Dni1pH!t70 Hlltof (•in>chli«0lich 5 Heller Forte) IENTRALORGAN DER DEUTSCHEN SOZIALDEMOKRATISCHER ARBEITERPARTEI IN DER TSCHECHQSIOWAKISCI1EN REPUBLIK ERSCHEINT MIT AUSNAHME DES MONTAG TÄGLICH FRÜH. Redaktion und Verwaltung frag xii., fochova«7. TELEFON non. HERAUSGEBERi SIEGFRIED TAUB. CHEFREDAKTEUR: WILHELM NIESSNER. VERANTWORTLICHER REDAKTEUR: DR. EMIL STRAUSS, FRAG. 15 Jahrgang Mittwoch, 23. Ottober 1935 Nr. 247 „Ehrenvolle Lösung" Außenministers britischen V orgeschlagen Toni Müller verhaftet Das„Prager Tagblatt" meldet aus Saaz, daß Dienstag mittags der Kreisjugeichführrr der „Deutschen Landjugend", Toni Mül^ler aus Tronitz bei Saaz, nach einer Haussuchung in seiner Wohnung und in der Reichsleitung der„Deutschen Landjugend" in Saaz verhaftet und dem Leitmeriher Kreisgericht eingeliefert wurde. Bor- Her hatten bereits Haussuchungen bei Dr. H e tz in Libotschan und beim Geschäftsführer der westböhmischen Bauernschule Summer stattgefunden. Die Verhaftungen sollen im Zusammenhang mit der Affäre Jng. Appell stehen, über die wir bereits mehrfach in unserem Blatt berichtet haben. Toni Müller ist bekanntlich nach einem neutralen Urbergangsstadium kürzlich offen zur Henlein-Partei übergrgangen. Eine unglaubliche Gemeinheit! Berlin. Wie aus zuverlässiger Quelle verlautet, hat das Reichspropagandaministerium an alle Landesstrllen»nd ihm untergeordneten Dienststellen rin Zirkularschreiben gerichtet, wonach es verboten ist, die Namen gefallener Inden auf Ehrentafeln«nd Denkmalen für di« Toten des Weltkrieges aufzuführen. Jede Stelle muß für die Beachtung dieses Berbotrs innerhalb ihre- Dienstbereiches Sorge tragen. DaS Zirkularschreiben iststreng vertrau» l i ch, so daß in der breiteren Oeftentlichkeit nicht- davon bekannt geworden ist. Neue Spannung im Femort? Japan plant Vorgehen gegen die äußere Mongolei Tokio.(Havas.) Der Sprecher des japanischen Außenamtes erklärte. Japan werde alle praktischen Maßnahmen ergreifen, wenn die äußere Mongolei durch Einwirken der Sowjet- die Mandschurei und Nordchina bedrohen würde, welches— wie der Sprecher wörtlich sagte—„wir um jeden Preis vor einem roten Einfall beschützen wollen."„Wir werden," sagte er weiter,„vor einer Kriegsdrohung Sow« jetrutzlandS nicht zurückschrecken, sind aber überzeugt, daß Sowjetrutzland nicht eingreifen werde, so daß der Konflikt auf die Mandschurei und die Mongolei beschränkt bleiben wird. Nichtsdestoweniger könnte der geringste Grenzzwischenfall einen Konflikt zur Folge haben. Prozeß Eifler und Genossen am 20. November vor dem Obersten Gericht Wien.(Tsch. P. B.) Der große Schutzbundprozeß vor dem Obersten Gerichtshof gegen den Major a. D. Alexander Eifler und Genossen wurde für den 20. November anberaumt. Marinekonferenz Im Dezember t London.(Reuter.) Die zuständigen Londoner Kreise treffen bereits Vorbereitungen, um die Abhaltung der Marinekonferenz in London «och in diesem Jahr verwirklichen zu können. Die betreffenden Regierungen wurden um Mitteilung ersucht, ob ihnen Anfang Dezember als Datum deS Zusammentrittes der Konferenz genehm sei. Deutschland und Rußland werden zur Teilnahme an dieser Konferenz nicht eingeladen werden, da sie weder an der Londoner Konferenz noch an der Washingtoner Flottenlonven- tion teilgenommen haben. Fey Gesandter In Budapest? Budapest.(Stefans.) Es verlautet, daß die österreichische Regierung dem ehemaligen Minister Fey das Amt eines Gesandten in Budapest angeboten hat. Erklärung Zu dem in unserem Blatte vom 25. Dezember 1984 unter der Ueberschrist„Ein katholischer Paradeschuft" veröffentlichten Artikel erklären wir. daß wir die auf die„Deutsche Presse" bezüglichen beleidigenden Behauptungen dieses Artikels als irrtümlich widerrufen. Die Redaktion. London. Im Unterhaus, das am Dienstag I zu seiner Schlußtagung vor der Ausschreibung von Neuwahlen zusammentrat, hielt Sir Samuel Hoare eine große außenpolittsche Rede, in der er erklärte, daß durch die letzten Ereignisse, die er rekapitulierte, die englische Politik keine Aenderung erfahren habe. Diese Politik werde in ihrer Gesamtheit nicht nur vom Unterhaus, sondern auch von der überwiegenden Mehrheit der Bevölkerung Großbritanniens gebilligt und gestärtt durch die Solidarität des Britischen Reich e s, besonders aber durch die Einmütigkett der großen Dominien. Der englische Außenminister untersuchte sodann, inwieweit sich der Völkerbund bisher bewährt habe, und wies darauf hin, daß die Verwirklichung des Systems der kollektiven Sicherheit nicht leicht sein konnte, zumal es sich um einen Konflikt mit einenvber mächtigsten Mitglieder des Völkerbundes handle. Das habe die Versuchung nahegelegt, daß der Völkerbund auf diese Aufgabe als undurchführbar verzichten solle. Der Versuchung wären einzelne Mitglied- staaten beinahe erlegen. Auch für Großbritannien war die Versuchung nicht gering, sich in der Richtung des geringeren Widerstandes zu bewegen und zu erklären, daß es kein Interesse an dem abessinischen Konflikt habe. Ein Scheitern des Völkerbundes in dieser Frage hätte aber unheilvolle Folgen nach sichgezpgen. Die Behauptung, daß England den Völker- bund für seine egoistischen Ziele und dazu benütze, um Italien zu demütigen, bezeichnete der Minister als Lüg e. Die italienische Regierung habe über die Haltung Englands sei Ende Jänner, dem eigentlichen Beginn der Krise, niemals in Zweifel sein können. Sir Hoare glaubt nicht, daß der wirtschaftliche Druck, den der Völkerbund beschlossen hat, ohne Wirkung bleiben wird: Wenn die Staaten, die nicht Mitglieder des Völkerbundes sind, nicht versuchen werden, diese Aktion zu verxiteln— und ich glaube nicht, daß sie das tun werden— i wird dieser wirtschaftliche Druck den Krieg verkürzen, sofern diese Aktion wirklich kollektiven Charakter tragen wjrd und sofern die Mitgliedstaaten des Völkerbundes in der Zurück- L o n d o n. Dix britische Regierung hat an die Hafenbrhörden der britischen Kolonien sowie des englisch-ägyptischen Sudans den Befehl ergehen lassen, angesichts des italienisch-abeffini- schen Konfliktes die Reutralitätsbestimmungen der Haager Konvention vom Jahre 1907 in Anwendung zu bringen, wornach Kriegsschiffe krieg- führender Staaten oder Handelsschiffe, die Kriegsmaterial befördern, sich nicht länger als 24 Stunden in den Häfen aufhalten dürfen. In diesen Häfen dürfen sie nur so viel Betriebsstoffe an Bord nehmen» um den nächsten Hafen auf anderem Gebiete erreichen zu können. I Weisung der Angriffe, die gegen einen Mitgliedstaat des Völkevbundes gerichtet sind, in der zur Verteidigung des Bölkerbundpaktes eingeleiteten Aktion zusammenarbeiten werden. Die Antwort der französischen Regierung auf unsere Anfrage in dieser Angelegenheit hat uns vollaufbefriedigt und die Solidarität der beiden Länder ist gefestigt. Zur Frage von militärischen Sanktionen erklärte Sir Hoare ganz offen, daß di« erste«nd grundlegende Voraussetzung für die Anwen- dung derartiger Sanktionen, nämlich rin k o l- lektives Einvernehmen, in Genf niemals bestand und daß England nur an einer kollektiven Aktion teilzunrhmen geneigt sei. Außerdem ist aber in Genf niemals von militärischen Sänktionen dir Rede gewesen und derartige Sanktionen seien also überhaupt kein Bestandteil der britischen Polttik. Der Völkerbund ist ein Instrument deS Friedens und diejenigen, die unser Verhalten kritisieren, müssen das stets bedenken, auch wenn sie eine Blockade des Suezkanals«nd eine Unterbrechung der italienischen Verkehrs- Wege in Vorschlag bringen. Derartige Drohungen würden, wenn sie mit einem Schlage durchgeführt werden könnten, den abessinischen Krieg in eine« europäischen Krieg verwandeln. Man muß eine« Weg zu einer ehrenvollen Lösung im Rahmen des Völkerbundes suchen. Es verbleibt jetzt noch eine gewisse Zeit, bis der wirtschaftliche Druck zur Anwendung gebracht werden wird,«nd vielleicht wird dieser Zwischenraum zu einem neuen Versuch, eine friedliche Lösung herbeizuführen, benützt werden. Vielleicht wird dieser Versuch in elfter Stunde dazu führen, daß wir der Notwendigkeit enthoben werden, einen für uns sehr wenig ange- i nehmen Weg einzuschlagen, den Weg einer wirtschaftlichen Aktion gegen einen Staat, der Mitglied des Völkerbundes ist und der auch unser alter Freund und Verbündeter im Weltkriege war. Es wird betont, daß dieser in Rom von der britischen Vertretung dem Staatssekretär Suvich verdolmetschte Standpunkt der britischen Behörden von den italienischen Kreisen nicht als irgend eine Geltendmachung von Sanktionen gegen Italien, sondern einfach als automatische Erfüllung von Bertragsbestim- m u n g e n angesehen wird. Dieses Verbot gilt für beide kriegführenden Staaten. Da jedoch Abessinien keine Flotte besitzt, so wird es bloß italienische Schiffe betreffen. Es bezieht sich nicht auf italienische Handelsschiffe, die kein Kriegsmaterial befördern. Bin Wort zum Ueberfall auf die Gesandtschaft in Berlin Drei deutsche tschechoslowakische Staatsangehörige' sind am Montag in das Gebäude der tsche- choslowakischen Gesandtschaft eingedrungen und haben dort, angeblich„im Kampfe um die deutschen Schulen", Einrichtungsgegenstände und Fensterscheiben zertrümmert. In vielem erinnert dieses Vorkommnis an die Reichstagsbrandlegung. Die Gewalttäter sind Arbeitslose aus Hultschin, die nach langer vergeblicher Arbeitssuche in Berlin ausgehungert genug, gewesen sein dürften, sich gegen Inaussichtstellung einer guten Belohnung zu einer solchen Tat herzuHeben; denn daß die Drei aus eigener Initiative zu der Tat geschritten sind, wird nur der glauben, der eS für möglich hält, daß Menschen, die monate- oder gar jahrelang arbeitslos sind, keine dringendere Sorge haben, als zum Zwecke der Besserung des Schulwesens der Nation Kanzleieinrichtungen und Fensterscheiben zu demolieren. Die Drei stammen aus Hultschin und nicht wie Ban der Lubbe ans Holland, aber man wird sie doch aus einer Familie stammend ansehen können. Doch während die Aktion beim Reichstagsbrand weit besser klappte, ist diesmal ein Regiefehler unterlaufen. Merkwürdig genug: just in dem Augenblick, da wegen des herbeieilenden Gesandtschaftspersonais zu erwarten stand, daß den weiteren Ausschreitungen der Drei ein Ende werde gesetzt werden, erschienen wie aus der Pistole geschossen drei schwarz uniformierte SS-Leute, um die Uebeltäter„festzunehmen und abzuführen". Hätte das Gesandtschaftspersonal die- zugelassen, so hätte sich wahrscheinlich herauSgestellt, daß es„falsche" SS-Leute waren und Roß und Reiter hätte man nie wiedergesehen. Außer dem Wunder, daß arbeitslose Maurer und Fleischergesellen, die lange Zeit aus die Unterstützung ihrer Landsleute in Berlin angewiesen waren, ihre Hauptsorge darin sehen, für das deutsche Schulwesen in der Tschechoslowakei durch Demolierung der tschechoslowakischen Gesandtschaft zu demonstrieren, geschehen noch andere. Ist es nicht auch ein Wunder zu nennen, daß Herr Dr. Walter Brand, der wirkliche Führer der SdP, kürzlich erklärte, der Weg zur Verständigung liege nicht auf der Linie Ascst—Prag, sondern auf der Linie Berlin—Prag und daß nun auf dieser„Linie" diese Kopie des Reichstagsbrandes erfolgt? Natürlich ist es auch ein Wunder, daß Herr Henlein einen Tag vor der Berliner Tat in Teplitz erklärte, der heutige Zustand im Staate, der die Deutschen zu„Staatsbürgern minderer Klasse" macht, sei auf die Dauer„unerträglich" und Wunder oder Zufall ist es auch, daß sich herausstellt, Erwin Truntschik und A. Rzehaczek, zwei Anhänger der SdP, wären eS gewesen, die die tschechischen Schulen in Hultschin angezündet haben.- Freilich wird eS auch minder wundergläubige Leute geben, die nach Zusammenhängen suchen werden und die zu dem Schlüsse kommen dürften, daß man bei uns an den höchsten Verantwortlichen Stellen noch immer nicht weiß— oder nicht wissen will— wie, viel es im sudetendeutschen Gebiet geschlagen hat und das glauben, auch wir. Allerdings werden wir es unterlassen, zu behaupten, zwischen Henlein oder der SdP und dem Ueberfall auf das Gesandtschaftsgebäude in Berlin oder den Terrortaten in Hultschin bestehe irgend ein Zusammenhang, denn Herr Henlein hat es immer in der Hand, uns mittels des tsche- choslowakischen Preßgesetzes zu überzeugen, daß wir im Unrecht sind. Aber so viel gestatten wir uns doch zu sagen, daß sowohldieTatvon Berlin wie jene von Hultschin aus dem Gei st herausgewachsen sind, der sich seit dem Bestehen der SdP unter der wohlwollenden Duldung gewisser ho ch a mtlicher Stellen imsuch elend rutschen Gebiet herausgebildet hat. Wir haben auf diesen Geist, der nicht gerade immer in öffentlichen Kundgebungen, sondern mehr durch Flüsterpropaganda neue Nahrung erhäü, bis nun unablässig aufmerksam gemacht. Numnehr, da man an manchen Stellen offenbar der Meinung ist, das die Sorge um den Staat und die Demokratie ausschließliche Sorge dieser Stellen ist, neigen wir allerdings der Ansicht zu, daß es wirklich Faktoren und Stellen im .Staate gibt, hie mehr als wir um den Staat be- Der Bruderkampf der Farbigen Italien siegt mit Sturmtrupps von Eingeborenen Asmara. Ueber den Erfolg der italienischen Truppen an der Somalifront meldet der DNB- Kriegsberichterstatter: Die Einnahme der befestigten Ortschaft Dagnerei war für die Italiener von Wichtigkeit, da es sich um einen strategisch ausschlaggebenden Punkt handelt. Dagnerei liegt auf einer Anhöhe und beherrscht die ganze Gegend. Die Italiener eröffneten ihren Angriff mit zehn Flugzeugen, die aus geringer Höhe das Fort bombardierten. Viele Brände und Explosionen erfolgten daraufhin. Dann wurden Eingeborenentruppen zum Sturmangriff eingesetzt. Trotz heftigster Gegenwehr wurden schließlich nach langem Kampfe die Abessinier aus ihrer Stellung verdrängt. Gleichzeitig wurde auch das. Fort Burdodi amSchebeli an gegriffen, ebenfalls mit Bomben belegt und schließlich im Sturmangriff genommen. Nachdem diese beiden wichtigen Forts gefallen waren, gelang auch die Einnahme von Schelawie. Die Verluste bei den Italienern sollen gering sein. Die ganze Aktion wurde während strömenden Regens durchgeführt. Von der Nordfront werden nur Aufilä« rungsflüge und die Verschanzung in den jetzigen Positionen gemeldet. Ras Gugsa hattsich, wie die Behörden mitteilen, erneut dem italienischen Hauptquartier zur Verfügung gestellt. Er gab für die Italiener sehr wertvolle Nachrichten über die Bevölkerung und die Operationen der Abes- jinier,... England sperrt seine Häfen für Italienische Kriegsschiffe und Transporte Leite 2 Mittwoch, 23. Oktober 1933 i. Nr. 247 sorgt sein sollten und wir sind bereit, ihnen diese Sorge zu überlassen. Doch halten wir uns zu sagen für verpflichtet, daß kaum mehr geleugnet werden kann, daß manche dieser Stellen ihr politisches und ihr egoistisches Klassenintereffe höher stellen als das Staatsinteresse. Alle Dinge sistd in eine kaum je dagewesene rasche und umwälzende Entwicklung geraten, auch Fundamente schwanken, die unerschütterlich schienen— in solcher Zeit erscheint eS geboten, schon jetzt die Verantwortlichkeit für das möglicherweise Kommende festzustellen. Nun, die Verantwortung vor der Geschichte werden jene Stellen zu tragen haben, die nur an ihr kleinliches politisches Geschäft dachten, als sie die Entlvicklung der heutigen Verhältnisse im sndetendentschen Gebiet begünstigten und auch jetzt noch in hartnäckiger Verblendung nicht sehen wollen, wie der Hase läuft. Nachgerade also sind wir infolge der geringen Erfolge unserer Warnungen und Mahnungen dahin gelangt, den Behörden und der staatlichen Zentralgewalt die alleinige Sorge für die weitere Gestaltung aufzuhalsen, denn noch immer will man nicht hören. Die SdP kann sich keine bessere Reklame wünschen als ihr von allem Anfang an durch die politische Staatsführung zuteil wird. Immer wieder wird die deutsche Bevölkerung durch die Frage: kommt ein Verbot oder nicht, in Spannung gehalten, um dann, wenn die öffentliche Aufmerksamkeit genugsam erregt ist, zu erfahren, daß der SdP keine Schranke bei ihrer dem Hakenkreuzvorbild abgelauschten Demagogie gesetzt wird. So war es auch in Teplitz. Weit kleinere Veranstaltungen der SdP wurden in letzter Zeit verboten, ihr Kreistag dagegen in Teplitz, bei dem die Teilnehmer nicht aus einem, sondern aus vier Kreisen zusammengezogen wurden, ist in letzter Stunde, als bereits genug Reklame gemacht joorden war, erlaubt worden. An den gewissen Stellen beschwert man sich dmnit nicht weiter das Gewissen und liebt es, die Sudetendeutschen allesamt in einen Topf zu werfen. Vorläufig hält man es für Staatskunst, die einen gegen die««deren auszuspielen, später, im Ernstfälle, wird man sich, so folgert man, ohnehin weder auf die einen noch auf die anderen verlassen können. Gescheit ist das nicht, es zeugt auch von wenig Verantwortungsbewusstsein, es hat nur den Vorteil bequem zu sein. Wer sich einer solchen oberflächlichen Betrachtungsweise nicht schuldig macht, der wird in der Demolierung der Berliner tschechoswwakischen Gesandtschaft eiN warnendesFanalsehr». W. N. An unsere Leser«nd Kolporteure! Da anläßlich des Staatsfeiertage- am Montag, dem 28. Oktober, in den Druckereien nicht gearbeitet wird, entfällt die Dien-» taganSgabe vom 29.Oktober unseres Blattes. Die Verwaltung. I Die tschechische Presse zur Teplltzer Kundgebung Die tschechische Linkspresse nimmt in scharfer Weise gegen die auf der Teplitzer Tagung der Sudetendeutschen Partei gehaltenen Reden Stellung. „Närodni Osvobozeni" stellt fest, daß Henlein in Teplitz nur die alten Formeln wiederholt hat. Wenn sich der Führer der SdP. darauf beruft, daß Deutschland auch das Land Herders und Goethes sei, so ist darauf folgendes zu sagen: Gerade deswegen, weil Deutschland in der Epoche des Dritten Reiches die Tradition Goethes und Herders verraten hat, wird es von allgemeinem Mißtrauen der Weltdemokratie getroffen, Amerikas, England- und Frankreichs ebenso wie der Tschechoslowakei. ES ist da- tragische Schicksal unserer Deutschen, daß sie gerade in diese Epoche in der Atmosphäre der Freiheit lebend, die den Bürgern deS Reiches genommen wurde, nicht einmal diese Tradition der deutschen Humanisten und Demokraten zu erhalten verinochten. Sie haben sie leichtsinnig Verschtvendet, indem sie mehr auf Göring als auf Herder hörten und fie find sich nicht einmal dessen bewußt, daß sie eine große kulturelle und politische Sünde am Gesamt- deutschtum begehen, wenn fie erlauben, daß eine ihrer fruchtbarsten Traditionen verleugnet wird. ES wird ihnen daS einmal eine Belastung sein, wenn Deutschland im vierten Reich zu den Traditionen und Quellen zurückgehen wird, ohne die die Entwicklung Europas und der modernen Welt nicht möglich ist. Noch schärfer schreibt daS„Ceskk Slovo": Jeder, der die Tätigkeit der SdP verfolgt, muß die Absichtlichkeit ihrer Agitation und ihrer Politik erkennen. Sie geht bewußt darauf au-, die Staatsautorität innerhalb der deutschen Bevölkerung der Republik zu zerschlagen, die Friedensbestrebungen unserer Regierung und der Außenpolitik herabzusetzen, die innere Einheit des Staates und damit seine Stellung in Europa zu schtvächen. DaS sind Bestrebungen und Ziele, welche grundsätzlich und gefährlich den Bestrebungen und Richtlinien de- tschechoslowakischen Staate- entgegengesetzt sind. Diese Tendenzen sind nüht nur den inneren Bestrebungen der Republik gefährlich. Diese Tendenzen sind auch gefährlich für den internationalen Frieden, um welchen auch von tschechoslowakischer Seite heute so viel gekämpst wird. Es liegt an den zuständigen Instanzen der Republik diese Tatsachen festzustellen und dann zu entscheiden. Aber ohne Berufung und mit letzter Gültigkeit, wie die- die Einheit de- Staate- und seine Stellung in der Welt erfordern. Etwa- zurückhaltender, aber immerhin kritisch beurteilt die Sachlage der„Benkov", indem er schrewt, daß der äußere Rahmen der Kundgebung bei den Tschechen da- Mißtrauen stärkt. Da- Verhältnis zu den außenpolitischen Fragen ist natürlicherweise daempfindlichste. Beachtenswert ist auch der dauernde Stand der Sudetendeutschen Bewegung zur tschechischen Oeffentlichkeit, denn die Repräsen- - tauten lder SdP.) weichen jeder Erwähnung des tschechischen Lager» aus. Auch die Abneigung gegen den Bolschewismus wird nicht au- ideologischen Gründen, sondern au- politischen angeführt. Die tschechoflowakische Außenpolitik kann sich kaum auS Sicherheitsgründen nur in deutsche Hände geben... Jeder, der das beurteilt, muß die» vor allem vom Standpunkt de» Staate» und nicht de» Gefühl» tun. Henlein» Antrag, auch wenn er gut gemeint ist, leidet an Einseitigkeit. Sehr klar sind diese Ausführungen des agrarischen Zentralorgans nicht. WaS selbst der„Bohemia" über die Hut- schnür geht. Die„Bohemia" befaßt sich in ihrem Leitartikel mit den Reden der beiden SdP- Fühter in Teplitz und während sie sich an Henlein mit einer Kritik nicht heranwagt, setzt sie sich mit den gegen Rußland gerichteten Bemerkungen des WalterBrand sehr scharf auseinander. Sie schreibt: Dazu hat sich nicht Konrqd Henlein, sondern Dr. Brand geäußert. Das hindert nicht, daß beide Aeußerungen von dem kritisch gestimmten Teil der Oeffentlichkeit für eins gehalten und auf die Formel gebracht werben: mit Deutschland— gegen Rußland. Sinn- und Erfolglosig- keitder zweiten Hälft« zerstören die Ehancen der ersten. Wa» bedeutet diese Kampagne gegen den Weltbolschewismus, die sich allzu bekannter Formeln bedient, praktisch? Sie ist angesichts der derzeitigen politischen Grundhaltung und Grundstimmung de» Tschechen- tumS im höchsten Matze aussichtslos, also, wenn Politik die Kunst des Möglichen ist, unpolitisch. Sie operiert mit Gefahre n, d i e k a u m b e st« he n, denn von den Sudetendeutschen wählt die ungeheure Mehrzahl nicht kommunistisch, sondern Henlein, und datz im tschechischen Lager die gestern noch ganz lendenlahme konununistische Partei für die festen, durch sechs Jahre Verantwortung nirgends erschütterten Gefüge der Regierungsparteien eine Gefahr darstellen könnte, diese Vermutung ist nicht ernst zu nehmen. Zu der militärischen Zusammenarbeit mit Rußland läßt sich kritisch vom sudetendeutschen Standpunkt aus am ehesten noch eines sagen: datz es gut tut, sich weltpolitisch nicht zu sehr exponieren— was ein Anschluß an«ine Antisolvjetfront erst recht täte. Bleibt schlietzlich die wirtschaftliche Zusammenarbeit, ein Weg, der endlich und reichlich spät gegen die reaktionären Widerstäirde KvamakS und feinet panstawistischen Romantiker gegangen wurde, den da» benachbarte Deutschland weit früher ging, dessen Preisgabe von klugen Reichsdeutschen auch heute noch für einen der fragwürdigsten Schritt« der neuen deutschen Außenpolitik gehalten wird. Schließlich darf nicht vergessen werden, daß auch die sudetendeutsche Industrie, von der ein so großer Teil unseres Volkes lebt, auf Export angewiesen ist, datz Rußland auf kurze und lange Sicht zu den Ländern gehört, die für die mehr oder minder endgültig verloren gegangenen Absatzmärkte im Südosten, Ersatz bieten können, datz also die antiruffische Politik, mag, sie auch populär sein,„zu den U n» zweckmäßig? eit en gehört, die«vir uns, die sich auch die Sudetendeutsche Partei einfach nichtleistenkann, will sie praktische Politik betreiben. Die»Bohemia" täuscht sich nur wissentlich selbst, wenn sie zwischen Brand und Henlein einen Trennungsstrich zieht. Jeder politisch eingeweihte Mensch innerhalb und außerhalb der SdP weiß, daß Henlein nur ein Sprachrohr und eine Marionette des Brand, des eigentlichen Vertrauensmannes der wirtschaft- lichen Hintermänner der SdP ist. Und im übrigen darf man nicht übersehen, daß beide Herren in Teplitz nur das gesagt haben, was seit Nürnberg die Goebbelspropaganda täglich herunterleiert. 65 VILLA OASE Oder: DIE FALSCHEN BORGER Roman von Eugene Dablt Berechtigte Uebertragung aus dem Französischen von Bejot'S 1'' I 1''” Immer wieder mußte er nach ihr Hinsehen. Die Zersetzung hatte schon begonnen. Es zeigten sich bereits dunkle Flecken im Gesicht. Aber erkenntlich war sie noch. Eines Tages würden nur die Knochen von ihr übrig sein. Er richtete sich auf und bemerkte Helene» Bild. Das Mädel lag in Saint-Quen und zerfiel in Asch« und Staub, lieber ihrem Sarg würde der Sarg ihrer Mutter stehen, und beide, die das Leben getrennt hatte, waren im Tode vereinte Beim Aufstehen warf er den Stuhl um. Er lief hin und her und stellte sich die Gruft vor, in die er einmal hinabgestiegen war und in der auch er eines Tages ruhen würde. Er,. Julien. Ihm war, als atme er Grabesluft, al- sei tiefe Nacht vor seinen Augen, als müsse er mit den Händen um sich schlagen. Er trug noch die schmutz« starrenden Sachen auf dem Leibe, sein kragenlose» Hemd stand offen, seine Sohlen knallten hart auf den Boden auf. „Ruhe, Ruhe, mein Alter." Maigret kam, hinter ihm Paul, die Mutter Pougette und Solange. Sie holten sich Sessel und setzten sich. Paul gähnte. „Welch eine Nacht!" Julien erlebte sie Minute für Minute wieder. Er sah sich, froh gestimmt über seinen gelungenen Ausflug, vor der Billa, dann, wenige Augenblicke später, die Katastrophe. Nichts war übrig von seinem Glück. Die anderen schlummerten. Auch die Tote schien zu schlafen. Sie wirkte majestätisch in dem kostbaren Kleid, das noch au» dem Montbert stammte. Vielleicht, phantasierte er, würde sie am Morgen wieder erwachen? Er löschte die Lampe au». Bor zwei Tagen bereitete er in demselben grauen Dämmerlicht seine Abreise vor. Irma und er hatten ihre letzten Worte gewechselt, er hatte sie zum letztenmal geküßt. Er schüttelte sich. Jetzt war er ein einsamer Mann. VI. In der Woche, die auf da» Begräbnis folgte, machte Julien einem alten Bekannten den Bor» schlag, die Wohnung in der Rue Bourquin zu übernehmen. Eine» Abend» wurde der Handel abgeschlossen. Am nächsten Bormittag packte er seine Sachen und ein paar Andenken ein und ging noch einmal durch die Räume. Hier war Helene geswrben, hier hatte Irma schlaflose Nächte au»- gestanden. Es tat ihm nicht weh, sich von allem zu trennen. Die Abende verbrachte er im Caft des Tour» ses: Mit jungen Leuten, die ihn auSnehmen wollten. Er war mißtrauisch und saß still auf seinem Platz, auf dem Papa Adam gesessen hatte. Um Mitternacht ging er den hell erleuchteten, lärmenden Boulevard de Clichy entlang und dachte daran, wie gut er sich früher amüsiert hatte. Dir Erinnerung an die vergangenen Zeiten schnürte ihm die Kehle zu. Eines Morgen» saß er im Zuge und Uetz die Stadt im Rücken. Paname... In seiner Jugend sagten sie Pantruch«. Dort hatte man geliebt, gekämpft und die Ellenbogen gebraucht, um vorwärtszukommen. Wenn er daran dachte, kam ihm der sehnsüchtige Wunsch, sich wie einst in» Abenteüer zu stürzen, statt sich vom Leben abzuwenden. Er stieg in Bois-le-Roi aus und ging die Straße nach Chapelle-sur-Seine, die er so oft im Auto gefahren war. Der Fluß wälzte lehm» gelbe Fluten. Am Ufer sah er das Gartenlokal, das er im Soamter mit Irma besucht hatte. Um niemandem zu begegnen, schlug«r einen Seitenweg ein, der ihn bi» zur Villa Oase führte. Das Hau» mit den geschlossenen Läden machte einen traurigen Eindruck. In der Küche fand er Solange und ihre Mutter beim Essen. Beide sprangen erschrocken auf, aber er war froh, sie wiederzusehen. Solange brachte ihm eine Tasse Kaffe« und erzählte ihm, sie habe da» ganze Haus aufgeräumt, bi» auf daS Schlafzimmer. „Es ist alles, wie es früher war", versicherte die Mutter Pougette. Er ging hinauf und trat, nach kurzem Zögern, ins Schlafzimmer. Es war noch in dem Zustand, in dem er es am Morgen der Beerdigung verlassen hatte. Auf dem Bett war noch der Eindruck ihres Körpers sichtbar. Die Stühle waren leer und würden es auch bleiben. Er zog die Vorhänge zu. Er selbst würde im zweiten Stock schlafen. „Ich ersticke", sprach er, seinen Kragen aufknöpfend. vor sich hin. Dann ging er wieder hinunter, stellte fest, daß daS Eßzimmer in Ordnung war, und blieb unter der Veranda stehen. Hier war ihm an jenem Abend die erst« Ahnung des Unglücks gekommen. Mit schweren Schritten ging er weiter. Auf dem Wasser schwammen Blätter, der Teich machte sein unschuldigstes Gesicht. Bobby sprang an seinen Beinen hoch. Er streichelte ihn und sagte: „Komm, Alter." Im Eßzimmer hatte Solange für ihn gedeckt. Einen Teller, ein Messer, eine Gabel... richtig, er war allein. Während er die Suppe löffelte, sah er eine Farbenphotographie de» Mont Saint-Michel an, dann Bobby, der auf seinen Knien lag.„Denkst du noch an unsere Fahrt?" Der Hund bellte. Zum Schluß gab er ihm den noch vollen Teller. ES trieb ihn wieder in die Küche, wo Mutter und Tochter e» sich schmecken ließen. Die Mutter Pougette sprach, eine Träne zerdrückend, von Irma, die sie eine so gut« und vornehme Dame nannte, und Solange tröstete ihn: Die Argumente der Italienischen Kultur London(Tsch. P.-B.) I« Erwiderung auf ein in Rom ausgegebeneS Dementi veröffentlicht die abessinische Gesandtschaft eine Erklärung, in der versichert wird, daß ein Mitglied der ausländischen ärztlichen Mission feststellte, datz von den Italienern GiftgafenndDnn.- Dnm Geschosse verwendet werden. In der Erklärung heißt eS: ES ist deshalb schwierig, einigen der leidenschaftlichsten abessinische« Kämpfern WidervergeltungSmatznahmen gegen das italienische Militär zu verwehren. Eine Italienische Kolonne umzingelt? Paris. Der Kriegsberichterstatter des„Le Journal" kennzeichnet die nunmehr an der Oga- den-Front geführten Schlachten als„Schlachten um das Trinkwasser", und hebt insbesondere die Bedeutung des letzten italienischen Sieges hervor. Das besetzte Gebiet soll nämlich eilte sehr wichtige Oase sein, die das ganze umliegende Gebiet mit Wasser versorge. Der Eingeborenen-Stam- meSführer/dieses Gebietes, der an Seite der Heere des Menerals Graziani kämpfte, soll einen bedeutendem Anteil an diesem wichtigen Siege der italienischen Stteitkräfte haben. Der Havas-Berichterstatter berichtet aus Addis Abeba» daß eine auf abessinisches Territorium unweit von Mussa Ali eingedrungene italienische Kolonne von etwa 600 bis 700 Mann in der Wüste isoliert sei und von einein Danakiler Stamme uinzingelt wurde. Niederlage durch zu große Bravour Addi» Abeba.(Reuter.) Abessinische Truppenabteilungen erlitten in der Nordprovinz Se- min eine große Niederlage. Abessinische Soldaten, die darüber unzufrieden waren, daß sie von ihrem Koinmandanten Dedschmatsch Ajel von einem Angriffe zurückgehalten wurden, begannen, ohne daß ein Befehl erfolgt war, einen Angriff gegen die Italiener, welche in den Bergen ein kleines Fort besetzt hatten. Der abessinische Führer Dedschmatsch versuchte vergebens, seiner Krieger Herr zu werden uni) sie zurückzuhatten. Die Abessinier warfen sich in leidenschaftlicher Erregung und ohne Ueberlegung gegen die befestigten Italiener, welche ein heftiges Feuer eröffneten und die Abessinier mit einem Hagel von Maschinenge- wehrschüsten vernichteten. Auf dem Kampfplatz« blieben ungefähr 100 Tote bezw. Verletzte. Dedschmatsch wurde ebenfatts verletzt. Dtaatsangestellte und Regierung. Die Arbeitsgemeinschaft der Organisationen der öffentlichen Angestellten bei den Koalitiönsparteien und der Exekutive nahm in ihrer Sitzung vom 22. Oktober den Bericht über das Ergebnis der Intervention des Präsidiurns beim Vorsitzenden der Regiermtg und beim Borsiheitden der parlamentarischen Spar- und Kontrollkommission entgegen. Es wurde einmütig beschlossen, die Regierung um beschleunigte Verhandlung zwischen dem Präsidium der Arbeitsgemeinschaft und dem ministeriellen Personattomttee unter Beteiligung des Vorsitzenden der Regierung und des Finanzministers zu ersuchen. Diese Verhandlungen sollen über die prinzipiellen Forderungen der öffent- lichen Angestellten Klarhett schaffen. „Mit uns werden Sie sich nie einsam fühle», Herr Julien." Was wußte das arme Ding vom Leben? Seit der Beerdigung war er nicht einen Augenblick wirklich allein gewesen. Berthe hatte chm geraten, er solle sich wieder eine Existenz aufbauen. Wie? Was sollte er beginnen? Zunächst streifte er mal seine Hemdsärmel zurück und beschloß, den Heizkessel sauber zu machen. Er war noch immer nicht fertig, als der Abend dunkelte. „Soll ich Paul begrüßen?" Als er im Cafe erschien, rief Paul:„WaS sehen meine Augen?" Und sie genehmigten einen Pernod. Maigret kam dazu. Man mußte eig zweites Glas ttinken. Julien vergaß seinen Kummer. Er konnte die-Freunde nicht verstehen, die ihn bedauerten. Für ihn war Irma auf«ine weite Reise gegangen. An Maigrets Arm stolperte er nach Hau» zurück. Solange erwartete ihn. Sie machte entsetzte Augen. Wie Irma. „Was bildest du dir eigentlich ein, he? Daß ich getrunken habe?" «Essen Sie. Die Suppe ist schon ganz dick. Der Schlag wird Sie eine» Tages treffen." So hatte auch seine Frau gesprochen. Doch fie war tot, und er lebte. Solange hatte ihn wohl im Verdacht, daß er sie schon vergaß? Er beruhigte sie: „Ich denke an Irma, al» wenn ich noch auf dem Kirchhof wäre. Sie hat eine prächtige Beerdigung gehabt mit allem Drum und Dran, nicht etwa billig, mußt du wissen." Dann versank er in Nachdenken. Er hörr« das Donnern der Züge» das auch Irma beschäftigt hatte. Bis Mitternacht hatte er Zerstreuung. Er machte seinen Rundgang, doch niemand fragte, ob alles gut verschlossen wäre. Schwer stteg er hinauf und trat in sein neues Schlafzimmer. Hier hatten die Freunde gehaust, in glücklicheren Zeiten. ^Fortsetzung folgt.), Nr. 247 Mittwoch, 23. Oktober 1935 Leite 3 fadetendeufedier Zcitsp teget Die Beschwerde der Nationalpartei gegen Ihre behördliche Einstellung Prag. Nachdem am Montag der erste Senat des Obersten Verwaltungsgerichtes unter Vorsitz des Senatspräsidenten Hächa über die Beschwerde des gewesenen Obmanns der aufgelösten DNSAP verhandelt hatte, gelangten am Dienstag sechs Beschwerden der seinerzeit gleichzeittg eingestellten deutschen National p a r t e i zur Verhandlung. Wie bereits berichtet, hat der Senat beschlossen, die beiden Verfahren zu vereinigen und ein gemeinsames Erkenntnis zu fällen, das Samstag verkündet werden soll. Dem vereinigten Verfahren wird eine weiter« Beschwerde angeschlossen werden, die Mittwoch verhandelt wird und von zwanzig nationalparteilichen Gemeindefunktionä- ren eingebracht wurde, die durch Einstellung der Parteitätigkeit ihrer Funktionen verlustig wurden. MS Beschwerdeführer der gestern verhandelten Berwaltungsbeschwerden zeichnen: Dr. Maresch (Bodenbach) für die nationalparteiliche Reichsorganisation, MUDr. Fritz W a g n e r für die Ortsgruppe und Richard K ä m p f für di« Gauleitung Karlsbad; Dr. Ernst P r o ch a s k a für die örtliche und Gauorganisation Leitmeritz; Dr. Hermann B e ck e r für die Ortsgruppe Falkenau u^d Dr. Fritz Has. sold für die Gauorganisation Mies. Die Sachlage liegt bei der Nationalpartei anders al? bei den Nationalsozialisten. Die National- partei wurde nicht aufgelöst, sondern lediglich die Einstellung ihrerTätigkeit ver- fiigt. Diese Verfügung wurde bekanntlich im Frühjahr d. I. wieder aufgehoben, so daß die Beschwerden der Nationalparteiler eigentlich keinerlei praktische Ziele verfolgen. Auch die rechtliche Situation liegt anders als bei den Nattonalsozialisten. Am 4. Oktober 1933 hat die Bezirksbehörde B ö h misch-Leipa unter Berufung auf das Vereinsgesetz und auf Paragraph.118 der'Verfassungsurkunde die Einstellung der Tätigkeit der nationalparteilichen Reichsorganisation verfügt, weil diese die öffentliche Ruhe und Ordnung gefährd« und die Verschmelzung mit der aufgelösten nationalsozialistischen Partei anftrebe. In den folgenden Tagen folgten analoge Verbote der angeführten Ortsgruppen und Gauorganisattonen durch die zuständigen Bezirksbehörden, bzw. Staatspolizeiämter. Die Berufungen an die Landesbehörde wurden mit der Begründung abgewiesen, daß die Einstellung dfx Nationalpartei v o r d e r K u n d m a ch u n g deSGesetzeSüber Einstellung oder Auflösung p olitischer Parteien lvom 28. Oktober 1983, Zahl 291) erging und daher die Applikation deS Vereinsgesetzes durch Beschluß der Regierung zu dieser Zeit gerechtfertigt erscheine. Die Beschwerdeführer, vertreten durch Dr. Maresch und Dr. L a s s o l d, polemisieren mit dieser Anschauung, indem sie Gesetzwidrig- leit und Mangelhaftigkeit des Ber- fahrens einwendeten. Die Beschwerdevertreter vertraten die Meinung, daß das VereinSge- setz auf politischeParteien nicht anzuwenden sei, und Dr. Hassold bezweifelte außerdem die Authentizität der betreffenden Regierungsbeschlusses, der den Akten in Form der Abschrift eines Briefes vom 6. Oktober 1933 vorliegt, in welchem das Ministerratspräsidium daS Innenministerium davon verständigt, daß der Mini- Die Berliner Exzedenten— Henleinleute! Vorher hatten sie eine tschechische Schule bei Hultschln angezündet „8 Act" meldet aus Rährisch-Ostra«, daß di« Terroristen, die die tschechoslowakische Gesandtschaft in Berlin demolierten, mit jrnen Leuten identisch sind, die in der Rächt zum Sonntag in Krawarn im Hnltschiner Gebiet einen Feuerwehrschupfen und in dem Rachbarort die tschechisch« Schule angezündet haben. ES find dies der 30jährige Meischergehilfe Erwin Trunrzik, ein Agitator der SdP. neunmal vorbestraft» der 21jährige arbeitslose Maurer Josef Dlalaznia, ebenfalls Hen- leinmann und dreimal vorbestraft, und der 21jährige arbeitslose Maurer Emil Wilezek, gleichfalls ei« Henleinman«. Alle drei find nach der Brandstiftung über dir Grenze geflohen und haben von Deutschland a«S der Gendarmerie in Krawarn einen Brief geschickt, in dem sie sich dazu bekennen, die tschechische Schule angezündet zu haben,„um gegen dir Unterdrückung des deutschen BolkeS und deS deutschen Schulwesens in der Tschechoslowakei zu protestieren"; gleichzeitig kündigten sie an, dah noch«eiter« Dinge geschehen würden. Das bezog sich offenbar auf die folgenden Exzesse in der Berliner tschechoslowakischen Gesandtschaft. SdP-Bezirkslelter verhaftet Die Untersuchung führt die Troppauer Gendarmerie. DirnStag vormittag- wurde nach dem „A Zet" der Bezirksleiter- der SdP, AloiS B e L e k a auS Krawarn, verhaftet, der rin Vetter deS Trunrzik ist. Auch ein gewisser Johann Lafak befindet sich deshalb in Haft. Eiend im Gablonzer Gebiet Was könnte geschehen? Als ich das letztemal in Gablonz war, fand ich die Menschen gründlich verändert. Wo früher auch unter der Arbeiterschaft ein gewisser Wohlstand herrschte, hörte man nichts als Klagen über Not, Hunger und Elend. Meine Schulfreund«, früher gut bezahlte Arbeiter, sind heute zum Teil zu Bettlern deklassiert. Die Stadt Gablonz freilich, hat ihr Gesicht nach außen hin nicht wesentlich verändert. Noch immer sieht der Freitag die sogenannten Lieferanten in den Kaffeehäusern, aber verbürgten ihnen die Beträge, die sie früher Woche für Woche in den Exporthäusern kassierten, ein halbwegs sorgenfreies Leben, so wissen sie heute vor Schulden weder aus noch ein. Geht man in die Jndustriedörfer um Gablonz, so sieht man das geänderte Bild kraß und deutlich. Als Beispiel sei di« 7000 Einwohner zählende Gemeinde Morchenstern angeführt. Mc-rchenstern war einmal Sih der Glasknopf« und Bangle-indüstrie. BangleS sind Glasringe, die die Inder in großer Mengt bezogen und jährlich bei irgendeiner religiösen Feier zerbrachen. Davon lebte ein großer Teil deS Gablonzer Bezirke-. Heute hat die japanische Konkurrenz, di« die BangleS zu dem Preise herstellt, den bei unS das Rohmaterial kostet, Gablonz vom Markte verdrängt. Längst ist die Zeit vorüber, wo sich auf dem Gablonzer und Morchenstern«« Bahnhof die Kiste» mit den Aufschriften Bombay, Kalkutta, Karachi häuften. Der Export, der im Jahre 1923 800,000.000 XL pro Jahr betrug, ist heute auf 120,000.000 XL geschrumpft. Und daS bei weitaus billigeren Preisen. Aehnlich ist die Lage in der Knopf- induftrie. Nur die Hclzknopffabrik Schowanek in Morchenstern-Georgenthal ist voll beschäftigt, ja macht sogar Ueberstunden und der Unternehmer zahlt in großzügiger Weise Wochenlähn« von 40 tiS 80 XL, ein qualifizierter Borarbetter kann sogar 120 XL Pro Woche verdienen. Allerdings lassen die sanitären und die Sicherheitsvorkehrungen in diesem Betrieb alles zu wünschen übrig. Inder Gemeinde Morchenstern gibt eS 2000 Arbeitslose, die nicht mehr unter die Genter Unterstützung fallen und bei der Finanzlage der Gemeinde auf die Staatsunterstützung fast ohne jeden Zuschuß angewiesen sind. Dies« Einkommen-Verhältnisse bestimmen auch den Gesundheitszustand der Bevölkerung. Der Stadtarzt von Morchenstern, Dr. Josef Hanff. berichtete mir folgende-: Während die Ge ling Gugsa König von Mussolinis Gnaden burtenzahl in ständigem Sinken fft, wird die Alter-sterblichkeit immer größer. Die alten Leute mit ihrem von Hunger geschwächten Körper können den Krankheiten keinen Widerstand mehr entgegensetzen. Auch die Tuberkulose, die eingedämmt schien, lebt wieder auf. Weiter- erzählte mir ein Arbeitsloser, er kaufe sich für seine 10 XL wöchentlich zwei Laib Brot und einen Kessel Wurstsuppe, davon lebe er' seit Wochen.— Die Lage der Gewerbetreibenden ist natürlich, da ihre Käufer au-fallen, katastrophal. DieS alle- schafst für die Henleinpropaganda den günstigsten Boden. Morchenstern ist nur ein Beispiel und ein nicht besonder- typischer Fall für den ganzen Gablonzer Bezirk. Hilfe ist dringend und nicht besonders schwierig. Man mutz Arbeit schaffen. Diese Arbeit wäre der dringende Neubau de- Gablonzer BahnhofeS, die Betonierung der BezirkSstratzen und der, Bau einer Hauptstrecke bis Gablonz, der schon längst geplant ist und dem auch ftta- tegische Bedeutung zukäme. So könnte man mehr als die Hälfte der Arbeitslosen de- Gablonzer Bezirke- in Arbeit stellen und dadurch würde ein Großteil der Henleinpsychose, deren Ursachen zum guten Teil au-wegslose Rot und Elend find, in dieser Hochburg der Faseisten verschwinden. Die konstituierende Sitzung der böhmischen Landesvertretung, die für Donnerstag einberufen worden war, wird auf Freitag, den 23. Oktober, 11 Uhr, verschoben, weil am DonnnerStag das Leichenbegängnis deS verstorbenen Vorsitzenden deS Abgeordnetenhauses Bohumir BradäL, stattfindet, an welchem sich zahlreiche Mitglieder der Landesvertretung beteiligen wollen. Der Bürgermeister als Dienststelle derSdP Ein charakteristischer Fall von Gleichschaltung der Gemeinden Auf der öffentlichen Aushangtafel der Gemeinde Obergeorgenthal bei Ober- leutenSdorf fand sich in diesem Sommer folgender Anschlag: Verordnung deS Landespräsidm ten in Prag vom 22. Juni 1933 Auf Grund der Bestimmung deS 8 2 deS Gesetze- vom 23. Juni 1929, S. d. G. u. V. Nr. 98, finde ich die im ß 1 desselben Ge setzes festgesetzten Wildschonzeiten für da- Jahr 1935 im ganzen Lande Böhmen auf folgende Art abzuändern. 1. Die Schonzeit der Rehböcke beginnt am 1. Oktober 1935 und endet am 15. Mai 1936. 2. Die heurigen Rehkitzen, Gamsbock, Mufflonwidder, Haselhuhn, und Wachtel werden durch daS ganze Jahr 1935 geschont. 3. Die Schonzeit der Rebhühner endet am 14. August um 24 Uhr und beginnt wieder am 16. November. 4. Die Schonzeit der Wildenten endet am 15. Juli um 24 Uhr und beginnt wieder am 1. Jänner 1936. Ueberttetungen dieser Verordnung werden nach der Bestimmung des 8 10 des Gesetzes vom 25. Juni 1929, S. d. G. u. V. Nr. 98 geahndet. -» Die der Schule entlassenen Jungen, die ei« Handwerk erlernen willen, und jene Meister, welche Lehrlinge aufzunchmen bvabstchtigen, mögen sich biS 15. Juli 1935 beim OrtS» gruppenleitcr derSdP, HrrrnGustav DeuirawSkh inObergeirgrn- thal Nr. 431, melden, der weitere Bermtttlnng einleiten wird. * Es wurde«ine braune Ledertasche gefunden. Bürgormeisteramt Obergeorgenthal, am 9. 7. 1935. Der Bürgermeister: Otto SedlaLek e. h. Wir können unS wohl jeden Kommentar zu dieser Tatsache ersparen. Sie ist ein Beweis dafür, daß ein Großteil der Provinz längst mit der SdP gleichgeschaltet ist und daß diese Gleichschaltung vor amtlichen Stellen nicht Halt macht. Der Nazi mit dem tschechischen Namen hat sich wahrscheinlich wirüich gar nichts dabei gedacht, als er sich zum Organ der Henleinftont machte. Warum sollte er auch! Die Verantwortlichen im Staate, dieselben Leute, die wegen deutscher Taferln große Kämpfe ausgettagen haben und so peinlich an den Begriffen vom.verdeutschten" und»gemischten" Gebiet festhalten, dieselbenKreise, die sich der R eg elung d er öff entlich e n A rb e i ts v ermittlung hindernd in den Weg stellen, scheinen der Umwandlung des„verdeutschten" Gebietes in ein»verhitlertes" ja mit größtem Wohlwollen gegenüberzustehen. m a < er I Reise von Rotterdam nach Königsberg befand, ist' seit dem 17. Oktober überfällig. Am Sonntag wurde die Reederei telephonisch benachrichtigt, daß in Egmont(Holland) ein leeres Rettungsboot des Schiffes angetrieben sei. Man befürchtet, daß Schiff und Besatzung den in den letzten Tagen in der Nord- und Ostsee wütenden Stürmen zum Opfer gefallen sind. kontrollierende Produktton in China und Indien. Dieser ungeheuren Produktion steht ein ebenso ungeheurer Bedarf gegenüber. Fast das gesamte in Europa hergestellte Opium und Morphium wird von China verbraucht. Als Zwi- fchenhändler fungiert fast ausschließlich Japan. Die Gewinne des japanischen Rauschgifthandels sind außerordentlich: ein Kilo Morphium, das in Frankreich mit 4000 Frank eingekaust wird, wird in China für 180 bis 200.000 Frank verkauft. Dr. Rubakin schätzt die Zahl der dem Rauschgift verfallenen Chinesen auf 40 Millionen Menschen. Der gefeffelte Komiker. Wie der„New Jork Gerald" aus Los Angeles meldet, mußte der Film-Komiker Busi er Keaton gefefselt in die psychiatrische Abteilung eines Militärkrankenhauses übergeführt werden, weil er— infolge finanzieller Schwierigkeiten und familiärer Konflikte— geistig erkrankt ist und an Tobsuchtsanfällen leidet. Ein tragisches Ende für einen Künstler, der das Filmpublikum der ganzen Welt Jahre hindurch zum Lachen gebracht hat und neben Chaplin der berühmteste Grotesk- Komiker der Leinwand zur Zeit des stummen Films war. Aber die Zeit des stummen Films ist seit sechs Jahren vorüber, die Welt-Erfolge Buster Keatons in der historischen Parodie„Der General" und in der modernen Satire„Der Filmreporter" find bei den meisten schon längst vergessen, und die Versuche Buster Keatons, sich auch im Tonfilm noch zu behaupten(von denen wir noch voriges Jahr in dem Film„Der Löwe von Paris" Proben fahen) hat man dem Mann, über den man nun nicht mehr gpiiug lachen konnte, beinahe übel genommen. Daß Buster Keaton dieses Schicksal besonders ttef verwundet hat, ist kaum überraschend: denn dieser Ko- miker war immer ein schwermütiger Mensch, und das Hinreißende seiner Komik beruhte auf dem rätselhaften Widerspruch zwischen seiner melan- cholischen Erscheinung und seiner grotesken Beweglichkeit. Nun hat die Wirklichkeit diesen Wi- derspruch auf tragische und gewaltsame Art ge- löst: die Wirklichkeit der technischen Umwälzung und der wirtschaftlichen Krife, vor der auch ein- stiger Ruhm den Komiker Buster Keaton nicht hat retten können. Er ist ihr wie so viele Millio- nen anderer zum Opfer gefallen, ein Beispiel mehr dafür, daß auf die Dauer auch viele von jenen, die man fiir Ausnahmemenschen hält, dem Massenschicksal nicht entrinnen. Internationale Genossenschafter besichtigen unsere Genoffenschaftsbettirbe. Anläßlich der Tagung des Zentralvorstandes des Internationalen Genoffenschaftsbundes besichttgten, wie wir der „Konfumgenoffenschaft" entnehmen, ausländische Genoffenschafter Betriebe des Verbandes der deutschen Wirtschaftsgenossenschaften. So nahmen Vertreter von sechs auswärtigen Delegationen die Einladung der Gec an und besichtigten deren Nährmittelwerke in Neratovic, wo sich gerade die jüngsten Betriebszweige der Eigenproduktion der Gec, nämlich die Stärke- und Glukose-Erzeugung in Betrieb befanden. Nach den Bekleidungswerken in Mhmisch-Kamnitz und nach dem Lagerhaus in Bodenbach sichren Vertreter der Genoffenschaftsbewegung Belgiens, Finnlands und der Sowjetunion. Als besonders bedeutungsvoll ist die Teilnahme von Berttetern der Genosien- schaftsbewegung der Sowjetunion zu werten, aus welchem Lande zum ersten Male eine Exkursion in unseren genoffenschaftlichen Betrieben begrüßt werden konnte. Die ruffischen Genoffenschafter besuchten auch den Konsumverein' in Böhmifch- Kamnitz, dessen Verteilungsstellen in Stadt und Land ihr befonderes Jntereffe fanden. Eisenbahnschaffner springt vor den fahrenden Personenzng. Montag früh wurde auf der Eisenbahnstation Leitmeritz-Haltestelle bei der Abfahrt des Personenzuges nach Tetschen um halb acht Uhr der im Zuge diensthabende Eisenbahnkondukteur G. Beck aus Tetfchen durch Ueberfah- ren sofort getötet. Der Kondukteur war im Momente der Abfahrt des Zuges auf das Trittbrett eines Personenwagen aufgesprungen und es hatte zuerst den Anschein, als läge ein Unfall durch ein Äusgletten auf dem durch Regen feucht gewordenen Trittbrette vor. Bei der Ankunft der Zugsgarnitur in Tetschen wurden auch die Papiere des Getöteten übernommen und durchgesehen und unter diesen auch ein in Prag geschriebener Abschiedsbrief gefunden, aus deffen Inhalt festgestellt werden konnte, daß der Tod des Kondukteurs nicht auf deffen Unvorsichttgkeit oder einen unbeabsichttgten Unfall, sondern auf die Ab- sicht eines selb st gewählten Todes zurückzuführen ist. Dreistöckiges Getreidemagazin eingestürzt. In Humenne in der Ostftowakei ereignete sich am Dienstag ein Unglück, das ein Menschenleben forderte. In dem dreistöckigen Getreidemagazin der Getreidegesellschaft stürzte das Dach ein, fiel ins Erdgeschoß und ritz alles Gebäll und die großen Vorräte von den drei Stockwerken mit in die Tiefe« In den Trümmern fand der 45jährige Landwirt Josef Hrubovfkh, Vater von vier Einladung für die am 2«., 27. und 28. Oktober in Auffig stattfindende Technikerschulung für das 3. Bundesturnfest 1936, Komotau Teilnahme« berechtigt sind: •?$), Der Bezirksmänner» tnrnwatt, der Be- zirksfrauenturnwart, der Bezirksknaben- turnwart, der Be- zirksmädchenturn- wart, der Bezirks« erzieher, aus jedem Bezirke zwei Nach- wuchSfunkttonäre für Männer» und Frauen-, bzw. Knaben und Mädchen« turnen, alle Kreisspartenleiter des 5. Kreises und alle Kreisturnausschutzmitglieder. Alle Teilnehmer, mit Ausnahme der Bezirkserzieher, haben sich bis spätestens Samstag, den 26. Oktober, halb 4 Uhr nachmittags, in der Jugendherberge in Aussig zu melden(Meldeschein), Bezirksturnwarte, welche eine Funftion im Kreisturnausschutz bekleiden, nehmen als Bezirksvertreter teil. Ersatz wird nicht angenommen. Al» Gäste nehmen Samstag bei der Eröffnung die Bezirksobmänner teil. Dieselben müssen, wie die Erzieher, um 7 Uhr in der Jugendherberge sein. Programm; S a m S t a g: ab halb 8 Uhr GemeinschaftSturnen in der Körnerschule. 8 Uhr: Eröffnung durch den Kreisobmann Genoffen E r l a ch e r. Referate: Genoffe Kunig: Propaganda und Aufgaben zum 3. Bundesturnfest.— Genosse Hiebsch: Arbeitsplan. Sonntag, den 27. Oktober: Kinder-, Männerund Frauenturnen in drei Sälen, BereinStur« nen, Erzieherkonferenz. M o n t a g, den 28. Oktober: Kreissondervorführung, Vereins turnen. Die Leitung deS 5. TurnkreiseS. kleinen Kindern, der im kritischen Augenblick einen Sack Getreide vom dritten in das zweite Stockwerk trug, den Tod. In dem verhängnisvollen Augenblick befanden sich etwa 30 Landwirte und Kommiffionäre in dem Gebäude, die, als sie ein verdächtiges Gepraffel vernahmen, das Magazin schleunigst verließen und sich so retteten. Nur ein Landwirt wurde an der Hand verletzt. Die Ursache des Unglückes wird von einer Ge» richtskommiffion untersucht. Mordtat eines Duxers in Wiener-Neustadt. In der Nacht zum 15. August d. I. war der Nachtwächter Martin K o z u m p l i ck, ejn Angestellter des Gutew Lämplein Wiener-Neustadt, während seines Rundganges von einem Diebe, den er gestellt hatte, durch einen Revolverschuß getötet worden. In diesen Tagen ist es nun der Gendarmerie gelungen, den Mörder ausfindig zu machen. ES ist dies der 20jährige Mechaniker Herbert Böhm aus Dux, ein mehrfach schwer vorbesttaster Einbrecher, der sich derzeit wegen anderer Delikte in der Hast des Wiener Landesgerichtes befindet. Die Rückfahrkarte» zu Allerheiligen und zu« StaatSfeiertag. In Anbettacht deffen, daß der Feiertag Allerheiligen im heurigen Jahre auf eine« Freitag fällt, hat das Eisenbahnministerimn für diesen Fall die Gülttgkeit der Sonntags-Retour- fahrkatten derart geregelt, daß die Hinreise an irgendeinem Tage ab Donnerstag, den 31. Oktober, bis Sonntag, den 3. November, die Rückfahtt ab Freitag, den 1. November bis Montag, den 4. November angetteten werden kann. Die Rückfahrt am 4. November mutz spätestens bis 12 Uhr mittag» angetteten werden und spätestens bis 24 Uhr beendet sein. Für den Doppelfeiettag am 27. und 28. Oktober gelten die Sonntagsrückfahrkarten bereits nach den allgemeinen Tarif-Bestimmungen für die Hin-Fahtt ab Samstag, den 26. Oktober bi» Montag, den 28. Okwber, für die Rückfahrt ab Sonntag, den 27. Okwber bi» Dienstag, den 29. Oktober, an welchem Tage die Rückfahrt bis. 12 Uhr mittags angetreten und spätestens bi» 24 Uhr beendet fein mutz. Vom Rundfunk ImMüMiwartu mm 4m ProgriMMii Donnerstag: Prag, Sender L: 6.15: Gymnastik, 10.05: Deuffche Presse, 11: Schallplatten, 11.05: Salonorchester, 12.10: Opernpotpourris, 13.40: Zigeunerorchester, 17.15: Russische Lieder, 18.45: Deutsche Sendung: Sportvorschau, 17.50: Kompositionen von Wessely, 18.10: Dr: Nagel: Di« Reifeisenkaffen und der Welffpattag, 18.55: Schallplatte«, 19.15: Englisch für Anfänger, Sender S: 7.80: Leichte Musik, 14.15: Deutsche Sendung: Dr. Knobloch: Infrarote Photographie, 14.80: Leichte Musik, 14.50: Deutsche Presse.— Brünn 13.30: Deutscher Arbeitsmarkt, 17.40: Deutsche Arbeitersendung: Jurda: Unternehmer al» Schädlinge der Sozialversicherung, 18.80: Schallplatten: Schubett.— Mährisch.Ostrau 18.10: Deutsche Sendung: Rumpelstilzchen nach Grimm.—« Preßburg 17.50: Klavierkonzert, Nr. 247 Mittwoch, 23. Oktober 1935 Sekte 5 Die Sowjet-Sterne am Kreml Moskau. Vor einiger Zeit sind die alten Zaren« Adler von den Türmen des Kreml entfernt worden, die durch Hammer, Sichel und Sowjet-Stern ersetzt werden. Die„Jswestija" berichten, daß die Herstellung der Sterne nunmehr beendet ist. Für diese Sterne sind 7.000 Ural-Halbedelsteine verwendet worden. Jeder Stein ist in eine vergoldete Silberfaffung eingeschlosien. Der Stern selbst erhält eine Faffung aus einem Gemisch von nichtrostendem Stahl und Bronze. Um die Insignien gegen alle Witterungseinflüffe zu schützen, sind sie vorher den größten Temperaturschwankungen bis—100 Grad und bis 60 Grad Hitze unterworfen worden. Sie sind eine Woche lang unter Waffer gesetzt worden, und künstliche Winde bis zur Stärke 15 haben ihre Unzerbrechlichkeit erwiesen. Die Steine sind Alexan- drite, Bergkristalle, Goldtopase und sogar Aquamarine und Amethyste. Sie sollen im Licht der Scheinwerfer einen zauberhaften Eindruck machen. Sie erziehen die Abeffinier zur Kultur! Das DNB. meldet: Das italienische Truppenkommando hat zwei abeffinische Gefangene standrecht- lich erschießen lasten, weil sie im Besitze verschiedener Gegenständ« des als einer der Ersten bei Adua gefallenen Leutnants Morgantini waren. Man darf also nach mussolinischem Recht nur im großen stehlen: Länder, Provinzen, Freiheiten, Rechte... wer aber einem gefallenen Gegner eine Taschenuhr abnimmt(was vermutlich im Weltkrieg zehntausende Italiener jeden Ranges ost getan haben), wird von den Kulturträgern abgeschlachtet. Das furchtbare Erlebnis der Simone Deny. Paris. Bor einigen Tagen hatte ein zwanzigjähriges Mädchen, Simon Deny aus Nizza, ein furchtbares Erlebnis. Gemeinsam mit ihrem Freunde Charles Baltier hatte sie beschlossen, in den Tod zu gehen. Verzweiflung und Not waren die Gründe. Die beiden jungen Leute begaben sich auf einen Bauplatz, gruben ein gemeinsames Grab aus und versuchten sich an einem Baumast zu erhängen. Während Baltier sein Vorhaben glückte, fanden die Füße des Mädchens eine Stütze an einem Stein, so daß sich die Schlinge nicht zuzog. Halb irrsinnig vor Entsetzen befreite sie sich wieder und rmmte zum nächsten Kom- missariat, um Hilfe zu holen. Man konnte ihren Freund nur noch tot aus der Schlinge nehmen. -— Die unglückliche Selbstmörderin liegt mit schwerem Nervenfieber in einem Hospital von Nizza. Bei einer Motor-Explosion an Bord des Dampfers«11 st a", der sich auf der Fahrt nach dem Hafen von D e rg e n befand, wurden v i,x r Mann der Besatzung ge tötet. Sechs Mann wurden schwer, einige andere leicht verletzt. Unwetter in Italien. Heber ganz Mittelund Süditalien sind in den letzten Tagen starke Unwetter niedergegangen, die teilweise großen Schaden anrichteten. In der Nähe von Syrakus' auf Sizilien wurden fünfBauernbei einem! heftigen Gewitter vom Blitz erschlagen.' Die Wiesen und Felder stehen zum größten Teil unter Wasser. In den Weingegenden hat die Ernte furchtbar gelitten. In Trapani im Nordwesten Siziliens haben heftige Stiirme in der j Nacht zum Dienstag 83 Siedlungshäu-i s e r zum E i n st u r z gebracht. In Trapane, im Kreise Pececo, vernichtete ein gewaltiger Orkan' 80 Häuser. Bei den übrigen Gebäuden der Stadt droht Einsturzgefahr. UmS Leben ist nie- wand gekommen, doch sind besonders auf dem flachen Lande die Schäden sehr groß. Ein verheerender Wirbelsturm suchte die griechische Hafenstadt Kalamaki heim und vernichtete in weniger als fünf Minuten f a st die gesamte Vorstadt. Die Gewalt des SturmeS war so stark, daß die Dächer der Häuser abgedeckt und die kleineren Häuser völlig zerstört wurden. Mehrere Personen wurden verletzt. Der durch den Wirbelsturm entstandene Sachschaden ist sehr groß. Erben werden gesucht. In letzter Zeit ist in Amerika Ludwig Vittner, geboren am 25. September 1875 in der Tschechoslowakei, der rund 2800 amerikanische Dollars hinterlassen hat, gestorben, verwandte, die einen Anspruch auf diesen Erbteil erheben, mögen sich bei JUDr. Poläöek, Advokat Prag II., Skolskä Nr. 3, schriftlich melden. Die Wetterverschlechterung dringt unter Abkühlung ostwärts vor. Die Wärmegrenze Zerläuft nunmehr durch die Mittelflowakei: Turö Sv. Martin und Nitra hatten Dienstag nachmittags nur 7 Grad, Luöenec und Zipfer Neudorf dagegen noch 15 Grad. In Böhmen haben die Niederschläge bis auf geringe Ausnahmen bereits aufgehört, in den übrigen Ländern der Republik fällt noch vielfach Regen. Das Gebiet außerordentlich warmen Wetters ist nach Rumänien abgezogen, wo am Dienstag nachmittags bis zu 25 Grad verzeichnet wurden. Eine wesentliche, rasche Besserung de- Wetters kann nicht erwartet werden; nur am West« und Nordwestrand des Staates dürste sich die Bewölkung unter dein Einfluß eines lleinen Druckhochs vorübergehend verrin- gern.— Wahrscheinliches Wetter von heute: Äm Westen der Republik strichweise etwa- aufklä- rend und leichter Nachtfrost, Beruhigung. In den mittleren Teilen des'Staates vorwiegend bis wechselnd bewölkt, Abnahme der Niederschläge, kühl. Im Osten trüb, zeitweise noch Regen, kühler.— Wetter« aussichten für Donnerstag: In den böhmischen Ländern im allgemeinen etwas wärmer; im Osten unbe- Himdig und kühl. Jnnenkolonisation und Auswanderung Zur Enquete der landwirtschaftlichen Akademie Mehr als einmal haben die deutschen Sozialdemokraten auf die Notwendigkeit einer Jnnenkolonisation hingewiesen, die fortsetzen sollte, was unsere Bodenreform nur mangelhaft durchgeführt hat. Die andauernde Wirtschaftskrise drängt geradezu nach Inangriffnahme einer großzügigen Siedlung, die eine Unterbringung von Arbeitslosen bezweckt und ihnen wenigstens einigermaßen ihr Fortkommen erleichtern soll. Deshalb hat schon im Vorjahre unsere Partei einen darauf abzielenden Antrag durch I a k s ch und Genossen im Parlamente einbringen lassen, der die Ansiedlung Arbeitsloser verlangt im Zusammenhänge mst der Entschuldungsfrage in der Landwirtschaft. Spät aber doch haben sich nun auch die tschechischen Agrarier in einer Enquete der landwirtschaftlichen Akademie mst dieser Frage besaßt. 13 Redner wurden aufgeboten, die sich mit den Auswirkungen der Krise befaßten und als Ausweg einerseits die Jnnenkolonisation, andererseits die Auswanderung empfahlen. Bemerkenswert war der Hinweis des Präsidenten des statistischen Staatsamtes, Dr. Auerhahn, der unser Auswanderungsgesetz als Hindernis einer großzügigen Wanderungsbewegung bezeichnete und dessen Novellierung forderte. Förmlich überraschend waren die Abführungen vom Ministerialrat P a v e l. Ihnen zufolge sind etwa 80.000 Hektar Grund in den Händen von Gutsbesitzern(Restgüter?), die ihn schlecht bewirtschaften und der deshalb zur Siedlung verwendet«erden könnte. Auch von Staatsgütern sollte Boden zu diesem Zwecke bereitgestellt werden. Dann verwies er auf die unhaltbaren Verhältnisse bei der Verpachtung von Gemeindegrund» wo den bedürftigen Häuslern und Landarbeitern oftmals die Grundstücke von den größeren Besitzern weglizi- tiert werden. Dieser Druck sei durch eine Reformierung der Pachtvergabe zu beseitigen.(Eine Forderung, die von den organisierten Kleinbauern schon seit Jahren immer wieder erhoben wird.) Weiters sei ein Eingriff auf dem freien Grund- stücksmartt notwendig, um zu verhüten, daß Leute Grund und Boden erwerben, die ihn nicht selber bewirtschaften. Als Beispiel führte er den reichsdeutschen Boxer Schmerling an, der das Gut in Nepomuk gekauft habe. Auch die Forderung, die von dem verstorbenen deutschen Bodenreformer Damaschke stammt, wird man als vernünftig und gerecht bezeichnen können. Die ansonsten sachlichen Ausführungen Pavels wurden aber sehr abgeschwächt durch seine ununterbrochenen Hinweise auf angebliche Maßnahmen in Hitlerdeutschland, die dort am Papier stehen und nie verwirklicht wurden. Vielfach berief sich Pavel auch auf bloße Aeußerungen des Herrn Darrs, die vollständig subjektiv und wertlos sind, und außerdem der Praxis ins Gesicht schlagen. Die großzügige Siedlung in Deutschland wurde seinerzeit vom demokratischen Regime begonnen und von den Nazis heute um die Hälfte eingeschräntt. Deshalb kann man derartige Auslassungen nicht zur Grundlage von ernsten Sied- lungsmahnahmen in unserem Lande nehmen. Es ist daher notwendig, daß sich die sozialistischen Parteien dieser Angelegenheit annehmen und den Einfluß der Agrarier, der sich bei dem Getreidemonopol so ungünstig ausgewirkt hat, hier auf ein entsprechendes Maß zurückzuürängen. Jnnenkolonisation und Auswanderung für beschäftigungslose Menschen sind soziale Angelegenheiten und für solche haben die Agrarier nie viel Interesse übrig gehabt, es wäre denn, daß hiebei ein politisches oder sonstiges Geschäft winkt. Wenn es ihnen ernst ist mit diesen Problemen, dann wird sich zweifellos auf rasche Weise eine Lösung finden lassen. Sa. Wtr rümpfen für alle Kinder mn Nahrung. Kleidung, Wohnung und Freude. Führe deiner Organisation neue Mitglieder, neue Mitkämpfer zu! Arbeiterverein„Kinderfreunde“. Das Doppelleben eines kleinen Beamten Die Lebenslüge eines Steueradjunkten— Sieben Jahre galt er seiner Familie als Doktor und Konzeptsbeamter ’ Prag. Der Fall des 35jqhriäen Steuerädjunk- ten Vladimir Watzke. der sich wegen vielfachen schweren Mißbrauches der Amtsgewalt in zweitägiger Verhandlung vor dem Schwurgericht zu verantworten hat. ist in seinen Motiven nicht alltäglich. Der Angeklagte, der sich reumütig zu seiner Schuld bekennt, gibt zu. als Referent der Steueradministrationen Weinberge und Smichov 20 Steuerzahlern unter Mißbrauch seiner Amtsstellung Beträge zwischen 1000 und 18.700 Kä herausgelockt zu haben. Seit 1027 war der Angeklagte bei der Steuer- adminisiration Weinberge anqestellt, wo er dem Referat für direkte Steuern zugeteilt war. In dieser Eigenschaft hatte er die Steuerbemessung für die Nüster Gastwirte durchzuführen, entschied über Ansuchen um Steuerabschreibungen. Bewilligung von Ratenzahlungen, Aufschub von Exekutionen. Steuerherabsetzungen und dergleichen. Da diese Tätigkeit seine Arbeitszeit nicht ausfülltc, wurde er auch zu Arbeiten in der Steuergruppe der Nüster Tischler herangezogen. Seine Agenda brachte ihn in ständige Berührung mit gewerbetreibenden Steuerzahlern, die mit den Steuerbehörden Schwierigkeiten batten und er nutzte die Ratlosigkeit verschiedener Parteien in übler Weise aus. Wir wollen auf die zwanzig Fälle, die das Enunziat der umfangreichen Anklage anführt, nicht im Detail eingshen. Kurzum— er ließ sich von Parteien, die um Aufhebung oder Aufschub von Steuerexekutionen«inschritten, um Abschreibungen ansuchten oder ähnliche Bittgänge zum Herrn Referenten unternahmen,„a conto-Zahlungen" leisten, wofür er das Blaue vom Himmel versprach. Daserbaltene Geld steckte er in die eigene Tasche. Dafür stellte er den Parteien Zahlungsbestätigungen aus. für die er unberechtigterweise Amtsstampiglien mißbrauchte, Unterschriften fälschte und Amtsformulare fälschlich ausfüllte. In Staatsämtern ist zur amtlichen Unterschrift selbst des geringfügigsten Dokumentes einzig und üllein der Abteilungsvorstand(„Approbant") berechtigt. Ferner sind, speziell bei. der Steuerverwaltung, Zahlungen grundsätzlich nur durch Posterlagscheine zu leisten und die Referenten nicht berechtigt. Geld in bar anzunehmen, worauf in allen Amtsstuben durch auftallende Plakate aufmerksam gemacht wird. Es ist nur ein Beweis für die erschreckende Unkenntnis der Bevöllerung über den Verkehr mit Behörden, wenn sich zwanzig Leute sanden, die sich auf so plumpe Art hereinlegen ließen. Die Leute zahllen also dem Herrn Referenten willig schwere Gelder und glaubten ihm aufs Wort, daß dgmit ihre Sachen in Ordnung gebracht seien. Verwunderlich bleibt, daß Watzke seine Tätigkeit jahrelang fort setzen konnte, ehe der Schwindel auffloa.. Denn selbswerständlich nützten den Parteien ihre„a conto-Zahlungen" keinen Deut. Watzke wurde schließlich nach Smichov versetzt und dort aut im Auge behalten, denn es be- ganck durchzusickern, daß keine Amtstätigkeit einigermaßen anrüchig sei. Obwohl die Smichover Steuer« adminiftratton in seinem Amtszimmer ein besonders auffallendes Plakat anbringen ließ, daß die Beamten zur Annahme von Geld nicht berechttgt seien, setzte er auch bier seine gesetzwidrige Tätigkeit kort, bis die Sache durch Zufall aufflog. Der Gesamt- schadebeträgt 14.443 llc. Vladimir Watzke ist geständig. Seine. Verteidigung beschrankt sich darauf, er habe sich seine Verfehlungen aus Liebe zu seiner Frau zu- fchulden kommen lassen. Und tatsächlich— die Untersuchung hat Momente zutage gebracht, die dem Angeklagten menschliches Mitgefühl sichern, wie fehr man auch seine Fehltritte verurteilen mag. Im Jahre 1027 verliebte sich Watzke in ein Mädchen. Um ihr zu imponieren, gab er sich als DoktorderRechteundKonzeptsbe amten der Steuerverwaltung aus. Die Bekanntschaft führte zur Eheschließung und es war eine gute und glückliche Ehe. Watzke fand aber nicht den Mut. seiner Frau einzugesteben, daß er keinen akademischen Titel trage unb kein Konzevtsbeamter sei. Der Steueradjunkt führte durch sieben Jahre«in Doppelleben. Um seine Frau nicht zu verlieren, spielte Watzke seine Rolle weiter. Und da sein Gebalt bei weitem nicht den Einkünften entsprach, die er seiner Braut vorgespiegelt hatte, ergänzte er die Differenz auf verbrecherische Art. Es ist festgestellt, daß er keinerlei kostspielige Passionen batte und«in bescheidenes Leben führte. Er wollte seine Lebenslage aufrechterhalten. bi- das unvermeidliche Ende kam. Nach Verlesung der langen Anklageschrift und Vernehmung de? Angeklagten vertagte der Vorsitzende GR Kaplan den Prozeß auf Mittwoch. rb.« $pwt• Hüek-Xökprrpstege Westböhmischer Arbeitersport Proteste— Nichtgemeldete Spieler Nach dem sechsten Spielsonntag lassen sich leider einige unangenehme Merkmale des Tabellenkampfes erkennen. Einige„Erstklassige" scheinen durch das Miffpielen von nichtgemeldetenSpielern ihre schwachen Teile ausgleichen zu wollen. So dürften Sie Punkte der Fischerner vom Spiel gegen Unterreichenau und die Punkte des ASB Altrohlau bei den Spicken gegen Fallenau und AtuS Karlsbad den eingebrachten Protesten zum Opfer fallen. Die erstklassigen Spicke brachten die erwarteten Siege der Spitzenvereine. So konnten Maierhöfen, Chodau und ber FJK Falkenau gewinnen; der Kreismeister sogar am Platze de- AtuS Drahowitz, das will schon etwas heißen. Atus Karlsbad spielte gegen Altrohlau unentschieden, eS ist dies ein Beweis gefestigter Spielstärke. G r a S l i tz schickte N« u d e k mit acht Toren heim. Eine Überraschung ist die hohe Niederlage Unterreichenaus in Schankau, der .Neue" macht sich gut. Die Spiele und die Tabelle der ersten Klass«: ASB GraSlitz gegen ASB Neudek 8:1. Rote Elf Cbodau gegen Atus FranzenSbad 4:3, Atus Dri.howitz gegen ASV Maierhöfen 2:4, FFK Falkenau gegen ASB Fischern 3:1. AtuS Karlsbad Feinde unserer Zahne sind am gefährlichsten, wenn sie ihr Zerstörung«* werk unbemerkt vollbringen können wie oas Mitlionenheer der Fäulnisbakterien. Wenn die Schäden sichtbar werden, ist es schon zu spät Besser ist rechtzeitiges Vorbeugen durch regelmäßige Zahnpflege mit ChlorodonfZahnpaste,die trotz größter Putzkraft den empfindlichen Zahnschmelz nicht angreift. Tube Kc 4—." gegen ASB Altrohlau 8:3, Atus Unterreichenau 7:2. ASV Schankau gegen Rote Elf Chodau.,, 6 4 1 1 9 13:13 ASB Allrohlau... 5 3 2 0 8 17:9 ASV Maierhöfen.,, 5 4 0 1 8 15:8 FFK Fallenau.,, 6 4 0 2 8 16:13 Atus Drahowitz,,, 6 3 1 2 7 14:8 Atus Karlsbad,,, 5 3 1 1 7 8:6 ASB Schankau,,, 5 3 0 2 6 16:10 ASV Neudek-,,, 6 2 1 3 5 12:18 ASB GraSlitz.,,, 8 2 0 1 4 14:6 Atus Fischern.-,, 6 2 0 4 4 12:21 Atus Unterreichenau., 6 1 0 5 2 9:17 Atus Franzensbad,, 6 1 0 5 2 8:19 Sportbr. Eibenberg., 5 0 0 5 0 6:13 Auch die unteren Klaffe»-eigen Formanstieg Die zweiteKlasse des 5. Fußballbezirkes hat Sonntag die Herbstserie beendet. Sp i tz e n f ü h r e r ist die Reservemannschaft G r a s l i tz, welche mit Torvorsprung vor dem punktegleichen Unterrothau steht. Atus N«u- s a ttl konnte sich durch den Sieg über P o ch Io- Witz noch zwei Punkte retten, der Verlierer gehr leer aus. Die zwei letzten Spiele am Sonntag: ASK Pochlowitz gegen Atus Unterrüthau 1:3, Atus Neu- sattl gegen ASB GraSlitz 1b 2:3. Die Schluß-Herb st tabelle: ASB GraSlitz.. Atus Unterrothau Atus Reusattl. ASK Pochlowitz, 8 2 10 5 3 2 10 5 8 1 0 2 2 8 0 0 3 0 11:6 8:5 6:7 4:11 Die dritte Klaffe kämpft wacker Die Ergebnisse vom Sonntag und der Tabellen st and: Turner Granesau gegen Atus Chodau lb 8:0, A-SB Horn gegen AFK Granesau 4:5, Rapid NeugraneSau gegen FFK Fallenau lv 5:3, ASV Hunschgrün gegen Atus Puschezau 2:0. Turner Granesau ,,550 FFK Fallenau II,, 5 4 0 Rapid Granesau ,,54 0 Atus Chodau ll.,, 5 2 0 ASB Horn..,,511 ASB Hunschgrün ,,511 AtuS Poschezau«,,510 AFK Granesau«,,510 0 1 1 3 8 8 4 4 10 17:3 8 29:14 8 17:7 4 9:17 8 10:12 3 6:15 2 8:16 2 15:27 Atus Prag gegen DT3 Prosek S1.S: 42.5 a?.* p Die Präger Atus-Leichtathleten standen Sonntag in Proset bei Prag der DTJ-Mannschast Proset gegenüber. Die Kräfte waren gut ausgeglichen und der Kampf gestaltete sich äußerst interessant. Die weiche, kurvenreiche Laufbahn beeinträchtigte stark die Ergebnisse in den Laufdisziplinen. Nicht unerwähnt lassen wollen wir die gute Organisation sowie den äußerst herzlichen Empfang, der den Prager Genossen in Prosek zuteil wurde. Vor einer Menge begeisterter Zuschauer gewann die AtuS- Mannschast diesen schönen Kampf mit 51.5:42.5 Punkten. Die Ergebnisse waren: 60 M e t e r: 1. Rosset(A) 7,4, 2. Skastnh (P) 7.6, 3. und 4. Amsler(A) Dvorak(P) beide 7.8 Sek.— 800 M e t e r: 1. Steidl(A) 2.27.2. 2. Stöpan(P) 2:29, 3. Jüttner(A) 2:31 Mim — 4X100 Meter: 1. Atus 56 Sek., 2. Prosek. — Schwedenstafette(400— 300— 200 — 100): 1. Prosek 2:82, 2. AtuS 2:36 Min.— K u g e I: 1. Nossek(A) 10.78, 2. Koreöek(P) 9.05, 3. Ullmann(A) 9.04 Meter.— S Peer: 1. Cerny(P) 48.70, 2. Amsler(«) 89.96, 8. Ko- reöek(P) 88.84 Meter.— Diskus: 1. Lernt; (P) 29.09, 2. Koreöek(P) 26.14, 3. Nossek(A) 25.88 Meter.— Weitsprung: 1. Nossek(A) 5.66, 2. Stastny(P) 5.60, 8. Amsler(A) 5.44 Meter.— Hochsprung:!. Karpe(A) 1.55, 2. Kminek(A) 1.50, 8. Raus(P) 1.46 Meter. Außer Konkurrenz:-Nossek(A) 1.55 Meter.— Dreisprung:!. Nossek(A) 11.68, 2. Stastnh (P) 11.38, 3. Kminek(A) 10.60 Meter. Holländischer Arbeiter- Schwimmspitt. In Zwolle veranstalttten die Amsterdamer„Water- vriende" im Freibad des Sportbundes eine Werbe- Schwimmfest, das vollen Erfolg hatte. Auch an die Propaganda für Handball wurde gedacht. Spannend war das Wasserballspiel, das, so wie das übrige Programm, starken' Beifall fand. Die wichtigsten Ergebnisse sind: 4X50 Meter Freistil: Amsterdam I 2:26 Min.; 8X50 Meter Lagenstafette(Frauen): Amsterdam! 2:15 Min.; 50 Meter Freistil:'I. Schopman(Amsterdam) 30.4 Sek.; 50 Meter Brust: Ter Heyden(Amsterdam) 41 Sek., I. Hassing (Zwolle) 41.4 Sek.; 50 Meter Brust(Frauen): S. Kats(Amsterdam) 46.6 Sek.; 100 Meter Freistil: I. Schopman 1:09.4 Min.; Wasserball: Amsterdam gegen Rest von Npderland 10:4.— Handball: Zwolle gegen Amsterdam(Männer) 4:5, Zwolle gegen Amsterdam(Frauen) 1:2. I hilft rasch bei Schmerzen in den Gelenken und Gliedern, Kopfschmerzen und bei Erkältungen. Haben Sie Vertrauen zu Togal. Gin Versuch überzeugt. In allen Apotheken erhältlich. rehäiWF'*“^—- Seite S „Sozialdemokrat" Mittwoch, 23. Oktober 1935. Nr. 247 Revue-er Wissenschaften Von Hngh Jones, London. (Schluß.) auseinander. Zu Unrecht, führte er aus, macht man die Wissenschaft für den Mißbrauch verantwortlich, der mit ihren Gaben getrieben wird. Nobel hat das Dynamit zu friedlichen Zwecken erfunden; Chlor Genug für alle! Von ganz anderer Art aber überaus fruchtbar war^die Zusammenarbeit der Physiologen und Natio- nalAonomen auf dem Gebiete der Volksernäh- r u n g Vergeblich summieren die Physiologen Kalorien und normieren Optimaldiäten, wenn der Weg nicht gefunden wird, die. ideale Volksernährung dem Volke zugänglich zu machen. Die Arbeitsgemeinschaft innerhalb der British Association kam zu unmittelbar praktischen Vorschlägen: Kontrolle der gesamten Lebensmittelproduktion durch rin'Ernährungsamt dessen Preispolitik einerseits jedermann ausreichende Ernährung, anderseits den' Farmern auskömmliche Existenz sichert. Die Preisspanne hafte, der Staat zu überbrücken, der bei ausreichender Volksernährung riesige Summen an Fürsorgeleistrmgen ersparen würde. Mit nicht weniger als 300 Mill. Pf..St. im Jahre wird die Steigerung des Verbrauchs von Milch, Butter, Eiern, Obst und Gemüse allein veranschlagt, wenn alle Unterernährung verschwindet und dir Optimalkost allgemein wird;„und warum sollte sie es nicht werden", meinte Sir John O r r, einer der ersten Ernährungsspezialisten des Landes,„angesichts der Ueberfülle an Lebensmitteln die den Nationalökonomen so viel Sorge bereitet!" Die Nationalökonomen ihrerseits versprechen sich die günstigsten Wirkungen von der alles befruchtenden Entwicklung der Landwirtschaft, die durch diese Steigerung der nationalen Konsumfähigkeit erfolgen müßte. Die Sahara und die Polarrcgionen. Daß die Sahara an Raum gewinnt, daß sie sich in den letzten drei Jahrhunderten 300 Kilometer südwärts vorgeschoben hat und heute bereits das nördliche Nigeria bedroht,. daß im letzten Jahrhundert auch in Australien, Amerika und China riesige Flächen ausgetrocknet sind,- war die fürs erste«in wenig beunruhigende Botschaft-der geographischen Sektion. Aber da man die Ursachen kennt— Waldvernichtung durch primitive Bodennutzung—, ist die Sache nicht so schlimm. Weitaus erfreulicher ist jedenfalls das Bild, da? die Geographen don der Zukunftder Polarregionen zeichneten. Professor Debenham, einer der Teilnehmer an Kapitän Scotts tragischer Südpolexpedition, sah die Züt voraus, da die furchtbaren Polarstürme, die so vielen Forschern zum Verhängnis wurden über gigantische„Windmühlen" geleitet, die ganze Menschheit.dryhtlos mit elektrischer Kraft versorgen werden. Wenn dereinst Kohle rar geworden sein wird, alle Erdölquellen erschöpft und alle Wasserkräfte in den gemäßigten Zonen ausge- nützt sein werden, wird hier ein unversiegliches Kraftreservoir zur Verfügung stehen. In noch näherer Zukunft aber wird man die bakterien« und insektenfreien Polarregionen als idealen Standort für Sanatorien und Erholungsheime benützen. Wenn die Menschen sich ein bißchen mehr ans Fliegen gewöhnt haben werden, werden sie ihren Sommerurlaub gerne im Bereich der Mitternachtssonne verbringen und Spitzbergen wird ein zweites DavoS werden. Der Flugverkehr tendiert ohnedies, heute schon nach dem hohen Norden; man denft gewöhnlich nicht daran, daß die Luftlinie von Berlin nach Montreal oder von Glasgow nach Winnipeg über Grönland führt. So steht der Fremdenverkehr bei den Eskimo? und ein Verkehrsschutzmann am Nordpol in naher Aussicht. Mißbrauchte Wissenschaft. Gerade diese optimistischesten Ausblicke aber, die die Tagung der British Association eröffnete, gerade die Perspektiven einer immer noch weitergehrn- den Beherrschung aller Naturkräfte durch den Menschen, waren eS sonderbarerweise, die unter den Zuhörern in Norwich und im Publikum des ganzen Landes am meisten Skeptizismus weckten. Nicht, als ob man die Zuverlässigkeit der wiflenschaftlichen Voraussagung selbst angezweifelt hätte— weit entfernt davon, die Wissenschaft des letzten Jahrhunderts hat die kühnsten Utopien verwirklicht. Aber das Gefühl der Vergeblichkeit all der großartigen wissen- schaftlichen Errungenschaften. wird eben dadurch erregt. Ist die Wissenschaft, die sich mit segenbringender Gebärde der Menschheit naht, nicht in Wahrheit ein zerstörender Dämon? Sie hat die Wunder des Maschinenzeitalters hervorgebracht— und blühende Landschaften wurden in trostlos schwarzes Industriegelände.verwandelt, beschauliche Städtchen in widerwärtige Slums, glückliche Landleute in auSgebeutete Fabrikssklaven. Sie hat die Maschinen immer mehr verbessert, hat elektrifiziert und rationalisiert, reine, hell«, rauchlose Fabriken gebaut— Fabriken ohne Arbeiter, vor deren Toren sich die Arbeitslosen drängen! Sie hat den Nahrungsspielraum der Menschheit ungeahnt erweitert, die Produktivität der menschlichen Arbeit ungeheuer erhöht— und die Menschheit erstickt in ihrem Reichtum, die Menschen hungern in der Ueberfülle kaum minder, doch unendlich sinnwidriger als einstens, in den Zeiten des Mangels' und der Dürre. Die moderne Chemie, die moderne Physik, diese Höchstleistungen des Menschengeistes, dienen zur Erzeugung von Giftgasen und Brandbomben, von Bombenflugzeugen und Unterseetorpedos— zur Vernichtung der Menschheit. Diese Stimmen und Stimmungen blieben im Kreise der British Association nicht ungehört. In einer tiefschürfenden Rede setzte sich Sir Richard Gregory, Herausgeber der bedeutendsten englischen naturwissenschaftlichen Zeitschrift, mit ihnen wurde, lange bevor es als Giftgas benützt wurde, zum Bleichen verwendet, Thermit zum Schweißen von Metallen, lange bevor man Brandbomben daraus machte; Salpeter ist ein Düngemittel zur Steigerung der Ernten, nicht nur ein Bestandteil des Schießpulvers zum Niedermähen der Menschen. Die Wissenschaft schüttet ohne Unterlaß unermeßliche Reichtümer in den Schoß der Menschheit. Es ist nicht ihre Schuld, daß diese keinen Gebrauch davon zu machen versteht, daß die Früchte der Wissenschaft zu Zankäpfeln, wenn nicht gar zu Waffen, in dem erbitterten Kampf werden, der um sie entbrennt. Nichts unwahrer, als zu behaupten, dieser Kampf aller gegen alle sei eine notwendige Begleiterscheinung, wenn nicht gar eine Folge des wissenschaftlichen Fortschrittes. Im Gegenteil, die modern« Wissenschaft hat zum erstenmal in der Geschichte der Menschheit die Voraussetzungen dafür geschaffen, daß alle Menschen in Frieden miteinander leben könnten, denn es ist genug und mehr als genug für alle da. Aber noch leben in ihnen die alten Instinkte des verzweifelten Kampfes ums Dasein, noch leben ihnen die Gier und Trauerfeier für alle Ertrunkene«. Der erste Fachverband der S ch w i m m e i st e r in der Tschechoslowakischen Republik mit dem Sitze in Prag und die Tschechoslowakische Gemeinde ehemaliger Marineure veranstalten am 1. November d. I. eine Trauerfeier für die in unseren Flüssen Ertrunkenen, sowie zum Gedächtnis der während des Weltkrieges in der Adria ums Leben gekommenen tsche- choslowakischen Seeleute. Das zwölfrudrige bekränzte Boot wird um 18.30 von der Stefanik-Brücke abstoßen und um 16 Uhr bei der Moldau-Statue am näbrezi legii anlegen, wo der Trauerakt unter Mitwirkung der Sängervereinigung „Jpos" statffinden wird. Zu der Pietätsfeier wurden sämtliche Prager Schwimm-, Ruder- und Kanoe- klubs eingeladen. Kunst und Mssen Kammermusik-Konzert. Die sechste Aufführung des Prager Deutschen Kammermusikvereins wurde ausschließlich von heimischen Künstlern bestritten. Vom PragerQuar- tett der Hßpren Schwehda, Borger, Cerny und Vektomo. denen sich der ausgezeichnete Soloklarinettist des deutschen Theaterorchesters und Lehrer der Deutschen Musikakademie W. Zirtschak helfend beigesellt hatte. Durch diese künstlerische Mithilfe wurde es ermöglicht, daß man zwei besonders schöne und selten gehörte Werke der Kammermusikliteratur hören konnte, das klangvolle Quintett für Klarinette und Streichquartett von W. A. Mozart und eines der letzten Kammermusikwerke von Mar Reger, das Quintett in A-dur für Klarinette, zwei Violinen. Bratsch« und Cello, das uns Reger, ähnlich wie den späteren Beethoven, als dem Leben abgekehrten, abgeklärten und ein wenig resignierten schöpferischen Geist zeigt. Die reine Ouartettmusik des Konzertes war durch Friedrich Smetanas schönes und erfühltes, vom Prager Quartett mit einfühlendster Hingabe gespieltes Streichquartett in d-moll vertreten, ein Werk aus der letzten Leidenszeit des großen tschechischen Meisters, über das er sich selbst erschütternd geäußert hat.„Der erste Satz", sagt der Tondichter,„ist sehr ungewöhnlich in der Form und schwer verständlich. Eine gewisse Zerrissenheit herrscht in dem ganzen Satz und wird, wie mir scheint, dem Spieler große Schwierigkeiten bereiten. Es ist dies die Folg« meines unglücklichen Lebens. Ich fühle mich erschöpft, ausgeschrieben und fürchte, daß ich langsam die Lebendigkeit der musikalischen Gedanken verliere, es scheint mir. daß alles, was ich jetzt musikalisch nur mit den Augen arbeite, von einem gewissen liebel der Gedrücktheit und von Schmerzen verschleiert ist. Ich glaube, daß ich am Ende alles originellen Schaffens bin und daß der Neid, die Kain den Abel erschlagen ließen, noch leben sie selber vor allem in alten, längst überholten gesellschaftlichen und wirtschaftlichen Verbänden, die nicht imstande sind, die Reichtümer, zu denen die Wissenschaft Zutritt verschafft hat, sinnvoll zu nutzen und gerecht zu verteilen. Rationalisierung der Gesellschaftsordnung! Diese und ähnliche, noch bestimmtere Worte, die man auf der Tagun. von Norwich zu hören bekam, haben lauten Widerhall in der ganzen englischen Oeffentlichkeit gefunden. Bis in die exklusiven Spalten der„Times" drang die Forderung, daß sich die Wissenschaften zusammentun müßten, um nach so vielen glänzenden Ergebnissen auf ihren Spezialgebieten sich nunmehr gemeinsam den drängenden sozialen Bedürfnissen zu widmen. Nicht mehr nur eine glanzvolle Revue der wissenschaftlichen Hochleistungen verlangt die englische Oeffentlichkeit von der British Association. Worauf es heute ankommt ist, die Kluft zu schließen zwischen den unerschöpflichen technischen und wissenschaftlichen Möglichkeiten dieses Zeitalters und seiner krassen gesellschaftlichen Unzulänglichkeit. Der Versuch, der diesmal auf dem Gebiete der Volksernährung unternommen wurde, soll in großem Maßstab fortgesetzt und ausgebaut werden. Die ganze wirffchaftliche, soziale und internattonale Basis des menschlichen Zusammenlebens bedarf dringend der wissenschaftlichen Rattonalisie- rung, soll nicht alles übrige Wirken der Wissenschaft vergeblich, ja verderblich bleiben. bald eine Armut der Gedanken eintritt und als Folge eine lange, lange Pause, wo mein Talent vollständig verstummen wird."— Wieder war bei diesem schönen Kammerkonzert zu bedauern, daß es in dem großen Festsaal des Deutschen Hauses stattfand, der für die intime Kammermusik leider so gar nicht geeignet ist. E. I. Spielplan des Neuen Deutschen Theaters. Heute, Mittwoch, halb 8 Uhr: Der Feld- herrnhügel, B2.— Donnerstag, 8 Uhr: Ihr er st er Mann, Ensemblegastspiel Heinz Rühmann, Erstaufführung, Abonn. aufgehoben.— Freitag,.8: Der Mustergatte, Ensemblegastspiel Rühmann, Abonn. aufgehoben.— Samstag, halb 8: Der Feldherrnhügel.D 2. Spielplan der Kleinen Bühne. Heute Mittwoch, 8: Im Londoner Nebel, BankbeamteII und freier Verkauf.— Donnerstag, 8: Ich kenne Dich nicht mehr.— Freitag, 8: Maria Magdalena.— Samstag, 8: Im Londoner Nebel. Der Dkm- Ei« Nazi wird Vorsitzender der Internationalen Filmkammer? Der bisherige Vorsitzen^ der Berliner Reichsfilmkammer, Dr. Scheuermann, ist vor einigen Tagen von seinem Posten zurückgetreten, um dem württembergischcn Staatsminister Lehnich Platz zu machen, der bisher nie etwas mit dem Film zu tun hatte, aber altes Mitglied der Hitler-Partei ist. Die Prager FTK-Korrespondenz weist darauf hin, daß Herr Lehnich mit dem Vorsitz der Reichsfilmkammer auch den Vorsitz der auf dem letztey Berliner Filmkongreß(mit Zustimmung der tschechoslowaki- schen Delegierten) geschaffenen Internationalen Filmkammer übernimmt! Menschen in Weiß AuS dem bekannten, auch außerhalb Amerikas erfolgreichen Bühnenstück Kingsleys hat man in Hollywood einen Film gemacht, der die inneren Schwächen des von teils larmoyanten und teils sen- sattonellen Wirkungen lebenden Theaterstücks anschaulich offenbart. Die Handlung von den Spitalsärzten, die sich kein Prwatleben gestatten können und es deshalb gerade am unrechtesten Ort, nämlich im Krankenhaus zwischen Operierten und Sterbenden erledigen, wirkt im realistischen Rahmen der Filmdarstellung noch unehrlicher und krampfhafter als auf der Bühne, und der naturalistische Effekt der(iibrigens ziemlich flandalösen) OperattonS- szene kann im Film, wo der OperationSsaal nicht zum ersten Male als Ort der Handlung erscheint. Deutsche sozialdemokratische Frauenorganisation Freitag, den 25. Oktober, findet um acht Uhr abends im„Monopol" ein Diskussionsabend über die Teuerung statt. Diskussionsleiterin Genossin Hacken- b e r g.— Das Bezirksfrauenkomitee. keine besonders sensationelle Wirkung beanspruchen. Im übrigen hat dieser(von Bolesawski inszenierte) Hollywood-Film den Nachteil so vieler Theater-Verfilmungen: daß der Dialog überhand nimmt und den Zuschauer ermüdet, auch dann, wenn er am Ende zum Menschheitspathos übergeht. Unter den Darstellern ist Clark Gable beachtlich, der den Dr. Fergusson(welcher seine Braut vernachlässigt und eine Krankenschwester unglücklich macht) mit sparsamen Mitteln charatterisiert, aber »leider ein so nachlässiger Sprecher ist, daß er für diesen Dialog-Film nicht der geeignete Mann war. Jean Hersholt als Dr. Hochberg ist eine annehmbare Theaterfigur/— während die weiblichen Rollen keineswegs glücklich besetzt sind.—eis--- Phgmalion Daß dieser Berliner Film nach einem Manuskript von Bernard Shaw gemacht ist(wie die hiesige Propaganda dreist behauptet), ist selbstver» ständlich eine einfache Lüge. Es handelt sich nur um ein Geschäft, das der fragwürdige d.itsche Shaw-Uebersetzer Siegfried Trebitsch gemacht hat, der übrigens genau so„arisch" ist wie Herr Erich Engel, der Regisseur dieses Films. Aber während die Ufa zum Hcispiel sich von dem Nazi- Dichter Gerhard Menzel eine Gegendichtung gegen Shaws„Heilige Johanna" hat schreiben lassen(in der bezeichnenderweise der elende König Karl zur Helden- und Führergestaü erhoben wurde), haben sich die Macher dieses Pygmalion-Films immerhin an die Umrisse des Originals gehalten, und es sind Wendungen gegen die Moral des Mittelstandes und die Wertlosigkeit der Gesellschaft stehen geblieben, die im neudeutschen Film geradezu aufsehenerregend wirken und von der Goebbels-Zensul entweder übersehen oder nur fürs Ausland freigegeben worden sind. Dennoch ist der Anblick dieses Films nur für solche genießbar, die Shaws echten „Pygmalion" nicht kennen und noch nie in einer guten Aufführung gesehen haben. Sie werden sich nicht über die schlechten Zutaten und diversen Verstümmelungen ärgern müssen und werden sich damit abfinden, daß Herr Gründgens den Professor Higgins mehr steif als komisch und Jenny Ingo dir Eliza ohne Temperament und natürlichen Witz spielt. Wie im Berliner Film heute üblich, sind die beste« Kräfte des Ensembles, in diesem Falle Hedwiz Bleibtreu und Eugen Klöpfer, in hoffnungslos? Nebenrollen gedrängt, wobei Klöpfers Rolle, der -Mister Doolittle, erst durch die Bearbkitung hoffnungslos geworden ist.—eis—* „Der neue Gulliver" frrigegeben. Wie die Prager Film-Korrespondenz meldet, bat die Zensur den anfangs beanstandeten Russenfilm„Der neue Gulliver" nunmehr in neuerlicher Sitzung ohne Strich« sreigegeben, so daß seine hiesige Ausführung im nächsten Monat erfolgen kann. Alte- der Partei Die Krise des Kapitalismus und die marxistische Theorie. Ueber dieses Thema hielt im Rahmen der Bezirksorganisation Prag unserer Partei Montag, den 21. Oktober, im Parteiheim Genosse Werner Cohn einen Vortrag, der das lebhafte Interesse der zahlreich erschienenen Zuhörer fand. Der Vortragende gab eine Darstellung der neueren Entwicklung der kapitalistischen Oekonomie und versuchte darzulegen, wie unter diesem Gesichtspunkte mmiche theoretische Feststellungen von Marx in neuem Lichte erscheinen. Er zeigte insbesondere an dem Begriff der industriellen Reservearmee, welchen Wandel diese Erscheinung in den letzten Jahren durchgemacht hat. In der Debatte sprachen eine Reihe von Genossen, wobei in manchen Details dem Vortragenden nicht zugestimmt, aber zugegeben wurde, daß Genosse Werner Cobn durch seine Ausführungen wertvolle Anregungen gegeben habe- und dem Wunsch Ausdruck gegeben wurde, die vorgetraqenen AuSftihrungen des Referenten bald schriftlich niedergelegt zu sehen. Republikanische Wehr. Donnerstag, den 24- Oktober, um 8 Uhr abends im Parteiheim Mitgliederversammlung. Gruppenabend. M i t t w o ch, den 23. Oktober 1935, Ausschußsitzung um halb 7 Uhr.— S. I. W e i n- berge-Smichov((48 Uhr). Werner: Der Jugendverband in« Kampf gegen Jugendnot.— S.J- Zentrum(8 Uhr): Die Kon ferenz der Metallarbeiter.— S. I. Hole§ o- Vice(8 Uhr): Maxim-Gorki-Abend.— Freitag (8 Uhr): Liga-Kreisleitung. Am Mittwoch, dem 23. Of< tober, findet um 8 Uhr abends im Parteiheim, Narodni tkrda, eine wichtige Ausschußsitzung statt. DaS Erscheinen aller Ausschußmitglieder ist notwendig. Freie Bereinigung sozialistischer Akademiker Donnerstag, den 24. Oktober 1935, findet um 2V Uhr im Hörsaal I des Klementinums in Prag I.» Mariänskö näm. eine Feier-er UnabhSrtgipkett der Tschechoslowakische« Republik statt, in welcher Äustizminister Genosse Dr. Iva« DLrer in deutscher Sprache die Festrede halte« wird. Den> Künstlerischen Rahmen der Feier werde« Rezitationen und Gesang bUden. Die Teilnahme aller Genossinnen und Genoffen an dieser Feier wird erwartet. ffiwr Leitung PRAG Bezugsbedingungen: Bei Zustellung ms Sans ode» bei Bezug durch die Pou monatlich ttö 16,— vierteljährig KC 48.—, halbjährig KC 96— ganziähng KC 192.—.—-nierme werden tau» Tarif billigst berechnet. Bei öfteren Einschaltungen Preisnachlaß.— Rückstellung von Manuskripten erfolgt nur bei Einsendung der Retourmarken.— Die ZeitungSkrankatnr wurde von der Bost- und Tele» graphendirektton mit Erlaß Rr. 13.800/VIU1930 bewilligt.— Druckerei:„Ort-iS". Druck». Verlags, und Zeitungs-A.-G„ Prag.