Nr. 252 Mittwoch, 30. Ottober 1935 15. Jahrgang IENTRALORGAN DER DEUTSCHEN SOZIALDEMOKRATISCHEN ARBEITERPARTEI IN DER TSCHECHOSLOWAKISCHEN REPUBLIK ERSCHEINT MIT AUSNAHME DES MONTAG TÄGLICH FRÜH. Redaktion und Verwaltung frag xiufochova«. Telefon 0077. HERAUSGEBER! SIEGFRIED TAUB. CHEFREDAKTEUR: WILHELM NIESSNER. VERANTWORTLICHER REDAKTEUR: DR. EMIL STRAUSS, FRAG. Elnzelpnls 70 Haller (einschließlich 5 Heller Porto) Die Schweiz bleibt ein Bollwerk der Demokratie Vernichtende Wahlniederlage der fasdstlschen Fronten Die Sozialdemokratie wird die stärkste Partei des Landes . Die sonntägigen Parlamentswahlen in der Schweiz habe« keine besonderen Verschiebungen der politischen Kräfteverhältnisse gebracht. Die großen bürgerlichen Parteien weisen geringfügige Einbußen auf. Die Sozialdemokratie hat ihren Besitzstand befestigt und ist zur stärkste« Fraktion des Rationalrates aufgerückt. Die Kommunisten find bedeutungslos geblieben Das erfreulichste Ergebnis des Wahlganges ist der Mißerfolg des Faseismus. Die mtt großen Geldmtttel« und hakenkreuzlerischen Werbemethoden aufgezogene„Rationale Front" konnte nur ein e i n z i g e s Mandat erringen. Das vorläufige Wahlergebnis Freisinnige 48 Sitze(bisher 52), S o z i a l i st e n 50(49), Katholiken 42(44), Altbauer« 21(28), Jungbauern 4(1), Liberal konservative 6(8), K o m m u n i st r n 2(2), Duttweiler 7(0), Rationale Front 1(0). Selbst im Hauptsitz der frontistischen Bewegung, in Schaffhausen, erhielten die bürgerlichen Kandidaten 5480, die Sozialdemokraten 4367 und die Frontisten nur 1386 Stimmen. vlc Feiern des 20. Oktober üblichen Rahmen Witterung sind die StaatSfriern in der ganzen Republik würdiger Weise durchgeführt worden, vormittags die Vertreter der Nationalversammlung, und des Tschechoslowakischen Nationalratrs in Läny am Sitz des Emptangc in unu im Prag. Trotz der Ungunst der unter starker Beteiligung der Bevölkerung in Bei Sturm und Regen trafen Montag der Regierung, des Heeres Präsidenten der Republik ein. Der Senatsvorsitzende Dr. Soukup, der Vizevorsitzende des Abgeordnetenhauses Dr. Ivan Mark 0 viL und der Vorsitzende der Regierung Malypetr erschienen um 10 Uhr im Arbeitszimmer des Präsidenten. Der Vorsitzende der Regierung sprach den Wunsch aus, daß der Präsident noch viele Feiertage dieser Art unter uns verbringen und daß seine neugefestigte Gesundheit ihm erhalten bleiben möge. Der Präsident dankte in herzlichen Worten für diese Wünsche und verblieb sodann in einer fast halbstündigen Unterredung über die letzten heimischen und ausländischen Ereignisse mit den Anwesenden. Als Doyen des Prager diplomatischen Korps fungierte zum erstenmal Nuntius Ritter. Er sprach den Wunsch aus, daß die Tschechoslowakische Republik aufblühen und daß der Präsident dem Staate noch lange erhalten bleiben möge. Für die Armee erschienen Verteidigungs minister M a ch n i k, Gcneralinspektor S y- r 0 v h, der Chef des Generalstabes K r e j L k und der Chef der französischen Militärmiffion General F a u ch e r. Weiters wurde eine Deputation des Tschechoslowakischen Nationalrates empfangen, dessen Sprecher Prof. N e m e c die Hoffnung verdolmetschte, daß es dem Präsidenten gelingen werde, den Frieden und die Denwkratie im politischen, wirtschaftlichen und kulturellen Leben zu erhalten. Wir glauben, schloß Prof. Nemec, daß die Angehörigen unserer Nation und des Staates überaU bei uns geschützt sein werden vor nationalem und Rassenhaß, und daß wir bessere Zeiten erleben werden. In seiner Antwort gab der Präsident der Meinung Ausdruck, daß die Grundsätze, von denen Prof. Nemec sprach, von Anbeginn die Gripid- sätze des politischen Lebens in unserem Staate sind. Benes boot auf den frieden Hcrzlkhc Worte an die Deutschen InBrür wurde am 28. Oktober ein Denkmal T. G. Masaryks feierlich enthüllt. Vor 30.000 Zuhörern hielt Außenminister Dr. Benes eine große politische Ansprache, die von optimistischem Geiste durchdrungen war. Dr. Benes gab in seiner Festrede der Ueber- -eugung Ausdruck, daß unser Staat, wenn er gemäß den Ideen Masaryks leben wird, ewig leben wird. Masaryk könne mit Recht das Symbol der freundschaftlichen Zusammenarbeit und des gegenseitigen RespefteS sein, weil er der Verkünder der Philosophie der reinen Humanität ist, die keine Vorurteile und nationalen Ungerechtigkeiten kennt. Indem sie sich zu ihm stellen, können alle Tschechoslowaken und alle unsere Deutschen sicher sein, daß sie vom nationalen Gesichtspunkte ihren nationalen Gefühlen und Pflichten in nichts vergehen- Der Kampf, der während der Krieges um die Demvkratifierung der Welt und um ein größeres Stück politischer und sozialer Gerechtigkeit für den einfache» Menschen geführt wurde, wird weitergeführt und wird ebenso heute und in dem heutigen ChaoS gewonnen werden, wie er während deS Weltkrieges gewonnen wurde. Masaryk verweist ständig darauf, daß der Kampf um di« Demokratisierung der Welt weiter- geht, daß unset innerstaatliches Leben daran an- knüpfen und sich danach richten müsse, daß wir uns durch keine absolutistischen zeitweiligen und gefährlichen Experimente um uns herum und neben uns hinreißen lassen dürfen, die weder unseren Traditionen, noch unseren Bestrebungen, noch unseren Interessen, noch aych der Struktur unserer Nation und unseres Staates entsprechen. Wir suchen in unserer Außenpolitik, erklärte Dr. Benes weiter, ein dauerndes europäisches Gleichgewicht und den dauernden Frieden. Und so können wir z« Hause einen höheren Begriff der tschechoslowakischen Vaterlandsliebe ausbauen, welcher Begriff auch von unseren Minoritäten, besonders von unseren Deutschen akzeptiert werden kann. Unser Staat wird immer die Minoritätenrechte respektieren. Wir ,hegen den Wunsch, daß der Völkerbund deren Kontrolle in Beziehung auf uns auch weiterhin beibehalte. Aus diesem Grund« glauben wir auch, daß wir volles Recht darauf besitzen, von unseren Minderheiten zu verlangen, daß sie sich in diesem Staate einleben, daß sie ihren staatlichen Patriotismus und ihre volle Loyalität und Hingabe zu unserer gemeinsamen Heimat ausge- ftalten,’ weil wir schicksalsgemäß und durch historische Entwicklung mit einander verbunden find und weil es als« daS vernünftigste ist, daS gehörige, anständige, loyale und menschenwürdige gerechte Verhältnis z» einander in«nser«r gemeinsamen Heimat zu finden. Der Minister beendete seine Ausführungen zu den Deutschen mit der Konstatierung, daß für ihn das bekannte Losungswort des Präsidenten Masarvk über das Verhältnis von Tschechen und Deutschen bei uns— Gleiche unter Gleichen— keine leere Phrase sei. ES ist nicht im Geiste Masaryks, in«nsrr politisches Leben in der Republik die demokratische» Idee» und Konzeptionen von Süden oder von Norden von jenseits der Grenzen zu bringen und sie hier in unsorcn parteipolitischen Kämpfen z» verwirklichen. Wir find dagegen und wir werden dagegen sein Tas würde nie die politische Zusammenarbeit beider Rationen ermöglichen, das würde nie nnserr Heimat zu wahrem Frieden und Prosperität bringen. * In einer anschließenden Rede zitierte Minister Spina das in tiefem Einverständnis mit Masaryk ausgesprochene Wort S v e h l a S, daß die Völler dieses Staates als Gleiche unter G l e ich e n leben sollen. Er feierte das Denkmal als ein Symbol der Schicksalsverbundenheit der Völler dieses Staates. für soziale Demokratie Eine Rundfunkrede des Genossen Minister Ne&as Minister für soziale Fürsorge, Jng. Jaromir NeLas, hielt im Rundfunk eine Rede über das Thema„Der 28. Oktober und die Sicherheit des Staates". Der Minister erklärte insbesondere:„Spricht man von der Sicherung unserer Republik, dann versteht darunter ein ieder vor allem die Verteidigung in militärischem Sinne. Es gibt heute keinen oP>entlichen Bürger, der dem Staate in der heutigen Situation für die Verteidigung nicht alles das geben wollte, was die Republik benötigt. Es ist jedoch weiters notwendig, wenn man vom 28. Okwber und der Sicherung der Republik spricht, mit allen Kräften dafür zu sorgen, daß der Bevölkerung ermöglicht werde, menschlich und würdig z« leben. CS ist unsere größte Aufgabe, dafür zu sorgen, daß eS bei uns weder hungernde noch unterernährte Menschen gibt, die ibre ehrlichen Hände nach der Arbeit ausstrecken ohne sie zu erhalten. Budget vom Ministerrat genehmigt Prag.(Amtlich.) In der Dienstag vormittags abgehaltenen Sitzung des MinisterrateS erstattete der Finanzminister einen detaillierten Bericht über den definitiven Entwnrf des Staatsbudgets für das Jahr 1936, sowie dessen Ausgaben- und Einnahmen-Posten in allen Kapiteln nach der Durchberatnnl. mit allen Ressorts und mit Berücksichtigung der Beratungser- grbniffe und der Anregungen des Ausschusses der parlamentarischen Spar- und Kontrollkommission aufgestellt wurden. Der Ministerrat genehmigte nach ausführlicher Behandlung diesen Staatsbudgetentwurf. Die staatlichen Ausgaben in der Gruppe der eigentlichen staatlichen Verwaltung, worin auch die laufenden Investitionen außer den Fondsund den außerordentlichen Investitionen inbegriffen find, werden für alle Trittapitel mit dem Gesamtbeträge von 8.032,195.900 HL festgesetzt. Die Staatseinnahmen sind in dem Voranschlag mit einem Betrage von 8.033,531.000 HL festgesetzt. Das Budgrtaktivum des veranschlagten Staatsbudgets beträgt 1,335.100 HL. Schließlich wurden im Ganzen sowie in den Einzelheiten die Präliminare der Ausgaben und Einnahmen sowie die Schluß-Saldi bei der Gebarung der staatlichen Unternehmungen gebilligt, welche im Schlußpräliminare der Staatseinnahmen im Kapitel des Finanzministeriums enthalten sind. Gleichzeitig wurden für das kommende Jahr auch die Voranschläge der Jnvestitionsbudgets aller staatlichen Unternehme« gebilligt. Sieg eines Systems Der Erfolg der Schweizer Demokratie Der Ausgang der Nationalratswahlen in der Schweiz ist für den ausdehnungslüsternen Hitler- | fascismus eine noch empfindlichere Niederlage als der Mißerfolg des dänischen Fascismus. Denn Dänemark ist zwar ein nordisches, ein germanisches Land— aber es ist doch» kein deut sches Land. Die Schweiz aber ist im Sinne des Alldeutschtums Terra irredenta, unerlöstes, infolge„liberaler Traditionen" noch nicht erwachtes Deutschland. Die Nationalratswahlen waren, nun die Stichprobe darauf, wie weit die älteste festländische Demokratie bereits dem„neuest Geist" erlegen ist, der mit den Armen seiner Propaganda, aber auch mit den gierigen Händen der Gestapo so oft ungeduldig über die Grenze gegriffen hat. Die Nationale Front, von Deutschland in jeder Weise unterstützt, eine Parallelerscheinung zu unserer Henleinbewegung, hat seit Monaten alle Minen springen lassen, um sich bet diesen Wahlen in den Vordergrund zu schieben.' Wenn sid im ersten Anlauf ein Dutzend Mandate, ja auch nur ein halbes Dutzend erobert hätte, so wäre das für den deutschen Fascismus das Signal gewesen, daß die Schweizer Demokratie sturmreif wird. Aber die Schweiz, eingelagert zwischen drei fascistischen Staaten, den beiden Großmächten nördlich des Rhein und südlich des Simplon, und die italienische Kolonie Oesterreich, hat standgehalten. Mit einem Mandat steigt die Nazipartei der Nationalen Front aus den Urnen und die Erfolge im französischen Sekwr und in Dessiu sind für den Fascismus auch.sticht erhebend. Die große Offensive des FasciSmüS aufdieSchweizistsogutwiezusam« mengebrochen. Für Hitlerdeutschland ist das eine schwere moralische Einbuße, es ist aber auch eine Lehre für die anderen, vom Fascismus bedrohten Demokratien Europas. Was in der Schweiz über den fascistischen Wahn gesiegt hat, ist mehr als die formale Demokratie, es ist das politische Sy st em der Schweiz. Daß in diesem Nationalitätenstaat die nationalistischen Parolen des Fascismus nicht verfangen, liegt in erster Linie daran, daß die Schweiz ihr Nationalitätenprcblem g e l ö st hat, daß es für sie längst nicht mehr existiert. So ist die deutsch: Mehrheit, so sind die drei romanischen Minderheiten gegen das fasci« stische Gift dort gefeit, wo es sonst am schnellsten eindringt und die größten Verheerungen anrichtet. Die Schweiz ist eine sehr lebendige Demokratie. Sie ist auch ihren sozialenProble» men stets mit Energie und mit frischem Wagemut an den Leib gerückt. Sofern sich der Fascismus als ter Befreier von dem schwerfälligen und unerläßlich arbeitenden Apparat des liberalen Staates ausgibt, ist er wiederum in der Schweiz fehl am Platz. Eine Demokratie, die sich von bürokratischer Willkür und bürokratischem Stumpfsinn befreit, braucht den Fascismus nicht zu fürchten. Die lebendige, sich selbst dauernd verjüngende Schweizer Demokratie ist zugleich die sicherste Garantie für den Staat. Der Schutz der Grenzen, in der Schweiz durch ein vorzügliches Volksheer demokratischer Struktur, eine Miliz freier Männer, gewährleistet, wird verstärkt durch eine Gesinnung, die dem Fascismus den Zutritt in die Hirne des Volles verwehrt. So wird die Schweiz ein Schulbeispieldemokratischer Selb st Verteidigung. Die Schweizer Sozialdemokratie hat sich gegen den Ansturm des Fascismus, der hauptsächlich gegen sie gerichtet war, glänzend behauptet. Daß sie ohne sichtbaren Gewinn aus den Wahlen hervorgeht, ist sicher zu bedauern, hat aber seinen Hauptgrund wohl darin, daß der PlaniSmuS, der in der Schweiz nach einem halben Jahr zum zweitenmal zur Volksabstimmung gestellt wurde, in dem kapitalsreichen Lande, mit seinen an der sicheren Valuta und an ihren Renten interessierten Kleinbürgern, wenig Zugkraft besitzt; vielleicht hat die Propaganda für den Plan auch noch nicht die Mängel der Anfangsperiode überwunden. Ein Beweis gegen den Pla- nismus ist der Wahlausgang umso weniger, als auch die. bloße Behauptung des marxistischen Besitzstandes durch die Sozialdemokratie in einem von drei Seiten von fascistischen Mächten umlagerten kleinen Lande ein großer Erfolg ist, dessen wir uns ehrlich freuen dürfen. Seite 2 Mittwoch, 30. Oktober 1938 Nr. 252 Von der Sanktionen-Front Genf. Bo« 56 Mitgliedstaaten haben bis zum Dienstag abend bereits 39 Staate« die Annahme der Sanktionen Nr. 1(Waffenausfuhrverbot gegen Italien) bekanntgegeben. Di« Sanktionen Nr. 2(finanziell«, nahmen 29 Staaten an, die Sanktionen Nr. 3(Ausfuhrverbot für einige Warengattungen nach Italien) nahmen 24 Staaten an und die Sanktionen Rr. 4(Einfuhrverbot aus Italien) gleichfalls 24 Staaten. Acht Staaten nahmen einen positiven Standpunkt zur Frage der gegenseitigen Hilfe bei der Geltendmachung der Sanktionen ein. Neben den Mitgliedstaaten antwortete auch die Regierung der Bereinigten Staate n in einem Schreiben, in welchem das Jnter- esse der Vereinigten Staaten für die auf die Erhaltung des Friedens gerichteten Mionen betont wird. Der Brief spricht Amerikas Sympathien für die Aktion des Völkerbundes aus und enthält eine moralische Verurteilung Italiens. Im übrigen werden die Maßnahmen aufgezählt, die Präsent Roosevelt bereits ergriffen hat(vor allem Waffenembargo) und die sich bis zu einem gewissen Grad mit denen des Völkerbundes decken. Alle Staaten fordern eine weitere Fristerstreckung und eS herrscht der Eindruck vor, daß die Sanktionen kaum vor Mitte November in Kraft treten werden, was für Mussolini einen neuen gewaltigen Vorteil bedeuten und Italien ermöglichen würde, sich mit Rohstoffen einzudecken. Schon jetzt wird berichtet, daß der Güterverkehr nach Italien besonders auf der Gotthardbahn in den letzten Tagen ungewöhnliche Dimensionen angenommen hat. O Hoare und Laval nach Genf Paris. ES wird bestätigt, daß sich sowohl Laval als mich Sir Samuel Hoare zur Tagung des Koordinationsausschusses für Sanktionen, der für den 31. Oktober einberufen wurde, nach Genf begeben werden. Minister Eden wird in Genf bereits Donnerstag früh eintreffen, i Gleichzeitig mit den Beratungen und Arbeiten des KoordinationsauSschufses dürften demnach in Genf wichtige Unterredungen über die Möglichkeiten der Wiederherstellung des Friedens in O st- afrika und gleichzeitig über ein gemeinsames Vorgehen Englands und Frankreichs stattfinden. Bisher ist noch nicht bekannt, ob auch der italienische Vertreter Baron A l o i s i in Genf eintreffen wird. 4onckon belebt Verhandlungen ab? London. Halbamtlich wird mitgeteilt, daß die BorauSsetzunge« für ein Urbereinkommen, das die französische und die britische Regierung dem Völkerbund alS eine geeignete Empfehlung für beide KonfliktSparteirn unterbreiten könnten, bei dem letzten Austausche der diplomatischen Ansichten nicht-ustandegebracht wurden. Die im Umlauf befindlichen Gerüchte, die den Besuch des Außenministers Sir Samuel Hoare in Genf mit der Möglichkeit eines Uebereinkommens in Verbindung bringe», feie» demnach vollauf«»richtig. Sir Samuel reist nach Genf bloß deshalb,«m der britischen Zusammenarbeit in Genf mit den übrigen Mitgliedstaaten volles Gewicht-n verleihen,«nd zwar z« dem Zwecke, daß ein loyales und gemeinsames Bestreben nach Geltendmachung des Bölkerbundpaktes zugunsten de» Friedens«nd der Verkürzung des italienisch-abessinischen Krieges geschaffen werde. Die Schweiz schlieBt sich doch an Bern. Die Bundesregierung beschloß, die Ausfuhr, den Reexport und den Transit von Waffen, Munition und Kriegsmaterial, sowohl nach Italien als auch nach Abessinien zu verbieten. Außerdem beschloß der Bundesrat, gegen Italien auch Finanzsanktionen geltend zu machen. Was die wirtschaftlichen Sanktionen betrifft, so verbietet die Bundesregierung die Ausfuhr von Rohstoffen, insbesonders von Aluminium nach Italien, und zwar deshalb, weil Italien nicht in der Lag« ist, diese Waren bar zu bezahlen. Der St.-Gotthard-Tunnel bleibt für die Durchführung von Waffen gesperrt, dagegen für den übrigen Transitverkehr offen. Kleine Entente auch zu wirt schaftlichen Sanktionen bereit Genf. Die Regierungen der drei Staaten der Kleinen Entente übersandten Dienstag an den Generalsekretär des Völkerbundes Noten, in welchen sie bekanntgeben, daß sie bereit seien, die Sanktionen Nr. 3 und 4 in Anwendung zu bringen, nämlich das Verbot der Einfuhr italienischer Waren und das Verbot der Ausfuhr von Rohstoffen nach Italien. Oesterrelchlsche Heereslleferungen für Italien Der„Daily Herald" macht darauf aufmerksam, daß Oesterreich nicht nur die Beteiligung an den Sanktionen gegen Italien abgelehnt hat, sondern auch aktiv der italienischen Kriegführung hilft. In Donawitz ist vor einer Woche ein neuer Hochofen angeblasen worden, um Ersen für Debrecziner Pfeilkreuzler büßen 50 Prozent Ihrer Stimmen ein Sozialdemokraten an zweiter Stelle Budapest. Im Debecziner Wahlbezirke, wo infolge der Annullierung der Mandate durch den BerwaltungsgerichtShof eine neue Abgeordnetenwahl angeordnet wurde,/ erhielten bei geheimer Abstimmung die Kandidaten der Regierungspartei 11.851 Stimmen, während die Sozialdemokraten 6561, die Pfeilkreuzler, eine nationalsozialistische Gruppe, 5985 und die oppositionellen Kleinen Landwirte 4235 Stimmen auf sich vereinigten. Die Pfeilkreuzler haben gegenüber der vorangegangenen Wahl etwa die Hälfte der damals erhälte- nen Stimmen eingebüßt. Die neue Wahl hat in der Verteilung der drei Mandate keine Aenderung gebracht. ES wurden gewählt: ein Regierungsparteiler, und zwar Justizminister Lazar, ein Sozialdemokrat und ein Pfeilkreuzler. Italien zu.erzeugen. Steyr-Waffen und Hirtenberg arbeiten in drei Schichten. B e r n- d o r f-Krupp ist auf Monate hinaus mit Kriegslieferungen für Jstüien beschäftigt. Die Lokomotiven- und Waggonfabrik Floridsdorf, noch vor einigen Wochen zur Hälfte stillgelegt, ist wieder in vollem Betrieb. Die Lede Industrie macht Geschäfte mit Patronentaschen usw., die Lederpreise sind in den jüngsten drei Wochen um 20 Prozent gestiegen. Die italienische Bezahlung besteht in der Rückgabe österreichischer Aktien an die Wiener Banken, die unter Regierungskontrolle stehen. So Aktien der S t e w e a g im Werte von 160 Millionen X5. lieber weitere derartige Rücklieferungen wird verhandelt. Bei der Filialstellung der jetzigen österreichischen Regierung zu Italien wird man dort nicht allzu besorgt sein, daß diese Aktienpakete wirklich und auf immer der Schutzmacht entgehen i Offensivstoß ins Leere Ras Seyum weicht aus London. Der Reuter-Kriegsberichterstatter meldet: Drei italienische Armeekorps sind in mehr oder weniger losen Zusammenhang biS zu einer Tiefe von 30 bis 40 Kilometer in der Provinz Tigre vorgedrnngen. Dieser Bormarsch kann jedoch schwerlich alS Offensive angesehen werden, da die abessinischen Truppen offensichtlich auf höheren Befehl überall zurückweichen«nd bemerkenswerte Zusammenstöße nicht gemeldet werden. Es ist auch wahrscheinlich, daß die Abessinier die Stadt M a k a l e nicht verteidigen werden, sondern die Italiener in südlicheren Stellen, die jetzt befestigt werden, erwarten. Die Italiener führen ungewöhnliche Sicherung--«nd Verbindungsoperationen auf ihren Flügeln durch. In Ogaden nähern sich die Italiener G o r- r a b a i, falls ihre motorisierten Abteilungen bisher nicht schon gar in die Stadt eingezogen sind. ♦ Dschibuti. Der italienische Gesandte Graf Binci, Militärattache Ealderini und'der Konsularagent Magalo sind Dienstag in Dschibuti I eingetroffen. Im Wahlbezirk Budapest-Süd, wo infolge des Entscheides des Verwaltungsgerichtshofes ebenfalls eine neue Abgeordnetenwahl angeordnet wurde, erhielt die Partei der Nationalen Einbeit drei Mandate, die sozialdemokratische Partei und die christlichsoziale Wirtschaftspartei je zwei Mandate, die liberale Rassay» Partei, die legitimistische Bolkspartei und die christliche oppositionelle Friedrich-Partei je ein Mandat. Labours Wahlaussichten 150 bis 200 Mandate. London.(Reuter.) Die labouristische Opposition ist hinsichtlich der Aussichten für die bevorstehenden Parlamentswahlen optimistisch. Einer der Führer der Labour Party erklärte einem Vertreter des Reuter-Büros gegenüber: Wir hoffen, 150 Mandate zu erringen. ES ist möglich, daß es auch m ehr sein werden, soferne nicht das Wahlmanöver der Regierung bis zum höchsten Grade und zur höchsten Steigerung aufgeputscht wird. Der Informator fügte hinzu, daß Snowden mit 200 Mandaten rechne. Der gleichen Meinung ist auch Lloyd George. 60 VILLA OASE oder: DIE FALSCHEN BORGER Roman von Eugen« Dablt Berechtigte Uabertraguag aus dem Französischen von Bejot Die Mendkühle erleichterte ihm das Atmen. Er fühlte sich wieder kräftiger, und auch dalästige Flimmern vor den Augen ließ nach. Im Gemüt war er ruhig. Sein Kopf war zwar ein wenig leer, dafür aber unbeschwert. Ihm fiel das Lied ein: „Sie hatte Brüstchen, so winzig klein, Valentine, Balenttne..." Mit ihm hatte er sein Grammophon ringe- weiht. Irma war, mit strahlendem Gesicht, in- Zimmer gekommen. Al- er am nächsten Morgen erwachte, war das erste, daß er da- Fenster öffnete. Kein Wölkchen am Himmel. Er ließ den Blick über das Tal schweifen, in dem das Band der Seine glitzerte. Eine wirklich nette Gegend. Aber er konnte ja immer mal Herkommen und Nonoche und LangloiS besuchen. Mit dem Sirenengellen eines Schleppers im Ohr ging er .in die Küche, um Kaffee zu trinken. Solange wußte nicht- von seinen Plänen. Wa- würde sie sagen, wenn er sie ihr offenbarte? „Zu Mittag brätst du mir ein Roastbeef. Und wir wollen un- ranhalten, es ist schon acht vorüber." Die Hände in den Hosentaschen, ging er, munter pfeifend, hinaus. Da» Wasser im Teich war durchsichtig, Pflanzen bewegten sich leise auf und nieder, der braune Rücken eines Fisches tauchte auf. Wie mochte Irma es angestellt haben, da hineinzufallen? Er runzelte die Stirn und schüttelte die Gedanken von sich ab. Träumen konnte er ein andermal. Die Brombeeren im Hintergrund des Gartens wucherten zu dicht. Er mußte sie mit der Heckenschere lichten und machte sich Vorwürfe, daß er es nicht schon längst getan hatte. Irmas Tod war schuld. Von dem Schlag konnte er sich nicht so schnell erholen. ,. Ha, was war denn das? Unter den Fichten, an der Stelle, die er früher den Kameraden als die LiebeSecke bezeichnet hatte, lagen ein Holzsäbel, eine Puppe und eine Eisenbahn. „Mutter Pyugettes Rangen scheinen sich häuslich niedergelassen zu haben. Aber ich sehe sie doch gar nicht mehr kommen." Er ging auf die kleine vernagelte Pforte zu. Sie ging lose in den Angeln. I „Solange muß ihnen geholfen haben. Dafür kriegt sie ihren Anschnauzer." Er war bald beruhigt. Der Skandal, wenn Irma gelebt hätte! Aber er hatte keine Angst vor Dieben. Er mußte lächeln, als er sich vorstellte, wie sich die Kinder heimlich in den Garten stahlen. Dumme Bande. Als wenn er sie gefressen hätte. Wie würde sich sein Leben wohl entwickelt haben, wenn Irma von ihm ein Kind gehabt hätte? Als er sie kennen lernte, woUte sie nichts davon hören, weil sie sich zu jung, später, weil sie sich zu alt fühlte. In den ersten Jahren war er übrigen- selbst nicht erpicht auf Nachwuchs gewesen. Helene war vom Himmel gefallen, um Aufruhr in ihr Leben zu bringen. Er würde fie nie geliebt haben. Aber ein eigene- Kindl Er wäre jetzt nicht allein und besäße eine lebendige Erinnerung an seine Frau. „Zu spät. Denken wir nicht mehr daran." Mittags ttank er seinen Pernod und setzte sich zu Tisch. Plötzlich sprang er auf. Heute wollte er sich aun-ahmSweise etwas Besonderes leisten, eine von den alten Flaschen. Als er aus dem Keller kam, brachte Solange den Braten. Er sog den Dust ein, schnitt«in paar ordentliche Scheiben ab. Da» Fleisch zerging auf der Zunge. Mit einem GlaS Burgunder spülte er eS hinunter. dann spießt« er ein paar Brattartoffeln auf die Gabel. Er nahm noch eine Scheibe, die letzte, die er langsam kaute, knöpfte den Hosenbund auf, aß etwas Briekäse, ttank die Flasche leer und stand schwerfällig auf. „Solange, den Kaffee stinke ich im Garttn." Im Hause war eS zum Ersticken, und draußen war es nicht viel besser. Nachdem er sich den Hals stei gemacht hatte, holte er, den Kopf in den Nacken legend, mit offenem Munde tief Atem. Am Himmel zogen sich Gewitterwolken zusammen. Julien war so müde und fühlte sich so voll, daß der Weg durch den Garten im Sonnenbrand ihm unmöglich erschien. Er zog einen Sessel an den Teich und gab Solange den Auftrag, ihr Tablett auf dem Tisch abzusetzen. Er trank seinen Kaffee. Als die Tasse leer war, goß er einen Schuß Kognak hinein und stürzt« ihn auf einen Zug hinunter. Ein bißchen Alkohol brachte das Blut in Bewegung. Es war das beste, was es gab, wenn man nicht immerzu schlafen wallst.• „Ich kann nicht mehr so wie stüher", stellte er wehmütig fest. Allerdings hatte er gewaltige Leistungen vollbracht, zumal wenn Papa Adam die ganze Bande bei Eonvert bewirtete, jeder Mann, seine hundert Kilo schwer, einer Bielstaß und Genießer wie der andere. Er empfand nicht die mindeste Reue, wenn er an diese Orgien dachte, denn jetzt, ach, du lieber Gott... Papa Adam tot, Charlier tot, Nonoche gelähmt, der große FKix auf sttenge Diät gesetzt, und die anderen alle, die er gar nicht rechnete: die einen unter der Erde, die anderen irgendwo in einem Provinznest, alle erledigt, ttotz ihrem Geld. Und was Alfred bettaf, so war ihm, als habe er überhaupt niemals existiert, Ja, wenn er an alle die Menschen dachte, sah er nur noch einen großen Friedhof, auf dem auch ihr« Jugendträume begraben lagen. (Schluß folgt.) Drei Ge werkschaltsko ngresse An den beiden Feiertagen fanden in der Republik drei Gewerkschaftskongresse und zwar die der nationalsozialistischen„Tschechoslowakischen Arbeitergemeinde", der tschechischen christlichen Gewerffchasten und der deutschen christlichen Gewerkschaften statt. Die tschechoslowakische Arbeitergemeinde tagte in Prag. Aus dem Bericht geht hervor, daß sst 56 Verbände mit 310.000 Mitgliedern hat. Ein Referat erstattest auf dem Kongreß Minister Dr. Franke über Wirtschaftskrise und Gesellschaft, worin der Minister als das höchste Ziel des Staates die soziale Gerechtigkeit bezeichnete. Das sozialpolittsche Referat hielt Abgeordneter T u i n f>, der sich mit der Frage der G e w e r k« schaftseinheit befaßte. Er erklärst, daß die Einheit der Gewerkschaftsbewegung in der CSR möglich sei, daß sst aber in Übereinstimmung mit den Bedingungen erfolgen müsse, unter denen der tschechoslowakische Staat und die tschechoslowakische Nation leben. Das dritte Referat erstattete Abgeordneter Bergmann und zwar über die Fragen der öffentlichen Angesstll« ten. Zum Vorsitzenden der Arbeitergemeinde wurde der ehemalige Senator P ä n e k gewählt. Die tschechischen christlichenGe- werkschaften berieten in Brünn. Die Bereinigung zählt 41.500 ordentliche Mitglieder, dir in 702 Ortsgruppen vereinigt sind. Sie hat sech- Gewerkschastssekretariate im Lande Mähren- Schlesstn und eines in der Slowasti. Das Hauptreferat erstattete Minister S r ä m e k, der u. a. über die bestehende Koalitton sprach. Er erklärte, daß ohne Vereinbarungen und Kompromisse der Regierungsparteien die Existenz des Staate» nicht möglich sei. Bei den Wahlen wurde S r ä m e k neuerding- zum Obmann, Abg. B e z d i l zum amtierenden Obmann-Stellvertreter gewählt. Der Kongreß des Verbände» der deutschen christlichenGewerkschaf« ten tagte in Reichenberg. Bemerstnswert ist» daß der Vorsitzende bet der Eröffnung auch des Todes des Genossen Dr. Leo Winter gedachte. Interessant war die Rede des Berbandsvorsitzenden, des Abg. Schütz, der u. a. sagst: „Die Demokratie darf un» nicht nur Spielraum für mehr oder weniger ohnmächtige Minderheiten sein, sondern sie«mß uns da» politische Ideal der Menschheit von heust und morgen sein. Dadurch werden wir auch zu einem gewissen po- litischen Gleichklang mit den Tschechen kommen. So sind wir genötigt, um eine Läuterung des demokratischen Gedankens in unserer Volksgruppe zu ringen." Diese Rede des christlichsozialen Abgeordneten zeigt wieder, daß mit dem Abgang Hilgen« reiners als Parstiobmann eine Erstarkung deS demokratischen Flügels der Chrtstkichfoztalen•!» genüber dem mit Henstin liebäugelnden eingetreten ist. Millionenspende für die Motorisierung der Armee. Die Liga der tschechoslowakischen Mostristen, die am Vortag deS 28. Oktober 1934 versprochen hatte, für die Mostrisierung der Armee binnen Jahresfrist eine Million Xö aufzubringen, hat dieses Versprechen währ gemacht. Am Sonntag übergaben die Vertreter der Liga dem Generalstabschef Krejäi im Rahmen einer Feier auf dem Altstädstr Ring einen Scheck über 1,200.000 Xö, die im Laufe des einen Jahres durch Sammlungen aufgebracht worden find. Funktionärschule der Angestelltenjugend. An den Doppelfeiertagen(27. und 28. Ottober) brachte der Jugendkreis Teplitz-Aussig-Komotau-Prag de» Allgemeinen AngestelltenverbandeS Reichenberg im BezirkSerholungsheim in Eichwald eine Internatschule für seine Jugendfunktionäre zur Durchführung, i» welcher am Sonntag, dem 27. Oktober. Verbandssekretär Koll. Ernst Grünzner die „Grundbegriffe derBolk-wirsschast" behandelte, wor« aufGeschästSstellenleiter Koll. E. F. P l o h s, Teplitz, das Stoffgebiet„Was ist eine Gewerkschaft" vortrug. Am 28. Ottober kam praktische Jugendarbeit zur Beratung. Jugendkollege Willi Sieber sprach über:„Aufgaben des Ju- gendfunktionärs". Jugendkollege Karl Schlosser über:.Lugendschutz«nd Berufsbildung". Jugendkollege Richard Löbl über:„Festkultur", Jugendkollege Ludwig Dorant über: Wandern, Sbort und Spiel". Im Anschluß entwickelt« sich eine ausführliche Diskussion, dst Hauptiugendleiter Kollege Herrmann Müller, Reichenberg, Mchloß, der zweckentsprechende Winke für die praktisch« Jugendarbeit gab. Die Jnternatschule. an der sich alle Ber« bandrjugendgruppen der Gebietes beteiligten, verlief ungemein anregend. Die abaefühtte Diskussion zu den einzelnen Themen ließ erkennen, daß die deutsche freigewerkschaftliche Angestelltenorganisation bereit» mustergültige Jugendfunktionäre besitzt, deren Kenntnisse den weiteren Ausstieg der Angestelltenorganisation verbürgen. neuer SSSR-Handelsvertreter für die Tschechoslowakei VlMau.(Laß.) Der Rat der Volkskommissare der Sowjetunion hat Muradia» zum Handelsvertreter in der Tschechosstwakei und W i n z e r zu dessen Stellvertreter ernannt. Kilowitz und Bulle wurden ihrer Verpflichtungen enthoben. Seck noch Immer krank Warschau. Außenminister Beck hat sich auf ärztlichen Rat noch für einige Tage nach Rabke in der Nähe von Zakopane begeben, um sich voll von seiner Krankheit zu erholen. «r. 252 Mittwoch, 30. Dftoter 1935 Seite 3 fudetendeu tedaer Zeifepie^el •«Befreit!“ General de Bono:„Wo die italienische Fahne weht, gibt es keine Sklaven mehr!" Das Drama von Ober-Adersbach Die verzweifelt kämpfenden Arbeiter noch Immer Im Betrieb I Seit nunmehr 14 Tagen hält sich der Ber- zweiflungskampf der arbeitslosen Textilproleten der Ober-AderSbacher Flachsgarnspinnerei noch immer auf einem fast beispiellosen Höhepuntt. Wir haben bereits berichtet, daß schon am 14. Oktober die Frist des bewilligten dreimonatigen Be- IriebsstilllandeS abgelaufen war, daß aber trotzdem der Betrieb, der Arbeitsplatz für 287 Arbeiter und Arbeiterinnen bedeutet, nicht wieder ausgenommen wurde. DanmlS, also vor 14 Tagen, war die gesamte Belegschaft im Betriebe erschienen und führte ihren verzweifelten Entschluß durch, im Betriebe, auch über Rächt, zu verharren, bis die zuständigen Stellen über die Frage der Wiederaufnahme des Betriebes entschieden hätten. Aber auch noch zu Anfang der jetzt laufenden Woche ist die Situation ungeklärt. Die Arbeiter harren im Kampfe aus. Nur die Frauen haben mittlerweile den Betrieb verlassen, die Arbeiter dagegen führen den beispiellosen Kampf in der von ihnen begonnenen Art weiter und bleiben im Betriebe. Nach den gesetzlichen Bestimmungen must bis zum 2. November— falls bis dahin nicht eine andere Lösung gefunden sein sollte— die Entscheidung des Ministeriums erfolgen. Auf jeden Fall ist die Firmasach- Prag. Der Rektor der deutschen Universität, Senator Dr. Hilgenreiner, hatte für Samstag abends die Vertreter der hiesigen deutschen Tagespresie zu einer Aussprache über aktuelle Fragen der deutschen Universität und des Hochschullebens überhaupt, eingeladen. Er gab zunächst einen lleberblick über die Situation der deutschen Universität und von dem bekannten Jnsignienstreit ausgehend, erklärte er, eS müsse die durch die Gesetze gegebene Rechtslage scharf unterschieden werden von der historischen Frage, ob die tschechische Karlsuniversität die all einig e. R e.ch t s.u a.djj rin der alten Karlsuniversität sei. Darüber würden einmal die Historiker ihr Urteil fällen. Auster Frage stehe aber, dast das UniversitätSgesetz als Gesetz habe geachtet werden müssen. Es sei auch seinerzeit alles vorgekehrt worden, um die aus diesem Gesetz resultierende Uebergabe der Insignien in entsprechender Art zu vollziehen und eS sei zu bedauern, dast die Sache zur Unzeit in einer Weise aufgegriffen wurde, die nur.radikalen Elementen zugute kam. In den nächsten Tagen wird eine Kommission zusammentreten, die die Uebergabe der(übrigens ziemlich spärlichen) wertvollen Erinnerungsstücke an die Karlsuniversität vollziehen wird. Nach Erledigung dieser Frage stehe nichts mehr im Wege, dast die beiden Prager Universitäten zu einer normalen und freundschaftlichen Zusammenarbeit gelangen(„Heute liegt EiS zwischen ihnen" sagte Dr. Hilgenreiner). Der Rektor betonte mehrfach nachdrücklichst das aufrichtige Bestreben der deutschen Universität, den Frieden herzustellen. Nachdem er noch die Frage der Ersatz- i n s i g n i e n berührt hatte, deren Herstellung vom Schulministerium der Kunstakademie übertragen wurde, ging Rektor Hilgenreiner auf das brennende BavproVlem fällig geworden und wird eine Geldstrafe zu zahlen haben. Ausserdem aber haben die Arbeiter und Arbeiterinnen Anspruch auf die Bezahlung von drei Wochenlöhnen. Bemerkenswert ist, dast reichsdeutsche Kapitalisten der Böhmischen Escomptebank (der Besitzerin der Ober-AderSbacher Fabrik) sieben Millionen KL schulden und dast die Abtragung auch nur eines Teiles dieser Riesenschuld genügen würde, um den Betrieb wieder in Gang zu setzen. Da aber die reichsdeutschen Kapitalisten anscheinend keinen Pfennig zu zahlen bereit sind, erweist sich an diesem Falle wieder einmal mit aller Schrecklichkeit der Schwindel von der deutschen Volksgemeinschaft. Dagegen haben die zuständigen tschechoslowakischen amtlichen Faktoren ihre Bereitwilligkeit, an der Aufrechterhaltung des Betriebes mitzuarbeiten, deutlich genug an den Tag gelegt, indem sie während der dreimonatlichen Stillstandsperiode das Ausfuhrkontingent für die Ober-Adersbacher Flach« gavnspinnerei von 180.000 auf 400.000 KL monatlich erhöhten. Die gesamte Arbeiterschaft verfolgt mit mnigster Anreilnahme und gröhter Spannung den heroischen und verzweifelten Klaffenkampf der.Ober-Adersbacher Arbeiter. Hierauf berichtete Gen.-Direktor Schäfer für die Studentenheimgesellschaft und als Verwalter des neuen Rzach-Dörfel- Studentenheimes über dieses modernste Studentenheim, ergänzt durch die Darlegungen des RekwratsrateS Dr. P r o h a s k a, der daS Problem und die heutigen Schwierigkeiten der studentischen Wohnungsfürsorge entwickelte. Die Zweimillionenspende des Präsidenten Masaryk ermöglichte seinerzeit einen Ausbau. Heute beherbergen die drei Studentenheime 873 Studenten. Die Wohnungsmieten schwanken im alten Gebäude in der L ü tz o w st r a st e zwischen 40 und 90 KL monatlich, im neuen Rzach-Dürfelheim, das aufs modernste eingerichtet und auSgestattet ist, von ISO bis 170 KL. Die Not im Randgebiet wirkt sich auch hier aus. Die deutschen Städte, Selbstverwaltungskörper und private Gönner stellen ihre Zuwendungen ein oder reduzieren sie empfindlich. Das letzte Jahr schlost mit einem Defizit von 55.267 KL und die Verwaltung ist vor schwere Aufgaben gestellt. Hierauf gab Prof. Dr. Tschermak» Seysenegg einen ausführlichen Ueberblick über die Arbeit der„Studentenfürsorge", die er seit 1921 leitet. Da die gesamte W o h- nungsagenda an die Studentenheimgesellschaft übergegangen ist, befastt sich die Studentenfürsorge ausschlietzlich mit' der existenziellen Erhaltung und Unterstützung mittelloser Studenten. Prof. Tschermak stellte fest, dast diese als „gebundenerDelegiertenverein" konstituierte Wirtschaftskörperschaft(paritätisch zusammengesetzt aus 10 Professoren und 10 Studenten, die von den einzelnen studentischen Gruppen delegiert sind— wobei die sozialistischen Studenten zwei Vertreter stellen) klaglos zusammenarbeitet. Prof. Tschermak schilderte im einzelnen die Schwierigkeiten des Ausbaues rmd der Führung der einzelnen Aktionen(Studentenküche. Erwerbs- und Wohnungsvermittlung, wirtschaftliche Einrichtungen usw.), Besonders interessant war das Kapitel„Absolventenfürsorge". Prof. Tschermak wies auf die erschreckend zunehmende Zahl erwerbsloser Akademiker hin, die nach der Absolvierung nichts anderes anzufangen wissen, als eine neue Fakultät zu beziehen.(Bei Prof. Tschermak selbst studieren mehrere diplomierte Ingenieure, Doktoren der Rechte und der Philosophie.) Eine statistische Erfassung der Absolventen tue dringend not, etwa durch Anlegung einer Kartho- tek der Absolventen, verbunden mit deren Verpflichtung, sich regelmässig zu melden, um sie weiterhin im Auge zu behalten und eventuell beraten zu können. ES ist tatsächlich eine groteske Tatsache. dass in der Zeit ärgster Stellennot fünf Po st en für Juri st en zu besetzen waren, ohne dass sich Bewerber fanden! Auf die F i n a n z f r a g« der Studen- ienfürsorge eingehend, wies Prof. Tschermak auf deren grosse Schwierigkeiten hin, die ebenfalls in der allgemeinen Not der deutschen Gebiete begründet sind. Die Haupteinnahmsquelle sind neben dem Verkauf des Kalenders, Sammlungen und Appelle Jan die private Wohltätigkeit. Die staatliche Subvention dieses Hilfswerkes beträgt etwa die Hälfte dessen, was dem Bevölkerungsschlüssel entspräche. Prof. Tschermak erkannte aber rückhaltlos die Einsicht und den guten Willen vieler tschechischer Persönlichkeiten an, Gerechtigkeit walten zu lassen. Gleichzeitig wandte er sich gegen die von gewissen Stellen demagogisch ausgestreute Unterstellung, als sollte die gerechte Unterstützung der deutschen Studenttnfürsorge auf Kosten des tschechischen Hilfswerkes vor sich gehen. Zum Schluss referierte Prof. Luksch über die Tätigkeit und Situation der„Haupt- stelle fürLeibesübunge n". rb. Wtr kämpfen für alle Kinder um Nahrung. Kleidung, Wohnung und Freude. Führe deiner Organisation neue Mitglieder, neue Mitkämpfer zu! Arbeiterverein„Kinderfreunde". Die Notlage der dcntsdicn Universität Pauperlslerung des akademischen Nachwuchses ein. Die Baufälligkeit einzelner Teile des Karo- linums macht Restaurierungsarbeiten notwendig, die vermullich etwa sechs Monate in Anspruch nehmen werden und besonders den grossen Promotionssaal betreffen. Die prekären Raumverhältnisse der Rektorats- und Dekanatskanzleien und der Hörsäle drängen auf Abhilfe durch Ausführung des Bauprojektes für das Zentralgebäude auf den Hollescho» witzer Richterschen Gründen (hinter der A.U. B. A.), in welchem äusser den Kanzleien die juristische, philosophische und naturwissenschaftliche Fakultät untergebracht werden sollen. Der Baugrund ist grösstenteils bereits erworben bis auf ein Haus und 800 Quadratmeter städtischen Grundes, der im Wege deS Tausches gegen 1200 Quadratmeter Universitätsgrund in den Besitz der Universität gebracht werden soll. Cs besteht Hoffnung, dass diese letzten Transaktionen keine Schwierigkeiten machen werden. Der projektierte Neubau für die Kliniken in Motol steht noch im Verhand- lungSstadium. Auf die Frage, wie es mit den vakanten Lehrkanzeln stehe, erklärte der Rektor, dass die Vakanzen im verflossenen Jahr grösstenteils beseitigt pmrden. kln Urteil Uber uns In den Planer„Westböhmischen Stimmen" schreibt der Landbündler Alois Fietz, „daß praktisch genommen die d e u 1- sche« Sozialdemokraten in der Regierung dem Sudetendeutschtum mehr Ruhen verschafft haben, bzw. dem fortwährend drohenden weiteren Verfall mehr wirksamen Widerstand entgegensetzen, als alle gegeü die Regierung in Opposition stehenden deutschen Parteien zusammengenommen." Eine werwolle Anerkennung aus dem Munde eines solchen Anti-Sozialdemokraten, wie Herr Alois Fietz einer ist! Lerroux stürzt über Korruptionsaffäre Madrid. Die stürmische Debatte in den Cortes über die„Affäre Strauß", in die Verwandte des Ministers Lerroux verwickelt sind, hatte die Demission des spanischen Kabinettes zur Folge.. Das neue Kabinett C a p a p r i e t o hat die gleiche politische Zusammensetzung wir das zu» rückgetretene Kabinett. An Stelle des Ministers L e r r o u x hat Martinez de BelaSro, der frühere Minister für Landwirtschaft, das Portefeuille des Auswärtigen inne. Pastoren-Disziplinierungen rückgängig gemacht Berlin.(DRV) In»erfolg der Maßnahmen des Reichsministers zur Wiederherstellung des Kirchenfriedens hat der Landeskirchenausschuß für die evangelische Kirche der Altpreu- tzischen Union eine grundsätzliche Entscheidung in dem Sinne getroffen, daß Disziplinarverfahren und Disziplinarmatznahmen kirchenpolitischer Art sofort zu überprüfen und zu unterbrechen sind. Bon der Verhängung von Ordnungsstrafen im Verwaltungswege ist abzu- srhen. Beurlaubungen, die gegen Geistliche und Superintendenten wegen ihrer Stellungnahme im Kirchenstreit ausgesprochen wurden, sind grundsätzlich aufzuheben. Die Radikalen für schärfere Bekämpfung der Fascisten Paris. Der Kongress der Radikalen beendete am Sonntag seine viertägige Session mit der An- nahme einer Resolution, in welcher gefordert wird, dass der parlamentarische Klub auf eine energische Bekämpfung der Tätigkeit der rechtsgerichteten Vereinigungen dräitge, welche das republikanische Regime bedrohen, und dass die Unterstützung der Regierung, gegebenenfalls die Beteiligung der Radikalen an derselben, von einer entschiedeneren Behandlung dieser Frage seitens der Regierung abhängig gemacht wird. * Der Ministerrat tagte am Dienstag fast ohne Unterbrechung den ganzen Tag hindurch und hielt auch eine Nachtsitzung ab, um aus 400 vorgelegten Entwürfen etwa 150 der wichtigsten auszuwählen. Diese werden dann Donnerstag früh als Regierungsdekrete veröffentlicht werden. An diesem Tage laufen nämlich die ausserordentlichen Vollmachten ab, die dem Kabinett Laval seinerzeit gewährt wurden. Günstige« Aussichten für die TextilauSfubr. Wie wir erfahren, treffen die österreichischen und deutschen Exporteure Vorbereitungen zur Ausnützung der Exportschwierigkeiten Italiens. Es ist wahrscheinlich, dass Italien in der nächsten Zeit eine Reihe seiner bisherigen Absatzgebiete verlieren wird, deren sich die österreichische und deutsche Ausfuhr bemächtigen wollen. Dieser Tatsache sollten auch die tschechoslowakischen Exporteure und Produzenten um so mehr erhöhte Aufmerksamkeit widmen, als es sich um Waren handelt, welche die Tschechoslowakei exportieren kann, ebenso um Einfuhrstaaten, mit welchen die Tschechoslowakei in Handelsbeziehungen steht. Cs handelt sich in erster Reihe um Baumwollwaren, die Italien nach Jugoslawien, Bulgarien, Rumänien, Marokko, Tunis, Brasilien, Zentralamerika und O st« a f rika ausführt. Weiter um Hutstumpen, die China, Britisch-Jndien und Zentralamerika vor Italien bezogen; schliesslich um Decken aus Wollabfällen, die eine wichtige Position der italienischen Ausfuhr nach Britisch- und Holländisch- Jndien und Ostafrika bilden. JtaJifiweJl Berlin.(AP.) Der Branntweinabsatz ist im letzten Vierteljahr um 100.000 Hektoliter auf 1.13 Millionen Hektoliter gestiegen. Auch daS ist ein Symptom I Berlin.(AP.) Die Regierung bereitet eine Verordnung vor, durch die die Beamtengehälter um 10 Prozent gesenkt werden sollen. Die Hauptsache ist eben, dass die Rüstungen nicht beeinträchtigt werden- Seite 4 Mittwoch, 30. Oktober 1935 Nr. 252 Furchtbare Grubenkatastrophe 126 japanische Bergarbeiter getötet Tokio. Wie die Kohlengesellschaft Mejschi mitteilt, ereignete sich auf der dieser Gesellschaft gehörenden Grube A k a j s ch i Samstag nachts eine Explosion, wodurch an 15V Bergleute verschüttet wurden. Bisher wurden 59 Tote und 15 Verletzte geborgen. Im Bergwerk befinden sich noch weitere 67 Bergleute. Es besteht nicht mehr die Hoffnung, sie lebend zu bergen. Das Anglück ist infolge schlagender Wetter entstanden. JclKesuemgLeiten. Winter im Böhmerwold Schwere GchaeeschLde« P r a ch a t i tz. Durch die heftigen und lang- andauernden Schneefälle der Borwoche trägt der südliche Böhmerwald tirfwinterliches Gepräge. In den höher gelegenen Waldungen sind durch die nie- dergegangcnen Schneemassen ungeheure Schäden angerichtet worden. Stellenweise bilden die niedergebrochenen Waldbäume ein undurchdringliches Gewirr und die Waldwege sind durch die umgestürzten Bäume auf lange Strecken unpassierbar geworden. Besonders arg heimgesucht wurde von dem Wrndbruch das Waldgrbiet des L i b i n st o ck e s. Aber auch die O b st b ä u m e in den Tälern Haven sehr gelittm. Sonntag abends wurden auf den Bcrgkämmen bis 40 Zentimeter Schnee gemessen. Der Skisport wurde bereits ausgenommen. I Föhnsturm im Glorknergebiet Salzburg. Montag nachmittags wurden zwc- Träger, die von Fusch Proviant in die Winterbaracken an der Großglocknerstraße lieferten, von einem plötzlichen Föhnsturm überrascht. Während der erste Träger sich bis zur Baracke durchkämpfen konnte, riß dem zweiten Träger der Sturm den Mantel fort. Der Mann kam auf der Suche nach dem Mantel von der Straße ab und wurde Dienstag früh unterhalb der Gcoßglocknerstraße erfroren geborgen. Es ist der 47jährige lebig? Hilfsarbeiter Josef Lacher aus Steinbach in Oberösterreich. Hochwasser in ber Schwei- Bern. Aus einigen Landesgegenden liegen Hochwassermeldungen vor, so aus dem Kanton GlaruS, wo die Klausenstraße an einer Stelle verschüttet wurde. Bei Rougement im Waad« Fluten weggeschwemmt, wrckei ein Ehepaar länder Oberland wurde ein Bauernhaus von den und zweiKinder ums Leben kamen. Eine Patrone explodiert unter einer Lokomotive Prag.(Tsch. P. B.) In der Nacht vom 26. zum 27. Oktober explodierte unter der Lokomotive des Zuges Nr. 8573, zwischen der Station Louky nad Olzou und der Haltestelle Louka nad Olzou, eine Patrone. Durch die Explosion wurde eine Schiene in der Länge von dreiviertel Meter verbogen und zum Teil herausgeriffen. Die Lokomotive wurde, abgesehen von der-Zertrümmerung der Laternen und eines Fensters, nicht beschädigt. Der Zug wurde durch das Ziehen der Notbremse zum Stehen gebracht. Von dem Vorfall^ wurden die Staatsanwaltschaft und die Gendarmerie verständigt, welche sofort die Nachforschungen aufnahm. Ziehung der Klassenlotterie Unverbindlich. Prag. Bei der Dienstag-Ziehung der Klaffenlotterie wurden nachfolgende Gewinne gezogen: 29.660 K« 11060, 105178, 62211. 10.000 K6: 69369, 70183, 47502, 33276, 13861. 5000 Ke: 2025, 98403, 67234, 86870, 106592, 28468, 33839, 65885, 102525, 33904, 47114, 36570, 8495, 8440, 54857, 27615, 84750, 36172, 10204, 75919, 32493. 2000 K£: 72169 3465 67499 53442 67721 91233 101240 75824 85345 51104 83742 39060 67579 66377 43768 48459 79425 103786 21764 50909 32629 62217 32730 107304 74450 52950 72671 72586 26600 72193 22471 2633 32258 75616 88055 19444 17324 37738 28314 85033 37313 38332 27080 30543 51160 99612 32489 40888 35910 31993 37026 39736 83253 29046 92276 5735 25871 83852 66254 38135 27650 22176 6080 80458 2556 89513 40529. 1200 Ki: 60859, 94874, 44065, 9234, 97325, 57059, 86937, 14852, 95726, 60844, 24719, 26351, 1129, 67778, 87530, 102989, 18220, 53883, 63745, 86942, 37084, 49889, 36554, 57929, 93150, 62556, 4478, 83454. 45435. 14426, 66980, 27684, 14509, 50821, 18875, 30499, 93692, 106302, 54692, 101826, 87570, 52835, 3482, 73039, 85680, 74000, 28538, 58026, 94676, 75329. 54694, 43093, 43075, 46384, 16653, 74385, 45678, 88197, 69719, 79227, 22683, 42718, 95624, 107431, 99564, 17928, 55905, 375, 44202, 18483, 51334, 97902, 89270, 63472, 35521, 51282, 68540, 100746, 65746, 42137, 43561, 5156, 1268, 10671, 38761, 90659, 101144, 16429, 16765, 103120, 8183, 106746, 28387, 29731, 2360, 52302, 37797, 86454, 66332, 54192, 81946, 88342, 70553, 50961, 34857, 12441, 97935, 90875 103270, 17937, 72370, 81802, 48238, 76864, 20686, 55115, 32817, 99459, 31320, 39031, 33731, 18136, 70207, 12231, 16842, 51224, 62186, 83887, 68487 51823. Devisenprozeß um 825,000 RM. Berlin.(Deutsches Nachrichtenbüro.) Vor dem Berliner Landgericht begann Montag der bisher größte Devisenprozeß gegen katholische Ordensangehörige. Die Anlage richtet sich gegen die Generalprokuratorin in der „Genossenschaft der Schwestern unserer Lieben Frau", Anna Achroers(Schwester Libora) aus Mühlhausen bei Kempen am Rhein. Die Gesamtsumme der von der Angeklagten ins Ausland gebrachten Beträge soll sich laut Anklage auf 825.000 Reichsmark belaufen. Der größte Teil dieser Summe— 645.000 RM— wurde in den Jahren 1832 bis 1934 in Reichsbanknoten nach Holland geschafft und dort angelegt. Die Angeklagte Schroers hat in der Voruntersuchung bereits eingeräumt, daß die Scheinkonten seit 1932 hauptsächlich auf ihr Betreiben eingerichtet worden seien, damit der Orden sich in Notzeiten besser helfen könnte. Entführung eines Zensors Peiping. Auf das Büro des ch i n e s i sch e n Pressezensors in Tientsin wurde ein Ueberfall verübt. Acht Japaner drangen in das Gebäude ein, welches sich innerhalb der früheren österreichisch-ungarischen Konzession befindet, und entführten den stellvertretenden Direktor»des Büros und fünfweitere chinesische Beamte. Der Vertrieb des flRBEIIER-JBHRBUCHS Ist eine kulturelle Pflicht des aktiven SOZIALISTEN Aus der Flugwelt Bukarest. Vor 100.000 Zuschauern fand hier ein großes internationales Flugmeeting statt, an welchem die tschechoslowakischen Piloten-Akrobaten auf Maschinen„Avia Berta— 122", ferner Russen, Polen und Rumänen teilnahmen. In der Gruppenkonkurrenz vollführten die besten Leistungen die tschechoslowakischen Piloten-Akrobaten Leutnant N o v ä k, Rottmeister S i r o k h und Rottmeister Hubä- ä e k. Den größten Eindruck auf die Zuschauer rief der Schwarm der drei durch ein Tau miteinander verbundenen Aviamaschinen hervor, welcher durch seine Diszipliniertheit und tadellose Durchführung faszinierte. Im individuellen Wettbewerb hatte die beste Leistung der tschechoslowakische Leutnant N o v ä k auf der Maschine Avia B 122. * Ushorod. Dienstag traf um 11 Uhr 15 vormittags auf dem Probeflug auf der Strecke der tschechoslowakischen staatlichen Aerolinie Prag— Moskau ein zweimotoriges sowjetrussisches Verkehrsflugzeug hier ein. An Bord des Flugzeuges befinden sich der Vorsitzende der„Aeroflot", Groza, und Direktor Kaminski. Das Flugzeug lenkt Pilot Timoschew, ferner befinden sich an Bord ein Navigator und ein Mechaniker. Das Eintreffen auf dem Flugplatz Prag-Kbely wird Mittwoch, den 30. Oktober, erwartet. Tokio. Infolge einer verheerenden Unwetterkatastrophe wurden in Tokio 31.577 Häuser unter Wasser gesetzt, in Nagoja 15.000. In dem Dorfe Tazuda wurden durch einen Erdrutsch 30 Menschen lebend begraben. Die Schifffahrt wurde völlig lahmgelegt. 17 Fischerboote mit über 100 Mann Besatzung wurden vom Sturm überrascht und man nimmt an, daß sie alle mit der gesamten Besatzung gesunken sind. Auf der Eisenbahnstrecke Tokio—Taira hat sich nach einem Wolkenbruch rin Erdrutsch ereignet. Dadurch entgleiste ein Eiscnbahnzug. 11 Personen wurden getötet und 50 schwer verletzt. Managua(Nicaragua). Die Städte Cape G r a d i a s und D i o e an der Küste von Nicaragua wurden durch einen Sturm vollkommen zerstört. Der amerikanische Flieger Kingsley, der im Flugzeug die ganze, von der Katastrcphe heimgesuchte Gegend durchflog, teilt mit, daß von der Nur Hitlers Geist? ES müssen nicht nur Schutzgese tz-Verhaftungen von Henlein- leuten sein, die den geistigen Inhalt dieser Bewegung anschaulich machen. Auch Kleinigkeiten genügen, um hinter die Kulisse der demokratischen Gesinnung blicken zu lassen, welche eine gewitzigte Führung für ein gutgläu- biges Publikum aufgerichtet hat. Es wird niemand tragisch nehmen, wenn so eine„Deutsche Böhmerwaldzeitung" in Krumau einmal nicht mehr anders kann und ihre Sehnsucht nach Konzentrationslagern in alle Welt hinausschreit. Dem Schriftleiter soll man vielmehr dankbar sein. Er hat nur das ausgesprochen, was von den Agitatoren im Lande von Mund zu Mund weitergegeben wird, er hat, im Ueberschwang des Gefühls, die Grenze übersehen, die für ihn und seinesgleichen zwischen dem gesprochenen und dem gedruckten Wort gezogen wurde. Und er hat damit zu tausend früheren einen neuen Beweis dafür geliefert, unter welchem Gestirn der Tag stünde, den ihnen die Flüsterpropaganda des Herrn Henlein als Ziel vor Augen hält:— einen Tag, der in keinem tschechoslowakischen Kalender verzeichnet ist. Die Frauen für den Frieden! Am 21. Oktober d. I. sind in Reichenberg ungefähr ein halbes Hundert Frauen zusammengetreten, um in Nordböhmen einer großen allgemeinen Bewegung für den Frieden den Weg zu bereiten. Jenseits alles Trennenden wollen diese Frauen ihre Stimmen— die Stimmen der Mütter aller Klassen und verschiedener Zungen— zum Schutze des Lebens erheben. Ein vorbereitender Ausschuß für diesen„Krieg dem Kriegei" hat sich gebildet. Er rechnet auf die Mitarbeit aller Frauen im Dienste der fordernden Stunde! Falsche Francs-Scheine auch bei uns. Die Untersuchung gegen die kürzlich in S o s n o- w i c e(Polen) verhafteten drei Falschmünzer, die falsche französische Noten zu 500 und zu 50 Francs herstellten, hat ergeben, daß die falschen Scheine nicht nur in Polen und Frankreich, sondern auch in der Tschechoslowakei und in Rumänien verbreitet wurden. Abessinien und das Note Kreuz. Die Sanitätsexpedition des schwedischen Roten Kreuzes, die aus zehn Lastautomobilen besteht, durchfuhr Belfort auf dem Wege nach Marseille, wo sie sich nach Abessinien einschiffen wird. Italienischer Journalist in Argentinien verhaftet. Der italienische Journalist Folco T e- st a n a, Direktor des in Buenos Aires erscheinenden„Giornale d'Jtalia", ist auf richterliche Anordnung in Buenos Aires verhaftet worden. Die Verhaftung erfolgte wegen eines den argentinischen Vertreter beim Völkerbunde beleidigenden 'Artikels in dem genannten Blatte, was als eine unzulässige Einmischung in die auswärtige Politik Argentiniens angesehen worden ist. Man erwartet, daß die Regierung Testana des Landes verweisen wird. 5000 Tonnen russischer Weizen nach Oesterreich. Auf Grund der letzten Verhandlungen zwischen Oesterreich und der Sowjetunion werden vorläufig 5000 Tonnen Weizen aus Rußland nach Oesterreich zur Einfuhr gelangen. Die Verschiffung wird noch im Laufe des Monates November durchgeführt werden. Strenge italienische Devisenkontrolle. Aus Rom wird gemeldet: Jeder die italienischen Grenzen verlassende Reisende ist verpflichtet, die Höhe des mitgeführten Devisenbetrages bekanntzugeben. Diese Summe darf 2000 Lire nicht übersteigen. Bei der Einreise darf niemand mehr Devisen mitbringen, als er ausgeführt hat. Fünf Menschen in einem Auto verbrannt. Wie die Pariser Blätter melden, verunglückten Montag um Mitternacht bei einem Automobilunglück auf der Straße von Paris nach Amiens fünf Personen. Das Automobil prallte gegen einen Baum, überschlug sich und fing Feuer. Die fünf Insassen des Wagens konnten das verschlossene Automobil nicht verlassen und verbrannten. Ehepaar von einem Baumstamm erschlagen. Wie aus Graz gemeldet wird, wurden die Eheleute Simon und Maria Königsfelde von einem aus der Holzbahn bei Lckngenwang heraus ganzen Stadt nur ein Zollhaus und das Gebäude des Generalstabes stehen geblieben sei. Während seines Fluges konnte Kingsley vieleLeichen und zahlreiche Verwundete beobachten.'. * Port of Prinre.(Haiti. Heber die Insel Haiti ging ein Hurrikan hinweg, der nach den ersten Nachrichten an 2000 Tote gefordert haben scll. Mehr als 3000 Personen sind obdachlos. Es wurde insbesondere der südöstliche Teil der Insel betroffen. * Mexiko-Stadt. Aus Tegucigalpa werden schwere Sturmschäden an der Atstmtikküste gemeldet. Besonders hart mitgenommen wurden Puerto Cabezas und das Bananengebiet. Der Ort San Pedro Sula ist infolge Überschwemmung von der Umwelt abgeschnitten. Auch in Guatemala herrschte schwerer Sturm. Ak Cer Arbcltcr-Turn- und Sportbewegung Fußball im 5. Atus-Kreis Die Spielergrbniffe der vergangenen MrifterfchastSrnnde Von den am vergangenen Sonntag und Montag auSgetragenen Spielen liegen uns bis zu Blattschlutz folgende Ergebnisse vor: Gruppe IV: Langugest gegen Dux 2:2, Klein« augezd gegen Graupen 1:21, Ladowitz gegen Pihan- ken 1:9, Prosetit- gegen Weiskirchlitz 2:2. Gruppe V: Novy Tvory gegen Wohontsch 0:2, Eichwald gegen Wisterschan 3:0. Die Meisterschaft wird am Sonntag, dem 3. November mit nachstehenden Begegnungen fortgesetzt: Gruppe I: Warnsdorf gegen Böhm.-Kamnitz, Rumburg gegen Steinschönan. Gruppe II: Aussig-Nord gegen Wannow, Ull- gersdorf gegen Kleische. Gruppe IV: Dux gegen Kleinaugezd, Weiskirchlitz gegen Pihanken, Ladowitz gegen Langugest, Graupen gegen Prosetitz. Gruppe V: Kosten gegen Eichwald, Wohontsch gegen Sobrusan, Wisterschan gegen Novy Dvory. Spielfrei: Tischau. Gruppe VI: Sporitz gegen Weipert, Trnpschih gegen Komotau II, AtuS Saaz gegen Tschern, Saaz« Semmering gegen Neudorf. Spielfrei: Komotau I. Die Anstoßzeit wurde brüt Kreisbeschluß für 3 Uhr nachmittags angesetzt. Aenderungen nach Vereinbarung zulässig. Spielersperren: Verein Schönpriesen: Spieler Holub, Paß Nr. 338,14 Tage Sperre; Verein Nestersitz: Spieler Ernst Doberauer, Patz Nr. 220, drei Wochen. Die Sperre beginnt mit 29. Oktober. Der Bezirksspielleitung und Schiedsrichtervereinigung zur Ueberwachung. Demnächst erfolgen an alle Bezirke, Schiedsrichtervereinigung und Vereinsleitungen Rundschreiben und sind diese allen Funktionären zu übermitteln. DieKreisspielleitung. springenden Holzstamm getroffen und zu Boden geschleudert. Die Frau war sofort tot, der Mann wurde mit tödlichen Verletzungen ins Krankenhaus gebracht. Entgleisung. Am Dienstag sind um II Uhr 10 Minuten bei Verschiebung des Lastzuges 4187 auf durchlaufendes Geleise in der Haltestelle und Ladestelle in Vitinäves drei Lastwaggons entgleist. Der Personenverkehr wird durch Umsteigen aufrechterhalten. Das Hindernis wurde um 19 Uhr beseitigt. Die Ursache des Unfalles wird untersucht. „Die Entstehung der Tschecheslowakischen Republik." Das unter diesem Titel im Vorjahre erschienene Buch des Genossen Dr. Emil Straütz ist soeben in zweiter Auflage erschienen. Wärmewelle kommt. Bei abslauendem Nordwest herrschte ain^ienstag in der ganzen Republik kühles und veränderliches Wetter mit vereinzelten Schauern. Die Berge haben wieder Frost. Der Zuflutz kalter Luft aus höheren Breiten wird nunmehr durch eine Wärmewelle unterbrochen werden, welche sich vom Atlantischen Ozean nähert. In Frankreich und England wurden Dienstag nachmittags bei starkem Westwind stellenweise 15 bis 16 Grad Celsius verzeichnet, während bei uns die Temperawr fast nir«. gends 16 Grad erreichte. Beim Zurückweichcn der kühlen Luft dürfte eS wieder zu ausgebreiteten Regenfällen kommen. Die allgemeine Wetterlage wird voraussichtlich weiterhin unbeständig und unruhig bleiben und zu häufigen Temperawränderungen neigen.— Wahrscheinliches Wetter von heute: Westteil der Republik: Erneut auffrischender Wind aus westlichen Richtungen, vorwiegend bewölkt, zeitweise Regen, vorübergehende Erwärmung. Osten des Staates: Zunächst wechselnd bewölkt, ruhiger, kühl, später erneute Wetterverschlechterung mit Niederschlägen.— Wetteraussichten für Donnerstag: Unbeständig, Schauer, starker Nordwest- wind, Abkühlung. Vom Rundfunk ■MptaMtnswartei iui den Programmen! Mittwoch Prag, Sender L.: 10.05: Deutsche Presse. 10.15: Deutscher Schulfunk. 11.05: Konzert. 12.35: Konzert 13.40: Deutscher Arbeitsmarkt. 16.55: Theater für die Jugend. 17.40: Schallplat- ten. 18.10: Deutsche Sendung: Dr. Bacher: DaS deutsche Zeiwngswesen in der CSR. 18.20: Arbeitersendung: Kirchhof- Reichenberg: Die Heilfürsorge in der Sozialversicherung. 18.40: Sozialinformationen. 21.05: Konzert des Prager Rundfunkorchesters. 22.30: Tanzmusik.— Sender S.: 7.30: Salonorchesterkonzert. 14.15: Deutsche Sendung: Kinderstunde. 14.50: Deutsche Presse. 18.45: Slowakische Volkslieder.— Brünn: 17.40: Deutsche Sendung: Stahl: Die gesundheitliche Auswirkung der sportlichon Betätigung der Jugend.— Mähr. Ostrau: 13.40: Leichte Musik. 15.00: Orche- sterkonzert. Donnerstag Prag, Sender L.: 10.05: Deutsche Presse. 12.10: Schallplatten. 13.40: Chansons auf Schallplatten. 15.00: Tschechisches Quartett. 17.45: Deutsche Sendung: Svatzal: Die Schule im Dienste des Svargedankens. 18.05: Jugendstunde. 18.45: Deutsche Presse. 19.10: Schallvlatten- Smetana. 22.15: Schrammelkonzert.— Sender S.: 7.30: Leichte Musik. 14.50: Deutsche Sendung- Dr. Nettl: Musik aus Böhmen in aller Welt. 18.00: Gesang?« konzert.■— Brünn: 13.30: Deutscher Ackeitsmarkt. 17.40: Deutsche Arbeitersendung: Aschmann: Die Arbeiter im alten und neuen Jglau.— Mähr. Ostrau: 18.10: Deutsche Sendung: Urba- nowskv: Die Geschichte der Staatsformen.— Tandler: Vom zweckmässigen Wohnen. 21.15: Tschech. . Tanzmusik.— Kaschau; 16.10; Lrchesterkonzert, Wetterkatastrophen in Japan, Nicaragua, Haiti nnd Mexiko Nr. 282 Mittwoch, 8V. Oktober 1935 Seite 5 Cs beginnen zu erscheinen: Die h««d-rt Heft« Von Josef Luitpold DaS Gedicht eines Lebens. Jedes Heft 32 Seiten stark, XL 2—. Bisher liegen vor: Lyrischer Kompaß— Der schmale Weg— Campanrlle- Madrigalr— Das mahnende Bild— Blut der MLrtyrer. Bestellungen an die Zentralstelle für das Bildungswcsen, Prag XU., Slezskä 13. Reuansiedlung von 175.000 Farmern Washington. Die Wideransiedlungsbehörde hat mitgeteilt, daß sie 178.000 in Not geratene Farmerfämilien neuansiedeln werde. Durch diese Maßnahme dürfte knapp die Hälfte der Arbeitslosenunterstützungen beziehenden Farmer- Familien versorgt sein. Adolf Menjou schwor erkrankt Paris. Blättermeldungen aus Hollywood zufolge ist der bekannte Filmschauspieler Adolf Menjou sehr ernstlich erkrankt. Es mußte unverzüglich«ine Bluttransfusion vorgenommen werden. Flugdienst über de« Stillen Ozean Washington. Generalpostmeister F a r l e y teilte mit, daß der regelmäßige Flugdienst über den Stillen Ozean am 8. November beginnen werde. An diesem Tage soll das erste Flugzeug von San Francisco mit Zwischenlandungen nach Manila abfliegen. Die Flugdauer beträgt dreiTage. Der neue Flugdienst wird jedoch erst einige Monate später bis nach Kanton ausgedehnt werden. Es handelt sich zunächst um einen Postflugdienst. Ein Passagierflugdienst soll erst später eingerichtet werden. Da-„Lusitania"-Wrack Paris. Das Wrack der im Jahre 1918 von deutschen U-Booten versenkten„Lusitania" wurde nach einer Meldung des„Paris fotr“ nach mehrmonatigem Suchen von• Tauchern in der Nähe von Irland in einer Tiefe von ungefähr 80 Meter gefunden. T&w&ufifaMck UM viMU«Zz? 4750’- GALA KONCERT SYSTEM TELEFUNKEN der 4- Röhren- Empfänger mit einfachster Bedienung und dem unerreichten Der Außenhandel mtt dem Südoste« Der tschechoslowakische Außenhandel mit allen Staaten im europäischen Südosten hat sich in diesem Jahre günstig entwickelt. Für die Tsche- choslowakei ergibt sich dabei im Verkehr mit Ungarn, Rumänien, Bulgarien und Griechenland 1935 Einfuhr Ausfuhr Ungarn 81.8 i 94.8 Jugoslawien,,,, 288.9 213.3 Rumänien-,,,. 181.7 266.0 Bulgarien,.„,. 89.8 61.1 Griechenland■■■« 81.2 48.2 Lediglich die Einfuhr aus Ungarn ist gegenüber dem Vorjahre zurückgegangen, dafür hat die Tschechoslowakei auch weniger nach Ungarn ausgeführt. Der Außenhandel mit den Staaten der Kleinen Entente weist eine erfreuliche Steigerung auf. Am stärksten ist die Zunahme der tschechoslowakischen Einfuhr aus Jugoslawien, die sich um 117 Millionen Kronen vermehrt hat. Die Aus- ein zum Teil recht beträchtlicher Ausfuhrüberschuß. Nur mit Jugoslaivien ist bisher in diesem Jahre die Handelsbilanz passiv.'Sm einzelnen ergibt die tschechoslowakische Ein- und Ausfuhr für die letzten drei Jahre das folgende Bild: Jänner—September 1984 1933 Einfuhr Ausfuhr Einfuhr Ausfuhr n Million en Kronen 84.8 108.9 121.3 136.8 142.7 190.0 108.2 146.8 128.8 189.0 128.1 178.1 20.7 14.0 43.1 11.7 19.4 38.3 10.2 14.9 fuhr nach Jugoslawien ist um etwa 23 Millionen Kronen gestiegen. Im Außenhandel mit Rumänien weist di« tschechoslowakisch« Ausfuhr ein« bedeutend stärkere Zunahme auf als die tschechoslowakische Einfuhr rumänischer Waren. Die Einfuhr aus Bulgarien hat sich fast verdoppelt, während die Ausfuhr um mehr als das Vierfache gesteigert werden konnte. Totschlag—„km Sinne des Führers". Im Kreise Allerstein hatte ein SA-Mann im April dieses Jahres einen Arbeiter im Wirtshaus erstochen, weil er die SA-Uniform beleidigt habe. Der Mörder wurde vom Alletrsteiuer. Gericht.mit. folgender unglaublichen Begründung freigesprochen: Ein SA-Mann in Uniform brauche sich nicht in eine Katzbalgerei einzulassen, bei der er womöglich verprügelt und die Uniform besudelt werde. Nicht umsonst habe der Führer den SA- Männern den Dolch verliehen(I). Sie hätten als politische Soldaten zu handeln. Der SA- Mann dürfe sich deshalb des Dolches zur„Abwehr" bedienen, wobei es sich für einen Soldaten von selbst verstehe, daß diese Abwehr nicht schwächlich, sondern„energisch" sei. Das liege ganz im Sinne der Führers. Nach de« Genoß vom Fleisch eines erkrankten llamels find in einem Dorfe in Ostanatolien in der Röhe der Stadt Gasiahintap 98 Personen an Fleischvergiftung erkrankt. Bier Personen sind bereits gestorben. Nicht nur Giftbomven— auch Spione vom Flugzeug. Der„Daily Herold" veröffentlicht folgenden Bericht Walter Colins aus Addis Abeba:„Ein italienischer Spion, der hinter den abessinischen Linien von einem Flugzeug abgesetzt worden war und auf besten Rückkehr zu seiner Abholung wartete, wurde gefangen genommen. DaS geschah in der Nähe von Dolo, einer wichtigen Stadt in Südwest-Abeflinien. Der Spion hatte einen Gehilfen. Als dieser vor den verfolgenden Abestiniern flüchtete, versuchte er durch einen an« geschwollenen Fluß zu kommen, wurde aber die Beute eine- Krokodils, das ihn unter Waffer zog." — Dr. Robert H o ck m a n n, der leitende Arzt des amerikanischen Spital- in Addis Abeba, erklärte dem Reuter-Korrespondenten in Harrar, daß die italienischen Flugzeuge Bomben mit Chlorin-GaS abwerfcn, wodurch zahlreiche Abessinier schwere Vergiftungen erlitten haben. Der Arzt war gerade unterwegs nach der Hauptstadt, um Gegenmittel zu holen. Er hat auch Verwundungen durch Explosivgeschosse festgestellt. Wk Wk Wk M dkl WlkAWWlk Kriminalgroteske von der Zijkover Peripherie Prag. Es ist bekannt, daß die Kassenknacker als Elite der Verbrecherwelt ihr Klassewbewußisein und ihren Berussstolz besitzen. Jeder Fachmann dieser Gilde hat den Ehrgeiz, auf der Höhe der Zeit zu stehen und fern technisches Können zu vervollkommnen.'Eine groteske Illustration zu diesem Faktum «ab dieser vor dem Strafsenat Trost verhandelte Prozeß. Der 42jährige Karl Senil ist seiner Berufsangabe nach Marktfahrer. Die Polizei bezeichnet ihn chber als berufsmäßigen Kassenknacker. dessen Strafkarte zahllose Vorstrafen aufweist. Dieser Meister seiner Facher blieb natürlich nach seiner letzten Entlassung aus dem Kriminal unter Polizeiaufficht. Er mietete sich an der Ziskover Peripherie ein. bei dem Fuhrmann Franz Hauser, der in einer der Notbaracken bei dem Gut„Pro- ialla“ haust. Es ist ein übelberüchtigter Winkel auf dem Kamm des Zistaberges. Ein hoher. morscher Bretterzaun, geflickt mit Tachpavvenabfällen und vom Abfallhaufen aufgelesenen Blechstücken umschließt ein Winkelwerk erbärmlicher Hütten. Not >md Verkommenheit reichen hier einander die Hand, letzt« Prostitution und Kriminalität. Hier also mietete sich der Meister Karl Cenkk ein. Der Polizei fiel nun auf. daß verschiedene poli- "ibekannte Subjekte auffallend oft in jener Notkolonie auS- und eingingen. Eines TageS erschienen Detektive und nahmen eine gründliche HauSdurch- knchung vor. ohne aber irgend etwas Verdächtiger zu finden. Sie mußten enttäuscht abziehen. DaS wiederholte sich noch einigemal. Stets fanden die Polizisten Nur den Meister Cenök vor. der vor der Tür beschaulich seine Pfeife rauchte und tief gekränkt war über die fortgesetzten ungerechten Verdächti unaen. Schließlich fiel aber den Detektiven auf. daß tegelmäßig, wenn sie unverrichteter Dinge abgezogen waren, auf dem Dach der Hütt« ein w e iß er Lap» den an einer Art Flaggenmast aufge- »oaeuwurde. Eines TageS. als nach einer erfolglosen Razzia wieder einmal diese weiße Fahne hochging, machten di«„Geheimen" kehrt und drangen qmn zweitenmal in die verdächtig« Siedlung. Und diesmal fanden sie, was sie suchten. Um den Meister-Kassenknacker Cenkk waren zwei treffliche Kunden versammelt: Johann Schembera und Franz B u r e 3. beide vielfach vorbestrafte Einbrecher. Da- Kleeblatt war sichtlich peinlich berührt von dem neuerlichen Besuch der Polizisten, vor allem der stet- unschuldige Meister CenK. Diesmal hatte die Haussuchung einen befferenErfolg. Man fand allerlei Einbrecherinftrumente. Des weiteren ergab sich, daß S e n 11 eine regelrecht« Schule für sein« Zunftgenossen eingerichtet hatte, wo er sie in. den höheren Künsten seines Gewerbes unterwies. Diese„Hochschule" hatte ihren r« g e l* mäßigen Alarmdienst, der dar Kollegium warnte, wenn sich die Polizei näherte, dann flüchteten di«„Hörer" durch ein Hintertürchen unter Mitnahme de- Werkzeuge-, Wenn dann die Polizei abgezogen war. ging die weiße Kahne hoch und die Schüler kehrten zurück. Der Unterricht hat leine Früchte getragen. Zwar ließen sich die gut gedrillten Kumpane nur zu teilweisen Geständnissen herbei, aber immerhin sind ihnen zwei Einbrüche und einige kleinere Diebstähle nachgewiesen. Demnach wurden der Lehrer und sein« zwei Schüler de-gemeinsam begangenen Einbruchdieb stahl- angeklagt, der Wohnung-Vermieter Franz Hauser der Vorschubleistung. Da- Urteil lautete für den Meister Cenkk aus achtzehn Monate, für seine beiden Schüler Schembera und B u r e 3 auf je fünfzehn Monate schweren und verschärften Kerkers. Nach verbüßter Strafe winkt allen dreien die Zwangsarbeit-an st alt— das Schreckgespenst aller Kriminalbrüder. Franz Sauser erhielt wegen Borschubleistung vierMouate. rb. Der elegante Polizeiinspektor. Der ehemalige Pariser Polizeiinspektor Bonny erschien Montag vor dem Schwurgericht unter der Anklage, vom litauischen Finanzmann V o l- berg, der aus Frankreich ausgewiesen war, Be- stechungen in baren und in der.Weise angenommen zu haben, daß er sich auf Rechnung Bol- berg» elegante Anzüge nähen ließ. Dafür beschaffte er ihm Aufenthaltsverlän- g« r ungen in Frankreich. Auch Bolberg steht vor dem gleichen Schwurgericht wegen Korrumpierung von Staatsbeamten. Di« jugoslawischen Frauen fordern da- Wahlrecht. Am Sonntag fanden in den jugosiawischen Städten öffentliche Frauenversammlungen statt, in denen die Frauen da- Stimmrecht und im politischen Leben Gleichberechtigung mit den Männern forderten. In der dierbezüglichen ungewöhnlich zahlreich besuchten Versammlung in Belgrad wurde eine Resolution angenommen, in welcher die Frauen die Teilnahme am öffentlichen politischen Leben und Bestimmungen im neuen Wahlgesetz fordern, durch die ihnen da- geheime aktive und passive Wahlrecht verbürgt würde. Eine ähnliche große Versammlung fand auch in Agram statt, die dort zugleich die erste politische Versammlung von Frauen überhaupt war. In Split kam es zur Auflösung einer derartigen Versammlung durch die Polizei. Lieber töten als impfe« lasse«... Bukarest. In der Umgebung von Chisinau ist ein Kindermoich geschehen. Ein Bauer hat sein sechsjähriges Töchterchen erwürgt, al» da- Mädchen abgeholt werden sollte, um geimpft zu werden. Bei seiner Vernehmung gab der Bauer an, daß er die Tat nur begangen habe, um da- Mädchen vor dem größten Unglück zu bewahren. Denn mit der Einspritzung würden D ä m o n e ihren Weg in den Körper finden. Dieser Aberglaube ist unter her Landbevöllerung noch immer sehr verbreitet. Da Impfungen immer wieder zu großen Unzuträglichkeiten führen, haben die Behörden davon abgesehen, die Schutzimpfungen zwang-weise durchzuführen. ES ist ein Aufklä- rungSfeldzug über Impfungen geplant. Ei« Taschentelephon Budapest. Jedem sein eigene» tragbares Telephons In Budapest wird seit kurzem ein kleine- Taschentelephon verkauft, da- an alle öffentlichen Fernfprechstellen angeschlossen werden kann. Diese Stellen erhalten keine Apparate, sondern nur Kontakte, die in Restaurants, an den Haltestellen und an der HauStür angelegt werden. Die Anlage ist sehr billig, und es können darum unzählige solcher Kontakte dem Publikum zur Verfügung gestellt werden. Die Laschentelephonapparate find mtt automatischen Zählern versehen, die die geführten Gespräche registrieren, für die dann eine reguläre Telephonrechnung ausgestellt wird. Beim Kauf muß man den tragbaren Anschluß abonnieren. Wie gesagt wird, soll im Ausland großes Interesse an dieser Neuerung der ungarischen Telephonverwaltung begehen. - Spül- Körperpffege Verregnetes Länderspiel und glücklicher Sieg Es war lange vorher ein großes Geschreibe um da- Länderspiel Tschechoslowakei gegen Italien, welches dann doch am Sonntag im Prager Masaryk-Stadion stattfand. Trostlos war daS regnerisch-kalte Wetter und de» Sturm, noch mehr aber das mit etwa 10.000 Menschen besetzte Stadion. Für die CsAF mag der Sieg wohl ein Erfolg sein, sportlich ist er jedoch wenig wertvoll. Wer daS Gemurkfe der Heimischen gesehen hat, war nahe daran, all de- Guten und Schönen, was man von einem Au-wahlteam zu sehen gewohnt war, „gute Nacht" zu sagen. Es gab einfach nichts, das des Lobes wert war und ist. Gewiß, der schwere Boden machte viel zu schaffen und der Ball nahm auf dem schlüpfrigen Boden öfters eigenwillig andere Wege— doch der Gegner hatte es nicht viel besser, aber in spielerischer und taktischer Hinsicht war er überlegener. Und doch ein Sieg? Er entsprang nicht dem Ganzen, er war nur der Schlußpunkt eines Spielers, der wenigsten- wußte, wohin man bei etwas Entschlußkraft den Ball zu befördern hat— wenn er auch sonst mit nichts anderem aufwarten konnte. Die größte Niete im Sturm war jedoch der Slavia-Mann Svoboda. Di« Italiener waren beileibe nicht mehr das— da ihnen die bekannten südamerikanischen StarS fehlten—, aber sie spielten weit zweckmäßiger al- ihre Gegner, ob mit dem Sturm oder gegen ihn. Daß sie nicht mehr Zählbares erzielten, war nur ihrem Gespiele zuzuschreiben. Ihr Auftreten war bis auf die nicht gerade freundlich aufgenommenen Fascistengrüße um viele- besser als früher. Foul- gab eS auf beiden Seiten reichlich, gewollte und solche durch die Bodenverhältnisse bedingt. Der spanische Schiedsrichter war nicht jene„Größe", die die Zeitungen im vorhinein aus ihm machten. Er fürchtete sich anscheinend, drei klare Fouls im Strafräume mit Elfern zu ahnden und auch sonst waren seine Entscheidungen mangelhaft; zumindesten- profitierten die Heimischen davon. Wie erwähnt, das Spiel endete zugunsten der Tschechoslowakei, und zwar mit 2:1 nach einer torlosen Halbzeit. Dieser Erfolg rr es sollte eine Art„Revanche" für die Niederlage bei der Weltmeisterschaft sein— wiegt aber anscheinend nicht da- Defizit in finanzieller Beziehung aus. Ungestraft ist also daS Justament der CsAJ nicht geblieben.., * Die B-TeamS In G e n U a trugen die B-TeamS ihren Kamvf aus, der mit einer Niederlage der Tschechoslowakei von 1:3(0:2) endete. Zwei Ligaspielr gelangten zum AuStrag, welche unentschiedene Ergebnisse brachten. In Saaz spielte der DSV mit dem SK Proßnitz 2:2 (2:1) und in Brünn endete die Begegnung Mor. Slavia gegen AFK Kolin1:1(1:0). In den Divisionen kamen nur wenige Punkte« spiele, zur Durchführung.•• Die m der D F V- D i» Vision getätigten Spiele hatten folgende Ergeb-' nisse: Karlsbader FK gegen Reicheuberger FK 2:2 (1:1), BSK Gablonz gegen Warnsdorfer FK 3:2 (1:1), DSK Teschen gegen DSB Troppau 4:2 (8:2), SK Mähr.Schönberg gegen SB Jägerndorf 8:1(4:0).— Mittelböhmen: SK Rüste gegen Viktoria Rüste 2:1(1:1), Rapid gegen Union Zijkov 3:0(1:0).— Böhmen-Land: CSK B.-Budwei- gegen Rakonitz 2:0. Mehr al» zuträglich ist die 6:0(8:0)-Niederlage des P r a g e r D F C, die er in Bodenbach von der SpVg als Heimreisegepäck erhielt. Beide Mannschaften träte.: mit Ersatz an; während dieser bet Bodenbach entsprach, hatten die Vrager— speziell im Tor— wenig Freude' damit. 2m Westgau war Nach-Kirtag Im Egerland war in der letzten Woche in fast allen Orten bürgerliche Kirtag-Stimmung und da ist er schließlich kein Wunder, daß diese in den Gefilden, wo Henleins„Geist" herrscht, sehr gehoben war. Darum ging eS dort in diesen Tagen „sehr lustig" zu und diese„Lustigkeit" übertrug sich dann auch auf die diversen bürgerlichen Sportplätze. In Fleißen kam es beim Spiel mit Neusattl während dem und nach Schluß zu Schlägereien, in welchen der Schiedsrichter und die Gäst die Leidtragenden waren.— Neudek hatte auch seinen Tag: Die Zuschauer waren nicht mit dem Schiedsrichter einverstanden, bedrohten ihn, so daß ihn Polizei schützen muhte, aber auf dem Wege zum Bahnhof wurde er von„Unbekannten" überfallen und geschlagen.— Zwodau: Nach Beendigung des Kampfes wurden die Gästespieler tätlich bedroht und der Schiedsrichter angespuckt sowie mit Fußtritten bedacht.— Ältrohlau: Zuschauer schlugen und bewarfen mit Steinen die Gäste.— In Chodau will sich der bürgerliche Fußballklub „Sturm" auflösen und aus einer Versammlung wollte man reinen Tisch machen. Darum wurde die Gauleitung„schwer beschuldigt" und einzeln« ihrer Herren„beleidigt". Die Auflösung wurde auf später verschoben. Die W e stg a uIei tyn g ist darob sehr ener- des Chodauer„Sturm" wegen schwerer Beleidi» Sportbrüder Altrohlau, DSK Zwodau und des DSB Fleißen wurden gesperrt und ein Vorstandsmitglied des Chodauer„Sturm" wegen„schwerer Beleidigung ebenfalls mit Sperre belegt. Sonstige Fußballergebnisse. Prag: Viktoria 8iAov gegen Bohemians 8:0(1:0) und gegen SK Rüste 1:2(0:1).— Kopitz: DFB-Nordwestga« gegen tschechischen Nordwestgau 7:2(1:0).— Ko- motau: DSB Saaz gegen THK 1:0(1:0).—» Te plitz: SK Proßnitz gegen TFK 8:2(2:0).-^ Aussig: DFK gegen SpVg Bodenbach 4:1(2:0) k — Preßburg: Admira Wien gegen CSK 2:0 (1:0).— Budapest: Hungaria gegen Budafok 2:1, Ujpest gegen Soroksar 6:0, FerencvaroS gegen PhöbuS 8:1.— Wien: Admira gegen Rapid 4:2, Vienna gegen Sportklub 8:2. Hakoah gegen Austria 3:1, FC Wien gegen Wacker 8:4.—, Genf: Schweiz gegen Frankreich 2:1(1:1).— L» Havre: Schweiz B gegen Frankreich B 8:2, Seite S „Sozialdemokrat" Mittwoch, 30. Oktober 1935. Nr. 252 fettufiq Messerstechereien An der Nacht auf vorgestern kam der 38jährige Kaminfeger Josef Sindelar aus Smichow■ in ein dortiges Gasthaus, wo er, scheinbar angeheitert, zu «xzedieren begann und ein Messer zog. Einige Männer unter den^Nästen warfen sich auf ihn und schlugen ihn so, daß er mit einer Gehirnerschütterung, einer Ritzwunde am Kopf und mehrerenHautabschür- fungen von der Wache auf die Klinik Jiräsek gebracht werden mutzte. Seine Gegner hatten sich vor Ankunft der Wache aus dem Staube gemacht.— In der gleichen Nacht entstand im Wirtshaus.Na Fid- lovaöce" in Nusle ein Streit zwischen dem bekannten LVjährigen Trunkenbold Gustav Pokornh aus Wrschowitz und dem 33jährigen Fuhrmann Adolf Hniliöka aus Lieben, weil Pokornh Hnüiökas Bier austrank. Bald gab eine Ohrfeige die andere und Pokornh schlug Hniliöka ein Bierglas um den Kopf. Hiebei wurde er selbst durch die Scherben des zerbrechenden Glases verlebt; Hnilicka dagegen erlitt einen starken Blutergutz in den Kopf. Beide wurden ins allgemeine Krankenhaus gebracht. Das Verfahren wurde eingeleitet.— In der Nacht auf gestern, gegen 1 Uhr, begann im Automaten„Ma- ceska" der 23jährige Kellner Franz Jaros aus Prag II. mit ernem noch unbekannten Gast zu raufen. Im Verlaufe der Rauferei erhielt Jaros einen Faustschlag ins Gesicht und als er den Schlag zurückgab und dann flüchten Wollte, wurde er von den Kameraden des Unbekannten eingeholt und so geschlagen, datz er bewutztlos auf dem Pflaster liegen blieb. Hierauf fuhren die Täter' im Auto davon. Jaros wurde auf die Klinik Schlosser gebracht, wo eine Gehirnerschütterung und Blutergüsse im Gesicht festgestellt wurden. Der Exzetz, der eine grosse Menschenmenge angelockt hatte, war daraus entstanden, dass der Unbekannte auf Jaros, der mit einer Verkäuferin flirtete, eifersüchtig war. Eine Bluttat in Karolinental, deren Opfer allerdings leichter davonkommen dürfte, als ihr Urheber, ereignete sich gestern vor 5 Uhr nachmittags gerade gegenüber dem Polizeikommiffariat in Karolinental in der Palackhstratze Nr. v. Die dort im 3. Stock in Untermiete wohnende, 26jährige Verkäuferin Bojsena Toniöek unterhielt seit einiger Zeit eine Bekanntschaft mit dem am 13. Juni 1S08 geborenen Tapezierer Anton Stohanzl aus Prag-Holleschowitz. die sie, der verschiedenen Marotten des Liebhabers wegen, vergeblich zu lösen versuchte. Stohanzl war vor allem eifersüchtig und geizig; er pflegte oft mitten in der Nacht, ja um 4 Uhr morgens, die Mitwohnenden des Mädchens aus dem Schlafe zu schrecken, um sich zu überzeugen, ob sie zu Hause sei, pflegte ihr auch alle kleinen Beträge, die er für sie ausgelegt hatte, vorzurechnen. Auf alle, die mit ihm zu tun hatten, machte er einen schlechten und verworrenen Eindruck. Der unmittelbare Anlass zum Streit war, datz er von der Toniöek das Geld für eine Kinokarte, die er für sie gekauft hatte, zurückhaben wollte, übet als sie es ihm gab. sich wieder weigert«, ei zu nehmen, um Verzeihung bat und als die Toniöek sich vor ihm in die Wohnung zurückzog. unter Drohungen ihr nachlief. Frl. Jonäs, eine Verkäuferin im Koruna-Automa- ten, die Wohnungsgenoffin der Toniöek, versuchte ihn aufzuhalten. Die Toniöek riegelte sich im Zimmer ein, Stehanzl jedoch erbrach die Tür und stürzte sich mit einem Küchenmesser auf das Mädchen, der er Stiche in die Brust und Schulter versetzte und den Arm durchbohrte. Die, Jonäs stürzte unter lauten Mord-Rufen auf die Strahe, um die Polizei zu alarmieren; hiedurch in Panik versetzt, sprang jedoch der Attentäter aus dem Fenster der im dritten Stock gelegenen Wohnung, wobei er auf das Dach eines Autos fiel, das zwecks Reparatur der Schutzscheibe, vor der Tür der im selben Hause befindlichen Firma Dudäöek wartete. Bon hier rollte er auf die Stratze und erlitt mehrere Rippenbrüche, eine Ritzwunde am Kopf und Hautabschürfungen. Er, sowie sein Opfer wurden auf Veranlassung des durch Frl. Jonas alarmierten Aerztes der Rettungsstation, Dr. Janeöek, auf die Klinik Jiräsek gebracht. Kinderleiche in der Schachtel. Gestern um 2 Uhr mittags grub ein Wächter auf dem Roten Felsen in Zijkov eine Schachtel mit der Leiche eines neugeborenen Kindes aus, das in Zeitungspapier und in ein Stück weissen Tuches gewickelt war und einen Knebel aus gewürfeltem Stoff im Munde hatte. Auf dem weihen Tuch stand der Name der Firma„Dichter Bänder Veen Rotterdam". Die Leiche wurde ins Institut für gerichtliche Medizin gebracht. Nach der Mutter wird geforscht. Das erste Schuljahr ist das anstrengendste für unsere Kleinen, deshalb gesunde kräftige Nahrung. Diana-Cacao ist Kraftnahrung. 3116 Bei unangenehmen Geschmack und Mundgeruch hilft sofort die herrlich erfrischende Chlorodont- Zahnpaste. Tube Kö 4.—. Versuch überzeugt. Die deutsche Minderheitsbücherei in Prag bleibt am Samstag, den 2. November l. I. wegen Ausmalens der Räumlichkeiten geschwffen. Der Dim künstlerisch eindrucksvoll zu machen, und der amerikanische Film„Viva Villa"(um nur ein aktuelles Beispiel zu nennen) wäre vermutlich nicht halb so wirkungsvoll geworden wie er ist, wenn er den Banditen Pancho Villa nicht entgegen den historischen Tatsachen zum Freunde eines grossen Ethikers, zum Rächer eines Verrats und zum Büsser einer unbeabsichtigten Missetat gemacht hätte. Wenn ein historischer Film„richtig" sein will, bleibt ihm nur dcr Weg des dokumentarischen Films, für den der Welt- kriegsfilm„Jahrhundert in Flammen" ein Beispiel war. Der heimische Film vom Leben des Generals und Kriegsministers R. M. Stefanikkonnte keinen der beiden Wege gehen: das Walten der Phantasie verbot sich aus pietäwoller Rücksicht auf den ''"lden, der noch der Zeitgeschichte dieses Landes angehört, und dokumentarische Filmaufnahmen zu einer Stefanik-Biogravbie sind nicht vorhanden. Damit waren dem Film von vornherein Grenzen gesetzt: er konnte nichts anderes werden als ein; A-t berichtender Lehrfilm oder rekonstruierendes Theater mit ein wenig idealisierender Beleuchtung. In diesen Grenzen ist der Film dem Regisseur S v i t a k einigermassen gelungen. Der Zuschauer erhält eine Vorstellung von der Person des slowakischen Astronomen Stefanik, der bei Kriegsausbruch ins Heer der Entente eintritt, um für die Befreiung seines Volkes von der ungarischen Herrschaft zu kämpfen, und er erfährt das Wichtigste über seine Schicksale: den Kamvf in Serbien, das Leiden im römischen Lazarett, daS Kommando bei den Legionären in Russland und das tödliche Unglück bej der Rückkehr in die befreite Heimat. Ein vaar mehr vrivate Szenen genügen dem Bedürfnis des Theatersviels, ohne die historische Vorstellung plastischer machen zu können. Zvonimir R o g o z in der Titelrolle wirkt vornehm. aber unfilmisch. Sein« Hauvtleistung ist rednerisch. Unter den übrigen Mitwirkenden fällt die Slowasist Karla Oliöova als interessante Erscheinung auf.—— Kunst mut Mssen. »Kind im Kampf" Schauspiel in acht Bildern van Leonhard Wegner. Um ein fast alltägliches und einfaches Thema ist hier doch ein packendes Theaterstück entstanden. In der äusseren Logik der Handlung verläuft es nicht ohne Bruch. Es ist z. B. nicht«inzusehen, warum die geschiedenen Gatten, beide in günstiger finanzieller Lage, das vierzehnjährige Mädchen, das mit keinem Teil brechen und keinen verlieren möchte, nicht in ein Erziehungsheim geben. Aber die innere Handlung, das Leiden des jungen Mädchens, das jahrelang zwischen Vater und Mutter steht, um beide kämpft und am Ende beide an fremde Menschen zu verlieren glaubt, ist so stark und geradlinig geführt, datz die Wendung zum Tragischen glakw- haft erscheint. Erfreulich ist an dem Stück das Fchlen einer lauten und lehrhaft aufgetragenen Tendenz. Es werden keine Ratschläge erteilt, es wird überhaupt keine schablonenmätzige Lösung, kein Schulbeispiel für ideale Chetrennungen und für die Versorgung minderjähriger Kinder gegeben. Die Katastrophe einer Ehe steht vor uns als die Katastrophe eines empfindsamen Kindes, das seine eigene Verlassenheit, den Abfall beider Eltern nicht überleben will. Ob der Vater oder die Mutter zuerst Unrecht hatten, wer die grössere Schuld trägt, was zur Rettung des Kindes möglich gewesen wäre, das alles ist nicht das Problem des Dramas und ebendarum wirkt es dramatisch, ermüdet es nicht und hinter- läht nicht den faden Nachgeschmack der von Pro- fessionels gearbeiteten Lehrstücke, die man aus den letzten Jahren bis zum Überdruss kennt. Es kommt für das Gelingen der Aufführung im deutschen Theater selWv«stündlich entscheidend auf die Darstellerin der vierzehnjährigen Hilde an. Herr Lieb! hat in der jungen Inge W a e r n eine ideale Darstellerin des früh gereiften, früh enttäuschten, problematischen Kindes gefunden. Mit sicherem Instinkt vermeidet Inge Waern alles, was betont jungmädelhaft wirken könnte, aber auch jede manirierte Düsterkeit. Kindliche Heiterkeit bricht durch den melancholischen Ernst und beide sind gleich naturgewachsen. Der Trotz gegen die Eindringlinge, die Zärtlichkeit für den Vater haben nichts Gekünsteltes. Die ganze Erscheinung ist von einer untheatralischen Echtheit, die man selten auf der zeitgenössischen Bühne findet. Die Eltern spielten Herr Siedler und Frau Warnholtz, die Verschiedenheit der Charaktere, die Unversöhnlichkeit der Temperamente glücklich imchzeichnend. Die wenig sympathischen Dritten dieses Bundes waren mit Lisl Macheiner und Padlesak, das menschlich gütige Dienstmädchen mit Frau B r i n g o l f rollengerecht besetzt. Der Richter des Herrn Volker, die Freundin Irmgard des Fräulein Rodenberg verdienen genannt zu werden. Der Publikumserfolg des Stückes und der Aufführung war gross. E. F. Ein Legionärdrama Frant. Langer's Schauspiel in drei Akten: „Die Reiterpatrouille" wurde am Samstag für die Legionäre und am Sonntag als Festspiel des Staatsfeiertags-Vorabendes im Weinberger Stadttheater uraufgeführt(gleichzeitig in Brünn und Pretzburg). Selten in der letzten Zeit war das Theater Zeuge so brausenden Beifalls, derart begeisterter Aufnahme, wie an diesen beiden Abenden. Es sei festgestellt, dass Langer's Spiel, trotz den Lockungen, die im Thema liegen, weder den Krieg, noch die nationale Idee als wagende Faktoren der Handlung in den Vordergrund stellt. Der wahre Held hier ist die tiefe menschliche Solidarität, das kollektive Empfinden, die Verbrüderung der Menschen im Leben, in höchster Not und vor dem Antlitz des Todes. Einfache Menschen geben höchsten Menschenidealen den einfachsten Ausdruck, Menschen, aus den ärmsten tschechischen Schichten kommend, werden zu Helden aus den Urquellen ihrer Seelen, die das Leben bejahen. Sie reden keine gebildete Sprache, sie ringen um den Ausdruck für ihre Empfindungen, jede pathetische Redeform ist ihnen fremd, sie verbreiten um sich den Zauber, der auf dem Grunde der Volksseele liegt. Die Handlung umfasst ein« Nacht und einen Tag im Leben einer kleinen Gruppe-tschechoslowakischer Legionäre in Sibirien..Im Feber 1919, da die nationale Revoluüon. in. der Tschechosiowakei längst beendet war, stehen die Legionäre an der sibirischen Magistrale in vereinzelten Kämpfen mit bolschewistischen Parttsanengruppen, die das tschechoslowakische Heer aus Sibirien verdrängen wollen. Die weihen Generäle suchen Deckung hinter den von den Legionären besetzten Linien. Die Partisanengruppen reihen Geleise aus, vernichten Brücken und suchen so die Legionäre an dem Vorrücken nach Wladiwostok zu hindern. Von der Magistrale aus j werden Streifabteilungen ausgesandt. Eine solche I Streifabteilung von neun Mann kommt zu einer I einsamen Hütte. Die Männer verloren im Kampfe !mit einer Partisanengruppe einen Soldaten, einen schwerverwundeten Kameraden schleppten sie mit in I die Hütte. Müde nach durchwachter Nacht im sibirischen Frost und erfreut, eine warme Zuflucht gefunden zu haben, besprechen sie ihr Abenteuer und ihre Pläne für den morgigen Tag. Zwei werden ausgesandt, um der Kompanie Bericht zu erstatten, Wachen werden bestimmt. Durch Wärme und Müdigkeit betäubt, schläft der für die Wache bei den Pferden bestimmte Mann ein; der Besitzer der Hütte schleicht in die Scheune, schneidet vier Pferden die Sehnen an den Hinterbeinen durch und mit dem fünften Pferd flüchtet er zu den Partisanen. In der Hütte bleiben vier Mann und der Verwundete, ohne Pferde, Hilfe erwartend. Am Vormittag des nächsten Tages erscheint«in bolschewistischer Parlamentarier, um die Männer zum Eintritt in die Partisanengruppe zu bewegen und als letztes Argument nach der ergebnislosen Aussprache zieht er die Spielkarten heraus, die bei dem Manne, der um Hilfe ritt, gefunden wurden, nachdem er tot siegen geblieben war; der andere, leicht verletzt, wurde gefangen genommen. Eine vage Hoffnung glimmt noch für die Verlassenen: der Kamerad, der so schlecht die Pferde bewachte, hat sich bei Nacht und Frost aufgemacht, zu Futz durch die verschneite Tajga, um Hilfe von der Statton Kamala zu holen. Di« Angebote des Bolschewikenführers Tajoschni werden abgelehnt und in verzweifelter Verteidigung kämpfen sechs Mann um ihr Leben in einer einsamen Hütte, worin sich auch zwei russische Gefangene befinden. Einer nach dem anderen fällt, der Schwerverwundete stirbt und als endlich das Signal der tschechosiowakischen Truppe erklingt, die Hilfe bringt, steht der jüngste von den Männern, als der einzig Ueberlebende, den Rettern gegenüber. Die sechs Männer der Streifgruppe, die hier in I einem gottverlassenen Winkel Sibiriens Taten des Der örittegemte(rka-sckein ist zur ÄenckLung der(ibonnementsHeöukr zu uenveuäeu! Mr un XücLstanäe ktei-t, schädigt die Sattei und deren Tresse Die Verwaltung Heldentums an Herzensgute, Aufopferung und Freundschaft und Todesverachtung vollfiihren, waren in ihrem früheren Leben, bevor sie Soldaten einer fremden Macht uyd dann aus freiem Enffchlusse Kämpfer für die Idee der Volksfreiheit wurden: ein armer Häusler aus Tabor, der seine unfruchtbaren Felder bestellte und liebte(Malöjka), ein Kutscher Kalos aus Königgrätz, in dessen Erinnerung alle Pferde leben, mit denen er fuhr, der Wilddieb und Schwäher Hasel, Tischler Valenta, der den Weltkrieg in seinem Notizbuch als Speisezettel vermerkt führte, ein Weber Strnad aus dem Riesengebirge, die ganze Armut seiner Heimaffcholle mit sich tragend, ein Maurer Sajdl. Querulant und Pessimist, ein Buchbinderlehrling Soukup, Grübler und voll Glauben— unbekannte, kleine Leute, aus den untersten Schichten des Volkes kommend. Sie hatten den Gedanken der Freiheit ergriffen, ohne Worte, ohne Phrasen und haben die Idee mit ihrem Leben bezahlt, einfach, selbstverständlich. Sie sprachen in schlichten Worten von dem Wunder, das j,n ihrer fernen Heimat geschah, sie wollten nach Hause kommen und von allen freudig empfangen werden. Sie begriffen den Kampf des russischen Volkes und wollten sich diesem Kancpf nicht entgegenstellen. Sie hatten einen heissen und sehnlichen Wunsch— die Heimat,— diese letzten vergessenen Soldaten deS Weltringens um Macht und um soziale Berechtig« keit, und sie muhten in Sibirien gegen Menschen und Volk kämpfen, für die sie Freundschaft hegten. Sie hatten in ihrettHeimat ebenfalls eine Aufgabe zu erfüllen, mutten aber in Sibirien kämpfen, damit alle, mit denen sie ein noch nie in dieser Stück und Intensität empfundenes Gefühl der Bruderschaft verband, heil zu ihrer Arbeit kommen. Sie hatten menschliche Schwächen, Augenblicke der Rührung, Verzweiflung und Wut, aber sie waren fähig des menschlichen Mitleids und des aufopfernden Heroismus. Das Stück war vom Regisseur Bor sorgfältig einstudiert, die Rollen in durchdachter Charakteristik besetzt. Es gab keine Frauenrollen, keine dramatischen Verwicklungen und doch hat das Stück Momente höchst erschütternder Dramatik und Spannung. Der Autor wurde unzählige Male hervorgerunfen. m. i. Das neue Abonnement wird nur noch kurze Zeit ausgegeben. Abgelaufene Vorstellungen werden ersetzt! „Der Sturz des Antichrist." Sonntag, halb 11 Uhr vormittags, einmalige Aufführung der dramatischen Skizze in drei Akten von' Albert Steffen durch eine Schauspielergruppr des Güetheanum in Dörnach(Schweiz). Veranstaltung der Anthroposophischen Gesellschaft. Kartenvorverkauf bei Truhla!, Wetzler und an der Theaterkasse. Spielplan des Deutschen Theaters. Mittwoch, halb 8:Kind imKampf, Bl.— Donnerstag halb 8: A i d a, Gastspiel MariaMüller, C 2.— Freitag halb 8: Kind im Kampf, halb 8:Verkaufte Braut, DI.— Samstag halb 8: PelleaS und Melisande, A 1. Spielplan der Kleinen Bühne. Mittwoch, 8 Uhr:„Im Londoner Nebel." Donnerstag halb 8: Teddh contra Teddy. — Freitag 3: Im Londoner Nebel, 8: Ich kenn dich nicht mehr, Theatergemeinde des Kulturverbandes.— Sonntag 8 Uhr: Teddy contra Teddy. VudnMMhdMw Bezirksvrre'm„Arbeiterfürsorge". Erweiterte Ausschuhsitzung, Donnerstag, den 81. Ottober, halb 8 Uhr abends, Parteiheim, Rarodni tr. 4.(Winterhilfsaktion.) Kinderfrcunde. Donnerstag, den 31. d. M- 19. Uhr im Parteiheim wichtige Ausschuss« Sitzung. Heute Gruppenabende: Weinberge (halb 8 Uhr, Rarodni): Die U. d. S. S. R. und das Proletariat. Zentrum(8 Uhr, Liga): Ter abessinische Konflikt und die italienische Arbeiterbewegung. Holleschowitz: Kein Gruppenabend.— Frei« tag(6 Uhr, Liga): Kreisleitung.— Sonntag (6 Uhr): Roter Klubabend. Ort wird noch bekanntgegeben. ▲ Mittwoch, den 3 0. Oktober, firwet um 8 Uhk abends im Wintergarten des Hotel„Monopol" die ordentliche Generalversammlung mit der üblichen Tages« PRAG ordnung statt. Rat und Belehrung finden unsere Gemeindevertreter ist reichem Masse in der „Freien Gemeinde** Redaktion und Verwaltung. Prag XII., Fochova 62/V. R. M. Stefanik Wer historische Film« mit dem Konversationslexikon in der Hand auf ihre„Richtigkeit" untersucht, tut den Filmschöpfern genau so unrecht, wie man den Dichtern historischer Dramen unrecht täte, wenn man sie als Fälscher historischer Tatsachen hinstellen wollte: Goethe zum Beispiel, weil er dem ehrbaren Familienvater Egmont eine Liebesgeschichte angedichtet hat, oder Schiller, weil er die Jungfrau von Orleäns auf dem Schlachtfelde sterben lietz. Die legendenbildende(oder satirisch umgestaltende) Phantasie ist unentbehrlich, um geschichtliche Stoffe Wallace Beery in der Hauptrolle des MGM-Film„Biva Billa" BezuaSbedingungen: Bei Zustellung in» HauS oder der Bezug durch die Post monatlich Kö IS.-—, vlerreljähria M 48.— halbjährig Kd 96—ganziähng Kt 192.—.— Inserate werden laut Tarik billigst berechnet. Bei öfteren Einschaltungen Preisnachlass.— Rückstellung von Manuskripten«folgt nur bei Einsendmigd« Retourmarken.— Die ZeitUngskrankatnr wurde von der Post« und Tele» .Es MUISN ocrcmueu graphenüwektiou mit Erlass Nr. 13.800/V11/1930 bewflsigt.— Drucker«:^LrbiS". Druck«. Verlags, und ZettungL-A.-G„ Prag.