1ENTRALORGAN DER DEUTSCHEN SOZIALDEMOKRATISCHEN ARBEITERPARTEI IN DER TSCHECHOSLOWAKISCHEN REPUBLIK ERSCHEINT MIT AUSNAHME DES MONTAG TÄGLICH FRÜH. Redaktion und Verwaltung präg xii., fochova«. Telefon non. HERAUSGEBER* SIEGFRIED TAUB. CHEFREDAKTEUR* WILHELM NIESSNER. VERANTWORTLICHER REDAKTEUR* DR. EMIL STRAUSS, PRAG. («hwchli«Blick I Halter Porte« 15 Jahrgang Sonntag, 20. Oktober 1935 Nr. 245 W eitgehende Entspannung Nach der Aussprache zwischen Mussolini und Sir Drummond Wirtschaftliche Sanktionen verschoben Pari s. Die Besserung in der italienisch-englische« Spannung machte im Lause des Samstag weitere Fortschritte. Aus Rom und London wird be stätigt, daß beide Regierungen eine gemeinsame ErKlLrnngvorbe reite«, die der englisch-italienische« Verstimmung ei« Ende setzen solle«. Zwei britische Schisse habe« bereits den Beseh! erhalten, das Mittelmeer zu verlassen. Auch werden ttalienische Truppen aus Libyen abberufen. Ei« weiteres Anzeichen der Entspannung der Situation ist die Tat sache, daß am Samstag in Genf die Arbeiten des Ausschusses für Sank tionen praktisch bis 31. Oktober ausgesetzt wurden, um die Versöhnungs aktion nicht zu stören. Bei der Beratung des englische« Vorschlages anf Einstellung der Einfuhr aus Italien wurde beschlossen, de« Regierungen der Mttgliedstaaten eine Frist bis 29. Oktober zur Stellungsnahme ein zuraumen. Erst am 31. Oktober soll die Sanktionskouserenz wieder zusam mentrete», um den Begin» der wirtschaftlichen Sanktionen festzusetzen. Dadurch find 14 Tage Zett für Verhandlungen zwischen Rom, London und Paris gewonnen. Man erwartet, daß während dieser Zett auch eine neue Basis für die endgüttige Lösung des abeffinisch-ttalienifchen Konfliktes ausgearbettet werden wird. Ja Paris verhehlt man nicht die Befriedi- INmg über diese Wendung. Borläufig ist aber noch nicht z« sehen» auf welche Weise die weitere Entwicklung der Lage, d. i. die Einstellung der Feindseligkeiten und di« Vereinbarung der italienischen Bedingungen fortschreiten werden. Man glaubt, daß Mussolini es vorziehe« würde, mit den drei Rächten zu verhandeln, und das Genfer Forum vermeiden möchte. Es wird aber andererseits bemerkt» daß eskaum möglich sein wird, den Völkerbund beiseite zu schieben. Namentlich England beharrt darauf, daß das Vorgehen gemäß dem Völkerbundpakt respektiert werde. Der Umstand, daß die Sanktionen gegen Italien bis Ende deS Monates eingestellt wurden, wurde in Paris günstig ausgenommen. Rnn- mrhr wird allgemein der Wunsch ausgesprochen, daß Italien die Vorschläge unterbreiten möge, die als Unterlage einer nützlichen Debatte dienen könnten. London von der französischen Antwort befriedigt Die Großbritannien in Angelegenheit drs Art. 16 des BölkerbundpakteS gesandte Antwort Frankreichs wird nicht veröffentlicht werde«. Die Versicherungen LavalS wurden an politische« Stellen in London mit großer Be- f.r i e d i g u n g ausgenommen. Jedwedes Mißverständnis scheint nunmehr zerstreut zu sein. Es wird angedeutet, daß ein großer Teil der Antwort Lavals der Rechtfertigung der französischen Außenpolitik im italienisch-abessinischen Konflikt gewidmet ist. Man hofft in Londoner Kreise«, daß nach den Unterredungen des britischen Botschafters in Rom Drummond mit Mussolini auch eine Entspannung im italienisch-englischen Verhältnis eintretrn wird. In London traf ein langes Telegramm Drummonds bezüglich seiner Verhandlungen mit Mussolini ein. Streng Im Rahmen des Völkerbundpaktes Das amtliche britische Kommunique London. Samstag abends wurde folgendes amtliches Kommunique ausgegeben: Der britische Botschafter in Rom, Sir Erie Drummond, suchte am Freitag den italienischen Ministerpräsidenten Mussolini auf und versicherte ihm neuerlich, daß die britische Regierung in dem italienisch-abessinischen Konflikt a« keineAktion denke, welche ans dem Rahmen dessen fallen würde, waS die kollektiven Ber- vflichtungen von Großbritannien als treuem Mitglied des Völkerbundes erfordern, oder aus dem Rahmen dessen, was im Völkerbünde beschlossen werden wird oder waS der Völkerbund auf Grund seines Paktes empfehlen wird. Sir Eric Drummond erklärte weiter, daß das Vorgehen der britische« Regierung in diesen Fragen niemals von egoistischen Interesse« beherrscht war. Alle anderen Behauptungen sind vollkommen unbegründet und können nur von Leuten verbreitet werde, die entweder falsch informiert sind oder Zwietracht säen wollen. weitere Truppenverschiebungen Kairo. Die Verstärkung der britische« Streitkräfte an der Westgrenze hat nach einigen Tagen der Ruhe erneut eingesetzt. Weitere 50 Tanks und Panzcrwagen find über Marsamat- ruch in Richtung nach der Grenze abgegangen. Auch eine Reihe anderer Truppenteile wurde nach Westen in Marsch gesetzt. Suez. Die britischen und die italienischen Behörden dementieren auf das entschiedenste die Gerüchte, daß ein britischer Torpedobootzerstörer einen auf dem Wege nach Eritrea befindlichen italienischen Dampfer angehalten und durchsucht habe. Abessinische Armee— 350.000 Mann Der Aufmarsch fast vollendet Addis Abeba. Abessinische Streifen unternehmen auf beiden Fronten nächtlich«Vorstöße und machen zahlreiche Gefangene. Die Truppenaufmärsche und die Zusammenziehung starker Abteilungen unter Einbeziehung der Truppen des desertierten Ras Gugsa sind f a st beendet. Der Generalstab des Ras Seyum ist durch mehrere hervorragende Militärs ergänzt worden. Die Stärke der Armee beträgt jetzt fast 350.000 Mann. Addis Abeba. Der Sonderberichterstatter der Agence Havas teilt mit, daß laut Informationen aus gut informierten Stellen, bei den gefallenen italienischen Soldaten Dumdumgeschosse gefunden wurden, welche unter den abessinischen Soldaten schreckliche Verletzungen verursachten. Addis Abeba.*(DNB.) An der Südfront ist alles ruhig. Es haben nur Vorpostengefechte stattgefunden.-Auch haben sich wieder italienische Flieger gezeigt. An der Nordfront nehmen die abessinischen Aufmarschbewegungen ihren Fortgang. Die italienischen Meldungen, wonach die italienischen Truppen an der Nordfront bis 100 Kilometer in das abessinische Gebiet eingedrungen seien, werden hier dementiert. Die tiefste Einbruchstelle an der Nordfront ist 60 Kilometer in der Gegend von Aksmn. In Italien keine ausländischen Zeitungen mehr Rom. Durch Verfügung der fascistischen Partei sind die Zeitungsvertriebsorganisationen und die Straßenhändler von ihren Fächorganisa- tionen aufgefordert worden, alle ausländischen Zcitungsabonnements abzubestellen und diese Blätter nicht mehr zu vertreiben. Seit Samstag Boykott angenommen — Durchführung vertagt Genf. Die Sanktionen-Konferenz beendete SamStag abends ihre Arbeiten mit der Annahme von drei weiteren Resolutionen über Sanktionen gegen Italien. Als Sanktion Nr. 3 wurde die Resolution betreffend das VerbotderEinfuhr italienischer Waren angenommen, mit der Erklärungsfrist für die Regierungen der Mitgliedsstaaten bis zum 28. Oktober. Die Sanktionen Nr. 4 werden durch eine Resolution angeordnet, durch welche die Einfuhr von Waren nach Italien verboten wird. In der ersten Warenkategorie befinden sich Zugtiere, die zweite Kategorie umfaßt Kautschuk, die dritte Kategorie die bereits bekannten Metalle und Mineralien. Die Resolution Nr. 5 trifft Maßnahmen betreffend die gegenseitige Hilfeleistung der Mitgliedstaaten bei der Durchführung der Sank« tionen. Bei der Abstimmung machten die Vertreter Oesterreichs, Ungarns und Albaniens wieder ihre Vorbehalte. Der sowjetrussische Delegierte Litwinow erklärte, daß die angenommenen Sanktionen bloß eine Imitation von Sanktionen sind und daher kein Präzedcns für irgendeinen Angriffsfall in der Zukunft bilden dürfen. Das künftige Sanktionensystem müßte vollkgm- m e n e r sein. Die Konferenz beschloß, den Regierungen der Staaten, die nicht Mitglieder des Völkerbundes sind, die Resolutionen über die Sanktionen vorzulegen. Die Regierungen dieser Staaten sollen ersucht werden, der Konferenz bekanntzugeben, wie sie sich zu dem gegebenen Problem verhalten wolle». früh wurde der Verkauf in der ganzen Lombardei einschließlich der Stadt Mailand eingestellt. Bon diesem Verbot werden vor allem die französischen Zeitungen betroffen, die in der letzten Zeit eine gewaltige Absatzsteigerung erfahren hatten. Alexandrien Hanptstiitipnikt der englischen Flotte Loudon. Handelsminister Runciman kam in einer Rede auch auf die englischen Flottenbewegungen zu sprechen. Er sagte, die normaler Weise in Malta stationierten Flotteneinheiten sind nach Alexandrien verlegt worden. Der strategische Mittelpunkt der Welt ist daher nicht mehr Malta, sondern Alexandrien. Verschwörung gegen Kemal Pascha rechtzeitig aufgedeckt Istanbul. Die Morgenzeitungen bringen Einzelheiten über einen aufgedeckten Attentatsplan gegen den türksschen Staatspräsidenten. Freitag abends beschloß die Nationalversammlung in Ankara einstimmig die Aufhebung der Immunität des Abgeordneten U r s a v a s von llrfa, der beschuldigt wird, den Grenzübertritt der füns verhafteten Verschwörer von Syrien nach der Türkei erleichtert und die Verschwörer auf einem ihm gehörigen Gut beherbergt zu haben. Aus der bisherigen Untersuchung wird bekannt, daß die Verschwörer mit Handbomben, Selbftladepistolen und 300 Schuß Munition bewaffnet waren. Im Verlaufe der Untersuchung sind noch neUn Personen.aus der Gegend von Marasch(Ostanatolien) verhaftet worden, die mit den füns Verschwörern in Verbindung gewesen sein sollen. Es bestätigt sich, daß das Kcmplott außerhalb der Türkei, vermutlich in Syrien, ausgeheckt wurde. Es handelt sich um eine tscherkessische Emigrantengruppe, die von den Brüdern. Etem geführt wird. Dienstag Wahlen in Dänemark Am Montag, dem 21. OktrBer, wird der Folketing aufgelöst, am folgenden Tag finden die Wahlen statt. Dänemark befindet sich in einem kurzen, aber desto härterem Wahlkampf. Am 1. Oktober eröffnete Ministerpräsident Stauning den Folketing mit einer Rede, in der er den Entschluß der Regierung begründete, das Scheitern der Verhandlungen über die Valutaverordnung als Anlaß für Neuwahlen zu benützen. Der Entschluß der dänischen Arbeiterregierung, das Volk ein Jahr vor Ablauf der Wahlperiode an die Urne» zu rufen, kam plötzlich, aber keineswegs unerwartet. Die Regierung Stauning ist nun seit sechseinhalb Jahren im Amt. Sie trat die Regierung in einer Zeit der Hochkonjunktur an, führte das Land durch die Krise und wieder aus der Krise heraus. Dänemark ist neben Schweden das einzige Land in Europa, das verhältnismäßig rasch und schmerzlos durch die Krise gegangen ist. Auch die schärfsten Gegner der Regierung Stauning können nicht leugnen, daß daran der Entschlußfähigkeit und der Tatkraft der Arbeiterregierung ein gebührendes Maß an Verdienst zukommt. Die Regierung Stauning ist eine Koalitionsregierung der Sozialdemokratie mit den„Radikalen", die ihre Hauptwählergruppen unter der Kleinbauernschaft hat. Sie ist also eine Arbeiterund Kleinbauernregierung. Diese ihre Zusammensetzung kennzeichnet ihre Politik in den vergangenen sechseinhalb Jahren, kennzeichnet aber auch ihr« Gegner. Stauning hat das Parlament aufgelöst, weil die Parteien der Bourgeoisie, vor allem aber die Parteien der Großagrarier, die Konservativen und die sogenannte„Linke" in den letzten Monaten einen Kampf gegen die Regierung geführt haben, der sich gegen die Grund» prinzipe der Stauning'schen Politik richtete. Dieses Grundprinzip StauningS besteht in seinem Streben nach Ausgleich zwischen den Interessen der Industrie und der Landwirtschaft, vor allem aber den Interessen der Arbeiterschaft und der Kleinbauernschaft. Stauning hat daher nicht nur eine umfassende landwirtschaftliche Stützungspolitik betrieben, sondern eine ebenso großzügige Jndustriepolitik. Gleichgewicht im Wirtschaftsleben war das Hauptziel der Regierungspolitik. Im Vertrauen auf die politische Reife der dänischen Arbeiterklasse konnte Stauning Maßnahmen treffen, durch welche der Weizen-, Zuckerrüben- und Kartoffelanbau wieder einen angemessenen, aber sicheren Gewinst abwirst. Die dänische Pferdezucht, Geflügelzucht, die Ei- und Molkereiproduktion ist wieder lohnend geworden. Die Landwirtschaftskommiffion des Parlaments hat trotz der kopflosen Obstruktion der Opposition einen Entwurs für die Regelung der Butterwirtschaft, Maßnahmen zur Erleichterung der bäuerlichen Schuldenlast, den Plan eines Steuerausgleichsfonds zugunsten der Landgemeinden ausgearbeitet, die dem Reichstag vorgelegt worden wären, wenn nicht die Opposition jede Arbeit unmöglich gemacht hätte. Auf der anderen Seite hat die Regierung ein umfassendes Werk der Sozialreform durchgeführt, die Arbeitslosenversicherung und-Unterstützung erheblich verbessert und außerdem eine Jndustriepolitik betrieben, die eine beträchtlich« Steigerung der Produktion zur Folge hatte. I» den Jahren 1932 bis 1934 ist tdie dänische Industrieproduktion um 17 Prozent gestiegen. Das ist eine Durchschnittsziffer. In einzelnen Gruppen, wie z. B. der Textil«, der KonfektionS- und der Lederindustrie beträgt die Produktionssteigerung nicht weniger als 68 Prozent. Die Arbeitslosigkeit, die Anfang 1933 rund die Hälfte der Arbeiterschaft erfaßte, ist nunmehr auf 18 Prozent der Gesamtarbeiterschaft gesunken. Nur unter dem Gesichtswinkel einer derartigen Politik ist die Steigerung der dänischen Lebensmittelpreise zu verstehen und nur unter dieser Vorbedingung konnten die landwirtschaftlichen Maßnahmen der Regierung Erfolg haben. Nun aber hat die dänische Großgrundbesitzerschaft gegen die Regierung den Feldzug eröffnet. Ihre Forderung geht dahin, durch eine neuerliche Devalvation eine Preissteigerung auf dem inländischen Markt herbeizuführen, wobei gleichzeitig die Unkosten für Arbeitskraft, Amortisierungen und Renten sinken sollen. Außerdem soll nach dem Wunsch der Großbauern durch eine saftige Er-. Tritt 2 Sonntag, 2V. Oktober 1938 «r. 245 Zins regelung vom Ministerrat angenommen Einlagen 3 Prozent Langfristige Anleihen um’la Prozent gesenkt Höhung des Margarinezolle» die Bevölkerung gehindert werden, zum Margarinekauf überzugehen. Dieses Oppositionsprogramm wird komplettiert durch eine Reihe von Forderungen, wie die Streichung aller Ausgaben für die Bekämpfung der Arbeitslosigkeit und WohlfahrtSmatznahmen, welche nicht der Landwirtschaft, oder bester gesagt, den Großgrundbesitzern zugute kommen und schließlich unter dem Schlachtruf:„Nieder mit der Sozialisierung" fordert die Opposition die Beseitigung aller Regelungen und Maßnahmen, die die Kontrolle der Wirtschaft durch die Regierung ermöglichen. Stauning und seine Regierung haben diese Forderungen glatt abgelehnt. Nicht, daß die Regierung nicht bereit gewesen wäre, gewisse Wünsche der Bauernschaft, speziell was die But- ttr und Getreidepreise anbelangt, zu erfüllen. Aber der Kampf der großagrarischen Opposition richtet sich nicht gegen einzelne Maßnahmen der Regierung, sondern gegen das ganze politische System in Dänemark überhaupt. Allerdings ist die dänische Demokratie zu stark, als daß sich die großagrarische Opposition- trauen würde, ihre fascistische Fratze offen zu zeigen. Stauning wehrt sich entschieden gegen eine weitere Devalvation, die schon einer Inflation gleich käme, weil sie sowohl die Arbeiterschaft wie die Kleinbauern über Gebühr belasten würde, aber auch, weil sie sowohl für die Landwirtschaft wie für die Industrie von katastrophalen Folgen wäre. Gerade weil die Regierung Stauning eine Arbeiter« und Bauernregierung ist und nichts anderes sein will, müß sie die Forderungen der Großgrundbesitzer ablehnen. De« beiden großen bürgerlichen Parteien, der„Rechten" und der„Linken", ist übrigens nicht ganz wohl bei der Kampagne gegen die Regierung. Aber sie werden durch den fascistischen Radikalismus der L. S.—- des sogenannten „Bauernbundes", der unter der Führung der Grundaristokratie steht— vorwärts stoßen. Die L. S. hat im Gommer durch ihren„Baucrnzug" nach Kopenhagen die Offensive gegen Stauning ergriffen. Aber Stauning hat den„Bauernzug" kaltblütig nach Hause geschickt. Darauf hat die L. S. versucht, einen„Balutastreik" zu organisieren, der kläglich mißlang. Nunmehr propagierte sie einen.Produktionsstreik", was ebensowenig dankbar war, bis schließlich Stauning durch die Parlamentsauflüsung den Knoten einfach zerhieb. Was Stauning mit der Neuwahl vor allem erreichen will, ist, daß das Vertrauensvotum, das ihm die dänische Arbeiter- und Bauernschaft schon zweimal gegeben hat— nach dreijähriger Regierungszeit 1932 bei den Folketingwahlen und nach fast sechsjähriger im vorigen Jahr bei den Bezirkswahlen— neuerdings wiederholt und damit ein für allemal dem'reaktionären Spuk der L. S. ein Ende gemacht wird. lieber Dänemark hinaus haben dies« Wahlen für ganz Skandinavien entscheidende Bedeutung. Die Prinzipien StauningS sind es ja, auf denen sowohl die schwedische wie die norwegische Regierungstätigkeit aufgebaut ist. Die dänische Arbeiterregierung ist die letzte von den drei skandinavischen sozialistischen Regierungen. Ihr Sieg oder ihre Niederlage werden von entscheidender Bedeutung auch für die anderen skandinavischen Länder sein, die im nächsten Jahre ihre Parlamente neu wählen werden. Vom Sieg StauningS hängt also viel ab für den roten Block im Norden Europas. P. M. Prag. Amtlich wird gemeldet: Der Ministerrat setzte am Samstag vormittags seine Verhandlungen fort, welche am Bortage in den Abendstunden unterbrochen worden waren. Genehmigt wurde die Novellierung der Regierungsverordnung, mit der das Gesetz vom 28. März 1935, Z. 81, S. d. G. u.«., über da» Fahren mit Motorfahrzeugen durchgeführt wird. Nach dem Berichte de- Finanzminrsters über die Regelung der Zinssätze entschied di« Regierung, daß die Zinsen langfristiger staatlicher und anderer Obligationen nicht um mehr alS rin halbes Prozent herabgesetzt werden. Brotaktton verlängert Bewilligt wurden die Mittel zur Fortsetzung der sogenannten Brotaktio» für die Arbeitslosen und es wurden analog den vergangenen Jahren die erforderlichen Erleichterungen für di« Durchführung der Zuteilung der durch die staatlichen und privaten Kohlengruben für die Arbeitslosen gespendeten Kohlen Der volkswirtschaftliche Ausschuß und der Hauptausschutz der Geschäftsstelle der deutschen Land- und Forstwirtschaft in der Tschechoslowakei seine zentrale Bereinigung aller agrarischen Organisationen) hat sich Ende September in einer Sitzung mit der Schuldenregelung für die Landwirtschaft befatzt. In einer veröffentlichten Kundgebung wird zum Zwecke der Entschuldung eine Zinsfutzherabsetzung, eine 50- prozentige Abschreibung bei rückständigen Steuern, Abgaben und Gebühren und Umwandlung der mit der Betriebsführung zusammenhängenden Schulden in langfristige amortiiable Schulden gefordert. Wir wollen uns weniger mit diesen Forderungen beschäftigen, denn sie sind keineswegs sensationell oder sonstwie weltbewegend, außerdem haben andere Vereinigungen, so die deutschen und tschechischen Kleinbauernverbände in der Schuldenregelungsfrage ihre weitgehenden Forderungen schon längst präzisiert. Was aber Imtrr allen Umständen diw gesamte«"''Klein« | bauern-Oeffentlichkeit zur Kenntnis gebracht wer- I den mutz, ist folgendes Verlangen der Agrarier >in der erwähnten Kundgebung: „Was den Umfang der Entschuldung betrifft, wird beantragt, daß sich die Entschuldung auf alle Land- und Forstwirte bezieht, die mindestens einen Hektar Grund und Boden besitz en. In den Fällen, in denen ein geringeres Grund- auSmatz vorhanden ist, ist ein Gutachten des zuständigen Landeskulturrates einzuholen, ob der Betreffende alS Landwirt anzufehen ist. Ein AnSfcheiden der G r o tz betriebe erfolgtnicht...." in der bevorstehenden Wintrrperiode bewilligt. Schließlich wurden die Berichte über das Fortschrriten und die Resultate der Berhand- luugcn in den Komitees der Minister für politische und wirtschaftliche Fragen zur Kenntnis genommen und di« restliche Tagesordnung laufender BerwaltungS-, Wirtschaft-- und Per- sonalangelrgenheiten behandelt. * Zu dem vorstehenden Bericht erfährt das Tschechoslowakische Preßbüro aus amtlicher Quelle einige Detailbestimmungen der ZinSrrgelung. Nach diesen Informationen werden die Zinsen auf Einlagenbücher mit minimal 3 Prozent festgesetzt, die Zinsen von Hypothekardarlehen sollen zwischen 4.5 und 4.75 Prozent für die historischen Länder und in der Slowakei zwischen 4.5 und 5.5 Prozent festgesetzt werden, wobei die niedrigeren Sätze für Hypothekardarlehen insbesondere auf kleine landwirtschaftliche Realitäten gelten werden. Auch die Zinsen für Handelskredite sollen dementsprechend herabgesetzt werden. Man sollte eS einfach nicht für möglich halten, datz die deutschen Agrarier bei den gegenwärtigen wirtschaftlichen und politischen Verhältnissen den Mut zu dieser selbstmörderischen Forderung aufbringen. Aber man hat es schwarz auf Weitz und kann es in den agrarischen Blättern, wie auch im„Prager Tagblatt" vom 2. Oktober nachlesen. Man bedenke nun, datz wir in der Republik 464.182 Kleinbauern- und Häuslerbetriebe haben, mit einem GesamtauSmatz von 215.671 Hektar. Hiervon dürften allein auf dadeutsche Gebiet rund 100.000 Betriebe entfallen. Von der Gesamtzahl dieser Betriebe sind mindestens zwei Drittel entweder mit ihren» Grundbesitz oder mit ihrem HauSbesitz schwer verschuldet. Tausende von ihnen sind neu entstandene Existenzen, die vielfach durch die Bodenreform zu Grundbesitz kamen und sich neue Wohn» und Wirtschaftsgebäude erbauen mutzten. Die meisten von ihnen sind auf einen Nebenberuf als Handwerker oder Arbeiter angewiesen. Sie haben nun in dör Wirtschaftskrise ihr Nebeneinkommen der-' loren und sind oftmals schon drei bis vier Lahre arbeitslos. Selbstverständlich können sie, wie so- viele Landwirte ihre Schulden ebenfalls nicht bezahlen, weil nur ein ganz geringes Einkommen vorhanden ist» das kaum zur Ernährung ihrer Familie reicht. Deshalt haben auch seinerzeit die deutschen Sozialdemokraten verlangt und erreicht, daß die Häuslerschichten mit in das allgemeine landwirtschaftliche Moratorium eintezogeu werden und dadurch vor der Bersteigerung ihres Besitzebewährt wnrden. Den Agrariern blieb es nun Vorbehalten, die Forderung nach Ausschlutz dieser Schichten von der Schuldtnregelung aufzustellen. Dafür verGrossagrarier wollen 300.000 Kleinbauern- und Häuslerexistenzen vernichten VILLA OASE Oder: DIE FALSCHEN BORGER Roman von Bugane Dablt Berechtigt« Uabertragung aus dem Französischen von Bejot Solange hielt eine Lampe. Er riß sie ihr aus der Hand. Die Schleusenwärter stießen ihre Stan« gen in da- aufbrodelnde Wasser. Mit verzerrter Miene fragte Julien:„Können Sie sie nicht finden?" Sie suchten, fluchend, weiter. Plötzlich sagte der eine: „Ich glaube, ich habe sie. Achtung!" Julien schob den Kopf vor und sah eine schwarze Masse auftauchen. Er unterschied einen Arm, wollte sich darauf stürzen, wurde aber von Paul und Maigret, die sich an ihn klammerten, zurückgehalten. Die Stimme versagte ihm, alle Kraft war aus ihm gewichen. Die Männer schleppten ihn, mit Worten, die er nicht verstand, von der Stelle und reichten ihm ein Glas, das er in einem Zug leerte. Ter Alkohol belebte ihn. Er fuhr mit der Hand übers Gesicht und sah aus, als sei er nicht ganz bei Verstand. „Wo ist sie?" „Neben dem Teich. Sie haben sie eben erst rausgeholt", murmelte Paul,„leicht war es Nicht, bei dem Gewicht." Julien schob ihn zur Seite. Die Männer machten sich an dem auf dem Rasen liegenden Körper zu schaffen. Er stieh sie weg und fiel auf die Knie. Er nahm dar arme, verunstaltete Gesicht mit der schlammbedeckten Stirn, den blauen Augenlidern und den erdfahlen Lippen in seine Hände, legt« den Kopf sanft nieder und strich über da» triefende Haar. Durch den etwas geöffneten Mantel sah man den zerrissenen, farblosen Morgen-. rock. Auf die nackte Brust legte er seine zitternde Hand. Das Herz schlug nicht mehr. „Kann man nichts versuchen, Leute?" „Zu spät", gab der eine Schleuser einsilbig zur Antwort. Dennoch umfaßte Julien Irmas Handgelenke, zog ihre Arme an sich, stieß sie wieder ab und setzte diese Uebung fort, bis er selbst erkannte, datz es zwecklotz war. Das Wasser rann von ihr ab, ein schlammiger Geruch stieg auf, doch das Leben kehrte ihr nicht zurück. Ja, es war zu spät. Wenn er den Vieruhrzug nicht versäumt hätte... „Irma", klagte er, sich neben ihr zu Boden werfend. „Beherrsch dich, Julien", hörte er eine Stimme.„Tragt sie hinauf." Paul, Maigret, die Schleuser beugten sich über den Leichnam. Sie muhten langsam gehen. Bobby, der heulte, gab Julien einen Fußtritt und sagte, als sie vor der Türe standen: „Vorsicht, die Treppe ist steil." Sie rannten gegen die Stufen, hielten inne und keuchten. Maigret schrie, er könne nicht mehr. Julien löste ihn ab. Er hielt einen Arm und fühlte, wie das Wasser über seine Hände rann. Solange leuchtete ihnen mit der Lampe. Sie legten den Körper aufs Bett, so gut sie konnten. Er lag da wie ein Sack. Julien kam langsam zu sich. Als er den Kopf hob, erschien ihm alles neu. Woher plötzlich diese vielen Leute? Wovon sprachen sie? Und die Mutter Pougetre mit ihrem Hexengesicht? Und der Feldhüter, der ihn um Einzelheiten ersuchte? Die näheren Umstände diese» Todesfalls würde man nie erfahren. Er warf einen prüfenden Blick auf die Möbel und die Gegenstände, die Irma noch gesehen, betrachtete Bobby, der"zuletzt ihre Stimme gehört hatte, und suchte nach Spuren, die einen Anhalt bieten konnten. Aber er fand nichts. Wenn er an Solange dachte, geriet er in Wut. Hätte die Kleine ihre Pflicht getan, wäre da- Unglück nicht geschehen.., Ja, hatte er denn getan, was er sollte? „Wir werden ihr ein Kleid anziehen." Sie hoben sie auf und zerrten ihr den Mantel vom Leibe. Der Morgenrock lieh sich nicht abstreifen. Julien nahm ein Messer und schnitt ihn in Stücke, ebenso das Hemd. Paul und Maigret wandten sich ab, er aber konnte den Blick nicht von ihr lassen. Ja, das war seine Dicke, völlig bloß, mit ihren schweren Brüsten, ihren prallen Schenkeln» ihrem noch immer blühenden Fleisch, das er geliebkost und das ihn erfreut hatte, und dessen Wärme er nun nie mehr verspüren sollte." Er trocknete den Körper sorgsam ab, bis ihm der Schweiß von der Stirn lief, und er aufhören mußte. Er dachte an die Nacht, in der Berthe.ihm geholfen hatte, Helene in den Sarg zu legen, wahrend Irma schluchzend dabei gesessen. Er warf das Handtuch hin und überließ der Mutter Pouget das Weitere. Jetzt ruhte sie auf dem Bett in ihrem perlenbestickten Abenkleid. Das Gesicht war von unwirklicher Bläffe, die Hände mit den funkelnden Ringen waren auf der Brust gefaltet, die Füße noch nackt. „Ob ich ihr Schuhe anziehe?" fragte sich Julien. Man gab ihm«inen Klaps apf die Schulter. „Komm, itz etwas, wenn du die Nacht über aushalten willst", sagte Maigret. Die anderen sichen schon um den Küchentisch. Nach einigen Bissen würgte es ihn im Halse Er trank ein paar Gläser Wein, brannte eine Zigarette an und hörte, wie der eine Schleuser Geschichten von Ertrunkenen erzählte. Er hatte auch schon Wasserleichen gesehen, auch Ueberfah- rene, aber Irmas Ende war das grausigste von allen. Er ging ins Schlafzinuner zurück, in dem eine Petroleumlampe brannte, und nahm Mutter Pougettes Stelle ein. Er sah die Tote an. Stirn, Mund und Lider waren beschattet, als schlafe sie. Ja, so hatte er sie ost schlafen sehen und war, wenn sie erwachte, mit einem Lächeln oder einem Scheltwort von ihr begrüßt worden, je nachdem, wie sie gertäumt hatte. Oh, fie war gewiß nicht immer lange« sie aber kategorisch, daß Großgrundbesitzer! nicht ausgeschieden werden dürfen, ganz egal, ob sie ihren Betrieb verlumpt oder verspekuliert haben. Wenn diese Forderungen verwirklicht würden, so würden im deutschen Gebiete allein an etwa 60 bis 70.000 solcher Häuslerbetriebe nach Aufhebung des Moratoriums der Versteigerung anheim fallen. Hier kommt wiederum einmal der brutale und rücksichtslose Egoismus dieser Gesellschaft von agrarischen Ehrenmännern zum Ausdruck. Der Bund der Landwirte wird sich fteilich wieder herauSzuwinden versuchen. Es wird ihm aber nicht gelingen, die Mitverantwortung für diese die Häuslerschichten ruinierend« Forderung abzulehnen, denn mehrere der Geschäftsstelle angehörende Vertreter sind gleichzeitig Landbünd- ler. Es scheint, datz diese schon zur Einflutzlosig- keit verurteilte Partei absolut Selbstmord begehen will, aus der Ueber^eugung heraus, daß deren Bestand ohnedies überflüssig ist. Der Geschäftsstelle gehören aber auch enra« gierte Henleinjünger an, so jener Herr Doktor Preibsch, der mit dem Genossenschastsdirektoc Hilmer, ein halb Henlein-, halb Landbündler« mann seinerzeit den Landstandfascismus in der mährischen Bauernhochschule in Ullersdorf großgezüchtet und so den Boden für Henlein am Lande vorbereitet hat. Auch jener Herr Haas, seines Zeichens„Handelsrat" und Leiter einer ominösen Viehverwertungsgenossenschaft, der ständig vorgibt die kleinbäuerlichen Viehzüchter zu vertreten, dürfte dieser Gesellschaft angehören. Auch er ist einer jener Männer, die die Landjugend in das heutige Fahrwasser gebracht haben. Selbstverständlich sind Großgrundbesitzer und Großbauern, wie die Herren Worliäek und Frodl hier tonangebend und nicht zu vergessen, die Vertreter des Landeskulturrates, die ebenfalls dafür gestimmt haben dürften. Sie all« wollen nun wieder einträchtig zusammenhelfen, um 300.000 Kleinbauern und Häusler von der Schuldenregelung auszuschließen, und diese Existenzen der Vernichtung preisgeben.. Auf der einen Seite fordern heute nicht nur die Sozialdemokraten, sondern auch schon Agrarier eine großzügige Siedlungsaktion zur Unterbringung Arbeitsloser in der Landwirtschaft. Auf der anderen Sefte wollen diese' selben Agrarier einige hunderttausend solcher altansässigen Siedler wiederum um ihren Besitz bringen. Anscheinend wollen sie auf diese Weise Grund und Bode« freimachen zur Ansiedlung der anderen. Es wird Sache der organisierten Kleinbauer» sein, in allen Dörfern diesen Vernichtungsfeld- zug der Großagrarier gegen die ärmeren ländlichen Schichten entsprechend zu brandmarken. I» jedem Dorfe müßte man diese wahnsinnig« Forderung der Agrarier öffentlich kundmachen, um dec ländlichen Bevölkerung zu zeigen, wessen diese habsüchtige Gesellschaft fähig ist. Und noch mehr mutz es Sache aller sozialistischen Parteien sei«, datz diese beabsichtigte Schandtat um jeden Preis verhindert wird. Keine sozial eingestellte Partei kann einem solchen reaktionären Verlangen ihr« Zustimmung geben, wenn sie nicht ihren Bestand riskieren will. So wie es gelungen ist, die Kleinlandwirte und arbeitslosen KleinhauSbefitzer- schichten in daS landwirtschaftliche Moratorium einzubeziehen, so mutz auch ein« Schuldenrege» lung diesen Schichten zugute kommen, oder es darf überhaupt zu keiner Entschuldung kommen, Meiches Matz für alle ist die sozialistische und I gerechte Forderung. angenehm gewesen, aber wie gern hätte er ihr« Vorwürfe weiter ertragen. Alles war besser al» dieses furchtbare Schweigen. Ach, und als sie ihm ihre dunklen Ahnungen anvertrauen wollte, hatte er sie angeschrien, sie solle doch nicht Komödie spielen. Und wenn sie weinte, hatte er sie allein gelassen. Sicher war sie während eines solchen Schwermutsanfalles hinausgelaufen. Härte er doch ein Gitter um den Teich errichten lassen! Sterbend noch hatte sie ihm geflucht... Und er, er war indessen in Paris gewesen, hatte dem guten Alfted eine schwere Stunde bereitet und sich selber amüsiert, ohne eine Sekunde an seine Frau zu denken. Seine Schuld würde ihn immer drücken. Er würde allein in dem Hauke leben, das er für sie gekauft hatte, und ihr auf Schritt und Tritt begegnen. Ihm wurde so weh, datz er aufschluchzte... Eine fremde Gestalt stand vor ihm. Er hob den Kopf und erkannte den Pfarrer. „Ich komme al» Freund", erklärte Pater Doutre,„nicht um Sie wegen der Form des Begräbnisses zu belästigen, noch auch um Ihnen zu erzählen, datz Ihre Frau wieder auftrstehen werde. Diese Geschichten hebe ich mir für meine alten Betschwestern auf." „Lassen Sie mich in Frieden!" Julien versank wieder in sein« Gedanken. Plötzlich schrie er auf. Ihm war, als habe Irma sich bewegt. Nein. Gottlob, eS war nur Täuschung. Er hörte Stimmengewirr. Sein Körper sank wieder in sich zusammen. Sein Geist schweifte durch Zeit und Raum. Eine Hand berührte ihn leise. „Ich höre soeben die traurige Nachricht"« sagte LangloiS.„Bedarfst du meiner Hilfe?" „Ja, kümmere dich um alles." Er selbst konnte keinen Entschluß fassen. Was er noch an Mut und Willenskraft besaß, würden die nächsten Tage von ihm fordern. Vor vier Monaten hatte er Papa Adam hinaus« begleitet, und jetzt war die Reihe an seiner Frau. .Fortsetzung folgt.). Nr. 245 Tonntaa, 20. Oktober 1935 Seite 3 ^udetendeutsAev«Zcitf spiegel Polnische Repressalie Zwei Konsuln das Exequatur entzogen Prag. Amtlich wird gemeldet: Ter polnische Gesandte gab am Samstag dem Außen- Ministerium bekannt, daß der Präsident der Polnischen Republik mit dem 18. Oktober d. I. den tschechoslowakische« Konsuln Dr. Meixner in Krakau und Dr. DoleZalin Posen das Exequatur entzogen hat. Da keiner dieser Konsuln jemals durch sei» Verhalten Anlaß zu irgend einer polnischen Beschwerde gegeben hat, ist in dieser Maßnahme einfach eine Repressalie für die Entziehung des Exequatur für den polnischen Konsul Klotz in Mährisch-Ostrau zu erblicken. Unsere beiden Konsuln erhielten von ihrer vorgesetzten Behörde die Weisung, das Amt ihren Vertretern zu übergeben und ihren Wirkungsort zu verkästen. Warschau. Das Hauptorgan der sozialistischen Partei„R o b o t n i k" konstatiert, daß die Zurückziehung des Exequatur an den polnischen Konsul in Mährisch-Ostrau, Klotz, ein weiteres Glied in dem Prozesse der Verschärfung der polnisch-tschechoslowakischen Beziehungen bildet, und schreibt die Schuld an dieser Zuspitzung den Umtrieben der polnischen Regierungspresse zu, welche„bis zur Bewußtlosigkeit gegen die Tschechoslowakische Republik hetze". Das Blatt erklärt, daß es die höchste Zeit wäre, dieser Hetze ein Ende zu machen und den Konflikt mit der Tschechoslowakei zu liquidieren. Der„Robotnik" äußert die lleberzeugung, daß die Tschechoslowakei der Verständigung mit Polen kein Hindernis in den Weg legen wird. Dolchstoß in den Rücken Henlein-Leute als Streikbrecher kämpfender Arbeiter Bei der Firma SchöllerinBrünn ist wegen der Einführung der Z weistuhl- ar b e i t auf schweren Stühlen ein Streik ausgebrochen. Die Arbeiter dieser Firma wehren sich ganz mit Recht gegen das Zweistuhlsystem auf schweren Stühlen und bei schwerer Ware, weil schon die Arbeit auf einem Stuhl die vollste Anstrengung aller körperlichen und geistigen Kräfte erfordert. Die Arbeit auf zwei Stühlen würde binnen kurzer Zeit dazu führen, daß die Arbeiterschaft geradezu einen Raubbau an ihrer Gesundheit begehen würde, wenn sie dem Verlangen der Firma nachkäme. Mit Recht sind also diese Arbeiter vor wenigen Wochen in einen Streik getreten und ihr Verlangen, daß es bei dem alten Zustand bleibt, ist sicher nicht zuviel. Die Firma versucht nun durch Anwerbung von Streikbrechern die Arbeiterschaft niederzuringen. Außerdem hat dte Firma auch eine große Zahl von Ketten, die in diesem Betriebe bereits auf den Stühlen waren, nach Nordböhmen zu den Firmen„Textilana und Fritsch in Haindorf gesandt, damit dort di» Arbeit fertiggestellt wird. ES ist klar, daß da- Fertigstellen dieser Ketten nichts anderes bedeutet alS die Leist««» von Gtreikbrucharbeit«nd deshalb hat di« Anion der Textilarbeiter sofort, alS sie von diesem Umstand erfuhr, die notwendigen Schritte zur Verhinderung dieser Streikbruch, arbeit eingeleitet. Auf eine Intervention hin wurde erreicht, daß vorläufig eine zweite Sendung solcher Ketten nicht in Arbeit genommen wurde und über die bereits in Betrieb befindlichen Ketten sollte in einer Betriebsversammlung beschlossen werden. Zu dieser Betriebsversammlung waren alle Arbeiter und Organisationen eingeladen und auch die Vertreter der Henleingewerkschaft in Gablonz wurden von dem Stattfinden dieser Versammlung verständigt. Anstatt sich an dieser Versammlung zu beteiligen» haben eS die Henleins vorgezogen, im Betriebe gegen den Besuch dieser Versammlung zu agitieren. Den ganzen Nachmittag vor Stattfinden der Versammlung sind— offensichtlich über Weisung dieser Organisation— Anhänger der Henleinfront im Betriebe herumgegangen und haben die Arbeiter von dem Besuch der Versammlung abgeredet. Tatsächlich ist es auch gelungen, daß kein einziger von den Hen- leinanhängern im Betriebe an der Versammlung teilgenommen hat, so daß bindende Beschlüsse nicht gefaßt werden konnten. Diese Vorfälle bei der Fa.„Textilana" in Hänichen sind eine Schande für die ganze deutsche Textilarbeiterschaft und diese Schande haben die Anhänger Henleins verursacht. Die Handlungsweise dieser deutschen Hen- leinkamerade« bei der Fa.„Textilana" in Hänichen bedeutet nicht mehr und nicht weniger als einen verbrecherischen Dolchstoß in den Rücken der kämpfenden Arbeiter. Die deutsche Textilarbeiterschaft war früher immer stolz darauf, daß sie bei jeder Gelegenheit Solidarität mit den kämpfenden Klastengenoffen bewiesen hat und erst die Volksgemeinschaft Henlein- mußte kommen, um die Leistung von Streikbrucharbeit als»ine nationale Tat zu vollziehe«. Die Arbeitslosigkeit im deutschen Gebiet Von 1000 Einwohnern Im deutschen Gebiet 77.9, im tschechischen Gebiet 28.6 arbeitslos In seinem VerbandSorgan schreibt der Deutsche Hauptverband der Industrie: In der Republik waren Ende September von 1000 Einwohnern 88.8, von 1000 Einwohnern in den deutschen Gebieten 77.9 und von 1000 Einwohnern in den tschechischen Gebieten 28.6 arbeitslos; dabei wurden als deutsche Gebiete nur jene gezählt, deren Einwohnerschaft nach der letzten Volkszählung zu mehr als 80 Prozent aus Deutschen besteht. Daß die deutschen Gebiete von der Arbeitslosigkeit erheblich schwerer betroffen find als die tschechischen, beweist die folgende Zusammenstellung der Bezirke mit der größten und mit der geringsten Arbeitslosigkeit im September: Bezirk« mit gribter HlrbeitSlefigkeU auf Ivos Berufst. Bezirke mit«rinftiter Arbeitslosigkeit auf 1000 Berufst. Kaaden »08.1 Jiiin 5.4 Komotau 218.7 Mühlhausen 6.7 M-»Schönberg 215.0 Kralowitz 10.5 Jägerndorf 219.1 Datschitz 14.9 Kartsbad 240.3 Kralup a. M. 15.1 Eibogen 242.8 ChotSbor 15.4 Rumburg 262.6 Melnik 15.7 Freudenthal 264.4 Reustadtl i. M. 16.5 Römerstadt 267.9 Beneschau 16.7 Friedland 269.2 Jilovt 18.3 Preßnitz 277.1 Pilgram 20.3 Neudek 286.0 Ledetsch a. S. 20.9 Sternberg 809.0 Tabor 21.2 GraSlitz 862.9 Blatna 21.8 In den Bezirke« mit der größten Arbeitslosigkeit ist nicht ein tschechischer, in den Bezirken mit der geringsten Arbeitslosigkeit nicht ein deutscher Bezirk enthalten. Die Hauptschuldigen an den VermahlungsschlKanen Wir haben unlängst darauf hingewiesen, wie durch die Schikanen der neuen Getreidevermahlungsbestimmungen die arme Landbevölkerung schwer geschädigt wird. Die Müller dürfen nicht mehr in die Ortschaften hinausfahren, um dort Mehl gegen Getreide bei ihr einzutauschen, so ist nun jeder Getreidebesitzer gezwungen, sein Mahlgetreide selber oft stundenweit in die Mühle zu bringen. Kann er dies nicht, so muß er sich ein eigenes Fuhrwerk aufnehmen, was in den meisten Fällen vorkommt und mit bedeutenden Kosten verbunden ist. Dadurch werden nun die kleinen Leute wiederum auf Gnade und Ungnade den fuhrwerk-besitzenden Großbauern, ausgeliefert, wenn sie nicht etwa selber mit dem Handwagen den weiten Weg zurücklegen wollen. Wie wir nun hören, soll keineswegs die Getreidemonopolgesellschaft an dieser Verordnung Schuld tragen, sondern ausschließlich der Ausschuß für Müllereiangelegenheiten beim Handelsministerium(Sbor pro zälejitosti mlynäisft tzhroby),. Er hat bei der Regierung diese Verord nung durchgesetzt, wobei lediglich die Konkurrenzinteressen jener Müller ausschlaggebend waren, die solche Getreidezufuhren in die Dörfer nicht vornahmen oder vornehmen konnten. Meistens find es auch nicht leistungsfähige Mühlenbetriebe. Die ärmere Landbevölkerung soll nun gezwungen werden, justament bei diesen Mühlen ihre Mahlprodukte einzukaufen, d. h. sie soll auf gute Qualitätsprodukte verzichten. Es ist wohl unglaublich, daß sich die Regierung im Interesse dieser -Schichten zu dieser Verordnung entschlossen hat, und es kann unseres Erachtens nach nur darauf zurückzuführen sein, daß sie irrige Informationen über den wahren Sachverhalt erhalten hat. Die Urheber dieser Bestimmungen dürften im Handelsministerium zu suchen sein, wo der Vertreter der tschechischen Gewerbetreibenden als Minister sitzt und einigen rückständigen Mühlenbesitzern Vorteile auf Kosten der Allgemeinheit verschafft hat. Wir wiederholen, daß dieser Zustand unerträgliche Wirkungen hat, besonders in der heutigen Zeit. Planwirtschaftliche Eingriffe sollen Ordnung und wirtschaftliche Erleichterungen bringen und nicht das Gegenteil, wie in diesem Falle, wo wir eS mit Protektionswirtschaft und nicht mit Planwirtschaft zu tun haben. Deshalb müssen diese Bestimmungen im Interesse der armen ländlichen Schichten beseitigt werden. Heute Senatswahlen in Frankreich Paris. Für die heutigen Ergänzungswahlen in den französischen Senat besteht weit geringeres Interesse als z. B. für die Wahlen in die Deputiertenkammer. Einerseits weil es sich um eine geringe Zahl der zu wählenden Senatoren handelt(107), andererseits wegen des indirekten Charakters des Wahl. Die Gesamtzahl der Wähler beträgt 35.000. Trotzdem aber ist die Wahlkampagne lebhaft, insbesondere in den Pariser Vorstädten, und in jenen Orten, wo die 5'ai-Wahlen in die Bezirksvertretungen größere Verschiebungen nach links gebracht haben. Die Wahlvorhersagen der LinkSblätter, die sich auf die Ergebnisse der Bezirkswahlen stützen, erwarten eine weitere Stärkung der Linksparteien, in Paris der gemeinsamen Kandidatenliste der Volksfront und in den Provinzbezirken vornehmlich der Radikalen. Die Rechtspresse fordert zur„Mobilisierung aller vaterländischen Wähler" auf und gibt die Weisung aus, daß in den engeren Wahlen für den am wenigsten links stehenden Kandidaten gestimmt werde, und zwar unter der Bedingung, daß sich dieser verpflichtet, im Senat nicht für die Auflösung der Rechtsligen und-Organisationen zu stimmen. In Frankreich werden die Senatoren für neun Jahre gewählt. Keineswegs jedoch auf einmal, sondern in drei Abschnitten, und zwar immer nach drei Jahren in ungefähr 80 französischen Bezirken nach der alphabetischen Reihenfolge. Heuer finden die Wahlen in der letzten Gruppe, und zwar in den Bezirken O bis D statt. Die Senatswählen sind indirekt. Die Gesamtzahl der Kandidaten beträgt 500, zur Wahlurne werden 35.000 Wähler schreiten.. Die Gesamtpartei gedenkt Josef Seligers Gestern nachmittags um 8 Uhr versammelten sich auf dem Waldfriedhof in Teplitz-Schönau die Funktionäre und Vertrauensmänner der Gesamtpartei, um am Grabe ihres unvergeßlichen Führers und Vorkämpfers einen Kranz mit roten Nelken niederzulegen. Sowohl aus dem Teplitzer Kreisgebiete als auch aus den benachbarten Kreis« und Bezirksorganisationen waren Abgesandte erschienen, denen sich die Delegierten der Freien Gewerkschaften und unserer Kulturorgani- sationen anschlossen. Das Doppelquartett des Bezirksverbandes des Arbeitergesangvereines in Teplitz sang unter Leitung des Chormeisters O. Weichert den Chor„Nachruf", worauf Genosse Seidel für den Parteivorstand die Lebensarbeit Josef SeligerS würdigte und auf das große politische Vermächtnis verwies, das er unS hinterlassen hat. Genosse Seidel verwies auch auf die schicksalsschweren Stunden des Karlsbader Parteitages uttd das leidenschaftliche Ringen Seligers um die Einheit des Proletariats. Er schloß mit folgenden Worten: Wir ehren seine Arbeit, wenn wir erhalten, was er liebte, wenn wir so arbeiten, baß tvahr bleibt das Wort: Das Banner kann stehen, wenn der Mann auch fällt! — Mit dem Chorliede„Tord Folescm" von Uthman wurde die einfache, doch eindrucksvolle Gedenkfeier abgeschlossen. Aus Henleins„Volksgemeinschaft** Die„Rundschau" des VolksgemeinschaftlerS Henlein veröffentlicht in ihrer letzten Ausgabe eine langatmige Betrachtung über„S t r e i- tigkeitenausdemArbeits-, Dien stund Lehrverhältnis". Diese Betrachtung ist auf eine Anregung der„Zentralstelle für Arbeitnehmer in der SdP" zurückzuführen und enthält Ratschläge über die Wahrung der Arbeiterinteressen gegenüber dem Unternehmer. Es wird insbesondere auf die Arbeitsgerichte hingewiesen. Man hört doch von den Henleinrednern immer wieder, die Volksgemeinschaft habe auch die Beendigung des Klassenkampfes zum Ziele. Wenn man wissen will, wie sich denn die Henleinleute die Regelung des Verhältnisses zwischen Unternehmern und Arbeitern vorstellen, vernimmt man die Kunde, daß die Unternehmer in der Volksgemeinschaft zur Er- .füllung ihrep Verpflichtungen gegenüber den arbeitenden Volksgenossen erzogen werden müssen. Nicht mehr in Kampf st ellung, sondern auf dem Wege von Vereinbarungen sollen alle Fragen zwischen dem Kameraden Unternehmer und dem Kameraden Arbeiter gelöst werden. Nun bekennt sich auch die„Rundschau" zur Institution der Arbeitsgerichte und bekundet dadurch, daß sie von den volksgemeinschaftlichen Erziehungsmaßnahmen verdammt wenig hält. Hat sich die Erkenntnis über den Charakter der Unternehmer— auch der sudetendeutschen, versteht sich!— auch schon in den Redaktionsstuben Henleins verbrettet? Die Arbeiter haben sich jedenfalls schon immer lieber auf die Arbeitsgerichte als auf das freundliche Zureden an die.Kameraden" Unternehmer verlassen! Strelkabstimmuns unter den englischen Bergarbeitern London. Die Konferenz der Bergarbeitergewerkschaft nahm eine Empfehlung deS Vollzugsausschusses an, wonach unter den Bergarbeitern in sämtlichen Revieren eine Abstimmung über die Frage veranstaltet werden wird, ob die Forderung der Lohnerhöhung erzwungen werden soll. Als Tage der Abstimmung werden der 11. bis 13. November genannt. Unruhen in Britlsch*Guayana Streik der farbigen Arbeiter Loudon.„Daily Herald" berichtet von den Streikunruhen der farbigen Arbeiter in den Zuk- kerplantagen von Britisch-Guayana(Süd-Amerika), wo die Lage am Donnerstag krittsch geworden sei, als etwa tausend Neger und Ostinder am Damerara-Flutz die Arbeit niederlegten. Mehrere Aufseher und Beamte wurden von den Streikenden mißhandelt. Einem Plantagendirektor wurden die Kleider vom Leibe gerissen und die Farbigen zwangen ihn Arbeitskleider anzuziehen und mit eigener Hand Zuckerrohr zu schneiden. Die Studienreise der Sowjetpublizisten durch die Tschechoftowakei hat Smnstag mit der Besichtigung von Mähr.-Ostrau und der Witko- witzer Werke ihren Abschluß gefunden. Samstag nachmittags reisten die Gäste in ihr« Heimat ab. Zur Verabschiedung hatten sich auf dem Bahnhof Mähr.-Ostrau Vertreter der Behörden sowie Journalisten und ein zahlreiches Publikum ein- 1 gefunden« Besprechungen zwischen SAi und Komintern Paris.(Tfch. P.-B.) Der V-rsih«lde der Sozialistischen Arbeiterinternattonale de Brouckere und Generalsekretär Adler weilen soeben in Paris, wo sie Freitag und Samstag Besprechungen mit den Vertretern der 3. Internationale C a ch i n und T h o r e z über die allgemeine Lage und hauptsächlich über eine Angleichung der Tättgkeit der internattonalen Arbeiterklasse„gegen den Einfall deS italienischen FascismuS in Abessinien" pflogen. Duell die USR-Gewerkschaften gegen die kommunistische Zersetzungsarbeit New Kork, Auf der in Atlantic-City im Staate New Dersey stattfindenden JahreStagung der USA-Gewerkschaften stehen nach der Wiederwahl Greens zum Präsidenten der Gewerkschaften folgende drei Hauptanträge zur Debatte: 1. Den Vollzugsausschuß anzuweisen, einen Verfassungszusatz zu entwerfen, der Roosevelts „New Deal"-Maßnahmen für verfassungsmäßig erklärt, 2. dra st ische Maßnahmen gegen die kommuni st ische Tätigkeit innerhalb der Gewerk sch asten zu ergreifen, und 8. angesichts der kommenden Präsidentenwahl eine unabhängige politische Arbeiterpartei zu gründen. Auf sehr labiler Grundlase... Die Pariser Presse zum neuen Kabinett Schuschnigg Paris. Die Pariser Linkspresse verweist neuerlich auf die sehr labile Grundlage, auf die sich di« gegenwärtig« Regierung in Oesterreich stützt. Aber auch die konservative Presse ist der Ansicht, daß die Verhältnisse in Oesterreich unsicher sind und daß die Regierungsstabilität weit geringer ist, als man denkt. Das„Journal" sagt, daß die letzten Ereignisse in Oesterreich eine Warnung für Europa seien. Bundeskanzler Schuschnigg und Starhemberg hätten diesmal rechtzeitig einen Putsch unter Leitung des Majors Fey verhindert und für eine bestimmte Zeit die Oberhand gewonnen. Das Blatt ist jedoch der Ansicht, daß in Oesterreich die persönlichen Eifersüchteleien und die Eifersüchteleien der militärischen Organisationen und ganzer Gegenden sowie die Gegensätze in den politischen Ansichten andauern werden. Es fehle nicht an Elementen zu Intrigen und Berlin könnte sie im Augenblick der Verwirrung geschickt ausnützen. Wiener Helmwehr tut nicht mit Wien. 19. Oktober. Freitag abends fand eine große Huldigungsfeier der vaterländischen Verbände vor dem Bundeskanzleramt statt. Die 10.000 Heimwehrleute, die vormittags aus Niederösterreich und dem Burgenland nach Wien gekommen waren, defilierten mit Stahlhelm und geschultertem Gewehr vor dem Bundeskanzleramt. Die Wiener Heimwehr, deren'Führer Major Fey ist; nahm qn dem Aufmarsch in geschloffenen Formationen nicht teil. Einzelne Wiener Hei- matschühler ohne Waffen hatten sich in den Fackelzug eingereiht. Seite t Sonntag, 80. Oktober 1938 Nr. 8 48 ^AesmmgAelten- Vie Prager Kundgebung für die sozialen Forderungen der Jugend Fürsorgeminister Ing. Necas(XX) unter der sozialistischen Jugend Juden un« Die Zahl auf dem «6282 92511 64882 54568 41788 51798 56316 38445 74545 27688 82933 98739 61191 61391 16389 74365 7857 66619 51463 73653. Die innere Gefahr. Der Nationalverteidigungsminister hat dieser Tage auseinanderge- setzt, zu welchen notwendigen Maßnahmen die Landesverteidigung in der nächsten Zeit wird greifen müssen. Das wird viel, sehr viel Geld kosten. Ilber es muß sein— wir in der Tsche- chostowakei sind wahrhaftig nicht schuld an dieser Zwangslage. Und wir sind überzeugt, daß auch noch dex erbarmungswürdigste Arbeitslose im Erzgebirge oder in irgendeinem anderen Volkszählung in der Türkei Sonntag, den 20. Oktober, wird in der Türkei die zweite Volkszählung seit der Gründung der Republik stattfinden. Die erste Volkszählung wurde im Jahre 1927 veranstaltet. Die türkische Regierung hat für diesen Tag ein Verbot des Verlassens des Wohnortes vor der Lösung des Kanonenschusses, der der Bevölkerung die Beendigung der Volkszählung bekanntgibt, erlassen. Alle öffentlichen Lokale, Vergnügungsstätten usw. bleiben geschloffen. Die Kommunikations- und Verkehrsmittel sind eingestellt. Auch die Aerzte,. Geburtsassistentinnen Und Apotheker sind verpflichtet, an diesem Tage zu Haus« zu bleiben. Nur einige werden bestimmt werden, für Hilfeleistungen bereit zu sein. Wer auf der Gasse oder sonst außerhalb des Hauses ohne besondere amtliche Bewilligung angetroffen wird, wird mit einer Geldstrafe von 25 türkischen Pfund, eventuell Gefängnis, bestraft. Militär und Gendar» metie wird bei der Aufrechterhaltung der Ordnung und Durchführung der Regierungsverordnungen behilflich fein. Ueber 100.000 Beamte und Bürger werden mit der Entgegennahme der Zählungsbogen, auf denen 16 Fragen beantwortet werden, betraut sein. Die Bevölkerungszahl der Türkei wird auf mehr als 16 Millionen Einwohner geschätzt. Di-, Zahl der Analphabeten dürfte weit geringer als im Jahre 1927 sein. Gedenkfeier für Adalbert Stifter an den Schulen mit deutscher Unterrichtssprache Am 23. Oktober 1935 wird in einer Unterrichtsstunde an den Volksschulen saufsteigend mit dem dritten Jahrgang) und an allen Mittelschulen,(eventuell auch in den Fachschulen) mit deutscher Unterrichtssprache in geeigneter.Weise des 130. Geburtstages des Dichters Adalbert Stifter gedacht werden. 78098 51570 28909 55346 97309 100410 16435 68507 109711 91675 76968 19121 13507 50666 30850 Neues Tierschutz-Gesetz Dem Senat vorgelegt Prag. Die Regierung hat dem Senat der Nationalversammlung die Novelle des Rahmengesetzes über den Tierschutz zur Behandlung unterbreitet. Das neue Gesetz verfolgt den Zweck, die diesbezüglichen uneinheitlichen Vorschriften zu I unifizieren und teilweise veraltete Vorschriften neu zu regeln. In der Gesetzesnovelle wird als Tierquälerei jede Handlung oder Unterlassung erklärt, durch die Tieren ohne vernünftigen oder berechtigten Grund Schmerzen oder Leiden verursacht werden, wofür Beispiele einzelner Arten von Tierquälereien aufgezählt werden. Die Regierung wird damit betraut, Detailvorschrif- tcn zur Einschränkung der Tierquälerei zu erlassen; er wird auch daran erinnert, daß die politischen Behörden den unrichtigen Umgang mit Tieren verbieten können, soweit er in ihrem jeweiligen Verwaltungsbezirk erfolgt. Strafhandlungen gegen das Gesetz erklärt die Novelle für Verwaltungsübertretungen, welche mit Strafen bis zu 5000 KL oder Gefängnis bis zu 14 Tagen belegt werden. Der Entwurf sichert weiters die Zweckmäßigkeit seiner Bestimmungen damit, daß es in besonders schreienden Fällen möglich sein wird, gequälte Tiere zu beschlagnahmen und eventuell ihre Heilung auf Kosten des Schuldigen zu veranlassen oder— bei wiederholtem Begehen strafbarer Handlungen durch den Eigentümer des Tieres das Tier als zugunsten des Staates verfallen zu erklären. Die Gemeinden werden verpflichtet, bei der Durchführung des Gesetzes mitzuwirken. Ziehung der Klassenlotterie Unverbindlich. Prag. Bei der Samstag-Ziehung der tschecho- slowakischen Klassenlotterie gewann den größten Treffer, 100.000 KL, als ganzes Los, Nr. 94.909, ein deutscher Lehrer im Böhmerwald. Weiter wurden folgende Gewinne gezogen: 30.000 KL: 26736. 10.000 KL: 84657. 500g KL: 108755 26131 42805 82651 41022 67602 75262 48773 108807 1986 15191 25126 52817 100596 50146. 2000 KL: 19738 97022 100775 27003 51821 30126 41997 46790 7560338071.100521 109216 85251 98999 102932 60513 53876 31569 103739 41826 89576 56393 59080 88443 85019 62985 Mit einer Rübe erschlagen. Samstag nachmittags kam es beim Verladen von Zuckerrübe auf dem Bahnhofe von Kladno zu einem Streit zwischen dem Kutscher Ladislav I ü n a aus Sta- chov und dem Arbeiter Karl V a l t e r. Jüna ergriff plötzlich eine 64 Dekagramm schwere Rübe und schlug mit ihr nach Valter, der a n d e r l i n- ken Halsschlagader getrotzfen wurde und sofort starb. Streichers Jdealstadt. Das kleine Städtchen Horrweilerim Rheinland hat eine Serie von Maßnahmen erlassen, an denen Streicher' seine Freude haben wird. In dieser Stadt ist es den Juden nicht nur verboten, Häuser zu besitzen? sondern auch dort zu w o h n e n I Allen Beamten, Angestellten und Arbeitern, die von der Stadt bezahlt werden, verboten, mit Juden die geringste geschäftliche oder freundschaftliche Beziehung zu unterhalten. Den-Juden ist sozusagen alles verboten. So dürfen sie nicht ihre Autos auf Straßen und öffentlichen Plätzen parken lassen. Den Armen, die in einem jüdischen Geschäft einkaufen, wird ihre Unterstützung entzogen. Die Aufträge der Stadtgemeinde und die Steuererleichterungen sind nur den Einwohnern Vorbehalten, die keinerlei Beziehungen mit terhalten.-* Bier Tote auf der„Ausonia". der Todesopfer des Brandunglücks Dampfer„Ausonia" beträgt vier. Die Ursache der Brandkatastrophe ist noch völlig ungeklärt. Dampfer in der Nordsee verschollen. Die Osloer„Aftenposten" meldet, daß man ernste Befürchtungen um das Schicksal des Dampfers „Mayr of Arsenal" hegt, von dem seit Wochenfrist jede Nachricht fehlt. Man befürchtet, daß der Dampfer samt Besatzung und Fracht in einem Sturm, der in der Nordsee gewütet hat, zugrunde gegangen ist. Der Dampfer hat am 8. Oktober Shetland mit der Bestimmung Königsberg i. O. verlassen. Seit der Zeit fehlt, jede Nachricht, obwohl die Reise im ganzen nur viereinhalb Tage dauert. Erdbeben in USA.. Die Hauptstadt des Staates Montana, Helena, ist von einem schweren Erdbeben heimgesucht worden, das große Verwüstungen angerichtet hat. Die Bevölkerung wurde von Panik ergriffen, zumal die Stadt in plötzliches Dunkel gehüllt worden war. Bisher wurden ein Toter und mehrere Verletzte geborgen, man nimmt jedoch an, daß noch mehr Menschen unter den Trümmern eingestürzter Häuser begraben sind. Schreckensszenen spielten sich in den Kinos und Theatern ab. An verschiedenen Stellen der Stadt brach gleichzeitig Feuer aus. Das Erdbeben war von einem donnerartigem Getöse begleitet. Mutter entführt ihren Sohn. JnHohenclbe wurde der siebenjährige Sohn eines dortigen Fabriksdirektors von seiner Mutter entführt. Die Eltern sind, seit mehreren Jahren geschieden. Während der Vater des Knaben wieder heiratete, blieb der Söhn bei der Mutier in Berlin, wurde aber vor einem halben Jahr wegen schlechter Behandlung dem Vater zugesprochen, der den Knaben auch zu sich nahm. Die Mutter versuchte wiederholt, in den Besitz des Kindes zu kommen. Dieser Tage kam sie nach Hohenelbe und verlangte in der Schule die Herausgabe des Knaben, was aber abgelehnt wurde. Daraufhin kam die Mutter mit einem Advokaten und wollte mit dem Kinde und dem Advokaten zu Gericht gehen. Der Advokat ließ das Auto vor feiner Kanzlei halten, um sich die notwendigen Akten zu holen. Als er wieder aus dem Hause trat, war da? Auto mit Mutter und Kind verschwunden. Die Nachforschungen der Gendarmerie waren bisher ohne Erfolg. Bisher wurde lediglich festgestellt, daß das Auto die beiden nach Prag geführt hatte. „Zeitschrift für Sozialismus." Das Oktoberheft dieser wissenschaftlich-theoretischen Monatsschrift der reichsdeutschen Sozialdemokratie enthält folgende Arbeiten: Wilhelm Sollmann: Sozialistische Machtpolitik der Gegenwart; Gregor Bienstock: Die Umgruppierung der Komintern; Richard Stich- derungen handelt.. Gerade er, der Aermste der Armen, wird fühlen, daß so der Staat, in dem er lebt, zum Schützer des Einzigen wird, das er, der hungernde Arbeitslose, noch zu verlieren hat: zum Schützer der bürgerlichen Freiheit, der Demokratie, der Menschenrechte, die verloren gehen müßten, wenn es einem bösen Nachbarn so gefiele und wir wehrlos dastünden. Dennoch aber wird der Arbeitslose fragen: Ist die unsägliche Not, in der ich lebe, und mit mir Zehntausende meiner Brüder und Schwestern, nicht auch ein Uebel, dem mit allen Mitteln begegnet werden müßte? Gehört zur Freiheit nicht vor allem das Recht zum Leben? Gehört es nicht zu den primitivsten Menschenrechten, menschenwürdig wohnen, sich kleiden, sich ernähren zu können? Da schildert in diesen Tagen unser Freund j. in diesen Spalten das schreckliche Elend unserer Menschen; erzählt von Gemeinden, in denen ein Drtttel und mehr der Einwohner arbeitslos sind, von Menschen, die in Armenhauszimmern zusammengepfercht wohnen, in Arrestlokalen ihr letztes Obdach gefunden hgbey oder gar in Totenkammern ihr Haupt betten müssen. Diese Menschenunwürdigkeit ist so gut Gefahr wie die Kulturwidrigkeit, die uns von außen bedroht. Es ist Zett, daß* man sich darüber ernstlichere Gedanken macht als bisher. Gedanken eben der Menschlichkeit, aber auch staatspolittsche Gedanken. Wir wollen hier nicht entscheiden, was dringlicher ist: neue Tanks oder Brot, Dach, Kohle und Kleidung für alle. Aber daß dieses mindestens so wichtig ist wie jenes, sollte für niemanden zweifelhaft sein. Und deshalb muß darnach gehandelt werden. Wird eS unterlassen, dann ist die soziale Katasttophe, die ja fast schon da ist, unvermeidlich. Major Ambras— schwere Gasvergiftung. Der bekannte Militärflieger und einer der besten tschechoslowakischen Flugakrobaten, Major Jan A m b r u s, wurde am SamStag in den ersten Nachmittagsstunden in bewußtlosem Zustande, in das Divssicmskrankenhaus in Prag II eingeliefert. Er war im Badezimmer seiner Wohnung nachmittag von seiner Gattin bewußtlos aufgefunden worden. Das Badezimmer hatte sich mit Gas gefüllt, das dem Gasofen entwich. Die Aerzte der internen Abteilung de^ Divisionskrankenhauses in Prag mit Oberst Dr. Stach an der Spitze wenden alle Bemühungen zur Rettung des Major Ambrus auf. Um 21 Uhr hatte der Kranke bereits das Bewußtsein wiedererlangt und auch schokk einige Worte mit den behandelnden Aerzten gesprochen. Die Aerzte hoffen, daß es ihnen gelingen wird, Major Ambrus zu retten. Reue Briefmarke mit dem Bildnis des Präsidenten der Republik. In neuer Ausführung wird nunmehr die Briefmarke im Werte von 1 KL herausgegeben werden. Das Markenbild, ein Bildnis des Präsidenten der Republik, ist als Stahlstich durchgeführt. Die Umrahmung des eigentlichen Bildes der neuen Marke unterscheidet sich von dem der bisherigen Kronenmarken dadurch, daß die Wertziffer und die Währungsbezeichnung, abgekürzt„1 KL", in den beiden unteren Schildern verzeichnet ist, wobei der Raum zwischen diesen beiden Schildern, in dem bisher die Währungsbezeichnung ausgeschrieben stand, nunmehr von einer Zierleiste mit Lorbeerblättern ausgefüllt wird.- Die Briefmarke ist in roter Färbe gedruckt. Zeichnung und Stich der Marke ist das Werk des Graveurs Bohumil Heinz'. Disneue Marke wird am 21. Oktober d. I. allen Postämtern erster Klasse zum Verschleiß übergeben ....~. an~~ n-— werden. Die übrigen Postämter werden sie Notstandsgebiet unseres Staates begreifen wird,\ fortschreitend im Wege der normalen Marken- daß es sich hier um leider unentrinnbare For- äbnahme erhalten. l1 UuMM4 B kV ling: Nürnberger Parteitag; Paul Sering: Analyse des Fascismus; Salomon Schwarz: Zur Demokratie oder zur plebiszitären Diktatur?; Fritz Alsen: Stalin mit und ohne Maske; Alexander Stein: Engels und die Gegenwart; Bücherschau.— Zu beziehen durch jede Buchhandlung oder durch die Verlagsanstalt G r a p h i a, Karlsbad. Veränderliches Wetter. Ueber'einem großen Teil des Festlandes herrscht nunmehr sehr unbeständiges und vielfach stürmisches Wetter. Eine sehr tiefe Druckdepression, welche am Samstag von Schottland vorgedrungen ist, veranlaßte auch bei uns in den böhmischen Ländern, namentlich auf den Bergen, ein Auffrischen des Südweftwindes und vorübergehend neue mäßige Erwärmung. Hinter dieser Störung strömt dem Festland aus den nördlichen Teilen des Ozeans kühle Lust unter Schauern zu. In unseren Gegenden muß infolgedessen in der allernächsten Zeit mit veränderlichem, unruhigem und kühlerem Wetter gerechnet werden.— Wahrscheinliches Wetter von heute: Veränderlich, strichweise Schauer, vom- Westen her wieder Abkühlung, windig.— Wetteraussichten für Montag:"Bei nordwestlichem Winde noch immer unbeständig und relatw kühl. Eröffnung der XXV. Internationalen Automobil-Ausstellung Am Sonntag vormittags wurde in Prag die im Industrie-Palast auf dem Ausstellungsgelände installierte 25. Internationale Automobil-Ausstellung in Anwesenheit der Vertteter der Behörden und hervorragender Persönlichkeiten des öffentlichen Lebens feierlich eröffnet. Die Begrüßungsrede hielt der Vorsitzende des Ausstcllungsausschuffes, Ing. E. Mölzer, der namens des Autoklubs und der Automobilsektion der Metallindustrie den in Vertretung des Präsidenten der Republik und der Regierung erschienenen Minister Msgr. Dr. S r ä m e k, den Primator Dr. Baxa und die anderen Festgäste begrüßte. In seinen weiteren Ausführungen kam Ing. Mölzer auf die voraussichtlich günstige Einwirkung einiger bereits vorbereiteter Gesetzentwürfe über die öffentlichen Sttaßen und den Straßenfönds auf die Entwicklung des Automobilismus zu sprechen und verwies schließlich auf die Notwendigkeit, in intensiver Arbeit auf die Belebung des MotoriSmuS hinzuarbeiten, insbesondere auch durch die Verbilligung des Motorbetriebes. Minister Dr. S r ä m e k hob die steigende Lei- stungsfähigkeit der tschechoflowakischen Automobilkonstrukteure und deren Mitarbeiter hervor, würdigte die Mitarbeit des AutoklÄs in allen de« Motorismus betteffenden Fragen und erklärte sodann die Ausstellung für eröffnet. Auf der Messe sind von inländischen Firmen Skoda, Tatra, Praga, Aero, Walter, Jawa, Wikow und die Brünner Waffenwerke vertreten, von Ausländern Citroen', Chrysler, Färb, Graham-Paige, Mercedes-Benz, Peugeot und Renaull. Die Firma Skoda führte am Freitag Preffeber- tretern ihre Wagen„Populär",„Rapid" und„Superb" vor. Alle drei Typen von der einfachsten bis zur Luxusausführung weisen eine einheitliche Konzeption und gemeinsame Konstruktionsmerkmale auf. Alle Wagen sind mit wassergekühlten Viertaktmotoren modernster Konstruktion versehen, die sehr sparsam arbeiten. Der einfache Typ„Populär" blieb praktisch ohne größere Aenderungen. Neu ist Heuer der„Populär SS"(Spezial Sport), ein schneller Sportwagen. Der„Rapid"-Wagen mit einem Zylin- derinhalt von 1.4 Litern ist für jene bestimmt, die von einem kleinen oder mittleren Wagen mehr fordern als man normal von diesen Kategorien zu verlangen pflegt.„Superb" ist bereits ein ausgesprochener Luxuswagen mit einer Maximalleistung von 55 PS und einer Maximalgeschwindigleit von 110 Kilometer. Vom Rundfunk ■MirfthlMswerlu aus den Programmen! Montag Prag. Sender L.: 10.05: Deutsche Presse. 11.35: Orchesterkonzert. 13.30: Salonorchesterkonzert. 17.05: Kinderstunde. 17.40: Violoncellokonzert. 18.10: Deutsche Sendung: Prof. Breinl: Dampfauws mit festen Brennstoffen. 18.25: Lafla: Zehn japanische Kurzgedichte. 18.45: Deutsche Presse. 19.15: Englisch für Anfänger. 22.15: Schallplatten: Smetana.— Sender S.: 7.30: Salonorchesterkou- zert. 14.00: Chansons auf Schallplatten. 14.20: Deutsche Sendung:- Weber: Der Freischütz, Schallplatten. 14.50: Deutsche Presse. 19.10: Harfenkonzert.— Brünn: 17.20: Neue Bücher der deutschen Literatur. 17.40: Deutsche Sendung: Englische Staatsmänner des 19. Jahrhunderts— Die englische Romantik. 19.30: Radioschrammeln.— Mähr. Ostrau: 11.00: Schallplatte«. 17.15: Balalaikaorchester. 18.10: Deutsche Sendung: Arbeiterfunk: Kolbe: Die 40stündige Arbeitswoche,— Smetana singt Lautenlieder.— Prrßburg: 17.15; Violinkonzert. Dienstag Prag, Sender L.: 10.05: Deutsche Presse- 11.00: Schallplatten. 11.05: Deutscher Schulfunk. 12.10: Opernarien. 15.00: Orchefterkonzert. 17.00; Jugendfunk. 18.10: Deutsche Sendung: Die suchende Stimme. Hörspiel von Berndt. 18.45: Deutsche Preffe. 22.20: Tanzmusik.— Sender S.: 14.00: Schallplatten. 14.15: Deutsche Sendung: Dr. Vogel: Jnternattonale Musik— eine Verfallserscheinung. 14.85: Axien aus Mozart-Opern. 18.00: Tambou- ristenkonzert.— Brünn: 17.40: Arbeiterfunk: Sozialinformationen. Stiaßny: Die internationale Arbeitskonferenz in Genf zur Arbeitslosigkeit der Jugend. 19.40: Balalaikakonzert russischer Hochschüler.— Mähr. Ostrau: 16.10: Leichte Musik. 18.10: Deutsche Sendung: Landwirtschaft,— Opernarien.— Preßburg: 17.50: Zipfer Lieder. 19.10; Militärkonzert. Nr. 24» Sonntag, 20. Oktober 1935 Seite 5 Gattenmordprozeß Würdig vrirfe, di« nur in geheimer Verhandlung verles« werden können.— Verhandlung am Tatort.— Sachverständiger für Lanoistik hat das Wort. Prag. Das Bewcissystem, das die Anklage gegen Karl Würdig aufgebaut hat, beweist, mit welcher besonderen Sorgfalt die Staatsanwaltschaft in diesem Jndizienprozeß das Material gesammelt hat, um eine lückenlose Beweiskette für die Schuld des Angeklagten herzustellen. Karl Würdig bewahrte die Haltung, die er von Anfang an angenommen bat. Er ist zweifellos ein Mensch von eisernem Willen und starken Nerven. Nach zehnstündiger Verhandlung, bei der über 20 Zeugen einvernommen wurden, zeigte er keine Spuren der Erschöpfung. Er säst aufrecht auf der Anklagebank und hörte, ohne mit der Wimper zu zucken, die fast durchwegs belastenden Aussagen an. Gegen jede Aussage hat er seine Ein- wände und er macht sich nichts daraus, wenn ihm Widersprüche oder Unmöglichkeiten in seiner Verantwortung nachgewiesen werden. Er bequemt sich nicht zu dem geringsten Geständnis. Wenn seine Verteidigung in einzelnen Punkten durch eindeutige Feststellungen unhaltbar geworden ist. zuckt er die Achseln und schweigt, um beim nächsten Punkt des Beweisverfahrens den Kampf mit ungeminderter Zähigkeit wieder aufzunehmen. Wir haben selten einen Prozest gesehen, in dem der Kampf um den Schuldbeweis mit solcher Hartnäckrgkeit geführt wurde, wie in diesem Fall. Auf di« Einzelheiten des Zeugenverhörs brauchen wir nicht einzugehen, denn die zahlreichen Zeugenaussagen ergeben in ihrer Gesamtheit ganz das Bild, das wir bereits dargestellt haben. Das Beweisverfahren konzentriert sich auf zwei Hauptpunkte: auf die Aussagen der direkten Tatzeuge», die bei der Tragödie vom 1. September zugegen waren, und auf die schwer belastenden Machinationen mit dem Geld der toten Frau. Würdig hat bekanntlich zuerst erklärt, daß die 97.000 Kc, die seine Frau a u f s e i n Drängen flüssig gemacht hat, in einem Lederkoffer verwahrt wurden und daß sie dieses Vermögen auf jenem Sonntagsausflug mitgeführt hätten. Der Koffer mit dem Geld sei beim Umschlagen des Bootes in der Moldau versunken. Nach der Verhaftung WürdigS stellte sich heraus, dast diese Behauptung erlogen war und er den angeblich versunkenen Koffer mitsamt dem Geld einem Bekannten zur Aufbewahrung übergeben hatte. Dieser, ein gewisser R y b ä f, lieferte nach Bekanntwerden der Verhaftung WürdigS den Koffer der Polizei aus. Als Würdig seine Lüge dorgehalten wurde, war er keinen Augenblick verlegen. Das Geld habe ihm seine Frau schon auf der Hochzeitsreise übergeben und er habe es„für die Kinder" retten wollen. Auf die weitere Frag«, wen er unter.den Kindern" verstehe, antwortete er seelenruhig, er habe den erwachsenen Sohn seiner toten Frau geweint. Im Kreuzverhör wußte er zugebrn, daß er diesen nicht kenne und nie-zu Gesicht bekommen habe. Als ihm der Vorsitzende die Unwahrscheinlichkeit dieser Verantwortung vorhielt, ruckte Würdig di« Achseln und schwieg. Dieses Beispiel ist charakteristisch für die konsequent angewandte Berteidigungstaltik des Angeklagten. ♦ Auch während des zweiten VerhandlungStageS blieb Würdig dieser Methode treu. Zunächst wurden drei weitere Zeugen einvernommen, unter ihnen das Ehepaar Horn auS Zizkov. Der Angeklagte, in dessen früherem Kriseurgeschäft Joses Horn angestellt war, unterhielt mit dessen Frau ldie um 20 Jahre jünger ist) ein intime- Verhältnis, das soweit gedieh, dast Frau Marie Horn ihren Gatten vm WürdigS Willen verlassen wollte. Diese Zeugin bemühte sich offensichtlich, den Angeklagten nicht zu belasten.. Staatsanwalt Dr. Svoboda beantragte sum Beweis der Unglaubwürdigkeit dieser Zeugin, die Verlosung gewisser äusterst intimer Liebesbriefe an Würdig, die mit einigen Aussagen der Zeugin in Widerspruch stehen. Der Schwurgerichtshof verfügte für diesen Teil der Verhandlung den Ausschluß derOeffentlich- keit. ' In fortgesetzter öffentlicher Verhandlung kam der Mann dieser Zeugin, gegen die übrigens Vorerhebungen wegen falscher Zeugenaussage eingeleitrt werden, zur Vernehmung. Der Zeuge Horn bestätigte, dast Würdig mehrfach die Aeustexung fallen liest, er werde sich eine„reichealteSchachtel heirate nundsiedann ersäufen". Nach Beendigung dieser Zeugenverböre unterbrach der Vorsitzende die Verhandlung zur Durchführung deS Lokalangenscheäne» am Tatort. Der Schwurgerichtshof, die Geschworenen, der Staatsanwalt und der Verteidiger nebst den drei Tatzeugen begaben sich im Auwcar-um Schauplatz de- DkamaS. Das linke Moldauufer bei Kl ein, ühuchle, wo diese Verhandlung unte» freiem Himmel vor sich ging(seit dem Umsturz gab es nur drei solcher Verhandlungen), war don Gendarmerie abgesperrt, die die zahlreichen Neugierigen, die die Stelle umlagerten, fernhielt, te dast außer den Gerichtspersonen nur die GerichtS- laalberichterstatter und Pressephotographen Zugang fanden. Karl Würdig entstieg mit gefesselten Händen und entsprechender Eskorte dem Gefängnisauto, das ihn zur Stelle gebracht hatte. Er trug die gleiche eiserne Ruhe zur Schau, wie im ganzen bisherigen Verfahren. Kein Muskel zuckte in seinem Gesicht, ols der FinanAvachrespizient Chalupa an Or» und Stelle demonstrierte, wie er mit seinem Kahn dem gekenterten Kanoe zu Hilfe eilte und von dem Angeklagten in grober Weise abgewiesen wurde. Respizient Chalupa wiederholte seine bereits bekannte Aussage unter Darlegung der Details in einer Art, die gerade durch ihre ungekünstelte Schlichtheit absolut überzeugend wirkt«. Den gleichen Eindruck machte die Aussage der Zeugin Kon» ö e l l k. Würdig blieb bei seiner Darstellung. Ei sei auf der hinwren Ruderbank gesessen und hab» nach links gepaddelt. Seine Frau, die auf dem Boden deS Kanors ihm zugekehrt saß(also mit dem Rücken zur Fahrrichtung) habe ihm beim Padvern helfen wollen und sei aufgestanden, indem sie sich witbeiden Händen auf dierechte Bordwand jtützre. Dadurch sei das Kanoe umge» Beide passen so hübsch zusammen— Das neue gjjx Denn die man viel den Schal dann aus aber wie lange? Handschuhe muß öfter waschen als — lind was wird dem farbigen Muster? Keine Angst: es bleibt, wie es ist, leuchtend und schön, beim richtigen Waschen: kalt in LUX. h KALT SCHÄUMT AUCH IN KALTEM WASSER schlagen, obwohl er sich bemüht habe, durch Ausbeugen nach der Gegenseite das Gleichgewicht herzustellen. Als er auftauchte, habe er gesehen, wie seine Frau vergeblich die Spitze des umgekippten Kanons zu fassen suchte. Er sei unter dem Boot durchgetaucht, um ihr zu helfe», sei aber zu spät ge» kommen. Heber diese Behauptungen, die in schroffem Widerspruch zu den Zeugenaussage^ stehen, wird das entscheidende Wort erst gesprochen werden, und zwar von einem Gerichtssachverständigen,»ne er bisher noch vor keinem Schwurgericht zu Wort kam, nämlich von einem Sachverständigen für Kanoistik, als welchen der Gerichtshof den 30jährigen Waflersportfachmann und Rechtsanwa»« Dr. Lankas bestellt hatte, der dem Lokalaugenschein gleichfalls beigezogen wurde, nachdem er unter Sachverständigeneid genommen worden war. Der Sachverständige Dr. Lankas wird sein zu» sammenfaffendes Gutachten, dem große Bedeutung zukommt, dem Schwurgericht am Montag vorlegen. Vorläufig äußerte er sich recht'skeptisch zu verschte» denen Behauptungen des Angeklagten. Der Loka», augcnschein endete mit einer Vorführung des Unglücksbootes, die dem'Sachverständigen Anhaltspunkte zur Beurteilung von dessen Stabilität geben sollten. Ein sachverständiger Zeuge hat Würdig vor den Geschworenen ins Gesicht gesagt, daß«in Umschlagen des Bootes unmöglich gewcseu wäre, wenn sich Agnes Würdig bei dem behaupteten Aufstehen gleichmäßig auf beide Borv» wände gestützt hätte. Und da sie seit ihrer Verheiratung(also seit fünf Wochen> täglich mit ihrem Gatten Kanoepartien macht«, habe sie das sicher ge» wustt und wenn nicht, so habe er als erfabrmer Wassersportler durch rechtzeitige Warnung das Unglück verhindern können. Montag wird der Mordprozest Würdig fortgesetzt und zu Ende geführt werden. Das Urteil dürfte erst spät am Abend erfolgen. rb. Inden unter Hitler Die Mehrzahl der Zurückgebliebenen dachte: eS wird schon nicht so schlimm werden. Besonders jene mit Geld hatten solche Gedanken. Wer noch Geld verdiente oderErsparteS langsam aufaß, fand noch Trost in dem, was ihm im engbegrenz- ten Kreis geblieben. AuS dem Brief eines Freundes, Arzt: »Immerhin führten wir ein Eigenleben mit Büchern, Schallplatte», gute» Bekannten, Musik und KinoS. Nicht zuletzt auch mit der Bequemlichkeit deS modernen Komforts. Dies also gibt eS jetzt bestimmt nicht mehr, und wir müssen nun sehen, wie wir unS langsam und allmählich aus diesem Boden herausziehen. Der einzige Wunsch ist, daß unS dazu Zeit bleiben möge, damit man nicht überstürzt liquidieren muß, Vorbereitungen Neffen kann etc. Ja, und was ' dann?" Sie können es noch immer nicht fassen. Die Juden und Hitler.„Wir waren wohl alle unverbesserliche Optimisten, im Geheimen sind wir das vielleicht jetzt noch, wenn uns auch bereits fast alles genommen ist", heißt es in einem anderen Briefe, geschrieben von einem jungen Na- tionalökcnomen, ehemaligen Berliner Dozenten, der auS familiären und wirtschaftlichen Gründen nach seiner Entlassung von der Hochschule nicht auch sofort Deutschland den Rücken kehren konnte. ,WaS sollen wir assimilierten Juden beginnen? Vielleicht liebten wir Deutschland so, weil wir eS als Heimat nie besaßen. Wir sind weder Deutsche, noch Juden, daS ist unsere Tragödie." Ich sehe ihn vor mir, der dies schreibt, den Freund von Kindheitstagen an. Schmaler, dun- kelblonder, jünglingshaft erscheinender Mann. Sein Vater war Jude, die Kinder wurden getauft. DeS.besseren Fortkommens" wegen. Es hat ihnen nichts genützt. Der Sohn studierte Jura, hatte wenig übrig für die nüchterne Wissenschaft, sattelte um, wurde Journalist. Und er flog, wie alle anderen.Nichtarier" unbarmherzig aus seinem Verlag hinaus, als Hitler kam. Nun fühlt er sich zu niemandem gehörig. Vielleicht ist das eine der allerschlimmsten Situationen. Die Juden, die an Palästina glauben, die Juden, die Sozialisten sind, sie alle haben eine Hoffnung, arbeiten für eine Zukunft. Doch die anderen? Auch jene, die den Sprung ins Ungewiss« wag- ten, nicht ahnend, was sie für ein Schicksal draußen erwartete, die einfach fort mußten, teils aus politischen Gründen, teils weil man sie vertrieb, sie sind das Dasein der Emigrattcin mit all seinen Entbehrungen, seinen Bitterkeiten und Kümmernissen nun schon durch zweieinhalb Jahre gewöhnt. Ihre Bekannten, ihre Angehörigen, die sie zurückließen, wissen, was für einen schweren Kampf sie führen müssen, um nur gerade existieren zu können. Furcht beschleicht die unter Hitler zurückgebliebenen Juden, wenn sie daran denken, daß ihnen jetzt unbarmherzig das gleiche Los bevorsteht. .Bon allen Freunden, die schon draußen find, hört man nichts Positives, nichts Befriedigendes oder— überhaupt nichts. Deswegen ist auch die Meinung derer nicht unberechtigt, die hier durchhalten wollen bis zum letzten, um dann zu- j gründ« zu gehen. Denn draußen erwartet einen schließlich nichts anderes", heißt es in einem Verzweiflungsschrei. Also Selbstmordstimmung. Flucht in die Resignatton. ES sind sicher nicht immer die Schlechtesten, die sich von der brutalen Wirklichkeit abwenden, im Tod den Ausweg suchend. Es sind oft die Feinen, Stillen, ,Sensiblen, Menschen von tiefem Wissen und großer Geistigkeit. Trotzdem wecken diese Stimmungen, in denen die draußen sind, kaum Mitgefühl. Eher Zorn. Warum kämpft ihr nicht, warum klagt ihr nicht an? Warum feilscht ihr um eures Lebens wenige Annehmlichkeiten? Man merkt es klar: den in Deutschland verbliebenen Juden hat der Nationalsozialismus das Rückgrat gebrochen. Der Blick in die Welt ist ihnen verwehrt, abgeschlossen leben sie, treiben Ghetto-Kultur, klagen und— suchen die Schuld, daß alles so gekommen ist, bei sich. Wörtliches Zitat aus einm Brief der jüngsten Zeit: .Wie kommt eS und warum must eigentlich daS Leben ein so schwerer Kampf sein? Wo liegt letzten Endes die Ursache?" Die Frage ist so einfach zu beantworten. Der geschulte Marxist weiß, wie der FasciSmuS entstand, weiß, daß Antisemitismus ein beliebtes historisches Ablenkungsmittel für die Massen von ihren wirtschaftlichen Nöten ist. Der sich einer neuen Art von, man kann nur sagen.jüdischem 'Blubo" hingebende semitische Intellektuelle weiß es nicht. Nimmt die Dinge schicksalhaft, fühlt sich in gehobener Stimmung als Märtyrer, wenn er sagt(auS dem gleichen Brief): .Wir Juden werden wohl als ewig ungelöstes Problem durch die Jahrtausende wandern müssen." Man möchte denen dort hinter den Grenzen zurufen: WaS gehen sie euch an, die vor Jahrtausenden wanderten? Kämpft für euer Leben und für eine bessere Zukunft l Pfeift auf den sentimentalen Krempel! Fast hätte man Lust, grob ju sein. Doch wie kann man sie aufrütteln, wenn auch nur der kleinste Ansatz zu einer sachlichen Diskussion, per Brief geführt, ihre Freiheit und ihr Leben bedroht. So beschränken sich die Antworten auf matte Trostphrasen und ausweichende Sätze. Unter der Jugend mag es vielleicht anders sein. Ihr Blick ist nach draußen gerichtet. Jeder hofft, früher oder später den Nazistaub von seinen Füßen abschütteln zu können. Aber vielfach steht diese Jugend noch unter dem Einfluß der alten Generation, erlebte mit den geistigen und materiellen Zusammenbruch, und so enthält auch der Brief einer Achtzehnjährigen, den ich zu lesen bekam, nichts als Klagen. »Ja, wenn ich allein wäre. Ich ginge aufs Geratewohl noch heute in die Welt. Aber da sitzen die Eltern, deren einziges Kind ich bin und weinen, ich solle sie nicht verlassen. Einmal träumt« ich Von einem künstlerischen Beruf. Ich wollte Malerin werden. DaS ist natürlich jetzt unmöglich. Papas Geschäft geht täglich schlechter. Er würde eS am liebsten zumachen, aber die Nazierlauben ihm daS nicht, weil er doch dann das .arische" Personal entlassen müßte. Nirgends WeißeZfihne machen jedes Antlitz ansprechend und schön. Zur Erlangung schöner eetßer Zähne putze man früh und abends die Zähne mit der herrlich erfrischend schmeckenden Chlorodont-Zahn- paste. Schon nach kurzem Gebrauch erhalten die Zähne einen wundervollen Elfenbeinglanz, lube Ki 4*—. komme ich mehr hin. Wir Verkehren nur mit ein paar Familien, die noch hier sind. Alles Juden I Natürlich. Immer nur Juden. Manchmal kann ich gar keine Juden mehr sehen". Es klingt grotesk, aber da steht es, schwarz auf weiß. Das junge Mädchen lernt jetzt schneidern, verschließt die schöne Seele vor der Außenwelt. Doch vermißt man auch bei diesem jungen Menschen das, was man den deutschen Juden unter Hitler so sehr wünscht und vergebens, leider, völlig vergebens bei ihnen sucht: der Kampfgeist! Sie wenden sich geistig ab von der Wirklichkeit, flüchten in die biblische Welt der Ahnen, ohne sich jedoch von ihnen, die tapfere Streiter waren, zur Tat anregen zu lassen. Stumpfe Müdigkeit, lustloses Dahinvegctieren, Ausweichen von der letzten Konsequenz, das zeichnet die Haltung der von den Nürnberger Gesetzen betroffenen deutschen Juden aus. Es ist, klar herausgesagt, keini gute Haltung! Katja. Volkswirtschaft und Sozialpolitik Die Landflucht in der Tschechoslowakei (Studien über die Wanderbewegungen der ländlichen Bevölkerung: H. Studien und Berichte(de- JAA.), Reihe K(Landwirtschaft), Nr. 13. 180 S. Genf 1985. Preis 32 Kä.) Das Internationale Arbeitsamt veröffentlicht mit dieser Studie seine zweite Untersuchung über die ländlichen Wanderbewegungen, die es gemeinsam mit dem Jnternattonalen Landwirtschaftsinstitut in Rom unternommen hat. Als Landflucht wirb in dieser Studie die Abwanderung vom Lande bezeichnet, die erfolgt, obwohl das Abwanderungsgebiet öder die Landwirtschaft auf dec jetzigen Wirtschastsstufe und im Rahmen der Volkswirtschaft einer größeren Bevölkerungszahl als der verbleibenden hinreichende ErwerbSmög« lichkeiten bieten könnte. Die Studie behandelt sehr eingehend di« wirtschaftsgeographischen Grundlagen der Tsch:- choflowakischen Republik, die Grundbesitzverhältnisse und ihre Veränderung durch die Bodenreform, die Wanderungen der ländlichen Bevöl-, kerüng und dje Ursachen der Wanderbewegungen, und Maßnahmen zu ihrer Einschränkung. In einem letzten Abschnitt werden bestimmte Schlußfolgerungen aus dieser Untersuchung gezogen. Dabei wird unterstrichen, daß die Auffassung, der Landarbeiter werde insbesondere durch außerwirtschaftliche Gründe zur Abwanderung bewogen, nicht richtig ist. Gewiß ist die Landwirtschaft oft schwer und unangenehm uno die Anziehungskraft der Städte groß, d a s L a n d wird aber trotzdem nicht über Ar- beitermangel zu klagen haben, wenn es annähernd entsprechende Arbeitsvergütungen gewähreu könnte wie die Stadt. Diese allgemeine Folgerung, die bereits in der ersten Studie deck Internationalen Arbeitsamtes über die Landflucht im Deutschen Reiche gezogen wurde, ist bestätigr worden durch die Untersuchungen der Wanderbewegungen in der Tschechoslowakischen Republik. Sie zeigt hier vielleicht noch klarer als in anderen Ländern, eine wie geringe selbständige Bedeutung den Abwanderungsgründen nichtwirtschaftlicher Art zukommt. Die Ursachen der Abwanderung vom Lande zur Stadt und von der landwirtschaftlichen zur nichtlandwirtschastlichon Arbeit sind in einenr Unterschied der gesamten Wirtschafts- und Lebensverhältnisse in der Stadt und auf dem Lande bzw» in ländlichen und städttschen Berufen zu suchen, tvobei dem Unterschied in den Verdienstmöglichkeiten die unbedingt größte Bedeutung beigemessen werden muß. Di« Lösung muß in einer Umgestaltung der Wirtschaftsstruktur gesucht werden, di« durchaus im Rahmen der Neuordnung der Wirtschaftspolitik der Tschechoflowakischen Republik liegen dürfte. Ein größerer Ausgleich zwischen Landwirtschaft und Industrie wird damit zur zwingenden Notwendigkeit. Bor allem bietet di: Landwirtschaft der Slowakei zweifellos noch vielseitige Entwicklungsmöglichkeiten. Auch für die Jnnenkolonisation bestehen in den östlichen Landesteilen noch manche Möglichkeiten. Man braucht nur daran zu denken, daß sich unter dem ausgedehnten Waldboden sicherlich große Flächen befinden, die in Aecker, Wiesen und Weiden umgewandelt werden können. Wtr rümpfen für alle Kinder um Nahrung. Kleidung, Wohnung und Freude. Führe deiner Organisation neue Mitglieder, neue Mitkämpfer zu! Arbeiterverein„Kinderfreunde". Sette 6 »Sozialdemokrat*« Sonutag, 20. Oktober 1935. Nr. 245 Revue-er Wissenschaften Von Hugh Jones, London. Alljährlich, wenn die ersten Blätter fallen, noch bevor kalendarisch der Herbst da ist, aber im Gefühl der Menschen der Sommer bereits vorüber ist, bevor die Schulen begonnen haben, aber die Urlauber schon wieder zu Hause sind, wenn das Parlament noch nicht zusammengetreten ist, aber die Oestent- lichkeit nach der Sommerpause aufnahmsfähig und aufnahmswillig ist für große gemeinsame Angelegenheiten, tagt die Britische Gesellschaft zur Förderung der W i s s e n- schäften, kurz British Astociation genannt. Ihre Funktion ist es, seit 104 Jahren, Volk und Wiffenschast zusammenzuführen. Die Gelehrten herauszuführen aus ihren Studierstuben und Laboratorien, aus ihrer Spezialisierung und Isolierung, und sie mit dem Blick auf das ganze Land und seine Probleme Rechenschaft geben zu lassen über die wissenschaftliche Arbeit auf ihrem Gebiete. Männer der Wissenschaft neigen in der Regel durchaus nicht mehr, eher noch weniger als die gewöhnlichen Männer des praktischen Lebens dazu, sich mit den großen allgemeinen Fragen des menschlichen Zusammenlebens zu befassen; die Hauptprobleme, die sie beschäftigen, sind, wie einer der ihren sarkastisch bemerkte, die„Erforschung der Verwandtschaft zwischen Echinodermen und Brachiopoden" und der— in seiner Art auch nicht unwissenschaftliche— Versuch,„von ihrem Gehalt standesgemäß zu leben." Die British Association nun bringt den Mikrobiologen mit dem Astronomen, den Tiefseespezialisten mit dem Kolloidchemiker, den Physiker mit dem Psychologen zusammen; der systematische Entomologe erfährt aus dem Vortrag des Pflanzenpathologen (was er natürlich längst wußte, ohne daß es ihm im Eifer seiner Klaffifizierungsarbeit je zum Bewußtsein käme), daß manche seiner Schützlinge, indem sie sich als Schädlinge betätigen, in das profane Gebiet der Landwirtschaft übergreifen, und sein und des Pflanzenpathologc.r Blick weitet sich noch mehr, wenn sie den Nationalökonomen berechnen hören, daß der Schaden, den pflanzliche und tierische Parasiten der Landwirtschaft alljährlich zufügen, bei weitem nicht an den Schaden heranreicht, den ein Jahr Agrarkrise verursacht hat. Auf der anderen Seite kommt es uns Laien im Trott des Alltags viel zu wenig zum Bewußtsein, wie sehr wir auf fast allen Gebieten von den Forschungsergebnissen der unverstandenen reinen Wissenschaft abhängen. Die Vorträge und Diskussionen auf den Tagungen der British Association schlagen die Brücke von der reinen, über die angewandte Wissenschaft zum Alltagsleben. Sie finden darum seit jeher überaus großes Echo im ganzen Lande, setzen sich in Klubs und kleinen Freundeskreisen, ja selbst zu Hause am Familientisch fort und, wenn anch zur Zeit die Weltgeschichte für derbere Ab-! lenkung sorgt als sonst in stilleren Septembern, so hat doch auch Heuer das in England zur guten Tradition gewordene„Herbstmanöver der Wissenschaft" sein weites, interessiertes Publikum. Kein Zufall freilich, daß es stärker noch als sonst den klaffenden Gegensatz spürt und diskutiert zwischen der immer zunehmenden Vervollkommnung der Wiffenschast und der krassen Unvollkommenheit der menschlichen Beziehungen auf sozialem und internationalem Gebiet.., Norwich 1935 und 1868. Die British Association trifft sich in der Regel in kleinen Mittelstädten. Norwich ist dieses Jahr an. der Reihe. Ein stilles Landstädtchen in dem flachen, landwirtschaftlichen East Anglia, stolz auf seine frühmittelalterliche Kathedrale und andere historische Reminiszenzen. Einmal war es ein Zentrum der aufblühenden Tuchindustrie— heute konzentriert sich sein Interesse auf Rinderzucht und Zuckerrübenpreis e. Mit einem Mal haben mehr als 2000 Gelehrte die stillen Straßen überflutet. Die Restaurants und Teehäuser sind überfüllt und an den Tischen hört man statt von Viehpreisen Und Rübensorten von Isotopen und Isobaren reden. Die Träger großer Namen wohnen in bescheidenen kleinen Häusern; Lord Rutherford, der weltberühmte Physiker, ist hier und Julian Huxley, der große Biologe. Wer die fixe Vorstellung vom langbärtigen und kurzsichtigen Professor mitbringt, der unvermeidlich überall seinen Regenschirm vergißt, ist. angenehm enttäuscht, so viele sonngebräunte junge Männer zu sehen, viele von ihnen in kurzen Hosen, den Rucksack geschultert, geradewegs von ihrer Ferienwanderung kommend. Daneben prachtvolle weißhaarige Charakterköpse, vom Denken zerfurchte Stirnen, auch ganz alte, ttefgebeugte Männer, von denen man glauben möchte, daß sie schon dabei waren, als die British Associatton zum letztenmal in Norwich tagte. Das war 1868. Der Darwinismus stand in seiner ersten kampfumtobten Jugend und es ist charakteristisch für den Geist, der die Brittsh Association stets beherrscht hat, daß der Präsident jener Tagung, ein bedeutender Botaniker, in seiner Eröffnungsansprache die neue Lehre gegen wissenschaftliche und unwissenschaftliche Angriffe klar und bestimmt verteidigte— wozu damals auch in England noch ein Stück Zivilcourage gehört hat. Ein in weitesten Kreisen unbekannter junger Privatgelehrter aus Schweden, namens A. Nobel, hielt damals einen Vortrag über ein von ihm im vergangenen Jahr hergestelltes Nitroglyzerinpräparat, das er Dynamit nannte und wegen seiner mit hoher Brisanz gepaarten Gebrauchssicherheit als überaus wertvolles Hilfsmittel im Berg- und Straßenbau, und somit für den Forffchritt der Menschheit, erachtete... Bon Heringen, Diktatoren, Schlagersängern und Lärmquellen im allgemeinen. 1935 entfaltet die British Association in ihren 13 Sektionen eine stolze Schau der Wissenschaft des 20. Jahrhunderts, Kaum ein Wissensgebiet bleibt unberührt und daher auch kaum ein Lebensgebiet. Die Zoologen beschäfttgen sich mit der neuerdings erforschten Lebensweise des Herings— zum Nutzen der Fischerei; Geologen und Chemiker in gemeinsamer Arbeit mit der Struttur der Kohle. Physiker und Techniker behandeln eingehend die Frage der Herabminderung des Lärms in Straßen, Häusern und Fabriken; sie haben die wichtigsten Lärmquellen erforscht und gemessen— in „Decibels"— und machen nun praktische Vorschläge. Astronomen berichten von neu entdeckten Sternen und Physiologen von neuen Gegengiften gegen die Dtalaria. Diktatoren und Schlagersänger werden— von Psychologen und Pädagogen— unter die wissenschaftliche Lupe genommen, und kommen beide nicht gut weg dabei. Die Natur des Gelächters wird psychoanalytisch erklärt und der altgewordene Darwinismus neuerdings zur Diskussion gestellt. Wirtschaftskrise und Währungschaos, wissen- Ausflugszäge der Staatsbahnen: Vom 26. bis 28. Oktober: slowakische Burgen, 235 K£; 2. bis 4. November: Zlin, 240 KL. Anmeldungen mit Angabe: Ausflugszugreferat, Basar nebelt dem Wilsonbahnhof, Telephon 38335. Iüurst und Wissen- Schwarzgelbe Militäroperette Als der Erfolg der„Weißen-Rösfl"-Revue Operettenbearbeitungen altbewährter Schwänke in Dkode brachte, erinnerten sich die Herren Farkas und H e r z e g des„F e l d h e r r n h ü g e l" von Roda Roda und Rößler, jener bissigen Satire auf die ärarische Schlamperei und den k. u. k. Pallawatsch, die der Zensur der alten Monarchie so staatsgefährlich erschien, daß sie ihre Aufführung verbot. Die Herren Farkas und Herzeg haben sich aber nicht damit begnügt, die drei Akte des Schwankes in zwanzig Revuebilder zu zerlegen und den Prater;«inen Fiaker, die Deutschmeister, die Schufterbuben, Wäschermädel und Dienstmänner auf die Bühne zu schleppen, die man in Wien zur Andeutung des Lokalkolorits immer noch für unerläßlich hält, obwohl sie auch schon zehn Jahre vor dem Weltkrieg nicht mehr existierten— sie haben auch die scharfe Satire, die in der Posse steckte, ausgemerzt und durch fade Kabarettwitze ersetzt, sie haben lächerliche Figuren in liebenswürdige, das Zerrbild des k. u. k.-Regimes in eine Apotheose des Vorkriegsösterreich verwandelt. So konnte der ver- operettete„Feldherrnhügel" unter dem neuen Titel „O du mein Oesterreich" zu einem Propagandastück der schwarz-grünen Reattion und die Wiener Erstaufführung im k. u. k.' Hofoperettentheater des Herrn Marischka zu einem feierlichen Staatsakt werden, dem di« ganze Regierung beiwohnte. Und nun stößt das Deutsche Theater bei seiner Ausgrabungstätigkeit nach den acht Jahren alten „Artisten" auf auf diese drei Jahre alte schwarzgelbe Theatermache und führt sie auf, trotz der unvorstellbaren Schalheit ihrer Kasernenhofwitze, trotz der beispiellosen Ordinärheit des Dialogs, trotz dem ganzen altösterreichischen Militärklimbim, der hier trommelnd und trompetend verherrlicht wird. Und es stellt finanzielle Mittel in den Dienst dieses Schmarrens, die es wohl selten an ein anderes' Stück gewendet hat; der halbe Prater wurde auf der Drehbühne aufgebaut, Statistenmassen auf die Beine gestellt, fast das ganze Schauspiel- und das halbe Operettenensemble strapaziert. Die bedauernswerten Herren Walter Taub und Anton Schmerzenreich müssen dummpfiffige Pfeifendeckel mimen, Leo Siedler einen bestrickend netten Erzherzog spielen, Erich Dörner Wiener Volkshumor vortäuschen; Else Lord erledigt mit ihrer Soubretten- routine die Rolle einer Wiener Köchin, Anny C o t h wirkt vor allem durch ihre Kostüme und sonst ist noch den Herren Padlesak, Willi Bauer und Martin C o st a das herzlichste Beileid dafür auszusprechen, daß sie gezwungen wurden, Mühe und Fleiß an diese Rollen zu wenden. Das Publikum be. lachte wohl einige der alten Witze, schien sich aber langsam dessen bewußt zu werden, welch grobe T a k t l o s i g k e i t die Aufführung dieser schwarzgelben Revue ist, und so zollte es nur den Darstellern einigen Beifall. F. R. Im Londoner Nebel Gaetano Fazios vieraktige Komödie „I m Londoner N e b e l", die gestern abends in der Kleinen Bühne in der deutschen Bühnenbearbeitung Ernst Gassers zur E r st- aufführung gelangte, ist nichts anderes als ein drmnattsierter Kriminal-Roman. Das heißt, daß die Szenenfüdrung nicht knapp und schlagfertig genug ist, trotzdem die dramatische Pointe sehr überraschend und erheiternd wirkt. Im Londoner Nebel wftd der Mord' an einer Tänzerin verübt, der Londoner Nebel soll es sein, der die Spuren der Tat verwischt und verwirrt. Genau wie im Detekttvroman werden alle möglichen und unmöglichen Personen der Mordtat schastliche Haushaltsführung und die Symbiose von Algen und Muscheln, Stadtplanung und Naturschutz, Brückenkonftruktion und Erziehungsprobleme stehen in bunter Folge nebst vielen anderen Themen auf der Tagesordnung. Die neue Alchemie. Besondere Bedeutung haben die Ergebnisse der Atomkernphysik. Lord Rutherford, der vor gerade'25 Jahren die erste klare Einsicht in die Struktur der unvorstellbar kleinen elektrizitätsgeladenen Sonnensysteme gewonnen hat, die im innersten Innern aller Materie kreisen, berichtete über di« großarttgen Fortschritte der letzten Jahre. Mit. ungeheurer Energie(im physikalischen Sinne des Wortes) wird dem Atom zu Leibe gerückt. Fünf elektrische Atomzertrümmerungsapparake gibt es in der Welt, zwei in Cambridge, drei in den Bereinigten Staaten. T-Strahlen von 16 Millionen Volt werden bei der Atomsprengung frei; sie sind von größter Bedeutung für Biologie und Medizin. Das Innere der Sonne enthält vermutlich riesige Mengen radioaktiver Atome und daraus ergeben sich Problem« der kosmischen Strahlung, deren Erforschung den Stra- tospährenfliegern obliegt. Die Entdeckung der Isotopen, der Atome chemisch gleichen Verhaltens, aber verschiedenen Gewichtes, hinwiederum führt zur Umwandlung und künstlichen Herstellung der Element«: die Alchemie, der Traum des Mittelalters, wird Wirklichkeit. (Schluß folgt.) verdächtigt, um von dem wirklichen Täter abzulenken: die handelnden Personentypen sind ebenfalls aus den Detektivromanen geläufig: Der Detettiv aus Passion und Privawergnügen, die Berufskriminalisten, der verdächtige Unschuldige, der unverdächtige Schuldige und die für die Verwischung der richttgen Spur besorgten Nebenpersonen. Die Variante dieses dramatischen Kriminalromans, daß nicht der Detektiv den Fall klärt, sondern der Verdächtigte selbst, ist übrigens nicht neu. Sehr zu loben ist der heitere satirische Ton, den der Autor mitunter anschlägt und durch den er ebenso den Unfehlbarkeitsdünkel des Detektivs verspottet wie die Phantasien des Detektivromanschriftstellers. Das Komödienhafte war auch entscheidend fiir den Erfolg des Stückes. Den Haupterfolg darin hatte Leopold D u d e k in der ausgezeichnet gegebenen Rolle eines Ratenhändlers, der erheitert, weil er lebensecht ist. Den verdächttgen Unschuldigen und phantasiereichen Kriminalroman-Schriftsteller spielte— liebenswürdig und überlegen— Hans Götz, der auch für die glatte Regie gesorgt hatte. Den Berufsdetektiv gab Fritz B a l k; etwas zu phleg- mattsch und lässig. Als eifersüchtige und liebende Gattin des unschuldig verdächtigten Schriftstellers. fand Marion Wünsche den richttgen Ton. In kleineren Rollen wirkten Helen« Scharf sowie die Herren Trabauer, Brix. Marle, Richter und Stadler verdienstvoll mit. Das zahlreich erschienene Publikum unterhielt sich sehr gut, namentlich im spannenden und ergötzlich schließenden vierten Akt. E. I. MntliA M! Unsere Tochter litt an einer klinisch festgestellten Sä&mung vetder«eine mit Sehstörunee» und konnte nicht^mebr geben. Trotz aller Bemühungen wurde zu unserem grötzten Leidwesen keine Besserung erzielt. Erst durch gewtslenbaste Anwendung der Phrnwor-Kur, welche bequem zu Hause durchführbar ist, kann unsere Tochter wieder gehe» und stehen und ihre kludicn sortsetzen. Der Btzrmoor-Hetlanstalt unsere» allerwärmsten Dank. St. Senft, Aollasststent. Auskunft kostenlos durch Phrmoor-Ratnr» heil Institut, München. E ISS, Münzstratze 9. Seit 25 Jahren anerkannte Erfolge bet Nerven-, Rückenmarksleiden, Schlaganfällen, Lähmungen, Epilepsie, Gliederreitzen, Neurasthenie u. Gelenkaicht. Hunderte Anerkennungen u. Dankschreiben Geheilter. r 3068 Als zweite Arbeitervorftcllung im Deuffchen Theater geht am Sonntag, dem 3. Noveniber, halb 3 Uhr nachmittags, dasLusffpiel„Der Geizige" von Malier« in Szene. Karten ab 23. Oktober bei Optiker Genossen Deutsch. Wochenspielplan d«S Neuen Deutschen Theaters. Heut«, Sonntag, nachmittags halb 3 Uhr: Das Land des Lächelns; halb 8: Der Feld- herrnhügel, C2.-— Montag, 8: Tanzabend Harald Kreutzberg, Abonn. aufgeh. — Dienstag, halb 8: Die verkaufte Braut, A 2, neueinstudiert.— Mittwoch, halb 8: Der Feldherrnhügel, B 2.— Donnerstag, 8: Ihr er st er Mann, Ensemblegastspiel Heinz Rühmann, Erstaufführung, Abonn. aufgehoben.— Freitag, 8: Der Mustergatte, Ensemblegastspiel Rühmann, Abonn. aufgehoben.— Samstag, halb 8: Der Feldherrnhügel, D 2. Wochenspielplan der Kleinen Bühne: Heute, Sonntag, halb 12 Uhr: Lilli Freud-MarlL: Vortragsmatinee; 3: Ich kenne Dich nicht mehr; 8: Im Londoner Nebel.— Montag, 8: Im Londoner Nebel, Bankbeamte j.— Dienstag, 8: Die spanische Fliege, volkstümliche Vorstellung.— Mittwoch, 8: Im Londoner Nebel, BankbeamteII und freier Verkauf.— Donnerstag, 8: Ich kenne Dich nicht mehr.— Freitag, 8: Maria Magdalena.— Samstag, 8: Im Londoner Nebel. Bezirksorganisation Prag der Deutschen sozialdemokratischen Arbeiterpartei. Montag, den 21. Oktober 1935, abends 8 Uhr im Parteiheim, Prag II., Närodni 4, D i s- kussionsabend. Thema: Die Krise des Kapitalismus und die Marxistische Theorie. ® Referent: Genosse Werner Cohn. Zu diesem Abend sind alle unsere Mitglie- der eingeladen. Die Bezirksvertretung. Vereinen ocfuicMm © Bolkssinggemeinde. Frauenchor, 22. Oktober, im Probenlvkal. Wichtige Probe als Vorbereitung zur Dezember-Akademie.— Männer- ch o r, 22. Oktober, 8 Uhr abends- Alle Sangesgenossen werden besonders aufmerksam gemacht, daß der Männerchor bei der Festakademie der sozialistischen Hochschüler am 24. Oktober mitwirken soll. Wir rechnen mit jedem Sänger!— Die Vereinsleitung. Freie Bereinigung sozialistischer Akademiker. Dienstag, 22. Ottober, 14Uhr, Ausschußsitz u n g im Parteiheim. Alle Ausschußmitglieder haben sich b e st i m m t einzufinden l Mitteilungen,-!«-Urania- Heute halb 11 Uhr:„Der Held der Prärie" In der Reihe„Spielfilme für die Jugend". „Unvergeßliche Filme":„In einer kleinen Garnison." Deutsche Texte. Montag,%9 Uhr. Sven Hedin:„Acht Jahre in Zentralasien." Donnerstag, 8 Uhr abends, großer Lucernasaal. Masarhk-Volkshochschule „Altes Ballett mrd moderner Tanz." Senta Born, Montag, 4 bis 6 Uhr. „Menschenkenntnis." Dr. B. Fürst. Montag, 8 Uhr. „Bom Säuglingsalter zur Pubertät."(Mit Lichtbildern.) Im Kinderschutzmonat. Dr. Pau. Gerstl. Mittwoch, 8 Uhr. Arania-Kino Szöke Szakall in dem Lustspiel„Ende schlecht, alles gut". Filme in Prager Lichtspielhäusern Adria:„Die Nacht der Liebe." A.— Alf«: „Die Frau und der Hampelmann." M. Dietrich. Ä- —- Avion:„Kleopatra." A.— Beranek:„D u bist dieEinzige." ElisabethBergner. E.—• Fenix:„... und das Leben geht weiter." Tsch.—• Flora:„Die tanzende Venus." A.— Gaumont: „Die Götter amüsieren sich." D.— Hollywood: „Pygmalion."— Hvezda:„Abessinien 1935.“—* Julis:„Schwarze Augen." Fr.— Kinema: B.-Th-» Journale, Groteske, Reportage. Halb 2 bis%7.-j Koruna:„Der Schrecken der Prärie." A.— Kotv«: „Menschen in Weiß." A.— Lacerna:„Menschen io Weiß." A.— Metro:„Jahrhundert i» Flammen."— Olympic:„Abessinien 1935."—' Passage:„Pygmalion." D.— Praha:„Satan Remo." A.—- Radio:„D u bi st die Sin* z i g e." Elisabeth B e r g n e r. A.—" Svetozor:„Die Hochzeitsnacht." A Sie». G. Cooper. A.— Alma:„Fra Diavolo." Laurel n- Hardy. A.— Bajkal:„Jana." Tsch.— Belvedere: „Johannisnacht." D.— Befcda:„Achtungl Taufe!■ D.— Carlton:„Du bist die Einzige." El:' sabeth Bergner. E.— Illusion:„Die tanzende Venus." A.— Lido II:„Fra Diavolo., Laurel u. Hardy. A.— Louvre:„Kleine Mutti-, Franziska Gaal. D.— Maceska:„Fra Diavolo- Laurel u. Hardy. A.— Roxy:„Du bist di e Einz>ige. Elisabeth Bergner. E.■‘f U. Vcjvodu:„Die Spionin." E.— Baldek:„Di* tanzende Venus." A.— Bio Beletrhy:„Ein junges Mädel— ein junger Mann." D. Mitteilungen aus dem Publikum. Anerkanntes Naturheilverfahren. In zäh^ wissenschaftlicher Arbeit sind im Laufe der letzten 2’ Jahre wertvolle Beiträge und ärzüich anerkannt^ Erfolge in der Behandlung von chronischen Nerven- und Gelenkerkrankungen, besonders von Rückenmarksleiden, Lähmungen, Schlaganfällen, Nervenkrämpfen, Epilepsie, Neurasthenie, Ischias und Gelenkgicht erzielt worden, und der Ruf medizinische* Forscherarbeit der Pyrmoor-Heilmethode ist in gant Europa verbreitet worden. Die Pyrmoor-Kur ist billig und bequem zu Hause durchführbar. Auskünfte kostenlos durch die Pyrmoor-Naturheilanstalt- München, C 189, Münzstraße 9. 30—öst Bezugsbedingungen: Bei Zustellung ins SauS oder der Bezug durch d,e Post monatlich KS 16.—. vierteljährig KL 48.— halbjährig KL 96.— ganzjährig KL 192.—.— Inserate werden laut Tarif billigst berechnet. Bei öfteren Einschaltungen Preisnachlaß.— Rückstellung von Manuskripten erfolgt nur bei Einsendung der Retourmarken.— Die Zeitungsftankatur wurde von der Pott- und Tele« «raphendirektton mrt Erlaß Nr. 13.800/VII/1930 bewilllgt.— Druckerei:„Orkis". Druck-. Verlags- und ZeitungS-A-G Prag. VERLANGEN SIE lu jeder Verkaufsstelle des Konsumvereines SELCHWAREN der Firma HEGNER& Cie., PILSEN Selchwaren der Fa. HEGNER& Cie.,Pilsen <45 sind die allerbesten! Nagen feituag