i b 1 de| ht I a-! -st| !t, j r- I h" >n, 1 bt.| sie- Sie 1 :Id iin I die em em ein\ Ser em >a§' chs der■ be« i ein ttte um g« di« äeb der a«‘ eil«, M« I fier, ab«' mal ft- uni» ge« ith« ces« >:43 iber Aal« ers« die ssere im »ore.»* len'.l «• ei orn: tunt i| ust". lick".z arry! »rta« s der ngs« n e“. d ifttj ' D. >on" >z»r: lma: ijkal: Bel« ltour Tsch. -i e r ieueS neifi« stach« d die int le« Einzelpreis 70 Heller (eln>chließlich 5 Haller Porto) ERSCHEINT MIT AUSNAHME DES MONTAG TÄGLICH FRÜH. Redaktion und Verwaltung präg XIL, fochova 62. TELEFON 53077. HERAUSGEBER! SIEGFRIED TAUB. CHEFREDAKTEUR: WILHELM NIESSNER. VERANTWORTLICHER REDAKTEUR: DR. EMIL STRAUSS, PRAG. IENTRALORGAH DER DEUTSCHEN SOZIALDEMOKRATISCHEN ARBEITERPARTEI IN DER TSCHECHOSLOWAKISCHEN REPUBLIK 15. Jahrgang Donnerstag, 10. Oktober 1935 Nr. 236 Der sbsssinigek-itslisniselis Konflikt vor dem Völkerbund Oesterreich und Ungarn an Seite Italiens Der Dank der Kanonenchristen Parteiberatung Der Parteivorstand der deutschen sozialdemokratischen Arbeiterpartei hielt gestern eine Sitzung ab, die mit einem Nachruf des Parteivorsitzenden Genossen Dr. C z e ch für die Opfer der Grubenkatastrophe in Soborten eröffnet wurde. Der Nachruf wurde stehend angehört. Sodann erstattete Genosse Dr. Czech einen Bericht über die außenpolitische Lage. Er kennzeichnete den kriegstreiberischen Charakter des Fascismus und stellte die volleUeber- Einstimmung der Partei mit der Völkerbundpolitik des Außen- m i n i st e r s fest. Der Parteivorstand nahm den Bericht debattelos zur Kenntnis und billigte die bisherige entschiedene Haltung der Parteipresse. Im Anschluß referierte Genosse Dr. C z e ch ausführlich über die innerpolitischen Probleme, wobei er die sozialistische Initiative auf dem Gebiete der Lebensmittelversorgung und der Aufbringung der Mittel für die Arbeitsbeschaffung hervorhob. Er beschäftigte sich ferner eingehend mit den M a ß n a h. men für den bevorstehenden Notwinter. An den Bericht des Parteivorsitzenden schloß sich eine eingehende Debatte, in der die Genossen Taub, Seidel, Hackenberg, Reitz, ner, Blatny, Kern, Möckl, KrejLi, Weigel, Kremser, W a n k a, Z i n n e r, W il d n e r, Dr. H e sl e r, Dr. Wiener, Kaufmann und Nießner das Wort ergriffen. Alle Redner brachten den in den industriellen Randgebieten herrschenden Notstand zur Drache und betonten mit allem Nachdruck die Notwendigkeit sozialpolitischer und wirtschaftlicher Hilfsmaßnahmen. Genosse Dr. Czech konnte in seinem Schlußwort die volle Einmütigkeit der Auffassungen des Parteivorstandes feststellen. Nach dem organisatorischen Bericht des Parteisekretärs Gen. Taub beschloß der Parteivorstand die Abchaltung einer Partei- kon seien z, die am 20. Oktober in Aussig stattfindet. Nach Erledigung der laufenden administrativen Angelegenheiten wurde die Sitzung geschlossen., Genf. Die Bölkerbundversammlung trat heute um 18 Uhr zu einer Plenarsitzung zusammen. Der Vorsitzende, Minister Dr. Benes» berichtete der Versammlung ausführlich über das Ergebnis der Ratsarbeiten betreffend den abessinisch-italienischen Konflikt und legte präzis die Aufgaben der Versammlung dar. Er sagte«. a., rö sei Pflicht der Versammlung, auf die Aufforderung des Rates in dem Augenblicke, da es sich um einen Krieg zwischen zwei Mitgliedsstaaten handle, zu antworten. Ausserdem sei es notwendig, die Tätigkeit des Rates zu»nterstützen, damit er seine Aufgabe wirksamer erfüllen könne. Rach Prüfung der Mandate der Delegierten in der Versammlung verlas Minister Dr. Benes das Schreiben des Ratsvorsitzenden vom 8. Oktober» durch das der Versammlung die Dokumente betreffend den abessinisch-italienischen Konflikt abgetreten werden und durch das der Rat diesen Konflikt der Aufmerksamkeit der Versammlung empfiehlt. Die Versammlung habe deshalb die Pflicht, sich mit der Angelegenheit, von der der Friede abhänge, zu befassen. Die Versammlung beschloß dann einmütig, die abessinisch-italienische Frage in der von« Rat bestimmten Form auf die Tagesordnung der Versammlung zu setzen. Wei» ters beschloß die Versammlung einstimmig, die Frage sofort zu behandeln. Minister Dr. Benes sagte dann über die Lage: Der Rat ist auch weiterhin mit der Lösung des afrikanischen Konfliktes betraut. Die Versammlung ersetzt den Rat nicht. Der Bersamlungsmitglieder können zu der Aufgabe, welche der Rat der Versammlung gestellt hat, Stellung nehmen. Eine formelle Abstimmung über den Bericht des Rates findet in der Versammlung nicht statt. Wer immer aber beabsichtigt, Vorbehalte oder Abänderungen zu machen, kann das Wort dazu ergreifen. Das Schweigen der Delegierten wird als Zustimmung zu dem Beschluß des Bölkerbundrates vom 7. Oktober ausgelegt. Hierauf meldeten sich die Vertreter Oesterreichs und Ungarns zu Wort. Baron Pflüge! erklärte namens der österreichischen Regierung, daß die Lage Oesterreichs unter den gegebenen Umständen sehr delikat sei. Oester» reich könne niemals vergesse«, daß ihm Italien in den schwersten Augenblik» Ken seiner Geschichte geholfen h a b e. Es könne die österreichischitalienische Freundschaft nicht enttäuschen. Sodann Kam Baron Pflüge! auf die Sanktionen zu sprechen und schloß stch dem Proteste der italienischen Regierung an. Die Sanktionen seien eine Gefahr, vor der kleine Staaten, deren wirtschaftliche und finanzielle Kapazität nicht groß sei, gewarnt werden müßten. Oesterreich stimme nicht mit den Schlußfolgerungen überein, zu denen die übrigen Mitgliederstaaten gekommen sind. Aeftnlich sprach auch der ungarische Gesandte Veliez, bet an die hundertjährige Freund« schäft zwischen Ungarn und Italien erinnerte und sich gegen Sanktionen wendete. Sanktionen sollten nur in den schlimmsten(!) Fällen angewendet werden, wenn die Regierung des betreffenden Staates böswillig handelt. Die Bölkerbundversammlung nahm die Erklärungen des ungarischen und des österreichischen Delegierten zur Kenntnis und vertagte hierauf die Sitzung auf Donnerstag. Es ist dieS seit sechs Monaten das erstemal der Fall, daß bei der Lösung des abessinischitalienischen Konfliktes im Rate und in der Versammlung sich jemand, wenn auch nur indirekt, öffentlich Italiens angenommen und dessen Vorgehen gebilligt hat. Am abessinischen „Nichts Neues“ AddisAbeba.(Reuter)„Sowohl im Nor-1 den als auch im Süden hat sich nichts Neues er- i eignet." So lautete im Wesen die Antwort, ol-r der Vertreter des Reuterbüro» Mittwoch in Addi» Abeba nach der Lage auf den Kriegsschauplätzen! kragte. Es wurde weiter gesagt, daß die abessinische Regierung von den drei Fronten keine Nachrichten erhalten habe. Diese kargen Informativ- «en sind entweder ein Ergebnis der strengen Durchführung der Zensur der militärischen Nachrichten oder bedeuten sie, daß die telephonische und; telegraphische Verbindung mit der Hauptstadt unterbrochen ist, oder daß sie durch italienische Flug- rruge zerstört wurde. Jedenfalls ist es beachtenswert, daß zur Beförderung offizieller Depeschen gegenwärtig Läufer verwendet werden» die täglich bis zu 50 Kilometer zurücklegen. An amtlichen abessinischen Stellen wird erklärt, daß über einen Einfall abessinischer Abteilungen in erythräisches Gebiet nichts bekannt sei. Die amtlichen Stellen geben sogar zu, daß sich die abessinische» Truppen der Positionen, die die italienischen Truppen kürzlich im Norden besetzt haben, nicht wieder bemächtigt haben, obwohl es an verschiedenen Stellen dieser Abschnitte zahlreiche Zusammenstöße gab. Italienische Flug- zeugeskadreö unternahmen Erkundungsflüge über der Stelle, wo die Eisenbahnstrecke von Addis Abeba über die wichtige Brücke über den Hawasch- Fluß führt. Dieser Eisenbahn-«nd Flußsektor ist rund 130 Kilometer in der Luftlinie von Addis Abeba entfernt. Andere italienische Flugzeuge Kriegsschauplatz wurden über Harrar und im Süden von Dire- dawa gesichtet. Aus diesen Erknndungsflügen ist eines der nächsten Ziele des italienischen Vormarsches zu entnehmen. Es ist möglich, daß das erste Ziel der Italiener sein wird» durch den Vormarsch der Nord- und Südarmee Französisch-«nd Britisch-Somaliland vollkommen von Abessinien abznschnriden und die Eisenbahn zu beherrschen. Die Vorhut der Südarmee ist bereits 50 Kilometer weit in die Wüste von Ogaden vorgerückt. Obwohl keine offiziellen Nachrichten vorlirgcn, ist es sicher, daß die Abessinier so rasch als möglich nicht nur den Nord-, sondern auch den Südarmeen Verstärkungen entsenden, welche, wie verlautet, große Waffensendungen aus Japan erhalten haben. Im Norden unternehmen die Italiener in dem Terrain, in das sie, wie man rechnet, ehestens vordringen wollen, Erknndigungsflüge. Die Abessinier beschuldigen die italienischen Flugzeuge neuerlich, bei den Anflügen in Ogaden Bomben mit chemischem Inhalt abgeworfen zu haben. Der. italienische Gesandte in Addis Abeba wurde aufgefordert, bis Samstag Addis Abeba zu verlassen. Vormarsch unterbrochen Rom. Der Heeresbericht, der Mittwoch mittags vom italienischen Propagandaminiisternun nusgegeben wurde, kündigt keinerlei neue militärische Ereignisse an. Es ' heißt darin: Der 8. Oktober war auf der ganzen FnuA ruhig, ausgenommen kleinere Patrouille«, streifen auf der vom Eingeborerren-ArmeekorpS gehaltenen Linie. Die Fliegerei, die südlich von Makale bis zur Furt des Takaze vordrang, hat nicht entdecken können, daß foindliche Truppenzusammenziehungen in Bildung sink». Die Regelung dos Berpflegsdienstes und die Verbindung zwischen Heer«nd Etappe wird eifrig fortgesetzt. Wiedereroberung Aduas dementiert Paris.. Nach 19 Uhr abends Pariser Zeit meldete das Reuterbüro aus Addis Abeba: Die Nachricht, daß die Abessinier Adua und Adigrat wieder eingenommen haben, wird dementiert. In der Umgebung der beiden Städte dauern kleinere Scharmützel ununterbrochen an. Abessinischer Geschäftsträger verläßt Rom... Rom. Der abessinische Geschäftsträger Chevre Jesus erhielt ein Telegramm, in welchem ihm die abessinische Regierung den Auftrag erteilt, Ita- lienzuverlassen. Die italienische Regierung hat dem Charge d'Affaires bereits die Pässe zurückerstattet. ...der Italienische Abessinien Addis Abeba. Der italienische Gesandte in Abessinien GrafVinei erhielt Mittwoch nachmittags seine Pässe von der abessinischen Regierung zum Zeichen, daß er das Land der« lassens 0 lle.' Billige Siege— doch was nachher? Jeder Soldatentransport nach Abessinien hat nach italienischer Behauptung Freudenausbrüche der Bevölkerung hervorgerüfen, die letzte Brandrede Mussolinis, die Eröffnung der Feindseligkeiten durch das italienische Heer und vollends die Nachrichten über die Anfangssiege gegen kleinere Abteilungen der Abessinier, haben wahre Taumel der Begeisterung geweckt. Wie tief diese öffentlich gezeigte Begeisterung in die italienischen Volksmassen hineinreicht, ist schwer nachzuprüfen, aber warum sollte es dem gewaltigen Propaganda- und Lügenapparat der Mussolinischen Diktatur nicht gelungen sein, die Bevölkerung zu begeistern, der vorgespiegelt wird, die Nieder- ringung Äthiopiens werde über Italien reichen Wohlstand ausgießen, werde die Not, unter der das italienische Volk vor allem dank der fascisti- schen Luderwirtschaft leidet, mit einem Schlage beseitigen! Also nehmen wir an— obwohl gute Jtalienkenner dies bestreiten— daß gegenwärtig das ganze italienische Volk den Mussolinischen Krieg freudig mitmacht und sich an den billigen Siegen in Abessinien berauscht— wie lange können Rausch und Begeisterung andauern, ohne daß ein fürchterlicher Katzenjammer folgt? Man muß schon mit Blindheit geschlagen sein, um nicht zu erkennen, daß der Kurs des italienischen Staatsschiffes auf Klippen lossteuert. Gewiß: militärische Erfolge dürfte die Großmacht Italien gegen das schlecht gerüstete und kriegerisch wenig geschulte Abessiniervolk noch etliche erringen, aber alle diese Siege werden nicht den siegreichen Abschluß des begonnenen Abenteuers verbürgen. Es wird sich vielmehr erweisen, daß dieser Krieg ein solcher der Krise des italienischen Fascismus ist, hervorgegangen mit Notwendigkeit aus den schweren Verlegenheiten des fascistischen Regimes und daß jene recht behalten werden, welche rieten, man möge Mussolini bei seinem Beginnen nicht aufznhalten suchen, ihn vielmehr stoßen, da er sich schließlich auf dem abessinischen Felsenplateau seinen Schädel einrennen oder zumindest an dem Widerstande Englands seinen Plan scheitern sehen werde. Flüchtig betrachtet. sieht das Vorgehen Italiens als von einem unerhörten Mut diktiert aus. Restlos hat sich der ganze Völkerbund gegen da? raubgierige Vorhaben Mussolinis gestellt, er hat es dennoch gewagt. Er konnte eben gar nicht anders. Vielleicht hätte er, wenn die englische Politik schon früher gradlinig und durchsichtiger gewesen wäre, noch rechtzeitig eingelenkt, doch als England endlich Farbe bekannte, war es für den Diktator zu spät, er hätte sonst die Gefahr seines Sturzes heraufbeschworen. Eine Sperrung des Suezkanals vor drei Monaten hätte den rollenden Stein wohl noch aufgehalten, mittlerweile hatte die Auspeitschung des Volkes zum Kriegstaumcl und die Aufbietung des militärischen Apparats solche Dimensionen angenommen» daß es kein Zurück mehr geben konnte. Daß Mussolini überhaupt das Unternehmen begann, hat seine Ursache darin, daß er für die Volks- stimung dringendst eine Ablenkung gebraucht hat. Dabei rechnete er darauf, daß jeder einzelne europäische Staat genug mit seinen Schwierigkeiten im Lande zu tun hat und daß die Sorge um die Erhaltung des Friedens, von der sich die demokratischen Staaten leiten lassen, ihm freie Hand in Afrika geben werde. Was Mussolini in seiner, durch ihn selbst verschuldeten Lage wollte, das war ein siegreicher Krieg, um der wachsenden, ihm feindlichen Stimmung im Lande durch Ausbügelung seiner Gloriole Herr zu werden. Er braucht zur Erhaltung seiner diktatorischen Existenz unbedingt militärische Erfolge, denn sonst hätte er die ihm vom Völkerbund versprochenen Gebietsabtretungen, die keineswegs nur Wüsten, sondern auch weite fruchtbare Gebiete umfaßten, nicht brüsk abgewiesen. Der allmächtige Duce ist eben am Ende seines Latein angelangt und er hat sich in jene Sackgasse verirrt, in die alle Diktaturen geraten müssen und aus denen sich als einzig noch etwa möglicher Ausweg der Krieg zeigt. Allen Kunstgriffen und der gerissensten Propaganda zum Trotz kann nicht länger verheimlicht werden, daß Italien durch den Fascismus wirtschaftlich und finanziell hart an den Rand des entsetzlichsten Bankerotts gebracht wurde.- Seite 2 Donnerstag, 10. Oktober 1935 Nr. 236 Es gibt Wohl auch jetzt noch Jtalienreisende, bi« sich geneigt zeigen, in verzückten Tönen die Veränderungen zu rühmen, die sich unter Mussolini vollzogen haben. Einen Beweis für die Aufwärtsentwicklung des Landes wollen sie in den modernen Autostrasten, von denen eine sogar bis zu 2000 Meter Höhe auf den Ätna hinaufführt, erblicken. Diese Mufsolinibegeisterten sollten sich einmal nur wenige Kilometer von den Hochstraßen de- modernen Touristenverkehrs wegbegeben, sie ioürden rasch gewahr werden, daß nicht Ausbau, sondern Verfall und unbeschreibliches Elend das Kennzeichen und Ergebnis des Fascismus sind. Hochstraße auf den Ätna, Prachtstratze zwischen Mestre und Venedig, ein überdimensionales Denkmal für ihn, den Diktator selbst— die Kehrseite aber zeigt, daß in Messina noch immer stinkende, elende Wohnbaracken aus der Zeit des Erdbebens Menschen beherbergen, daß im Süden einige Kilometer hinter den schönen Autostraßen das elektrische Licht aufhört, die Bahnhöfe auf Petroleumbeleuchtung angewiesen sind und das Trinkwasser in großen Tonkrügen weit hergeschafft werden muß, weil es weder Brunnen noch Wasserleitungen gibt. In Sizilien aber» einst die Kornkammer Noms, herrscht auch heute noch in zwei Dritteln ödeste Dürre, weil der Duce Wohl unwirtschaftliche Autostraßen fiir die Reichen und Luxusbauten zur Erhöhung seines Prestiges vor dem unkritischen AuSlande, aber keine Bewässerungsanlagen gebaut hat. Wie aber ist erst der wirtschaftliche und finanzielle Stand des Landes! Die Staatsverschuldung, die zur Zeit deS fascistischeu Machtantrittes kaum 96 Milliarden betrug, ist auf rund 149 Milliarden Lire gestiegen, was so viel bedeutet als daß daS fascistische Regime täglich fast 10 Millionen neue Schultz e n gemacht hat. Am Vorabend des abessinischen FeldzugeS stehend, sah sich Italien gezwungen, seine Währung vom Gold zu lösen und neuestens ist das Land Schauplatz einer ungeheueren Teuerungswelle. Einerseits sind di« Staatsschulden unter dem fascistischen Regierungssystem, andererseits die Steuern ins Unerträgliche gewachsen und die Unzufriedenheit der seit 13 Jahren mit Phrasen und mit fascistischen Paraden ohne Ende bedachten Bevölkerung, der mit der Freiheit auch daS tägliche Brot geraubt wurde, ist auf die Dauer kaum mehr niederzuhalten gewesen. Das wußte auch der Hasardeur, der dreizehn Jahre lang über daS italienische Volk die Sklavenpeitsche schwang und darum hat er. alles auf eine Karte setzend, den Raubkrieg in Afrika inS Werk gesetzt, der den inneren Bankerott seiner Herrschaft verschleiern und diese^womöglich noch für ein« Zeitlang verlängern helfen sollte. ES ist ein Versuch, dem Diktator eine Rechtfertigung, einen großen Erfolg oder doch wenigstens den Schein eines solchen zu verschaffen, wobei gleichzeitig erreicht wird, daß dem Lande eine eiserne Disziplin aufgezwungen und den Unzufriedenen der Mund verschlossen wird. Doch gibt eS genug Zeichen dafür, däß das Experiment ganz anders ausgehen wird, als es Mussolini erhofft hat und trotz der Sieg« der italienischen Armeen über die abessinischen Frauen und Kinder der Negus eigentlich ruhiger schlafen könnt« als Mussolini. Vock eine vurcksckmtts- Ernte in Kartoffeln? Wie das Abendblatt des„§e sk e Slooo" mitteilt, fanden Dienstag Beratungen der Wirtschaftsminister über die Kartoffelversorgung statt. Der Kartoffelpreis dürste in der vorjährigen Höhe festgesetzt werden. Nach den Schätzungen Sachverständiger soll sich die heurige Ernte vom Durchschnitt der Jahre 1925 bis 1930, der etwa 800.000 Waggons beträgt, nicht wesentlich unterschieden. Die vorjährige Ernte von 900.000 Waggons war ein« ganz ungewöhnliche Rekordernte. Fürsorgeminister verlangt 23 Millionen für die Kartoffelaktion Während im Vorjahre für die Beschaffung von Kartoffeln für Arbeitslose zehn Millionen K£ verwendet wurden, fordert heuer der Fürsorgeminister für diesen Zweck 23 Millionen Ki, um 6000 Waggons Kartoffeln ankaufen zu können. Verhandlungen mit dem Verband der Kar- toffelzüchter in Deutsch-Brod«betrests eines billigeren Preises für diese Kartoffeln find leider ergebnislos geblieben. Für die Koalition mit Sozialisten Eine agrarische Stimme In der agrarischen Revue„Bräzda" der Tribüne der jüngeren agrarischen Intelligenz, veröffentlicht der der tschechischen Agrarpartei angehörende Abgeordnete Dr. O. S u ch h einen bemerkenswerten Artikel über einige Fragen der Innenpolitik. Er schreibt, daß stets eine solche Koalition notwendig und gesund sein wird, deren Grundlagen jene Parteien sind, welche die zwei größten Gruppen im Staate darstellen, nämlich Bauern und Arbeiter. Es kann weder eine sozialistische Regierungsform aufgerichtet werden, noch eine wirkliche Mehrheit gegen die Agrarier. Und ebenso wäre eS wirtschaftlich und politisch unvernünftig, die Dinge gegen die Sozialisten aus die Spitze zu treiben, weil wir Unruhe in der Oeffentlichkeit verbreiten, die Linke zusammenschließen und den Abgrund vertiefen würden, der wieder überbrückt werden müßte nur mit größerer Anstrengung und mit größeren Schwierigkeiten. Sprengcklbürgerschulen für das Senatsple- num verhandlungSreif. Der Kulturausschuß des Senates nahm am Mittwoch die Vorlage über die Sprengelbürgerfchulen in der vom Referenten beantragten und mit den Regierungsfaktoren ver, abredeten Fassung fast einmütig an. Die Vorlage wurde sofort an-den Wudgetausschnß-sowie an den verfassungsrechtlichen Ausschuß abgetreten, damit auch die Verabschiedung im Plenum des Senates schon in einer der ersten Sitzungen erfolgen kann. Die Vorlage wird dann an das Abgeordnetenhaus zurückgehen müssen. Landesmilitärkommandant General Kopal gestorben. Mittwoch nachmittags starb im Divi- sionskrankenhaus in Prag der Landesmilitärkom- mandant von Böhmen, Divisionsgeneral K o p ä l im Alter von erst 53 Jahren. Vor seiner Ernennung zum Landesmilitärkommandanten in Prag die erst Heuer im Frühjahre, nachdem Armeegeneral Bily in Ruhestand getreten war, erfolgte, versah General Kopal das Amt deS Stellvertreters des Generalstabschefs. Eisenkartel! gefährdet Baukonjunktur Verbrecherische Preiserhöhungen In der letzten Folge der„Konsumgenossenschaft" macht der Geschäftsführer der Großeinkaufsgesellschaft, Genosse K r e j s k y, mit allem Nachdruck aufmerksam auf die schädlichen Auswirkungen der Kartelle, insbesondere des Eisen- kartellS. Er verweist zunächst auf eine seiner früheren Arbeiten, in denen er darauf hingewiesen hat, daß bei Betonrundeisen, einem im heutigen Bauwesen eine so hervorragende Rolle spielenden Artikel, ein Preis von etwa 144 XL ab Werk verlangt wird, während die gleiche Ware im nichtkartellierten Ausland bis zur tschechoslowakischen Grenze 60 XL bis 70 XL kostet. Schon daraus ist zu ersehen, wie erschwerend und verteuernd das Diktat deS Eisenkartells auf der Bauindustrie lastet. Ein anderer bezeichnender Fall, wie die eilenverarbeitenden Kartellisten verteuernd und rücksichtslos vorgehen, ist die ungeheure Preissteigerung von Heizkörpern(Radiatoren) für die Zwecke der Dampf- und Warm- wasserheiznng in den letzten Tagen. Vorige Woche teilte eine große Firma aus dem Ostrau-Oder- berger Gebiet allen Abnehmern mit, daß sie im Einvernehmen mit den anderen Unternehmungen, die Radiatoren und das dazu notwendige Zubehör erzeugen, ein Kartellabkommen geschlossen hat, und in einem Rundschreiben führte sie die von diesem neuen Kartell diktierten Preise gleich an. Ein Vergleich mit den bisher geltenden Preisen zeigt klar und deutlich, welch große Lasten Verbrauchern mit diesem Preisabkommen auferlegt werden. Wir führen die bisherigen und die jetzigen Grundpreis« an; Zweigliedrige Radiatoren bisher 43 XL, von jetzt ab 67 XL, Bertenerung 55.8 Prozent. Eingliedrige Radiatoren bisher 46 XL, von jetzt ab 77 XL, Bertenerung 67.4 Prozent. Dreigliedrige Radiatoren bisher 46 Xi, von jetzt ob 75 XL, Bertenernng 63.1 Prozent. Diese Preiserhöhung, die eine enorme Verteuerung beinhaltet, wurde rasch unter Dach und Fach gebracht, damit die Bauindustrie für die im Frühjahr beginnenden Bauten nicht mehr in der Lage ist, sich zu den alten Preisen einzudecken. Durch diese preistreibenden Maßnahmen deS Eisen-, Zement- und deS Ziegelkartells sowie der übrigen Baumaterialienkartelle wird die Bautätigkeit im nächsten Frühjahr arg gefährdet und vielfach glatt unmöglich gemacht. Sicht so die Ankurbelung der Wirtschaft aus? Sind das die geeigneten Wege zur Arbeitsbeschaffung? Ist das der Ausdruck des Willens, die Räder in Bewegung zu setzen? Aus diesen angeführten und noch vielen Hunderten anderen Beispielen ist nur zu deutlich zu ergehen, wie bei Aufrechterhaltung unseres jetzigen, durchaus ungenügenden Kartellgesetzes die Auswüchse der Kartellwirtschast zu einer geben> radezu unerträglichen Last werden. VILLA OASE oder; DIE PAUSCHEN BORGER Roman von Eugene Dabit Berechtigte Uebertragung aus dem Französischen von Bejot „Gib nicht so viel Gas!" „Die Gondel hat's in sich," erwiderte Julien,„sie ist kitzlich wie eine Jungfer. Aber sei unbesorgt, es entgeht mir nichts." Sie aßen in Lisieux. Alfred wollte ein Kloster besichtigen, in dem einmal eine Heilige gelebt hatte. Julien ließ ihn mit den Frauen allein gehen und erwartete sie auf der Terrasse eines Cafes. Mit Langloir, der auch nichts für die Pfaffen übrig hatte. Spät am Abend waren sie in Saint-Malo. Alfred, der nicht zum erstenmal hier war, führte die anderen durch die Stadt aufs Bollwerk, von wo man das Meer und die Sandbänke sah. Tann gingen sie zum Strand. Alfred zog ein Badetrikot an und lieh sich von den Wellen schaukeln. Am nächsten Taa gingen sie auf den Mont- Saint-Michel, wo sie in einem Wirtshaus Austern schlürften und Eierkuchen aßen. Nachdem sie die Abtei besichtigt hatten, bewunderten sie den Blick, grausten sich vor den Wanderdünen und kauften Andenken. Sie kamen spät ins Hotel zurück, müde zwar, aber in guter Stimmung. Irma trällerte vor sich hin, und Julien, der sie schon seit Wochen nicht mehr so gesehen hatte, war überrascht, eine liebesbedürftige Frau im Bett zu finden. Um nach Brest zu kommen, machten sie Umwege: über Paimpol, Lannion, RoScoff. Jeden Abend studierte Alfred den Führer und bereitete daS Programm des nächsten TageS sorgsam vor. Er war ein Künstler auf dem Gebiete, Langweile gab eS nicht in seiner Gesellschaft. Sowie sie in eine Stadt kamen, führte er sie in die Kirchen, zeigte ihnen die Denkmäler und hielt dazu einen historischen Vortrag. Julien schloß sich diesen Wanderungen nicht an, sondern er wartete lieber in einer Kneipe und gab acht auf die Wagen. Von weitem schon sah er die Gesellschaft ankommen. Alfred ging an der Spitze. Er trug einen großkarierten Anzug, ein Feldstecher-Etui über der rechten, einen Kodak /über der linken Schulter, hielt sich auffallend gerade und sah aus wie ein Engländer. Hinter ihm kam LangloiS, schwarz gekleidet, die Autobrille vor den Augen. Dann die Frauen, in ihrer Mitte Irma, geschminkt und so elegant, daß die Eingeborenen sie mit offenem Munde anstarrten. Er rief ihnen zu:„War's nett?" Eine letzte Auftiahme wurde geknipst, und die Fahrt über die Staatsstraßen ging fröhlich weiter. Sie gingen nach Kap Raz, wo sie einen Führer nahmen. Auf schmalem Pfade zogen sie im Gänsemarsch und blickten bänglich in die Tiefe, in der die Wellen gischten. Der Führer zeigte ihnen die Insel Sein, daneben einen Felsen: den Sarah Bernhardt-Stuhl, und die furchtbare Bucht der Verstorbenen. In der folgenden Nacht hatte Irma Beklemmungen. Am Morgen mußte Julien Alfred darum ersuchen, bei der Auswahl der Sehenswürdigkeiten auf ihren Zustand Rücksicht zu nehmen. Sie setzten die Reise mit allen Vorsichtsmaßregeln fort, machten Station, um in vertrauenerweckenden Gastwirtschaften einen Happen zu essen, und stiegen nur in feinen Hotels ab, wo Alfred die besten Zimmer verlangte. Er telephonierte beständig ans Montbert, aus Angst, es könne dort etwas schief gehen, denn er hatte vorwiegend weibliches Personal. Julien war guter Dinge. Irma plauderte, scherzte, kaufte überall Ansichtskarten, stöberte mit Alfred bei Antiquaren, kurzum, sie lebte auf. Er wollte, daß sie Seebäder nehme, weil doch da? Salz so stärkend wäre, aber den Wunsch erfüllt« sie ihm nicht.„Du siehst, wie richtig es war, zu verreisen", sagte er. Und sie gab ihm die Antwort:„Im Winter gehen wir ans Mittelmeer." EineS Sonntags machten sie Station in Nantes, wo sie zum erstenmal wieder Großstadtluft atmeten. Sie hatten die Hauptstadt nicht vergessen. Nach dem Essen gingen sie bummeln. Die Frauen kehrten um Mitternacht inS Hotel zurück, die Männer blieben noch auf der Terrasse eines Bierrestaurants. Dann schlug Alfred vor, eine Flasche Champagner im Bordell zu trinken. Am nächsten Morgen begaben sie sich, den Kopf voll mit Erinnerungen, auf die Heimfahrt. In Orleans trennten sie sich. Julien fuhr direkt nach Fontainebleau. Irma saß hinter ihm, allein mit ihrem Bobby, den sie liebevoll streichelte. Sie ließ die Bilder, die sie gesehen, an ihrem geistigen Auge vorüberziehen: die bretonische Küste, Städte und Landschaften. Ihr Leben würde nun wieder in die alten Bahnen kommen. Bisher hatte sie an nichts gedacht, so sehr hatte sie sich gefreut, an Alfreds Seite zu sein. Sie hatte ihm unrecht getan. Er war der Gefangene seines Hotels, der Beruf wurde schwerer und schwerer, und er wußte nicht einmal, ob er alle seine Schulden würde decken können. Er hatte sie mit seinen Geschichten, die er von allen Gegenden zu erzählen wußte, ganz bezaubert. Ja, er war ein Mann I Mit ihm hätte sie überall Zutritt gefunden. In Brest waren sie einmal allein gewesen... Julien riß sie jäh aus ihren Träumen... „Wir sind da, Dicke. Freust dü dich, daß du wieder zu Hause bist?" Sie stiegen aus und gingen in den Garten. Julien beugte sich über das Schloß und knurrte: „Man bringt den Schlüssel nicht hinein. Was soll das heißen?" Er strengte sich unnütz an, richtete sich wieder auf und schrie: „Verdammt, man hat versucht, das Schloß aufzubrechen I" Das beste war, gleich den Schlosser zu holen. Die Sowjetpresse veröffentlicht ausführliche Berichte über den Aufenthalt der Delegation der Sowjetjournalisten und-schriftsteller in Prag und hebt den äußerst freundschaftlichen Charakter der Aufnahme, die ihnen bereitet wurde, hervor. Der Korrespondent der„Jswestija" schreibt: Keine diplomatische Höflichkeit waren die an uns gerichteten Worte des Ministers Dr. Benes, als er erklärte, daß die Freundschaft seitens der Tschechoslowakei und ihre Zusammenarbeit mit den Völkern der Sowjetunion nicht nur eine Angelegenheit der Regierung oder des Ministeriums für Auswärtige Angelegenheiten sei. Davon konnten wir uns im Augenblick der Ueberschrei- tung der Grenze überzeugen. Uns umgibt hier eine außerordentliche Fürsorge und Aufmerksamkeit. Das Zusammentreffen mit Dr. Benes machte auf uns einen großen Eindruck. Die außerordentlich inhaltsreiche Unterredung über aktuelle politische Themen, die durchaus nicht an die üblichen Standardgespräche von Journalisten mir Außenministern erinnerten, waren für uns besonders wertvoll. Sozialpolitische Resolution auch im Senatsausschuß einstimmig angenommen. Im sozialpolitischen Ausschuß des Senates erstattete der Vorsitzende NemeLek einen Bericht über die Verhandlungen des Subkomitees zur Ueberprüfung der seinerzeit eingebrachten Resolutionsanträge. Das Subkomitee hat den Abschluß der Verhandlungen im Ausschuß deS Abgeordnetenhauses abgewartet, damit die Entschließungen der beiden Ausschüsse in dieser wichtigen Frage voneinander nicht wesentlich verschieden seien. Tatsächlich wurde die im Abgeordnetenhaus angenommene Resolution zur Grundlage genommen und vom SenatSauS» schuß bis auf unbedeutende Aenderungen einstimmig genehmigt. Die Termine für die Beste ch u ngsaffären- Prozesse festgesetzt. Das Präsidium des Brünner KreiSstrafgerichteS in Brünn hat eben die Termine der Prozesse gegen die in die bekannten Bestechungsaffären verwickelten Angestellten der Staatsbahnen und der Firma Pittel und Brausewetter festgesetzt. Der erste Prozeß wird am 21. d. M. eröffnet. Angeklagt sind 28 Personen. Am 4. November soll dann der Prozeß gegen 20 Angeklagte folgen. DaS Fürsorgeministerinm beabsichtigt die Errichtung einer Schiedskommission zur Festsetzung der Preise für Baumaterialien, wie Kalk, Stein, Zement, Gips, Holz und Eisenwaren. Neuregelung der staatlichen Prüfungstaren. Ta- Finanzministerium bereitet nach dem„Prüvo Lidu" auf Anregung der Kommission zur Oekonomisierung der öffentlichen Verwaltung eine Reform der Prü« fungStaxen und Gebühren vor. Demnach sollen in Hinkunft die Prüfungstaxen bei amtlichen Prüfungen— mit Ausnahme der Hochschulprüfungen -— nicht mehr den PrüfungSkounnissüren, sondern demStaat zufallen, während die Prüfung-« kommissäre vom Staat für ihre Tätigkeit gesondert honoriert werden sollen. Waggonbeistrllung im September 1935. Auf sämtlichen tschechoslowakischen Bahnen einschließlich der Privatbahnen wurden im September 1935 bei 24 Arbeitstagen insgesamt 418.094 Waggons geladen gegenüber 325.106 Waggon- im September de- Vorjahres. Die Steigerung betrifft allerdings nur denJnland-ver'kehr(von 354.410 auf 890.698 Waggons, d. i. um 10,24 Prozent), während im Verkehr mit dem Ausland ein Rückgang der Waggonbeistrllung von 30.696 auf 27-396 Waggon-, d. i. um 10,75 Prozent, zu verzeichnen ist. Irma lief, bleich vor Angst, hinterher. Sie kamen übereip, die Sache geheim zu halten. Der Einbrecher konnte aus dem Orte sein. Der Schlosser öffnete die Türe. Julien ging durch alle Zimmer, fand aber nichts Auffälliges. Irma schlich vorsichtig in die Schlafstube und dachte an den geheimnisvollen Besucher. War c- ein Vagabund oder gar ein Kommunist? „Laß mich nicht allein, Julien." „Keine Gefahr", beruhigte er sie.„Der kommt nicht wieder." Eine dumme Sache, zumal Irmas wegen. Er war keineswegs so sicher, wie er tat. Aus einem Fensterladen hatte er tiefe Schrammen entdeckt. „Wenn ich wüßte, wer er ist", knurrte er, „hätte er nicht zu lachen. Ich brauchte keine Polizei, um mir mein Recht zu verschaffen. Nach meiner Meinung muß es einer aus Chapelle-sur» Seine sein." „Du erzählst den Leuten alle-, was sie hören wollen. Sie wissen, daß du hier Geld versteckst. Und gemein, wie sie sind..." „Ich schwöre dir beim Andenken meiner Mutter, daß ich keinen Ton gesagt habe." Sie stritten noch hin und her, als Irma plötzlich innehielt und auSrief: „Hier läuft jemand." „Wer ist da?" fragte Julien. „Ach, Solange..." Er forschte sie auS, Aber sie hatte keinen Menschen um die Villa schleichen sehen. Gut, so wußte er, daß er mit einem geschickten und verschlagenen Feinde zu rechnen hatte, der ihm noch dem Gelbe trachtete. Zur Arbeit war er jetzt nicht aufgelegt. Er rannte hin und her, blieb stehen, bückte sich, entdeckte nichts, dann ging er nach oben, wo er Irma auf dem Bett sitzend fand. Er brauchte nicht zu fragen, woran sie dachte. Wie schön war eS auf der Reise gewesen. Jetzt trug er wieder seine Kette als Hausbesitzer und Rentier. Eia verfluchter BerufI.(Fortsetzung folgt.) Nr. 236 Donnerstag, 10. Oktober 1935 Seite 3 fudetendeuts^icrXeitspie^et Treiben der Gestapo in Präs Ist das der Polizei bekannt? Sanktionen in Vorbereitung Die Federation der französischen Hafenarbeiter verlautbart, daß sie in Uebehsinstimmung mit der Transportinternationale an ihre Fachverbände die Weisung gerichtet habe, italieni- scheSchiffe nicht zu verladen. G Der südafrikanische Finanzminister Ha- venga erklärte, einer Reuter-Meldung zufolge, daß die Union ihre Fleischlieferungen an die i t a l i e n i s ch e n T r u p p e n e im- stellen müsse, wenn der Völkerbund Sühnemaßnahmen gegen Italien beschließe. Der von Havenga erwähnte Vertrag umfaßt Lieferungen von 80.000 Tonnen Fleisch auf die Dauer von drei Monaten. Rew-Aork. Allgemein glaubt man, daß die Bereiritgten Staaten bei der Durchführung der Sanktionen gegen Italien mit dem Völkerbund nicht Zusammenarbeiten, den Sanktionen aber auch keineHindernisse entgegen- stelle n werden. Die zweit« Bank für Einfuhr und Ausfuhr, die im vergangenen Jahre auf Anregung der Regierung zur Finanzierung des amerikanischen Handels mit dem Auslande errichtet wurde, teilt mit, daß sie keinerlei Kredite für den Verkauf von Waren nach Italien oder Abessinien gewähren wird. Der Vorstand der Südafrikanischen Arbeiterpartei richtet an die Regierung die Aufforderung, wirksame Sanktionen gegen den italienischen Raubkrieg zu treffen. Sollte dies nicht geschehen, so wird die Arbeiterschaft Südafrikas aufgerufen, jede Mitwirkung an der Herstellung und Beförderung aller Waren einzustellen, die für den Angreifer bestimmt sind. Die Eingeborenen-Führcr der britischen Kolonie Kenya(früher Deutsch-Ostafrika) haben im Auftrag einer Riesenversammlung an die Regierung das Ersuchen gerichtet, 50.000 Mann von ihnen den Uebertritt nach Abessinien zu erlauben, um für die Erhaltung der Unabhängigkeit Abessiniens mitzukämpfen. Pressefeldzus gegen Genf Rom.(Stefani.) Die italienische Presse führt eine heftige Kampagne gegen das Vorgehen des Völkerbundes in Genf.»Lavoro Fascistä" schreibt: Während Italien in Afrika kämpft, versucht ihm Genf von rückwärts einen Schlag zu versehen. Die Presse spricht von der Unverantwortlichkeit der Politik des Völkerbundes und von, dessen„Servilität" gegenüber den iinperialisti- schen Interessen Großbritanniens. Das Blatt stellt die Frage, ob der Völkerbund durch sein. Borgehen Selbstmord verüben wolle. „Giornale d'Jtalia" sagt, daß das, was sich in den letzten Tagen in Genf ereignet habe, eine definitive Bestätigung der Ansicht sei, daß die britische Politik die italienische Aktion, zu der Italien volles Recht habe, vereiteln und alle Verantwortung auf Italien wälzen wolle. In diesem Zusammenhang sei es notwendig, an den Präzedenzfall Japans zu erinnern, das. im September 1931 eine kriegerische Aktion auf chinesischem Gebiete und in der Mandschurei eröffnete, während der Völkerbund erst im Feber 1Y33 zusammentrat, um die Lage zu prüfen. Aegypten kauft Kriegsmaterial Kairo. Das ägyptische Kabinett bewilligt« einen Kredit von 200.000 ägyptischen Pfund für den Einkauf von Kriegsmaterial, der voraussichtlich ja England vollzogen werden wird Wenn Schwämmesucher über die Grenze geraten Von reichsdeutschen Organen festgenommen— Häftling wird krummgeschlosten Man schreibt uns aus Eger: In der Umgebung von Eger liegen zahlreiche Waldungen, die sich an vielen Stellen bis weit über die nahe reichsdeutsche Grenze hinaus ausdehnen. Es kommt daher öfter vor, daß Schwämmesucher, arme Leute, die sich eine kleine Nahrungsreserve für die Wintermonate besorgen wollen, da und dort, ohne es zu wißen, die Grenzlinie um Meterbreite überschreiten. In den letzten Tagen nun wurden einige Schwämmesucher aus Eger, die im Walde über die Grenzlinie hinausgekommen waren, von rcichsdeutschen Organen festgenommen und nach Waldsassen gebracht, wo sie in den Arrest ge st eckt wurden. Nach einer Schilderung des Blattes„Egerland" wurden sie daselbst n>ie Schwerverbrecher behandelt. Sie blieben dreibisvierTageimArrest; derjenige, der das Geld für ein« Postkarte besaß, konnte seine Angehörigen verständigen. Wer kein Geld hatte, mußte die ganze Zeit im Arrest sitzen, ohne seiner geängstigten Familie schreiben zu können, da die Behörde eine Verständigung der Angehörigen ablehnte. Als besonders empörend bezeichnet das christlichsoziale Blatt einen Vorfall, der sich gleichfalls vor einigen Tagen abgespielt haben soll. Danach wurde ein tschechoslowakischer Staatsbürger mit einigen anderen nach Waldsassen gebracht. Am nächsten Tag äußerte er beim Spaziergang im Gefängnishof, daß einer der mit ihm Festgenommenen fehle. Für diese Aeußerung, in welcher eine Uebertretung der Gefängnisvorschristen erblickt worden sei, wurde der Unglücklich« eine Stunde lang krumm geschloffen. und erst, als er mehrere Male nach einem Arzt verlangt hatte, von seiner Qual erlöst! Die deutschen nationalen Kreise behandelten ihn als einen vom„Scheitel bis zur Zehe volksbewußten Recken" und halfen ihm vorwärts. Als sein nationaler Kamerad Bürgermeister war, wollt« der Bolksgenoffe Neumann auch mit Gemeindegrund Geschäfte machen. Er pachtete, nahm Grund in Baurecht kaufte und verkaufte, doch mit dem Zahlen haperte es immer. Die bösen Sozi in der Gemeinde ließen das Geschäft gar nicht gedeihen, weshalb der Herr Jng. schließlich doch bezahlen mußte, weil er sonst geklagt worden wäre. Aber durch mehr als drei Jahre beschäftigte sich die Gemeinde und eine dem Bürgermeister und dem Herrn Ingenieur gleichermaßen nahestehende Aussiger Advokatenkanzlei mit dem Grundinteressenten Neumann, bis endlich die Grundstücke in den Besitz der Herren Zimmermann und Vanikek übergingen. Jetzt ist Gerhard Neumann gutbezahlter Beamter der Deutschen Reichsbahn. Verdient hat er sich die Anstellung nicht, doch wird er sie auch nicht lange haben und seine Aussiger Befürworter werden letzten Endes eine Hakenkreuz-Nase be- kommen. Ostrauer Turnverein eingestellt Der Brünner Naziprozeß Beweise für die politische Betätigung der Angeklagten In der gestrigen Verhandlung wurde das neue Beweis material verlesen, aps dem hervorgeht, daß sich die Angeklagten politisch betätigt haben. Gröger bestreitet, Beziehungen zu I u n g gehabt zu haben. Beim„Volkssport" sei er ohne sein Wissen als Mitglied eingetragen und zum Beirat ge- wählt worden(!) Er habe auch nicht den Geländeübungen der uniformierten Jugendlichen im Mährisch-Trübauer Bezirk beigewohnt. Der Vorsitzende wies darauf hin, daß Gröger bei seiner Einvernahme jede poetische Betätigung in Abrede gestellt habe und daß eS sich nun zeige, daß er sich doch politisch betätigt hat. Vors.: „Sie haben zwar davor gewarnt, daß die Leute in die deutsche SA oder SS eintreten, aber nicht desivegen, weil Sie damit nicht einverstanden waren, sondern damit der Partei nicht Unannehmlichkeiten erwachsen sollten. Es heiH auch in einem Aufruf, man soll nicht„Heil Hitler!" rufen und sich dafür bestrafen lasten, sondern man müste die Zähne zusammenbeißen und zum Kampfe rüsten." Die Verteidigung verwahrte sich wieder gegen die Verlesung des neuen Bcweismaterials; der Staatsanwalt wies die Einwände zurück. Es wlgten nun wieder Verlesungen aus Broschüren. U. a. wird auch ein Vortrag des Dr. T i r a l a er- wähnt. Vorsitzender: Herr Tirala ist ja auch durchgegangen. Die Verteidiger bestreiten, daß Tirala durchgegangen sei. Staatsanwalt: ES läuft doch ein Steckbrief gegen ihn.(Dr. Tirala, der in Brünn Frauenarzt war, ist aus verschiedenen Gründen der Boden zu heiß geworden. Im Dritten Reich bekam er eine Professur für Rassenforschung.) In weiteren Schriftstücken wird dann betont, daß Richter und Iudex eine lebhafte Tätigkeit entfaltet hatten. Der Prozeß dürfte wahrscheinlich erst nächste Woche zu End« gehen. Verhaftungen In Komotau wegen Spionage zugunsten Deutschlands Bei einer Razzia, welche vor einigen Tagen von der Staatspolizei in Komotau durchgeführt wurde, wurden einige Personen festgenommen, die der Spionage im Dienste Deutschlands beschuldigt werden. Unter den Verhafteten befindet sich der Reisende Heinrich Glaser, der während der Manöver in Nordböhmen Nachrichten an die deutsche Spionagezentrale schickte. Er versuchte auch den Beamten Anton Jacob zur Mithilfe zu veranlassen» der ihn jedoch anzeigte. Glaser und Jacob waren Mitglieder der deutschen nationalsozialistischen Partei. Niederlage der agrarischen Gewerkschaft Bei den Betriebsausschußwahlen bei der Firma„Explosia" in S e m t i n kandidierten Heuer auch die sogenannten Gewerkschafter der tschechischen Agrarpartei, welche sich seit einiger Zeit bemüht, besonders in den vom Ministerium für nationale Verteidigung abhängigen Betrieben Fuß zu fassen. Das Ergebnis ist für sie alles andere als befriedigend. Bei der Wahl erhielten die freie Gewerkschaft 935 Stimmen und acht Mandate,(bisher 855 Stimmen und fünf Mandate), die tschechischen Nationalsozialisten 511 Stimmen und vier Mandate(bisher 814 Stimmen und fünf Mandate) und die Agrarier ganze 64 Stimmen. Sie blieben ohneMandat, obwohl ftdj_ die Zahl der Arbeiter seit den letzten Wahlen im Jahre 1933 stark vermehrt hat und bei Neuaufnahmen gewiss« Einflüsse zugunsten der agrarischen Gewerkschaft geltend gemacht werden. Auch einer, den wir dem Dritten Reich gönnen Zu jenen, welche die„Chemnitzer Volkszeitung" kalt und nüchtern zu den„Abenteurern" zählt,„denen eS in der Tschechoflowakei nicht mehr paßt und die im Reich ein leichtesLeben erhoffen", gehört zweifellos der vor ein paar Wochen inS Dritte Reich hinübergewechselte Aussiger Ingenieur Gerhard Neumann. In der Nachkriegszeit kam er mit seiner Frau, der Gesangslehrerin Adrienne Neumann, nach Aussig. Arbeit scheint nie seine starke Seite gewesen zu sein und so versuchte er mit Grundhandel und dergleichen„raffenden" Geschäften Geld zu verdienen. In der Hauptsache ließ er sich von seiner Frau aushalten, wobei es ihm anscheinend gar nicht schlecht ging Mährisch-Ostra«. Die Polizeidirektion in Mährisch-Ostrau hat die Tätigkeit des Vereines „Deutsche Turngemeinde Jahn" in Mährisch- Ostrau nach dem VereinSgesctze eingestellt, da sich der Verein in seiner Tätigkeit nicht nach feinen Statuten gerichtet und das Strafgesetz verletzt hat. Bei den führenden Funktionären wurden Haussuchungen vorgenommen und Schriftenmaterial sowie verschiedenes Material sichergestellt. Mit der Katastrophe auf der Grube„Prokop" befaßte sich am Mittwoch der sozialvolitische Ausschuß de? Senats. Es wurde beschlossen, das Ministerium für öffentliche Arbeiten zu ersuchen, dem Ausschuß einen Bericht über die Ergebnisse der Untersuchung und über die getroffenen Maßnahmen zu erstatten. Sicherheits-Konferenz gegen Fey Fasdsten, Monarchisten und Nazi raufen um das Erbe Schuschniggs Einziger Ausweg: Völkerbundregime? W i r n. Die österreichischen T i ch e r.- heitSdirektore» wurden DienStag zu einer Konferenz unter dem Vorsitz des Staatssekretärs für öffentliche Sicherheit Hammer- stein-Equart ein geladen. Anch der Staatssekretär für Justiz, Karwinsky, wurde der Beratung beigezogen. Obwohl der Inhalt der Sitzung ausdrücklich für streng vertraulich erklärt wurde, waren zahlreiche Journalisten über deren Inhalt wenige Stunden später informiert. Zur Diskussion stand die Frage, ob die staatliche Exekutive„gegebenenfalls"„gewissen opPositionellen Elementen inderHeimwebr" gewachsen wäre und welche Maßnahmen im Fall« eines solchen Zusammenstoßes zu ergreifen wären. Es wurde über diese Frage in der Beratung kein Beschluß gefaßt, sondern die Sicherheitsdirektoren anfgefordert,„zum Zwecke der Borberei- tnng einer neuen Konferenz im AmtSwege die diesbezüglichen Erhebungen, insbesondere über die Stimmung in den Wehrverbänden der einzelnen Gebiete anzustellen." Die Befürchtungen des Regimes vor einem Drunter und Drüber in Oesterreich im Zusammenhang mit der wachsenden Wirkungslosigkeit des a-n ßenpolitis chen italienischen Einflusses, werden übrigens jetzt auch von den offiziellen Faktoren kaum mehr verheimlicht. Vergangene Woche hielt Schuschnigg eine.Kundgebung der„Vaterländischen Front" in Graz ab, bei welcher er wörtlich erklärte: „Ich weiß schon, daß auch in unseren Reihen Kräfte am Werke sind, die unseren Verband zu stürzen drohen. Ich erkläre aber, daß ich alle meine Kräfte daran setzen werde, um— wenn es sein muß mit Gewalt— diese Zersetzungsarbrit zu ersticken." Und zwei Tage darauf antwortete bereits Herr F e y bei der Kundgebung des Wiener Heimatschutzes sehr unzweideutig auf diese Drohung: „Die Herren, die der Meinung find, man könne dem Heimatschutz sagen Der Mohr hat seine Schuldigkeit getan, der Mohr kann gehn", werden eine große Enttäuschung erleben. Wir wissen» daß wir manchen, die vor- geüenuns nahezu st«hen, ein DornimAuge find und daß diese Herren den Heimatschuß jetzt gerne loS sein möchten. ES heißt jetzt doppelt wachsam sein. Der Heimatschutz ist heute notwendiger als je, es scheint, daß er seine Aufgabe nicht hinter sich, sondern noch vor sich hat.",■ J Während dieser Kampf der„Führer" untereinander, der nun selbst vor ganz offenen Drohungen mft Gewalt nicht zurückscheut, in der Oeffentlichkeit ausgetragen wird, macht die allgemeine Verwirrung hinter den Kulisse n noch größer« Fortschritte^ Sowohl S ch u sch- nigg als auch Starb emberg gelten in allen informierten politischen Kreisen als e r» ledigte Garnitur. Der Kampf um die fascistische Macht wird von zwei Kreisen ausgetragen, deren einer— der„betont nationale", der für das Packeln mit den Nazis ist — vom Öberösterreichischen Landeshauptmann Gleitzner geführt wird, während der andere unter der Leitung des bekannten Heimwrhrnnni- sters Neu st äd ter- Stürmer steht, der in den letzten Wochen aus der Versenkung hervorgetreten ist und allgemein als der Führer deS intransingent italientreuen fascistischen Heimwehrflügels gilt. Aber auch die M o n a r ch i st e n. die nach den unzweideutigen Ergebnissen der Konferenz der Kleinen Entente in Mod ein wenig zurückge- dränsst wurden, regen sich in den letzten Tagen wieder, denn auch sie hoffen in dem allgemeinen Wirvwar ihr Geschäft machen zu können. Herr Otto Habsburg hat eine fünfgliedrige Kommission„zum Studium der vermögensrechtlichen Fragen" eingesetzt. Den Vorsitz in dieser Kommission hat der Herzog von Hohenberg. Die liemelwahlen Das„Memeler Dampfboot" berechnet, daß von insgesamt 69.765 abgegebenen Stimmen voraussichtlich 1200 ungültig sein werden. Von den übrigen dürften rund 55.000, d. i. etwas mehr als 80 Prozent, auf die Kandidaten der Einheitsliste entfallen, während für die litauischen Listen 13.500 Wähler, also etwas mehr ala 19 Prozent gestimmt haben. Die Einheitsliste würde danach wahrscheinlich 23 Sitze erhalten, während auf die Parteien des litauischen Blocks sechs Mandate entfallen. Gedenkfeier am Jahrestag des Königsmordes Paris. Anläßlich des ersten Jahrestages der Tragödie von Marseille fanden in Paris mehrere Gedenkfeiern für König Alexander und Minister Barthou statt. Marineminister Pietri legte vormittags am Grabe Louis Barthous auf dem Pariser Friedhof Päre Lachaise namens der Regierung einen Kranz nieder. Auch der jugoslawische Gesandte, die Minister und zahlreiche Persönlichkeiten legten Kränze auf dem Grabe deS verewigten Ministers nieder.. Die„Rote Fahne" teilt folgendes mit: Am 24. September dieses Jahres, mittags %1 Uhr, kam zu einer Fra« B., die seit Geburt tschechoslowakische Staatsbürgerin ist und in der Reklanova«l. in Prag wohnt» ein Mann im Auftrag der Dresdener Gestapo, um eine Einvernahme durchzuführen. Dieser Gestapo-Agent, der sich als Vertreter eines Prager Advokaten legitimierte, hatte ein Protokoll der Dresdener Gestapo über einen in Dresden verhafteten Studenten aus Frankfurt a. M. hei sich. Unter Versprechung hoher Geldium- men versuchte er dir Fra» B. zu veranlassen, über den Verhafteten belastende Aussagen zu mache». Fra« B. sollte bekunden, daß der Student, der Reichsdeutscher ist, im Sommer 1935 eine Woche bei ihr gewohnt und sich im antifascistischrn Sinne betätigt habe. Insbesondere legte«S der Gestapo-Agent darauf an» Fra« B. zum Verhör nach Dresden zu locken. Für ihre AuSfage sollte sie dort außer den Reisekosten 1000 Reichsmark erhallen. Die ESR gehört zum Amtsbereich der Dresdener Gestapo. Ihr Agent Berthold konnte vor kurzem in Prag entlarvt werden. Ihr Kommissär Johst kommt deS öfteren per Auto über dir Grenze Jetzt hat die Dresdener Gestapo bereits feste Dienststellen in Prag. Die„Rote Fahne" fragt, ob dieser Fall der Polizei bekannt ist, deren Aufgabe es ist, den Namen des Gestapo-Agenten, der die Einvernahme durchführte und ebenso den des Advokaten festzu- stellen, der sozusagen als Dienststelle der Gestapo in Prag arbeitet. Seite 4 Donnerstag, 10. Oktober 1935 Nr. 236 TlgeskeuigKeiten Frau und Mutter erdrosselt Mittwoch mittags kam der 27jährige arbeitslose Klempner Alois Brukner aus Bkebnov zur Prager Polizeidirektion und gab an, er habe am Samstag, dem 8. Oktober, seine Frau Emilie und seine 65jährige Mutter Marie erwürgt. Er habe nach der Tat Selbstmord begehen wolle», aber keinen Mut gehabt. Als Motiv gab er ursprünglich materielle Not an. Nachmittags gab Brukner, nachdem sich eine Polizeikommiffion an den Tatort begeben hatte, folgende Darstellung seiner Tat: Er habe Donnerstag seine Frau, die ihm ständig Vorwürfe machte, daß er keine Arbeit suche, verlassen, sei jedoch Samstag unter dem Vorwand, daß er bereits Arbeit gefunden habe, zu ihr zurückgekehrt. Als sich herausstellte, daß dies keineswegs der Fall sei, habe sie wieder mit ihren Vorwürfen begonnen. In dem Streit, der sich nun entwickelte, habe er seine Frau bei der Gurgel gefaßt und so stark gedrückt, daß sie ohnmächtig geworden und ihm unter den Händen gestorben sei. Seine Mutter habe sich zu dieser Zeit außer Haus befunden. Er wartete daher ihre Rückkehr ab, sprang auf sie zu und erwürgte sie. Hierauf habe er die Leiche seiner Frau in einem Kasten versteckt, die seiner Mutter jedoch, mit Stricken verschnürt, im Küchenbett verborgen. Die an Ort und Stelle entsandte Polizeikommisiion fand zwar die Leichen am angegebenen Ort, stellte jedoch fest, daß beide nicht mit den Händen, sondern mit einem Strick erwürgt wurden. Die Leichen wurden zur Sezierung ins Institut für gerichtliche Medizin geschafft, Brukner in Haft behalten. Nazis in New Bork verprügelt New Aork. In dem vorherrschend jüdischen Konfektionsviertel New Jorks kam es am Dienstag zu Ruhestörungen, als fünf uniformierte Mitglieder des Bundes amerikanischer Nationalsozialisten auf einem Lastwagen erschienen und mit Plakaten für eine Versammlung warben. Etwa 3000 Personen stürmten den L a st,w a g e n, zogen die Insassen heraus und schlugen auf sie ein. Die Polizei beendete, den Tumult und verhaftete drei Angreifer. Gemeindewahl— acht Tote Mexiko-Stadt. In Elacochuahuaya, nicht weit von der Stadt Oaxaca, kam es zu blutigen Auseinandersetzungen über den Ausgang der Gemeindewahl, die am Sonntag durchgeführt worden war. Acht Personen wurden bei diesem Zusammenstoß getötet und 14 verletzt. Der Tod des Mörders Pardubitz. Die Gerichtskommission, die an Ort und Stelle weilte, wo der Mörder Koüdella um ein Uhr nachts gestellt wurde, stellte fest: An der Leiche Koudelkas wurden drei Schußwunden festgestellt. Koudelka, der das Feuer eröffnet hatte, gab im gangen sechsSchüsse ab. Sodann richtete er die Waffe gegen sich selbst und tötete sich. Im Magazin fand man nach 18 Patronen. Der Fall Koüdella fand durch die Obduktion seiner Leiche gestern ihr Ende. Gestern nachmittags fand in Chrudim das Leichenbegängnis des Opfers Koudelkas, des Gefangenenaufsehers Burval, statt. i Die Zeugen mögen sich melden! Die Gendarmerkestation in Dolni Pocernice ersucht um Veröffentlichung folgender Meldung: Am 24. September gegen 16 Uhr stieß bei der Gemeinde Ho st avice ein Personenauto mit einem L a st a u t o zusammen, wobei Marie Kruplovä ums Leben kam. Zeugen dieses Zusammenstoßes waren zwei Fußgänger auf der linken Seite der Straße. Die Gendarmeriestation in Dolni Pocernice ersucht diese Zeugen um Abgabe ihrer Zeugenschaft entweder direkt bei ihr oder bei irgendeiner Gendarmeriestation. Erdbeben in Santiago de Chile Buenos Aires. Wie die hiesigen Blätter melden, wurde die chilenische Hauptstadt Santiago de Chile von einem Erdbeben heimgesucht. Zahlreiche Häuser sind e i n g e st ü r z t. In der Bevöllerung brach eine Panik aus. Es ist nicht bekannt, 06 das Erdbeben auch Menschenleben gefordert hat. Lindbergh-Tragödie abgeschlossen Trrnton(New Jersey). Das höchste New Jerseyer Gericht hat die Todesstrafe gegen Hauptmann, der der Entführung und Ermordung des Lindbxrgh-Kindes angcklagt ist, bestätigt. Das Henlein-Hakenkreuz. Die Zugehörigkeit zum Hakenkreuz läßt sich immer und überall am Antisemittsmus feststellen. Und demnach weiß man, wohin die Partei des Herrn Henlein und seine Presse gehört. Den Beweis liefert, so jung sie ist, die„Z e i t", das neue Prager Tagblatt, mit dem Henlein die Republik und die Sudetendeutschen feit dem 1. Oktober beglückt. In der Ausgebe Lieser Zeitung vom Los 6er Arbciter-Turn- und Sportbewegung Die Spielergebnisse der Sonderklasse des V. Kreises Gruppe II: Schönpttesen gegen Nestersitz, Berichtsbogen nicht«^gelangt; Ullgersdorf gegen Klei- sche, Berichtsbogen nicht eingelangt; Aussig-Nord gegen Wannow, Platz spielunfähig. Gruppe II: Predlitz gegen Krochwitz 2:2, Schönfeld gegen Türmitz 6:1. Gruppe IV: Weiskirchlitz gegen Graupen 7:0, Dux gegen Ladowih 7:1, Kleinaugezd gegen Prvse- tttz 3:0, Langugest gegen Pihanken 1:5. Gruppe V: Wisterschan gegen Wohontsch 0:3, Neuhof gegen Eichwald 0:1 abgebr., Tischau gegen Kosten, Platz spielunfähig. Da die Berichtsbogen der Spiele Schönpriesen gegen Nestersitz und Ullgersdorf gegen Kleische nicht eingelangt sind, konnte eine Bekanntgabe der erzielten Resultate nicht stattfinden. Die Kreisschiedsrichtervereinigung hat beide Schiedsrichter zur Verantwortung zu ziehen und zu bestrafen. Dem Ansuchen des Vereines Wannow kann nicht entsprochen werden, da per Platz das Mindestausmaß von 00X55 Meter haben muß. Der Verein Komotau l wolle sich mit seiner Beschwerde an die KreisschiedSrichter- hereinigung wenden. Der Kreisleitung trifft keinerlei Schuld. warm.— Wetteraussichten für Freie tag: Unbeständig, auch im Osten etwas kühler. Wetter weiterhin unbeständig. Auch Mittwoch herrschte in ganz Südosteuropa schönes sommerliches Wetter mit Nachmittagstemperaturen von 25 bis 30 Grad. Dagegen hat die Westhälfte des Festlandes kühleres und unbeständiges Wetter unter dem Einfluß von Randstörungen einer ttefen Depression in der Nähe von Island aufzuweisen. Eine ausge-! prägte Wärmegrenze verläuft eben durch daS Gcbieki der Republik: Königgrätz hatte Mittwoch nachmittags nach Regenfall nur 13 Grad, Ritta jedoch bet schönem Wetter 28 Grad, Lukenec sogar 26 Grad.^ Die Weiterentwicklung des Wetters bleibt infolgedes-! sen unsicher.— Wahrscheinliches Wetter vonheute:Jn den böhmischen Ländern unbeständig, ziemlich bewöltt, stellenweise etwas Regen, milde») Westwind. Im Karpathengebiet allmählicher Ueber-j Fünf Tage im Dschungel Batavia. Zwei englische Flieger haben zusammen mit einem holländischen Piloten ein nicht alltägliches Dschungel-Abenteuer erlebt. Sie stiegen zu Vermestungsaufnahmen über dichtem Dschungel auf. Eine plötzliche Böe zwang sie niederzugehen. Es gelang ihnen, auf einer Lichtung zu landen, wobei jedoch der Apparat beschädigt wurde. Sie befanden' sich hilflos in der Wildnis. Noch in der ersten Nacht wurden sie von Tigern angefallen und konnten sich die Tiere nur durch andauernde Gewehrschüsse vom Leibe halten. Der Holländer machte sich den nächsten' Tag auf den Weg durch das Dschungel, um Hilfe herbeizuholen. Nach unsäglichen Mühen und einem Kampf mit einer Riesenschlange stieß er auf Eingeborene, denen er durch Zeichen zu verstehen geben, wollte, daß er vom Himmel herabgefallen sei. Sie hielten ihn offenbar für eine Gottheit und ergriffe« die Flucht. Endlich gelangte er an ein holländisches, Fort und kehrte nach fünf Tagen zu seinen Schick«' salsgenossen zurück, die inzwischen von wilden Tiere« förmlich belagert worden waren. Die Spiele der Sonderklasse am 13. Oktober Gruppe I: Nieder-Liebich gegen Rumburg. Böhm.-Kamnih gegen Steinschönau, Schönlind« gegen Warnsdorf. Gruppe II: Wannow gegen Schönpriesen, Nestersitz gegen Kleische, Ullgersdorf gegen Aussig- Nord. Gruppe III: Krochwitz gegen Aussig-Ost, Predlitz gegen Schönfeld. Spielfrei: Türmitz. Gruppe IV: Weiskirchlitz gegen Kleinaugezd, Pihanken gegen Dux, Prosetitz gegen Langugest. Gruppe V: Sobrusan gegen Kosten, Wohonffch gegen Eichwald, Tischau gegen Wisterschan. Spielfrei: Novy Dvory. Gruppe VI: Komotau I gegen Trupschitz, Wei« pert gegen Sporitz, Saaz-Semmering gegen Komo« tau II, Neudorf gegen Ntus Saaz. Der Anstoß wurde für alle Spiele um 3 Uhr nachmittags angesetzt. Eingettetene Aenderungen nach Vereinbarung beider Vereine. Die Kreisspielleitung. Vom Rundfunk iMptehlmwwtes aus«Ian ProgramaMMi Freitag: Prag» Sender L: 10.05: Deuffche Presse»! 10.30: Schulfunk, 11: Schallplatten, 11.35: Opern4 arien, 12.35: Mujiks Salonquartett. 13.30: Ar-s beitsmarkt, 16.55: Russisch für die Jugend, 18.10:1 Deutsche Sendung: Sportvorschau, 18.15 Dr. E-! Franzel, Passionsweg eines Volkes, 18.35 Ar«) beiterfunk: Aktuelle zehn Minuten, 20.05:! Violinkonzert 22.15: Tanzmusik. Sender S: 14.15: Deuffche Sendung: für die Frau, 18.20: BunteSI Programm.— Brünn 17.40: Deuffche Sendung:. Kroupa: Elternhaus und Schule, 20.05: Opernarien.— Mährifch-Oftra« 16.10: Leichtes Orches sterkonzert, 17.40: Beethoven: Romanze, 18.10: Deutsche Sendung.— Preßburg 20.05: SympbsP niekonzert,— Kaschau 15: Orchesterkonzert, Abessiniens einzige Eisenbahn Die einzige Eisenbahn Abessiniens, die von der Hauptstadt Addis Abeba nach dem französischen Hafen Djibouti führt. Daß aber trotzdem das Kamel seinen Platz als Haupttransportmittel des Landes behauptet, beweist unser Bild. Eine Kamelkarawane überschreitet die Brücke dieser einzigen Eisenbahn, die jetzt nach Ausbruch des Krieges eines der wichtigsten Ziele der italienischen Operationen darstellt. Bedingung eine Konzession erhalten, daß sie über die Vorgänge, die sie auf ihren Wanderungen erleben, berichten. Die jüngste Größe des Dritten Reiches. Goebbels jun. ist ungeachtet seiner Kleinheit bereits unter die Größen des Dritten Reiches eingereiht worden. In einem Berliner Gaswerk wurde ein neuer Kammerofen eröffnet. Der Festredner» den wir im Nazirundfunk hörten, verzeichnete mit freudig erhobener Stimme, daß »unser Reichsminister Dr. Goebbels in Anerkennung der großen Bedeutung dieses Tages seinen Sohn entsendet" habe,-er damuf, wie genau beschrieben wurde, mit der glimmenden Lunte nacheinander, wenn auch ohne Kanonensalüt, die drei Gasflammen dcS Ofens entzündete. Goebbels jun. dürste jetzt, wenn es hoch kommt, vier Jahre alt sein... Der letzte Film. In dem Tannwalder Kino wurde die 62 Jahre alte Katharina Steiner während der Vorführung des Filmes„Die Wunder von LourdeS" von einem Unwohlsein befallen"üno verMc-^ivenige AügerKsiac Jpatei' an einem Herzschläg.'' Vulkan in Tätigkeit. Der Vulkan Aso auf der südjapanischen Insel Kiuschiu ist plötzlich in statte Tätigkeit getreten. Der Krater schleuderte, unter großem Getöse eine gewalttge Menge Lava und Asche heraus. Die Mehrzahl der Reisfelder in der Umgebung des Vulkans wurde vollkommen vernichtet. Verkehrsflugzeug über dem Finnischen Meerbusen ab gestürzt. Ein finnisches Verkehrsflugzeug das die Strecke Helsingfors—Reval beflog, ist Mittwoch früh über dem Finnischen Meerbusen in schwerem Nebel abgestürzt. Zwei Mann des Bordpersonals und vier Reisende, darunter ein Deutscher ünd ein Schweizer, wurden getötet. De!r Brand eines siebenstöckigen Gebäudes einer Lackfarbenfabrik in Chicago hat sieben Todesopfer gefordert. Vier Personen werden vermißt. 30 Personen wurden mit mehr oder minder schweren Brandwunden ins Krankenhaus eingeliefett. Sturm. Aus allen Teilen Anatoliens werden große Sachschäden infolge der letzten heftigen Regengüsse, begleitet von Hagelschlag, Schnee und Sturmwetter, gemeldet. Du Segurt riß der Sturm das 35 Dkrter hohe Minarett um, das im Stürzen auch das eigentliche Kirchengebäude einriß. Verletzt wurde niemand. Auf dem Schwarzen Meer dauert das Sturnrwetter an. Zwei weitere Schiffe sind gesunken, wobei 35 Mann ums Leben gekommen sein dürsten. Gewissensbisse erzwingen ein Geständnis. Der 53jährige Viehfütterer Josef Hofrichter aus Rybnikek bei Jikin stellte sich der Jikiner Gendarmettestation und gab an, daß er am 14. Jänner 8. Oktober schließt der Aussiger Theaterbericht» erstaüer dieser„Zeit" seinen Bericht also: „Es wird Sache der Direktion sein, sich durch die Auswahl der Stücke und durch volknahe Zusammenstellung der Kräfte die Gunst der deuffche« Bevölkerung Aussigs zu erhalten." Herr Henlein soll uns sagen, ob das nicht mit anderen Worten heißt: Der Aussiger Theater- direktor darf nur Arier engagieren, wenn er sich die Gunst der Henlein-Deutschen erhalten will! Und in derselben Nummer der„Zeit" heißt es in einer Filmbesprechung, daß eine Rolle „von Frankreichs bestem Schauspieler, dem Juden Harry Baur gespielt wird". Diese gottverfluchten, erbärmlichen Franzosen! Ihr bester Mann ist ein Jud*l Das läßt Wohl an Deutlichkett nichts zu wünschen übrig. Und es ist nur charakteristisch für die Art, in der die Henleins die Leser zu beeinflussen und ihrer Stim- nmng entgegenzukommen versuchen, daß sie das Hakenkreuz nicht groß und sichtbar im Leitartikel aufpfkanzen----- dazu gehörte nämlich ein Mut, den sie nicht, haben— sondern in den bescheidenen Winkeln der Theater- und Filmrubriken. Man verläßt sich eben darauf, daß dorthin die- jenigen, die sich solche Sprache sonst nicht gefal- len ließen, mit ihren Augen nicht geraten-. Und die eigenen Leute wissen schon, wo sie das zu suchen haben, was ihr Herz erfreut! Nicht Gruben-, sondern Favriksbrand. Das Pressebüro teilt zu seiner gestrigen Nachricht Wer den Brand und die Explosion in Nürschan mit, daß es sich keineswegs um eine Kohlengrube, sondern um ein Fabrikobjekt handelt, welches auf einem Grundstück errichtet worden ist, auf dem seinerzeit die Ziegler-Grube stand, die bereits seit längerer Zeit außer Betrieb ist. Die internationale Zentrale der Sozialversicherungs-Träger, die 36 Verbände aus 13 Staaten vettritt, tagte vom 5. bis 0. d. M. in B r ü s- s e l. Sie hatte zur Tagesordnung hauptsächlich den konzentrierten Kampf gegen die Tuberkulös e und die organische Zusammenarbeit der Sozialversicherungs-Träger. Besondere Aufmerksamkeit wurde den Rezepten gewidmet und diesbezüglich wurden einheitliche Richtlinien für die Ausgabevorschriften für Medikamente in allen Ländern beschlossen. Gleichzeitig wurde das Bedürfnis aufgezeigt, die Vorschreibung wertloser oder gar schädlicher Medikamente einzuschränken, und die Zulassung nur jener Spezialheilmittel empfohlen, die einen Einfluß auf die Heilung haben. An der Konferenz nahmen neun Vertreter aus der Tschechoftowakei teil, darunter für die deutschen Krankenkassenverbände Abg. Schäfer und Kutscher«. Die großen Sünder gegen die kleinen. Der Polizeipräsident von Berlin hat angeordnet, daß vom 15. Oktober ab mit verschärften Strafen gegen Verkehrssünder vorgegangen wird. Wer sich als Kraftfahrer häufiger und schwerer Verkehrsverfehlungen schuldig macht, wird an seinem Fahrzeug ein auffallendes Kennzeichen erhalten, und zwar ein g e l b e s Kreuz, das an sichtbarer Stelle angebracht wird. Krafffahrzcuge, die nicht in betriebssicherem Zustande im Verkehr betroffen werden, erhalten an auffallender Stelle einen gelben Ring. Die derart gekennzeichneten Fahrzeuge werden in gewissen Zeitabschnitten beim Kraftverkehrsamt zur Nachkontrolle vorgestellt werden müssen. Auch gegen das entbehrliche Signalgeben wird künftig zu allen Tages- und Nachtzeiten mit größter Schärfe eingeschritten werden. Hausierer als Spitzel. Die Gestapo bedient sich neuerdings für ihre Arbeit, vor allem in den Außenbezirken von Berlin und auf dem flachen Lande, auch der H a u j i e r e r, die unter der 1930, denmach vor mehr als fünf Jahren, unab-^gang zu schlechterem Wetter, jedoch noch^relativ sichtlich den 17jährigen Josef Bily, ttnen Neffen seines Arbeitgebers, getötet habe. Er habe ihm da mals das Genick gebrochen, worauf er, um einer Sttafe zu entgehen, dem bereits toten Jungen einen Strick um den Hals knüpfte, ihn dann auf den Boden trug, wo er ihn an einen Pfosten aufhängte. Auf Grund von Zeugenaussagen nahm man als bewie sen an, daß der Junge Selbstmord verübt hatte. Hofrichtcr erklärte, er lege das Geständnis deshalb ab, da er keine Ruhe habe und Bily ständig vor sich sehe. Er wurde verhaftet. Der Vorfall wird durch die Gendarmerie neuerdings untersucht. Neue Frachtbttrfe für den Jnlandsverkehr wer den, wie das Eisenbahnministerium mitteilt, bereits mit Gültigkeit vom 1. Jänner 1936 eingeführt wer den.. Wenn auch eine gewisse Zeit hindurch auch die Verwendung-der alten Fornmlare gestattet sein wird, so macht das Eisenbahnministerium die Interessenten doch darauf aufmerksam, sich nicht mehr alte For mulare zu besorgen als sie voraussichtlich bis Ende des Jahres verwenden werden. Nr. 236 Donnerstag, 10. Oktober 1935 Seite 5 s- Be- lei« wrd )ön- 7:0, ose- 0:8, egen iese« nicht ziek- rich« :ant- ichcn Wer« X88 wolle hter- iner« bürg, llinde iesen, ussig- Pred- agezd, Etsch i i e l« Del« Komo- 8 Mir mnge« ng. znsam«- ht all« f igen zu« el auf. Es ge- l »bei je«| fanden t Nacht I ten sich| sse vom j rächften• 1 Hilfe i einem I Ginge« I i gebens i. Sie cgrisfrn- irdische»! Schick«! Tieren! liittwoch rerliches > bis 80! ftlandes l an Ein«! sfion in! ausge-1 - Gebiet! nachmit« j doch bet 8 Grad, folgedes« fettet nbestän« a, mildes r Ueber-i relatio Frei« chler. Presse,) : Opern«; 30: Ar-i >, 18-10:1 Dr. E-! 35 Ar«! 20.05:1 : 14.15U : Buntesi öendung:! Opern^ s Orches , 18.104 Synrpbo« rh. zialpolitischen Ausschuß erlebt. So sieht die einheitliche Politik ausl Nein, eS gibt keine gemeinsame Politik ohne, gemeinsame Verantwortlichkeit und wer ehrlich die Einheitsfront des Proletariats will, der muß auch ehrlich und rückhaltlos die gemeinsame Ver« antwortung für das Schicksal des Proletariates übernehmen. Das ist die Einheit, die wir meinen. Für eine andere sind wir nicht zu haben. Auch das ist etwas dunkel ausgedrückt. Praktisch bedeutet eS: die Sozialdemokratie soll sich in der Koalition bemühen, Forderungen der Arbeiter- klaffe durchzusehen und die Kommunisten werden dann, wenn nicht alles durchgesetzt werden kann, den Arbeitern erzählen, daß die Sozialdemokraten sie in Stich gelassen haben und nur die Kommunisten wirklich für sie kämpfen. Das haben wir ja eben erst anläßlich der Verhandlungen im so- 30 Jahre schweren Kerker für Jaroslav Iejek Die Einheit, die sie meinen! Die Broschüre„Wann Einheitsfront?" hat es den Kommunisten mächtig angetan. Hat sich die „Rote Fahne" in ihrem Bericht über die vor- j wöchige Teplitzer Kundgebung damit begnügt, sie als„Hetzbroschüre" abzutun, so rückt sie nun, in ihrer Ausgabe von 27. September, mit einem langen Artikel aus, um diese Charakterisierung zu rechtfertigen. Sie beweist darin wiederum nur, daß„die Einheit, die wir(nämlich die Kommunisten) meinen", leider noch immer nicht die ehrliche Zusammenarbeit der proletarischen Parteien bedeutet, sondern eine Fortsetzung des alten Ein» deitsfrontmanövers ist. Wir wirken nicht gegen, sondern für die Einheit, wenn wir hier volle Klarheit zu schaffen bemüht sind. ' In der Broschüre wurden angeblich alle möglichen und unmöglichen Verdächtigungen und Entstellungen zusammengetragen. Was für Beri dächtigungen und Entstellung«:? Alle Behauptungen sind mit Zitaten aus kommunistischem Munde belegt. Diese Zitate sind der„Roten Fahne" sehr unbequem und sie spottet daher über die„fleißigen Leute", die„ihren Zettelkasten ausgeleert haben, um aus alten Zeitungen und Broschiiren kommunistische Zitate herauszuklau- bei», die sich gegen die Einheitsfront deuten lassen." Aber nein, nicht Zitate, die sich gegen die Einheitsfront„deuten lassen", sondern Aussprüche kommunistischer Führer, aus denen ganz eindeu« tig hervorgeht, daß die Einheitsfronttaktik ausschließlich auf Zersetzung der Sozialdemokratie angelegt ist und keineswegs nur alte Zitate aus dem berühmten sozialdemokratischen Zettelkasten. Es handelte sich vielmehr darum, die alten Zitate mit den entscheidenden Stellen aus der ganzen neuen Rede DimitroffS und seiner Resolution zu konfrontieren, um daraus zu erkennen, daß der Sinn der kommunistischen Einheitsfronttaktik sich leider nicht gewandelt hat. Das beweist ja auch der Artikel der„Roten Fahne":„Die Broschüre gegen die Einheitsfront erklärt, daß die Einheit nicht durch gemeinsame Veranstaltung«! geschaffen wird, sondern nur durch eine einheitliche Politik. Eine sinnlose Gegenüberstellung. Gemeinsame Kundgebungen werden für gemeinsame Forderungen, also für eine einheitliche Politik gemacht." Dieses Wörtchen„also" ist typisch für die kommunistische Agitation, die auf Verschleierung, um nicht zu sagen Täuschung geradezu angelegt ist. Bedeutet Ueber- einstimmung in einzelnen Forderungen schon einheitliche Politik! Daß wir uns mit den Kommunisten über eine ganze Reihe von Forderungen einigen können, ist selbstverständlich, aber eS geht darum, daß wir die Verantwortung für die Durchsetzung dieser Forderungen tragen sollen, während sich die Kommunisten auf die bequeme Rolle der Agitation beschränken wollen. Sagt doch die „Rote Fahne" selbstr „UnS hindert unsere Gegnerschaft gegen die Koalitionspolitik nicht, mit den in der Regierung vertretenen Arbeiterparteien in allen jenen Fragen zusammenzuarbeiten, in denen wir uns auf gemeinsame Forderungen einigen können. Mögt ihr in der Koalition und wir außerhalb der Koalition für die Forderungen kämpfen, die im Interesse aller Werktätigen notwendig sind". Die Wendung„Gegnerschaft gegen die Koalitionspolitik", obwohl an sich hinreichend, um die Behauptung der„Roten Fahne" vün der einheitlichen Politik zu widerlegen, ist ein bißchen blaß. Sie deutet nur schamhaft an, daß die Kommunisten in der Resolution ihres jüngsten Weltkongresses wiederum den Auftrag erhielten, die sozialdemokratische Koalitionspolitik zu„entlarven!" Offen, bar geschieht dies auch im Interesse der Einheit! Die„Rote Fahne" fügt selbst hinzu: „Und mögen die Arbeiter auf Grund ihrer eigenen Erfahrungen entscheiden, wer in dieser Frage recht hat". ■HB—S99S Prag. Der dritte Verhandlungstwz des Word« Prozesses gegen Jarosiav Jezek wurde eingeleitet mit der Verlesung der vier Schuldfragen, die der Schwurgerichtshof den Geschworenen vorlegte. Sie lauten auf da» Verbrechen des Mordes und der doppelten Verleitung zum Verbrechen der Fruchtabtreibung, ergänzt durch die obligate Zusatzfrage nach der Niedrigkeit und Unehrenhaftigkeit der Motive. Dann begannen die Plädoyers. Die einstündige Anklagerede des Staatsanwaltes Dr. Trziekh faßte zunächst die belastenden Indizien gegen den Angeklagten in sachlicher Weise zusammen und es muß zugegeben werden, daß dar BeweiSsystem der Anklage höchst solid und logisch aufgebaut ist. Der öffentliche Ankläger wies ferner auf die außerordentliche Brutalität des klar überführten Mörders hin, der seiner Geliebten am Abend vor Weihnachten ein„Brautbett auf dem Grunde des Teiches" bereitet habe— mit kalter Berechnung und schmutzigsten materiellen Beweggründen. Der Staatsanwalt bat die Geschworenen um Bejahung sämtlicher Schuldfragen. Das Plädoyer des Verteidigers Dr. M ella n s dauerte zweieinhalb Stunden. Was ihm an objektiven Argumenten abging, versuchte der Verteidiger durch rhetorische Effekte zu ersetzen, die sich nicht immer. in den Grenzen des guten Geschmacks hielten. Der Verteidiger stellte u. a. allerhand abenteuerliche Theorien über den Tod der (PS) Ueber einen wirtschaftlich wie natur- wiffenschastlich gleich interessanten Vorgang berichtet„L'Mustration": es handelt sich um di« Tatsache, daß das Seegras, dessen Einholung und Vertrieb eine Art patriarchalischer Industrie in gewissen Teilen der Normandie darstellte, seit einigen Jahren so gut wie keinen Ertrag mehr liefert. Dieses Pflanzensterben hat den Ruin großer Schichten der dortigen Bevölkerung herbe igeführt. Die Geschichte der Seegrasindustrie in der Normandie geht bis in das Mittelalter zurück. Damals waren die Äbte von Mont-Saint- Michel Besitzer jener Küstenstriche, und sie gaben den Einwohnern das Recht, dar Seegras abzumähen. Als man mehr und mehr die vielseitigen Verwendungsmöglichkeiten des Grases entdeckte, schränkte man die Großzügigkeit stark ein: es erging die Vorschrift, daß, wer überhaupt an dem submaritimen Segen teilnehmen wolle, mindestens 15 Ar Land besitzen müsse. Derjenige, dessen Landeigentum etwa diesen Umfang erreichte, durfte sich bei der Grasernte von seiner Frau unterstützen lassen ,er durfte einen Wagen und einen Esel bzw. ein Pferd verwenden, jedoch nicht mehr. Die großen Landbesitzer hatten dementsprechend größere Anteil« an der Ausbeute des Mee- Marie Duchoü auf, die in Anbetracht des vorliegenden Beweismaterials kaum ernst genommen werden konnten. Die üblichen Zitate aller möglicher Schriftsteller(diesmal mußten u. a. Lafontain e, Dost o j e v s k y und selbst der alte A e s o p herhalten) zählen nun einmal zum unerläßlichen Requisitorium seiner Verteidigungsreden. Seine Angrifte gegen die Tote rechftertigte Dr. Mellon damit, daß man von Toten nicht nur Gutes sprechen müsse, sondern „die Wahrheit". Die„Wahrheit", die der Verteidiger im Auge hatte, ist freilich— zum allermindesten — unerwiesen. Das Resümee des Vorsitzenden faßte dann die Ergebnisse des Beweisverfahrens in musterhaft objektiver und klarer Art zusammen. Die Geschworenen erkannten nach längerer Beratung den Angeklagten einstimmig schuldig drS Mordes. Mit 12 bzw. 11 Stimmen wurden die zwei Schuldfragen auf Verleitung zur Fruchtabtreibung bejaht und gleichfalls einstimmig die Zusatzfrage auf Niedrigkeit und Unehrenhaftigkeit der Beweggründe. Nach gemeinsamer Beratung des Schwurgerichtes mit den Geschworenen verkünd«« der Vorsitzende, OGR. H r u s k a, das Urteil, durch welches Jaroslgv I e z e k zu dreißig Jahren schweren und verschärften Kerkerverurteilt wurde. Jejek, der schon bei Verkündigung des gerichtlichen Wahrspruches in heftiges Weinen ausgebrochen war, fiel nach der UrteilSverkündigun^ in Ohnmacht und mußte aus dem Saal getragen werden. rb. res. Gar nicht beteiligt aber waren die Seeleut«, die dann erst in späteren Jahren das Recht erhielten, Gras von benachbarten Inseln einzu- cholen. Die SeegraSernte stellt eine ziemlich komplizierte Angelegenheit dar, zumal sie auf eine kurze Zeit des Sommers beschränkt ist und nur bei großer Ebbe stattfinden kann. Es gibt da meist einen wahren Wettlauf zwischen den Bauern. Jeder möchte seine Konkurrenten schlagen; jeder möchte zu den ertragreichsten und fruchtbarsten Stellen Vordringen. Die Männer mähen das Seegras ab, wobei darauf geachtet lvird, daß die Wurzeln nicht abgeschnitten werden, Frauen und Kinder, mit Rechen bewaffnet, sammeln das schwimmende Gras, das auf kleine Wagen geladen wird. Obgleich etwa in der Gegend von der Granville, in der eS besonders reiche Seegrasernten gab. die Ebbe verhältnismäßig lange dauert, ist die tägliche Arbeit auf etwa zwei Stunden beschränkt. Da heißt es, sich zu beeilen, wenn man gute Resultate erzielen will. Kehrt dann die Flut zurück, so führen Pferde die erste Ernteladung zu den Dünen. Dieses Seegras hat die beste Qualität. Es gibt außerdem noch verschiedene andere Sorten. Einmal nehmen die Bauern sofort eine Nachlese vor, Das Seegras ftirvt Der Tod einer Pflanze— Katastrophale Folgen für die Küftenbetvohner der Normandie Kinder Bon Ivo Aadric. Im April des Jahres 1917, als der Staat jedem Haus ein Kilo Maismehl die Woche zuteilte, und als die Leute jedes Fäserchen Kukuruz und das Mark vom Holunderstrauch und die Rinde vom Ahorn aßen, bis ihnen die Beine anschwollen und sie der Reihe nach wegzusterben begannen, in diesem April waren zahllose Kinder auf die Straßen ausgeschüttet. Ich weiß nicht, wie es in jenem Jahr den Lilien und den Vögeln erging, aber diese Kinder hatte Gott offensichtlich vergessen. Kinder waren in der ganzen Stadt, auf den Brücken, vor den Läden, in den Gossen am Wegrand, bei der Kaserne. Zu den Kindern der Stadt waren neue aus den umliegenden Dörfern gekommen. Mit jedem Tag wurden es mehr. Viele waren gar nicht mehr ins Dorf zurückgekehrt, wo neben Hunger auch noch Typhus herrschte, sondern sie blieben in der Stadt, wo sie Tag und Nacht herumlungerten. Auf den Landstraßen draußen vor der Stadt standen den ganzen Tag Patrouillen und brachten die Kinder inS Dorf zurück; aber sie kamen auf Seitenwegen, kletterten über Bäche und über frischgepflügte, feuchte Aecker und Wiesen und gelangten so zur Stadt, zerfetzt, mit Krusten roten Lehmes an den bloßen Füßen und Hunger in den begehrlichen Augen. Die Gendarme prügelten und verjagten sie, aber sie sperrten sie nicht ein, denn sie hätten sie nicht ernähren können. Auf den ausgemergelten Körpern und den dünnen Beinchen sahen ihre Köpfe.schrecklich groß aus, die Augen waren greisenhaft stumpf geworden und die Gesichter klein, runzlig und grindig, wie Melonen, die den Winter über auf den Gestellen welken. Die kleine Stadt wimmelte von Kindern. Sie kletterten über den Bach, der am Militärschlachthaus vorbeifloß und stöberten Fetzen von Gedärmen und Eingeweiden auf, die man ins Wasser geworfen hatte. Sie sammelten die Steine von getrockneten Pflaumen, zerschlugen sie auf dem Pflaster und aßen den bitteren Kern heraus; auf dem Misthaufen hinter der OffizierS- küche suchten sie die weggeworfenen leeren Konservenbüchsen, spülten sie mit warmem Wasser und tranken eS, sie kauten, um ihren Hunger zu beschwichtigen, solange das Mark vom Holunder, bis ihnen das Blut aus dem Zahnfleisch sprang, sie aßen Priemelblätter und Brot aus Farnkraut; nachts zogen sie sich in frisch umgegrabene Gärten zurück und gruben mit den Fingern aus den Beeten die Kartoffeln aus, die am Tag zuvor gesetzt worden waren; sie bettelten, stahlen, raubten, aber das alles war nicht genug, um sie zu sättigen und am Leben zu erhalten. Es sah auS, als hungerten in der Stadt nur die Kinder. Männer gab es sowieso nur wenige, die Frauen arbeiteten und schwiegen, aber die Kinder ließen sich durch nichts beschwichtigen oder trösten, sondern suchten den ganzen Tag in der Stadt herum. Biele schliefen unter den Brettern der Häuser, die in den Kämpfen des Borjahres eingestürzt waren. In der engen Gasse vor dem Proviantamt lagen den ganzen Tag haufen weise soviele Kinder, daß man im Borübergehen aufpassen mußte, ihnen nicht auf die Beine zu treten; vergeblich Vertrieb sie die Polizei, sie kamen sofort wieder und lagen beim Magazin und lauerten. Es sind auch Erwachsene gestorben; aber am meisten Kinder. Jeden Tag blieben einige von den kleinen Herumtreibern auS. Sie lagen vor der „Großen Schenke" oder auf dem Pflaster bei der Brücke mit geschwollenen Kiefern und starrten vor sich hin aufs Pflaster, stumm und reglos. Die Abfälle eines großen europäischen Restaurants hätten diese Kinder retten können, aber in'jenem Jahr waren die Nahrungsmittel in der Welt ungleich verteilt und es gab keine Hilfe; sie starben alle dahin, zuerst die Kinder, dann die Greise. Denen, die es überlebt haben— alles vergißt man und alles geht vorüber!— ist der scheußliche Geschmack von Farn und verschimmele tem Mehl längst aus dem Munde verschwunden, aber es ist schwer, diese Kinder zu vergessen, wenn man sie nur einmal gesehen hat, wie sie an den Fetzen der hausgemachten Kleider und Militärröcke sogen, und wie sie rohen Klee kauten und sich in den Mundwinkeln grüner Schleim bildete! Und enftetzlich ist der Gedanke, daß diese Kinder vielleicht einmal die gespenstischen Zeugen sein werden bei einem schrecklichen Gericht, bei dem man besser Hinsehen und gerechter richten wird als im April des Jahres 1917. (Uebersetzt aus dem Serbo-Kroatischen von Jeanne John.). Ein Negerroma»! Joe Conway: Schwärs und Rot 240 Seiten. In Leinen geb. AL 14.—, broschiert K£ 12.—. Zu beziehen durch die Zentralstelle für da» Bildungswesen, Prag XU., Slezska 13. indem sie sich in Keine Boote setzen, aufs Meer hinausfahren und mit Netzen die Reste einzuholen suchen. Daraus ergibt sich die zweite Kategorie. Dir dritte, verhältnismäßig schlechteste, lvird vom Meer an die Küste gespült. Nach der Ernte wird das Gras auf den Dünen ausgebreitet. Der Regen wäscht, die Sonne trocknet es. Hierauf wird es in ein benachbartes Dorf gebracht und an Händler verkauft. Diese pressen«2 zu Ballen, die dann an den Großhandel gehen. Diese Industrie war der Reichtum der Normandie. Ein Bauer, der sich auf die Ernte des Seegrases verlegte, konnte jährlich etwa 7000 bis 10.000 Franken damit verdienen. Gewisse Landpächter konnten sorgar für 30.000 Franken jährlich zum Verkauf bringen. Die Gegend von Granville allein brachte alljährlich fiir mehrer« MiUionen Seegras in den Handel. Auch die Gemeinden zogen aus der SeegraS-Jndüstrie einen bestimmten Nutzen— sie erhoben Abgaben für die Dünenplätze zum Trocknen deS Grases. Plötzlich, vor ungefähr fünf Jahren, setzte daS große SeegraSsterben ein, das bis zum heutigen Tage angehalten hat. Das Gras ver« schwand. Und mit dem GraS verschwand auch di« Fauna, die hier heimisch gewesen war: Krabben, Muscheln, Seezungen und anderes. Der Bevölkerung bemächtigte sich eine Panik. Man forschte nach den Ursachen. Die verschiedensten Auffassungen wurden laut. Die Landpächter klagten über die Fischer, die angeblich mit ihren Netzen die Wurzeln abrissen. Die Seeleute ihrerseits behaupteten, daß die Wagen der Bauern di« Pflanzenstämme zerstört hätten. Man sprach von einem Kälterwevden des Meeres; wieder andere Wollten von submaritimen Erdbeben wissen, die den Tod d«s Seegrases bewirkt haben sollten. Indessen haben wissenschaftliche Untersuchungen ergeben, daß das merkwürdige Phänomen auf Bakterien zurückzuführen ist. Und der Umstand, daß das SeegraSsterben nicht auf die Normandie beschräntt war, sondern daß es etwa zur selben Zeit auch an den Küsten der Bereinigten Saaten, Hollands, sowie der Bendit einsetzte, haben diese These be« stätigt.. DaS Seegras ist nicht unersetzlich. Soweit eS sich um Füllungen handelt, wie beispielsweise für Bettmatratzen, kann man es durch Wolle ersetzen, soweit eS für Verpackungen verwendet wurde, liefert Holzwolle einen ausreichenden und guten Ersah. Im Bereich der Witrschaft entsteht somit durch den Seegrastod kein entscheidender Verlust. Aber ein wirklicher und nicht leicht zu behebender Verlust ist für jene Bevölkerung entstanden, für die die SeegraSindustrie der wichtigste Erwerbszweig war. Sie ist nun zur Not und zum Hunger verurteilt— ebenso wie jene französischen Fischer, die der Sardinenindustrie das Material zu liefern pflegten und die den Segen des Meeres nicht verkaufen können, weil die arm gewordenen europäischen Konsumenten kein Geld für Fischkonserven aufwenden können. Da die Not in den französischen Küstengebieten überdies also recht groß ist, bringt die SeegraS-Katastrophe eine weitere empfindliche Verschlechterung im Lebensstandard der Seebewohner. Volkswirtschaft und Sozialpolitik Export-Institut und Margarinekontingent Sonderbare Wege der Exportförderung Wie wir erfahren, hat das Exportinstitut einigen Ministerien und Korporationen ein Gutachten erstattet, in dem gegen die Erhöhung des Margarinekontingentes Stellung genommen wird. In ähnlichem Sinne sollen die Vertreter verschiedener Eportindustrien interveniert haben. Der Grund ist wohl der, daß das Exportinstitut für die Einfuhr von Schweinefett eintritt, um dann als Kompensation Jndustriearttkel zu exportieren. Nun ist, da» sollte das Exportinstitut wissen, Schweinefett infolge der Dürre, nicht mehr der Kompensationsartikel, wie er e» vor wenigen Monaten noch war und es ist jetzt sehr schwer geworden, gegen Einfuhr von Schweinefett zu exportieren. Dazu kommt noch, daß ein erhöhter Schwetnefettimport erst dann in Frage kommen wird, wenn Schweinefett annähernd so billig sein wird, wie Kunstfett. Sicherlich wird aber der Schweinefettkonsum nicht steigen, wenn Kunstfett nicht zu haben sein wird. Gerade die teueren Schweinefettpreis« sind ja di« Ursache des steigenden Konsums von Kunstfett. Eingeschränkte Pro- duktion der Kunstfette würde also nicht eine Er- böhung des Schweinfettverbrauches, sondern eine weitereBerelendung d e s Haus- Ha l t e s der ärmstenBerbraucher bewirken. DaS Exportinstitut scheint entweder nicht gut informiert oder schlecht beraten gewesen zu jein, als es diese» Gutachten ausarbeitete. Seite 6 „Sozialdemokrat'^ Donnerstag, 10. Oktover 1935. Nr. 23S Träger fettutm JCuns-t twd. WUsw Stadttheater Teplitz-Schönau. Mit dem Lebensbild„Geburtstag" von Bus-Fekete wurde am Montag die Schauspielsaison unter der Direktion Curth Hurrle eröffnet. Man darf wohl sagen, mit dem gleichen vielversprechenden Erfolge, wie er der ersten Operette am Samstag beschieden war. Im Ensemble sind Viktor S a x I l Großpapa), Fritz Kenne- m a n n(Papa) und Liselott Reger(Mademoiselle)-die einzigen, deren künstlerische Qualität, im früheren Wirken in Teplitz autgeschrieben wurde. Neben ihnen stehen die„Neuen". Auch das vorsichtige Urteil nach der ersten Begegnung darf aussprechen, daß das Schauspiels—• immer noch das höchste Gut unserer Bühne— in besten Händen ist. Anna Müller-Prem(Großmama). Felicitas Cor- da(Vera), Tony Horowitz(Mama). Louis Viktor(Hans) find aufragende Persönlichkeiten, neben denen ein Reigen frisch und mutiger Begabungen in sehr gewinnender Art auf sich aufmerksam macht. Ihnen allen und der klug wirkenden Regie Walter Gynts ist es zu danken, daß der lar- moyante und frivole Weg durch sechs Jahrzehnte eines Lebemannes vom Premierenpublikum mit begeisterter Zustimmung. für die eindrucksvolle Ausnützung schauspielerischer Aufgaben mitgemacht, und am Ziele den Darstellern, ihrem Regisseur und dem jungen Direktor der Bühnen die herzlichste Beifallsovation dargebracht wurde.— An dem außer- gcwöhnlichen erfolgreichen Beginn der neuen Spielzeit hat denn auch das Schauspiel feinen ehrenvollen Anteil. Teplitz kann hoffen, am Anfang eines neuen Kapitels seiner Theatergeschichte zu stehen. Aber auch hier gilt das Wort„Erwirb, um zu besitzen"! Nur darauf wird es jetzt ankommen, ob die Oeffentlich- keit ihre Pflicht erkennt! Ernst Thöner. Flöten-Konzert. Ein Konzert ganz seltener Art daykte man dieser Tage dem griechischen Flötenkünstler Lambros Demetrios Calliurahos. Es bot ass Hauptattraktion Konzertmusik für Flöte, also für ein Musikinstrument, das im öffentlichen Konzertsaäl nur ganz ausnahmsweise zu hören ist. Uebetdies wartete es mit einem historischen Programm von musikalischen Seltenheiten auf. da es nicht nur konzertante Flötenmusik mit der historisch echten Cembalobegleitung vermittelte, sondern auch einige wertvolle Nummern für Cembalo allein. Man hörte Werke aus der Blütezeit der Flötenkunst und des Cembalospieles: von Bach, Hasse. Rameau, Platti, Leclair, Scheidt und Byrd. In dem Flötisten Callimahos lernte man einen Künstler kennen, der sein Instrument nicht nur technisch vollkommen und virtuos meistert und über einen schönen, weichen Ton verfügt, sondern der auch im Vortrap ein Meister des Stiles und Ausdruckes ist. Auch die mitwirkende Cembali st in Anna Barbara S p c ck n e r erwies sich als bedeutende Meisterin ihrer Kunst; technisch und geistig. Der starke'Beifall, der beiden Kon- zertkünstlern zuteil wurde, war ein Beweis dafür, daß das Publikum auch ernster Kunst gegenüber nicht versagt, wenn diese in izberzeugenden Höchstleistungen geboten wird. E. I. Bessere Einnahmen— im Ständetheater. Die Durchschnittseinnahmen des Ständetheaters für eine Vorstellung stieg im Jahre 1933 im Vergleich zum Jahre 1934 im Monate August um 361.65, im September um 918.55 lic, wobei im August und Grace Moore f« dem Film„Die Nacht dxr Liebe". in der ersten SeptemberhBfte zu halben Eintrittspreisen gespielt wurde. Es ist dies auch volkswirtschaftlich eine sehr bemerkenswerte Erscheinung. Die Gesellschaft für Musikerziehung, die sich 1934 in Prag unter dem Vorsitz des Herrn Ministers Dr. Krofta konstituiert hat. verfolgt die Aufgabe, die internationalen Beziehungen auf dem Gebiete der Musikerziehung zu pflegen; ferner gehört zu ihrem Programm die Weckung des Musikverständnisses im Kindesalter, die Bereicherung und Vertiefung der musikalischen Kultur in der Jugend und die Hebung des musikalischen Geschmacks in allen Volkskreisen. Alle diese Fragen sollen bei einem inter- n a t i o na len Kongrest für Musikerziehung behandelt werden, der vom 4. his9. April 1936 in Prag stattfinden wird. Maßgebende Autoritäten auf dem Gebiet der Musikerziehung, wie z. B. Iacgues Daloroze- Genf. Roger-Ducasse- Paris, Dent-Cambridge. Breazul-Bukarest u.- a. werden DerDinr Jahrhundert in Flamme» Beinahe hätte die Zensur diesen(in Amerika zusammenqestellten und hier mit tschechischen Begleitworten versehenen) Weltkriegsfilm verboten— und uns damit des sehenswertesten, ernstesten und erregendsten Films beraubt, der beute gezeigt werden kann. Denn„Der erste Weltkrieg"(wie der ahnunasvoll mahnende Titel heißt, den die Herausgeber diesem Film verliehen haben) ist ein Bericht der Weltkatastrophe vor 20 Jahren, die sich(wenn der Völkerbund versagt und die Rufe der Anti- fascisten ohne Wirkung bleiben) jetzt noch furchtbarer zu wiederholen droht,— und es ist ein dokumentarischer Bericht,«ine Sammlung von echten Aufnahmen aus der Vorkriegszeit und aus der Zeit des Völkermordens. Diese Sammlung übertrifft an Umfang und Wirkung alle ihre Vorgänger: es sind seltene Stücke darunter, wie eine Film-Aufnahme Bismarcks und eine Aufnahme von Lenin im Kreml, es sind Geheim-Aufnahmen dabei wie Szenen von der entsetzlichen Seeschlacht am Skagerrak, vom grausigen Untergang des österreichischen Kreuzers„St. Stephan", von Sturmangriffen an der Westfront und vom brennenden Absturz des Zeppelins, der London bombardiert hatte. Daneben eine Fülle von drohenden, theatralischen und grotesken Paraden und Heldenfeicrn, bei denen die historischen Gestalten jener Epoche. Monarchen. Präsidenten und Prinzen. Generale. Minister und Kampfflieger erscheinen. Und alles so zusammengestellt, daß es erregend lebendig den verlogenen Mythos und die blutig schmutzige Wirklichkeit jener Jähre wieder in Erinnerung bringt. Es sind grausige Szenen in dieser Bilderfolge, ertrinkende und zerschossene Menschen, verwüstete Städte und lotspeiende Geschütze, aber das Grausigste und Ernsteste sind die aktuellen Anspielungen: eine Pariser Zeitung zum Beispiel, die am Tage der österreichischen Kriegserklärung an Serbien schreibt: „Man hofft noch, den Konflikt zu vermeiden", und am Ende«in filmischer Querschnitt durch die Paraden und Kundgebungen der lebten Gegenwart, die so viel Ähnlichkeit mit den Demonstrationen vor dem„ersten" Weltkrieg haben, daß sie eindringlicher als Wort« mahnen, dem nahenden Unheil gegenüber nicht blind oder gleichgülttg zu bleiben. Das ist ein Film, der die große Aufgabe erfüllt, Wirklichkeit und Weltgeschichte so zu zeigen, daß sie ans Gewissen der Zuschauer rühren. Daß er seine Ausgabe erfüllt, bewies am besten das Verhalten des anfangs vom»Altertümlichen mancher Szenen amüsierten Premierenpublikums, das am Ende unter der Wucht des Gesehenen die Bilder MasarykS, Stalins und Briands mit stürmischem Beifall, die Bilder Mussolinis und Hitlers aber mit erregten Pfiffen und Pfuirufen bedachte.—eis— über verschiedene Probleme referieren. Durch Beteiligung charakteristischer Vokal und Instrumentalgruppen aus England, Sowjettußland, Dänemark, Jugoslawien und Rumänien werden die Vorträge praktisch ergänzt werden. Auf diese Weise soll der Kongreß eine allgemeine Übersicht über den aktuellen Stand der Musikerziehung in den verschiedenen Kulturstaaten bieten. Dm jüdischen Kulturbundtheatern wurde die Aufführung von Bühnenwerken deuffcher Autoren, soweit sie nicht jüdische Themen zum Inhalt haben, verboten. So wurde dem Berliner Kulturbund die Aufführung von Schillers.Fkabale und Liebe" und Mozarts„Cosi fan tutte" nicht gestattet. Spielplan drS Renen Deutschen Theaters. Heute, Donnerstag, halb 8 Uhr: W U R, erste Vorstellung des neuen Abonnements. CI.— Freitag halb 8: A r t i st e n, D 2.— Samstag 7 Uhr: Tannhäuser, B 2.— Spielpla» der Kleine» Bühne. Heute, Donnerstag, 8^4: Ein Querschnitt.— Freitag halb 8: Maria Magdalena, Theatergemeinde des Kultürverbandes und freier Verkauf.— Samstag 8: I ch kenne Dich nicht mehr.— Kann Michaels wird verfilmi.(PF^.s Hie Fox-Film-Corporation hat die Verfilmungsrechte des Romans„Die heilige Lüge" von Karin Michaelis erworben. Den Film, von dem schon seinerzeit eine stumme Fassung hergeftellt wurde, wird Fred Niblo inszenieren. Sftott• Spiet- Jukpirpffege Die polnische Arbeiter-Fußballmeisterschaft Der Meister»och nicht ermittelt Der polnische Arbeiter-Sportverband trug am vergangenen Samstag und Sonntag in T o- maszow ein Meisterschaftsturnier aus, um seinen Fußballmeister zu ermitteln. Sechs der besten Fußballmannschaften nahmen daran teil, und zwar: Widzow Lodz, Ruch Brest-Litowsk, FT. Schid- litz(Danziger Meister), RSK Lwow(Lemberg), Naprzod(Oberschlesien) und Sarmata Warschau. Einzelne Mannschaften hatten weite Reisesttecken zurückzulegen, um an den Austtagungsort zu gelangen, denn der polnische Verband, der in der letzten Zeit einen erfreulichen Aufschwung genommen hat und viele neue Vereine gründen konnte, hatte aus propagandistischen Gründen dieses Meisterturnier nach Tomaszow verlegt. Di« weiteste Strecke hatte der Lemberger Meister mit 485 Kilometer zu absolvieren, dann folgte der Danziger Meister mit 453 Kilometern; aber auch die Brest-Litow- sker und die Oberschlesier hatten recht weite Strecken zu fahren. Das zeugt von großer Liebe und Treue zum Arbeitersport. Die Spiele der sechs Meister waren in allenp wahre Glanzleistungen. Bisher hatte man geglaubt, daß Warschau die Hochburg des polnischen Arbeiter- fußballspörts sei, doch das Turnier belehrte eines anderen. Die besten Mannschaften kamen aus Lemberg und Lodz. Der M e i st e r konnte in diesem Turnier, welches in zwei Gruppen absolviert wurde, noch nicht ermittelt werden, denn Widzow und RSK Lemberg spielten im Endspiel trotz Verlängerung unentschieden. Beide Gegner werden nun Ende OktoberinWarschau nochmals um den Titel eines Landesmeisters kämpfen. Die Ergebnisse der einzelnen Spiele am Samstag waren: RSK Lwow gegen Naprzod 4:0, Ruch Brest-Litowsk gegen Sarmata Warschau 2:0, Naprzod gegen FT Schidlitz 2:2, Widzow Lodz gegen Sarmata Warschau 5:1. Sonntag wurden die Gruppenmeister ermittelt, und zwar siegte in der ersten Gruppe Widzow Lodz gegen Ruch Brest- Litowsk 3:1 und in der zwetten Grupp- gewann RSK Lwow über FT Schidlitz 4:1. Der Schlußkampf der beiden Gruppenmeister endete, wie erwähnt, unentschieden 2:2 trotz Verlängerung. Es Freitag, den 11. d. M„ um 8 Uhr abends s im Hotel„M o n o p o l" Vortrag des Genosse» Tr. Egon S ch w e l b über das Thema »Sozialpolitik der Stadt Prag" Anschließend Debatte. Wir bitten alle Mitglieder, diesen Vortrag zu besuchen.. J Das Bezirksfrauenkomitee Prag. war der herrlichste, spannendste und fairste Kampfs Als Abschluß dieser äußerst gelungenen Veranstaltung wurde ein Match zwischen einem Auswahltean» Lodz—Tomaszow und einem Verbandsteam ausgetragen, das mit dem 2:0-Siege pon Lodz—Tomaszow endete. Bezirkswettkämpfe im Ringen und Gewichtheben fanden am Sonntag, dem 6. Oktober in Warnsdorf statt. Infolge Regenwetters beschränkte sich die Besucherzahl nur auf die Umgebung von Warnsdorf. Im Heben traten sechs Genossen an, welch« im Dreikampf(einarmig Reißen, beidarmiil Reißen und beidarmig Stoßen) folgende Gesamtleistungen erreichten: Federgewicht: Fritz Lehmann 123 Kg., Hans Tschochner 133.50 Kg.; Bantamgewicht 1. Heinrich Zimmerman 169 Kg., 2. Anton Schicks tanz 167 Kg.; Leichtgewicht: 1. Alfred Schick 18t Kg., 2. Fritz Gersin 176.50 Kg.— Im Ringe» erweckten besonders die I u g e n d wettkämpfe groß« Interesse. Bei guter Aufbauarbeit ist es hier möglich, eine starke Jugendgruppe für den schwerathletm scheu Sport zu gewinnen. Es liegt an den maß« gebenden Ucbungsleitern, mit Energie diese Arbeit zu leisten. Zu den Kämpfen selbst wäre zu betone« daß einige Jugendliche schöne Brückenabwehr zeigte« Der Rangfolge nach stellten sich im Jugendgcwichß (40—50 Kg.): Raimund Fröhlich, Heinrich Zinw mermann jun., Josef Wolf; im Gewicht von 50 bis 60 Kg.: Hans Tschochner jun., Fritz Lehmann. I» den regulären Klassen wurde im Bantam Heins rich Zimmermann erster und Herbert Karasch zweitz ter Sieger; Federgewicht: 1. Brich Eger, 2. Hans Tschochner, 3. Anton Schicktanz; Leichtgewicht: 1. Alfred Schick, 2. Fritz Girsen. Außer» dem wurden Freundschaftskämpfe zwischen Zimme« mann—Schick, Görlich—Schick u. a. m. ausgetrage», welche die technischen Formen des Ringkampffports aufzeigten. Insgesamt waren 20 Schwerathlet«» angetteten. Im Bezirksmaßstäbe kann man mit die« ser Veranstaltung zufrieden sein. Zu wünsch^ wäre, daß die Genossen von der Partei und de» Nebenorganisattonen in dieser schweren Zeit ctnnm mehr für unseren Sport übrig hätten und uns dur« ihren Besuch unterstützen würden. K. Sch. j Vefdftsnftchncfcteft Freie Bereinigung sozialistischer Akademie« Dienstag, den 15. Oktober, abends um 8 Uht im Gewerkschaftshause, Prag 1., Bergstein 11, Generalversammlung. „Kindrrfre«nde",Prag. Donnerstag, dr» 10. Oktober, abends 8 Uhr, im Parteiheim, Narod« tk. 4, wichtige Ausschußsitzung. Mitteilungen ans dem Publikum.- In der am 9. Ottober im Sitzungssaal« del Zivnostenskä banka, Prag ll„ Panskä ul. 7(Kaunitz' Palais) abgehaltenen Generalversammlung de< Fanta-Werke Aktien-Gesellschaft(unter Vorsitz d« Präsidenten Herrn Dr. Jan Trehickh) wurde be' schloffen, für das Jahr 1934 eine öprozentige Divi' dende auszuschütten. Die ausscheidenden Verwaltungsräte, u. zw. die Herren: Direktor Leopold Dostal, Generaldirektor Oskar Federer, Genera« direktor Dr. Joe Hartmann, Direktor Dr. Kari Hölzer, Präsident Dr. Rudolf Rase und Direktor Artur Brod wurden wiedergewählt und der duröt den Verwaltungsrat kooptierte Herr Dr. Jan Jit> Rück! in seiner Funktton bestättgt. Die GeneralveV sammlung beschloß mtt Vorbehalt der staatliche» Genehmigung, den Verwaltungsrat zu ermächtige», im Bedarfsfälle das Aktienkapital bis zu 12 Mill. Kti demnach bis zu einer Gesamthöhe von 60 Mill, sis zu erhöhen. Der Vorsitzende betonte, daß derzei! eine Erhöhung des Aktienkapitals nicht beabsichtig! sei und daß es sich bloß um eine ErrrächtiguUt handle, damit die Gesellschaft im Bedarfsfälle die behördliche Genehmigung für eine Aktienkapital« Erhöhung bereits in Händen habe. In der konst» tuierenden Verwaltungsratssitzung, die anschließend an die Generalversammlung stattgefunden hat wurden zum Vorsitzenden der Gesellschast Herr Präsident Dr. Jan Ttebickh, zu seinen StellvertretekT die Herren: Direktor Oscar Pollak und Dr. Eduard Schwarz gewählt. 3101 Deutsche sozialdemokratische Bezirksorganisation Prag Dienstag, den 15. Oktober 1935, im großen Saal des Gewerkschaftshauses, Prag I., Perstyn 11, pünktlich 8 Uhr abends Parteimitgttederversammlung Tagesordnung: Die englische Außenpolitik und die Labour-Party Referent Genosse Karl Deutsch. Genosse Deutsch, welcher längere Zeit in England geweilt hat, hatte Gelegenheit, die eng- lische Politik im allgemeinen, die Politik der Arbeiterpartei im besonderen aus der Nähe zu beobachten. Infolge des italienisch-abessinischen Konfliktes hat sein Referat besondere Aktualität und wir erwarten daher zahlreichen Besuch. Die Bezirksvertretung. Bezugsbedingungen:«ei Zustellung mS Sau» oder dm Bezug durch die Post monatlich Kd 16.—. vierteljährig Kd 48—, halbjährig Kd 96.—. ganzjährig Kd 192.—.— Inserate werden laut Tarik billigst berechnet. Bei öfteren Einschaltungen Preisnachlaß.— Rückstellung von Manuskripten erfolgt nur bei Einsendung der Netourmarken.— Die ZeitungSkrankatur wurde von der Bost- und Tele« graphendirettion mit Erlaß Nr. 13.8Ü0/VII/1930 bewilligt.— Druckerei:^LrbiS" Druck- Verlags- und ZeftungS-A.-G.. Prag.