1ENTRALORGAN DER DEUTSCHEN SOZIALDEMOKRATISCHEN ARBEITERPARTEI IN DER TSCHECHOSLOWAKISCHEN REPUBLIK ■«SCHEINT MIT AUSNAHME DES MONTAO TÄGLICH FRÜH. REDAKTION UND VERWALTUNG PRAG XII., FOCHOVA 42. TELEFON 53077. HERAUSGEBER! SIEGFRIED TAUB. CHEFREDAKTEUR! WILHOM NIESSNER. VERANTWORTLICHER REDAKTEUR: DR. EMIL STRAUSS, PRAG. 15. Jahrgang Freitag, 11. Oktober 1935 Nr. 237 Völkerbundplenum einmütig Nur Oesterreich und Ungern£■ im C rmLAiamam üben Stimmenthaltuns TUl jällKlIUnCll Genf. Das Plenum des Völkerbundes hat am Donnerstag die politische Debatte abgeschlossen. Die vorgeschlagene Resolution wurde mit Ausnahme Italiens, daS sich natürlich gegen sie auSsprach, und der beiden Staaten Oesterreich und Ungarn, die sich absentiertrn, von den übrigen Mitgliedstaaten genehmigt. In der Resolution wird zur Kenntnis genommen, daß der Rat am 7. Oktober Italien als Angreifer erklärt hat, und der Wunsch aus- ausgesprochen, daß die Bölkerbundmitglieder mit Ausnahme der beiden Parteien einen K o o r dinationsausschuß zur Festlegung der Sanktionen nach Artikel 16 bilden, in den jeder Staat ein Mitglied entsendet. Der Ausschuß wird bereits Freitag vormittags zusammentreten. Nach Konstituierung wird sich daS Völkerbund- Plenum vertagen. Nach Londoner Meldungen wünsche die britische Regierung so schnell wie möglich mit der praktischen Arbeit der Formulierung der anzuwendenden Sühnemaßnahmen vorwärts zu kommen. Nach Ansicht unterrichteter Kreise werde noch vor Ablauf der nächsten Woche ein fix und fertig ausgearveitetes Sühneprogramm vorliegen. Italien— der„arme Prolet“ Baron Aloist brachte zur Sache selbst nichts wesentlich Neues vot, doch erinnerte er an zwei vorauSgegangene analoge Fälle, den Einmarsch Japans in China vor vier Jahren und den Krieg zwischen Bolivien und Paraguay, und stellte die nicht ganz unberechtigte Frage, warum der Völkerbund in diesen Fällen nicht z u S a n k t i o n e n geschritten sei. Italien, erklärte Aloisi zum Schluß, sei überzeugt, daß es den wahren Völker- b u n d g e i st(!) zum Ausdrucke bringe und daß es in diesem Falle nicht nur seinen eigenen Kampf kämpfe, sondern auch den des Völkerbundes, denn es wolle seinen Geistderle- bendigen Macht verherrlichen, gegen seinen Buchstaben, der töte. In voller geistiger und materieller Entwicklung, eingeschnürt durch geschichtliche Wechselfälle und internationale Einschränkungen, ersticke Italien auf seinem engen Gebiete. Italien sei das Land, das vor der Versammlung der Staaten seine Stimme erheben' müsse, der »große Proletarier unter den Völkern", der Gerechtigkeit verlange. Rach der Rede deS italienischen Delegierten Aloisi stellte der Vorsitzende der Bölkerbundsver- sammlung, Dr. Benes, fest, daß keine weiteren Wortmeldungen zu der allgemeinen Sanktions- frage vorliegen. Er erklärte, daß die Versammlung mit Ausnahme. Oesterreichs und Ungarns, die ihren Widerspruch geäußert haben, und mit Ausnahme Italiens, dessen Erklärungen di^ Versammlung würdige, einstimmig dem Beschluß der 14 Ratsmitglicder ihre Billigung erteile. Laval bemüht sich weiter um Versöhnung Hierauf gab der französische Ministerpräsident L a v a l eine kurze' Erklärung ab. Er betonte die Völkerbundtreue Frankreichs und zugleich seine Freundschaft zu Italien. Aus diesen Gründen werde Frankreich zugleich mit der Anwendung des Paktes die Bemühungen um eine Versöhnung fortsetzen, in der Hoffnung, daß dieses Bemühen der Mitarbeit in der Versammlung nicht ermangeln werde. Eden drängt auf rasches Handeln Der englische Delegierte Minister Anthony Eden führte u. a. aus: Die Erhaltung des Friedens ist das erste Ziel der britischen auswärtigen Politik und das ständige Ideal des englischen Volkes. Wenn die Kultur weiterbestehen soll, so müssen wir in der Praxis abschaffen, was wir im Grundsatz verurteilt haben. Der Völkerbund hat zwei Hauptaufgaben: 1. den Krieg durch gerechte und friedliche Regelung abzuwenden, 2. wenn unser erstes Ziel nicht erreicht wird, dem Kriege Einhalt zu gebieten. Mit der zweiten dieser Aufgaben sind wir als Mitglieder dieser Versammlung jetzt befaßt Nach der Leistungsfähigkeit des Völkerbundes bei der Verwirklichung dieses Zieles wird der Völkerbund beurteilt werden. Wir können unsere Pflichten und Brrant-' Wörtlichkeiten nicht vernachlässigen. Jetzt mnß zum Handel« geschritten werden. Es ist Sache der Mitglieder des Völkerbundes, gemeinsam zu bestimmen, w i e gehandelt werden soll. Im Namen der britischen Regierung erkläre ich unsere Bereitschaft, unseren vollen Anteil an einer solchen Aktion zu übernehmen. Da es unsere Pflicht ist, zu handeln, ist es wesentlich, daß schnell gehandelt wird. Das ist die Verantwortung des Völkerbundes. Wir streichen aber kein Jota von unserem Wunsche nach einer baldigen und friedlichen Beile gung-d^es Konfliktes in Ueber- einstimmüng mit den Grundsätzen des Paktes; an dieser''Aufgabe mitzuarbeiten sind wir jederzeit von ganzem Herzen bereit. Die Rede Edens wurde mit lautem Beifall ausgenommen. Der schweizerische Delegierte Bundesrat Motta erklärte, daß die Schweiz durch ihr Schweigen dem Beschluß des Völkerbundes zull estimmt habe, daß er jedoch auf die besondere Lage der Schweiz Hinweisen müsse. _ Der sowjetrussische Delegierte Potjemkin bestätigte die Entschlossenheit seines Landes, mit allen Mitgliedern des Völkerbundes die Pflichten zu erfüllen, die die Völkerbundsatzung vorschreibt. Bor Eröffnung der allgemeinen Debatte in der Nachmittagssttzung der Bölkcrbundversamm- Die Nationalversammlung hat noch am Donnerstag die Wiederaufrichtung der Monarchie beschloffen und den Mi- nisterpräsidenten bis zur Rückkehr des Königs mit der Regentschaft betraut. Die Regierung wird die(natürlich nur mehr eine lächerliche Farce darstellende)„Volksabstimmung" für den Z. November vorbereiten, durch die König Georg offiziell eingeladen werden soll, nach Griechenland zurückzukehren. Man erwartet den Rücktritt des Präsidenten Zaimis. lang verlas Minister Dr. Benes einen R e s o- lntionsentwnrf, in dem dir Versammlung die in der allgemeinen Debatte zum Ausdruck gekommene Meinung der Vertreter der Mitgliedsstaaten zur Kenntnis nimmt, die Verpflichtungen des Artikels 16 des Bölkerbundpaktcs analysiert werden und über die Koordination aller bei der gegenwärtigen Lage notwendigen Maßnahmen Beschluß gefaßt wird. Dieser Resolution zufolge werden alle Mitglieder der Bölkerbundversammlung aufgefordert, an den Arbeiten des Koordinationsausschusses teilzunehmen. Dieser Ausschuß soll nicht rin Organ des Bölkerbundrates oder der Bölkerbundversammlung, sondern eine Konferenz aller Mitgliedstaaien sein, die nunmehr zusammentrete» wird, um über die Geltendmachung der Sanktionen Beschluß zu fassen. Der jugoslawische Gesandte in Paris, Puriö, gab im Namen der drei Staaten der Kleinen Entente, folgende Erklärung ab: Nach Ansicht der Kleinen Entente handelt es sich vor allem darum, daß der V L l k e r b u n d- pakt zur Geltung gebracht wird. Wir hoben, alle Debatten verfolgt, ohne daß wir die Einzelheiten des Konfliktes, der noch an Ausdehnung gewonnen hat, berührt haben. Da wir bereits erklärt haben, daß wir dem Pakt treu bleiben, werden wir seine Verpflichtungen gewissenhaft durchführen. Der abessinische Vertreter Hawariate forderte alle Mitgliedstaaten auf, die aus dem Pakt sich ergebenden Verpflichtungen einzuhalten. Jede Verzögerung sei imstande, das internationale Verbrechen in die Länge zu ziehen, dessen sich Italien Abessinien gegenüber schuldig gemacht hat. Der Völkerbund ist verpflichtet, dem Ausrottungswerk der Italiener Einhalt zu gebieten. Die Kundgebung des abessinischen Delegierten wurde nicht nur von den Delegierten, sondern auch von dem anwesenden Publikum mit stürmischem Beifall ausgenommen. Die innerpolitischen Ereignisse haben sich am Donnerstag folgendermaßen abgespielt: Als sich Ministerpräsident Tsaldaris zum Außenministerium begab, begegneten ihm die Offiziere P a p a g o s, R e p p a s und O e c o n o m u, die ihn um eine Unterredung baten. Sie kehrten zu Tsaldaris' Wohnung zurück, wo ihm die Offiziere erklärten, daß die Armee revoltiert und die Wiedereinsetzung der Monarchie proklamiert habe. Tsaldaris müßte diese Tatsache anerkennen oder demissionieren. Tsaldaris berief darauf sofort den Ministerrat, und.gab seine Rücktrittsabsicht bekannt, weil er von seinem Grundsatz, daß die Monarchie nur durch Volksabstimmung wiedeerrichtet werden könne, nicht abgehen könne. Die Sanktionen und die Arbeiter Pie Sozialistische Arbeiterinternationale und der Internationale Gewerkschaftsbund haben vom Beginn der offenen Kriegsvorbereitungen Italiens gegen Abessinien an mit aller Eindringlichkeit an den Völkerbund appelliert, alle Kräfte einzusetzen, um das imperialistische Verbrechen Mussolinis zu verhindern. Die starken Gegensätze zwischen den Völkerbundmächten, die durch das Äuseinanderstreben der französischen und englischen Politik am deutlichsten gekennzeichnet werden, haben die Durchführung wirksamer Maßnahmen, die den italienischen Krieg hätten verhindern können, nicht ermöglicht. Mussolini hat bei seinen Kriegsvörbereitungen mit diesen Gegensätzen gerechnet und er durfte hoffen, daß er nach anderen Vorbildern an der Ausübung des Verbrechens kaum gehindert werden würde. Aber der Völkerbundrat hat auf das Ingangsetzen der italienischen Kriegsmaschinerie mit der einmütigen Feststellung geantwortet, daß ein Bruch des Völkerbundpaktes vorliegt und Italien der zweifelsfreie Angreifer in diesem Kriege ist. Dieser Beschluß zieht nach dem Geiste der entsprechenden Artikel der Völkerbundsatzung und auch nach ihrem Wortlaut automatisch Sanktionen gegen den festgestellten Angreifer nach sich. Jedes Land ist verpflichtet, die Sanktionen unmittelbar wirksam werden zu lassen. Wenn diese Frage in einem Ausschuß des Völkerbundes zunächst weiter verhandelt wurde, so durfte es sich dabei nur darum handeln, durch ein einheitliches Vorgehen die zu ergreifenden Maßnahmen so wirksam als irgend möglich zu machen zu versuchen. Der Wert der Sanktionen liegt nicht etwa in ihrer moralischen Seite, also nicht darin, daß man sie als Strafe gegen Italien betrachtet. Sie sind mit den ganzen Folgen, die sie nach sich ziehen, nur dann gerechtfertigt, wenn sie das Ziel habe. die Fortsetzung deS Krieges unmöglich zu machen. Das schließt nicht ein, daß am Anfang der Sanktionen auch sofort militärische Maßnahmen ergriffen werden müssen. Aber es erfordert, daß die notwendigen wirtschaftlichen und finanziellen Maßnahmen mit allen Konsequenzen durchgeführt werden. Der Völkerbund ist, sofern er sich selbst das Ziel der raschesten Beendigung des Krieges in Ostafrika stellt, gegenüber Italien durchaus in der viel stärkeren Position. Italien ist ein rohstoffarmes Land. Seinen Bedarf an Kohlen, Mineralölen, Baumwolle und Kupfer muß es nahezu hundertprozentig im Ausland decken. Obgleich Mussolini in den vergangenen Jahren„Getreideschlachten" in Szene gesetzt und auch sonst Anstrengungen zur Steigerung der Lebensmittelerzeugung im Lande gemacht hat, so ist Italien doch immer noch auch von der Autarkie in der Ernährungsversorgung weit entfernt. Es ist also in jeder Beziehung von der Einfuhr aus dem Auslande sehr stark abhängig. Dazu kommt, daß die finanziellen Schwierigkeiten mit jedem Tage größer werden und die Fortsetzung des Krieges unmöglich machen müssen, wenn es Mussolini nicht gelingt, ausländische Finanzhilfe zu erhalten.- Auf diesen Gebieten also liegt die Stärke der wirtschaftlichen und finanziellen Sanktionen, mit denen der Völkerbund gegen Italien vorgeht. Freilich nur dann, wenn sie nicht nur geschlossen, sondern auch mit dem äußer st en E r n st e durchgeführt werden. Nach dem Völkerbundstatut ist jedes Völkerbundsmitglied verpflichtet, an den Sanktionen teilzünehmen. Wenn die Halbfascistischen Regierungen Ungarns und Oesterreichs erklären, daß sie sich daran nicht beteiligen werden, so stellt das eine Verletzung der übernommenen Verpflichtungen durch diese Regierungen dar. Die führenden Mächte England und Frankreich hätten genug Mittel zur Verfügung, um die Vertragsbrüchigen Regierungen zur Erfüllung ihrer Pflichten zu zwingen. Beide sind finanziell in hohem Maße vom Ausland abhängig. Zudem reicht ihre Kraft auch nickt aus, um di, Sanktionen unwirksam zu macken. Weder Oesterreich noch Ungarn können Italien.die benötigten Rohstoffe noch die so dringend erforderliche finanzielle Hilfe bringen. Man weiß, daß es besonders England ist, das auf die Durchführung der Sanktionen besteht^ Militärputsch in Griechenland Zur Wiederaiifrichtung der Monarchie Athen. Amtlich wird gemeldet: Die Führer der Armee haben sich an den Ministerpräsidenten Tsaldaris gewandt und ihm mitgeteilt, daß die Armee die Rückkehr des Königs und die Wiedereinsetznng der Monarchie verlange. Der Ministerrat trat daraufhin sofort zu einer Sitzung zusammen, in der der Rücktritt der Regierung beschloffen wurde. Die Armeefführer haben General K o n d y l i S, den bekannten Führer der Royalisten, gebeten, die Regierung zu übernehmen. Kondy lis hat sich dazu bereit erklärt. Die neue Regierung wurde bereits definitivgebildet und setzt sich folgendermaßen zusammen: Ministerpräsident und Finanzminister General K o n d y l i s- Stellvertreter des Ministerpräsidenten und Außenminister Theotokis, Kriegsminister General P a p a g o s, bisher Kommandant des I. Armeekorps,. Marineminister D u s m a n i s, Innenminister Spinas) STrHe 3 Freitag, 11. Oktober 1935 fh. 237 Neuer Vormarsch von Nord und Süd und weist auch, daß die französische Regierung nur widerwillig folgt. Obwohl beide Regierungen der» sichern, dast ihre Politik der Erhaltung des Friedens diene, kann man doch aussprechen, daß für beide auch noch andere Erwägungen die politische Haltung bestimmend beeinflussen. ES besteht darum die Gefahr, dast die Sanktionen trotz den Bemühungen nach einem einheitlichen Vorgehen von den verschiedenen Regierungen in einer Weise gehandhabt werden, dast sie Iwlien nicht so sehr gefährlich werden. Geschähe das, so könnte das Ziel, dem sie dienen, natürlich niemals erreicht werden. Mussolini könnte daS Morden gegen die unbewaffneten Abessinier fortieden und der Völkerbund würde eine schwere Niederlage erleiden. Damit würde aber auch gleichzeitig allen auf der Lauer- liegenden imperalistischen Freibeutern ein Freibrief für alle Verbrechen ausgestellt, die sie noch planen. Die Arbeiterklasse in allen Ländern kann darum die Durchführung der Sanktionen nicht den Regierungen allein überlassen. Der International« Gewerkschaftsbund und die Sozialistische Arbeiterinternationale haben in der gemeinsamen Sitzung ihrer Exekutiven zu Beginn des vorigen Monats in einer Entschlicstung vom Völkerbund Paris. Einer Meldung des„Petit Pari» fielt* zufolge, sollen die ersten wirschaftlichen Sanktionen gegen Italien nicht bloß das Verbot von Lieferungen von Waffen und Kriegsmaterial an Italien betreffen, sondern auch von industriellen Lieferungen zur Herstellung von Waffen, ferner Kohle, Petroleum, Baumwolle und dergleichen solvie auch die Lieferung der meisten Nahrungsmittel. Wiewrhl diese erste Phase der Sanktionen gestaffelt sein wird, glaubt man in Genf, dast sie trotzdem Italien in seinen militärischen Vorbereitungen sehr ernste Hindernisse' bereiten wird. Einige Korrespondenten melden, England habe den Eindruck, daß die Sanktionen vor allem von den direkten Nachbarn Italiens nicht wirksam werde durchgeführt werden. Deshalb wolle es Vorschlägen, daß die Blockade gegen Italien im RotenMeer beschleunigt werde. Britischer Ministerrat erwägt auch militärische Komplikationen London.(HavaS.) Premierminister Baldwin berief Mittwoch abends die Minister und technischen Berater zusammen und hatte mtt ihnen «ine lange Beratung über das gesamte Problem der Sanktionen und besonders über den Widerhalls den ste vom wirtschaftlichen und möglicherweise auch vom mili- tärischenStandpunkte aus Hervorrufen könnten. Bei der Beratung wurde auch über die Mittel verhandelt, mit denen der Gefahr zu begegnen wäre, welche sich aus den Sanktionen ergeben Könnte, wenn vielleicht ihre Anwendung zu kriegerische« Komplikationen zur See oder zu irgend einem militärischen Z u s a m- nicht nur die Verhängung von Sanktionen gegen Italien gefordert, sondern sie haben im Bewußt- sein ihrer Friedensaufgabe erklärt, dast sie„bereit sind, sie vollständig zu erfüllen und versichern dem Völkerbund der wirksamen Unterstützung der Arbeiter und Arbeiterinnen» die sie vertreten, bei der Durchführung aller Sanktionen, die gegen den Angreifer zur Anwendung kommen*. Diese Unterstützung der gesamten Arbeiterschaft in den Mitgliedsstaaten des Völkerbundes must setzt lebendig werden. Sie must zustande bringen, dast Mussulini keinerlei Waren einschließ- lich der Waffen erhält, sie must erreichen, dast die Sanktionen zu einem Wirtschaftsboykott werden, der die Einstellung des imperialistischen Raubzuges erzwingt. Mussolinis Spekulation, dast die durcki die Wirtschaftskrise geschwächten Länder freudig weiter mit ihm Kriegsgeschäfte machen werden, must zuschanden werden. Um so mehr, als dies« Geschäft« immer zweifelhafter werden und möglicherweise mit starken Verlusten für die Partner abschließen können. Die Sozialistische Arbeiterinternationale und der Internationale GewerkschastSbund verteidigen mit ihrer Bereitschaft an der Mitwirkung von Sanktionen den Frieden Europas und der Welt. menstoß zu Land«führ««würd«. An der Sitzung«ahm auch der Minister für Indien teil. Italiens Goldschatz nach Deutschland? Paris.(Havas.) Die aus einer ausländischen Quelle stammende Nachricht, dast Italien mit Rücksicht auf mögliche finanzielle und wirtschaftliche Sanktionen zweieinhalb Milliarden Lire in Gold als Sicherungsmahnahmen nach Deutschland transferiert habe, wurde bisher weder bestätigt noch dementiert. Jedenfalls hält man eSfiir unwahrscheinlich, dast Italien die Hälfte seines Goldschatzes in ein Land auS- gefuhrt hätte, von dem bisher nicht genau bekannt ist, welchen Standpunkt eS in der Angelegenheit der Sanktionen einnimmt, zu denen«S wahrscheinlich kommen wird. • Genf. Der Reuter-Korrespondent meldet, daß Deutschland im italienisch.„Als sie mein Geld einsackten, haben sie das nicht behauptet. Ich habe vielleicht einmal etwas Aehnliches besessen, doch nicht in Frankreich. Blödes Gewäsch! Wenn noch was bei mir zu erben wäre, würden sie den Schnabel halten, alle miteinander." Nicht selten kam gegen Abend ein Gewitter Julien stand am Fenster und sah die Regenmussen vom Himmel strömen. Irma flüchtete ins Schlafzimmer und zog die Vorhänge zu. Sie fürchtete sich. Ihre Pappel— das Wahrzeichen ihrer Besitzung, konnte den Blitz anziehen. Nach jedem Gewitter bat sie Julien, sie fAlen zu lassen. Im letzten Jahr hatte sie noch weite Spaziergänge unternommen. Doch jetzt bekam sie Schwindelanfälle, wenn sie auf fließendes Wasser blickte, und den Wald betrat sic nicht mebr, seit ein Lüstling dort ein junges Mädchen überfallen hatte. Zwischen den Feldern aber langweilte sie sich Seitdem ste aus der Bretagne zurückgekehrt war, hatte sie genug vom Lande. Wenn sie die Natur sehen wollte, sah sie die Photographien an, die sie unterwegs gekauft hatte. Unter der Einsamkeit litt sie nie. Julien erflärte, sie laffe sich gehen, doch er verstand sic überhaupt nicht. Kein Wunder: er hatte immer wie ein brünstiges Tier neben ihr gelebt, und lebte noch heute so. Wenn er sie auf dem Bett liegen sah, rief er ihr biffig zu:„Träumst du wieder von deinem Mädel?" Und er schikanierte sie, was er früher nicht getan hatte. Nähte sie, verbot er ihr, etwas auf den Rasen zu werfen, trug sie, vom Garten kommend, etwas Schmutz ins HauS, schimpfte er. Auch die Freunde bemerkten die Veränderung. Sie dursten die Bäume nicht berühren, keine Blume pflücken, sich nicht ins Gras legen. Diese Sckirullen machten das Leben nicht leichter. Wenn Irma Geld verlangte, tobte er, Geschenke machte er ihr längst nicht mehr. An einem Spätnachmittag im August brachte man ihm ein Telegramm. Julien„setzte seine Brille auf, las und sank verstört in.'eincn Stuhl. „Papa Adam ist gestorben, Irma." Zwei Stunden später waren sic im Taft des Tourses. Um ihren Stammtisch bekannte Gesich- I ter. Alfred führte den Vorsitz. Julien setzte sich 1 neben ihn und ließ sich berichten. Alfred war, be- i unruhigt, den Freund nicht mehr zu sehen, in die 1 Ru« des Dames gegangen, hatte die Tür öffnen j lassen und den Alten tot auf dem Bett gefunden. 1 „Vermutlich Herzschlag. Ich habe mit dem! großen Felix alles Nötige getan, Familie hat ec i ja nicht mehr. Wir haben die ganze Bude durch-» wühlt, aber nicht einxn Sou, nicht einen Zettel| entdecken können in all dem Mist." „Ich ahnte schon, daß er nicht mehr lange| machen würde", flüsterte Julien. Ach, nun würde er ihn nie mehr sehen, sei« I nen väterlichen Rat immer entbehren müsse». 1 Wer würde ihm helfen, wenn er Schwierigkeiten I hatte? Mit wem sollte er nun durch die vertrau« I ten Gassen bummeln? Helene war gestorben, I Charlier, dann sei» alter Intimus. Und das all.s| in zwei Jahren. Mutlos kam er mit Irma in die vernach- t lässigte Wohnung in der Rue Bourquin. Er emp-| fand sie plötzlich als ein« überflüssige Belastung, I von der er sich sobald als möglich befreien wollte. I Am nächsten Morgen folgte Julien, neben i Alfred und dem großen Felix, dem Leichenwagen j Zum letzten Male nähert« sich Papa Adam dem I Cafe des Tourses, aber er lag starr und steif zwi-1 scheu vier Brettern. Als er Helene hinauSbeglei- I tet hatte, waren Julien die TodcSgedanken nicht I so zu Bewußtsein gekommen wie jetzt. Ihm war. I als ginge ein Stück von ihm dahin, als böre ec j di« Stimme, die ihn selber rief. Alle Alters-1 genossen kamen an die Reihe; auch Nonoch: in I Bois-Le-Roi schickte sich an, die letzte Reise anzu«| treten. (Fortsetzung folgt.) «r. 237 Freitag, 11. Oktober 1935 Seite 3 fudetcndcutscfier Zcitspieget 8. Die Rüstungsindustrie, die Kirche London.(Reuter.) Gut informierte politische Kreise sind der Meinung, daß das Parlament für den 22. Oktober zu einer kurzen Tagung einberufen werden wird und daß die Neuwahlen in das Unterhaus etwa am 20. November stattfinden werden. Das Wahlprogramm der konservativen Regierung wird dem„Evening Standard" zufolge im wesentlichen folgende Punkte umfassen: 1. Einen Appell an die Oeffentlichkeit, die Außenpolitik der Regierung, des Vaterland und segnen Dich. zialiSmus" gesteigert. Das klang im ganzen ein wenig unklar. In A u s s i g ist er nach dem Be« richt der.Rundschau", ein wenig deutlicher geworden. Dort sagte er. die Sudetendeutsche Partei sei„sozial im Sinne eines völkischen Sozialismus". So knüpft an das fröhlich« Ende den fröhlichen Anfang er an! Wenn er auch weiterhin beteuern wird, die SdP habe mit dem National sozialismus nicht das geringste zu tun. Tagesfragen der Handelsangestellten bildeten den Gegenstand einer Vorsprache der Fachgruppe Handel des Allgemeinen Eine Aktion der sozialdemokratischen Frauen Für Geburtshilfeabteilunsen an Krankenhäusern Für Erholunssräume, bzw. Sanitätszimmer In den Betrieben Englische Wahlen am 20. November)? Außenpolitik Mr den Wahlkampi entscheidend Das Frauenreichskomitee der Deutschen sozialdemokratischen Partei hat die Initiative in zwei für die arbeitenden Menschen außerordentlich wichtigen Angelegenheiten ergriffen. DaS Komitee hat zunächst an das Gesundheitsministerium eine Eingabe gerichtet, worin die Aufmerksamkeit dieses Ministeriums darauf gelenkt wird, daß die Mehrzahl unserer Krankenhäuser entweder überhaupt nicht mit Geburtshilfeabteilungen ausgestattet ist oder daß die vorhandenen Einrichtungen für die Geburtshilfe an den Krankenhäusern unzulänglich sind. Es wird deswegen gefordert, daß dieKranken- hauSgesetzgebung novelliert und dabei die besondere Förderung der Geburtshilfeabteilungen berücksichtigt wird sowie daß bei Kran« kenhauSneubauten oder Erweiterungen Geburts- hilfeabteilungen, die vom Staate zu subventionieren sind, errichtet werden. Einen zweiten schweren Uebelstand sucht eine Eingabe des Frauenreichskomitee an das Ministerium für soziale Fürsorge abzuhelfen. Es handelt sich darum, daß es in der Mehrzahl der Be- kr war doch der IPubsekretär der Henlelnleete! Am 19. September brachten wir die Meldung, daß sich unter den im Zusammenhang mit den ostpreußischen JnstruktionSkursen der SA für Ausländsdeutsche verhafteten Henleinjüngern auch Herr Ing. Walter Appell, der zweite Sekretär des Abgeordnetenklubs der Henlein- partei befinde. Prompt erhielten wir von Herrn Sandner als Versitzenden des Abgeordnetenklubs der SdP eine Berichtigung: „ES ist nicht wahr, daß einer der Verhafteten, Herr Ins. Walter Appelt, der zweite Sekretär des Lbgeordnotenklubs der Henlein- leute ist» Nun liegt uns eine offizielle Broschüre ..über„Die Ngtjosialversammlung ih,der vierten Wahlperiode", berfaßt vom Sektionsrat Dr. Zadera, Sekretär des Abgeordnetenhauses, vor. Dort steht auf Seite 32 folgendes: Klub der Senatoren der sudetendeutschen Partei: Vorsitzender Frank Ludwig, Stellvertreter K r c z a l Gottfried, Sekretär Appelt Walter» J«g. So schauen also die Berichtigungen der Hen- leinleute aus! Der Herr Jng. Walter Appelt hat also in Wirklichkeit eine noch exponiertere Stellung in der Henleinpartei, als wir ihm zuschrieben. er ist nicht zweiter Klubsekretär, sondern erster Sekretär in der Senatsfraktion, also ein Mann, den die Gottsöbersten um Henlein gründlich auf Herz und Nieren überprüft haben dürften, bevor sie ihm diesen Posten anvertrauten. Aber trotzdem haben die Herren die Stirn, solche Berichtigungen zu schicken! Man könnte über solch« Mätzchen, mit denen sich die Herren um Henlein über unangenehme Dinge hinweghelfen wollen, mitleidig lachen, wenn in den vielen Berichtigungen, mit denen die tschechische wie die deutsche Preffe bei jeder Gelegenheit überschüttet wird, nicht ein klares System läge. Wenn die Herrschaften aber glauben, auf die Dauer mit solchen Mitteln auszukommen, dann irren sie gewaltig! Gerade solche spitzfindige Klügeleien geben erst den richtigen Aufschluß über den wahren Eharakter von Einzelpersonen wie ganzer Parteien! triebe an Räumlichkeiten fehlt, in welchen Arbeiter und Arbeiterinnen, die von einem plötzlichen Unwohlsein befallen werden oder einen Unfall erlitten haben, wenigstens vorläufig untergebracht und in denen ihnen erste Hilfe geleistet werden kann. Es wird daher verlangt, daß in Betrieben mit einer Mindestbelegschaft von zehn Arbeitern oder Arbeiterinnen ein Raum mit Liegestätte geschaffen wird. In der Begründung wird auf ver- scknedene Fälle hingewiesen, die sich in letzter Zeit ereignet haben. So hat eine Arbeiterin, die im Betrieb von GeburtSwchen befallen wurde, keine andere ZuftuchtSstätte gefunden als den Abort und in einem anderen Falle wurde ein von einem Unfall betroffener Arbeiter von einem Kollegen so lange in den Armen gehalten, bis die Sanitätskolonne ihn abholte, denn es war in diesem Betriebe kein Raum, wo man den Verunglückten hätte betten können. Es wird in Arbeiterkreisen sicherlich lebhafte Befriedigung Hervorrufen, daß unser Frauen- reichSkomitee die Initiative in zwei so bedeutsamen Fragen des ArbciterschutzeS ergriffen hat. Staatliche FUrsarae und„Volkshllfe“ In der„Pkitomnost" wird daran erinnert, daß nach einer Berechnung der Prelle der Sudetendeutschen Partei auf einen Arbeitslosen eine tägliche Unterstützung von 3.40 XL entfällt. Die „Pkitomnost" bezweifelt die Richtigkeit dieser Berechnung. nimmt sie aber dennoch zum Ausgangspunkt folgenden Vergleichs: Die„Volkshilfe" har im vergangenen Jahre sieben Millionen XL auf- oebrgcht, nimmt man nun an, daß die Hälfte der Arbeitslosen Deutsche sind, so entfällt auf einen Arbeitslosen ungefähr 28 XL jährlich, daS sind sieben H-ll-r täglich. Das Verhältnis der staatlichen Fürsorge für die Ar- beitslosen(sowieesdiePress«der SdP errechnet) zur Fürsorge der „VolkShille" verhält sich als wie XL 3.40* u XL 0.07 o d e r w? e 50 zu 1. In Mirklichkeit ist allerdings daS Verhältnis fiir die . SndetendenUche BolkSbilf»" noch nnaünstiger Wird die SdV offen einb-kenn-n, daß die staatliche Fürsorge für die deutschen Arbeitslosen sü«ff- ,zigmal mehr geleistet hat als die„Bolkshilfe"? Ang afft eilten-Verbandes Reichen- berg und der Bereinigung der Ge- hrlfenvertreter inHandel. Spedi. tion undExport, Sitz Reichender« Venn Landespräsidenten Dv. Sabot k a in Prag am 28. Oktober. Die Sprecher LandeSvertreter Dr. Strauß und Sekretär L d w> t. überreichten dem Herrn Landespräsiden- ten Denkschriften in Angelegenheiten der Sonntagsruhe für di« von dieser noch nicht erfaßten Bezirke. insbesondere in Nord- und Ostböhmen, ferner bezüglich der B o r w e i h n ach t S- S o n n- t a g e sowie wegen der einheitlichen Wochen- tags-Ladensperre im allgemeinen und wegen des Samstag-LadenschlusieS im Bezirke Teplitz-Schönau. Die schriftlichen Niederlegungen wurden durch mündliche Ausführungen eingehend begründet und ergänzt. Der Herr Landespräsident nabm die Erklärungen und Eingaben mit großem Interesse entgegen und sagte zu. die darin behandelten Angelegenheiten der weiteren Erledigung zuzuführcn. d. h. also kollektive Sicherheit durch den Völkerbund zu billigen, 2. Die Notwendigkeit, die Landesverteidigung zu verbessern und zu verstärken. Dieser Punkt wird u. a. ein FlottenaufrüstungSpro- gramm umschließen. Neue Maßnahmen zur Unterstützung der englischen Notstandsgebiete. Darüber hinaus sind eine Reihe sozialer Maßnahmen geplant. bunte„Rundschau“ Die Mitgliedersperre. In der letzten„Rundschau" des Herrn Henlein ist zu lesen, daß der OrtSrat der SdP in Obergeorgenthal beschloßen habe, eine Mitgliederwerbung von HauS zu Haus durchzuführen. Zeigt diese Meldung, daß die Zeit des stürmischen Zulaufs zu Henlein schon vorbei ist, so läßt sie zugleich die Nachricht der SdP, sie habe eine Mitgliedersperre verfügt, in eigentümlichstem Lichte erscheinen. Zwang zum Austritt aus den Gewerkschaften. Aus dem Kreise VII der SdP(Eger) wird mitgeteilt, daß die Angestellten in öffentlichen Diensten am besten der völkischen«Gewerkschaft der Angestellten der Selbswerwaltungskörper" beitreten sollen. Die SdP„verweist besonders darauf, daß der Austritt aus dem roten GewerkschaftS- verbande noch im September erfolgen muß".— Hier werden also die öffentlichen Angestellten g e- z w u n g e n, einer ter SdP genehmen Gewerkschaft beizutreten. Dafür wird dir Henleinpreste um so eifriger über den.Gewerkschaftsterror der Sozialdemokraten" schimpfen! Sandners„völkischer Sozialismus". Sandner war in Haida noch„eindeutig sozial". In Mährisch-Schönberg hatte er seine soziale Gesinnung schon zum„Jchmöchtesagen-So- Hinaus mit Dir auf das Feld der Ehre! Süß und lieblich ist’s, fürs Vaterland zu sterben Peng! Bel Ermüdung und Kopfschmerzen Bischof von Meißen verhaftet Wegen angeblichen Devisenvergehens Berlin. Die Justizprefsestelle Berlin gibt bekannt: Im Laufe des Strafverfahrens gegen katholische Geistliche wegen Devisenvergehens hat sich der dringende Verdacht ergeben, daß der B i- schof von Meißen P. Legg« in Bautzen an den in seinem Bistum vorgekommenen Devisenvergehen wesentlich beteiligt ist. Der Generalstaatsanwalt beim Landgerichte Berlin hat gegen den Bischof wegen fortgesetzter Devisenvergehen Anklage erhoben«. zw. bei der Straflammer des Landgerichtes, daS Haftbefehl erlassen hat. Der Bischof wurde festgenommen und in das Nntersuchungsgefängnis Berlin-Moabit eingeliefert. Bis sie wieder Geld brauchen werden... Verstimmung in London über Oesterreich und Ungarn London. Das Reuter-Büro meldet: Tie Stellungnahme Oesterreichs und Ungarns, die sich in Genf gegen die Sanktionen ausgesprochen haben, wird an Londoner Politischen Stellen als kleinmütig bezeichnet. Man bedauert hier dieses Verhalten der beiden Staaten und betont demgegenüber, daß sowohl Oesterreich wie Ungarn eine finanzielle HilfV des Völkerbundes erhalten haben und daß es möglich sei, daß sie einersol- chen Hilfe neuerlich bedürfen werden. Oesterreich und Ungarn hätten vom Völkerbund« Hilfo erwarten können, wenn die Anwendung der Sanktionen ihre Interessen geschädigt hätte. Internationale Genossen- schaftstasuns in Präs Vom 11. bis 18. Oktober tagen in Prag sämtliche Kommissionen und der Zentralausschuß des Internationalen Genossenschaftsverbandcs. Das Sekretariat dieser 90 Millionen Mitglieder zählenden Weltorganisation hat seinen Sitz in London. Die ihm angeschloffenen Genoffenschaftsorganisationen befinden sich in allen Weltteilen. 38 Länder mit unzähligen Verbänden und Genossenschaften verfolgen einheitlich den Gedanken der Selbsthilfe auf den Prinzipien von Rochdale. Der Internationale Verband feiert heuer sein 40- jähriges Bestandsjubiläum und es kann gesagt werden, daß di« Leitung dieser Organisation die öffentliche Meinung stark beeinflußt. Präsident des Verbandes ist Bainö Tanner aus Heising« fors, ehemaliger finnischer Ministerpräsident, Generalsekretär ist der Engländer Henry May aus London. An den Beratungen nehmen 88 Auslandsvertreter teil. Tagungen halten ab: die Exekutive, der Zentralausschuh, die Kommission für den internationalen Großeinkauf, die Bersiche- rungSkommission und der Ausschuß für die Prüfung der Geltendmachung der Rochdaler Grundsätze. Die GenoffenschastSorganisationen in der Tschechoslowakei vertreten Dietl, L u st i g und Modrakek. Di« Kommunisten und der 28. Oktober. In der tschechischen Preffe wird eine Rede Sme- r a l s in Olmütz vermerkt, worin er erklärte, daß Re kommunistische Partei mit Rücksickst auf die geänderten außenpolitischen Berhältniffe sich an den Feiern des 28. Oktober beteiligen werde, wenn sie„im Geiste der Washingtoner Deklaration" erfolgen werden. Die Partei melde sich auch zur positiven Mitarbeit auf dem Boden des tscke« choflowakischen Parlaments, wo sie bei allen wichtigen Vorlagen die Regierung und die sozialistischen Minister unterstützen werde.— Das „P r ä p o L i d u" erklärt hiezu, man müsse darauf Hinweisen, daß die Rede Smerals nicht im„Rude Prävo" abgedruckt war und daß die KP§ die Washingtoner Deklaration immer als einen Fetzen Papier bezeichnet habe. Selbst wenn die KP§ die Regierung tatsächlich durch Taten unterstützen wollte, so müßten erst sehr viele solcher Taten wirklich vorliegen. ehe die KP§ die Zweifel über ihre wahren Absichten zerstreuen könnte, die sie durch 15 Jahre hindurch aufgehäuft hat. Seite 4 Freitag, 11. Oktober 1935 Nr. 237 Der Kampf Internationale Revue, Prag Das Oktober-Heft(Nr. 10) ist soeben erschienen. Es enthält folgende Beiträge: Ott» Bauer: Einheitsfront in der Weltpolitik. Robert Werner: Warum Krieg in Abessinien? Wenzel I a k s ch: Mehr Jnternationalität, mehr Europäertnm! Johannes Werner: Weltkrise— Wertkrise. Otto B a n e r: Der Diktator in der Diktatur. Weltpolitik. Weltwirtschaft. Internationaler Sozialismus. Internationale Gewerkschaftsbewegung. AuS der Sowjetunion. Biicherschau. Preis des Heftes 5 XL, Jahresbezugspreis 50 XL. Redaktion u. Verwaltung: Prag II., Lützowova Nr. 37. 3aflcgneuig&dten Ein unmenschlicher Geizhals Zwei Kinder erschossen, die Abfalltrauben sammelten In Weikendorf im Marchfeld schoss der 69- jährige Landwirt und Bürgermeister des Ortes Johann Zimmer auf Kinder, die auf einem Weinberg die zurückgebliebenen Trauben sammelten. Er verletzte zwei kleine Knaben so gefährlich, daß sie im Krankenhause ihren Verletzungen erliegen dürften. Zwei andere Knaben wurden leicht verletzt.. Zimmer wurde verhaftet.-., 1 Der Mörder Heller angehalten und neuerdings flüchtig Budweis. Der Mörder Heller wurde Mittwoch nachmittag im Waldgebiet des K u- b a n i stellig gemacht. Angestellte der Forstver- waltung erblickten einen unbekannten Mann im Walde und es gelang ihnen mit Hilfe zweier Heger, ihn anzuhalten. Das Aussehen des Mannes stimmte mit der Personenbeschreibung des gesuchten Mörders überein. Heller gestand auch tatsächlich die Identität zu. Er irrte bereits einige Tage lang in. den.Wäldern umher und hatte sich wahrscheinlich verirrt. Unterwegs zur Gendarmeriestation riß sich Heller jedoch plötzlich den Hegern los und verschwand wieder im Walde. Es wurden sofort alle Grenzposten verständigt, doch konnte der Mörder bis zum"gegenwärtigen Augenblick nicht wieder ergriffen werden. Es scheint, daß er auf irgendwelchen Schmugglerwegen über die Grenze entflohen ist. Die Staatspreis-Zury Prag. Das Ministerium für Schulwesen und Volksaufklärung hat folgende Mitglieder der Jury für die Erteilung von Staatspreisen für den Zeitraum vom 1. August 1934 bis 31. Juli 1935 ernannt: a) Für den Staatspreis für Literatur Karel Capek, Frantisek Goetz, I. C. Hronskh, I. V. Sedläk und Antonin Vesely. b) Für den Staatspreis für dramatische, Schauspiel- und Regisseur-Kunst; Karel Engelmüller, Jan KrcjLi, Jaroslav Kvapil, Andrej KostolnH und Ferdinand Pujman. c) Für den Staatspreis für Musik: V. B. Aim, Hubert Dolezil Vladimir Helfert, K. B. Jiräk, und Frico Kafenda. d) Für den Staatspreis für Werke und Leistungen in deutscherSprache: Karl Esel» Emil F r a n z e l, Anton M o u ch a, Walter Seidl und Emil S t e in h a r d. Die Ergebnisse werden am 28. Oktober 1935 öffentlich bekanntgegeben werden. Sturmflut-Katastrophe Rew Aork. Die Küstenwache in Seattle erhielt einen Funkspruch, der ihr mitteilt, daß der Orts Bethel in Südwe st- Atlas! a von einer Sturmflut heimgesucht worden sei, wie sie seit 50 Jahren nicht mehr zu verzeichnen gewesen sei. Die Wohnhäuser des Ortes seien von den Fluten fast völlig w e g g e s p ü l t worden. Die kleineren Schiffe im Hafen seien von der Flut ausnahmslos zum Sinken gebracht worden. Der Flugplatz stehe ebenfalls unter Wasser. Es müsse befürchtet werden, daß auch andere Ortschaften von der Sturmflut schwer betroffen worden seien. Tokio— die zweitgrößte Stadt der Welt Tokio. Das vorläufige Ergebnis der vierten japanischen Volkszählung bedeutet eine Ueber- raschung selbst für die Japaner. Das Wachstum der Bevölkerung ist noch größer gewesen, als man' Mörder Schiibl zum Tode verurteilt Der Ausklang des Bauerndramas in St. Katharina-Brand Am Hüttenberg bei St. Katharina- Brand in der Gegend von Pfraumberg steht ein einsames Bauerngehöft. In der Nacht zum 16. Jänner 1935 wurde dort der Bauer Franz Stelzner niedergeschossen, als er, erwacht durch ein Geräusch, den Stall betrat. Der Mörder schlug dann noch die Bäuerin Anna Stelzer in der Stube mit einem Jagdgewehre nieder. Sie stellte sich tot und der Mörder glaubte, sie sei tot. Dann vergewaltigte er mehrmals ein erst etwa 14 Jahre altes. Dienstmädchen und verließ nach einigen Stunden das Gehöft. Der Mond schien damals. Nach seinem Verbrechen durchsuchte er das ganze Haus nach irgendeiner Beute, fand aber nicht viel, nahm nur aus der Lade des Mädchens etwa 30 XL, Lebensmittel und einen schwarzen Rock vom Bauern. Die Tischlade vermochte er nicht zu öffnen. Da waren 1200 XL darin. Sofort bestand der Verdacht gegen den Landstreicher Karl S ch ü b l aus Taschlowitz bei Hostau, der am Tage vorher in St. Katharina-Brand gebettelt hatte. Einige Tage später wurde er als Landstreicher in Waldsassen (Bayern) aufgegriffen und als der Mörder festgestellt. Nach der Auslieferung wurde er gleich an den Tatort gebracht und von den Bewohnern im Dorfe erkannt, auch von der Bäuerin und dem angenommen hatte, und Japan hat heute mehr als 100 Millionen Einwohner. Wenn der Geburtenüberschuß weiter anhält, so wird Japan ii- absehbarer Zeit die Vereinigten Staaten überflügeln. Besonders erstaunlich ist aber das Wachstum von Tokio. Im Vergleich zu 1920 hat sich die Bevölkerung der japanischen Hauptstadt fast verdoppelt. Die Einwohnerzahl hat sechs M i ll i on en erreicht, und Tokio ist nun nach N e w N o r k die ziveitgrößte Stadt der I Welt. Hitlerversicherung unmöglich. Ein als Emigrant im Ausland lebender deutscher Schriftsteller, der nut der Tätigkeit der Gestapoagenten ganz besonders schlechte Erfahrungen am eigenen Leibe gemacht hat— man hat sich in Wahrheit sehr„weitgehend" mit ihm befaßt —, wollte als vorsorgender Mann zugunsten seiner Frau eine Versicherung abschließen gegen Hitler, das heißt gegen Entführung, gegen plötzliches Verschwinden ohne Hinterlassung von Spuren, gegen angeblichen Selbstmord, gegen Ermordung durch Unbekannte, kurz gegen alle bereits vorgckommenen Schadensfälle, die durch Agenten der Gestapo verursacht würden. Er wandte sich an die Filiale von Lloyds Versich-:- rungsbüro, doch wurde ihm nach Rücksprache mst der Londoner Zentrale der Bescheid, daß Lloyds eine solche Versicherung nicht eingehen möchten. Bei Lloyds in London kann man sonst sich gegen alles und jedes versichern. Gegen eine böse Schwiegermutter, gegen zuviel oder gegen zuwenig Regen oder Sonne, gegen Zahnfisteln, gegen eine Wahlniederlage, kurz gegen Teufel- weißwas. Die Gesellschaft nimmt bei entsprechender Prämienzahlung jede Versicherung an, sofern die Chancen für und gegen das betreffende Ereignis zahlenmäßig errechenbar sind. Die angeführten Versicherungen find tatsächlich mehr als einmal erfolgt und durchgeführt worden, und oft kann man in der Zeitung lesen, daß Lloyds wieder eine besonders merkwürdige und skurrile Versicherung abgeschlossen haben. Gegen Hstlerschaden nehmen Lloyds eine Versicherung nicht an. Wahrscheinlich ist ihnen das Risiko zu groß. Selbstmord eines Gendarmen. Gestern früh erschoß sich der 40jährige Gendarmerie-Stabs- Wachtmeister Fr. Rozsypal, der der Gendarmeriestation in Kostrina i>n Bezirk Bereznh Vclky zugeteilt ist, mit dem Dienstrevolver. Rozsypal, Vater von vier Kindern, russischer Legionär, verübte die Tat in ein«n Nervenzusammenbruch nach häuslichen Zerwürfnissen. Tödlicher Unfall. In den Werkstätten der tschechoslowakischen Staatsbahnen in Oderfurth (Pkivoz) wurde bei der Reparatur eines Loko- motivkessels der 61 jähr. Kesselbauer I. Beran gegen den Kessel gequetscht und tödlich verletzt. Beran erlag bei der Ueberführung ins Krankenhaus seiner Verletzung. Khaki-Uniformen für das französische Heer. Auf Anordnung des Krtegsnünisters Fabry wird für das französische Heer eine von der bisherigen Uniform abweichende Uniform eingeführt. Die Farbe der Uniform ist in Zukunft einheitlich Khaki.. Die Rekrutcnklaffe 1936 soll sie zum ersten Funkturm Langenberg vom Stürm umgc- worfen. Wie aus Köln gemeldet wird, ist infolge eines orkanartigen Sturms Donnerstag mittags der Radiosendeturm des Langenberger Senders umgestürzt. Gefängnis nur bei Tag. In S i d n e y ist ein neues Frauengefängnis eröffnet worden, das eine besonders humane Einrichtung zeigt: die Frauen bleiben im Gefängnis nur tagsicher. Nachts dürfen sie zu Hause schlafen. Allerdings ist dieses Gefängnis nur für Frauen bestimmt, die kleinere> Vergehen auf dem Kerbholz haben. 1 Dienstmädchen Martha Mathy, an dem er sich vergangen hatte. So gab er das Leugnen auf und erzählte seine entsetzlichen Taten mit allen Einzelheiten, auch, daß er das Gewehr, einem Heger in Johanneshütte bei Schwanenbrückl kurz vorher gestohlen hatte. Er erkannte auch die Martha Mathy sofort unter mehreren anderen Mädchen. Später änderte er sein Geständnis, wollte glauben machen, daß er die Tat in einer vorübergehenden Kinnesverwirrung beging, aber nach dem ärztlichen Gutachten ist er für seine Taten verantwortlich und strafvollzugsfähig. Der Landstreicher Karl Schübl aus Taschlowitz bei Hostau, 33 Jahre alt, ist angeklagt der Verbrechen des vollbrachten und versuchten Raubmordes, der Notzucht und der Einschränkung der persönlichen Freiheit begangen zu haben. Gegen den Raubmörder Schübl wurde am Montag unter Ausschluss der Oeffrntlich- keit vor dem Schwurgericht in Eger die Verhandlung durchgeführt. Den Vorsitz führte Kreisgerichtspräsident Rokos. Rach durchgeführter Verhandlung wurde am späten Abend das Urteil gefällt: Schübl wurde zum Tode durch den Strang verurteilt. Gut davongekommen. James und John Roosevelt, die Söhne des Präsidenten von USA, überfuhren mit ihrem Sportauto in der Borstadt Bastboston die Eisenbahnschranke. Das Auto wurde von einem eben anbrausenden Zug erfaßt und etwa zehn Meter mitgeschleist. Der Zugsführer brachte den Zug sofort zum stehen und stellte fest, daß die beiden Söhne des Präsidenten unverletzt geblieben waren. Das zertrümmerte Auto wurde von Andenkenjägern geplündert. Straßenbahnunfälle in Mähr.-Ostran. In der Troppauer Straße in Mährisch-Ostrau stieß der städtische Motorsprengwagen, als er einem Automobil ausweichen wollte, mit einem Motorwagen der städtischen Bahnen zusammen, in welchem 46 Passagiere saßen. Durch den Zusammenstoß wurde der Schleppwagen beschädigt. Drei Personen wurden verletzt. Der Kaschauer Mörder verhaftet. Bereits fest Sonntag fahndeten die Sicherheitsbchörden nach dem 20jährigen Friseurgehilfen Szabo aus Kaschau, der am 4. Oktober seine 85jährige Großmutter ermordet, ihr einen größeren Geldbetrag und Einlagsbüchel gestohlen hatte und sodann mit dem Zuge abgereist war. Donnerstag vormittags kam Szabo in ein Geschäft in SpisskL Macht), poo er Milch kaufen wollte. Er wurde hiebei von Gendarmen bemerkt, die ihn anhielten und der Gendarmeriestation übergaben. Bei seiner Einvernahme gestand Szabo den Mord ein, gab jedoch vor, daß er von dem 23jährigen Maurergehilfen Gombos aus Kaschau zu dem Morde angeführt wurde, der auch bereits verhaftet war und mit Szabo beim Kreisgericht in LevoLä konfrontiert werden wird. Von der Klaffenlotterie. Die Verlosung der Gewinste der V. Klaffe der 33. tschcchostowakischen Klaffenlotterie wird am 18. Oktober 1935 um 8 Uhr im Ziehungssaale der Staatslotteriedirektion Prag I, Kozi 4, beginnen und wird am 19., 21., 22., 23., 24., 25., 26., 29., 30., 31. Oktober und am 4., 5., 6., 7., 8., 9., 11., 12., 13. und 16. November 1935 um 8 Uhr früh fortgesetzt werden. Verlost werden im ganzer^ 44.000 Gewinste und eine Prämie von 1,000.000 XL im Gesamtbeträge von 36,962.000 XL, welche den Spielern ohne Abzug ausbezahlt werden. Von höheren Gewinsten werden ausgelost: ein Gewinn zu 300.000 XL, einer zu 200.000 XL, einer zu 100.000 XL. zwei zu 90.000 XL, zwei zu 80.000 XL, zwei zu 70.000 XL, zwei zu 60.000 XL, Mei zu 50.000 XL, drei zu 40.000 XL, vier zu 80.000 XL, 35 zu 20.000 XL. 90 zu 10.000 XL, 440 zu 5000 XL ustv. Die Gewinnröllchen der V. Klaffe werden am 17. Oktober 1935 um 10 Uhr öffentlich in i>As Glücksrad eingeschüttet werden. Die amtlichen Taaeslisten werden immer am nächsten Tage nach der Verlosung und die amtliche Gesamtverlosungsliste am 20. November 1935 ausgegeben werden. Entführte Waschtische. Auf einen ausgezeichneten, wenn auch nicht ganz unbeschwerlichen Trick ist eine Budapester Diebsbande verfallen. Zu viert fuhr sie mit einem Lastwagen bei Neubauten vor und erklärte, daß sie den Auftrag hätte, die bereits gelieferten Waschtische und Badewannen wieder abzutransportieren, da das Material nicht genügend zufriedenstellend sei. Sie würden mit der nächsten Fuhre neue bringen. In mehreren Fällen lieferte man ihnen das Gewünschte aus, selbstverständlich sah man dann keine neuen Waschgelegenheiten. Die Bande ist jetzt dingfest gemacht jvorden; wo aber di« vielen Waschtische und Badewannen hingekommen sind, bleibt vorderhand noch rätselhaft. Taucher in einer Petrolenmqurlle. Einer der riesigen Behälter in der Nähe von Baku, der von einer Petroleumquelle gespeist wird, wurde vor kurzem undicht. Das ausfließende Petroleum drohte die ganze Umgebung zu überschwemmen. Daraufhin stiegen zwei Taucher zur Quelle hinab, und eS gelang ihnen tatsächlich in einer dreiviertelstündigen Arbeit, daS Loch mit 60 Sandsäcken zu verstopfen. Als die beiden Taucher wieder heraufgeholt wurden, stellte man fest, daß die Taucheranzüge durch das Erdöl vollkonunen zerfreffen waren. Nach wenigen Minuten hätte die Arbeit mit einer Katastrophe ge-1 endet., Paris. Wie die Blätter aus Oslo melden, soll Trotzki bereits seit drei Wochen im dortigen Krankenhaus liegen. Die Äerzte hätten ein Forl- schreiten der Tuberkulose konstatiert und halten ihn für verloren. Trotzki ist 56 Jahre alt.— Nach einer Reuter-Meldung aus Oslo dürfte Trotzki jedoch in einigen Tagen das Krankenhaus verlassen. Zß nicht nach der ühr (PS.) Im Gegensatz zu der meist propagierten Regel, die Mahlzeiten möglichst genau nach der Uhr und unabhängig davon, ob man hungrig ist oder nicht, einzunehmen, erklärt der mnerikanische Arzt Dr. T. Jzod Dennett, daß dies absolut falsch und durchaus nicht gesundheitsfördernd sei. Er behauptet, daß die Auffassung vieler Aerzte, daß die Verteilung der täglichen Nahrungsaufnahmen von 3 auf 5 Mahlzeiten die Leistungsfähigkeit des Individuums steigere, irrig sei. Als Beispiel führt er an: Einer der Gründe, warum Amundsen vom Südpol zurückkehrte, während Scott und seine Begleiter zugrundegingen, ist darin zu suchen, daß Amundsen den weisen Plan befolgte, solange zu marschieren, bis sie müde waren und nur Nahrung aufnahmen, wenn sie wirklich Hunger hatten, ohne sich nach, einer Zeiteinteilung zu richten. Aus diesem(nicht sehr überzeugenden) Beispiel folgert Dr. Bennett ein neues Gesundheitsgesetz: Sei nicht Sklave der Mittagsglockel Iß nur, wenn du wirklich hungrig bist. Das alles klingt sehr schön und hört sich sehr gelehrt an, ist es vielleicht auch. Aber wie vereinbart sich solch eine„goldene Regel" mit den Gepflogenheiten der Geschäftsbetriebe? Die einzigen Leute, die diese neue Erkenntnis vielleicht annch- men könnten, sind die Arbeitslosen... Ei« ganzes Eisenbahnnetz unter dem Hammer New Aork. Ein ganzes Eisenbahnnetz kommt nächstens unter dem Hammer.• Es handelt sich um die Eisenbahngesellschaft der Brüder Van Everingen aus Cleveland, die der Morgan-Bank über 50 Millionen Dollar schulden, so daß diese die Eisenbahn versteigert. Jngesamt handelt es sich um ein Netz von Schienensträngen, das 28.000 Ouadratmeilen versorgt. Ter Wert der Anlage wird auf drei Milliarden Dollar geschäht. Das Wetter. Die allgemeine Wetterlage hat sich im wesentlichen nicht geändert. Im Südosten des Festlandes herrscht im Gebiet höheren Druckes schönes und relativ sehr warmes Wetter, während im Nordwesten des Kontinentes unter dem Einfluß einer umfangreichen und tiefen Depreffion mit dem Zentrum über Südwestnorwegen ungünstiges Wetter andauert. Von der Ostsee wehen über den Aermel- kanal und die angrenzenden Gegenden bis weit auf den Atlantischen Ozean hinaus Weststürme. Unsere Gegenden liegen gerade an der Grenze beider erwähnten Gebiete. Bei ziemlich heiterem Himmel hat es sich zwar am Donnerstag in den böhmischen Ländern erheblich erwärmt, die erwähnte Depreffion macht sich jedoch bereits durch das Auffrischen des Windes geltend. Im weiteren Verlauf wird sie voraussichtlich auch durch eine allgemeine Wetterverschlechterung, wenigstens im Nordwesten des Staates, Einfluß auf unsere Gegenden erlangen.—• Wahrscheinliches Wetter von heute: Im Nordwesten des Staates vorwiegend bewölkt, Regenneigung, kühler, in den böhmischen Ländern frischer bis starker Wind, aus westlichen Richtungen. Weiter im Osten im allgemeinen ohne Aenderung, ziemlich warm.— Wetteraussichten für Samstag: Im Westen" des Staates ziemlich bewölkt, zeitweise schwache Regenneigung, sonst ohne wesentliche Aenderung. Vom Rundfunk ■mptahleniwertei aus den Programarani Samstag: Prag, Sender L: 10.05: Deutsche Presse, 11: Schallplatten: Mozart, 15: Orchesterkonzert auf Schallplatten, 17.55: Deutsche Sendung: Höller: aus dem sudetendeutschen Kulturleben, 18.05: Lieder von Reger und Braunfels, 22.15: Tanzmusik. Sender S: 7.30: Leichte Musik, 14.10: Deutsche Sendung: Wein. Werb und Gesang, Liederzyklus, 14.40: Dr. Lorenz: Kulturrelief, 14.50: Deutsche Presse.— Brünn 17.40: Deutsche Sendung: Im Herbst, Stimmungsbilder.— Mährisch• Ostrau 12.30: Orchesterkonzert.— Prcßburg 20: Die Czar« daSfürstin, Operette.— Kaschau 19.15: Dorfblasmusik,—, Rr. 237 Freitag, 11. Oktober 1935 Seite 5 Kairo im Kampf gegen die Rauschgiftseuche Jeden Abend 4000 Verhaftungen Die Gewerkschaftseinigung In Frankreich Der Landeskongreß des französischen Gewerk- schaflsbundes hat am 26. September den Beschluß gefaßt, bis zum 31. Jänner 1936 die Voraussetzungen zu schaffen für die Wiederherstellung der alten CGT(Confederation Generale du Travail) Während des Kongreffes traten die Vertreter der CGT mit jenen des kommunistischen Gewerkschaftsbundes zusammen und beschlossen di« Vereinigung der beiden Verbände durchzuführen. Die ReMu- tion, welche auf dem Kongreß der CGT beschlossen wurde, sieht die völlige Unabhängigkeit der Gewerkschaften und die Beibehaltung der bisherigen gewerkschaftlichen Politik vor. Die Vertreter der CGT verlangten von den Kommunisten die Anerkennung des Grundsatzes, daß innerhalb der Gewerkschaften keine Fraktionsbildung gestattet sei und daß die Gewerkschaften unabhängig von politischen Parteien und der Regierung sind. Nach langen Verhandlungen l.at der kommunistische Gewerkschaftsbund d i e- sen Standpunkt anerkannt. Er fetzt sich damit in einen gcwiffen Gegensatz zu den Auf- faffungen, wie sie noch der letzte Kongreß der Dritten Internationale in Moskau vor kurzer Zeit vertreten hat. Dieser hat zwar nach außen hin laut und nachdrücklich die Einheitsfront gefordert, aber gleichzeitig beschloffen, an dem Weiterbestand der Roten Gewerkschafts-Internationale sowie an der Bildung kommunistischer Zellen in den Ein« beitsgewerkschaften fcstzuhalten. Auch in bezug aus die Modalitäten, nach denen die Durchführung der Einigung örtlich erfolgen soll, haben die Kommunisten sich der Auffassung unserer französischen Gewerkschaftsfreunde gefügt. Wenn also die Einigung tatsächlich erfolgt, handelt es sich um die Wiederherstellung der alten CGT, wie in der Resolution ausdrücklich gesagt wird. Die Annahme der Vorschläge der französischen Gewerkschaften durch die Kommunisten schließt also das Bekenntnis in sich, daß sich die Kommunisten geirrt haben und die Politik der CGT richtig war und daß durch die kommunistische Spaltung der französischen Gewerkschaftsbewegung der arbeitenden Klaffe nicht genützt wird. Ob freilich die französischen Kommunisten auf die fraktionelle Arbeit innerhalb der einheitlichen Bewegung tatsächlich verzichten werden, wird man noch sehen. Wer 15 Jahre lang seine Hauptaufgabe darin sah, die Arbeit der freien Gewerkschaften zu erschweren und sie in den Augen der Mitglieder in Mißkredit zu bringen, wird schwerlich sich von morgen ab restlos in den Dienst der Gewerkschaftsbewegung stellen. Arabische Unabhänglgkelts* bestrebungen Jerusalem. Die Partei des früheren arabischen Bürgermeisters von Jerusalem Nashashibi hat allen anderen arabischen Parteien Palästinas, Transjordaniens und Syriens vorgeschlagen, angesichts der gegenwärtigen internationalen Lage sich zu verständigen und einen arabischen Kongreß einzuberufen. Der Kongreß solle eS sich zur Aufgabe machen, die Selbständigkeit der drei arabischen Länder zu erringen. Ost' Zweck der SA Berlin.(AP.) Da zum Umzugstermin sich zahlreiche Möglichkeiten eines Nebenverdienstes für Erwerbslose durch Gelegenheitsarbeiten ergeben, beschäftigte man in der ersten Oktoberwoche überall die SA, um die„Erwerbslosen bei gesetzwidrigem Nebenverdienst abzufassen". Morgens um 4 Uhr wurden in einer Reihe von deutschen Städten die Sturmabteilungen alarmiert. ES begann eine Maffenkontrolle der Ausweise der Erwerbslosen, von denen eine Reihe verhaftet wurden. Nun hat man eine Handhabe, um ihnen die Unterstützung zu entziehen. (PS.) Die vergangenen zwölf Monate sind von bezeichnender Bedeutung im Kampf gegen den Rauschgifthandel in Kairo. Vor sechs Jahren wurden allabendlich etwa 8600 Personen verhaftet, die gegen das Rauschgiftgesetz verstoßen hatten; 2000 davon waren Händler. Heute werden an jedem Abend ungefähr 4000 Personen in Haft genommen, wobei 3800 Händler festgestellt werden. Das Völkerbunddezernat zur Bekämpfung des Rauschgifthandels hat vor fünf Jahren den Preis von 10 Pfund pro Kilo auf 600 Pfund für Heroin heraufgesetzt. Die Folge davon war, daß die Händler bis zu 80 Prozent minderwertige Drogen zusetzten, sich dabei aber .ins eigene Fleisch schnitten", denn die schwache Wirksamkeit der gestreckten Rauschgifte verminderte langsam aber sicher den Appetit der Süchtigen auf die Narkotika. Um einen Präzedenzfall zu schaffe«, hat man acht Aerzte, die der Rauschgiftsucht Vorschub geleistet haben, zu Gefängnisstrafen verurteilt. Das Vorgehen gegen die Aerzteschaft ist außerordentlich schwierig, da es nicht immer einwandfrei festzustellen ist, wo die Grenze zwischen notwendiger legaler Verordnung und Mißbrauch zu ziehen ist. Tausende von ärztlichen Rezepten haben die Kontrollbehörden bei Chemikern und Apothekern gefunden, die die Rauschgifte mit Wissen der Gesundheitsverwaltung verabfolgten. Unzählige Aerzte haben Morphium und Heroin nicht nur an zahlungskräftige Tragödie in der Milchhalle Di« Lebensgefährtin getötet. Prag. Der 26jährige Kellner Bohdan Seidl stand vor dem Schwurgericht unter Anllage des Totschlages, begangen an seiner Lebensgefährtin Bojena Stegr, Der Angellagte hatte sich mit der um neun Jahre älteren Bojena zusammengetan und die beiden hatten in der Pilsner Straße in Smichov aus gemeinsamen Mitteln ein Milchbüfett aufgemacht. Auch die Anklage betont; daß die aufrichtige Liebe des Angeklagten zu seiner Gefährtin nicht zu bezweifeln sei. Und doch fand das Zusammenleben einen tragischen Abschluß. Mancherlei Umstände mögen dazu beigetragen haben, daß diese Lebensgefährtin nicht zum Guten ausschlug. Der ehemalige Kellner vermochte sich dem eintönigen Leben in der Milchhalle nicht recht anzupaffen, waS seiner geschäftstüchtigen und fleißigen Lebensgefährtin natürlich nicht gefiel, besonders, als die Einnahmen durch Eröffnung eines Konkurrenzunternehmen- in der Nachbarschaft empfindlich sanken. Kurzum— eS gab allerlei Auseinandersetzungen und Streitigkeiten. Zeuge eines solchen Streites wurde ein gewisser Dvotäk, der in den Morgenstunden de- 26. April als erster Gast das Milchbüfett betrat, um zu frühstücken. Er hörte, wie Bohdan Seidl der Bojen« Stegr einen heftigen Auftritt machte.„D u b t st faul wie eine L a u S" schrie er ihr zu und als sie sich nach dieser und anderen Beschimpfungen weigerte, das AuStragen der Milch an die Kunden zu übernehmen, versetzte er ihr einen Fußtritt in den Bauch. Die Auseinandersetzung setzte sich dann in der neben dem Verkaufslokal befindlichen Küche fort, wobei Dvoräk den Aufschrei der Frau vernahm„Du Elender! Du Elender!" Dvoräk beendete so schnell als möglich sein Frühstück, um nicht Zeuge weiterer peinlicher Auftritte sein zu müssen. Als er aufatmend den Laden verließ, kam Seidl mit dunkelrotem Gesicht aus der Küche.„Jetzt huste ich auf alles", rief er und ließ hinter dem Gast den eisernen Rolladen herab... Der Rolladen blieb geschlossen. Und während der Straßenverkehr unablässig und gleichgültig vorbeiflutete, vollzog sich hinter der eisernen Jalousie eine blutige Tragödie. Süchtige verordnet, sondern auch selbst einen schwunghaften Handel mit den Drogen getrieben und so beträchtliche Summen verdient. Im Kampf gegen die Rauschgifte nimmt in Kairo der Polizeichef Russell Pascha eine hervorragende Stelle ein. Er ist Leiter der Zentrale zur Bekämpfung des Rauschgifthandels und entfaltet eine rege unermüdliche Kampagne gegen die Seuche und ihre Nutznießer. Zahlreiche Frauenorganisationen haben ihm für seine Tätigest ihren Dank ausgesprochen. Dennoch bleibt viel Arbeit zu tun, bis das Laster in erträgliche Bahnen eingcdämmt wird. Die Zeitungen Kairos publizieren tragische Fälle von Süchtigen, die die schauerliche Auswirkung der Zustände auf diesem Gebiete demonstrieren. So ist in einem Fall« eine ganze Familie, bestehend aus Vater, Mutter, Sohn und Tochter und dem Hausarzt, der seit 17 Jahren Rauschgifte zu sich nimmt, in Polizeihaft genommen und einer Zwangsentziehung unterworfen worden. Dank der Aufklärung geschieht es aber auch, daß Rauschgiftsüchtige ft.eiwillig auf der Polizei erscheinen und um Inhaftnahme bitten, damit sie von der Außenwelt isoliert von dem Laster Befreiung finden. Obwohl solch eine Kur nicht gerade angenehm ist und in Kairo unter drakonischen Maßnahmen durchgeführt wird, ziehen viele Kranke es vor, sich dieser kurzen furchtbaren Qual auSzu- setzen, als körperlich und wirtschaftlich mit Sicherheit zu Grunde zu gehen. Als nach einiger Zeit der Hutmacher P o s p i- Lil. ein ständiger Gast, kam, um ein Glas Milch zu trinken, war er überrascht, den Laden geschloffen zu finden. Er klopfte an den Rolladen, klopfte mehrmals und endlich schob sich dieser langsam in die Höhe. Pospisil sah sich dem Angeklagten gegenüber. Seidl war blaß und zitterte am ganzen Körper: ,Ljch habe Angst! Ich fürchte michl" brachte er hervor. Tann lief er wie von Sinnen in die anstoßende Küche. Warf sich über einen bewegungslosen Gegenstand, der auf dem Fußboden lag. Und der entsetzte Zeuge hörte ihn jammern: „Weine süße, goldene Bojenka... Wach auf! Wach do-ch auf!" Die Polizei war schnell zur Stelle, und kam gerade noch zur rechten Zeft, um Seidl, der sich auf gehängt hatte, abzuschneiden. Auf dem Fußboden der Küche lag die unglückliche Bojen« Stegr in einer Blutlache. Sie war tot. I m Rücken klaffte eine tiefe Stich- wunde und auf dem Boden lag ein blutiges K ülch e n m e s s e r.‘* Beim Polizeiverhör erklärte Seidl, seine Lebensgefährtin sei das Opfer eine- tückischen Zufalls geworden. Sie sei im Verlauf des Streites vor ihm zurückgcwichen, auSgerütscht und rücklings auf eine Küchenstellage gefallen, ^in deren, einem Fach ei«, großes Küchenmesser mit der Spitze nach außen gelegen habe. Sie habe sich bei' dem Fall a u f g e s p ieß t. Er habe ihr in blindem Entsetzen da- Messer aus dem Rücken gerissen und weggeworfen. Diese Verantwortung fand natürlich keinen Glauben. Ter mit außerordentlicher Sorgfalt durchgeführte Lokalaugcnschein ergab, daß in dem Fach der niedrigen Stellage, wo sich angeblich da- Messer befand, eine Orange und einiges Papier aufgefunden wurde. Diese Gegenstände hätten dem Messer keinen entsprechenden Rückhalt geben können, um einen Stich von solche rWucht hervorzurufen. Außerdem hätte bei einem Fall, wie ihn der Angellagte behauptet, keinesfalls eine Stichwunde auf den Rücken, sondern in der Beckengegend entstehen müssen. Durch detaillierte Situation-skizzen in Verbindung mit dem Obduktion-Protokoll erscheint zuverlässig festgestellt, daß ein solcher ZufallStod ausgeschlossen ist. Da aber der Angellagte auf seiner ersten Aussage auch bei der Hauptverhandlung beharrte, entspannen sich über diesen Punkt lang- schweifige Auseinandersetzungen.. Im Verlauf der Untersuchung versuchte der Angellagte Jrrsinnzu simulieren und verweigerte kurze Zeit die Nahrungsaufnahme. Diese Versuche Mir Kämpfen für alle Kinder um Nahrung, Kleidung, Wohnung und Freude. Führe deiner Organisation neue Mitglieder, neue Mitkämpfer zu! Arbeiterverein„Kinderfreunde". scheiterten an seiner mangelnden Sachkenntnis. Als man zur künstlichen Ernährung schritt, kapitulierte Seidl vor der unangenehmen Magensonde. Er hat ferner versucht, Kassiber aus dem Gefängyisspitale zu schmuggeln, in denen er nicht nur falsche Zeugen zu gewinnen suchte, sondern in unglaublich naiver Art seine Eltern bat, einen Gutachter yiit 2000 XL zu bestechen(I), damrt er für geisteskrank erklärt werde. »* Die Anllage lautete nicht" auf Mord, sondern nur auf Totschlag, denn auch die Staatsanwaltschaft erblickte in der Tat keine vorsätzliche Tötung. Der Angeklagte weinte unausgesetzt, blieb aber, hartnäckig bei seiner unwahrscheinlichen Verteidigung. Tiefste- Mitgefühl wendete sich- seinen greisen Eltern zu, die als Leumundszeugen geladen waren. Der Schwurgerichtshof(Vors. OGR. Knaute) legte den Geschworenen nur e ine H ä u P t-- schuldfrage auf Totschlag vor, nebst der Zusatzfrage auf die Niedrigkeit und Unehren- haftigkeit der Beweggründe. Da- um 7 Uhr abends verkündete Verdikt der Geschworenen bejahte die Schuldfrage mit elf Stimmen. Der Gerichtshof verurteilte den Angeklagten zu sechs Jahren schweren Kerker-. Die Mutter des Angellagte«, die bei der Ur« teflsverkündung in laute- Jammern auSbrach, mußte aus dem Sackl geführt werden. Der Verteidiger hielt sich Bedenkzeit offen. rb. Was die Kartelle verdienen Aus Schlesien wird uns berichtet;-Die Lebensmittelindustrie benötigt fürKonserven reine Zinntuben zwecks Abfüllung gewisser konservierter- Lebensmittel. Die Zinntubenerzeuger der Tschechoslowakei, etwa sechs Fabriken, sind in einem Kartell der Verkaufsvereinigung„Omnia", orgg- nistert, welche einzig und allein den Zweck hat, den Erzeugern und vor allem aber den Aktionären der Aktiengesellschaft»Omnia" in Prag S Überprofite, die bl- 100 Prozent betragen, zu garantieren. Eine Tube in der Gröhe von 40/160 Millimeter kostet laut Ausstellung der„Omnia" pro 1000 zirka 2300 Kd, während dieselbe Tube** in Deutschland 160 Mark kostet, das ist nach unserem Geld zirka 1280 bis 1300 XL. Es kommt bei 1000 Tuben ein Super pro fit für das Kartell von 900 XL. Man kann sich berechnen, wieviel das bei dem Millionenbedars von Tuben auSmacht. Dabei sind die Zinnpreise— es wird enasischeS oder holländisches Zinn verwendet— in Deutschland genau so hoch, wie in der Tschechoflowakei. Es wäre an der Zeit, daß das Handelsministerium, das die Bildung der Kartelle selbst so sehr begünstigt, sich die Kalkulation des Zign- tubenkartells näher an sieht. Tatsache ist, daß die Konserven- und Lebenslnittelproduzenten durch diese geradezu an Wucher grenzenden Preis« schwer- geschädigt werden. Es besteht die Frage, ob die Konsumenten di« Superprofite einem Kartell, dadiktatorisch die Preise festsetzt, zahlen müssen und eS wäre höchst an der Zeit, daß diesbezüglich sowohl von den Konsumenten als auch von den Konserven- und Lebensmittelerzeugern energisch beim Handelsministerium eingeschritten werden sollte. Bankett auf dem Friedhof Von Adolf Bolkmann, Belgrad.* Das Auto meines Führers war aus dem Lichtbereich der abendlichen Stadt gerollt und bog links ab in eine sanft ansteigende Straße, an deren beiden Seiten die Häuser immer fleiner und spärlicher wurden. Rach zehn Minuten mittelschneller Fahrt tauchte eine lange Mauer auf, unterbrochen von Gittertoren. Eine schlanke weihe Säule ragte schimmernd in den Mondschein. Der Friedhof. Ich war verblüfft. „Sie hatten mir für heute eine Ueberra- schung versprochen", wandte ich mich an meinen Begleiter. „Gewiß. Ein für Sie ungewöhnliche- Erlebnis. Oder haben Sie schon einmal auf einem Friedhof zu Abend gegessen?" „Nein. Ich wette niemals." „Oh, darum handelt e- sich auch nicht. Sondern um einen religiösen Brauch unserer rechtgläubigen Kirche. Wir ehren die Toten wie anderwärts die Lebenden geehrt werden. Wir geben ihnen Bankette, an denen die Angehörigen teilnehmen; Freunde, Bekannte, Fremde, Eingeladene und solche, die sich selbst einladen." Wir stiegen aus dem Auto und mein Freund führte mich durch die Alleen. Einige Gräber waren frisch aufgebrochen und e- roch nach Erde. Vielfache Reihen von Leichensteinen drängten sich ins Dunkel, einige tauchten ihre glatten Marmorflächen hell ins Mondlicht. Es war eine jener halbsüdlichen Frühlingsnächte, erfüllt von dem eigentümlichen Geräusch einsamer, bepflanzter Strecken. Ununterbrochener nächtlicher Gesang von Gräsern und Insekten, eintönig und surrend wie das Rauschen der Zeit. Für mich hat ein Friedhof nichts Unheimliches, selbst des Nachts nicht. Denn wo prallen auf dieser Erde Leben und Tod, Bestehen und Vergehen nicht aneinander? Immerhin, als Ort für ein nächtliches Picknick... I Da lebe ich nun über ein Jahrzehnt unter Menschen, deren Sprache ich mir zu eigen machte, deren Speisen-ich esse, bin mit ihnen gemeinsam an der Arbeit, fahre mft ihnen in der Tram, sitze mit ihnen in der Oper— und kenne sie noch immer nicht. Der Balkan ist eine andere Welt, getrennt von unserem Europa durch Zeiten und Geister. Nie können wir hinter die Maske« dieser Gesichter, hinter diese Stirnen schauen. Der Osten vertraut seine Geheimnisse nicht. Leute, die aus dem Westen kamen und deren Kinder hier geboren wurden, bleiben von ihnen zeitlebens durch eine Glaswand getrennt. Fleisch und Blut sind die gleichen, doch die Geister gehören zwei verschiedenen Planeten an. Fünf, sechs Tische, einer an den andern gereiht, sind über die Gräber gestellt. Die Querleisten streifen Blumen und Kränze. Auf dem be- liesten Weg stehen Stühle in einer langen Reihe, dann je einer an den beiden Enden, zwischen zwei Gräbern. Auf der Tafel ist alles, was zu einein serbischen Festessen gehört: Gebratene Ferkel in großen Blechen, blaßgelber und wafferhellcr Schnaps in Karaffen, die im Licht von Kerzen und Karbidlampen schimmern, Gebäck, Zigarette4 in offenen Schachteln, Konfitüren und der unvermeidliche Kaffee, brodelnd in schlanken, türkischen Kupferkochern, an denen bläuliche Spiritusflammen lecken. Am Ehrenplatz sitzt eine alte Frau, angetan mit der schwarzen Ätlasjacke der serbischen Matrone, eine kleine schwarzseidene Kappe mit rotem Einsatz in den Weißen Haaren. Mein Begleiter flüstert mir einen Namen zu. Sie ist die Frau eines Ministers, eines Mannes, ans den durch zwei Jahrzehnte sein ganzes Volk geblickt hatte. Sie ehrt ihren verstorbenen Sohn. Der Minister ist nicht zugegen. Er läuft wahrscheinlich gerade mit aufgedrehtem, weißem Schnurrbart und geschultertem Spazierstock die Hauptstraße der Stadt von einem Ende zum andern ab, bin und zurück, zurück und hin. Der alltägliche Spaziergang für di« Gesundheit, von dem ihn, im Egoismus seines Alters nichts mehr abbrinzen kann. Alle seine-früheren Erlebnisse, selbst der dahingegangene Sohn und die für ihn versunkene Politik, sind vergessen. Als letztes Ereignis blieb der abendliche Spaziergang, der hin und wieder noch den Triumph neugieriger Blicke und gezogener Hüte bringt... Keine Geste der Teilnehmer deutet auf eine düstere Feierlichkeit. Das ganze würde anmuten wie ein intime- Gartenfest, wenn nicht die Füße der Tische in die weiche Erde frischer Gräber verankert wären. Keines der Worte, die ich auffange, berührt den Toten. Wahrscheinlich war ihm eine kurze, einleftende Erinnerung gewidmet worden, dann war man auf ein anderes Thema Lberge- gangen.— Die alte Frau mit der Würde eines türkischen Paschas an der Spitze der Tafel nötigt! zum Zugreifen,., Bon der etwa hundert Schritte entfernten Kapelle' her tönt ein dumpfer, sich eigentümlich dehnender Laut. Wie ein müder, nicht enden wollender Schrei. Einige Mädchen flüstern, einige Männer blicken, gleichgültig an ihren Zigaretten saugend, nach der Kapelle. Eine junge Mütter beweint ihr tote» Kind. Ich habe genug gesehen und dränge meinen Freund zum Aufbruch.' „Beruhigen Sie sich", meint er mft einen: halben Lächeln.„Ich wette, daß Sie die junge Mutter hier noch treffen können, bis sie sich müde und hungrig gejammert hat und wenn Sie noch ein wenig Lust zum Warten haben." Ich habe aber keine Lust... Schweigend besteigen wir unser Auto. Nach einer Weile beginnt mein Freund laut zu denken: Gewiß, es sieht ein wenig barbarisch aus, aber wir meinen es gut. Das Volk sagt; Unsere Toten bekommen auch etwas zu essen, nicht nur Blumen und Kränze wie bei den anderen. Man sagt, sie nehmen teil an diesen Mählern und manchmal sieht sie auch einer, einige der Lebenden." WaS sagt er da? „Sie glauben daran?" In meiner fteber- raschung konnte ich die Frage nicht unterdrücke». Mein Begleitter zögerte und überwand ein« kurze Verlegenheit:„Ich weiß nicht. Ich habe noch keinen Verstorbenen wiedergesehen, aber glauben Sie mir, eS liegen oft tiefe Wahrheiten in den Worten des Volkes. Und warum sollten auch nicht zuweilen die Schatten sichtbar werden, die aus der Leere auf uns fallen und deren Gegenwart wir alle in s>en Augenblicken fühlen, da unsere Seelen dem Außerirdischen empfänglich sind..." Seite 6 „Sozialdemokrat" Freitag, II. Oktober 1835. Nr 237 Jraqer feitunq Vertreter aller Konfesiionen verurteile« einmütig die Barbarei d«S HitlrrismuS Mittwoch abends fand im Saal der Prager Produktenbörse eine vom„Verband der tschechischen Juden(Svaz Eechu-Zidu) in der Tschechoslowakischen Republik veranstaltete öffentliche Manifestationskundgebung statt mit dem Thema: „DieRassengesetze und die Demokra- t i e". Was dieser Kundgebung ein besonderes Gepräge verlieh, war der Umstand, das; an ihr hervorragende Vertreter verschiedener christlicher Glaubensbekenntnisse teilnahmen und in teilweise sehr tem- peramenwollen Ausführungen ihre absolute Ablehnung der nazistischen Barbarei zum Ausdruck brachten. den sie vom Standpunkt der religiösen Ethik aufs schärfste verurteilten. Neben dem Prämonstra- tenser Prof. Dr. Sylvester B r a i t o aus Olmütz, als Eponenten des Katholizismus, sprachen Vertreter des jüdischen Glaubensbekenntnisses(Rab- biner JBr. Richard Feder aus Kolin), für die tschechische Brüdergemeinde Prof Dr. I.L. Hromädka, für die tschechoslowakische Kirche Dr. Karl Kovät. Die Redner betonten einmütig die Ablehnung des Hitlerismus, der sich in den berüchtigten„Räffengesetzen" des Nürnberger„Reichstages" in seiner abschreckendsten Art geöffenbart hat., wobei immer wieder darauf verwiesen würde, daß der Geist, der hier in Erscheinung tritt, nicht nur im schärfsten Gegensatz zu i e d e r religiösen Sittlichkeit steht, sondern nicht minder auch mit den Grundsätzen der Demokratie und den Idealen der Humanität. Als weiterer Referent sprach Dr. Alfred Fuchs, einer der führenden katholischen Literaten und Dr. Otto Stroß, die die Kulturwidrigkeit und die jeder Menschlichkeit hohnsprechende hakenkreuz- lerische Ideologie entsprechend kritisierten. Dann folgt« eine Reihe weiterer Redner, unt- ihnen Ge- stoffe Klein und Genossin Karpiskovä. Der würdig verlaufenen Versammlung waren zahlreiche Begrüßungsschreiben zugeaangen. Die Versammlung beschloß unter einmütigem Beifall die Absendung eines Begrüßungstelegrammez an Präsidenten Masarhk und eines Telegramrnes an das Völkerbundsekretariat in Gens, in welchem darauf verwiesen-wird, daß der Völkerbuudgedanke nur dann zur Wirklichkeit werden kann, wenn auch im Innern der europäischen Staaten der Grundsatz der Gleichheit sich durchgesetzt haben wird.' rb. Obduktion im Bkevnover Mord In der Mordsache Brukner fand gestern nachmittags die gerichtliche Obduktion der beiden Frauenleichen statt, die ,Äber keine besonderen Ergebnisse zu Tage förderte. An Einzelheiten stunde festgestellt, daß Brukner in der Nacht auf Mittwoch eine Prostituierte in seiner Wohnung hatte, der nur die große Unordnung, aber nicht der VertvdsÜilgSgetuch dir schön vier TagL älikn Leichen mrfftel. Ferner hat Brukner sein Geständnis über den Mord an seiner Mutter, die er früher aus„Kindesliebe" erwürgt haben wollte, damit sie nicht erleben müsse, daß ihr Sohn ein Mörder sei, insofern geändert, als er angibt, sie sei von ihrem allmorgendlichen Ausgang— sie fütterte den Hund einer Bekannten in der Nachbarschaft— früher als gewöhnlich zurückgekom- men und habe also noch die Leiche ihrer Schwiegertochter gesehen, ehe Brukner sie hatte im Kasten verstaue-l können. Bei diesem Anblick habe sie ihm zugerufen, daß er am Galgen enden werde, und in dem hierüber entstandenen Streit habe er sie getötet. Bom Strom in den Hof geschleudert. Gestern vormittags arbeitete der 28jährige Dachdeckergehilfe Wenzel Cynädr auf dem Dache des Stalles der Wrschowitzer Kaserne. Hiebei berührte er die elektrische Hochspannungsleitung in der Meinung es sei die Telephonleitung, wurde vom elektrischen Strom erfaßt und stürzte etwa zehn Meter tief in sten Hof. Er wurde sofort auf die Klinik Schlaffer gebracht, wo ein Bruch des rechten Fußes, Ritzwunden am Kopf und verschiedene Hautabschürfungen festgestellt wurden. JCuast und Mssen. „Artisten" offenbaren Theaterprobleme Dem Prager Deutschen Theater geht's nicht sehr gut; weder Oper noch Sprechstück haben Kasten-Erfolge; im großen wie im kleinen Haus gibt es fast allabendlich bedenklich viel leere Sitze. Unter diesen Umständen soll man es verstehen, wenn die Direktion auf nicht gerade künstlerischen Weoen Geld hereinzubringen'sucht, damit davon dann die wirkliche Kunst weiterleben könne. Aber es scheint sich zu zeigen, daß auch solche Irrwege nichts helfen. Mit dem Aufwand des ganzen Apparats, auf der Drehbühne, mit allem Chor und Ballett als Komparserie, ja unter Zuhilfenahme glanzvoller Bariete-Nummern hat das Theater jetzt Watters' und Hopkins„A r t i st e»"-Schmarren herausgebracht, ein handlungsarmes, handlungsdummes Stück,-mit verlogener Milieu-Schilderung, läppischen Episoden, einer unsäglich banalen, stellenweise ordinären Prosa; dieses Weniger als Nichts wurde mit allen erdenklichen äußeren„Reizen" ausgestattet, das Publikum wurde nach Möglichkeit auf die bevorstehende Sensation vorbereitet; es kam zur Premiere in stattlichen Scharen— aber der Erfolg am Abend blieb aus und vermutlich. wird sich der erhoffte größere Kaffenertrag auch bei Wiederholungen nicht einftellen.(Es sei denn, daß der Bewunderer im„Prager Tagblatt" es zustandebringt, die Menschen für die„Artisten" zu begeistern.) Nach unserem Eindruck aber hat das Theater sein Wettspiel gegen das Variete auf eigenem Platz 0:5 verloren und es ist mehr als fraglich, ob mit einem famosen Zauberer, einer rassigen Tänzerin und brillanten Parterre-Akrobaten auf dieser Bühne das Geschäft gemacht werden kann, das der Kunst aus eigenem nicht gelingt. Und dabei nehmen wir es Herrn Götz nicht übel, daß er in der„Charakterrolle" eines Clown ziemlich versagte, kreiden es Herrn Dudek nicht an, daß sein Humor diesmal nicht durchdrang und möchten sogar tolerieren, daß Frau Lotte Stein"■* persönlich herabwürdigte, um dem Niveau solchen Theaters gerecht zu werden. Schade um die rührende, schauspielerisch durchblutete Gestalt, die Frau Carpentier beisteuerte schade um die Noblesse des Herrn Padlesak, um die wie immer auffallende künstlerische Seriosität der Warnholtz. Sie alle vermochten las Schemenhafte des gan-en Abends nicht zu überwinden. Und die szenischen Bemühungen M a r l i 3, die schönen Bilder Kotuläns konnten kaum für Minuten über den absoluten geistigen und theatermäßigen Leerlauf hinwegtäuschen. So also geht es nicht. Wie denn? Von. anderer und von unserer Seite wurden wiederholt Vor- Der Dim Der Niedergang des Films im Dritten Reich Die„Frankfurter Zeitung" hat einen Bericht über die Läge der reichsdeutschen Filmindustrie veröffentlicht, der mit einer für die gleichgeschaltete Presse ungewöhnlichen Offenheit auf die Mißerfolge des Goebbels-Films hinweist. In der letzten Spielzeit sind, nach diesem Bericht, nur noch 104 Filme in Deutschland hergeftellt worden, womit die deutsche Filmproduktion ihren bisher tiefsten Stand erreicht hat. Die Gründe dafür seien weniger in der wirtschaftlichen Lage als in der„personellen und organisatorischen Umstellung", also in der Gleichschaltung der deutschen Filmindustrie zu suchen. Die Aafa- Filmgesellschaft ist infolge dieser Umstellung Ende vorigen Jahres zusammengebrochen, und die„Terra" ist nur mit großen Schwierigkeiten vor demselben Schicksal bewahrt worden. Es fehlen dem deutschen Film, wie die„Frankfurter Zeitung" feststellt, vor allem gute Drehbuchautoren und Regisseure, aber es ist auch ein fühlbarer Mangel an zugkräftigen Schauspielern eingetreten, da es nicht gelungen ist, die durch die„Umstellung" Ausgeschiedenen zu ersetzen. Auch das„erhöhte Zensur-Risiko" habe viel zum Rückgang der Filmproduktion in Deutschland beigetragen. Sehr bezeichnend ist, daß dieselbe „Frankfurter Zeitung", die den Niedergang des schlage gemacht. Hochaktuell scheint der eine zu sein, daß man die enorme Kraft, die an Artisten vertan wird, der Pflege der Kunst im Ensemble widme; daß man Reprisen guter Aufführungen nicht zu kurz kommen lasse, indem man das Auge auf Sensationen gerichtet hält. Und daß man an wirklicher Kunst allen Publikumssektoren gerecht werde, jedem etwas bringe, damit bald das Soziale und Demokratische, bald das Nationale, bald das Religiöse im Menschen durch das Theater befriedigt werde. Wirkliche Kunst werden alle respektieren müffen; Kitsch lehnen alle Ehrlichen ab. Es mag Schwierigkeiten geben, die auch der Kritiker oft nicht oder nur nebenbei erfahren kann. Man steuere auch dem, indem man sich mit der gesamten Preffe(was wir wiederholt vergeblich rieten) auseinandersetze, etwa auch vor dem breiten Publikum, wie dies jetzt neuerdings ein Rezenszent empfiehlt. Es soll ja sogar schon absolute Herrscher gegeben haben, die bei Zeiten auch auf andere zu hören begannen! L. G. Tas neue Abonnement. Gute Plätze aller Ka- tegorien noch vorhanden! Galeriesitz ab 8.60 XL, Parkettsitz ab 15.70 XL. Der fünfprozentige Nachlaß bei Barzahlung gilt nur bis 15. Oktober! Spieltzlan des Renen Deutschen Theaters. Freitag halb 8: A r t i st e n, D 2.— Samstag 7 Uhr: Tannhäuser, B 2.— Spirlplan der Kleinen Bühne. Heute, Freitag halb 8: Maria Magdalena, Theatergemeinde des Kulturverbandes und freier Verkauf.— Samstag 8: I ch kenne Dich nicht mehr.—. Films im Dritten Reich so offen zugibt, zwei Tag« später in ihrem Berliner Bericht für den Verfall des Buchhandels in der Reichshmiptstadt— die Konkurrenz des Kinos verantwortlich macht. -Spiet■Jföqwpffege Die Vorarbeiten zur III. Arbeiter-Olympiade in Antwerpen 1937 Die belgische» Genoffen in Aktivität Das Büro der Arbeiter-Turn- und Sportzentrale in Belgien hat im Laufe seiner letzten Sitzung— wie uns aus Brüssel berichtet wird— einen Teil der Entwürfe zur Organisierung der III. Arbeiter-Olympiade, welche 1 937 in Antwerpen stattfinden wird, behandell. Es versteht sich, daß die technischen Fragen von dem Moment an geregelt werden, als die Berichte der SASJ zugegangen sein werden, inzwischen wird die im November nach Prag einberufene Länderkonferenz diesen Teil der organisatorischen Arbeiten durchberaten... - In Antwerpen fand bereits eine allgemeine Zusammenkunft aller dortigen sozia- listischen Organisationen und jene der benachbarten Gemeinden statt, um die Schaffung von besonderen Kommissionen in die Wege zu leiten, die sich mit der Bequartierung der zahlreichen Teilnehmer, der Verpfl.qung, der Propaganda, der Preffe sowie der Organisation des Festes und des Festzuges beschäftigen sollen. Alle diese Kommissionen werden eine rege Tätigkeit entfallen und es ist nicht zu zeitig, um nach dem Rechten zu sehen. Dem Ehrenausschuß der Olympiade werden in erster Linie angehören die Führer der sozialist i s ch e n Partei und die Bürgermeister von Antwerpen und den Vorstädten. Man weiß, daß der große Seehafen Antwerpen eine„rote" Stadt und daß sein Bürgermeister der Genoffe S. H n y s m a n s ist., Die Vorkehrungen für die Schaffung einer nationalen Lotterie zugunsten der Olympiade stehen vor dem Abschluß. Alle belgischen Arbeitersportler werden eine Probe der Ergebenheit abzugeben haben, indem sie so rasch als möglich die ausgegebene Million Lose zu einen Franken verkaufen werden. Es ist gewiß, daß die Sektionen Freitag, den 11. d. M., um 8 Uhr abends im Hotel„M onopol" Bortrag des Genoffen Dr. Egon S ch w e l b über das Thema „Sozialpolitik der Stadt Prag" Anschließend Debatte. Wir bitten alle Mllglieder, diesen Bortrag zu besuchen. Das Bezirksfranenkomitee Prag. freie Vereinigung sozialistischer Akademiker Ordentliche Generalversammlung am Donnerstag, dem 17. Oktober 1935, nm %2O Uhr im Klubzänmer des Gewerkschaftshauses, Prag I., Perithn 11, I. Stock. Am 15. d. M. beteiligen wir«ns alle an doe Parteiversammlung im Gewerkschaftshaus. der SASJ und alle befreundeten nationalen Bern bände bei diesem Verkauf mitarbeiten werden. Schließlich wurde das Exekutivkomitee der III. Arbeiter-Olympiade in folgender Weise zusammengesetzt: Präsident: Jean Nobels, Vizepräsident: Louis Lalemand, Generalseketär: Pierre G r a n d r y, technische Leitung: Jules Dev« lieg er, Finanzkommission: Paul Demeester, Hilfssekretär: Henri Genesse. Das Büro hat gleichzeitig die Ergebniffe der sportlichen Meetings, welche mit den rusfischen Sportlern organisiert wurden, zur Kenntnis genommen. Finanziell ist das Ergebnis befriedigend, nachdem alle Spesen gedeckt wurden; aber was wichtiger ist, ist das moralische Ergebnis, welches verzeichnet werden konnte. Jeder hat es als wirklich wichtig anerkannt, und im Büro besteht die Absicht, diese Demonstrationen mit den russischen Sportlern in größerer Zahl in den Hauptzentren des Landes zu wiederholen. Französischer Arbeiter-Radsport. Am vergangenen Sonntag fand bei Paris ein Arbeiter-Radrennen um den„Großen Preis" der„Freunde des Arbeitersports" statt. Das Rennen stand unter der Patronanz von Arbeiter-Zeitungen, besonders des „Populaire", und Genoffenschaftsorganisationen. Es starteten acht Mannschaften zu je fünf Fahrern; die Strecke war 138 Kilometer lang und die Sieger fuhren mit einer Stundengeschwindigkeit von 38.215 Kilometer. Sieger wurde die Mannschaft der Genoffenschall der Zeitungsausträger in 10:49:50 Std, vor der Mannschaft„Regarts" in 10:57:40, der Mannschaft„Humanste" 11:24:16, Genosienschafts« mannschast Les Sports" 11:28:15, Mannschaft„Fä- mille Noubelle" 11:29:53, Mannschaft„Populaire" 11:39:14, Mannschaft,„Avant Garde" 11:57:39 und der Mannschaft„Sport" in 12:12:12 Std. Mitteilungen aus dem Publikum Massiere Dich täglich; verkühl' Dich nie! DaS ist einmal ein Schlagsatz, dessen Beherzigung nicht genug empfohlen sein kann. Und er ist so leicht zu befolgen: Ein paar Tropfen des Alpa-Franzbrannt- J weinS in die hohle Hand und dann fest den Körper damit eingerieben; erst ist es angenehm frisch, dann| wohlig warm und vor allem: der Körper ist gefeit^ gegen Verkühlung und Folgekrankheiten! Das sagt. auch der Arzt! Städteregnlierungon— eine Arbeit der Zukunft- Die moderne Städteregulierung erfordert zwar vielfach bedeutende Aufwände, die jedoch durch die Vorteile, die sie allen weiteren Generationen gewähren, vollauf ausgewogen werden. Eine gewisse Großzügigkeit zahlt sich dabei immer aus, sobald sie der voraussichtlichen Entwicklung Rechnung trägt. Vielleicht die größten urbanistischen Umformungen aller tschechoslowakischen Städte erwartet in den nächsten Jahren Zlin, das eine hefstge Umbildung von einer Stadt mit dreitausend Einwohnern zu einer vielfach größeren Stadt gerade durchzumachen hat. In dein alten Teil der Stadt Zlin müffen ganze Häuserblocks vmgeriffen werden, um dem doppelt so großem Masarykplatz Raum zu geben und im neuen Teil der Stadt soll der Platz der Arbeit erweitert werden, zu welchem Zweck drei große Gebäude(Kino, Markthalle und Sozialinstitut), die erst vor einigen Jahren erbaut wurden, verlegt werden müssen. Der Platz der Arbeit wird dadurch zu einem Platz von 250 mal 185 Meter Seitenlangen und mit ungefähr 38.009 Quadratmetern so groß wie der Wenzelsplatz in Prag. Zlin unternimmt die großen Aenderungen Nuk dazu, um durch den Bau eines gesellschaftlichen Mtttelpunktes der Bevölkerung Zlins und des Zlinel Bezirkes möglichst viel Zeit zu ersparen. Nm den üeuen»Platz der Arbeit werden nämlich die Verwaltungsgebäude der Bakawerke, das Kaufhaus und die Speisehallen, das Gesellschaftshaus und Hotelil das neue Kino, ein neues Theater und nicht zuleW auch ein mächtiger Komplex der AmtSgebäude, in welchen die Stadt- und Bezirksämter zu liegen kommen, aufgeführt werden. Durch diese neue Ann ordnung des Platzes der Arbeit werden auch die tor der Bakawerke beseitigt werden. Rat und Belehrung finden unsere Gemeindevertreter in reichem Matze in der „Freien Gemeinde** Redaktion und Verwaltung. Prag XII., Fochova 62/V. Urania-Kino, Kllmentslrä 4. Fernsprecher 61623, „Vielleicht bist Du das grosse Glück“ Adele Sarrdrock, Harald Paulsen. Georg Alexander und andere Stars. B«bedtnaungen: Bei Zuiwlluna tnS Saus oder be, Bezug durch die Poft monatlich XL 16.—. vierteljährig XL 48.—. halbjährig XL 96.—. ganzjährig XL 192.—.— Inserate werden laut Tarrf billigst berechnet. Bei öfteren Einschaltungen Preisnachlaß.— Rückstellung t>on Manuskripten erfolgt nur bei Einsendung der Retourmarken.— Die ZeitunaSfrankatur wurde von da Poft- und Tcle- «raphendirektion mit Erlab Nr. I3.800/VIH1930 bewilligt.— Druckerei:^LrbiS". Druck«. Verlags« und Sestungs-A.-G, Prag. Deutsche sozialdemokratische Bezirksorganisation Prag Dienstag, den 15. Oktober 1935, im grossen Saal des Gewerkschaftshauses, Prag I., Perstyn 11, pünttlich 8 Uhr abends Parteimitgliederversammlung Tagesordnung r Die englische Antzenpolitik und die Labonr-Party Referent Genoffe Karl Deutsch.- Genoffe Deutsch, welcher längere Zeit in England geweilt hat, hatte Gelegenheit, die englische Politik im allgemeinen, die Politik der Arbeiterpartei im besonderen aus der Nähe zn beobachten. Infolge des italienisch-abeffinischen Konstiktes hat sein Referat besondere Aktualität und wir erwarten daher zahlreichen Besuch. Die BezirkSvertretung.