Einzelpreis 70 Hellar (alnachllaBlich 5 Haller Porto) 1ENTRALORGAN DER DEUTSCHEN SOZIALDEMOKRATISCHEN ARBEITERPARTEI IN DER TSCHECHOSLOWAKISCHEN REPUBLIK ERSCHEINT MIT AUSNAHME DES MONTAG TXGLICH FRÜH. REDAKTION UND VERWALTUNG PRAG XII., FOCHOVA 42. TELEFON 53077. - HERAUSGEBER! SIEGFRIED TAUB. CHEFREDAKTEUR! WILHELM NIESSNER. VERANTWORTLICHER REDAKTEUR: DR. EMIL STRAUSS, PRAG. 15. Jahrgang Sonntag, 3. November 1935 Nr. 256 Ein Griff ins„Braune Netz“ Massenverhafftung reichsdeutscher Spione/ Eine große Organisation • Natürlich SdP-leute darunter I Die Prager Polizeidirektion gibt folgende amtliche Nachricht aus: Seit Monaten ist eine Reihe von Personen der Spionage zugunsten des Deutschen Reiches Verdächtig, die in den letzten Wochen verhaftet und, nach Beendigung der Voruntersuchung, wegen Militärverrats nach§ 6, Abs. 2, des Schutzgesctzes in die Haft deS Präger KreisgerichteS in Pankrac eingeliefert worden find. Die Namen der Verhafteten sind: Erwin Gcheichenost, stellungsloser technischer Beamte aus Pleil-Sorgental bei Weipert, Gisela Scheichenost, geb. Fischer, dessen Mutter, Marie S ch m i e d l, stellungslose Arbeiterin aus Weipert, dessen Verlobte, Otto Rauscher, stellungsloser Privat- leamte aus Perntesgrün, Roman P f o b, stellungsloser Arbeiter aus Pleil bei Weipert» Josef G ö r g, arbeitsloser Privatbeamter aus Pleil bei Weipert, Adolf B ii r g e r, Fleischergehilfe aus Wei- tzrrt, ' Georg N o v o t u h, Kellner aus Prag» Magda Schul», alias Brkcy, stellungslose Pkgieherin, . Hermann Wolfsohn, reichSdeutscher StaatSangehiiriger, angeblicher Svndiku», Friedrich Karl Witte, stellungsloser Pri- datteamter aus Eger, Augusta Witte, geborene Klement» dessen Mutter, Staatsbeamtenswitwe aus Eger, Karl Strass, städtischer Aushilfsbeamter aus Eger, I Heinrich Glaser, Inhaber einer Rellame- kanzlei aus Komata«, Adam Böhm, stellungsloser technischer Beamter aus Haslau bei Dresden, Reserveoffizier, Hermann R e i n e l, reichSdeutscher StaatS- Rugehöriger, ehemaliger Förster ohne ständigen Wohnsitz, Anna D i e n e l, stellungslose Privatbeamte »vs Eger, Jng. Walter Fischer» stellungsloser tech- nischer Beamte aus Prag, Alexander M i ch a l e k, Hörer an der Prager deutschen richtS- und staatswissenschaftlichrn Fakultät, Franz W»l l r a h, Hörer der höheren Bier- hrauereischule in Freising in Bayern, Ernst Bauer aus Schalldorf bei Znaim, Friedrich R i p p e l, Beamter der Kohlen- besrllschaft„Britannia", Königswart, Georg Tebensky, Inspektor d. R. der ehemaligen Buschtkhrader Bahn, Friedrich Klee, stellungsloser Architekt, österreichischer Staatsbürger, wohnhaft in Trp- litz-Schönau, Rudolf S e m s ch, Hörer an der Prager deutschen naturwissenschaftlichen Fakultät aus Trplitz-Schönau, Franz S a s« m, Beamter des Karlsbader 8entralverbandes deutscher Sparkassen aus Prag. Lerroux droht mit Enthüllungen die di« Republik s in'Gefahr bringen könnten Madrid. Der Vorstand der Zensurbehörde Alauro Ponte wurde abberufen, weil er seine Einwilligung zur Veröffentlichung einer Erklä- rung Lerroux* erteilte, in der dieser darlegt, darum er sich nach der Erklärung der Regierung in den CorteS nicht sofort erhob, um sich zu verteidigen.„ES wird besser sein," erklärte Lerroux, »wenn ich m ö g l ich st spät sprechen werde. Wenn ich aber sprechen werde, so wird dies nur deshalb geschehen, um die Sache der Gerechtigkeit zu verteidigen, doch könnte die Republik in Gefahr gebracht werden, weshalb ich vorläufig lieber davon absehe," Von den Verhafteten ist nur einer schon früher offiziell politisch hervorgetreten: Otto Rauscher, der ehemalige Sekretär der aufgelösten Nationalsozialistischen Deutschen Arbeiterpartei. Von den Egerer Verhafteten war Fried- Der Unverantwortliche: „An Loyalität kann uns niemand überbieten“ Erklärung der SdP in der Mährischen Landesvertretung rich Karl Wittein der DNSAP organisiert; er arbeitete für den reichsdeutschen Kriminalkommissar Krellmann, wofür er sich in den Augen der reichsdeutschen Stellen dadurch besonders eignete, daß er zusammen mit dem gleichfalls ver hafteten Otto Strotz eine Zeit lang ein privates Jnformationsbureau betrieben hatte. Strotz hatte als städttscher Aushilfsbeamter die Meldeagenda der Egerer Stadtgemeinde bearbeitet. Anna Diene! hingegen, die mit dem Dresdner Spionagechef Helm und einem Offizier des reichsdeutschen Nachrichtendienstes in Beziehungen gestanden haben soll, hat diesen beiden unter den Kleidern Informationen über die Grenze gebracht; auch soll eben bei ihrer Verhaftung belastendes Material gefunden worden sein. Für den Spionagechef Helm arbeitete auch der verhaftete Glaser aus Komotau. Mit reichsdeutschen amtlichen und Par- teistellen in Annaberg in Sachsen soll ferner der verhaftete Erwin Scheichenost in Verbindung gestanden haben, während sein Mitarbeiter, der Fleischergehilfe Bürger, verdächtig ist, zusammen mit S. A. einen gewissen Anton Sacher aus Weipert nach Deutschland gebracht und der Gestapo ausgeliefert zu haben. Den übrigen wird Militärverrat, Heinrich Glaser auch Industriespionage, teils unmittelbar, teils durch Beihilfe begangen, zur Last gelegt; als Mitarbeiter Straffens wurde zuletzt ein Kaufmann namens Walter Zimmerhackel aus Beäov verhaftet. Wie das„Prävo Lidu" erfährt, find sämtliche Verhaftete, die tschechoslowakische Staatsbürger find, auch Mitglieder der SdP. Die „Prager Presse" nennt namentlich den Witte als Mitglied der SdP. Walter Fischer war Herausgeber der berüchtigten, jetzt behördlich eingestellten Zeitung Aufbruch, die sich ohne Tarnung zu Hitler bekannte. Besonders aufschlußreich war die Verhaftung der A n n a D i e n e l, bei der man Formulare fand, die für den Verkehr der Spione mit den hitlerdeutschen Zentralen dienten. Außerdem trug sie eine Aufforderung an den deutschen Rundfunk bei sich, alle Beteiligten radiotelephonisch zu warnen. Diese Warnung erfolgte also nicht mehr. Sanktionen ad 18. November Keine Aussicht auf raschen Frieden Genf.(Tsch. P. B.) Der achtzehngliedrige Ausschuß der Sanktionenkonferenz behandelte Samstag die wichtigsten Fragen, die diese Konferenz, in der gegenwärtigen Session zu lösen hat. Der Ausschußvorsitzende gab eine Erklärung ab, in welcher er darauf aufmerksam machte, daß die Sanktionen Nr.. 1 bis zum heutigen Tage 51 Staaten, die Sanktionen Nr. 2 von ebenfalls 51 Staaten, die Sanktionen Nr. 3 und 4 von 49 Staaten genehmigt wurden, während 44 Staaten die gegenseitige Unterstützung bei der Anwendung der Sanktionen genehmigten. Der achtzehngliedrige Ausschuß stimmte dem Anträge des. spanischen Delegierten zu, der die Frage der Ueberschüffe aus dem Clearingübereinkommen der Mitgliedsstaaten mit Italien betrifft. Ueber Vorschlag des jugoslawischen Gesandten. Subotiö wurde festgesetzt, daß die Wirtschaftssanktionen am 18. November in Geltung treten. Der Ausschuß der Sanktionenkonferenz trat auch nachmittags wieder zusammen und prüfte den Bericht des Finanzausschusses über die Antworten der Regierungen der Mitgliedsstaaten in Angelegenheit der finanziellen Sanktionen. In dem ohne Aussprache einstimmig angenommenen Entschließungen wird davon Kenntnis genommen, daß die Kreditsperre gegen Italien bereits von 39 Regierungen durchgeführt wird und daß sich 43 Regierungen bereit erklärt hätten, die Ein- und Ausfuhr-Sanktionen gegen Italien anzuwenden. Alle Völkerbundsmitglieder werden anfgefordert, die notwendigen Maßnahmen zu treffen und die Sanktionen auf allen ihren Gebieten vom 18. November ab durchzuführen. * Heftig umstritten war die Rolle der Schweiz, die bekanntlich die Sanktionen nur mit Einschränkungen mitmacht, was von den übrigen Delegierten heftig mißbilligt wurde. Nachdrücklich fetzte sich der russische Vertreter für die Sanktionen ein. Madariaga(Spanien) erklärte eine Vermittlungsaktion der großen Mächte für erwünscht. Laval und Hoare betonten die völlige Einmütigkeit Frankreichs und Englands. Immerhin fiel auf, daß Laval wiederum einen italienfreundlichen Unterton in seine Rede mischte, während Hoare kategorisch erklärte, eine Einigung sei nur im Rahmen des Völkerbundes möglich. Sie müsse für Abessinien, Italien und den Völkerbund annehmbar sein. Sowohl Laval als auch Hoare hatten Beratungen mit Alyisi, die aber ergebnislos blieben. Aloisi soll verttäulich erklärt haben, daß Italien jetzt die Vorschläge Lavals ablehnen müßte, Diese Vorschläge sollen darauf hinauslaufen,' 1 daß Abessinien selbst bestimmen würde, was es an Italien abtreten will, wofür Italien ihm einen Hafen überlassen müßte. Laval ist bereits wieder nach Paris abgereist. Seine Stellung als P r e m i e r ist st a r k erschüttert, da die Linke und die Radikalen seine Außen- und Innenpolitik täglich heftiger angreifen. Als seine möglichen Nachfolger werden Herriot, Flandin, Mandel genannt. Ueberraschungswahlen in England I. H.» London, Ende Oktober. Der nachfolgende Artikel unseres Londoner Mitarbeiters ist v o r den eben stattgefundenen Wahlen in einzelnen englischen Gemeinden geschrieben. Wie aus dem Schlüsse des ArttkelS hervorgeht, glaubt der Verfasser, daß bei den Gemeindewahlen lokale"Fragen eine Rolle spielen, die bei den Parlamentswahlen in Wegfall kommen. D. Red. Was man in den letzten Wochen bereits wußte, vor einem Monat noch aber für unmöglich gehalten hätte, ist nun Tatsache geworden: das Parlament ist aufgelöst und schon am 14. Nlwember finden Neuwahle ninGroß- britannien statt. Man hatte bis in den Sommer hinein mit Herbstwahlen gerechnet. Als aber dann der italienisch-abessinische Konflikt sich immer mehr zuspitzte und England selbst in eine exponierte Lage geriet wie noch nie in der Nachkriegszeit, erschienen Wahlen undenkbar. Die kritische außenpolitische Situation erforderte und fand auch in der Tat ein geeintes Land; Wahlen mutzten notwendigerweise diese Einheit zerreißen. Dennoch hat die Regierung just den Augenblick der stärksten Umdüsterung des weltpolitischen Horizonts gewählt, um die Nation in einen Wahlkampf zu stürzen. Denn so ungünstig der Zeitpunkt auch außenpolitisch ist, so g ü n st i g ist er allerdings w a h l t a k t i s ch für die herrschend« Partei. „Der Feind ist auf unserer* Seite" Was die nationale Regierung bei Wahlen zu fürchtest hatte, waren die innerpolitischen Fragen. Sie hat in den vier Jahren ihrer Amtszeit eine gewiß nicht erfolglose, aber eine durch und durch k a p i t a l i st i s ch e Politik gemacht, eine Politik, die das Elend in den Depressionsgebieten in Nordengland, Schottland und Wales nicht gemindert, den Verfall der altehrwürdigen Grundindustrien Englands, des Bergbaues, der Textilindusttie, der Schiffswerften, nicht aufgehalten hat, die an den Arbeitslosen sparte und den Unternehmern Millionensubventionen gab, eine Polltik, der die Aktienkurse wichtiger waren als die Löhne und die die soziale Weiterentwicklung des Landes zum Stocken brachte. Aber, alle inneren»Fragen und Probleme treten heute weit zurück vor den großen außenpolitischen Entscheidungen, die alle Geister und Gemüter beherrschen. Und in der Außenpolitik findet sich die Regierung, nach so vielen Sünden in der Vergangenheit, heute zum erstenmal einig mit dem ganzen Land— von der kleinen ultrapazifistischen Gruppe links und der nicht größeren, aber einflußreicheren ultraimperialisttsch- isolationistischen Gruppe rechts, abgesehen. Gewiß, die entschiedene aktive Völkerbundpolitik, die sie nun zum erstenmal verfolgt oder wenigstens bis zum Beginn des Wahlkampfes verfolgt hat, ist in Wahrheit di? seit dem Kriegsende gepredigte Politik der L a b o u r Party; aber indem siebte sich zu eigen gemacht hat, hat sie ihrer großen Gegenspielerin die wichtigste,. die heute entscheidende Angriffsfläche entzogen. Der Karikaturist eines großen Londoner Blattes hat diese Situatton glänzend veranschaulicht: Er zeichnet Baldwin im Feldherrnzelt; ein Bote tritt vor ihn:„Ich melde gehorsamst, der Feind steht auf unserer Seite:" Darauf Baldwin: „Wohl, dann kann die Schlacht beginnen." Rüstungspläne hinter der Völkerbundpolitik Als er die Wahlen so überraschend angesetzt hat, hat Baldwin wohl auch auf die Unstimmigkeiten innerhalb der Labour Party gerechnet, wie sie auf dem Parteitag in Brigthon in der Sanktionspolitik zum Ausdruck gekommen sind, und auf die Wirkungen des eben erfolgten Führerwechsels. Lansbury ist, wie zu erwarten war, knapp nach dem Parteitag, seinem unbedingten Pazifismus gehorchend, zurückgetrrten. Die Partei hat den Major A t t l e y zu seinem Nachfolger bestimmt, einen ausgezeichneten Mann, einen treuen, ehrlichen Verfechter der Arbeiterinteressen, den in der Vorkriegszeit ernstes Studium zum Seite 2 Sonntag, 3. November 193k» Nr. 256 Sozialismus geführt hat und der ihm seither ohne Schwanken dient. Aber den alten LanSbury kennt jedes Kind im Lande, kennen und lieben die Slumbewohner im Londoner Osten ebenso wie die Fischer an der Küste Cornwall» und die Landarbeiterfrauen auf den entlegensten Farmen— so wie sie auch Baldwin kennen. Clemens Attley jedoch ist keine nationale Figur; sein sachliches, bescheidenes Wesen vermag die Phantasie des BolkeS nicht zu erregen, und das ist ein Nachteil für einen Führer auch in der Demokratie. Dagegen werden sich die Hoffnungen auf die Differenzen innerhalb der Partei nicht erfüllen. Schon jetzt ist es offenbar, daß ein Wahlsieg der Regierung'eine gewaltige A u f r ü st u n g zur Folge haben wird; die Notwendigkeit einer gründlichen„Instandsetzung aller Verteidigungskräfte des Landes" ist die erklärte Wahlparole der Konservativen; als Kosten dieser„Instandsetzung" werden phantastische Summen genannt! Nichts aber ist mehr geeignet, die widerstreitenden Meinungen innerhalb der Labour Party zu- sammrnzuschweißen. Eine gefährliche Wendung Die Völkerbundpolitik der Regierung ist übrigens in den letzten Tagen recht zweideutig geworden. Die klare, kräftige Haltung Edens in Genf scheint verlasien, man hört von geheimen Verhandlungen mit Mussolini und Gerüchte und die unvermeidlichen Uebertreibungen der Wahlzeit tun das ihre, um eine beunruhigende Schwenkung der britischen Politik vermuten zu lassen. Zunächst ist jedenfalls eine Entspannung der bereits sehr bedrohlichen Lage im Mittelmeer festzustellen, was der Regierung sehr erwünscht sein mag, denn unmittelbare Kriegsnähe hätte ihr gewiß keine günstige Wahlstimmung geschaffen. Aber auch die gerade Linie prinzipientreuer Politik gegen den fascistischen Angreifer, die so verheißungsvoll erschien für die Sache des Friedens in der Welt und einer neuen internationalen Rechtsordnung, ist unzweifelhaft gefährlich verwischt. Der Labour Party bietet diese Wendung nun auch außenpolitische Angriffspunkte. Ihre Vorwürfe gegen die vergangene, schwankende und charakterlose Außenpolitik der Regierung, die die schwere Krise von heute in hohem Maße mitver- schudet hat, bekommen verstärktes Gewicht, wenn das Land den eben bekehrten. Sünder auch schon wieder rückfällig werden sieht! In der Tat gibt es nicht nur in den Reihen der konservativen Partei, sondern auch in der Regierung selbst verbissene und mächtige Bölkerbundgegner, uyd die Gefahr ist groß, daß diese, wenn die Wahlen eine große konservative Mehrheit bringen. die Oberhand gewinnen und das Land ohne Rücksicht auf die völkerbundfreundliche öffentliche Meinung zurückführen zu unverhüllt imperialistischer Machtpolitik, gestützt auf gewaltige Rüstungen und gefährliche Allianzen. Ole Wahlaussichten der Labour Party Eine solche starke Mehrheit der„nationalen" Regierung zu verhindern, das ist die wichtige Aufgabe, die die englische Arbeiterpartei in diesem Wghlkampf hat. Daß sie selbst die Mehrheit bekommt, wäre in einer günstigen Wahlsituation keineswegs ausgeschlossen. Sie wird auch diesmal gewiß Stimmen und vor allem Mandate gewinnen. Aber daß sie zur Mehrheit wird, ist heute nicht zu erwarten. » Der Lakai Verbekhoven Von Max Hochdorf Und Verbekhoven brachte es nicht mehr über sich, von seiner Niedergeschlagenheit und Verzweiflung zu sprechen. Er stammelte nur:„Wie Eure Majestät befehlen." Etwas Somnambules, dachte sich der König, hat mein Lakai. Es ist schwer, ihm die Zähne auseinander zu bringen. Seine Trauer ist so aufrichtig, er ist zerbrochen, als wenn er seinen eigenen Vater verloren hätte. Die Trauer hat sein Wesen versteinert und vereist. Welch prachtvolle Charaktere in meinem Volk, freute er sich. Er wollte noch wärmer sekn, dem dienstbereiten Mann wollte er zeigen, daß er so viel Hingebung nicht mit oberflächlicher Gleichgültigkeit quittiere. Treue wollte er vergelten, indem er Vertrauen weckte. Die Grundnote des Königs war ja der Wunsch, sich künftig mit jedem Sohn seines Volkes in eine Art Gemütsverwandtschaft zu stellen. Deshalb fragte der König, und es sollte so klingen, als spräche er nicht nur von seinem Verwandten, sondern auch von einem teuren An-! gehörigen des Lakaien: „Haben Sie, Verbekhoven, nicht bemerkt, daß Seine Majestät in den letzten Wochen seines Lebens, bevor Seine Majestät bettlägerig wurde, außerordentlich, sozusagen über da» Normale hinaus, bedrückt gewesen ist? Daß es nicht nur die körperlichen Beschwerden waren, die.Seine Majestät so tief deprimierten? Ich meine, daß Sein- Majestät von einem ungewöhnlichen Angstgefühl gequält wurden, mehr aus dem Gedanken heran» Hat Seine Majestät da vielleicht irgend ein Wort fallen lassen, eine Wendung?" Unbeweglich und starr las Verbekhoven die Sätze von den Lippen des Thronfolgers ab. Den In dem kurzen und scharfen Wahlkampfe, der nun bevorsteht, wird sie gewiß dafür sorgen, daß die der Regierung so peinlichen sozialen und wirtschaftlichen Fragen nicht vergessen werden. Insbesondere die soziale Schande der Bergarbeiterlöhne wird das Gewissen des Landes aufrütteln; am Vorabend des Wahltags wird eine Abstimmung unter den Bergarbeitern ganz Großbritanniens über einen nationalen Streik als letztes Auskunstsmittel gegenüber der Harthörigkeit der Bergwerksbesitzer und der mit ihnen verbündeten Regierung zu entscheiden haben. Den noch wird die außenpolitische Situation alles andere überschatten. Ihre Entwicklung in den nächsten Wochen wird daS Wahlergebnis wesentlich beeinflussen. Einen ungefähren Gradmesser der Stimmung werden schon in den nächsten Tagen die in vielen Orten stattfindenden Gemeindewahlen liefern, bei denen allerdings allerhand lokale Fragen eine Rolle spielen, die bei den Parlamentswahlen Wegfällen. So dürste es Wohl bis zum 14. November ein ziemlich offenes Rennen geben. Heute Plebiszit In tiricdiailand Republikaner vorher verbannt/ Sondergesetz zum Schutz der Monarchie Athen.(Tsch. P. B.) Am 8. November findet in Griechenland die formelle Volksabstimmung über die Staatseinrichtung statt. Die Führer der Republikanischen Opposition, insbesondere Papa- nastasiu und Papandreu, u. a. wurden auf einigen Inseln interniert. Man hält dafür, daß die Republikaner an dem Plebiszit nicht teilnehmen werden. Die Regierungskreise rechnen mit Bestimmtheit mit einer großen Stimmenmehrheit für das Königtum. Sobald das Stimmenergebnis bekannt sein wird, wird sich eine Regierungsdelegation aus Athen nach London begeben, um Georg II. die„Entscheidung des Volkes" bekanntzugeben. Nach London wird auch eine Eskader von Torpedozerstörern, begleitet vom Kreuzer „Awerow", abdampfen. An Bord des„Awerow" wird König Georg mit dem Thronfolger, dem Prinzen Paul, und den Prinzessinnen Irene und Katharine Mitte November nach Athen zurückkehren. Der Ministerrat nahm zum Schutze des neuen Regimes ein Sondergesetz betreffend die Sicherheit des Staates an, welches scharfe Strafen gegen die Republikaner und Kommunisten enthält. In Athener Polstischen Kreisen herrscht gewisse Unruhe, da eS nicht bekannt ist, ob der König nicht Tsaldaris, den früheren Ministerpräsidenten, der bei dem kürzlichen Royalistenputsch von Kondylis gestürzt wurde, mit der Neubildung deS Kabinetts betrauen wird. Es wird nämlich behauptet, daß Tsaldaris in die Regierung alsRepräsentant derMehr- h e i t berufen werden soll. Kondylis und die übrigen Mitglieder der gegenwärtigen Regierung behaupten jedoch, genug Vertrauen in der Bevölkerung zu besitzen, um die Staatsgeschäfte weiterzuführen. Nach Blättermeldungen hat der ehemalige Außenminister MaximoS mit allen Führern der royalistischen' Parteien wegen Bildung einer Koalitionsregierung nach dem Plebiszit verhandelt. Zu dieser Nachricht bemerkt der KavaS-Berichterstatter, daß die Wahl, vor welche der König nach seiner Rückkehr nach Griechenland gestellt werden wird, sehr heikel sein und wirklichen Takt erfordern werde. Laval, der ewige Vermittler. Englische Gemeindewahlen Konservative Gewinne London.(Reuter.) In England und in Wales fanden Freitag in über 380 Gemeinde» und Städten Gemeindewahlen statt. Nach den bisher bekannten Ergebnissen haben die Konservativen große Gewinne auf Kosten der Labour Part» und der Liberalen zu verzeichnen. Um Mitternacht waren 88 Wahlergebnisse bekannt. Darnach gewinnen die Konservativen 27 Mandate, während die Labour Part» 26 Mandate und die Liberalen ein Mandat rinbüßen. * London.(Reuter.) Das Verhältnis zwischen Verlust und Gewinn bei den einzKnen Parteien nach den gestrigen Grmeindewahlen ist folgende»: Konservative: Gewinn 50, Verlust 18, Liberale Gewinn 10, Verlust 12, Labour Part» Gewinn 36, Verlust 60, Unabhängige Gewinn 20, Verlust 26. Starhemberg— künftiger Bundespräsident? Das englische Blatt„Manchester Guardian" bringt einen Artikel seines Wiener Korrespondenten, in dem ausgeführt wird, eS sei daS Ziel Starhembergs, Regent in Oesterreich zu werden. Starhemberg soll auf der letzten Heimwehrtagung in Linz, an der 30.000 Heimwehrleute teilgenommen haben, seinen Anhängern erklärt haben, er hätte schon bei der letzten Rekonstruk- ttorr der Regierung Bundeskanzler werden können, der Grund aber, warum er dies nicht anstrebe, sei der, daß er sich für ein höheres Amt bereithalte. Die Amtszeit des jetzigen Präsidenten MiklaS ist bereits am 20. Oktober abgelaufen, man läßt aber stillschweigend den Präsidenten weiter regieren. Im Lager der Heimwehrrn wird geglaubt, daß Millas bis zum Beginn 1936 bleibe und daß dann Starhemberg Regent von Oesterreich werden solle. Allerdings seien die Le- gifimisten, die Otto Habsburg zum Regenten machen möchten, damit nicht einverstanden. Kolonie Oesterreich liefert Stahl Wien. Durch eine Separatverordnung wurde da» zwischen Oesterreich und Italien abgeschlossene Abkommen vom 29. September 1935 betref fend die zollfreie Einfuhr von Stahl- und Gußeisen aus Oesterreich in Kraft gesetzt. In diesem Abkommen erklärt sich Italien bereit, in der Zeit vom 1. Oktober 1935 bis Ende März 1936 15.000 Tonnen Gußeisen und 10.000 Tonnen Stahl in gewalzten Blöcken zollfrei nach Italien zuzulaffen. Pfründen als Pflaster für die Herren Staatssekretäre a. D. Wien. Mit 1. November ist der Präsident deS BundeSämteik'fik: Gkatistik, Hofrat Dr. Karl Drexel, einer der letzten christ« lichsozialen Beamten, in den dauernden Ruhestand getreten. Als sein Nachfolger in der Leitung des Statistischen Amtes wird Staatssekretär a. D. Karl Karwinskh genannt. Ole Zustande In Wöllersdorf Wien.(EB.) lieber das österreichische Konzentrationslager in Wöllersdorf, wo sich noch immer neben Nazis 60 bi» 70 Sozialdemokraten befinden, werden neuerdings wieder heftige Klagen laut. Es wird geprügelt, das Essen ist schlecht und unzureichend. Auch sonst werden die Gefangenen mannigfach schikaniert. Var Attentat in Nanking von langer Hand vorbereitet? Der Täter gestorben Nanking. Der schwerverletzte Attentäter gegen Ministerpräsidenten Wangtschingwei ist seinen Verletzungen erlegen. Dagegen sind die Aerzte der Ueberzeugung, daß Wangtschingwei, an dem eine-Operation vorgenommen. wurde, Hoffnung auf Wiederherstellung hat. Er hat eine gute Rächt verbracht. Wie die polizeiliche Untersuchung des Mordanschlages bisher ergeben hat, sind an dem Attentat drei Männer und eine Frau unmittelbar beteiligt. Diese vier Personen wurden verhaftet. Die Polizei soll bei der verhafteten Fra« belastende Briefe gefunden haben, die auf eine» anscheinend von langer Hand vorbereiteten Anschlag schließen lassan. Der mit der Untersuchung betraute Chef der Sonderpolizei von Nanking hat der Presse eine Erklärung übermittelt, in der es heißt, er sei nach eingehender Prüfung des Sachverhaltes z« der Ueberzeugung gekommen, daß der Anschlag mit großer Wahrscheinlichkeit auf eine kommunistische Verschwörung zurückzufüb- ren sei. Kopf mit der Löwenmähne beugte er vor, als wenn er schwerhörig wär«. Er hätte am liebsten gebeten, der Thronfolger möge seine Frage noch einmal wiederholen, damit er sich den Sinn jeder Silbe noch genauer einpräge. Aber er wagt« es nicht und schwieg. Der Thronfolger fuhr fort, indem er die Brille aufsetzte, den Schreibtisch umwanderte, m:t langsamen Schritten auf den Lakaien zutrat und ihm die Hände auf die Schultern legte:„Seine Majestät hatte den Kaiser nicht sehr lieb? Nicht wahr? Nicht wahr?" Er wiederholte das Nichtwahr mehrmals und setzte hinzu:„Seine Majestät hat Sie wie einen Freund behandelt." Der Thronfolger lächelte. Und sein Lächeln war nicht hochmütig, sondern leutselig und vertrauensvoll: „Seine Majestät hat mir einmal im Scherze gesagt, daß Sie sein zweiter und heimlicher Kriegsminister seien. Jawohl, daS hat Seine Majestät ganz deutlich gesagt." DaS Gesicht VerbekhovenS glühte. Die Hände deS Thronfolgers lasteten schwer auf seinen Schultern. Der Lakai fühlte, daß die Barriere, die »wischen dem König und ihm bisher aufgerichtet war, nach und nach in Trümmer fiel.„Wenn ich mir erlauben darf" sprach er mit halber, verlorener Stimme. „Ich bitte Sie dringend darum, Berbek- hoven." „Seine Majestät pflegte in letzter Zeit sehr unruhig zu schlafen. Doch wenn Seine Majestät schliefen, dann geschcch etwas Außerordentliches, was ich früher an Seiner Majestät niemals wahrgenommen hatte." „Etwas Außerordentliches?" „Seine Majestät pflegten au» dem Schlafe zu sprechen." »„Aus dem Schlafe?——" „Und sogar zu schreien aus dem Schlafe." „Was hat Seine Majestät geschrien?" „Ich habe eS Seiner Majestät nachher beim Erwachen erzählt, und der selige hohe Herr hat nachher gemeint. datz es nur Atembeschwerden gewesen seien." „Was hat Seine Majestät geschrien?" „Zum Beispiel, daß es ratsam wäre, den Kaiser in einen Käfig zu sperren, bevor der Kaiser die ganze Welt in Blut eintaucht. Verzeihung für die derben Worte, aber eS sind diejenigen Seiner Majestät, und sie werden mir bis zu meinem Tod unauslöschlich im Gedächtnis bleiben." Der junge Köstig schüttelte mit dem Kopf: „Verbekhoven, haben Sie das wirklich gehört? Bilden Sie sich das etwa nicht bloß ein?" „Gewiß nicht, Majestät, aber ich sagte ja schon, daß der selige hohe Herr das alles nur aus dem Schlafe gesprochen hat." „Aus dem Schlafe" wiederholte der König. Und er setzte sofort hinzu:„Dann ist eS das beste, daß Sie zu keinem Ihrer Kollegen davon sprechen, auch nicht einmal zu seiner Exzellenz dem Herrn Hofmarschall. Das muß ganz unter uns bleiben, Verbekhoven, ganz unter uns." „Natürlich, Majestät." „Das hoffe ich, Verbekhoven." Der König lächelte wieder sein gewinnendes Lackeln.„Sie sind ein merkwürdiger Mensch. Verbekhoven." „Verzeihung, Majestät, hätte ich das vielleicht für mich behalten und Eurer Majestät nicht berichten sollen?" „Dock, doch, mein Freund, aber Sie sehen doch ein, daß wir da ein bißchen in den Wolken schweben.— Na, gut, Verbekhoven, wir werden nüch drüber reden. Wir sind in allen diesen Tagen etwas mehr durcheinander gekommen, als uns aut tut. Teilen Sie dem Chevalier mit, daß rch Sic Wester zu meinem persönlichen Dienst wünsche." „Zu Befehl, Majestät!" „Gut, Verbekhoven." Im Wartesaal, der zur Aufbahrung herge- ricktet wurde, hatten die Handwerker ihre Arbeit vollendet. Der kurze und enge Sarg, der ganz gegen alle Berechnung den doch im Leben so statt lichen Körper des toten Königs beherbergte, wat nicht mehr sichtbar. Er war schon verdeckt vo« dem schwarzen Tuch mit den silbernen Borten und der Krone darauf, die von gestickten Palmenwedeln umrahmt wurde. Mit Flor- und Trauer-, draperien waren die Wände und Fensterrahmen verhängt. Auch die facettierten Pfeilerfpiege! verschwanden unter den Totentüchern. Zwei Nonnen schritten herein, sie schlugen die Augen nieder, über ihren Köpfen wiegten die Hauben, die i« Form von Taubenflügeln gebunden waren. Sir falteten die Hände über dem Schoß. An ihrem Hals« klirrte die metallene Kette, an der da> Kreuz mit dem Heiland hing. Sie mußten nc^ eine Weile warten, bis die Handwerker ihr Arbeitsmaterial zusammengepackt hatten. Als d^ geschehen war, sanken sie zu Füßen des Sarg* in die Knie und begannen, ihre Totengebete il» murmeln. Baron de Group sagte:„Geletten Sie die Herren hinaus, Verbekhoven!" „Jawohl, Exzellenz," erwiderte der Lakai. Baron de Groux, der so lange an seiner kalten Zigarre nervös gesaugt hatte, entzündete sie jetzt und schmauchte mit Wohlgefallen die erste« erlösenden Züge. Dann wandte er sich an Chevalier Kerkhofen:„Einige Stunden Schlaf werden uns nicht schaden." „Ganz der Meinung Eurer Exzellenz," erwiderte der Chevalier. II. In dieser Nacht schlief Verbekhoven nicht. A^ er in seine Wohnung heimkehrte, weigerte er stü zunächst, das gemeinsame Ehelager aufzusuckm- daS er seit jetzt 25 Jahren mit seiner Gattin Mathilde teilte. Das Bett war breit und bequem, und eS hatte so lange jedem der Gatten Unterkunft geboten. Mathilde war krank gewesen, hasst beklagt und sich trösten lassen, immer in dieser» Bett. (Fortsetzung folgt.> Nr. 256 Sonntag, 3. November 1935 Seite 3 Es regnet in Osaden Vormarsch auf Makalle Paris.(Tsch. P.-B.) Die Kriegsberichterstatter melden aus Abessinien, daß die Italiener den Vormarsch auf Makalle fortsetzen, ohne von den Abessiniern behindert zu werden. An der Front von Ogaden sind neuerdings starke Regenfälle eingetreten, so daß fast sämtliche kriegerischen Operationen eingestellt werden mutzten. Die italienischen Abteilungen, welche im Tale Webe Schebeli vorrückten, mutzten ihren Vormarsch einstellen. Sie sollen in den letzten drei Tagen nur um einen Kilometer vorwärts gekommen sein. Der Havasberichterstatter verzeichnet das in Addis Abeba kursierende Gerücht, dass Dedschak Hajaleu, der den linken Flügel der abessinischen Armee in der Provinz Tigre befehligt, nach Italienisch Erytrea vorgedrnngen sei. Sollte sich diese Nachricht, bestätigen, so würde ihr große Bedeutung zukommen, da Hajaleu für einer der besten abessinischen Strategen gilt. Genf.(Reuter.) Sn einer Note an den Völkerbund ersucht die abessinische Regierung um finanzielle Hilfe. Berlin.(Tsch. P. B.) Wie die Lirgnitzer Staatspolizei mitteilt, sind dort vier Personen in Schutzhaft genommen worden, und-war Major a.'D. Fletscher, dem„Sabotage des WinterhilfS- werke»" zur Last gelegt wird, ferner Major a. D. von Flottow, der die Bewegung verächtlich gemacht habe, ferner eine Bäuerin namens Scharfen- schwerdt, die„Greuelnachrichten" über den Reichstagsbrand verbreitet, habe und schließlich der praktische Arzt Dr. Ebert, der sich über die SS verächtlich geäußert hätte. Berlin. Vor dem Schnellgericht wurde der 88jährige katholische Pfarrer Coppenroth von der Matchäuskirche in Schöneberg zu 80 Mark Geldstrafe verurteilt, weil er anläßlich der Beisetzung der ReichssiatthalierS Loeper auf der Kirche nicht«ine Hakenkreuzflagge, sondern nur die kirchliche Flagge gehißt hatte. Bukarest.(DNB.) Die Leitung der Nationalzaranistischen Partei hat den folgenschweren Beschluß gefaßt, sich nicht an daS Verbot der Regierung zu halten und die für den 14. November, dem Borabend der Parlamentkeröffnung, angesagte Massenkundgebung in Bukarest abzuhalten. Vie Jahre der Schmach... „Was wollt Ihr?— Vierzehn Jahre lang habt Ihr Butter gehabt...1" Die turbulenteste Stadt Ist es vermessen, einen Schatten zu suchen in A t h e n, jener Stadt, von deren altem Glanz in unser aller Herzen seit unserer Kindheit Tagen ein Funken glüht? Es ist unbestreitbar, diese Stadt ist die geräuschvollste unter allen Städten Europas I Es ist kein Lärm, wie ihn das Nachtleben der anderen Hauptstädte hervorbringt. Der junge Morgen erzeugt ihn. Noch hat der Wagen Apolls den pentelischen Kamm nicht überklettert, da bricht er los! Ein ohrenbetäubendes Gebrüll scheucht dich aus dem Schlaf! Brennt es? Ist wieder mal eine Revolution ausgebrochen? Du springst aus dem Bett, reißt das Fenster auf und blickst die Straße hinunter. Ein halbes Dutzend Menschen bewegen sich in ihr. Sie ziehen Handkarren den Berg hinan oder tragen schwere Lasten, und dabei brüllen sie unentwegt. Herrgott, wie ist eS möglich, datz eine Handvoll Menschen einen solchen Radau hervorbringen kann! Sie haben dich gesichtet, und schon verstärkt sich ihr Gebrüll. Ein schrilles, irrsinniges Kikeriki tönt die Straße hinauf. Der Eiermann! PatateS, Kolokvssia, Psaria, Galla, Lemones(Kartoffeln, Kürbisse, Fische» Milch, Zitronen), so schallt eS Wirr durcheinander. Und damit die musikalische Henleins Auswes aus der Not: viel Kinder! Eine arbeitende Frau schreibt uns: Die Hauptstell« der SdP richtete wieder einmal ein sehr interessantes und vielsagendes Rundschreiben(vom 21. Oktcber 1935) an ihre Frauenschaften. Der Inhalt ist ein solch frappante Kopie der Hitlerschen Propagandaschriften, datz er schon fümsich spricht. SedeS Wort, der Sinn der Instruktionen, die hier gegeben werden, könnte ebensogut von irgendeiner Parteistelle der ItSDAP in Deutschland geschrieben worden sein. Der Vortrag, der den Frauenschaften im Wortlaut vorgeschrieben wird und der vor Müttern und Frauen gehalten werden soll, entlarvt das wahre Wesen der sudetendeutschen Fascisten noch deutlicher: »ESwerdenzuwenigKinder geboren."»Wir haben keinen genügenden Nachwuchs mehr."»An unseren Gräbern wird eine neue Generation schwere Anklagen erheben. Eine volkSftemde Jugend wächst heran."»Der Mann bringt im Ringen um die LebenSrechte einer Volles Opfer und bei der Frau liegt die zukünftige Entscheidung deS Voller. Jedes Kind, daS sie zur Well bringt, ist eine Schlacht, die sie besteht für dar Sein oder Nichtsein einer Boller. Und so liegt in unserer Hand die Zukunft unserer Boller ebenso verankert, wie in der Tatkraft und Entschlossenheit deS ManneS. Unser Blick wandert aus der von heldenhaftem Kampf und Ringen erfüllten Vergangenheit unseres alten tapferen Bottes, die doch so«ine segensreiche, glückliche Zeit war, über unsre nowolle, um Volk und Heimat bangende Gegenwart in eine bessere Zukunft." DaS ist also das Heil, das die Frauenschaften der SdP den vor Elend zermürbten Frauen im Sudetengebiete bringen. Mehr Kinder. Steigerung der Bevöllerungszahl und dann? Ein Blick auf dar aufrüstende Deutschland zeigt den Weg, den das Volk geführt werden scll. Wir Arbeiterfrauen rufen diesen Heils« aposteln aber zu: Wir kennen die Weise, wir kennen den Text und kennen auch die Herren Verfasser, die sewst Freunde der Einkinderehe sind, um mit wenig Kindersegen ein möglichst sorgen» freies,» bequemes Leben stu führen.- «enlelnpresse verleumdet Pilsner Bürgermeister Die Presse der Sudetendeutschen Partei hat vor einiger Zeit den Bürgermeister der Stadt Pilsen, Genossen Abgeordneten Ludiik Pik, angegriffen und von ihm erzählt, datz er qls Mitglied des VerwalttmgSrateö der Skodawerke von diesen hohe Tantiemen beziehe. Dazu ist festzustellen, datz Genosse Pik schon mehrere Jahre nicht Mitglied deS Verwaltungsrates der Skoda-Werke ist und daher auch von diesen keine wie immer geartete Tantiemen bezieht. Genosse Pik war bis zum Jahre 1932 als Bürgermeister und Vertreter der Stadt Pilsen Mitglied des BerwaltungS- rates, hat aber alles, was er an Tantiemen von den Skoda-Werken bekam, an sozialfürsorgerische Jnstituttonen weitergegeben. Diese Tatsachen wurden bewiesen in einem Prozeß, welchen Genosse Pik gegen den kommunistischen Redakteur K l i m e i in Brünn geführt hat. KlimeS hatte ähnliche Dinge behauptet wie die Sudetendeutsche Presse— man sieht, im Verleumden der Sozialdemokratie gehen Henleinleute und Kommunisten Hand in Hand—, er wurde von Pik geklagt und bei der Verhandlung wurde ein Brief der Skoda- Werke vorgelesen, in welchem bestätigt wird, daß Pik nicht mehr Mitglied des BerwaltungSrateS ist. daß ihm sofern er eS früher war, in den Jah ren 1931 bis 1933 überhaupt keine Tantiemen ausgezahlt wurden und sofern er in noch früherer Zeit als Mitglied des Berwaltungsrates Tantiemen bekam, er diese nicht behielt, sondern sie unter gemeinnützige Einrichtungen verteilte. Eine Reihe von Blättern, welche die Beschuldigung gegen den Abg. Pik gebracht hat, mußte sich dazu bequemen, Berichtigungen des Genossen Pik zu bringen, in welchen die verleumderischen Behauptungen dieser Blätter widerlegt wurden. Bon einem Kampfgefährten Konrad Henleins. Wir haben in unserer Freitag-Ausgabe über die schweren Anschuldigungen berichtet, die im Jm- munitätsauSschuß des Abgeordnetenhauses gegen den Abgeordneten der Sudetendeutschen Partei Hollube erhoben wurden. Hollube wurde allerdings nicht deswegen, sondern auf die Klage deS kommunistischen Abg. Beuer hin, von dem Hollube behauptet hatte, er hchbe 120.000 Kö aus dem MehlfondS für sich verwendet, ausgeliefert. Zu dieser Angelegenheit äußerte sich im JmmunitätS- auSschuß auch der Abgeordnete Beuer, der erklärte, HollubeS Anschuldigung sei auS der Luft gegriffen und vom ersten bis zum letzten Worte unwahr. Anstatt den Wahrheitsbeweis anzutreten, habe Hollube die Verhandlung immer wieder hinauszuschieben versucht und als eS zur Verhandlung kam, hat sich Hollube hinter seine Immunität als neugewählter Abgeordneter versteckt. Regelung der Selbstverwaltungsschulden aufgeschoben? DaS„Prävo Lidu" weist darauf hin, datz eS infolge der Kürze der Zeit vor Neujahr nicht zur Verhandlung des Budgets kommen, sondern datz die Regierung ein Budgetprovisorium vorlegen werde. Dadurch fallen alle Hoffnungen für die Selbstverwaltung fort, datz die Regelung ihrer Finanzen gemäß dem im heurigen Jahre beschlossenen Gesetz erfolgt. Der Finanzminister hat zwar versprochen, datz eS dazu komme und datz schon im heurigen Budget auf die Sanierung der Selbstverwaltungsfinanzen Rücksicht genommen werden wird, aber die Tatsachen zeigen, datz die Umstände stärker waren als der Wille des Ministers. 45 von 300 Mandaten... Im Abendblatt des „Prävo Lidu" beschäftigt sich—js— mit der durch den Tod. Bradaks hervorgerufene» Krise. Er mach: darauf aufmerksam, daß die Agrarier nur 48 von 300 Parlamentsmandaten haben. Das reicht nicht hin, datz sie sich den Präsidenten selbst wählen könnten. Und daher müssen sie sich doch mit den übrigen Parteien-verständigen. Die Agrarier sind aber so vorgegangen, als ob sie die Mehrheit hätten... Darau» entstanden gewiss« Verdriesslichkeiten, deren Resultat vorläufig der Aufschub der Lösung ist. Man soll bis Montag warten. Es gibt Stimmen, die für eine Lösung der ganzen Angelegenheit erst nach demNeuenJahr eintreten. Er werden Befürchtungen laut, daß eS nicht so schnell zu einer Einigung kommt und daß«in Parlament ohne Vorsitzenden und mit einer halb in Demission befindlichen Regierung nicht wird tagen können... In der Agrarpartei sind sie förmlich krank ob de» Bewußtsein», datz die Agrarpartei die stärkste Partei in der Republik ist. Beide tschechoslowakischen sozialistischen Parteien haben zusammen 36 Mandate, mit der deutschen Sozialdemokratie 77, während die deutschen und tschechischen Agrarier zusammen nur 60, mit den Ge- werbeparteilern 67 Mandate haben. Bei den heutigen Berdrietzlichkeiten in der Koalition geht eS hauptsächlich um diese krankhafte Selbst- überschätzung der Agrarpartei. Dar zeuge davon, datz die Agrarpartei, die im letzten Jahrzehnt schwexe Verluste an führenden Männern erlitten hat, vor allem jene Führer verloren hat, die nicht nur an die Agrarpartei, sondern auch an den Staat und manchmal sogar hauptsächlich an den Staat dachten... Seite dieser Kakophonie auch zu ihrem Recht kommt, bearbeitet ein bärttger Unhold mit einer Schaufel seinen risenbeschlagenen Handwagen. Der Mann mit dem Koks ist da! Du trittst vom Fenster zurück. Vielleicht verziehen sie sich bald. Aus unruhigem Halbschlummer weckt dich bald verstärftes Gebrüll. Jetzt stehen sie, du fühlst es, unter deinem Fenster; blicken erwartungsvoll empor. Mft einem Fluch springst du auf die Beine, um diesen Chor der Kakophonisten zu vertreiben. Du reißt da» Fenster auf. Grimmige Flüche liegen dir auf der Zunge und böse Scheltwort«, die die lärmenden Unholde verjagen sollen! Aber wie du sie da mtten vor dir stehen stehst, armselige, zerlumpte, von der Not gezeichnete Gestalten, da verfliegt dein Zorn. Was da lärmt und spektakelt, sind arme, hungernde, schwer mit dem Dasein ringende Menschen, die da Höften, datz ihnen aus ihrem Lärm ein paar Heller erwachsen, damit sie diesen Tag fristen können. Ambulante Kleinkrämer, die der Hunger zu nächtlicher Stunde aus den Betten treibt, um durch den Verkauf einiger Lebensmittel, die sie selbst nicht anrühren dürfen, ftch und ihre Familien durchzubringen. Es dauert lange, bis sie die Hoffnung, etwas an dich loszuwerden, aufgeben und weiterziehen. Aber der Lärm reitzt nicht ab. Weitere Scharen ziehen mit Gebrüll vorbei; Zwiebel» und Knoblauchhändler, Apfelsinenverkäufer, Bauern, die auf EselSrücken Weintrauben, Salat, Tomaten und Melonen feilbieten. Und auch der-Lustro, der Stiefelwichser, fehlt nicht im Chor. Erst wenn die Sonne schräg über der Insel Aegina steht und der Mittag nicht mehr fern ist, ebbt das Gebrüll ab, um von den melodischen Klängen der Drehorgeln abgelöst zu werden. So durchtobt Tag für Tag die Stratzen Athens ein infernalischer Lärm, der auch die kleinste Gasse nicht verschont. Mit polizeilichen Massnahmen ist ihm nicht beizukommen in einem Lande, das keine soziale Fürsorge und keine Arbeitslosenunterstützung kennt. Diesen Lärm unterbinden, hieße, Tausenden von darbenden Menschen die letzte Verdienstmöglichkeit rauben. Wie aber soll man ihm entgehen? Cs bleibt nichts anderes übrig, als sich in die von Verkehrslärm durchtobten Hauptstraßen zu flüchten, wo der von menschlichen Sttmmen erzeugte Lärm aufgesogen wird von dem eintönigen und daher leichter zu ertragenden Radau der Automobile und Straßenbahnwagen. Nicht ohne Grund haben"sich in ihnen auch die großen Freudenhotels angesiedelt. Dr. Willy Meyer-Honrath. Mist» M l. MuturnM W Radiovortrag des ZentralsekretürS Genoffen Alois UH- «x mann. Tag: Sonn lag, 10. November. Beginn: 14.30 Uhr nachmittags. Sendung: Prager Rundftink, Liblitzer Sender. Wir machen alle Genossinnen und Genossen auf diesen Vortrag beson ders aufmerksam, da dies neben der ersten Aktion zum BundeSturnfest auch ein Vortrag über unsere Einstellung zu der gegenwärtigen Situation ist. Atus-Wandkalender. Gestern wurden 20.000 Stuck Atus-Wandkalender an alle Vereine unseres Verbände» verschickt. Die Kalender sind eine Solidaritätsaktion für unsere arbeitslosen Mitglieder zum 3. BundeSturnfest. Genossen, benützt diesen Behelf, um allen arbeitslosen Genossen die Teilnahme am 8. BundeSturnfest zu ermöglichen! Der Verein Aussig hat beschlossen, 1000 Stück AtuS-Wandkqlender mehr zu bestellen und für die Arbeitslosen eine große Aktion einzuleiten. Der Verein S e e st a d t l h e- stellte 800Atus»Wandkalender nach. Der 10. Turnbezixk im 6. Kreise, R u m b u r g. trägt sich mit der Absicht, 2000 Kalender nächzube st eilen und vom Bezirk eine Aktion für die arbeitslosen Genossen zu organisieren. Genossen! Schließt Euch diesen Vereine,, an. Bestellt AtuS-Kalender nach und garantiert damit den arbeitslosen Mitgliedern die Teilnahme am 3. BundeSturnfest 1936 in Komata«. vom Rundfunk Ak Mm Mdt MM»»« bringt in dieser Woche: Sonntag, 3. November 14 Uhr 30 bis 14 Uhr 40): Bon Nantes nach Nürnberg(F.T e- jessy-Aussig). Mittwoch, 6. November(18 Uhr 20 bis 18 Uhr 40): Hilfsmaßnahmen für die arbeits- lofe Jugend(Willi W a n k a-Pilsen). F r e i t a g, 8. November(18 Uhr 35 bis 18 Uhr 45): Aktuelle zehn Minuten. Sonntag, 10. November(14 Uhr 30 bis 14 Uhr 40): Das AtuS-Bundrsfrst 193« in Komata»(Alois Nllmann-Aussig). Eine interessante deutsche Schulfunk-Sendung findet am 5. November von 10.45 bis 11.45 am Prager Sender statt. Es handelt sich um eine Uebertragung aus der Jnterurbanen Telephonzentrale in Praha-ZiZ- kov für die Oberstufe der tschechoslowakischen Mittelschulen mit deutscher Unterrichtssprache, mit dem Zweck, den Schülern ein Bild der telephonischen Einrichtungen zu geben. Diese interessante Reportage führt gewissermaßen telephonisch durch die Republik und durch ganz Europa, bringt Egerländer, Ostrauer, slowakische, ruthe- nische und ungarische Kinder ans Telephon und Mikrophon, führt dann durch die wichttgsten europäischen Länder, erklingt also in allen möglichen Sprachen und ist zweifellos danach angetan, nicht nur der Schuljugend das Telephon näherzubringen, sondern auch internationales Denken unter der Schuljugend zu Verbretten. Die Reportage leitet der Oberdirektor der Prager interurbanen Telephonzentrale, Josef Skokan, ässistiert vom Schulrundfunk-Leiter, Fachlehrer Kühnel. Empfehlenswertes aus de« Programmen: Montag:- Prag, Sender L: 10.06: Deutsche Presse, 11: Schallplatten, 18.30: Arbeitsmarkt, 13.40: Leichte Musik, 16: Mexikanische Lieder, 17: Kinderstunde, 17.40: Violinkonzert, 18-10: Deutsche Sendung: 18.26: Seidl: Vorschau auf das Musikprogramm der tschechoslowakischen Sender, 18.46: Deutsche Presse, 19.18: Englisch für Anfänger, 19.80: Tschechische Volkslieder, 22.40: Deutsche Nachrichten. Sender S: 7.80: Orchefterkonzert, 14: Chansons auf Schallplatten, 14.20: Deutsche Sendung: Kinderstunde.— Brünn 18.80: Arbeitsmarkt und Sozialinformationen, 17.40: Deutsch«'Sendung: Fabian: Kapitalsanlagen, 19.30: Tanzmusik. — Mährisch-Ostrau 18.10: DeutscheArbei« tersendung: Kolbe: Arbeitslosenunterstützung und Versicherung gegen die Arbeitslosigkeit— leichte Musik.— Preßburg 19.80: Opernarien.— Kascha« 16: Leichte Musik.— Dienstag: Prag, Sender L: 10.05: Deutsche Presse, 10.46: Deutscher Schulfunk für Oberstufen, 11.45: Chansons, 13.40: Polkas, 18.10: Deutsche Sen» düng: Horner: Wirtschaftlicher Relief, 18.20: Schlagerlieder, 18.46: Deutsche Presse, 19.10: Militärkonzert, 21.15: Orchesterkonzert, 20.26: Lieder» konzert mit Gitarre. Sender S: 7.80: Leichte Musik, 14.16: Deutsche Sendung: Wie entsteht ein Bild? Dialog, 14.35: Scheherezade, 14.50: Deutsche Presse, 18.45: Arien aus Smetana-Oper».— Brünn 15: Orchesterkonzert, 17.40: Deutsche Sendung: Arbeiterfunk: Sozialinformationen, — Dr. Frey: Ist eine internationale Polizei mög» lick? 20.10: Salon-Trio.— Mährisch-Ostrau 21.40: Populäre Violinkomposittonen.— Preßburg 16.10: Orchesterkonzert.— Kascha« 17.25: Klavier» konzert. 20.10: Orchesterkonzert, Seite 4 Sonntag, 3. Noven bcr 1835 Nr. 256 Erholungsheim Hirschberg am See Ein vorbildliches Werk der„Arbeiterfürsorge"(Schluß.) Das alles ist wichtig. Für viele Jugendliche lind diese vierzehn Tage im Heim die einzige Zeit, in der sie einmal ausgiebig lesen können. Helft ihnen dabei. Es ist eine dankbare Aufgabe. Zirkus im Heim Und an einem anderen Abend fand eine! Zirkusvorstellung statt. Die Tschechen waren die' Inspiratoren. Handgezeichnete Plakate kündigten das Ereignis an. Eintritt: eine Zigarette. Nach dem Nachtmahl wurden die Tische beiseite gerückt und Stuhlreihen gesetzt. Die große Schiebetür teilte den Saal; die eine Hälfte war „Arena", die andere Zuschauerraum. Auf halb acht war die Vorstellung gngesetzt— dreiviertel sieben saß schon altes erwartungsvoll auf den Stühlen, gemeinsam singend und schließlich unge- düldig klatschend. Da öffnet sich die Schiebetür ein wenig und der„Direktor" ruft ins Publikum: „Nur Geduld— im großen Zirkus müßt ihr auch warten, bis es anfängt I" Gleich darauf aber erscheinen zwei phantastisch kostümierte Clowns und unterhalten die schallend lachenden Zuschauer „vor dem Vorhang" mit geschickt improvisierten Spässen. Und dann beginnt es. Die Schiebetür geht auf und die Truppe paradiert im Halbkreis. Jede Attraktion wird vorgestellt: Clowns, Liedersänger, Lassowcrfer, Jongleure, Feucrfreffer, eine Akrobatentruppe von fünf Mann, der Größe nach einer hinter dem andern stehend, die Hände auf den Schultern des Vordermannes, nackt in schwarzen Badehosen, Wahrsager und Kartenkünstler. Deutsche und Tschechen in einträchtiger Gemeinschaft. Die Vorstellung dauert fast drei Stunden und brachte zweiundzwanzig Nummern, ausge- stattct mit erfinderischem Behelf in Kostümierung' und Gerät.„Schade", sagte ein„Artist" am Schluß der Vorstellung,„es ist noch gar nicht alles drangekommen; wir haben noch viel mehr. Aber am Mittwoch abend— da gehts weiter!" Und das Ueberraschende war: das Ganze war famos. Als Gast hatte man der Vorstellung mit einem Vorschuß an williger Bereitschaft entgegengesehen, und dann waren das einige der schönsten Stunden im Heim. Alle tvaren mit Eifer! bei der Sache, und sie konnten sogar wirklich, was sie zeigten; der Lassowerfer, die Clowns, zwei\ Duxer Tschechen, unsäglich komisch als„Seiltänzer" auf einem Strick auf dem Fußboden, und ein Handstandkünstler vom Aussiger Atus könnten sich ohne weiteres in einer wirklichen Arena sehen lassen. Der„Erfolg" war ungeheuer, der Beifall machte die Wände zittern und die Zuschauer haben sich Bauchschmerzen gelacht. Einer, nicht gerade ein Schlaukopf, der aber die gutmütigen Hänseleien der andern über sich ergehen ließ und,eher swlz darauf war, Mittelpunkt ihrer Spässe! zu sein, sang mit schiefem Mund„Tauber-Lieder" und meinte wohl wirklich, daß er es beinahe so schön könne wie Richard Tauber selbst; er erntete dröhnenden Beifall und selbst die Stühle bogen sich vor Lachen. Hinterher sagte einer der Clowns, ein ar- bcitsloser Maurer, der auf wilde Schächte„Kohlefördern" geht: ,,E' Hetz muß sein, und wenn mir ni' aufs Salz ham." Was ei» Häkchen werden will... Ein kleiner Kellnerlehrling war da. Er lernt\ erst einige Wochen und scheint in seinen Beruf verliebt zu sein. Aus eignem Antrieb half er beim Decken und Abräumen der Tische. Stolz balan- zierte er das große Tablett auf der flachen Hand. Stundenlang lief er mit der rotgestreiften Küchenserviette überm Arm umher, rückte Stühle zurecht, wehclte mit der Serviette und fühlte sich in heimlichen Vorstellungen als gutsituierter Gastwirt, der hundertzwanzig Tischgäste hat. Spender werden gebeten..» Es wird sehr viel gelesen im Heim. Eine Bücherei ist vorhanden, aber sie ist noch klein. Viel zu klein für den Bedarf. Am begehrtesten sind unter anderem die Bücher von Gerstäcker, Jack London, das Buch„Ein Held stirbt" von Paula Wallisch. Nie sind sie im Schrank. Wenn einer And noch ein Wunsch Auch er ist beherzigenswert: Besuche der Eltern im Heim sind nicht ratsam. Besonders nicht, wenn es Kinder beherbergt. Manche Kinder leiden anfänglich an Heimweh und leben sich erst nach einigen Tagen ein. Kommen dann aber die Eltern oder ganze Verwandtschaften zu Besuch, so wird das Kind au^der gewonnenen Gemeinschaft nur wieder heräusgerissen und nach dem Weggange der Eltern von neuem von Heimweh bestürmt. Das aber ist nicht gut, denn es be- Höllenmaschine in Teschen Tesche».(Tsch. P. B.) Am 2. November wurde nachmittags auf dem Bauplatz, wo sich die Materialien der Baufirma Brejsek in Teschen befinden, eine Höllenmaschine gefunden. Der Finder übergab die Höllenmaschine sogleich der Sicherheitsbehörde, die sie unter Aufsicht eines Fachmannes untersuchte und unschädlich machte. Der Fachmann erklärte, daß die Höllenmaschine ausländischen Ursprunges ist. Nach dem Täter und nach dem Ursprung der Höllenmaschine wurde eine sorgfältige Untersuchung eingeleitet. Beim Weizenschmuggel von tschechoslowakischen Grenzern erschaffe» Kascha-u. Bei der Gemeinde Jano u Moldavy nad Bodnou an der tschechoslowakisch-ungarischen Grenze wurde der 25jährige Peter I u r a s k o aus Janok beim Weizenschmuggel aus Ungarn betreten. Die tschechoslowakische Grenzwache forderte ihn dreimal auf, stehen zu bleiben. Jurasko leistete dem Anruf keine Folge, versteckte sich im Walde und wollte fliehen. Die Grenzwache machte von der Schußwache Gebrauch und verletzte ihn. Jurasko wurde ins Kaschauer Krankenhaus ge- bracht, wo er Samstag seinen Verletzungen erlag. einträchsigt die Erholung. Und außerdem wirken solche Besuche auch als Benachteiligung der andern Kinder, deren Eltern weit entfernt wohnen und das teure Reisegeld nicht erschwingen können. Natürlich können auch nicht Besucher im Heim verpflegt oder gar beherbergt werden, wie manche Besucher es sich schon vorgesteUt haben. Das Heim ist keine Herberge, kein Touristenheim, keine Sommerfrische, als die es in manchen Zuschriften auch schon aufgefaßt worden ist. Es ist lediglich ein Erholungsheim. Und alles muß sich dieser Bestimmung unterordnen. Ihr aber dient es vollkommen. Die Schöpfer und Verwalter des Heims und mit ihnen He gesamte sozialistische Arbeiterschaft dürfen stolz sein auf dieses vorbildliche Werk. Das weiße, leuchtende Haus am Hirschberger See ist das schönste Symbol ihres sozialen Wirkens, das sich die„Arbeiterfürsorge" geschaffen hat. Ihr gebührt der herzliche Dank aller Betreuten und Betreuenden. M a n f r e d. die Verstümmelung des Körpers dieser Unglücklichen gegen ihren Willen erfolgt. Will die Menschheit außerhalb unseres gebeugten und gezüchtigten Volkes denn das ruhig zulassen, daß man uns Wehrlose mit blutigem Meffer verstümmelt? Fällt keine Macht der Erde den blutigen, herzlosen und grausamen Schlächtern in Deutschland in den Arm? Wir warten auf die Rettung durch die Welt. Täuschen wir uns denn in dieser Hoffnung? Sagen Sie es der ganzen Welt, daß wir in Deutschland apf die Hilfe unserer menschlichen Brüder warten. Helft uns! Rettet uns! Wir warten auf euch! Bitte, verehrte Redaktion des„Volkswille", drucken Sie diesen meinen Hilferuf ab. Vielleicht wird er doch hie und da nachgedruckt und eines Tages doch gehört und uns Hilfe gebracht. Raubmord an einer Greisin In der Gemeinde Arnsdorf im Gebiet von Jägerndorf, fast an der reichsdeutschen Grenze gelegen, wurde am Samstag vormittags von einem der Einwohner ein Raubmord aufgedeckt, der an der 73jährigen Ausgedingerin Franziska Tietz verübt wurde. Frau Tietz wurde in ihrer Wohnung, in einer Blutlache liegend, mit Strik- ken gefesselt tot aufgefunden. Der Mord muß am Freitag in den frühen Morgenstunden ver- übt worden sein. Des Mordes verdächtig sind die beiden reichsdeutschen Staatsangehörigen P i e ch a und Scholz, die bereits im Jahre 1923 wegen eines Raubes, den sie damals an der nunmehr ermordeten Tietz begingen, vor dem Troppauer Schwurgericht standen. Die Mörder dürften nach Verübung der Tat nach Deutschland geflohen sein. Bergrutsch-Katastrophe Moskau. Wie aus Saratow gemeldet wird, hat in der Umgebung der Stadt ein Bergrutsch große Zerstörungen angerichtet. Durch zahlreiche Felsabstürze vom Ubek, die über 24 Stunden andauerten, wurde der Bahnhof und ein Teil der Stadt gleichen Namens vernichtet. Die Eisenbahngeleise sind auf einer Strecke von 1500 Metern zerstört. Nach den bisherigen Meldungen konnte sich die Bevölkerung rechtzeitig in Sicherheit bringen. Sturm über dem Schwarzen Meer Moskau. Nach Meldungen aus Odeffa und Votum hat der Sturm, der seit einigen Tagen auf dem Schwarzen Meer wütet, große Verheerungen und schwere Schiffsunfälle verursacht. Im Hafen und in der Stadt Batum wurde erheblicher Schaden angerichtet. Der Schiffsverkehr mußte eingestellt werden. Die Telephon- und Telegraphenleitungen sind gestört. Wie aus Odeffa berichtet wird, ist ein S o w j e t d a m p f e r an der Krimküste vom Sturm an Landgeworfen worden. Um das Schicksal des Schiffes herrscht große Besorgnis. Ein zweiter Dampfer wurde auf der Fahrt nach Odessa zu einem Spielball der Wellen, da fein Kohlenvorrat ausgegan-. gen war. Er warf Anker und sandte SOS-Rufe aus. Hilfe ist unterwegs. Verschiedene Dampfer mußten Nothäfen anlaufen. Tschechoslowakische Wodka. Mit einer Etj- quette in den Staatsfarben und vierzig Prozent Alkoholgehalt wirbt die heimische Wodka um die Trinker. Dagegen wendet sich der„Svaz ceskh Abssinentü(unter Lei» tung des Professor Foustka) mit einem scharfen Protest. Foustka schreibt:„Die Werbung für ein Gift unter staatlicher Bezeichnung ist unerhörter Mißbrauch. Anstatt den Rückgang des Verbrauchs gebrannter geissiger Getränke zu begrüßen, fördert man ihn durch Duldung solcher Reklame." Es sei höchste Zett, daß ein Verbot des Genusses starker Spirituosen erlassen werde, welche zur Degeneration ebenso beitragen wie Opium, Morphium, Kokain etc. Und es sei zu hoffen, daß unser Volk aufgeklärt genug ist, um zu erkennen, daß Branntwein immer schädlich bleibt, auch wenn er unter nationaler Flagge angeboten wird. Dienstag keine Ministerempfänge. Dienstag, den 5. November, werden die Mitglieder der Re-, gierung keine Besuche empfangen. Die Sowjctjournalisten berichten. Im Mos-. lauer Pressehause fand Freitag eine Zusammenkunft der Moskauer Journalisten- und Schriftstellerdelegation statt, welche erst vor kurzem von ihrer Reise durch die Tschechoslowakische Republik nach Moskau zurückgekehrt war. Dieser Veranstaltung wohnten u. a. auch der tsffhe- choslowakische Gesandte in Moskau, Bohdan Pavlu, weiter die Mitglieder der tschechoslowakischen Gesandtschaft in Moskau, ferner leitende Mitarbeiter des Moskauer Autzenkommiffariates und Vertreter der tschechoslowakischen Preffe bei. Die sowjetrussischen Journalisten Kolzow- Karawajewa, Tolstoi und Kowalki berichteten über ihre Reiseeindrücke in der Tschechoslowakei, wobei sie di« warme und äußerst freundschaftliche Aufnahme sowie die Aufmerksamkeit hervorhoben, die der So-' 'wjetdelegation in der Tschechoslowakischen Republik zuteil geworden sind. Notlandung im Nebel. Samstag um 10 Uhr vormtttags stürzte in der Gemeinde St. Marein im Bezirke Horn ein deutscher Eindecker mit dem Kennzeichen„D Exid" ab und verbrannte nach der Explosion des Benzinbehälters gänzlich. Die Lenkerin des Flugzeuges, Ilse Hoffmann aus Berlin, konnte von herbeigeeilten Jägern noch vor der Explosion mit schweren, aber nicht lebensgefährlichen Verletzungen geborgen und nach erster Hilfeleistung ins Krankenhaus von Horn überführt werden. Die Ursache des Unglücks ist in dem dichten Nebel zu suchen, der zur Zeit über der Gegend lag utkd in welchem die Pilotin die Orientierung-verloren hatte, so daß sie zu einer Notlandung schreiten mußte. Tödlicher und todbringender Rennsport. Auf dem Äigger-Berg bei Budapest, wo jetzt Trainingfahrten für das Budapester internationale Automobil-Bergrennen stattfinden, fuhr der ^Münchner Hotelbesitzer Rudolf Steinwegl, ein bekannter Automobilfahrer, mit seinem von ihm gelenkten Bugattiwagen gegen einen Kilometerstein. Das Automobil wurde durch die Wucht des Anpralls in die Höhe geschleudert und beim Zurückfallen erlitt Steinwegl einen Bruch der Schädelbasis. Noch bei Bewußtsein, versuchte etj des Wagens Herr zu werden, was ihm aber nicht gelang. Das Automobil fuhr auf einen Fußsteig und überfuhr hiebei einen Chauffeur, den es meterweit vor sich herschcb. Dann stürzte der Wagen um. Steinwegl fiel auf die Straße, wo er tot liegen blieb. Dem überfahrenen Chauffeur wurden beide Beine gebrochen. Das schwedische Rote Kreuz hat bereits 2 0 0.0 00 schwedische Kronen für die Entsendung einer Ambulanz nach Abessinien gesammelt. Diese Ambulanz ist Freitag von Marseille abgereist und wird in Harrar stationiert sein. Temperatorsturz in Bulgarien. In Bulgarien, welches heuer einen abnormal warmen Herbst hatte, wurde Ende Oktober vielerorts eine Minimaltemperatur unter Null Grad verzeichnet, die auf den hohen Gebirgskämmen, wie z. B. am Vytos, besonders aber auf dem Musal, dem höchsten Berge am Balkan, auf 8 bis 15 Grad Celsius unter Null gesunken ist. Auf dem 3000 Meter hohen Musalberge liegt eine 30 Zentimeter hohe Schneedecke. Auch in mehreren Tälern der Gebirgszüge und an der türkischen Grenze hat es geschneit. Ruhiges Herbstwetter. Die Wetterlage erfährt in den Hauptzügen nahezu keine Aenderung. Kleine Druckstörungen, die entlang der atlanttschen Küste nordostwärts fortschreiten, erfaßten namentlich die Britischen Inseln und Skandinavien, wo die Witterung veränderlich bleibt. In unseren Gegenden hat das Wetter dagegen unter dem Einfluß eines mäch- tigen Druckhochs über Rußland einen beständi- genCH arakter angenommen. Bei schwachem Süd- bis Südostwind herrscht in Mitteleuropa beinahe überall schönes Herbstwetter. In Böhmen behauptet sich jedoch, den Ostteil des Landes ausgenommen, noch vielfach beträchtliche Bewölkung. Relativ sehr warm ist es auf den Bergen. Die Lysä Hora in den Beskiden hatte z. B. Samstag nachmittags Plus 5 Grad Celsius.— Wahrscheinliches Wetter von heute: Andauern des ruhigen Herbstwetters. An Orten mit heiterem Himmel beträchtliche Temperaturschwankung zwischen Tag und Nacht. Untertagsüber relativ warm. Im Westen und Südwesten der Republik in den^Niederungen vielfach nebelig oder Nebelgewölk, eins dieser Bücher ausgelesen hat, brjngt er zur Bücherausgabe schon einen Freund mit, der es als Nächster haben möchte. Anders als in solcher Nachfolge sind diese Bücher gar nicht zu haben. Die Gefängnis-Briefe von Rosa-Luxemburg sind viermal vorhanden—' im Schrank sind sie nie. Auch die Schriften des Graphia-Verlages werden eifrig gelesen. Bücher von Galsworthy hingegen finden kaum Vorliebe. Es bietet sich hier eine gute Gelegenheit für freigebige Spender: Schenkt dem Heim Bücher! Je mehr, desto besser. Abenteuerbücher, Romane unserer Zeit, Upton Sinclair, Traven, Maxim Gorki, Capek, Bruno Adlers„Kamps um Polna", Silones„Fontamara", Langhoffs„Moorsoldaten"— dergleichen Bücher wären die rechten. Aber bitte: keinen„Abraum", keine Detektivromane! Tschechische Bücher sind gar nicht vorhanden. Da aber immer wieder auch tschechische Jugend ins Heim kommen wird,- ist immer Nachfrage danach. Da können tschechische Genoffcn als Spender Gutes tun. Auch an Zeitungen fehlt es. Während der Zeit der Jugendaktionen könnten die sozialdemokratischen Blätter aller Heimatorte- hingeschickt werden, nicht nur der„Sozialdemokrat", sondern auch die Zeitungen aus Teplitz, Aussig, Bodenbach, Karlsbad, Troppau usw. Auch„Das junge Volk" gehört hin. Und das„Prävo Lidu" müßte dahängen, denn auch die tschechische Jugend will eine Zeitung lesen. Flugzeug-Schlacht gegen Aufständische London.„Daily Mail" meldet aus Mexiko, daß am Freitag 200 Aufständische bei Santa Maria del Valle jm Staate Jalisco von Regie- ! rungsflugzeugen mit Maschinengewehren angegriffen worden seien. 25 Aufständische und ein Soldat seien getötet worden. Strafe für Taubheit Sterilisierung von Tauben im Dritten Reich Der Karlsbader„Volkswille" erhielt aus Deutschland den Brief eines Gehörlosen, der in seiner Angst vor der Verstümmelung, die ihm droht, die Menschen im freien Ausland um Hilfe bittet. In dem Schreiben, welches ein Dokument heutiger Kulturverhältniffe in Deutschland ist, sagt der Mann, dessen Namen und Adresse die Redaktion kennt: Man hat besonders auf dem flachen Lande (minder Sterilisierung von Tauben und Schwerhörigen) begonnen, so wurden in einigen Orten des Frankenwaldes(die vertraulich angegeben wurden. D. R.) schon einige Gehörlose sterilisiert. Unter den Sterilisierten sind einige, die erst im Kindesalter von ihrer Taubheit befallen worden sind. Der Einspruch wurde fast immer von Amts wegen als„unbegründet" zurückgewiesen, so daß Auf dem Liegedach Nr. 258 Sonntag, 3. November 1935 Seite 5 Nebelsicherung im englischen Eisenbahnverkehr Der englische Eisenbahnverkehr hat bekanntlich schwer unter den berüchtigten englischen Nebeln zu leiden, die besonders im Herbst und im Frühjahr auftreten. Um Unglücksfälle zu verhindern, wurde eine Armee von 5000 Männern längs der Eisenbahnlinie aufgestellt. Diese haben die Aufgabe, an den wichtigsten Verkehrspunkten einige hundert Meter vor den Signalen kleine Explosivkörper auf die Schienen zu legen, um den Lokomotivführer auf das Nahen der Signale aufmerksam zu machen. Blinddarmentzündung verhindert ei« Verbreche« Pari-. Auf seltsame Weise ist ein Giftmord im letzten Augenblick verhindert worden. Bei einem Ehepaar Langloir in Ternay bei Lyon wohnte die Cousine von Frau LangloiS, Marguerite Bajard. Zwischen ihr und dem Mann entwickelte fich ein Liebesverhältnis, und sie beschloß, die Frau beiseite zu schaffen. Sie versorgte sich Strychnin, aber noch bevor sie das Gift in die Speis« für Frau LangloiS mischen konnte, wurde sie plötzlich von einem starken Unwohlsein befallen, mußte in die Klinik geschafft werden, wo man Blinddarmentzündung feststellte und sofort eine Operation vornahm. Man fand in ihren Sachen das Gift, und da eine anonyme Anzeige eingegangen war, vernahm sie die Polizei auf dem Krankenbett, wobei sie die Mordabsicht gestand. Erdbeben-Ovfer-«R ,u New Uork Die Stadt H e l e n a im Staate Montana, die bereits am Donnerstag unter schweren Erdstößen zu leiden hatte, ist im Laufe des Freitag von einem weiteren Erdbeben heimgesucht worden. Im ganzen wurden dort 158 neu« Erdstöße verspürt. Diese neue über Helena hereingebrochene Naturkatastrophe hat die Panik unter den Einwohnern noch erhöht. Das Beben am Freitag hat neuen schweren Schaden angerichtet. Zahlreiche Familien, deren Wohnhäuser zerstört wurden, sind in Zelten untergebracht. Das Frostwetter und der Schnee haben die Not dieser Familien noch erhöht. Biele der Unglücklichen schlafen auf den Korridoren des Kapitols. Die Bahngesellschaft hat den obdachlos Gewor- dencn geheizte Eisenbahnwagen zur Verfügung gestellt. In den Tod gerast. Ein ysit drei Personen besetztes Motorrad nebst Beiwagen raste in einer Kurve bei Kaltenweide(Hannover) gegen einen Baum. Alle drei Insassen wurden getötet. — Auf der Triester Straße in Marburg ereignet« sich, als gestern«ine große Menschenmenge in den Friedhof strömte, ein schweres Autounglück. Ein Baumeister fuhr mit seinem Automobil, als er einem Motorradfahrer ausweichen wollte, in die Menge. Eine Person wurde auf der Stelle getötet, zwölf andere schwer, bzw. leichter verwundet. In Bnlgarian werden sag« die Pferde alt! Man weiß, daßstn Bulgarien die Menschen besonderalt werden und man schreibt diese Tatsache dem Genuß von Kefir zu. Mer Pferde trinken in der Regel keinen Kefir und doch werden auch sie in Bulgarien außergewöhnlich alt. Man hat festgestellt, daß bei einer Bierbrauerei zwei Gäule im Alter von 26 und 83 Jahren noch heute ihren Dienst tun. Bei der Sosioter Straßenreinigung arbeitet ein ebenfalls 83 Jahre altes Pferd, und ein Pferdeveteran ist soeben Sljährig gestorben. Dieses R^kordalter muß auf die besonders günstigen klimatischen Verhältnisse Bulgariens zurückgeführt werden. Heiteres Mein Freund geht mit mir zum Schneider und fängt, nachdem er sich Dutzende von Stoffen hat zeigen laffen, hartnäckig zu handeln an. Ich nehme ihn beiseite:„Warum handelst du eigentlich so, du zahlst ja doch sowieso nicht." <„Gewiß", erwidert er,„aber ich möchte nicht, daß der arme Kerl unnötig viel Geld verliert." Wir lesen in„Volla": AIS man jüngst den König von Italien fragte, waS er denn eigentlich über die abessinische Angelegenheit dächte, erwiderte er:„Wenn wir siegen, werde ich König von Abes- sinien. Werden wir besiegt, so werde ich wieder König von Italien!" Steuererleichterung oder neue Belastung? AuS Kreisen der Kleinlandwirte schreibt man uns: In der letzten Zeit erschien in der Tagespresse eine Mitteilung, worin es hieß, daß das Finanzministerium eine Vereinfachung der Steuerprozedur plane. In einer Beratung im Finanzministerium sei beschlossen worden, den kleinen Steuerzahlern, falls sie keinen Widerspruch erheben, die Steuer für zwei Jahre auf einmal im vorhinein zu bemessen. Wenn dies« Nachricht ihre Richtigkeit hat, dann ist die Frage wohl erlaubt, wer der Anreger dieser famosen„Steuervereinfachung" ist.' Augenscheinlich ein Bürokrat, der nicht einmal die bescheidenste Kenntnis von den Vorgängen bei der Steuereintreibung und von den Verhältnissen bei den kleinen Steuerzahlern hat. Eine Anfrage bei einem beliebigen Steueramt würde den Anreger informiert haben, daß es den kleinen Steuerträgern, besonders den ländlichen Existenzen(Kleinbauern und Häus. ler und Kleingewerbetreibende am Lande) in dieser Zeit ohnedies recht schwer wird, auch nur die einmalige Vorschreibung der diversen Steuern fristgemäß zu begleichen. Wohl haben die Finanzbehörden öfter als einmal festgestellt, daß die kleinen Steuerträger die bravsten Zahler sind, aber den Ursachen ist man hierbei nicht auf den Grund gegangen. Sie sind e» weil sie am allermeisten um die Vernichtung ihrer kleinen Existenz bangen und sich daher die Steuerkreuzer oft vom Munde abhungern, um dem FiskuS gerecht zu werden. Wer zahlreich sind auch die Fälle, wo kleine Steuerträger, insbesondere am Lande einfach überhaupt nicht mehr zahlen können und dann tritt der Exekutor in Erscheinung, so wie es erst unlängst im Bezirke Neudek der Fall war, wo er alle Ortschaften abgraste und hauptsächlich bei den kleinen notleidenden Steuerträgern am Lande Einkehr hielt. Wenn eS gilt, die Steuer einzutreibeu dann gelingt auch dieses Werk immer wieder am ehestens bei den armen Teufeln, wo oft das Wirt« ichaftsinventar und das zur Lebenshaltung nottoen- dige Vieh exeyuiert wird. Diese Schichten kennen eben nicht die Schliche der großen Steuerhinterzieher und deshalb wird ihnen gegenüber das geringste Erbarmen an den Tag gelegt. Und nun sollen sie, weil sie teils die bravsten St-uerzahler sind und weil man andererseits be^ ihnen auch die leichtesten Exekutionsmöglichkeiten hat nach Ansicht des Finanzministerium? dafür noch bestraft werden, daß man ihnen die Steuer für zwei Jahre auf einmal bemißt und sie natürlich auch eintreibt. Sind denn die armen Leute nur dazu hier, daß man ihnen das ohnedies so karge Leben noch weiterhin inS unendliche erschwert und sie zur Verzweiflung treibt? . Dabei, gäbe e» natürlich genng Anlaß, um eige Steuervereinfachung apf andere Art und Weise her- veizuführen. Wir haben ein Steuersystem, das tatsächlich eine Erschwerung bei der Eintreibung mit sich bringt. Ein Kleinlandwirt, der zugleich Hausbesitzer ist und irgendein kleines Gewerbe ausübt, bekommt oft 4 bis 5 Steuern vorgeschrieben. Da gibt es die Einkommensteuer, die Hausklassen- oder Hauszinssteuer, die Grundsteuer, die Umsatzsteuer und eventuell noch die allgemeine Erwerbsteuer. Jede Steuerart wird separat bemessen. Man kann sich vorstellen, welch ungeheuerer Apparat und welches Papiermaterial hierzu notwendig ist. Aber auch die flrt der einzelnen Steuerbemeffnng vergrößert den Apparat und verbreitert die Arbeit der Steuerbeamten. Deren unzulängliche Kenntnis über die tatsächlichen Verhältnisse der einzelnen Steuerträger- Kategorien bringt ungerechte Vorschreibungen nach sich. Ein Landwirt muß eben soundsoviel Einkommen haben, ganz gleich, ob er schlechten Boden oder guten besitzt, ob er eine vielköpfige oder eine geringe Familie zu ernähren hat. So kam es auch, daß vor einigen Jahren im Podersamer Bezirk einem Kleinlandwirt mit nicht ganz 4 Hektar Besitz 100 KL Einkommensteuer vorgeschrieben wurden, obzwar der Mann nachweisbar die steuerpflichtige EinkommenS- grenze nicht erreicht hatte. Auf seinen Rekurs hin wurde ihm von der Steuerbehörde mitgeteilt, daß er mit seiner Familie eben daS ganze Jahr über von der Wirtschaft gelebt habe und deshalb müsse er 8000 KL Einkommen haben. Wovon der Mann gelebt hat und ob er gehungert hat, um seine Familie durchzubringen, daS wird nicht in Erwägung gezogen. Dieses Beispiel veranschaulicht ganz treffend, wie die Dinge liegen. Es wäre daher angezeigt, wenn fich das Finanz- ministerium einmal um die Zusammenlegung der vielen Steuern, etwa der Einkommen-, Grund- und Umsatzsteuer bei den Landwirten kümmern würde. Statt der vielen Steuern wäre eine Einheitssteuer nach dem Grundwerte einzuführen, wodurch man zu einer großartigen Vereinfachung des Steuersystems und zu einem bedeutenden Mbau des Apparates käme, ganz abgesehen von der nicht so unwichtigen Materialersparnis. Eine weitere Vereinfachung und Vermeidung von den Zehntausenden von Rekursen wäre durch eine gerechtere Steuerbemessung bei den einzelnen Kategorien zu erzielen. Was aber unlängst da- Finanzministerinm al-.Steuervereinfachung" durch seine Veröffentlichung bezeichnet hat, muß von den kleinen Steuerträgern entschieden abgelehnt werden, denn sie können kaum die einjährige Borschrei' bung aufbringen, geschweige denn eine zweijährige. Unsere Parteiöffentlichkeit wird sich mit diesen Plänen wohl beschäftigen müssen, desgleichen, aber auch die Parteiinstanzen, damit hier nicht wieder eine neuerliche Belastung der ärmeren Schichten zustande komnit. Et«»1gartige« Hochftaplerftück r IklHkllLW bMMitltj UM M MMW Was sich»intelligente junge Damen* einreden laffen Prag. Wenn«in phantafiereicher Schriftsteller den Vorfall, der Samstag vor dem Strafsenat des GR. Novotny(des Jüngeren) zur Verhandlung kam, zum Gegenstand§iner Kriminalgeschichte oder einer Humoreske machen wollte, würden ihm die Verleger bestimmt da- Manuskript zurücksenden, mit der Bemerkung, der Herr Autor möge sich gefälligst nicht zu so faustdicken Unwahrscheinlichkeiten versteigen. Diese Affäre hat denn auch bei ihrem Auffliegen zunächst ungläubiges Kopffchütteln her- vorgerusen, dann aber unermeßliches Staunen darüber, mit was für plumpen Tricks sogenannte rntel- ligente Menschen hineinzulegen sind. Auf der Anklagebank saß der 38jährige Wenzel TeKinsky, den Staatsanwalt Dr. K a b rl e deS raffinierten und skrupellosen Heiratsschwindels anklagte. Der Angeklagte bezeichnet sich als Privatbeamter, hat aber kaum je einen regelrechten Beruf auSgeübt. Dagegen ist sein bisheriger Lebensweg durch verschiedene Vor st rasen wegen Betrügereien gekennzeichnet. DaS erstemal erhielt er in TrenLin im Jahre 1921 vier Monate Kerker; seine letzte Strafe datiert auS dem Jahre 1930, wo er in Pisek sechs Monate auSfahte. Nach eigener Angabe lebte er bei seiner Mutter in Pisek, die 480 KL Witwenpension bezieht, hatte selbst eine Kriegsinvalidenrente von 160 KL und verdiente durch allerlei Nebenverdienste 120 bis 160 KL wöchentlich dazu. Er ist Realschulabsolvent und be- kleidete beim Umsturz die Eharge eine- Kadett» a s p i r a n t e n in der alten Armee. Im Krieg hat er einen Kopfschutz erlitten, stellt aber selbst in Abrede, daß diese Verwundung irgendwelche Folgen auf seinen Geisteszustand hatte. Schon bei seinen früheren Straftaten zeigt sich eine gewisse hochstaplerische Tendenz, die in dem vorliegenden Fall monströse Formen annimmt, und zusammen mit der unfaßbaren Leichtgläubigkeit seiner Opfers, dem Falle seine einzigartige Eigenheit verleiht. Diese- Opfer heißt B 11 a P., ist 26 Jahre alt und angeblich die Tochter eine- höheren Staatsbeamten. Da der Vorsitzende die Generalien derZeugin nicht aufnahm, wissen wir daS nicht mit Sicherheit. Frl Vera war mit ihrer Mutter im Juli d. I. zum Sommeraufenthalte in Pisek, wo sie die Bekanntschaft des Angeklagten machte, der nach kurzer Zeit bereits durchblicken ließ, daß er Frl. VLra als Gattin heimführen wolle. Sr stellte sich als „Ministerialbeamter Jng Turinsky" vor und erzählte, daß er als Witwer eine liebe Gattin und für sein kleiUeS Söhnchen eine gute Mutter suche. Der Angeklagte macht keine sehr gut« Figur. Er ist hager, hochaufgeschossen, schütteren HaareS und trägt einen Zwicker. Aber seine Stellung, fiel offenbar schwer in die Waagschale und Te-insky-Turinsky wurde in der Familie gut ausge nommen. Und schon begann die Ausplünderung der Braut. Zunächst spiegelte der Angeklagte vor, seine Mutter(die heute noch lebt) habe einen Schlaganfall erlitten und er brauche Geld zu ihrer Ueberführung ins Podolec Sanatorium. Er bekam daS Geld und benützte die Gelegenheit, der Familie seiner„Braut" nach Prag zu folgen, weil er seiner„sterbenden Mutter" nahe sein wolle. Er ließ dann die Mutter auch tatsächlich sterben und deren angeblicher Tod nebst der folgende«„Einäscherung" gab neue Gelegenheiten, Geld hrr- auSzulockrn. Die phantastischen Gaukeleien anläßlich der „Trauerzeremonien", bei denen der Angeklagte eine ganze imaginäre Verwandtschaft in fingierten Telegrammen aufmarschieren ließ, endeten damit, daß er erklärte, er habe sich plötzlich mit allen seinen Verwandten überworfen, womit er der peinlichen Notwendigkeit enthoben wurde, seine nicht existierenden Brüder und Schwestern der Braut vorzustellen. Nun begann der„Ministerialbeamte Jng. Turinsky", der auf Kosten seiner Braut ein angenehmes Leben führte, auf die Hochzeit zu drängen— was wieder die prächtige Gelegenheit ergab, seinen künftigen Schwager Eduard 100(1"KL abzuzapfen. Inzwischen hatte aber der Bräutigam seine Rolle gewech- selt. Er erzählte seiner Braut, er sei wegen sein«- Verdienste um die Armee und wegen einer epochalrn Erfindung al- Oberst in den Mili- tärdienst übernommen und dem„geheimen Nachrichtendienst" des LandrSvrrteidignngSministe- riumS zugrteilt worden. Auch dieser unglaubliche Blödsinn fand Glauben, zumal ein„Oberstleutnant K l a t o v« s ky" einzugreifen begann, der sich in mehreren Telephongesprächen als bester Freund SeS „HerrnOberstTurinsky" vorstellte uno der Braut verschiedene Aufträge ihre-„dienstlich überlasteten" Bräutigams übermittelte. Natürlich existiert ein Oberstleutnant Klatovsky überhaupt nicht und es war der Bräutigam selbst, der mit verstellter Stimme diese Rolle spielte, um seine Braut von seiner großartigen Stellung zu überzeugen. Am Vorabend des zuerst festgesetzten Hochzeitstages rief nun„Oberstleutnant Klatovsky" an und berichtete mit aufgeregter Stimme, daß der Frldkurat, der die Trauung hätte vollzieh«« sogen, wegen Unterschlagung„staatlicher Papiere" in Hast genommen worden sei, so daß die Trauung nicht stattfinden könnte. Sein Freund Oberst Turinsky habe sich vor Kummer über den Aufschub der Hochzeit in selbstmörderischer Absicht ange- schaffe». Sporen Sie da vielleicht Mi, der Seile? Vie Kinder mü»en doch sauber sein und wasser allein tut’s nicht. Nur nicht? unrechten eJ??I?CK herz- auch beim AECHT FRANCK herz haft zuflreifen, damit der Kaffee wirklich gut und kräftig Aeditfranck^’ zu jedem Kaffee /.bei Nachdem der Angeklagte unter der Maske de» „Oberstleutnants Klatovsky" auf diese Weise die Hochzeit vorläufig vereitelt hatte, erschien er in eigener Person bei seiner Braut— mit einem blutbefleckten Verband über der Brust— als Beweis seines Selbstmordversuche»l Kein Wunder, daß TLsinsky, der bei allen seinen phantastischen Gaukeleien Glauben fand, sein Werk, mit einem Unternehmen krönte, das in der Kriminalgeschichte einzig dastehen dürfte, nämlich der „telephonischen Trauung" vom 17. September. Man kann sich deS Eindrucks nicht erwehren, daß eS den Angeklagten kitzelte, seinen Hochstapeleien, di« ja doch früher oder später auffliegen mußten, durch ein besonderes Meisterstück die Krone aufzusetzen. Er begann seiner Braut zu erklären, daß daS Pri- vatlebenderhohenOffizieredes Geheimdienstes der Oeffentlichkeit verborgen bleiben müsse. Die Eheschließung müsse daher auftelephonischemWege vorgenommen werden. Vor dieser'„telephonischen Hochzeit" ließ fich der Bräutigam, der nurmehr in Oberstenuniform einherstieg, durch einen auf der Straße angehaltenen Soldaten einen gedruckten„Befehl" (natürlich eigenen Fabrikates) ins HauS seiner Braut zustellen, in welchem es humoriftischerweise heißt: „Tie werden, Herr Oberst, aufgrfordrrt, fich morgen beim Milttärseelsorgramt zum Zweck der Eheschließung rin,»finde«...(Folgen gefälscht, Stampiglien und Unterschriften: Abt. IV deS MRO." Nachdem er solcherart vorgearbeitet hatte, stand der feierlichen„Trauung" über den Telephondraht nicht- mehr im Wege, Diese Hochzeit in der Telephonzekle ging derart vor sich, daß Frl. VLra vösti benachbar« ten Wrschowitzer Postamt für 1 Uhr nachmittags zum Telephon bestellt wurde. Der fieberhaft erregten Braut meldete sich zunächst das„Vertetdi« gungSministerium". Dann begrüßte eine forsche Baßstimme die Braut und ihr Inhaber stellte sich als^General Krejii" vor. Nach der markigen und militärisch knappen Ansprache dieses „FestleiterS" meldete fich ein anderes Organ al» „Frldkurat KuneS". Und Frl. VLra sprach mit bebender Stimme daS Ehegelöbnis in den Apparat und versprach„eine treue Gattin zu sein". Sie empfing auch prompt die Eheformel ihres Bräutigams und gleich darauf die Gratulationen der „Zeugen" und sonstiger Hochzeitsgäste..„Hier Ge- .neral§i'zek.„Hier Geu eral R.oi al ..."„Hier Oberstleutnant Dolezal ..." Die Feier wurde beendet durch da- Schlußwort deS„General Eermak": „Madame, die Militärbehörden haben Ihre Eheschließung mit Herr» Oberst Jng. Turinsty zur Kenntnis genommen und betrachten Sie als dessen rechliche Gattin(!). Der Trauschein wird Ihnen binnen zwei Tagen zugehen." Am anderen Ende des Drahtes stand natürlich nur eine Person— der Hochstapler TLsinsky, der sich als Stimmenimit ttor trefflich bewährt hat. DaS„Fräulein Oberstengattin" verlebte mit ihrem„Gemahl? nur einige Flittertage. Da weder der verheißene Trauschein, noch die erwartete Gage deS„Herrn Oberst" einging, erkundigte sich der Bruder des Frl. VLra beim Ministerium nach seinem Schwager. Dort kannte man keinen„Oberst Turinsky". Am nächsten Morgen holten die Detektive der Prager Polizeidirettion den Angeklagten aus seinem Liebesnest in einer Hegerei bei Wran. TLsinsky legte sofort«in restlose» Geständnis ab. Frl. VLra widersetzte sich damals der Verhaftung ihres„Gatten" in temperamentvoller Weise... • Wer von diesem Prozeß eine Aufhellung der tieferen Zusammenhänge und verschiedener schwer verständlicher Details erwartet hatte, sah sich enttäuscht. Der Angeklagte gestand ohne weiteres seine Schuld und Frl. VLra bestätigte die Anklage. Ungeklärt blieb daS persönliche Verhältnis der„Ehegatten" zu einander, ungeklärt blieb auch, wie diese intelligente junge Dame auf die ungeheuerlichen Lügen des Angeklagten so hereinfallen konnte. Sie gab zu, ihr sei die telephonische Trauung „etwas auffallend gewesen", aber die verschiedenen Sttmmen hervorragender Persönlichkeiten, die sie au» dem Telephon vernahm, hätten sie in Sicherheit gewiegt. Sie verstehe auch heute nicht,' wie der Angeklagte so verschiedene Stimmen habe hervorbringen können. Der Angeklagte erklärte mit nachlässiger Handbewegung, er habe sich gar nicht sehr angestrengt. Die herauSgelockten Beträge belaufen sich insgesamt auf 3200 KL. Keine Riesensumme, aber immerhin genug für. sechs Wochen betrügerischer Hochstavlerarbeit. Der Gerichtshof erkannte den Angeklagten schuldig und verurteilte ihn zu sechs Monaten schwerem Kerker. rb. Ccite 6 Prager Zeitung Die Beisetzung der verstorbenen Genoffin Irma Lent findet am Montag, dem 4. November 1935, um 16 Uhr auf dem Friedhof Vršovice( Elektrische Linien 1, 4, 20, Haltestelle Waldesfabrik) statt. Alle Emigranten mögen sich beteiligen. ,, Sozialdemokrat" spräche dieser Teidenden, unglückseligen Personen: alles dies entspricht ganz genau dem Temperament Claude Debussys, der mit Belleas und Melisande" ganz sein Maß erreicht hat. Er hat die Symbole feines Mitarbeiters mit Melodien begleitet, welche deren beschwörende Kraft außerordentlich steigern. nale Taschendiebe, die vorgeben Fort Pietro, Dal sondern in einer ganz besonderen Art dem Orchester Daryverstopfung. Schon die Altmeister der] Heilmittellehre haben anerkannt, daß sich das natürliche Franz- Josef"-Bitterwasser als ein durchaus zuverlässiges Darmreinigungsmittel bewährt. 3148 aus der Partei Sonntag, 3. November 1935. Nr. 256 Sport- Spiel- Körperpflege Die Kreisspielleitung für Fußball im 5. Atus. Kreis teilt mit: Das Serienspiel Ilgersdorf gegen Nestersiz fonnte nicht ausgetragen wera den und wird daher für Sonntag, den 10. No= bember, nachmittags 3 Uhr, in Nestersiz neuerlich angesetzt. Den Vereinen Ullgersdorf und Nesterjis sowie der Kreisschiedsrichter- Vereinigung zweds Bezirksorganisation Prag: Sibung der Bezirks-| Beistellung eines Schiedsrichters zur Kenntnis. Die Bezirksspielleiter und Schiedsrichter- Obmänner Internationale Taschendiebe. Drei internatio- Diese Melodien hat er nie den Stimmen gegeben, vertretung. Dienstag, den 5. November, um 20 Uhr werden ersucht, bis spätestens 5. November beim Machie und Giuliano Agostino zu heißen, wurden anvertraut, einem weichen, wogenden, gedämpften im Parteiheim, Národni 4, Sibung der Bezirksvers Kreiskassier Genossen Spitz die Jahresabrech dieser Tage verhaftet, nachdem sie in wenigen Ta- und gleichsam in Watte eingehüllten Orcheſter, übertretung. bei der die Anwesenheit aller Mitglieder gen einen Schaden von etwa 5000 Kč angerichtet dem sich die Worte erheben." hatten. Sie hatten mit einem fontav geschliffenen Taschenmesser die Brusttaschen der Bestohlenen aufgeschlißt und so stets die ganze gefüllte Brieftasche erbeutet. Auch sind ihre Pässe falsch. Sie leugnen sowohl diese Tatsache, als auch die Taschendiebstähle, sind aber sowohl durch Konfrontation mit den Bestohlenen als auch durch das corpus delicti in Gestalt des konkaven Taschenmessers überführt. Opfer seines Berufes. Der 36jährige Kondutteur Karl Pechar wurde gestern morgens bei der Endstation der 23er- Linie in Michle beim Berschieben eines Schleppwagens zu Boden geworfen und ein Stück geschleift. Auf der Klinik Jirájet wurden Quetschungen des Brustkorbes und Rippenbrüche festgestellt. Seine Verlegungen sind ernsterer Natur. Das Prager Deutsche Theater erwünscht ist. Sozialistische Jugend. Nach der Arbeitervor ftellung in den Roten Klubabend! Sonntag um 18 Uhr in der Urania, Klimentska. Bringt Gäste mit! Vereinsnachrichten Allgemeiner Angestellten- Verband Prag II. hatte an die Wiederaufführung und Neuinsae nierung des Debussyschen Musikdramas ebensoviel Fleiß und Liebe wie Geld und künstlerische Tüchtigkeit gewendet. Zunächst dadurch, daß der be= fannte Graphiker und Bildkünstler Prof. Hugo Steiner mit den Entwürfen der zahlreichen Szenenbilder betraut worden war. Ganz wunderbar war es diesem schöpferisch reichen Künstler gelungen, den Stimmungen des Musikdramas und seiner transparenten Musik entsprechende Büh- Kanzlei Národni tř. Nr. 4, 3. Stock. Mittwoch nenbilder von märchenhafter Versonnenheit und 6 bis 8 Uhr. A u sich uß 1'izung am Mittwirklich romantischem Zauber zu schaffen, Bühnenbilder, die eine überaus glückliche optische Ergän- woch, den 6. November, halb 8 Uhr abends, Kanzzung der akustischen Eindrücke waren und den je- lei. Monatsversammlung verlegt auf weiligen Stimmungscharakter der Handlung ein- den 20. November, Mittwoch, Handwerkerheim. drucksvoll trafen. Schon diese Märchenillustrationen Vortrag: Dir. Kreisfy über ,, Kartelle". Radio= Nachtmarsch eines Schwerverletzten. Gestern zu Maeterlinc- Debussys Pelléas und Melisande" vortrag unseres Verbandsobmannes Koll. Bergum 10 Uhr vormittags brach der 39jährige Arbeiter als Wunderbeispiele erlesenster Kunst der Projektion mann über ,, Die Krankenversicherung der PrivatJosef Pravda aus Smichow in der Stefanitstraße machen das Werk für das Publikum begehrenswert. angestellten" am Mittwoch, dem 13. November, bewußtlos zusammen und wurde von der Rettungs- Auch Renato Mordos Regie war erfolgreich um 18.20 Uhr abends. gesellschaft auf die Klinik Jirásek gebracht, wo ein bemüht, den schicksalsvollen und leidbeherrschten Bruch des Kieferknochens und Gehirnberlegung fests Grundton der Szene festzuhalten und das gesamte gestellt wurden. Pravda gab an, zu Allerheiligen Bühnengeschehen darnach abzustimmen. Ganz vorum 8 Uhr abends auf der Landstraße von Veltrus züglich aber gelang es dem mu si fa I i fchen Filme in Prager Lichtspielhäusern nach Prag bei Nová Ves von einem Auto über- Leiter der Aufführung, Herrn Kapellmeister Frib Urania:„ Menschen im Hotel"( Deutsche Fasfahren worden zu sein, das weiter gefahren sei, ohne 3 weig, Debussys charakteristische Klang- und sich um ihn zu fümmern. Troß seiner Verlegung Farbenkunst zur Geltung zu bringen und jene musi- sung, Greta Garbo). Adria:„ M. R. Stefanit". Tsch. Avion: Alfa:„ Folies Bergere". A. habe er sich erhoben und sei zu Fuß den Rest des kalische Grundstimmung zu wahren, die wie Trauer, Weges von Veltrus nach Prag gegangen; auch habe Leid und Schicksalsschwermut über dem ganzen „ Fata Morgana". A. Eddie Cantor. Beranek: Fenix: Viva er am nächsten Tag troß seiner Schmerzen die Ar- Werke liegt. Das hingebungsvoll und beseelt spie- Die bengalischen Reiter". A. Villa". A. Flora:„ Die Nacht der Liebe". A. lende Orchester stand ihm bei diesem Bemühen verGaumont:„ Leutnant Bobby". D. Hollyständnisvoll zur Seite. Auch die solistische Besetzung des Musikdramas erwies sich als recht glück- wood:" Leutnant Bobby". D. Hvězda:„ M. N. - Juliš: Zigeunerbaron". D. lich. Harriet Hen der 3 war eine Melisande von Stefanit". Tsch. illusionsvollkommener Schönheit und glaubhafter Kinema: Journale, Groteske, Reportagen( halb 2 Innerlichkeit des Ausdrucks und Gefühls; und ihre Fr. Kotva:„ Tränen der Liebe". A. fleine, aber schöne und kultivierte Stimme war geMetro: ,, Gebrochene Herrade der zarteren Musik Debussys richtig angepaßt. Viva Villa". A. Ein in Ton und Haltung durchaus edler und männ- zen". A. Olympic:„ Die Nacht der Liebe". A. Praha:„ Bom licher Pelléas war Adolf Fischer, ein stimmlich Bassage: Zigeunerbaron". D. Radio:„ Drei bengalische Reiund darstellerisch charakteristischer und persönlich- bay- Expreß". A. teitsstarter Golo Herr Sche i d 1. In kleineren ter". A. Staut: ,, Drei bengalische Reiter". A. Partien bewährten sich Frau Kindermann Světozor:„ Tränen der Liebe". A.- Alma:„ CharBajkal: und Frl. Marschner sowie die Herren Ander- lie Chan in London". A. Warner Oland. „ Die blonde Carmen". D. Belvedere:„ Dielus sen und Ha y. Das Publikum stand sichtlich im Illusion:„ Die Nacht der Banne des ergreifenden Werkes und seiner stim stige Witwe". A. Maceška:„ Pygmalion". D. Rory:„ Der mungsstarken Aufführung und sparte nicht mit Liebe". A. Lido II:„ Die lustige Witwe". E. J. Beifall. erste Nuß". Tsch. Sport: Weib und Hampel: mann". A. Marlene Dietrich. 1 Vejvodu: Peer Gynt". D. Valdek:„ Die Nacht der Liebe". A. Grace Moore. Bio Veletrhy:" Pygmalion". D. beit wieder antreten wollen. Die Stefanit- Sternwarte ist im November für das Publikum außer an Montagen täglich von 6 Uhr abends, für Massenbesuche von Schulen von 5 Uhr, und für Vereine von 7 Uhr abends, ebenfalls täglich außer Montag, geöffnet. Für die lettgenannten Besuche gelten ermäßigte Eintrittpreise. An Sonntagen ist die Sternwarte vormittags von 10 bis 11 und nachmittags von 3 bis 4 Uhr sowie abends von 5 bis 7 Uhr geöffnet. Eintritt 2 Kč, Kinder und Studierende 1 Kč. Massenbesuche sind vorher anzumelden( Telephon 463-0-5). Beobachtungsprogramm im November: In der ersten Monatshälfte der Mond und Saturn, in der zweiten Saturn, Sterngruppen und Nebel. Prof. Julius Tandler spricht über das hochgftuelle Thema„, Iuch der minder mer tigkeit". Montag, 8 Uhr abends in der Urania. Volkstümliche Preise, Vorverkauf: Urania, André, Wezler.. Kunst und Wissen Pelleas und Melisande " = Bruno Walter, der heute neben Toscanini und Furtwängler größte und genialste Dirigent der alten und neuen Welt, war der musikalische Leiter des obligaten Allerheiligen Feiertags= Tschechischen Konzertes der Prager Philharmonie. Dem Charakter des Allerheiligen- Feiertages war auch das Programm des Nonzertes angepaßt, das als Hauptwert P. J. Tschaitowstis Sechste oder Pathetische Symphonie, Vitězslav No bats symphonische Dichtung In der Tatra", Leoš Ja na čeka symphonisches Gedicht„ Taras Bulba" und vier biblische Lieder von Anton Dvořat enthielt, also durchwegs Werte ersten, feierlichen, leidvollen oder dramatischen Inhaltes und Sinnes. Erstaunlich war, wie sich Bruno Walter in dieses durchaus slawische Programm eingelebt hatte und alle Werke als ihr treuer Diener und Priester zu der ihnen eigenen Geltung brachte; wie er ettva Tschaikowskis Leidenschaftlichfeit hevorzukehren und seine allzu resignierte Trauer mit männlichem Geist zu erfüllen verstand oder wie „ Taras Bulba" betonte. Ganz hervorragend spielte unter seiner Stabführung das Orchester der Philharmonie, glanzvoll im Gleichklang der blühenden Streicher, flangedel in den Bläserstimmen. Solist des Konzertes war der Baritonist des Tschechischen Staatstheaters Jan Konstantin, ein Gänger, der ebenso durch seine schöne, sonore Stimme überzeugt wie durch die innerliche Wärme E. J. seines Vortrages. bis% 47). Koruna:„ Die Geheimnisse von Baris" A. " " Lucerna: nung durchführen zu wollen. Nach Vollendung der Gruppenspiele haben die Gruppenleiter eine Tabelle der Kreisleitung zu übermitteln, damit eine Gesamtstatistik zusammengestellt werden kann. Fragebogen folgen demnächst und sind ordnungsgemäß der Kreisspielleitung zurüdzusenden. Runds schreiben sind bereits an alle Bezirke und Vereine ergangen. Reine Spiritus- Preßhete mit besonderer Triebkraft und höchster Haltbarkeit, garantiert reines Malzmehl und feinsten rekt. als auch denat. Spiritus liefert Rejčiner Zucker-. Spiritus- und Preẞhefe- Fabrik vormals Brüder A.& H. May A.-G. Olmütz- Hojčin. 445 VERLANGEN SIE 2086 in jeder Verkaufsstelle des Konsumvereines SELCHWAREN der Firma HEGNER& Cie., PILSEN Selchwaren der Fa. 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In den Jahren, wenn sie bereits eine bessere Position erlangt haben, sind sie derart erschöpft, daß sie vorzeitig altern, es stellen sich Nervenstörungen, Kräftenachlaß, Erschöpfung, Gedächtnisschwund, Geschlechtsschwäche, erhöhter Blutdruck ein. Die ärztliche Wissenschaft hat diesem unerfreulichen Zustand von dem Moment einen Umsturz bereitet, als der Erfolg der HormonKuren entdeckt wurde. Wenn auch Sie unter jene gehören, denen die Erschöp fung in Freuden die Früchte Ihrer Arbeit zu genießen verhindert, so versuchen Sie die wundertätige Wirkung des HORMON- VERJÜNGUNGSMITTELS ROGA- HORMON 1. ROGA- HORMON ist wissenschaftlich zusammengestellt, ein ärztlich geprüftes und empfohlenes Apothekermittel. 2. Es enthält keine Reizmittel, welche nur vorübergehend wirken, aber später schaden. ROGA- HORMON wirkt dauernd und unschädlich. 3. ROGA- HORMON wurde für Männer und Frauen geschaffen. Bei beiden Geschlechtern bedeutet es die Rückkehr von kraft und Jugend. 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Es ist Debussys Hauptschöpfung auch in dem Sinne, daß es seine tonfünstlerische Eigenart am besten und deutlichsten widerspiegelt; seine einzigartige Kunst der Klanggestaltung und zartgetönten musikalischen Farben, seine unerreichte er beispielsweise die heldische Wildheit in Janačete Kunst der musikalischen Stimmungsmalerei. Aber wie sich in den Orchesterkompositionen Debussys das künstlerische Gesamtbild nur aus vielen kleinen musikalischen Stimmungsstückchen zusammensetzt, die mehr kunstvoll aneinander gereiht sind, als daß sie zwingende Beziehungen zu einander haben, so fehlt auch seiner Bühnenmusik zum Drama ,, Pelleas und Melisande" die einheitliche große dramatische Linie, die durch wirksam aufgebaute und mit logischem musikalischen Zwang sich entwickelnde Steigerungen Heute zweite Arbeitervorstellung.( Neues Deuts und Aufschwünge erzielt wird. Debussys Belleas und Melisande" ist eine flächenhaft- objektiv wirkende sches Theater, halb 3 Uhr nachmittags.) Zur Aufmusikalische Legende ohne Pathos und dramatische führung gelangt Molières glänzendes Lustspiel Spannungen, ein bewußt gegen das subjektiv in„ Der Geizige". seinen musikalischen Gefühlsäußerungen und daher Wochenspielplan des Neuen Deutschen Theaters. in die Tiefe wirkende musikdramatische Prinzip Richard Wagners geschriebenes Werk. Wenn De- Sonntag halb 11 Uhr vorm.: Sturz des Antichrist, Goetheanum in Dornach( Vorstell. d. bussy selbst den Grundsatz aufstellte, daß der dramaAnthropos. Ges.), halb 3 Arbeitervorstellung: Der tische Gesang nur ein großes Rezitativ sein dürfe, ei aige, halb 8: Feldherrnhügel, geregelt lediglich von den natürlichen Biegungen 1. Montag 8: Ritterliche Affären, der Rede, also in möglichster Nähe den ursprüng- Gastspiel des Deutschen Volkstheaetrs Wien mit lichen Bewegungen der gesprochenen Sprache folgend, so hat er die abgeklärte Sprache leidenschafts- Felix Bressart, Abonnement aufgehoben. lofer und dramatisch nicht zu erregender Menschen tag 8: Kind im Kampf. A 2. im Sinne gehabt. Am besten hat Debussy, den Kom- halb 8: Pelléas und Melisande, B2Frei Samstag ponisten des Musikdramas Belleas und Melisande", Donnerstag halb 8: Rigoletto, 1. fein eigener Landsmann, der französische Musik tag 8: Kind im Kampf, D 2. geschichtsschreiber Alfred Bruneau charakterisiert. halb 8: Schiller- Feier: Maria Stuart, neuDas Libretto dieses Dramas", sagt er ,,, berlangte inszeniert, B 2. Wochenspielplan der Kleinen Bühne: Sonntag 3: Debussy von Maeterlin d. Die Idee der Fatalität, des Todes, welche in dem Stücke des Attentat, 8: 7 m 2ondoner Nebel. Montag 8: Ich kenne dich nicht mehr, belgischen Dichters erscheint, die Atmosphäre einer - Dienstag 8. Teddy contra traurigen Legende, die es einhüllt wie in einen Bantbeamten I. dünnen Schleier; alles, was es darin Rätselhaftes, Tedd h.- Mittwoch: Maria Magdalena, Donnerstag Wirklichkeitsfernes gibt, die schattenhaften Gestal- Bankbeamten II und freier Verkauf. Freitag ten, arme Könige, arme Leute, arme Gäste unbe- 8 Uhr: Teddy contra Teddy. nannter Länder, welche das Schicksal mit seiner 8 Uhr: I m Londoner Nebe I, Theaterge= Hand durch den Nebel des Unabänderlichen führt, meinde des Kulturverbandes und freier Verkauf. die resignierten, naiven, sanften oder ernsten Ge- Samstag halb 8. Teddy contra Teddy. Bezugsbedingungen: Ber Zustellung ins Haus oder bei Beaua durch die Bost monatlich Ke 16.- vierteljahria Kč 48.-, halbjährig Kč 96- ganzjährig Kč 192.-. Rückstellung von Manuskripten erfolgt nur bei Einsendung der Retourmarten. 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XII., Fochova 148. In Teplitz- Schönau: Zum schwarzen Adler". Ph. Mr. Hoffmann ,,, Zur Dankbarkeit" ,,, Zum Schloßgarten". In Turn bei Teplitz- Schönau: ,, Beim Engel". Engelapotheke Zur Hoffnung". In Aussig a/ E.: Löwenapotheke, Marktplatz. Zur goldenen Krone". In Karlsbad: Egerländer Apotheke, Ph. Mr. Wilhelm Mankerl. In Fischern bei Karlsbad: Mariahilf- Apotheke, Ph. Mr. Muhr. In Hirschberg: Ph. Mr. Mahr. In Böhm.- Leipa: Ph. Mr. Bažant, Josefapotheke, Marktplatz. In Trautenau: Alte Stadtapotheke, Ringplatz. In Bodenbach: Centralapotheke. In Leitmeritz: Adlerapotheke, Stadtplatz. In Reichenberg: Centralapotheke Ph. Mr. Stengel, Schützengasse, Adlerapotheke, Tuchplatz. In Gablonz a. N.:,,Zum roten Kreuz", Ph. Mr. Anderle, Ph. Mr. Hugo Melzinger jun., Johannesberg. In Lobositz: Neue Apotheke, Ph. Mr. Žižka. CE LOCALE O do I hi fo G ge 84 U ti de W bo gu dr It in ni be ne