensmittelkarten große Teile der Planwirtschaft abgebaut wurden. Durch den neuen Beschluß des Rates der Volkskommissare wird ab 1.Oktober ein staatlicher Einheitspreis für sämtliche Lebensmittel eingeführt. Er ist zwar bedeutend niedriger als der bestehende„Kommerzpreis", aber auch wesentlich höher als der„Kartenpreis". Die Sowjetregierung hat um die Härte der Preissteigerung auszugleichen, beschlossen, die Preise für Brot, Mehl, Reis und Graupen ab 1. Oktober neuerdings herabzusetzen. Es ist aber trotzdem anzunehmen, daß zunächst eine Verteuerung der Lebensmittelkosten stattfinden wird. Die Sowjetpresse hebt allerdings folgende zwei Argumente hervor: 1. Für einen bestimmten Teil der Lebensmittel— und vor allem für Fleisch und Butter— hat der Sowjetkonsument ohnehin in der letzten Zeft den MilMarbijer^ahnbftlaa i läßt sich rasch und gründlich beseitigen, wenn man etwas Chlorodont-Zahnpaste auf die trok- kene Zahnbürste drückt und damit die Zfihne nach allen Seiten, auch auf den Käuflichen, bürstet. So kommt der natürliche Elfenbeinglanz der Zähne wieder zum Vorschein und ein herrliches Gefühl der Frische und Sauberkeit bleibt ftn Munde zurück. Tube Kc 4'—.' aus dem Teich gezogen wurde. Schwer ins Gewicht fällt auch die Aussage einer Frau Jindrich, der sich die Duchost mit ihrer Schwangerschaft anvertraute und bat. sie zu einer Hebamme zu führen, um das Kind zu beseitigen. Das arme Mädchen sei ganz verzweifelt gewesen und habe ihr aesagt daß Jeiftk kategorisch verlangt habe, das Kind zu beseitig««, sanft werde er sie aus der Welt- schäften. Diese Aussage erregte starkes Aufsehen undß veranlaßte den Angeklagten zu heftiger. Protesten. Diese und mehrere andere belastende Indizien ähnlicher Art in Verbindung mit dem ursprünglichen Geständnis des Angeklagten, wiegen freilich nicht leicht. Er bemühte sich indessen, auf jedes belastende Vorbringen eine Antwort zu ftnden. Als ihm der Vorsitzende z. B. sein Geständnis vorhielt, erwiderte er, er habe sich bloß„aus Depression" schuldig bekannt/ al» er an die entstellte Leiche seiner Geliebten geführt wurde. Marie Sejnoha, die Jeiiek zu heiraten beabsichtigte, sagte im Sinne der Anklage aus. u. a. auch, daß sie bereit war, für-die Alimente für das zu erwartende Kind der Duchost aufzukommen. Zwei Elternpaare sagen ans— Als Zeugen erschienen weiter die Eltern des toten Mädchens und die des AngeAagten vor den Geschworenen. Ein starker Kontrast! Die Eltern der Toten— ein Bergarbeiterehepaar. noch nicht vierzig Jahre, aber vorzeitig gealterte und abgerackerte Leute. Sie haben da? Verhältnis ihrer Tochter mit dem Angeklagten nicht aern gesehen und der Vater hat. als er davon erfuhr, dem damals 16jährigen Mädel ein« Tracht Prügel verabreicht. Leider halfen alle Verbote und Vorstellungen nichts. Die Mutter der Toten brach vor dem Gericht in fassungsloses Schluchzen aus. Und auch di« Begegnung der Mutter des Angeklagten mit ihrem a"f der Anflagebank fitzenden Sohn wurde zu einer erschütternden Szene. Begreiflich, daß die Eltern des Angeklagten ihren Sohn nicht belasteten, ebensowenig wie dessen gleichfalls als Zeugen geladene Brüder. Der dritte und letzte Prozeßtag wird von den Plädoyers, dem Resümee und der Urteilsfällung ausgefüllt sein. Das Urtefl wird in den Mendstun- den erwartet- rb. hohen„Kommerzpreis" gezahlt. Durch die neue Herabsetzung des Kommerzpreises wird das Bud-^ get der Arbeiterschaft nicht belastet, sondern eher zum Teil entlastet.(Anm. das mag zum Teil stimmen, weil in den sogenannten„geschlossenen Läden" das rationierte Fleisch oder Fett sehr unregelmäßig verteilt wurde. Red.). 2. Die Herabsetzung des„KommerzpreiseS" wird eine Senkung der Preise auf dem Bauernmarkt herbeiführen. Diese Argumentation scheint uns nur zum Teil richtig zu sein, weil sie die niedrig bezahlten Teile der Arbeiterschaft, die die hohen Kommerzpreise nicht zahlen konnten, außer Acht läßt. Für die Frage der Preissenkung und dadurch verbundenen Hebung des Lebensstandards ist ein anderer Faktor von entscheidender Bedeutung: die S t e i» gerüng der landwirtschaftlichen Produktion. Wird die russische Landwirtschaft mehr Getreide, mehr Fleisch, mehr Zucker usw. liefern, so werden naturgemäß auch die Preise sinken müssen,— um so mehr als die Preisregelung zum überwiegendsten Teil, wie gesagt, in den Händen des Staates und nicht des Privathandels, liegt. So weit die Verhältnisse heute sind, scheinen alle Bedingungen für den Aufschwung der Landwirtschaft tatsächlich gegeben zu sein, wie die Nachrichten über die große Ernte und über die Steigerung der Viehzucht es zeigen. »Plan der Arbeit" in Frankreich Auf dem Gewerkschaftskongreß der G: G. T. sagte Leon Jouhauxin in seinem Referat über den Plan der Arbeit u. a. der Plan bestehe aus zwei Teilen: Einerseits unmittelbare Maßnahmen gegen die Krise, anderseits Vorschläge zum Umbau der Wirtschastsordnung, beide Teile seien eng verbunden. Die unmittelbaren Maßnahmen enthalten eine Stellungnahme gegen die Abbaupolitik und für die Erhaltung der Massenkauf- krast, ein großes Arbeitsbeschaffungsprogramm unter stabiler Währungspolitik; der zweite Teil lege das Hauptgewicht auf die Nationalisierung des Kredites und gewifferJndustriezweige.„Heute gibt es, sagte Jouhaux, unter allen Regierungen keine einzige, die nicht direkt oder indirekt nach der Richtung einer organisierten, einer planmäßigen Wirtschaft orientiert wäre. Nun hat man bisher organisiert die Verteidigung von Sonderinteressen und nicht die Befriedigung der Allge- meinintereffen. Es sei nicht möglich, die gesamte französische Wirtschaft zu nationalisieren, deshalb müssen die Schlüsselindustrien(Rohstoffgewin- ung, Schwerindustrie, Verkehr) genügen, in Verbindung mit der Kreditwirtschaft. DicS ermögliche bereits ein geschlossenes System mit höchstmöglichen Garantien und Resultaten. VolKswlrtsdiaM und Sozlalpollflh Tritt 6 ..Sozialdemokrat* Mittwoch, S. Oktober 1935.^kr. 235 hilft rasch bei Schmerzen in den Gelenken und Gliedern, Kopfschmerzen und bei Erkältungen. Haben Sie Vertrauen zu Togal. Ein Versuch überzeugt. In allen Apotheken erhältlich. Freitag, den 11. d. M.» um 8 Uhr abends im Hotel„M o n o p o l“ Vortrag des Genossen Dr. Egon S ch w e 1 b über das Thema „Sozialpolitik der Stadt Prag" Anschließend Debatte. Wir bitten alle Mitglieder, diesen Vortrag zu besuchen. Das Bezirksfraurnkomitee Prag. Trager AMurg Verzeichnis der Blinden in Groß-Prag. Die tschechoslowakische Zentralsürsorg« in Prag IV, Lo- retänske nämesti Nr- 2, ergänzt neuerlich die Verzeichnisse der blinden Einwohner Prags und fordert deshalb alle blinden und halbblinden Personen auf (d- s. solche, welche fähig sind, selbst ohne Begleiter zu gehen, aber nicht lesen und schreiben können, selbst nicht mit Brillen) möglichst bald ihre Adressen, ihr Alter, die Ursache der Erblindung und die gegenwärtige oder frühere Beschäftigung genau bekanntzugeben. Die Anmeldungen sollen nur schriftlich erfolgen. Blinde, die sich bereits früher behufs Anlegung deck' Blindenverzeichniffes in Groß-Prag angemeldet haben, haben ihre Adressen nur dann bekanntzugeben, trenn sie im Laufe des vergangenen oder dieses Wahres ihre Wohnung geändert haben. Wir bitten die Freunde von Blinden, auf diese Kundmachung aufmerksam zu machen. Jümst uftd WUseti. Bom S'adttheater Teplitz-Schönau Reue Spielzeit— neue Direktion Mit dem festlichen Gepränge eines ausserordentlichen Erfolges wurde am Samstag.. dem 8. Oktober, die neue Spielzeit mit Millöckers»Bettelstudent" eröffnet. Mit der fröhlichen Zuversicht eines optimistischen Glaubens beginnt Direktor Curth Hurrle das Werk und seht an den Anfang eine Tat, die viel, ja sehr viel verspricht. Im ausverkauften Hause steigerte sich der Beifall von Akt zu Akt der sehr gewissenhaft studierten, von einzelnen ganz hervorragenden Leistungen getragenen Aufführung, die ihren erhebenden Abschluss in einer wahren Huldigung für das im Sturm siegreiche Ensemble, seinen musikalischen Führer. Opernchef Herbert Weis- köpf,, seinen Regisseur Adi Berger und den mutigen Direktor Curth H u r r l e fand. Man nahm den Eindruck mit. dass es auf künstlerisch so gewissen- haftem Wege wohl gelingen könnte, das so vielen Verhängnissen unterlegene und zuletzt bis zum künstlerischen Ausgleich und finanziellen Abverkauf heruntergewirtschaftete Tevlitzer Theater der kllltur- freudigen Bevölkerung wieder, lieb und wert zu machen. Eric Suckmann(Titelrolle), ein Tenor mit Opernqualität. Kurt Münzer, ein durchaus synchathischer Jugendlicher mit beachtlichem Können. Karl E rn e r. ein Ollendorf von Format, Helmut Forrest, eine auffallende Erscheinung als Major Wangenheim. die gewinnende Fifi Musil sind Namen, die das zu verbürgen scheinen. In der gastierenden Elisabeth W a n k a und dem ausgezeichneten Ballett(Tichy Belsky), hatte der bolle Erfolg wesentliche Stützer. Nicht zuletzt aber auch in dem reich besetzten, stimmlich befriedigenden Chor.— Direktor Hurrle und sein- Operettenensemble haben die begeisterte Zustimmung des Publikums gefunden. Das war«in glückliches Beginnen. Nun erwarten wir voll Spannung die erste Schauspielpremiere. E. Th. Die Philharmonischen Konzerte In diesem-Jahr finden im Deutschen Theater wieder sechs Philharmonische Konzerte(unter Lei4 tung von P^ros. Georg Szell und Fritz Zweig) statt, das erste Konzert im November. Die Programme lauten: I. Konzert: Bach-Bruckner- Abend. Dirigent: S z e l l. 1. Bach: Konzert für drei Klaviere(Solisten: Schick, Rieger, Pollak); 2. Bruckner: VIII. Symphonie.— II. Konzert: Zeitgenössische Meister. Dirigent: SzLll. Solist: Eugen Kal ix. 1. Hindemith: Symphonie „Matthias, der Maler"(erste Aufführung in diesen Konzerten); 2. Kkenek: Klavierkonzert(Erstaufführung); 3. Strawinsky:„Feuervogel"(erste Ausführung in diesen Konzerten).— III. Konzert: Fran- zösischerAbend. Dirigent; Zweig. Solistin: Germaine Leroux. 1. Bizet: Symphonie C-Dur (Erstaufführung); 2. Debussy: Fantasie für Klavier und Orchester; 3. Roussel: Le festin de l'arraigner (Erstaufsührung); 4. Berlioz: Drei Stücke aus „Faust's Verdammnis".—> IV. Konzert: Sa- krale Musik. Dirigent: Zweig. 1. Bach: Kreuzftab-Kantate; 2. Bach: Kantate„Jauchzet Gott in allen Landen"; 3. Janäcek: Missa Glagolskaja — V. Konzert: Beethoven-Abend. Dirigent: S z c l l. Solistin: Hilde K o n e tz n i. 1. VI. Symphonie(Pastorale); 2. Arie„Ah, perfidol"; 3. VII. Symphonie.— VI. Konzert: Tschechoslowaki- scheKomponisten. Dirigent: S z e l l. Werke von Dvorak, Martinu, Seidl u. a. l e r inszenierte Aufführung holt aus dem antiquierten Schwank tatsächlich noch alle denkbaren Pointen heraus pnd wußte im zweiten Akt oft wirkliche Heiterkeit herbeizuzaubern. Die Herren Stadler, Dudek und Schmer z e«reich bildeten unter den komischen Figuren das durch besondere Dra- stik betonte Trio. Ihnen assistierten mit Erfolg die Herren Taub und Richter, die Damen Bertram und Frank. Die Liebhaber stehen bei derlei Stücken immer im Schatten. Sie mußten sich— Herr Klippel und die Damen Rode nib e r g und Carventier— auch hier damit begnügen, den Rahmen abzustecken, in dem die Komik der anderen Künstler als buntes Bild lebendig wurde. Endlich waren noch dabei: Frau Warnholtz und Herr Grünberg. e. f. Donnerstag:»Ein Querschnitt" in der Kleinen Bühne, wegen des grossen Erfolges: Dritter Werbeabend des Deutschen Theaters! Führung wieder Dudek. Padlesok. Teilweise neues Programm! Over. Operette, Schauspiel! Preise KL'6.—. 12.—, 18.—. Freitag: Neuinszenierung von Hebbels„Maria Magdalene".(Nachtragsvorstellung 1934/35 der Tbeatergemeinde des KnltnrverbandeS und freier Verkauf.) Besetzung: Meister Anton— Valk, seine Frau— Bertram, Klara— Wünsche. Karl—- Tra- hauer, Leonhard— Siedler, ein Sekretär— Brir, Wolfram— Costa, Adam— Volker. Regie: Liebl. DaS neue Abonnement wird täglich auSgegeben! Erste Vorstellung 19. Oktober! Der fünfprozentiae Nachlass bei Barzahlung nur bis längstens 15. Oktober! Wochenspielplan deS Neuen Deutschen Theaters. Heute Mittwoch, halb 8 Uhr: A r t i- st en, Erstaufführung, Bl.— Donnerstag halb 8: W, U R, erste Vorstell, d. neuen Abonn. E l.- Freitag halb 8: A r t i st e n, D 2.— Samstag 7 Uhr: Tannhäuser, B 2.— Wochenspielplan der Kleinen Bühne. Heute Mittwoch, abends 8 Uhr:„Attentat".— Donnerstag 8’4: Ein Querschnitt.— Freitag halb 8:M a r i a Magdal en a, Tbea- tergemLinde des Kulturverbandes und freier Verkauf.— Samstag 8:Jch kenne Dich nicht mehr.— Der Düw Tust. Das ist wieder einer, von den Lilian Harvey-Filmen aus Hollywood, die alle von der gleichen Operetten-Art waren: mit Liebe, Scherzen, Gesang und happy end. Das Besondere an diesem Film(dessen ursprünglicher Titel„Ich bin'Susanne" heißt) ist die Mitwirkung des berühmten italienischen Marionetten-Theaters„Teatro bei Piccolo", dessen technische Vollendung und wunderliche Wirkung eindrucksvoller sind, als die naive Routine der Harvey und die leere Gefälligkeit ihres Partners Gene Raymond.—eis— Der Vetter aus Dingsda. Als weiteres Beispiel der künstlerischen Erneuerung im Dritten Reich hat man Künneckes ältliche Operette„Der Vetter aus Dingsda" verfilmt— und noch dazu schlecht verfilmt, mit einem langweilig singenden Herrn Lennep und der falsche Stars hilflos imitierenden Lien Dyers in den Hauptrollen.—eis—: das- dec Sattel Heute Gruppenabende: Z e n t r u m: Sozialpolitische Forderungen von Gen. j NeLas und Hampel. Ligaheim 20 Uhr. \ w„'— Holleschowitz: Der VH. Ko minternkongreß. Kamenickä, 20 Uhr.— Wein- berge-Smichov: 19 30 Uhr. K. W. Deutsch: Die Arbeiterbewegung in England. Parteiheim Narodni 4.— K rei s le i t u n g:/Donnerstag, 20 Uhr, Parteiheim.— Erste'! Roter Klubabend: Samstag, 12. Oktober, im DTJ- Heim, Letnä, Veletrzni ul. beim letenske nämesti. „Die spanische Fliege". Für das große Haus ist dieser schon sehr gut abgelegene Schwank der Firma Arnold& B a ch doch schon zu anspruchlos. Wenn anch die jüdischen Feiertage den Theaterbesuch am Sonntag stark beeinträchtigten, so kann doch nur die geringe Zugkraft des Stückes den gar so schlechten Besuch erklären. Das Publikum, soweit es erschienen war, entschädigte die Darsteller allerdings>urch eine überraschende Beifallsfreudigkeit, die sich in ehrlicher Heiterkeit und begeistertem Applaus immer wieder kundgab. Die von S t a d- »Kinderfreunde",Prag. Donnerstag, den 10. Oktober, abends 8 Uhr, im Parteiheim, Narodni tr. 4, wichtige Ausschußsitzung. Mittwoch, den 9. Oktober, findet im Parteiheim eine wichtige Ausschußsitzung, statt. Beginn um halb 8 Uhr abends. Das Erscheinen aller Funktionäre ist dringend notwendig. §poct-8jüek-XLcpecpskege Westböhmische Arbeiter-Fußballmeisterschaft im Regen Bis auf das Spiel Schankau—Maierhöfen fanden am Sonntag trotz dem Regen alle erstklassigen Serienspiele statt. Genanntes Spiel konnte wegen Spielunfähigkeit des Platzes nicht stattfinden, Schiedsrichter und beide Mannschaften waren zur Stelle. Durch das Pausieren von Altrohlau rückt nunmehr Chodau an die erste Stelle, obwohl der Sieg über Eibenberg sehr knapp errungen wurde. Ueberrascht hat neuerlich Atus Karlsbad, im Vorjahr mit an letzter Stelle, in der neuen Serie eine kommende Spitzenmannschaft? Falkenau befestigte sich durch den Sieg über Neudek in der Spitzengruppe, ebenso hat Drahowitz durch das erfolgreiche Spiel gegen Franzensbad seine Position verbessert. Unterreichenau hat einmal Pech, drei knappe Niederlagen brachten sie in die untere Hälfte der Tabelle. Fischern hatte den ASK Graslitz zu besuchen, es war keine leichte Sache; das 5:1 bringt Graslitz beim ersten Anlauf in die Tabellenmitte. Bon einem Unstern ist Eiben- b e r g verfolgt; die gefährlichste Mannschaft der vorjährigen Serie bildet bisher mit vier verlorenen Spielen den Schluß. Dennoch besteht begründete Hoffnung, daß sich die Gebirgler durch ihre Zähig- keit noch einen Platz in der Mitte erkämpfen werde«. Die Resultate vom Sonntag lauten: : AtuS Karlsbad gegen Atus Unterreichenau 1:0, FFK Fal- kenau gegen ASB Neudek 4:2, Rote Elf Chodau gegen Sportbrüder Eibenberg 2:1 , Atus Drahowitz gegen Atus Franzensbad 2:0, ASV Graslitz gegen Atus Fischern 5:1, ASV Altrohlau gegen ASK Eger 9:2. Stand der Tabelle Rote Elf Chodau., . 4 8 1 0 7 10:6 FFK Falkenau,, « 4 3 0 1 6 11:8 Atus Karlsbad,, . 4 3 0 1 6 5:3 «SV Altrohlau, .32 1 0 5 10:4 NtuS Drahowitz„, . 4 2 1 1 5 7:4 ASV Maierhöfen., . 3 2 0 1 4 7:5 ASV Neudek.,, . 4 1 1 2 3 8:8 ASV Graslitz.,. . 1 1 0 0 2 5:1 ASB Schankmt., . 3 1 0 2 2 7:7 Atus Unterreichenau. . 4 1 0 3 2 5:6 Atus Fischern..» . 4 1 0 3 2 7:15 AtuS Franzensbad, . 4 1 0 3 2 5:14 Sportbr. Eibenberg. . 4 0 0 4 0 4:10 Leichtathletische Mannschaftskämpfe der DTZ Vysokany Am Sonntag wurden im Prager Tyrs-Stadion leichtathletische Mannschaftskämpfe, veranstaltet von der DTJ Vysokany, ausgetragen. Am Start waren sieben Mannschaften erschienen, welche sich schöne Wertkämpfe lieferten. Die Ergebnisse sind, trotz der guten und ausgeglichenen Konkurrenz, nur Durchschnitt, da dir Bahn des Stadion vom Regen sehr weich wax. ES Mrden zehn Konkurrenzen durchgeführt und jede Mannschaft stellte hiezu zwei Teilnehmer. Die Wettkämpfe wickelten sich leicht ab und wiesen eine dem Wetter doch befriedigende Zuschauerzahl auf. Die Ergebnisse sind: 100 Meter: 1. Matys(ZiZkov) 11.6., 2. Hou- ska(Vysokany) 11.8, 8. Brzicky(Liben) 11.9 Sek. — 400 Meter: 1. Houska 59.4, 2. und 3. Schuster (ZiZkov) und Goth(Vysokany) 59.6 Sek.— 1500 Meter: 1. Karafiat(ZiZkov) 4:25, 2. Kutnohorsky (Vysokany) 4:28.7, 3. Tichy(ZiZkov) 4:51 Min. Außer Bewerb lief Bican(Böhm.-Brod) in 4:21.4 Min.— 4X100 Meter: 1. ZiZkov 49.9, 2. Vysokany 50.4, 3. Libeü 51.8 Sek.— Weitsprung: 1. Goth 6.33, 2. Rittinger(ZiZkov) 6.16, 3. Matys 6.09 Meter.— Hochsprung: 1. Smrkka 1.65, 2. Tksitel (beide Liben) 1.60, 3. Klima(Vysokany) 1.55 Meter.— Dreisprung: 1. Goth 12.27, 2. Matys 11.65, 3. Nittinger 11.45 Meter.— Kugel: 1. A Schöps 11.47, 2. W. Schöps(beide Neratowih) 11.45, 3. Stejskal(Liben) 10.86 Meter.—Speer: 1. Tksitel 44.89, 2. Schuster 43.75, 3. Klima 41.11 Meter.— Diskus: 1. Tksitel 30.83, 2. Schuster 30.52. 3. A. Schöps 30.22 Meter. Mannschafts-Klassifizierung: 1. Vysokany St 228 Punkte, 2. ZiZkov 221.5, 3. Libeü 191.5, 4. Neratowih 131.5, 5. Weinberge 122, 6. Prosek 120, 7. Vysokany II 76.5 Punkte. Im Dreikampf der weiblichen Jugend siegte Tuhä(Nimburg) mit 221.24 vor Mar- tinkovä(Vysokany) mit 206.75 Punkten. Die Einzelergebnisse der Siegerin: 60 Meter: 9 Sek., Kugel: 8.36 Meter, Weitsprung: 4.27 Meter. Das Aruk-Stratzenrennen Komotau—Teplitz am Sonntag, dem 6. Oktober, war trotz dem sehr schlechten Wetter ein voller Erfolg. Um halb 9 Uhr früh starteten als Erste die Rennfahrer, ihnen folgten in Abständen von drei Minuten die Touristenmannschaften und zuletzt di« Rasta-Mannschaften in kompletter Ausrüstung. Uebel spielte der Schnürlregen den Fahrern mit, trotzdem hielten sie alle durch, bis auf zwei Fahrer, wovon der eine durch Radschaden, der andere durch Unfall ausscheiden mußte. Wenn in Betracht gezogen wird, daß bei den Touristen durchwegs Fahrer starteten, die noch nie ein Rennen bestritten haben und die auch bei solchem Wetter kaum eine Ausfahrt unternehmen würden, so muß die erzielte Zeit als sehr gut bezeichnet werden. Die wichtigsten Ergebnise find: Rennfahrer: 1. Wehlend(Neudorf a. B.) 1:50:26 Std.; 2. Karl Großmann(Komotau) 1:54:45; 3. Ferdinand Leitner 1:54:45.5 Std. Touristen(Mannschaft zu fünf Fahrern): 1. Turn II 2:12:59 Std.; 2. Turn I 2:15:50; 3. Kammern 2:16:25; 4. Eichwald I 2:23:56; 5. Eichwald II 2:34:40 Std. Rasta(Mannschaft zu fünf Fahrern und je 12 Kg. Gepäck): 1. Rasta-Bezirk 1/1 2:32:02 Std Elaudcttc Colbert in der Tstelrolle des amerikanischen Films »Cleopatra". Wild-Westgau und-Nordwestgau. Tie Verwilderung der bürgerlichen Fußballer nimmt kein Ende und es vergeht kaum ein Sonntag, an dem es niht „Ausschreitungen" und„Insulten" gibt. Die Strafen— wenn sie schon verhängt werden— sind fast unbedeutend und so ist es schließlich kein Wunder, daß diese„guten" Sitten immer weiter sich verbreiten. Die einzelnen Gaue sind im„Umbruch" begriffen und dem Verband fehlt heute jene Person, die ihm noch ein Nestchen unpolitisches Ansehen gibt. In A s ch gab- es beim Spiel Sparta Karlsbad- DSV eine Rauferei unter den Spielern, die von der Polizei bereinigt werden mußte, die denn auch gleich drei Mann hoch auf dem Spielfeld verblieb und schließlich fand das„Spiel" noch ein vorzeitiges Ende.— In Drahowitz waren die Zuschauer bei dem Spiel der Heimischen mit dem DFC Karlsbad aus irgendeinem Grunde mit dem „Gespiele" nicht zufrieden und verhinderten«in reguläres Ende.— In Lobosih wurde der Schiedsrichter Kettner(Turn) von dem heimischen Spieler Nowak„insultiert", was ebenfalls Schluß des gewiß„volkstümlichen" Matchs bedeutete. Meineidige an die Front! Anläßlich der Nazi-Olympiade 1936 in Berlin soll bekanntlich, auch auf Wunsch der„Gastgeber" ein Fußballturnier stattfinden. Die Fifa hatte nun ihre Exekutive nach Paris einberufen, nm sich mit der.„Klärung" der A m.a t e u r f r a g« bei diesem Turnier zu befassen. Die Herren, die dort über diese für den bürgerlichen Sportbetrieb so„heikle" Frage debattierten, kamen als Clou der Beratungen zu dem Ergebnis, daß nur Ama- t e u r e im Sinne der Olympia-Bestimmungen Teilnehmer sein können. Die Besetzung dieses„Olympia-Turniers" kann ja sehr interessant werden, außer die diversen„Stars" würden einen Meineid ablegen... was schließlich auch nicht das erstemal wäre. Der Lrichtathletik-Länderkampf Oesterreich- Italien gelangt« in Wien zur Durchführung und wurde von den Italienern mit 78:54 Punkten gewonnen. Nazi-Sportler in Reichenierg. Der leichtathletische Klubkampf Reichenberger FK gegen Dresdener SC endete mit dem Nazi-Erfolg von, 69:48 Punkten bei beiderseits sehr mäßigen Leistungen. Die tschechoslowakische Geher-Meisterschaft über zehn Kilometer gewann in der 1. und 2. Klasse Bal- san(AC Prag) in 47:43.6 Min. In der Altersklasse erzielte Kubat bom selben Klub und über die gleiche Strecke mit 46:33.2 Min. jedoch eine bessere Zeit und stellte damit einen neuen Rekord auf. leitungen oö9mittel Filme in Prager Lichtspielhäusern Adria:„Die Nacht der Liebe". A. G: Moore. — Alfa:„Drei bengalische Reiter". A. Cooper.— Avion:„Cleopatra". A.— Beranek:„Neues Leben". A. Anna Sten.— Fenix:„Die lüft'» e Witwe". A. Chevalier, MacDonald.— Flora: „Neues Leben". A. Nach Tolstoj.— Gaumont: „Susi". A. Lilian Harvey.— Hollywood:„Susi". A.— Hvkzda:„Der verhängnisvolle Augenblick". Tsch.— Julis:„Schwarze Augen". Fr. Harry Baur.— Kinema: Journale, Grotesken, Reporta« gen. Halb 2 bis%7.— Koruna:„Das Gesetz der Dschungel". A.— Kowa:„Der Vetter von Dingsda". D.— Lucerna:„Die lustige Witwe". A. Ernst Lubitsch.— Metro:„Die Heilige und ihr Narr". D.— Passage:„Ich liebe alle Frauen" D. Jan Kiepura.— Praha:„Cbarlie Chan in London" A.— Radio:„Die Katz im Sack". D.— Svctozor: „Ich lieb alle Frauen". D. Jan Kiepura.— Alma: „Mata Hari". A. Greta Garbo.— Baikal: „Die gefährliche Blonde". A. I. Harlow.— Belvedere:„Mata Hari". A. Greta Garbo.— Beseda:„Die Karnevalsnacht". D.— Earlton: „Mata Hari". A.— Illusion:„Späte Liebe". Tsch. — Kapitol:„Entführung". D.— Lido II:„11 nie! tägliches Brot". A. Regie King Bidor.—- Louvre:„Der Kosak und die Nachtigall". D.—- MaceSka:„Mata Hari". A.— Roxy:„Neues Leben". A. Anna Sten.— Sport:„Der weiße Adler". A.— Baldrk:„Der Kosak und die Nachtigall". D.— Bio Beletrhy:„Der Kosak und die. Nachtigall". D. Bezugsbedingungen^ Bei Zustellung tnS Haus oder bet Bezug durch die Bott monatlich KL 16.—. vierteljährig KL 48.—, halbjährig KL 96—, ganzjährig KL 192.—.— Inserate werden laut Taris billigst berechnet. Bei öfteren Einschaltungen Preisnachlaß.— Rückstellung von Manuskripten' erfolgt nur bei Einsendung der Retourmarken.— Die ZeiftmaSsrankatur wurde von der Post» und Tele- graphendireltion mit Erlaß Str. 13.800/V 11/1930 bewilligt.— Druckerei:„Ork-iS". Druck«. Verlags- und ZeitungS-A.-G„ Prag.