Etazilprtls 70 HrilM (oimchlioBlich S H«ll«r Porto) 1ENTRALORGAN DER DEUTSCHEM SOZIALDEMOKRATISCHEM ARBEITERPARTEI IM DER TSCHECHOSLOWAKISCHEN REPUBLIK ERSCHEINT MIT AUSNAHME DES MONTAG TÄGLICH FRÜH. REDAKTION UND VERWALTUNG PRAG XII., FOCHOVA 62. TELEFON 53077. HERAUSGEBER! SIEGFRIED TAUB. CHEFREDAKTEUR! WILHELM NIESSNER. VERANTWORTLICHER REDAKTEUR: DR. EMIL STRAUSS, PRAG. 15. Jahrgang Donnerstag, 31. Oktober 1935 Nr. 253 Roter Oktober Der Beginn des österreichischen Wahlrechtskampfes Makale geräumt Abessinier leisten noch keinen Widerstand Paris. Nach Meldungen von der abessini- schen Nordfront legten die italienischen Abteilungen ein Drittel der Entfernung von Adua nach Makale zurück und gehen längs des Flusses Karei vor. Die Eingeborenenreiterei unter General Santini erreichte am Dienstag das Höhenplateau 15 Meilen östlich von Adagamas. Dieses zieht sich 50 Meilen weit entlang der Gebirgskette vor Makale dahin. Die Italiener sind sichtlich bemüht, Makale durch einen Flankenangriff und nicht durch «inen Frontalangriff zu erobern. Italienische Meldungen, wonach Makale bereits von den italienischen Truppen erobert worden sei, entsprechen, wie auf abessinischer Seite versichert wird, nicht den Tatsachen. Man hält es hier aber nicht für ausgeschlossen, daß die Italiener Makale in Kürze erreichen, da das Borgelände und die Stadt selbst von den abessinischen Truppen befehlsgemäß geräumt wurden. Die abessinischen Truppen konzentrieren sich im Nordosten. Das abessinische Oberkommando ist aber hinsichtlich der weiteren Taktik nicht einheitlicher Ansicht. Einige raten zu einer baldigen Offensive und auch die abessinischen Soldaten sollen ungeduldig den Kampf erwarten, andere aber neigen der Ansicht des Negus zu, daß man Makale nicht verteidigen und daß Abessinien seine abwartende Taktik beibehalten und die italienischen Truppen tief ins Innere des Landes eindringeti lassen solle. Abessinischen Meldungen zufolge hat die Zahl der Toten auf Seite der Abessinier 1000 nicht überschritten. Wie von der Somalifront berichtet wird, ist dort ebenfalls eine lebhafte militärische Tätigkeit zu verzeichnen. Die Somali-Front hat gegenwärtig etwa folgenden Verlauf: Gerlogubi— Schelaiwe— Goderai— Uet— Ual— Adai. Nach abessinischen Meldungen macht sich bei den stalienischen Truppen an der Südfront der Wassermangelstark bemerkbar und beeinträchtigt die Truppenbewegungen. Wie es scheint, konzentrieren die Abessinier ihre Kräfte zum Angriff auf dem rechten Flügel der italienischen s^ront im Talgebiet des kleinen Flusses Setit, wo sich die italienischen Truppen gegen einen allfälligen Angriff fest verschanzen. An der Ogaden-Front stehen die Abteilungen des Generals Graziani nunmehr vor G o- r a h a i, dessen Fall in Bälde erwartet wird, da die Festung schwach geschützt ist. In Harrar liegt eine starke Besatzung unter dem Kommando des Stammhäuptlings Amde. Harrar und Didschiga, durch welche Straßen sichren, auf denen Waffen und Munition von Britisch-Somaliland transportiert werden, und die gleichzeitig die Bahn nach Dschibutsi von der Südseite her schützen, sollen um jeden Preis gebalten werden, damit die Versorgung der abessinischen Truppen nicht unterbrochen werde. Welch herrlichen Zeiten der Fascismus die Volksmassen entgegenführt, dafür ist ein Beweis der wachsende Nahrunqsmittelmangel, der in Deutschland schon seit einigen Wochen, in Italien seit kurzer Zeit eingetreten ist. Seit Wochen müssen die Frauen in den deutschen Städten Schlange stehen, damit sie ein halbes Pfund Butter bekommen und zu diesem Buttermangel tritt nun noch der Fleischmangel. So hat der Leiter des Gaues Saar-Pfalz, Bürckel, angeordnet, daß bis auf weiteres Mitglieder der NSDAP und ihre Familien, die dem Beamtenstand angehören, am Mittwoch und Freitag kein Fleisch und keine Butter essen dürfen. An alle übrigen Volksgenossen ergeht der Appell, sich diesem Vorgehen anzuschließen. In Italien.hat die Regierung den Fleischverbrauch herabgesetzt, und zwar müssen Vier Henlein-Männer verhaftet! B ö h m.. L e i p a. Wie wir erfahren, wurden am Samstag in Deutsch- Gabel vier Mitglieder der SdP. verhaftet und dem Gerichte eingeliefert. Anter den Verhafteten befinden sich der Ortsleiter von Deutsch-Gabel und der Gebietswerbeleiter dieser Partei. Aeber den Grund der Verhaftung konnte nichts in Erfahrung gebracht werden. Mittwoch vormittags befaßten sich bereits die politischen Minister mit dieser Angelegenheit. Naturgemäß müssen sich erst die einzelnen Koalitionsparteien mit diesen Vorschlägen intern aus« rinandersetzen und ihre Zustimmung erteilen, bevor die beantragte Aenderung ihre verfassungsmäßige Durchführung finden kann. Voraussichtlich werden darüber einige Tage vergehen, denn tzje sozialistischen Parteien und auch die tschechi- scken Volksparteiler hegen gegen eine Kabinettsrekonstruktion in diesem Augenblick gewisse Bedenken, die erst geklärt werden müssest. Diese Bedenken richten sich keinesfalls gegen Re neu in Vorschlag gebrachte:. Personen, sondern entspringen lediglich dem Wunsch, daß in der gegenwärtigen Zeit kein Wechsel in der Person des Ministerpräsidenten stattfinde, sondern daß Malypetr, der es stets verstanden hat, die Zusammenarbeit der Koalitionsparteien unter Ausgleichung der gegenseittgen Interessen nach Möglichkeit reibungslos zu gestalten, das von ihm an jedem Dienstag die Fleischerläden überhaupt geschlossen bleiben, während am Mittwoch nur besondere Sorten von Fleisch verkauft werden dürfen. In den Hotels und Gastwirtschaften wird det Fleischverbrauch eingeschränkt. Man kann aus dieser Entwicklung erkennen, daß der Fascismus die Wirtschaft ruiniert und daß er sich überhaupt nur noch fortfretten kann, indem er das Proletariat verelendet. Auch Milchnot In Deutschland Berlin. Der allgemeinen Versorgungslage mit Milchfetten Rechnung tragend, hat der Vorsitzende der wirtschaftlichen Vereinigung der deutschen Süßwarenwirtschaft bis auf weiteres die Herstellung von Milchschükolade verboten. „Nun aber ist der große Augenblick gekommen, wo es des Ansporns aller Kräfte bedarf!" Dr. Wilhelm Ellenbogen, Berichterstatter über„Die österreichische Krise und das Wahlrecht" auf dem Gesazntparteitage der österreichischen Sozialdemokratie, der in Wien versammelt war, hatte eben— es war am 31. Oktober 1005 — diesen Satz gesprochen, als dem Redner ein Telegramm überreicht wurde. Ellenbogen begann, seine Rede unterbrechend, das Telegramm zu lesen, las es dann mit vor Erregung zitternder Stimme laut vor: vor dem neuen Parlament entwickelt^ Arbeitsprogramm auch selbst zur Durchführung bringe. Ein Wechsel in der Leitung der Regierung erscheint nicht nur aus außenpolitischen Gründen, sondern auch mit Rücksicht auf die innerpolitische Situation im gegenwärtigen Augenblick nicht opportun.' Malypetr hat dem Krifenbekämpfungs- programm seiner Regierung, dessen Durchführung im Gang ist oder unmittelbar bevorsteht, und den ganzen komplizierten wirtschaftspolitischen Verhandlungen, die um das Budget, die Zinssenkung, die Frage der Konvertierung der Staatspapiere etc. seit langem geführt werden, unleugbar eine gewisse persöhnliche Note gegeben, so daß sein Rücktritt dem glatten Ablauf all der im Gang befindlichen Aktionen hinderlich sein müßte. Die Uebernahme des.Parlamentspräsidiums durch Malypetr, so ehrenvoll seine Wiederbetrauung mit diesem Amt für ihn jedenfalls wäre, könnte doch nicht als ausreichende Begründung dafür dienen, daß all diese Arbeiten der Regierung verzögert werden, bis der neue Premier sich in die gewiß nicht leichten Pflichten seines neuen Amtes gänzlich eingearbeitet hat/" Der vorgeschlagene Nachfolger Malypetrs, Dr. H o d Z a, ist zweifellos ein Mann von großen Qualitäten, dessen moderne Auffassungen über agrarische Planwirtschaft auch auf sozialistischer Seite auf großes Interesse stoßen. Auch als Politiker hat Hodza eine Schule hinter sich, die ihn zweifellos für die Leitung eines Kabinetts qualifiziert. Auch Dr. Z a d i n a ist als tüchtiger Fachmann für landwirtschaftliche Fragen in weilen Kreisen bekannt und hat bisher in dex Ver-. teihigung der engeren Standesintereffen seiner Wählerschaft unzweifelhaft viel geleistet. Ist der peilen Regierung müßte er allerdings unter Beweis stellen, daß er auch das in Lieser Stellung doppelt notwendige Verständnis für die Interessen der nichtagrarischen Bevölkerungsschichten aufzubringen vermag. Nicht umsonst hat Minister Bechyni kürzlich in einem Artikel darauf hingewiesen, daß heute die Landwirtschaft durch Regierungsmaßnahmenj vor dem Aergsten bereits geschützt ist und nunmehr die Existenzprobleme der übrigen Bevölkerungsschichten einer befriedigenden Lösung zugeführt werden sollten! Der Zar hatte am 30. Oktober ein Manifest erlassen, das dem russischen Volke Verfassung und allgemeines Wahlrecht verhieß! Ein paar Minuten der Stille. Stille der Ueberraschung, des Staunens, der Ergriffenheit. Dann stürmen Jubelrufe durch den Saal, jauchzende Hoch!-Rufe auf die russische Revolutton und das allgemein«' Wahlrecht. Die tschechischen und polnischen Genossen erheben sich und singen, kampfbegeistert, die„Rote Fahne". Die deutschen Genossen haben stehend, von gleicher Erregung erfaßt wie ihre flawischen Freunde, deren Trutz- und Kampflied angehört. Nun, da es verklungen ist, singen sie— und Tschechen und Polen stinimen mit ein— das unsterbliche Revolutionslied„Marseillaise". Und dann fliegen vereinzelte Rufe auf:„Auf die Straße!" Und bald ist es der Ruf aller:„Aus die Straße!" Schon ist es in den Wiener Fabriken bekannt geworden, daß der Zar den Russen gegeben hat, was seit vielen Jahren Kampfziel der österreichischen Arbeiter ist: das allgemeine, gleiche Wahlrecht. Und schon sammeln sich die Arbeiter zum Marsch in die innere Stadt.. Am Abend des 81. Oktober 1005 demonstrieren fünfundzwanzigtausend Arbeiter auf der . Ringstraße, vor Burg und Parlament. Am 2. November marschierten im Anschlüsse an eine gewaltige Versammlung in den Sophien- sälen im dritten Bezirk viele tausend ,Arbeiter über die nächtliche Ringstraße. Polizei tritt ihnen entgegen, stürmt auf sie ein. Neunzig Arbeiter werden verwundet. Am 3. November berichtet die„Arbeiter- Zeitung" von diesem Ueberfall der Polizei auf die Arbeiter— und fordert txuf, am 5. November, einem Sonntag, wieder auf der Ringstraße zu sein! Und am 5. November sind viele zehntausend auf der Ringstraße, zu jedem Kampf entschlossene Arbeiter, bereit, der Polizei, wenn es sein mußte, eine Verzweiflungsschlacht zu liefern. Aber diesmal wird die Polizei nicht eingesetzt. Aber in Prag kommt es am 4. November zu einem heftigen Zusammenstoß zwischen Wahlrechtskämpfern und Polizei. Dreißig Arbeiter werden verwundet. Am folgenden Tage erneuern sich die Kundgebungen, erneuert auch die Polizei ihre Angriffe auf die Arbeiter, und diesmal werden fünfzig Demonstranten verwundet, darunter zwei schwer. In der Bergmanngasse wird ein junger Mann getötet. Auf dem Karlsplatz werden Barrikaden gebaut, in der Ferdinandstraße kommt es zu einer Sttaßenschlacht zwischen Dragonern und Arbeitern und wieder gibt es viele Verwundete... Aber der Wahlrechtskampf der österreichischen Arbeiter ist durch keine Polizeiaktion, ist nicht durch das Einsetzen des Militärs, ist durch keine Regierungsmaßnahme mehr zu ersticken. Die Erregung der Massen wächst, ihre Kampfbegeisterung steigt. Kaum ein Tag ohne Massenversammlungen, ohne Demonstrationen! Höhepunkt der Kundgebungen, die größte politische Kundgebung der. Wett bis zu jenem Tage(erst nach dem Kriege überboten durch gewaltigere) war der Aufmarsch am 28. November, dem Tage des Zusammentrittes des Parlamentes. In Wien marschierte eine Viertelmillion auf, in Prag waren es 150.000, in allen größeren Städten Zehntausende. Der Ministerpräsident kündigte an diesem Tage die Einbringung einer Wahlreformvorlage an. Im Februar löste er seine Zusage ein. Aber es dauerte noch viele Monate lang, bis aus der Vorlage«in Gesetz wurde, erst am 26. Jänner des Jahres 1907 konnte der Kaiser das Gesetz über die Reform des Wahlrechtes sanktionieren. Mehr als ein Jahr hindurch blieben die Arbeiter in Kampfbereitschaft, fanden sie sich immer wieder zu Massenkundgebungen zusammen, und im Sommer 1906 mußten sie sogar schon den Generalstteik in Erwägung ziehen. Dreißig Jahre sind es heute, daß vom damals tagenden Gesamtparteitag der österreichischen Sozialdemokratie— er war zugleich der letzte!— die Parole zu einem politischen Kampfe ausgegeben wurde, der das Antlitz Oesterreichs änderte. Es gibt in der neueren politischen Geschichte kaum einen zweiten Massenkampf, der so geschickt, so klug, so umsichtig geleitet svorden Fascismus bringt Hunger Helschnot In bnntscnianei und Italien Umbildung der Regierung von den Agrariern rorgesdilagai Malypetr Kammerpräsident/ Dr. Hodza Ministerpräsident Dr. Zadina Landwirtschaft Prag. Der engere Vorstand der Agrarpartei hat am Dienstag ein» stimmig beschlossen, ans die dnrch den Tod Bradats freigewordene Stelle des Vorsitzenden des Abgeordnetenhanses den derzeitigen Ministerpräsidenten M a l y pe tr zu kandidieren und für die Stelle de- Ministerpräsidenten den bisherigen Landwirtschaftsminister Dr. Milan HodZa, als Landwirtschaftsminister den Abgeordneten Dr. Zadina vorzuschlagen. Der erweiterte Vorstand hat diesen Beschluß nach dem Referat Barans einstimmig genehmigt und dem engeren Vorstand die Vollmacht für die eventuelle Lösung aller aus diesem Beschluß entspringenden Fragen erteilt. Rach einer amtlichen Meldung war Ministerpräsident Malhpetr am Mittwoch nachmittags bereits in Länh, um den Präsidenten der Republik von dieser neuen Situation in Kenntnis zu setzen. Seile 2 Donnerstag, 31. Oktober 1935 Nr. 253 Danziger Wahlen von der Opposition angefochten Danzig. Vor dem Obersten Gericht der Freistaht Danzig begann der Sensationsprozeh betreffend die Aufhebung der letzten Wahlen in den Danziger Landtag. Die Klage brachten alle Danziger Oppositionsparteien, nämlich die Sozialdemokraten, die Kommunisten, die Deutschnationalen und die Organisation der ehemaligen Frontkäinpfer ein; sie verlangt, daß die Wahlen in allen 447 Wahlkreisen aufgehoben werdey, während die Klage der Zentrumspartei die Aufhebung der Wahlen bloß in 50 Bezirken verlangt. In Verbindung mit diesem Prozeh wurden von den Gerichtsbehörden fast 1000 Zeugen einvernommen. Die Klagevertreter führten viele Fälle von Gesetzesverletzungen bei den Wahlen seitens der Nationalsozialisten an. wäre wie dieser Wahlrechtskampf der österreichischen Arbeiter. Die Leitung dieses Kampfes war ein Meisterwerk Victor Adlers.— Und wie kampfbegeistert waren die Massen I Hunderttausende, die auherhalb der sozialdemokratischen Organisationen standen, wurden mitgerissen. Gleiches Recht I Gleiches Recht I Es war zum unwiderstehlichen Verlangen der ganzen Arbeiterklasse, der Proletarier aller Nationen geworden. Und ein Jahr vorher hatten auf dem Salzburger Parteitag Seliger und Hillebrand Klage geführt über die Gleichgültigkeit und Hoffnungslosigkeit der Arbeiter, die zu keiner Aktion aufzubieten waren I„Es läht sich", stellte Hillebrand fest,„nicht leugiien, daß wir bei jeder Aktion aui eine Gleichgültigkeit stohen, die uns geradezu zur Verzweiflung treiben könnte!" Und seit Jahren schon war das so gewesen. Bei den Wahlen im Jahre 1901 hatte die Partei in ganz Böhmen nur ein Mandat(die Arbeiter hatten nur das Mitwahlrecht in der fünften Kurie) behaupten können! Und jetzt dieser Umschwung! Aber im Jahre 1905 war, als Folge der Niederlage Ruhlands im Kriege gegen Japan, im Zarenreiche die Revolution ausgebrochen. Im reaktionärsten Lande Europas hatten sich die Arbeiter erhoben! Wie muhte das die Zuversicht, den Glauben an die-Kraft des Proletariats auch in Oesterreich beleben! Schon die Märzfeiern und die Maifeiern des Jahres 1905 sahen wieder so grohe Massen wie seit vielen Jahren nicht, und im Sommer dieses Jahres flackerten überall, in allen Ländern» Kämpfe um das Landtagswahlrecht auf. Sie wurden besonders leidenschaftlich in Böhmen geführt. In Prag demonstrierten am 24. September 40.000 Arbeiter, und an diesem 'Tage sprach neben den sozialdemokratischen Führern auch Th. G. Masaryk zu den Arbeitern, und am 10. Oktober 80.000 bis 80.000. Der tschechische Genosse Steiner hatte mif einer gemeinsamen Landeskonferenz der tschechischen und deutschen Sozialdemokraten erklärt:„Wir müssen jetzt einen Krieg beginnen, der zeigt, dah uns der Titel einer revolutionären Partei gebührt!" Und die Arbeiter haben diesen Krieg begonnen und siegreich zu Ende geführt! Wohl gelang es damals nicht, die Landtagswahlreform zu erzwingen, aber doch die ungleich wickitigere Forderung nach dem allgemeinen und gleichen Wahlrecht für den Reichsrat durchzusehen, sie durchzusetzen in einem politischen Feldzug ohnegleichen. 1904: die Arbeiter sind mutlos, hoffnungslos. Tief ist der Nationalismus auch ins Proletariat eingedrungen. Das Bürgertum jubelt: Die Sozialdemokratie ist tot! I 1905: die Massen find erwacht, sie kämpfen unter sozialdemokratischer Führung, siegen in einem Kampfe, der fast zwei Jahre dauern sollte, gegen den zähen Widerstand der Bourgeoisie aller Nationen. Lernt aus der Geschichte! Das Bürgertum wird nicht zu lernen bereit sein. Wieder einmal hält es die Sozialdemokratie, hall es den Marxismus für überwunden. Aber die Sozialdemokraten, die ihre Arbeitsbrüder unter dem Druck der Krise in Mutlosigkeit und Hoffnungslosigkeit versinken sehen, wissen, dah der Tag ihres Vormarsches wieder kommen wird! Heute gilt es, die Demokratie, für die vor drei Jahrzehnten die Arbeiter kämpften und bluteten, zu verteidigen, damit sie morgen Waffen in neuen siegreichen Kämpfen sein kann! 11.000 jüdische Gefallene bei Goebbels "Wo warst Du« a s wir starben?“ Der Erfolg der dänischen Sozialisten Kopenhagm.(E. B.) Neuwahlen in Dänemark lagen schon längst in der Luft. Die reaktionäre Opposition gegen die sozialdeinokratisch- bürgerlichrädikale Sammlungsregierung, die seit 1929 die Verantwortung trug, hatte sie immer wieder gefordert. Als schließlich die Regierungsparteien, da die ewige Obstruktionspolitik der Opposition jede Regierungsinttiativc lahmzulegen drohte, den Fehdehandschuh aufnahm und durch das Ausschreiben von Neuwahlen zum Vollsting auf kurze Sicht an das Volk appellierte, kam das den Sabotagepolitikern doch etwas unangenehm. Das Wahlergebnis übertrifft alle optimistischen Voraussetzungen zugunsten der Regierungsfront. In zwölf Jahren konnte die Sozialdemokratie ihre Stimmenzahl um 270.000 erhöhen. Jetzt allein kamen nochmals 100.000 hinzu. Die Sozialdemokraten erhöhten ihre Mandatszahl von 62 auf 68. Ihre Koalitionspartner, die Bürgerlich-Radikalen, konnten der prophezeiten Schwächung zum Trotz ihre Abgeordnetenzahl von 14 halten. Von der Oppositton sind die kleinen Parteien: Rechtsbund, Kommunisten und Deutsche Schleswiger, mit 4— 2— 1 Mandaten stehen, geblieben. Die Konservativen werden fürderhin von ihren bisherigen'27 Abgeordneten einen zu Hause lassen müssen. Venstre erlitt die größte Schlappe. Das Mehrheitsverhältnis ist für die Regierung ganz eindeutig: 82 zu 68, früher war es 78 zu 73. Diese Wahl war mehr als die schemattsche Erneuerung des Parlaments: die große zentrale Frage war eine Bollsabstimmung über die Wirtschafts- und Sozialpolittk der Regierung. In erster Linie galt der Kampf der staatlichen Valutazentrale und der Import- und Wirtschaftspolitik, die an sie geknüpft ist. Der aktuelle Grund, weshalb die Regierung den Reichstag auflöste, war ja, daß die Konservativen und die Benstraleute ihre Mitwirkung an der Erneuerung der im Dezember auslaufenden Valutagesetz- gebung verweigerten. Die Valuta- und Importregulierung war infolge der besonderen Struktur der dänischen Wirtschaft und der Unsicherheit der internationalen Handelsbeziehungen notwendig geworden. Die Valutazentrale dient dazu, den Import auf die Länder zu verteilen, die den dänischen Export aufnehmen, gleichzeitig wie sie den Kronenkurs sichert und die einheimische Produktion stärkt. Und sie hat ihre günstigen Auswirkungen auf das dänische Wirtschaftsleben nicht verfehlt. Man kann damit rechnen, daß die Balu» tazentrale direkt 20.000 Arbeiter in erneute Beschäftigung gebracht hat. Im ganzen ist die Anzahl der gewerkschaftlich organisierten Beschäftigten in Industrie und Handwerk in den drei Jahren seit der letzten Wahl um 75.000 von 215.000 auf 290.000 gestiegen. Der Prozentsatz arbeitsloser Gewerkschaftler sank von 44 Prozent auf 14.5 Prozent. Dazu kommen die Maßnahmen der Regierung auf anderen Gebieten: Wohnungsbau, Bewilligungen zu öffentlichen Arbeiten, Grundverbesierung usw., die in drei Jahren rund 500 Millionen Kronen konsumierten. Die Regierung Stauning kehrt unerwartet gestärkt ins Bolksting zurück. Wichtig ist die all« gemeinpolitsche Folge des Vertrauensvotums des dänschen Wählers: nachdem sie eine solche Abfuhr erlitt, kann die Opposition nicht länger die Linie der Sabotage und Obstruktion beibehalten. Das Landesting wird seine Farbe wechseln müssen. Im anderen Falle haben die Wahlen des nächsten Jahres zum LandeSting selbst erneut ein deutliches Wort zu sprechen. Erst dann wird daS Land zur polittschen Ruhe kommen, die ein Konstruktionsfehler in seinem politischen Gefüge es so lange nicht finden ließ. 61 Roman von Kugene Dablt Berechtigt« Uebertragung au« dem Französischen von Bejot »Ich mutz nsir einen anderen Platz suchen", dachte er,„mir platzt bald der Schädel." Doch er rührte sich nicht. Er sagte sich auch, daß er weiterarbeiten müsse. Und keuchte nur, als ersticke er. Die Luft war fast nicht mehr atembar; e» war, als hätt^ eine Feuersbrunst gewütet. Er lehnte sich in den Sessel zurück. Der Himmel war wieder wolkenlos. Cs würde nicht regnen. Er versuchte, sich zu bewegen, hob einen Arm, streckte ein Bein aus und stöhnte. „Ich muß noch«in Gläschen trinken," dachte er,„sonst werde ich immer schlapper." Die Flasche fiel ihm aus der Hand. Die Bäume schwankten. Und vor den Augen hatte er Flecke, wie er sie schon öfter gehabt hatte. Nur, daß sie in rasender Geschwindigkeit umeinander wirbelten. Er riß sein Hemd auf und verrenkte sich fast den Mund, um leichter zu atmen. Dann verspürte er einen stechenden Schmerz im Hinterkopf. Die Glut dieses Augusttages brachte ihn um. Er machte eine Bewegung, als wolle er aufstehen, fiel zurück, wollte rufen, konnte aber nur noch lallen. Sein Geld! Das Geld, das unter zwei Steinen im Kamin lag... niemand würde es finden. Eine furchtbare Gewalt warf ihn hin und her, dann neigte sich sein Kopf auf die Schulter. Sein Gesicht war purpurrot, von den Lippen floß Speichel, die Augen trübten sich. Auf der bloßen Brust schimmerte ein Lichtfleck... Langsam senkten sich Schatten auf den Teich.» Hinter dem Gebüsch tauchten Solange und ihre Geschwister auf. Sie schlichen sich vorsichtig näher und sahen, daß Julien mit angezogenen Beinen, seltsam steifen Armen, zur Seite geneigtem Kopf und weit offenstehcndem Hemd im Ses» „Er hält Mittagsruhe," erllärte Solange. „Gebt mir die Hand." Als sie vor der Tür standen, wandte sich di« Keine Schwester noch einmal nach dem dicken ■ VILLA OASE Oder: DIE FALSCHEN BORGER I Keiner von ihnen hatte etwas Dauerndes geschaffen. Er war fast allein noch da, um die Erinnerungen zu hstteni Ein zweites Glas Kognak trank er schluck weise aus, dann versank er- wieder in seine Träumerei. Bor einem Jahr lag Irma hier an seiner Seite. Jetzt war-die Stelle leer. Es war gewitterschwül gewesen wie heute, und Irma hatte über die Hitze geklagt. Aber sie waren zufrieden, trotz den kleinen Beschwerden. Mit leiser Stimme murmelte er vor sich hin^ „Man wußte nicht, was kommen würde. Noch vor einem Monat dachte ich nicht daran, die Villa Oase zu verkaufen." Niemand kannte sein Schicksal. Er so wenig wie die anderen. Er hatte geglaubt, die Stufen leiter emporzusteigen, indem er geschäftliche Er folge hatte. Aber im Grunde hatte er sein Leben an ein falsches Ideal verschwendet. Er hätte Arbeiter bleiben sollen wie sein Bruder Charles und Berthes Mann. Nun, er würde ihnen sein Vermögen hinterlassen. Dann hätten sie den Be weis, daß er seine Herkunft nicht vergessen hatte. Er ließ die Arme hängen und sank in sich zu« sammen. Seine Blicke wanderten über das bläu-! sel saß und sich nicht rührte, sich schimmernde Laub der Blätter, das dürre I Gras, die metallisch glänzende Oberfläche des i Teiches. Ein Sonnenstrahl tastete von seinen I Anien bis zur Stirn» I Mann und flüsterte:„Er hat uns ja nicht ge^ fressen." Dann ging sie ins Haus und wusch das Geschirr ab. Seit Sonntag war Julien schlechter Laune. Sie wollte, daß er alles in Ordnung fand, wenn er. wie gewöhnlich, um vier essoas zu trinken wünschte. Sie säuberte auch die Küche und hieü nur zuweilen inne, wenn sie draußen Schritte zu hören glaubte. Aber sie wurde fertig, ohne daß er kam. Der Herr war verrückt, daß er in dieser Hitze arbeitete. Sie würde ihm eine Erfrischung hinausbringen. Sie ging auf den Fußspitzen und ließ kein Auge von dem Glas, das sie mit der Hand um- klammerte. Er kurz vor dem Ziele hob sie den Kopf und sah ihren Herrn noch immer an der gleichen Stelle: Heute schlief er besonders fest! Dann fiel ihr Blick auf die am Boden liegende Kognakflasche. Er hatte sich betrunken. Sie stellte ihr Glas hin und schrie:„ES ist sechs. Wachen Sie auf. Hören Sie?" Schließlich bückte sie sich, um sich zu vergewissern, ob er wirklich schlafe. Sie sah ein unkenntliches Gesicht, schmerzverzerrt und blau an- gxlaufen. „Herr Julien..." stammelte sie. Sie starrte auf den Teich, der nun im Dämmer lag, und hörte den Schrei eines Bogels. Dieselbe Angst, die sich an Irmas Sterbetag ihrer bemächtigt hatte, preßte ihr das Herz zusammen. Fröstelnd, schritt sie rückwärts zur Türe. Auf der Schwelle blieb str keuchend stehen. Leer, schweigend, geheimnisvoll hinter den geschloffenen Läden hob sich die Villa Oase vom dunllen Himmel ab. Die Bäume waren schwarz wie auf einerN abendlichen Friedhof. Und die lange, traurige Mauer verbarg einen Toten. Hilferufend eilte sie davon. i! I Ende. ,i Dementierte Sensationen Berlin. Amtlich wird mitgeteilt: Die von der Wiener„Stunde" verbreitete Nachricht über die Verhaftung eines Herrn aus dem Büro des Botschafters von Ribbentrop und die daran geknüpften Bemerkungen sind eine völlige Erfindung des genannten Blattes. Der betreffende Herr ist nach wie vor im Dienst. Verteilung der Referate im böhmischen Landesausschutz. Der neugewählte böhmische Landesausschuß hieü am 80. Oktober eine Sitzung ab, in der die Referate folgendermaßen verteilt wurden: Finanzen: Dr. Kubista, Bezirks- und Straßenangelegenheiten: Krouzel, Gemeindean- gelrgenheiten Machäkek, Schule und Kultur: Hlavath, Soziale Fürsorge: Dr. Füffel, Krankenhäuser: Smejkal, Landesanftalten in Oporan, Zwickau, Radlic und Armenwesen: Keil, Landeserziehungsanstalten und Tuberkulose-Heilanstalten: Ksander, Irrenanstalten: Hejnic, Gewerbe: Petrovickh, Landwirtschaftliche Schulen, Flußregulierungen und Elektrifizierung: Kypr, Landesgüter und landwirtschaftliche Subventionen: Kaiser.— Gleichzeitig beschloß der Landesaus-, auSschuß, den Budgetausschuß der LandeSvertre- tung für den 8. November einzuberufen und diesem den Landesvoranschlag für 1936 vorzulcgen. Der früher« RmttiuS Liriari, dessen seinerzei- ttgeS Wirken in Prag keinesfalls den ungeteilten Beifall der Regierungsstellen und der Oeffentlichkeli fand, wurde nunmehr nachträglich mit dem Orden des Weißen Löwen erster Klasse ausgezeichnet. Offenbar soll damtt zum Ausdruck gebracht werden, daß die damaligen Differenzen nunmehr mit dem Abschluß deS moduS vivendi und der Ernennung eines neuen Nuntius endgültig bereinig! sind und keine wie immer- geartete Verstimmung zurückbleibt. Nr. 253 Donnerstag, 31. Oktober 1935 Seite 3 tfudeiendeutstfier Zeitspie&et Die Bergarbeiter fordern Ihr Rcdit b) <) Provisionen und der erworbenen Ansprüche der Ver- sicherten dnrchgefsihrt werde. Diese Forderung ist nicht allem durch menschliche«nd soziale Rücksichten begründet; sie liegt auch im Jnterrffe der Bergbauindustrie und de- Staates. Denn eS ist»«ter den gegebenen LerbälMiffen drin- gendft geboten, daß in den Grenzgebieten, in denen die Bergbauindustrie sich zum größten Teil befindet, nicht durch eine weitere Verelendung Widerstand»nd Erbitterung mit allen ihren Konsequenzen für den Bergbau und die StaatSinterrffen hervorgerufen werden. Paris. Mittwoch vormittags empfing Laval den italienischen Botschafter Cer«tti, init dem er hauptsächlich über die französisch-eng- lischen Komprvniißvorschläge»nd über die-Aussichten der Möglichkeit von englisch-französisch- italienischen Verhandlungen beriet. Trotz der sich mehrenden Nachrichten«nd dem Rätselraten über die Prinzipien dieser Friedensverhandlungen zwischen Frankreich, England und Italien, nimmt man in PariS an, daß diese Verhandlungen nur sehr langsam vorwärts gehen werden. Meldungen auS Rom und von halbamtlichen ftanzöstschen Stellen bestätigen, daß sich Mussolini mit den französisch-englischen Berglrichsvorschlä» gen befaßt. DienStag hatte er mit dem britischen Botschafter Sir Eric Drummond eine längere Unterredung. Es wird behauptet, daß diese Unterredung» die zweite innerhalb eines kurzen Zeitraumes, daS englisch-italienische Verhältnis gebessert«nd das fteundschaftliche Bestreben, eine Berhandlungsgrundlage zu suchen, betroffen habe. Es wäre allerdings noch verfrüht» zu glauben» daß bereits die sehr zahlreichen Schwierigkeiten beseitigt sind, doch wurde der Umstand, daß das Eintreffen drS Baron A l o i s i gleichzeitig mit der» Ministern Laval«nd Hoare in Genf angekündigt wurde, als ermunternd interpretiert. I» Paris wird die Möglichkeit nicht ausge schlossen, daß alle drei Minister gemeinsam konferieren werden und daß der ftanzösisch» cnglische Berglrichsplan zumindest in den Grundzügen mit de» seinerzeitige«-Vorschläge« des FünferauSschuffeS wird verbrmden werden können. Man erwartet, daß neben dir Sanktionenkonferenz, die ihre Arbeiten Donnerstag vormittags mit einer Sitzung des Achtzehnerausschusses beginnen wird, in Genf diplomatische Verhandlungen über das Wesen des abessinisch-italienischen Konfliktes stattfinden werden. Ministerpräsident Laval will noch vor der Durchführung der wirtschaftlichen Santtionen in Rom den letzten Versuch einer definitiven Erledigung der abrsfl» schen Probleme und besonders des neuen Verhältnisses zwischen Abessinien und Italien machen. Andererseits soll aber die Sanktionenkonferenz nach dem Wunsch der englischen Regierung die Durchführung ihrer Aufgabe ungestört fortsetzen und man ist der Ansicht, daß das Datum deS 15. November für die Einführung der wirtschaftlichen Sanktionen Nr. 3«nd 4 vorgeschlagen werden wird. Außer der Festsetzung dieses Datunis soll die Santtionrnkonferenz einen AnS- schuß bilden, der die Art der Durchführung der Sanktionen seitens der einzelnen Staaten kontrollieren würde, ferner einen zweiten Ausschuß, der die gegenseitige Unterstützung der die Sanktionen einführenden Staaten organisieren würde. Dir Bergarbeiter, die sich so beispielgebend«m dir Nrberwindung der NachkrirgSverhältuiffe verdient gemacht haben«nd die ihrem Berufe groß» Opfer an Gesundheit»nd Leben bringen, verdienen nicht, daß im Falle ihrer Invalidität»der Erreichung der Altersgrenze ihr trostloses Lebensniveau verschlechtert werde. Sie erwarten daher, daß die Regierung, die gesetzgebende« Körperschaften«nd die Oeftontlich- keit, die bisher bei den Bergbaukatastrophen ihre Teilnahme für dir Opfer deS Bergbaues kundgetan haben, den berechtigten Forderungen der Bergarbeiter entsprechen werde««nd daß die Sanirrnng der Brrgarbeiterversicherung ohne Kürzung der an- gefallenen Provisionen und der erworbenen Ansprüche der Versicherten dnrchgrführt werden wird. durch das abnormale Ansteigen der Zahl der Provisionisten, Witwen und Waisen und durch die Entwertung der schon damals unzulänglichen Kapitalsreserven der Bruderladen; durch die Belastung der Bergarbeiterversicherung mit der Auszahlung der angefallenen Provisionen und erworbenen Ansprüche der Versicherten der im Gebiete von Hultschin, Slowakei und Karpathoruhland befindlichen Bergbaubetriebe, welche nach dem Kriege der Republik angeschloffen wurden; durch daS rapide Sinken der Zahl der Versicherten und durch das weitere abnormale Ansteigen der Zahl der Provisionisten au* Grund von Maffenentlassungen, deren Ursache in der überstürzten Rationalisierung uno allgemeinen Wirtschaftskrise liegt. ES ist äußerst ungerecht» die Folgen dieser KnrgS-»nd Nachkriegsverhältnisse, deren Lösung versäumt wurde, jetzt zum Nachteile der Berg- arbriter-Provisionisten und der Versicherten durch Verschlechterung ihrer bisherigen gesetzliche««n.‘- rechtlichen Ansprüche«nd insbesondere durch Horab- setznng der angefallenen Provisionen«nd der erworbene» Ansprüche der Versicherten zu lösen. Die Unzulänglichkeit und Armseligkeit der bisherigen Provisionen ist auS ihrer geringen Höhe ersichtlich. So beträgt die Provision nach SOjährig« Bergarbeit 9 Ki und im Durchschnitt 7.67 KC täglich; die Witwenprovision die Hälfte und die Waisenrente ein Viertel dieses Betrages, und zwar für nur eine Waise, denn die Summe der Witwen- und Waisenrente zusammen darf drei Viertel der Provision, die dem verstorbenen Berstcherten gebühren würde, nicht übersteigen. Diese Provision ist niedriger als die Renten der Sozialversicherung und weit niedriger als die der Allgemeinen Pensionsversicherung, abgesehen von den Provisionen der staatlichen und öffentlichen Unternehmungen der einem weit kleineren gesundheitlichen Risiko als im Bergbau. ES erübrigt sich besonders darzulegen, wie erbärmlich daS Lebensniveau der Bergarbeiterprovisionen ist und wieviel nach Bezahlung des Mietzinses und nach Bestreitung deS notwendigsten Aufwandes für Bekleidung, Schuhe und übrigen Bedarf von der Provision für die Ernährung übrigbleibt Dieses Lebensniveau wurde durch die Verteuerung der wichtigsten Bolksnahrungsmittel in der letzten Zeit noch bedeutend verschlechtert. Bei diesem Zustand« ruft der Antrag auf Sanierung der Bergarbeiterversicherung, wie er gegenwärtig rn der Sanierungskommission verhandelt wird, und welcher neben der durch Erhöhung des Versicherungsbeitrages verursachten größeren Belastung der Bergarbeiter«in« Kürzung der angefallenen Provisionen bis um 18 Prozent(im Durchschnitt 14.6 Prozent) und der erworbenen Ansprüche der Versicherten enthält, spontan Erbitterung und Widerstand der Provisionisten und Bergarbeiter hervor. Dieser Widerstand ist um so begreiflicher, nachdem die den Provisionisten und Bergarbeitern auferlegte Sanierungslast bedeutend höher ist als lene, der Bergbauindustrie, obwohl sie vom Bergbau weitaus leichter getragen werden kann. Di« Brnderladenprovistonisten«nd dir Berg-; aebritrr fordern daher neuerdings dringend«nd mit- Recht, daß die Sanier«»- der Bergarbeitrrversiche-. ntng ohne Nachteil für die bisherigen Ansprüche»nd 1 Bezirkes Neudek nur 25 Prozent Steuerabschreibung erhielten. Im Neudeker Bezirk behauptet sich hartnäckig das Gerücht, daß dieser Herr Geistdörfer allein bei der Steuerbehörde war und sjch mit dieser Steuerherabsetzung zufrieden gegeben hat. Auch in dieser Hinsicht muß einmal Ordnung und den Behörden klar gemacht werden, daß es auch noch andere Korporationen gibt, deren Vertreter unbedingt gehört werden müssen. Dieser Vorfall beweist wiederum, wie dringend notwendig endlich die Reorganisierung der Landeskulturräte ist, damit die Kleinlandwirte und Häusler eine entsprechende Vertretung in dieser Körperschaft bekommen. Es wird Sache der organisierten Kleinbauern und Häusler sein, mit allem Nachdruck den Kampf für die Gleichberechtigung der kleinen Landwirte im Erzgebirge zu führen und auf eine Aenderung der Vertretungsverhältnisse in den Landeskulturräten zu drängen. Sa. Weder Arbeiter noch Landwirte? Sollen die Kleinlandwirte Im Erzgebirge zugrundegehen? Schon öfters wurde auf die traurige Lage der Kleinbauern und Häusler verwiesen, die infolge der Auswirkungen der zweijährigen Mißernte und der Futtermittelverteuerung durch das Getreidemonopol entstanden ist. Die Not dieser Schichten steigt andauernd. Die Mehrzahl der Kleinbauern und Häusler war auf den Verdienst in der Industrie angewiesen, der meistens den Hauptverdienst darstellte, während die Einnahmen aus der Landwirtschaft nur geringfügig waren. Nun sind aber die meisten Kleinlandwirte und Häusler schon seit Jahren infolge Arbeitslosigkeit von dieser Verdienstmöglichkeit ausgeschlossen. Viele von ihnen bekommen überhaupt keine Krisenunterstützung und es soll dies angeblich auf eine gesetzliche Bestimmung zurückzuführen sein, wonach diejenigen, die über 90 Ar Besitz haben, von der Arbeitslosenunterstützung ausgeschlossen sind. Nun weiß jedes Erzgebirgskind, daß bei den kargen Bodenerträgnissen im Erzgebirge mit einem Hektar Grund kaum eine Ziege ernährt werden kann, geschweige denn eine ganze Familie. In den Höhenlagen des Erzgebirges kann eme Kleinbauernfamilie auch dann nur äußerst dürftig leben, wenn zwei bis drei Heftar Besitz vorhanden sind. Deshalb ist diese Bestimmung, wenn sie tatsächlich besteht, unverständlich und geradezu grausam. — Dio^Ding« werbt«-aber noch verschärft, daß man auf der anderen Seite diese Schichten auch nicht als Landwirte anerkennen will» nämlich bei der Verteilung der Notstandsunterstützungen aus Anlaß von Elrmentarkatastrophen. Schon bei den vorjährigen Trockenheitsschäden gelang es stur mit Not und Mühe, einen Teil der Kleinlandwirte mit einzubeziehen. Viele von ihnen gingen leer aus. Es wurde gegen ihr Unterstützungsvrrlangen eingewendet, daß sie doch nn Hauptberufe Arbeiter seien und deshalb als unterstützungsbedürftige Landwirte nicht in Betracht kommen. Und dies, obwohl die meisten von ihnen schon lange arbeitslos find. Im heurigen Jahre hat man sich die Sache noch wesentlich erleichtert, indem der Bezirk Rcudek als Notstandsgebiet einfach nicht anerkannt wurde. Freilich sind im Neudeker Bezirk auch ganz besondere Verhältnisse vorherrschend. So hat sich dort die Gewohnheit eingebürgert, daß wohl die Bezirksbehörde wie auch die Steueradministra- tion nur mit einem einzigen Landwirt, nämlich dem Landeskulturratsdelegierten Geistdörfer bei allen Anlässen verhandelt. Dadurch kam es auch, daß im vergangenen Jahre trotz den schweren Ernteschäden die Kleinlandwirte des ror neue Notverordnungen Lavals Paris. Mit den 200 Regierungsdekreten, die im Juli und August verkündigt wurden, und mit den jetzigen 303 neuen übersteigt die Gesamtzahl der Regierungsdekrete des Kabinetts Laval nach dem Juli-Ermächtigungsgesetz die Zahl 500. Die jetzigen Dekrete sind schon weniger durchgreifend als die Juli-Dekrete. Das bedeutendste betrifft die Reform der Sozialversicherung, die auf einer ziemlichen Vereinfachung der Zahlung der Beiträge und.der Wirksamkeit der Versicherung für die Arbeiter, die das 60. Lebensjahr erreicht haben, beruht. Weitere Dekrete betreffen den Getreidemarkt, die Reorganisierung des Handelsministeriums, des Statuts des Flugministeriums etc. und führen einige Aenderungen des Strafgesetzbuches, hauptsächlich soweit es sich um die Strafprozedur handelt, ein. In 160 Gemeinden des Pariser Bezirkes wird die städtische Polizei aufgehoben und die Staatspolizei mit der Oberleitung in Paris eingeführt. ' Die Regierung beschloß ferner, unverändert an den Prinzipien aller im Juli und im August erlassenen Dekrete festzuhalten. Es ist dies die Antwort auf die im Finanzausschuß der Kammer am Dienstag erfolgte Abstimmung, welche mit 36 gegen 7 Stimmen den Beschluß faßte, daß die zehnprozentige Herabsetzung der Gehälter der kleinen Staatsangcstellten aufgehoben werde und daß die Kleinrentner und Kriegsbeschädigten keiner Besteuerung unterliegen. Der Finanzausschuß der Kammer beharrte auch am Mittwoch darauf, daß die Bezüge der Staatsangestellten, der Kriegsinvaliden, der in Pension befindlichen ehemaligen Frontkämpfer und der Kleinrenteninhaber erst von einer weit höheren Grundlage gekürzt und daß ihnen die seit Juli zurückgehaltenen zehn Prozent der Bezüge zurückerstattet werden sollen. Die Regierung erklärte, daß dadurch die erzielten Ersparungen sehr ernst bedroht wären und wies darauf hin, daß der Finanzausschuß keine Bedeckung, für die Summen Vorschläge, welche die Regierung zurückerstatten müßte und welche ungefähr eine Milliarde betragen. Laval setzt die Vermittlung fort Kommt In Genf etn Kompromiß zustande? Folgende Entschließung wurde auf I Rechte«ud vor allem ohne Kürzung der angefallenen den Kundgebungen der Bergarbeiter und Provi-~ sionisten einstimmig angenommen: Es ist allgemein bekannt, daß das finanzielle Defizit der Bergarbeiterversicherung eine Folge der Kriegs- und Nachkriegsverhältmfse ist, welche ver ursacht wurden a) Der Vater Bon MichalSoschtschenko. Unlängst haben sie dem Wolodja Gusew bei Gericht ordentlich heimgeleuchtet. Er wurde für den Vater eines neugeborenen Kindes erklärt und gleichzeitig dazu verurteilt, regelmäßig ein Drittel seines Gehaltes zugunsten des Kindes abzuführen. Der Aerger des unglücklichen Vaters läßt sich gar nicht beschreiben. »Ich'" sagte er,„konnte seit jeher Neugeborene nicht ausstehen. Sie strampeln mit den Leinen, brüllen und niesen. Außerdem machen sie einem leicht die Kleider schmutzig. Das ist überhaupt kein Leben mit diesen Bälgern. Und dafür soll man noch sein Geld her, geben. Ein Drittel des Gehaltes sprechen sie ihm zu. Eine feine Ordnung das!" Ich habe es auch dem Volksrichter gesagt: „Das ist ja zum Lachen," sage ich,„Genosse Volksrichter! Direkt zum Lachen ist das," sage ich,„was das für Abnormalitäten sind. So ein kleines Nichts," sage ich,„soll ein Drittel bekommen? Aber wofür,* sage ich,„braucht eS das Drittel? Ein Säugling,* sage ich,„raucht doch nicht, trinkt nicht, spiell nicht Karten, aber jeden Monat muß er sein Geld bekommen. DaS ist doch abnormal,* sage ich.„da muß man ja krank werden davon!* Der Richter aber ftagt: „WaS das Kind betrifft, bekennen Sie sich zu ihm oder nicht?* „Volksrichter," erwidere ich,„Ihr redet wirklich recht merkwürdig. Das ist ja geradezu eine Beleidigung. Selbstverständlich", sage ich, „ist das nicht mein Kind. Ich weiß ganz gut," sage ich,„von wem diese Intrigen ausgehen. Das ist die verdammte Maruschka Kowrowa, die es auf mein Geld abgesehen hat und Alimente erpreßt. Das ist ihre Arbeit. Aber ich", sage ich,„bekomm selbst nur 32 Rubel. Wenn ich davon 10 Rubel und 70 Kopeken ab führen sollte, was bleibt dann für mich? Ich," sage ich, „soll dann wohl in zerrissenen Hosen Herumlaufen, während sich die Maruschka für mein Geld ein Piano und Batiststrumpfbänder kauft. Pfui!*, sage ich,„das sind mir schöne Sachen." Der' Richter aber ftagt: „Ist es Ihr Kind oder nicht?" Darauf ich: „Weiß der Teufel. Es hat doch keinen Namen ausgeschrieben. Vielleicht", sage ich,„ist es gar nicht meins. Wie kann man ihm denn," sage ich,„ein Drittel des Gehalts zusprechen?" Der Richter aber sagt: „Aber vielleicht fft es doch Ihres? Erinnern Sie sich nur." „Ich kann mich an nichts erinnern," sage ich.„Und was die Maruschka anbelangt, so ist sie einmal zu mir ins Zimmer gekommen. Auch in der Elektrischen sind wir zusanunen gefahren. Ich habe natürlich gezahlt. Aber jetzt kann ich doch nicht, erlauben Sie einmal, jeden Monat ein Drittel hinlegen..." „Da Ihr," erklärt der Richter,„bezüglich des Kindes in Zweifel seid, werden wir es uns einmal näher ansehen, um charakteristische Mer.'- male festzustellen." Maruschka, die daneben steht, packt das Kind aus. Der Richter blickt auf das Kind und sagt: „Die Nase hat es von Ihnen." „Bitte," sage ich,„was die Nase anbelangt, will ich dagegen nichts einwenden. Die Nase könnte von mir sein. Für die Nase," sage ich, „bin ich gerne bereit drei, oder meinetwegen dreieinhalb Rubel zu zahlen. Aber dafür hat der übrige Organismus absolut keine Aehnlich- keit mit dem meinen. Ich bin," sage ich,„bräunlich, während daß da, Sie erlauben schon, so weiß ist wie die Tür dort. Ich kann keine drei oder dreieinhalb Rubel für so ein bleiches Kind zahlen. Und warum," sage ich,«sollte ich auch mehr zahlen, wenn es nicht trinkt, nicht raucht, und nicht organisiert ist?" „Wirklich," erklärt der Richter,„die Aehn- lichkeit ist nicht sehr groß. Obgleich die Nase ganz die Ihre ist." Darauf ich: „Eine Nase ist doch noch kein Grund. Die Nase," sage ich,„scheint tatsächlich meiner zu ähneln, aber die Nasenlöcher gleichen mir ganz und gar nicht. Für solche Nasenlöcher kann ich nicht mehr als einen Rubel zahlen." Da packt die Maruschka Kowrowa ihr Kleines wieder ein und sagt: I „Ob es jetzt so weiß ist wie die Tür dort — so ist das auch«och kein Grund. Vielleicht hat man es im Krankenhaus verwechselt. Als es zur Welt kam, war es ganz und gar nicht so weiß wie die Tür dort. Da war es bräunlich. Erst als man eS mir nach dem Bad wieder gebracht hat, war es so weiß. Das erste war der ganze Vater. „DaS ist ja schrecklich," seufzt der Richter, „wo ist denn die Geburtsassistentin?" Die Geburtsassistentin taucht auf: „Ja," sagt sie,„wir haben wirklich schon einige Beschwerden über Verwechftungen gehabt. Bei unS kommen wöchentlich an die siebenundachtzig Neugeborene durch, da haben wir freilich keine Zeit, jedem Kind ein Erkennungszeichen einzubrennen." „Für so ein Weißes Kind," sage ich,„wären zwei Sechser monatlich gerade genug und nicht einmal damit könnte ich mich einverstanden erklären. Das erste bräunliche ist vielleicht meins, aber das da ist es natürlich nicht. Erlauben Sie mir, Genosse Volksrichter, daß ich mich entferne, ich will mich nicht länger aufhalten?" Der Richter aber sagt: „Warte Täubchen. Gleich verkünden wir das Urteil." Und sie verkündeten es! Ein Drittel des Gehalts muß ich abführen l. „Ich pfeif auf alles," sagte ich,"„feine Wirtschaft das." AuS dem Russischen übersetzt von Julius Mader, Seite 4 Donnerstag, 31. OktoSer 1935 Nr. 253 Erholungsheim Hirschberg am See Ein vorbildliches Werk der»Arbeiterfürsorge"(Fortsetzung.) ledigung verbürgt die konsequente Führung des Heims. Im September diente das Heim wieder seiner eigentlichen Bestimmung als Jugenderholungsheim. In der ersten Septemberhälfte nahm es 86 junge Mädchen auf, wiederum aus allen deutschen Notstandsgebieten. Die Erfahrung hat gezeigt, daß niemals die mögliche Zahl von Mädchen zusammenkommt, was wohl damit Zusammenhängen mag, daß die Arbeitslosigkeit bei jungen weiblichen Arbeitskräften als den billigeren immer noch geringer ist als bei männlichen, aber auch damit, daß junge Mädchen während ihres Urlaubs vielfach im elterlichen Haushalt gebraucht werden und sie sich schwerer für einen Erholungsaufenthalt freimachen können. In der zweiten Septemberhälfte beherbergte das Heim 120 Burschen im Alter von vierzehn bis zu einigen zwanzig Jahren, auch diese wieder aus allen Gegenden des deutschen Gebietes. Während der Monate Oktober, November und Dezember wird das Heim geschlossen'und alles Nötige wird nach der starken Beanspruchung während der Sommermonate wieder instand gesetzt. Vom Jänner bis gegen Ostern, in welcher Zeit es seiner eigentlichen Bestimmung nicht nutzbar gemacht werden kann, dient das Heim der Veranstaltung von Unterrichts- und Schulungskursen befreundeter Organisationen. Ohne Reklametrommeln Das Heim gewährt den Aufenthalt zu den denkbar günstigsten Bedingungen. Es berechnet zehn KL pro Tag für ein Kind, 15 KL für einen Jugendlichen. Das sind die reinen Selbstkosten der Verpflegung und des Aufwandes für das nötige Aufsichts- und Wirtschaftspersonal, das außer der Verwalterin des Heims bei voller Besetzung aus den Schulschwestern für die Kinderaktionen, aus dem Hausmeister-Ehepaar,, der Köchin und sechs weiblichen Hilfskräften für Küche und Hauswirtschaft besteht; alle haben dabei von zeitig früh bis abends alle Hände voll zu tun, denn 130 bis 150 Menschen alles in allem sorgen für reichliche Arbeit. Die Beherbergung ist in den angeführten Tagessätzen nicht mit berechnet, auch nicht die Ausgaben für erforderliche Neuanschaffungen, auch nicht der beträchtliche Zinsen- und Amortisationsdienst. Das alles wird aus Mitteln des Verbandes„Arbeiterfürsorge" bestritten. Welche Leistungen der Verband vollbringt geht auch daraus hervor, daß die Kinder- und Jugendaktionen des Jahres 1934 die stattliche Summe von KL 120.000 erfordert haben, die zum Teil von den örtlichen Entsendestellen aufgebracht wird. Und diese achtunggebietende soziale Leistung" wird vollbracht in unermüdlicher, hingebungsvoller Arbeit, aber ohne dröhnende Reklametrommeln und ohne schmetternde Trompetenstöße, mit denen die Kräher auf dem Henleinhof jedes beinahe gelegte Wunderei aller Welt ankündigen. Für die„Arbeiterfürsorge" aber ist alles, was sie leistet, ernste soziale Arbeit— tätige Bemühung ohne blendende Reklametricks. Das ist der Unterschied. „Ich wünschte, ihr hättet daheim soviel.. Der Tagesverlauf bleibt immer der gleiche. Früh halb sieben wird geweckt, halb acht gibt es das erste, halb zehn das zweite Frühstück. Um zwölf Uhr ruft das Gong zum Mittagsmahl, halb vier zur Jause, halb sieben zum Nachtmahl. In den Zwischenzeiten tut jeder, was ihm be- hagt. Es wird gespielt, gesungen, gelesen, gebadet, gerudert oder gar nichts getan— nach Lust und Neigung. Von spätestens zehn Uhr abends ab herrscht Nachtruhe. Auch nach dem Mittagessen ist sowohl für Kinder als auch für Jugendliche Ruhezeit bis drei Uhr geboten. Bei den Jugendlichen stößt das in den ersten Tagen auf Abneigung. Sie wollen es nicht glauben und halten es für Verzärtelung, daß sie„wie kleine Kinder" am Tage schlafen sollen. Aber schon nach wenigen Tagen spüren sie, wie wohl es ihnen tut, und dann verbringen sie die mittägliche Ruhezeit in ihren Betten, wenn auch nicht immer schlafend, so doch ruhend. Und mit Beftiedigung konstatiert die mütterlich besorgte Verwalterin-am Ende bei ihren Schutzbefohlenen die erwünschte Gewichtszunahme. Das Essen ist gut und reichlich. Gemüse, Kartoffeln, Knödel zu Mittag, Semmeln und Kipfel zum Frühstück, bestrichenes oder belegtes Brot zu den übrigen Mahlzeiten und Kaffee, Tee, Kakao oder Milch bekommt jeder so reichlich, bis er satt ist. Wie bei einer Abstimmung recken sich da und oort an den Tischen die Hände hoch, wenn der„Nachschub" kommt. Und manche„verdrük- ken" zum ersten Frühstück acht Semmeln oder große Kipfel; vier sind der Mindestsatz. Ein Sonntagsgericht zu Mittag bestand aus Nudelsuppe und Schnitzel mit Kartoffeln und Blumenkohl. „Ich wünschte, ihr hättet daheim so viel und so gut zu essen wie ich hier!" schrieb ein Jugendlicher' nach Hause. Sie kommen alle aus armen Familien, und mancher hat nicht einmal die fünfzig Heller zu einer Briefmarke. Deutsche, Tschechen— und Henleinjünger Verstöße gegen die notwendige Disziplin sind seltene und einmalige Ausnahmen. Ihre Er- Sonst verläuft alles reibungslos. Die jungen Menschen leben in einträchtiger Kameradschaft miteinander. Es war auch eine Gruppe junger Tschechen vom M. S. D. aus dem Duxer Revier da. Das Verhältnis zwischen Deutschen und Tschechen tvar ausgezeichnet, und gerade die Tschechen erwiesen sich als tadellose Kameraden. Es war wie ein Beispiel: könnten überall und immer die Völker und Nationen, vor allem die jungen Menschen verschiedener nationaler Herkunft sich so in engem Zusammenleben kennen und schätzen lernen, so würde vieles besser sein. Aus einem Bezirk waren auf Grund ärztlicher Befunde einige junge Leute hergeschickt worden, die von den andern bald als Henleinleute erkannt wurden. In den ersten Tagen suchten sich diese ——all'■—i IPi» I Zwei Leichenfunde Jng. Osborne vergiftet? Im Monate Juni l. I. verschwand aus München auf bisher unaufgeklärte Weise der 63- jährige tschechoslowakische Staatsangehörige Jng. Wilhelm Osborne. Alle Nachforschungen nach seinem Verbleib waren erfolglos. Vor wenigen Tagen wurde nun in den Waldungen bei Haid die schon stark in Verwesung übergegangene Leiche eines unbekannten Mannes gefunden, der nach den bei ihm vorgefundenen Papieren mit Osborne identisch sein dürfte. Da bei der Leiche ein größerer Geldbetrag, Uhr usw. vorgefunden wurden, scheint ein Raubmord ausgeschlossen. Dagegen hat die Obduktion ergeben, daß der Tod Jng. Osbornes durch Vergiftung erfolgt sein dürfte. Die Sicherheitsbehörden sind nun um die Aufklärung des Falles bemüht. In dem staatlichen Walde bei Schattawa wurde am 15. Oktober 1935 von Holzhauern das Totengerippe eines Mannes'gefunden, dessen Alter auf 40 bis 55 Jahre geschätzt wird. Der Mann dürste 170 bis 180 Zentimeter groß gewesen sein. Bei den Knochen wurden auch Kleiderreste aus einem Wollstoffe, eiii verrosteter Trommelrevolver, 700 russische Rubel in Gold und eine goldene Uhr gefunden. Im Kopfe hatte er eine Kugel stecken und auf der Brust lag eine große Menge Schrot. Die neue Flugstrecke Moskau- Prag eröffnet Prag. Das auf der neuen Flugstrecke Moskau—Prag den Verkehr einleitende Sowjetflugzeug landete Mittwoch um 14 Uhr 30 Minuten auf dem Flugplätze von Kbely. Die Sowjetmaschine startete um 10 Uhr in UZhorod und überflog um 12 Uhr 30 Min. Brünn. * Auf dem Kbelyer Flugplätze hatten sich bei der Ankunft des Sowjetflugzeuges zahlreiche offizielle Persönlichkeiten eingefunden, welche den Vorsitzenden des Aeroflot, Iwan G r o z, und-den Direktor Wasil K o m i n s k i begrüßten, die als erste Passagiere auf der Flugstrecke Moskau —Prag hieher gekommen waren. Das Sowjetflugzeug lenkte Chefpilot T i m o s ch e w. An Bord befanden sich weiters Navigator Gurewitsch und Radiotelegraphist Kotow. Die Sowjetflieger verbleiben drei bis vier Tage in Prag und werden mit den maßgebenden tschechoflowakischen Funktionären über technische Details des Flugverkehrs Prag— Moskau verhandeln.- Henleinjünger abzusondern. Dann aber fügten auch sie sich der Gemeinschaft ein. Lieder am Abend Langsam sind der See, die Berge im Dunkel versunken. Die Birken vor der Terrasse stehen im Fensterschein hell auf dunkel wie das umgekehrte Bild auf einem Photonegativ. Darüber schimmern die Sterne. Im Saal wird an vielen Tischen gespielt. Eine Gruppe hat sich im Freien zusammengesetzt und singt im Dunkeln deutsche Wanderlieder. Die kleine Runde junger Tschechen sitzt auf der Terrasse und singt tschechische Volkslieder. Weich klingt es über den stillen See:„Na shledanou.." Es ist keine Absonderung. Ein Abend wird ganz von selbst zum gemeinsamen Liederabend. Alles sitzt im Hellen Saale k«isammen. Abwechselnd singen die Deutschen ihre Volkslieder und die Tschechen ihre Tramplieder einander vor. Und schließlich wird versucht, was alle gemeinsam singen können. (Schluß folgt.) Blutiger Kampf gegen Unorganisierte , New Aork. JnMannington(Ken-, tucky)'ttm es zu blutigest^Zusamnienfkößen zwischen Polizei und organisierten Grubenarbeitern. 700 der Gewerkschaft angehörende Grubenarbeiter erschienen auf Last- und Personenkraftwagen unvermutet in dem Ort und versuchten, in eine Kohlenzeche einzudringen, welche Nichtorganisierte Arbeiter beschäftigt. Ein Versuch der Grubenpolizei, die Angreifer durch Tränengas abzuwehren, mißlang. Aus der Menge wurden angeblich etwa 200 Revolverschüsse abgefeuert. Darauf antworteten die Beamten mit Maschinengewehrfeuer 15 Personen wurden verwundet, davon zwei schwer. Ziehung der Klassenlotterie Unverbindlich. Prag. Bei der Mittwoch-Ziehung der Klaffenlotterie wurden nachfolgende Gewinne gezogen: 80.000 Kö: 63988 20.000 Kö: 101933 10.000 K«: 88112 16845 38305 3004 5.000 K6: 54586 108779 61724 62972 90579 47052 78700 69989 90055 32113 51762 40106 22758 67904 96183 35728 48753 31383 50 36521 68761 105470 61964 2.000 K5: 28676 23007 2418 90139 52619 79572 1204 76795 16962 8707 90751 61185 19067 19082 106911 11286 45657 57914 41688 8876 72609 97058 72889 82476 7693 37516 71307 88348 92470 89835 68169 99818 92966 28118 81988 36574 46386 46934 95070 34223 58965 27256 26225 4044 27679 82907 29090 21669 98363 106937 1.200 K5: 97794 85875 60003 29707 51996 25467 27365 60526 55582 3655 5200 69544 92131 27606 56430 29721 6327 81922 46658 102191 74520 18512 2235 7575 27269 44665 76550 44684 14995 73770 94452 69987 29749 91131 46494 80046 48477 6181 41258 54167 69453 88125 8710 57179 54670 10784 30209 17357 102685 16556 89885 97304 69169 20758 48494 65069 69947 20750 57955 25338 34187 104212.45795 50654 82910 101986 80417 45453 101508 40095 87747 31736 62872 35344 9016 21287 60171 31660 2152 95633 109001 74664 100541 22089 89057 103961 95769 12671 47067 105287 98128 100318 87525 84287 985 102086 104834 10408 68721 105405 82862 2180 22587 54471 36314 9609 74905 71919 92331 90404 55094 83276 21691 94122 79394 19434 53354 61470 10451 72129 79418 79041 47639 109371 108738 84611 81296 674 13065 57227 79668 54061 56616 28004 Henlein dringt Opfer. Daß jeder Volks- genösse Opfer bringen müsse, hat Henlein vor kurzem mit Nachdruck betont. Daß er selbst sich bei jeder Gelegenheft opfert, ist bekannt. Er reist in die Schweiz, nach England, nach Norwegen, nach— Bad Elster, er fährt im Luxusauto durch das Land, wird von den unsichtbaren Kugeln mystischer Attentäter durchsiebt, nächtigt in „Ltrrmäläuker" Schlössern und läßt sich von den Volksgenossen bejubeln. Opfer über Opfer! Er wohnt in einer Siebenzimmerwohnung, gibt seinen Turnlehrerposten auf, um ganz der Führerschaft'und von ihr zu leben. Aber die Opfer nehmen kein Ende. Dieser Tage hat er den Gutsbesitzer(Grafen) Ledebour-Wicheln in Milleschau besucht und bei ihm im Schlosse gewohnt. Wieder ein Opfet mehr für die Nation. Natürlich mußten da auch die anderen Volksgenossen etwas opfern. Die Land- und Waldarbeiter der Herrschaft Ledebour wurden von den Aufsehern» Schaffern und Adjunkten angewiesen, sich uin das Schloß zu versammeln und es zu belagern. Dabei sollten sie rufen„Wir wollen den Führer sehen!" Die armen Teufel, stets in Gefahr, sonst ihr spärliches Brot zu verlieren, taten es auch. Sie standen mit knurrenden Mägen vor dem Schloß und riefen nach dem Führer, obschon ihnen eine warme Suppe nötiger und nützlicher gewesen wäre als der Anblick des Stars von Asch. Aber Opfer müssen sein, Opfer muß man bringen. Henlein opfert im Schlosse, die andern draußen. Eine richtige Einteilung bei den Opfern muß eben auch sein... Aus dem Erträgnis der Nationalen Flugsammlung wurden 14 Flugzeuge des Typus S—328 angekauft, die am 10. November auf dem Prager Militärflugplatz im Rahmen einer Feier vom Verteidigungsminister Machnik in das Eigentum der Militärverwaltung übernommen werden sollen. Die Sammlung geht unter der Devise „1000 neue Piloten" weiter. Die Angehörigen der Reserve und Ersatzreserve, die im Jahre 1885 geboren sind, erhalten mit Ende des Jahres die Entlaffungsscheine aus der Armee. Sie werden aufgefordert, zu diesem Behufe ihrem zuständigen Ergänzungsbezirkskommando, das im Militärbuch auf der ersten Seite angeführt ist, ihre jetzige Adreffe sowie-ihren Truppenkörper, Heimatgemeinde und politischen Bezirk sowie ihr genaues Geburtsdatum mitzuteilen. Wer weiter im Verbände der Wehrmacht bleiben will, kann beim Ergänzungsbezirkskommando um Belaffung in dec Reserve(Ersatzreserve) ersuchen. Das gilt auch für Offiziere und Rottmeister in der Reserve, die gleichfalls aus der Wehrmacht ohne Charge entlaffen werden, wenn sie nicht bis 1. November ihrem Ergänzungsbezirkskommando mitteilen, daß sie ihre Belassung in der Reserve auch weiterhin verlangen. Die Invaliden, die Witwen und Waisen nach den Gefallenen» bzw. nach den infolge der Kriegsstrapazen Gestorbenen und schließlich die Armen nach den Angehörigen des Artille r.ieregimen- t e s Nr. 102 und gew. Schw. Ladw. F. A. Regt. Nr. 21 werden aufmerksam gemacht, daß die Verwaltung des JnvalldenfondS des Artilleriere'gimenies Nr. 102 in Rokycany Ansuchen um Erteilung einer Unterstützung bis zum 1. Dezember 1935 entgegennimmt. In dem Ansuchen, welchem ein amtliches Mittellosigkeitszeugnis beizuschließen ist, ist anzuführen: Der Vor- und Zuname, das Geburtsjahr, dar Affentjahr, die Heimatzuständigkeit, wann und an welcher Front der Betreffende gedient hat, bei welchem Regiment er diente, wann er verwundet wurde, bzw. wann er gefallen ist. Die Gesuche sind im Wege der Bezirksamtsstelle für Kriegsbeschädigte einzureichen. Unter einem sind die Erwerbs« Verhältnisse(Tages- oder Wochenlohn) anzuführen. Gestrandet. In der Nacht auf Mittwoch ist der Hamburger Motorsegler„Katharina" bei Mueritz in der Ostsee gestrandet. Die vierköpfige Besatzung, der Kapitän und seine Frau, werden vermißt. Man nimmt an, daß sie noch am Leben sind, da das Beiboot sich nicht mehr bei dem gestrandeten Segler befand. Vom Rundfunk taptaMutwerlw aus den Programmen! Freitag Prag, Sender L. 7.30: Konzert au? Karlsbad. 9.10: Liederkonzert. 17.50: Deutsche Sendung: Vom Ufer der Seligen, musikalisch-dichterische Hörfolge. 18.20: Konzert der Egerer Sängerknaben- 20.05: Svmphonickonzert des ffchechosiowakischen Rundfunks. 22.20: Deutsche Presse.— Sender S.; 14.30; Deutsche Sendung: Allerseelen.— Brünn: 17.50: Deutsche Sendung.— Mähr. Dftran: 17.50: Deutsche Sendung: Die Lebensmüden. Hörspiel. Moderne Musik aus Moskau. Das Internationale Musikbüro in Moskau veranstaltet stets am ersten eines jeden Monats, beginnend mit dem 1. November, ein Konzert, das auf der Welle 1727 Meter, der stärksten sowjetruffischen Radiosendestation, zur Aussendung gelangt. Diese Konzerte sollen eine Ueberficht der modernen Musikschöpfungen aller Länder bieten. Zur Aufführung gelangen Werke, die vom Internationalen Verlag iu Moskau ausgegeben wurden sowie auch Manuskript« Kompositionen aller Art ohne Unterschied der Nationalität des Komponisten. Das Internationale Musikbüro ersucht, daß ihm entweder direkt oder durch Vermittlung der Gesellschaft für die wirtschaftliche Annäherung an die Sowjetunion Kompositionen übersandt werden, denen auch Angaben über den Empfang dieser über den sowjetruffischen Sender ausgesandten Konzerte beigefügt werden sollen.-Diese Konzerte werden stets von 22 Uhr bis 23 Uhr Moskauer Zeit ausgesandt. Die Anschrift lautet: JMB, Internationales Musikbüro beim JRTB, Moskau, Petrovka 10, Kanzlei 36. Gleichzeitig wird darauf verwiesen, daß am 11. November ein symphonisches Konzert aus Werken Dvokäks, Rachmaninows und Mahlers ausgesandt werden wird. Am 17. November folgt die Aussendung von SostakoviLS BaNettmusik, Nr. 253 Donnerstag, 31. Oktober 1935 A Leite 5 die mit der höchsten Streikzahl. Bei dem größten Teil der Streiks ging es um die Erhaltung und die Sicherung eines erträglichen Lohnniveaus. Lynchjustiz an einem Viehdieb Madrid. In Billalcampo bei Zamora wurde ein übelbeleumdeter Einwohner beim Stehlen eine- Schafes überrascht, daraufhin eine ganze Nacht lang in seinem Hause mit Steinen bombardiert und schließlich, als er in schwerverwund etemZu stände von einem Sanitätskraftwagen ins Krankenhaus Lbergeführt werden sollte, von der erregten Bevölkerung des Ortes den Sanitätsbeamten entrissen und auf offener Straße gelyncht. Die Polizei hat in die ser Sache mehrere Verhaftungen vorgenommen. Hoher Wafferstand. Die Hydrographische Abteilung des Landesamtes in Prag verlautbart: Das durch die großen Regengüsse am 27. und 23 d. M. verursachte Hochwasser hat Mittwoch seinen Kulminationspunkt erreicht. Der höchste Wafferstand ist in Modkan 4-114, in Prag+90 Die Nebenflüsse der Moldau Sazava, Beraun und Otava sind in ständigem, allmählichem Sinken begriffen. Die Moldau steigt in ihrem Oberlaufe neuerdingS; in B.-Budweis war Mittwoch früh der Stand 4-186 Zentimeter. Infolgedessen wird sich der Wasserstand der Moldau in Prag ungefähr auf der gegenwärtigen Höhe halten. Die Elbe steigt in ihrem Mittelläufe noch mäßig. Di« Wasser der I s e r und der E g e r sind bereits stark zurückgegangen. Auf dem Unterlaufe der Elbe wird das Wasser noch mäßig steigen unv wahrscheinlich den Höhepunkt Donnerstag früh in Tetschen erreichen. Die Wolga um vier Meter gestiegen. Zeit« tungsnachrichten aus Gorki zufolge steigt der Wasserspiegel der Wolga ununterbrochen. Am Dienstag war die Wolga bereits vier Meter gestiegen. Auf dem linken niedrigerem Wolgaufer beginnen bereits die großen Ueberfchwemmungen. Die Ueberfchwemmungen in der Schweiz, vom Genfersee bis Bodensee, nehmen ernsten Charakter an. Besonders schwer betroffen wurde daSBernerOberland, wo Erdrutsche Straßen und Eisenbahnlinien verschütteten. Bon Mehreren Orten deSEmmenthalrs werden ebenfalls Hochwasserschäden gemeldet. Feuer- tvehren und auch Truppenabteilungen wurden aufgeboten, um helfend einzugreifen. Die tiefgelegenen Wohnhäuser in Bern stehen unter Wasser. Hier sind auch die Keller und Ladenlokale mit Wasser angefüllt. ES wurden zahlreiche Notstege errichtet. Auch in der mittleren Schweiz sind die Flußläufe über ihre Ufer getreten. Auch an der Ostgrenze der Schweiz und im Rheintale haben die Ueberfchwemmungen zahlreiche Verheerungen angerichtet. Schwere Unwrtterschäden in den österreichischen Alpen. Auf der BundeSstraß« nach Gastein ist infolge der letzten Regengüsse ein gefährlicher Erdrutsch ungetreten, so daß der Verkehr im Gasteiner Tal auf Dir RestaurierungSarbeltrn im Schloß Leitomischl wurden nunmehr beendet. Hunderte von verschiedenartigen Motiven haben aus dem Schloß ein einzigartig-schönes Renaiffance-Gebäude geschaffen. Oberhalb des Eingänge» zum zweiten Schlotzhofe befindet sich in einem der Felder eine lateinische In« schrist, die besagt, daß Fürst Thurn-TaxiS aus Regensburg mit Unterstützung der Tschechoslowakischen Republik die Restaurierung durchführen ließ. Auch eine große Sonnenuhr mit den Initialen des Begründers be8' Schlosses, B. PernStejn und seiner Gattin, wurde restauriert. Im zweiten Schlotzhofe, wo sich große Syraffitfilder befinden, welche die Einnahme der Stadt veranschaulichen, hat der akademische Bildhauer A. Pochobradsktz die ebenfalls notwendig gewordenen Restaurierungsarbeiten durchgeführt. Das Denkmalsamt hat die soeben beendete Restaurierung des Schlosses genehmigt. Wie einst Der Ministerrat in Wien beschloß, die Voraussetzungen für die Einrichtung der Einjähri g«F reiwillige n-Dienst- zeit auch im neuen Bundesheer zu schaffen. Bonny bedingt verurteilt. Der ehemalig- Polizeiinspektor Bonny wurde vom Pariser Geschworenengericht zudreiJahren Kerker bedingt verurteilt. Der litauische Finanzmann F o I b e r g erhielt zwei Iahre bedingt. Bonny wurde verurteilt, weil er im Dienste Bestechungen angenommen hatte, wahrend Folberg» Verurteilung wegen Bestechung eines Staatsbeamten erfolgt ist. Folberg brachte die Nichtigkeitsbeschwerde ein. Friedrich Hermann im Jmnnsitenspital schwer erkrankt. Einer der ältesten Führer der kommunisti- schen Partei Oesterreichs, Hermann, der vor kurzem zu einem Jahr schweren Kerker verurteilt wurde, zog durch sein tapfere? Auftreten vor dem Gericht die Rache der fascistischen Schergen auf sich. Schon im Juli, nach dem Massenhungerstreik der politischen Gefangenen, wurde er von dazu besonders auser« Dom nationalen zum internationale« Kartell Zur Erneuerung des tschechoslowakischen Schraubenkartells, das zu Jahresende abläuft, werden gegenwärtig Verhandlungen geführt. Es dürfte schon in kürze zur Unterzeichnung eines neuen Kartellvertrages kommen, wobei nur noch nicht feststeht, ob der Abschluß auf fünf oder auf zehn Jahre erfolgen soll. Das Kartell tyird durch den Hinzutritt einiger Außenseiter vervollständigt. Daneben sind Verhandlungen zur Gründung eines internationalen Schraubenkartells in die Wege geleitet worden, an denen die tschechoslowakische Industrie ebenfalls teilnimmt. SS ist sehr wahrscheinlich, daß es zum Abschluß eines internationalen Kartells der Schraubrnindustrie kommen wird. wählten Schutzkorpsbanditen mit Lynchjustiz bedroht und nur das Eingreifen von Justizbeamten rettete ihn damals vor schwerer Mißhandlung. Dann wurde er strafweise zu kriminellen Verbrechern, isoliert von den politischen Gefangenen gesperrt und ihm das Recht auf eigene Diätkost verweigert. Gegen diese Maßnahmen, die den Schwerkranken f^fisch zum Tode verurteilten, ist Hermann am 1. Oktober iit den Hungerstreik getreten und wurde ins Wiener Jnquisitenspital ringeliefert. Hermann schwebt in Lebensgefahr. Verschiedene Organisationen haben sich an die österreichische Regierung mit der Forderung gewandt, den Schwerkranken zu retten. Diebstahlsversuch im Museum. Im Kunsthistorischen Museum in W i e n wurde der 24jährige arbeitslose Gärtnergehilfe Stefan Schawnitzkh au» Kaschau von einem Kriminalbeamten dabei betreten, als er aus einer Vitrine einen goldenen Reifen im Werte von einigen hundert Schilling stehltn wollte. Er wurde dem Landergericht eingeliefert. Panik in der Straßenbahn. In einer belebten Geschäftsstraße von Los Angeles schlugen au» dem Unterteil eines Straßenbahnwagens Flammen heraus. Die Fahrgäste des Wagens wurden von einer Panik ergriffen, zertrümmerten die Fenster und versuchten, aus dem Wagen herauSzuspringen. Dabei erlitten 40 Personen Schnitt- und Brandwunden. 30 Verletzte mußten in ein Krankenhaus gebracht werden. Da» Wetter in Mitteleuropa steht bereits seit mehreren Tagen unter dem Einfluß tiefer Druckstörungen, welche rasch hintereinander vom Atlantischen Ozean gegen die Ostsee ziehen. Im Zusammenhang damit treten bei uns häufige Druck- und Temperaturänderungen auf, und auch sonst hat die Witterung nunmehr einen sehr unbeständigen Charakter. Am Mittwoch regnete eS nur noch im äußersten Osten des Staates, in den übrigen Gegenden hat sich das Wetter etwas gebessert und erwärmt, trotzdem ein heftiger Wind weht. Zu einer weiteren Besserung wird es jedoch nicht kommen. Aus Westeuropa werden wieder stärkere Regenschauer gemeldet. Sie find von einem Tiefdruckgebiet über den Faroer-Inseln, wo der Luftdruck fast um 40 Millimeter unter dem Normalwert gesunken ist, verursachr. — Wahrscheinliches Wetter von heute: Andauer der unbeständigen und unruhigen Witterung, frischer bis starker Wind aus westlichen Richtungen. Im Osten untertags über wärmer.— Wetteraussichten für Freitag: Veränderlich, mit Schauern, heftiger Westwind. Italiens Abwehr Rom.(Tsch. P.-B.) Zur Abwehr der bevorstehenden Sühnemaßnahmen hat die italienische Regierung zunächst zwei Maßnahinen getroffen, durch die der Fleischv er brauch herabgesetzt und die Verwaltungskosten in den Staatsbetrieben, einschließlich der Schulen, möglichst gesenkt werden sollen. Der Gedanke einer Rationierung des Verbrauchs durch Kartensystem wurde von Mussolini abgelehnt. Insbesondere soll im Brot- und Mehlverkauf keine Aenderung eintreten, da die diesjährige Getreideernte mit 77 Millionen Doppelzentnern den Inlandsbedarf deckt. Im einzelnen bestimmen die Dienstag nachmittag veröffentlichten Maßnahmen für den Fleischverbrauch, daß vom 5. November ab für die Dauer von sechs Monaten die Fleischerläden am Dienstag jeder Woche geschlossen bleiben und am Mittwoch nur andere Arten als Rind-, Schaf- und Schweinefleisch verkauft werden können. Die Fleischerläden, die seit einigen Wochen Sonntag geschloffen sein mußten, können bis vormittags 11 Uhr offen bleiben. In der gleichen Zeit wird in den Hotels, Restaurants und anderen Speisestätten sowie in den Speisewagen auf italienischer Strecke nur ein Fleisch- oder Fischgang geliefert. Für die Einsparungen in den Staatsbetrieben wird dem italienischen«Parlament" ein besonderes Ermächtigungsgesetz vorgelegt werden, auf Grund dessen der italienische Regierungschef-lle einschlägigen Maßnahmen auf diesem Gebiet durch eigene Erlässe anordnen kann. Durch den ersten derartigen Erlaß werden zur Papiereinsparung alle staatlichen Veröffentlichungen auf ein Mindestmaß beschränkt. Ferner sollen bei der Ausstattung von Büros alle Neuanschaffungen von Möbeln und anderen Bürogegenständen möglichst eingeschränkt werden. Alle staatlichen Telegramme und staatlichen Telephongespräche sollen gekürzt werden. Schließlich soll zur Kohleneinsparung der Bürobetrieb grundsätzlich von morgens 8 Uhr auf 18 Uhr beschränkt bleiben, um während des Winters mit der Heizung, bzw. mit dem Verbrauch elektrischen Stromes möglichst zu sparen. Ein bedenkliches Heiratskomplott mit glücklichem Ausgang Prag. Der 30jährige Bauernsohn Wenzel K.. der sich vor dem Strafsenat N o s e k wegen des Verbrechens des Betruges zu verantworten hatte, sieht nicht nach einem HeirgtSschwindltt^auS...ynd doch beschuldigt ihn bie Anklahe, er habe..durch die listig» Vorspiegelung". Elektrotechniker mit einem Wochenverdienst von 400 llö zu sein und außerdem ein Ber-* mögen von 20000 llö zu besitzen,« die 21jährige Vlasta B. um den gleichen Betrag betrogen. So lautete nämlich die Strafanzeige der Vlasta B.. Die Verhandlung ergab indessen einen recht kuriosen Sachverhalt. Vlasta B. hatte eine Mutter und«ine ältere Schwester, die sich nach Kräften bemühten, das Nesthäkchen unter die Haube zu bringen Als sie durch Zufall die Bekanntschaft des Wenzel K. machten, schien" ihnen dieser junge Mann der geeignete Bräutigam zu sein. Wenzel K. ist der Sohn eines mittleren Bauern und arbeitet auf dem Gute seines Vaters. Immerhin— eS ist keine üble Sache, mit einem Landwirt verschwägert zu sein. Da fällt allerhand für die Küche ab— Butter und Sier, hie und da ein Hühnchen oder eine GanS. Kurz gesagt: Mutter und Schwester begannen der jungen Vlasta den Wenzel K. als idealen Bewerber eindringlichst zu empfehlen. Um ihm in den Augen des Mädchens mehr Ansehen zu verleihen, stellten sie ihn fälschlicherweise als gutbezahlten Elektromonteur hin und schmückten ibn auch sonst mit allerhand Tugenden und Vorzügen auS, auf die dieser junge Mann auch bei wohlwollendster Beurteilung kaum Anspruch erbeben kann. Vlasta kannte ihn persönlich nicht und nahm die Erfindungen ihrer Mutter und Schwester als bare Münze. Diese beiden, auf den Kuppelpelz erpichten Frauen, bearbeiteten aber auch den künftigen Schwiegersohn, bzw. Schwager, der die ihm zuge- dachte Braut gleichfalls nicht kannte. So sehr lag ihnen die Verheiratung der kleinen Vlasta am Herzen. daß sie ohne deren Wissen. Ar HetratSgut von 20.000 llö dem Werber übergaben, damit er sich mit Barmitteln ausweisen könne. Denn er. als Bauernsohn, verfügte über kein Geld. Der tollköpfige Plan scheiterte- Denn als schließlich eine Zusammenkunft hes gekuppelten Pär-. chenS arrangiert wurde, gefiel der kleinen hübschen Vlasta der Bewerber so wenig, daß sie ihm den Rücken kehrte und heimfuhr. Kurz nachher machte sie die Bekanntschaft eines Gastwirtes, der sie heiraten wollte und an dem sie Gefallen fand. Nun aber mußte sie feststellen, daß ihre Mitgift verschwunden war und sie erstattete in begreiflicher Empörung die Strafanzeige gegen den unglücklichen Wenzel K., daß dieser durch listig« Vorspiegelungen ihr Heiratsgut an sich gebracht habe. Damals kann» sie die Hintergründe der ganzen Afiäre noch nicht. Bei der Gerichtsverhandlung wurden die Zusammenhänge aufgeklärt und die Sache fand ein allseifiges happy end. Die Mitgift ist inzwischen zu- rückerstattet worden und Wenzel K., das Opfer einer gut gemeinten Frauenintrige, konnte nachweisen, daß er sich nur den Weisungen der beiden Frauen gefügt und nicht die geringste betrügerische Absicht verfolgt hat. Er bat sich inigvischen getröstet und eine andere Gattin gefunden. Auch Vlasta bat ihren Gastwirt geheiratet und hegt nach Rückgabe Arer Mitgift gegen ihren unglücklichen Freier nicht den mindesten Groll. Auch die Richter lächelten milde und sprachen Wenzel K. frei.• 6 6t8 7 Tage unterbrochen wurde. In der Ortschaft Annaberg:st d,e Straße in der Läng-von sechs Metern-mgebrochen. In Bischosshofen find die dor- t.gm Bache twer dre Ufer getreten und haben den größten Teil der Stadt mit dem Hauptplatz überschwemmt. Große Schäden wurden auch in Saal- selben Tax-nbach, Werfen und«btenau angerichtet. Am schwersten wurde jedoch die Ortschaft Leogang mitgenommen, wo sämtliche Brücken fortgeriffen und d,e Straße in einer Länge von 800 Metern durch Steine und Lehm vermurt wurde. Auch die Wiesen wurden mit schlämm überschwemmt. An einer anderen Stellln wurde die Straße unterspült. In Gossau wurden sämtliche Brücken fortgeriffen und Felder mit Schlamm überschwemmt. Ischl wurde von einer Windhose heimgesucht, die in der Kolonie Rettenbach m.e h r e r- Häuser niederriß. Eine Hütte, in der sich Baumaterialien befanden wurde von der Windhose 6 Meter hoch emporgettagen und dann gegen einen Mast der elektrischen Leitung geschleudert, wo sie hängen blieb. Bon de» Rüstungen der Sowjetunion Die jüngste„Errungenschaft" der Sowjetunion ist dieser schwimmende Tank, der erstmalig bei ' Hebungen in der Nähe von Moskau gezeigt wurde. Volkswirtschaft und Sozialpolitik Die Streikbewegung Die Streikbewegung hat in den ersten neun Monaten 1935 einen etwas größeren Umfang angenommen als in der gleichen Periode der bei, den vorhergehenden Jahre. Es betrug die Bombensichere Unterstände in Paris Paris. Seit einiger Zeit sind, wie man weiß, in allen Pariser Häusern Anschläge angebracht, die das Verhalten bei Luftangriffen anordnen. Sie enthüllen auch die Angabe des nächsten bombensicheren Unterstandes. Bis jetzt waren diese Angaben in vielen Fällen lückenhaft. Die Präfektur hat besondere Beamte damit betraut, die Vollständigkeit nachzuprüfen. Sie teilt nun mit, daß zu irgendwelcher Unruhe der Bevöllerung kein Grund vorliegt. Paris ist gegen Luftangriffe so weit wie möglich gesichert. Es gibt im ganzen 27.256 bombensichere Unterstände, die für 1,761.530 Menschen Platz haben. H r Doppelmord in Wien Wien. Auf eine Anzeige der Hausparteien drangen Mittwoch abends Polizeibeamte in die im dritten Stockwerk des Hauses H., Darwin- gasse Nr. 6, gelegene Wohnung des Schneiderehepaares B a r t ä k ein und fanden dort den 7bjährigen Karl Bartäk und seine Gattin in einer großen Blutlache neben der Nähmaschine tot auf. Bei beiden, die zahlreiche schwere Hieb« und Stichwunden am Kopf und Hals aufwiesen, zeigte sich bereits die Leichenstarre. Die Mordtat dürfte bereits am M o n t a g verübt worden sein. Die Kastentüren standen halb offen. Es ist jedoch fraglich, ob es sich um einen Raubmord handelt, da die Ersparnisse des Ehepaares, 13.000 Schilling, und der gesamte Schmuck aufgefunden wurden. Bon den Tätern fehll jede Spur. Bartäk stammt auS Deutsch-Brod in Böhmen, seine Frau auS Eervenka bei Liwvel in Mähren. And ei« Raubmord Wim. ES ist noch nicht der Doppelmörd in der Darwingasse aufgeklärt und schon berichtet die Wiener Polizeikorrespondenz einen neuen R a u b m o r d im 20. Wiener Gemeindebezirke in der Löblichgasse Nr. 10, wo gestern morgens von ihrer Bedienerin die S5jähr. Witwe Hofer wt aufgefunden wurde. Der Mord wurde mit einem stumpfen Gegenstand des nachts oder abends vollführt. Die Kassa, in der die Hofer den TageSerlös der Trafik verschloß, in welcher sie angestellt war, war erbrochen und geraubt. Der Tat verdächtig ist ein Bettler, der sich in der letzten Zeit in der Gegend herumtrieb. Der verstorbene Gatte der Hofer war ein Nachkomme des Tiroler.Freiheitshelden AndreaSHofer. Jänner bis Zahl der September Streiks\ Streiktage 1935 225 x 846.000 1934 212 220.000 1933 214 343.000 1935 waren die Monate April und Septembe Seite S „Sozialdemokrat" Donnerstag, 31. Oktober 1835. Rr. 253 Trager Der Arbeitsplan für die Arbeitslosen vom Stadtrat genehmigt Di« gestrige Stadtratssitzung nahm mit allen gegen die drei kommunistichen Stimmen den Antrag des Fürsorgereferenten Dr. Z e n kl an, welcher einen Plan zur Versorgung der Prager Arbeitslosen in den nächsten Herbst- u. Wintermonaten beinhaltet. Dr. Jenkl betonte in seinem Bericht den Anteil aller Rathausparteien an dem Zustandekommen der Fürsorgematznahmen und dankt; insbesondere auch dem Minister Genossen Dr. Nekas für das Verständnis, welches dieser für die Not der Arbeitslosen bewiesen hat. Protestversammlung der Bankangestellten Gestern fand im Saale der Produktenbörse eine vom Verband der Bank- und Sparkaffenbeamten einberufene Protestkundgebung der Prager Bankangestellten gegen die gegenwärtige von der Direktion der Böhmischen Unionbank befolgte Personalpolitik statt. Den Vorsitz führte der Obmannstellvertreter des Verbandes Genoffe A n d r s t. Das Referat erstattete der Obmann des Verbandes Genoffe Meller, der gleichzeitig auch Obmann des Betriebsausschuffes der Unionbank ist. Für das SdruZeni penejniho üied- nictva und für den Skontistenverband gaben die Sekretäre Ravrätil und Wimmer Solidaritäts- erklärungen ab. Nicht nur den Worten der in dieser Versammlung aufgetretenen Sprecher der Bankangestellten, auch der dort einmütig angenommenen Resolution— in der gegen die von der Böhm. Unionbank befolgte Personalpolitik schärfster Protest erhoben wird— ist deutlich zu entnehmen, daß diese Versammlung nur als Austakt einer ernsten Aktion gegen die Unionbank und deren leitenden Personalchef, Direktor Leopold Stein, zu werten ist, wenn die Bank sich nicht dazu bequemen sollte, über Angestelltenforderungen» so wie alle übrigen Banken, mit den Vertretern ihrer Angestellten zu verhandeln und diese Fragen lieber einer gütlichen und einvernehmlichen Regelung zuzuführen als die Angestelltenschaft aller Geldinstitute zu einem,'sicher berechtigten, Abwehrkampfe herauszufordern. Für die Streikende» im Betrieb JanrLek wurde km letzten Frauenabend der Prager deutschen sozialdemokratischen Frauenorganisation der Betrag von KL 88.55 gesammelt, Elternversammlung in Prag VII., MeffepalaiS, ' am 4. November, um halb acht Uhr. Lichtbildervortrag: Schriftsachverständiger Prof. Dr. Otto Fanta: Zur Psychologie der Kinderschrift. Eltern und Schulsteunde herzlich willkommen. Der neue Zijkover Güterbahnhof. Welches Jn- tereffe bei der Oeffentlichkeit der neue Bahnhof Herdorgerufen hat, geht daraus hervor, daß am 27. und 28. Oktober mehr als 1800 Besucher gekommen waren, um das neue Magazinsgebäude, die ausgestellten Lokomotiven, die Personenwagen und Dräsinen der ESD sowie eine Ausstellung von Plänen, Photographien und Ansichten des neuen Bahnhofes zu besichtigen. Der Bahnhof liegt bei den Olsaner Friedhöfen an der neuen Kommunikation zwischen dem alten Krematorium und dem jüdischen Fried- Hofe. Der Bahnhof ist der Oeffentlichkeit bis zum 10. November zugänglich. Es führen die Linien der Elektrischen Nr. 7, 9, 11, 16, 21 dorthin. Zahlreiche Besucher benützten die geräumigen Autobuffe der LSD, die vom Wilsonbahnhof jede halbe Stunde ab 9" bis halb 16 Uhr abgehen. Fahrpreis 2 KL ab Wilsonbahnhof und retour einschließlich des Eintrittsgeldes für den Bahnhofsbesuch. Ein Stückchen Diana-Schokolade nach dem Effen ist das köstlichste Dessert. Und jeder kann es sich leisten. 3116 Iümst luut Mssen Tschechische Chormusik. In einem Festkonzerte anläßlich seines fünfundsiebzigjährigen Bestehens brachte der führende Prager tschechische.Gesangverein»Hlahol" tschechische Chorwerke aus Vergangenheit und Gegenwart, weltlicher und geistlicher Richtung zur Aufführung: Werke, die gleichzeitig einen kleinen Überblick über die neuzeitliche tschechische Chormusik gewährten: Jos. B. Foersters großangelegte und wirkungsvolle Kantate»Den toten Brüdern", I. Krickas eindrucksvolle und ausdrucksstarke Kantate»Versuchung in der Wüste", stimmungsstarke Frauenchöre von Bit. Noväk, Zd. Fibichs„Frühlings"-Romanze und Fr. Smetanas„Tschechisches Lied". Der Chor des„Hlahol", den wir schon wiederholt mit Worten deS höchsten Lobes würdigen konnten, gab auch diesmal Beweise seiner überragenden Charge^ fangskunst, die in rein chorgesangstechnischer Hinsicht ebenso groß ist wie sie vorbildlich in der Musikalität und gleichmäßigen Gestaltung des Vortrages ist. Musterhaft ist die rhythmische und dynamische Disziplin dieses großen und in allen Stimmgruppen glänzend dotierten und ausgeglichenen Chorkörpers, musterhaft ist seine sprachliche Schulung, die Gleichmäßigkeit seiner Atemtechnik, die Plastik seiner Polyphonie. die Reinheit und Zuverläffigkeit seiner Intonation. Jar. Heile, dem langjährigen Chormeister deS Vereines, ist das Hauptverdienst an diesen beispielhaften Chortugenden zuzuschreiben: er leitete auch diesmal Chor und Orchester in souveräner, alle Einzelheiten berücksichtigender und großzügig gestaltender Weise. Er, sein Musterchor und die mitwirkenden Solisten wurden mit Recht stürmisch gefeiert. E. I. Meisterbilder des 19. Jahrhunderts. Die Jubiläums-Ausstellung deS Kunstvereins für Böhmen (II. Pstroffova 12), in der neben den werwollen Originalgemälden die alten Prämien aus den Jahren 1836 bis 1879 besonderes Jntereffe erregen, ist täglich von 9 bis 5 Uhr geöffnet. Der Katalog enthält auch ein« Geschichte des Kunstvereins. Samstag„Pelleas und Melisande" von Debussy- Maeterlinck.(AI) Besetzung: PellLas— Fischer, Melisande— Henders, Golo■— Scheidl, Arkel— Andersen, Genoveva— Kindermann, Vnold— Marschner, Arzt— Hey, Dirigent: Zweig, Regie: Mordo. Bühnenbild: Prof. Hugo Steiner, Prag. Montag 8 Uhr einmaliges Gastspiel Felix Brrffart mit dem Ensemble des Wiener Deutschen Bolkstheaters in- Hunyadis„Ritterliche Affairen". Sitzplätze: KL 8.— bis 35.—. Vorverkauf hat begonnen. Spielplan des Deutsche» Theaters. Donnerstag hall» 8: A id a, Gastspiel MariaMüller, C 2.— Freitag halb 3: Kind im Kampf, halb 8:Verkaüifte Braut, DI.— Samstag halb 8: Pellcas und Melisande. A 1. Spielplan der Kleine« Bühne. Heute, Donnerstag, halb'8 Uhr: Teddy contra T«dd. — Freitag 3: Im Londoner Nebel, 8: Ich kenn dich nicht mehr, Theatergemeinde des Kulturverbandes.— Sonntag 8 Uhr: Teddy eontraTeddy. Paula Wessely• in dem Film„Episode". Gebrochene Herzen Der Titel läßt einen traurigen Film vermuten, und obgleich dieses Hollywood-Produkt ein schmetterndes happy end hat, bestätigt sich die Vermutung leider in ungeahntem Umfange. Daß man stückchenweise Schubert, Tschaikowski und Brahms zu hören bekommt, tröstet nicht darüber hinweg, daß es sich hier geradezu um das Muster eines Kitschfilms handelt. Es ist die aste rührselige Geschichte vom berühmten Mann und dem unerfahrenen Mädchen, die selbander eine Liebesromanze und dann eine Ehetragödie veranstalten, bis schließlich das einst unerfahrene,/mn aber zur Gesellschaftsdame gereifte Mädchen sich des einst berühmten, nun aber dem Kummer und dem Whisky erlegenen Mannes erbarmt. Das Traurigste ist, daß die Hauptrolle dieses Films die junge Katherine Hephurn spielt, die wert wäre, von einem guten Regisseur zur Nachfolgerin der Garbo herangebildet zu werden— und die hier ein weinerlich fades Wesen verkörpern soll, eine Komponistin, die angeblich die Melancholie der Wolkenkratzer in Musik setzt, während sie nur den Zuschauer melancholisch stimmt,er mit ansehen muß, wie hier mit der stärksten Hoffnung des amerikanischen Films von einem Spielleiter(namens Philipp Moeller) Mißbrauch getrieben wird, der die Hepburn von einer Kußszene zur anderen und von einem Kleid ins andere hetzte. Ihr Partner ist Charles Boyer, der sich in dem Film»La Bataille" verblüffend in einen Japaner verwandelt hatte, aber hier vergeblich versucht, sich in einen Orchesterdirigenten zu verwandeln. Folios Bergere An diesem amerikanischen Film ist nichts problematisch außer der Frage, ob er als Revue, Operette oder Schwank anzusprechen ist, denn er hat zum Ueberfluß auch eine Handlung. Man tut ihm aber keinesfalls unrecht, wenn man ihn ein Ausstattungsstück ohne sonstigen Ehrgeiz nennt, ein großes Manöyer uniformierter Girl-Truppen, ein Potpourri von Schlagern und Scherzen, ein laufendes Band wechselnder Dekorationen. Der männliche Teil der Besucher wird dabei die exotische Engländerin mit dem Phantasienamen Merle Oberon als eine der schönsten Filmdamen unserer Zeit bewundern, während der weibliche Teil wiederum Gelegenheit hat, sich am Charme Maurice Chevaliers zu ergötzen. Der Kritiker schließt sich in diesem Falle den weiblichen Bewunderern an: er bewundert den braven Chevalier,’ der hier eine phantastisch nichtige Doppelrolle mit guter Laune zu Ende gespielt hat, um nachher entschlossen Hollywood den Rücken zu kehren,— ungefähr mit den Worten: Bis hierher und nicht weiter.—eis— „Königin Christine" kommt. Der nächste Großfilm der MGM, der in den Theatern„FLnix" und „Sucerna" zur Prager Uraufführung gelangt,,, ist ,^königinChristine" mit GretaGarbo in der Titelrolle. Ihr Partner fft John Gilbert, die Regie führte Rauben Mamoulian. „Hitlerjunge Quex" in Mexiko verboten. Der reichsdeuffche Film„Hitlerjunge Quex", welcher der mexikanischen Zensur unter dem Titel„Treu bis in den Tod" vorgelegt wurde und da? Leben eines Hitlerjunge» schildert, tvurde mit der Begründung verboten, daß er dem mexikanischen Volksempfinden nicht entspreche. 6. Kreis an die Front! Der Wettkampf ist unseren Turnern und Sportlern gelegen, diesmal rüsten die zwei stärfften Kreise des Atus zum edlen Wettstreit. Der Parole»Jeder Preis dem 5. Kreis" stellt der westböhmische Turnkreis die höchste Aktivität gegenüber. Der vergangene Sonntag brachte neben einem Kreisschachkurs in Falkenau bereits den ersten Funktionärappell. Im 1. Bezirk versammelten sich in Altrohlau 41 Atus-Funktionäre aus 19 Vereinen; zu ihnen sprach der Bundesvertreter Genösse Köhler über das 3. Bundesturn- fest. Leider haben noch immer sechs Turnverein« und sieben Sporwereine gefehlt. Die Bezirksleitung sowie die Gruppenleitungen wollen jedoch dafür sorgen, daß der 1. Bezirk restlos aftiviert wird und bis zum Bundesturnfest an der Spitze marschieren wird.-In der Neudeker Gruppe wurde bereits mit einer technischen Schulungsaktion begonnen, sieben Erzgebirgsvereine sind daran beteiligt. Auch in der Falkenauer Gruppe des 5. Turnbezirkes läuft seit vier Wochen ein technischer Schulungskurs; zirka 45 junge Borturner sind an diesem beteiligt. Diese langfristige Schulungsarbeit erwächst aus dem Bestreben der Vereine, aus eigener Kraft und sozusagen„kostenlos und frei- tmllig": Im 2. Bezirk fand Sonntag für die Gruppe Eg er ein Geländemarsch nach der Antonienhöhe bei Franzensbad statt. Trotz der schlitzten Witterung meldeten sich beim Bezirksturnwart Perlet die Vereine Eger, Franzensbäd, Sirmitz und HaSlau mit 70 Turnern und Turnerinnen. Zur Begrüßung sangen alle»Turner, auf zum Streite", die Vereinsturntoarte berichteten über die Durchführung des vom Bezirk borgeschriebenen Monatsprogramm, welches im Rahmen eines Schulungskurses für den ganzen Bezirk festgelegt wurde. Nachdem die Vereine neue Weisungen des Bezirksturnwartes entgegengenommen hatten, wurde mit Gesang, der Heimmarsch angetret;n. Nunmehr liegt auch der Abschlußbericht über die KurSaktion des Kreises für Leichtathletik und Turnspiele vor. Pie Beteiligung war folgende: 1. Bezirk in Fischern: 7'Vereine mit 20 Teilnehmern, 2. Bezirk in FranzenSbad: 8 Vereine mit 19 Teilnehmern, 3. Bezirk in Graslitz' 6 Vereine mit 19 Teilnehmern, 4. Bezirk in Nür- schan: 10 Vereine mit 25 Teilnehmern, 5. Bezirk in Falkenau: 9 Vereine mit 14 Teilnehmern; also insgesamt 40 Vereine mit 97 Teilnehmern. Durch diese Aktion hat sich der Kreis eine Reihe Leiter für Sport und Turnspiele geschaffen. Der Erfolg wird im Jahre 1936 sicher nicht ausbleiben. In allen Kursen wurde das Spiel Wolle y b a l l eingeführt, weiter die technische Kenntnis aller leichtathletischen Disziplinen gelehrt. Alle Serienspiele ausgetragen— trotz Regen! Die erste Fußballklasse Westböh- m« ns hat sich am vergangenen Sonntag als wetterfest erwiesen; all« Serienspiele der ersten Klaffe fanden statt. Nur in Altrohlau hat der Schiedsrichter, in der zweiten Halbzeit das Spiel abgebrochen; ein zweiter Spielabbruch, in Fischern, wurde jedoch nicht durch den Regen verschuldet. Die meisten Chancen für die Spitzenführung in der Herbstserie haben derzeit Maierhöfen und G r a s l i tz, auch der Atus Karlsbad hat sich gut vorgearheitet. FFK Falkenau hat durch seine hohe Niederlage in S ch a n k a u die große Chance vergeben. Schankau hält sich überraschend gut, ein Beweis, daß auch in den niederen Spielklassen gutes Material steckt. ASB N e u d e k muß sich nach gutem Anlauf von Graslitz und Fischern überspringen lassen. Reichenau unv Franzensbad bleiben mit je zwei Punften hintan; Franznsbad zehrt noch immer von seinem Sieg über den Kreismeister und Reichenau von jenem über Franzensbad, dem Bezwinger des KreiSmeisterS. Die Spielergebnisse waren: Sport- brüder Eibenberg gegen ASB Graslitz 3:8, ASB Schankau gegen FFK Falkenau 5:3, Atus'Franzensbad gegen Atus Karlsbad 1:2, ASV Maierhöfen gegen"»tuS Unterreichenau 6:2, AtuS Fischern gegen ASB Neudek 1:0, ASV Altrohlau gegen XK 71/XK /1Z Laufen diese Linien parallel? SO LEICHT LÄSST SICH DAS AUGE TÄUSCHEN! Ärger ist es aber, wenn sich Ihre Augen bei Verwendung von sogenannten„billigen" Lampen um Licht betrügen lassen. Verwenden Sie Elektra Lampen mitdem D in Ihrem Heim; solche Lampen geben das volle Licht bei geringem Stromverbrauch! ELEKTRA LAMPEN ELEKTRA LAMPEN MIT DEM D KENNT UND KAUFT EIN JEDER! Atus Drahowitz 4:0, ASB Graslitz gegen Atus Franzensbad 16:3, Rote Elf Chodau gegen ASK Eger 5:2. Die Tabelle nach dem 7. S onntag ASB Alttohlau. g g 6 4 2 0 10 21:9 ASV Maierhöfen H 6 5 0 1 10 21:10 Atus Karlsbad. g 6 4 1 1 9 10:7 Rote Elf Chodau g 6 4 1 1 9 14:14 ASB Graslitz. » g 5 4 0 1 8 88:12 ASB Schankau. ■ g 6 4 0 2 8 21:18 FFK Falkenau« ■ g 7 4 0 3 8 19:18 Atus Drahowitz. g 7 8 1 3 7 14:12 Atus Fischern, g 7 3 0 4 6 13:21 ASV Neudek.' ■ 7 2 1 4 5 12:19 AtuS Unterreichenau 7 1 0 6 2 11:28 Atus Franzensbad '7 1 Ö 6 2 10:22 Sportbr. Elbenberg 6 0 0 6 0 9:21 llus cter Härtel Bezirksorganisation Prag: Sibung der Bezirksvertretung. Dienstag, den 5. Rovemher, um 20 Uhr im Parteiheim, Närodni 4, Sitzung der Bezirksvertretung, bei der die Anwesenheit aller Mitglieder erwünscht ist. Vkrün&natfuAMtn Bezirksverem„Arbeiterfürsorge".* Er Wei* terteAusschußsihung, Donnerstag, den*1; Oktober, halb 8 Uhr abends, Parteiheim, NarodrN tr. 4.(Winterhilfsaktion.) K indcrfrcundc. Donnerstag, den 31. d. M- 19. Uhr im Parteiheim wichtige Ausschuß^ Sitzung. Katharine Hepburn in dem Film„Gebrochene Herzen" Bezugsbedingungen: Be» Zustellung ms Sans ove» be, Bezug durch die Post monatlich KL 16.—. vierteljährig KL 48.—, balbjähng KL 96— ganz;ährig KL 192.—.— Inserate werden laut Tarif billigst berechnet. Bei öfteren Einschaltungen Preisnachlaß.— Rückstellung von Manuskripten erfolgt nur bei Einsendung der Retourmarken.— Die Zeitungsfrankatur wurde von der Post- und Tele« graphendirettwn mit Erlaß Nr. 13.800/V1I/1930 bewilligt.— Druckerei:.OrbiS", Druck«, Verlags« und Zettungs-A.-G„ Prag.