t t 633 3 5 h it 3 Sosialdemokrat ZENTRALORGAN DER DEUTSCHEN SOZIALDEMOKRATISCHEN ARBEITERPARTEI IN DER TSCHECHOSLOWAKISCHEN REPUBLIK ERSCHEINT MIT AUSNAHME DES MONTAG TÄGLICH FRUH. REDAKTION UND VERWALTUNG PRAG XII., FOCHOVA 62. TELEFON 53077. HERAUSGEBER: SIEGFRIED TAUB. CHEFREDAKTEUR: WILHELM NIESSNER. VERANTWORTLICHER REDAKTEUR: DR. EMIL STRAUSS, PRAG. 15. Jahrgang Heimwehr Samstag, 19. Oktober 1935 Einzelpreis 70 Heller ( einschließlich 5 Heiler Porto) Nr. 244 aus der Provinz Breschen in der Krisenfront nach Wien berufen Wien. Im Laufe des Freitag sind zahlreiche Abteilungen von niederösterreichischer und burgenländischer Heimwehr in Wien eingetroffen. Ein Teil dieser Abteilungen wurde zum erhöhten Sicherheitsdienst herangezogen und hat u. a. die Bahnhöfe besetzt. Die erhöhte Bereitschaft von Polizei und Bundesheer hält noch an. Die öffentlichen Gebäude find weiter stark bewacht. Maul halten und weiterdienen... Aus einem Armeebefehl des Herrn Starhemberg In einem Befehl an den österreichischen Heimatschutz fordert Starhemberg Disziplin und bedingungslose Gefolgstreue und sagt weiter: ,, Den von seiten des Heimatschutes einzuschlagenden politischen Weg bestimme ich. Ebenso liegt es an mir, das Marsch= tempo zu bestimmen, mit dem wir uns unserem Ziele, der durchgreifenden Erneuerung Dester= reichs im Sinne des christlichen Ständestaates nähern. Ich kenne mein Ziel und ich weiß auch, wie und wann ich zu diesem Ziel zu gelangen habe." Ablenkungsmanöver Wien. Im neunten Bezirk wurde eine geheimte kommunistische Propagandazentrale ausges forscht, und viel Material beschlagnahmt. Ihre Leiter, Dr. Franz Sez und Malvine Steiner, wurden verhaftet und kommen vor das Standgericht. Neuer Vorstoß bei Adua? Fürsorge und Arbeitsbeschaffung müssen elastischer gestaltet werden j. Die These, daß Arbeitsbeschaffung die beste Krisenfürsorge darstellt, ist schon zu einem Gemeinplatz geworden. Die Arbeitslosen sagen es selber und stellen es tausendfach unter Beweis, daß sie lieber Arbeit wollen als Unterstützung. Von bürgerlicher Seite wird bis zum Ueberdruß die demoralisierende Wirkung von Geldzuwendungen betont und die Avarbeitung der öffentlichen Fürsorgeleistungen verlangt. Doch das bleibt leere Klugschwätzerei, solange kein Mensch sagen kann, wie den hunderttausenden arbeitsloser Menschen aus öffentlichen Mitteln auch nur eine vorübergehende Beschäftigung zu geben ist. Man soll nur einmal probieren, was an zähestem Krafteinsatz notwendig ist, um eine Straßenarbeit für 50 Personen oder einen Wasserleitungsbau in Gang zu bringen. Es ist natürlich nicht wahr, daß in Deutschböh= men keine Notstandsarbeiten durchgeführt werden. Es ist übelste Brunnenvergif tung, wenn die Flüsterpropaganda der Henleinpartei behauptet, in Inner böhmen werde jeder Feldweg hergerichtet. Was aber geschieht, wird völlig unsystema tisch gemacht. In einem Krifenbezirk sind mehrere Straßenbauten im Gange und im Bezirk Asch gab es, mit Ausnahme einer Kleinigkeit, in diesem Jahre keine nennenswerte Notstandsarbeit. Als besonders schlimm und unhaltbar wird empfunden, daß gerade die ärmsten Notstandsgemeinden von der produktiven Arbeitslosenfürsorge keinen Gebrauch machen können, weil sie nichts zuzuzahlen vermögen. Tausende ausgesteuerter Gewerkschafter verlieren ihre weiteren Ansprüche, nachdem sie keinen weiteren Arbeitsnachweis, nicht einmal von einer kurzfristigen Notstandsarbeit, erbringen können. Bei dem heutigen Stande der Dingt bleibt die Ernährungsaktion mit ihren Ergänzungen die einzige Lebensquelle für die große Mehrheit der Arbeitsloser. Da weist unser Fürsorgesystem Lücken auf, die mit aller Offenheit besprochen werden müssen. # Beschäftigung erbringen kann. Jene bedauernswerte Jugend aber, die noch nicht einmal drei Monate das Glück einer sinnvollen Arbeit tennen lernte, wird dafür bestraft, indem sie aus dem Kreise der Befürsorgten ausgestoßen wird. In Altrohl au sind 140 arbeitslose junge Menschen ohne Arbeitsnachweis. Die einzige Erleichterung besteht darin, daß Jugendliche wenig stens teilweise bei Motstandsarbeiten aufgenom men werden dürfen. Keiner erreicht aber dabei die drei Monate. Solange das Prinzip besteht, daß in einer Familie selbst mit sieben Köpfen nur zwei Ernährungskarten pro Woche gegeben werden dürfen, hülfe auch die Einbeziehung der Ingendlichen sehr wenig. In einem Falle erlangte der Sohn doch den Arbeitsnachweis. Er bekam dann seine Zehnkronenkarte. Dem Vater wurde aber fortab auch nur eine Karte statt der bisheri gen zwei gegeben. Es blieb bei den zwanzig Pronen wöchentlich für die ganze Familie. Man muz also aussprechen, daß das ganze Problem der Fürsorge für die arbeitslose Jugend ein Schietsalsproblem für die Demokratie!-/ in seiner ganzen Breite und Tiefe ungelöst ist. Was hilft es, wenn einer Gemeinde ein Beitrag für ein Jugendarbeitslager gegeben wird und sie hat keine In den Hungerjahren der Kriegs- und Um Was nottut im höchsten Interesse des Staates Strone zum Zuzahlen, wie es in einer erzgebir sturzzeit hieß es in der Sprache der Volkswirt- und seiner inneren Stabilität, das ist die Aus- gischen Stadt der Fall war? Dann schaltet sich schafter: die Lebensmitteldecke sei zu kurz. Die weitung der Ernährungsaktion der Bund der Deutschen ein und der Arbeitstag Vorräte deckten sich nicht mit dem Bedarf. Wurde zu einer großzügigen Hungerbekämp der Jugendlichen beginnt früh mit der Flaggendas Nahrungsbedürfnis einer Bevölkerungs- fungs attion. Gleichermaßen besorgnis- hissung, oder es wird, wie es bei einem rein pri gruppe voll befriedigt, dann kamen die anderen erregend wie beschämend ist z. B., daß der über- vaten Arbeitslager der Fall ist, viermal im Tag Gruppen darum schlechter weg. Auch die Decke wiegende Teil der arbeitslosen Iudas Lied„ Ich hatt einen Kameraden" gesununserer Krisenfürsorge ist zugend bis heute außerhalb jeder regulären Füc- gen. Führt die Republik überhaupt einen kurz. Sie deckt sich bei weitem nicht mit den sorge steht. In den Notstandsbezirken sind bis zu Kampf um die Gewinnung der Jugend? schärfsten Konturen des Herrschenden Notstandes. 75 Prozent der Jugend arbeitslos. Unter den geSolange die Ernährungsaktion nur im bisheri- meldeten Arbeitslosen des Bezirkes Weipert- Noch einmal muß konstatiert werden: die gen Ausmaß durchgeführt wird, müßte die Ein- Breßniz stehen 28 Prozent im Alter von 14 bis so unzulängliche Ernährungsbeziehung neuer Schichten nur zu einer Verlage 24 Jahren. Ernährungskarten bekommt nur, wer rung des Elends führen. Damit ist nichts getan. den Nachweis ununterbrochener dreimonatlicher Hilferufe von allen Seiten No m. Wie die Agencia Stefani meldet, find die italienischen Truppen an der Nordfront nunmehr bereit, einen neuen Vorstoß zu unternehmen. Die rückwärtigen Verbindungslinien find vollständig ausgebaut und die italienischen Flieger haben, so wird gemeldet, die Lage im KampfMussolini verhandelt mit dem englischen Botschafter gelände bereits geklärt, so daß der neue An= griff südlich von Adua als unmitParis. Ministerpräsident Laval setzte britischen Regierung ein Nachlassen der telbar bevorstehend betrachtet werden kann. den ganzen Freitag seine diplomatischen Bemü- Spannung herbeizuführen. Die einzige SantNach den Informationen des Reuterkorre- hungen zur Beseitigung des franzöſiſch- britischen tionen, die gegenwärtig in Frage fämen, feien spondenten in Addis Abeba dringen die Italiener Mißverständnisses und Einstellung des Krieges in wirtschaftliche und finanzielle Sanktionen, denen längs des Tales des Flusses Sulla vor und Abessinien fort. Vormittags hatte Laval eine sich Mussolini gefügt habe. ihre Vorhuten sollen bereits bis A da me s, das Unterredung mit dem italienischen Botschafter etwa 30 Kilometer nordöstlich von Makale liegt, Cerutti, der sich abends neuerlich am Quai d'Orsay einfinden sollte. Laval erwartete die Gemäß den Anordnungen des Negus haben Antwort Mussolinis über die italienischen sich die Abteilungen des Ras Sejum zurückge- Minimal bedingungen zur Einstellung zogen und lieferten den Italienern nur kleinere der Feindseligkeiten in Abessinien. Außerdem hatte Laval eine Unterredung mit Scharmützel, bei welchen die Italiener Verluste Kompromiẞ in Vorbereitung? gekommen fein. * aktion deckt nicht den Kreisber bedürftigsten Krisenopfer, wenn man auch die Gemeindearmen, die infolge der Krise immer unzureichender befürsorgt werden fönnen, ganz außer Betracht läßt. In den reinen Exportgebieten, wo schon seit 1921 eine schlerchende Krise herrscht, können in der Tat viele ausgesprochene Vollarbeiter den dreimonat= lichen ununterbrochenen Arbeitsnachweis seit 1. Jänner 1929 nicht erbringen. Bei ſo manchem Grenzfall fehlen zwei bis drei Tage oder es lie= gen außerordentliche Umstände klar auf der Hand. Könnte da, wo es um Leben oder Sterben ganzer Familien geht, nicht Dispens erteilt werden, wie In den späten Abendstunden wird in den bei so manchem anderen Verwaltungsstritt? Der gleichen französischen Kreisen auch die Möglich Mangel an individueller Handhabung der Krifeit einer Versöhnung nicht ausgeschlossen. fenfürsorge tritt auch ganzen Gruppen gegenüber Der italienische Botschafter soll den Minister- auf. Die Eingliederung der Heimarbeiter präsidenten Laval über die Bedingungen unter- in die Ernährungsaktion ist noch immer nicht berichtet haben, unter denen Mussolini eine Bei- friedigend gelöst. Die große Erzgebirgsgemeinde legung des italienisch- abessinischen Konfliktes in Reischdorf hat z. B. eine ausgesprochene jedoch eher um eine Berhandlungsbasis als um tief ins Saazer Land hinein und weit nach eine genaue Formulierung der Bedingungen und Deutschland hinüber als betriebsame Hauſierer deswegen bewahrt man strenges Stillschweigen befannt. Das Hausiergewerbe trägt heute nicht An informierten Pariser Stellen wird spät über diese Verhandlungen. einmal mehr die zerrissenen Schuhsohlen. Es war werden, und sie werden voraussichtlich ein solches Rom. Der freitägigen Unterredung Musso- weit sie nicht den Nachweis einer Lohnarbeit eraber bisher unmöglich, diese Opfer der Krise, soweiteres Vordringen nicht ohne größere Vorberei- nachts erflärt, daß das Außenministerium abends dem britischen Botschafter Clerk den Text der linis mit dem englischen Botschafter wird hier п tungen unternehmen. französischen Antwort auf die britische Anfrage ganz besondere Bedeutung beigemessen. Man läßt beziehen. Ein Wort muß auch für die vernichteten bringen können, in die Ernährungsaktion einzuüber die Hilfeleistung, die Frankreich Großbri- durchblicken, daß die Besprechung einen befrie- mittelständischen Existenzen einRegen an der Ogadenfront tannien gewähren würde, wenn dieses von Ita- digenden Lauf nahm. Allem Anschein nach dürfte Paris. In der Provinz Ogaden find Re- lien angegriffen werden sollte, überreichen wird. hierbei die Erörterung einer zurückziehung Industrie gab es zu Krisenbeginn 408 Kleinmeigelegt werden. In der Graslizer Instrumentengenfälle eingetreten und das Vordringen der Diese Antwort lautet positiv und man italienischen Truppen hat sich dadurch beträchtlich wartet an amtlichen französischen Stellen mit und der Verringerung der italieni- ster, heute sind es nur 268. Für einen Kleinmeischütze finken tief in das aufgeweichte Erd4 aufzuweisen hatten. Man weiß nicht, ob die Abes- dem britischen Botschafter über die Betracht ziehen könne. Vorläufig handelt es sich Handelsbevölkerung. Die Reischdörfer waren sis jinier Makale verteidigen werden. Ein weiteres Bedingungen der gegenseitigen franzöſiſch- britiVordringen der Italiener nach Süden und Süd- schen Hilfeleistung in allen Fällen und insbesonwesten von Makale dürfte aber sehr schwierig dere im Mittelländischen Meer. er= der englischen Flotte im Mittelmeer berlangsamt. Die Tanks und die schweren Ge- Zuversicht, daß sie dem Mißverständnis in einem den Truppen an der ägyptischen Grenze eristiert nicht nur keine Strisenfürsorge, sondern reich ein. t Addis Abeba wird nicht bombardiert Auf Intervention verschiedener Mächte Rom. Verschiedene Staaten mit Interessen in Addis Abeba und Diredaua haben bestimmten Teil der Preſſe der beiden Staaten in der tripolitanischen Provinz Cyrenaika es werden ihm siehe Graslih- wie zum Hohn ein Ende machen wird. Die Hilfeleistung nach gewisse Rolle gespielt haben. Artikel 16, Absatz 3, des Völkerbundpaktes trage weiter die Steuervorschreibungen ins Haus ge= einen verbindlichen Charakter. Frankreich Keine militärischen Sanktionen den Gewerbeschein längst aufgefagt und er war schickt. Ein Flickschuster in Schindlwald hat respektiere den Völkerbundpakt und wolle sich ihm ebenso wie die übrigen Staaten unterwerfen. Es London.( Reuter) Amtlich wird mitge- beim Verband der Bekleidungsarbeiter organiist demnach bereit, an einer Rollettiv teilt, daß Großbritannien niemals die Frage siert. Hie und da verdiente er sich neben der gemilitärischer Sanktionen während der werkschaftlichen Unterstützung noch eine Krone aktion der übrigen Staaten teilzunehmen. Die französische Note bringt, wie es heißt, Verhandlungen mit Laval oder sonst zur Debatte durch Schuhflickerei für die bettelarmen Arbeit3sich an Italien mit dem Wunsche gewendet, diese zum Ausdruck, daß unter den gegenwärtigen Um- gestellt hat. Großbritannien denke nicht daran, losen. Dabei von der Gendarmerie„ auf frischer beiden Städte nicht bombardieren zu lassen. Nach ſtänden kaum eine Anwendung dieser Bestimmun- den Suezkanal zu schließen noch Italien gegenüber Tat" ertappt, mußte der Mann 800 Kronen Donnerstag gen in Frage komme, da Großbritannien keinerlei eine Blockade in Anwendung zu bringen. Groß- Staatsbeitrag zurückzahlen. Mit Kontrollen und einer amtlichen Meldung vom abend hat die italienische Regierung bereits Wei- Angriffsabfichten gegenüber Italien hegt, ebenso britannien beabsichtige, seine Verpflichtungen aus Strafmandaten find die Staatsorgane ungeheuer sungen in dem gewünschten Sinne erteilt, aller- wenig wie Italien Großbritannien gegenüber dem Pakt bis zum Schluß zu erfüllen, und zwar aktiv. Auf die Frage aber, was aus den ausge mit den übrigen schalteten Krisenopfern werden soll, wissen sie dings unter der Voraussetzung, daß die betref Angriffsabfichten hegt. Die französische Note ist gemeinsam fenden Städte nicht Stüßpunft und Lager für der Meinung, daß es angezeigt wäre, durch eine Staaten. Keine andere Aktion, außer einer feine Antwort. Auch die Grenzschichten, die hier entsprechende Erklärung der französischen und der gemeinsamen, werde aber unternommen werden. erwähnt wurden, fönnen nicht einfach ihrem Striegsmaterial werden. ■ SamStag, IS. Oktober 1S3S Nr. 244 Eden wird ungeduldig Genf. Im Wirtschaftsausschuß der Konferenz für Sanktionen beantragte Minister Eden, daß das Verbot der Ausfuhr nach, bezw. der Einfuhr aus Italien gleichzeitig ergehe und daß endlich einmal ein Datum festgesetzt werde, an dem dieses Verbot in Kraft treten soll. Schicksal überlassen werden. Die Hilfe, die ihnen gebührt, darf freilich nicht auf Kosten der Hungerrationen der befürsorgten Arbeitslosen gehen. Die Gewerbetreibenden und Kaufleute täten besser, anstatt Wer die Fürsorgeausgaben zu wettern, darüber nachzudenken, was aus ihren zugrundegegangenen Berufskollegen wird. Oder sind sie nicht einmal dieser primitiven Standessolida- rität fähig? Die Gemeinden und Bezirke sind immer weniger in der Lage, aus eigener Kraft der Krise zu steuern. Was soll z. B. die Erzgebirgsgemeinde| Kuna ii tun, die unter 288 Einwohnern 120 Arbeitslose(70 Verheiratete, 50 Ledige) hat? In Altrohlau sind von 7600 Einwohnern 2223 Erwachsene arbeitslos. Diese Jndustriegemeinde zählt außerdem nicht welliger als 1202 vorschul- und schulpflichtige Kinder arbeitsloser Eltern. I st! das noch Krise? Oder ist das nicht schon soziale Katastrophe? Dabei hat das unselige Gemejndefinanzgesetz auch noch die vorhandenen Steuerquellen für die Notstandsgemein- den unergiebig gemacht. Ein Betrieb mit 1300 Beschäftigten hatte in einem Jndustrieort des Bezirkes Karlsbad vor der Steuerreform einen Steuersatz von 40.000 Kronen, nachher von sage und schreibe 7000 Kronen. So wird der gemeindewirtschaftliche Sektor Zimmer mehr ein Trümmerhaufen. Altrohlau muß seinen Angestellten monatelang den Gehalt schuldig bleiben. Neusattl, am Sitz eines großen Ueberlandwerkes, wird demnächst die öffentliche Beleuchtung einstellen. Unlösbar wird für- die Notstandsgemeinden immer mehr die Unterbringung der delogierten Familien. Es treibt jedem ernsten Beobachter solche Zustände direkt die Schamröte ins Gesicht, vergleicht er, wie groß hierzulande die Distanz zwischen dem lautersten sozialen Wollen einzelner Minister und der sozialen Praxis im Krisengebiet ist. Trotz jahrelanger Erwägungen über die Jnnenkoloni- sation könsten dem delogierten Arbeitslosen, wenn «r sich eine Notbaracke bauen will, nicht einmal einige Bretter zur Verfügung gestellt werden. Eine Gemeinde bei Weipert wollte für hoffnungslose Fälle einen Eisenbahnwaggön ankaufen. Sie hatte nicht einmal dazu Geld. Eben in diesem Christoshammer wohnen 19 Personen in drei Räumen des Armenhauses. Die Zelle des Ge- meindearrestes dient als Obdach für zwei Mann. Der Tot e n g x ä b.« r wohnt in der L e i- chenkam m'e r am Fricvhüs/so ßah'sticht einmal ein Sezierräüm Vorhänden ist.' In dem Reischdorfer Armenhaus sind 88 Personen untergebracht. Das Preßnitzer Armenhaus ist niedergebrannt und die Mittel zum Wiederaufbau fehlen. * In den Besprechungen meldeten sich Gemeindevorsteher zu Wort, die klipp und klar erklärten, daß kein Heller da sei, in diesem Winter Heizmaterial für die Schulen zu besorgen. Was soll also geschehen? Sollen die Schulen gesperrt werden, wie im Kriege? Ganz schlimm ist die Erscheinung, daß in den Notstandsbezirken die G e- sundheitsfürsorge für die Arbeit s- losen wegen Mangel an Mitteln immer mehr lahmgelegt wird. Bon R o t h a n ist bekannt, daß die Gemeinde beim Arzt bereits hoffnungslos verschuldet ist. Dieser Zustand breitet sich beängstigend aus: der Arzt verschreibt dem Arbeitslosen zwar noch das Medikament, doch n i e- m a.n di st da, derdieMedizinbezah- len könnte. Die Folgen sind beim Ausbruch irgend einer Epidemie nicht abzusehen. Dazu kommt die Frage der Gesundheits- und Ernährungsfürsorge für die Schuljugend, die noch gesondert zu behandeln sein wird. Aus diesen einfachen Feststellungen ergibt sich die Fragestellung: können die ungelösten Fürsorgeprobleme in den Notstandsgebieten weiter offen bleiben? Kann der Staat diese Katastrophenentwicklung gewähren lassen und wie lange noch? Die Breschen in der Krisenfront liegen offen zu Tage. Sie sind bequeme Einbruchstore für den Geist der Verneinung und der Verzweiflung. Es genügt nicht, wenn einige Minister guten Willens sind. Die Taten, der Gesamtregierung entscheidend Mit den bisherigen Mitteln und Methoden ist nicht mehr auszukommen. Versucht z. B. der Vorsteher einer bettelarmen Gebirgsgemeinde, eine Notstandsarbeit ohne entsprechende Aufzahlung durchzuführen, dann kommt er als„Staats- Prag. Amtlich wird gemeldet: In der am Freitag nachmittags stattgefundenen Sitzung des Ministerrates wurde das Programm der gesamtstaatlichen Feiern des Staatsfciertages am 28. Oktober 1935 genehmigt. Der Minister des Arrrßern erstattete eine« ausführlichen Bericht über die Verhandlungen des BilkerbundeS mit iczu» auf den italienisch- abessinischrn Konflikt und über die gegenwärtige internationale Lage. Im Sinne der Empfehlungen des VöllerbundausschusscS für die Koordinierung der Sanktionen Warden die Maßnahmen zur Durchführung des Artikels 16 drS Bölker- bnndpaktrs in Angeles-nheit der Ausfuhr von Waffen und Kriegsmaterial, sowie dir Maßnahme» finanziellen Charakters in der in Genf beschlossenen Form genehmigt. Als Richtlinie der Außenpolitik der Tschechoslowakei in der Vergangenheit, in der Gegenwart und in der Zukunft wurde nenerlich der Grundsatz der strengen Mu- Haltung und Erfüllung aller Verpflichtungen her- vorgchobcn, die sich auS der Mitgliedschaft im Völkerbünde und«ns den im Geiste dieser Mitgliedschaft übernommenen Verbindlichkeiten ergeben, ohne in Fragen einzugreifcn, die den tfche- chaslowakischen Staat nicht direkt berühre». Genehmigt wurden folgende Regierungsgesetzentwürfe: Ueber die Verlängerung der Regelung der Weidebenutzung in der Slowakei und Karpa- thorußland, über die Novellierung des Gesetzes betreffend die Anforderung von Verkehrsmitteln für militärische Zwecke,' über die Verlängerung der Gültigkeit der Vorschriften Wer die Abgaben für Amtshandlungen ist Verwaltungsangelegenhcitea und Wer den Tierschutz. Weiters wurden folgende Regienmgsverord- nungöentwürse genehmigt: Ueber die Anschaffung von Gasmasken und über die Pflichten der Gemeinden nach dem Gesetz betreffend den Schutz und über die Verteidigung gegen Fliegerangriffe und über die betrüger" vor Gericht. Die gesetzliche Bestimmung, daß die Gemeinde den gleichen Teil der Lohnbeiträge des Fürsorgeministeriums zuzuzahlen hat, stammt aus der Zeit des Beginnes der Krise. Heute ist sie unhaltbar, wenn der Begriff der produktiven Arbeitslosenfürsorge nicht zur Farce werden soll. Es bleibt nur Wrig, die vorhandenen Mittel für Notstandsarbeiten nach Maßgabe der Arbeitslosenzahl in die Bezirke hinauszugeben. Dort sind sie nach dem Grundsatz zu verwenden, daß vorerst Arbeit zu schaffen ist, wo die größte Not herrscht und daß jede Gemeinde nach Maßgabe ihrer Möglichkeiten beizutragen hat. Vor allem muh das total darniederliegende Baugewerbe flottgemacht werden. Viele Jnteresseuten sind da, die sich auf den Dörfern ein. Wohnhäuschen bauen möchten, aber solche Bauvorhaben scheitern an einer beinahe lückenlosen Kreditsperre. Die komplizierte Prozedur der öffentlichen Bauförderung kommt für einen armen Teufel nicht in Frage. Der Selbsthilfe der Arbeitslosen zur Deckung des primitivsten Wohnungsbedarfes ist endlich eine allgemein brauchbare Grundlage zu geben. Die regsamen Hände sind da. Das Material ist da. Große Kapitalssummen liegen brach. Es ist höchste Zeit, daß den vielen Theorien Wer die Arbeitsbeschaffung endlich die rettende Tat folgt I Titel der Lehrer an den öffentlichen Bolls-, Bürger- und Hilfsschulen. Im weiteren Verlauf der Verhandlungen wurde im Rahmen des Berichtes Wer die laufenden haWelspolitischen Augelegenheiten auch der Bericht über das Ergebnis der Arbeiten der V. Tagung des Wirtschaftsrates der Kleinen Entente zustimmend zur Kenntnis genommen. Bewilligt wurden die Mittel zur Durchführung der staatlichen ErnührungS- und Be- 'kleidungsaktian für die Kinder Arbeitsloser in der bevorstehenden Winterprriode. Hierauf wurde die Behandlung der Tagesordnung unterbrochen. Die Sitzung wird Samstag fortgesetzt. Am Mittwoch BeneS-Exposä Prag. Das Parlamentspräsidium beschloß, die vom Präsidenten der Republik für Mitttvoch, den 23. Oktober, einberufene erste Sitzung der Herbstsaison für 3 Uhr nachmittags anzuberaumen. Auf der Tagesordnung steht die definitive Wahl' des Präsidiums, ferner die Wahl der restlichen Ausschüffe und zwei Immunitäten, die Zusammenstöße in den ersten Parlamentssihun- gen im Sommer betreffen. Man rechnet damit, daß in dieser Sitzung der Außenminister Dr. Benes dem Plenum einen Bericht über die außenpolitische Situation, vor allem im Zusammenhang mit dem italienisch- abessinischen Konflikt erstattet. Nach dem Plenum wird eine Klubobmännerkonferenz stattfinden, um die Einzelheiten der anschließenden Debatte festzulegen. Der Senat tritt am Mittlvoch um 17 Uhr zusammen. Auf der Tagesordnung steht ebenfalls die Wahl des definitiven Präsidiums und Fristverlängerungen. Neue Gesetze im Dritten Reich Eheverbote— Beamtenentmündigung Berlin.(DNB) Das Reichskabinett verab- schiedete in der ersten Sitzung nach der Sommerpause zunächst ein Gesetz Wer die Staatsbanken. Die Aufficht über die Staatsbanken geht von den Ländern auf das Reich Wer. Ferner wurde ein Gesetz zum Schutze der ErbgesuWheit des deutschen Volles' beschloffen» durch das der Staat der Familie einen besonderen Schutz angedeihen läßt, indem zur Verhinderung der Schließung gesundheitlich unerwünschter Ehen in besoWers begründeten Fällen eine Reihe von Eheverboten vorgesehen wird. Das Gesetz Wer die Abtretung von Beam- teWezügen zum Zwecke der Entschuldung der Beamten überträgt dem Reichsbund der Deutschen Beamten und dem Bund Nationalsozialistischer Deutscher Juristen die Aufgabe der Ueber- führung von unverschuldet in eine Notlage geratenen Beamten in geordnete wirtschaftliche Verhältnisse. Zwei Mitarbeiter Otto Strassers verurteilt Zu langjährigen Zuchthausstrafen Berlin.(DNB.) Nach dreitägiger Verhandlung verkündete der Volksgerichtshof das Urteil gegen zwei Männer, die zu den engsten Mitarbeitern des ins Ausland geflüchteten Otto Ttrafstr zählten, u. zw. gegen den 35jährigen ! Herbert Blank aus Berlin, der wegen Vorberei- I tung zum Hochverrat zu 4 Jahren Zuchthaus ver- | urteilt wurde, und gegen den 40jährigen ehc- i maligen Kreisleiter Walter Schreck aus Kahla ! in Thüringen, zu 10 Jahren Zuchthaus. Außerdem werden beide Angeklagte unter Polizeiaufsicht gestellt. Schreck trat in Prag mit der illegalen Leitung der Schwarzen Front in Verbindung und soll hauptsächlich als Vermittler von„Hetzschriften" und Adressenmaterial tätig gewesen sein. Henderson gefährlich erkrankt Havas erfährt aus London, daß sich der Gesundheitszustand Arthur Hendersons verschlechtert hWe und neuerlich ernste Befürchtungen erwecke. Nach einer späteren Reutermeldung liegt er bereits im Sterben. Die Parlamentswahl in Kanada hat neben dem Riesenerfolg der Liberalen, die an Stelle der Konservativen die Mehrheit erlangt HWen, einen beträchtlichen Gew in n der Arbeiterpartei gebracht. Diese bezeichnet sich in Kanada als„Genossenschaftlicher Bund" und konnte ihre Fraktion von drei auf sieben Mitglieder steigern. Die neugegründete„Soziale Kreditpartei" errang allein im Westen 17 Mandate, nachdem sie letzthin bereits in der Lokalwahl von Alberta vollkommen gesiegt hatte. Die Liberalen haben unter der Parole gekämpft„R e- Vision des Ottawavertrages.!* Es ist also damit zurechnen, daß Kanada, um sich wirtschaftlich aufzurichten, die enge Bindung an das englische Weltreich zugunsten lebhafterer Beziehungen mit anderen Ländern lockern wird. Natürlich wird eS nur Exporte aus Ländern zu- lassen, die auch kanadische Landwirtschaftsprodukte abnehmen. Sanktionen vom Ministerrat beschlossen ( t t t a i 6 z ki a t s, H r d «i R in w te 8h re Hl 8 fü di Le l,, ei, Ak dr N. tss »n dei trn r®i «bi der tr« A *t;i der Äri feir Eu die Cu ivej deu sche sei, leir r „53 VILLA OASE oder: DIE FALSCHEN BORGER Roman von Eugene Debit Berechtigte Uebertragung aus dem Französischen von Bejot Sie stieß die Glastür auf und tauchte in die schwarze Nacht. Doch sie hatte nicht mehr so große Angst. Sie ging einen Schritt unterhalb der Veranda, einen zweiten, einen dritten, und hatte das Empfinden, des tiefen Gartenftiedens teilhaft zu werden. Sie wischte mit der Hand Wer das Gesicht und ging nun geradeaus. Plötzlich stieß sie an den Holzhaufen, den Julien am Teichrand aufgeschichtet hatte, taumelte und verlor den Boden unteuben Füßen. „Hilfe w schrie sie. Das Gewicht ihres Körpers zog sie hinW. „Hilfe... Hilfe!.... Ich ertrinke." Mehrmals schluckte sie das brackige Wasser, schlug um sich, versuchte, sich mit ihren Nägeln an der Steinwand festzukrallen, reckte den Kopf und stieß ein tierisches Geheul aus. Ihre Stimme erstickte, und noch tiefere Nacht senkte sich auf ihre Augen. Im letzten Aufbäumen ihrer Todesangst öffnete sie den Mund, um zu atmen, nur ein einziges Mal noch Luft zu holen... V. Als Julien in Chapelle-sur-Seine ankam, war es Abend. In beiden Händen trug er Pakete; Grammophonplatten, einen Lachsschinken, warme Unterwäsche und einen Roman, den er auf dem Bahnhof gekauft hatte. Während er ausschritt, dachte er an die zwei Tage, die er in Paris verlebt hatte. im Cafe des Courses, mit Alfred, der ihm endlich zehntausend Franken gegeben hatte und das Versprechen, ihn bald auszuzahlen. Er hatte einige Absinth getrunken und war dann in die Rue Bourqujn gegangen. Er war spät aufge- standen, hatte bei der Miß gegessen, sich aber keinen Schwips angeschafft. „Ich werde der Dicken erklären, ich wäre zweimal dort gewesen, ehe ich das Geld bekommen habe." Was mochte sie indessen angestellt haben? Er ging schneller. Der Weg war menschenleer. Endlich die Rüe du Petit Vau. In die Freude, die er verspürte, mischte sich eine uWesfimmte Furcht. „Wenn Irma schnauzt, schnauze ich noch mehr." Er stieß die Gartenpforte auf. „Nanu, kein Licht in der Bude?" . Irma schnarchte. Solange bummelt« vermutlich. Er öffnete die Küchentüre, machte hell, legte, seine Pakete aus der Hand. Eine weiße Kugel ftog ihm gegen die Beine. Er mußte lachen. „Du, Bobby? Bist du allein? Solange!" Dann, nach einer Weile; „Irma!" Kein Zweifel, sie schlief. Etwas anderes tat sie ja überhaupt nicht mehr. Er stieg die Treppe hinquf, fand dis Schlafzimmertüre offen, knipste das Licht an. Das Bett war leer. Auf dem Sessel lag die Stickerei. Er beruhigte sich. Die Dicke schnarchte wahrscheinlich unten. Er lief eilig hinunter und ging ins Eßzimmer. Auch hier stand die Tür weit offen. Er trat ans Fenster. Die Läden waren nicht geschlossen. Aber er kannte seine Frau und wußte, daß sie sich verbarrikadierte, sobald eS dunkel wurde. Sollte vielleicht... Ei rannte die Treppe wieder Hinauf, schob im Schlafzimmer das Kaminblech hoch und betastetete die Mauer. Er hatte eine blödsinnige Angst. Gottlob, das Geld lag noch an der alten Stelle. Während^ er auf- und abging und nachdacht«, be- Er riß den Kleiderschrank auf, sah ein Kleid auf dem Boden liegen und wunderte sich Wer die Unordnung. „Sie wird ihren Mantel herausgenommen haben, um in den Garten zu gehen." Er kehrte ins Eßzimmer zurück ging hindurch und blieb auf der Veranda stehen. „Irma, hallo, Irma, ich bin hier!" Der Wind pfiff. Er rief von neuem. Dann hob er sich auf die Fußspitzen und versuchte, di« Dunkelheit mit den Blicken zu durchdringen. Nichts. Er spürte einen Druck am Herzen, während er zögernd in den Garten hinaustrat. Er stellte sich Irma vor, wie sie, von einer schweren Nervenkrise befallen, draußen umherirrte, wie sie, von der Nacht überrascht, den Weg zum Hause nicht mehr fand. Doch ehe er diesen Gedanken zu Ende denken konnte, durchfuhr ihn eine neue schreckliche Vermutung. Mit zwei Sätzen war er am Teich. Er beugte sich vor, forschte mit gespannten Sinnen, sah aber nichts. Er hörte nur das Murmeln des Wassers und das Rauschen in den Zweigen. Er wandte sich ab, ging ein paar Schritte weiter und stolperte Wer seine Holzlloben. Hatte er sie nicht zu einem Haufen aufgeschichtet? Jetzt lagen sie ja nngeord- ! net umher! „Großer Gott...", stöhnte er. Schnell drehte er einen unter der Veranda angebrachten Schalter. Das Licht fiel auf den Teich. Auf dem niedergetretenen Rasen lag ein Taschentuch. „Sie ist ins Wasser gestürzt!" Er warf sich auf die Knie, schob den Oberkörper vor, ritz die Augen auf, neigte sich, so weit er konnte. Wer das Wasser und tauchte mit der Hand hinein. Das Wasser war kalt. Plötzlich hörte er Schritte. „Irma!" Er richtete sich auf. Es war Solange, „Meine Frau ist nicht mit dir ausgegangen? Nein? So lauf schnell zu Maigret und zu Paul. Sie möchten sofort kommen. Irma ist ertrunken." „Wie, die Frau..." „Lauf, zum Donnerwetter!" Er ging ins Haus, ergriff eine Petroleumlampe und zündete sie an. Die Hand, in der c< sie hielt, zitterte. In die andere Hand nahm cl einen Stock, dessen er sich auf seinen Wanderungen bediente. Am Rande des Teiches legte er fw auf die Erde, stieß den Swck ins Wasser und son- dierte nach allen Richtungen. Die Lanipe, vo»r Wind bedroht, warf einen rötlichen Schein.„An! dem Grunde kann sie doch nicht liegen", sagte sich. Er fand nichts. In neu erwachender Hoffnung hob er den Kopf uni schrie mit heiser^ Stimme: „Irma! Irma! Irma!" Die Freunde kamen. „Meine Frau ist in den Tümpel gestürzt. ist wahrscheinlich ohne Licht hinauSgegangen ungestolpert. Seht euch das Holz an und den Rasc^ Nein, ihr müßt näher herantreten." „Man sieht nicht gut", erllärte Maigret. „Solange, zünde alle Lampen an, die findest. Ihr glaubt nicht, daß sie hineingefallc* ist? Das Mädel hat mir nichts sagen können, ntf' 1 es nicht zu Hause war. Irma konnte rufen, laut sie wollte. Niemand hat sie gehört. Was len wir tun?"\ „Ans Wehr gehen und die Schleuser holen' erwiderte Paul.„Sie können uns wenigstens ihr* Haken leihen." Julien setzt« sich auf eine Stufe, zog die Ja»! aus, riß sich den Kragen herunter und holte tm Lust. Er wollte an den Teich zurücklehren, aber Knie knickten unter ihm ein, und er fiel wied^ auf seinen Platz nieder. Mit den Nägeln kratz^ er den Stein der Treppenstufe und wiederhol^ „Meine Dicke... meine arme Dicke." Er Lichter auf sich zukommen. Sie schwankten a>» und nieder wie Irrlichter. Was tat denn Pau" Er erschien zwischen zwei Männern, «kommen Sie", sagte Julien. lFortsetzung folgt.) - Gestern w diese Zeit hatte er einen Krach schlich ihn eine uWcgreifliche Unruhe. f , l s .p bie iq 1 k b ii c ;'s He, bej d d st t 1 4 d t s ii . e k i ' k 1 N,. 244 Samstag, 19. Oktober 1935 Seite 3 fadctendcBfeder Zeitspieget Dem braunen Rundfunk zur Verbreitung empfohlen Ole Schande der Henleinstadt Asch Wie ich erfahre, ist mir die unverdiente „Ehre" zuteil geworden, daß der erste Aufsatz der Erzgebirgs-Reportage„Der Feind steht im Norden" vom reichsdeutschen Rundfunk teilweise nachzitiert worden ist. Freilich nicht der entscheidende Teil, in welchem die Schande des westböhmischen Fabrikantenterrors angcprangert worden ist, sondern die Einleitung, die den Hunger in den Grenzgebieten als den„Staatsfeind Nr. 1" bezeichnete. In Deutschland wäre ein Sozialdemokrat wegen einer solchen Konstatierung schon längst als Staatsfeind Nr. 1 ins Konzentrationslager eingeliefert. Der weitere Unterschied zwischen dem Dritten Reich und unserer Republik besteht noch darin, daß dort nicht nur Hunger, sondern auch Tsrror, Folterungen und die schamlose Ermordung politischer Gegner an der Tagesordnung sind. Wenn übrigens/ der braune Rundfunk so gerne Krokodilstränen über die Rot in Deutschböhmen vergießt, so sei ihm eine ebenso wichtige wie empörende Sache zur beliebigen Wri- terverbreitung empfohlen. Die sudetendeutsche Fabrikantenstadt A s ch, seit mehr als zehn Iah-- ren in bürgerlicher Verwaltung und Wohnsitz des Herrn Henlein, hat in diesem Jahr keinen Schlag Notstandsarbeil durchge- sührt. Sie nützt nicht einmal die Möglichkeit aus, die ihr der tschechische Staat mit seinen Lohnzuschüssen bietet» um die Rot der arbeitslosen Volksgenossen zu lindern, obwohl sie bei einem Bermögensstand von 38,161.108 Kronen Aktiva und 26,315.967 Kronen Passiva dazu in der Lage wäre. Der Hochsitz des sudetendeutschen Nationalismus läßt sich daher nicht nur vom tschechischen Staat, sondern auch von der ärmsten Jndustriegemeinde beschämen» die von Sozialdemokraten verwaltet wird. Dieses Kapitel sude- tendeutscher Rot und Schande würde sich hervorragend für den Leipziger Sender eignen. Er wird aber darüber ebenso schweigen, wie sich die Partei des Herrn Henlein über die deutschen Konzentrationslager ausschweigt. W. I. Aufdämmernde Erkenntnis Die Henleinpartei„Instrument der Unterdrückung der Arbeiterschaft“ • Samstag, den 12. Oktober, ist in Aussig die erste Nummer eines Wochenblattes„Sudetendeutsche Freiheit" erschienen, deren Herausgeber Friedrich K o p a t s ch e k ist, der—- wie wir seinerzeit ausführlich berichtet haben—- aus der Sudetendeutschen Partei ausgetreten ist und der die dieser Partei zugeströmten Arbeiter in einer Sudetendeutschen Arbeiterpartei sammeln will, weil die Henleinpartei im Dienste des sudetendeutschen Kapital steht. In dem programmatischen Leitartikel, als dessen Verfasser Kopatschek zeichnet, zeigt der Schreiber zunächst, daß Henlein politisch gescheitert ist: Ein objektiver Betrachter der Dinge kann ( nicht umhin zu erklären, auch wenn es schmerzt, - daß Konrad Henlein den politischen Partner, der 5 für eine reale und positive sudetendeutsche Pe- litik in diesem Staate notwendig ist, im tschechischen Lager nicht gefunden hat. D er M a r s ch ' Henleins muß in die Wüste ge hen, in die Wüste fruchtloserOp- Position. a K. Dann wird in dem Artikel dargelegt, daß di« Henleinpartei die Partei des Kapitals ist: Rein, die Sudetendeutsche Partei ist nicht . eindeutig sozial. Die Sudetendeutsche Partei ist - das Instrument zur Unt»erdrük- kung und Ausbeutung der Av- beiterschaft, ist mit seinem Führerprinzip und seinem Volksgemeinschaftsgedanken nichts ' anderes als Mittel zum Zweck des sudetendeut- ' scheu Unternehmertums. Als Beweis für das kapitalistische Denken der Henlcinleute führt der Verfasser die Geschehnisse bei der heurigen Hopfenpflücke an: Die Arbeitsbeschaffung der Hopfenpflücker durch die Sudetendeutsche Partei ist ein Skandal für sich. Dort haben Kameraden der Volksgemeinschaft unter Bedingungen arbeiten müsse::, 'die an die Zeit der Sklaverei erinnern. Dreimal täglich Kartoffelsupp« und Brot, am Samstag KL 10.— als Taschengeld— der Lohn für eine Woche Arbeit. Und als die Henleinleute bei ihrem > Kameraden, dem Hopfenbauer, vorstellig wurden, doch wenigstens mittags ein einigermaßen anständiges Mittagessen' zu verabreichen und das Ta- schengeld von Kd 10.— auf Kd 20.— zu erhöhen, wies der Hopfenbauer sie barsch ab. Ein Hinweis auf das Kameradschaftsgefühl von Arbeiter und Bauer untereinander erklärte der Bauer: Hier gibt es keine Kameraden, hier seid ihr Arbeiter und ich bin der Herr, wem es nicht paßt, der kann ■ gehen. Sein Urteil faßt Kopatschek dann folgendermaßen zusammen: Wir sprechen Konrad Henlein den Willen ab, unser Geschick nach Recht und Gerechtigkeit zu lenken. Wir haben erkannt, daß die Arbeiterschaft zu Zwecken mißbraucht werden soll, di« nicht nur uns in unserer Existenz gefährden, sondern die das gesamte sudetendeutsche Volk in den Abgrund führen müssen. Wir lehnen eine abenteuer! i. chePolitikab, die niemals zumWohle unseresVol- kes und unserer Heimat, sondern zursklavischenUnterjochung des Arbeiters führ e'n muß. Was da Herr Kopatschek erzählt, haben wir schon längst gewußt und wir sind der Henleinpartei immer deswegen entschieden entgegengetreten, weil sie unter dem Deckmantel der Heimatliebe und eines hemmungslosen nationalen Radikalismus, dessen geistige Väter nicht nur Krebs und Jung sondern auch Schönerer und Wolf aus der Zeit Altösterreichs sind, nichts anderes verbirgt als die Interessen der besitzenden Klassen. Henlelnabgeordneter wirbt um Arbeiter mit 10-Heller-Zigaretten. Gegenwärtig wird die Bezirksstraße, welche von Liboch nach Wegstädtl führt, nach langer: Bemühungen unserer Genossen hergerichtet. Keiner der Henlein-„Führer" kann sich rühmen, auch nur das Geringste zur Durchführung dieser Straßenrekonstruktion beigetragen zuhaben. Mer nun, da eine Anzahl Arbeiter Beschäftigung gefunden hat, kommt eines Tages ein elegant aussehender Herr auf die von den Arbeitern besetzte Straßenstrecke, in dem man bei näheren Zusehen den„Arbeitervertreter" Herrn Abgeordneten Lischka von der SdP erkennt. Von den ganzen Arbeitern grüßte ihn nur einer, ein„Kamerad", mit dem er sich in ein Gespräch einlietz. Während der Arbeiter vom Lohne und der Arbeitslosigkeit reden wollte, versuchte Herr Lischka, auf ein anderes Gebiet Lberzugehen: denn die Arbeitsbedingungen und Löhne interessiertest ihn offenbar nicht. Er wollte nur wissen, ob denn die Arbeiter bald ausgewechselt würden. Sichtr nur, um dann ein paar seiner Leute unterbringen zu können. Denn das ist doch die ganze politische Kunst dieser Leute, abzuwarten, bis durch die Bemühungen anderer Parteien Arbeit geschaffen wird, um dann die eigenen Anhänger zu versorgen. Weil aber die Diskussion zwischen dem Herrn Abgeordneten und seinem Kameraden sehr bald| zu versiegen drohte, schwang sich Lischka auf. sein Portemonnaie zü ziehen und einen der Arbeiter, der ihn nicht kannte, mit ein paar Kronen um Zora— die billigste Zigarettensorte — zu schicken, die er dann— pro Mann zwei Stück oder 20 Heller— unter die Arbeiter aufteilte. Ein Arbeiter aber wies das„königliche" Geschenk des Herrn Lischka mit der treffenden Bemerkung, er lasse sich Nicht für paar schlechte Zigaretten kaufen, zurück. Daraufhin zog der Herr Abgeordnete, wie ein begossener Pudel vom Schauplatz seiner politischen Manöver ab. Die Herzen und Sympathien der Arbeiter hatte er nicht gewonnen, vielleicht nicht einmal die Ueber- zeugung, daß man ihn ernst genommen hätte. Freigewerkschaftlicher Erfolg bei Mannesmann Freitag fand in den Mannesmann-Röhren- Werken in K o m o t a u die Neuwahl in den sogenannten„F ü r s o r g e v e r e i n" statt Gültige Stimmen wurden 1138 abgegeben. Davon erhielten der I n t. Metallarbeiter- Verband 684, die vereinigten völlischen Gewerkschaften 332 und die christliche Gewerkschaft 122 Stimmen. Das Wahlresultat aus dem Betrieb in Schönbrunn ist bis Redaktionsschluß noch nicht bekannt. Gegenüber der letzten Wahl, die vor drei Jahren durchgeführt wurde, hat der I. M. V. einige hundert Stimmen gewonnen. Lin„verläßliches Mitglied“ der SdP In verschiedenen deutschen Blättern der §SR erschien eine von den L. N. übernommene Notiz, derzufolge in Schreibersdorf in Schlesien ein gewisser Rudölf Appel aus Liebenau bei Sternberg von der Gendarmerie angehalten wurde, als er über die Grenze nach Deutschland zu gelangen versuchte. Bei der vorgenommenen Leibesuntersuchung wurde bei Appel ein an den „Regierungsrat Hans Krebs", dem früheren tschechoslowakischen Naziabgeordneten, gerichteter Brief gefunden, in welchem Appel dem Krebs als „ein verläßliches Mitglied der SdP" empfohlen wird. Diese Meldung brachte neben dem„Prager Tagblatt" auch die„Reicheyberger Zeitung". Merkwürdiger Weise aber ließ dieses Blatt die Bemerkung, daß Appel dem Krebs als e i n v e r- läßliches Mitglied der SdP empfohlen wird, kurzerhand weg. Was mag die«R, A"'dsizst, wohl für Grunde habe::? Antwort auf die polnische Hetze Dem polnischen Konsul In Ostrau das Exequatur entzogen Prag. Im Konflikt mit Polen hat die tschechoslowakische Regierung auf die systematische Hetze von polnischer Seite mit einer scharfen Maßnahme geantwortet. Sie hat dem polnischen Konsul in Mährisch-Ostrau, Alexander Klotz, das ihm am 9. April d. I. als Nachfolger des berüchtigten Konsuls Malhomme erteilte Exequatur, d. h. die Anerkennung als Vertreter einer ftcmden Macht, entzogen, was zur Folge hat, daß Herr Klotz seinen Wirkungskreis verlassen muß. Halbamtlich wird hiezu mitgeteilt: Konsul Klotz hielt, sich nicht an die Gepflogenheiten, deren Respektierung das internationale Recht und die internationalen Gebräuche den Konsular- Repräsentanten aller Länder im Lande ihres Wirkungsbereiches auferlegen. Konsul Klotz beschränkte sich in seiner Tätigkeit nicht auf den Schutz der polnischen Staatsbürger in der Tschechoflowakischen Republik, sondern griff auch in die inneren Angelegenheiten unseres Staate s ein durch Geltendmachung eines ungünstigen Einflusses auf die tschechoslowakischen Staatsbürger polnischer Nationalität und durch Unterstützung politischer und journalistischer Kampagnen gegen die Tschechoslowakische Republik und deren amtlichen Diaßnahmcn. In seinen öffentlichen Kundgebungen kritisierte Konsul Klotz selbst tschechoslowakische amtliche Maßnahmen in einer Weise, die nur als eine Herabsetzung der Tschechoslowakischen Republik und Aufwiegelung ihrer Bürger gegen den Staat bezeichnet werden kann. Konsul Klotz droht auch eine Strafverfolgung wegen Vereitelung einer Amtshandlung in Zusammenhang mit seinen wiederholten Zusammenstößen mit den Sicherheitsorganen. In feiner ganzen Tätigkeit ahmte Konsul Klotz seinen Vorgänger Konsul Malhomme nach, dem aus ähnlichen Gründen die Erteilung des Exequatur verweigert werden mußte. Die tschechoslowakische Regierung ist übrigens bereit, der polnischen Regierung neuerlich vorzuschlagen, diese ganze Differenz wie auch die Frage der Behandlung der polnischen Minderheit im Sinne der gegenseitigen Verträge dem Arbitrage- oder Konziliations- Berfahren zu unterbreite::. Zwischenfall im Roten Meer Englischer Zerstörer durchsucht italienischen Dampfer Berlin. Der gut unterrichtete Korrespondent des„Berliner Tageblattes" nreldet aus Rom, das; dort aus Port-Sudan die Meldung von einem ersten Zwischenfalle cingetroffen sei, der sich im Roten Meere abgespielt habe. Der italienische Dampfer„Martha", der von Tarent nach Mas- saua unterwegs war, soll im Roten Meere von yinem britischen Torpedobootzerstörer angehalten und durchsucht worden sei. Auf die Einwendungen des Kapitäns des italienischen Dampfers habe der Kommandant des Zerstörers erklärt, er habe feststellen wollen, ob cs sich nicht um ein Schiff handelt, das unter falscher Flagge fahre. In italienischen Schiffahrtskreisen sei man der Ansicht, daß die britische Flottenleitung bei dieser ersten Durchsuchung eines unter italienischer Flagge fahrenden Schiffes demonstrieren wollte, in welcher Richtung ihre weiteren Absichten gehen. englische Brigade nach Aegypten unterwegs London. Eine Timesmeldung aus Kairo besagt: Angesichts der Errichtung eines zeitweiligen Stützpunktes für die Mittelmecrflotte in Alexandrien und auch we^en der beträchtli- chenVer mchrung der italieni- schenStreitkräfte inLibyenist in Uebereinstimmung mit der ägyptischen Regierung beschlossen worden, die britische Garnison inAegypten vorläufig durch eine Brigade Infanterie zu v e r st ä r k e n, die binnen kurzem in Aegypten eintreffen wird. Die britischen Luftstreitkräfte in Aegypten sind, in entsprechender Weise vermehrt worden. Die neue britische Brigade wird vorläufig in Alexandrien bleiben. Inzwischen sind ein britisches Bataillon aus Kairo und ein ägyptisches Bataillon nach Mersa Watrut an der Westküste abgesandt worden, um das ägyptische Bataillon zu verstärken, das normalerweise in Sollum an der Grenze stationiert ist. 3aAes»reuig^eiteir Josef Strasser gestorben In Wien ist der ehemalige leitende Redakteur des Reichenberger„Vorwärts" Josef Strasser geswrben. Strasser war lange Jahre Redakteur des Reichenberger„Freigeist" und blieb in dieser Stellung, als das Wochenblatt 1911 in ein Tagblatt verwandelt wurde, welches den Namen „Vorwärts" erhielt. Dieser Name bedeutete zu jener Zeit ein Programm. Im Berliner^Vorwärts" saß um diese Zeit eine radikale Redaktion, die das Vorbild Strassers wurde. Strasser stand nämlich am linken Flügel der österreichischen Sozialdemokratie, insbesondere in der nationalen Frage vertrat er einen intransigent-internationalen Standpunkt, den er in einer seinerzeit viel gelesenen Broschüre„Der deutsche Arbeiter und die Nation" vertrat. Besonders heftig bekämpfte er Pernerstorfer und dessen Argumentation, daß der Arbeiter seiner Liebe zur Nation Ausdruck geben könne und"daß die beste nationale Tätigkeit der Kampf für die sozialen Interessen des Proletariats sei, weil diese Auffassung den radikalen Internationalismus der Arbeiter gefährde. Andererseits wandte sich Strasser auch scharf gegen die Bestrebungen nach Errichtung selbständiger ffchechischer Gewerkschaften, worin er Nationalismus sah. Strasser war eine umstrittene, aber originelle Persönlichkeit, gebildet, ein guter Redner, der als Journalist eine scharfe Feder führte und seine Gegner rücksichtslos und mitleidslos bekämpfte. Noch vor dem Weltkriege verließ er Reichenberg, ging nach Wien, wurde Kommunist, war einige Jahre in Rußland und kehrte nach Wien zurück, ohne jedoch eine besondere politische Rolle zu spielen. Obwohl er seit fünfzehn Jahren unserer Partei nicht mehr angehörte, gebietet es die Gerechtigkeit festzustellen» daß er in der Vorkriegszeit in der deutschböhmischen Arbeiterbewegung verdienstvoll gewirkt hat und daß ihn die Arbeiterpresse jener Zeit viel verdankt. Die älteren Genossen, die Strasser gekannt, selbst diejenigen, die öfters mit ihm Auseinandersetzungen gehabt haben, werden seiner gedenken. Italienischer Dampfer durch Feuer vernichtet Drei Tote Kairo.^Reuter.) Bei einem Brande, bei dem am Freitag der 12.000 Tonnen große italienische Paffagierdampfcr„Ausonia" vor der Einfahrt in den Hafen von Alexandria zum Opfer fiel» sind sieden Personen ums Leben gekommen. Sieben Personen wurden verletzt. Nach späteren Meldungen konnten alle Rei- | senden gerettet werden. Vermißt werden drei Mitglieder der Besatzung. Das Oberdeck wurde vollkommen vernichtet. Boote der britischen Kriegsschiffe nehmen an der Bekämpfung des Brandes teil, dessen Ursache in einer Explosion im Kesselraum und in weiteren Explosionen von Petroleumbehältern zu suchen ist. Die verletzten Mitglieder der Besatzung sind aus einem im Hafen liegenden englischen Hospi- talschiff«ntergebracht worden. Im Kohlenschacht verschüttet...! Noch sind Entsetzen und Mitleid wach über die folgenschwere Bergwerkskatastrophe, die vor kurzer Zeit sich in der,Umgebung von Teplitz ereignete. Familienväter wurden im Schacht begraben. Bergmannslos, das so hundert- und 'tausendfältig. in all seiner Eindringlichkeit wie- derholt zutage trat. Den wackeren, braven Männern, die in Ausübung ihres Berufes tückischen Gefahren zum Opfer fielen, gebührt unser volles Mitgefühl. Nicht minder schmerzlich berührt ein Vorgang, der uns aus Karbitz berichtet wird. In der Nacht zum Freitag gegen 2 Uhr wurde der Arbeitslose Josef Stumpf, der mit noch einigen Schicksalsgenossen in die Grube stieg—:„wilden Bergbau betrieb", werden die bürgerlichen Gazetten melden— im Petri-Schacht bei Karbitz verschüttet und getötet. Seine Kameraden würden ebenfalls verschüttet, komcken sich aber retten' Die Leiche des unglücklichen Josef Stumpf wurde Freitag vormittags geborgen. Ziehung der Klassenlotterie Unverbindlich. Prag. Bei der Freitag-Ziehung der V. Klasse der 33. tschechoslowakischen Klassenlotterie wurden nachfolgende Gewinne gezogen: 20.000 Kc: 98499 102014. 10.000 Kö: 9261 101930 54220 19407 3281 54823 93577. 5000 Kö: 6189 90469 14296 78237 18165 36475 99498 5952»82824 16171 4399 15027 36612 109823 11973 81054 39490 102371 39290 61869 25084. 2000 Kc: 100583 69903 51736 53077 33409 14377 71373 14029 1551 7412 65794 53672 57311 34327 23357. 59745 96400 73515 55292 48099 1869 71134 94618 80387 3636 23955 29646 101364 41472 43653 52777 102600 88850 60010 51521 88921 105809 109260 83421 91625 108005 27993 98608 83791 83018 63126 101054 57181 58552 77706 65072 18816?5927 28569 20339 3437 80798 93440 68953 11592 78141 65653 30751 49753 94429 45564. Seite 4 Samstag, 19. Oktober 1935 Nr. 244 Die Altersgrenze bei der Schulentlassung in de« verschiedenen Staate« Henleiu-Bezirksfiihrer— Einbrecher Verhaftungen in Pilsen 'Dieser Tage wurden— nach einer Meldung des„Pilsner Tagblatt"— von der Pilsner Polizei der 29jährige beschäftigungslose Kellner Franz Klima und der 31jährige Chauffeur Josef G i e b i s ch aus Kosolup verhaftet. Giebisch, der früher bei der Firma B r 2- derDrechslerin Pilsen beschäftigt war, war schon seinerzeit verdächtig, an einem bei dieser Firma am 1. April 1934 verübten Kassen- r a u b beteiligt gewesen zu sein, bei dem den Tätern 7871 Xk in bar und Wertpapiere im Werte von 50.000 KC in die Hände gefallen ivaren. Aus Mangel an Beweisen mußte Giebisch damals jedoch wieder auf freien Fuß gesetzt werden. Im Zuge der weiteren Untersuchung wurde sestgestellt, daß die bei der Firma Drechsler gestohlenen Wertpapiere von dem Portier des Hotels„Esplanade" in Prag, Anton T u m a, verkauft worden waren, der dann nach Frankreich flüchtete. Gleichzeitig mit ihm flüchtete auch Klima, der jedoch in letzter Zeil in die Tschechoslowakei zurückgekehrt war und sich in Prag unangemeldet aufgehalten hat. Bei einem zufälligen Besuch wurde er in Pilsen erkannt und verhaftet. Klima g e st a n d nach längerem Leugnen ein, den damaligen Diebstahl ausgeführt zu haben, nachdem er sich vorher mit Giebisch beraten hatte, der den Einbruchsplan ausgearbeitet hckbe. Nach dem Diebstahl sollten die beiden Komplizen die Beute teilen, Klima war jedoch nach Prag gefahren und batte die Wertpapiere Tuma übergeben, um sie zu Geld zu machen. Tuma wurde unterdessen in Frankreich wegen P a ß f ä l sch u n g verhaftet und büßt dort seine Strafe ab. Klima und Giebisch werden nach beendeter polizeilicher Untersuchung dem Pilsner Kreisgericht eingeliefert werden. Unsere„Zukunft" erfährt hiezu, daß Giebisch Bezirksführer der Henleinpar- t e i im Bezirke Tuschkau war. Mit den bekannten Pilsner Herren Biedermann und Watze! verband ihn in den ersten Wahlwochen eine dicke Freundschaft. Nun ist nach diesen Leuten auch diese Säule der SdP geborsten. Brünner Psychiater von einem geisteskranken erschossen Brünn. In Brünn kmn eS Freitag um 13 Uhr zu einem tragischen Vorfall. Als Profeffor Dr. Hubert Prochazka, Vorstand der psychiatrischen und neurologischen Klinik beim Landeskrankenhaus in Brünn, das Gebäude der Cyrill- Method-Vorschußkasse auf dem Krautmarkte verließ. in welchem er wohnt, sprang ein unbekannter Mann zu ihm und gab aus unmittelbarer Nähe vier Revolverschüsse auf ihn ab. Dr. Prochazka stürzte tödlich getroffen zu Boden. Er ist während des Transportes iyS Krankenhaus seinen Verletzungen erlegen. In dem verhafteten Angreifer wurde der 36jährige Revident der Arbeiterunfall- vepsicherung in Brünn, Mojmir R e s a aus Malo- mcritz sestgestellt, der gegenwärtig auf längerem Krankheitsürlaub weilt. Resa, der geisteskrank ist, wurden seinerzeit auch auf der psychiatrischen Klinik deS Prof. Dr, Prochazka untersucht. Die Beweggründe seiner Tat wurden bisher noch nichr festgestellt, doch handelt es sich um einen Rachc- a k t. Der Vorfall hat in Brünn große Erregung hervorgerufen. * Hubert Prochazka wurde 1885 in Mähren geboren. Seit dem Jahre 1928 war er Dozent für Psychiatrie und Neuropathologie an der Karlsuni- versität in Prag und seit 1930 Professor und Vorstand der Psychiatrischen Klinik an der Masaryk- ttniversität in Brünn. Prof. Dr. Hubert Prochazka hinterläßt eine Witwe und ein Kind. 25 Morde eingestanden! Bukarest. Der Massenmörder Tcaeius, der bisher nicht weniger als 25 Morde zugegeben hat, gestand jetzt, daß er in seiner Wohnung in Jassy noch weitere sechs Opfer einge- scharrt habe und machte sich erbötig, die Polizei hinzuführen. Auf dem Wege dahin versuchte er zu flüchten. Er wurde niedergeschossen und liegt im Sterben. Getreide ins Meer... Paris. Nach einer Havasmeldung aus Oran hüben etwa 1 500 Bauern, nachdem sie erfahren hätten» daß ein norwegischer Dampfer ausländisches Getreide im Hafen von Mystag Anein abladen wollte» den Dampfer ge- st ü r m t und die Getreidesäcke ins Meer geschüttet. Hiernach haben sich die Demonstranten in die Stadt begeben. Auf dem Wege dahin trafen sie das Auto des Getreidekäufers, das sie umstürzten. Auf einem öffetztlichen Platz wurde eisttz Kundgebung abgehalten und eine Abordnung begab sich in die Un- terpräsektur, um gegen die Einfuhr ausländischen Getreides zu protestieren. Pressepleite im Dritten Reich (PS.) Wie dem Jahresbericht der Reichspostverwaltung zu entnehmen ist, haben seit März 1933 rund 5 0 0 0 Ze i tu n g e n und Zeitschriften ihr Erscheinen e i n g e st e l l t. Zu Aus Genf wird berichtet: In der Mehrzahl der Staaten, in denen der obligate Schulbesuch gesetzlich festgesetzt ist, besuchen die Kinder die Schulen wenigstens bis zum 14. Lebensjahr. Mit der Frage des Schulbesuches befaßt sich auch das JnternationaleArbeitsamt, das sich um die Regelung der Arbeit der Kinder und jugendlichen Personen und insbesondere um die Festsetzung einer Mini» mal-Altersgrenze bemüht, von der ab jugendliche Personen Arbeiten in der Industrie, Landwirtschaft, im Handel, in den Büros und anderen Beschäftigungszweigen zugänglich find. Derzeit ist in Albanien, Frankreich, Luxemburg und Panama der Schulbesuch bis zu 13 Jahren Pflicht; Spanien, Griechenland, Ungarn, Italien und Portugal müssen die Kinder bis zum 12. Lebensjahr die Schule besuchen und in Jugoslawien gar nur bis zum 10. Lebensjahr. Bis zum 14. Lebensjahr ist der Schulbesuch obligat in: Deutschland, Australien, Oesterreich, Belgien, Brasilien, Bulgarien, Dänemark, Dominikanische Republik, Estland, Finnland, England, Guatemala, Haiti, Irland, Japan, Lettland, Nicaragua, Neuseeland, Paraguay, Polen, Rumänien, Siam, Tschechoslowakei, Uruguay und Venezuela. In der Schweiz besuchen die Kinder je nach den Kantonen bis zum 14. oder 15. Lebensjahr die Schul«. In Kanada reicht der obligate Schulbesuch in drei Provinzen bis zum 15., in vier Provinzen bis zum 14., in einer Provinz bis zum 13. und in einer anderen bis zum 12. Lebensjahr. Bis Beginn des nationalsozialistischen Regimes hatte es in Deutschland 11.400 Zeitungen und Zeitschriften gegeben; dazu kamen dann in der Maienblüte des Dritten Reichs 2250 journalistische Eintagsfliegen, die nach kurzer Lebensdauer wieder verschwanden. Im übrigen zeitigte die Gleichschaltung, wie man weiß, das Ergebnis, daß die Mehrzahl der deutschen Provinzblätter von Niveau und induviduellem Charakter ihr Erscheinen einstcllen mußten. Die Uniformierung des deutschen Pressewesens hatte weiter eine entscheidende Aenderpng auf dem Gebiet des Imports, bzw. Exports von Zeitungen und Zeitschriften zur Folge. Der Import ausländischer Zeitungen stieg von 7,700.000 Exemplaren im Jahre 1933 auf 8,300.000 Exemplare im Jahre 1934/35. Katastrophal in umgekehrter Richtung entwickelte sich die Ausfuhr deutscher Zeitungen; sie sank von 32 Millionen auf 19 Millionen Exemplare. Die«ässe« Tücher. Die Schwärmer/ Ro- mantiker, Pazifisten und Humanisten, die Sozialisten, Demokraten und Kommunisten— kurzum alle jene Verblendeten, die immer noch an dem Glauben fcsthalten, daß der NeguS und die Seinen gar nicht solche Barbaren seien, wie der Duce es von ihnen zu wissen behauptet, werden jetzt eines anderen belehrt. Da kommt nämlich die Meldung, daß die Abessinier vorläufig gegen Kampfgase sich nicht anders zu schützen wissen als durch nasse Tücher, durch die sie ihre Atmungsorgane gegen die unterschiedlichen Gase der Italiener verteidigen wollen. Nach und nach werden dann erst Gasmasken an die Truppen der Schwarzen verteilt werden. Na, da habt J§r's: das, was für jeden richtigen Europäer längst eine Selbstverständlichkeit geworden ist, was in Italien sicherlich schon die SanitätS- schwestern und die Hunde haben, die Gasmaske, sie jst noch nicht einmal an die Front der Abessinier gelangt. So kulturfern ist dieses Land, so fernab jeder Zivilisation, die anderswo gar nicht erst mehr diskutiert zu werden braucht l Von den Nachkommen der alten Römer hat, soweit sie jetzt die prachtvolle Reise nach Afrika unternehmen dürfen, jeder seine Gasmaske bei sich— die Wilden dort müssen sich noch mit nassen Tüchern behelfen. Aber schon der bloße Krieg bringt ihnen auch diese Kulturerrungenschaft. Sollte da noch jemand zweifdln, daß die Durchdringung Abessiniens und der Abessinier auch mit den anderen Kulturgütern, die der Duce in seinem Füllhorn hat, nicht geradezu eine Wohltat für dieses erbärmliche Volk von Sklaven und Sklavenhändlern wäre? Dir Staatsfeier in den Schulen. Samstag, den 26. Oktober, spricht um 10 Uhr 10 im Schulrundfunk Minister für Schulwesen und Volksaufklärung Dr. Jan K r k in ä k für die Schulen mit tschechoslowakischer Unterrichtssprache. Für die deutschen Schulen veranstaltet der Schulrundfunk am gleichen Tage um 10 Uhr 30 und zur gleichen Zeit auch für die magyarischen Schulen eine Feier. Verhaftung eines gefährlichen Räubers. Die Gendarmeriefahndungsstelle in Vysni Absa im Bezirke Rahovo verhaftete Donnerstag den gefährlichen Räuber V a s i l P e t r i n, der im Hause seiner Geliebten in der Gemeinde Vysni Absa versteckt tvar. Petrin setzte sich jedoch mit einer Repetierpistole in der Hand der Verhaftung entgegen, worauf die Gendarmerie von der Schußwaffe Gebrauch machte. Petrin wurde zwar nicht getroffen, aber, durch die Alarmschüffe eingcschüchtert, ergab er sich sofort. Er händigte auch die scharf geladene Pistole aus. zum 15. Lebensjahr ist der Schulbesuch obligat in Chile, Honduras, Norwegen, Rußland und in zwei Staaten der Südafrikanischen Union, ferner in Natal und in Transvaal. Bis zum 16. Lebensjahr müssen die Kinder Schule besuchen nur in zwei Gliedstaaten der Südafrikanischen union, und zwar Oranien und Kapland. In den Bereinigten Staaten schließlich ist in der Mehrzahl der Bundesstaaten der Schulbesuch bis zum 16. Lebensjahr Migat. Die durch die Jndustriegesetzgebung getroffene Regelung hatte übrigens große Auswirkungen im Schulbesuche, da sie die Altersgrenze der Kinder für die Aufnahme einer Beschäftigung cnx* 16 Jahre erhöhte. Vier Verträge aus den Jahren 1919, 1920, 1921 und 1932 setzten nach dem internationalen Plan das 14. Lebensjahr als die niedrigste Altersgrenze für die Beschäftigung in der Industrie, in der Landwirtschaft und in anderen nichtindustriellen Erwerbszweigen fest. Die internationale Arbeitskonferenz prüfte in ihrer letzten Tagung im Mai d. I. das schwierige Problem der Erwerbslosigkeit jugendlicher Personen und empfahl den Staaten das 15. Lebensjahr als ober st e Grenze des Schulbesuches und des Uebertrittes in die Beschäftigung und forderte den Verwaltungsrat des Internationalen Arbeitsamtes auf, die Vorteile einer Revision in diesem Sinne zu überprüfen. Mit dieser Frage wird sich der Ber» waliungsrat in seiner nächsten Tagung in Genf vom 24. bis 26. Oktober d. I. befassen. deren Ueberprüfung ergab, daß von acht Geschossen die Hälfte Dum-Dum-Ge schosse waren. Petrin stammt aus einer vermögenden Familie. Er war vor einem Jahr aus dem Gefängnis des Kreisgerichtes in Chust gefloheb, wo er eine achtmonatige Kerkerstrafe wegen Raubes zu verbüßen hatte. Kassenräubrr. In der Nacht zum Freitag wurde in N a ch o d in dem Kaffenraum der Vorschußkasse für Handel und Gewerbe eingebrochen. Das Gebäude, in dem sich die Borschußkaffe befindet, befindet sich in der Rasinovä ti., an einer sehr lebhaften und abends hell erleuchteten Stelle der Straße. Die Einbrecher schnitten drei Schlösser aus dem Kaffenschrank älteren Typs heraus und entnahmen 5000 Xö. Nach vollbrachtem Einbruch flüchteten sie wahrscheinlich im Auto. ,Die Gendarmeriefahndungsstelle aus Königgrätz hat die Nachforschungen ausgenommen. Bisher konnte nur festgestellt werden, daß es sich um sehr gewiegte und erfahrene Einbrecher handeln muß. Vergrabene DiebSbeute kommt wieder ans Tageslicht. In Pilsen wurde der 28jährige beschäftigungslose Arbeiter Wenzel L o d r wegen zahlreicher Wohnungseinbrüche verhaftet, bei denen er Gegenstände im Werte von etwa 27.000 Xä entwendete, die er zum Teil verkaufte oder versetzte, zum Teil in einem Park an drei verschiedenen Stellen vergrub. An einer Stelle wurden die Sachen zufällig von einem Gärtner ausgegraben, der dort Bäume umgvub. Der Gärtner verkaufte die Sachen einem Goldarbeit», der aus einem Rundschreiben der Pilsner Polizeidirektion, ersah, daß es sich um gestohlene Sachen handelt. An den zwei anderen Stellen des Parks wurden die von den Diebstählen herrührenden Sachen nach der Verhaftung Lodrs gefunden. Lodr, aber auch der Gärtner und der Goldarbeiter wurden in die Hast des Pilsner Kreisgerichtes eingeliefert. Mutter und Tochter in den Tod. Im vierten Wiener Bezirk hat sich Freitag die 55jährige Private Mari« Lindenmayer und ihr« 30jährige Tochter Melanie aus Not durch Leuchtgas vergiftet. Hund als Verräter. In der Gemeinde Kilb bei St. Pölten scharrte ein Hund in einem Garten eine Kindesleiche aus. Die Gendarmie verhaftete den Bauern Franz Witschka und seine Schwägerin Johanna Trimmel, die nach langem Leugnen gestanden, die Frucht ihres Liebesver- hältniffes gleich nach der Geburt getötet und vergraben zu haben. Sie wurden verhaftet und kommen vor das Gericht. Begnadigt. Der Nationalsozialist Otto Reisl, Tischlergehilfe, aus Eberschwang(Oberösterreich) war vom Schnellgericht in Ried wegen Sprengstoffbesitzes zum Tode durch den Strang verurteiü worden. Der Bundespräsident hat nun Reift begnadigt und die Todesstrafe in zwölfjährige, Kerkerstrafe umgewandelt. Fünf Tote bei einem Autozusammenstoß. Nahe der toskanischen Stadt Grosseto ereignete sich am Freitag ein furchtbares Kraftwatzenunglück. In einer scharfen Kurve stießen ein Lastkraftwagenzug und ein Personenauto zusammen. Der Chauffeur des Lastkraftwagens und sein Beifahrer wurden dabei zuTodege- quetscht. Der Führer des Personenautos blieb wie durch ein Wunder unberletzt. Unglücklicherweise befanden sich zu diesem Zeitpunkte mehrere Passanten an der Unglücksstätte. Sie wurden ebenfalls von den Rädern erfaßt. Zwei kamen hiedurch sofort ums Leben, während drei andere Personen schwere Verletzungen davontrugen. Einer dieser Schwerverletzten starb kurz nach der Einlieferung ins Krankenhaus. Brand in einer portugiesischen Stadt. In Penas i«l brach im Stadtzentrum ein Feuer aus, das sich sehr rasch ausbreitete. Sechs große Häuser wurden ein Raub der Flammen. Aus den brennenden Arbeiten für das Bundesturnfest 1936 in Komotau Sitzung des Zentralpropaganda- Ausschusses Unter dem Vorsitz des Gen. K u n i g wurde Donnerstag die erste Sitzung des Zentralpropaganda- Ausschusses für daS 3. Bundesturnfest abgehalten. Es nahmen daran teil die Genossen: P a u l (Prag) für den Reichspropaganda- ausschuß der Partei, die Presse, Ullman» als Festsekretär, Storch als Bundeserzieher und H e i tz e r als Leiter der Abendveranstaltung. Neben Beschlüssen, die die Auswahl der Vor- und Hauptplakate betraf, wurde auch dir Aktion des Sparkartensystem.s eingehend besprochen sowie ein Vorschlag zur Herausgabe eines Atus-Jahreskalenders angenommen. Die Sparkarte«, Kalender und technischen Uebungshefte werden mit verschiedenem Ergänzungsmaterial schon die ersten Tage im November an die Vereine verschickt werden. Die Aktion des Bundesturnfestes wiotz alle sozialistischen Organisationen erfassen und' wird dabei nicht nur der Atus, sondern auch die Partei aktiv in der Vorbereitung mitwirken. Ebenso wurde auch die Herausgabe einer F e st s ch r i f t, und zwar 24 Seiten stark, in Erwägung gezogen. Für die Kreise Bodenbach, Aussig und Karlsbad wurden separate Aktionen, welche alle Kreise der sozialistischen Arbeiterbewegung, besonders aber die Parteimitgliedschaft, betreffen sollen, in Aussicht genommen. November 1935: „Der Monat des Atusfunktionärs" 5000 Atusfunktionäre werden.in der Zeit vom 10.' November bis 15. Dezember zusammengefaßt werden und in 27 großen Bezirksfunktio» närappellen die Arbeiten für die kommenden Aktionen, besonders für das 3. Bundesturnfest, beraten. Die Orte der Versammlungen sind: Zwit- tau, Brünn, Preßburg, Lundenburg, Znaim, Sternberg, M.-Schönberg, Jägerndorf, M.-Ostrau, Weis» kirchlih, Komotau, Oberlentensdorf, Bodenbach, See- stadtl, Haida, Rumburg, Altrohlau, Eger, Asch. GraSlitz, Pilsen, Wallern, Neuitattl. Trautenau, Ruppersdorf, Lampersdorf und Arnau. Die Referenten dazu stellt die Verbandszentral«. Häusern konnte fast nichts mehr gerettet werden. Der Schaden ist überaus groß. Strichweise Nachtfröste. Der Einfluß tiefer Druckstörungcn, die aus der Gegend von Island gegen das Festland borrücken, hat sich am Freitag auch über Mitteleuropa auSgebreitet. Bei uns hat die Wetterverschlechterung namentlich den Nordteil Böhmens erfaßt, wohin in den Mittagsstunden eine Abküblung in Begleitung von Schauern vorgedrungen ist. In Eger und in Milovic wurden Freitag nachmittags nur 9 Grad verzeichnet. Die Schneekoppe meldete plus 1 Grad und Graupelschauer bei stürmischem Westwind. Mit der kübleren Luft breitete sich über unsere Gegenden ein Keil höheren Drucks aus, der jedoch nur eine ganz vorübergehende Beruhigung bringen dürfte, da sich vom nördlichen Atlantischen Ozean eine weitere sehr tiefe Störung nähert.— 1 Wahrscheinliches Wett er von heute: In der We st hälfte der Republik wechselnd bewölkt, keine wesentlichen Niederschläge, kühler, in Böhmen strichweise leichter Nachtfrost, vorübergehend abflauender Wind. Im Karpathen- gebiet vorwiegend bis wechselnd bewölkt, auf den Bergen vereinzelt Schauer, verringerte Temperaturschwankung zwischen Tag und Nacht, mäßiger Westbis Nordwestwind.— Wetteraussichten für Sonntag: Unbeständig, vom Westen her erneut Wetterverschlechterung. Vom RundiunK Sie U« NutlA MkilerWNg bringt in dieser Woche: Sonntag, den 20. Oktober(14.30—14.45): Soziale Kämpfe im Altertum(Ernst Paul» Prag). M i t t w o ch, den 23. Oktober(18.20—18.40): Armenfürsorge und Gemeinde(Bruno Schwab- Wegstädtl). Freitag, den 25. Oktober(18.35—18.45): Aktuelle zehn Minuten. Sonntag, den 27. Oktober(14.30—14.45): Wiederaufbau der Weltkartelle(Fritz Freyberg- Prag). Empfehlenswertes ans de« Programme«: Sonntag Prag, Sender L.: 7.80: Nebertragung aus Karlsbad. 9.10: Muziks Salonauartett. 9.55: Chorkonzert. 12.20: Mittagskonzert. 17.50: Deutsche Sendung: Mühlberger: Die Heimkehr. Trauerspiel. 18.50: Deutsch« Presse. 19.10: Schallplatten. 20.00: Frauenchöre. 20.50: Konzert des Prager Rundfunkorchesters. 22.25: Deutsche Presse.— Sender S.: 14.30: Deutsche Sendung: Arbeiterfunk: Ernst Paul: Soziale Kämpfe im Altertum. 14.45: Mendelssohn: Charakterbild.— Brünn: 9.55: Salonorchesterkonzert. 17.50: Deutsche Sendung: Konzert stunde: neue tschechoslowakische Komponisten. — Prcftburg: 10.20: Overnarien.— Kascha«: 22-35: Orchesterkonzert. Leinsmer(Komotau) für Nr. 244 Samstag, 49. Oktober 1933 Seite 8 Wm gzAtatten um Sie zum Beauohe des Standes Skoda auf der heurigen Jubl- läums-Auto au«Stellung In Prag einzuladen. Überzeugen Sie sich persönlich von der modernen und zweckmässigen Kon struktion und der hohen Eleganz der Automobile Skoda. la der reichen Auswahl 'finden auoh Sie einen Wagen nach Ihrem Ge- schmaok. industricpalasi Maschinenhalle A SAM ladä BbIesläv- Q 1 Sef«dfte, Me ta anher» ZMetaUanoea inserieren, aber Sen nicht berücksichtigen, befunden damit, dak sie die wirtschaftliche Dedeutuna der Kaufkraft unserer Leser noch ni