A-zjMMMrL 1ENTRALORGAN DER DEUTSCHEN SOZIALDEMOKRATISCHEN ARBEITERPARTEI IN DER TSCHECHOSLOWAKISCHEN REPUBLIK ERSCHEIN1*MIT AUSNAHME DES MONTAG TÄGLICH FRÜH. Redaktion und Verwaltung frag xii., fochova«2. TELEFON sson. i Einzelpreis 70 HetlOT (•liuchliaBllch I Heller Porto) HERAUSGEBER« SIEGFRIED TAUB. CHEFREDAKTEUR« WILHSJA NIESSNER. VERANTWORTLICHER REDAKTEUR« DR. EMIL STRAUSS, PRAG. 15. Jahrgang Freitag, 1. November 1935 Nr. 254 Verhandlungen über Kabinett Hadia dauern an Hodta In LAny Prag. Die Verhandlungen über die Umbildung der Regierung dauern noch an. Neben sachlichen Einwendungen, über die wir bereits gestern berichtet haben, erhoben einzelne Koalitionsparteien auch DorsteUungen gegen de« formalen Vorgang, den die Agrarpartei bei der Ankündigung ihrer Abstchte« gewühlt hat. Aller Voraussicht nach dürfte die Vereinbarung über die Rekonstruktion der Regierung am Samstag oder längstens Montag getroffen werden. Länh. Der Präsident der Republik empfing Donnerstag, den 31. Oktober, in Läny den Minister Dr. Milan Hodza. Vom Kriegsschauplatz Zweitausend Todesopfer Addis Abeba. Meldungen aus amtlicher Quelle zufolge bereiten die Italiener eine große Offensive nördlich des Berges Mussa Ali vor. Sie wollen von hier aus durch die Wüste von Dana- k i l einen Angriff auf D e s s i e unternehmen,,wo sich das Hauptquartier der abessinischen Nord- Armee befindet. Nach anderer Auffassung soll es sich nur um eine Ablenkungsschlacht handeln. Trotz dem Einsatz von Kavallerie, Tanks und stärkeren Jnfanterieformationen fei aber der italienische Angriff wieder zurückgeworfen worden. Addis Abeba. Von derNovtzfront wird gemeldet, daß die italienrschen Truppe n in Stärke von 15.000 Mann langsam gegen die Brunnen von Asla vorrük- k e n, die jedoch von den Assaimeras versalzen wurden. Große Truppenbewegungen der Italiener werden auch aus der Gegend von Mengalle gemeldet, wo eine Straße zwischen Mont-Ali und Oddobo gebaut wurde. Die italienische Kavallerie ist bereits bisJmmunvor- gerückt. Nördlich von Mussa-Ali wird eine neue italienische Fliegerbasis angelegt. Von hier aus gehen die Erkundungsflügc der Italiener aus. Da große Mengen von Lasttransportwagen bereitgestellt sind, nimmt man an, daß die Flieger- nen a u ß r r g e w ö h n l i ch erhöhten Kriegsgewinnrn sehnt und daß es auch nicht wünscht, daß die Schlachten auf den Kriegsschauplätzen der G r w i n n t halber verlängert würden, welche eine verhältnismäßig kleine Zahl amerikanischer Bürger erreichen könnte." ' Die Erklärung des Präsidenten wird als ein kraftvoller Versuch angesehen, zu erreichen, daß die von dem amerikanischen Staatsdepartement empfohlene Politik, daß die Ausfuhr aus Amerika nach den kriegführenden Staaten nicht erhöht werde, freiwillig eingehalten wird. Sollte dieser Versuch Roosevelts mit einem Mißerfolg enden, dürfte der Präsident ein gesetzliches Verbot der Ausfuhr von Rohstoffen nach den kriegführenden Ländern erwägen. Amerika sehnt sich nicht nach Kriegsgewinnen Eine Erklärung Roosevelts Washington.(Reuter.) In einer vom Weißen Hause veröffentlichten Erklärung wird mitgeteilt, daß Präsident Roosevelt die amerika- Bon der Somalifront melden die Italiener Patrouillenunternehmungen von eingeborenen Truppen in die Gegend von Schiwale. Ein in der Nähe dieses Ortes liegendes abessinisches Fort wurde überraschend angegriffen und besetzt. Damit hätten die Italiener ein großes Hindernis auf dem Wege nach Gorahai beseitigt. Man setzt vor- aus, daß sie in dieser Richtung vorgehen und namentlich den Aufmarsch gegen G a w a h a s beschleunigen werden. Dieser Aufmarsch sei eine sehr wichtige Voraussetzung für die weitere Entwicklung der Kriegsoperatwnen. nischen Exporteure gewarnt hat, daß die Regierung sorgfältig alle für Italien und Abessinien bestimmten Sendungen überwachen wird. Die Regierung der Vereinigten Staaten sei entschlossen, sich n i ch t in den Konflikt verwickeln zu lasten. In jedem Falle könnten im Laufe des Krieges den Amerikanern„verführerische Gelegenheiten" geboten werden, Waren zu liefern, durch welche der Krieg verlängert würde. „Ich glaube» sagt Präsident Roosevelt, daß sich das amerikanische Volk nach k e i- Ministerpräsident Laval«nd der britische Minister Eden sind bereits in Genf eingetroffen, Sir Samuel Hoare wird für Freitag früh erwartet. Pariser Meldungen bestätigen, daß London und Paris dem Ministerpräsidenten Mussolini gemeinsam Friedensvorschläge unterbreiten werden, deren Hauptprinzipien den Gegenstand der letzten Unterredungen Lavals mit dem britischenund dem italienischen Botschafter bildeten. Laval informierte über diese auch den päpstlichen Nuntius «nd den Sowjetbotschafter. Die in den letzten Tagen gehegte Hoffnung in das Gelingen der Friedensverhandlungen ist in Paris unter dem Eindrücke der aus London «nd Rom eingelangten Berichte in erheblicher Weise gesunken. Optimistischer scheinen die Genfer Völkerbund-Kreise zu sein. Sie legen der bevorstehenden Zusammenkunft des Gesandten Mussolinis, Baron A l o i s i, mit Sir Hoare und Laval große Bedeutung bei und wagen sogar zu hoffen, daß es zu einer sowohl Abessinien als auch den Bölkerbund befriedigenden Lösung des ganzen Konfliktes früher kommen könne, als man dachte. Reben den diplomatischen Konferenzen, die sich«m den italienisch-abessinischen Konflikt drehen, bereitet Frankreich auf diplomatischem Wege auch die für den 2. Dezember nach London einberufene Marinekonfrrenz vor. In London weilt znr Zeit der französische Bize- admiral Decoux mit einigen Marineoffizieren, «m mit den leitenden Funktionären der britischen Admiralität eine Vereinbarung zu treffen. Vie Sanktionen In Genf beriet am Donnerstag der Achtzehner-Ausschuß, der mit der Koordination der Wirtschafts- und Finanz-Sanktionen betraut ist. Er stellte fest, daß 43 Staaten das Waffenembargo in Kraft setzten, 45 die Finanzsanktionen annahmen und 43 Staaten den Waren-Ein- «nd-Ausfuhrverboten zustimmten. Mit den Beratungen über die bereits bestätigten und eventuell teilweise schon bezahlten Bestellungen wurde der Wirtschaftsausschuß betraut.— Sobald dieser Ausschuß und der administrative und der Finanzausschuß ihre Aufgaben erledigt haben werden, wird die Sanktionskonferenz das I«krafttretender wirtschaftlichen Sanktionen fe st setzen. * Die„Großen" in Genf Gemeinsame Friedensvorschläge basis in der Dankali-Wüste voraussichtlich im Alalgaerra errichtet werden soll. Paris. Italienische Flugzeuge haben Donnerstag neuerlich Malaie bombardiert. Unbestätigte Meldungen besagen, daß die italienischen Vorhuten bis zu den Vorstädten Makales vorgedrungen sind. Der Hauptkern der italienischen Armee festigt seine Positionen imTaleFaras May. Dieses Tal hat eine große strate- gische Bedeut« n g, weil es einen raschen und leichten Transport der Truppen zum Flusse Takase ermöglicht. Außerdem ist dieser Kreis sehr fruchtbar. Seme Besetzung durch die Italiener würde den Abessiniern jede Verbindung mit dem Norden unmöglich machen. Inder Provinz Tigre führen die Abessinier, wie bw Kriegsberichterstatter der Havas-Agentur meldet, einen Guerilla- Krieg. Sie überfallen fast ununterbrochen, besonders in der Nacht, in kleineren Gruppen die Italiener und geben ihnen keinen■ Augenblick Ruhe. Insbesondere wurden mehrere italienische Genieabteilungen unweit von Adua überrascht. Die Abessinier töteten die Soldaten und vernichteten die von ihnen geleisteten Arbeiten. An der Ogaden-Front soll es unweit von Gorrahai(das nach italienischen Meldungen bereits erobert sein soll) zu kleinen Scharmützeln gekommen sein. Die Konzentrierung der abessinischen Truppen in Ogaden soll erst Sonntag beendet werden und es erscheint nicht ausgeschlossen, daß Wehib Pascha den Befehl zur Einleitung der Offensive Dienstag oder Mittwoch erteilen wird. Rückzug Italienischer Truppen Paris. Havas meldet aus Addis Abeba: Abessinischen Nachrichten zufolge haben sich die südlich von Muss« Ali besindlichen italienischen Abteilungen nach den ständigen Angriffen der abeffi- nischen Eingeborenen wieder nach Norden zurückgezogen. einer Sprengstofflager-Explosion in China Zehntausende Verwundete Schanghai. ZnLan-Tschou ist ein Sprengstofflager in die Luft geflogen. Wie verlautet, muß man mit etwa zweitausend Toten rechnen. Hunderte Personen wurden unter den Trümmern begraben. Rach weiteren Meldungen wurde eine etwa dreihundert Meter vom ün- glücksort entfernt liegende Misstonsstation, der eine Schule und ein Krankenhaus angegliedert find, zerstört. Diele Kranke wurden unter den Trümmern begraben. Fast alle Misfionüre und Schwester« trugen Verletzungen davon. Zn öffentlichen Anschlägen ist bekanntgegeben worden, daß„Kommunisten" die Urheber des Explosionsunglücks seien. Zn einem Umkreis von zwei Kilometern ist alles zerstört. Der Gouverneur der Provinz hat einen Tempel freigemacht, um die Zehntausende von Verwundeten unterzubringe«. Line fürchterliche Explosion auch in Japan Tokio. In SchiraHama auf der Halbinsel Boso, südwestlich von Tokio, ereignete sich in einem Speicher eine schwere Sauerstoff explosion. Achtzehn Arbeiter wurden getötet«nd 112 verletzt. Wenn vom Problem der Einheitsfront die Rede ist, so muß bedacht werden, daß noch vor kurzem die kommunistischen Parteien sich streng nach der ihnen von der Moskauer Zentrale erteilten Weisung richteten, in der Sozialdemokratie den Hauptfeind zu sehen, der vor allem niedergerungen werden müßte. Das war nicht etwa nur einmal erteilte Weisung, sie wurde vielmehr immer aufs neue den einzelnen Sektionen der KP in Erinnerung gerufen. Die Kommunisten mußten also, ob sie wollten oder nicht, die Sozialdemokratie noch mehr Haffen und schärfer bekämpfen als den Fascismus. Die Folgen sind nicht ausgeblieben, die kommunistische Partei hat durch ihren haßerfüllten Bruderkampf ein gerüttelt Maß Schuld an dem Erstarken der fasci- stischen Reaktion, in Deutschland an dem Siege des Fascismus zu tragen. Nicht um einer gerechtfertigten Verbitterung Ausdruck zu geben, oder um uns in Vorwürfen zu gefallen, sei das Verhalten der KP in Erinnerung gerufen. Lägen die Dinge heute grundlegend anders, wäre die Kommunistische Internationale endlich wirklich zu einer anderen Einstellung gegenüber der Sozialdemokratie gelangt und dächte sie ehrlich an die Herstellung einer wahrhaften Einheit der Arbeiterklasse, wären wir gerne bereit, unter die Vergangenheit einen Strich zu ziehen und zu vergessen, daß ihre Agenten uns fünfzehn Jahre lang als Verräter, So- zialfascisten, Lakaien und Hauptstützen der Bourgeoisie beschimpft haben, während sie selber wegen jedes Angriffes der sozialdemokratischen Presse gegen sie zum bürgerlichen Gericht liefen. Alles vergessen, was die KP in Haß und Verblendung der kämpfenden Arbeiterklasse durch Wühl- und Spaltungsarbeit an Schaden zugefügt hat— sehr wohl, aber nur dann, wenn die KP die Gewähr bietet, daß sie zu neuen, besseren Erkenntnissen gekommen ist und nicht mehr an der Zersetzung, sondern an der ideologischen und organisatorischen Einigung der Arbeiterbewegung zu wirken bereit ist. Besteht aber nun wenigstens ietzt nach dem siebenten Weltkongreß der Komintern diese Gewähr? Leider nicht im entferntesten! Auf dem siebenten Weltkongreß wurden einige Reden gehalten» die sich in Ton und Inhalt von dem in Kominternreden sonst üblichen Hetzeifer und Phrasenschwall wohltätig unterschieden und aus denen man auf eine ideologische und taktische Wendung hätte schließen können. Wenn Dimitroff an dem gedankenlosen Nachbeten längst überholter Parolen durch die KP scharfe Kritik übte und die Verteidigung jeden Fußbreits der demokratischen Errungenschaften, die die Arbeiterschaft durch einen jahrzehntelangen Kampf eroberte, in Aussicht stellt«, war man anzunehmen geneigt, die Komintern werde im Sinne Dimitroff die Losung an ihre Sektionen ausgeben, sich von den Fehlern und Versündigungen der Vergangenheit freizumachen und sich zur Verteidigung der demokratischen Reste„dort, wo sie noch bestehen, mit allen demokratischen Kräften zusam- menzuschließen".*Doch wer das glaubte, wurde grausam enttäuscht. . Immerhin gibt es manche, die aus dem Verlauf des siebenten Weltkongresses die Hoffnung schöpfen möchten, daß die Komintern die alten Geleise zu verlassen im Begriffe steht. Es gibt keinen Sozialdemokraten, der dies als Vorbedingung zur Herstellung einer wahrhaften Einheitsfront nicht freudigst begrüßen würde, aber leider beweisen die Beschlüsse des siebenten Weltkongresses, daß dieser Prozeß noch nicht annähernd so weit fortgeschritten ist, um daran ernste Hoffnungen knüpfen zu können. Die Entschließung des Kominternkongreffes zur Frage der Einheitsfront k l i n g t g a n z a n d e r§ als die ihrer Beschlußfassung vorangegangenen Reden Einzelner und genau betrachtet werden die kommunistischen Parteien durch diese Entschließung nur aufs neue damit beauftragt» die Einheitsfront als Schlagwort und als Mittel, an die sozialdemokratischen Arbeiter heranzukommen, um sie mit den bekannten demagogischen Lizitationskünsten einzufangen, zu verwenden. Nicht anders ist der Sinn der Entschließung zu deuten, bei allen gemeinsamen Aktionen das Trennende zu betonen, Kritik mn Reformismus, am Sozialdemokratismus zu üben und gleichzeitig die Arbeiter über die Grundsätze und das Programm des Kommunismus„geduldig aufzuklären". Der gemeinsame Kampf soll kurz gesagt darin bestehen, daß unsere Partei de« Seite 2 Freitag, 1. November 193k Nr. 254 Lavals Konflikt mit dem Finanzausschuß Paris. In dem dem Präsidenten der Republik gesandten Motivenbericht zu den neuen Regierungsdekreten, schreibt Ministerpräsident L a- val u. a., daß die Regierungsdekrete ein untrennbares Ganze darstellen und daß „in dem jetzigen entscheidenden Augenblick der Geschichte Frankreichs dieses Werk die Gegen- wart retten und die Zukunft vorbereiten könne". In ihren Referaten über die Verschärfung des Konfliktes zwischen der Regierung und den i parlamentarischen Finanzausschüssen, teilen die Blätter mit, daß der Ministerpräsident sofort nach seiner Rückkehr aus Genf im Finanzausschüsse ein neues Exposee erstatten und darauf drängen werde, daß dieser in der zweiten Lesung seine Beschlüsse, welche das finanzielle Gelingen der Regierungsdekrete ernstlich bedrohen, annulliere. Kommunisten die Gelegenheit verschafft, an die sozialdemokratischen Arbeiter heranzukommen, damit ihnen bester das Gift der Verdächtigung gegen Führung und Grundsätze der Partei eingeflößt werden kann. Die Moskauer Entschließung trägt auch den kommunistischen Parteien auf„vor den Masten den Sinn der demagogischen Argumente der rechten sozialdemokrafischen Führer gegen die Einheitsfront aufzudecken und den Kampf gegen den reaktionären Teil der Sozialdemokratie zu verstärken", wobei„engste Zusammenarbeit" mit den„linken" sozialdemokratischen Arbeitern. Funktionären und Organisationen empfohlen wird. Einheitsfront— gibt es wirklich Vertrauensselige, die nicht hlufigen Hohn in der Zumutung erblicken, auf solcher Basis eine Gemeinsamkeit der Kämpfe zum Schutze der Arbeiterklasse herbeiführen zu wollen? Ein so unehrliches Spiel würde den Gedanken der Einheitsfront unheilbar kompromittieren und durch Förderung der Spaltung bie Arbeiterschaft nur aufs neue schädigen. Wir müßten wirklich die Verräter an der Sache des Proletariats sein, als die uns die Kommunisten zu verleumden belieben, wenn wir dazu unsere Hand bieten wollten. Ist es den Kommunisten um die Herbeiführung efner gemeinsamen Kampffront zu tun, so haben sie es jederzeit in der Hand, sie zu verwirklichen, sie brauchen dann nur unsere konkreten Kampfziele zu unterstützen. Wie stellen sie sich denn s o n st eine Einheitsfront vor. Glauben sie denn, daß wir jemals um den fragwürdigen Preis gemeinsamer Aktionen, über deren Wert heute sehr gestritten werden könnte, eine Richtungsschwenkung vornehmen und unsere Grundüberzeugung über Ziel üüd Methoden so« zialistischew Kampfes Preisgeben werden? Das mögen sie sich gefälligst aus dem Kopfe schlagen. Das Liebeswerben um uns ist zur Zeit ein besonders hefttgeS. Die kommunistischen Führer werden damit ihr Ziel, neue Spaltung in unsere Reihen zu tragen, nicht erreichen, denn zu durchsichtig ist das Manöver. Man wird erst dann ihnen glauben, daß ihnen die Einheitsfrontparole mehr als ein takttscher Schachzug ist, wenn sie ihre Hetztätigkeit gegen unsere Partei einstellen, alles vermeiden, was der Einigung hinderlich ist und die Sicherheit bieten, daß es sich bei der Einheitsfront nicht nur um den Einbruch in fremdes Gebiet handelt. Kampfgefährte kann nicht fein, wer hinter dem Rücken den Dolch für den Kampfgenoffen bereit hält. 1 Der Lakai Verbekhoven Von Max Hochdorf I. Der alte König hatte feinen letzten Seufzer im Sommerpalais vor den Toren der Hauptstadt ausgehaucht. Würdig gestorben, obwohl die Aerzte mit Ausnahme des behandelnden Chirurgen behaupteten, jeder Bettler im Armenspital werde sorgsamer gepflegt, als die Majestät gewartet worden sei, gab der König kein Zeichen der Zufriedenheit oder deS Unwillens mehr von sich. Um den Katafalk flackerten die Kerzen. Kniende Nonnen, tief versunken in ihre Fürbitten, um dem Toten den Weg zur Seligkeit zu bereiten, ließen sich durch das Gehen und Kommen der Würdenttäger, der. Generale und Minister, der Senatoren und des Diplomatenkorps nicht von ihrer Andacht ablenken. Sie erhoben sich erst, bescheiden und gesenkten Kopfes, glaubensstark und erfüllt von der Heiligkeit ihres Amtes, als der Befehl zum Aufbruch erteilt wurde. Dann begann der Zug durch die Dezembernacht. Die umflorten Laternen warfen über Chaussee und Stadtstraße nur ein mattes, zaghaftes Dämmern. Die Gardeunteroffiziere, die schönen, mit gewaltigen Bärenmützen geschmückten Prunksoldaten, dienten der düsteren Zeremonie. Die dunkelroten Fackeln, die sie ttugen, durchschwirrten den kohligen Nebel wie Irrlichter. All dieses unbestimmte Geistern des Todeszuges wurde von Tausenden bekümmerten Augen angestaunt. Als wäre ein Fabeltier aufgestanden irgendwo, als schliche es leise durch die Finsternis, um nicht entdeckt zu werden, so war der Paradewagen des Toten anzusehen. Dahinter schritten die Notabel« fröstelnd und stumm. Das Totengeleite war bis zmn Stadtpalais SA-Sturm bei Nachtübung von Polizei überrascht Neunzehn Verhaftungen Dienstag Rächt wurde eine Truppe Jugendlicher auf dem Dreikreuzderg bei Karlsbad, die militärische Uebungen abhielt, von der Polizei überrascht und neunundzwanzig von den Burschen wurden sichergestellt. Es handelt sich fast durchgehends um Burschen unter achtzehn Jahren, die von zwei älteren Anführern kommandiert wurden. Neunzehn von den Burschen wurden verhaftet. Die Ausrüstung der jungen Leute war» von der Uniform angefangen, bis zu den Tornistern, Trommeln und nationalsozialistischen Liederbüchern, den Magazinen der reichsdeutschen DA entnommen. Es handelt sich offenbar um die Wie- deranfrichtung des seinerzeit verbotenen„Jungvölkischen Bundes", mit ftemder Hilft. Die Burschen gaben bereits zu, gruppenweise auch UebungSmärsche nach Deutschland gemacht zu haben. Da ich mich als Mitglied verpflichtet habe... Spät, aber keineswegs zu spät, um nicht noch allgemein gültige Feststellungen machen zu können, ist eine Postkarte folgenden Inhalts in unsere Hände gekommen: Werter Herr Grosser! Im Besitze Ihrer Karte, teile ich Ihnen mit, daß Sie mir wieder 15 Leute zum Hopfe» pflücken bringen können. Wenn es Ihnen möglich ist, möchten Die mft heuer lauter S. H. F.- Leute bringe«, da ich mich als Mitglied verpflichtet habe nur solche zu beschäfti gen. Wir sind sechs Mitglieder im Hause. Ich glaube es wird Ihnen schon möglich sein meinem Wunsche nachzukommen. Mit herzlichsten Grüssen Euch Allen Josef Klimt. Die Katte, die an einen Herrn Alfred Grosser in Meistersdorf bei Steinschönau gerich- tei ist, trägt den Poststempel Auscha.— Neu ist nicht das Bestreben, die„Volksgemeinschaft" dadurch zu verwirklichen, daß die BolkSgenoffen Unternehmer nur Henleingetteue beschäftigen. Wohl aber die Feststellung, daß sich Herr Klimt verpflichtet hat, nur S.HL.-Leute zu beschäf- tigenl Da es äußerst unwHrschttnlich ist, daß ihm allein eine solche Verpflichtung auferlegt wurde, dqrf wohl angenommen werden, daß sie ganz allgemein gilt.— Schwarze Listen sind nicht erlaubt. Das Gebot an die Unternehmer— eS braucht wahrlich kein schriftlich fixiertes zu sein!—, nur Henlein-Leute zu beschäftigen, macht Schwarze Listen nicht nur überflüssig, es ist auch viel wirksamer. Wer seine Gesinnung nicht verkauft— verkauft gegen die Erlaubnis, arbeiten zu dürfen—, wird zum Hungern verurteilt. Ist die Behauptung übertrieben, daß die Henlein-Pattei bereits einen Staat im Staate bildet, der so tyrannisch ist gegen seine Untertanen wie das Dtttte Reich? Du mutzt Nationalsozialist sein, wenn Du Arbeit haben willst— Du mußt Henlein-Mann sein, wenn Du Arbeit bekommen willst I Die Gleichschaltung ist vollzogen. Es scheint, daß keine Behörde etwas dagegen einzuwenden hat. betrlebsausschußwahlen der Wltkowitzer Werke Mährisch Ostrau. Donnerstag fanden die Wahlen in den Betriebsausschuß der Witkowitzer Eisenwerke statt. Die Zahl der Arbeiter der Eisenwerke ist gegenüber der letzten Wahl im Jahre 1833 von 9695 auf 11.521 gestiegen. Heute wurden 10.056 gültige Stimmen gegenüber 8675 Stimmen am 11. Oktober 1933 abgegeben. Die Wahlzahl betrug 478(das letztemal 434). Im Hinblick auf die größere Arbeiterzahl wurden heute 20 statt wie im Jahre 1933 19 Mitglieder des Betriebsausschusses gewählt. Es erhielten: Der Metallarbeiterverband(tschech. Sozialdemokraten) 4559 Stimmen und 9 Mandate(im Jahre 1933 3702 Stimmen und 9 Mandate); der Komotauer Verband(deutsche Sozialdemokraten) 467-Stimmen und 1 Mandat (510— 1); Metallarbeiter(tschechofl. Nationalsozialisten) 2096 Sfimmen und 4 Mandate (1749— 4); die christlichsozialen Metallarbeiter (Volkspartei) 283 Stimmen und 1 Mandat(sie erhielten ein Mandat infolge der zahlreichen Reststimmen und durch die Vereinigung mit der Kandidatenliste Curiks— bei der letzten Wahl 320, 1 Mandat); die Roten Gewerkschaften 1279 Stimmen und 3 Mandate(1088— 2); Nationale Vereinigung 771 Stimmt« und 1 Mandat (712— 1); die deutschen Christlichsozialen 594 Stimmen und 1 Mandat(früher die Deutschnationalen 460— 1 und die deutschen Christlichsozialen 77— 0); die tschfl. Christlichsozialen (Cütik) 52 Stimmen und kein Mandat(61 — 0). Kreisparteischule In Sternberg In der Zeit vom 26. bis 28. Oktober sand im Arbeiterheim in Sternberg eine Kreispartei- schule statt, die von insgesamt 54 Teilnehmern, darunter 14 Schülettnnen, besucht war. Genosse Dr. Strauß machte die Teilnehmer der Schule mit den wirtschaftlichen Weltproblemen der Gegenwart vertraut. Genosse Karl Kern behandelte die politische"Situation Europas" in'der Gegenwatt. Um den Genossinnen Gelegenheit zu geben, Frauenprobleme der Gegenwart und Zukunft auch einmal vor unseren Genossen und Verttauensmännern der Partei behandeln zu können, hatte der Kreisbildungsausschuß im Einvernehmen mit dem Frauenkreiskomitee Genossin Erna Haberzettel als Vortragende Aber da» Thema:„Frau und Sozialismus" gewonnen. Mit den Fragen der Organisation befaßte sich Genosse Ernst Paul. Die Schule kann als vollauf gelungen bezeichnet werden. ES war eine besonder» erfreuliche Erscheinung bei dieser Schule, zu beobachten, daß fast durchwegs jüngere Genossen und Genossinnen ausfallen Bezirken des Kreisgebietes an ihr teilnahmen. gelangt. Die Treuesten und Nächsten der Majestät luden den Sarg auf die Schullern. Die Riegel des Portal» wurden vorgeschoben. Die tausendköpfige Menge zog heimwärts. Der Sarg wurde nicht über die repräsentattve Haupttreppe hinaufgetragen, sondern auf einer gewundenen Schnek- kensttege. Das war ein Aufstieg, fast wie auf einer unbequemen Leiter. Dieser Zugang zum Palais diente gewöhnlich nur für den Bettehr der Lakaien. Mmr ließ sich aber keine Zeit zum Nachdenken darüber, warum man denn eigentlich einen solchen versteckten Weg gewähll hatte, um den Sarg zum Aufbahrungssaale zu befördern. WaS allein die Gemüter beschäftigte, das waren die Schmalheit und die Kürze des königlichen TotenlagerS. Denn die lebendige Majestät war doch sehr stattlich und hochgewachsen gewesen, in dieser Statur vollkommen von der Rasse ihrer Vorfahren. Jeder grübelte so vertieft diesem Rätsel deS Wesens Verwesen, von dem selbst die Mächtig- sten nicht verschont wurden, nach, daß er den Lakaien mit dem Löioenhaupt gar nicht beachtete. Die dicken Lippen, Lefzen, purpurrot und aufge- schwollen übereinander hängend, die Augen, die sich unter den wulstigen Lidern versteckten, da» vom kaffeebraunen Backenbart umrahmte Gesicht, die Sttrn hoch und schräg, von einer filzigen Mähne umschattet, all dieses Urwaldmäßige gab dem Manne das Aussehen eines auf den Hintertatzen aufrecht stehenden Tier». Und dieser Eindruck des Unförmigen ber- stärkte sich noch, da der Lykai Berbekhoven eingezwängt war in einen grellroten, langschößigen Frack, in prallanliegende Hosen, die in Weiße Eskarpins ausliefen, in Lackschuhe mit silbernen Spangen. Der Sarg war zum AufbahrungSraum gelangt. Das Trauergefolge zog sich zurück, mtt jener geduckten Schwerfälligkeit, die einen vom Schicksal geschlagenen Menschenschwarm stet» so hilflos erscheinen läßt. Berbekhoven allein wich nicht vom Platze. Er ließ sich auf den Stufen der Lakaientreppe nieder, stützte den Kopf in die Hände, wahre Pranken mit fleischigen Höhen und Tälern. In Finsternis eingehüllt, fühlte er das Unermeßliche seiner Gestalt nicht, aber daS Aufsteigen von Gedanken, die ihn schon die ganze Zett über beunruhigt hatten. Wie war seine Majestät elend gestorben, dachte er, wie kratzte die Garde der Hofleuft und Vasallen auS diesem Unglück jetzt schon daS künftige Glück und die blendende Karriere heraus! Sie alle schielten, bei allem WaS sie taten, nur auf den Thronfolger, sie schienen nicht betrübt aus ihrem Innersten, sie schienen nur besorgt um da» Wohlwollen deS jungen Monarchen. Er hätft eine Strohpuppe sein können, und sie würden auch bereit gewesen sein, sich ihm blindlings zu unterwerfen, nur deshalb, weil ihm eine Krone zugefallen war. Er aber, der Lakai mit dem Löwenhaupt, wand sich in schweren Sorgen. Die Zukunft, die er begrübelte, zeigte ihm keine freudigen Aussichten, keine beflügelnde Karriere. Er hatte die Seele des Verstorbenen Monarchen ganz und gar in sich ausgenommen. Auf die eigene Seele hatte er vollkommen verzichtet, damit sie dem König im unbedingftn Gehorsam gehöre. Und nun besaß er doch keine Seele mehr. In eine unbekannft Welt war sft entschwunden, zusammen mit dem Leib de» allen Königs. Und nun hatftn der Hofmarschall und der Sekretär des königlichen Haushalts gleich nach dem Verscheiden der Majestät den bewähtten Diener zu sich berufen, hatten sie ihm ihr besonderes Vertrauen ausgedrückt. Er sollte dem neuen Herrn ebenso attachiert werden, wie er es dem alten gewesen war. Er sollte für dft kleinen Dinge de» Tags ebenso rechte Hand und Gedächtnis sein, btt dem neuen Herrn, wie er es bei dem alten gewesen war. Berbekhoven wußte, daß er sich unentbehrlich gemacht hatte. In nichts fand sich der alte König zurecht, wenn der Lakai es ihm nicht zurecht gemacht hatte. Der Lakai hatte ihm die matettelle Existenz entmaterialisiert,, weil er ihm Dresdner Bevölkerung macht Krlegsfibungen nicht mit Berlin. In Dresden und Umgebung fand Mittwoch eine große BerdunkelungSübung statt, mtt der der Letter der llebung, Polizeimajor Melchiar nicht ganz zuftteden war, denn er stellte fest, daß die Mttarbeit der Bevöllerung noch sehr zu wünschen übrig läßt. ES sei erstaunlich, sagt er, daß es im Dtttte« Reiche noch immer Leute gibt, die nicht begreifen, um WaS es geht. Daher wird erwogen, eine ganze Nacht auf die ringe« schränkte Beleuchtung Lberzugehen und dies so lange zu wiederholen,obis die Disziplin herge- stellt ist. Freundschaftliche Stimme aus polen Am Sonntag und Montag fand in Warschau unter Beteiligung von etwa 500 Delegierten aus allen Gegenden Polens ein gesamtstaatlicher Kongreß des Verbandes der Dorfjugend Polens statt, der mit der Reichsvereinigung des Tschechoslowakischen Republikanischen Nachwuchses imBerbandeder slawischen Agrarjugend zusammengeschloffen ist. Der Verband zählt an 3000 örtliche Organisationen und 60.000 Mitglieder.—» Die Eröffnung des Kongresses, den der junge ehemalige Abgeordnete B. Babfki leitete, klang in eine mächtige Manifestation der pol« nisch-tschechoslowakischen Freund« s ch a f t, der Solidarität und der Zusammen« arbeit gegen den einzigen gemein« samen Feind— Deutschland— aus. Alle Redner und die vom Kongreß angenommene Entschließung sprachen sichKfür die Lösung der Mißverständnisse durch gegenseitiges Einvernehmen aus. Kein..Pilsner" mehr In Warschau Warschau. Die Leitung des Restaurateur« Verbandes in Warschau hat beschlossen, bis zur Wiederherstellung normaler Beziehungen zwi« scheu Polen und der Tschechoflowakei in den Warschauer Restaurants den Ausschank von Pilsner Bier einzustellen. Ei« neuer Nazi-Sender wird in der„bayrischen Ostmark" errichtet, angeblich„zur Verbesserung der Empfangsverhällniffe". In Wahrhett wird natürlich die Propaganda fürda» westliche B ö h m e n verstärkt. Von dem Ausbau der deutschen Sendung' der Tschechoslowakischen Republik ist eS dagegen wieder hübsch still geworden. 21 Millionen AL Znsatzkonttnzente für Frank' rttchexpette? Anläßlich der letzten in Patt» geführten Verhandlungen bekundete Frankreich Bereitschaft, die tschechosiowakifchen Einfuhrkontingente um 21 Millionen AL zu erhöhen, die sich auf 40 Positionen verteilen würden. Die für da« dritte Vierteljahr vorgesehene Menge würde dabei auf da» vierte Ouattal übertragen werden. Da« diesbezügliche Ueberein« kommen wurde zwar noch nicht unterzeichnet, doch kann eS bereits als Ausgangspunkt besserer Ausfuhrmöglichkeiten nach Frankreich betrachtet werden, über die zu Beginn deS nächsten Jahres aufs neue verhandelt werden wird. alle äußeren Schwierigkeiten aus dem Weg geschafft hqtft. Niemals hatte sich die Stirn deS alten Königs gerunzelt, weil irgend ein Gegenstand, ein Akt, ein Schlüssel, ein Kleidungsstück nicht rechtzeitig genug gegttffen werden konnte. Welche ungeheure Kunst dazu notwendig war, welche Selbstverleugnung, welche Menschenkenntnis und Konzenttterung auf die flüchtigsten Sttmmungen des Herrn, das wußte Berbekhoven allein. Er durfte sich als Meister der Lakaienschaft fühlen, als eine Ausnahmenatur, zu der es kein Gleiches auf der ganzen Welt gab. Stolz hatte er sich ost gesagt:„Er ist der Herr und ick der Diener. Aber könnte er der Herr sein, tvenn ich nicht der Diener wäre?" Ausgelöscht war der Herr, und ausgelöscht war der Diener. Verbek- hoven sah keine Möglichkttt mehr vor sich, um eine andere Seele zu gewinnen oder sich seiner alten wiederum zu bemächfigen, nachdem er sie vollkommen weggeschenkt halft, nachdem sie bis zum letzten Funken zerstoben war durch den Tod der Majestät. „Der Thronfolger wartet auf mich, aber nicht auf meine Hände, sondern auf meinen höheren Sinn, und ich besitze nur noch die stumpfen Werkzeuge, und sft sind gelämt." Das gestand Berbekhoven sich.„Wie soll ich das überwinden oder verbergen?" fragte er sich. Niemals würde es ihm mehr gelingen, sich mtt übettrdischem Instinkt dem neuen Herrn nützlich zu machen. Krank und zerfallen fühlft er sich. Er fühlte, daß ihm mit dem Tod der allen Majestät seine rätselhaft« Kraft der Hellsichfigkeit verlassen hatte. Oben im ersten Stock hämmerten jetzt die Handwerker. Sie waren dabei, dem Toten ein« feierliche Paradewohnung einzuttchftn. Der Lakai empötte sich, so kalt vollführten sft alles. Handwerk alles nur und kein Respekt vor dem Wichtigsten, vor der Kunst, die Seele in das Werk der Hände einzutauschen. Immer noch in Dunkel gehüllt, stieg Berbekhoven langsam die Lakaientreppe aufwättS. Er gelangte zum AufbahrungS- saal.^Fortsetzung folgt.),, Nr. 254 Freitag, 1. November 1935 Seile 3 Lin Volk sucht einen Ausweg Das sudetendeutsche Sozial* und Wirtschaftsproblem f.— Nur eine einseitige Betrachtung kann die Nöte«nd den Berfall des sudetendeutsche« Exportindustttalismns ausschließlich auf die Zerreißung des großen österreich-ungarischen Wirt schaftsgebietes zurückfnhren. Der schmale Grenzstreifen unseres Lcbensraumeö ist ans das innigste verflochten mit der gesamteuropäischen und der Weltwirtschaft. Der D o l l a r st« r z, die eng lischen und die amerikanischen Zollerhöhungen haben hier viele Tausende von Existen zen hingemäht. Die fapanische Konkurrenz in der Textil-, Glasschmuck-«nd Spiel- warenindustrie hat den Lebensnerv zahlreicher Betriebe und Werkstätten von Asch vis Gablonz getroffen. Sogar die Abwertung der Belga bringt Hunderte armer Handschnhnäherinnen im Bezirk Neudek in Gefahr, denn die Amerikaner kaufen die Handschuhe seither lieber in Belgien als im Erzgebirge. Eine der großen Gegebenheiten«nseren sozialen Daseins ist hie unmittel bare Nachbarschaft des deutschen Jndustriekolosses. Der aufblühende deutsche Kapitalismus hat mit magnetischer Kraft die überschüssige Menschenkraft vom Böhmer walde bis zum Adlergebirge hinüber angezogen. Auch in den„vierzehn Jahre« der Schmach" ist aus der Weimarer Republik viel Geld in unsere Kurorte, Grenzgasthänser und Fremdenver kehrsgebiete geflossen. Der Grenze entlang waren noch immer tausende sudetendeutscher Arbei ter in Deutschland beschäftigt. Ans dem Weipert-Preßnitzer Bezirk gingen noch im Jahre 1929 3238 Grenzläufer in die Fabriken Nachbarsachsens hinüber»nd trugen wöchentlich im Durch schnitt 560.000 Kronen an Löhnen heim. Run ist das sudetendeutsche Arbeitervolk mörderisch in der Zange. Der Zerfall der Welt wirtschaft, die Industrialisierung des Donauraumrs«nd Jnnerböhmens, sowie die A u t a r- kisierung Hitlerdentschlands untergraben gleichermaßen seine Existenzgrund lagen. Das braune Deutschland drosselt nicht nur den Grenzverkehr, eS hat bis ans geringe Ansnah- men die Grenzläufer ausgesperrt, ja es ist sogar bemüht— wie noch zu zeigen sein wird— ganze Zweige unserer Exportindustrien zu sich hinüberzuziehe«. Würden sich die sozialen Verhältnisse logisch im Denken abspiegel«, dann müßten in Deutsch böhmen die wütendsten Antifaskisten«nd die fanatischestenPanruropäer zuhause sein. Aus der drückenden Enge des Dasein- wächst aber riesengroß der Geist der Berneinung. Ein ganzes Volk ist in Bewegung geraten. Ein ganzes Bolk sucht verzweifelt nach einem Ausweg. Soll es feine Kräfte nicht im Kreislauf eineS ausweglosen Rationalismus verzehren, dann muß ein,, fanatischer Wille weiterkämpfen um p o s i t i i v e L ö s« n g e n, um die Behauptung«nd Erneuerung der Existenzgrundlagen unseres JndustrievolkeS. Aufbau oder Niedergang? Die Möglichkeiten und Voraussetzungen Ein Rundblick in den Grenzgebieten führt zurlleberzeugung: dieKriseunsererEx- portwirtschaft geht über das unentrinnbare Matz hinaus. Wenn unser Bürgertum seine wirtschaftliche Tätigkeit so zu organisieren verstünde, wie die Henleinpartei ihre Kundgebungen, dann wäre die sudetendeutsche Rot nicht so grotz. Bon Tachau bis Gablonz wütet die Schleuderkonkurrenz der grotzen und kleinen Exporteure gegeneinander, drückt die Preise und die Löhne und verdirbt noch die restlichen Absatzmärkte. Ein Schulbeispiel dafür ist die Schönbacher Erzeugung von Streich« und Zupfinstrumenten. Das Können der Arbeiter ist noch immer konkurrenzlos in der ganzen Welt. Der Absatz ist wohl durch Rundfunk und Tonfilm eingeschränkt und die Devisenschwierigkeiten mit einzelnen Ländern legen ihm weitere Hindernisse in den Weg, doch dort, wo noch Märkte offen sind, verschenken wir ohne Rot die Erzeugnisse unserer Qualitätsarbeit. Rach Amerika liefern wir eine Schönbacher Geige um XL 16.50 und der Zoll beträgt 64 Kronen. Den Heimarbeitern wird für ein Dutzend umschriebene Geigen-Korpusse 15 XL, für ein Dutzend eingelegter Korpusse XL 25 bezahlt. Das wäre ungefähr eine Wochenleistung. Die Heimarbeiter arbeiten aber 70 bis 96 Stunden in der Woche, um auf einen Lohn von 50(fünfzig) Kronen zu kommen. Bei einer durchschnittlichen Arbeitszeit von 40 Wochenstunden brauchte kein Schönbacher Instrumentenmacher arbeitslos sein. Dazu erklärt ein Bericht unserer Vertrauensmänner: »Schönbach hat keine Konkurrenz und eine nicht übertriebene Steigerung der Preise würde sich nicht dahin auswirken, dah das Ausland seinen Bedarf irgendwo anders decken könnte." So aber geht ein Teil dieser hochqualifizierten Arbeiter stempeln, Beerenpflücken oder Reisigklauben und der andere arbeitet pro Woche 12 Schichten um 50 Kronen. Neue Aufträge werden im Blitztempo ausgeführt, weil der Schleuderwettlauf der Händler und Exporteure den Weiterverkäufern die Notwendigkeit einer Lagerhaltung erspart. Es ist ein Jammer. Zureden Hilst gegen solchen entfesselten Egoismus gar nichts. Es mützte eine gesetzliche Regelung erfolgen. Die Handhabe wäre durch das Heimarbeiterschützgesetz gegeben. Seit vielen Jahren rufen schon die Schönbacher und auch die Graslitzer Instrumentenmacher nach der Errichtung einer Heimarbeiter,Kommission. Sie st>llte die Arbeitszeit und die Lieferungsbedingungen unter Strafsanktionen regeln. Die Sache wurde auch von sozialisttschen Ministern aufgegriffen und sehr energisch betrieben. Der Erfolg steht noch aus. Nun mutz man aber doch fragen: wer, zum Teufel, hat ein Interesse daran, datz diese Heimarbeiterkommission nicht errichtet wird? Wenn schon soviel von Exportförderung die Rede ist, dann mützte doch endlich der Exporwernichtung Einhalt geboten werden. Die Unternehmer sind unfähig dazu. Die Handelskammern als deren Werkzeuge ebenfalls. Das Lebensinteresse der bedrohten Arbeiterschaft mutz daher mitbestimmend in den noch zu schaffenden Organismus wirklicher Exportförderung eingeschaltet werden. Die Schönbacher Verhältnisse sind ein anklagendcS Beispiel, wie wenig bisher auf diesem Gebiete gemacht wurde und wie leicht an manchen Punkten Abhilfe zu schaffen wäre. ES fehlt bisher Lberhmlpt an einer organisierten, d. h. dezenttalisierten Exportförderung. Man kann nicht eine einfache Nachahmung der reichsdeutschen Dumpingmethoden empfehlen, aber so manche Industrien, die auf Tod und Leben kämpfen, bedürften einer besonderen Unterstützung. Ein Beispiel aus Roßbach. Die dorttge Erzeugung von Kunstwollteppichen steht einzig in der weiten Jndustriewelt da. 90 Prozent der Erzeugnisse müssen im Ausland untergebracht werden. Durch den Dollarsturz ist der amerikanische Markt verloren worden. Nach Jahren kam von drüben wieder ein Auftrag in der Höhe von einer Million Kronen. Der gestellte Preis ist aber so niedrig, datz sich der Unternehmer nicht heranwagt. Es wäre aber so ungemein wichtig, mit Amerika wieder ins Geschäft zu kommen. Das Defizit von einigen zehn« tausend,Kronen, das zu,decken gewesen wäre, entspricht keineswegs der Summe an Arbeitslosenunterstützung, die sonst vom Staate zu zahlen ist. Ein einfacher Steuernachlatz hätte dieses Verlustgeschäft und spätere Gewinngeschäst retten können. Vorläufig fehlen aber alle Voraussetzungen, den Exportkampf zielbewußt zu führen. * Deutschland aber lätzt kein Mittel unversucht, unseren Export an sich zu reitzen. Reichsdeutsche Firmen exportieren einen grotzen Teil unserer Schönbacher Erzeugnisse weiter. Sie beziehen im sogenannten„Veredelungsverkehr" unsere Fertigtvaren und sind durch die Ausnützung der reichsdeütschen Exportprämien dann auf dem Weltmarkt konkurrenzfähiger. Wenn nicht der sogenannte Judenboykott teilweise hemmend wirken würde, dann hätte Deutschland die Schönbacher Jnstrumentenausfuhr auf diesem Wege schon ganz an sich gerissen. In G r a s l i tz, dem Sitz der Blechinsttumenten-Erzeugung, geht es ähnlich zu. Wieder ist die Oualttätsleistung unserer Arbeiter unübertrefflich. Deutsche Firmen im benachbarten Grenzgebiet exportieren mit Hilfe der Scrips und Exportprämien die Graslitzer Saxophons und sonstigen hochwertigen Blechinstru« mente. Entweder werden die besten Arbeiter— soweit sie„politisch verlätzlich" sind— drüben eingestellt, oder es wird ihre Ware übernommen. Die Tendenz, den ganzen Industriezweig hinüberzuziehen, ist offenkundig. Was das im Zeitalter des Kompensationsverkehres bedeutet, braucht nicht auSgeführt zu werden. Was tun wir dagegen? Vorläufig gar nichts. Auf der ganzen Linie fehlt uns das unentbehrliche Instrument einer wirtschaftlichen und sozialen Verwaltung. Die Gewerbeinspektorate sind nur Notbehelfe, die den Bedürfnissen des vorigen Jahrhunderts entsprechen mochten. Für eine aktive und zielbewusste Jndustrieförderung ist keine Einrichtung da. Di-'überbürdete politische Verwaltung vermag an das eigentliche Problem nicht heranzukommen. Dort sitzen Juristen und Rechnungsbeamte, die in der Regel wohl schlichtend eingreifen oder auch nicht, sonst aber mit Wirtschaftsfragen nichts anzufangen wissen. Auch wo Ansätze einer wirtschaftlichen Verwaltung da sind, wie im Bergbau, ist von einem modernen Geist wenig zu spüren. In N e u s a t t l, Bezirk Elbogen, gibt es einige halbwilde Schächte» sogenannte Quetschen, die den Besitzern einen hübschen Gewinn abwerfen. Dott kennt man keine Gewerkschaft, keine Betriebsräte, keine Vertragslöhne, keine Deputatkohle. Dort wird voll gearbeitet, während die Schächte mit geordneten Löhnen drei Schichten pro Woche verfahren. Das Bergamt findet trotz aller Beschwerden keinen Gruick zum Eingreifen mft der Ausrede, datz durch die Behinderung dieser Form des Bergbaues die Arbeitslosigkeit noch vergrößert würde. Und durch das Gewährenlassen solcher Raubbaumethoden wird die Arbeitslosigkeit vielleicht verringert, die Volkswirtschaft etwa bereichert? Die Arbeiter reden angesichts solcher Vorgänge von japanischen Betriebsverhältnissen und mit Recht. Besondere Vorliebe für das japanische Beispiel scheinen jene Unternehmer zu haben, die begeistert zu Henlein stehen und in seiner Partei Funktionen bekleide» Von einem Bezirksfunktiollä- der SdP in Neu- sattl wird berichtet, datz in. seinem Betrieb eine Arbeiterin in 14 Tagen 30 Kronen verdient hat Es muß also doch ein Zustand des Massenirrsinns vorliegen, wenn solche Herren als Apostel der Volksgemeinschaft auftreten dürfen, ohne mit nassen Fetzen davongejagt zu werden. Sträfliche Unterlassung vom staallichen und nattonalen Standpunkte wäre es, diese gewissenlose Devastierung der Wirtschaft und der Sozialpolitik weiter zu dulden. Man darf nicht alle Unternehmer in den Henleinwpf werfen. Die Mehrzahl der Unternehmer führt jedoch einen frisch-fröhlichen Krieg gegen dir freien Gewerk« schäften und BettiebSräte, obwohl die organisierte Arbeiterschaft eine der letzten Kräfte repräsentiert, die zu einer Ordnung und Gesundung der Jndustrieverhältnisse— soweit dies im kapitalistischen Rahmen möglich ist— eingesetzt werden könnte. Darum noch einmal: wollen wir nicht fatalistisch auf automatische Krisenlösungen hoffen, dann mutz mit dem Aufbau einer Sozial« und Fndustrieverwaltung mit aller Beschleunigung begonnen werden. Die Lebensfragen unserer Exportgebiete sind nicht zentralistisch bürokratisch — sondern nur durch einen gesunden wirtschaftlich administrativen Regionalismus zu lösen. Wirtschaftlicher Regionalismns könnte in unseren Industriegebieten eine geeignete Plattform für das Zusmnmenwirken von Staatsförderung und Selbsthilfe sein. Die Schicksalsfragen unserer Wirtschaft können nicht länger den ha- P rag. Im Jmmunitätsausschuß des Abgeordnetenhauses wurde am Donnerstag eine Jmmunitätsangelegcnheit verhandelt, bei der allerhand Erbauliches über daS Borleben des SdP-Abge- ordneten Franz Hollube ans Tageslicht kam. Die Abgeordneten der SdP hatten rin Verfahren gegen den kommunistischen Abgeordneten Köhler beanttagt, weil er ihnen im Sitzungssaal des Parlamentes im Laufe einer Aus- rinandersetzung im Sommer d. I. zugerufen hatte, daß sie Lumpen«nd Berbrecher seien. Köhler verteidigte sich vor dem Ausschuß damit, datz er mit diesen Ausdrücken, die er zugab, nicht den ganzen Klub der SdP, sondern nur d e n A b g e o r d n e t e n Hollube gemeint habe, auf den er ausdrücklich mit dem Finger gezeigt habe. Köhler erklärte u. a., er habe die Aufmerksam« keit der ganzen Oeffentlichkeit auf Hollube lenken wollen, und zwar wegen folgender Tatsachen: Hollube sei ein wegen eines kriminellen Verbrechens,«nd zwar wegen Diebstahls vorbestrafter Mensch. Er wurde vom Schöffengericht Dortmund am 24. August 1922 wegen Diebstahls zu vier Monaten Gefängnis verurteilt; der Gerichtsakt trägt die Bezeichnung 8 a T'I 284/22. Die Strafkarte HollubeS erliegt bei der Staatsanwaltschaft in Lritmeritz. Hollube hat schon im Wahlkampf die Ber« utteilung nicht geleugnet, sondern lediglich erklärt, daß eS sich nur um ein politisches Verbrechen gehandelt habe. Er habe einen Heizkörper zum Zwecke des Barrikadenbaues gestohlen. 1922 hat eS aber, wie Köhler in seiner Verteidigung ausführte, in Deutschland keinerlei Barrikadenkämpfe gegeben. Die Teilnehmer an dem Aufstand in Mitteldeutschland vom März 1921 wurden noch im Laufs des JahreS 1921 abgeurteilt. Hätte eS sich tatsächlich um die Teilnahme an Barrikadenkämpfen gehandell, wäre Hollube sicher auch wegen Aufruhr und Landfriedensbruch verurteilt worden. Datz der Diebstahl aus nierigen und unehrenhaften Beweggründen erfolgt sei, gehe auch daraus hervor, datz sonst das Utteil nur auf eine Geldstrafe gelautet oder die Strafe im Strafregister bereits gelöscht wäre. Die Beschuldigung„L u m v" stützt Köhler aus die Tatsache, datz Hollube von einer politischen Partei zur anderen laufe. Er war bis zum Frühjahr 1983 Mitglied der kommunistischen Partei. Als er keine führende Funktion erhielt, kam eS zum Bruch. Da« mals erklärte Hollube auf Vorhaltungen, daß er bereits für die Hakenkreuz!« tätig sei, noch Folgendes: dernden Unternehmern und der Passivität der Bürokratie überlassen werden. Wäre das deutsche Bürgertum fähig, dem Arbeiter wahre Gleichberechtigung zuzuerkennen, dann könnte morgen ein egerländischer volkswirtschaftlicher Verband geschaffen werden, wie schon längst ein südböh- mischer Verband besteht und mit den Zentralstellen mustergültig zusammenarbeitet. ES geht ja nicht nur um die Erhaltung der noch vorhandenen Existenzmöglichkeiten, sondern um die noch weit schwierigere Frage des Wiederaufbaues der Jndustriefriedhöfe. Seit fünf Jahren ringen die Arbeiter von Rothau-Schindl« Wald um die Schaffung einer Ersatzindn- st r i e für die stillgelegten Eisenwerke. Bor der Zähigkeit, die unserer ftüherer Bürgermeister von Rothau, Genosse Baumgärtl, für die Erreichung dieses Zieles aufwendet, verblassen alle völkischen Heldengestalten. Das ist die wahre sudetendeutsche Aufgabe: die Rettung dec bisherigen, die Schaffung neuer Existenzgrundlagen. Aufbauarbeit in wirtschaftlichem und sozialem Sinne ist der einzige Ausweg aus der sudetendeutschcn Not. Sache des Staates ist es, dieser Aufbauarbeit einen breiten Spielraum und hilfteichen Beistand zu gewähren. Denn beide, der tschechoslowakische Staat und das sudetendeutsche Jndustrievolk sind mit schicksalhafter Verantwortung dafür belastet, ob sich die Verhältnisse in den Grenzgebieten zum Guten wenden oder in einer völligen sozialen Katastrophe münden. Franzbranntwein gegen Einwirkungen des rauhen Herbstwetters „Da kennt ihr den Hollube Franz schlecht. Zu so einer Mordgesellschaft, wie im Dritten Reiche, geh« ich nicht." Das hinderte ihn aber nicht, sich zunächst der deutschsozialen Partei anzubiedern. Als daraus nichts wurde, wandte sich Hollube der nationalsozialistischen Partei des Herrn Jung zu und begründete sei« nen Uebettritt in einem gezeichneten Arttkel der« „Volkswehr" vom 8. Juli 1933, der die Ueberschrift| „D a S Bekenntnis eines Arbei« ters" trug. Als die Jung-Partei aufgelöst wurde, vollzog Hollube einen neuerlichen Gesinnungswechsel, indem er sogar Abgeordneter der„staatstreuen" SdP wurde. Köhler schloss seine Anklage gegen Hollube mit der Feststellung, datz jede Pattei, die etwas auf sich halte, ein solches Mitglied wie Hollube aus ihren Reihen entfernen und schon gar nicht als ihren Bertteter ins Abgeordnetenhaus entsenden würde. Wegen der an und für sich unparlamentarischen Ausdrücke erhiett Kähler vom Ausschuß die obligate Rüge. Wer in Wirklichkeit als der Verurteilte dasteht, braucht wohl nicht erst ausdrücklich hervorgehoben zu werden. Hollube wurde übrigens vom Jmmunitäts- ausschuh in einer Ehrenbeleidigungsangelegenheit ausgeliefert, und zwar auf die Klage des kommunistischen Abgeordneten B e u e r hin, von dem Hollube in einer Versammlung behauptet hatte, er habe 120.000 X aus dem Mehlfonds für sich verwendet. In derselben Sitzung des Jmmunitätsaus- schusses erhielten die SdP-Abgeordneten Jungwirth und Jng. K ü n z l eine Rüge, weil sie den Landbündler Zierhut einen Denunzianten geheißen hatten. Der sozialpolitische Ausschuß wurde Donnerstag mit einer kurzen programmatischen Rede des Vorsitzenden Genossen Dr. Meißner über die Arbeit dieses Ausschusses eröffnet, worauf Abg. D u b i c k Y über die Regierungsverordnung der Steuererleichterungen bei HaNsreparaturen referierte. Zur Prüfung dieser als auch der Re« gierui^sverordnung zur Regelung der Einheitspreisgeschäfte wurde über Antrag des Genossen Abg. Klein je ein Subkomitee bestellt. Nach einem Referat des Abg. Genossen T a y e r I e über die Verlängerung der Wirksamkeit der Kollektivverträge wurde der Regierungsverordnung zugestimmt und eine Resolution angenommen, durch welche die Regierung aufgefordert wird, dem Parlament eine Gesetzesvorlage zur dauernden Regelung der Kollektivverträge vorzulegen. SdP-Abgeordneter mit krimineller Vergangenheit Schwere Anschuldigungen Im ImmunltStsausschuB gegen Abg. Hollube Seite£ Freitag, 1. November 1935 Nr. 25t Die Achilles-Ferse Gewerkschaften fördern Sanktionen Paris. Donnerstag abends trat das Präsidium des allgewerkschaftlichen Arbeitsverbandes zusammen, um sich infolge des kürzlichen Brüsseler Beschlusses der Allgewerkschaftsinternationale mit den Maßnahmen zu befassen, welche die gewerkschaftlich organisierte französische Arbeiterschaft bei der Durchführung der finanziellen und wirtschaftlichen Sanktionen in Italien treffen wird. Die Mitarbeit der französischen Arbeiterschaft an diesen Sanktionen wurde bereits im Grundsatz beschlossen und die heutige Sitzung hat nur die Aufgabe, über die praktischen Maßnah- men zu entscheiden, bei welchen die Arbeiterorganisationen z. B. in den Waffenfabriken, in den Häfen, auf Schiffen und ähnl. praktisch teilnehmen und die Einhaltung der Sanktionsmaßnahmen kontrollieren können. Enslandhetze in Rom Rom. Donnerstag abends kam es erneut zu englandfeindlichen Kundgebungen. Studenten zogen durch die Straßen und fahndeten nach englischen Produkten und Inschriften. Sie drangen in ein in der Hauptstadt Roms gelegenes Kaffeehaus ein, in dem englische Backwaren und Getränke erhältlich sind und verlangten stürmisch, daß sämtliche englische Waren aus den Fensterauslagen entfernt würdem Es kam zu kleinen Reibereien mit dem Geschäftspersonal, das jedoch schließlich dem Wunsche der Studenten nachgab. „Eine Gefahr für die menschliche Rasse" Londoner Massenkundgebung gegen Hitler Am vergangenen Sonntag veranstaltete das f(in New Uork gegründete) überparteiliche Anti- Nazi-Komitee im Londoner Hyde-Park eine Massenkundgebung für den Boykott gegen Hitler- Deutschland, die so stark besucht war, daß von sechs Tribünen aus Redner zu den Versammelten sprechen mutzten. Unter den Rednern, die allen in England vertretenen Religionen und Parteien angehörten, befand sich auch der neue Führer der Labour-Party, Major A t t l e e. Er erklärte:„Unser Kampf richtet sich nicht gegen das deutsche Voll, sondern gegen ein System, das die ganze Menschheit bedroht". Unter grotzem Beifall wurde am Ende der Kundgebung eine Entschließung verlesen, die feststellt, datz die Nazi-Bewegung eine Gefahr für die menschliche Rasse, das Recht und den Fortschritt ist, und die dazu auffordert, den Kauf reichsdeutsch er Waren und den G e- schäftsvprkehr mit reichsdeutschen Firmen solange zu u n t e r l a s s e n, bis in Deutschland die Bürgerrechte und die politische Freiheit wiederhergestellt seien. Goeddelr auf dem Rückruz vor den 11.000 jüdischen Gefallenen Berlin. Das Deutsche Nachrichtenbüro meldet: In ausländischen Blättern sind Meldungen verbreitet, denen zufolge das Propagandamini- steriuin seine Nachgeordneten Dienststellen angewiesen habe, die Namen im Kriege gefallener Juden von Kriegsdenkmälern und Gedenktafeln zu entfernen. Gegenüber diesen Meldungen wird amtlich festgestellt, datz eine solche Anweisung nicht ergangen ist.—- Auch Abessinien mufi bar bezahlen Bauunglück in Prag Sin Toter, zwei Schwerverletzte Prag. Im Hofe des Hauses 247 in der Stefänikova trida in Smtchov ereignete sich Donnerstag um 20 Uhr bei dem Untergraben einer alten Mauer ein Unglück, das ein Menschenleben forderte. Durch das herabstürzende Mauerwerk wurden zwei Arbeiter schwer verletzt. Der Maurer Franz Späla aus Smichov hat schwere innere Verletzungen, der Maurer Franz Major aus Suchdol einen Bruch des linken Schlüsselbeines erlitten. Der Arbeiter Josef Chalupa aus Praskov konnte nach 35 Minuten von der Feuerwehr und den bei dem Bau beschäftigten Arbeitern nurmehr tot aus den Trümmern geborgen werden. Vom Propeller getötet Olmütz. Auf dem Olmützer Flugplätze wurde gestern um 9 Uhr vormittags durch eine Flugmaschine, die zum Start anfuhr, der längerdienende Zugsführer Fr. Doko« pil getötet. Der am Volant der Maschine sitzende Pilot, der längerdienende Zugsfiihrer Karel Kuba, sah Dokoupil nicht, der beim Anfahren des Flugzeuges durch den Propeller in den Rük- keu getroffen und auf der Stelle getütet wurde. Den Vorfall untersucht eine Kommission in Anwesenheit des Militärprokurators. Tod im Schacht Brüx. In der Nacht zum Donnerstag wurde der 30jährige, im Kohinoor-Schacht in Bruch beschäftigte Bergmann Joses Jungwirt aus Bruch im Schachte tot aufgefunden. Er war mit der Gummiband-Transportanlage betraut und hatte das Luftventil zu öffnen, bzw. zu schlietzen. Vermutlich wollte er das Transportgetriebe genauer beobachten, kam entgegen der ergangenen Weisung zu nahe, wurde von dem Getriebe erfaßt und zwischen Rolle und Gummiband gezogen, wobei ihm dieSchädel- deckeeingedrücktwurde. Jungwirt hinterläßt eine Witwe und ein fünfjähriges Kind. Weshalb? Danzig. In einer der belebtesten Straßen in der Nähe des Bahnhofs kam es Donnerstag mittags zu einer Schießerei zwischen fünf Italienern. Es wurden dabei zwei Italiener schwer verletzt, die auf dem Wege ins Krankenhaus st a r b e n. Einu n o e t’e k l i g t e t' Pa ssant wurde mit einem Bauchschuß ins Krankenhaus eingeliefert. Die anderen drei Italiener wurden verhaftet. Zehntausend Obdachlose Tegnripalpa. Infolge des Hurikans, von dem Honduras in den letzten Tagen heimgesucht wurde, sind 10.000 Personen obdachlos geworden. Die Ansiedlung Cape Gracias o Dios wurde vollkommen zerstört. Man nimmt an, daß das Unwetter wenig Menschenleben gefordert hat. Eine geheimePetroleumleitung? Buenos Aires. Aufsehenerregende Gerüchte über das Bestehen einer geheimen Rohrleitung zum Transport von Erdöl an der argentinischbolivianischen Grenze haben eine gewisse Bestätigung dadurch erfahren, daß der Präsident der Republik die staatlichen argentinischen Petroleumbetriebe mit der Durchführung einer eingehenden Untersuchung beauftragt hat. Nach den vorliegenden Meldungen soll diese geheime Erdölleitung der Standard Oil Company gehören und von den bolivianischen Petroleumgebieten nach der argentinischen Grenzprovinz führen. Erdöl in der Arktis Leningrad. Die Expedition der Hauptverwaltung des Nördlichen Seeweges, die im Laufe von 20 Monaten die erdölführenden Plätze zwischen dem 74. und 77. Grad nördlicher Breite erforscht hat, ist nach Leningrad zurückgekehrt. Im Bereiche der Halbinsel T a i m y r hat die Expedition Versuchsbohrungen angestellt und ermittelt, daß sich Erdöl auf einem gewaltigen Territorium zwischen der Lena und dem I e n i s s e j befindet und daß der Lena- Taimyrbezirk zu einer wichtigen Erdölbasis in der Arktis werden kann. Flugzeuge zur Rettung von Erdbebenopfern ter der Leitung von erfahrenen Piloten unternahmen mehrere Flugzeuge täglich je zwei Fahrten nach Towil-Dora. Mit Hilfe der Flugzeuge wurden schleunigst Aerzte, Arzneimittel, ferner Nahrungsmittel, Kleider und Zelte, sowie technische Mittel für die Herstellung der unterbrochenen Telephonverbindung in das Crdbebengebiet befördert. Die regelmäßigen Fahrten wurden unter den schwierigen Verhältnissen des unbeständigen Herbstwetters, über gewalttgen Berggipfeln und unwegsamen Felsschluchten ausgeführt. Ein Abschnitt der Fluglinie führte gleichsam durch eine gewaüige Röhre, durch eine Gebirgsschlucht, die oben mit dichten Wolken bedeckt war. Die Sowjetflieger haben ihre überaus schwierigen und langen Fahrten meisterhaft durchgeführt und den Erdbebenopfern des Bergbezirkes schleunige Hilfe zuteil werden lassen. Sechzehnjähriger Mörder Wien. Der Raubmord an der Tabaktrafikantin Valerie von Hofer hat bereits seine Aufklärung gefunden. Der 16jährige Sohn der Hausbesorgerin des Hauses, in dem die Trafikantin wohnte, Alfred Eisen, hat nach langanhaltenden Verhören das Geständnis abgelegt, die Hofer mit dem am Tatort gefundenen blutbefleckten Hammer ermordet zu haben. Flugzeug mit Automotor Moskau. Auf dem Flugplätze in Gorki wurde ein neues zweisitziges Flugzeug ausprobiert, das mit einem Automobilmotor ausgestattet ist, der mit gewöhnlichem Autobenzin arbeitet. Das Flugzeug hielt sich vierStunden in der Luft, entwickelte eine Geschwindigkeit von 120 Stundenkilometern und verbrauchte um die Hälfte weniger Benzin als ein Flugzeug mit einem Flugzeugmotor. Fünf italienische Militärflieger getötet Rom. Ein italienisches Militär-. Flugzeug, das von Pola aus zu einem Versuchsfluge gestartet war, ist abgestürzt. Van den sechs Militärfliegern, die die Besatzung de^lug- zeuges bildeten, wurden fünf getötet. Die Verrechnung des Getreides der landwirtschaftlichen Arbeiterschaft Böhmens. Das Landes-Zentral-Arbeitsamt gibt bekannt: Im Sinne des 8 7, HI. 2. Absatz der„Richtlinien" werden für die Verrechnung des Vertragsgetreides bei dessen Abverkauf oder Reluie- ren, sofern der Marktpreis als Grundlage dient, als Marktpreise die im Sinne des 8 22 der Re- gierüngsverordnung vom 13. Juli 1934, Nr. 137 S. d. G. u. V. kundgemachten Uebernahmspreise betrachtet..Für den Monat November 1938 betragen diese Pteise für 100 Kilogramm beim Weizen XL 167;—, beim Korn XL 128.—, bei der Gerste XL 129.50. Notlandung eines tschechischen Fliegers in Deutschland. In den Morgenstunden des Donnerstag flog vom Prager Flugplätze in Kbely, der Pilotschüler Jurkuläk auf dem Flugzeuge »OK—LAF Prag«— Baby" in nordwestlicher Richtung von Prag ab. Gegen Abend traf in Prag die Meldung ein, daß JUrkuläk im Gebiet der sächsischen Gemeinde Zschopau bei Chemnitz notgelandet ist. Mord in Graz. Die 51jährige Baumeistersgattin Marie Flohr wurde heute abends in ihrer Wohnung ermordet aufgefunden. Die Leiche wies am Halse Würgespuren und eine mit einem Messer, geführte Stichwunde an der Halsschlagader auf. Polittsche Amnestie in Albanien. Das albanische Prkßbureau teilt mit, daß der Ministerrat beschlossen habe, sämtliche politischen Gefangenen aus der Haft zu entlassen. Die Filmschauspielerin Pola Negri mußte schleunigst von der Riviera an die Klinik in Paris gebracht werden, wo sie Mittwoch operiert wurde. Der spanische Dampfer„Zabalbide" geriet bei der Einfahrt in die Dockanlagen vop Garston (Lancashire) in Brand und wurde beinahe vollständig vernichtet. Das Schiff hatte eine Ladung von Esparto-Gras an Bord. S^ie Besatzung konnte rechtzeitig an Land gebracht werden. Die deutschen Wurstfabriken ohne Rohstoffe. Die„Prager Presse" meldet aus Berlin: Die Knapphett an Schweinefleisch hat bereits solche Formen angenommen, daß die beiden großen Berliner Wurstfabriken Ziegler und Heiber ihre Betriebe schließen mußten. Auch aus der Provinz werden zahlreiche Schließungen von Wurstfabriken gemeldet. 11. a. hat die Wurstfabrik Rügenwalde, die zu den bedeutendsten Deutschlands gehört und die sogenannte „Teewurst" fabriziert, ihre Tätigkeit einstellen müssen. In den letzten Tagen sind die Preise für mehrere Wurstarte:. wiederum u m 10 P r o- z e n t gestiegen. Man rechnet in Fleischerkreisen noch mit weiteren Preiserhöhungen. Verschüttet. In der Nähe von Nowosibirsk ereignete sich ein Erdrutsch, durch den die Wohnbaracke eines Fabrikwächters verschüttet wurde. Von den sieben Verschütteten wurden vier Personen nur noch als Leichen geborgen. Die drei übrigen sind schwer verletzt. 8. Aus Moskau wird gemeldet: Am Oktober ereignete sich in einem fernen Bergbezirk von Tadschikistan, im Kreise Towil-Dora» eine Erdbebenkatastrophe, die die Bildung einer Gebirgsfalte und den Einsturz der Ufer des Gebirgsflusses Obi-Chingu zur Folge hatte. Durch y Em Tornado. In Izmir(früher Smyrna) das Erdbeben wurden 107 Personen ge- wütete mehrere Stünden hindurch ein mit Regen London. Es verlautet, daß in London J>e- terventionen vorgenommen wurden, um eine Fi nanzierung des Einkaufes von Waffen für Abes sinien zu erreichen. Die Verhandlungen sollen D d_ w r jedoch großen Schwierigkeiten begegnen, da die j t ö t e t und 360 verwundet. Sofort nach' und Hagelschlag verbundener heftiger Tornado. Der Waffenfabrikanten 25 Prozent des Preises be:, dem Eintreffen der Meldungen über die Kata-! Verkehr wurde für längere Zeit lahmgelegt, und Aufgabe der Bestellung und die Bezahlung deS.strophe wurde zwischen der Hauptstadt von Tad-! einige Stadtteile gerieten unter Wasser. Durch Restes vor der Verladung der Waffen auf dieifchikistan, Stalinabad, und dem Erdbebenbezirk, Blitzschlag wurden in einer Mühle fünf AMffe fordern. sine regelmäßige Flugverbindung hergetzellt. Un- Personen getötet« Ziehung der Klassenlotterie Unverbindlich. Prag. Bei der Donnerstag-Ziehung der Klossm- lottette wurden nachfolgende Gewinne gezogene 800.000 K8: 6727. 90.000 Kö: 60977. 70.000 K6: 72386. 50.000 K6: 52662 10.000 K<5 4586 50075 37934 108553. 5000 K5: 77625 31793 85476 18390 64008 94402 81375 84981 100852 36194 74553 31416 41674 275 13915 8945 56642 88484 33927 481 18141. 2000 Kö: 97846 72504 24122 67655 33425 104832 82549 23927 68111 91478 16390 46166 3848 95750 30324 47513 79560 55908 109573 83226 31994 71473 16014 81070 86035 71431 35903 66642 104914 27864 93080 70556 27608 97842 36901 28698 23833 98924 5889 106072 74176 26006 87347 13662 29618 4742 30644 27175 57294 21072 90128 49065 9438 79432 102818 45494 65883 95629 71694 66141 29705 87985 3376 103722 18964 11538 13985 101612 104308 26991 50335 19147 50872. 1200 K£: 14969 92399 46045 73172 105594 39813 84807 82682 46078 31557 4803 21798 11413 18097 67290 88590 7145 4200 48708 70201 102304 104885 23862 18456 56358 12296 34264 108581 87178 74533 52665 10184 94054 77613 71586 76628 108444 101459 86370 50739 94265 7369 90451 199719'6795 10771 43922 56556 17887 34940 42827 94008 84721 12080 17690 68728 16693 28244 17406 50414 20883 85872 95872 106691 75172 72083 35824 60366 104300 73300 97416 42124 79782 1034 79011 48700 105548 109199 32196 92137 102607 5830 49102 16347 31427 106720 69060 70419 88009 46894 37477 94816 84818 44431 26841 103338 3577 105209 46400 49696 82716 89186 15248 92792 71576 87654 13842 44537 49152 14120 40742 29407 91828 14944 15861 56092 94129 81093 13786 61958 66791 30537 16228 78561 90721 20914 13073 95591 58205 37549 104030 37215 99463 26771 40434 108083 5225 2323 14631 13032 31951 58715 98915 52692 41416 65230 26045 85803 31077. Die Zusammenstellung des Eisenfahrplanes erfordert jedes Jahr eine mehrmonatige emsige Arbeit. Die Bahnverwaltung ist hiebei stets von dem Bestteben geleitet, den Fahrplan nicht nur allein zweckdienlich und wirtschaftlich weiter auszubauen, sondern auch den Wünschen und Bedürfnissen des reisenden Publikums bestmöglich zu entsprechen. Die Handels- und Gewerbekammer in Prag und Reichenberg und das Handelsgremium in Königgrätz berufen auch im heurigdn Jahre derartige Fahrplanberatungen ein und da die Vorarbeiten für den neuen mit 18. Mai 1936 in Kraft tretenden Fahrplan bereits im Flusie sind, erfolgen schon im kommenden Monat November diese Konferenzen unter Beteiligung der Fahrplanreferenten» welche sich hiebei bereitwilligst für jedwelche Aufklärung zur Verfügung stellen. Jene, welche an diesen Beratungen nicht teilnehmen können, werden ersucht, schon jetzt ihre Wünsche den genannten Handelskammern schriftlich bis spätestens Ende November bekannt zu geben. Anttäge, welche eine Besserung des Fahrplanes versprechen und deren Durchführung möglich ist, werden willkommen geheißen. Die Staatsprüfungen für das Lehramt der Musik und des Gesanges an Lehrerbildungsanstalten und für das Lehramt des Gesanges an Mittelschulen(laut Erlaß vom 3. April 1928, Zahl 6550—II) finden am 17. und 18. Dezember 1935 l. I. statt. Anmeldungen sind bis zum 11. November 1935 an obengenannte Kommiffion, Prag II., Vratislavova 23, zu richten. Ein Brand von Lagerhäusern im Hafen von Dublin hat schweren Schaden angerichtet. Alle Feuerwehrzüge der Stadt nahmen an der Bekämpfung des Feuers teil. Das Wetter. Aus Südwesteuropa wurde Donnerstag unseren Gegenden wärmere Luft zugeführt. In Südftankreich wurden nachmittags rund 20 Grad Celsius verzeichnet; bei uns bettug die Temperatur um 14 Uhr vielfach plus 12 bis 15 Grad und bloß im Gebiete der Karpathen ist es noch relativ kühl geblieben. Das Druckhoch, welches sich Donnerstag über der Ballanhalbinsel ausgebildet hat, verhindert vorderhand ein rasches Vordringen der Ausläufer einer tiefen atlantischen Depression gegen das Binnenland. Infolgedessen war der allgemeine Wettercharakter bei uns am Donnerstag ziemlich günstig. Gegen Wochenende muß jedoch mit einer neuen Abkühlung und Wetterverschlechterung von Nordwesten her gerechnet werden.— Wahrscheinliches Wetter von heute: Im Westen der Republik: Etwas unbeständig, aber nur vereinzelt ein wenig Regen, verhältnismäßig warm, Südwestwind. Auf den Bergen später wieder kühler werdend. Im übrigen Staatsgebiet: Wechselnd bewölkt, tagsüber ziemlich warm.— Wetteraussichten für S a m s t a g: Veränderlich mit Schauern, kühler, West- bis Nordwestwind. Vom Rundfunk tapfehlenswertes aus dwi Programmen! SamStag Prag, Sender L.: 10.05: Deutsche Presse. 11.05: Salonorchesterkonzert. 12.10: Ouvertüren aus Schallplatten- 16.50: Rundfunk für die Jugend. 17.55: Deutsche Sendung: Dr Moucha: Im Herbst des Lebens, mit Rezitationen. 18.20: Volksliederfolge. 22.15 Schallplatten.— Sender S.: 7.30: Leichte Musik. 14.10: Deutsche Sendung: Kompo- sitionen von Simbringer. 18.00: Leichte Musik.— Brünn: 17.40: Deutsche Sendung: Herbst und Allerseelen im Liede.—, Mähr. Ostrau: 12.35: Orchesterkonzert. Nr. 254 Freitag 1. November 1935 Seite 5 Der Weiße GebirgsbLr Kalkutta. Kapitän BrocklehurtS hat ein seltsames Jagdglück gehabt. Allerdings hat er nicht gescheut, 40.000 Kilometer zurückzulegen, um in den Gebirgen zwischen China und Tibet dem seltensten Tier der Welt nachzuspüren. Es ist dies ein Weitzer Bär mit schwarzen Flecken, der„Panda" heitzt und den zu erlegen bisher kaum jemand gelang. Das Tier ist grötzer und stärker als der Braunbär. Sein Fell wird nach London transportiert werden, wo der Bär ausgestopft im Britischen Museum zu sehen sein wird. Haifische und der italienisch-abessinische Krieg Belgrad. Der italienisch-abessinische Krieg hat ganz unvermutete Folgen, unter denen die Fischer an der jugoslawischen Seite der Adria zu leiden haben lvermutlich wird es auf der italienischen Seite nicht viel anders sein). Im Mittelmeer sind, wie man Weitz, im Augenblick zahlreiche Kriegsschiffe konzentriert, die zum Teil aus fernen Ozeanen hergeeilt find. Nun Weitz man aus alter Erfahrung, datz Haifische gerne Kriegsschiffen folgen. Es ist zwar nicht wahr, datz das Mittelmehr jetzt von Haifischen wimmelt, wie manche Berichterstatter melden. Immerhin steht fest, datz Haie in Gegenden aufgetaucht sind, wo sie bisher unbekannt waren, so zum Beispiel an den Küsten der Adria. Und zwar nicht die kleinen Katzenhaie, die eS immer gab, sondern grotze Raubfische, die sich in den Netzen der Fischer verfangen, allerdings mit ihren Riesenkräften diese zerreitzen, so datz die Fischer weder Haie noch ihre gewöhnliche Beute fangen können. Man hat in den letzten Tagen ein Ansteigen der Fischpreise aus diesen Gründen feststellen können. Die Wett hat wieder einen„ältesten Menschen"! Bukarest. Nach dem Tode von Zoro Agha, deS Uralten Türken, war der Posten des ältesten Menschen der Welt verwaist. Es meldeten sich als Prätendenten einige Kaukafier, deren genaues Alter aber nicht genau festgestellt werden konnte. Jetzt hat man in einem wallachischen Dorfe einen Schäfer festgestellt, der angeblich im Jahre der fianzösischen Revolution(1789) geboren ist. Er wäre also 146 Jahre alt. ES ist eine besondere Kommission entsandt worden, um die Angaben aktenmätzig nachzuprüfen. DaS Inserat alS Weltspiegel. In der Wolfpresse fand sich dieser Tage folgende Annonce: Hübsche, 30jühr. Frau wäre geneigt, demjenigen Bergbaubeamtrn oder anderem Chef liebevolle Dauerfreundin zu sein, der in der Lage wäre, ihrem Manne eine Arbeit zu verschaffen. Mann hat 16 Jahre im Bergbau gearbeitet, wegen Stilllegung deS Betriebes arbeitslos. Mann ruhig, reell, gute Zengniffe. Anbote unter„Du wirst es nie beklagen 3490/1! an den Zeitungsverlag Wolf, Daaz. Hier versagt die Feder des GlosiatorS. Denn wer könnte alles seelische, soziale, materielle und körperliche Grauen in Worte fassen, das sich in diesem Angebot der Bergarbeitersfrau enthüllt? DaS rasierte Denkmal. Die englische Stadt Hastings besitzt seit langem ein Denkmal Wilhelms des Eroberers. Die Fremden, die nach Hastings kommen, wurden besonders auf den wallenden langen Bart des NormadenkönigS hingewiesen. Nun hat die Königlich Britische Historische Gesellschaft einwandfrei nachgewiesen, datz Wilhelm der Eroberer Zeit seines Lebens keinen Bart getragen hat. Die Stadtverwaltung von Hastings fand, datz et«in« Schmach sei,«in historisch nicht einwand- freieS Denkmal stehen zu lassen. Und so wurde die Figur vor kurzem kunstgerecht„abrasiert". Jetzt steht Wilhelm der Eroberer ohne Bart auf seinem iüten Platze in Hastings. Raubmörderballade Bon Werner Jlterg Der Magen war leer, und da fragt man nicht mehr» ob sich nicht waS Bessre» noch fände. Der Lauf war nicht lerr, poch eS fiel mir sehr schwer, und es zitterten meine Hände. Da sah ich den Mann, «nd da legte ich an, dann siel er dumpf ans da» Pflaster. AlS ich näher kam «nd die Briefiasche nahm, da sah ich, fie war ohne Zaster. Da nahm ich die Uhr, «nd di« führt auf die Spur, doch erst hab ich satt mich gegessen Im Wagen fuhr man zum Alex mich dann. Ich hab in der Zelle gesessen. Ich kam vor Gericht, »nd da fragte man mich, ob ich keine Reue empfände. Ich sah inS Gesicht dem hohen Gericht, dann sagt ich z« Ihnen am Ende: Der Magen war leer, »nd da fragt man nicht mehr, ob sich nicht waS andre» noch fände. Gibt Arbeit Ihr her, wär der Magen nicht leer, dann nahm ich ein andere» End», wie 4750- GALA KONCERT SYSTEM TELEFUNKEN der 4- Röhren»Empfänger mit einfachster Bedienung und dem unerreichten Eine Stätte, die wenige kennen Der Prager Sträflings-Friedhof Bon Josef Wcchsbcrg Armensünderfriedhof! Er ist die traurigste Begräbnisstätte der Welt; trauriger als der Selbstmörderfriedhof von Monte Carlo, der unter dem blauen Himmel der Riviera nichts von den Tragödien ahnen läßt, die unter ihm ruhen; trauriger als der kleine Friedhof von Port-Said am Ufer des Mittelmeeres, wo die unbekannten Matrosen beerdigt werden und wo auf allen Gräbern Blumen liegen; trauriger als der Cholerafriedhof von Schanghai, der jeden Abend von den chinesischen Pilgern besucht wird. Dieser Friedhof wird von niemandem besucht. Niemand schmückt seine Gräber, niemand Weitz überhaupt, datz er existiert, denn keine Chronik meldet von ihm. Er liegt nicht irgendwo m fernen exofischen Ländern. Vom Zentrum Prags, vom Wenzelsplatz, ist man in zwanzig Minuten mit der Tram in Pankratz drautzen, auf dem Friedhof der Sträflinge. Natürlich mutz man sich den Ort genau zeigen lassen, sonst findet man ihn nicht. Zwar liegt der grotze katholische Friedhof daneben, hinter einer grossen zementierten Mauer und den Toren mit fiommen Inschriften. Aber plötzlich härt diese Mauer auf und geht in einen verwahrlosten, halbzerstörten.Steinhaufen-, üher, Ein Tor; aber kein Kreuz darüber, keine Bezeichnung. Da» soll ein Friedhof sein? An den Wänden fleben doch Plakatfetzen, Ankündigungen von alten Kino-Programmen:„Der Mord in der Jnselgasse",„Metropolis" und Anschriften, die man sonst nicht auf Friedhofsmauern vermutet. Aber wer weih denn, dass dieses öde Stück Feld ein Friedhof ist? Die hier liegen, waren schon tot, bevor sie begraben wurden. Die Tore des Zuchthauses hatten sich hinter ihnen längst geschlossen. Kein Totengräber, kein Wächter, keine Be< sucher. Immer zwanzig Gräber nebeneinander, über jedem ein grobgezimmertes Holzkreaz mit einer Nummer. Sie trugen Nummern, bevor sie starben, sie tragen auch jetzt nur Nummern. Keiner soll wissen, wer da auf Nummer 256 oder 149 begraben liegt. Der Lustmörder Koblic oder der Schwerverbrecher Bokek? Das kann man leicht in den Archiven feststellen. Aber es ist zwecklos. Freunde und Verwandte haben die Menschen,'die hier liegen, schon zu Lebzeiten nicht mehr gehabt. Wer würde sich um einen Verbrecher kümmern? Der Tod scheint also doch nicht alle gleich zu machen. Denn die Toten, die auf dem bürgerlichen Friedhof ein paar Meter weiter liegen, haben es entschieden besser... Einigemal im Jahr, zwischen fünf und sechs Uhr früh, wenn noch Finsternis über den Feldern liegt, kann man eine sonderbare Prozession entlang der Friedhofsmauer gehen sehen: einen Sträfling, der ein Kreuz trägt und hinter ihm sechs andere mit einer Tragbahre. Auf der Tragbahre liegt in einem Sarg der Sträfling Nr. 445, der jetzt in das fiischgeschaufelte Grab gelegt wird. Flankiert wird der seltsame Kondukt von fünf Soldaten mit geladenen Gewehren und Bajonetten. Am Friedhof angelangt, wird der Sarg verscharrt, einer bringt zwei Holzlatten, aus denen ein imaginäres Kreuz gemacht wird. Neue Lohnsenkungswelle in Deutschland In aller Stille sind in Deutschland die Voraussetzungen für eine neue Welle des Lohnabbaues geschaffen worden. Durch eine Durchführungsverordnung des Gesetzes zur Ordnung der nationalen Arbeit sind die Treuhänder der Arbeit ermächtigt worden, einzelne Betriebe oder Betriebsabteilungen oder auch bestimmte Belegschaftsmitglieder aus dem Geltungsbereich der sie betreffenden Lohntarife auSzuschliehen. Der Treuhänder kann diese Ausschliessung veranlassen, wenn es ihm aus wirtschaftlichen oder sozialen Gründen geboten erscheint. Angeblich ist diese Ermächtigung den Treuhändern erteilt worden. ein anderer läutet dse Totenglocke. Ein Gebet spricht niemand. Das Beten haben sie längst verlernt. Dann tteten die Sttäflinge wieder an, die Soldaten ziehen die Gewehre fester an sich, das Tor wird abgesperrt, der Zug bewegt sich heimwärts. Das Begräbnis für Nr. 445 ist vorbei. In einer versteckten Ecke neben der Mauer liegen sechs Gräber, von den andern ostentativ abgesondert. Also sogar unter den toten Nummern gibt es noch feine Unterschiede? Wahrscheinlich sechs Verbrecher, die sich durch gemeine Morde besonders verabscheuungswürdig gemacht haben. Aber diesmal hat sich der Besucher geirrt. Die sechs, die hier liegen, sind überhaupt keine Mörder. Sie haben es nur vorgezogen, der irdischen Gerechtigkeit durchzubrennen. Machten aus dem Bettuch einen Strick und knüpften sich auf. Für diese Selbstmörder, die die Justiz um ihr eigenes Ich brachten, ist zwischen den gewöhnlichen Verbrechern kein Platz. Sie haben nicht das anständige Nummernbegräbnis verdient und sollen eine Abschreckung sein für die noch lebenden Verbrecher, die mit den Särgen auf den Friedhof kommen... Zwei der Gräber fallen durch irgendeinen Schmuck auf. Schmuck? Man kann da» halbyerwitterte Bronze-Kruzifix kaum so nennen. Aber in dieser trostlosen Umgebung fällt es doch auf. Eine fast völlig zerstörte Aufschrift; gerade die Worte„Karl" und„langem Leiden" sind zu entziffern. Langes Leiden. Das heisst, in die Umgangssprache übersetzt, fünfzehn bi» zwanzig Jahre Zuchthaus. ES gehört schon viel Anhänglichkeit dazu, um nach dieser langen Zeit an den Toten, der unter dem Bronzekreuz liegt, gedacht zu haben. Das zweite Grab, das hervorsticht, wird von einem grossen Kruzifix flankiert, zu dessen Fuss zwei Engel knien. Eine breite Steinplatte bedeckt es, am Kopfende eine Tafel, von Sträuchern versteckt. Wozu sollen die Fremden wissen, wer hier begraben wurde? Man muh sich durch die dichten Zweige winden, um festzustellen, dass hier Josef O. ruht, gestorben am 20. Feber 1896 im 39. Lebensjahre. Darunter eine Zeile:„Heilige Maria, Mutter Gottes, sie gebe ihm ein feierliches Auferstehen im Heiland Jesus Christus I" Das ist der einzige fromme Spruch, die einzigen Worte auf den 450 Gräbern des Prager Ärmensünderfriedhofes. Draussen, vor dem grossen Friedhof, begegnet man einem feierlichen Leichenzug. Anscheinend erster Klasse, denn der Leichenwagen wird von vier prächtigen Pferden gezogen und der Kutscher hat eine Livree wie ein napoleonischer Lakai. Sehr würdevoll gehen schwarzgekleidete Herren hinterher. Und unwillkürlich muss man daran denken, dass morgen schon, vielleicht erst nach einem Monat, ein anderes, stilleres Begräbnis über diesen Weg gehen wird. Mit Nummern und geladenen Gewehren. Die alte Geschichte vom Tod, der alle Unterschiede aufhebt, ist eben auch nur ein Märchen gewesen. Wer eS nicht glauben will, soll auf den Prager SträflingSfriedhof hinausfahren. um die Weiterführung notleidender Bettiebe zu ermöglichen und die Stillegung von Betrieben zu verhindern, deren Existenz bei den Tariflöhnen nicht gesichert erscheint. Diese Begründung ist recht fadenscheinig, denn man mutz sich vergegenwärtigen, datz die Tariflöhne nach der Aufrichtung des fascistischen Regimes bereits wesentlich herabgesetzt worden find. Autzerdem aber sind die niedrigen Löhne wegen deS geringen Anteil», den sie an den Produktionskosten haben, für die Entscheidung, ob ein Betrieb fortgeführt werden soll oder nicht, nur in den seltensten Fällen von Gewicht. In Wirflichkeit wird mit dieser Verordnung dem Lohnabbau der Weg bereitet, obwohl Hitler noch auf dem letzten Parteitag in Nürnberg erst wieder von der Erhaltung der Stabilität der Löhne gesprochen hat. Trotz dieses..Führerwortes" sehen sich die deutschen Arbeiter bei gleichzeitiger Preissteigerung neuen Lohnsenkungen ausgesetzt. Um den Schwierigkeiten zu begegnen, die aus dem Umstande entstanden, datz der Posten des Chefs des Schauspiels am Nationaltheater in Prag unbesetzt war, hat der Minister für Schulwesen und Volkskultur die Funktion des Chefs des Schauspiels einer Kommission anvertraut, zu deren Vorsitzenden er Dr. OtokarFischer, Professor an der Karls« Universität, ernannt«. Die Kommifsionsmitgliedschaft ist mit der Regieführung am Nationaltheater verbunden. Gleichzeitig hat der Minister für Schulwesen und Bollskultur den Regisseur Karl D.ostäl zum Oberregisseur ernannt. Die Rechte und Pflichten der ernannten Personen sind in den betreffenden Dekreten und in der Geschäftsordnung der Kommission enthalten. Der liebe alte Schulkamerad Prag. Unverhoffte Begegnungen mit ehemaligen Schulkameraden bereiten meist Freude. Auch Herr F o u st k a, ein 38jähriger kleiner Beamter, war ehrlich erfreut, als er sich unvermutet seinem ehemaligen Mitschüler Franz Bederman gegenübersah. Das Wiedersehen geschah in der' Jungmannftratze, wo der besagte Schulkamerad Bederman«den einem der zahlreichen dort parkenden. Autos entstieg. Es war ein äusserst eleganter Wagen und der Leine Beamte Fouftka konnte eine Regung des Neide» nicht unterdrücken bei dem Gedanken, dass, es sein Schul» fteund Bederman, seinerzeit der grösste Tunichtgut der Schule, so weit gebracht habe. Das Wiedersehen war überaus herzlich. Leider hatte es Bederman sehr eilig. Mit flüchtigen Worten erzählte er dem Schullameraden, er besitze ein gutgehendes Geschäft und«ine Villa in Straschnitz, er sei glücklich verheiratet und Vater zweier Kinder- „Jetzt trage ich meinen Radioapparat zur Reparatur. Der Kasten hat 5000 KC gekostet", warf er nachlässig hin und zeigte auf ein Paket, das er unter dem Arm ttug. Der Respekt des armen Foustka, der sich mit seiner Familie kümmerlich genug durch- srettet, stieg inS Ungemeffene. „O verdammt!" rief plötzlich der reiche Schulkamerad aus.„da» ist eine seine Bescherung!" Und er begann nervös seine Taschen zu durchsuchen. Auf die teilnahmsvolle Frage des Jugendfreundes er» klärte er mit hastigen Worten, er habe seine Brieftasche zu Hause vergessen- Und die Autoschlüffel dazu! „Borg mir schnell 50 XL. lieber Karl! Ich trage nur den Radioapparat zur Reparatur und bin in zwei Minuten zurück. Dann fährst du mit mir zu uns und wir machen uns in unserer Billa einen gemütlichen Abend." Fouftka zückte die Brieftasche und übergab dem Schulkameraden seine letzte Fünfzigkronennote. „Ich bin gleich zurück", rief ihm dieser zu.„Steig nur in den Wagen und erwarte mich!" Dann entfernte er sich im Laufschritt. Fouslla stieg in das Auto und machte sichs beguem. Er dachte darüber nach, wie gut es manchen Leuten auf der Welt geht und fieute sich auf den verheissenden gemütlichen Abend. Er wurde auf unangenehme Weise aus seiner Beschaulichkeit durch einen fremden Herrn im Staub* mantel aufgestött. der in ziemlich barschem Ton zu wissen verlangte, was er. zum Teufet, in seinem Wagen zu suchen habe. Es folgte eine gereizte Wechselrede. Foustka fühlte sich als tteuer Hüter des Autos seines Schulkameraden' und versuchte den Störenfried davon zu überzeugen, dass er sich in dem Wagen geirrt habe. Der Mann im Staubmantel vermochte sich aber durch Vorlage' des Tvpenzeug» nisseS einwandftei als richtiger Eigentümer zu legitimieren und ferner zu beweisen, dass ihm aus seinem Wagen sein Radioapparat im Wette von 3000 XL gestohlen worden war. Herr Foustka musste verschiedene llnannehmlichkttten erdulden, ehe sich die Wahrbeit herauSstellte. Die Wahrheit ist nun. dass Bederman, der auf die schiefe Ebene gekommen ist. jenem««verschlösse» nem und unbeaufsichtigtem Auto einen unerwünschten Besuch abstattete und den Radioapparat mitgehen liess. Als ihm nach vollbrachten Diebstahl der Schulfreund in den Weg lief, erzählte er ihm, um sich seiner zu entledigen, das vorstehend geschildette Märchen, pumpte ihm noch schnell 50 XL ab und bestellte ihn, um zu dem Schaden den Spott zu gesellen. noch zum Hüter„seines" Autos. Bederman wurde kurz nachher dingfest gemacht. Er bat, wie gesagt, noch ander« fleinere Schwindeleien aus dem Gewissen. Der Gettchtrhof verurteilte ihn zu sieben Monaten schweren und verschärften Ke r k e r s. rb. Motltlityt MMWlkMkN der Arbeitrrfürsorge finde» jede» Sams- t a g von 5—7 Uhr im Verein deutscher Arbeiter, Smekkagasse Nr. 27, statt. YoMlMI M WIM Sette 6 „Sozialdemokrat" Freitag, 1. November 1938. Nr. 254 Agger Ntmuj Das neue Prager Heim-es Giaheitsverbaades der Privatangestellten Bon Abgeordneten Robert Klein, Generalsekretär des EinheitSverbandeS der Privatangestellten. Ein lang gehegter Wunsch der Privatangestellten in der Tschechoslowakischen Republik ist erfüllt: Im Zentrum der Hauptstadt der Republik erhebt sich heute, schlicht und doch machtvoll, das neue Heim des Einheitsverbandes der Privat angestellten. Der eindrucksvolle Bau spricht eine weitreichende, jedermann leicht verständliche Sprache. Aber der Gedanke, dem Einheitsverband ein würdiges eigenes Haus zu bauen, entsprang nicht etwa vor allem dem Wunsch, die Größe und Wichtigkeit der ihm schon heute in der Ge- werkschaftsbewegung, im öffentlichen Leben unseres Staates überhaupt, zukommenden Rolle jedes Auge erkennen zu lassen. Ebensowenig sollte die Riesenaufgabe betont werden, die in naher Zukunft der Neuaufbau unserer ganzen Bottswirtschaft dem Einheitsverband bereit hält. Aus nüchternen sachlichen Erwägungen kam der Antrieb zum Bau. Die Situation war höchst einfach: das neue Verbandsheim war schon lange eine wirklich« und dringende Notwendigkeit. Es war glatt unmöglich, ihr nodf weiter nicht zu entsprechen. Hätte das doch geheißen, die Aufwärtsentwicklung des Verbandes künstlich zu hemmen. So entschied sich der Verband für den Bau. Von allen Mitarbeitern mü Verständnis und Hingabe gefördert, wuchs dieser im schnellsten Tempo aus dem Boden. Daß das Werk ganz aus der eigenen Kraft der Verbandsmitglieder geschaffen wurde, gibt der Nachricht von seiner Vollendung noch eine besondere Note. Im neuen Haus des EinheitSverbandeS sind jetzt der ganze Apparat seiner Hauptleitung und Hauptverwaltung sowie alle seine— geistigen oder allgemein kulturelle^ Bedürfnissen der Mitglieder dienenden— Einrichtungen untergebracht. Das Haus ist gewissermaßen daS Bei rndsherz, daS rhythmisch roteS, gesundes Blut bis in die feinsten Ausläufer der Arterien des Verbandsorganismus tteibt. Die erreichte engere Zusammenarbeit aller Organisationsmitglieder muß selbsttätig die Nutzwirkung der geleisteten Arbeit gewalttg steigern. Darüber hinaus wird das neue Haus sehr rasch zum Mittelpunkt des ganzen geistigen, allgemein kulturellen und gesellschaftlichen Lebens der Privatangestellten der Republik werden. Die im Einheitsvcrband zusammengefaßten, jetzt rund 60.000 Privatangestellten fühlten und fühlen sich immer nur als ein Teil der großen Armee der Werktätigen, die am Aufbau einer neuen, vernünftigeren Gesellschaftsordnung schaffen. Darum ist der Verband auch sicher, daß heute an der Freude seiner Mitglieder über die Beendigung des schönen Bauwerkes alle zur modernen Arbeiterbe- wegung unseres Landes gehörenden Werttätigen teilnehmen. Sie werden mit uns das neue Heim des Einheitsverbandes begrüßen als einen schon aus großer Ferne winkenden gewaltigen Meilenstein auf dem Wege zu einer besseren Zukunft. Das neue Heim des EinheitSverbandeS ist nicht nur eine glückliche Erfüllung, sondern auch eine stolze Verheißung. Für alle Werttättgenl 4» Das neue Heim befindet sich in Prag Na Zboienci 18» Iümst und Wtesw „Aida" mit Gasten Der gestrige Gastspielabend Maria Müllers im Deutschen Theater war voraus verständlich. Denn dieser inDeutschböhmen gebürtigen Künstlerin ist in all den Jahren, seit sie von hier an die Berliner Staatsoper zog, eine ungemein starke Anhängerschaft in Prag tteu geblieben. Und so gab es vor allem ein ausgezeichnet besuchtes Haus— das kann das Theater brauchen— eine gesellschaftsfestliche Stimmung und sehr viel Beifall, der sich vor allem auf die so beliebte Sängerin konzentrierte. Das künstlerische Resümee der ersten zwei Akte: Maria Müller singt nicht nur die lyrischen Stellen der Partte geschmackvoll, mit ausgeglichener, silbertönender Stimme, sondern führt auch die Ensembles mit großem schönen Klang, obwohl ihr doch von Natur aus dramatischer Timbre nicht gegeben ist. Das Publikum schien über die Schiefstellung des Mundes hinwegzusehen und auch an dem hörbaren Atmen vor fast jeder Phrase sich nicht zu stoßen. Darstellerisch erreicht diese Aida kaum die Konvention. Und übrigens: Toiletten tragen J)ie Sklavinnen in Aegypten I Prachtvoll!— Der zweite Gast des Abends war Herr Kalenberg von der Wiener Staatsoper.(Dies wohl deshalb, well durch die sonderbare Disposition der Direttion unser Radames, Herr Fischer, heute eine Premiere zu singen hat, und obwohl doch auch Herr Baum den Radames singen müßte). Herr Kalenberg, der für diese Partte gesanglich keineswegs inkarniert ist, bringt dafür eine illusionsvollkommene Erscheinung mit, sang aber auch die gefürchtete Romanze ausgezeichnet und sandte dann im ersten Duett mü Aida und zum Aktschluß ein paar echt heldische Töne aus(allerdings mit Hilfe ungewöhnlicher Erleichterungen). Was zwischendurch von Kalenberg zu hören war, war jedoch nicht erquicklich. Die überzeugendste Figur: der Amonasro des Herrn Schwarz, bühnenbehcrrschend, stimmlich wuchtig; nur ein wenig übercharakterisierend im Ausdruck und dies zuweilen auf Kosten der Noblesse und Fülle der Höhetöne. Von den Heimischen ward weiter durch Frau Kindermann eine vornehm singende Amneris beigesteuert(in der Gestaltung mehr friesisch als ägyptisch), ein König, in dessen Lage Herr Andersen sein Organ sehr edel entfaltet, ein Ramphis großen Stimmformats(Gutmann) und eine sympathische. Priesterinstimme (M e d a k). Dies alles, mit tüchtig beteiligtem Orchester und Chor, unter der gewissenhaften und ein- fühlsamen Leitung Fritz Zweigs. L. G. Teddy contra Teddy heißt ein Dreiakter von Lawrence Huxleh, der das Großreinemachen" verfaßt hat und uns diesmal mit dem Einfall überraschen wollte, daß sich ein Herr einer Dame unter dem Namen seines, die «Firnn» gleichfalls liebenden Vetters vorftellt, ohne unS zu verraten, warum besagter Herr unter falschem Namen liebt und warum der Vetter, als ihn der Zufall ans Ziel seiner Wünsche gelangen läßt, die Sache noch mit verzweifelten Bemühungen bis zum Ende des dritten Aktes aufschiebt. Da die beiden Vettern angehende englische Diplomaten sind und eine gemeinsame Tante haben, die von ihren Abenteuern mit sämtlichen bekannten Staatsmännern Europas plaudert, entsteht der Verdacht, daß sich der Autor über die Polittk hat lustig machen wollen, was bei Leuten, deren Witz so armselig ist, aber nur peinlich wirtt. Zugegeben: Herr Huxleh hat einen wirksamen zweiten Akt geschrieben, in dem an Bord eines abfahrenden Schiffes aus der Besucherin ein Passagier, aus dem Kabinenbesiher ein Obdachloser wird, der seiner Besucherin(die gar nicht ihn besucht) weder seine Not noch seine Liebe noch seinen wahren Namen zu gestehen wagt. Aber man macht nicht ungestraft aus einem Einakter ein abendfüllendes Stück— und die Zuschauer, die beim zweiten Akt lachten, hatten sich zuvor gelangwellt und mußten auch nachher wieder enttäuscht werden. Die Aufführung in der Kleinen Bühne(unter Martin Costas Regie) hatte außer dem Stück noch manche schwache Seiten. Die komische Tante der Frau Stein vergriff sich gleich anfangs im Ton und blieb dann dabei, und Herr Schmerzenreich als Liebhaber mit Pascha-Allüren war das Muster einer Fehlbesetzung. Dolores M o n c a s i in der Haupttolle der umworbenen Variettdame(die am Ende eine Fürstin ist) brachte ihr großes Talent ein wenig gelangweilt zum Vorschein, während Hans Goetz und Martin Costa ihre Aufttitte mit Routtne in Schwung hielten.—eis— Kunstgewerbliche Ausstellungen. Das Kunst« gewerbe museum der Handels- und Gewerbekammer in Prag und die Staatlichen Kunst- gewerbeschulenin Prag gedenken ihrer 50jährigen Täti.gkeit auf dem Gebiet« der bildenden Kunst durch Veranstaltung von Ausstellungen, di« gestern in feierlicher Weise eröffnet wurden. Nach der einleitenden Red« des Vizepräsidenten der Handels- und Gewerbekammet Dr. Oberthor, der den Vorsitzenden des Senates Dr. Soukup, der die beiden Kammern der Nationalversammlung verttat, den Minister für Unterricht und Vollsaufklärung Dr. Krkmak, Jng. Rotnagl in Verttetung der Hauptstadt Prag begrüßte, hielt Unterrichtsminister Dr. KrdmLi eine Ansprache, der ein Vorttag des SettionSchefS des Unterrichtsministeriums Dr. Zd. Wirth und Kundgebungen deS Rektors der Staatlichen Kunstgewerbeschule in Prag Prof. Arch. Novotny und des Prof. Arch. G o ä a r folgten. Die Ausstellung bleibt bis Sonntag, den 1. Dezember, einschließlich geöffnet und ist an Wochen-, Sonn- und Feiertagen von 10 bis 18 Uhr zugänglich. Spielpl«: des Neue« Deutsche« Theaters. Freitag, hallb 3 Uhr: KindimKampf; halb 8: Verkaufte Braut, Dl.— Samstag halb 8: PellkaS und Melisande, A 1. Spielplan des Kleinen Bühne. Heute, Freitag, 3 Uhr: ,Lm Londoner Nebel", 8: Ich kenn dich nicht mehr, Theatergemeinde des Kulturverbandes.— Sonntag 8 Uhr: Teddy contraTeddy. Dec Dkm Maryia Der tschechische Film, der sich(den Warnungen aller Wohlmeinenden zum Trotz) in einer Niederung verlaufen hatte, aus der es keinen anderen Ausweg gibt als das Zurück, steht jetzt vor der müh- famen Aufgabe, noch einmal von vorn beginnen zu müssen. Und er kann sich dabei an keine Vorbilder halten: mit den amerikanischen und englischen Filmen kann er im technischen, schauspielerischen und finanziellen Aufwand nicht wetteifern, von den neudeutschen Filmen kann er nur lernen, wie man's nicht machen soll, und vom Russenfilm, der ihm noch am ehesten Wegweiser sein könnte(obwohl er sich selbst in einer Uebergangskrise zu befinden scheint) hat man gerade hier in Prag in letzter Zeit wenig gesehen. Der Bauernftlm„Marysa"(der vorerst in einer Sondervorstellung gezeigt wurde) mutz als Versuch des Neubeginns anerkannt werden. Er hat alles Primitive des Anfangs, aber auch manches Hoffnungsvolle. Er hat die Mängel neuer Gehversuche, aber auch viele Reize bewußter Einfachheit. Vor allem hat er viel Schönheit: der Regisseur Josef Rovensky, seit je ein glücklicher Liebhaber der Natur-Szenen, hat hier die Poesie einer heimischen Landschaft, die Buntheit ihrer Trachten und den Klang ihres Dialekts eingefangen, und er hat auch in die Atelier-Aufnahmen noch etwas von dem Folklore deS mährisch-slowakischen Winkels bei Ungarisch-Brod hinübergerettet, in dem der Film spielt. Datz die Eigenart der Landschaft, und, der Menschen dieses Films durch eine pathetische Einleitung„erläutert" werden, ist fteilich überflüssig und ungeschickt, und ebenso ungeschickt ist die reichliche bühnenmässige Betonung des klangvollen Dialekts und die oft sehr willkürlich und verlegen wirkende Einsetzung von Dorstanz, Dorfmusik und Trachtenzauber. Aber eS ist nicht zu leugnen, dass die Regieleistung in diesem Film ein Fortschritt gegenüber der„Tatta-Romanze" ist(wo die Natur großartiger, das übrige aber um so stümperhafter war.) Die Handlung(die einem Drama der Brüder Mrstik entnommen ist) bewegt sich in einer halb- wirklichen Sphäre, die an durchschnittliche Volkslied« texte erinnert. Der Bauer, der seine Tochter an den Müller verkuppelt, während der arme Bursche, den die Tochter liebt, zum k. u. k. Militär mutz und der Müller nach erfolgter Heirat dem Schwiegervater das Geschäft verdirbt,— das hält sich so in der Mitte zwischen ttadittonellem Dorftoman und realen Möglichkeiten, daß es für einen Film, der weder originell noch routiniert sein will, beinahe das Richttge sein dürste.(Die dramatischen Zuspitzungen nach der Heinckehr des Soldaten geraten dann allerdings zu theattalisch.) Es ist also Schönheit und Einfachheit in diesem gewiß nicht meisterhaften, aber mit Liebe hergestellten Films und man spürt hoffnungsvolle Ansätze. Auch die Hauptdarstellerin Jirina Stsp- n i L k o v&(die ebenfalls seit der„Tatta- Romanze" Fortschritte gemacht hat) erweckt Hoff- Jenny Ingo und Gustav Gruendgens in dem Film„Pygmalion" nungeu für die Zukunft. Noch ist sie unsicher, besonders an den dramattschen Stellen, aber in der angenehmen, glaubhaften Schlichthett ihres Spieles überragt sie alle andern Mitwirkenden, die trotz ihres Eifers, echt zu erscheinen, allesamt zu sehr al- bäuerlich hergerichtete Bühnenfiguren erscheinen. -—eis— Jurftw und Sport Gegen die Hitler-Olympiade Je näher die Hitler-Olympiade heranrückt, um so schärfer treten die Bedenken hervor, ob den Z u« sicher u n g e n der Veranstalter, daß die Spiele auf den bisherigen Prinzipien durchgeführt werden, Glauben zu schenken sei. In der letzten Zeit mehren sich die Sttmmen, die erklären, daß das heutige Deutschland keine genügende G a r a n t i e für die Ausschattung jeglicher politischer Propaganda für das Dritte Reich bietet. Diese Bedenken stiegen besonders nach dem Nürnberger Parteitag, auf dem, wie bekannt, die deutschen Bürger in zwei Klassen geteift wurden. Dadurch wurde die primäre Grundlage der Gleichheit aller Bürger ohne Unterschied der Rasse und der Religion verletzt. Die Nichtarier wurden außerhalb des Gesetzes gestellt und als minderwertig klassifiziert. Das bedeutet, datz von ftiten des Dritten Reiches die moralischen Grundlagen, auf denen die Olympischen Spiele aufgebaut wurden, nicht anerkannt werden. Ein ganz ungewöhnliches Jnttresse für die Olympischen Spiele zeigt daS deutsche Kriegs- ministerium. Es ist auffällig, datz der gesamte olympische Komplex, wo die Teilnehmer untergebracht werden sollen, im Manövergebiet der Reichswehr liegt und so angelegt wurde, datz er den Anschauungen der deutschen, Militärfachleute entspricht. Bor einiger Zeit wurde an den Vorsitzenden des Internationalen Olympischen Ausschusses, Grafen de Baillet-Latour, eine Petition abgesandt, in der eine neuerliche Untersuchung Wer den Ort der abzuhaltenden Olympiade gefordert wird. Diese Petttion wurde von hervorragenden und bedeutenden Persönlichkeiten auf kulturellem Gebiett ausgearbeitet und unterschrieben, die Gelegenheit hatten, die Pläne der Berliner Veranstalter zu studieren, und die noch einmal vor dem Missbrauch der Weltsportbewegung im Sinne der Hakenkreuz-Ideologie warnen. Folgende Namen sind u. a. auf der Petitton angeführt: Heinrich Mann, Lion Feuchtwanger, Ernst Toller, Prof. G. Salomon, Prof. Dr. Alf. Goldschmidt, Prof. G. Decker, Prof. G. Bernhard, Dr. Rudolf Breitscheid, Schutzverband deutscher Schriftsteller, Bund sozialistischer Aerzte, Verband deutscher Journalisten in der Emigration, Gesellschaft deutscher Wissenschaft und Kunst usw. Länderspiele der»elgischen Arbeiterfußballer. DaS internationale Programm im Arbeitersport Belgien» sieht für diese» Jahr noch nachstthende Begegnungen vor: Am 1. November stehen sich in Mouseron die Auswahlmannschaften von Belgien und England gegenüber. Dana folgt ein Propagandaspiel des englischen Team» mit der Provinzmannschaft H a i n a u t, das am 3. November in LetznieS stattfindet. Den Abschluß der internattonalen Saison bildet sodann das am 25. Dezember in Thurnhout stattfindende Länderspiel B e l g i e n—H oll and. Aus dec Partei Bezirksorganisation Prag: Sitzung der DezirkS- vcrtrctung. Dienstag, den 5. November, um 20 Uhr im Parttiheim. Närodni 4, Sitzung der BezirkSver« treiung, bei der die Anwesenheit aller Mitglieder erwünscht ist. Mitteilungen aus dem Publikum. Wenn die Blätter fallen, wenn der Sommer in den letzten Zügen liegt, dann kommt, speziell für die ältere Generation, die harte Zeit: die Tage Hnd noch warm, die Abende kühl, die Nächte katt und über Ja und Nein hat man eine Verkühlung, die man den ganzen Winter hindurch nicht loS« werden kann! Das ist dtt wichtigste Zeit für den Alpa-Franzbranntwein. Zu regelmässigen Einreibungen und Massagen verwendet, macht er den Körper widerstandsfähig und ftäfttg, regelt die Blutzirkulation und beugt so allen Erkältungskrankheiten vor: Das sagt auch der Arzt! Wieder einmal kam der Feiertag der Toten. Auf den Gräbern unserer Teueren brennen Lichter als Symbol des Lebens. Kerzen vor allem find ein solches Symbol, denn an einer Kerze sehen wir, wtt sie langsam abnimmt, genau wie daS Leben. Tausende und aber tausende Kerzen, die am Friedhof brennen, symbolisieren tausende und aber tausende Leben. Wir zünden Kerzen an, die mit klarer, ruhiger Flamme ttuchten und so zum Sinnbild eines reinen, ausgeglichenen Lebens werden. Apollo- Kerzen zeigen diese Eigenschaften, die wir bei Kerzen zur Grabbeleuchtung suchen; sie brennen hell, ohne zu flackern, sie tropfen nicht, riechen nicht und rußen nicht. Urania-Kino, Klimentilrä 4. Fernsprecher 61623. Menschen im Hotel «Sreta Gard« spricht deMsch.t Bezugsbedingungen: Bet Zustellung tn» Hau» oder be, Bezug durch die Poft monatlich Kd 16.—. vierteljährig Kd 48.—. halbjährig Kd 06.—. ganzjährig Kd 192.—.— Inj erste werden laut Xnrtf billiatt berechnet. Bei öfteren Einschaltungen Preisnachlaß.— Mckftellung von Manuskripten erfolgt nur bei Einsendung der Retourmarken.— Dtt ZeitunaSftankatur wurde von der Poft, unv ' graphendirektton mit Erlass Nr. 13.800/VIU1930 bewilligt.— Druckerei:»Orbis'. Druck-. Verlags, und Zettungs-A.-G„ Prag.