Samstag, 2. November 1935 Nr. 255 15. Jahrgang Etezelpnlt 70 Heiter (einschließlich 5 Heller Porto) T.ENTRALORGAN DER DEUTSCHEN SOZIALDEMOKRATISCHEN ARBEITERPARTEI IN DER TSCHECHOSLOWAKISCHEN REPUBLIK ERSCHEINT MIT AUSNAHME DES MONTAG TÄGLICH FRÜH. Redaktion und Verwaltung frag xu., fochova a. Telefon smzz. HERAUSGEBER. SIEGFRIED TAUB. CHEFREDAKTEUR; WILHELM NIESSNER. VERANTWORTLICHER REDAKTEUR. DR. EMIL STRAUSS. FRAG. Revolverattentat gegen den chinesischen Ministerpräsidenten Nanking. Der Ministerpräsident und Außenminister der Nanking-Regierung Wang- tschingwei wurde am Freitag bei der Eröffnung des Kongresses der Nationalpariei Kuomintang durch ein Rrvolverattentat schwer verletzt. Außerdem wurden noch zwei Delegierte des Kongresses durch Schüsse getroffen. Der Ministerpräsident wurde sofort operiert und es besteht die Hoffnung, ihn am Leben zu erhalten. Der Attentäter soll die Tat deshalb begangen haben, weil er die japanophile Politik der chinesischen Regierung nicht guthieß. Außer ihm wurden zwei seiner Mitschuldigen sowie sechs weitere Personen in Haft genommen, die der Mitschuld verdächtigt werden. Soziailstenprozeß in Hamburg Der Staatsanwalt droht mit Todesstrafe Sozialdemokraten und Kommunisten werden in Deutschland dauernd verhaftet, in Konzentrationslager gebracht oder von nazistischen Gerichten zu hohen Strafen verurteilt. Die Welt erfährt von diesen selten etwas genaues. Jetzt liegt uns ein authentischer Bericht über eine Gerichtsverhandlung vor, die am 15. Oktober in Hamburg gegen die Sozialdemokraten Ober« holt, KieraS, Thron, Schuhmacher und Goldenhauer geführt wurde. Sämtliche Angeklagten waren beschuldigt, sozialdemokratische Druckschriften, die aus Kopenhagen gekommen waren, verbreitet zu haben. Die beiden ersten Angeklagten erhielten vier Jahre Zuchthaus und vier Jahre Ehrverlust, die drei anderen eineinhalb bis zweieihalb Jahre Zuchthaus mit entsprechend langem Ehrverlust. Der Staatsanwalt Behr hatte für den Hauptangeklagten sieben Jahre Zuchthaus gefordert und u. a. ausgeführt: .,„Wer mit Leuten, die vom Ausland her Hochverrat treihen. Verbindung hat und sich verleiten läßt usw. gleichgültig ob SP!. oder KPD, wird hier als Hochverräter behandelt und auf Jahre hinaus unschädlich gemacht. Nötigenfalls wird ihm der Kopf vor die Füße gelegt. Das erklärt auch jeder Kommunist, daß er nicht daran denke, im gegenwärtigen Zeitpunkt mit Knüppeln und Dolchen auf die Straße zu gehen, um die Hitlerregierung zu stürzen, aber was diese Berufsverbrecher politischer Prägung verbindet, ist das Warten auf die bekannte und erhoffte revolutionäre Situation-" M Der Staatsanwalt erklärte, erst in den letz- ten Tagen sei es gelungen, das Netz einer hoch- berräterischen Verschwörung der Sozialdemokratie, die in Kopenhagen ihren Sitz habe, aufzudecken. Dieser Prozeß sei nur der Vorläufer eines gewaltigen Hochverratsprozesses gegen die Drahtzieher im Dienste der Hochverräter von Kopenhagen. Als Hauptschuldige bezeichnete er die Sozialdemokraten Auhagen, Marzinski, Schmedemann und D u w e. Prozeß Thälmann Berlin. Im Laufe des Monats November soll daS Verfahren gegen den deutschen Kommunistenführer Thälmann, der sich seit langem in Moabft in Hast befindet, eröffnet werden. Die Schweizer Mandatszifffern definitiv 61 neue Männer Bern. Die Endergebnisse der Wahlen in den Rationalrat bestätigen die Zahl der Mandate der einzelnen Parteien, wie sie am Dienstag bekanntgegeben wurde. Ein Drittel deS Nationalrates setzt sich aus neuen Mitgliedern zusammen. Siebenunddreißig bisherige Mitglieder haben Nicht mehr kandidiert und vierundzwanzig bisherige Nationalratsmitglieder wurden nicht wie- dergewählt. Dar glückliche Oesterreich... , Linz. Die Gemeindevertretung in Linz beschloß, den Mietzins in Gemeindebauten um 2 0 auf 60 Prozent zu erhöhen. Die Stadt Linz hat in den letzten Jahren etwa 400 neue Wohnungen gebaut. Salzburg. Das hiesige Schwurgericht verurteilte den ehemaligen Salzburger Gaukommandanten der illegalen nationalsozialistischen Organisation, den pensionierten Landes« gerichtsratDr. Jenewein, wegen Geheim- bündelei zu 18 Monaten Arrest, einen seiner Genossen, Mitglied der gleichen Organisation, zu acht Monaten und vier weitere Angeklagte zu sechs bis zwölf Wochen Arrest. Kondylls verbannt die republikanischen Führer Athen. Die Regierung Kondylis Hai di- beiden republikanischen Führer P a p ä n d r e u und Papanastasia des Landes verwiesen. Papanastasiu hat angeblich den Versuch unternommen, Flugzettel zu verteilen, in denen die griechische Armee zum Ungehorsam aufgefordert wurde. Der Attentäter wurde ursprünglich für eine» japanischen Journalisten gehalten. Es handelt sich jedoch um den 20jährigen Chinesen S« n f e n- m i n, der sich in ausländischer Kleidung an den Ministerpräsidenten herangrmacht hatte und den Revolver unter dem Ueberzieher verbarg. Der Attentäter wurde von der Leibwache des Ministerpräsidenten niedergeschossen und in schwer verletztem Zustande in dasselbe Krankenhaus transportiert, in das der Ministerpräsident gebracht wurde. Das Krankenhaus ist von einem starken Polizeikordon umstellt. Es verlautet, daß über Nanking bereits daö Standrecht verhängt wurde. Der Kongreß der Kuomintang, auf dem über die chinesisch- japanischen Beziehungen verhandelt werden sollte- ist auf unbestimmte Zeit vertagt worden. Die Meldung, daß der Ministerpräsident seinen Verletzungen erlegen sei, wurde bald dementiert. Nach den letzten Berichten hat sich sein Zustand gebessert. Wangtschingwei wurde von drei Kugeln im Gesicht,-im Rücken und an der Lunge verwundet. Der Attentäter wurde von dem General Tschanhuljan, dem ehemaligen mandschurischen Kriegsminister, entwaffnet. Vorher hatte schon der Delegierte Tschantschi, eines der ällesten Mitglieder der Kuomintang, den Ministerpräsidenten mit seinem eigenen Leibe gedeckt, wobei er selbst verwundet wurde. Der Anschlag wurde in dem Augenblick verübt, als"die Delegierten des Kongresses in Gruppen beieinander standett und sich lächelnd den Photographen stellten. Tokio rechnet mit Kurswechsel Tokio. Das Attentat in Nanking wird vom Hiesigen Außenministerium bedauert. Es wird vermutet, daß nunmehr mit einem Kabinettswechsel in China gerechnet werden müsse, der Störungen in den chinesisch-japanischen Beziehungen zur Folge haben könnte. Die Frage der Nachfolge Wangtschingweis sei für die Beziehungen Japans zu China von großer Bedeutung. Die Presse betont in ihren Kommentaren, daß Wangtschingwei die stärkste Stütze T s ch a n g k a i s ch e k s war. ♦ Schanghai. Der Anschlag auf den Ministerpräsidenten Wangtschingwei hat bei der Schanghaier Bevölkerung große Unruhe hervorgerufen. Ueberall auf den Straßen bilden sich Gruppen, die das Ereignis erregt besprechen. Die Polizei patrouilliert zu Pferde durch die Stadt und ist bestrebt, größere Ansammlungen zu zerstreuen. An der Schanghaier Börse haben die Nankinger Ereignisse einen Kurssturz zur Folge gehabt, dem vor allem die Regierungspapiere ausgesetzt waren. Auf Anordnung der Regierung ist die B ö r s e g e s ch l o s s e n worden. LlqHidlcning des Nlctcrsdiutzcs? Ein geianrltdier Plan Dfit dem Ende des Jahres läuft die Gültig- keit des jetzt bestehenden Mieterschutzgesetzes ab. Damit wird die Frage des Mieterschutzes erneut in den Brennpunkt der sozialpolitischen Auseinandersetzungen gerückt. Seit dem Bestehen der Mie- terschutzgesetzgebung wird sie von den Hausbesitzern auf das heftigste bekämpft. Sie hatte sich während des Krieges zum Schutze der Angehörigen der im Felde weilenden Soldaten als eine soziale Maßnahme den Regierenden aufgezwungen. Mit der Erstarkung des Einflusses der gewerkschaftlichen und politischen Arbeiterbewegung nach dem Kriege war die- Mieterschuhgesetzgebung bei uns und auch in einer Reihe anderer europäischer Länder zu einer sozialen Wohnungsgesetz- g^bung ausgebaut worden. Aber wie auf anderen Gebieten so hatten auch im Wohnungswesen die Vorstöße der sozialfeindlichen Jntereffentengruppen und der Reaktion überhaupt wachsenden Erfolg. Der Mieterschutz und die staatliche Wohnungsfürsorge wurde in der Mehrzahl der Länder schon vor einer Reihe von Jahren arg durchlöchert und in fortschreitendem Maße abgebaut. Dieses Vordringen der Reaktion im internationalen Ausmaße begünstigte auch bei uns die Bestrebungen zur Aufhebung des Mieterschutzes. In den letzten zehn Jahren ist diese Frage ost auf der Tagesordnung gestanden. Besonders während der kurzen Zeit der Bürgerblockregierung ist sie in der einseitigsten Weise nach den Gesichtspunkten der Hausbesitzerintereffen beantwortet worden. Der Mieterschutz wurde erheblich gelockert und nur dem hartnäckigsten Widerstand der Sozialdemokraten war es zu danken, daß die Pläne der Hausbesitzer und der bürgerlichen Parteien nicht in weitergehendem Umfange zur Durchführung kommen konnten. Mit der Verschärfung der Wirtschaftskrise wurden die Angrifte gegen die Mieterschutzgesetzgebung immer heftiger und die Bemühungen der inzwischen in die Regierung eingetretenen Sozialdemokraten, das Problem des Mieterschutzes und die staatliche Bausörderung in großzügiger Weise zu regeln, scheiterte an dem Widerstand der Hausbesitzerinteressen und der bürgerlichen Parteien. Die bürgerliche Mehrheit im Parlament und in der Regierung setzte schließlich immer mehr Lockerungen der Mieterschutzgesetzgebung durch. Immerhin gelang es den äußersten Anstrengungen der Sozialdemokraten, wenigstens für die minderbemittelten Bevölkerungsschichten den Mieterschutz im wesentlichen zu erhalten. Das Gesetz, das am Ende dieses Jahres abläuft, trat im Feber 1034 in Kraft. Es erleichterte dem Hausbesitzer die Kündigung, nahm die Dreizimmerwohnungen vom 1. Jänner 1935 ab gänzlich aus dem Mieterschutz heraus und hob außerdem jegliche Bestimmungen des Gesetzes für solche Mieter auf, deren Einkommen 24.000 Kronen jährlich, sofern sie noch für eine weitere Person zu sorgen haben, 36.000 Kronen übersteigt. Bon dem Beratungskollegium für Wohnungsfragen ist nun ein neuer Wohnungsgeseh- entwurf ausgearbeitet worden, der in erschreckender Weise erkennen läßt, daß die Mehrheit dieses Beratungskollegiums sich nicht von sozialen Gesichtspunkten, insbesondere nicht von den Interessen der minderbemittelten Bevölkerungsschichten hat leften lassen. Dieser Gesetzentwurf fordert nicht weniger als nach einer gewissen Uebergangs» zeit die völlige Aufhebung bet Mieterschutzgesetzgebung. Diese weitgehende Forderung wird in einer Weise begründet, die nicht sachlich genannt werden kann und die schärfste Zurückweisung verdient. Es heißt in der Begründung, daß die letzte Reform der Wohnungsfrage auch denjenigen keinen Nutzen gebracht habe, für die das Gesetz bestimmt war, umgekehrt aber das Baugewerbe und die Bauindustrie sowie auch die Arbeiterschaft geschädigt habe. Diese Behauptung steht im vollen Umfang im Widerspruch, zu den Tatsachen. Denn dadurch, daß es den Bemühungen derSozialdemo- kraten gelang, bei der letzten Reform den Mieterschutz für die Ein- und Zweizimmerwohnungen und für alle Mieter mit wenigerals 24.000 Kronen Einkommen jährlich zu erhalten, sind diese Mieter vor empfindlichen Mietzinssteigerungen und dadurch vor einer Verschlechterung ihrer sozialen Lage bewahrt worden. ES.ist weiter falsch. Lenk rechnet mit einem halben Jahr Sanktionsdauer Genf. Nach Genf kamen bereits am Donnerstag und Freitag die Staatsmänner, die auf der Sanktionskonferenz und dann in Privatberatungen die Fragen durchberaten sollen, die den abessinisch-italienischen Konflikt betreffen. Freitag vormittags fand bei Laval eine diplomatische Zusammenkunft statt, zu der Laval die britischen Minister Hoare und Eden eingrladen Hatte. Die drei Staatsmänner behandelten den französisch-britischen Standpunkt betreffend die weitere Lösung des afrikanischen Konfliktes sowie gewisse Probleme, die die Sanktionen betreffen. Der Sprecher der britischen Delegation erklärte, die englische Delegation sei mit den Beratungen zufrieden. Laval stimme mit den britischen MinisternHoare und Eden in derForderung überein, daß der Koordinationsausschuß aufgefordert werde, das nächstmögliche Datum fest- zulegen, zu welchem die Sanktionen Geltung erlangen sollen. O Bon der Sanktionskonferenz tagte am Freitag bloß derFinanzausfchnß, der sich mit der Frage des Clearings der Mitgliedsstaaten mit Italien beschäftigte, die durch die Vertreter der Kleinen-Ententrstaatrn angeschnitten worden ist. Es zeigte sich, daß die Liquidierung der Forderungen an Italien sehr schwierig sein werde, wenigstens vor der Erledigung des abessinisch-italienische« Konfliktes. Wirtschafts-Sanktionen ab 15. November? Genf. Minister Titulescu verhandelte Freitag mit Minister Hoare über die Fragen, welche die Staaten der Kleinen Entente interessieren. Im Achtzehnerausschuß wurden einige' Fragen betreffend die wirtschaftlichen Sanktionen, insbesondere das Problem des Clearingsabkommens mit Italien, behandelt. Ein Einvernehmen über die Lösung dieses Problems konnte auch nach einer achtstündigen allgemeinen Debatte nicht erzielt werden, weshalb der aus Vertretern Griechenlands, Englands, Spaniens, Frankreichs, Jugoslawiens und Rumäniens zusammengesetzte Sonderausschuß noch gestern abends zusammentrat, um einen praktischen Vorschlag zur Liquidierung der Forderungen der Mitgliedstaaten, welche Sanktionen gegen Italien durchführen, auszuarbeiten. Der Achtzehnerausschuß wird heute seine Verhandlungen über die Clearingfrage abschlietzen und zur Behandlung weiterer Probleme der wirtschaftlichen Sanktionen schreiten. Man rechnet damit, daß die diplomatischen Beratungen in Genf bereits heute abends abgeschlossen werden. Es heißt, daß das Datum des 15. November für die Durchführung der Sanktionen heute von der Konferenz genehmigt werden wird. Jugoslawiens Finanz-Sanktionen in Kraft Belgrad.(Avala.) Gestern traten in Jugoslawien die finanziellen Sanktionen gegen Italien in Kraft. Der Finanzminister veröffentlichte ein diesbezügliches Dekret, durch das jedwede Anleihen an die italienische Regierung ebenso wie alle Bankkredite, aus denen die italienische Regierung direkt oder indirekt einen Nutzen ziehen könnte, verboten werden. Mussolini organisiert Gegenwehr gegen die Sanktionen Rom. Ministerpräsident Mussolini empfing Donnerstag im Palazzo Venezia Vertreter des| Jnduftriellrnverbandes, die Vorschläge unterbreiteten, wie den Sanktionen entgegengetreten werden könne. Der Ministerpräsident setzte persönlich die Hauptgrundriffe dieses Aktionsplanes fest. Seite 2 Samstag, 2. November 1838 Nr. 288 »er Reichsverband der deutschen Aerzte- vcrclnc schon giclchgcschaltct? Man schreibt uns aus Aerztekreisen: Die deutschen Aerzte sind im»Reichsverband" organisiert. Diese Vereinigung soll nach den Statuten unpolitisch sein und nur der„Wahrung der wirtschaftlichen Interessen" dienen. Man bekommt aber einen eigenartigen Eindruck von der im„Reichsverband" herrschenden Auffassung von unpolitischer Haltung und von den Grenzen wirtschaftlicher Interessen, wenn man das Fachblatt dieser Organisation, die in Aussig erscheinenden„Aerztlichen Nachrichten" liest. Seit langer Zeit schon sind die„Aerztlichen Nachrichten" gleichgeschaltet und haben einen Charakter, als ob ganze Teile von einem„Beauftragten" des Reichsärzteführers Dr. Wagner geschrieben wären. In einer Rubrik„Rundschau" werden Nachrichten aus allen Ländern veröffentlicht. Das könnte sehr interessant und lehrreich sein, wenn es auch objektiv wäre. In Wirklichkeit ist die„Rundschau" fast ausschließlich eine Sammlung von Zi taten aus den reichsdeu t s ch e n, also unter Parteizensur oder von Parteifunktionären im politischen Sinne redigierten Zeitschriften. Wir erfahren also, was die wegen ihrer politischen Hetze gegen die Tsche- choslowakei hier verbotene„Münchener medizinische Wochenschrift", das Blatts der von den Nazi besonders geförderten Kurpfuscher„Der Heilpraktiker", und verschiedene„Aerzteblätter" an angenehmen Erscheinungen auf dem Gebiete der ärztlichen Interessen in Deutschland und anderswo zu erzählen haben. Da wimmelt es nur so von„Reichsministern",„Führern",„Beauftragten",„Bevollmächtigten" und anderen Repräsentanten des von den Sudetendeuffchen reklamierten demokratischen Prinzips, aber keine Silbe spricht von den 1202 Gelehrten, die von ihren Arbeitsstätten gejagt wurden. Da wird ein jubelnder Bericht darüber veröffentlicht, daß das „Verordnungsbuch" über Medikamente bei den Berliner Krankenkassen gefallen ist, aber nach Goebbels Rezept verschwiegen» daß sich an der Berschreibungsweise dec Kassenärzte in Berlin nichts ändern wird- und die Sparsamkeit in der Verordmmg teurer Medikamente fortbestehen muß, da das Medikamentenpauschal nach wie vor fortbesteht. Da wird ein verlogener Bericht über die Nürnberger Tagung zum„Aufbau der neuen Deutschen Heilkunde" gebracht und kein Wort der Kritik zu der Schmach gesagt, daß der Pornogr.aph S.treicher als Protektor dieser Tagung die„Umerziehung" der deutschen Aerzteschaft in die Hand genommen hat. Oh, eS wird auch k r itissi er t.nicht nuq gelobt! Man muß nur die N a chrichten dieser„Rundschau" über die Tschechoslo- wakei lesen. Oder was über Rußland geschrieben wird. Dann wird aber nicht aus russischen Berichten geschöpft, sondern aus deutschen und zur Darstellung achtunggebietender. Neuerungen ein gleichgeschaltetes Fragezeichen zugefügt oder die Entkräftung-angehängt:„Mit dieser theoretischen Darstellung über das Arztrecht in Sowjetrußland ist natürlich noch nichts über die praktische Durchführung gesagt. Diese liegt nach den eingehenden Berichten, wie das Gesundheitswesen überhaupt, sehr im argen." Diese politische Schreibweise der„Aerztlichen Nachrichten", die sich mit der Methode geschickten Zitierens aus der reichsdeutschen Stan- deSpresse, also aus Parteiliteratur begnügt hat, bekommt in letzter Zeft einen Charaüer, der uns zu einer sehr eindringlichen Mahnung an den Reichsverband veranlassen muß. Wenn die„Aerztlichen Nachrichten" einen Auffatz aus der„Rundschau" Henleins abdrucken, der in eine Werbung für die SdP ausklingt, so wird der unpolitische Charakter dieses StandeSblattes nicht einmal mehr zum Schein aufrechterhalten. Aber völlig verleugnet wird er durch einen Bericht über die Apothekertagung in Bodenbach, den wir in Nr. 21 vom 18. Oktober lesen. Da heißt es: „Zum erstenmal trat bei einer Apothekertagung die SdP auf; Apotheker Hub, der später auch in den Hauptausschuß des Verbandes ge- wählt wurde, stellte sich als beauftragter Leiter der Standschaft der Apotheker innerhalb der Sudetendeutschen Partei vor, und zwar, wie er ausdrücklich betonte, sowohl der besitzenden als auch der angestellten. Im Namen des Parlamentarischen Klubs der SdP begrüßte Senator T s ch a- k e r t die Versammlung und prangerte in seinen weiteren Ausführungen hauptsächlich die Mißwirtschaft der Krankenversicherungsanstalten an, deren hohe Verwaltungsauslagen in keinem Verhältnisse zu den Beiträgen und sozialen Leiftun» . gen stehen. Abgeordneter Lischka verlas eine Interpellation von Abgeordneten der Partei, in welcher an das Gesundheitsministerium Anfragen und Forderungen über die Abgrenzung der Verkaufsrechte des Apothekerstandes gegenüber dem Drogistengewerbe, über die Abänderung des§ 156 des Sozialversicherungsgesetzes bezüglich der direkten Abgabe von Heilmitteln durch die Krankenkassen, über eine Angleichung der Taxen, und zwar besonders der Arbeitstaxe für die begünstigten Parteien usw. gerichtet wurden. Der Vorsitzende deS Reichsgewerbeverbandes, Herr Hans Tichy, betonte in einer kurzen aber kernigen Ansprache die Schicksalsgemeinschaft des, gesamten Gewerbewesens im Abwehrkampf gegen die marxistischen Machtbestrebungen. Im Laufe der Versammlung erschien'auch nach Sen. En- huber, der an der gleichzeitig in Bodenbach stattfindenden Gewerbetagung teilgenommen hatte. Er schilderte, anknüpfend an die bekannte Fahrt von Abgeordneten der Partei in das Elendsgebiet, die ungeheure Not des Sudetendeutschtums und schloß mit einem begeisterten Bekenntnis zum Einigungsrufe Konrad Henleins, der richttg erkannt hat, daß nur im Gedeihen des ganzen Volkes auch das Heil der einzelnen Stände liegen kann." 7, Dieser Bericht ist nicht gezeichnet," ebeNsö nicht die politisch gefärbten Berichte der^Rundschau". Die Verantwortung trägt also der verantwortliche Schriftleiter, Herr Dr. Heinrich Schöppe, der Obmann des ReichsverbanddS. Wir warnen den Reichsverband! Er treibt ein gefährliches Spiel! lagerns des Einheitsverbandes der Prlvatansestellten Freitag, den 1. November, begann in Prag die Haupttagung deS Einheitsverbandes der Privatangestellten. Referate erstatteten der Generalsekretär des Verbandes Abgeordneter Klein und der Berbandsvorsitzende Pacovskh. Genosse zu behaupten, daß Baugewerbe und Bauindustrie durch die Mieterschutzgesetzgebung geschädigt würden. Wenn in der Begründung des Gesetzentwurfes dabei auf die Entwicklung der Neubauten in den letzten Jahren Bezug geiwmmen wird, so ist dazu zu sagen, daß der Rückgang der Neubauten nicht auf die Wohnungsgesetzgebung zurückzuführen ist, sondern aufs engste zusammenhängt mit der heftigen Krise, von der die gesamte Wirtschaft erschüttert wird; insbesondere wird die Belebung deS Baumarktes durch die immer noch anhaltende Kceditkrise sehr nachdrücklich gehemmt. Völlig daneben geht darum die Behauptung, daß nur die fteie Wohnungswirffchaft auf dem Wohnungsmarkt den wünschenswerten Ausgleich herbeiführen und eine erhebliche Zahl Arbeitslose in den Arbeitsprozeß zurückführen könne. Ein Blick auf die Verhältnisse des Wohnungsmarktes in jenen Ländern, die keine Mieterschutzgeseh- gebung mehr haben, bestätigt das. Dort sind zwar die Mietpreise erheblich gestiegen und als Folge davon die ärmsten Bevölkerungsschichten in Reinere Wohnungen zusammengepreßt worden, aber eine Belebung des Neubaues, also eine wirksame Bekämpfung der'Wohnungsnot ist nicht erfolgt.. Es klingt beinahe wie eine Ironie, wenn in dem Gesetzentwurf„insbesondere mit Rücksicht auf das Ansteigen der Arbeitslosigkeft" die Forderung erhoben wird, die Liquidation des Mieterschutzes so rasch als möglich durchzuführen. Gerade die furchtbare Notlage der Arbeitslosen, deren Großteil Mieter sind, denen jetzt die Mieterschutzgesetzgebung noch einigen Schutz gewährt, verlangt- daß dieser Schuh zumindestens für die größte Zeit der Not noch aufrechterhalten bleibt. Die Berechtigung dieses Verlangens kann nicht einmal das Beratungskollegium völlig negieren, denn es gesteht„wegen der wirtschaftlichen Bedrängnis" eine Liquidationsfrist von ein bis eineinhalb Jahren zu. Doch sollen beretts vom 1. Jänner 1936 ab die Zweizimmerwohnungen freigegeben werden und ab 1.Jänner 1937 kleine Betriebsstätten und alle übrigen Wohnungen bzw. Räume. In der Verteidigung der Mieterinteressen sehen sich die Sozialdemokraten allerdings' einer geschloffenen bürgerlichen Mehrheit gegenüber. Gelingt es den Sozialdemokraten nicht, den Vorstoß völlig abzuschlagen, so müssen sich die Mieter bei denen bedanken, die bei den letzten Wahlen nicht sozialdemokratisch gewählt haben. Lavals 185 Dekrete Eine Gefälligkeit für Hitler Paris. Unter den neuen Re gierungs- dekreten, deren Zähl nach den letzten Meldungen 385 beträgt, befinden sich auch zwei Pressedekrete, Das erste verbietet den Druck und die Verbreitung wissentlich falscher Nachrichten» die geeignet„find^ die Disziplin-oder den guten moralischen Zustand der Armee zu untergraben. Das zweite Dekret dehnt die bisherigen preß- g e s e tz li ch e n B e st i m mu n gen über die Verpflichtung zur Respektierung fremde r S t ä a t s o b e r.h ä u p t e r auch auf die Vorsitzenden der a u s l ä n d i- schenRegierung en aüs. Butternot Im ganzen Reich Berlin. In Berlin wollen die Schlangen vor den Buttergeschäften noch immer nicht verschwinden. Auch aus der Provinz kommen Nachrichten, die beweisen, daß die Butternot im ganzen Reiche herrscht. 2 Der Lakai Verbekhoven Von Max Hochdorf Der Saal lag unmittelbär neben dem Arbeitszimmer des verstorbenen Monarchen. Und Verbekhoven wußte, daß der junge König sich dort schon niedergelassen hatte. Hier hatten einstmals die Minister und Gesandten gewartet, um von der Majestät empfangen zu werden. Verbekhovens Amt war es gewesen, die Bequemlichkeitswünsche eines jeden Besuchers so- sort zu erraten, dem Nervösen die Sessel aus dem Weg zu schieben, damit sie unbehindert den Raum durchmessen und sich sammeln könnten, den Besuchern von Selbstbeherrschung und Gleichgewicht jedoch einen komfortablen Armstuhl anzubieten, in dem sie alles vorbereiten konnten, was Seiner Majestät zu unterbreiten war. Wie er jetzt den Handwerkern zusah, lächelte er bitter in diesen'Erinnerungen. Baron de Groux, der Hofmarschall, und Chevalier Kerk» Hoven, der Haussekretär, gingen auf Zehenspitzen herum und erteilten flüsternd- Befehle. Der Hofmarschall vermochte sich nicht von seiner langen Zigarre zu trennen, und da der Ernst des Augenblicks ihm Zurückhaltung gebot, kaute er, sichtvoll verärgert, an der kalten Tabafftange herum. Der Kronleuchter und die Kandelaber an der Wand strahlten mit allen ihren Lichtern. Die Gobelins und Gemälde waren schon umflort. Die Verwandlung des Wartesaales in eine Leichenkapelle würde bald vollendet sein. Die Handwerker waren schon müde. Sie zeigten zur Stunde, die sich schon der Mitternacht näherte, alle Zeichen der Uebernächtigung. Sie räusperten sich, husteten, schnaubten durch die Nasen, hätten am liebsten frei ausgespuckt, um sich zu erleichtern, hätten am liebsten einen safttgen Witz losgelassen, um die bedrückte Laune zu verscheuchen. Elendes, seelenloses Gesindel, stellte Verbekhoven wiederum fest. Mein König wird begraben wie der letzte Schuster, und der Hofmarschall und der Sekretär machten sich zu Komplizen der Majestätsbeleidigung. Da schrillte die Glocke aus dem königlichen Arbeitszimmer. Verbekhoven fuhr zusammen. Vor diesem Signal hatte er sich so lange schon gefürchtet. Würde er denn fähig sein zu gehorchen, er, der enffeelte Lakai ohne Erleuchtung? Vorwurfsvoll blickten der Hofmarschall und der Haussekretär ihn an. Wiederum schrillte die Glocke. Diesmal schwieg der Widerstand des Lakaien. Das dringlicher mahnende Signal machte ihn zum Automaten des Dienstes. Er drückte die Hand auf den Türgriff des königlichen Arbeitszimmers. Ohne, anzuklopfen, wie seine Ordre stets gelautet hatte, trat er ein. Wie er stets zu tun pflegte» zog er die Tür hinter sich lautlos zu. Er raffte die innere Gardine zusattimen. Die Gardine war hellgrün gefärbt, ebenso wie die Wand- tapeten. Hätte nicht in der Mitte des Zimmers der mächtige Eichenschreibtisch mit der Glasplatte darauf gestanden, das königliche Arbeitszimmer würde eher einem klinischen Laboratorium als einem repräsentativen Empfangsraum geglichen haben. Das Arbeitszimmer lag im HaÄdunkel. Nur die doppelarmige Hängelampe, ähnlich der Beleuchtung eines Billards, spritzte ihre Helligkeit über den Schreibtisch. Verbekhoven stellte sofort fest:„Alles ist noch so. wie ich es nach den Wünschen Seiner Majestät angeordnet habe." Dann blieb er, wie immer, regungslos und wortlos vor der Gardine stehen. Der Thronfolger, der noch ungekrönt» König, hielt sich aufrecht hinter dem Schreibtisch, dem Lakaien gegenüber. Er war hochgewachsen und sehr schlank. Seine Haare waren blond. Da aber die Lichter der Deckenkrone darauf fielen, schienen die Haare gebleicht, fast weiß. Am Mittelfinger der linken Hand, die der Thronfolger über den Uniformrock gebreitet hatte, hingen die Bügel der Hornbrille mit den dicken, runden Gläsern. Die elettrischen Birnen spiegelten sich darinnen. Die Strahlen schnitten um Mund- und Augenwinkel des Thronfolgers liefe Falten. Die Lider seiner Augen waren gerötet. '„Ich danke Ihnen," sagte der Thronfolger, „daß Sie meinem Onkel so tieu gedient haben. Wie lange sind Sie schon im Palais, Verbekhoven?" „Es ist über zwanzig Jahre, Majestät, daß ich dem seligen hohen Herrn zur persönlichen Verwendung attachiert wurde." „Da waren Sie auch dabei, als ich vor anderthalb Jahren aus den Kolonien zurückkehrte und von dem König auf der Hafenrede empfangen wurde?" „Jawohl, Majestät, ich habe dem seligen hohen Herrn den Pelzmantel holen und überlegen müssen. Seine Majestät hatten gedacht, die königliche Hoheit ohne Mantel zu begrüßen. Aber da wurde der Febernebel immer dichter, und der Dampfer ließ auch eine ganze Stunde auf sich warten." „Seit damals hat Seine Majestät zu kränkeln angefangen?" „Seit damals geschah es, daß die Seele des hohen Herrn immer schwächer wurde. Und wenn ich mir erlauben darf, vor Eurer Majestät ohne Rücksicht zu sprechen" „Das sollen Sie, Verbekhoven." „Seitdem nun die Seele des hohen Herrn von uns. gegangen ist"— Verbekhoven konnte nicht weitersprechen. Er blickte sich hilflos im Zimmer um, und alles lag vor ihm, wie durch einen Schleier verhüllt. „Wir sind beide sehr mitgenommen," sagte der junge König. Er sagte es sehr leise, so als wenn er es nicht wagte, die tiefe Erregung seines Gemütes preiszugeben. „Mitgenommen“ klang es in Verbek hoven nach,„mitgenommen, das ist daS richtige Wort. Ja, wir stehen zwar scheinbar im Arbeitszimmer der toten Majestät, aber wir sind nicht Klein erläuterte vor allem das Programm dec wetteren Verbands arbeit. Eine Aenderung desPensionsversicherungsge- s e tz e s— vor allem durch Festsetzung der Anrechenbarkeit der zweiten Hälfte der nichtversicher- ten Dienstzeit— sei unerläßlich. Die zuständige Ministerialkommission werde sich übrigens schon in den nächsten Tagen mit dem Gegenstand befassen. Die Sozialversicherung für Privatangestellte müsse in. der Weise ausgebaut werden, daß die Krankenversicherung für Privatangestellte der Pensionsanstalt angegliedert würde. Zum Schluß befaßte sich Abgeordneter Klein mit der internationalen Läge und erklärte, es sei Aufgabe der Gewerkschaften dafür zu sorgen, daß die Sanktionen gegen den Angreifer nicht auf dem Papier bleiben. Genosse Pacovskh sprach über die Stellung des Verbandes zu den aktuellen wirtschaftspolitischen Fragen. Er lehnte alle Währungsexperimente ab und verlangte fürjuu sere Wirtschaft sofortige Hilfe durch Inangriffnahme großer I n v e st i t i o n s a r b e i- t e n im Wege einer öffentlichen Anleihe. Es handelt sich darum, ungefähr drei Milliarden XL aufzubringen. Der Verband werde auch in der kommenden Zeit nach Kräften dazu bettragen, die schwierigen wirtschaftspolitischen Fragen zu lösen. Um eile MzemelnverdlniMckkelt der nordböhmischen Textil Verträge Durch die Verordnung Nr. 102 vom Jahre< 1935 ist für die Textilindustrie unseres Staates I die Möglichkeit geschaffen, die beretts bestehenden 1 Kollektivverträge für allgemeinverbindlich zu er- 1 klären, bzw. die Nebertragung bestehender Kollek« J tivverträge auf Gebiete vorzunehmen, die bisher j einem Kollektivvertrag nicht unterstanden. Die i Bertragsgewerkschasten im nordböhmischen Ge- 1 biet, an ihrer Spitze die Union der Texttlarbeiter, I haben die ersten Schritte eingeleite', um zur All- I gemeinverbindlichkeit der Textilverträge in Nord- I böhmen zu gelangen. Die nordböhmischen Texttl- Verträge umfassen drei große Textilbezirke, und j zwar Reichenberg, Friedland und| Tannwald. Es sind sowohl im Reichender- I ger, als auch im Friedländer Gebiete eine große 1 Anzahl Firmen, die den bestehenden Kolleftivver- I trägen nicht unterliegen und aus diesen Grün«- den Löhne unter demTarif zahlen; außerdem sind I bei kleineren Teilen von Jndustriegruppen 1 (Lohnveredelungsindustrie, Streichgarn- und j Vigognespinnerei) die Tariflöhne nur deswegen s aufrecht geblieben, well die Regierungsverord- j nung zum Schutze der Kollektivverträge von: Jahre 1934 einen Abbau der bestehenden Löhne. untersagt hat. Die Vertragsgewerkschasten verfolgen mit| dem Versuche, die nordböhmischen Textilverträge als allgemeinverbindlich zu erRären, den Zweck, j Ordnung in die Lohn- und Arbeitsbedingungen der gesamten nordböhmischen Textilindustrie zu] bringen und vor allem die mit der Allgemeinver« 1 bindlichkeit verbundene Unabdingbarkeit i zu erreichen. In der nächsten Zeit werden von der Union 1 der Textilarbeiter die notwendigen Schritte zur' Information der Textilarbeiterschaft unternom- 1 men werden, damit auch von dieser Seite her dem 1 Kampf um die Allgemeinverbindlichkeit die stärkste i Unterstützung verliehen wird. mehr, was wir waren,, was wir fein sollten. Wir sind eben mitgenommen, irgendwohin durch den Tod deS Königs aus uns selber entrückt.", Seine Augen klammerten sich an die. Gestalt hinter dem Schreibttsch. Er hatte ungeheures Mitleid mit sich selber, auch mit dem jungen Herrn, der ihn anlächelte, beinahe verlegen, der die Horstbügel seiner Brille langsam hin und herwiegen ließ. Der junge König starrte ins Leere hinein, als bedauerte er schon, vor einem Fremden so viel menschliche Verlassenheit zu zeigen. Er bückte sich zu einem Papier, um daS Gesicht zu verbergen. Doch bald hob er die Augen wieder. Seine klaren, freundlichen Züge wurden straffer, und er sagte: „Seitdem nun die Seele meines Onkels von uns "gegangen ist— wie merkwürdig Sie das ausgedrückt haben, Verbekhoven. Es geht einem ordentlich durch Mark und Bein. Sie wissen gar nicht, was Sie da angeschnitten haben, Verbekhoven. Es ist riesig schwer, sich an den Gedanken zu gewöhnen, daß man diese Seele nicht mehr täglich um sich haben soll. Ist das nicht ein Gefühl, bei dem uns angst und bange wenden kann? Man ist wie ausgehöhlt, man ist nur noch halb, Verbekhoven." „Ich bin überhaupt nichts mehr, Majestät," sagte der Lakei. „Und doch müssen wir wieder mit dem Leben rechnen lernen, Verbekhoven." „Gewiß, Majestät," erwiderte der Lakei, „aber ich glaube nicht, daß es mir gelingen wird. Ich bin eben schon zu alt dazu." „Verbekhoven, Sie sind doch noch ein junger, frischer Kerl. Und ich brauche Sie sogar. Ich weiß gar ni-'t, wie ich meinen Schreibtischschlüssel gebrauchen soll. Sie müssen mich bei der Wiedereinrichtung unterstützen. Der Baron hat mir gesagt, daß Sie ein Meister der Pünktlichkeit sind- Es hat mich sehr gestellt, das zu hören. Sie werden also die Güte haben, Ihrem Ruf Ehre zu machen." ^Fortsetzung folgt.)" Nr. 255 SamStag, S. November 1835 Seite 3 Um die Resierunsbilduns Gegen überstürzte Beschlüsse Prag. Die Koalitions-Verhandlungen über die von den Agrariern geforderte Umbildung der Regierung wurden auf Montag vertagt. Das „P rävoLidu" meldet offiziell, daß die Parteileitung der tschechischen Sozialdemokraten beschlossen hat, den politischen Unterhändler der Partei(Bechyne) zu beauftragen» er möge den Ministerpräsidenten Malypetr ersuchen, aus seinem Po st en zu bleiben und diese Probleme so lange zu vertagen, bis das Budget und die damit zusammenhängenden Gesetze parlamentarisch erledigt und so wenigstens die nächsten Punkte des Regierungsprogramms erfüllt sind. Auch das nationalsozialistische„§ e s k i Slovo" tritt dafür ein, daß die Verhandlungen nicht überstürzt geführt werden. Jede Aenderung in der Person des Ministerpräsidenten erfordere sorgfältige Erwägungen der Parteien. Auch im klerikalen Zentralorgan„Lidovt Listy" wird die Ansicht vertreten, daß die Verhandlungen k e i n e n so raschen Verlauf haben werden, wie man im ersten Moment glaubte. Jeder Antrag einer Koalitionspartei müsse erst innerhalb der Koalition verhandelt werden und dann erst könne dieser Antrag in einen Antrag der Koalition, bzw. in den Ausdruck ihrer Zustimmung umgeformt werden. • Der„V e n k o v" erklärt dagegen, der Vorwurf der vorzeitigen Publizierung der vorgeschlagenen Aenderungen im Kabinett könne die Agrarpartei nicht treffen. Die Publizierung sei aus den Reihen der übrigen Koalitionsparteien heraus erfolgt und nachher sei es selbstverständlich gewesen, daß auch die agrarische Presse sich nicht in Stillschweigen hüllen konnte. Die vorgeschlagenen Aenderungen bc- .deuten nach dem„Venkov" durchaus keine Kräfteverschiebung innerhalb der Koalition oder in bei Regierung. Die Koalition bleibe Koalition und das von Malypetr vorgetragene Programm bleibe auch weiter das Programm der Regierung. Sollte es bis zum nächsten Dienstag zur Umbildung der Regierung kommen, so würde nicht einmal eine neue programmatische Regierungserklärung abgegeben werden. Die Entscheidung des Präsidiums der Agrarpartei bleibe für die Partei verbindlich, und wenn die übrigen Koalitionsparteien daran etwas ändern wollten, so würde eine neue Situation entstehen und neue Verhandlungen erforderlich sein. Es sei die feste Absicht aller verantwortlichen Faktoren der Agrarpartei, die Verhandlungen nicht überflüssig zu verlängern und die Situation zu klären. Ausweis für den Monat Oktober (Die erste Zahl bedeutet Parteifonds, die einge« klammerte Wahlfonds.) Bodenbach 4000(1000) KC, Brünn 1200(300) KC, Karlsbad 5080(1270) KC. Landskron 400(100) Kc, Pilsen-Bud- tveiS 800(ISS) KC, Prag 560(140) KC, Preßbnrg 155(37) KC, Reichenberg 400(100) KC, Sternberg 2400(600) KC. Teplitz-Saaz 2800(700) KC, Traute n au 800(200) KC, Trapp au 1440(860) KC. Das konzentrische Manöver Makale—Gorohai als Angelpunkte der Operation Im Norden und im Süden Abessiniens hat die italienische Vormarschbewegung mit neuer Kraft eingesetzt. In der Provinz O g a d e n scheinen die klimatischen Schwierigkeiten soweit überwunden, daß die Tanks und Askaris des Generals G r a z i a n i zum Angriff auf Gorohai, den Schlüssel der abessinischen Stellung im Süden, schreiten konnten. Ob Gorohai schon erobert ist, läßt sich zur Stunde nicht mit Bestimmtheit sagen, da nur unbestätigte Meldungen vorliegen. Wenn die Italiener das brunnenreiche Gorohai haben, werden sie über eine Wasserbasis verfügen, dir ihnen einen raschen Vormarsch gegen Sassabene in der Richtung auf Djidjiga und Harar ermöglichen wird. Damit gewinnt der Vorstoß von Süden für die Abessinier den Charakter einer ernsten Gefahr und die Frage wird akut, wann W e h i b P a s ch a sich entschließen wird, die Italiener anzugreifen, oder sich ihnen zu stellen. Es liegt nahe, daß er die italienischen Kolonnen, sobald sie an der Gebirgsschranke von Harar zum Stehen kommen, aus westlicher Richtung flankierend an greifen wird...Jedenfalls' stehen, starke abessinische Kräfte in der Provinz Sidamo bereit. Im Norden sollen die Italiener das nicht verteidigte Makalle erreicht haben, im Osten im Vordringen nach der Provinz Danakil und in der Richtung der Seen sein, die zwischen dem Steiil- abfall des Hochgebirges und der Grenze von Eritrea liegen. Der konzentrische Angriff B a d o g- l i o s schreitet also fort.. Die beiden Greifer der Zange nähern sich langsam dem Punkte, an dem sie di« Hauptmacht der Abessinier fasten könnten. Man darf allerdings nicht vergeffen, daß sich die Operation auf einem so ausgedehnten Kriegstheater entwickelt, daß die italienischen Kolonnen von Makalle zum Musa Ali und von da nach Gorohai immer noch in Distanzen von 250 bis der Italiener 300 und 600 bis 700 Kilometer voneinander entfernt sind. Auch wenn die Südarmee Djidjiga ünb die Ostarmee die Seen erreicht, die Nord- armee noch weiter über Makalle ins Gebirge vordringt, werden die drei Armeen je 200 bis 250 Kilometer weit voneinander stehen. Dennoch zeigt sich hier von fern die Möglichkeit einer Riesenschlacht aus der Linie Gondar—-Sokota— Tschanka, also in einer rund 650 Kilometer langen Front, die bei Sokota rechtwinklig nach Westen abgebogen wäre, auf der die Italiener aber immerhin schon mit allen drei Armeen ineinandergreifend operieren könnten und den Abessiniern den Vorteil der inneren Linie geraubt hätten. Es wäre in Riesendimensionen ein neue s K ö- n i g gr ä tz. Der Negus dürfte, um das zu vermeiden, nicht in den Fehler Benedeks von 1866 verfallen, der sich nicht rechtzeitig zum Angriff mit versammelten Kräften auf einet; der getrennt marschierenden Gegner entschließen konnte. Natürlich haben die Italiener, ehe sie diese? Ziel erreichen, ungeheure Terrainschwierigkeiten zu überwinden; wahrscheinlich werden sie, mindestens im Süden, noch vorher zu einer großen Schlacht gestellt werden. Im allgemeinen ist die Kriegslage trotz dem italienischen Erfolge von Gorohai, der wichtiger ist als der von Makalle, für die Abessinier nicht so ungünstig, wie die italienischen Siegesmeldungen es darftellen. Noch haben von mindestens 700.000 Abessiniern keine 70.000 im Kampfe gestanden. Noch sind die Elitetruppen nicht eingesetzt worden und noch keine modernen Waffen. Wenn es dem Negus gelingt, die Entscheidung über die Jahreswende hinauszuziehen und inzwischen Flugzeug« und moderne Geschütze, vielleicht auch Tanks zu erhalten, so wird er in den entscheidenden Wochen vor der neuen Regenzeit den Italienern als taktisch sehr gefährlicher Gegner entgegentreten können, wo immer er sich stellen wird.> * Italienische Verlustliste Rom. Die italienische Presse veröffentlichte Freitag eine amtliche Totenliste der im Oktober in Afrika verstorbenen Soldaten und Arbeiter. Diese Liste weist lediglich fünf im Gefecht gefallene Italiener auf, die Verluste der Eingeborenentruppen sind hierin nicht eingeschloffen und werden bisher nicht angegeben. Im ganzen sind in den letzten zehn Monaten 193 Soldaten und 198 in Afrika beschäftigte Arbeiter durch Krankheits- und Unglücksfälle verstör- b e n, davon zehn Arbeiter seit Kriegsbeginn. * Aus Gorahai wurde einer der Häuptlinge des Somali-Stammes Ahmed Hassi zusammen mit 12 anderen Somalis in Fesseln nach Harar gebracht. Es wird ihnen zur Last gelegt, zugunsten Italiens Ausspähe rdienste versehen zu haben. Die Lage in Gorahai ist unklar. Ein italienischer Offizier» der einen Tank verließ, um sich bei einem Brunnen zu erfrischen, wurde in Dolo im Ogadener Gebiet gefangengenommen und nach Addis Abeba gebracht. Die Friedenssäule „Dieser Stein müßte weg, der verschandelt das ganze Monument../' Die Frage des Iwan Laputin Jeden Abend gegen halb sieben Uhr brachte man die russischen Kriegsgefangenen, die tagsüber in der Umgebung von Montmedy beim Straßenbau beschäftigt wurden, in die Festung zuriick. Gleich hinter dem Tor durften sie wegtreten und dann bis acht Uhr innerhalb der Wälle frei herumlaufen. Denn es war ja schon lange Friede mit Rußland. Im Laufichritt verschwanden sie m der Unterwelt ihrer Kasematten, stürzten gleich wieder mit Kochgeschirren und alten Töpfen heraus und erfüllten die paar Festungsgebäude, in denen deutsche Truppen lagen, mit ihrem Hunger. Sie bettelten um Brot oder Reste von Mittagessen und gaben dafür kleine verzierte Aluminiumringe, Bastschuhe, Schnitzarbeiten und andere nette oder nützliche Kleinigkeiten, die sie in den Nächten verfertigten. Halb froh, halb betrübt zogen sie ab, wenn sie einen Kochgeschirrdeckcl Suppe oder ein Stück trocken Brot gegen viele Stunden verlorenen Schlafs eingetauscht hatten. Festtage waren für sie, wenn di« Deutschen Graupen oder Steckrüben- dörrgemüse bekamen, denn dann waren die Abfall« süsser nicht ganz leer. An einem Abend klopfte es, einer von den armen Kerlen trat herein und blieb schüchtern a-> der Tür stehen. „Nun?" „Mechten der Herr nicht kaufen Kasten, kleinen Kasten, und geben mir dafier zwei Kummitz- brote?" '»Zeige mal!" Er kam an meinen Tisch und zeigte mir ein Holzkästchen, reizende Jntarfia-Arbeit. Da ich eS ziemlich lange schweigend betrachtete, begründete er: »Wird schon nicht sein zu viel, zwei Kum- niitzbrote? Wo ich habe gearbeitet damit sehr lange. Aber wenn Sie mir mechten so gut sein zu geben eins mit ein halbes? Bei mir ist Hunger so groß!" Zufällig hatte ich nicht einen Bisten Eßbares da, kannte hier oben auch niemand, von dem ich ein Stück Brot hätte borgen können. Und in der Kantine gab es nur Schuhkrem, Hosenknöpfe, Zigaretten, Briefpapier und eine Flüssigkeit, die böse Sarkasten als Bier bezeichneten. So blieb mir weiter nichts übrig, als den Rusten fortzuschik, ken mit dem Versprechen, ihm morgen etwas Suppe mitzubringen; umsonst sollte er sie haben Da ich mit unserem Küchenunteroffizier gut stand, ließ ich mir am nächsten Tag mein Kochgeschirr nochmals füllen, es gab Salzkartoffeln mit Konservengulasch. Skeptisch steckte am Abend mein Rüste den Kopf ins Zimmer: »Vielleicht Sie haben ganz vergesten an mich?" „Nein, Kamerad Rußki.— Sag mal, wir heißt du eigentlich?" „Iwan Laputin." „Also, Iwan, hier/hast du ein bißchen Esten. Daß du mir aber ja heute noch das Kochgeschirr wiederbringst! Hörst du?" „Oh, dank schen. dank scheu, ich werde bringen sauber in zehn Minuten." Zufrieden trollte er sich hinaus. Nach zwei Minuten war er wieder zurück, enttäuscht: -„Sie haben schon erwischt falschen Kochgeschirr, sink drin Kartuffeln mit viel Fleisch, ganz voll!"’' So mißhandelt waren Menschen worden, dah sie nicht mehr zu glauben wagten, es könnte ihnen jemand ein Kochgeschirr mit Kartoffeln und viel Fleisch ganz voll schenken.■*— Ich versicherte ihm, daß ich mich durchaus nicht geirrt hatte. Er begriff, erstaunt:„Fier mich?"— sauste davon und kam wieder mit dem Jntarsiakästchen:«Sie werden nehmen. Sie wer den schon misten nehmen von Iwan Laputin!" Iwan Laputin wurde mein Freund. Jeden Abend besuchte er mich; wertvolles, seltenes Erlebnis eines guten, treuen Menschen schenkte mir Laputin. Ich hatte ihn sehr gern. Eines Nachts— ich hatte bald herausge- kriegt, wie es anzustellen war, daß er nicht um acht beim Verlesen in den Kasematten zu sein brauchte j— eines Nachts saßen wir zusammen auf der Festungsmauer und schauten nach Süden, nach der Front. Dort, wo ein brüllendes, rotgelb zitterndes Lichtband gleich einem titanischen Menetekel Himmel und Erde trennte. „Bruno!"— endete Iwan unser Schweigen—„Bruno, mir will sich war fragen von dir. In 1917 in Herbst, sie haben gebracht mich aus Gefangenlager zu Bauer, kleinen, mit zwei Franzußki zusammen, zu helfen auf Landwirtschaft. War sehr schen dort. Ist nicht mehr gewesen Unteroffizier, was uns steßt immer mit Knarre in Ricken und schimpft:„Lauseschwein rußki stinkst!" Kennen wir dafier»wenn sie haben gegeben die Deutschen uns in Gefangenlager achtzehn Wochen nicht Wasser, abzubaden Kerper? Nu, war sehr schen bei kleine Bauer. An Tag wir haben gearbeitet mit in Feld. Und er hat gegeben uns zu esten sich satt, und feines Bett ist gewesen, warm und so weich, ooh! An Abend sie haben gelaffen uns kommen in Stube, und sie haben gesprecht mit uns wie mit Freinde. Junges Techterle ist gewesen, zehn Jahre, sie haben ihr geheißen Trudelche. Immer ist gekommen Mädel bei mich und hat gesessen sich auf meine Knie, und wir haben gespielt einer mit andere miteinander. Warerp sehr gute Leite. Und gesungt hab ich auf russisch, alle Lieder, wir haben gejungt auf Wolga, auf Floß frieher. Mir mußte immer so traurig sich denken dann nach Na» djeschda, Schwesterle meine kleine. Wird fahren. immer noch auf Floß, ganz ganz alleine mit fremde Leite, und wird haben Herz sehr krank mit Sehnsucht nach Iwan... Sie haben geliebt alle zu Heren Lieder auf russisch, und Frau hat geschenkt fier mich Bala- laiku, Freide große! War einmal Abend— weiß ich noch wie gestern— Mädel ist gekommen von Jeben Klavier in Stadt mit Hunger wie Wolf, und kalt ist gefriert draußen schrecklich. Wie sie hat ausgegesten satt, sie hat gesessen sich auf meine Knie und Hai gehuschelt sich bei mich. Und dann hat sie gefragt von mir: „Onkel Iwan, wie heißt: mir friert?" „Ja mjorsnu" ich hab gesagt Antwort „Und: ich hab Hunger?" Heißt: mnje jeftj chotschytsa." „Ich hab Durscht?" „Mnje pjitj chotschytsa." Sie hat genommen Kopf von mir'und hat gegeben Kuß auf Mund, und sie hat gefragt: „Sag pa rußki: Ich hab dich lieb!". „Ja tjibja ljubljul" ich sage uitd hab ge« kißt ihr auf kleines Mindchen, wie Nadjeschdu frieher, dutzen dmal. So liebes Mädel war. Nu, ist gegangen Trudelche in Stadt ir Schule an anderen Tag wie immer. Wie ist geworden Mittag, sie bringen ihr, und ist gewesen tot. Hat gehabt ab Beine, weil kommt Flieger franzußki, hat geschmiffen Bombe, trefft gerade tot das kleine Mädel. Alter Soldat ich, hab sich geweint Tränen wie Kind, Franzußki beide auch. Arme gute Trudjuschka! Nu, ich mechte fragen von. dich, ne von dir, Bruno, warum schießen tot Menschen einer anderen? Wo doch ist Hunger und Durscht uns kalt und Liebe in Seele immer daSselbes, bloß wieder anders? Mir kann sich nicht verstehen. Rußki sagt so und Deitsche so und Franzußki noch warum!" Bruno Doge l. Seite 4 Samstag, F. November 1933 Nr. 255 TlgesnemgLeiten Wieder einmal: Auto unterm Motorzug Drei Tote Prag. Am 1. November um 7 Uhr 34 Minuten fuhr der Motorzug Nr. 3001 auf dem Uebergang im Kilometer 369.804 zwischen Vsetaty und Melnik auf ein Lastauto auf. Drei Insassen des Lastautomobils wurden getötet, ei» vierter starb im Krankenhaus. Das Automobil wurde zertrümmert. Der Motorwagen wurde beschädigt, drei Passagiere wurden leicht verletzt. Die Ursache des Unfalles wird untersucht. Gastwirt von Einbrechern angeschofsen Mährisch-Ostra«. Freitag um 4 Uhr früh brachen zwei maskierte Räuber in die Wohnung des Gastwirtes Arthur Grauer in NeMeckä Lutyni bei Oderberg ein. Sie drangen schließlich in das Schlafzimmer des Ehepaares Grauer vor, das aus dem Schlafe erwachte. Die Einbrecher forderten mit vorgehaltenen Revolvern von dem Ehepaare Geld. Als sich Grauer weigerte, gab einer der Einbrecher einen Schuß gegen Grauer ab, der diesen an der Brust verwundete. Dann erst ging Frau Grauer mit den Einbrechern in den Laden und folgte ihnen aus der Kasse die ganze Barschaft im Betrage von etwa 30.000 Kc aus, worauf die Einbrecher mit dem Gelde verschwanden. Auf die Hilferufe der Frau Grauer eilten Hausbewohner und Ortsgendarmerie herbei. Es wurde auch die Fahndungsstation, aus Mährisch-Ostrau und die Bereitschäftsabteilung aus Freistadt herbeigehplt. Grauer wurde nach der ersten Hilfeleistung, ins.Krankenhaus überführ. Sein Zustand ist lebensgefährlich. Nach den Einbrechern wird gefahndet. Ein Nazi als Inspirator des 16jährigen Mörders Wien. Der jugendliche Mörder der Witwe Hofer aus dem 9. Bezirk, der sechszehnjährige Alfred E i s e n, der samt seinem Inspirator bereits Donnerstag verhaftet wurde, gestand, die Beute(einige Hundert Schilling und eine größere Menge von Schmucksachen) seinem Inspirator Bruno Holly übergeben zu haben. Holly bewahrte diese Beute bei einem anderen Freunde im 16. Bezirk auf, wo sie auch von der Polizei bis auf das Geld, das die jungen Leute unterdessen bereits verbraucht hatten, beschlagnahmt wurde. Hosty war vor kurzem wegen seiner Tätigkeit in der illegalen nationalsozialisti- s ch e n Bewegung zu einer mehrwöchigen Arreststrafe verurteilt worden. Nürnberger Gesetze in Aktion Berlin. Bei dem Landesgericht in Altona! wird demnächst der erste Fall von Rassenschän- düng nach dem Erlaß der Nürnberger Gesetze verhandelt werden. Einem Juden Ivird zur Last gelegt, die Bekanntschaft einer Nichtjüdin gesucht und sie zu einer Automobilfahrt mitge- I nominell zu haben, bei welcher Gelegenheit er sie zu mißbrauchen versucht haben soll. Grenzzwischenfall Warschau. Die Polnische Telegraphenagentur meldet aus Kattowitz: Donnerstag früh haben die Organe der polnischen Grenzwache in der Nähe der Ortschaft Grodic im Bezirke Rybnik in einer Entfernung von 50 Meter von der tschechoslowakisch-polnischen Grenze auf polnischem Boden zwei Funktionäre der t s ch e ch o- slowakischen Gendarmerie, einen Fähnrich und einen Wachmeister angehalten und auf das Polizeikommissariat gebracht. Die beiden Angehaltenen behaupten, irrtüm- l i ch auf polnisches Gebiet gelängt zu sein. Mussolini wird ausgepfiffe«. In England kommt es sehr selten vor, daß die Zuschauer in einem Kino ihre Gefühle geräuschvoll zu erkennen geben und sogar bei den gefilmten Jubi-1 läumsfeierlichkeiten ist nur wenig applaudiert worden. Nun aber liest man im„Manchester Guardian", daß in allen Londoner Kinos, selbst in den exklusivsten, die Volksmeinung sich kräf- tig Bahn bricht: jedesmal, wenn auf der Leinwand Mussolini oder einer seiner Söhne er- scheint, erhebt sich ein Sturm der Entrüstung, der sich in Schreien und Pfeifen äußert, wäh- rend doch sonst die Engländer in der Oeffentlich- leit höchstens zu lachen sich erlauben. Der Kron- Prinz von Italien wird mit Schweigen empfangen, der General de Bono bleibt fast unbemerkt, obgleich feit einiger Zeit in der Oeffentlichkeit viel van seinem Weißen Backenbart die Rede ist. Dem Kaiser von Abessinien, der in den letzten Geschehnissen eine würdevolle Rolle spielt, wird jedesmal langer Beifall gezollt. In Prager Kinos kann man übrigens die gleichen Erscheinungen beobachten. Glanzleistung einer Krankenkaffe Das neue Ambulatorium der Prager Krankenversicherung der Handels- und Privatangestellten Mit berechtigtem Stolz konnte die Erst: Prager Krankenversicherung der Handels- und Prwatangestellten Samstag die Oeffentlichkeit zur Besichtigung des Ambulatoriums einladen, das im früheren Schlik-Palais in der Fungmannova, dem Sitz der Versicherung, nach großzügigem Umbau untergebracht worden ist. Man möchte wünschen, daß alle leichtfertigen Bespötteler des Krankenkaffenwesens einen Blick auf die vorbildliche Einrichtung dieses neuen Ambulatoriums werfen, um sich von der Leistungsfähigkeit und dem gemeinnützigen Wert dieses Zweiges sozialer-Arbeit, zu überzeugen. Was die Krankenversicherung der Handelsund Privatangestellten im 77. Jahre ihres Bestehens und nach vierzigjähriger Entwicklung ihres Ambulatoriums-Dienstes hier geschaffen hat, ist in jeder Einzelheit so mustergültig, daß nur das erwähnt werden kann, was auf den Besucher den größten Eindruck macht. DaS ist zunächst die angenehme, helle, von keinem Krankenhausgeruch durckiivehte Atmosphäre der Räume, die durchdachte Organisation des Betriebes, durch die man Anmeldung und Kontrolle der(täglich über 700 PatrenAm) reibungslos gestaltet hat, und vor allem das erfolgreiche Bemühen, die modernsten technischen und wissenschaftlichen Errungenschaften in den Dienst der Versicherten zu stellen. Der Ein Einbruch in die Jiöiner Dekanalkirche zum heiligen Jakob ist bisher nicht aufgeklärt. Es scheint, daß es dem Täter vor allem auf die Entweihung der Kirche ankgm. Es geht' dies auch aus einem Briefe hervor, den der bischöfliche Notar Professor Sobisek in JiLin vor etwa einem Monat erhielt, ohne ihm jedoch Beachtung zu schenken. Der Brief fordert, daß die Monstranz zwei Meter tief in die Erde vergraben werde, u. zw. an einer näher bezeichneten Stelle, da sonst der Priester sterben„und im ewigen Feuer braten werde". 10.000 Aerzte in der Tschechoslowakei. Nach den neuesten statistischen Feststellungen gibt es in der gesamten Republik 9287 Privatärzte; rechnet man die in den öffentlichen Heilanstalten und Sanatorien angestellten Aerzte hinzu, beträgt die Gesamtsumme rund 10.000. Von den Aerzten befinden sich 5061 in Böhmen, so daß auf je 1000 Einwohner 9.7 Aerzte entfallen. In Mähren-Schlesien find 2291 Aerzte, also auf 1000 Einwohner 8.6, in der Slowakei 1666 Aerzte, also auf 1000 Einwohner 8.4, in Karpathenrußland 269, alsö au 1Ö00 Einwohner 2,6. Von der Gesamtzahl der Aerzte entfallen also auf je 1000 Einwohner 5.6 Aerzte. Luftkriegsakademie in Berlin. In Anwesenheit des Reichskanzlers wurde in Berlin die neugeschaffene Luftkriegsakademie und die Luftkriegsschule eröffnet, wobei Göring als Oberbefehlshaber der Luftwaffe die Eröffnungsrede hielt in der er erklärte, daß das deutsche Volk eine starke Luftwaffe brauche. „Schlangen" in Hamburg. Die Lebensmittelverknappung in Hamburg dauert unvermindert an. Vor den Butter- und Fleischgeschäf- ten sieht man wie in Kriegszeiten lange Fronten stehen und in zahlreichen Geschäften sind Butter und Schweinefleisch im Anrollen sind, und daß die der Versicherungen der zuständigen Behörden, daß erhöhte Kontingente an Butter und Schweinefleisch im Anrollen sind, und daß die Fettvexsorgustg durch erhöhte Erzeugung an Kunstfett wieder normal funktionieren wird, herrscht besonders in den ärmeren Bevölkerungsschichten in Hamburg eine sehr gedrückte Stimmung. Der Bürgermeister von Lyon. Im Rathaus von Lyon fand eine Festsitzung zur Feier des dreißigjährigen Jubiläums von H e r r i o t als Bürgermeister der Stadt statt. Die Festrede hielt der jüngste Stadtrat. In seiner Antwort wies Herriot darauf hin, daß während der ganzen Dauer der drittenRepublik Lyon nur drei Bürgermeister gehabt hat, eine Tatsache, die beffer als alles andere, die Stetigkeit und Ruhe der Entwicklung der großen französischen Seiden- und Meffestadt beleuchtet. Henderson, der Abstinent. Der kürzlich verstorbene englische Arbeiterführer ArthurHen- d e r s o n war seit mehr als 30 Jahren einer der Vorkämpfer der Enthaltsamkeit in der britischen Arbeiterbewegung. Noch knapp vor feinem Tode wurde anläßlich des Gewerkschaftskongresses, den er infolge seiner Krankheit nicht besuchen konnte, | ein Schreiben von ihm vorgelesen, worin er sagt: „Die Trunksucht unter den Arbeitern ist nicht mehr das schreckliche Uebel- wie in meinen jungen Jahren. Aber noch immer bedroht sie die i Ideale unserer Organisationen und steht der .Verwirklichung unserer Ziele im Wege. Wie ein Krebs frißt sie am Lehen der Gesellschaft. Die .alkoholgegnerische Gesetzgebung muß weiter ausgebaüt werden, damit die Forderungen des Programms der Arbeiterpartei erfüllt werden." „Verletzungen des AsylrrchteS". Zu dem unter dieser Ueberschrift erschienenen Artikel schreibt uns ein Emigrant:„Nachdem ich die Leiden und Qualen eines deutschen Konzentrationslagers durch- ' gemacht hatte, wurde ich nach meiner Entlaffung *über Vorkommnisse im Konzentrationslager vor große Massage-, Diathermie- und De- strahlungs raum, das Inhalatorium, dieRoentgen- Abteilung und das völlig neu eingerichtete Zahn-Ambulatorium sind mit den modernsten Apparaten und Hilfsmitteln ausge- stattet. Ganz besondere Sorgfalt ist der Sterilisierung der Instrumente und des Materials gewidmet, die durch moderne elektrische Apparate in allen Ordinationsräumen und durch eine große Zentralanlage besorgt wird. In diesem Ambulatorium, in dem 27 Aerzte beschäftigt sind, gibt es Spezsalabteilun- g e n für Dermatologie, innere Krankheiten, Gynäkologie, Chirurgie, Laryngologie, Augenkrankheiten, Nervenerkrankungen und Kinderkrankheiten, ergänzt durch Laboratorien und Archive. Auch die Büros der Verwaltung sind technisch ebenso modern ausgestattet wie die Behand- lungs», Uniersuchungs- und Warteräume. Das alte gräfliche Palais(von dem gerade noch die — durch einen Aufzug entlastete— Wendeltreppe und ein paar bunte Fenster im jetzigen Direktionszimmer geblieben sind) hat die Krankenversicherung-er Handels- und Privatangestellten(die schon das Sanatorium„Sanopz" errichtet hat) zu einem modernen Palast der ärztlichen Wissenschaft und der Volksgesundheit gemacht. Gericht vernommen und dort habe ich auf Befragen wahrheitsgetreu geschildert, was ich gesehen hatte, nämlich, daß an einem Tage drei Menschen gemordet wurden nur deshalb, weil sie das Unglück hatten, als Juden geboren zu sein. Den einen haben die braunen Bestien derart gefoltert, daß er sich an demselben Tage erhängte, und die beiden anderen haben sie meuchlings erschaffen; den Angehörigen erklärte man dann, sie wären„auf der Flucht er- schoffen" worden. Wegen dieser wahrheitsgetreuen Aussage, die ich machen mußte, sollte ich erneut in ein Konzentrationslager gebracht werden und damit wäre mein Schicksal besiegelt gewesen. Daher bin ich geflüchtet. In Topolna bei Üherske Hradiste in Mähren höbe ich neun Monate still und zurückgezogen gewohnt, ohne daß ich mich irgendwie an der Politik beteiligt hätte. Trotzdem hat mich der Gendarmeriekommandant aus Bkezalupy aus meiner Wohnung heraus verhaftet und, da mir bekannt war, wie mit Emigranten umgegangen wird und daß man Emigranten schon über die Grenze nach Deutschland zurückgebracht hat, bin ich nach der Verhaftung nach Wien geflüchtet. Von Wien aus hübe ich die tschechischen Behörden schon wiederholt um Aufschluß ersucht, mir den Grund meiner Verhaftung mitteilen zu wollen und meine Rückkehr zu bewilligen, da ich mich doch gegen die Gesetze nicht verfehlt habe. Doch vergeblich— ich bekomme keine Antwort, auch nicht vom Ministerium des Innern in Prag. Nun hat mir der Gendarm bei der Verhaftung eine Aktenmappe mit wichtigen Papieren w eggenommen und meinem Wohnungsinhaber verboten, daß er meine Bekleidung, Wäsche usw. an mich herausgibt. Folglich kann ich nicht meine Sachen erhalten und ich stehe da, nur mit dem, was ich bei der Flucht am Körper getragen habe, und das ist herzlich wenig. Die Zurückhaltung wichtiger Schriftstücke durch die Gendarmerie bringt mir obendrein erhebliche Vermögensnachteile, weil mich das Fehlen dieser Schriftstücke daran hindert, meine Forderungen aus Der Raubkrieg der italienischen Regierung gegen das wehrlose Abessinien hat die Gefahren eines neuen Weltkrieges außerordentlich verschärft. Obwohl durch das Eingreifen des Völkerbundes, insbefondere durch die Verhängung der wirtschaftlichen Sanktionen, eine Katastrophe im Weltausmaß zunächst gebannt erscheint, ist doch mit ihrer Möglichkeit noch immer zu rechnen. Vorsichtig, wie die Kapitalisten in allen solchen Fällen sind, beginnen sie sich denn auch in allen Ländern auf diese äußerste Möglichkeit vorzubereiten. Man weiß ja noch aus dem letzten Kriege, daß die Zusammenarbeit der internationalen Kapitalisten, das gemeinsame Profitmachen auch dann nicht aufhörte, als sich dick Soldaten ihrer Staaten auf den Schlachtfeldern gegenseitig abmurksen mußten. Während an den Fronten im Trommelfeuer täglich Zehntausende von Menschen ermordet und zu Krüppeln geschaffen wurden, trafen sich auf neutralem Boden die englischen, französischen und deutschen Aktionäre der großen Waffen- und Munitionsindustrieunternehmen, und verteilten die Profite. Kommt es zu einem neuen Weltkrieg, so wird es nicht anders sein. Wie eilig sie es mit der Versicherung der Fortsetzung der ungestörten Zusammenarbeit haben, dafür ist ein Bericht über eine Sitzung des Verwaltungsrates der Bank für Internationalen Zahlungsausgleich in Basel ein Beweis. An dieser Sitzung nahmen unter dem Vorsitz des Gouverneurs der holländischen Nationalbank unter anderem auch Montague Norman von der Bank für England.^Professor B e- tlednce nutz Direktor Azzoloni von per Der Vertrieb des MRBEITER-JJIHRBIICHS ist eine kulturelle Pflicht des aktiven SOZIALISTEN Deutschland einzuziehen. Mir fehlen die Belege zu Gericht und für die Devisenbewirtschaftung.— Vielleicht trägt diese Veröffentlichung dazu bei, daß ich erfahren kann, warum ich verhaftet wurde, daß ich meine Bekleidung und Wäsche und sonstiges Eigentum bekommen kann und daß mir alsbald wieder die Rückkehr in meinen Wohnsitz nach Topolna bewilligt wird und vor allem, daß sich nicht allzu oft solche Mißgriffe wiederholen."— Die Klärung des Falles wäre sicher nötig. Allerdings hat der Beschwerdeführer in diesem Fall durch seine Flucht nach erfolgter Verhaftung feine Rechtslage selbst verschlechtert. Daß die Behörde, deren Hast er eigenmächtig entronnen ist, ihm seine Sachen nachsendet, ist wohl ein schwer zu billigendes Verlangen. Dagegen könnte man dem Mann immerhin mitteilen, wessen er beschuldigt wird. RoteS Billard. Im Billard bereitet sich eine „Revolution" vor. Zum erstenmale in der Geschichte des Spieles wird ein Billardwettbewerb' in Indianapolis nicht auf dem tradionellen grünen Tuch ausgetragen, sondern auf r o t- bezogenen Billardtifchen. Aus Grund für diesen Bruch mit allem Herkommen wird von fachmännischer Seite angegeben, daß neueste Forschungen nachgewiesen hätten, daß grünes Tuch keineswegs die Eigenschaften hat, die man ihm nachrühmt. Es ermüdet das Auge durchaus mehr als Rot, ja es schädigt sogar die Sehkraft. Man spricht in Amerika auch davon, daß in den Spielkasinos und in allen Lokalen, in denen eS Spieltische gibt, die Farbe des Bezuges geändert werden soll. 1000 KC für ein Telephongespräch. Nach einem Uebereinkommen mit der britischen Postverwaltung wird mit sofortiger Gültigkeit der Telephonverkehr zwischen der Tschechoslowakei und Ceylon eingeführt. Gespräche können aus dem Gesamtgebiet der Republik mit allen wichtigen Orten auf Ceylon geführt werden. Die Gebühr für ein Dreiminutengespräch beträgt KC 1054.35, Anmeldegebühr Kc 175-70. Vom Rundfunk ■mpfahlenswertes aus den ProgruuMM Sonntag: Prag, Sender. L: 7.30: Uebertragung aus Karlsbad, 9.15: MuZiks Salonquartett, 12.20: Orchesterkonzert, 13.45: Leichte Musik, 17.50: Deutsche Sendung: Orchesterkonzert, 21.10: Opernarien, 22.20: Schallplatten, 22.25: Deutsche Presse. Sender S: 14.80: Deuffche Sendung: Arbeiterfunk: Tejessy: Von Nantes nach Nürnberg, 14.45: Prager Kaleidoskop, von W. Maras, 20: Uebertragung aus dem Smetanasaal: Konzert der tschechischen Philharmonie.—Brünn 9.15: Intime Musik, 10.35: Novak: Eroticon, Liederzyklus, 14.15: Opernszenen.— Mährisch-Ostrau 11.30: Haydn: C-Dur-Sinfonie Nr. 7., 19.45: Märsche.— Kascha« 21.25: Orchesterkonzert. Banca de Italia, Dr. Schacht von der Deutschen Reichsbank teil. Nationalbanken sind in den meisten Ländern durchaus private Unternehmungen, die allerdings von der Regierung ihres Landes bestimmte Privilegien genießen. Die Herren haben sich in Basel nicht nur über banktechnische und geldpolitische Fragen unterhalten, sondern sie kamen zusammen, um über die gegenwärtige politische Lage, insbesondere über einen gegenwärtigen Kriegsfall zu beraten. Der Bericht sagt nun, daß„zur gegenwärtigen politischen Lage die Feststellung gemacht wurde, daß mit Ausnahme der Vereinigten Staaten die übrigen Gründerstaaten der Bank für Internationalen Zahlungsausgleich, zu denen auch England und Italien gehören, die Erklärung abgegeben haben, daß auch in einem eventuellen Kriegsfall Gold und andere Depositen der BIZ keinerlei Einschränkungen für die Ein- und Ausfuhr unterliegen. Damit ist für jeden Fall der ungehinderte Geld- und Zahlungsverkehr zwischen der BIZ und den ihr angehörenden Notenbanken gewährleistet." Wenn es dem Völlerbund und der Aktionsbereitschaft der Arbeiterklasse nicht gelingt,, Mussolini in die Knie zu zwingen und das Entbrennen eines neuen Weltkrieges zu verhindern, so wird also wenigstens der ungehinderte Gold- und Zahlungsverkehr zwischen der BAZ und den Notenbanken gewährleistet sein. Das heißt also, daß während der Krieg Katakomben von Menschenleichen auftürmt, die geschäftlichen Beziehungen der Bankkapitalisten auf dem Umweg über die Bank für Internationalen Zahlungsausgleich so wei- terlausen wie im tiefste« Frieden« Im Kriegsfälle. ♦. Wie sich die Notenbankgouverneure darauf vorhereiten Nr. 255 SamStag, 2. November 1935 Seite 5 Erdbeben in Nordamerika Ottawa. Freitag, kurz nach 1 Uhr Ortszeit, würde in Ostkanada ein Erdbeben verzeichnet. Erderschütterungen wurden in Toronto, Montreal, Ottawa und an vielen anderen Orten beobachtet. Das Erdbeben wurde gleichzeitig auch in zahlreichen Staaten der Amerikanischen Union längs der Ostküste des amerikanischen Festlandes am Atlantischen Ozean verspürt. In der Umgebung New Jorks wurden zwei aufeinander- folgende Erschütterungen verzeichnet. Jede von ihnen dauerte etwa eine Minute. Auch in Fair- monte in West-Birginien wurden Erderschütterungen wahrgenommen; sie bewirkten in den östlichen Gegenden der Vereinigten Staaten ein« währe Panik unter der Bevölkerung, die bestürzt äuf die Straßen eilte. Südpolexpedition per Flugzeug Santiago de Chile. Die beiden bekannten amerikanischen Flieger Hubert WilkinS und Lincoln Ellworth verließen am Donnerstag mit ihrem Expeditionsschiff„Wyatt Ears" den Hafen von Magallanes in Richtung des südpolaren Festlandes. Sie beabsichtigen den Südpol im Flugzeug zu erreichen. Italien spart mit Papier. Der Sekretär der fascistischen Partei hat angeordnet, daß der bisher regelmäßig alle 14 Tage erschienene„Anzeiger des Rationaldirektoriums der fascistischen Partei" bloß in Fällen der äußersten Notwendigkeit ausgegeben werden soll. Auch die amtlichen staatlichen Bericht werden bloß in jenen Fällen zur Ausgabe gelangen, wenn dits unbedingt notwendig sein wird. Stromkonsumentea-Streik. Freitag abends begann in Kladno ein Lichtstreik. Die Kaufleute, Gewerbetreibenden und.die Restaurants verwenden in ihren Betrieben zum Zeichen des Protestes gegen die hohen Strchnpreise keinen elektrischen Strom, sondern behelfen sich mit Kerzen, Petroleumlampen u. ä. Wie lange der Streik dauern wird, ist nicht bekannt. HitlerS Hofphotograph unter Hochverratsverdacht. Der bekannte Photograph Heinrich Hof- nianu, der als Mitkämpfer Hitlers das Privileg hat, überall bei Feierlichkeiten, Aufzügen, Reden vsw. in der unmittelbaren Nähe Hillers zu pho« wgraphieren, hat, wie jetzt bekannt wird, gelegentlich der letzten Manöver auch die modernen deutschenTanks photographiert und diese Bilder neben den nationalsozialistischen Leitungen auch englischen Blättern angeboten. Aus diesem Grunde ist gegen ihn rin Hochverratsverfahren eingeleitet worden, darrst auf Intervention Hitlers niedergeschlagen wurde. Kennst du das Land? In einer nationalsozialistischen Bersammlung, in der Goebbels wieder einmal Deutschland als„Land der Lächelns" bezeichnete, erscholl plötzlich ein Zwischenruf:„Nein, Land des Röchelns I" Der Rufer wurde sofort verhaftet. Ltesfinieu kauft Baumwollstoff aus England. Auf der Börse von Dkanchester wurde angekündigt, daß die abessinische Regierung 8,800.000 Aards festen Baumwollstoff für die Armee in Lancashire bestellen werde. Das ist der größte Auftrag, den die englische Baumlvollinduftrie seit langem erhalten hat. Ihr Wert beträgt eine Viertelmillion Pfund. 1600 Arbeiter werden an der Ausführung zwei Monate beschäftigt sein. Nach dieser Bestellung zu schließen, rechnet Abessinien mit einer langen Kriegsdauer. Richterinnen in der Türkei. Aus Istanbul wird gemeldet: Dreizehn Mädchen, Absolventinnen der juridischen Fakultät, wurden auf Grund ein«s Beschlusses des Justizministeriums den Gerichten in Istanbul zur Dienstleistung zugeteilt. — Schon fertig? *— Ja, beim neuen Licht ging's rasch. — Tatsächlich— die Beleuchtung ist hier viel besser geworden. — Es liegt an den neuen Tungsram„D“ Doppelspirallampen. — Wieso? — Sie geben viel mehr Licht und verbrauchen dabei nicht mehr Strom. Der Zähler zeigt es. — Tatsache? — Tatsache! TolKswirtsdiaM und Sozialpolitik Fünf Milliarden Kronen Steuerrückstände sollen gestrichen werden! Die Frage der Steuerrückstände beschäftigt zur Zeit eingehend die Handelskammern, die Industrie llenverbände und auch unser Finanzministerium. Die Steuerrückstände halten sich seit etwa sechs Jahren auf einer Höhe von rund fünf Milliarden Kronen. Sie betrugen im Jahre 1929 rund 4.927 Millionen Kronen, im Jahre 1934 noch 4.846 Millionen Kronen. Diese gewaltigen Steuerbeträge schulden dem Staate nicht die Arbeiter und Angestellten, sondern die Unternehmer der verschiedensten Kategorien. Je schwieriger nun die Finanzlage des Staates wird, je dringlicher er also auf die Eintreibung dieser Schulden bestehen müßte, umso nachdrücklicher wird das Verlangen der Schuldner, ihnen diese aufgelaufenen Steuerrückstände zu erlassen. Wenn man auch nicht bestreiten wird, daß ein Teil dieses gewaltigen Betrages sich tatsächlich aus der Notlage, in die zahlreiche Unternehmen durch die Krise gekommen sein mögen, erklärt, so ist andererseits aber auch nicht zu verkennen, daß viele der Steuerschuldner durchaus imstande gewesen wäre«, die Steuern zur richtigen Zeit zu bezahlen und daß sie auch heute noch ein Leben führen, das hoch über dem steht, bei dem der Arbeiter und Angestellte seine Steuern pünktlich entrichten mutz. Während das Finanzministerium an einem Gesetzentwurf arbeitet, der ihm wenigstens einen Teil der Steuerrückstände einbringen soll, unterbreitet der tschechoslowakische Jndustriellenver- band dem Ministerium einen Entwurf, in dem im erheblichen Umfang der generelle Erlaß der Steuerrückstände gefordert wird. Mit dieser Stellungnahme setzt sich der Jndustriellenverband in Widerspruch zu der Haltung der Handelskammerzentrale, die sich gegen eine generelle Senkung der Steuerrückstände und gegen eine generelle Abschreibung der schuldigen Verzugszinsen ausspricht. Für diese Haltung wird geltend gemacht, daß eine generelle Steuersenkung die Steuermoral gefährden könne, da sie für die Nichtzahler wie eine Belohnung wirken müsse. Außerdem seien unter den Steuerschuldnern viele, die durchaus in der Lage seien» die Steuerrückstände abzutragen. Es wird darum eine individuelle Lösung vorgeschlagen, die die Garantie gebe, daß nur bedürftige Steuerzahler berücksichtigt werden. Im Interesse der Gesamtheit der Steuerzahler muß bei der Liquidierung der Steuerrückstände unbedingt, gefordert werden, daß die Schulden im weitestgehenden Umfange abgetragen werden. Ehe eine Senkung oder ein völliger Erlaß der schuldigen Steuern erfolgen kann, mutz eine genaue Prüfung der Verhältnisse des Schuldners trfolgen. Wenn es dabei zur Errichtung von besonderen Kommissionen bei der Steuerverwaltung kommt, so muß unbedingt auf die Hinzuziehung von Arbeitervertretern bestanden werden. Es darf nicht zugelassen werden, daß, während die Arbeiter und Angestellten dem Staate pünktlich di« Steuern zahlen, Unternehmer, denen es viel besser geht, als Steuerschuldner nachträglich noch vom Staate beschenkt werden.• Konzentration in der Schwerindustrie Die Fusion der Tatra werke mit der Ringhoffer-Werk P.-G. ist endgültig beschlossen worden. Die Bereinigung tritt mit rückwirkender Kraft ab 1. Jänner 1935 in Kraft. — Seit längerer Zeit sind Verhandlungen im Gange, die eine Vereinigung drrKönigsfel- d«r und der Er st en Brünner Maschenfabrik zum Ziele haben. Die Bereinigung wird besonders von der die Unternehmungen finanzierenden tschechoslowakischen Bank betrieben. Kleine Wirtschaftsnachrichten Di« internationale Petroleumkonferenz, die in den letzten Wochen in New Jork getagt hat, ist ohne endgültiges Ergebnis zu Ende gegangen. Obwohl die Verständigung der Welt-Oelfirmen mit Sowjetrußland schon ziemlich weit gediehen ist, haben andere Gegensätze jetzt das Zustandekommen eines neuen Oel-Weltpaktes verhindert. Mitteilungen aus de« Publikum. A»S den Laboratorien der TungSram- Werke trat die Wolfram-Glühlampe ihren Sieges« zug an. Der berühmte amerikanische Nobelpreisträger Langmuir vervollkommnete sie aber durch die Gasfüllung und schuf auf diese Weise die moderne Glühlampe. Jetzt stellt die Tungsram„D" Deka- lumen-Serie mit Gasfüllung, dank der ein Lichtplus von 20 Prozent erreichbar ist, einen neuen großen Fortschritt dar. Diese gewaltige Verbesserung wird durch die neue Konstruktion der Lampen ermöglicht: statt des bisherigen Glühkörpers glüht nämlich in der Gasfüllung eine Doppelspirale. Diese beiden im Verein verbürgen die hervorragende Leistung der neuen Tungsram„D" Doppelspirallampen. Deutsche Worte über Deutschland Deutsche Worte eines nicht unbekannten Mannes, seinen sehr zeitgemäßen Schriften entnommen. Eine kleine Auswahl nur, die leicht ergänzt werden kann: Neber den Wert der Partei Salon hat bekanntlich seinen Athenern ein Gesetz gegeben, daß bei Bürgerzwrsten jeder Bürger eine Partei ergreifen mutzte. Das liegt in der Menschennatur und dadurch wird Vernunft und Freiheitssinn lebendig erhalten. Bei uns ist überall das Gegenteil verordnet und dadurch wird Indolenz Md sklavische Verdumpfung geschaffen. Sehr klug; fast hätte ich gesagt: Sehr weise. Neber den Kadavergehorsam Unbedingter Gehorsam ist kein Gedanke unter vernünftigen Wesen. Wo mich jemand nach seiner Willkür brauchen kann, bin ich ihm keinen Gehorsam schuldig; däs geht aus der moralischen Natur des Menschen hervor. And die Vernunft? Wen» die Menschen endlich vernünftig sein werden, wird die Erde vielleicht am„Marasmus senilis" sterben. »eie, sich selbst “ Wenn ich die Welt ansehe, freue ich mich, daß ich keine Kinder habe. Denn was würden sie anderes werden als Sklaven oder Hündlanger der Despoten? Freiheit und Vernunft gehören noch picht in unsere Zeit. Gelehrte und Literaten Es ist nichts Ernsthaftes, daß nicht irgendeine Afterphilosophie lächerlich gemacht, und nichts Lächerliches, das sie nicht ernsthaft behandelt hätte. Auf beides muß man gefaßt sein, sobald man die Haustür öffnet, b Der innere Feind Die meisten Regenten fürchten sich mehr vor den Staatsbürgern, als vor den äußeren Feinden; ein Beweis, daß die meisten Staaten schlecht ein-^ gerichtet sind. Drr„Führer" Die Nation, welch« nur durch tinen einzigen Mann gerettet werden kann und soll, verdient Peitschenschläge. Wo- ein einziger Mann den Staat erhalten kann, ist der Staat in seiner Fäulnis kaum der Erhaltung wert. Recht und Ordnung Wenn etwa- hart bestraft wird, so beweist das gar nicht, daß es unrecht ist, er beweist blcnp daß es dem Vorteil der Machthaber nachteilig ist. Oft ist gerade die Strafe der Stempel der schönen Tat. Auch läßt es sich denken, daß einer moralisch eine Bürgerkrone verdient und gesetzlich gehenkt wird. Die deutsche Ehre Mit dem Degen kann man wohl zuweilen beweisen, daß man N^ut hat, aber nie, daß man Ehre besitzt; oft geht daraus das Gegenteil hervor. Ehre und Recht werden nur durch Vernunft dokumentiert, nie durch Waffen. Es ist, als ob man eine Schurkerei mit einer anderen umstempeln wollte. Ehre kann män mit den Waffen behaupten, aber nie erwerben, da erwirbt man nur Ruhm— oft das Gegenteil von Ehre. Bon den Söldnern Es kann in seinem Ursprung nicht leicht ein schlimmeres Wort sein, als Soldat, Söldner, Käufling, feile Seele; solidarius, glimpflich:D ukatenkerl. Die Sache macht die Ehre des Kriegers, aber ein Soldat kann als Soldat durchaus auf keine Ehre Anspruch machen. Es ist ein unbegreiflicher Wahnsinn des menschlichen Geistes, wie der Name Soldat ein Ehrentitel werden konnte. Dir Wahrheit Wer reine Wahrheit zu reden wagt, sollte sogleich seinen Stockknopf mit Gift füttern. Bon der Gleichheit Daß di« Menschen von Natur gleich sind, kann so deutlich erwiesen werden als nur irgendetwas, und wenn es nicht wäre, so müssen sie zur endliches» Schlichtung ihrer Händel und Ansprüche als gleich angenommen werden. Selbst die Satelliten der Despotie mit der Feder nehmen die ursprüngliche natürliche Gleichheit an. Der Beweis der Gleichheit kann am besten negativ geführt werden, so daß selbst der eiserne Despot sich davon überzeugen wird. Es kann nämlich kein Mensch den anderen unbedingt willkürlich zwingen, ihm zu gehorchen, sein Knecht zu werden. Sobald man mir die sicher«, unfehlbare Möglichkeit des Despotenzwanges erwiesen hätte, wollte ich sogar Itallenlscke Kolonialmethoden auch gegen Liberia angewendet London. Reuter meldet aus Monrovia, der Haupfftadt der Negerrepublik Liberia» daß nach, einer Erklärung des Außenministers von Liberia der italienische Vertreter T o m a s e im März d. I. der Regierung von Liberia einen fertigen Freundschafts- und Handelsvertrag unterbreitet habe, durch den italienischen Staatsangehörigen gleiche Rechte wie den Bürgern von Liberia gewährt werden sollten. Als die Regierung von Liberia sich geweigert habe, den Vertrag zu unterzeichnen, habe Tomase sofort das italienische Konsulat geschlossen und sei nach Rom zurückgckehrt. Seitdem sei jede Verbindung zwischen beiden Regierungen unterbrochen. Hoover will wieder kandidieren Paris. Wie Havas aus Washington meldet, hat sich der ehemalige Präsident Hoover entschlossen, neuerdings bei der im nächsten Jahre stattfindenden Präsidentschaftswahl in den Vereinigten Staaten zu kandidieren. Er wird die Wahlkampagne bereits am 16. November mit einer großen Rede im Staate Ohio einleiten, die auch durch den Rundfunk verbreitet werden wird. va§ Pflaster Wien. Bundespräsident Miklas hat dem Bundesminister Major Fey als ehemaligen Vizekanzler das Grotzkreuz erster Klasse des Oester- reichischen Verdienstordens und dem Landeshauptmann von Niederösterreich Josef Reicher als ehemaligen Bundesminister das Großkreuz des Oesterreichischen Verdienstordens verliehen.. Amnestie In Polen Warschau. Die Blätter bringen Einzecheiten über die Erlassung einer allgemeinen Amnestie in Polen und behaupten, daß bezüglich der politischen Vergehen alle Strafen bis anderthalb Jahren gänzlich nachgelassen und Strafen. im Ausmaß von über anderthalb bis zu drei Jahren zur Hälfte herabgesetzt werden sollen. Grace Moore in dem Film„Die Nacht der Liebe" das Recht einräumen, obgleich nicht mit Recht, sondern aüs Nptwendigkeit des unvernünftigen Schicksals. Aber wie will sich ein Mensch unbedingt gegen den anderen sicherstellen in seiner Willkür? Gegen physische Stärke braucht der Feind List mit Recht. Alles fft erlaubt, den unbefugten Beeinträchtige!: zu zerstören. Ein Knüttel, ein Stein, ein Gifthauch kann den Anmatzer in einem Augenblick töten. Wer sich nun den anderen nicht rein unbedingt auf immer unterwerfen kann,_ ist mit ihm von einerlei, von gleicher, wenigstens'nicht von größerer Natur. Selbst die Mittel des Despoten gestehen diese Gleichheit ein. Sie mieten Trabanten, aber dieses Mieten zeigt die Gleichheit mit diesen Trabanten, von denen sie sich oft Abhängig genug machen müssen. Ein, Despot scheint an dem Experiment zu arbeiten, wieviel die Menschen in ihrer Wcgtverfung Narrheit und Unsinn vertragen können; tvodurch er freilich nicht seine Weisheit zeigt. Sklaven und Tyrannen Faulheit und Dummheit und die aus beiden gemischte Furcht sind die Quellen des meisten Un« ftrgs, den Bosheit und Uebermut anrichtet. Wo keine Sklaven sind, kann kein Tyrann entstehen., • Zeitgemäße Worte eines guten Deutschen, eines verbürgt Nichtjüdischen. Aber der Verfasser hatte das Glück, lange vor dem Anbruch des Dritten Reiches zu sterben. Auch seine letzte Ruhestätte liegt außerhalb der Grenzen der neuen Tyrannei: in Teplttz-Schänau. Vieles aus den Schriften I. G. S e u m c s ist wieder zeitgemäß, aber— wer kennt von Seume mehr als zlvei Sätze aus den; Gedicht„Der Wilde"?, Scite 6 Prager Zeitung ,, Sozialdemokrat" Lebensmüde. Gestern um 2 Uhr nachmittags| Begegnung der beiden Königinnen, wird der Geschluckte die 40jährige Verkäuferin Marie Karban gensatz derart scharf, daß er nur mit dem Tode Maaus Karolinental in einem Hausflur in der Zeltner- rias beendet werden kann. Hier schließt auch, in gasse mehrere Tabletten Veramon. Aus der Klinik dieser Szene, das Drama Andersons. Velnař wurde sie, nachdem sie untersucht worden war, in häusliche Pflege entlassen. Motiv unbefannt. Gestern mittags schoß sich in selbstmörderischer Absicht der 34jährige Beamte Karl Roller aus Prag III in den linken Arm. Mit einer leich ten Verivundung wurde er aus dem Allgemeinen Krankenhaus in häusliche Pflege entlassen. In der Nacht auf gestern nahm die 26jährige Modistin Marie Kratochvil in ihrer Wohnung in Smichov in selbstmörderischer Absicht Veronal. Sie wurde auf die Klinik Pelnař gebracht. Das Motiv der Tat ist unglückliche Liebe. Die beiden Frauengestalten( Maria Stuart Frau Scheinpflugová, Elisabeth Tudor Frau Pačová) drängen die historischen Männergestalten ein wenig in den Hintergrund, mit Ausnahme des nur abstoßend wirkenden Schwächlings Darnley, des ungestümen Graf von Bothwell( Herr Stěpánek) und des Haßpredigers Knor( Herr Vydra). Trotz der sorgfältigen Einstudierung und der auf Charak teristik der Gestalten bemühten Regie und der zeitgemäßen szenischen Ausstattung wirkte die Aufführung schleppend, allzuviel auf Gefühl eingestellt. m. i. Die Wiener Städtemannschaft, welche an Stelle der Prager am Freitag in Paris gegen eine dortige Auswahlmannschaft spielte, verlor nach einem trefferreichen Spiel mit 5: 6( 2: 2). Frankreich nicht beim Olympischen Fußballturnier. Der bürgerliche französische Fußballverband beschloß, keine Amateurmannschaft für das Olympische Fußballturnier bei der Hitler- Olympiade 1936 in Berlin zu entsenden. aus der Partei Bezirksorganisation Prag: Situng der Bezirksvertretung. Dienstag, den 5. November, um 20 Uhr im Parteiheim, Národni 4, Sibung der Bezirksvertretung, bei der die Anwesenheit aller Mitglieder erwünscht ist. Sozialistische Jugend. Nach der Arbeitervor= Sonntag, halb 11 Uhr:„ Der Sturz des Anti- stellung in den Roten Klubabend! Sonntag um 18 christ", dramatische Stizze in drei Aften von Albert Uhr in der Urania, Klimentska. Bringt Gäste mit! Steffen, aufgeführt von einer Schauspielergruppe Samstag, 2. November 1935. Nr. 235 SCHUTZE DICH nur mit Primeros GUMMI das FEINSTE u.VERLÄSSLICHSTE Auch unser heuriges Reklame- Angebot ist in Preisen und Qualitäten konkurrenzlos des Goetheanum in Dornach( Schweiz). Veran- Filme in Prager Lichtspielhäusern MÄNTEL staltung der Anthroposophischen Gesellschaft. ,, Maria Stuart", Samstag, zu Schillers Geburtstag. Regie: Marlé.( B2.) Zwei Ueberfahrene. Die 22jährige Marie Poprna wurde gestern abends von einem unbekannten Auto, das sofort mit Vollgas weiterfuhr, auf der Manesbrücke überfahren und verletzt. Der vorbeigehende Arzt Dr. Erwin Adler ließ sie auf die Klinit Schloffer bringen, wo eine Gehirnerschütterung und Rizwunden festgestellt wurden. Nach dem gewissenWochenspielplan des Neuen Deutschen Theaters. Gestern um 3 Uhr losen Chauffeur wird geforscht. nachmittags wurde in der Nähe des Wilsonbahnhofes Samstag halb 8: Pelléasund Melisande, der 29jährige Korbflechter Franz Balcar von einem Motorwagen der 1er Linie überfahren. Mit schwe- christ, ren inneren Verlegungen wurde er bewußtlos auf die Klinik Jirasek gebracht. Ein Warenhausdieb springt zehn Meter tief. In der Nacht auf gestern verständigte ein Beamter der„ Stapa" in der Fochstraße gegenüber dem Rundfunkpalais die Polizei, daß Diebe im danebenliegen den Garten die Mauer des genannten Warenhauses durchbrechen wollten, um in die Kanzleiräume zu gelangen. Die fofort an Ort und Stelle entsandte Wache verhaftete im Hof des Hauses Nr. 21 den befannten Dieb Josef Koutnik aus Prag II und bemerfte zwei weitere verdächtige Personen auf dem Dach des Hauses Nr. 19, die, als sie der Polizei ausichtig wurden, zehn Meter tief vom Dach in den Hof sprangen. Sie wurden jedoch eingeholt und als zwei Zimmermaler aus Prag IV, der 26jährige Karl Hrniček und der 33jährige Karl Macet, sichergestellt. Sie hatten bereits ein größeres Loch in die Wand gebohrt. Die Einbruchswerkzeuge, die sie bei der Flucht zurückgelassen hatten, wurden beschlagnahmt. Die Verhafteten gestanden, die feuersichere Kasse der„ Stapa" haben ausrauben zu wollen, in der sie einen größeren Betrag vermutet hatten. Der Dachsprung hatte trop der späten Stunde einen A 1. Sonntag halb 11: Sturz des AntiGoetheanum in Dornach( Vorstell. d. Anthropos. Ges.), halb 3 Arbeitervorstellung: Der Geizige, halb 8: Feldherrnhügel, 1. Montag 8: Ritterliche Affären, Gastspiel des Deutschen Volkstheaetrs Wien mit Felir Bressart, Abonnement aufgehoben. Diens tag 8: Kind im Kampf. A 2. Mittwoch halb 8: Pelléas und Melisande, B 2. Donnerstag halb 8: Rigoletto, C 1. Freitag 8: Kind im Kampf, 2. Samstag halb 8: Schiller- Feier: Maria Stuart, neu inszeniert, B 2. Avion: Beranek: Urania:„ Menschen im Hotel"( Deutsche FasAdria: M. R. Stefanit". sung, Greta Garbo). Alfa:„ Folies Bergere". A. Tich. „ Fata Morgana". A. Eddie Cantor. ,, Die bengalischen Reiter". A. Fenix: Viva Flora:„ Die Nacht der Liebe". A. Villa". A. Gaumont:„ Leutnant Bobby". D. Holly= wood:„ Leutnant Bobby". D. Hvězda:„ M. R. Stefanit". Tsch. Julis: ,, Zigeunerbaron". D. Kinema: Journale, Groteske, Reportagen( halb 2 bis 47). - Koruna: ,, Die Geheimnisse von Paris". dr. Kotva:„ Tränen der Liebe". A. Lucerna: Viva Villa". A. Metro: ,, Gebrochene Herzen". A. Olympic:„ Die Nacht der Liebe". A. Passage: Zigeunerbaron". D. Praha:„ Bom= bay- Expreß". A. Radio:„ Drei bengalische Reiter". A.- Staut: ,, Drei bengalische Reiter". A. Světozor:„ Tränen der Liebe". A. Alma:„ Charlie Chan in London". A. Warner Oland. Bajkal: " Die blonde Carmen". D. Belvedere:„ DieluWochenspielplan der Kleinen Bühne. Samstag 8: Tedd y contra Te d d y. Sonntag 3: Attentat, 8: 3m Londoner Nebe I. Montag 8: Ich kenne dich nicht mehr, Bankbeamten I. Dienstag 8. Teddy contra stige Witwe". A. Illusion:„ Die Nacht der Ted d y.- Mittwoch: Maria Magdalena, Liebe". A. Lido II:„ Die lustige Witwe". Bankbeamten II und freier Verkauf. A. Donnerstag Maceška:„ Pygmalion". D.- Rory:„ Der 8 Uhr: Tedd y contra Te d d y.- Freitag erste Kuß". Tsch." Sport: ,, Weib und Hampel8 Uhr: I m 2 on doner Nebe 1, Theaterge- mann". A. Marlene Dietrich. 1 Vejvodu: Peer meinde des Kulturverbandes und freier Verkauf. Gynt". D. Valdek:„ Die Nacht der Liebe". A. Grace Moore. Samstag halb 8. Teddy contra Teddy. Bio Veletrhy:„ Pygmalion". D. ziemlichen Menschenauflauf veranlaßt. Die beiden Sport- Spiel- Körperpflege wurden nach Pankraz eingeliefert. Was schmeckt nach ,, mehr" und ist höchst nahrhaft?..Diana" Vollmil ch= Malz Drops. 3116 = Kunst und Wissen Maria von Schottland.( Schauspiel von Mar well Anderson, Nationaltheater.) Ein Vergleich mit Schillers Maria Stuart" wäre nicht am Plaße. Das Schillersche Drama umfaßt die letzte Zeitspanne in Maria Stuarts Leben vom Kerfer zum Schaffott, während Anderson die Landung Marias in Schottland nach dem Tode ihres französischen Gatten zum Anfang und ihre Flucht und Gefangennahme in England als Endabschnitt nimmt. Vor allem aber tritt hier die Verschieden heit in der Auffassung der beiden tragischen Gestalten, der englischen Elisabeth und der schottischen Maria, flar zutage, in der sich die Zeit spiegelt, in welcher beide Dramen geschrieben wurden. Andersons Maria kommt, lebenslustig und verwöhnt, vom lachenden Frankreich, mit dem besten Vorsatze, die Kälte und Rauheit ihrer schottischen Untertanen mit Milde und Herzlichkeit zu brechen. Sie will Frieden wahren, Grausamkeiten vermeiden, als von allen anerkannte Königin herrschen. Kaum den Fuß auf die Heimatliche Erde seßend, steht sie dem protestantischen Savonarola, Jan Knox, gegenüber, der wie ein finsterer Schatten die wenigen Jahre ihrer Herrschaft verdüstert, gegen den sie vergeblich anfämpft. Sie durchschaut das feine Gespinst von Lügen und Intrigen nicht, das von England nach Schottland geworfen wurde; verwickelt die Sache des persönlichen Glücks mit der Staatsraison, als sie den Gecken und Saufer Darnley heiratet und verwirkt, sich selbst untreu geworden, das Glück, den Thron und das Leben. Die englische Elisabeth, unbefriedigt in ihrem Frauenlos, durch die bewunderte Maria mit ihrem legalen Anspruch auf den englischen Thron sich bedroht wähnend, seßt die ganze politische Schlauheit, das ganze Nez niedrigster Intrigen ein, um die nicht eben feste Stellung der jungen Königin inmitten der mit Religions hadern entzweiten Parteien zu schwächen und der= art Schottland an England zu fesseln. Der gewalt fame Tod des Darnley, der Konflikt der schönen und Teichtgläubigen Königin mit ihren rauhen, primitiven Untertanen, durch ihre Leidenschaft für Bothwell noch verschärft, sind die Früchte der nimmer müden Wühlarbeit der rothaarigen Jungfrau auf dem englischen Throne. In der Kerkerszene, bei der Bilanz der Leichtathletik im 1. Atus- Bezirk Die Sportler und Sportlerinnen des 1. AtusBezirkes haben in der diesjährigen abgelaufenen Saison durch starke Aktivität einen Leistungsaufschwung zu verzeichnen. Die besten Ergebnisse waren wie folgt: Sportler: 100 Meter: Ed. Sterzel( Aussig) 11.9 Get. 200 Meter: Fr. Schusser( Aussig) 24.6 Sef. 400 Meter: Alfred Breite( Aussig) 55.9 Sef. 1500 Meter: Alfred Breite 4: 26.8 Min. 3000 Meter: Rudolf Krombholz( Kleinpriesen) 10: 33.6 Min. Weitsprung: Alfred Breite 5.98 Meter. Hochsprung: Erwin Gaube ( Großpriesen) 1.52 Meter. Dreisprung: Walter Stabhoch: Pilat( Kleinpriesen) 10.35 Meter. Franz Schusser 2.80 Meter. Kugel: Herbert Seidel( Bofau) 10.71 Meter. Distus: Herbert Seidel 32.24 Meter. Speer: Herbert Seidel 47.15 Meter. Schleuderball: Emil Goldbach( Aussig) 41.25 Meter. Dreikampf: Alfred Breite 268 Punkte. 4X100 Meter: Aussig 48.5 Set. 10X100 Meter: Aussig 2:08 Min. Schwedenstafette: Aussig 4: 00.2 Min. Sportlerinnen: 60 Meter: Mila Cubova( Brag) 8.5 Set. 100 Meter: Heldmann ( Aussig) 14 Set. Kugel: Cubova 8.86 Meter. Schleuderball: Heldmann 34.23 Meter. Weit sprung: Elsa Kauer( Prag) 4.45 Meter. 4X100 Meter: Prag 59 Set. Dreikampf: Cubova 246 Punkte. Die leichtathletischen Landesmeisterschaften der SSSR, welche in Moskau bei sehr schlechter Witterung stattfanden, brachten eine Teilnahme von 9000 Wettkämpfern. Im Laufen über 5000 Meter, in welchem 5000(!?) Teilnehmer starteten, siegte der beste Sportler der Moskauer Garnison Ttač in der Zeit von 15:45 Min. Das Laufen über 2000 Meter gewann Sobolew in 7:12 Min. und über 10.000 Meter siegte Temnow in 34:38 Min. Die sowjetrussische Fußballauswahlmannschaft, welche zur Zeit in der Türkei weilt, hat bisher drei Unentschieden das letzte in Ankara mit 3: 3 erzielt und erst im vierten Spiel, das in Smyrna stattfand, langte es zu einem fnappen 2: 1( 1: 1) Sieg. Sparta gibt einen Punkt ab! In Teplit fand am Freitag das vorverlegte Ligaspiel Sparta- TFK statt. Es endete mit einem für die Prager nicht erwarteten Unentschieden von 2: 2( 1: 1). Sparta rettete den einen Punkt durch einen Freistoß. Anglo- Elementar Versicherungs- Aktiengesellschaft in Wien Direktion für die Č. S. 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