66 d ct Bes tt I 3ttet ften auf Sosialdemokrat ZENTRALORGAN DER DEUTSCHEN SOZIALDEMOKRATISCHEN ARBEITERPARTEI IN DER TSCHECHOSLOWAKISCHEN REPUBLIK ERSCHEINT MIT AUSNAHME DES MONTAG TÄGLICH FRÜH. REDAKTION UND VERWALTUNG PRAG XII., FOCHOVA 62. TELEFON 53077. HERAUSGEBER: SIEGFRIED TAUB. CHEFREDAKTEUR: WILHELM NIESSNER. VERANTWORTLICHER REDAKTEUR: DR. EMIL STRAUSS, PRAG. Donnerstag, 17. Oktober 1935 Einzelpreis 70 Heller ( einschließlich 5 Heller Porte) Lil Nr. 242 war 791 nen gen: eter, f113: Sall: Sad) ftler Beit poch ) je und ball: nn rde; önes Iten nau; rfa Selbit au Fi ASB ußte Benn Nezze bften eiter lität ichen rlage mit rung Ya nmen க e 11 saud ber ellen AS rabo Eiben nsbal gegen Atu hi 1: 1 odot 14: 6 12: 4 10:11 11: 6 5: 3 13: 1 11:10 9: 8 11:11 6: 5 7:10 6:16 6:18 Lang emo ufe ( DT I Vil Bica Sprung gefam ehe ichov) ; fed Kilo fiegt Vit. n übe Stred mi furt. onnen mit den Smi buchen Gege erhöfe biellei ür da ſter' intnis Titel undes 15. Jahrgang England fordert weitere Sanktionen Gen f. Der Wirtschaftsausschuß der KonSanktionen verhandelte Mittwoch Es muss mehr geschehen! mittags über die Anregungen der britiſden Dele Vor einer neuen Hungerlawine im Grenzgebiet gation, betreffend das Verbot der Warencinfuhr aus Italien. Nach diesem Resolutionsentwurf soll die Einfuhr sämtlicher Waren( mit Ausnahme von Gold, Silber und Geld) aus Italien oder italienischen Kolonien, die in Italien oder in italienischen Kolonien erzeugt werden, verboten werden, ohne Rücksicht, von wo aus diese Waren exportiert werden. In dieses Verbotsverzeichnis inbegriffen sind auch Waren, die aus Italien stammen und im Auslande teilweise weiter verarbeitet wurden. Ver= träge über Wareneinfuhren, die in Kraft sind, sollen aufgehoben werden und lediglich die Waren, die sich zum Zeitpunkt des Inkrafttretens des Verbotes auf dem Versandwege befinden, sind vom Verbote ausgeschlossen, desgleichen auch das persönliche Gepäck der aus Italien oder italienischen Kolonien kommenden Reisenden. Dem Antrage der britischen Delegation haben die Vertreter Hollands, Belgiens, Rußlands, Rumäniens, der Schweiz und der Türkei zugestimmt. Neber den Antrag wird noch Dornerstag verhandelt werden, denn es scheint, daß seine Annahme im Wirtschaftsausschuß der Konferenz bedeutende Schwierigkeiten hervorgerufen hat. Offensivgerüchte i.— Sechs Krisenjahre haben einen großen Teil der schaffenden Bevölkerung des westböhmisch- erzgebirgischen Exportgebietes zu einem Bettlerdasein verurteilt. Die große Glasfabrik in Neu satt I hat ihre Belegschaft von über tausend auf 370 Personen abgebaut. Von 600 Facharbeitern( Flaschenmachern) stehen noch zwölf im Betrieb. Die anderen mußten der verbesserten Maschinentechnik weichen und liegen seit Jahren auf der Straße. Ihre Kinder gehen im weiten Umkreis betteln. Die Eisenwerksarbeiter von Rothau Schindlwald müssen mit erschlaffenden Armen den Haushalt besorgen, damit die Frau als Klöpplerin bis Mitternacht wenigstens 3.50 Kč pro Tag verdienen fann. Es steht schlimm um ganze Orte und Bezirke, wenn da und dort Vertrauensleute, die in der Sitzung das Leid ihrer Kollegen schildern, mit Schwächeanfällen kämpfen. In weiten Gebieten hat sich mit der Tücke der wirtschaftlichen Gewalten auch die Ungunst der Naturkräfte gegen die Krisenopfer verschworen. Im ganzen Erzgebirge ist die Kartoffel- und Futterernte schlecht ausgefallen. Im Preßnitzer Bezirk wurde berichtet, daß mehr Kartoffel gelegt worden sind, als jetzt geerntet werden können. Das signalisierternste Gefahren. Fehlt einmal das letzte Volksnahrungsmittel oder wird es zum Ankauf unerschwinglich, dann ist die Grenz= linie zwischen schleichender und offener Hungersnot überschritten. Angesichts so zahlreich lau=' ernder böswilliger Nuznießerschaft in- und außerhalb der Grenzen muß jedes Wort über die bestehenden und drohenden Zustände vorsichtig abgewogen werden. Verantwortung ist aber keine einseitige Verpflichtung. Mögen die Lobredner der Diktaturen lügen, die Demokratie und ihre Träger dürfen nichts beschönigen. Ja, die Demokratie muß, um ihren Aufgaben in den Grenzen ihrer Kräfte gerecht zu werden, der nackten Wirklichkeit furchtlos ins Auge schauen. Aus einer kaum zu bewältigenden Fülle von Beobachtungen seien hier einige Fakten aneinandergereiht, die zur Beantwortung der Frage beitragen sollen, ob die bisherigen Fürsorgemaßnahmen in den Notstandsgebieten vom Gesichtspunkte primärer Staatsnotwendigkeiten aus gesehen in so gefahrvoller Zeit ausreichend sind. den soll. Trotz dieser offenkundigen Zusammen hänge nimmt dann das amtliche Verfahren seinen Gang. Da sind wir nun bei dem Kapitel angelangt, wie bei uns die Krisenfürsorge vielfach gehandhabt wird. Es gibt in Westböhmen Bezirke, wo die Gendarmerie keine Zeit mehr hat, sich etwa mit dem Aufspüren einer Einbrecherbande zu beschäf= tigen. Die Gendarmen sind die ganze liebe Woche auf den Beinen, um die Arbeitslosen zu kontrollieren und zu verhören. Gerade in der Zeit, da von sozialistischer Seite mit ernstestem Nachdruck betont wird, daß die lange Dauer der Krise und die absolute Erschöpfung der betroffenen Menschen gebieterisch eine erhöhte Arbeitslosenfürsorge er= fordert, werden die Reihen der Unterstützungss Bezieher mit gesteigerter Energie durchgekämmt. Eine Kontrolle gegen Mißbräuche muß da sein. In diesem Falle geht es aber um die prinzipielle Einstellung. Eine Bezirksbehörde ist z. B. der optimistischen Auffassung, daß 15 Kč pro erwachs sene Person und Woche sozusagen ein Eristenzmaximum darstellen. Verdient z. B. die Frau über 30 Kč in der Woche, so wird dem Mann die Lebensmittelfarte entzogen. Für ein Kind werden weitere 10 Kč Mehreinkommen wöchentlich zugestanden. Vertrauensmänner versuchten ver Die Gerüchte von einer bevorstehenden geblich davon zu überzeugen, daß kein arbeitsloser, Wie sich die großen Probleme der Zeit im erklärte energisch, daß er sich im Reich weder geschweige denn ein arbeitender Mensch mit 15 Kč Offensive der Abessinier, die in feinen Bereich auswirken, sei zunächst an einem politisch betätigt, noch gegen ein Gesetz verstoßen wöchentlich leben könne. In dem einen Bezirk den letzten Tagen immer wieder auftauchten, Beispiel dargetan. In so manchem erzgebirgischen habe. Die SS- Männer wußten jedoch über seine führt bei zwei erwachsenen Familienangehörigen werden von neuen Versionen abgelöst, die eine Grenzort gibt es erstklassige Facharbeiter, die hiesige politische Tätigkeit Bescheid und sie jeder Verdienst oder Rentenbezug über 30 Kč zum Offensive der Italiener als unmittelbar bevorstehend bezeichnen. Die Italiener Der Weg über die Grenze wird nur durch eine Grenzgänger wurde vorgeworfen, daß er einige ist dies bei über 35, im dritten Bezirk bei über mittelbar bevorstehend bezeichnen. Die Italiener für reichsdeutsche Verleger Heimarbeit leiſten. hatten auch seine Photographie. Dem Entzug der Lebensmittelfarten, im Nachbarbezirk haben ja ihren Generalstabschef Marschall Babestimmte Parteilegitimation geöffnet. Daß über-( unserer) Dörfer marristisch ,, bergifte" und da- 40. Kč der Fall. Handeln die betreffenden Beamdoglio nach Eritrea kommen lassen, der den dies auf unserem Boden noch Erhebungen her ein ,, Staatsfeind" des Dritten Reiches ten nach freiem Ermessen oder liegen interne WeiVormarsch von Adua auf Matalle leiten soll. Die über die politische Zuverlässigkeit" solcher sei. Doch nicht genug. Der Mann opferte feiner fungen vor? In Altro hIau wurden auf diese Abessinier erwarten angeblich den Haupistoß der Feinde noch immer von Süden her, wo die Ita Grenzarbeiter gepflogen werden, ist bekannt. Der Ueberzeugung die letzte Arbeitsmöglichkeit. Kurze Weise 570 Menschen aus der Ernährungsaktion Feinde noch immer von Süden her, wo die Sta- dokumentarische Nachweis dafür ist in den Hän Zeit darauf war im eigenen Ort der Teufel los. gestrichen. Nach Trinksaifen im Bezirk liener in breiter Front hinter einer Mauer von den des Verfassers, kann aber mit Rücksicht auf Bei der zuständigen Bezirksbehörde lief eine ano- Neudet gingen vor zwei Jahren noch 550 bis 570 Tanks vorgehen und rücksichtlos Flugzeuge gegen Die Bibilbe bölferung der Wer greift an und wo? Der Kampf um das letzte Stück Brot abessinischen Ortschaften einsetzen. Dort arbeiten der Oeffentlichkeit übergeben werden. Es gibt zialdemokraten der Gemeinde bezichtigte, zu Un 170. Für Eibenberg im gleichen Bezirk die humanen Träger der europäischen Zivilijas aber Sozialdemokraten, die so fachtüchtig sind, recht Ernährungskarten zu beziehen. Die Me- wird der Rückgang mit den Ziffern 360 und 60 tion auch mit Giftga sen von verheerender daß auch Unternehmer des Dritten Reiches ihre thode iſt ſonnenklar. Dieſelben Kräfte, die zuerst illustriert. Praktisch heißt das die Herabdrückung Wirkung. Für den Verlauf des Feldzuges wird Arbeit bevorzugen. Ein solcher Grenzgänger wurde den sozialdemokratischen Arbeiter in Deutschland des Lebensniveaus auf eine Stufe, wo sich, wis viel davon abhängen, ob die Abessinier diesen unlängst von SS- Leuten abgefangen und ange=| denunzieren, damit er die Arbeit verliere, de- ein Gemeindefunktionär mir sagte, das Vegetie= Stoß abfangen. Im Norden arbeiten die Terrain- schnauzt, sobald er sich noch einmal in Deutsch- minzieren ihn dann bei unseren Behörden, da- ren aufhört und die Agonie beginnt. Es würde land blicken lasse, werde er nicht mehr heimkom- mit ihm auch die Ernährungskarte entzogen oder sich kaum ein Wissenschafter finden, der zu beweischwierigkeiten ohnehin für sie. men. Der Mann hatte ein gutes Gewissen und zumindestens wochenlange Schererei bereitet wer- sen vermag, daß ein erwachsener Mensch von 15 Kč Die 3 taliener ſcheinen nun doch auch Verluste an Flugzeugen zu erlei den. Zwei werden als notgelandet auf abessinischem Gebiet gemeldet, eines haben angeblich die Engländer im Sudan zur Landung gezivungen. Der Negus befindet sich noch in Addis Abeba( Graf Vinci übrigens auch), doch wird der Abgang des Kaisers an die Front täglich erwartet. Ueber die Operationen des Seyum herrscht Ungewißheit. Ob er zu einem umfassenden Angriff auf die Italiener schreitet oder sich zum Widerstand verschanzt, ist umso Raz weniger zu entscheiden, als alle privaten Berichte Verzweiflungskampf arbeitsloser Textilproleten wöchentlich leben kann. Es geht aber nicht nur um die Nahrung, sondern auch um die Bekleidung, Beschuhung und vor allem um die Bezahlung der Wohnung. Das ist der entscheidende Punkt und hier müßten doch an den maßgebenden Stellen die besonderen Lebensverhältnisse in unseren Industriegebieten endlich zur Kenntnis genommen werden. Der nachwirkende Fluch längst bergangener Konjunkturen sind in unseren dicht besiedel= Betriebsbesetzung in Ober- Adersbach ten Exportzentren die hochgebliebenen GrundBekanntlich wurde durch die Brau- blieben die Arbeiter auch über Nacht im tragen die wöchentlichen Mietzinse einer stückpreise und Wohnungsmieten. In Asch bes nauer Bezirksbehörde der Böhmischen Betrieb und sind entschlossen, erst dann Arbeiterwohnung 30 bis 50 Kč. Ein nach dem wegs tendenzios entſtellt und oft er I og en find. Escomptebank als derzeitiger Besizerin den Betrieb wieder zu verlassen, bis Genter System unterſtüßter Textilarbeiter, der der Ober- Adersbacher Flachsgarnspin- eine Entscheidung über die Frage der wöchentlich 70 Kč befommt, vermag sie nicht zu nerei ein dreimonatiger Betriebsstill- Wiederaufnahme des Betriebes von erschwingen. Wie erst der Ernährungstartenstand bewilligt. Montag waren die drei den zuständigen Stellen erfolgt. Diens bezieher? In Altrohlau find Monatsmieten bei Monate um. Da die Arbeiterschaft tag nachmittag fand über Vermittlung Arbeiterwohnungen zwischen 120 und 150 Kč übkeine Verständigung erhielt, daß eine der Bezirksbehörde in Braunau eine lich. In Maierhöfen werden in einem alten Verlängerung des Stillstandes vom Verhandlung mit dem Betriebsaus- Haus für Zimmer und Küche 120 Kč bezahlt, in Ministerium bewilligt worden wäre, schuß statt, an der auch zwei Vertreter Neubauten 130 bis 150 Kč. So gering ist die das für Betriebsstillegungen, die län- der Bank teilgenommen haben, die weil sich unser Arbeiter mit äußerster Kraft daSpannung zwischen Alt- und Neumieten. Und ger als drei Monate dauern, allein jedoch keine ausreichende Vollmacht gegen wehrt, als Obdachloser auf die Landstraße zuständig ist, sind Montag alle 287 Ar- hatten. laut ele Ras Seyum Kommandierender in Tigre zu ziehen, hungern sich viele Familien buchstäblich beiter und Arbeiterinnen im Betrieb Die Freien Gewerkschaften und zu Tode, um von ihren fargen Unterstübungen erschienen, um die Arbeit wieder auf- unsere Partei haben sich an Genossen wenigstens den Mietzins bezahlen zu können. So zunehmen. Die Arbeiterschaft fordert, Fürsorgeminister Nečas gewandt, da- lange nicht die primitivften Lebenshaltungskosten daß ein maßgebender Funktionär der mit er in den Konflikt eingreife und zur Grundlage genommen werden, bedeutet die Bank nach Ober- Adersbach komme, eine Entscheidung zugunsten der Wei- bheutige Revisionstätigkeit eine Beschleunigung des um sie zu informieren, was nun ge- terführung des Betriebes befürworten unheimlichen Pauperisierungsprozesses, ein Hin schehen werde. möge. Der Konsumverein„ Vorwärts" abstoßen in die letzte Bergweiflung. Damit hängt Da sich die Bankfunktionäre wei- Trautenau hat der Arbeiterschaft unerschwinglichen Mieten zu entgehen, haben sich noch ein anderes Problem zusammen. Um der gerten, in den Betrieb zu kommen, be- kostenlos Lebensmittel zur Verfügung viele Arbeiter in besseren Zeiten ein Häuschen geschlossen die Arbeiter, solange im Be- gestellt und auch sonst erhalten die Ar- baut mit den teueren Grundstüd- und Materials triebe zu bleiben, bis der Betrieb wie beiter von der Bevölkerung weitest preifen, wie sie in Industriegebieten üblich sind. der aufgenommen wird. Tatsächlich gehende Unterstützung Was soll jezt aus ihnen werden? Eine Bezirksa Seite 2 Donnerstag, 17. Oktober 1935 Nr. 242 behörde steht auf dem Standpunkt, daß ein fiktiver Besitz von 15.000 KL, der sich im Vergleich des Schätzwertes und der Verschuldung ergibt, die Streichung aus der Ernährungsaktion begründet. Unterstützungen sind angeblich nicht zum Zinsenzahlen bestimmt. Dabei wird außer acht gelassen, daß es in solchem Falle um die Aufbringung der Wohnungskosten geht, wie beim Mieter. Ist dem Staat geholfen, wenn die Geldinstitute um ihre Darlehen kommen, wenn die Leute eines Tages davonlaufen müssen? Läßt sich dieser Standpunkt mit den EntschuDungsforderungen der Landwirte in Einklang bringen? ♦ Immer wieder tritt auch die Frage ins Blickfeld, wieweit die Arbeitslosen mit kleinem oder kleinstem Grundbesitz als bedürftig anzusehen sind. Man könnte es nicht glauben, wenn es nicht von ernsten Männern erzählt würde, daß ein Grundbesitz von 30 bis 40 Ar im Erzgebirge zur Streichung aus der Ernährungsaktion oder Kri- senunterstützung hinreicht. Einem Arbeitslosen mit zwei Hektar Grund in 700 Meter Seehühe und 26.000 KL Schulden wurde auch zur regulären Gewerkschaftsunterstützung nur der einfache Staatsbetrag bewilligt. In SchinLlwald werden bei Häuslern und Kleinlandwirten, die wegen der Dürreschäden um Hilfe aus dem Fonds für Elementarkatastrophen angesucht haben, strenge Gendarmerie-Erhebungen durchgeführt. Wer irgendeine Rente von über 150 KL monatlich bezieht— und es sind solche Bruderladenrentner darunter—,■ bekommt nichts für sein« Dürreschäden. Wo ist da die gesetzliche Begründung? Fließt nicht auch die Grundsteuer dieser Bürger in den Fonds für Elementarkatastrophen? Irgendwo müssen doch die Häusler und Kleinlandwirte der Krisengebiete zugezählt werden. Bei Fürsorgeaktionen und Notstandsarbeiten gelten sie als Landwirte, bei landwirtschaftlichen Hilfsaktionen werden sie als Nichtlandwirte erklärt. An dieser Berührungslinie zwischen Industrie- und Agrarkrise laufen Gräben gegenseitiger Abgrenzung, über die noch kein Steg weitherzigen sozialen Verständnisses führt. * Gegen die geschilderten Methoden bei der Durchführung der Evnährungsaktion ist noch ein ernster Einwand zu erheben. Zuerst wird durch Siebungen die Zahl der Bezugsberechtigten noch und noch herabgedrückt. Bringt dann die Bezirks-' behörde auf Grund des durchgesiebten Katasters ihre Anforderung ein, dann wird die verlangte Kartenzahl— wie es zuletzt im Bezirke Elbogen geschah— von der Landesbehörde einfach um 15 Prozent linear zusammengestrichen. Bezirk und Gemeinden mögen sich dann kümmern, wie sie die abermalige Kürzung— man bedenke: der an« spruchsbeglaubigten Personen!— durchführen. Durch diese BürgangSweise werden auch die-ergänzenden Hilfsaktionen nach und nach illusorisch gemacht. Die Zuweisungen für die Brot- und Milchaltivn richteten sich je nach der Zahl der Ernährungskarten-Dezieher im Bezirk. So entfällt manchmal auf ein Kind noch eine Milchkarte pro Monat. Tas unter der Krisenlast fast zusammenbrechende Neusattl erhielt bei 250 bis 270 arbeitslosen Familienerhaltern 60 Milchkarten. » Was hier geschildert wurde und was noch zu schildern fein wird, spielt sich unmittelbar neben der sozialen Demagogie des HitlerfasciSmus ab. Die raffinierte nazistisch« Grenzpropagända ist unablässig bemüht, den Nachweis zu führen, daß der FascismuS für die Opfer der" Krise besser sorgt, als die benachbarte Demokratie. Das braune System entzieht in den binnendeutschen Gebieten den Arbeitslosen die Mittel, um an der Grenze den Anschein ein«r großzügigen Hilfstätigkeit zu erwecken. Eine reichsdeutsche Staatsbürgerin, die in einem unserer Grenzorte einen Gemischtwarenhandel betreibt und noch nicht zu den Bedürftigsten zählt, erhielt im Vorjahr 40 Zentner KohlL von der„Winterhilfe" herübergeliefert. Mit solchen Fällen wird dann die intensivste Propaganda betrieben. Die Schattenseiten des hakenkreuzlerischen Regimes kommen unserer Grenzbevölkerung kaum zum Bewußtsein. Reichsdeutsche Oppositionelle erlauben sich nur pevsönlich bekannten Sozialdemokraten gegenüber ihr Herz zu erleichtern. Ueber aewisse Vorbereitungen im reichsdeutschen Grenzgebiete trauen sich nicht einmal Verwandte untereinander zu sprechen, denn auf„Landesverrat" stehen 15 Jahre Zuchthaus oder Todesstrafe. Neber eine Reihe anderer Mängel der Ar- beitÄosenfürsorge und über die brennend wichtige Frage der Notstandsarbeiten soll im nächsten Aufsatz gesprochen werden. Doch schon das bisher auS- gebreitete Tatsachenmaterial berechtigt zu der Folgerung, daß mit den bisherigen Krisen Hilfsmaßnahmen im kommenden Winter unter keinen Um st än- den das Auslangen gefunden werde n. ka n n. Die Dienstzeiterhöhung hat einen Mangel an Ubikationen zur Folge. TaS Ministerium verhandelt deshalb mir dem Finanzministerium, um Kredite für Kasernbauten an Städte zu erleichtern. Materialbeschaffung Während bei der vierzehmnonatigen Dienstzeit der Durchschnittsstand der Mannschaft 88.000 Personen betrug, erhöht sich der Verpflegsstand durch die vierundzwanzigmonatige Dienstzeit auf 144.876 Personen. Das hat eine Erhöhung der Ausgaben für Sold, Verpflegung, Bekleidung und Ausrüstung sowie für die Gesundheitspflege zur Folge. Die entsprechende Erhöhung des Budgets ist bereits im Gesetz 127/34, das die Maximalgrenze des Militärbudgets mit 1400 Millionen KL festsetzt, vorgesehen. Die Erhöhung des Standes hat jedoch auch größere Ausgaben für Material, Betriebsstoffe, Munition usw. zur Folge. Die Errichtung neuer Formationen erfordert die Beschaffung neuen Materials: auch der Friedensstand an Pferden wird dadurch erhöht. Im Jahre 1936 müsse man wenigstens die Hälfte des neu benötigten Pferdemate- rialS beschaffen. Ueberhaupt werde eS notwendig sein, in das Budget für 1936 größere Beträge zur Ergänzung bzw. Auswechslung des Materials einzustellen. .Dir materielle Ausstattung der Armer iK nach dem Minister noch nicht auf der Höhe, di« angesichts der heutigen Situation erforderlich wäre. ES müsse daS Material für die Mobilisierung ergänzt und auch eine gewisse Matrrialrrferv« für die Zeit gefchaften werden, in der sich die In» dnstrie erst auf Kriegslieferungen umstellen müßte. Modernisierung der einzelnen Waffensattunsen Die Infanterie müsse mit Waffen gegen Tanks und Flieger sowie mit modernen Beglcittoaf« fen ausgestattet werden. Die eigentliche Angriffs« Waffe, die Tanks und Panzerautos, steckt noch in den Anfängen und ihr allseitiger Ausbau wird bedeutende Mittel und viel Arbeit kosten. Die Artillerie benötigt in einigen Kalibern modernes Material. Namentlich müsse die Fliegerabwehr ausgebaut und die Mowrisierung fortgesetzt werden. Tie Kavallerie benötigt eine Pferbereserve und AngriffSwaften und Tanks sowie ein« bessere Versorgung mit Artilleriematerial. Die Zahl von elf Kavallerieregimentern erweist sich als ungenügend. Im Flugwesen sind immer neue und neue Gelder zur Modernisierung und Ergänzung deS Materials notwendig. So ist die Leistungsfähigkeit der Flugmotore von 120 auf 800 PS, ihr Preis aber von 140.000 auf 350.000 bis 400.000 KL gestiegen. Auch der Brennstoffverbrauch wird dadurch erhöht. Festunssbauten Die wichtigste Frage im Pionierwesen sind heute itändigeBefestigungsaulagen. welch« im Ernstfall den angreifenden Gegner aufhalten und die Durchführung der Mobilisierung«r- möglfchen'sollen- Die MtlttärverwosstüNg hat, sobald die finanzielle Frage geregelt war, bereits mit größter Beschleunigung alle Vorbereitungen getroffen. AuS militärischen Gründen könne der Minister begreiflicherweise keine Details mitteilen, doch sei die Angelegenheit bereits im Stadium der praktischen Realisierung. Hinsichtlich des Straßennetzes sei eine Ergänzung in einigen Gebieten der Slowakei und die Schaffung von Uebergängen aus Mähren nach der Slowakei besonders notwendig. Abschließend erklärte der Minister, er wisse, daß die angedeuteten Bedürfnisse der Armee schwere finanzielle Opfer erfordern und noch weiter erfordern werden, aber man müsse sie bringen mit Rücksicht auf die Zukunft des Staates und seine Sicherheit. Verteidigungsminister fordert Ausbau der Armee Vormilitärische Erziehung— Vermehrung des Kriegsmaterials Permanente Befestigungen Prag. Im Wehrausschuß des Abgeordnetenhauses hielt Verteidigungsminister M a ch n t k am Mittwoch eine programmatische Rede über die Notwendigkeit d«S Ausbaues der Armee, eine Rede, der angesichts der Tatsache, daß eben das definitive Budget für 1936 fcrtiggestellt wird, eine ganz außerordentliche Aktualität zukommt. Es ist kein Geheimnis, daß die Armeeverwaltung angesichts der gespannten außenpolitischen Situation die Modernisierung der technischen Aus- rüstung der Armee als notwendig erachtet und bestrebt ist, die nöftgen finanziellen Mittel zu sichern. Der Minister gab auch offen zu, daß hiezu ein festes langfristiges Programm notwendig sei, wobei in erster Linie an die Sicherstellung regelmäßiger finanzieller Aufwendungen gedacht werden müsse. Noch vor wenigen Jahren pflegten die Armeeverwaltungen in solchen Fällen bei den parlamentarischen Körperschaften auf sehr reservierte Gesichter und zugeknöpfte Taschen zu stoßen. Das war zu einer Zeit, als das noch vorwiegend gut demokratische Europa an keine kriegerischen Auseinandersetzungen dachte, ja eine durchgreifende Abrüstung durchaus in den Bereich der realen Möglichkeiten gerückt schien. Heute ist es leider anders geworden. Heute braucht die Armeeleitung, die vom Parlament Geld haben will, den Teufel nicht erst in schrecklichen Farben an die Wand zu malen, heute weiß jeder, daß eine eminente Kriegsgefahr tatsächlich besteht, und begreift daher auch, daß di« Verteidigung des Staates technisch und finanziell gut vorbereitet sein muß. Daß binnen kurzer Zeit ein derartiger Wandel eingetreten ist, ist wahrlich nicht unsere Schuld. Es sind die fascistischen Diktaturen, die ring um uns fast wie die Pilze aus dem Boden geschossen sind und die trotz allen Friedensbeteuerungen ein« furchtbare Gefahr für jeden Nachbar st aat darstellen. Daß der FascismuS Krieg bedeutet, ist kein bloßes Schlagwort, das die Sozialisten er- ftrnden haben, sondern bitterste Wahrheit, wie die letzten Wochen auch den Unbelehrbarsten lehren. Sich wehrlos auf Gnade und Ungnade dem FascismuS auszuliefern, kann auch der überzeugteste Pazifist heute von keiner Demokratie verlangen. Auch unsere Demokratie wird daher in ernster Sachlichkeit an die Prüfung der Forderungen, die die Armee durch ihren obersten Repräsentanten erhebt, gehen müssen, und sie wird begründeten Forderungen ihre Zustimmung nicht versagen können. Auch Sozialisten können und dürfen sich nicht von dieser ernsten Pflicht ausschließen. Aber wir hoffen aus ganzem Herzen, daß das in Waffen starrende Europa von heute keinDauerzu- stand bleiben wird, sondern daß mit dem Sturz des FascismuS, den mit allen/Mitteln herbeizuführen heute die Hauptaufgabe des Sozialismus ist, für die Welt wieder ruhigere Zeiten kommen, in denen die Gelder, die heute der Militarismus für sich beansprucht, friedlicheren und nützlicheren Zwecken werden zugeführt werden können! In legislativer Hinsicht kündigte der Minister ein Gesetz über dieVerteidigungdesStaa- t e s an, das alle während der Mobilisierung und im Krieg notwendigen Vorkehrungen einheitlich festlegen soll. Unter anderem soll auch der Uebergang zur Kriegsproduktion geregelt werden. Das Ministerium bereitet mich ein Gesetz über die vormilitärische Erziehung vor. Diese Erziehung soll obligatorisch sein und einerseits in den Schulen, andererseits in gewissen Vereinen, die die militärische Ausbildung pflegen, durchgeführt werden. Organisationsfragen De^ Minister erinnert daran, daß die Einführung oer zweftässrigen' Dienstzeit eme'ÄrtisteyrlM der Standes der bestehenden Truppenkörper und die Errichtung neuer Spezialformationen ermöglichte, so von Tankregimentern n. Telegraphenbataillonen. Die Errichtung von Korps- kommandos ist vor dem. Abschluß, sieben provisorische Korpskommandanten wurden bereits er- uannt. Als eine der brennendsten Fragen der Wehrmacht bezeichnet der Minister den Mangel an Berufsoffizieren. Die Militärverwaltung bereitet daher einen Antrag auf Revision der Svste- mysierung vor; mich die Frage der materiellen Besserstellung der Militärgagisten müsse einmal gelöst werden. Ebenso werde eS notwendig sein, di« Existenz der länger dienenden Unteroffiziere nach Erfüllung ihrer Militärverpflichtungen im öffentlichen Dienst sicherzustellen. VILLA OASE oder: DIE FALSCHEN BORGER Roman von Eugene Debit Berechtigte Uebertragung aus dem Französischen von Bejot Es gab noch zwei Abendzüge. Nach dem Essen trank sie ihren Kräutertee und machte sich wieder an die Arbeit. ES schlug zehn. Julien Ivürde mit dem Mitternachtzüg kommen. Sic hörte auf zu sticken, rief nach Solange und for- dcrte sie auf, sich zu ihr zu setzen. „Sieh dir die Bilder an", sagte sie, ihr eine Nummer des Touring-Club gebend. Sie brannte sich eine neue Zigarette an und nahm Bobby auf den Schoß. Solange schlief bald ein. Ihre Nase sank immer tiefer auf die Tischplatte. Irma sah Julien in Paris in den Zug steigen und begleitete ihn im Geiste auf seiner Fahrt. Sie kannte die Strecke so genau, daß sie jede Station vor sich hinmurmelte. Gegen Mitternacht sah sie sich in Melun. Ein wenig später hörte sie das Rollen eines Wagens. Sie spannte. Noch nichts. Endlich war ihr, als höre sie in der Rue du petit Bau Schritte, Bobby bellte. „Still!" sagte sie. Er bellte stärker. Sie sprang auf. War jemand im Garten? Der Hund schwieg, die Stille iummte ihr im Ohr. Sie warf einen ängstlichen Blick auf die Uhr. Jetzt kam er nicht mehr. „Wer weiß, in welches Bett er kriechen mag, der Schweinehund?" Vielleicht auch war er das Opfer eines Unfalls geworden? Ach, welche Dummheit, sich seinetwegen noch Sorgen zu machen! Wahrscheinlich saß er noch mit den anderen Saufbrüdern im Cafl deS Courses, oder er tvar im Bordell. Sie war nicht eifersüchtig, aber sie wollte ihm einen herzlichen Empfang bereiten, wenn er morgen, verkatert und schuldbewußt, ankommen würde. Bis dahin lag noch die ganze Nacht vor ihr. ./Solange, der Herr ist nicht gekommen. Sich auf, begleite mich!" Das schrie sie, so laut sie konnte. Vor jedem Fenster blieb sie stehen,^>ie Ture verrammelte sie mit Stühlen. Erst, nachdem sie sich vergewissert hatte, entschloß sie sich, nach oben zu gehen. Auf der Treppe machte sie plötzlich halt. «Das war nur eine Stufe, die geknarrt hat", erklärte Solange. „Glaubst du? Laß jedenfalls deine Türc offen." Di« Möbel hatten seltsame Formen. Und man konnte sich dahinter verstecken oder unter dem Bett. Doch sie war närrisch, sich solche Gedanken zu machen; sie hafte ja das Haus nicht verlassen. Sie nahm den Revolver, hielt ihn in ihrer zitternden Hand und legte ihn ängstlich auf den Nachttisch. Drohte wirklich Gefahr, würde sie nicht fähig sein, die Waffe zu gebrauchen. Warum hatten sie eigentlich kein Telephon? Sie hätte im Notfall die Polizei anrufen können. Sie bekam kaum Lust. Ganz langsam zog sie sich aus und ging zu Bett, ohne das Licht auszuschalten. Lange ersehnte sie den Schlaf. In der unerträglichen Stille hörte sie die Uhr schlagen. Zweimal. Der Morgen graute gegen sieben, und jetzt war erst die«Stunde der Verbrechen". Glücklicherweise lebte man in einer wohlorganisierten Gesellschaft, deren Stärke und Gesetze Diebe, Mörder und Aufrührer in Schach hielten. Sie schlief ein, riß aber die Augen gleich wieder auf und schalt sich wegen ihrer Unachtsamkeft. Sie dachte voller Entsetzen an das Geld, das hinter zwei Ziegeln im Kamin lag. Wie schwer war eS zu verdienen und, wenn man es hatte, zu behüten! Man wußte, daß sie einen Batzen im Hause mifbewahrten. Vielleicht umschlich jetzt einer die Villa Oase, um ihn zu rauben? Sie faßte mit der Hand an die Kehle, als wollte sie fich des Würgegriffs erwehren, der ihr das Geheimnis entreißen sollte. Mit heiserer Stimme rief sie nach Solange. Die Kleine antwortete nicht. Sie wagte nicht, lauter zu schreien. Der Klang ihrer Stimme erschreckte sie. Sie wollte lieber aufstehen. Unmöglich konnte sie bis zum Morgen allein bleiben. Sie rüttelte Solange, bis sie mit einem Angstlaut auffuhr. „Du mußt bei mir schlafen." • Sie nahm sie an der Hand, führte sie, drehte den Schlüssel um. Und keuchend, mit schweißtriefender Stirn, lehnte sie sich gegen den Schrank. Dann schlüpfte sie an Solanges Seite. Bobby sprang aufs Federbett und machte sich's gemütlich. Jetzt war sie in Sicherheit. Solange schlief schon wieder. Ihr Gesicht schimmerte so weiß wie das ganz hellblonde Haar. Ihr Hemd stand offen. Man konnte ihre flache Brust und die mageren Schultern sehen. Armes Ding... Irma verspürte ein mütterliches Gefühl und erinnerte sich der Zeit, in der ihre Tochter sie morgens im Bett besuchte. Ein lange nicht mehr gekannte- Wohlbehagen durchströmte sie und nahm ihr allmählich das Bewußtsein. Es war schon Tag, als sie die Augen auf' schlug. Sie reckte sich. Der Nacht gedachte sie Ivie eines schweren Traums. Ein Hahn krähte, ein Wagen rollte. Julien würde bald kommen. Sir weckte Solange. „Steh auf und zieh dich an." Sie streckte sich aus und nahm den ganzen Platz ein. Die Bettwärme tat ihr gut. Sie lag ganz still, mit einem frommen Gesicht, und dachte an nichts. War es nicht Glück- genug, daß die Nacht hinter ihr lag? Konnte sie nicht stolz sein, daß sie sie ohne männlichen Schutz überstanden hatte? Als Julien die erste Nacht draußen verbracht hatte, war er frühzeitig nach HauS gekommen. Sie erwartete ihn jetzt und würde ihn gewiß nicht 1 mit Samtpfötchen begrüßen. Doch ihre Lider sielen zu, sie schlief wieder ein. Als sie erwachte, kein Julien. Sie suchte nach Gründen, und da dieses Grübeln sie schmerzte, zog sie vor, aufzustehen. Nach einem Blick auf Helmes Bild trat sie ans Fenster und sah die schwarzen Silhouetten der Bäume unter einem düsteren Himmel. „Wenn er nicht zum Frühstück da ist, fahre ich nach Paris und suche ihn", dachte sie. Noch eine so angswolle Nacht wollte sie nicht ertragen. Wenn jemand die Abwesenheit Juliens bemerkt hatte, bestand erst recht die Gefahr, daß er sie sich zunutze machte. Bobby, der auf seine Milch wartete, sprang an ihren Beinen hoch. Sie gab ihm einen Fußtritt und wiederholte, an ihrer Zigarette kauend:„Nein, noch eine Nacht bliebe ich nicht allein." Feuer konnte ausbrechen, ein Ueberfall geschehen. Sie mußte ihre Haut schützen. Sie würde bei einer Freundin schlafen oder im Montbert, wo man sie nur zu gern aufnähme. „Vielleicht hat Julien die Äacht dort verbracht?" Eine neue Angst befiel sie. Sie kannte seine Wutausbrüche, wußte, daß er in Geldsachen ungenießbar war. Einerseits stimmte sie ihm darin zu, aber'Alfred, der mehr war als ein Freund, räumte sie eine Sonderstellung ein. Der arme Kerl! Julien würde bestimmt keine Rücksicht auf ihn nehmen. Ihrer konnte er sicher sein. Sie wäre die letzte, ihm Ungelegenhestcn zu bereiten. Aber für Julien konnte sie nicht garantieren. Sie mischte sich nie in seine Geschäfte, aber jetzt hätte sie doch gern gewußt, wie hoch seine Forderung war. „Ich muß mir ihr Papier ansehen", tagte sic sich. Sie suchte in der Kassette. Ihr Familienbuch lag darin, Bersicherungs- und Depotscheine, das Papier fand sie aber nicht. Julien hatte es vielleicht mitgenommen? Nein, die Kassette stand noch an der alten Stelle, und Julien war überhaupt nicht am Schrank gewesen. .(Fortsetzung folgt.), Nr. 242 Donnerstag, 17. Oktober 1935 Seite 3 Lavals Doppelspiel Scheinsanktionen und Freundesdienste für Italien Obwohl über den neuen Vermittlungsversuch Lavals offiziell wenig bekanntgegeben wird, läßt sich aus den französischen und englischen Nachrichten doch der Kern dieser Aktion deutlich herausschälen. Laval hält an seiner gefährlichen Politik des Zickzack-KurseS und der Unaufrichtigkeiten gegenüber Genf und London anscheinend noch immer fest. Während er in Genf den Sanktionen, soweit sie keine ernste Gefahr für Italien bergen, seine Zustimmung gibt, versucht er alle wirksamen Sanktionen zu verschleppen— so die neuen Anträge auf Handelsboykott Italiens— und für Mussolini Zeit zu gewinnen. In London hat er augenscheinlich beantragt, England möge die Mittelmeerflotte auf den früheren Stand herabsetzen, wofür Italien seine Truppen in Lybien (Tripolis) abrüften würde. Auf dieses ungleiche Geschäft, bei dem die Engländer Italien das Mittelmeer ausliefern und einen Landangriff auf Aegvpten hinausschieben, aber einem See« und Luftangriff die Bahn öffnen würden, ist London nicht eingegangen. Es erklärt begreiflicherweise, daß es keinen Anlatz sehe, seine Mittelmeerflotte zu reduzieren. Ferner soll Laval in der Richtung eines „Kompromisses" in der abessinischen Frage selbst vorgefühlt haben. Er will Mussolini noch immer ein Teilmandat und gewisse Sonderkonzessionen bieten. Mussolini selbst fordert drei Provinzen und lätzt in der Press- erklären, datz er unter dem Druck der Sanktionen nicht verhandeln werde. Die Stellungnahme der englischen Regierung zu dem von Laval für Mussolini ge« manageten Geschäft umreitzt am deutlichsten ein Artikel der„Morningpost", in dem eS heitzt, Annexion Memels gewährt? Soll es beide Augen zudrücken, wenn Berlin den Krieg mit Giftgasen führt? Es scheint, daß Frankreich sich über die zwingende Parallelität der jetzigen mit gewissen in Zukunft drohenden Ereignissen nicht klar ist. Frankreich hat die Wahl gehabt, den Völkerbund seiner Freundschaft mit Mussolini zu opfern und Genf ein für allemal aufzugeben. Das wäre eine brutale und vielleicht London. Im Streikgebiet von Südwales kam es Mittwoch nachmittags zu blutigen Zusammenstößen zwischen Angehörigen des Bergarbeiterverbandes und gewerkschaftlich nicht organisierten Arbeitern. Insgesamt wurden 40 Personen mehr oder weniger schwer verletzt, von denen sich die meisten in ärztliche Behandlung begeben mußten. Es dürste in der Geschichte der Arbeitskämpfe wohl erstmalig sein, daß sich die Zusammenstöße unter Tags abspielten. In die„Trelewis"-Grube waren am Mittwoch 70 Gewerkschafter eingefahren, um sich ihren bereits in der Grube weilenden Arbeitskameraden bis zur Erfüllung ihrer Forderungen anzuschließen. Gleichzeitig hatten sich 150 gewerkschaftlich nicht organisierte Bergarbeiter entschlossen, als Streikbrecher in dieselbe Grube einzufahren. Die Folge war ein erbittertes Handgemenge. Als die ersten Verwundeten an die Oberfläche gebracht wurden, strömten Tausende von Menschen in der Umgebung der Grubenanlage zusammen, wobei ssch eine bedrohlich« Lage ent» unkluge, aber geradlinige Politik gewesen. Oder es mußte Genf halten, aber Italien fallen lassen. Mr. Laval sitzt zwischen den Stühle n und macht von Tag zu Tag einen immer peinlicheren Eindruck. Die englischePolitik wird im Augenblick von zwei Gesichtspunkten her bestimmt: von dem W a h l k a m p f, der die Regierung zur Unnachgiebigkeit zwingt, und von der S o r g e u m d e n F e r n e n O st e n, der sie vor dem Krieg im Mittelmeer zurückscheuen läßt. Die auffckllende Betriebsamkeit, die I a p a n in jüngster Zeit in China entfaltet, ist ohne Zweifel der schwerste Ballast an der sonst so zielbewußten Politik der Gruppe Baldwin-Hoare- Eden. wickelte. An der Nins-Mile-Point-Grube, wo die Auseinandersetzungen ursprünglich vor fünf Tagen ausgebrochen waren, erzielten die Gewerkschaftler insofern einen Erfolg, als es der Grubenverwaltung nicht gelungen war, die Streikbrecher an ihre Arbeitsplätze zu bringen, weil sich die Eisenbahner geweigert hatten, den hiefür vorgesehenen Zug abzufertigen. Im gesamten Streikgebiet haben Mittwoch nachmittags insgesamt 10.000 Bergleute die Arbeü niedergelegt. Nach einer neueren Meldung ist auf der Taff-Merthyr-Grube die Polizei am Mittwochnachmittag mit dem Gummiknüppel gegen die Volksmenge vorgegangen. Hierbei wurden zwei Polizeibeamte schwer verletzt. In der gleichen Gegend wurde ein Eisenbahnzug, in dem sich Nichtorganisierte Arbeiter befanden, mit Steinen beworfen, wobei kein Fenster heil blieb. Sehnliche Berichte liegen aus anderen Teilen von Süd-WaleS vor. Kampf mit Streikbrechern unter Tage Der Konflikt Im Revier Süd-Wales es sei die allgemeine Haltung der britischen Regierung, daß dieLösung das Siegel des Völkerbundes tragen müsse. Sie sei entschieden gegen«inen Friedensschritt, der darauf abziele, Italien- Erfolge in Abessinien zu legalisieren. Die Gründ« für diese Haltung seien dreifacher Art: 1. DaS Experiment der Ssihnemaßnahmen müsse, wenn e- lehrreich sein falle, dis zmn Ad- schluß durchgeführt werd«. 2. Je entschlossener ssch der Völkerbund im gegenwärtig« Falle zeige, dass, größer werde dir adschrrckande Wirk«,« ans künftige Angreifer sein. 3. Da- Anseh« de- Völkerbünde- würde schwer« Schad«.erleid«, wenn e- ihm nicht ge, länge, sein« Will« bezüglich Abessinien auch nur zum Teil dnrchznsrtz«. Englands Politik mag egoistisch sein, sie ist aber konsequent undlogisch, die Politik Lavals ist schwächlich, unlogisch und schwankend. Wenn sich England bet einem Angrift Deutschlands auf die Freunde Frankreichs so benehmen wird, wie Frankreich in dem abessinischen Streitfall, dann ist eS um Frankreich geschehen. Man stelle sich vor, daß Hitler in Litauen oder Oesterreich einmarschiert und daß der Völkerbund Sanktionen beschließt. Wird in einem solchen Fall Frankreich wünschen, daß England„sanfte" Sanktionen verhänge. sich Zeit läßt, bis Hitler Kowno besetzt hat, daß eS Berlin dauernd freundschaftliche Grüße sendet und die Franzosen auftordert, ihre Ostgrenze zu räumen? Soll England dann auch zum Frieden auf der Basis raten, daß man Hitler ein Mandat über Litauen und die Re- sei Mr Sanktionen Gemeinsame Tagung des I. G. B. und der S. A. I. Im Zusammenhang mit den Tagungen des Vorstandes und des Generalrates des Internationalen Gewerkschaftsbundes einerseits und des Bureaus und der Exekutive der S. A. I. andererseits, fand am 12. Oktober im Matteottisaal des VolkshauseS in Brüssel eine gemeinsame Tagung des I. G. B. und der S. A. I. statt. ES waren anwesend 60 Delegierte, di« 13 gewerkschaftliche Landeszentralen und 14 internationale BerufSsekx-tariate vertraten, 31 Delegierte, die 17 politische Parteien vertraten, eine Vertreterin des Internationalen Sozialistischen Frauen- komftees und ein Vertreter der Sozialistischen Jugendinternationale. Die Konferenz nahm Berichte über die Beschlüsse der leitenden Organe der beiden Internationalen entgegen, die von Aon I o u h a u x (I. GB.) und Louis de Brouckäre (S. A. I.) erstattet wurden. Nach einer längeren, äußerst aufschlußreichen Debatte wurden ihre Schlußfolgerungen in der folgenden von den Vertretern beider Internationalen einstimmig angenommenen Resolution zusammengefatzt: „Die gemeinsame Konferenz her Sozialissi» schrn Arbeiter-Internationale und de- Internationalen Gewerkschaft-bunde- vom 12. Oktober 1935 in Brüssel gibt ihrer Befriedigung über de« Beschluß de- Völkerbünde- Au-druck, der Jtali« zum Angreifer im italienisch-abessinisch« Konflikt erklärt. Im Namen der Menschlichkeit«nd der Zivilisation fordert di« Konferenz, daß sofortige«nd wirksame Sanktion« ergriffe« werd««nd damit diesem unerhört« Verbrechen gegen da- Böllerrecht ein sofortiges Ende gesetzt werde. Sie versichert den Völkerbund der wirksamsten Unterstützung ihrer Organisationen bei der Anwendung der Sanktionen aller Art, di« ergriffen werd« sollten, um d«r Krieg Einhalt z« gebieten »nd d« Frieden raschest wieder herzustellen. Sie verlangt, daß die Einzelheit« der Sanktion««nd die Art»nd Weise ihrer Durchführung unverzüglich beschlossen werden. Sir wünscht, daß der italienischen Regierung «ergisch zur Kenntnis gebracht werdr, daß sie im endgültigen FriedrnSvertrag auf Grund ihre- Angriffes keine Bortelle erlangen werde. Di« bei der gemeinsamen Konferenz vertretene« Organisation« bestätig« die Beschlüsse, dir sie in G«f am 6. September«nd in Pari- am 27. September gefaßt haben. Sie hab« alle Vor- keh«ngen getroffen,»m sie praktisch durchznfüh- ren,«nd stell« damit die moralische Macht der Arbeiterschaft»nd di« Kraft ihrer Organisationen dem Völkerbund zur Verteidigung des Frieden- und deS Rechte- znr Verfügung." Die Konferenz beschloß gleichfalls einstimmig den Text eines TelegrammeS an den Präsidenten Alfred Polgar sechzig 3ahre Alfred Polgar wird heute sechzig Jahre alt. Da geziemt es sich, diesem Meister des Wortes zu danken für seinen treuen Dienst an der Sprach«, dem unbestechlichen, unbeirrbaren Kritiker der Zeit zu danken für seine Tapferkeit. WaS Polgar, klug auswählend aus der Fülle seiner geistvollen Skizzen, Kritiken, Bemerkungen, in seinen Büchern sammelte, das gehört zum besten deutschen Kulturgut. ES gibt keinen feineren, bei aller Schärfe so menschlich verstehenden Ironiker als ihn. Und dieser feinnervige Künstler, so leidenschaftlich zugetan der Kunst, so heimisch im Reiche des Geistes, hat nie die Liebe zu den Armen verloren, zu den Verfolgten und Bedrängten, mit. aller leidenden Kreatur. Sein Kriegsbuch .Hinterland" sagt mehr und Endgültigeres über den Krieg au- als die meisten KriegSromane.— Da Polgar ein wirklicher Künstler ist, ist es ganz selbstverständlich, daß das von Streicher und Johst erneuerte Deutschland nichts von ihm wissen will. Da auS seinen Büchern reinste Menschlichkeit spricht, sind sie im Dritten Reich verboten. Aber sie werden diese- Deutschland überdauern, — und so lange in Deutschland deutsch« Kunst nicht möglich ist, werden sie uns, werden sie der Welt Zeugnis geben vom Weiterleben deutschen Geistes und deutscher Kultur außerhalb der Grenzen des Hitlerlandes. Tiere, Kulturmenschen und Fascisten In der„Reichenberger Zeitung" vom 6. d. M., findet man einen Aufsatz von einem gewissen Loses B i e n e r t, betitelt„Das Recht des Stärkeren". Der ganze Tuffatz atmet fascistische Ideologie und mit fühlbarer Begeisterung berichtet er, daß unter den Tieren immer das stärkere den Platz behauptet, wie der stärkere Platzhirsch, der seinen schwächeren Gegner„zu Tode foickelt", wobei die übrigen Hirschtiere ruhig zusehen, um sich nachher selbstverständlich dem stärkeren zu ergeben. Er beruft sich auf die Störche, die einen schwächeren, der im Fluge nicht mehr mitkann, erbarmungslos tothacken, damit er durch die von ihm hervorgerufene Verzögerung die anderen nicht in Gefahr bringe. Durchschlagend ist aber die als Beispiel angeführte Barbarei der Lappen, welche ihre alten und siechen StammeSgenossen, die mit den anderen nicht mitkönnen, einfach in eine Schneehütte einbauen und ihrem Schicksal erbarmungslos überlassen. Auf was für einer sittlichen Höhe der Artikelschreiber stehen mag, läßt sich unschwer folgern, denn er verherrlicht offensichtlich die erwähnten Zustände und nichts läßt erkennen, daß er etwa einen wissenschaftlichen Zweck verfolge. Er übersieht, oder weiß es nicht, daß die Tiere immer an dieNaturgesetze gebunden und nie imstande sind, sich wie der Mensch(das angeblich höchststehende Geschöpf!) von der Natur zur Kultur aufzuschwingen. Bei den Menschen war und ist nicht immer die brutale Kraft entscheidend, sondern in erster Linie der G e i st lehrt uns doch die Entwicklungsgeschichte aller Zeiten und auf allen Gebieten, daß große Werke der Technik, Wissenschaft, Literatur, Musik usw. vielfach von körperlich zurückgebliebenen Menschen geschaffen worden sind, wofür sich tausendfache Beweise anführen lassen. Was Herr Bienert von den Lappen erzählt, könnte er vielleicht zur gegebenen Zeit selber, doch seine Eltern werden gewiß einem gütigen Ge« fchick danken, daß sie sich nicht mit ihrem Sohne im hohen Norden befinden, sonst müßten sie befürchten, daß die von ihm besungenen Zustände eintreten könnten. Wir finden in seinem Artikel den Satz: „— so handelt der Kulturmensch immer noch." Nein, so haben Kulturmenschen nie gehandelt und werden es auch in Zukunft nicht tun! Im Gegenteil, ein'Mensch von einigermaßen sittlicher Höhe verabscheut solche Zustände aus ganzer Seele! In einem Punkte hat der Artikelschreiber leider Recht, daß sich die von ihm angeführten Tatsachen durch Beispiele aus dem Leben der Völker von Urbeginn aller Zeiten bis auf die Gegenwart erhärten lassen. Herr Bienert gehe nur ein paar Schritte über die Staatsgrenze, dort wird er finden, wofür er eintritt. Dort herrscht der Stärkere, aber nicht im Geiste der Sittlichkeit und Kultur, sondern der schmutzigsten Macht- und Geldgier. Man könnte diese Zustände „vertiert" nennen, wenn nicht das Tier-R e i ch vor dem Dritten voraushätte, daß eS neben denEr« scheinungen, die Herrn Bienert aufgefallen sind, auch jene Beispiele von„gegenseitiger Hilfe" aufweist, die einst Kropotkin gesammelt hat! Goebbels und Streicher bei Frick der an den hohen Butterpreisen schuld ist.. der Völkerbundsversammlung, B e n e S, das die Haltung der Arbeiterflasse und die Entschlossenheit des gewerkschaftlich und politisch organisierten Proletariats, sich dem Kriege entgegenzustel- lcn, bestätigt, hervorhebt. DaS Telegramm hat folgenden Wortlaut: „Benes, Präsident der Völkerbundsversammlung, Genf Die am 12. Oktober in Brüssel tagende gemeinsame Konferenz des I. G. B. und der S. A. I. ist der Ansicht, daß nur eine Aktion schneller und scharfer Sanktionen gegen das frie- benSbrecherische Italien dem italienischen Angriff auf Abessinien ein rasches Ende setzten und die ernsten Gefahren mildern kann, die den Frieden in den übrigen Weltteilen bedrohen. Sie erwartet vom Völkerbund, datz ohne Verzug alle notwendigen Sanktionen ergriften werden, um eS Italien wirksam und rasch unmöglich zu machen, den Krieg fortzusetzen. Die beiden Internationalen sind im Bewußt» sein ihrer Friedensaufgabe bereit, sie vollständig zu erfüllen, und versichern den Völkerbund der wirksamen Unterstützung der Arbeiter und Arbeiterinnen, die sie vertreten, bei der Durchführung aller Sanktionen, die gegen den Angbeifer zur Anwendung kommen. Die Konferenz fordert den Völkerbund auf, schon jetzt zu erflären, datz er dm Frieden auf der Rechtsgrundlage des Völkerbundpaktes wiederherstellen und es ablehnen wird, die Vorteile in Rechnung zu stellen, die der Angreifer aus seiner Gewalt zu ziehen hofft." Das Urteil im BrUnner Volkssportprozeß Gröger 13 Monate, Siebter und Judex je ein Jahr schweren Kerkers, Klug freigesprochen Mittwoch vormittags fällte das Brünner Gericht das Urteil gegen die angeklagten Nazifunktionäre. Erwin Gröger, Hans Richter und Oskar Judex wurden des Verbrechens der Vorbereitung zu Anschlägen gegen die Republik nach 8 2 des SchutzgesetzcS für schuldig erkannt. Gröger wurde zu 13 Monaten, Richter und Judex zu je einem Jahr schweren Kerkers unbedingt verurteilt. Alle drei wurden außerdem zu einer Geldstrafe von je 1000 KL und zum Verlust der bürgerlichen Ehrenrechte verurteilt. Schließlich müssen Gröger und Richter auch die Prozeßkosten bezahlen. Der Angeklagte Karl Klug wurde freigesprochen. Das Urteil wird damit begründet, daß dje staatsfeindliche Tätigkeit der DNSAP erwiesen sei. Sie sei mit der deutschen nationalsozialistischen Partei in Verbindung gestanden und hab: die Idee des„ freien sozialistischen Alldeutschland" propagiert. Die Tschechoslowakiche Republik wurde als„Zwangsstaat" bezeichnet, die Friedensverträge als„geschichtliche Lüge". Aus anderen Kundgebungen der Partei gehe hervor, daß sie staatsfeindliche Tendenzen hatte, die darauf abzielten, die deutschen Gebiete von der Republik loszureißen. Die Partei hatte als besondere Organisation den„Volkssport", von dem gesagt wurde, daß er der deutschen SA entspricht. Vom subjektiven Standpunkt aus betrachtet, sei zu bemerken, daß sich die drei Angeklagten als leitend- Funktionäre an der Bewegung beteiligten. Sie haben das Programm und das Ziel der Partei gekannt und sind tätig gewesen, die Verwirklichung dieses Ziels herbeizuführen. Bei Klug sei eS zwar richtig, daß er der Partei angehört, jedoch habe das Gericht nicht die Ueberzeugung erlangt, daß er sich der staatsfeindlichen Tätigkeit der Partei bewußt war. Er sei nur ein gewöhnliches Mitglied gewesen, das das Programm der Part'' nicht kennen mußte. Die drei Verurteilten meldeten die Nichtigkeitsbeschwerde und Benifung an. der Staatsanwalt die Nichtigkeitsbeschwerde gegen den Freispruch Kluges. Seite l Donnerstag, 17. Oktober 1938 Nr. 242 Heller Rudi nach einer neuen Mordtat erschossen Attentat auf eine Zahntechnikerin Mit Benzin übergoffen und in Brand gesteckt Pilsen. Der Mörder des Schutzmannes Stöhr aus Groß-Sichdichfür bei Pilsen, der 22- jährige Rudolf Heller, erschien Mittwoch früh in KoloveL. Stabswachtmeister Jirka erfuhr von seiner Anwesenheit und nahm seine Verfolgung auf. Auf dem Wege von Kolovrä fuhr er auf einem vom Sohne des Bürgermeisters Sindelak aus Tsoovice gelenkten Motorrad. Hinter Koloveö er- blickte Wachtmeister Jirka den Mörder Heller nnd ließ das Motorrad anhalten. In dem Augenblick, als Jirka vom Motorrad abstieg, um Heller zu verhaften, gab Heller zwei Revolverfchüffe auf den Kopf des Stabswachtmeisters ab, durch welche Jirka getötet wurde. Augenblicklich wurde die Gendarmerie alarmiert und die Fahndungsstation Pilsen nahm auf der Stelle die Verfolgung auf. Bon elf Nhr vormittags wurde Heller«n- «nterbrochen verfolgt«nd um 17 Uhr 2 Minuten wurde er vom Wachtmeister Skvorniöka der Pilsner Fahndungsstation erschossen, da er eine Waffe in der Hand hielt«nd sich nicht ergeben wollte. Er erhielt einen Kopfschuß und war sofort tot. Stabswachtmeister Jirka kannte Heller von seiner Wirksamkeit in Hostoun her. Er war 44 Jahre alt und Vater von vier Kindern. Reform des Rechtsstudiums? In den„Lidove Noviny" gibt Prof. Franz Wehr einige Grundgedanken der im Schulministerium vorbereiteten Reform des Rechtsstudiums bekannt, die bereits vom kommenden Jahr an Geltung haben sollen. Bisher waren zur Erlangung des Doktortitels drei Staatsprüfungen und drei Rigorosen notwendig, wobei sich der Prüfungsstoff der Staatsprüfungen und der Rigorosen deckte. Nur beim sogenannten politischen Rigorosum kam zu dem bei der entsprechenden Staatsprüfung verlangten Stoff noch eine Prüfung aus Völkerrecht hinzu. Nach der vorgeschlagenen Neuregelung soll der erste Studienabschnitt(Rechtsgeschichte) von drei auf zwei Semester verkürzt werden, wobei das Kirchenrecht als selbständiger Lehr- und Prü- fungsgegenstand entfallen, andererseits als neuer Lehr-, jedoch nicht Prüfungsgegenstand eine „Einführung in die Rechtswissenschaften als Rechts- und Wirtschaftsmethodik" ausgenommen werden soll. Völkerrecht würde nunmehr auch Gegenstand der Staatsprüfung werden. Während jedoch die Staatsprüfungen bis auf diese Aenderungen beibehalten werden, sollen die Rigorosen vollständig entfallen. An ihre Stelle soll eine Prüfung aus einem Wahlgegenstand treten(welcher dem Stoff der Staatsprüfungen entnommen werden muss), bei welcher die Fähigkeit, wissenschaftlich zu denken, nachzuweisen ist. Die Erlangrmg des Doktortitels wäre nach der Reform von der Wlegung dieser vier Prüfungen und der Ausarbeitung einer wissenschaftlichen Abhandlung(Dissertation) abhängig. Die vorgeschlagenen Reformen sind also, wie aus dieser knappen Darstellung schon hervorgeht, ziemlich einschneidend, doch wird erst die genaue Kenntnis des Entwurfes ein abschliessendes Urteil ermöglichen Soweit Aenderungen auf eine Anpassung des Lehrplanes an die sozialen und wirtschaftlichen Verhältnisse der heutigen Zeit abzielen, lörmen sie nur begrüht werden und es wäre nur zu hoffen, dass die obersten Schulbehörden auch Mittel und Wege finden, um auch die heute übliche lebensfremde Behandlung des Lehrstoffes in einen wirklichen Unterricht zu verwandeln. In dieser Richtung weist der Entwurf jedoch nur bescheidene Ansätze auf. Die Einführung der neuen wissenschaftlichen Prüfung und das Erfordernis einer Dissertation sind vom Standpunkt einer reinlichen Trennung der Berufsbildung vom wissenschaftlichen Grad zu begrützen. Sie werfen die Frage auf, welche Auswirkungen sie auf die Studienkosten, die Dauer des,Studiums und die soziale Stellung der Hochschulabsolventen haben werden. Die Wahrscheinlichkeit, dass sie zu einer weiteren Verteuerung und Verlängerung des Studiums führen können, ist ebenso gross wie die Gefahr, dass Absolventen der juridischen Fakultät, die zwar die Prüfungen aus dem Lehrstoff abgelegt, aber nicht den Doktortitel erworben haben, in privaten' und öffentlichen Diensten benachteiligt werden. Welcher Student aus proletarischen Kreisen ist heute aber in der Lage, neben oder nach dem Studium noch die zeit- und geldraubende Arbeit einer Doktordissertation zu leisten, die für das praktische Leben übrigens in den allerseltensten Fällen Bedeutung und Wert hat? Diese Umstände vor allem bedürfen noch einer sehr eingehenden Prüfung, bevor gesagt werden kann, dass der Reformentwurf einen Fortschritt darstellt. Muntlus Kitter In Krag Prag. Mittwoch nach 18 Uhr traf der päpstliche Nuntius Msgr. Ritter auf dem Wilsonbahnhof in Prag ein, wo er offiziell empfangen wurde. Wien. Mit der Aufklärung eines mysteriösen Attentates befaßt sich die Sicherheitsbehörde in A l t h e i m. Die Zahntechnikerin Sidonie Eigel wurde Dienstag abends von einem jungen Mann besucht» der über heftige Zahnschmerzen klagte. Sein Gesicht mar mit einem schwarzen Tuch verbunden, so dOß sie ihn nicht erkennen konnte. Die Zahntechnikerin wollte ihm einen Zahn ziehen. Während sie in der Ordination die Vorbereitungen dazu traf«nd den jungen Mann den Rücken zukehrte» schüttete er di» Zahntechnikerin mit Benzin an und stecktesieinBrand. Als Frau Eigels Klei- Schweres Autounglück bei Komotau K o m o t a«. Gestern in den Abendstunden ereignete sich oberhalb der Elektrokontaktwerke in Komota« ein schreckliches Autounglück, das bisher schon ein Todesopfer geostet hat. Das Lastauto des tschechischen Eisenbahnerkonsumvereins, Filiale Komotau, fuhr, mit Kartoffeln beladen, nach Reu-Sporitz, wo die Erdäpfel an die Kunden abgegeben werden sollten. Beim Elektrokontaktwerk wollte der Chauffeur Maras einem Kaadcner Kohlrnauto vorfahren «nd dürfte dabei zu weit nach rechts abgekommen sein. Das A«to fuhr in de« Straßengraben. Wahrscheinlichgelang es demChauffeur nicht mehr, aus dem Graben herauSznkommrn. Als er etwa 150 Meter weit gefahren war, stieß er mit dem Wagen in voller Wucht gegen einen Baum, wobei das Anto vollkommen zertrümmert wurde. Der Chauffeur Maras und der neben ihm sitzende Verkäufer des Konsumvereins, K o p i L e k, wurden schwer, der auf der Wagenladung befindliche Hausmeister Kailleichtverletzt. Alle drei wurden ins Krankenhaus geschafft, wo der Chauffeur Maras kurze Zeit darauf be- rrits seinen Verletzungen erlag. Wieder ein Gattenmord Pardubitz. Dienstag gegen 20 Uhr wurde in der Gemeinde Beliny bei Holire ein Mord verübt. Der 35jäbrige Bohumir Polt k ermordrtt seine 28jährige Frau Marie nach einem vorhergegangenem Streit/ indem ee ihr mit einem Rasiermesser den Hals durchschnitt. Die Frau, die verblutete, hinterläßt ein kleines Kind. Der Mörder flüchtete nach der Tat«nd wurde Mittwoch vormittags in der Umgebung von Holiee verhaftet. Die Ursache der Tat dürfte auf zerrüttete Familienverhältnisse zurückzuführen sein. Es ist dies nicht die erste Gewalttat des Poläk, dessen Name vor etwa drei Jahren durch die Zeitungen ging, als er feiner Fra«, die er nunmehr ermordete, die N a s e a b b i ß. Wegen dieser Tat saß er eine schwere Kerkerstrafe in Chrudim ab. Er wurde im Vorjahre aus der Haft entlassen. Mussolinis Kulturdenkmal. Um die Ueber- legenheit der italienisch-fascisfischen Kultur über die abessinische Barbarei zu beweisen, ssat der Befehlshaber der ftalienischen Jnfasionsarmee, General de Bono, in Adua ein Marmor-Denk- mal errichten lassen, das an die Gefallenen der Schlacht von 1896 erinnern soll, die nun end- lich„gerächt" seien. Der Transport dieses Marmor-Monuments von Italien nach Ostafrika war offenbar eine der vornehmsten und dringlichsten Aufgaben des heroischen Feldzuges der italienischen Kulturträger, die den wilden Völkern Afrikas die Idee der Blutrache auf Marmor ge- meisselt bringen. Man könnte einwenden, dass diese Idee bei den afrikanischen Eingeborenen keineswegs unbekannt ist,— aber in der Form, in der sie Mussolinis General in Adua verewigt hat, ist sie zweifellos neu. Denn hier hat nicht ein Anverwandter eines schuldlos Ermordeten man- gels schützender Gesetze zur Selbsthilfe gegriffen, sondern ein Kriegsstifter hat nach einer heuchlerischen Rechtfertigung für sein Verbrechen gesucht und die Niedermetzelung wehrloser Frauen und Kinder und den Einfall, in ein friedliches Land mst der„Rache" für tote Soldaten begründet, die vor vierzig Jahren einem ähnlichen Feldzug zum Opfer fielen. Das Monument von Adua ist ein sehr bezeichnendes Dokument der fascisfischen Kultur: ein marmornes Mal der Verlogenheit. Denn während es schon übers Meer gefahren wurde, um eines Tages das Fest der Rache zu schmücken, hat der Duce noch vor ganz Europa erklärt, dass Italien nichts anderes wolle, als sich vor den Bedrohungen durch die Abessinier schützen. Und nachdem der Stein, der die vollbrachte Rache kündet, in Adua aufgestellt war, hat Mussolini den Feldzug nicht etwa abgeblasen. Er geht weiter— und fordert täglich neue Opfer, die— nach dem Gesetz der Blutrache— immer neue Schlachten fordern... bis eines Tages in Rom drr hell brannten, eilte der Attentäter ins Vorzimmer«nd sprang von dort auf das Dach des Gemeindearrestes und über eine Mauer hinab und konnte unerkannt entkommen. Auf die Hilferufe der Zahntechnikerin eilten ihr einige Männer zu Hilfe. Sie erlitt an den Händen, an der Brust nnd im Gesicht ernstrBrandver- letzungen. Das Attentat ist um so mysteriöser, als voretwadreiJahren der Versuch unternommen wurde, das Atelier zu Vernich t e n. Es wird vermutet, daß dieser Anschlag mit den früheren Bernichtungsversnchen im Zusammenhang steht. die wahre Kultur siegen wird und die Gefallenen des abessinischen Krieges an dem Tyrannen ge- rächt sein werden, der sie in den Tod trieb. Der Märtyrer. Das»Prävo li d u" schreibt:»Henlein sagte auf der SdP-Konferenz in Trautenau, Führer sein, heisse nicht bloss, die Fahne vorantragen, sondern Vorbild sein und grössere Opfer bringen, als man sie von anderen verlange. Der frühere Turnlehrer, der selbst stets mittellos war, hat selbst allerdings niemals sich mit einer Fahne geschleppt. Das haben Arbeitslose für ein geringes Honorar besorgt. Er opferte sich jedoch für sie und fuhr im Luxusauto, schlief in Schlössern und in Fäbrikan- tenhäusern, machte Auslandsreisen, kurz, er führt jetzt ein Leben voller Opfer, ^das ihm unbekannte Mäzene in ihrer Grausamkeit aufgezwungen haben. Es ist wirklich schön von ihm, dass er diese Opfer für die erwerbslosen Aiweiter selbst aufsich geladen hat." Kleiner Irrtum. In der„Rundschau" macht sich ein gewisser N—r über Marxismus und Asphaltliteratentum lustig. Er gibt seinem Speech dieses Motto: „Immer strebe zum Ganzen, und kannst Du selber kein Ganzes werden, als dienendes Glied schliess an ein Ganzes dich an." Die Anregung des Dichters ist sehr gut, nur kennzeichnet ihre Anwendung in der„Rundschau" die Geistesverfassung der Anti-Kulturbolschewisten Henleins. Das Zitat ist nämlich nicht, wie die„Rundschau" mitteilt, von Goethe, sondern von Schiller! Die Reichsarbeitsgemeinschaft für deutsche Berufsberatung hält am Samstag, dem 16. November, im Deutschen Hause in Prag eine Tagung ab, die vom Vorsitzenden Obergerichtsrat Theodor S ch u st« r(Brünn), eröffnet und geleitet werden wird und in der eine.Reihe, von Referaten werden erstattet werden. So werden vor allem über'die Lage auf dem Arbeitsmarkt Walter Simon- Wegsstidtl, Dr. Rudolf Fernegg- Reichenberg und Wilhelm Weigel- Reichenberg sprechen. An demselben Tage wird eine Tagung des Arbeitskreises für Eignungsforschung stattfinden, in der die Universitätsprofessoren Dr. Emil U t i tz und Dr. Julius L ö w y sprechen werden. Feine Brüder. Die Gendarmeriefahndungsstelle ans Jiäin hat in den Brüdern B u ch a r aus Kunra- tice bei Starkenbach die Täter der Einbrüche bei dem Händler mit Autobedarfsgegenständen Jirasek in St.-Paka festgestellt. Die Brüder kaufen alte und demoliette Autos und gaben entwendete Auwbestandteile als gekaufte aus. Bei einer Hausdurchsuchung fand man bei ihnen auch Formulare für Pässe und Bürgerlegittmationen, die aus einem Einbruch in das Starkenbacher Bezirksamt stammen. Die Brüder Buchar wurden verhaftet. Selbstmorde. Aus Neuhaus wird berichtet: Dienstag früh wurde in einem Schupfen seines Gutes in Ottenschlao der Wirtschaftsbesitzer Stephan S t ü d e l erhängt aufgefunden. Stüdel hatte vor einiger Zeit seine Wirtschaft verkauft, sich aber später sehr darüber gekränkt, dass er zu billig verkauft habe. Bereits am 29. August versuchte er Selbstmord durch Erhängen, doch konnte er damals noch gerettet werden. In der letzten Zeit wohnte er bei seiner Schwester in Neuhaus und Montag begab er sich auf das Gut in Ottenschlag. Seine Verwandten versuchten, den Kauf gerichtlich rückgängig zu machen, mit der Begründung, dass Stüdel schwachsinnig sei. Stüdel war seit seiner Gebutt auf einem Fuss gelähmt und litt an Depressionen.— In seiner Wohnung in M u n k a c erschoss sich der O b e r- offizial des Bezirksamtes Bohuflav Hlava» 111, der einer der ältesten Beamten Karpathenrusslands war. Er hatte gleich nach dem Umsturz sein Amt übernommen. Den Weltkrieg machte er als ftanzösischer Legionär mit. Hlavakek, der 39 Jahre alt war, litt an einer Geisteskrankheit, die wahrscheinlich eine Folge der Kriegsjahre war. Er hinterlässt eine Frau und ein Kind. 50 Meickchen ettrunken. In Naghamadi in der Nähe von Luxor kenterte auf dem Nil ein Fährboot, ettva 100 Passagiere, die sich auf dem Fährboot befanden, stürzten ins Wasser. Etwa 50 von ihnen sind ettrunken. Schwarze Pest. In der brasilianischen Provinz Piauba haben sich, wie aus Rio de Janeiro gemeldet wird, einige Fälle von schwarzer Pest ereignet. Krankenschwestern mit der Gasmaske Beim englischen Roten Kreuz wird grösster Wert darauf gelegt, dass die Krankenschwestern auch mit der Gasmaske umzugehen verstehen. Welttekord. In Alemado in Kalifornien ist ein amerikanisches Kriegsflugzeug nach einem Fl^ge, zu dem es in Panama aufgestiegen war, gelandet. Es legte 5450 Kilometer in 34 Stunden 51 Minuten zurück und schlug damit den Weltrekord im Nonstop- Flug für diese Kategotte von Flugzeugen. Den bisherigen Rekord hielt der Italiener Spoffani mit einer Entfernung von 4929 Kilometern von Malfacone in Italien nach Berbera in Britisch- Somaliland. Die fünf Rew-Aorker Bankiers, die in der mexikanischen Provinz Sonora auf einem Jagdausflug von Banditen in die Berge verschleppt wurden, sind am Dienstag wieder unversehrt freigelassen worden. Noch immer Kriegsgefangene in Rußland. Nach 21 jährigem Aufenthalt in der russischen Gefangenschaft ist dieser Tage in Wien Leo Kainz aus Wolfsberg in Kärnten eingettoffen. Der Verband der österreichischen Kriegsgefangenschaft teilt in diesem Zusammenhang mit, dass sich in Sibirien noch einige hundert österreichische Gefangene befinden. . Ein Wahnsinniger fabriziert Kindrrspielzeug. Der Besitzer einer englischen' Spielzeugfabrik er- kränkte an Paranoia und befindet sich bereits seit einigen Jahren im Irrenhaus.- Aber er hat darum seine Tätigkeit keineswegs eingestellt. Im Gegenteil befähigen ihn seine Wahnvotttellungen zu den phantastischesten Entwütten, die von seinem Bruder, der die Fabrik leüet, bei regelmässigen Besuchen im Irrenhaus abgeholt werden und als Vorlagen für neues Spielzeug verwendet werden. Vor einiger Zeit hatte sich der Zustand des Kranken verbessett, und er konnte das Irrenhaus für einige Monate verlassen. Während dieser Zeit versiegte seine Phantasie vollständig und er schuf nicht einen einzigen Entwurf. Sobald er wieder interniert war, nahm er sofort seine„Arbeit" wieder auf. „Lichtstadt Paris" wird dunkel. Paris hat nicht nur wegen seiner Lichttellame den Namen einer Lichtstadt. Vor allem trug dazu die Bestrahlung verschiedener Bauwerk«, der Madeleine-Kirche, der Oper, des Triumphbogens und in erster Linie des weiten Platzes de la Concorde mit seinen Springbrunnen und seinem Obelisk bei. Ab 15. Oktober bleiben die Monumente dunkel. Die Besttahlung kostet pro Jähr eine Million Francs, die seinerzeit zum Teil von Andri Citroen getragen wurden. Nach dem Zusammenbruch von Citroen muhte die Stadt selbst die Kosten aufbringen, und so fällt die Lichtflut den Sparmaßnahmen zum Opfer. Das schönste Herbstwetter. Gestern nachmittags hat es sich an manchen Orten in der Republik weiter ausgeheitert. Im Nordwesten des Staates dürfte sich jedoch nunmehr von neuem Bewölkungszunahme einstellen.. Eine durchgreifende Aenderung des bishettgen Herbstwetters ist zunächst nicht zu erwarten.— Wahrscheinliches Wetter heute, Donnerstag: Wechselnd bewöltt, ziemlich heiter, im Nordwesten des Staates wieder Bewölkungszunahme, vielfach Morgennebel, vergrösserter Temperaturunterschied zwischen Tag und Nacht. Vom Rundfunk aus den Programmai Freitag: Prag, Sender L: 10.05: Deutsche Presse, 12.10: Ouvettüren auf Schallplatten, 13.30: Arbeitsmarkt, 13.40: Chansons, 17.10: Debussy: Streichquartett, 18.10: Deutsche Sendung: Spott« vottchau, 18.35: Arbeitersendung: Aktuelle zehn Minuten, 22.15: Tanzmusik. Sender S: 7.30: Salonorchester, 14.15: Deutsche Sendung: für die Frauen, 14.50: Deutsche Presse.— Brünn 13.30: Puccini-Potpourris, 17.40: Deutsche Sendung: Sportberichte, 20: Volkskonzert.— Mäbrisch-Ostrau 15: Konzert des Rundfunkorchesters, Deutsche Sendung 18.10: Ein Ostrauer schwarzer Tag.— Nr. 242 Donnerstag, 17. Oktober 1935 Seite 5 Das Reichs-Mordlager Dachau H. * Die Lagerkasse Nichts ist geeigneter, den Tatendrang eines richtigen»boa rischen" SS-ManneS zu fördern, als»a Maß Bier". Das Weitz der SS-Meichsführer Himmler, der als Bayer die Seele M deutschen Volkes und die der..Gescherten" besonders gut kennt und vor allem wußten es der damalige Lagerkommandant von Dachau SS- Obersturmführer W e ck e r l e und sein Stellvertreter SS-Sturmfüh- rer Erpsmüller, genannt„Erpsi". Bald spendete der eine.Freibier", bald der andere. Je schlechter das Esten der Gefangenen wurde, desto mehr Freibier gab es für die SS. Aber wieviel kommt schon auf den Einzelnen, wenn 800 ausgepichte boarische SS-Kehlen ausgetrocknet sind? Als Lagerverwalter fungierte damals im Kon- zentraiioPlager Dachau der SS-Scharführer W i n- hart, em früherer Aufseher aus dem Arbeitshaus Rebdorf. Geistig reichlich beschränkt, versuchte er sich durch barsches Auftreten Respekt zu verschaffen. Im Grunde genommen war er gutmütig. Einfluß hatte er keinen. Die.Geschäfte" führte sein Stellvertreter SS-Scharführer Hoffmann, der die fehlenden Fähigkeiten seines Vorgesetzten trefflich ergänzte. Er war brutal für zwei, raffiniert für zwei und gewissenlos für drei und darauf kam es in Dachau hauptsächlich an. Seine Freunde waren der SS- Mann Hans Steinbrenner, Verwalter der Gefangenen-Kammer, der SS-Mann B a t r a i, Verwalter drr Gefangenengelder und Effekten, und der SS-Mann Kantschuster, der Kompagnieführer der 7. Kompagnie(Judenkouipagnie). Man war unzertrennlich: man soff gemeinsam, hurte gemeinsam und stahl gemeinsam. Sorgen hatte man nicht, denn man bekam zwei ötM täglich Löhnung und alles andere auf Staatskosten. Wenn nur der ewige Durst nicht gewesen wäre! und die Hitze I Und dann: prügle du den ganzen Tag Juden und krieg keinen Durst! Dabei kostet die Maß 80 Pfennig«! Nein! So könne«S nicht weiter gehen, da müsse etwas geschehen! Die Gefangenengelder könne er nicht angreifen, meinte Batrai, das sei ihm zu gefährlich. Die alten Lumpen, die er in der Gefan» genen-Kammer liegen habe, kaufe kein Mensch, Meinte Steinbrenner. Wer Hoffmann hatte ein« Idee, eine herrliche Idee: und weil man gerade in der SS-Kantine war, holte Hoffmann gleich die Genehmigung des Lagerkommandanten ein und so wurde die Idee zur Wirklichkeit und die.Lagerkasse für arme Schutzgefangene" erblickte das Licht des Konzentrationslagers Dachau. Zur Ehre der Lagerkasse muß es gesagt werden: sie hat ihre Gründer niemals enttäuscht. Immer hafte sie, immer gab sie: hin und wieder sogar 40 Pfennigmarken für arme Gefangene. Dir Einnahmen waren bester als man gedacht hatte: sie floffen reichlich. Man hatte keinerlei Schwierigkeiten damit, dar Geld kam sozusagen von selbst. Benn.Neue" kamen, wurden sie in zwei Gruppen «ingeteilt: in die.wo an Dreck Ham" und in die „wo an Speck Ham". Batrai, der im Aufnahmeraum die schriftlichen Fornialitäten zu erledigen hatte, die mit der Aufnahme der.Neuen" verbunden waren, nahm diese Einteilung vor und übergab die Einge- teilten seinen Freunden, die nun ihrerseits zu amtie- ttn begannen. Hoffmann und Steinbrennrr nahmen sich die.Proleten" vor, die.wo an Dreck ham". »Hund verreckter!" und der erste lag am Boden. »Drecksau elendige!" und der zweite blutete auSMund und Nase. Die Peitschen und Ochsenziemer sausten und die.Proleten" wälzten sich wimmernd und schreiend auf der Erde. Kanffchuster machte inzwischen die andern.weich", die.wo an Speck ham". Sie hatten gesehen, wie er den.Proleten" ergangen war und er bedurfte nur eines kleinen Winkes, einer Ohrfeige oder eines Fußtrittes, und schon stossen die Spenden in die Lagerkaffe, auf die der tüchftge Hoffwann in taftvoller Weise aufmerksam machte. Fünfzig Mark, hundert Mark, einmal sogar vierhundert Mark; wie gesagt: es ging besser als man gedacht hatte. Allerdings gab es Zeiten, in denen nur„Pro- keten" kamen; aber da wußte wieder Kantschuster Rat. Man ging einfach abends in die Judenbaracke „inspizieren". So viel wie bei besser situierten „Neuen" brachte das zwar nicht ein, aber mit 30 bis 40 Mark konnte man immerhin rechnen- Selbst- deritändlich nahm man von den Juden kein bares Wefb, denn alles mußte seine Ordnung haben. Der Betroffene hafte nur an den Verwalter der Gefan- aenen-Gelder und Effekten, SS-Mann Batrai, einen Zettel zu schreiben, in dem er ihn ersuchte,„vom Guthaben des Unterzeichneten den Betrag von Reichsmark 10.—, in Worten zehn RMark, an die Lagerkasse für arme Schutzhastgefangene zu überweisen". Monatelang ging das herrlich: die vier genialen Gründer der Lagerkaffe waren bald die beliebtesten Kameraden unter der SS und der Kreis um ihren Pilch in der SS-Kantine wurde immer größer und größer. Wer was sind schon die paar Mark für 800 auSgebichte.boarisch«" SS-Kehlen! Und wie das eben so zu gehen pflegt, der Neid der Besitzlosen war größer als ihr Kameradschaftsgeist und die»Lagerkaffe für arme Schutzhastgefangene" flog auf. Zwei ihrer Gründer, der SS-Scharführer Hoffmann und der SS-Mann Batrai, wurden au! der SS ausgestoßen, während die Lagerkommandantur auf die ausgezeichneten Dienste der beiden andern nicht verzichten konnte. Der SS-Mann Kantschuster, der sich beim ,Weich»"machen derer, die»wo an Speck ham", so ausgezeichnet hatte, wurde Arrestverwalter und der SS-Mann Steinbrenner kam zur polittschcn Polizei nach München. Der Dienst in München gefiel ihm aber nicht und so dauerte es gar j VoHtswlrtsdiatt und Sozialpolitik M MeMellWel her MeWMki In den ersten neun Monaten 1S35 602 Millionen Kronen Aktivum übler Mundgeruch wirkt abstoßend; mißfarbige Zähne entstellen das schönste Antlitz. Beide Schönheitsfehler werden oft schon durch einmaliges Putzen mit der herrlich erfrischend schmeckenden Chlorodont- ! Zahnpaste beseitigt. Chlorodont gibt den Zähnen i schimmernden Elrenbeinglanz, ohne den Zahnschmelz zu beschädigenJuoe Kä 4* Der Monat September hat eine schwächere Aufwärtsentwicklung im tschechoslowakischen Gesamtaußenhandel gebracht als die vorhergehenden Monate. Dadurch ist der Vorsprung, der infolge des lebhafteren Aufstieges gegenüber dem Vorjahre erreicht worden war, beinahe wieder ausgeglichen. Die Ziffern des Gesamtumsatzes im reinen Warenverkehr, also ohne die Ein- und Ausfuhr von Münzen und von Edelmetallen zu Münzzwecken würden heuer noch weniger höher liegen als 1934, wenn sich nicht im September durch eine stärkere Steigerung der Weltrohstoffpreise die Einfuhr werftnäßig erhöht hätte. Ta jedoch in den ersten Monaten dieses JahreS die Einfuhr gegenüber dem Vorjahre wiederholt einen Rückgang aufznweifen hatte, ergibt sich für Januar bis September 1935 im Vergleich mit 1934 noch ein Einfuhrrück- gang von rnnd 82 Millionen KL. Anders ist die Entwicklung auf der Exportseite. Obwohl der Gesamtexport im reinen Warenverkehr im ersten Dreivierteljahr 1938 nur um etwa 12 Millionen XL höher liegt als 1934, so ist die Fertigwarenausfuhr um rund 124 Millionen XL gestiegen. Dagegen weist die Rohstoffausfuhr eine Verminderung um 118 Millionen XL auf. Es betrug im reinen Warenverkehr die Einfuhr Jänner- Jänner- September September 1035 1934 in Millionen XL Lebende Tiere..... 91,0 88,4 Lebensmittel und Getränke 665,3 625,0 Rohstoffe...... 2.399,0 2.527,0 Fertige Waren.... 1.353,5 1.390,3 Edelmetalle(nicht für Münz- zwecke)...... 16,6 26,7 4.525,4 4.607,4 die JuSfuhr Jänner- Jänner- September September 1935' 1934 in Millionen XL Lebende Xicic...,. 1,2 Lebensmittel und Getränke 270,9 Rohstoffe 1.091,0 Fertige Waren.... 3.782,1 Edelmetalle(nicht für Münz- zwecke)...... 11,3 5.126,5 1,5 256,7 1.209.7 3.636,2 9,6 5.113.7 Das Gesamtaktivum der tschechoslowakischen Handelsbilanz im reinen Warenverkehr beträgt demnach im ersten Dreivierteljahr 1935 601 Millionen XL, während in drr gleichen Borjahrsperiode der Urberschuß 506 Millionen XL betragen hatte. Eine Ergänzung der Betrachtung der wertmäßigen Entwicklung unseres Außenhandels durch die Berücksichtigung der mengen mäßigen Ein- und Ausfuhr ergibt, daß an der Steigerung des Exports besonders günstigen Anteil haben die Eisenwaren und Maschinen, Bausteine, Zucker, Baumwoll- und Konfekftonswaren. Bei anderen Erzeugnissen unserer Fertigwarenindustrie ist im Vergleich zum Vorjahr in der Ausfuhr nur eine geringe Veränderung, oder, wie bei Papier, Glas und einer Anzahl von Textilwaren, ein nicht unbedeutender Rückgang eingetreten. Es hängt von der Entwicklung unseres Außenhandels in den letzten drei Monaten dieses Jahres ab, ob die Gesamtbilanz unseres Warenverkehrs mit dem Ausland für 1938 eine weitere günstigere Gestaltung zeigt, so wie es im Vorjahre gegenüber der Handelsbilanz von 1933 erfreulicherweise der Fall war. Aepfel und das Päckchen Lebkuchen, das die mit dem „Blutorden" ausgezeichnet« Schwester Pia zu Weihnachten 1984 an die Gefangenen verteilte (Juden ausgenommen), haben das Kraut nicht fetter gemacht! Ick jloob et«ich... Bon Katja. Ick jloob et nich... Ihr könnt mir noch so viel erzählen vom braunen Heer am grünen Strand der Spree, und sollten selbst die Tauentzien-Nutten Hitler wählen, so iS det nur ein neuer Propajanda-Dreh. Ick jloob et nich. Mich kann man nich für»doof" vakaufen, ick kenn die Leute dort aus dem efef, wetten?— wenn se sich manchmal voll die Plautze saufen, dann sagn se:»Sch...", und:»Der janze Adolf iS ein jroßer Bluff. Ich bin geboren auf dem Alexanderplatz, und mit dem Weiching stand ich stets per du, Berlin, das sag ich euch in einem Sah: war rot, ist rot und bleibt es immerzu. Ick weeß Bescheid. Ick hab den janzen faulen Zauber von allem Anfang miterlebt, Prolet, Jenosse, Freund, du hieltst dir deine Hände sauber, und innerlich hast du vor Wut jebebt. Neukölln soll nazifreundlich sein? Jestatten Sie, daß ick mal orntlich lach«, von Wesen, Mensch, sag das bloß nich so laut, es kann dir sonst paffiern, natürlich Ehrensache, daß dir mal einer kräfftg in die Fresse haut. Die Fahne mit dem Hakenkreuz am Müggelsee? Horst Wessell-Lied, jesungen in Grünau? Dort, wo der Zille Studien trieb für»Mein Milljüh"? Det stimmt nich, nee, mein Herz sagt'k mir jenau. nicht lange und wir hatten den Helden wieder in Dachau bei der Wachtruppe, wo er noch heute als SS-Scharführer tätig ist.„Heil Hitler!" Gemeinnutz geht vor Eigennutz Wieviel Blrit und Schweiß, wieviel« Flüche und Verwünschungen, Seufzer und Tränen wurden in die vielen Neubauten mit hineingemauert, die-— Gemeinnutz geht vor Eigennutz— die Kommandantur des Konzentrationslagers Dachau von den Gefangenen im Laufe der letzten Aveieinhalb Jahre errichten ließ! Kasernen für die SS,„ Verwaltungsgebäude, Kantinen, Werkstätten, kilometerlange Musterstraßen, Denkmäler, Barocken, ein Heizhaus, eine große Gärtnerei, eine mit den modernsten Maschinen und Einrichtungen ausgestattete Bäckerei und eine mit weißen Kacheln ausgelegte und mit vielen teueren Maschinen eingerichtete Metzgerei; sogar einen Arrest mit 50 Isolierzellen mußten die Gefangenen selbst bauen, in denen dann— Gemeinnutz geht vor Eigennutz— ihre eigenen Kameraden zu Tode geprügelt, aufgehängt oder erschlagen wurden. Mit Bajonettstichen und Peitschenhieben, mit Fußtritten und Faustschlägen wurden die ausgemergelten Staatsfeinde zur Arbeit, angetrieben, Millionen Arbeitsstunde» wurden aus den halbverhungerten, halbverzweifelten Jnsaffen del Konzentrationslagers mit brutaler Gewalt herauSgepreßk. Die SS-Posten wurden alle vier Stunden abgelöst, aber die Gefangenen mußten zwölf, sechzehn, achtzehn Stunden täglich aushalten, ohne einen Pfennig Entlohnung, ohne Beschwerderecht, wehrlos und rechtlos, ausgeliefert den Brutalitäten einzelner Bestien in Menschengestalt, immer gewättig, von irgendeinem Schweinehund geohrseigt, getreten oder geprügell zu Werden. Verfaulte Kartoffel, verfaulte» Kraut, verschimmeltes Brot, halbverweste stinkige»Kutteln"(Kuheuter)— da» war alles, was das Dritte Reich für sie übrig hatte. Gemeinnutz geht vor Eigennutz! Je elender di« Gefangenen lebten, desto- Wohler ließ«S sich die SS gehen. Ein Kameradschaftsabend jagte den andern; »Freibier" floß in Strömen. Saufturniere wurden veranstaltet und da» Gröhlen und Brüllen der be- ttunkenen SS-Leute war oft die ganze Nacht bis ins Gefangenenlager zu hören. Mitten in der Nacht stürzten betrunkene Kompagnieführer in die Gefangenenbaracken, fuchtelten mit ihren Pistolen herum, hielten„Zählappell" ab und prügelten Gefangene. Mer nicht nur im Gefangenenlager wütete diese Horde übelster Landsknechte. Fast täglich kam e» im benachbarten Städtchen Dachau zu wüsten Schlägereien und Raufereien zwischen den SA-Leuten oder den Zivilisten einerseits, und den SS-Mannschaften au» dem KonzentraftonSlager andererseits. Die zirka 1400 lviann österreichischer Legionäre, die ebenfalls im Konzentrattonslager Dachau untergebracht waren, waren um kein Haar besser und setzten ihren ganzen Ehrgeiz ein, um er der Dachauer SS gleich zu tun. Jeder SS-Mann hatte in der näheren Umgebung sein.Luder", mit der er an Sonntagen und dienstfreien Abenden auSging; die Kosten trugen meistens die Mädchen, die oft auch ihren SS-Liebsten eint neue Uniform, einen Mantel oder eine Uhr kauften. Weit über hundert uneheliche Kinder, die in der näheren Umgebung von Dachau io knapp einem,Jahr zur Wels kamen,.verdankten ihr Dasein,, irgendeinem betrunkenen,SS- Mann oder österreichischen Legionär, von dem ihre Mütter bestenfalls den Vornamen wissen. Gemeinnutz geht vor Eigennutz! Kein Mensch hat sich um das schamlose Treiben der Dachauer ST gekümmert; weder der SS-Reichsführer Himmler, noch der SS-Obergruppen- führer Schmauser, noch der Lagerkommandant SS-Gruppenführer Eicke, noch sein Stellvertreter, der SS-Obersturmführer Lippert.»Wie der Herr, so's Gescherrl"»Was die SS in den Gasthäusern und Spelunken in Dachau tritb, trieben ihre Führer in den sogenannten Sturmführervillen, in denen sie wohnten. So wie eS die Dachauer SS außerhalb des Lagers trieb, trieb sie es auch in ihren eigenen Wirtschaftsbettieben, bis eines Tages der Skandal allzu offenkundig wurde und nicht mehr zu vertuschen war. Als eines Morgens der politische Leiter des Konzentrattonslagers Dachau, Polizeioberinspektor Mutzbauer, von der politischen Polizei in München, seinen Dienst antteten wollte, wurde er vom Lagerkommandanten verhaftet und der Polizei übergeben. Gleich darauf wurden verhaftet: SS-Sturmführer Fichtner, Leiter der Waffenmeisterei, SS-Obertruppführer Herrmann, Werkstättenleiter der Schuhmacherei, SS-Obertrupp- führer Wagner, Werkstättenleiter der Schneiderei, der unter dem Namen Iwan bekannte SS-Schar- führer S p o r n e r aus München, Rosenheimerstraße, die in der Metzgerei tätigen SS-Leute Brummer und Turner und mehrere andere. Seit Monaten hatten sie zentnerweise Fleisch und Wurstwaren aus der SS-Metzgerei gestohlen, mittels Auto und Motorrädern nach München und Dachau gefahren und dort verkauft! Gemeinnutz geht vor Eigennutz! An die 86.000 Mark betrug der Schaden ussd die ganze Dachauer SS war in den Skandal verwickelt. Der Lagerkommandant tat, was in solchen Fällen im Dritten Reich üblich ist: er leitete mit großem Klimbim eine Untersuchung ein— und dann hörte man nichts mehr davon. Die Zeitungen schwiegen, die Oeffentlichkeit wurde wegen dieser Lappalie nicht beunruhigt. Jedoch die Möbelfabrikation in der Schreinerei floriert weiter und wirst ihrem Leiter, dem SS-Obertruppführer Dein e r, sicher«in gan- schöne» Stück Geld ab. Der Bielgewandte, der früher einmal Ortsgruppenleiter der Kommunistischen Partei in Dachau war, braucht kein« Angst zu haben, verhaftet zu werden. Er und der SS-Obertrupp« führer Bollkommer gehörten zu den besten Abnehmern der SS-Metzgerpi und doch find beide heute noch auf Ihren Posteis. Vollkommer verwaltet da» Lebensmittelmagazin und hat daher Gelegenheit, sich mit reichlichen Zucker-, Mehl-, Kaffee-, Tee- und Kakaolieferungen zu revanchieren. Das Essen der Gefangenen wird aber von Tag zu Tag schlechter und die zehn Zigaretttn, die zwei Ich war doch so ein Hans in allen Gassen, nicht Menschliches an euch, Berlinern, blieb mir ) fremd, man brauchte euch nur richtig anzufassen, „dann gabt ihx,.allas-ch^,.sogar..das-Hemd-.- Marirchen aus der Trgler Laubenkolvnik,'" Ede vom Alex, keß die schiefe Mütze, du Blumenfrau vom„Zoo", du Hökerin vom„Knie", du Schusterjunge mit dem frechen Witze. Du Pennenbruder, der bei„Mutta Jrien" in Kost und Obdach war, du Wirt vom»Strammen Hund" du letzter Droschkenkuffcher von Berlin, seid ihr denn alle nicht mehr recht jesund? Ihr hattet doch di« Schnauze sonst stets auf dem rechten Fleck, Und euer Spott, der saß, wohin er ttaf, Piefle, ist das auf einmal alles weg? Und du bist nichts als nur ein arme», stumme» Schaf? Ick jloob et nich... ick werd et niemals jlooben, der Quatsch da muß doch bald vorieberjehn— dann aber bist du, mein Berlin, janz knorke wieder oben, und rote Fahnen sollen hoch von deinen Dächern wehnl Polnische Nationalsozialisten verurteilt Warschau. Bor dem Warschauer Bezirksgerichte fand die Verhandlung gegen 21 Angeklagte, darunter acht Mitgliedern der seinerzeit aufgelösten radikalnationalistischen Organisation statt, die unter der Anklage standen, in der Warschauer Vorstadt Powonzki seinerzeit antisemitische Exzesse veranstaltet zu haben, bei welchen ein jüdischer Kaufmann getötet und mehrere jüdische Gc- schaftsläden ausgeplündert wurden. Das GWcksi verurteilte vier Angeflagte zu dreieinhalb Jahren Kerker, sechs Angeklagte zu zwei Jahren Kerkers und sprach elf Angeflagte frei. polnische Gewerkschaften für den Boykott Italiens Warschau. Der sozialistische»Robotnik" veröffentlicht den Inhalt eine» Beschlüsse» der Zentralkommission der Arbeitergewerkschaften Polens in Angelegenheit des italienisch-abessinischen Konfliste». In diesem Beschlüsse verurteilen die polnischen Arbeitergrwcrkschatfen auf das schärfste»den Ueberfafl gegen Abessinien durch Italien" unb weisen auf die große Gefahr hin, welche durch diesen Krieg der gesamten Arbeiter- Nasse der ganzen Welt droht. Gleichzeitig fordert die Zentralkommission der polnischen Arbeiterge« werkschaften die gesamte Arbeiterschaft auf, alle für italienisch« Kriegszwecke bestimmte Transporte zu boykottieren und nach Möglichkeit zu verhindern. Seite 6 Prager Zeitung Kokain kiloweise Erfolgreiche Razzia in der Myslikbar. Detektive der Rauschgiftabteilung der Prager Polizei führten in den späten Abendstunden des 4. Oftober eine Razzia in der Bar„ U Myslitü" in der Whslikgasse in Prag II durch, wobei es ihnen gelang. den 32jährigen Rudolf Jungwirth aus Prag gerade in flagranti zu ertappen, als er dem 32jährigen Josef Volkán aus Prag zwei Papierkapseln mit Kokain zustecken wollte. Die Detektive hatten Jungwirth jedoch bereits längere Zeit beobachtet und bemerkt, daß er das Kokain aus dem rückwärtigen Raum der Bar brachte; dieser wurde also durchsucht und man fand, daß die Klaviatur des dort stehenden Klaviers sich abheben ließ und elf weitere Kotainkapseln berbarg. Außer den beiden Genannten wurden von den anwesenden Gästen noch der 32jährige Walter Graf und der 26jährige Zdeněk Křehlík verhaftet. Außer Jungwirth gaben nun alle Verhafteten an, das Kokain vom 32jährigen Drogisten Zdeněk Beneš in Prag II erhalten zu haben; bei der in dessen Wohnung sofort durchgeführten Haussuchung wurde aber nur eine leere Schachtel, die 100 Kokaintapseln enthalten hatte, gefunden. Troßdem wurde Beneš verhaftet. Er war schon mehrere Male wegen verschiedener Winkelgeschäfte mit stotain gerichtlich verfolgt, jedoch immer wieder freigelassen worden; diesmal gestand er jedoch, das Rotain in größeren Mengen ohne Rezept aus zwei Apotheken, einer in der Brenntegasse und eine auf dem Friedensplatz in Prag- Weinberge erhalten zu haben. Nun wurde, mit Unterstützung des Gesundheitsreferates beim Prager Magistrat auch in diesen Apotheken eine Rebision durchgeführt, die ergab, daß die Weinberger Apotheke in diesem Jahre 13 Kilogramm Kotain von fünf Großdrogisten bezogen hatte, wovon nur 700 Gramm gegen Rezept nachweislich ausgefolgt wor ,, Sozialdemokrat" Furchtbarer Tod eines Kindes. Der Polizeibericht meldet, daß Mittwoch nachmittags der acht jährige V. Kadlec aus Podbaba auf der Glasüberwölbung des Kanals der Reinigungsstation spielte, als die Glasdecke plötzlich einbrach. Der Knabe fiel in den überfüllten Sa na I, wo er er sticte. Die Leiche wird gerichtlich obduziert werden. Kunst und Wissen Das neue Abonnement. Gute Galeriepläße ab 6.60 Kč, gute Parkettpläße qb 15.70 Kč. Gespielte Vorstellungen werden ersetzt( bis 1. November), Samstag zum ersten Male Bons in der Kleine Bühne. -Spielplan des Neuen Deutschen Theaters. Don nerstag halb 8: Artisten, 2. halb 8: Der Bettelstudent, 1. Freitag Samstag halb 8: Der Feldherrnhügel, Erstaufführung, A 2. Spielplan der Kleinen Bühne. Donnerstag 8: Attentat, Theatergemeinde des Kulturverbandes 1934/35 und freier Verkauf. Freitag 8 Uhr: Mädchen für a II e 3, volkstümliche Vorstellung. Samstag halb 8: m 2 on doner Nebe I, Erstaufführung. Vorträge Regisseurs( Josef von Sternberg) spürt, den „ Blauen Engel" zu übertrumpfen. Es ist ein Jammer, daß Marlene Dietrich seit jenem„ Blauen Engel". also seit ihrer Uebersiedlung nach Hollywood, nie wieder in einem bedeutenden Film erschie= nen ist, so daß die Nachricht, sie habe sich von ihrem bisherigen Regisseur getrennt. Hoffnungen für fie erweckt. Daß sie eine hervorragende Darstellerin der verlockenden, verführerischen, treulos gefährlichen und erbarmungslos betörenden Frauen ist. beweist sie gerade hier wieder, wo sie eine Tänzerin, die Männer ins Duell hebt und Polizeibeamte mit einem Lächeln zum Amisverbrechen nötigt, mit einer entwaffnenden Unschuld spielt. Aber es fehlen ihr die Gegenspieler, und es fehlt jede tragische oder auch nur interessante Wirkung. Es ist nur ein Star- Film mit Karnevalsbildern. spanischer Musik und einem einzigen Marlene Dietrich- Lied( das diesmal..Three handsome sweethearts" heißt, schwächer als ihre früheren Schlager ist, aber sicher wieder seine Bewunderer finden wird). ―eisAus der Partei Die englische Außenpolitik und die Labour Party Donnerstag, 17. Oftober 1935. Nr. 242 Grace Moore ,, Die Nacht der Liebe" Sport- Spiel- Körperpflege Der DFV ,, reorganisiert" Bortragsabend der Prager Bezirksorganisation Im großen Saal des Gewerkschaftshauses fand und ihr Partner Tullio Carminati in dem Film Dienstag, den 15. Oktober, eine gut besuchte Parteimitgliederversammlung der deutschen sozialdemo kratischen Bezirksorganisation Prag statt, in der Genosse Karl Deutsch, der zwei Jahre in England gewesen ist, einen Vortrag über die englische Außenpolitik und die Labour Party hielt, dem angesichts der Ereignisse in Abessinien und in Genf große Aktualität zukam. Genosse Deutsch gab zunächst einen Ueberblick über die Grundzüge der engDie Deutsche Hochschulgewerkschaft veranstaltet lischen Politik in den letzten Jahren und charakteri Der Deutsche Fußball- Verband hielt am Sonn am Montag, dem 21. Oftober, um 20 Uhr im Hör- fierte dann die sozialen und politischen Wesens- tag in Teplit einen außerordentlichen den waren. Es ergibt sich somit ein Fehlbetrag von faal für Experimentalphysik im Naturwissenschaft- merkmale der herrschenden Klasse Englands. Er Berbandstag ab. In der Hauptsache befaßte sich die Tagung mit dem vom West ga u ausges Brenntegasse hatte bei einem Bezug von mehr als lichen Institut einen Vortrag über„ Hochschul- legte die verschiedenen Strömungen in der englischen arbeiteten Reformplänen", die die Deffents Arbeiterpartei dar, besprach im besonderen deren lichkeit schon besonders in Anspruch nahmen. Wir Außenpolitik und umriß zum Schluß die Aufgaben enthalten uns heute jeder eigenen Meinung einer antifascistischen proletarischen Außenpolitik in zu wird noch der ordentliche Verbandstag wohl AnEuropa. laß geben und registrieren lediglich die wichtigsten Angelegenheiten. Daß die„ Reform" aber gerade bom bekannten Westgau kommt, stimmt bedenklich, mehr aber noch seine Begründung, die dessen Obmann Friedl gab. Sie wurde nämlich geschaffen, um die Sportmoral" zu heben, denn diese set tief gesunken und damit die ganze Bewegung in Mißkredit gebracht worden. Darum will der Westgau durch seinen Antrag die Initiative ergrei fen, um den Verband vor den Verfall zu bewahren. Freie Vereinigung sog. Akademiker. Donners- Wozu aber dann die ganze bürgerliche Presse beider Sprachen gegen diese Reform" zu Felde zog, wäre stehen. Aber warten wir ab 12 Kilogramm 235 Gramm. Die Apotheke in der einem Kilogramm Kotain nur 25 Gramm gegen Rezept ausgefolgt. Wenn man bedenkt, daß der gesamte medizinale Rofainverbrauch in der Tschechoflomatei etwa 100 Kilogramm jährlich beträgt, welcher Verbrauch von 1375 Apotheken gedeckt wird, ist der Verbrauch von 13 Kilogramm im Jahr bei einer einzigen Apotheke an sich ungewöhnlich. Da jedoch die Kokainschnupfer bekanntlich sonst stets von ihren Lieferanten hereingelegt werden, dürften sie diesman, wo sie authentisches" Kokain direkt von den Opo. thefen bezogen, wenigstens auf ihre Kosten gekom. men fein. nur Die Weinberger Apotheke hat ferner von 1200 im Jahre 1935 erhaltenen Gramm Heroin 5 Gramm gegen Rezept ausgefolgt. Heroin( Dtacethylmorphin) ist ein schwächeres Rauschgift. Das gerichtliche und administrative Strafverfahren wurde gegen alle Beteiligten eingeleitet. reform". Es spricht Priv.- Doz. Dr. Blü h. Der Film Die Frau und der Hampelmann Nach den rührselig verkitschten Marlene Dietrich- Filmen, die wir in letzter Zeit saben, ist das ein Weibsteufel- Film, der wenigstens eine richtige Rolle für die Dietrich hat. Aber außer dieser Rolle hat er freilich nichts Richtiges. Mißlungen im Aufbau, überladen in der interessant sein sollenden Der Vortrag, der sehr instruktiv war, fand den lebhaften Beifall der zahlreich erschienenen Genossen und Genossinnen. Vereinsnachrichten da Ausstattung und verblüffend primitiv in der Hand- tag, den 17. Oktober, 8 Uhr abends, Generalver: bei dieser gewiß lobenswerten Aktion nicht zu ber luna. die angeblich einem modernen französischen sammlung, anschließend Vortrag des Genossen K. W. Roman entnommen ist, aber gut zur Hälfte ein Ab- Deutsch: Der Umbruch zum Sozialis flatsch der„ Carmen" ist und die Geschichte eines vor Der Präsident in Prag. Das Ziel der Mittwoch Liebe lächerlich gewordenen Evaniers au solchen mu 3. Gewerkschaftshaus, Prag I., Perštyn 11, in gewissen Kreisen so beliebten Loyalitäts Nachmittagausfahrt des Präsidenten der Republit Uebertreibungen führt, daß man war abermals Prag. Den Präsidenten der Republik begleitete in seinem Wagen der Ministerpräsident. Beide fuhren bis zum Gemeindehaus der Stadt Prag, wo sich der Ministerpräsident vom Präsidenten der Republik verabschiedete. Der Präsident fehrte sodann durch die Revolučni tř. entlang der Moldau über die Burg nach Lany zurück. Schwarzfahrer tötet einen alten Mann. Der 22jährige Chauffeur Josef Stehlit aus Smichov, der bei der Smichover Firma V. Bubeníček beschäftigt ist, verließ gestern vormittags mit dem schiveren Lastauto P- 6980 die Garage der Firma ohne Wissen und Erlaubnis des Chauffeurs, der mit diesem Auto zu fahren pflegt. Kurz vor 11 Uhr vormittags in die Pivovarská einbog, den auf dem Trottoir stehenden 69jährigen Häusler Thomas Janko aus Břevnov nieder und überfuhr ihn mit dem rückwärdie Absicht des 1. Etock, Klubzimmer. Zwanzig Jahre schweren Kerkers für einen Messerstecher Eingeleitet wurde die Tagung mit einer, heute fundgebung" für den Staat durch den Ob mann- Stellvertreter Dr. FichtI( Reichenberg). In seiner Rede sprach er von unberantwortlichen Elementen",„ böswilligen Gerüchten", betonte schließlich, daß der DFV ein völlig unpolitis scher Sportverband sei, der keine Politif und feine politischen arteien fenne und widme sich ausschließlich nur der körperlichen und geistigen Erziehung seiner Mitglieder. Er verwahrte sich auch dagegen, daß die„ Reform" mit den demofratischen Prinzipien des Staates im Widerspruch stieß er, als er aus der Bahnhofstraße in Smichov den diese Mordprozeßserie dem Beobachter auf- Gewaltätigkeiten damit endete, daß man dolský über den in seinen Worten„ gemilderten" Reform Entscheidung in Haft behalten. Rauferei eingelassen hatte. Da ihm Strafaufidub bewilligt wurde, trat er die Strafe erst im März d. J. an. Als er einen Monat abgesessen hatte, erbat er und erhielt auch acht Tage Urlaub, um einige seinem Strafantritt selbst seinen Bekannten StaAbschließend fanden Wahlen statt, die u. a. Prag. Die Serie der Mordprozesse dieser Karl Stupta, ein guter Freund des be Schwurgerichtsperiode fand ihre Fortsetzung in dem drohten te p á nef, hörte diese Drohungen und Mittwoch verhandelten Prozeß gegen den 30jährigen eilte in die Restauration des Modřaner Volkshauses, Zimmermann Anton K do istý aus Modřan, wo Štěpánek mit seiner Frau saß, um ihn zu der wegen vollbrachten und nicht warnen. Er kam zu spät, denn faſt gleichzeitig mit Mor de 3 vor den Geschwo- ihm betrat auch der Angeklagte die Gastwirtschaft stehen würde. vollendeten renen stand. Dieser Prozeß vertieft nur den Eindruck, und es entspann sich ein Streit, der nach allerhand drängt: den Eindruck nämlich, daß ein Menschen- aus dem Lokal drängte. Die schweren Drohungen, die der Gewalttäter einen gemeinsamen Nenner gebracht zu sein, als Antrag des Westgaues brachten, schienen bereits auf leben heutzutage furchtbar niedrig im Kurs steht. Anton Kdolský, bekannt als Raufbold und Ge- ausstieß, wirkten so einschüchternd, daß Stěpánet sich Dr. Fichtl uneingeschränkte Voll tigen Rad. Der Schwerverletzte wurde von einem walttäter und sechsmal vorbestraft, mußte im No- nicht getraute, nach Hause zu gehen und dem Wirt macht für ein Jahr verlangte. Za erivachte vorbeifahrenden Personenauto auf die Klinik Schlofs vember v. J. neuerlich auf zwei Monate ins Ge- die Ueberzeitgebühr bezahlte, um länger innerhalb doch bei einer Anzahl der Delegierten das soge fer gebracht, wo mehrere Rippenbrüche, ein Bruch fängnis wandern, weil er sich mit Polizisten in eine der sicheren vier Wände bleiben zu können. Aber nannte demokratische Gewissen und Wider beider Schenkel- und Schienbeinknochen, ein Blutschließlich verkündete der Wirt Sperrſtunde und ſpruch. Aber es fand sich auch da ein Weg ergug in die Lunge und eine Zerschmetterung des Stěpánek mußte ſich auf den Weg machen. Sein wenn auch verfürzt, um der gorderung des serrn linken Ellbogengelentes festgestellt wurden. Janko Freund Stupka begleitete ihn. Dr. Fichtl entgegenzukommen". Es wurde ein zehn erlag furz nach der Einlieferung ins Krankenhaus Seine Befürchtungen erwiesen sich nur als allzu gliedriger Verbandsvorstand gewählt, welcher feinen Berlegungen. Dem Chauffeur wurde der familiäre Angelegenheiten zu regeln. Seine Frau begründet. Als er bereits an seinem Haus angelangt einen sechsgliedrigen Vollzugsausschuß ein Führerschein entzogen, er selbst bis zur amtlichen betreibt eine Greislerei und der Angeklagte hatte bar war, stürzte sich aus dem Dunkel plößlich der An- setzt und der„ Reform- Plan" muß dem ordent nislav Sté þá net gebeten, während seiner Ab- gelaate auf die beiden und stieß zunächst dem Karl lichen Verbandstag im Jänner 1936 borgelegt iver wesenheit seiner Frau an die Hand zu gehen. Als dieser zusammenbrach, stach er noch ein zweites- Dr. Fichtl als Obmann bestimmten. das Messer in den Bauch. Während seines Gefängnisurlaubes glaubte nun Kdolský allerlei Wahrnehmungen gemacht zu haben, mal zu. Štěpánek, dem wohl der Angriff eigentlich die ihm Grund zur Eifersucht gaben. Von galt, eilte seinem Freund zu Hilfe, wurde aber mit Langläufe der finnischen Arbeitersportler. Det empfangen. Er verblutete nach einigen Langstreden, an dem die besten Läufer teil Minuten, während Stupka mit knapper Not wieder nahmen. Im Marathonlauf und in den hergestellt wurde. übrigen großen Laufkonkurrenzen siegte auri. Die Verteidigung des Angeklagten war derart, eine typisch finnische Laufmaschine. daß die Geschworenen unwillkürlich die Köpfe schüt- mer werfen konnte S. Heino seine Leistung Im a m' telten. In der Voruntersuchung hat er von Not= auf 51.85 Meter verbessern und somit eine neue mehr gesprochen, weil ihn die beiden in Ge- Tul- und SASJ- Bestleistung aufstellen. äußerte er sich öfters und mehrfach zeigte er auch meinschaft mit einem dritten Unbekannten überfallen Kauri lief die 5 km in 17:42 Min., 10 en en sein breites und starkes Taschenmesser mit den hätten. Bei der Hauptverhandlung meinte er zu 36:52 min., 15 m in. 55:15 Min., 20 Km in Worten: ,, We he dem, dem ich da3 in nächst, daß Štěpánek und Stupka sich die Stichber- 1:13:32 Std., 30 km in 1:54:40 Gtb. Das Ma ben Leib to Be". Am 18. Auguſt fam es lebungen fe I b ft beigebracht hätten(!) rathonlaufen( 42,194 m) gewann ebenfalls Kauri, Und schließlich äußerte er die Vermutung, daß ein und zwar in 2: 46: 32.3 Std. vor Hämäläinen in An jenem Tage war Kirchweih in Modřan und Dritter" die beiden Freunde niedergestochen habe. 2: 46: 58.7 und Saarinen 2: 50: 42.8. Das Rah gleichzeitig war es gerade ein Jahr her, daß jene Jedenfalls verschwor er fich hoch und teuer, menprogramm brachte ebenfalls einige jeh' Rauferei mit den Polizisten vorgefallen war, die dem unschuldig zu sein und überließ es den Geschwore- gute Resultate. Ueber 100 Meter siegte E. NurKdolský später zwei Monate Kerker eintrug. In den nen, fich aus dem Wirrwarr seiner Aussagen ein pola in 10.8 Set.; 400 Meter: A. Hyryläinen 51.6 Abendstunden dieses Tages machte sich der reichlich Urteil zu bilden. Im Zuge des Beweisverfahrens Set.; 1500 Meter: V. Hellen 4: 06.5 Min.; 400 aufgespeicherte Groll Adolfký gegen den Štěpanet in wurden sechzehn Zeugen einvernommen. In der Meter Hürden: T. Kettunen 58 Set.; Diskus: V. gewaltsamer Art Luft, wozu der reichliche Alkohol- achten Abendstunde verkündete der Obmann der Ge- Kinnari 41.06 Meter; Kugel: R. Lindfors 14.13 genuß anläßlich des Kirchweihfestes beigetragen schworenenbank das Verdikt, welches die Schuld= Meter; Speer: T. Rautavaara 59.99 Meter; Ham Ndolský machte sich auf die frage auf bollbrachten Mord mer: S. Heino 51.85 Meter( neue Bestleistung des haben mag. Kurzum Suche nach seinem verhaßten Feind, den er in einem einstimmig und die auf nicht vollen- Tul und der SAS). Wirtshaus vermutete und durchstöberte mehrere det en Mord mit neun Stimmen bejahte. Gasthäuser des Ortes, wobei er Drohungen ausdieser Zeit ab haßte er seinen Kameraden aufs einem Messerstich in die Brust Tul veranstaltete vor kurzem ein Meeting für trimmigste. Als er seine Strafe verbüßt hatte und auf freiem Fuß fam, erzählte er jedem, der es hören wollte, daß Stepánet seine Frau vergewaltigt habe und drohte ihm öffentlich mit blutiger Rache. Die rothaa= rige Schnauze bring' ich um zur Katastrophe. stieß, wie: ,, Ich werde ihn schon auffinden und dann mehe ihm! Lebend kommt er mir nicht davon!" Der Schwurgerichtshof des OGR. Sýkora verurteilte nach gemeinsamer Beratung mit den Geschworenen den Angeklagten zu zwanzig Jahren schweren Kerkers. Neue Bestleistung im französischen Arbeiter Schwimmsport. Bei einem Meeting in Paris verZděnek Štěpánek und Helene Buschová besserte Puig die FSGT- Verbandsbestleistung über in dem tschechischen Film ,, Jana" rb. 50 Meter Freistil auf 31.1 Set. Bezugsbedingungen: Bei Zustellung ins Haus oder bei Bezug durch die Poſt monatlich Kč 16.- bierteljährig Kè 48.-, halbjährig Kč 96.- ganzjährig Kč 192. Rückstellung von Manuskripten erfolgt nur bei Einsendung der Retourmarken. Inserate werden laut Tarif billigst berechnet. Bei öfteren Einschaltungen Preisnachlaß. Die Beitungsfrantatur wurde vor der Post- und Tele graphendirektion mit Erlaß Nr. 13.800/ VII/ 1930 bewilligt. Truderei: Orbis" Druds Verlags- und Zeitungs- A.- G.. 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