1ENTRALORGAN DER DEUTSCHEN SOZIALDEMOKRATISCHEN ARBEITERPARTEI IN DER TSCHECHOSLOWAKISCHEN REPUBLIK ERSCHEINT MIT AUSNAHME DES MONTAG TÄGLICH FRÜH. Redaktion und Verwaltung präg xn„ fochova 62. Telefon 53077. HERAUSGEBER; SIEGFRIED TAUB. CHEFREDAKTEUR: WILHELM NIESSNER. VERANTWORTLICHER REDAKTEUR: DR. EMIL STRAUSS, PRAG. EhaifynuTOlWtor («intchnefilich 5 H«ll»r Port»} 15. Jahrgang Mittwoch, 16. Oktober 1935 Nr. 241 Vie Internationale und die Einheit der Arbeiterklasse Die Resolution der Brüsseler Tagung In Verbindung mit einer gemeinsamen Konferenz mit dem Vorstand des Internationalen Gewerkschafts-Bundes hat am 11. und 12. Oktober in Brüssel eine Sitzung der Exekutive der Sozialistischen Arbeiter-Internationale stattgefunden. Den Vorsitz führte L. de B r o u ck e r e, vertreten waren die meisten der der Internationale angehörenden Länder, darunter die sozialdemokratischen Parteien der Tschechoslowakei durch die Genossen S o u kup, Stivin und Schäfer. Die Exekutive prüfte zuerst die Fragen, welche den Gegenstand der gemeinsamen Beratungen mit dem Internationalen Gewerkschaftsbund bilden sollten. Aus der Debatte ging hervor, daß alle Anwesenden darin eiyig waren, zu verlangen, daß der Völkerbund so rasch als möglich geeignete Sanktionen ergreife, um in Afrika den Frieden herzustellen. Die beiden anderen Punkte der Tagesordnung,„Aktion gegen den Krieg" und Telegramni Protektorat über die Randgebiete? Abessinischer Hafen für Italien unannehmbar 91 o m. In den zuständigen italienischen Kreisen ist man der Ansicht» daß ein Vorschlag, der die Konflikte zwischen Inner-Abessinien und den Randprovinzen berücksichtigt, die unter italienische Oberhoheit gestellt würden, eine annehmbare Diskussionsgrundlage bilden können. Es besteht jedoch die Befürchtung, daß England an dem Vorschläge Edens, der Abessinien den Zutritt zum Meere verschaffen will, festhalten werde. In diesem Falle wären die Aus- Addis Abeba. Die Mobilisierung der abessinischen Armeen ist beendet. Große Truppenkontingente haben die ihnen vorgeschriebenen Stellungen bezogen und werden in die schon bestehenden Frontformationen einge- gliedert. Sämtliche Vorbereitungen für den abessinischen Gegenangriff, bzw. Angriff sind getroffen. Der abessinische Angriff wird wahrscheinlich zu Beginn der nächsten Woche erfolgen. Der abessinische Kaiser soll die Absicht-haben, binnen kurzem sich persönlich an die Spitze der Armee im Gebiet von Ogaden zu stellen. Diese Armee soll jetzt-schon.gegen 160.000 Mann Zählen. In der Umgebung von Addis Abeba lieber Kommunistischen Internationale wurden gemeinsam behandelt. Nach einer längeren Diskussion wurde folgende Resolution angenommen: „In der gemeinsamen Konferenz vom 12. Oktober hat die Exekutive der Sozialistischen Arbeiter- Internationale in voller Uebereinstimmung mit dem Internationalen Gewerkschaftsbund eine Reihe von Maßnahmen beschlossen, die dahin zielen, mit Erfolg gegen den Angriff des italienischen FaseiSmnS in Abessinien und gegen die Kriegsgefahr in Europa zu kämpfen. Tas Sekretariat der S.A.J. wird beauftragt, über die Ergebnisse der gemeinsamen Konferenz mit dem J.G.B. die Kommunistische Internationale zu unterrichten- Was die Einladung der Kommnnistischen Internationale z» einer Zusammenkunft mit vier von ihr bestimmten Delegierten betrifft, haben die sozialistischen Parteien Großbritanniens, der Niederlande, Schwedens, Dänemarks und der Tschcchoflo- sichten auf eine Einigung erheblich in die Ferne gerückt. London verhandelt nur via Genf London, s Neu ter.) An britischen amtlichen Stellen ist über irgendwelche Friedensvov- schläge weder seitens Mussolinis noch seitens Lavals etwas bekannt. Soweit in London bekannt ist, wurde kein derartiger Vorschlag gemacht, noch ein solcher gefordert. Die Unterredung Lavals mit dem britischen Botschafter, die am Montag in Paris stattfand, galt nur verschiedenen Fragen der gegenwärtigen Lage. Man betont, daß jeder Friedensvorschlag dem Völkerbund unterbreitet werden müsse. gen etwa 50.000 Mann in Zeltlagern als zweite Reserve. Die italienische Armee geht an der Ogaden- Front in einer Breite von 50 Kilometern vor und hat außer zahlreichen Flugzeugen 250 Tanks in der Vorhut. Ein Teil dieser Armee im Gebiete von Ual-llal soll die Aufgabe erhalten haben, sich nach Norden in der Richtung gegenBriti sch- Somali vorzuschieben, um dort dir Karawan- nen ans den britischen Kolonien, die an Abessinien Waffen und Munition liefern sollten, abzufangen. An der Ogaden-Front sind italienische Flugzeuge zwischen den Städten Adola und Buto ununterbrochen in Tätigkeit. Ein italienischer Bericht besagt, daß die Italiener diese Dörfer nicht bombardieren, sondern sie nur mit Flugzetteln,, in welchen die italienische Zivilisation gerühmt wird, bewerfen. Dem gegenüber erklä- wakischen Republik sich dahin entschieden, daß sie nicht die Annahme dieser Einladung billige« können und daß einesteils wegen der Zusammensetzung der Vertretung der Kommunistischen Internationale und andererseits, weil sie jede gemeinsame Aktion mit der kommunistischen Partei ihres Landes und jede gemeinsame Aktion der beiden Internationalen ablehnen. Da die Exekutive der S.A.J. Rücksicht nehmen maß auf die Meinung dieser großen Parteien der Arbeiterklasse, kann sie die Einladung der Kommunistischen Internationale nicht annehmen. Aber die Exekutive der S.A.J. will alle ihre Kräfte einsetzen, damit alle wirksamen Aktionen gegen den Krieg und gegen die Hetzer deS fascistischen Krieges konzentriert werden. Deswegen hält sie es für selbstverständlich, daß der Präsident und sein Sekretär das Recht haben, in Ausübung ihrer Funktionen informative Zusammenkünfte, welche sie für nützlich erachten, mit den Personen und Repräsentanten der Organisationen der internationalen Arbeiterklasse und anderer Organisationen, welche eine Aktion gegen den Krieg führen, zu haben. Da aber die Entscheidung der Exekutive der S.A.J. vom 17. November 1834 Geltung hat, welche Entscheidung allen angeschlossenen Parteien die Freiheit gibt, selbst zu entscheiden, ob sie eine gemeinsame Aktion mit der kommunistischen Partei ihres Landes unternehmen»der nicht, ist es offenbar, daß, für-die obengenannten Parteien nicht die Verpflichtung besteht, gemeinsame Aktionen mit der kom- mnnistischen Partei ihrer Länder zu unternehmen." ren die englischen Kriegsberichterstatter, daß die Gesamtverluste an dieser Front 10.000 Personen betragen. Die Italiener sollen 350 Bomben aus Flugzeugen abgeworfen haben. Einer anderen Meldung zufolge sollen auch Giftgase angewendet worden sein. Vsmpker gestoppt* Dschibuti.(Stefan!.) Der italienische Torpedobootzerstörer„T u r b i l l o" hielt i n den französischen Gewässern einen Dampfer mit einer Maschinengewehrladung für die abessinische Armee an. Fluszeus über der Eisenbahn Addis Abeba. Ein italienisches Beobach- tugsflugzeug überflog die Eisenbahnlinie nach Addis Abeba bei der Station Errer, ohne Bomben abzuwerfen. Zwei weitere Flieger warfen Bomben über Ambaalaja, das südlich von Makale fast 200 Kilometer tief in abessinischem Gebiete liegt, ab, ohne Schaden anzurichten. Paris. Die Abendblätter melden aus Dschibuti, daß abessinische Abteilungen nördlich von Französisch-Somaliland in Italienisch Eritrea eingedrungen sind. Eine Abteilung italienischer Truppen, die mehrere tausend Mann zählt und die bereits vom Berg Muffa Ali auf abessinisches Gebiet vorgedrungen war, sei dadurch in der Wüste von der übrigen Armee abgeschnitten. Die abessinischen Abteilungen sollen den Fluß M a r e b überschritten haben und nunmehr in der Richtung gegen Berentona ziehen. Sie werden von eritreischen Flüchtlingen geführt. Nach Harrar und Diredaua sollen zahlreiche abessinische Soldaten gebracht worden sein, die größtenteils gasvergiftet waren. Die Italiener melden, daß in G o d j a m ein gegen den dortigen Gouverneur gerichteter Aufstand ausgebrochen sei. Ueberläufer behaupten, daß die Aufständischen in Godjam die Hilfe Italiens erwarten, um sich an Ras Hailu rächen zu können. Godscham liegt südlich des bekannten Tanasees. Auch Aksum besetzt Rom. Amtlich wird gemeldet, daß die italienischen- Truppen Dienstag früh Aksum besetzt haben. Der Kriegsberichterstatter des„Echo de Paris" meldet, der Kaiser von Abessinien habe geweint,"als er von der Uebergabe der heiligen Stadt Aksum in Kenntnis gesetzt wurde. Er ließ, sodann den kirchlichen Hauptvorstand Abuna zu sich rufen und befahl ihm, d e n„h e i- li e n Kr ie g" z u erklären und eine möglichst große Armee zu konzentrieren, um sich wiederum der Stadt zu bemächtigen. Abuna soll diesbezügliche Aufrufe im ganzen Lande versandt haben. Späte Einkehr, halbe Einkehr... Die Schwenkung der Christlichsozialen vom Selbstmord zur Politik Der christlichsoziale Parteitag hat das überreife Führerproblem dieser Partei aufgerollt. Ob er, es gelöst hat, als er den Altadeligen Stolberg I an Stelle Hilgenreiners zum Partei-Obmann | wählte, bleibt abzuwarten. Immerhin scheint der Personenwechsel der Anfang eines Richtungswechsels zu sein, der für die Christlichsozialen freilich eine Lebensfrage geworden ist. Denn ihre bisherige Politik war die des bewußten Selbstmordes^ Dckß unter der neuen Führung versucht wird, einen neuen Kurs zu steuern, ging schon aus einem Artikel der„Deutschen Presse" vom Sonntag hervor, in dem das katholische Blatt zum erstenmal sehr entschieden gegen das hitle- rische Neuheidentum Stellung nimmt. Deutlicher wird die beabsichtigte Schwenkung aus einer Rede, die der Abgeordnete Dr. Mayr-Har- t i n g Sonntag auf dem Kreisparteitag der Christlichsozialen in Karlsbad gehalten hat. Mayr-Harting geht von der Niederlage am 18. Mai aus, die er ohne Vorbehalte zugibt und auf eine Reihe von Fehlern und Mängeln der christlichsozialen Politik zurückführt. Er spricht von einem Mangels an Organisation, erhebt gegen die Kirche den Vorwurf, die Partei nicht genügend unterstützt zu haben, und nennt endlich die Skrupellosigkeit der Agitation Henleins, dazu auch die neuen Formen dieser Propaganda als Ursachen der christuchsozialen Niederlage. Dann wandte sich Mayr-Harting der Politik seiner Partei zu und sagte über die wichtigste und durch die Praxis vielfach bereits verneinte Frage einer politischen Selbständigkeit der Christlichsozialen u. a. folgendes: Was soll werden? Wir wollen unabhängig und selbständig bleiben, das hat bereits der Reichsparteitag gesagt. Ich möchte sagen: wir müssen selbständig bleiben aus kulturellen, sozialen und nationalen Gründen. Mit dem Sturz des Zentrumsturmes in Deutschland hat auch das Leiden.des Katholizismus in Deutschland begonnen. Die Christlichsoziale Volkspartei ist auch das Gegengewicht gegen die so- zialeReaktion- Der christliche Sozialismus ist aber auch ein Gegengewicht gegen einen marxistischen Linksblock. Unentbehrlich sind wir auch als nationale Partei. Denn ruhige Ueberlegung bringt zur Ueberzeu- gung, daß eine sudeiendeutsche Einheitspartei unserem Volke kein Heil bringen könnte. Daß eine Parteimehrheit bisher keine bemerkenswerten Erfolge erringen konnte, bedeutet noch nicht, daß eine Einheitspartei mehr Erfolge erringen würde. Das ist mindestens eine halbe Erkenntnis. Der alte Fluch christlichsozialer Politik, daß sie doch immer wieder mit dem Antimarxis- m u s kokettiert, daß ihr die Bildung eines anti- marxistjschen Rechtsblocks ebensosehr am Herzen liegt- wie auf der andern Seite eine gewisse Selbständigkeit gegenüber der Reaktion, die auch ihre Gefolgschaft und— wie jetzt in Deutschland— die Gewissensfreiheit der Katholiken wie der Mar- xisten.bedroht, djxse alte Halbheit findet sich allerdings auch in Mahr-Hartings Formulierung. Das Gegengewicht gegen den maristischen Linksblock haben die katholischen Parteien in der Tschechoslowakei sicher oft gebildet, indem sie sich, am deutlichsten 1826-29, bedingungslos der Rechten verschrieben, aber diese Politik hat den Volks- massen und sie hat den katholischen Parteien nur Schaden gebracht. Sie hat ihnen die Handlungsfreiheit beschränkt und heute liegt es klar zutage, daß die katholischen Parteien in einem schweren Selbstbehauptungskampf stehen, in dem sie nicht wie früher jederzeit frei für links oder für rechts optieren können. Wollen die Christlichsozialen sich des Totalitätsanspruchs der Henleinpartei erwehren, dann bleibt ihnen nur übrig, das zu tun, was die bewußt katholischen und katholisch-aktiven Kräfte Deutschlands bereits getan haben r auf die einst vorteilhafte„Zentrumsstellung", die Politik der zwei Eisen im Feller, zu verzichten Iund sich eindeutig auf die Seite der vomKapitalismusundFascismus unterdrückten und ausgebeute.ten Massen zu stellen, die weltanschauliche Entscheidung aber, die zwischen der Linken und dem Letzte Vermittlungsaktion Mussolini soll neue Vorschläge machen Lavals Paris. Die wichtigen Unterredungen, welche Ministerpräsident Laval Montag abends mit dem päpstlichen Nuntius und mit dem italienische» sowie dem englischen Botschafter hatte, betrafen einerseits die Geltendmachung der Sanktionen, andererseits dieneurnFriedens- bemühnngen Lavals. Dieser soll in den britischen Botschafter gedrungen haben, daß die britische Regierung die anti-italienischen Sanktionen zumindest im Anfang in schwacher Weise durchführe, während er von dem italienischen Botschafter verlangte, daß Mussolini Vorschläge zur Einstellung der Feindseligkeiten mache, welche England und Frankreich ernstlich in Erwägung ziehen könnten. „L'Oeuvre" bemerkt, daß in der Umgebung Lavals nicht verhehlt wird, daß das Scheitern dieser letzten friedlichen Bemühungen Lavals zur Folge hätte, daß Frankreich sich für eine unverzügliche und sehr strenge Durchführung der Sanktionen einsetzen würde. Die nächsten Tage werden demnach entscheidend sein. Abessinien kündigt Offensive an Vie Mobilmachung der Armee beendet Seite 2 Mittwoch, 16. Oktober 1935 9h. 241 Katholizismus als offene Frage bleibt, eben zu vertagen. Auch gegen Henlein wird es anders nicht gehen. Neber die Fehlerhaftigkeit der Taktik der Henleinbewegung und daniit auch über die Irr« tümer Hilgenreiners sagt Mahr-Harting sehr richtig: Gewiß sind allzuviel Parteien nicht von Nutzen. Es würde Imseren Verhältnissen voll entsprechen, wenn wir drei weltanschaulich gegliederte Parteien hätten: eine konservative, eine liberale und eine sozialistische. Aber eine Partei— das ist zu wenig auch auSnationalenGründen. Eine deutsche Einheitspartei kann nur entweder in der Regierung oder in der Opposition stehen. Die SdP ist, glaube ich, noch lange Zeit zur Opposition verurteilt. L i n i t Moska u—P r a g—P aris gesucht Werden muß, an die Wien den Anschluß finden müßte. Nach einem, die gefährliche Halbheit seiner Entschlüsse kennzeichnenden und in seinem Munde doppelt anrüchigen Ausfall gegen die deutschen Regierungsparteien kommt Mayr-Harting am Schlüsse nochmals auf die Abgrenzung gegen die SdP, auf die Gefahr jeder Gleichschaltung zurück. Die Rede Mahr-Hartings könnte, obwohl sie auffallenderweise nicht die Rede des neuen Par teiführers.ist, einen Anfang zur Umkehr darstellen, aber wir dürfen nicht verkennen, daß sie eben ein Anfang ist und alle Gefahren eines halben Entschlusses birgt. Was die Christlichsozialen im Ringen um ihre Selbständigkeit noch retten könnte, ist keine schwankende Politik der Mitte, sondern der zielbewußt einsehende Einfrontenkrieg gegen den Fascismus, zu dem es ihnen vorderhand noch immer an dem nötigen. Mut, aber wohl auch an der nötigen Erkenntnis fehlt. Ansfukheradsetrung grunclsStrllch genehmigt Prag. Amtlich wird gemeldet: Dienstag nachmittags fand im Finanzministerium eine Beratung des Komitees der politischen und Wirt- schaftSminister mit den Vertretern der koalierten Parteien statt. Der Finanzminister erstattete einen detaillierten Bericht über die B o r b e r e i- tungen zur Milderung derZinse n l a st sowohl im privaten Geldwesen, als auch in den öffentlichen Finanzen. Die Prinzipien, auf denen die bisherigen Verhandlungen vor sich gehen, die sich ihrem Ende nähern, wurde» in der Debatte, an welcher sich alle Vertreter der koalierten Parteien beteiligten, genehmigt. Sanktion Nr. 3: 15 Rohstoffe sollen gesperrt werden Er betont des weiteren auch, daß die außenpolitische Freundschaft mit Deutschland keineswegs eine Garantie gegen nationale Unterdrük- lung wäre, was sich am Beispiel Polens gezeigt habe. Den Deutschen Polens gehe es bedeutend schlechter, seit Deutschland mit Polen befreundet ist. Endlich nimmt Mayr-Harting auch daS Argument auf, das wir mit gutem Grunde der Losung der nationalen Einheitsfront immer wieder entgegengehalten haben: daß eine nationale Einheitsfront der Deutschen nur die gleichen Tendenzen auf tschechischer, beziehungsweise slawischer Seite auslösen und daß die schwächere deutsche Front an der zahlenmäßig und wahrscheinlich auch moralisch fester gefügten der Slawen zerbrechen würde. In der Behandlung der außenpoliti- schenFragen der Republik rückt Mayr-Har- ting auch recht deutlich von der Romantik ab, die Hilgenreiner unter seine Leute getragen hat und die sich oft wenig von den Illusionen Henleins unterschied. Von Hilgenreiners Parole der„s u- detendeutschen Saar-Abstim- mung"(die am 19. Mai für Hilgenreiner so bös ausgefallen ist wie am 13. Jänner jene für die Saarkatholiken I) bis zu folgendem Bekenntnis Mayr-HartingS' ist ein weiter Weg: Jeder besonnene Mensch weiß freilich: so wie er ist, wird eS nicht bleiben, wir müsien vielmehr alle gemeinsam ein« Lösung anstreben, die alle befriedigt, aber einen Krieg vermeidet. Und die Lösung hat vielleicht bereits ein Seipel vorgezeichnet, als er sagte: weder Anschluß, noch Donaukonföderation, sondern beides: Erhaltung der Selbständigkeit Oesterreichs im Rahmen eines politisch und wirtschaftlich organisierten Donauraumes und seinen Zusammenschlußmit'Mitteleuropa. DaS können auch wir akzeptieren. DaS bedeutet Selbständigkeit des tschechoslowakischen Staates und Kulturgemeinschaft mit dem. ganzen deutschen Polle. Im Zeichen"einer solchen Außenpolitik finden Nvir uns mit..der. tschechischen offiziellen Außenpolitik auf einer Linie und dadurch allein wird auf beiden Seiten das Vertrauen geschaffen, das auch , eine innenpolitische Lösung gestattet. Auch dieser Formulierung fehlt die letzte Konsequenz. Sie verschweigt die Notwendigkeit einer Revision der christlichsozialen Politik in Oesterreich und sie wagt eS nicht auszusprechen, daß deutsche Kulturgemeinschaft nuraußer- halbHitler deutsch! andS, nur gegen Hitler, Göring und Goebbels möglich ist, ebenso wie mitteleuropäische Sicherheit nicht auf der Linie Berlin—Prag—Wien, sondern auf der Italiens London. Drude aus Mukaöevo, ins Bb- Lokota war schon vor dem Senat angehörte, und wegen öffentlicher Genf. Dienstag nachmittags tagten in Genf zwei Ausschüsse, das Subkomitee der Mi- litärsachver ständigen, das die Liste der Waffen, des Kriegsmaterials und der Munition» deren Ausfuhr nach Italien verboten wurde, vervollständigte, und sodann das wirtschaftliche Subkomitee, das die Frage des gegen Italien verhängten Embargos für einige Rohstoffe und Produkte, die für die Fortsetzung des Krieges notwendig sind, und dir Frage des Verbots der Einfuhr aus Italien prüfte. Es wurde entschieden, zuerst die Frage des das infolge der Verurteilung verlorene Wahlrecht noch nicht wieder erlangt hat. Der parlamentarische Sparausschuß hat in der letzten Woche keine Sitzung abgehalten, weil seine Mitglieder mit der Bearbeitung der ihnen zugewiesenen Budgetkapitel teils im Finanzministerium, teils in den einzelnen Ressortmini- sterien beschäftigt waren. Am Dienstag erstatteten die Ausschutzmitglieder Referate über die erzielten Ersparungen. Einen abschließenden Bericht über den gegemvärtigen Stand der Budgetarbeiten erstattete Sektionschef Kafka vom Finanzministerium. Mussolini Jun. beschossen? Einer unbestätigten Nachricht zufolge wurde ein Flugzeug, das Leutnant Bruno Mussolini, der Sohn des Duce, bei einem Fluge über der Gegend von Malaie lenkte, von vier Schüssen ge- Lokotas Mandat nicht verifiziert. Durch eine Verlautbarung des Innenministers wird an Stelle des bei den letzten Wahlen ins Abgeordnetenhaus gewählten ehemaligen kommunistischen Senators Ivan L o k o t a, dessen Mandat vom Wahlgerichthof durch Entscheid vom 23. September annulliert wurde, dessen Ersatzmann Olexa Borkaiiuk, Landwirt geordnetenhaus berufen, einigen Jahren, als er wiederholt ausgeliefert Gewalttätigkeit verurteilt worden, was schließlich zgr. gerichtlichen Aberkennung des Mandates führte. Das Wahlgericht hat seine fetzige Wahl Embargos auf gewisse Rohstoffe nach Italien zu behandeln, da diese Maßnahme allgemein als die wirksamste angesehen wird, den Angreifer an der Fortsetzung der Feindseligkeiten zu hindern. Der Ausschuß stellte ein Verzeichnis von Grundrohstoffen zusammen, deren Einfuhr nach Italien verboten werde» soll. Es sind dies: Eisenerz, Magnesit, Antimon, Kohle, Bauxit» Nickel, Zinn, Zink, Blei, Quecksilber, Chrom, Schwefel, Kupfer, Petroleum und Eisenlegierungen. Vereinfachung der Steueradmlnlstrative Prag. Amtlich wird gemeldet: Im Finanzministerium fand am Montag unter dem Vorsitz des Finanzministers Dr. T r a p l eine Beratung von Sachverständigen statt, die sich mit Vorschlägen zur Verein Dachung der Steuer- ad ministrative befaßte. Es wurde die Notwendigkeit anerkannt, daß im Interesse einer besseren Aufteilung der Arbeiten der Steuerverwaltungen die Fristen zur Eingabe der Bekenntnisse zur Zinssteuer und der Haus- und WohnungSverzeichniffe auf die Zeit vom 1. bis 31. Dezember und zu den übrigen direkten Steuern und zur Umsatzsteuer auf die Zeit vom 1. Jänner bis 31. Jänner verschoben werden. Dadurch soll eine frühere Beendigung der Bemessungsarbeiten erzielt und die Ausgabe der Zahlungsaufträge beschleunigt werden. Ferner befaßte sich die Beratung mit der Vereinfachung der Auferlegung der Erwerbs- und Einkommensteuer bei kleinen Steuerzahlern. Diesen soll, sofern sie keinen Widerspruch dagegen erheben, die Steuer auf einmal für zwei Jahre bemessen werden, um das Steuerverfahren sowohl zugunsten des Steuerzahlers,, als auch" der Steuerverwaltung zu vereinfachen. Flottenstärke im Roten Meer Wie„Daily Telegraph" berichtet, befinden sich gegenwärtig in den ost afrikanischen Gewässern folgende italienische Kriegsschiffe: Zwei Kreuzer, ein Flugzeugmutterschiff, vier Zerstörer, acht, U-Boote und vier Kanonenboote. Unter den Hilfsfahrzeugen befinden sich zwei U-Boot-Mutterschiffe, vier Tankdampfer, zwei Lazarettschiffe und ein Kabelschiff. In Massana ist jetzt ein Schwimmdock verankert. Frankreich unter England droht mit Revanche bei einem Konflikt Frankreich—Deutschland Paris.„Paris Soir" veröffentlicht ein Interview mit dem Führer der englischen Kon- seroaiiven. Sir Austin Chamherl,ain» das seine Bedeuffurg hauptsächlich durch die Erklä- rung Chamberlains erhält, daß.sich nieistapd in England nach einem Konflikt mit Italien sehne. Passiv zu bleiben, würde jedoch bedeuten, mehr als Abessinien, nämlich das oberste Prinzip selbst zu opfern, daß die internationalen Beziehungen von der internationalen Gerechttgkeit und Legalität geleitet werden sollen. Zwecks Einhaltung des Völkerbundpaktes sei England darauf vorbereitet, seinen Platz bei den sich als unerläßlich er- weistnden Maßnahmen welcherArtimmer einzunehmen. Wenn der Bülkerbundpakt den Sieg davonträgt, dann werde sich das Vertrauen festigen, das Großbritannien in ihn setzt, und Großbritannien schaffe so ein Präzedenz, das sein Ver halten in künftigen ähnlichen Krisen leiten wird. Wenn jedoch die übrigen Staaten jetzt ihren Ver pflichtungen aus dem Völkerbundpakt, n i ch t nachkommen, dann werde sich Großbritannien als von seine«SM r p f l i ch t etm^e u^-e-»^i«äÄbgeordnctenhauLnicht. verifiziert, da Lokota freit erachten und seine Politik werde sich wie vor Errichtung des Völkerbundes ausschließlich nur nach britischen Interessen richten. »Wenn Sie nicht aufhören werdens erklärte Chamberlain schließlich dein französischen Inter viewer,»auf Ihre Freundschaft zu Italien Rück sicht zu nehmen, und wenn Sie bei der Geltend machung der Sanktionen nicht mit«ns gehen, d a nn könnenSieauch fürde« FalleineSKanflikteSmitDeutsch- Iland nicht auf«ns rechnen. Man wartet auf den Marschall Rom. Die Linie Adigrat—Adua—Aksum wird jetzt als BasiS für das weitere Borrückrn befestigt und organisiert. Die Front steht jetzt mit der eritresischen Grenze durch zwei Straßen in Verbindung. Man nimmt an, daß die weitere Offensive nicht eher beginnen wird, alS bis der italienische Grneralstabschef Marschall Badoglio an der Front eintreffen wird. 10.000 kranke Italiener auf dem Heimwes? Einige Berichterstatter melden übereinstim mend, daß die italienischen Soldaten an Malaria und Dysenterie leiden. Am Montag find durch den Suez-Kanal 10.000 kranke italienische Sol- troffen. Der Leutnant blieb unverletzt und konnte baten nach der Heimat transportiert worden. I normal landen. 60 VILLA OASE oder: DIE FALSCHEN BORGER Roman von Eugene Dabit Berechtigte Uebertragung aus dem Französischen von Bejot „Mich bringt etwas ganz anderes um." Er sah sie wütend an, packte die Platten ein und nahm seinen Marsch durchs Zimmer wieder auf. „Morgen fahre ich nach Paris. Ich will..." Sie war gespannt, was er nun erfinden würde. „Ich geh« ins Montbert, und wenn Alfred nicht endlich berappt, gibt's einen Mordspektgkel." Am nächsten Morgen rasierte er sich mit besonderer Sorgfalt, wählte seinen besten Anzug aus und machte Programm. Er würde seinen Freund besuchen, in die Loraine gehen, ins Cafö des CourseS, und vielleicht in der Rue Bourquin übernachten. Irma beobachtete ihn. In einer Anwandlung von Zärtlichkeit sagte er: „Ich bringe dir ein Geschenk mit, Dicke. Schlaf noch eine Weile." Irma erwachte spät. Sie streckte den Arm aus, fand den Platz leer und erinnerte sich, dag ihr Julien vor seiner Abfahrt einen Kuß gegeben hatte. „Wenn er stach Paris will, ist er um einen Bortvand nicht verlegen", dachte sie. Solange brachte ihr das Frühstück und bemerkte: „Der Herr ist zeitig sortgegangen. Er war gewiß in sehr guter Laune, denn er pfiff immer- zu." i „Geh in die Küche", gab ihr Irma mit vollem Mund zur Antwort. Sie konnte ihre Nähe nicht lange ertragen. Instinktiv wanderte ihr Blick von dem Bilde zu Solange, die sich noch immer wie Helene frisierte. Sie mußte daran denken, daß ihre Tochter härte laufen, singen und lachen können wie jetzt das fremde Mädchen, und ihr Schmerz wurde stock bohrender. Eine Zeitlang hatte sie eine Art von Auferstehung nicht für unmöglich gehalten. Nicht etwa, daß Helene wie Solange durchs Haus gehen würde, sondern daß ihre Gedanken sich begegneten. Und eine furchtbare Entdeckung hatte ihre Hoffnung im Keime erstickt. Eines Morgens hatte sie, als sie das Bild betrachtete, einen jähen Schlag verspürt: der Sprung im Glase zeichne:« ein Kreuz mitten ins Gesicht. Julien hatte ihr erklärt, die Erschütterungen durch die vorüberfahrenden Züge seien schuld, daß der Sprung sich vergrößert habe. Aber die technische Erläuterung gab ihr keinen Trost. Eines Hages würde das Glas in Trümmer gehen und damit ihren eigenen Tod besiegeln. Seitdem prüfte sie das Bild mit besonderer Eindringlichkeit. DaS Kreuz wuchs! Und draußen vollendete der Regen die Trostlosigkett des neuen Tages. Sie schüttelte sich und dachte r„Ich werde ein Bad nehmen." Die Türe des Badezimmers ließ sie offen. So konnte Solange sie hören und ihr zu Hilfe kommen, wenn ihr schlecht werden sollte. Sie lag in der Wanne, ihre Müdigkeit verschwand, sie fühlte sich leicht. Während sie sich abseifte, summte sie ein Lied. Plötzlich brach sie ab und stöhnte. Sie mußte an ihr Leiden denken. Aber der Schmerz, den sie zu verspüren meinte, ließ"schnell nach. Sie betastete ihre Arme, fand daß ihre Haut noch glatt, ihr Fleisch noch fest, und daß sie alles in allem weniger dick sei als Julien. Mittags setzte sie sich, ftisiert, parfümi:rt, mit einem lange nicht gekannten Wohlbehagen, ! zu Tisch. Vor ihr standen zwei Medizinflaschen. Nachdem sie davon genommen, schwang sie ein» Glocke, die ihr Alfred auf Mont-Saint-Michel geschenkt hatte. Solange erschien, ohne Schürze und mit schmutzigen Händen. Wenn Julien zugegen war. schwieg Jrnia. um nickt Zank heran fzubeschwö- ren. Aber jetzt ließ sie ihrem Aerger freien Laue. „Erst mach dich gefälligst sauber", fuhr sie das Mädchen an.„Dann werde ich dir auftun." Sie aß langsam, sprach und trank nicht, wie der Arzt es ihr verordnet hatte. Sie stellte übrigens fest, daß sie bei gutem Appetit war, daß aber Solange nicht viel gekocht hatte. Sie nahm noch Fleisch und Kartoffeln. Es blieb fast nichts übrig. Ihr konnte es gleich sein, und für das Mädchen war es eine Lektion. Sie atmete tief auf. Kein Julien, der brummte und ihr den Kaffee verbot. Sie setzte sich in ihren Sessel und trank mit lleinen Schlucken. Bohby heulte.„Ein Stück Zulker, Liebling?" Er hatte so intelligente Augen und war so wachsam, daß er beim leisesten Geräusch bellte. Sie nahm sich ihre Stickerei vor. Wenn sie auf Julien gehört hätte, würde sie lieber Socken gestopft haben. Sie zeichnete die Blumen selbst. Sogar einen Engel hatte sie zuwege gebracht. Jetzt arbeitete sie an einem Teegedeck, das für Rose bestimmt Ivar. Alfred würde Augen machen. Er liebte doch alles, was Kunst war. Alfred... Julien würde ihn ja sehen. Hoffentlich hatten st» keinen Streit. Ihr Alter... ES gab eine Zeit, in der sie ihn um den Finger wickeln, er nicht aufmerksam genug zu ihr sein konnte. Damals ließ er sie nie allein. Jetzt konnte er ihr nicht schnell genug davonlaufen. Sie hatte sich nicht verändert. Höchstens, daß sie weniger anspruchsvoll war als früher. Sie war jetzt einverstanden, ohne Auto, ohne Personal, ohne Verkehr auf dem Lande zu leben, und er, s fr Idiot, wollte wieder ein Hotel übernehmen. Biele Jahre hatte sie ihm gewissenhaft geholfen,.in Vermögen zu sparen, und jetzt war er so undankbar, daß sie darunter litt. Zu ihrem Unglück konnte sie sich nicht mehr verteidigen, und er nützte ihre Schwäche aus. Eie wünschte, daß er krank würde. DaS stand ihm auch sicher bevor, denn er trank zu unmäßig. Sie sah ihn halb gelähmt, seiner Sprache beraubt. I Dann würde«t glücklich sein, eine Irma zu haben,.1 die ihn pflegte, die ihm aber auch begreiflich 1 machte, wie schimpflich er sich benommen. Ja, sie sah ihn sicher noch als hilflosen Krüp- W pel, während sie bald wieder ganz gesund sei» würde. Es war warm. Das Ticken der Wanduhr war I wie Musik. Bobby atmete ganz tief. Die Stim- I men der Außenwelt drangen nicht bis in ihr.1 Haus. ES war, als sei die Welt hier zu Ende. Sie 1 konnte tagelang allein sein und in sich hinein lau- scheu, ohne das Bedürfnis zu verspüren, nach Pa-| ris zu gehen oder in die Rue Bourquin zurückzu- I kehren. Höchstens, daß sie beim Saisonwcchsel die! Modeaeschäfte besuchte, um sich auf dem laufende» I zu halten. Sie las keine Zeitung mehr. Denn I Verbrechen, Streiks, Unfälle, Politik: aus allen i klangen nur Drohungen heraus. Sie wollte aber um keinen Preis in Erregung geraten. Sie lebte» I unbekümmert um andere Menschen, mit ihren I kleinen Freuden und Schmerzen, und wenn sie je I zu Gott betete, so war der Inhalt ihres Gebets, I er möge verhindern, daß man ihren Frieden störe. W Es war bald Abend, und die Nebel wogten 1 über dem Teich. Sie betrachtete ihre Stickerei: J Rosen, Veilchen, ein ganzer Garten— und dav.i I behauptete Julien, sie sei faul. Sorgfältig schloß I sie die Läden und trank ihren Tee. Sie wußte I sich geborgen hinter guten Mauern, in sicherer 1 Hut inmitten dieser nachtdunklen Einsamkeit. „Decke den Tisch, Solange, der Herr kommt I bald nach Haus." Sie hörte den um sieben Uhr dreißig fälli- j gen Zug einfahren. Der Bahnhof war nahe. Zehn I Minuten später: kein Julien. Sie aß. Doch ohne> Appetit. .(Forffctzung folgt.) Nr. 241 Mittwoch, IS. Oktober 1938 Teile 3 tfudctcndcu iscfter Zeitspicgef Schlesiens Textilarbeiter In der Krisennot Es gilt 10.000 Menschen zu retten! Im„Textilarbeiter" ist eine eingehende Darlegung der Krisenberhältniffe in der west« . schlesischen Textilindustrie zu finden, in der u. a. erzählt wird: Fünf furchtbare Krisenjahre haben in das Leben von rund 10.000 westschlesischen Textilarbeiterfamilien untilgbare Spuren gegraben. D« Jägerndorfer Schafwollindustrie beschäftigte noch im Jahre 1929 5000 Menschen. Gegenwärtig sind es kaum 3000 und sie sind nicht voll beschäftigt. In Jägerndorf gibt es rund 1800 Lebensmittelkartenbezieher, zumeist Textilarbeiter l Der Grad der Verarmung dieser Menschen ist nur zum Teil an ihrem Aeußeren sichtbar, denn mit einem geradezu heroischen Mute wehrt sich ein großer Teil gegen das Versinken in eine lumpenproletarische Jammerexistenz. Freudenthal ist die Heimat der Leinen- und Baumwollwaren bon auserlesenem Geschmack und über Meere reichendem Qualitätsruf. Im Jahre 1929 fanden in der Freudenthaler Textilindustrie 3500 Arbeiter Verdienst und Brot, davon waren etwa 1500 bis 1800 meist in der Umgebung wchnende Handweber als Heimarbeiter beschäftigt. Gegenwärtig stehen etwa 650 Textilarbeiter in den Freudenthaler Betrieben in zeitweiliger Beschäftigung und die Zahl der noch teilweise arbeitenden Handweber dürfte 800 kaum übersteigen. Benischer Leinen. genießen ob ihrer unübertrefflichen Qualität und Haltbarkeit noch immer ihren alten Ruf. Trotzdem müssen hunderte Benischer Textilarbeiter unfreiwillig die Hände ruhen lassen. Im Jahre 1929 gab es in den Benischer Betrieben 900 beschäftigte Textilarbeiter. Diese Zahl ist zusammengeschrumpft auf zirka 500, die zum Teil, so wie anderwärts, nicht voll beschäftigt sind. Im Würbenthaler Kessel gab es im Jahre 1929 noch drei Textilbetriebe mit insgesamt 1300 Beschäftigten. Im Jahre 1930 wurde die Jutefabrik stillgelegt und mehr als 500 Jutearbeiter verloren fiir immer ihren Arbeitsplatz und damit ihre schwankende Exi stenzgrundlage. Bor kurzer Zeit erst wurden die letzten Ziegelsteine der Jutefäbrik weggetragen, und dort, wo einst 500 Menschen und ihre Angehörigen ihren Lebensunterhalt erhielten, erinnern höchstens einige Arbeiterwohnungen an eine bessere Bergangenheft. I» der»Perle der Sudeten", in Freiwaldau, hat die Weltruf genießende Firma Regenhart& Raymann ihre Fabriksanlagen. Noch im Jahre 1927 waren an der Erzeugung gediegener und feinster Leinentischwäsche, hochwertiger, mit kunswollen Dessins geschmückter Damaste, 1600 Arbeiter beteiligt; dabei nicht eingerechnet einige hundert Handweber. Gegenwärtig beschäftigt die Firma noch etwa 800 Menschen bei Kurzarbeit und stark herabgedrückten Löhnen. Die Znckmanteler Seidenwrder leben bereits seit dem Jahre 1928 in einer furchtbaren Notlage. In der Schirmstossweberei Aden- samer& Co. wurden ehemals 250 Leute beschäftigt. Gegenwärtig schwankt die Zahl der Beschäftigten zwischen 30 und 70 bei Kurzarbeit und Löhnen, di« jeder Beschreibung spotten. Die Fezfabrik in Riklasdorf gab einst 250 Menschen Verdienst und Brot. Die türkischen Reformen einerseits und kommerzielle Maßnahmen auf der anderen Seite haben es mit sich gebracht, daß die an sich stark gesunkene Fezerzeugung nach Strakonitz in Böhmen verlegt worden ist. Dieser Bericht erhebt keinerlei Anspruch auf Vollständigkeit. Doch die Ziffern sprechen für den tiefer Blickenden Bände. Wenn von den ehemals in der westschlesischen Textilindustrie beschäftigten 10.000 bis 12.000 Menschen heute kaum noch die Hälfte einen Arbeitsplatz besitzt und die andere .Hälfte seit einem halben Jahrzehnt auf geringe Unterstützung und Gelegenheitsarbeiten angewiesen ist, so ist das Gesamtbild gegeben. Allgemeine Verelendung, Armut und Jammer, wohin man sieht. Hier Hilf« zu bringen, bedeutet Rettung von 10.000 Menschen vor dem Versinken in materielle«nd geistige Verarmung^ Erklärung Zu dem in unserem Blatte vom 17. Jänner 1935 unter der Ueberschrift„Katholiken— ärger als die Nazis.„Deutsche Presse" höhnt die Saar- Emigranten" veröffentlichten Artikel erklären wir, daß wir sämtliche Behauptungen dieses Artikels, durch welche sich die„Deutsche Presse" an ihrer Ehre gekränkt fühlte, widerrufen und ihr hierdurch Genugtuung geben. Die Redaktion. Die Arbeitslosigkeit In Nordböhmen Im September um 2829 auf 115.872; gestiegen > Die Anzahl der Arbeitslosen in Rordböh« men(im Bereich der Landesarbcitsvermittlungs« anstatt in Reichenberg) ist im September um 2329 auf 115.372 gestiegen. Dies bedeutet 20.18 Prozent der Gesamtzahl der Arbeitslosen im Staate(571.670). Dabei beträgt die Erhöhung der Anzahl der Arbeitslosen in Nordböhmen 2.05 Prozent, im ganzen Staate 2.5 Prozent, in Böhmen überhaupt 3.3 Prozent. Gegenüber Ende September 1934 zeigt sich Heuer eine Erhöhung der Anzahl der angemeldeten Arbeitslosen, jedoch nur um 62, wobei der Umstand berücksichtigt werden muß, daß sich viele von den aus dftn Militärdienste zurückgekehrten Soldaten angemeldet haben, aber noch nicht alle, die eingerückt sind, gestrichen wurden, da die Revision in den letzten Tagen des Monats nicht allgemein durchgeführt werden konnte. Im Vergleich mit September 1933 zeigt sich Heuer ein Rückgang um 10.974, d. i. 8.69 Prozent, gegenüber 1932 um 4637, d. i. um 3.89 Prozent. Ein teilweises Bild der Enttoicklung der Lgge in den Jahren 1933, 1934 und 1935 zeigt die Anzahl der Arbeitslosen, die. Ende September betrug: in der Glasindustrie 19.509, 16.495, 12.794, in der Metall- und Maschinenindustrie 11.976, 10.155, 10.968, bei der Holzindustrie 4654, 4308, 5096, in der Textilindustrie 25.450, 22.052, 21.291, im Baugewerbe 9195, 10.310, 10.844, bei den Hilfsarbeitern 19.991, 17.607, 18.762 und bei den Taglöhnern 10.082, 9607, 8402. Bon den 27 Hauptberufsgruppen, nach denen die Statistik verfaßt wird, zeigen sieben einen weiteren mäßigen Rückgang der Anzahl der Arbeitslosen, in zwei blieben die Zahlen, unverändert und in 18 zeigt sich eine Erhöhung, die in der Mehrzahl von Berufen der Saisonverschlechterung zrizuschreiben ist. Prozentuell steht an erster Stelle daS Gastgewerbe mit 13 Prozent, allerdings nur mit 80 Personen, dann folgen- Haushaltungspersonal 10 Prozent— 299 Personen, Tonindustrie 8 Prozent— 119 Personen, Metallindustrie 5.5 Prozent— 444, mit 4.5 Prozent die Maschinenindustrie(108) und das Baugewerbe(461) und mit 4 Prozent die Taglöhner(357) und Handels- und Jndustrieangestellte(183). In den Hauptindustrien NordböhmenS zeigt sich keine Erhöhung der Anzahl der Arbeitslosen; die Anzahl der arbeitslosen Glasarbeiter ist um 200 zurückgegangen, die der Textilarbeiter um 26. ES kann also von einer unveränderten Gesamtlage gesprochen werden. Als Zeichen einer teilweisen Besserung der Gesamtlage kann der Rückgang der Anzahl der teilweisen Arbeitslosen, die die gewerkschaftliche Unterstützung mit dem StaatSzu- schuß erhalten, betrachtet werden, die in den Jahren 1932 bis 1935 18.781, 19.303, 16.187 und 12.769 betrug, bei den gänzlich arbeitslosen, derart unterstützten Personen, handelte eS sich um 28.407, 35.386, 32.252 und 28.197 Personen. Di« Anzahl der gewerkschaftlich unterstützten Personen ist daher gegenüber Ende September 1934 um 7473 gesunken, d. i. um 15.44 Prozent, die Anzahl der Personen, die sich im Zusammenhänge mit der staatlichen ErnährungSaüion meldeten, ist mäßig gestiegen. SdP-OpposHion greift auf den Tumverband Uber Die„Deutsche Landpost" berichtet, daß die zehn Turnvereine, die den Turnbezirk Maffersdorf gebildet haben, sämtlich aus dem Turnverband ausgeschlossen und daß in der Turnerzeitung strenge Sperrmaßnahmen gegen diese Vereine(Unifornwerbot, Abbruch jeden Verkehr- mit den Ausgeschlossenen) verkündet wurden.' Am 3. November soll eine außerordentliche Beratung des Jeschken-Jser-Gaues des Turnverbandes in Reichenberg stattfinden, die sich mit den Ausschlüssen beschäftigen wird. Die„Deutsche Landpost" fordert Aufklä- rung der Oeffentlichkeit und spricht im übrigen die Vermutung aus, daß es sich um eine R e« voltegegen die Kameradschaft s- b ü n d l e r handelte, die ja den Turnverband ebenso wie die SdP als ihre Privatdomäne ansehen. Wir haben Grund zu der Annahme, daß die„Landpost" recht hat und daß insbesondere die Rolle, die Herr Jng. R u t h a in dem Gebiet gespielt hat, ehe er als„außenpolitischer Berater der Hauptleitung" der SdP bezahlter Berufspolitiker wurde, Hauptgrund zu den tiefgreifenden Konflikten im Turnverband sein dürft«. Kranzniederlegung am Grabe Josef Seligere Freitag, den 18. Oktober, jährt sich zum fünfzehnten Male der Tag, au dem unser unvergeßlicher Freund und Führer Josef Seliger ver- schied. Die Gesamtpartei legt auS diesem Anlasse am SamStag, dem IS. Oktober, um S Uhr nachmittags auf dem Schönauer Friedhöfe in Teplitz einen Kranz nieder«nd wird in einer einfachen, schlichte« Feier deS großen Menschen und Kämpfers gedenken. Architekt Rutha und Krebs Konrad Henleins Klage gegen„Lidove Noviny“ abgewiesen Gestern wurde in Brünn über eine Presseklage verhandelt, die Konrad Henlein gegen den verantwortlichen Redakteur der„Lidovs Noviny" Dr. S e l e p a eingebracht hatte, und zwar wegen eines am 2. April unter dem Titel„Reisen deS Henlein-Mannes Rutha nach Deutschland" erschienenen Artikels. Gleichzeitig klagte wegen diese» Artikels auch der Architekt Rutha aus Bad KunnerSdorf. In dem Artikel wurde angeführt, daß am 15. März in Prag eine Beratung der führenden Funktionäre der Sudetendeutschen Heimatfront stattgefunden habe. Die Sitzung habe bis früh gedauert und am nächsten Tage sei Architekt Rutha au? Prag über Reichenberg nach Görlitz und von dort über Dresden nach Leipzig gereist. Rutha habe erzählt, daß er in Görlitz mit dem Abgeordneten Krebs zusammentreffen werde, der jetzt die irredenttstische Aktion gegen die Tschechoslowakei führt. Der Artikel schloß mit der Erkenntnis, daß, solange die Sei- matfront kein« Beweise erbringe, daß ihre Angehörigen mit dielen Aktionen nichts zu tun haben, ihre Loyalitätsknndgebungen überhaupt keinen Wert hätten. In der gestrigen Verhandlung wurde der politische Redakteur der„Lidovj Noviny" Dr. Ripka einvernommen, der erklärte, die diesbezüglichen Informationen von dem Hochschüler Emil P e u k e r t auS Reichenberq erhalten zu haben, der zu ihm gekommen lei und sich mit der Legitimation der Heimatfront ausgewiesen habe.'Das Gericht svrach den Verantwortlichen Redakteur Dr. Selepa frei mit der Begründung, daß die Nachricht umso glaubhafter erscheinen mußte, als über Architekten Rutha schon in anderen fteittingen ähnliche Berichte ersckie- neu waren. DaS Gericht anerkannte die Verteidigung Dr. SelevaS, der in dem veröffentlichten Artik-l die Wahrung der öffentlichen Interessen sgh, da tatsächlich Merkmale vorhanden gewesen seien, daß die Henlein-Partei Verbindung mit ausländischen Funktionären hatte. Schärfere Tonart SdP ahmt Nürnberg nach Bei einer Tagung der Sudetendeutschen Partei in TraUtenau hielten der Obwann des parlamentarischen Klubs Abgeordneter Frank sowie Konrad Henlein in höchst eigener Person Reden, die deshalb bemerkenswert sind, weil sie den Uebergang der SdP zur schärfsten Opposition anzuzeigen scheinen, bzw. den Versuch der Henlein-Leute, durch Drohungen aus der Politik der Unfruchtbarkeit, mit der sie das deutsche Volk beglückt haben, herauszugelangen. So sagte Frank:„Wir bringen diesem System das größte Mißtrauen entgegen und sagen ihm schärfsten Kampf an." Weiters schlug Frank, indem er sich die Reden am Nürnberger Parteitag der Nazis zum Muster nahm, dieantibolsch«wisti- s ch e T r o m m e l. Er sagte nämlich, daß der sowjetrussischen Kulturpropaganda Tür und Tor geöffnet werde. Das Südetendeutschtum werde sich aber gegen die bolschewistische Zersetzungs- vropaganda zur Wehr setzen. Zum Schluß der Tagung kam als Glanznummer Konrad Henlein selbst, der auf das außenpolitische Gebiet ansvie- lend. die Tschechoslowakei als„Unruhe" im Uhrwerk Europas bezeichnete. Ei« hoffnungsvoller Henleinjünger. In Jech- nitz fand dieser Tage eine Versammlung der SdP statt. An Stelle des angekündigten Abgeordneten aus Asch sprach ein würdiger Nachkomme Münchhausens. Der junge Mann, angeblich ein Rechtshörer namens GustavTschochner aus Prag, brüstete sich damit, daß er unlängst Genossen Jaksch in einer Versammlung in Karlsbad mit Fragen so in die Enge getrieben habe, daß dieser nicht mehr zu antworten wußte. Genosse Jaksch hat nun tatsächlich vor kurzer Zeit in Karlsbad gesprochen, aber von einem Henleinredner tvar keine Sour zu entdecken, wie ungefähr 2000 Zeugen bestätigen können. Besagte Aufschneiderei in Jechnitz ist daher für einen iugeNdlichen Anfänger, der offenbar in Prag nicht Jurisprudenz, sondern höhere Pathologie studiert, eine ganz schöne Leistung. Aspiriert Herr Tschockmer vielleicht auf den Posten eines VrovagandaleiterS der Henlein- va-tci? Dann müßte er sich noch weiter ausbilden. Blutbad in Salvador 26 Putschisten hin gerichtet Panam a.(Reuter.) In der Repuhltt Salvador wurde eine strenge Zensur eingeführ», da ein Komplott, gegen den Präsidenten Marvi- nez aufgedeckt wurde. Das Standgericht verurteilte 26 mutmaßliche(!) Führer des Komplotts zum Tode durch Erschießen. Das Urteil ist bereits vollzogen worden. Der Palast des Präsidenten Martinez wird von mit Maschinengewehren bewaffneten Soldaten«nd Polizisten streng bewacht. konservative Wahlniederlage in Kanada Ottawa. Die Konservativen, welche seit dem Jahre 1930 in Kanada am Ruder waren, wurden, wie nunmehr ganz sicher ist, bei den gegenwärtigen Wahlen vollständig geschlagen. Es wurden 165 Liberale(bisher 93) und 40 Konservative(bisher 133) gewählt. Die übrigen Parteien verfügen im ganzen über 29 Mandate. Diese Ergebnisse sind aber noch nicht definitiv. Schandjustiz Wien. Das hiesige Schwurgericht hat drei Sozialdemokraten verurteilt, die im 3. Bezirk eine geheime Druckerei sozialdemokratischer und kommunistischer Propagandazeitschriften«nd Flugblätter errichtet hatten.' Zwei Angeklagte, Karl Leier und Adolf Gokorsch, wurden zu je fünf(!) Jahren, Wilhelm Beer zu einem Jahr schweren Kerkers verurteilt. „Autoritäre" Geldverschwendung Wien.(Tsch. P. B.) Dem Bundestag ist der Bericht des Finanz- und BundeSausschuffes über den Tätigkeitsbericht des Rechnungshofes für das Jahr 1984 zugegangcn. In dem Bericht tyird Sem Bundestag der Vorschlag unterbreitet, daß er von der Regierung einen näheren Aufschluß verlangen möge über die Umstände, die mit der Zuwendung eines Bettages von 708.000 Schilling an das Groß-Priorat für Böhmen und Oesterreich des souveränen Malteserritterordens im Zusammenhang stehen. Im übrigen wird die Bundesregierung aufgefordert, die vom Rechnungshof gerügten Mißstände in der Verwaltung zu beseitigen und für eine größereSparsamkeit in der Verwaltung zu sorgen. Kote Armee—10 Millionen Paris. Auf Grund amtlicher sowjetruffischer Angaben konstatiert„M a t i n",^daß die sowjetrussisch« Armee.gegenwärtig zehn i Millionen Mann stark ist. Unter Einschluß der militärischen Hilfsverbände beträgt der gegenwärttge Bestand der aktiven Armee 1,5 Millionen, darunter 40.000 Offiziere. Die ausgebildeten Reserven der Jahrgänge 1923 bis 1934 umfassen 8.5 Millionen Mann. Die leichte Artillerie verfügt heute über 4500 Geschütze gegenüber 2400 vor drei Jahren und die schwere Artillerie über 700 Geschütze gegen 600 vor drei Jahren. Die Zahl der Tanks unh Panzerwagen ist im gleichen Zeitraum von 350 auf 3500 gestiegen. Die Kriegsluftpotte der Roten Armee umfaßt gegenwärtig 4300 Flugzeuge, darunter,150 schwere Bomber. Edith Kersbach tot? „A Zet" veröffentlicht eine aus den Kreisen der Schwarzen Front stammende Meldung, wornach Edith Kersbach, die bei der Ermordung des Jng. Formis im Jänner d. I. mitwirkte und decket angeschossen wurde, von ihren Gefährten über die Grenze gerettet und ins Krankenhaus nach Dresden geschasst worden, dort jedoch etwa eine Woche später ihren Verletzungen — einem Bauchdurchschuß— erlegen sei. Der Mitverschworene Müller soll ebenfalls mit Verbrennungen an der Hand im Dresdener Krankenhaus behandelt worden sein. Das würde dafür sprechen, daß die Brandbombe, die das Mordzimmer in Brand stecken und alle Spuren vernichten sollte, dem Müller vorzeittg in der Hand explodierte. Reue Korpskommandanten. Wie„A Zet" mitteift, wurden soeben die neu eingeführten Stellen von Korpskommandanten in der tschechoslowakischen Armee besetzt. Bisher war die höchste taktische Einheit die Division. Nunmehr werden zwischen die Division und die vier Landesmilitärkommandos noch Armeekorps eingeschoben, die zwei bis drei Divisionen oder selbständige Brigaden umfassen. Zu Korpskommandanten wurden ernannt die Divisionsgenerale Linhart in Prag, V ä n a in Königgrätz, K a d l e c in Olmütz, H a s a l in Brünn, L u zj a in Trentschin, Hraböik in Kaschau und H o m o l a in Türc. Sv. Martin. Die neu ernannten Korpskommandanten stehen durchwegs im Alter von 42 bis 50 Jahren. Der Feind steht im Norden. In diesem Aufsatz sind einige sinnstärende Druckfehler unterlaufen. Selbstverständlich wollte der Verfasser das Gebiet von Asch und Eger als den westlich- st e n, nicht aber als den„wesentlichsten" Winkel der Republik bezeichnen. Im vorletzten Satz sollte von den Krisensorgen und nicht von den „Krisenorganen" der Arbeiter die Rede sein. Leite t Mittwoch, 16. Oktober 1938 Nr. 241 70«.Iahrfeier von Notre-Dame Eine der berühmtesten Kirchen der Welt, die Kathedrale Notre-Dame in Paris, feiert in diesem Jahr ihr 700jähriges Bestehen. Die Kirche wurde zwar im Jahre 1182 geweiht, aber im wesentlichen erst im Jahre 1235 fertiggestellt. Die Kirche ist eiper der schönsten frühgotischen Bauten. ZaAesneuigkeitek Das Grab vorbereitet Wie der Mörder von Bokovire feine Tat verheimlichen wollte. Die Untersuchung des Mordes an der 53- jährigen Frau des Gemeindeangestellten Josef Rohliöek in Vokovice bei Prag hat ergeben, daß die furchtbare Tat mit kalter Ueberlegung begangen wurde. Bei einer neuerlichen Durchsuchung der Wohnung wurde ein Sack mit 25 Kilogramm Zement gefunden und als die Detektive nachzuforschen begannen, zu welchem Zwecke RohliLek den Zement benützen wollte, entdeckten sie, daß in einem Zimmer der Tylolitfußboden herausgehackt und auch der darunterliegende Zementboden beschädigt war. Ganz offenbar wollte RohliLek die Leiche seiner Frau auf diese Weise verbergen, seine Absicht wurde jedoch von den Nachbarn verhindert, die durch denLärm beim Hacken aufmerksam gemacht wurden und sich' gegen die Störung zur Wehr setzten. Rohlicek erkannte, daß das Grab nicht lange verborgen bleiben würbe. Daß der Mord vorbereitet war, geht auch aus der Aussage eines Zeugen hervor, dem RohliLek Freitag früh, also noch vor der Tat, erzählte, daß ihn seine Frau verlaßen hätte. Der Mörder, welcher inzwischen verhaftet wurde, leugnet trotz aller Beweise, die durch die bisherigen Erhebungen zusammengctragen wurden. Vergeblicher Kampf gegen den Gelben Fluß Awei Milltone« Flüchtlinge Shanghai. Die Ueberschwemmungskatastrophe am Gelben Fluß nimmt noch immer an Ausdehnung zu. Das Ueberschwemmungsgebiet im Rord- kiangsu hat sich etwa bis auf.30 Kilometer von der Küste entfernt vorgeschoben. Allein am Montag sind über 100 Ortschaften in den Fluten versunken. Eine große Zahl von Einwohnern ist in die Berge geflüchtet. Man versucht, die Wassermassen durch Anlegung neuerKanäle und durch Erweiterung der Flüsse in das Gelbe Meer abzuleiten. Mehr als 70.000 Personen sind bei diesen Arbeiten beschäftigt. Amtlich wird mitgeteilt, daß die Zahl der Flüchtlinge in Nord- kiangsu im Oktober auf etwa zwei Millionen gestiegen ist. Bauarbelter-Maffenunglück New Aork. In Bayonne(New Dersey) ereignete sich ein schweres.Einsturzunglück. Auf der Veranda eines alten Hauses im Stadtpark hatten sich etwa 40 Arbeiter, die bei öffentlichen Arbeiten beschäftigt sind, zur Lohnzahlung eingefunden, als plötzlich ein Teil der Veranda einstürzte und die Arbeiter etwa 6 Meter in die Tiefe riß. 23 Arbeiter wurden mehr oder weniger schwer verletzt. Eisenbahnverkehr über den Dnjester wird am Freitag ausgenommen. Bukarest. Am 18. Oktober wird die Dnjester- brücke zwischen T i g h i n a am rumänischen Ufer und Tiraspol am russischen Ufer dem allgemeinen Verkehr übergeben werden. Die Brücke ist völlig wiederhergestellt, die technischen Fahrproben sind bereits vorgenommen worden. Die Aufnahme des Verkehrs über diese Brücke wird im Rahmen einer Feier vor sich gehen, an welcher die leitenden Beamten der beiderseitigen Bahnvrrtvaltungen teilnehmen werden. We WWieWle in AnWW Schmuggel nach Deutschland— Viele Verhaftungen Seit Monaten sind die Behörden bemüht, den Dieben und ihren Hehlern auf die Spur zu kommen, die seit langer Zeit, vielleicht schon seit Jahren, ungeachtet aller Vorsichts- und Kontrollmaßnahmen große Mengen der in den Joachims- thaler Schächten gewonnenen Uranerze gestohlen und— meist nach Deutschland— weiterverkauft haben. Vor einigen Tagen wurden nun an der Grenze bei Weipert dreiJoachimsthaler, verhaftet, die sich im Besitze von Uranpechblende befanden. Der weitere Weg führte über einen Böhmisch-Wiesenthaler Mittelsmann zu dem völkischen Fabrikanten Bartl in W e i p e r t, bei dem eine Hausdurchsuchung eine größere Menge des Erzeszutage förderte. Nach einer durchgeführten Konfrontation auf den Gruben, bei der eine Prager Kommission zugegen war, wurde eine Reihe von Verhaftungen vorgenommen. Unter den Beschuldigten befinden sich intereffanferweise auch die beiden Grubenwächter P r e i ß und P e t s ch a u e r, die bereits ein Geständnis abgelegt haben und aus dem Dienste entlassen wurden. Wie groß die Menge des gestohlenen Erzes ist, wird wohl kaum mit Sicherheit genau festgestellt werden können, sie dürfte aber angesichts des Umstandes, daß die Diebstähle schon seit langer Zeit verübt werden und da die Grubenwäch- ter in das Komplott mitverwickelt sind, recht erheblich sein. Ein Kilogramm Erz hat einen Wert von 800 Xö, die Bergleute erhielten dafür 100 Xc gezahlt, der Restbetrag verteilt sich auf die Spediteure, die das Erz nach Böhmisch-Wiesenthal und von da nach Weipert brachten, und auf die Schmuggler, die es nach Deutschland schafften. Es wird angenommen, daß die Affäre im Laufe der Untersuchung noch weite Kreise ziehen wird und daß noch mit sensationellen Ueberra- schungen zu rechnen ist. Fünf Ne« Hort er Bankiers verschleppt »o« Aufständische« erschaffe«? Douglas(Arizona). Fünf New Forker Bankiers, darunter der Vizepräsident der National City, I. H. D u r e l l, und James Bruce von der Chase Nationalbank, die seit dem 8. Okwber in dem östlichen Teil der mexikanischen Provinz Sonora mit einem ortskundigen Führer jagten, wurden von Aufständischen entwaffnet, gefangen genommen und in die Berge geschleppt. Ein sechster Jagdteilnehmer, der Verleger der«New Dork i Unglück über Unglück Budapest. In einem hiesigen Sanatorium spielte sich Montag nachts ein tragisches Familiendrama ab. Die Frau des Prokuristen eines Bauunternehmens namens Cornelius Pap starb im Sanatorium während der Geburt eines Kindes. Als dies der Gatte erfuhr, stürzte er sich vom vierten Stockwerk des Sanatoriums auf die Straße, wo er mit zerschmetterten Gliedern tot liegen blieb. Sinkende Sterbe», steigende Geburten» zifser in England London. Nach den statistischen Daten des englischen Ministeriums für Gesundheitswesen für das Jahr 1934 ist die Zahl der Sterbefälle in Großbritannien(auf 1000 Einwohner) im Jahre 1933 von 12.3, im Jahre 1934 auf 11.8 gefallen. Die Ziffer der Geburten, die im Jahre 1933 auf 1000 Einwohner gerechnet 14.4 betrug, ist im Jahre 1934 auf 14.8 gestiegen. Die Kindersterblichkeit war die niedrigste, die überhaupt beobachtet wurde und betrug auf 1000 Einwohner 59 Todesfälle bei Kindern, die weniger als ein Jahr alt waren. Auch die Sterblichkeit von an Tuberkulose erkrankten Personen war die n i e d r i g st e, die beobachtet wurde. Amerikanische Urteile.„Harpers Magazin" in New Jork schreibt über das neue Deutsch, land, seit einigen Jahren sei eine große Anzahl Deutscher von einem Dämon besessen. Es sei das, was Thomas Mann in einer Warnung den Veitstanz des Fanatismus genannt habe. Der universale Parademarsch einer sklavisch gehör- chenden Soldateska, die psychisch und physisch gelehrt wurde, Mord und Plünderung als das höchste Gut zu betrachten, sei das offen eingestandene Ideal des Dritten Reiches. Der Grund» satz sklavischen Gehorsams gegenüber den Füh» rern lösche die Frau als einen Faktor der Gesellschaft aus. Die Liebe zu einer Frau werde in der Praxis von vielen tausenden jungen Nationalsozialisten durch Liebe und Treue gegen männliche Kameraden und gegen ihren Führer ersetzt. Diese Gesellschaft von Helden und Henkern solle eine ausschließlich männliche Gesellschaft sein. Es sei kaum nötig, die bekannte Tatsache hinzuzufügen, daß die ganze neonationali- istische Bewegung von Anfang an stark mit sexu- eller Perversität und dem sie begleitenden Sadismus durchsetzt gewesen sei. Und„Newspaper Syndikate" äußert, zu Tausenden reisten Ausländer in Deutschland herum und ließen sich überzeugen, daß alles wohlauf und guter Dinge sei. Wer jedoch hinter die Kulissen schaue, nehme eine Atmosphäre teilweisen Irrsinns wahr. Ein Sanatorium, in dem Geisteskranke die Schlüssel und die Gummiknüppel in Verwahrung hätten und in dem Gesunde eingesperrt seien, könne nicht bizarrer sein... Wichtig für den Fremdenverkehr! Wie in den vergangenen Jahren ist dem Handelsministerium zur Erleichterung der Fremdenverkehrspropaganda im Auslande rechtzeitig mitzuteilen, welche Veranstaltungen und Unternehmungen für das Jahr 1936 vorbereitet werden, die vom Gesichtspunkte des Fremdenverkehrs bedeutsam und durch ihre Bedeutung und ihren Inhalt geeignet sind, den Besuch ausländischer Gäste und heimischer Touristen anzuziehen. Das Handelsministerium ersucht deshalb, daß ihm alle Interessenten des -Fremdenverkehres mit größter Beschleunigung Times", Andor Groß, entkam. Man hegt wegen des Schicksals der Verschleppten Befürchtungen, da die Banditen kurz zuvor in einer Stärke von 80 Mann die Stadt Santa Anna überfallen und den Präsidenten, den Po- l i z e i ch e f und mehrere Beamte erschossen hatten. Die nordamerikanische Polizei in den großen Grenzorten Arizonas ist alarmiert worden. di« Daten, Bezeichnungen und Veranstalter von gymnastischen, kulturellen und sportlichen Unternehmungen und Feiern, von künstlerischen, wirtschaftlichen, technischen Veranstaltungen etc. mitteilen. Handelsminister I. B. Najman empfängt heute, Mittwoch, den 16. d. M., nicht die angemeldeten Besuch«. Festgenommener Brandstifter. In Stritez bei Jglau nahm im dortigen ständigen Zigeunerlager die Gendarmerie den 88jährigen Landstreicher F. C h a d i m fest, da er unter dem Verdachte steht, in der Nacht auf Sonntag drei Schober in Bukovno angezündet und dadurch einen Schaden von etwa einer Viertelmillion Kronen verursacht zu haben. Chadim, den die Spuren seiner nackten Füße verrieten, wurde auf dem Brandplatz gebracht, wo er ein Teilgeständnis ablegte. Er wurde dem Bezirksgericht in Stecke» eingeliefert. Chadim werden noch weitere sieben Brandstiftungen zur Last gelegt. Lom Schwurgericht in Jiäin wurde der 21-' jährige August Schleif aus Bausnitz bei Trau- tenau, der im Feber d. I. die Pauline Reeh aus Bausnitz ermordet hatte, um sich ihres Spar- kassebüchels über 12.000 XL zu bemächtigen, zu 18 Jahren schweren Kerkers verurteilt. Rumänische Not. JnSüdbessarabien und in der Nordmoldau ist ein« Reihe von Bezirken infolge lang anhaltender Dürre als Notstandsgebiet erklärt worden. Die Ernte in diesen Bezirken reicht zur Ernährung der ansässigen Bevölkerung nicht aus. Bisher konnte der Bevölkerung dieser Bezirke durch Notstandsarbeiten, besonders Straßenbauten, in gewissem Umfange geholfen werden. Die einsetzende schlechte Witterung macht die Fortführung dieser Arbeiten unmöglich. Die Regierung hat in Gemeinschaft mit dem rumänischen Roten Kreuz eine umfassende Hilfsaktion für diese Gebiete in Angriff genommen. Schiffsbesatzung von 16 Mann vermißt. Nach einer Meldung aus London hat ein französischer Schlepper am Dienstag vormittags einen Funkspruch gegeben, der besagt, daß er elf Ueberlebende eines gesunkenen französischen Dreimasters»Les deux freies" an Bord habe. Drei Mann der Besatzung konnten in einem Kutter die Küste erreichen. Neber das Schicksal der übrigen Rettungsboote mit den noch vermißten 16 Mann Ist noch nichts bekannt. Hauptmanns Hinrichtung aufgeschoben. Das Appellationsgericht in Trenton hat Hauptmanns Hinrichtung auf unbestimmte Zeit aufgeschoben, indem es den Antrag des Verteidigers bewilligte. Der Verteidiger muß jetzt innerhalb von dreißig Tagen einen Revisionsantrag beim Obersten Bundesgericht in Washing- wn einbringen. Rnndfnnkfriede Berlin-Wien. Nach zweijähriger Unterbrechung aller Beziehungen des österreichischen Rundfunks zum reichsdeutschen Rundfunk wurde am Dienstag zum erstenmale vom Leipziger Rundfunk ein Konzert per Wiener Philharmoniker, u. zw. die neueinstudierte»Walküre" aus der Wiener Staatsoper gesendet. Im Austauschwege wird Ende dieses Monats eine Berliner Produktion vom Wiener Rundfunk gesendet werden.• Auf einer Fasanenjagd wurde am Sonntag der österreichische Gesandte in Berlin Jng. T a u s ch i tz durch einen fehlgegangenen Schrotschuß leicht verletzt, den der ägyptische Gesandte in Berlin Nachat Pascha abgegeben hatte. Nach ärztlicher Behandlung konnte der österreichische Gesandte noch am selben Tag nach Berlin zurückkehren. Er hat seinen Dienst am Montag wieder ausgenommen. Vom Aröeiler-Tnrii- and Sport-Verband Arbeiterfußball im 5. Kreis Tie Ergebnisse der Sonderklasse Gruppe II: Wannow gegen Schönvriesen 1:8, Nestersitz gegen Kleische 1:1, Ullgersdorf gegen Aussig-Nord 2:2. Gruppe Hl: Krochwitz gegen Aussig-Ost 2:1, Predlih gegen Schönfeld 3:2. Gruppe IV: Pihanken gegen Dux 1:2, Prosetitz gegen Langugcst 4:2, Weiskirchlih gegen Klein- augezd 1:2. Gruppe V: Tischau gegen Wisterschan 2:0. Wohontsch gegen Eichwald 4:0, Sobrusan gegen Kosten 5:3. Gruppe VI: Neudorf gegen Atus Saaz 1:0. Spirlrrsperren. Verein Predlih: Weis Karl, Paß Nr. 105, acht Tage; Verein Schönfeld: Fric Ludwig, Paß Nr. 265, acht Tage. Die Sperre beginnt mit 19. Oktober und endet am 26. Oktober. Dem Bezirksspielleiter und der Schiedsrichtervereinigung zur Durchführung. Spielangebot. Der Verein DSK Prag VII ist gesonnen, für den 27. und 28. Oktober mit zwei Mannschaften in unserem Kreisgcbiet Freundschaftsspiele miszutragen. Die Vereinsleiter wollen sich daher an folgende Adresse wenden: DSK Praha VII, Sekretär Vaclav Mekil, Praha-Letna XIX, Snelobä 11, L. 344. Die Sonderklasse trägt amSonntag, dem 2 0. Oktober, nachstehende Meisterschaftsspiel« aus: Gruppe I: Steinschönau gegen Warnsdorf. Schönlinde gegen Niederliebich. Gruppe II: Kleische gegen Aussig-Nord, Wannow gegen Nestersitz, Schönpriesen gegen Ullgersdorf. Gruppe III: Aussig-Ost gegen Predlih, Krochwitz gegen Türmih. Spielfrei: Schönfeld. Gruppe IV: LadMvih gegen Weiskirchlih, Pihanken gegen Prosetitz, Kleinaugezd gegen Langugest, Graupen gegen Dux. Gruppe V: Sobrusan gegen Novy Dtzory, Wohontsch gegen Tischau, Wisterschan gegen Kosten. Spielfrei: Eichwald. Gruppe Vir Komotau ll gegen Komotau I, Sporitz gegen Trupschitz, Atus Saaz gegen Saaz- Semmering, Weipert gegen Neudorf. Die Anstoßzeiten, insoweit keine Aenderung nach Vereinbarung getroffen wurde, sind um 3 Uhr nachmittags. Das Spiel Krochwitz—Türmitz wurde auf halb 11 Uhr'vormittags verlegt. Die Kreisspielleitung. Konzentrationslager für Bettler. Der Ministerrat in Madrid hat 25 Gesetzesentwürfe genehmigt, die vom Finanzminister als Ergänzung zum Staatshaushaltsplan bargelegt wurden und eine direkte oder indirekte Erhöhung der Staatseinnahmen bedeuten. Der Finanzminister berechnet diese Einsparungen auf insgesmnt 450 Millionen Peseten, die zur Belebung der Wirtschaft verwendet werden sollen. Der Ministerrat beschloß ferner den Bau eines Konzentrationslagers für Bettler und Landstreicher. Zusammenstoß im Hafen. Im Vorhafen von Montevideo stießen Montag die beiden englischen Dampfer.Kingsborough" und«Nagara" zusammen. Der.Mngsborough", der mit einer Kohlenladung nach Buenos Aires unterwegs war, wurde schwer beschädigt. Das Schiff begann Dienstag mittags zu sinken. Die Böhmische Sparkasse für hie Neugeborene» 1935. Die Böhmische Sparkasse in Prag(gegenüber dem Nationaltheater) widmet auch den im Jahre 1935 im Gebiete Groß-Prags und des politischen Bezirkes Prag-Land sowie in den Gerichtsbezirken der Filialen der Böhmischen Sparkasse geborenen Kindern, deren Mütter zur Zeit der Niederkunst dort ihren ordentlichen Wohnsitz hatten, je eine Einlage von 25 XL. Anmeldungsfrist bis 31. März 1936. Dir Wetterlage bleibt im ganzen unverändert. Obwohl der Luftdruck in unseren Gegenden relativ ziemlich hoch ist, dauert fast in der ganzen Republik meist bewölktes Herbstwetter an. Die Temperaturen sind noch weiterhin etwas übernormal. Eine bedeutende Umkehr wird noch nicht eintreten. Deshalb dürfte sich auch das Wetter bei uns im ganzen nicht verändern, höchstens dürfte sich stellenweise wieder teilweise Ausheiterung einstellen.— Wahrscheinliches Wetter von heute: Ohne größere' Aenderung, nur strichweise Bewöl- kungsabnähme, namentlich im Westen des Staates. — Wetteraussichten für Donnerstag: Keine wesentliche Aenderung. Vom Rundfunk ■MptahiMSwerte*«ms«en Progrimmai Donnerstag: Prag, Sender L: 10.05: Deutsche Presse, 11.05: Muziks Salonquartett, 12.10: Unterhaltungsmusik, 17.45: Deutsche Sendung: Jugendstunde: Hörspiel, 18.10: Eger: Gewerkschaftsarbeit im Wandel der Zeit, 18.45: Deuffche Presse, 19.15: Englisch für Anfänger, 19.50: Dvoiäk: Konzert. Sender S: 7.30: Leichte Musik, 14.15: Deuffche Sendung: Dozent Rettl: Wenzel Müller und seine Zeit, 14.50: Deuffche Presse.— Brünn 13.30: Deutscher Arbeitsmarkt, 17.40: Deutsche Arbeit e rs e n d u n g: Schmerda: Solidarität in der Familie, 19.30: Italien. Lieder.— Mährisch- Ostrau 16.30: Orchesterkonzert, 17.30: Liederkonzert, 18.10: Deuffche Sendung: Dozent Schild: Die kleinsten Baumeister der Welt, 20.30: Schallplattenrevue, 21.25: Beethoven: Variattonen.— Preßburg 17.50: Liederkonzert.— Nr. 241 Mittwoch, 16. Oktober 1935 Seite 5 Das Reichs-Mordlager Dachau I. SS am Werk Ein großer Autobus mit vergitterten Fenstern, dorne und hinten je zwei bis an die Zähne bewaffnete Ts-Leut«, hält vor dem Eingangstor zum Konzentrationslager. Kreischend öffnen sich die schweren eisernen Flügel, der Wagen fährt an der SS- Wache vorbei langsam vor die Kommandantur. Der Posten schließt das Tor. „Rrrausss!" brüllt der Transportführer und heraus klettern 28 bleiche Gestalten, ausgemergelte Proletariertypen, schlecht verhehlt« Angst und Verzweiflung in den verfallenen Gesichtern. Die meisten haben blau geschlagene Augen, einem läuft fortwährend Blut aus dem Mund, der ganz verschwollen und zerschlagen ist; er hat einen doppelten Kieferbruch. Zwei ältere Arbeiter in blauen Leinwandhosen, wie sie Schlosser und Maschinisten tragen, können sich kaum auf den Beinen halten; sie haben die letzte Nacht auf der Stabswache im.Braunen Hause" veÄracht, wo sie vier Stunden lang ununterbrochen geprügelt wurden. Unter Flüchen, Drohungen und Rippenstößen wird.angetreten". „Stillgestanden!" kommandiert der SS-Schar» sichrer, der den Transport bringt, dann geht er in die Kommandantur und meldet die Ankunft von 28 Neuzugängen aus der Ettstraße(Polizeidirektion München). Nach Uebergabe der Papiere kommt er wieder heraus und wartet. Der-,jour"-habende Kompagnieführer SS- Obertruppführer D a m b a ch erscheint auf der Bildfläche; ein eitler, lächerlich eingebildeter Tropf, brutal und feig zugleich, mit einem pathologischen Geltungsbedürfnis, das an Größenwahn grenzt. Verächtlich mustert er die.Neuen", stellt sich dann zu dem Transportführer und läßt sich erzählen, was es beim.Polizeisturm" Neues gibt. Tambach, der Lagerverwalter SS-Obertruppführer Lutz und der Kammerverwalter SS-Obertruppführer S ch w ä g- le r bilden das sogenannte„Memminger Kleeblatt"; alle drei sind gelehrige Schüler des Lagerkommandanten SS-Gruppenführer Eicke, der einige Monate später, am 30. Juni 1934, mit dem Zigarrenstummel im Maul die Massenerschießungen in Dachau leitete. Einer der beiden Arbeiter in blauen Hosen— sie stehen beide am rechten Flügel— fängt plötzlich an zu wanken. Krampfhaft hält er sich an seinem Nebenmann fest, er wird wachsgelb im Gesicht und kämpft verzweifelt gegen einen Schwächeanfull. Dambach, der die Bewegung bemerkt hat, kriegt einen roten Kopf. ,Stillgestanden I" schreit er herüber und stürzt sich wie ein tollgewordenes Tier auf den Taumelnden^Mit,.?in?Nf.OMhafen.schlägt er ihn zu Boden, ein- Tritt mit dem schweren SS.-Stiefes in die Leistengegend läßt ihn furchtbar aufschreien. .Hund verreckter!" brüllt Dambach,»schtehste Nit auf!" und schlägt und tritt mit seinen Stiefeln auf den Wehrlosen ein, der schon beim dritten Schlag kein Lebenszeichen mehr von sich gibt. Entsetzt wollen die andern zurückweichen, aber sie steigern dadurch nur die Wut des Rasenden. ..Stillgestanden l Ihr Schweinehunde, ihr drek- kigen l" brüllt er mit überschnappender Stimme und schon hageln Kinnhaken, Fußtritte und Faustschläge auf die Unglücklichen nieder^ Die..Gleichschaltung" hat begonnen.... Nach etwa einer Viertelstunde kommt aus der Kommandantur ein fast weißhaariger, gedrungener Zivilist mit einem glatten Bulldoggenqesicht: Oberinspektor Mutzbauer von der politischen Polizei in München, der politische Leiter des Konzentrationslagers Dachau. Er trägt'einen gelblich-weißen Staubmantel und kommt sich wahrscheinlich sehr vornehm darin vor. Unter der Tür bleibt er stehen und liest in den Akten der Neuen. Dambach und der Transportführer nehmen Haltung an und grüßen mit erhobenem, rechtem Arm„Heil Hitler!". Der Herr politische Leiter nickt gnädig mit dem Kopf, guckt eine Weile in den blauen Himmel, putzt seine Brille und geht dann würdevoll die Treppe herunter zu den Neuen; Dambach und der Transportführer einen Schritt hinter ihm. Vor dem wie tot daliegenden Arbeiter bleibt der Polizeioberinspektor stehen, bückt sich und schaut ihm ins Gesicht. .Wie boaßt denn der?" fragt er. Niemqnd weiß es. Dann stößt er den Leblosen leicht mit dem Fuß an und meint gemütlich:„Hehl Sie! Wie ham mir's denn? Ham'S bald auSg'schlafn?" Kein« Bewegung verrät, daß noch Leben in der Gestalt ist. .Jo, jo, di« starke Dachauer Luft hat scho manchen umq'schmisi'n!" Die beiden SS-Helden lachen pflichtschuldigst über den Witz des Herrn Vertreters der politischen Polizei. Eben will Mutzbauer weitergehen. als eine neue Persönlichkeit erscheint: SS- Obersturmbannführer Lippert, zweiter Kommandant des Konzentrationslagers Dachau, Kommandant der Wachtruppe. Er gibt sich gern als früherer Kovallerieoffizier und geht daher immer elegant gebügelt. geschniegelt und parfümiert; er ist aber bloß eitz früherer Wachtmeister aus Regensburg, der einige Zeit erfolglos bei der Lapo(Landespolizei) gedient bat. Der Wachtposten vor der Kommandantur präsentiert sein Gewehr, Mutzbauer hebt den rechten Arm, Dambach und der Transportführer stehen stramm:„Heil Hitler!" .WaS ist denn hier los?" fragt er, auf den am Boden Liegenden zeigend. „Der kann's Dachauer Klima net vertrag'n" antwortet Mutzbauer und dann flüstern beide eine Meile miteinander.„Lassen Sie den Mann ins DS-Revier tragen!" ordnet Lippert an;„Jawohl" und Dambach geht ab. Mutzbauer verliest die Liste der Neuen; jeder muß mit„Hier!" antworten. ...Warum such Sie hier?" fragt Mutzbauer einen etwas bester Gekleideten. „Ich weiß es nicht, Herr Doktor" antwortet der Gefangene, der den Frager im gelblich-weißen Staubmantel für den Arzt hält. Mutzbauer und Lippert schauen einander bedeutungsvoll an und lesen eine Weile in den Uebergabspapieren. Lippert dreht sich um, Dambach kommt gerade aus dem SS-Revier zurück; hinter ihm zwei SS-Sanitäter mit einer Tragbahre. „Obertruppführer" ruft Lippert,„der Kerl da weiß nicht, warum er hier ist, bringen Sie's ihm eben mal bei! Verstanden?"—„Zu Befehl, Herr Obersturmbannführer I" Die Sanitäter heben den am Boden Liegenden auf die Bahre; man hört ein leises Röcheln. Der rechte Unterarm ist ihm gebrochen und hängt unnatürlich verdreht von der Tragbahre herunter Zwischen Weste und Hose ist ein Stück blutiges Hemd zu sehen, auf der Stelle, wo er lag, ist eine Blutlache. Dambach nimmt sich sein neues Opfer vor. „So, Sie wissen nicht, warum Sie da sind? Ha?" fragt er, hinterhältig grinsend. .Herr Wachtmeister", stottert der Gefangene vor Angst,„mich ham's— ich bin— mir ham's nij gesagt, Herr Wachtmeister." Ein Faustschlag ins Gesicht ist Dambachs Antwort. Der Gefangene taumelt nach rückwärts.„ Stillgestanden I" brüllt Dambach, ein Kinnhaken mit der Rechten folgt; der Gefangene fällt auf seinen Nebenmann. Aus Nase und Mund läuft ihm das Blut; auch Dambachs Hand ist blutig. „Na, Pürschle, ist dir'S schon eing'falle, warum du in Dachau bischt? Ha?" Der. Gefangene spürt daS Blut im Mund, vielleicht hat er auch eingeschlagene Zähne oder einen Kieferbruch, er bringt nur unartikulierte Laute hervor und starrt angstvoll zitternd in Dambachs Gesicht. „Der Kerl", erklärt Mutzbauer entrüstet,„hat den Reichsminister und Stabschef Röhm in der gemeinsten Weise beleidigt. Früher, hat er öffentlich im WirtShauS gesagt, bat man einen guten Kopf haben müssen, jetzt tut's auch ein guter A...!" „Sofort in den Arrest mit dem Schwein!" brüllt Lippert und tritt drohend dicht vor den Gefangenen, der bittend die Hände hebt. In diesem Augenblick jedoch kommt von der Wache ein Laufposten, klappt vor Lippert die Haken zusammen und will eine Mel- dung^ erstatten. Lippert tritt wst ihnt-etwas zur Seite. Mutzbauer, der gerade mit- dem Berlefen fortfahren will, wird. mit den Worten„Besuch kommt" von Lippert unterbrochen und Dambach erhält den Befehl:.Ab mit den Kerls ins Lager!" „Zu Befehl, Herr Obersturmbannführer!"— „Achtung!" kommandiert Dambach,„Abteilung rechts um! Im Gleichschritt— marsch!" Die Neuen marschieren ab. Die SS-Sanitäter verschwinden mit der Tragbahre ins Revier, der Laufpoften scharrt die Blutlache mit Kies zu und die' zwölf Herren, die gleich darauf in Begleitung de? Lagerkommandanten SS- Gruppenführer Ticke ankommen, sehen nur einen mit weißem Kies tadellos bestreuten Platz, ein Schlageter-Denkmal, ein Blumenbeet und vor allem die riesige Hakenkreuzfahne am Fahnenmast vor der Kommandantur. Der Posten präsentiert stramm das Gewehr SS-Obersturmbannführer Lippert und Polizeiober- inspcktor Mutzbauer steben in vorgeschriebener Haltung mit erhobenem rechten Arm und grüßen„Heil Hitler!".. WL GW» WeißeZähhe^niQrodontf „Heil Hitler!" danken die Gäste, man stellt sich vor, reicht einander die Hände und geht in die Kantine. SS als Erzieher „Im Konzentrationslager Dachau soll der irregeführte deutsche Arbeiter wieder zu einem nützlichen Mitglied der deutschen Volksgemeinschaft erzogen werden. Wer aber den jüdisch-marxistischen Jrrleh> ren nicht entsagen kann und die Absicht hat, auch weiterhin staats- und volksfeindliche Hetzerei zu treiben, hat im Konzentrationslager Dachau Gelegenheit, für seine Ueberzeugung zu sterben." Dieser Satz steht in der Einleitung zur Lagerordnung des berüchtigten Mordlagers Dachau, jener Lagerordnung, die kurz vor dem Eintreffen der englischen Frontkämpferdelegation(deren Führer sich bekanntlich über Dachau so lobend ausgesprochen hat) plötzlich eingezogen wurde, nachdem sie seit 1933 in allen 80 Korporalschaften des Lagers ausgehängt war. Zwei Jahre lang hat di« Dachauer SS aut Grund dieser Lagerordnung wehrlosen Gefangenen die Schädel eingeschlagen, hat ihnen die Rippen und Nieren eingetreten, sie zu zuckenden, blutigen Fleischklumpen geprügelt und sie schließlich im Dunkelarrest verhungern lasten, um sie„wieder zu einem nützlichen Glied, der deutschen Volksgemeinschaft zu er-, ziehen". „25 Hiebe auf das Gesäß und 14 Tage strenger Arrest",„sechs Wochen strenger Arrest und je 25 Hiebe auf das Gesäß am ersten und letzten Tage der Strafe" waren die durchschnittlichen Strafen für „Drücken von der Arbeit",„Belügen eines Vorgesetzten",„Nichteinhaltung der Lagerördnung" usw Wer sich krank meldete, vom SS-Arzt aber als arbeitsfähig erklärt wurde, hatte sich„von der Arbeit gedrückt" und wurde dementsprechend bestraft. Wer nach dem Kommando„Stillgestanden" noch einen Finger rührte und auf di« Frage des SS-Kom- pagnieführers, ob er den Befehl ausgeführt habe mit„Jowohl" antwortete, hatte seinen Vorgesetzten belogen und bekam Prügel und Arrest.„Sauhund, dreckiger!",„Sausud, stinkiger!",„Drecksau!" waren die gebräuchlichsten Redewendungen, mit denen der SS-Mann die Gefangenen titulierte, inn„den irregeführten deutschen Arbeiter wieder zu einem nützlichen Mitglied der deutschen Volksgemeinschaft zu erziehen". „Wer einen SS-Mann angreift, wird erschossen!" Am 2. Juli 1934, zwei Tage nach der deutschen Bartholomäusnacht(drei Nächte und zwei Tage dauerte in Dachau das Morden), hatten zirka tau- seuv Gefangene des Konzentrationslagers Dachau. Gelegenheit, einen solchen'Fall praktisch kennen zu lernen.'" Um 10 Uhr vormittags ging, bei herrlichstem Sonnenschein, ein Gefangener der 8. Kompagnie zum diensthabenden Kompagnieführer SS-Scharführer Spatzenegger ans Tor(etwa 50 Schritte von den Baracken entfernt) und bettelte ihn nm eine Zigarette an. Der Gefangene war ein geistig minderwertiger Mensch, ein Halbidiot, und allen SS- Leuten und Gefangenen als solcher bekannt. Der Kompagnieführer wies ibn ab und drehte sich zur Seite. Der Gefangene bettelte weiter und, um die Aufmerksamkeit des KompagnieführerS wieder auf sich zu lenken, berührte er besten linken Arm. Der SS-Scharführer Spaheneg- ger aus Traun st ein inBayern erklärte sich hierauf als tätlich angegriffen, zog die Pistol« und schoß den armen, harmlosen Halbjdioten über den Haufen! „Wer einen SS-Mann angreift, wird erschossen!" Das Zuckerjahr 1934-35 Inländischer Zuckerverbrauch«eiter rückgängig— Zuckerexport steigt Das am 30. September abgeschlossene Zuk- kerjahr 1934/35 hat der tschechoslowakischen Zuk- kerindustrie eine höhere Produktion und auch eine Steigerung derAusfuhr gebracht. Der Zuckerverbrauch im Inland zeigt dagegen eine weitere Abnahme, obwohl bisher schon die Tschechoslowakei im Zuckerverbrauch je Kopf der Bevölkerung beträchtlich hinter anderen Staaten zurückbleibt. Die Produktion im Rohzuckerwert entwik- kelte sich in den letzten fünf Jahren wie folgt: 1930/31... 1,141.807 Tonnen 1931/32... 802.000 Tonnen 1932/33... 627.569 Tonnen 1933/34... 515.766 Tonnen 1934/35.,, 636.170 Tonnen Diese Daten der reinen Zückererzeugunz zeigen, daß nach dem Rückgang der Produktion in den letzten Jahren im Zuckerjahre 1934/35«ine Erhöhung zu verzeichnen ist, die gegenüber§em Vorjahre mehr als 23 Prozent beträgt. Die Zuk- kerproduktion ist damit auch höher als die des Jahres 1932/33. Das letzte Jahr brachte auch eine gute Rübenernte. Es wurden 3,775.287 Tonnen Zuckerrüben geerntet, während das voraufgegangene Jahr nur 2,810.745 Tonnen erbracht hatte. Der Ertrag pro Hektar stieg in der gleichen Zeit von 20.2 Tonnen auf 26.1 Tonnen. Bon der Rohzuckererzeugung wurden von den inländischen Raffinerien 33.138 Tonnen Zucker abgenommen, das sind 4142 Tonnen mehr als im Vorjahre. Zu dieser Mehrabnahme sind die Zuckerraffinerien offensichtlich dstrch die Entwicklung der internationalen politischen Situation gekommen, die den Zuckerfabrikanten steigende Ausfuhrgeschäfte bei steigenden Gewinnchancen erhoffen läßt. Diese Annahme wird unterstrichen durch die Entwicklung des inländischen Zuckerverbrauchs. Er betrug: 1930/31... 396/659 Tonnen 1931/32-.,, 389.112 Tonnen 1932/33... 399.000 Tonnen, 1933/34... 371.176 Tonnen 1934/35... 365.322 Tonnen Die Abnahme des Zuckerkonsums im letzten Zuk- krrjahr betrug 5695 Tonnen oder etwa 1.5 Prozent, in Wirklichkeit ist aber der Rückgang deS inländischen Verbrauches von Speisezucker noch höher, da im vergangenen Jahre die Menge des zu Futterzwecken denaturierten Zuckers ganz bedeutend zugenommen hat. Sie ist von 6954 Tonnen auf 22.583 Tonnen gestiegen. Eine andere Entwicklung hat der Zuckerabsatz ins Ausland genommen. Die Ausfuhr konnte von 166.125 Tonnen im Jahxe 1933/34 auf! 221.961 Tonnen gesteigert werden. Das ist eine Zunahme des Exports um nahezu 56.000 Ton-1 neu oder um fast 34 Pxozent,.An dex Exportftri«/- gerung haben die slowakischen und die mährisch--/ schlesischen Zuckerfabriken im Verhältnis einest viel größeren Anteil als die'böhmischen. Die®g»-. portsteigernng,entfällt, vor glsrm''qMZestrtzpäischck? Abnahmeländer und insbesondere haben Hitz Schweiz, J t a l, i e,n und, E n g l a n'd ihrtzn? Zuckerimport ganz erheblich gesteigert. Von dem/ Mehrexport nach der Schtneiz.dürfte./ebenfalls, eine größere Menge nach Italien gehM^sö daß/,■ auch hier wieder offensichtlich' wird,' doch/ die/ Kriegsvorbereikungen Mussolinis schon seit lan-/ ger Zeit getroffen worden sind. bnndengesetz zu verantworten hatte, ist ein recht widerlicher Geselle. Mit weinerlicher Stimme ver-. suchte er sich vor den Geschworenen als Opfer der Arbeitslosigkeit’ auszygeben. Die Wahrheit sieht freilich etwas anders aus. Der jugendliche Tunichtgut hatte einen Posten. Er war zwar nicht glänzend bezahlt, aber immerhin wäre mancher arbeitslose Familienvater froh, wenn er seiner hungernden Familie am Lohntag so viel heimhrkngen könnte,- als dieser Bursche verdiente. Er lief also aus feinem Posten und trieb sich seither in der Gegend zwischen Althütten, Unhoscht und Rakonih umher. Schließlich, verlegte er-sich auf ein ebenso verbrecherisches iwftziges„Geschäft"—itüs hi»'Be r a u- bung wehrloser Kinder! Er begann damit, daß er dem. 14jährigen- Schuljungen'Josef C e r m a k aus N e u- S t r. a-. schih dessen Rad herauslockte. Er spiegelte dem Jungen^ der auf seinem Fahrrad aus der Schule kam, vor, er hab«Deine dringliche Besorgung zu er-■ ledigen und bat den kleinen Cccmäk, er solle ihm „auf eine halbe Stunde" fein Rad borgen. Der Junge ließ sich übertölpeln und gab sein Rad her. Raprstek fuhr davon und verkaufte es noch am glei-.- chen Tag für 150 XL und einige Kilo Fleisch. Eine Woche später lief ihm die zwölfjährige Schülerin Zdenka R y§ a v a in den Weg, als sie beim Dorf Tut am y ihr Rad bergauf schob. Diesmal griff Raprstek bereits zu gewalttätigen Mitteln. Er machte sich an das Kind'heran und erbot sich, ihr das Rad schieben zu helfen. Kaum hatte er die Lenkstange in der Hand, begann er das Kind anzubrüllen und mit den Füßen zu stampfen, so daß die erschreckte Kleine entsetzt flüchtete. Raprstek fuhr auf dem erbeuteten Rad davon und bezahlte mit ihm eine Schuld„ die er bei einem Geschäftsmann in D r u z e c hatte, wobei ex noch 50 XL herausbekam. Die bisherigen Erfolge steigerten seine Dreistigkeit. Am 9. April legte er sich an einer Straßenkreuzung auf die Lauer. Zwei 14jährige Schüler,, Wenzel M a l y und Josef O p q t.r n h, kamen angeradelt. Der Angeklagte ließ sie herankommen uno fiel mit den Worten:.„Wer von euch hat.mich jetzt beschimpft?" über sie her.- Er packte den kleinen Maly am Kragen, versetzte ihm«inen Fausthieb, riß ihn von seinem Rod, schwang sich selbst auf und verschwand. Diesmal hätte er sich im vorhinein einen Käufer gesichert, dem er ein gefahrenes Rad zu beschaffen versprach. Er erfüllte den Auftrag denn auch aufs prompteste. Die zwei nächsten Opfer waren die zwölfjäh«' eigen Schüler Franz Kakaba und Wenzel H oltz.. Sie gerieten dem Angeklagten auf einer manschen», leeren Waldstrahe in den Weg. Raprstek rief ihnen- auf etwa 20 Schritte Entfernung gebieterisch zu: „Halt!" Dann überschüttete er sie mit Beschimpfungen, weil sie„sein Auto mit Steinen'beworfen hätten". Hierauf gab er dem kleinen Holtz eine Ohrfeige und bemächtigte sich seine- Rades. Während die Kinder vor Angst und Ratlosigkeit weinend zurückblieben, fuhr er geradewegs nach Kladnq uno.. verkauft« das gestohlene Rad einem gewissen Hajek für 200 KJ. Die am Rad befestigte Aktentasche mit Schulbüchern und dem Frühstuck des armen Jungen („Brot im We r t von 1 XL", wie die Anklage konstatiert) warf er unterwegs weg. Zu leugnen gab eS nicht? und so lautete der Wahrspruch der Geschworenen für säwtliche Schuldfragen einstimmig bejahend. Der Schwurgerichtshof(Vors. GR. Dr. Tisek), verurteilte Karl Raprstek zu drei-Jahren' s ch w e r e n K e r k e r S..‘ rb. Seite 6 Mittwoch, 16. Oktober 1935. Nr. 241 ilCIltC um 20 Uhr abends im Sieinersaai des Volkshauses(üubernskä 7) „Die sozialen Forderungen der Jugend Gemeinsame Kundgebung der deutschen und tsdiedilsdicn sozialdemokratischen Jugend Trager feitufiq Schattenpflanzen Von Kurt Weißkopf. Ich traf S. in einem der großen Automaten, die Lis zwei Uhr nachts geöffnet sind. Ich hatte ihn schon lange vorher in einem kleinen Cafö als Schachpartner kennen gelernt und war beiläufig im Bilde. Er stellte mich seiner Gesellschaft vor- Es waren ein paar junge Burschen, so wie er, nicht unintelligent, aber ei« wenig verkommen. Die meisten von ihnen hatte ich schon in den Kaffeehäusern gesehen, in denen es Renntoettbüros gibt oder in dem klejnen Caft am Altstädter Ring, wo Adressen von Philantropen, gegen Beteiligung am Ertrage des Schnorrens oder„Keilens", wie es fachmännisch heißt, abgegeben werden. Ich kam mit ihnen ins Gespräch und ließ mir von ihrem Leben erzählen. Zwei solcher Berichte seien wiedergegeben. Ein junger Bursche, 19 Jahre alt, erzählte mir folgendes: Er war bei einer Prager Textilsirma angestellt, und zwar mit einem Gehalt von 300 KL monatlich. Eines Tages sollte ei.5000jK£ zur Post tragen. Es kam, wie es kommen mußte. Zunächst aß er sich satt, dann kaufte er sich einen Anzug und den Rest des Geldes'brachte er durch Das Gericht verurteilte ihn zu zwei, Monaten bedingt. Von einer Anstellung war keine Rede mehr. Er begann sich in seine Umgebung einzuordnen, das heißt er wohnt in einem der privaten Nachtasyle in der Altstadt, grast jeden Vormittag einige Adressen ab. Hier ist es wichtig, die Mentalität der Spender zu berücksichtigen— Geschickte bringen es auf 100 bis 200 XL täglich— und verspielt das so erworbene Geld nachmittags wieder am Totalisator. Aber das tut nichts, denn abends gibt es wieder„Einnahmen" bei den Hasardeuren und Falschspielern— als Zutreiber, Aufpasser— oder nur„Gliichsgeld", das ein Gewinner spendet. So schlägt er sich durch Der andere war schon älter, geriebener, auch gefährlicher. Der lebte vom Bilderverkauf. Irgendwo> werden Aquarelle etc. aufgetrieben, von ihm signiert und dann geht er als notleidender Maler los. Je nach Bedarf ist er national, Kommunist, Jude oder was gerade gebraucht wird. Bei ihm liegt es in der Familie- Sein Vator, ein reicher Pauer, hatte sein Verwögen in Pferderennen umgesetzt und er. war hier in Prag hängen geblieben. Er wird schon von den Großen der Unterwelt zu kleineren Missionen herangezogen und weiß einiges von den Geheimnissen um die letzten großen Bilderschwin- dcleien, bei denen es in die Hunderttausende ging. Von keinem dieser meinerckbneuen Bekannten hätte ich zu sagtn, daß er ausgesprochen abstoßend wirkt, von allen aber, daß sie Wahl kaum mehr den Weg in die Gemeinschaft zurückfinden. Moralisieren hat hier keinen Wert. Niemand wird sie so leicht davon abhalten, daß sie die soziale Frage isoliert und auf eigene Faust lösen. Was für sie geschieht ist lächerlich wenig und beginnt zu spät, der Anfang wäre bei jenen zu setzen, die eine Arbeitskraft um 300 K£ monatlich kaufen und so die Vorbedingungen zürn Weg in die Unterwelt schaffen. Was gegen diese jungen Menschen, deren es heute immer mehr gibt, getan wird, ist völlig zwecklos, denn Hunger und Gelegenheit sind stärker als di« Furcht vor ein paar Monaten Gefängnis. Je mehr die Arbeitslosigkeit zur Dauererscheinung wird, um so aktueller wird auch für uns Sozialisten das Problem der. Deklaffiert'en, d«ff«n endgültige Lösung nicht in der Macht des Kapitalismus liegt. Der verkleidete Dieb am Tau. Der am Samstag in einer Weinberger Wohnung unter dramatischen Umständen verhaftete Dieb Karl Rustikka— er hatte«ei der Verhaftung geschossen, nachdem er an einem Tau vom Dachboden in die Wohnung geklettert war— hat einige weitere Diebstähle gestanden, darunter einen am 10: d. in der gleichen Art verübten. Der Unterrock, den er hiebei zu seiner Verkleidung benützt hatte, wurde im Abort des betreffenden Hauses in Prag XII., gefunden.'Rustikka gesteht, vor seinen Wohnungseinbrüchen sich stets noch im Bodenraum die nötige Garderobe besorgt zu haben, um im Falle einer Entdeckung eher den Eindruck einer im Hause beschäftigten Person zu machen und leichter in der Verwirrung entwischen zu können. UebrigenS wurde bei Rustikka eine ganze Kiste voll Einbruchswerkzeugen beschlagnahmt sowie einer seiner Komplicen verhaftet, deffen Name vorläufig noch geheimgehalten wird. Erfolgreiche Hehlerrazzia. Gestern um 12-Uhr mittags wurde von Beamten der Sicherheitsabteilung im Gasthaus Pod Vkchytkem in der Altstadt überraschend eine Razzia durchgeführt, bei der 30 Personen angehaltcn wurden, die dort Diebsgut anzukaufen und aufs Land zu verkaufen pflegten. DaS, GebührenbrmeffungSamt in. Prag verlautbart, daß zwecks Reinigung der Amtslokalitäten am 25. und. 26. d. M. nicht, amtiert wird. Der Dienst wird nur in den Expediten,/ in der Abteilung für direkte Zahlung der Gebühren, in der Abteilung der Liquidätiönsbücher und in der Telephonzentrale versehen werden. Bezirksorganisatto« Prag der Deutschen sozialdemokratischen Arbeiterpartei. Montag, den 211 Oktober 1935, abends 8 Uhr im Parteiheim, Prag II., Rärodni 4, D i s- kussionsabend. Thema: Die Krise des Kapitalismus und die Marxistische Theorie. Referent: Genosse Werner Cohn. Zu diesem Abend sind alle unsere Mitglieder eingcladen. Die Bezirksvertretung. Kunst und Wissen Direktor Bymktal gestorben. Im Alter von 63 Jahren starb der Direktor der Straka-Aka- d e m i e in Prag. Josef Bymetal. Der Verstorbene befaßte sich mit Musik und Dkusikliteratur und übersetzte die Librettos von fast 40 Opern, Oratorien und Kantaten. Besondere Aufmerksamkeit weckten seine Uebersetzungen des Panifal und anderer Werke. Er übersetzt« auch viele Lieder und Chöre. Viele Jahre hindurch war-er auch als Musikreferent tätig. Die„Doppelverdiener". Das Lustspiel„Das Doppeleinkommen" von Martin S e k e r k a. lockt viele Menschen ins Ständetheater. Denn das Thema des Stückes, die Frage der mitverdienenden Frau, erfaßt im guten und schlimmen Sinne weite Kreise. Der Autor, ein Gymnasialprofessor in Pension. hat nicht nur das Leben und Treiben in einem Gymnasium mit scharfem Blick beobachtet; er bat auch viel Verständnis für die Konflikte, die zwischen Ledigen und Verheirateten. Männern und Frauen, Jungen und Alten entstehen, wenn der Brotkamps verschärft wird durch Ueberfluß an Arbeitskraft und wirtschaftliche Not. Aus der großen Zahl der mit der Krise verbundenen Probleme hat ek di« viel Umstrittene Frage der Frag in der öffentlichen Stellung — hier als Professorin der Mittelschule— herausgegriffen und in drei Akten das Vorspiel und die Folge einer Maßnahme gezeigt, nach der oft verlangt wird: der Entlassung verheirateter Frauen, wenn ihre Männer ebenfalls Verdiener sind. An einer ganzen Reihe von Beispielen wird demonstriert, daß dies eine Katastrophe jener Ehen bedeuten muß, die auf der Grundlage des Mitverdienstes der Frau aufgebaut wurden, ohne eine andere Wirkung zu erzielen, als die Frauen in andere Zweige des Erwerbes zu treiben, oder sie kleine Listen— wie Scheinehen oder Scheinscheidungen— ersinnen zu lassen, die sich an ihnen schwer rächen. Die besorgten Dcutter Heranwachsender Kinder werden belehrt, daß das gegen die Frauen gezückte Messer zlveischneidig sein kann. Das Stück führt alle für und wider die Frauenarbeit in höheren Berufen sprechenden Momente ins Treffen; nur eine Frage blieb unbeantwortet: eben jene prinzipielle Frage: Was ist Doppelverdienen? Der Erwerb zweier Menschen, auch wenn sie Mann und Frau und Ehegatten sind, oder das aus mehreren Quellen fließende Einkommen eines einzelnen, der einige Posten ausfüllt— oder auch nicht ausfüllt? Ein brennendes, schwer lösbares Problem, ein Produkt der heutigen scharfen Wirtschaftskrise.,— Die Einstudierung Vojta N o v ä k s hatte amüsante Einfälle. S m o l i k, H a a s und Neumann zeigten. gelungene Typen der verschüchterten Männer unter dem Ansturm einer richtigen Weiberherrschaft und Ueberlegenheit. m. i. Spielplan des Renen Deutsche« Theaters. Mittwoch l48: Die Afrikanerin, B 1.— Donnerstag halb 8: Artisten, C 2.— Freitag halb 8: Der Bettelstudent, Dl.— Samstag halb 8: Der Feldherrnhügel, Erstaufführung, A 2.— Spielplan der Kleinen Bühne. Heut« Mittwoch 8 Uhr: Attentat, Bankbeamte II und freier Verkauf.— Donnerstag^Attentat, Theatergemeinde des Kulturverbandes 1934/35 und freier Verkauf. Freitag 8: M ä d ch e n für alles, volkstümliche Vorstellung.— Samstag 7ZL: Im Londoner Rebel, Erstaufführung. Dorträgs Oberlehrer Alfred Scholz, der bekannte Prager Schulfachmann, spricht am Montag, dem 21. Oktober, um 20 Uhr im großen Saal des Handwerkervereines, Smeckagaffe, über das Thema„Der sozial-ethische Gedanke in der Erziehung". Eintritt frei. ÄrrDtn» Die Götter amüsieren sich Es ist den Machthabern im Dritten. Reich nicht gelungen, den Witz auszurotten. Im Gegenteil: er wuchert üppig trotz aller Strafandrohungen, denn er ist die Sprache derer geworden, die man in der Oeffentlichkeit zum Schweigen gebracht hat, die Form, in der sich die Unzufriedenen und Angeekelten miteinander verständigen müssen. Und gerade deshalb haben die Machthaber des Dritten Reiches den Witz verboten und verbannt, und der gleichgeschaltete Lustspielfilm kennt nur noch ein Problem: ohne den Witz auszukommen. Meistens hilft man sich durch die operettenhaften Mittel des Hüpfens, Singens, Verwechselns und Verkleidens, manchmal aber flüchtet man in die zeitliche und räumliche Ferne, um sich da über etwas ganz Entlegenes lustig zu machen. Und so hat die Ufa, die voriges Jahr die Prinzessin Tu- randot und die alten Chinesen, verulkt hat, dies»«»! die älttst GriechrsiMttet tapfer itttfs Korti ge- nonmien. Aber da fetbft zwischen griechischen Göttern und braunen Bonzen noch Parallelen zu finden wären, haben sich di« Autoren dieses Films noch dümmer gestellt als sie sind. Ihre„Bearbeitung" der Amphitryon-Sage ist weder Satire noch Parodie geworden, sondern ein plumper Ulk mit Versen, die einfältiger und geschmackloser sind als die eines Kasperl-TheaterS, mit stumpfiinnigem Vergnügen an billigen Anachronismen, ordinären Redewendungen und komisch sein sollenden Thören. Ein klägliches Machwerk, das der schon vergessen geglaubte Reinhold Schünzel mit nutzlosem äußerem Aufwand den Amphitrhon-Komödien Moliörcs und Heinrich von Kleists gegenübergestellt hat. Daß der SA-Held Willy Fritsch die Hauptrolle spielt, ist ganz in den Ordnung. Daß Pa ul Kemp und die alte S a n d r o ck um Lacherfolge bemüht sind, ist unnötig. Daß aber die junge Schauspielerin Käthe Gold, die vor drei Jahren in dem Rufe stand, die beste deutsche Gretchen-Dar- stellerin zu sein, hier(als Alkmene) Verse deklamieren muß wie„Frauen von Theben, wollt ihr nicht endlich Ruhe geben", das ist kurz gesagt, eine Schande.—«iS-—. Zaire» Innerhalb des heimischen Films hat dieses bäuerliche Drama insofern eine Bedeutung, als es weitgehend vom Atelier befreit ist und die Regie wieder zu den Landschaftsaufnahmen hingeführt hat, die früher zum besten Bestand des tschechischen Films gehörten. Di« Regisseure S h n e k und Land und vor allem der Kameramann Jaroflav BlaZek haben bei diesen Freilichtaufnahmen gute Arbeit geleistet, die zuweilen mit den Mängeln des Manuskripts und der Darstellung versöhnen. Das Bauerndrama von dem verwaisten Mädchen, das in einem Gutshof Arbeit findet und dort zwischen der Liebe zu einem charakterlosen und einem zurückhaltend edlen Bruder in beinahe tragischen Konflikt gerät, ist primittv und unglaubwürdig, und bei den Darstellern erwecken nur die sympathische Helene B u s ch in der Titelrolle und Zdenkk Stkpanek als edler Bruder Interesse. (Es wird, später Gelegenheit sein, auch die deutsche Fassung dieses Films zu sehen', in der bekannte Wiener Schauspieler die' Hauptrollen spielen.) DaS Land der Verheiß»««. Ein Propagandafilm vom zionistischen Aufbau in Palästina, der des Themas wegen interessieren kann, aber nicht lebendig und vielseitig genug ist. um dem einigermaßen unter- richtaten Zuschauer neue Einblicke bieten zu können. Ausnahmen von der landwirtschaftlichen Siedlungsarbeit im Emek, Bilder von Jerusalem.. von den Bauten und der Industrie in Tel-Awiv wechseln miteinander ab. Auch eine Aufnahme vom Amphitheater der Jerusalemer Universität(während einer Aufführung von Haydns„Schöpfung") ist zu sehen. Der(mehr werbende als informierende) Begleitvor- trag ist in deutscher brache gehalten.—eis— Sport• Sput■ JCorperpftege Westböhmischer Arbeitersport Die Leichtathleten des Karlsbader Bezirkes verfolgten am Sonntag den Städte w e t t» k a m p f des Atus Fischern gegen Atus Karlsbad. Bei nicht besonders günstigem Sportwetter erzielten die Fischerner Sportler mit 929 Punkten über die Karlsbader den Sieg, welche es nur auf 860 Punkte brachten. Bei den Sportlerinnen war es umgekehrt. Atus Karlsbad stellte sich mit 791 Punkten vor Fischern; die Fischerner Genossinnen erzielten 739 Punkte. Di« wichtigsten Leistungen: Sportler: Hochsprung: Rippl(Fischern) 1.63 Meter, Kugel: Köwer(Karlsbad) 9.60 Meter, Diskus: Miefi(Karlsbad) 26.95 Meter, Schleuderball: Miesl 39.05 Meter, Speer: Janda(Karlsbad) 38.85 Meter.— Sportlerinnen: Kugel: Köstler (Karlsbad) 7.37 Meter(4-Kg.-Kugel), Weitsprung: Nejedlo(Karlsbad) 4.25 Meter, Hochsprung: Kastl(Fischern) und Runge(Karlsbad) j« 1.26 Meter. 60 Meter: Janda(Karlsbad) und Langstein(Fischern) je 8.4 Sek., Schlenderball: Köstler 24 Meter. In Eger weilte eine Handball mann, schäft aus L a d o w i h, welche 2:1 geschlagen wurde; zwei gleichwerttge Mannschaften zeigten ein schönes Spiel. In L i e b e n st e i n bei Eger spielten Raffballer aus Haselbach bei Falkenau; 6:4 gewannen die Heimischen. Die Fußballer des 1. Bezirkes siegreich Sonntag waren alle Mannschaften des Karlsbader Gebietes in der ersten Klaffe siegreich. Selbst der neue„Erstklassige" Schankau holte sich aus Franzensbad die zwei Punkte und Atus Fi- schein gewann in Unterreichenau. ASB G r a s l i tz weilte in Maierhöfen und mußte die Spielstärke des Kreismeisters verspüren. Wenn auch unser Kreismeister durch die verstrickten Netze der Fußballsatzungen um den ehrlich erkämpften Bundesmeistertitel gekommen ist, beweist die weitere erfolgreiche Tättgkeit dennoch die hohe Oualttät Maierhöfens und damit jene der westböhmischen Fußballbewegung. Eine unerwartet hohe Niederlage erhielt die Rote Elf Chodau in Drahowitz und kommt damit um die sichere Spitzenführung. FFK Falkenau konnte sich in Altrohlau auch keine Lorbeeren holen; die Porzellaner kommen dadurch wieder an die Tabellenspitze und der FFK wandert auf den sechsten Platz zurück. Die Eibenberger Sportbrüder haben auf eigenem Platz auch gegen den Nachbarver«in N e u d e k das Spiel verloren, sie werden also einstweilen noch den Tabellenschluß bilden. Die Resultate vom Sonntag: ASB Maierhöfen gegen ASV Graslitz 4:1, Atus Drahowitz gegen Rote Elf Chodau 5:0, Sportbrüder Eiben« berg gegen ASB Neudek 2:3, Atus Franzensbad gegen ADV Schankau 1:2, ASB Altrohlau gegen FFK Falkenau 4:2, Atus Unterreichenau gegen AtuS Fischern 2:4, ASK Eger gegen ASV L a d o w i? (Dux) 1:0, Atus Aich gegen Rapid Karlsbad 1:1. Attis N-usattl gegen Viktoria Chodov (Stak-Verband) 6:1. Die Tabelle der 1. Klaffe ADV Altrohlau. J 4 3 1 0 7 14:6 Atus Drahowitz. J 5 3 1 1 7 12:4 Rote Elf Chodau, a 5 3 1 1 7 10:11 ASV Maierhöfen. B 4 3 0 1 6 11:6 Atus Karlsbad« 1 4 3 0 1 6 5:3 FFK Falkenau.. 5 3 0; 2 6 13:12 ASV Neudek., g 5 2 1 2 5 11:10 ASB Schankau« B 4 2 0 2 4 9:8 Atus Fischern., 1 5 2 0 3 4 11:17 ASB Graslitz... B 2 1 0 1 2 6:5 Atus Unterreichenau. H 5 1 0 4 2 7:10 Atus Franzensbad. 5 1 0 4 2 6:16 Sportbr. Eibenberg. 5 0 0 5 0 6:18 Sport der Prager DTI Die DTI Smichov trug am Sonntag die Lang- strecken-We ttkämp fe des„Kejzlar-Memo- rialS" aus. Das 10-Kilometer-LaufeN (es waren aber nur 9.5 Kml) gewann Kolin(DT3 Radottn) in 32:27.4 Min. vor Tomasek(DTI Pilsen) in 32:50.3 Min. Außer Konkurrenz lief Bica« (DTI Böhm.-Brod), der mit 20 Meter Borsprung vor dem offiziellen ankam. Es starteten insgesamt 19 Sportler,— Im 10-Kilometer-Gehen (14 Teilnehmer) siegte Svoboda(DTI Smichov). Außer diesem wurden nur noch drei gewertet; sechs mußten disqualifiziert werden.— Ueber 10 Kilometer„Geh, wie du kannst"(über 35 Jahxe) siegt« von acht Startenden Miffck(DTI Tynec n. Bit.) in 39:59.8 Min.— Das Laufen der Frauen über 1500 Meter wurde annulliert, daß nur eine Streck« von 500 Meter absolviert wurde. Das Hazena-Turnier der DTI Smi« ch o v, an dem zehn Mannschaften teilnahmen, wurde von der Mannschaft der DTI R e v n i c e gewonnen. Der Kreismeister DTI Vysehrad remisierte mit dem Turniersieger 2:2 und verlor durch Los; gegen Smichov konnte er nur einen knappen 2:l»Sieg buchen- Atus-Bundcsineisterschaft in Fnßball. Gegen das letzte Entscheidungsspiel Kleische—Maierhöfen wurde Protest eingebracht. Die Bundesspielleitung hat dem. Protest stattgegeben, so daß für daS Jahr 1935 vorläufig kein Bundesmeisker- titel verliehen wurde. Wir bitten um Kenntnisnahme und ersuchen, einen Mißbrauch des TitelS bei der Propaganda zu vermeiden.— Die Bundesspielleitung. Bezugsbedingungen:«ei Zustellung ins Laus oder bei vezug durch Vie Bost monatlich XL 16.—, vierteljährig K4 48.—. haldjährrg K« 96—. ganzjährig Kd 192.—.— Inserate werden laut Tarif billigst berechnet. Bei öfteren Einschaltungen BreiSnachlan.—» Rückstellung von Manuskripten erfolgt nur bei Einsendung der Retourmarken.— Die steitungSfrankatur wurde von der Bost- und Tele- grapbendirekttou mrt Erlaß Nr. 13.800/VI 1/1930 bewilligt.— Druckerei:^rk-iS" Druck«. Verlags- und 8eitungS-L.,V„ Prag.