Einzelpreis 70 Heller (•hMchllaSlich S Heller Porto) ZENTRALORGAN DER DEUTSCHEN SOZIALDEMOKRATISCHEN ARBEITERPARTEI IN DER TSCHECHOSLOWAKISCHEN REPUBLIK IRSCHUNT MIT AUSNAHME DES MONTAG TÄGLICH FRÜH. Redaktion und Verwaltung präg xii.,fochova tr. TELEFON 0077. HERAUSGEBER» SIEGFRIED TAUB. CHEFREDAKTEUR» WILHELM NIESSNER. VERANTWORTLICHER REDAKTEUR» DR. EMIL STRAUSS. PRAG. 15. Jahrgang Mittwoch, 6. November 1935 dir. 258 Konsequente Völkerbundpolitik BeneS-Exposä der Tschechoslowakei über die internationale Lase und den abessinischen Konflikt Prag. Da- Abgeordnetenhaus hatte gestern einen seiner großen Tage. In Erwartung de- großen Lageberichte- de- Außenministers Dr. Benes waren sowohl die Ministerbank als äuch die Bänke der Abgeordneten voll besetzt. In den Logen und auf der Galerie wohnten der Sitzung zahlreiche Diplomaten. Journalisten und andere Besucher der Sitzung bei— unter ihnen auch der Gesandte Jan Masaryk, der Sohn des Präsidenten. Als die einleitenden Formalitäten erledigt waren, kam Dr. Benes, besten Rede auch im Rundfunk übertragen wurde, zu Wort. Wohl kaum hat noch ein Außenminister in einer heikleren Situation gesprochen und keiner dürfte sich mit größerer Geschicklichkeit seiner schweren Aufgabe entledigt haben. Ohne nach irgend einer Seite einen verschärfenden Anstoß zu geben, arbeitete Dr. Benes die Linie der europäischen Friedenspolitik scharf heraus und zeigte sich als guter Anwalt und mutiger Bekenner der Völker bundidee. Was er an die Adresse Italiens, Deutschlands, Polens und Ungarns sagte, war gut abgewogen und von anerkennenswerter Festigkeit. Benes hat die Sache seines Landes und des Friedens in glücklicher Form vertreten. Bezeichnend war die Berlegrnheit der Kommunisten. Als Benes ftine Bündnispolitik mit der Sowjetunion in ihrer ganzen großen Bedeutung darlegte, wagte die kommunistische Fraktion kein Wort des Zwischenrufes und keine Geste des Bei'ulk s. So wurde offenbar» daß die KPE mit ihrer ebenso wortreichen wie negativen Oppositionen neben den großen Entscheidung dieser Zeit herläuft und dabei noch in engste Nachbarschaft mit der äußersten Rechten gerät, di- im Abgeordnrtrnhause ebenfalls die Ausführungen Dr. Benes' mit eisigem Schweigen aufnahm. Rach einer Einleitung, in der er an den Ernst der derzeitigen internationalen Situation erinnerte, rekapitulierte Dr. Benes zunächst die Ereignisse des Jahre- 1SSS bis zum italienisch-abessinischen Konflikt, wobei er insbesondere darauf hinwies, daß in den Verhandlungen über die europäische Sicherheit bloß ein Teil des Projekte- verwirklicht werden konnte, nämlich da- Abkommen über den gegenseitigen Beistand zwischen der Sowjetunion und Frankreich, bzw. derTschechoslo- wakei. während die Verhandlungen über den O st p a k t bewiesen, daß Deutschland und Polen den Abschluß des gegenseitigen Beistandspaktes ablehnen. Die Tschechoslowakei bleibt weiter wie die übrigen Staaten der Kleinen Entente eine Anhängerin des Donau-Pakte- und hält dessen Hindernisse nicht für so groß, als daß die Verhandlungen nicht weitergeführt und schließlich erfolgreich abgeschlossen werden könnten. Der Italienisch-abessinische < Konflikt Der. Benes gibt dann eine Uebersicht über die Entstehung und Entwicklung des italienisch-abessinischen Konfliktes von den ersten Grenzzwischenfällen bis zur Plenarsitzung des Völkerbundes vom 8. bis 11. Oktober, in der Aälien als Angreifer erklärt und Sanktionen angeordnet wurden. In Völkerbundkreisen wird dieser erste Versuch der Geltendmachung wirtschaftlicher Sanktionen im großen und ganzen als erfolgreich angesehen. Leber die praktische Durchführung und über ihr tatsächliches Ergebnis wird man sich erst später äußern können. Aber bereits heute kann man sagen, daß der Völkerbund zweifellos gefestigt erscheint. Daneben wird zwischen den drei westlichen Großmächten angestrengt über die Lösung des ganzen Konfliktes im Wege des Einvernehmens verhandelt, wobei namentlich der französische Ministerpräsident Laval unermüdlich nach Wegen zum Frieden sucht. Die TschechoslowÄei würde eS mit größter Freude begrüßen, wenn ihm dies gelänge. Es wird dies aber sehr schwierig sein- Die tschechoslowakische Regierung verfolgt die Ergrbniffe dieser weitreichende« Ereignisse mit größtem Emst, mit größtem BerantworMngS- bcwußtscin und mit entsprechender Zurückhaltung; mit Rücksicht auf ihr gutes Verhältnis zu Italien, aber auch im vollen Bewußtsein ihrer Verpflichtung« gegenüber dem Völkerbund, gegen die sie sich niemals versündigen wird. Englands neue Politik Aus der Geschichte des ganzen italienischabessinischen Konfliktes hob Dr. Benes insbesondere hervor, daß die italienische Regierung anscheinend weder erwartet habe, daß sich England so entschieden hinter die Durchführung aller aus dem Völkerbundpakt erfließenden Verpflichtungen stellen wird, noch daß der Völkerbund nach den Mißerfolgen in Asien und in Südamerika in der Lage sein werde, gegen Italien eine größere Aktion zu unternehmen. Er hob die historische Bedeutung der Rede deS englischen Außenminister- vom 11. September hervor, in der Sir H o a r e, ein alter Freund der Tschechoslowakei und Masarhk-, al- Richtlinien für die britische Außenpolitik den Völkerbund, die interna tionaleZusammenarbeit zum Schutz der kleineren Staaten und den allgemeinen Frieden für alle in kollektiver Zusammenarbeit bezeichnete. Genf habe augenblicklich begriffen, daß diese Doktrine. falls sie in die politische Praxis eingeführt wird, eine neue Mase in.der Geschichte des Völkerbünde- bedeutet. Alle hätten, abgesehen von dem Konflikt mit Abessinien, begriffen, daß hier der erste große Präzedenzfal für die Geltendmachung der Sanktionen eintritt, der weittragende Bedeutung für die ganze Entwicklung der europäischen Politik haben kann. Au- den Genfer Verhandlungen kann- man weitere Schlüffe für künftige Konfliktsfälle ziehen. Innere Sicherheitsmaßnahmen, wie z. B. die Mobilisierung, können von den Staaten und Mitgliedern des Völker- Ein amtlicher Kommentar besagt hiezu: Die Verhandlungen über die Rekonstruktion der Regierung auf Grund des Borschlages der Republikanischen Partei, daß die durch das Ableben Bohumir Bradäö' freigewordene Stelle des Vorsitzenden des Abgeordnetenhauses durch den Vorsitzenden der Regierung Jan Malvpetr beseht werde, führte zu einem Uebereinkommen, dessen Ergebnis der Rücktritt des Vorsitzenden der Regierung Malvpetr von seinem Amte war, der seine Demission dem Präsidenten der Republik am Dienstag, dem 5. November, mitteilte. Der Präsident der Republik nahm die Demission an und gab darüber ein Handschreiben aus. DaS zweite Ergebnis der Beratungen aller beteiligten Faktoren war der Vorschlag, daß zum Vorsitzenden der Regierung der Minister für Landwirtschaft Dr. Milan H o d j a ernannt werde. Der Präsident der Republik nahm auch diesen Vorschlag an und gab auch darüber ein Handschreiben aus. Der neue Vorsitzende der Regierung Doktor Milan Hodza wurde nicht von der Leitung des Landwirtschaftsministeriums enthoben, so daß er weiterhin in dieser Funktion verbleibt. Kurz nach halb 5 0 Uhr kam Dr. Hodja«ach Länv, wo er den vom Art. 73 der Verfassungsurkunde vorgeschriebenen Eid in slowakischer Sprache in die Hand des Präsidenten der Republik ablegte. Rach Ablegung deS Gelöbnisses verblieb der Präsident der Republik mit dem Vorsitzenden der bundeS durchgeführt werden, sie verletzen nicht die Verpflichtungen aus dem Pafte. die Sanktionen folgen jedoch automatisch nach der Konstatierung des Angreifers; über sie entfcheidet jeder Staat allein und individuell. Die französisch-britischen Verhandlungen wie auch die Präzedenzfälle und die Folgen des Artikel? 16 sind auch für uns von großer Bedeutung, sie tangieren auch unsere Sicherheit und wir haben an ihnen ein vitale- Interesse. Es liegt im Interesse Europas und des allgemeinen Friedens, daß sie von vollem Erfolg begleitet seien. Unsere Beziehungen zu Italien: Dr. Benes betonte neuerdings, daß wir an dem Konflift weder direkt noch indirekt interessiert sind. Soweit in ihn direkt oder indirekt eingegriffen werde, wird dies nur auf Grundlage unserer Mitgliedschaft im Völkerbund geschehen. Seit drei Jahren haben sich unsere Beziehungen zu Italien dermaßen gestaltet, daß sie freundschaftlich waren und find. Der Donaupackt sollte zwischen uns und Italien in gewissen Richtungen sogar ein Allianzverhältnis schäften. Auch die heutigen Ereignisse ändern nichts an unserem Wunsche, daß der Friede sobald als möglich, wieder hergestellt werde und daß wir mit Italien erfolgreich das abschließen können, was wir so erfolgverheißend im letzten Jahre begonnen haben. Freilich, die Politik und die Prinzipien des Völkerbundes können und werden wir niemals verlassen. Wir werbe«— ebenso wie die anderen Staate« der Kleinen Entente— konsequent die Genfer Politik durchführe«, in daS Meritum deS Regierung kurze Zeit in freundschaftlichem Gespräche. Bor der außerordentlichen. Sitzung des Ministerrates am Dienstag abends fand eine Beratung des Kollegiums der politischen Minister statt, in welcher der Vorsitzende der Regierung Malypetr und Minister Dr. H o d i n Bericht über ihre wiederholten Verhandlungen nftt den Vertretern aller koalierten Parteien erstatteten. Die politischen Minister nahmen diese Berichte mft einmütiger Zustimmung zur Kenntnis. Hierauf gab in der Sitzung des Ministerrates der Vorsitzende der Regierung Jan Malvpetr einen Bericht über sein Ansuchen um Enthebung von feinem Amte und verabschiedete sich von allen Mitgliedern der Regierung unter aufrichtigem Dank für alle ihre Unterstützung und Mitarbeit in der Periode seiner dreijährigen Tätigkeit in der Funktion deS Vorsitzenden der Regierung. Der Stellvertreter des Vorsitzenden der Regierung, Eftenbahnminister B ech yn k sprach im Namen aller Regierungsmitglieder dem Vorsitzenden der Regierung Malvpetr den herzlichen Dank für die umsichtige Führung der Rrgie- rungsansclegrnheitrn im Geiste der loyalen Koalitionszusammenarbeit aus.„Sir haben die Regierung", sagte Bechvnö»„in den kritischesten Jahren der Republik geleitet; es wird wohl allgemein anerkannt werden, daß. Sie die- mit j Erfolg getan haben." Dr. Hodza ernannt Er bleibt vorläufig auch Landwirtschaftsminister Prag- Das Amtsblatt der Tschechoslowakischen Republik verlautbart zwei Handschreiben des Präsidenten der Republik vom 5. November 1935, durch welche der bisherige Vorsitzende der Regiernng Jan Malhpetr auf sein Ersuchen von seinem Amte enthoben und gleichzeitig Land» Wirtschaftsminister Dr. Milan Hodja zum Vorsitzende« der Regierung ernannt wird. Konfliktes werden wir nicht eingreifen, aber strikte das tu», was die Genfer Institution beschließen wird. Wir wünschen, daß England und Frankreich sich in allen für die weitere Entwicklung Europas wichtigen Fragen vollkommen einigen, und wir werden unter allen Umstände«^ mit diesen beiden Staaten gemeinsam Vorgehen. Zu SowietruBland: Dr. Benes berührte vor allem dar Verhältnis zur S o w j e t union. Er sprach sein Bedauern darüber au-,, daß e- nicht möglich war, daS freundschaftliche Einvernehmen mit Polen, welches die Tschechoflowakei Polen bereits früher angeboten hatte, sowie daS Projekt des OstpakteS vor der Untszeichnung des definitiven Abkommens mit der Schijetunion zu verwirflichen. Er konstatierte, daß der Vertrag mit der Sowjetunion keine geheimen noch sonstigen Zusätze habe und daß er speziell gegen keinen Staat gerichtet sei. Als eine Ergänzung des Völ- Die Ernennung Hodjas wird am Mittwo»h in beiden Häusern bekanntgcgeben werden. Zu einer eigenen Regierungserklärung soll eS n i ch t kommen, da Hodja in der Durchführung des bisherigen Regierungsprogrammes fortfahren wird. Am selben Tag wird auch die Wahl MalyprtrS zum Parlamentspräsidenten vorgenommen und die bisherigen Vizepräsidenten in ihrer Funktion bestätigt werden. * Das„Prävo Lidu" berichtet hiezu weiters, daß Malypetr am Nachmittag in der. Konferenz der politischen Minister und abends im Ministerrat seinen Wunsch wiederholte, seinen Posten schon jetzt anläßlich der. Wahl des Vorsitzenden des Abgeordnetenhauses verlassen zu können. Er habe auch ausführlich und mit absoluter Aufrichtigkeit die Ursachen dargelegt, die die Agrarpartei zur Stellung dieses Antrages führten, der durch eine Indiskretion vorzeitig an die Oeffent« lichkeit gelangte. Es wurde auch festgestellt, wie eS zu dieser Indiskretion kam, und den leitenden Faktoren der Koalition über das Ergebnis dieser Untersuchung Bericht erstattet. Die politischen Minister, die inzwischen auch mit den engeren Präsidien ihrer Parteien verhandelten, beschlossen daraufhin, den ZwisHenfall damit als erledigt zu betrachten.' Weiters wurde beschlossen, daß der neue Ministerpräsident vorläufig auch die Leitung des Landwirtschaftsministeriums behalten solle. Es werde sich jedoch nur um eine kurze Zeit handeln. Der neue Ministerpräsident werde in einigen Tagen dem Präsidenten die Ernennung eines Mitgliedes des agrarischen Abgeordnetenklubs zum Landwirtschaftsminister Vorschlägen. Mit Rücksicht darauf, daß es über diese Dinge in der Koalition zu einer völligen Einigung kam, dürfte dies der Abgeordnete Dr. Zadina fein, der von den Agrariern zugleich mit Hodza vorgeschlagen wurde. DaS„Prävo Ädu" erflärt, daß dieser Zwischenfall nach der formalen Seite hin eine gute Sch u l e sein werde, die im öffentlichen Interesse absolviert werden mußte. Seite 2 Mittwoch, 6. November 1935 Nr. 258 Neue Abgeordnete. In der Dienstagsitzung Parlaments leistete Abg. Olexa Bor» n n u k, Landwirt in MukaLevo, als Nach- Asmara. sFunlspruch des Deutschen Nach» richtenbüros.) Der Bormarsch des Korps Mara» Vigna in das Gebiet von Adiabo führt in eine ziemlich unerforschte Gebirgsgegend westlich und südwestlich von Alsum, die bis an den Fluß Ta- kasse heranreicht. Das Gebiet vom Adiabo schiebt sich wie ein Keil in das Gebiet der Kolonie Ery- threa herein, so daß das Vorgehen des Korps Maravigna zu einer wesentlichen Berichtigung der italienischen Front sübren wird. Außerdem hofft man, daß die italienischen Truppen nach Durchquerung des Gebietes von Adiabo im Tal des Takasse flußaufwärts verstoßen, die unweg» same Hochebene von Tombien umgehen und, wenn möglich, einen Keil zwischen die abessinischen Streitkräfte und die weiter ostwärts stehenden feindlichen Truppen treiben können. Die hiesigen politischen und militärischen Kreise stehen im übrigen stark unter dem Eindrücke der hier eingetroffenen Meldungen, wonach Laval und Hoare angeblich die Absicht haben sol» len, unmittelbar mit Mussolini zu verhandeln. Sollten diese Besprechungen nicht zu einer baldigen Lösung führen, so würden, wie man hier erklärt» die Folgen unabsehbar sein. Von maßgebender militärischer Seite wird namentlich auf die Gefahren aufmerksam gemacht, die die Anwendung der Sühnemaßnahmen mif die Waffenversokgung der italienischen Armee haben könnten, dies vor allem angesichts der Tatsache, daß die abessinischen Truppen reichlich mit Waffen und Munition versehen sind. Man befürchtet in italienischen Militärlreisen, daß dies die militärischen Maßnahmen, die einen völlig neuartigen Charakter tragen würden, erheblich erschweren könnte. Eine weitere große Schwierig- drS t a folger des Kommunisten Lokota und Erich H i r t e,.Elektrotechniker in Zwickau, als Nach» folger deS SdP.-Abgeordneten Nentwich die Angelobung. Nentwich wurde bekanntlich im Gefolge der in unserem Blatte erfolgten Veröffentlichung eines Briefes, in dem allerhand Erbauliches über innere Kämpfe der SdP. im Wahllreis Böhm.» Leipa zu lesen war, von seiner Partei zur Nie» derlegung seines Mandates veranlaßt. Der Mord an General Nasata Tokio. Das Kriegsministerium teilt amtlich mit, daß Oberst Ajsawa wegen der Ermordung seines Vorgesetzten, des Generals Nagata, vor ein Kriegsgericht gestellt werden wird. Ajsawa erklärte bei der Untersuchung, daß General Nagara Gegner der Bewegung für die R e st a u r a- tion der imperialistischen Idee gewesen sei. Ajsapa wollte seinen Vorgesetzten zwingen, auf seine Stelle zu verzichten^ Nagata habe aber abgelehnt. Ajsawa fügte hinzu, er nehme für seine Tat die ganze Verantwortuug auf sich und habe sie nur im Dienste der imperialistischen Ihre vollbracht. 1315 Kandidaten London.(AR) Bisher wurden 1315 Kandidaten für die Wahlen in das Unterhaus, die bekanntlich am 14. November stattfinden, nominiert. Von ihnen gehören 582 der nationalen Regierung an, und zwar 512 Konservative, 44 Nationallwerale, 30 nationale Arbeiterparteiler und sechs andere. Ohne Gegenkandidaten lönr.en bereits 38 Abgeordnete als gewählt betrachtet werden, darunter der Premierminister Stanley Baldwin und Handelsminister Runcimen. Ins» gesamt können ohne Gegenkandidaten 22 Konser» vative, drei Natwnalliberale und 13 Labouristen als gewählt betrachtet werden. die übrigen waren leer. Die Wahl Dr. Soukups wurde mit starkem Beifall entgegengenommen. Dr. Soukup dankte in furzen Worten für das ihm entgegengebrachte Vertrauen und versprach, den Pflichten seines Amtes mit aller Gewissenhaftigkeit und allem Eifer nachzukommen; zugleich bat er um die loyale und aufrichtige Unterstützung des Senates für. das gesamte Präsidium. Er schloß mit einer Huldigung für Ma- saryk, der das Haus lebhaft zustimmte. Sodann wurden mittels einfacher Abstimmung die sechs bisherigen Vizepräsidenten gleich» falls in ihrem Amt bestätigt, ebenso die Schriftführer und Ordner. In der um 10 Uhr früh beginnenden Mittwochsitzung wird die außenpolitische Debatte eröffnet werden. Kräfte interessiert sind. Ma« fast, dass unsere qreqravhische Lage gefährlich sei.' Ja, aber deshalb,«eil dies« Lag« für «an» Eure»» so weittragrodr Bedeutung hat. Die» bedeutet, daß unser Staat drrSchlüssel deS ganzen NachkrirgSbaueS Mitteleuropa» ist. Wir müsse» eine feste, gerechte, sriedlichi innere und auswärtige Politik machen, dir auf de« Genfer Prinzipien beruht, und die dieser großen konstruktiven Stellung der Tschechoslowakei in Europa entspricht. Dr. Benes ist der Anficht, daß wir eine solche Politik richtig und konsequent betreiben und daher die weitere Entwicklung der europäischen Berhältnissr nicht zu befürcht en brauchen. » Gorahal hält sich noch Immer Weitere Kindermorde der Italiener Harrar.(Reuter.) Wie erklärt wird, halten die Abessinier die Stadt Gorahai trotz der großen Schäden, dir daS Bombardement der italienischen Flieger angerichtet hat, noch immer. Beim letzten Bombardement wurden Kinder und Frauen getötet und der Zweck war jedenfalls der, den Widerstand der Abessinier zu brechen. Weiter wird auS der abessinischen Hauptstadt mitgeteilt, daß die italienischen Truppen weiter in der Richtung auf Magalo, 290 Meilen nordwestlich von Dolo, vorrücken, ohne aber auf einen Widerstand der eingeborenen Stämme zu stoßen. Regengüsse stellen den Vormarsch ein London.(Reuter.) Die von Stürmen begleiteten, überaus heftigen Regengüsse gewährten am Montag den abessinischen Truppen in der Provinz Tigre sowie den Lerteidigern der Stadt Makale eine kurze Ruhepause, denn sie brachten den italienischen Angriff zum Stehen. Trotzdem stehen die Truppen des Generals de Bono in fester Position nord-' westlich und nordöstlich der Stadt, die beim näch sten Bordringen Ende der Woche erreicht werden kann. Inzwischen werden solide Kommunikationen mit der neuen Front ausgebaut, trotzdem das Terrain sumpfig ist. Dir italienische Front in der Provinz Tigre bildet nun an mehreren Stellen eine Zickzacklinie und man ist eben daran, sie aus- zugleichcn. Die Abessinier haben sich getreu der Taktik des Regus überall zurückgezogen, wobei sie nur einige Gruppe» ihrer Rachhut zurückgelassen haben, damit diese in dem für Ueberfälle ans dem Hinterhalt geeigneten zerwühlten Terrain die Italiener weiterhin beunruhige«. Paris. Von der Südfront nordwestlich von Dolo werden kleine Erfolge der abessinischen Truppen gemeldet. Die Italiener seien genötigt gewesen, sich auf das Gebiet von Jtalienisch- Somaliland zurückzuziehen. neue Verhandlungen Mussolinis mit dem englischen Botschafter Rom. Amtlich wird mitgetrilt: Mussolini hat Dienstag den englischen Botschafter in einstündiger Unterredung empfangen. Gegenstand dieser Unterhaltung war, wie während der vorangegangenen Besprechung vom 29. Oktober, die englisch-italienische Lage im Mittelmeer. Embargo auf Kohlen, Erdöl, Eisen Genf. In Genf tagten DienStag einige technische Ausschüsse der SanktionSkonferenz. Genehmigt wurde der Antrag des kanadischen Delegierten, demzufolge daS Embargo auf die Einfuhr von Kohlen, Petroleum, Eisen und Stahl nach Italien erweitert wurde. Nach der Rede deS Ministers Dr. Benes, die wiederholt vom Beifall der Koalition unter brochen und namentlich zum Schluß stark applau diert wurde, nahm daS Haus den Antrag der Koalifion an, die Debatte in der Mittwochsitzung zu eröffnen, die für halb 10 Uhr früh anberaumt wurde. In der Debatte wird für unsere Parlaments fraktion Genosse K L g l e r, fiir die SenatSfrak» tion Genosse Dr. Heller sprechen. Den Ausschüssen zugewiesen wurde die No velle zum Gesetz über den militärischen Vorspann und die Verlängerung der Abgaben von Amts handlungen, letztere mit einer Frist von acht Tägen. Dr. Soukup wiedergewählt Auch alle Vizepräsidenten des Senats bestätigt Prag. In der DienStagsitzung deS Senates wurdt nach dem außenpolittschen Expoff Dr.!„ Benes' die definitive Wahl des Präsidiums, feit sei für die italienische Heeresleitung ferner, vorgenommen. Die Wahl des Vorsitzenden er- daß weder die Absichten noch die folgte durch Stimmzettel. Von 130 abgegebenen Stärke des abessinischen Hee- Stimmen lauteten 93 auf den Namen des bis- res genau festzustellen seien, wäh- herigen Vorsitzenden Genossen Dr. Soukup,, rend die italienischen Pläne den Abessiniern sehr die übrigen waren leer. Die Wahl Dr. Soukups gut bekannt seien. kerbundpakte» kann er auch in keiner Weise mißbraucht werden. Zu Deutschland: Unser Verhältnis zum nationalsozialistischen Deutschland bleibt korrekt und normal. Direkte Konflikte mit Deutschland haben wir keine. Von uns werden auch niemals irgend welche Gründe und Ursachen zu solchen Konflikten ausgehen. Wenn Deutschland mit den Staaten Westeuropas zu einer Einigung gelangt, so werden wir es warm begrüßen. In dieser Hinsicht ist die Politik aller Staaten der Kleinen'Entente einheitlich. Auch die Frage des inneren Regime» kann kein Hindernis eines wahrhaften Einvernehmens bilden. Wir wollen, daß jeder unsere Demokratie respektiert, aber wir müssen wiederum das politische Regime der anderen voll respektieren. Zu Oesterreich und Ungarn: Die Beziehungen zu Oesterreich bleiben freundschaftlich. Auch die Beziehungen der Kleinen Entente zu Ungarn haben sich im Verlauf der Verhandlungen über den Donaupakt gebessert. Zu polen: In unserem Verhältnis zu Polen gibt e» keine Aenderung zum Besseren. Die Tschechoflowakische Regierung hat den guten Willen, sich auf dem Wege direkter Verhandlungen zu verständigen, und sie widerruft keine ihrer früheren Anregungen, den Konflikt in objektiver Weise zu lösen, d. i. den Vorschlag eines Vertrages dauernder Freundschaft und den Vorschlag, den ganzen polnisch-tschechoslowakischen Konflikt Genf oder dem Arbitrageverfahren zu unterbreiten. Auf ihrem Gebiet wird sie jedoch unter keinen Umständen eine ungesetzliche Agitation und Aktion dulden. Wenn der ganze Konflikt dem zuständigen internafionalen Forum vorgelegt wird, so wird sich unsere Regierung der Entscheidung dieses Forums voll unterwerfen. Der Völkerbund immer auf unserer Seite Im letzten Teil seines Exposes legte Dr. Benes dar. wie die Ereignisse der letzten Zeit die Richtigkeit des bisherigen Standpunktes der tschechoslowakischen Außenpolitik gegenüber dem Völkerbund bestätigt haben. Der Völkerbund hat sich als eine politische Macht erwiesen, deren Unterschätzung ein großer politischer Fehler wäre.' Ein Staat wie wir muß stet» Institutionen dieser Art auf seiner Seite haben, deren Mission es ist, die gegebene internationale Rechtsordnung zu verteidigen, gewaltsame Umwälzungen und Kriege zu verhindern. Daneben haben wir zur Ergänzung der Garantien unserer Sicherheit im Rahmen des Paktes eine Politik der Sicherheitspakte und Bündnisse betrieben. Schließlich haben wir stets betont, daß die erste Bedingung für alles unsere eigene militärische Kraft ist. Jeder in Europa weiß, daß wir nur Ruhe. Frieden und friedliche Zusanktnenarbeit mit allen Nachbarn wünschen. Daher muß— mag in Europa was immer geschehen'—der Völkerbund auf unser er Seite sein. Dies ist eine große moralische Stärke für uns dies mutz uns Ruhe, Selbstbewutztsein und die Sicherheit, daß wir uns auf dem richtigen Wege befinden, ebenso wie die unwiderstehliche Kraft verleihen. im Augenblicke der Gefahr uns bis zum letzten Atemzug zu wehren. Die Stärkung des Völkerbundes und die neue Zusammenarbeit Frankreichs mit England im Geiste des Patres erhöht unsere Sicherheit und die friedliche Zusammenarbeit der Kleinen Entente mit der Balkanentente, die freundschaftlichen Beziehungen mit Oesterreich und die anständigen, korrekten Beziehungen mit Deutschland Hilden für un» eine Garantie dafür, daß wir in naher Zeit t ine schweren Konflikte zu befürchten haben. Unsere größte Stärke beruht darin, daß an unserer Integrität alle kenstruftiven europäischen 5 Der Lakai Verbekhoven Von Max Hochdorf Er stand nackt vor ihr. Seine Brust und seine Schenkel waren ganz schwarz behaart. Sie warf ihm schleunigst das Schlafhemd über. Zum ersten Male im Eheleben Verbekhovens geschah es, daß Mathilde nicht in ihn hineinkroch, um sich in seiner Mächtigkeit zu bergen. Sie nahm ihren Mann in die Arme, wie wenn er nicht größer wäre als ihr kleiner Sohn Leopold. Sie streichelte den Riesenkopf mit der Löwenmähne. Sie schlang seine Keulenarme um ihren Nacken. Sie mußte in diesem Augenblick auch größer gewesen sein als ihr riesiger Mann. Denn bald hatte er sich in sie verkrochen wie ein ganz winziges Wesen. „Ich weiß gar nicht, was mit mir ist, Mathilde", flüsterte Verbekhoven,„ich fühl mich so schwach und gerädert." „Kein Wunder", tröstete Mathilde,„nach allem, was Du hinter Dir hast und noch vor Dir hast." Hl. Der verstorbene König hatte seinem Volk die Augen gewaltig aufgerissen. Seit Jahrzehnten gewohnt, daß ihm von den Nachbarvölkern die Knie bedrohlich in die Weichen getrieben wurden, hatte daS kleine Volk sich zu einer sehr widerstandsfähigen Geschmeidigkeit erzogen. Es lebte in sich gefestigt, mit Arbeitswillen Und blühender Energie. Schrien die Großen an seinen Grenzen, dann lachte das kleine, freie Volk sogar und dachte, die bellenden Hunde werden nicht sofort beißen. Der König hatte den Großen zu verstehen gegeben, daß er sich weder mit Kaiserreichen noch mit Republiken einseitig verschwören wollte. Die Eide deS Königs, im Namen seines Volkes auf Pergament gebracht, lagerten besiegelt in den Staatsarchiven hüben und drüben. Das schienen keine dünnen und billigen Papiere, leichtfertig zu zerfetzen, sondern dauerhafte Dokumente. Wohl hatte das kleine Volk Kriege um seine Unabhängigkeit führen müssen, und die Gräber der Märtyrer lagen im Mittelpunkt der Hauptstadt, doch schon war ihre Ehrenstätte zum idyllischen Kinderspielplatz geworden. Und endlich hatte der verstorbene König, der ein Träumer war und zugleich ein blühender Mann der Tat, seinem Volk einzn paradiesischen Horizont aufgeschlossen. DaS Land, daS von der See bespült wurde, schickte Schiffe über den Ozean, jährlich geräumigere Meeresspeicher, di« au» jungen Kolonien unerwartete Reichtümer herbeibrachten. Und nach dem der König alle» das rastlos gesichert hatte, legte er sich zum letzten Schlaf nieder. Und das ganze voll beklagte seinen Tod. ES gab kein Gemüt, das nicht in dem Wunsch aufzuckte, seinen Tribut der Ehrerbietung an den Toten abzutragen. Deshalb standen die Pforten des Palastes weit geöffnet. Die Bewohner der Hauptstadt und die Landeskinder, die von fern her herbeigeeilt waren, schritten, vorsichtig auftretend, über den Kies des Vorgartens, als fürchteten sie sich, das feierlich« Schweigen der Straße und der Vorhalle zu entheiligen. Im Treppenhaus geduldeten sie sich, bis die Säule der Totenpilger in langsame Bewegung geriet. Dann begann der Aufstieg zur Totenkapelle. Da» dauerte vom Morgen bi» zum Dunkelwerden. Und ist« Reihe der Trauergäste nahm kein Ende. Während der ganzen Zeit stand Verbekhoven in der Mitte der Freitreppe. Um den Weg der Trauergäste zu ordnen, streckte er den Arm, von dessen grellem Scharlachrot der schwarze Flor flatterte. Seine kaum sichtbaren, unter den dicken Lidwülsten vergrabenen Augen saugten sich an jedes Gesicht, an jeden Leib. Alle, die sich zur Bekundung ihrer Trauer vorwärts schoben, waren noch gesund an Gliedern und Rumpf. Verbekhoven sah es. Weder zerhackt waren die Gesichter, noch zerschossen. Unverletzt hingen ihre Glieder noch im Gelenk. Auf Krücken schleppten sie sich noch nicht. Verbekhoven hatte aber in dieser. Nacht, da er sich an der Brust seiner Frau verkroch, sehen müssen, wie sein ganzes Land in gelbliche Sandfontänen zertrümmert wurde. Jeder Mann seines Volkes enthäutet bis auf die Knochen, und was an Gebein noch übrig blieb, ein schon in Asche zerbröckeltes Gerüst. Menschenzunder und Erdreich und Luft nur.eine chaotische Staubwüste zielloser, formloser Flocken. Ihn überfiel unermeßlich« Einsamkeit, weil er allein während dieser Nacht in den Besitz dieses großen Geheimnisses gelangt war, daß seinem Land der Krieg nicht mehr erspart werden konnte. Er glaubte, die Brust würde ihm unter der Last zerspringen, das Geheimnis noch zu wahren, weil er es nicht wagte, die Trauer des Volkes um den verstorbenen König zu stören. Still und friedlich anfgereiht, wanderte das Boll an den Blicken Verbekhoven» vorbei. Jeder Totenpilger blieb eine Sekunde lang am Katafall in Zwiegespräch mit dem König, um ihm dafür zu danken, daß er sein lleine» Land im Glück eines ungefährdeten Friedens zurückgelassen hatte. Und dann fragte sich Verbekhoven manchmal:.Hab ich denn richtig gehört, wa» der König im Schlafe gegen den Kaiser aufgeschrien hat?" Er antwortete sich: /.Hab ichs auch richtig gehört, dann war der schlafende König eben nur ein Mensch, und was dieser dunlle Zustand de» besinnungslosen Schlafe» aus dem Menschen macht, daS ist ja kein« Wirllichkeit, Spuk ist da» nur für alte Weiher und Kartenlegerinnen." Um Klärung in diese Verwirrung zu bringen, biß er die Lippen zusammen. Aber wild um sich blickend, tat er seine Pflicht auf dem Wachtposten, gleich einem Kapitän, der den Absprung inS Rettungsboot vsrweigert und noch die letzte Planke keines Schiffes behütet, mag sie auch unter seinen Füßen in der nächsten Sekunde weggeschwemmt werden. Er wollte sich nicht ablösen lassen, als die Mittagsstunde gekommen war. Er hätte die Lakaien fortgeprügelt, würden sie nicht aus Angst vor einem Skandal davon abgelassen haben, ihm eine Ruhepause anzuraten. Deshalb verbreitete sich im Palais daS Gerücht, Verbekhoven habe den Verstand verloren, so sehr sei er durch den Tod deS Königs aufgeregt. DaS Gerücht drang auch bis zum jungen König vor. Nach dem, was er mit Verbekhoven besprochen hatte, fand er es gar nicht merkwürdig, daß der treue Leibdiener seines Oheims nicht weniger Schmerz empfand er selber.„Laßt ihn nur", befahl der junge König,„wir werden ihm nachher einen langen Erholungsurlaub geben, und alles wird wieder in Ordnung kommen." Er war zufrieden, daß er sich auch um die kleinen Dinge feines Hauses kümmern konnte. Die großen Dinge würden sich bald melden. Der junge König war ein Mann von bürgerlichem Gemüt, aufrichtig in seiner Milde und beflissen, kein anderes Herz als daS des schlichten Bürger» zu zeigen. Fielen für Augenblicke die Schuppen von den Augen Verbekhovens, dann sagte er sich: „Würde ich jetzt eine SchweinSkarbonade verzehren, einen kräftigen Liter Bier trinken, mich auf die Pritsche schmeißen, die Augen zusammen- quetschen und das Maul aufsperren und mich in einen tiefen Schlaf hinüberschnarchen, ich würde bald ganz darüber klar sein, daß ich nur eine abscheuliche Nacht mit Alpträumen hinter mir habe. So etwa» legt sich nicht nur in die Haarspitzen, den ganzen Kerl verseucht so was, und besonders in diesen entsetzlichen Tagen." iKorffctzung folgt.)^ Nr. 258 Mittwoch, 6. November 1935 Seite 3 fadetendcnfediCT Zeifepie^ef Die Kette der Spione Der Mann ganz rechts weiß natürlich nichts.. BorbereitrmgSarbriteir am neuen bürgerlichen Gesetzbuch. Justizminister Dr. Derer eröffnete am 4. d. die Beratungen der Superrevisionskommission betreffend die endgültige Textierung des Entwurfes des bürgerlichen Gesetzbuches in Anwesenheit des Ministers für Schulwesen und Nationalkultur und der Universitätsprofefforen Dr. Svoboda, Dr. Weiß und Dr. Roukek. Aufgabe der genannten Kommission ist es, die Ergeb- nisie der interministeriellen Verhandlungen des Entwurfs zu bearbeiten. Justizminister Dr. Derer sprach die Hoffnung aus, daß eS der Kommission gelingen werde» die ihr auferlegt« Aufgabe in Wahlsieg der dänischen Demokratie zu unterschlagen! Wer soll das verstehen? Mit solchen Enttäuschungen im Herzen ist's gar nicht leicht, den Programmen der Sendung gegenüber die richtige Einstellung zu finden. Mit ein paar frommen Augenaufschlägen» mit den vorsichtig an den Dingen vorbeiredenden Wirtschaftsreliefs, mit schönen Worten zum Tierschutztag, mit an sich sicher wertvollen Einblicken in die Arbeitsgebiete der Wissenschaft, mit der Inbrunst einsamer Gottsucher-Poeten, mit Kammermusikstunden und gesundheitlichen Winken für die Arbeiterfamilien usw. ist— so wertvoll und kaum zu entbehren manches an sich sein mag — nichts getan! Die deutsche Sendung in unserem Staate muß politisches Programm sein im Sinne der demokratischen Staatsidee. Sie kann es aber nur sein, oder vielmehr werden, wenn sie selbst in ihrer Ausgestaltung und Entwicklung diese Idee deutlich erkennbar zum Ausdruck bringt. Alle Achtung vor den schätzenswerten Erscheinungen in den Programmen der vergangenen fünf Wochen; vor den künstlerisch überaus wertvollen Konzerten (Rundfunkorchester am 29. September, unter Weiskopfs Leitung mit Werken von Zitterbart und Reger; Kammermusik am 8. Oktober; die Wien. Wie die Wiener Blätter mitteilen. geloiesen und darf sich deswegen nicht wundern, daß im tschechischen Laoer kein Grund besteht, das äußerste Mißtrauen, welches seit Anbeginn seine Bewegung begleitet hat, durch freundschaft, liche Gefühle zu ersetzen. Im Gegenteil: Die Spionägeaffäre zeugt zuungunsten Henleins. Sesne Anhänger scheren sich den Teufel um seine loyalen Predigten und glauben-nicht seinen Schwüren von einem positiven Verhältnis zum tschechoslowakischen Staat. Die Taten der einfachen Mitglieder überführen den Führer. Wenn Henlein die Absicht hatte, den Geist des deutschen Volkes mit einem neuen Inhalt, der tschechoslowakischen Staatlichkeit zu erfüllen, dann ist ihm dieses Ziel nicht gelungen. Und das ist für uns außerordentlich bedeutsam... wurde einer der Juli-Putschisten, der Rationalsozia-[ kurzer Zeit zu bewältigen, damit der Entwurf list Rudolf Brunner, mit der Reorganisation der des Gesetzbuches der Regierung und der Natio- abessinischen Gendarmerie in Addis Abeba betraut. I nalversammlung ehestens vorgelegt werden könne. kein« Verkehrsmittel verwendet werden können, für die die Straßen sich ausschließlich eignen, dann müssen wenigstens solche Transportmittel benutzt werden, welche die Straßen weniger beschädigen. Nach Ansicht des genannten Fachmannes sei es notwendig, daß auf diesen Straßen in erster Reihe der Verkehr^ für«ine gewisse Stundenzahl bergan und für eine gewisse Zeit in umgekehrter Richtung organisiert wird. Außerdem sollten, soweit als möglich, Transportmittel von gleicher Schnelligkeit und Stärke verwendet werden, mit Ausschluß von Sieben- und Zehntonnen-Last- autos, denn deren rasche Fahrt verursacht auf den Straßen weit mehr Schaden als«in ganzes Dutzend leichter, nur langsam fahrender Wagen. Die Schnelligkeit der Fahrzeuge sollte soweit als möglich nur gering sein, da lediglich durch die schnelle Fahrt im Straßenoberbau riesige Löcher gerissen werden, durch die dann wiederum die Wagen beschädigt werden. Außerdem sollte heute jede Bergstraße in der Nacht beleuchtet sein, zumindest in den gefährlichen Kurven; in gewissen Abständen sollten Reparaturwerkstätten mit Magazinen für Ersatzteil« errichtet werden. Desgleichen sollte heute jede Straße mit Kontrollpolizei und mit Telephon besetzt werden. Alle diese Maßnahmen würden zur Erhaltung der Straßen und zur Konservierung der Lastautos beitragen. ist die Voraussetzung für„die kulturelle Annä- herung. und das gegenseitige Verstehen", für das als letztes Ziel im vollen Umfang des Wortes eben„der Menschheitsgedanke" steht, dem der Jubiläumswunsch des Herrn Dr. Frankl eine „starke Stätte" im Rundfunk errichten will! E. Th. Das Straßenproblem der italienischen Armee in Abessinien Nach einem Fachurteil des Kriegsberichterstatters der„Daily Mail", Major! I. F. E. Fuller, hängt das raschere Vorgehen der italienischen Armee in Abessinien lediglich von der richtigen Lösung des Straßenproblems ab. Dieser Krieg unterscheidet sich gänzlich von anderen militärischen Operationen, da er in erster Reihe in der Ueberwindung aller möglichen Terrainschwierigkeiten, wie Berge, Wüsten und Einöden beruht und nur ganz gelegentlich Kämpf« zwischen Infanterie und Artillerie aufkommen läßt. Nach der Auffassung dieses Fachmannes haben die Italiener nur wenig Konkurrenten als Straßenbaumeister. aber in der Benützung der Straßen müssen sie noch vieles lernen. Eine jede neue Straße könne ihrer Bedeutung nach als eine neugebaute Eisenbahn betrachtet werden und deshalb ist es notwendig, daß auf ihr der Transport des verschiedenen Materials organisiert wird. Ohne Organisation vernichten die Lastautos die Straßen und diese wiederum beschädigen die Wagen. Die Straßen»werden gewöhnlich für Transportmittel ganz bestimmter Art und Gewichtes gebaut. Falls Kritik des Präser Deutschen Rundfunks Anläßlich der zehnjährigen Bestandesfeier der deutschen Sendung im tschechoflowakischen Rundfunk(25. Oktober) erörterte Prof. Dr. Oskar F r a n k l, die Grundsätze, nach denen ein Weg ».nur zu oft unter Schwierigkeiten innerer und äußerer Art" gebahnt werden sollte, um die Aufgabe erfüllen zu können,„einen Querschnitt durch deutsches Kulturschaffen und deutsches Geistesleben in unserem Staate zu vermitteln" bewußt alle Kräfte— unabhängig von jeder sonstigen Einstellung— heranzuziehen"... „bewußt von der berufensten Stelle wenigstens die kulturelle Annäherung und das gegenseitige Verstehen vor allem zu dem tschechischen Schaffen einzuleiten und zu pflegen"...„schließlich über die Grenzen hinaus dem Menschheitsgcdanken eine starke Stätte zu errichten"!— Bei Wiederaufnahme der Rundfunkbesprechungen erscheint es als Pflicht, der an„andere" gerichteten Einladung, ein Urteil darüber abzugeben, ob die Sendungsprogramme den oben umriffenen Zielen näher gekommen sei, wenigstens in dem vom Raume begrenzten Maße nachzukommen; mit der Einschränkung natürlich, daß das entscheidende Urteil eingeholt werden müßte durch eine Rundfrage an die gesamte deutsche Hörerschaft— ein Ermittlungsverfahren, das sich auf ganz wenige Fragen beschränken könntet Zum soundsovielten Male sei ausgesprochen, daß die deutsche Sendung ihre in unserem Staate so ganz besonders bedeutungsvolle kulturelle Mission nicht erfüllen kann, solange man ihr nicht in folgerichtiger Betätigung wirklich demokratischer Ideen die unerläßlichen Voraussetzungen dafür zugesteht. Auch der Fürsprache einsichtsvoller tschechischer Stimmen ist es bis heute nicht gelungen, die Errichtung des eigenen deutschen Senders zu verwirklichen, für den man nur in der Wahlzeit einige Geneigtheit entdeckt zu haben glaubte. Die deutschen Hörer werden weiterhin mit den wenigen ungünstig gelegenen Stunden in der Woche abgespeist und eine übereifrige Zensur erstickt mit dem ganzen Schwergewicht ihrer auf anderen Gebieten oft sehr vermißten Sorge um das Staatswohl die freie Entfaltung aufbauender Kräfte.(Wurde doch in einem Radio-Vortrage die Forderung nach einem deutschen Sender untersagt!). Bon den wenigen deutschen Sendungen bleibt immer noch ein Teil der Station Strasnice überlassen, die vom technisch weniger auSgestatteten Apparat— und der kommt ja für den Arbeiter-Hörer nur in Betracht— fast nicht empfangen werden kann, so daß z. B. die sonntägigen Arbeitersendungen bedeutungslos sind. Nichts geändert hat sich in der durch gar nichts zu rechtfertigenden Verkürzung, daß der Vortragende in der deutschen Sendung wesentlich geringer honoriert wird, als ein tschechischer Kollege. Dem aus dem ancien rkgime erhaltenen Wortspiel„Noblesse oblige" Möge man doch endlich das Wahrwort entgegenstellen, daß Demokratie verpflichtet— nicht in der konventionellen Form, sondern in der praktischen Betätigung! Deutschland ging daran zu Grunde, daß die junge Republik von der westlichen Demokratie im Stiche gelassen wurde! Sollen die aufbauwilligen demokratischen Kräfte im sudetendeutschen Staatsteile erstickt und an wirk- lichkeitsftemde Ideen äUSgeliefert werden, indem man sie beharrlich zurückweist? Fast könnte man eS glauben, angesichts der Ungeheuerlichkeit, daß am 2» Oktober das Radiojournal die deutsche Sendung ausschaltete, um über das ganze Staatsgebiet das hysterische Geschrei der fasci- stischen Massen auszugiehen, die ihrem in Mordgier aufbrüllenden Führer zujubelten l Heute heult der Fascismus über die Grenzen, morgen «singt Jugend über die Grenzen"; dieselben Grenzen, die sich ängstlich verschließen, um den lieber das Verhältnis der Henlein-Partei zum Staat wurde schon viel gesprochen und geschrieben. Wenn wir aus den Kundgebungen des Führers der Partei und vieler Unterführer schließen würden, könnten wir glauben, daß es sich um eine Bewegung handelt, welche den Staat ununterbrochen mit vielen Worten ihrer äußersten Loyalität und Anhänglichkeit versichert. Aber von den Worten ist eS zu den Taten oft weit. Henlein und sein Stab sind— auch wenn wir ihren loyalen Versicherungen glauben wollten — nicht die ganze Sudetendeutsche Partei. Ob schon gegen ihren Willen oder mit ihrer Zustimmung oder außerhalb ihres Einflusses arbeiten in ihrem eigenen Lager Unterströmungen, welche ständig der Republik in äußerster Feindschaft gegenüberstehen und die gerade durch die Spionageäffäre an die Oberfläche kommen. Tie Auffassungen der Anhänger Henleins, welche von diesen Unterströmungen mitgerissen werden, sind antistaatlich und schrecken nicht einmal vor strafbaren Handlungen zurück. Der Führung der Partei ist es nicht gelungen, in den breiten Massen der Anhänger die antistaatliche Psychose, welche das Erbe ist nach den aufgelösten Parteien der Nationalsozialisten und Deutschnationalen, zu zerbrechen. Daß Henlein guten Willen hat, hätte er damit beweisen müssen, wie er denkt und was er kann. Er hat nichts nach- Worte der Einkehr— wo bleiben die Taten? Wien.(Tsch. P.-B.) In einem Kommentar der kürzlichen Kundgebeng des Ministers für soziale Verwaltung Prof. Dr. DobrechtSberger gegen die Arbeitgeber, die die sozialen Gesetze und Kollektivverträge übertreten, schildert der„Wiener Tag", in welcher Weise auf die Arbeiter eingewirkt wird, damit sie freiwillig Ueberstunden machen, und daß die Unternehmer die Arbeiter kurz vor ihrer gesetzlichen Urlaubszeit entlassen. Das Blatt betont, daß nur durchdie Wiederher st ellung der Selbstverwaltung der Gewerkschaftsörganisationen und durch die Rückkehr zur freien Wahl ihrer Funktionäre an Stelle der bisherigen Ernennungen und durch die Schaffung des natürlichen und unentbehrlichen Kontaktes zwischen den Vertretern der Arbeiterschaft und der Arbeitgeber der soziale Friede im. Lande wiederhergestellt werd«» könne. Staatssekretär Znidaric, der erst vor kurzem die Parole„Liquidierung des Februar 1934" aussprach, hielt in der Hauptversammlung der „Bergfreunde"(früher sozialdemokratischer Verein„Naturfreunde")«ine Rede, in der er erflärte, daß der Arbeiter, der Naturfreund sei, kein Staatsfeind sein könne, denn er liebe seine Heimat viel zu sehr, als daß er mithelfen wollte, sein Vaterland ins Unglück zu stürzen. Staatssekretär Znidaric trat dann dafür ein» daß der Organisation der alte Name„Naturfreunde" wiedergegeben werde, und sagte, daß er gern bereit sei, die Wünsche der Delegierten dieser Organisation dem obersten Sportführer vorzutragen. 4» Wien. Die Druckereibefitzer Josef Grober und Karl Rotter, die illegale sozialdemokratische und kommunistische Zeitschriften- und Drucksachen herstellten, und in deren Druckerei im Frühjahr dieses Jahres di« falschen Einladungen zum Ball der Stadt Wien hergestellt wurden, wurden Dienstag zu drei, bzw. acht Monaten Kerker verurteilt. Spionage-Affäre und SdP Anläßlich der Aufdeckung eines Spionagenetzes in der ESR. schreiben die ,^Lidovk Lisch", das Hauptblatt der tschechischen Volls- >» Partei:., schönen Aufführungen am 13. und 18. Oktober- die Uebertragung japanischer Lieder am 21. Oktober). Volle Anerkennung den Hörspielen(„W. U. R." am 6. Oktober,„Die Heimkehr" am 20. Oktober,„Die suchende Stimme" am 22. Oktober,„Johannes Haupt" am 31. Oktober) I Aufrichtigen Dank für die fesselnden Vorträge in> sein mögen... sie wiegen nicht die eingangs> wiederholten Forderungen auf, die nicht das Ver langen eines politischen Prestiges ausdrücken," sondern die Erfüllung demokratischer Begriffe erstreben, deren Bedeutung über politische Tages-! Agrarier daran festhalten müssen, daß ein Wech- notwendlgkerten hlpausreicht. Der deutsche Sen- sel in der Person des Ministerpräsidenten eine der als Werkzeug demokratischen Aufbauwillens Angelegenheit der Gesamtkoali- Kl nt«&*«* kJ- cw v i•.«• l« r. i•«<«>n- tion sei und daß also die übrigen Koalitionsparteien zunächst von den Absichten der Agrarier hätten informiert werden müssen, bevor man in der Oeffentlichkeit irgendeinen Schritt unternahm. Wessen Schuld das Vorgehen der Agrarpartei war» ist gleichgültig, wobei wir feststellen wollen» daß diese Schuld nicht unbedingt den neuen Ministerpräsidenten treffen mutz. Man muh es bedauern, datz der bisherige Ministerpräsident Malypetr von seinem Posten abtritt. Malypetr hat sich in den drei Jahren seiner Ministerpräsidentenschaft als ein Mann erwiesen, der wohl zur Leitung einer Koalitionsregierung berufen und geeignet i st. Er hat immer wieder versucht, zwischen den die Koalition bildenden Parteien zu vermitteln, und hat sich als ein ehrlicher Makler zwischen den Parteien erwiesen, der mit Eifer und Fleitz seiner großen Aufgabe nachgegangen ist und insbesondere den Wirtschaftsproblemen dieses Landes— die in den Jahren seiner Mini« sterpräsidente..schäft die entscheidenden für die Bevölkerung waren— sein Interesse zugewendet hat. Man sieht ihn daher ungern scheiden und er hat sich soviel Vertrauen erworben, daß ihn die Koalitionsparteien gern mit dem Amt. des Präsidenten des Abgeordnetenhauses wieder betrauen werden in der Hoffnung, daß er die Rechte des Parlamentes mit derselben Umsicht und mit demselben Takt waren wird, mit denen er die Regierungsgeschäfte geführt hat. Was den neuen Ministerpräsidenten anlangt, so besteht gar kein Zweifel, daß es sich hier um einender begabtesten Mens chen in der tschechoslowakischen Poli- t i k handelt. Seit frühester Jugend politisch tätig, hat sich HödZa nicht nur ein außerordentliches Wissen, sondern auch eine große politische Erfahrung erworben. Mag er sowie die übrigen Agrarier in der Zeit der Bürgerblockregierung gegen die Sozialisten regiert haben, io ist er andererseits doch wieder mit den Sozialdemokraten mehrere Jahre in der Regierung gesessen und war vor die Notwendigkeit gestellt, zu allem, was er durchsetzen wollte, die Zustimmung der sozialistischen Parteien einzuholen. Die früheren Land- wirtschaftsminister hat HodZa zweifellos überragt durch eine bewußte Ablehnung des wirtschaftlichen Liberalismus und durch ein entschiedenes Bekenntnis zur Planwirtschaft sowie durch die Großzügigkeit seiner Gesichtspunkte und Pläne. Er wird als Ministerpräsident sich nicht nur um die Interessen der Landwirtschaft zu kümmern haben, sondern auch um die der indu st riel- len Bevölkerung. Nachdem das Getreidemonopol die Existenz der Gctreideproduzen- ten sichergestellt hat, muß nun mit allen Mitteln danach gestrebt werden, die Krise im Bereiche der Industrieproduktion ebenso großzügig und planmäßig zu bekämpfen, wie es bisher in der Landwirtschaft geschehen ist. Wenn Hodjsa die Bedeutung seines Amtes, das er in einer kritischen Zeit antritt, wirklich voll erfaßt, dann wird er mit derselben Energie auf allen Gebieten der Staatswirtschaft und der Staatspolitik tätig sein, wie es bisher in seinem Reffort der Fall gewesen ist. Die soziaisttschen Parteien werden auch unter dem neuen Ministerpräsidenten— und jetzt erst recht— mit aller Energie für die Jntereffen der von der Krise am meisten betroffenen Bevölkerung tätig.sein. Von der Stellung des neuen Mini st erpräsidenten zu diesen Fragen hängt die Haltung der sozialistischen Parteien z u i h m a b. Kabinett Modta Als Ergebnis mehrtägiger Verhandlungen ist es nun zum Wechsel im Vorsitz der Regierung der Tschechoslowakischen Republik gekommen! Nach dreijähriger Wirksamkeit tritt Ministerpräsident Jan Malypetr zurück und der Landwirtschaftsminister Dr. Milan H o d Z a übernimmt den Vorsitz in der Regierung. Von dem Personenwechsel zunächst abgesehen, war die F o r m, in der man die Oeffentlichieik und die Bevölkerung auf den Regierungswechsel der„Arbeitersendung". FreudigeT-ilHme^vorbereitete und mit ihm bekannt machte, nicht vi» k>»iv-n 0 u' ut i f e Ij r glücklich. Es wurde der Anichem er- vl«- Zur Wurd.gung> weckt, als ob der Wecksel in der Person des Mini- b-nttcki-n Jubiläums der| sterpräsidente» eine Angelegenheit sei, die nur die SRmJnMonhon— e^usttmmung den< Agrarpartei angehe, indem die Agrarpartei ° wertvoll und be-1 öffentlich den künftigen Ministerpräsidenten vor« E einzelnen| schlug, statt daß sie zunächst mit den übrigen ‘- Koalitionsparteien verhandelt hätte. Es hat doch niemand bestritten, daß der Agrarpartei als der stärksten Koalitionspartei der Vorsitz in der Regierung gebührt, um so mehr hätten aber die eite 4 Mittwoch, 6. November 1835 Nr. 258 Mkt WWW U WW WM! Die Aktion der Prager Anwälte zum Prozeß Richardftraße Oer Zentralrat der sozialistischen Körpererziehungsorganisationen in der 6. 8. K. gegen die Olympiade in Berlin In der Konferenz des Zentralrates der sozialistischen Körpererziehungsorganisationen in der Tschechoslowakischen Republik, die mn 3. November 1935 in Prag stattfand, wurde folgende Resolution angenommen: Der Zentralrat der deutschen und tschechischen Arbeitersport- und Kulturorganisationen in der Tschechoslowakei begrüßt die Resolution der Sozialistischen Arbeiter-Sportinternationale gegen die zu einer Propagandaaktion des Hitleris- muS mißbrauchte Olympiade 1936 in Berlin und fordert seine Verbände auf, in jeder Art durch Schrift und Wort mit allen Mitteln gegen die Hitler-Goebbels-Aktion zu wirken. Der Zentralrat empfindet es als Hohn und Spott, eine Olympiade, die angeblich der Völkerverständigung dienen soll, in der Hauptstadt jenes Reiches zu veranstalten, in welchem jedes Recht und jede freie Regung erschlagen, die gewaltigen Kulturoraanisationen des Arbeitersportes vernichtet, ihr mühsam geschaffenes Kultureigentum mißbraucht und gestohlen wurden. Die Rüstungen Hitler-Deutschlands, die Schaffung von militärischen Bauten an unseren Grenzen stehen in striktem Widerspruch zu den heuchlerischen Friedensbeteuerungen der Unterdrücker des deutschen Volkes. Indem wir die Arbeitersportler in Deutschland brüderlich begrüßen, verpflichten wir uns, gemäß der Beschlüsse der SASJ alles zu versuchen, den wahren Charakter der Hitler-Olympiade aufzuzeigen und gegen sie zu arbeiten. Der Zentralrat verwahrt sich dagegen, daß statliche Mittel für die Olympiade gegeben werden, und fordert alle in Frage kommenden Faktoren auf, womöglich gegen die eventuelle Bewilligung von staatlichen Mitteln für die Berliner Olympiade aufzutreten. Diese Mittel können viel bester in unserer demokratischen Republik Verwendung finden. Käinpft mit allen Mitteln gegen die Olympiade in Berlin und gegen jene, welche sie unterstützen und fördern! Aentralrat der sozialistischen Körpererziehungsorganisationen in der Tschechoslowakischen Republik. Kein Ausnahmezustand In Teschen Die Landesbehörde in Brünn teilt mit: Der reichsdeutsche Rundfunk brachte die Meldung, daß im Teschener Gebiete der Ausnahmezustand verhängt wurde. Da nicht ausgeschlossen ist, daß dies« Nachricht auch von der Presse, namentlich der AuS- landspreffe übernommen werden könnte, ist es nötig, die reichsdeutsche Rundfunkmeldung auf das richtige Maß zurückzuführen. Die Bezirksbehörde in Teschen erließ am 4. November 1935«ine Kundmachung, in der zwecks Wahrung der öffentlichen Rühe und Ordnung Versammlungen und Zusammenrottungen an öffentlichen Orten und der unbegründete Aufenthalt en öffentlichen Orten nach 22 Uhr verboten und die Polizeisperrstunde für Gasthäuser und Bergnügungslokale auf 22 Uhr festgesetzt wird. Diese Beschränkungen wurden nicht für daS gesamte Gebiet angeordnet, sondern bloß im Bereich der Bezirksbehörde in Teschen. Es handelt sich daher um keine AuSnahmemaßnahmen, sondern um Verwaltungsmaßnahmen, die nach dem Gesetze über die Organisation der politischen Verwaltung jede Bezirksbehörde zur Wahrung der öffentlichen Ruhe und Ordnung treffen kann. Er hat es nicht so eilig Athen. Wie in politischen Kreisen verkantet, wird König Georg II. am 24. November nach Griechenland zurückkrhrrn. Feys Leibblatt eingegangen Wien. Die„Oesterreichische Abendzeitung", das Organ des ehemaligen Ministers Fey, hat am Dienstag ihr Erscheinen eingestellt. Hemel-Direktorium tritt ab Memel. Der Rücktritt des Direktoriums Bruvelaitis ist am Dienstag vormittags amtlich bekanntgegeben worden. Der Gouverneur hat den Rücktritt angenommen und Bruvelaitis beauftragt, die Geschäfte bis zur Bildung eines neuen Direktoriums weiterzuführen. Vom Rundfunk empfehlenswerte! eu«len Progrimmai Donnerstag Prag: Sender L.: 19.95 Deutsche Preffe. 12.19 Leichte Musik. 13.49 Chansons. 17.45 Deutsche Sendung: Jugendstunde mit Musik. 18.55 Deutsch« Preffe. 19.19 Englisch für Anfänger.— Sender St.: 7.39 Leichte Musik. 14.90 Schallplatten. 14.15 Deutsche Sendung: Dr. Schmied: Das Problem der Laienbeteiligung in der Strafrechtspflege. 14.39 Opernarien. 14.49 Deutsche Preffe.— Brünn: 13.30 DeutscherArbeitS- markt. 17.15 Italienische Volkslieder. 17.49 DeutscheArbeiterfendung: Perlsee: DaS neue Rußland in der Literatur. Dr. Obrist: 49 Jahre Röntgenstrahlen. 19.30 Uebertragung aus dem Landestheater: Boris Goudonow. Volksoper von Mussoraski.— Mähr.-Ostra«: 16.10 Leichte Musik. 18.10 Deutsch« Sendung: Liederkonzert. Ein Prager Juristenkollegium hat, wie wir bereits berichtet haben, zu dem Berliner Prozeß „Richardftraße"— in dem mehrere Todesurteile zu befürchten sind— öffentliche Gegenverhöre unter der Leitung des Dr. Rabl durchgeführt und übergibt das Resultat der Oeffentlichkeit. Unter den verhörten Zeugen befinden sich einige zur Zeit der Vorgänge leitende Funktionäre der Unterbezirksleitung Berlin-Süd (Neu-Kölln) der KPD und ein Zeuge des Zusammenstoßes in der Richardftraße. Die Anwälte stellen auf Grund des Verhöres u. a. fest: 1. An dem Urberfall auf daS SA-Lokal in der Richardftraße 35, sind fast alle im Berliner Prozeß Angeklagten, insbesondere die Angeklagten Friedrich Grünberg, Fritz Voigt, Anna Rathmann, Robert Petzel, Erich Apelt, Paul Bieth, Hermann Wagner, Gustav Gendrich, Hermann Messer, Erich Kuske, Hartz Wolfram, Brun» Schröter, Helmuth SchweerS, Bruno Blank, Paul Werk, Karl Beuschel, Alfred Otto, Kurt Käthe und Ferdinand Lall weder unmit t? lbar noch als intellektuelle Urheber beteiligt, 2. DieTat zeigt sich als eine Provokation, die von den Mitangeklagten Walter Schulz und Paul Zimmermann unter Mißbrauch einiger gutgläubiger Arbeiter, von denen jetzt keiner auf der Anklagebank sitzt, durchgrführt wurde. 3. DaS Berliner Gericht stützt di« Anklage im wesentlichen auf die Aussagen der Mitangeklagten Schulz und Zimmermann. Dir Tatsache», die uns über daS Borleben und den Charakter dieser Beiden bekannt geworden sind, genügen, um sie jede« unabhängigen Gericht alS unglaubwürdig erscheinen zu lassen. Zimmermann ist zwölfmal kriminell vorbestraft. Vater und Großvater saßen im JrrenhauS im Triakerwahnfinn. Schulz wird auS dem Zuchthaus, wo er eine Strafe wegen Raubüberfalls vrr- büßt, dem Gericht vorgeführt. Er unternahm schon A-esneuigLeLten f Zwei große Iugendhilfe-Aktionen Ernährungswerk für arme Kinder Die Deutsche Landeskommission für Knnd erschutz und Nirgend-' fürsorge in Böhmen(Reichenberg) erhielt für ihren Tätigkeitsbereich mit 101 deutschen Bezirksjugendfürsorgen zur Durchführung eines Ernährungshilfswerkes im Winter 1935/36 vom Ministerium für.sozia^le Fürsorge eine staatliche Beihilfe von 521.600 Kc. Es ist dies der gleiche Betrag, wie er im Winter 1934/35 zur Verfügung stand. Im vorigen Winter konnten durch die Mitarbeit der deutschen Bezirksjugendfürsorge in Böhmen(Deuffche Lan- deskommiffion und Deuffche Bezirksjugendfürsorgen), der Lehrerschaft, vieler Elternvereinigungen, Gemeindevertretungen und vieler freiwilliger Helfer 1258 Ausspeisestellen errichtet werden und durchschnittlich 85.000 Kinder an 51 Tagen mit einer Nahrungszubuße in Form von Milch, Suppe und Brot, oft auch in Form eines vollständigen Mittagessens beteilt werden. Der Gesamtaufwand für dieses Hilfswerk betrug KL 2,963.520.90. Neben der staatlichen Beihilfe von K£ 512.600.— mußten demnach noch KC 2,450.920.90 an örtlichen Beiträgen, durch Geld- und Sachspenden aufgebracht werden. Beklridungshilfswerk für Kinder Arbeitsloser und Kurzarbeiter Der Deutschen Landeskommiffion für Kinderschutz und Jugendfürsorge in Böhmen und ihren 101 deuffchen Bezirksjugendfürsorgen wurde zur Durchführung eines Bekleidungshilfs- werkes für Kinder Arbeitsloser und Kurzarbeiter vom Ministerium für soziale Fürsorge ein staatlicher Beitrag von KL 540.000.— zur Verfügung gestellt. Im vorigen Winter stand der gleiche Betrag zur Verfügung und es konnten insgesamt 15.802 Kinder mit Kleidung, Wäsche oder Schuhwerk beteilt werden. Der. Gesamtaufwand hiefür betrug KL 611.939.20, wovon KL 540.000.— durch die staatliche Beihilfe gedeckt waren, während KL 71.939.20 durch örtliche Beiträge aufgebracht werden mußten. Die Vorarbeiten zur Durchführung dieser beiden großen Hilfswerke werden unverzüglich in Angriff genommen, so daß Heuer viel früher als in den früheren Jahren Hilfe gebracht werden wird. Streik belgischer Bergarbeiter Brüffel. Die Bergarbeiter von 25 Gruben, hauptsächlich in der Umgebung von L ü t- jtich, stehen seit Montag im Streik. Sie fordern !im Hinblick auf die ansteigenden Preissteigerungen der Lebenshaltungskosten eine Erhöhung derLöhne um 5 Prozent. Die Arbeitgeber bieten jedoch nur eine 2>/zprozcntige Erhöhung der Löhne an. im Jahre 1931 den Versuch, dir Verantwortung für einen von ihm in eigennütziger Absicht dnrchgesühr- ten Raubüberfall der kommunistischen Partei aufzubürden. 4. Ebenso wenig wie die angrklagtrn Mitglieder der KPD. und ihrer UnterbezirkSleitung Neu-Kölln an der Tat beteiligt find, könne« irgendwelche höhere« Funktionäre dieser Partei mit ihr in Verbindung gebracht werden. 5. Die Art und Weise der Prozeßsührung gibt, trotzdem die angeführten Tatsachen von jedem«n- abhängige» Gericht zu ermitteln sind, keine Gewähr dafür, daß in diesem Prozeß ein Fehlurteil vermieden wird. Rach der in der letzten Zeit geübten Praxis der deutsche« Gerichte ist zu befürchten, daß auS politischen Gründen in diesem Prozeß Todesurteile gefällt werden sollen. Wir erhebe« darum die Forderung, nach völliger Oeffentlichkeit deS Prozesses, nach Zulassung der ausländischen Presse und«ach Vertretung der Angeklagten durch unabhängige Verteidiger. Wir haben die Ergebnisse unserer Untersuchungen, die vollständigen Protokolle der Zeugenvernehmungen, die von uns beglaubigten Lichtbilder der Zeugen, ein zusammenfaffendes juristisches Gutachten und das psychiatrische Gutachten des Herrn Professor Dr. Fischer dem Schwurgericht Berlin-Moabit übersandt. Wir appellieren an die Oeffentlichkeit, uns in unserem Kampfe um daS Leben der unschuldig Angeklagten, der ein Kampf für die Gerechtigkeit ist, zu unterstützen. JUDr. u. PH. Dr. Oldrich KoblkZek, Dr. Jaroslav Nebesük, Dr. Front. Havränek, Dr. Josef Brothünek, Dr. Otakar Lankas, Dr. Karel Scheinpflug, Dr. Bohdan Bartosek, Dr. Otakar Bttha, Dr. Bedkich Bill, Dr. Alexander Bozdech, Dr. Kraus, Dr. Mathys, Dr. Otto Lebenhart, Dr Ivan Sekanina, Dr. Conrad Felix Eisner, Dr. Rudolf Räbl. Zwei Fliegerkatastrophen— sieben Tote Paris. Die ftanzösische Luftfahrtgesellschast „A i r F r a n c e" hat einen Funkspruch aus Buenos Aires'erhalten, wonach eines ihrer Postflugzeuge mit einer umfangreichen Postladung an Bord in der Nähe von Bahia aus bisher unbekannter Ursache verunglückt ist. Die vierköpfige Besatzung fand den Tod. Ein anderer Flieger konnte in der Nähe der Un- sallstelle landen und 17 Postsäcke bergen. Riga. Auf dem Rigaer Flugplatz stießen zwei Militärflugzeuge beim Landen zusammen. Zwei Offiziere und ein Unteroffizier fanden dabei den Tod. Polizeistationen, Bankhäuser und Rathaus in die Luft gesprengt Milwaukee. Einer Zeitungsmeldung zufolge ist es gelungen, die Urheber der verschiedenen Bombenanschläge in den letzten Tagen zu ermitteln. Es handelt sich um die beiden„Kommunisten" Rutkowski und Paul, die, wie gemeldet wird, bei dem letzten Anschlag in einer Garage zusammen mit einem Kinde umS Lebenkamen. Die beiden„Kommunisten" hatten innerhalb einer Woche zwei Polizeistationen, ein Rathaus in einer Vorstadt und zwei B a n k g e s ch ä f t e in die Luft gesprengt. Der letzte Anschlag galt vermutlich dem Gebäude der„Wisconsin-News", die auf die Ergreifung der Bombenwerfer 5000 Dollar Belohnung ausgesetzt hatte. In der Hearst-Presse wird ernennt auf die zunehmende kommunistische Propaganda in der Poswerwaltung und der Erwerbslosenfürsorge sowie in den Schulen hingewiesen. Gin Riesendiebstahl Toronto. Aus den Hotelzimmern, die der ehemalige Jnfa-ntvonSpanien Juan bewohnt, wurden Pretiosen im Werte von acht Millionen Dollar entwendet. Ziehung der Klassenlotterie Unverbindlich. Prag. Bei der DienStag-Ziehung der Klaffenlotterie wurden nachfolgende Gewinne gezogen: 20.000 KL di« Lose Nr. 1500 87772 56403. 10.000KL die Loft Nr. 664013218 79789 70552. 5000 KL die Lose Nr. 15302 21283 46184 89672 10999« 29870 49279 79567 87699 47452 27328 95989 192593 43119 59358 77177 49248 1S199 82659 32998 191939 48841 79512«5881 51435 55499 3651 96347 56184 71254 193989. 2000 KL die Lose Nr. 1"5«8 782 8287 49872 28599 26945 98 58116 7462 3139 79989 48543 196651 51297 19559 81995 66399 68299 23584 36382 73729 8949 55916 44418 77490 85206 25717 10129 13148 58777 31783 9177 95642 14957 103968 16781 95087 31597 79968 48444 16372 37164 3692 28200 23990 53809 15033 18085 275« 51987 7466« 89818 64184 68739 62859 29605 87184 109534 34320 38543 53792 80512 87309 ' 45735 103784 35712 85981 74315. Eine interessante Arbeitsgemeinschaft. Zu den pikantesten sudetendeutschen Erscheinungen gehört seit langem die„N e u e M o r g e n» p o st". Sie gehört dem VerlagMercy, der auch das„Pr. Tagblatt" herausgibt. Wäh- rend das„Pr. Tagblatt", von einer gewissen Schwäche für Mussolini und die Trockenlegung der Pontinischen Sümpfe einmal abgesehen, sich doch eine liberale Haltung bewahrt hat und nicht nur innerhalb der sudetendeutschen, sondern in der gesamtdeutschen Presse zu den ganz wenigen Blättern zählt, die der Gleichschaltung widerstanden haben, wird die„Neue Morgenpost" von einem der bekanntesten Henleinmänner, dem Herrn Dr. S t i e f, gelestet, der seinen Henlein- geist(zu dem er ja nicht ohne Umwege über sehr west links liegende Gegenden gelangt fft) seit langem in dem Blatt des jüdisch-liberalen Unternehmens auch frei entfalten durste. Nun teilt das Blatt mit, daß die Herausgeberschaft auch an Dr. Stiefübergegan- g e n ist, daß aber Eigentümer und Verleger weiter der Mercy-Verlag bleibt. Ein merkwürdiges Spiel. Wer soll da getäuscht werden? Die Käufer und Abonnenten, denen man vormachen will, daß sie ein völkisches und arisches Blatt bezahlen, obwohl das Geld wester zu Mercy fließt (— oder Mercy weiter das Defizü deckt, je nach der Geschäftslage); oder sollen die jüdischen und, liberalen Leser des„Tagblatt" darüber getäuscht werden, daß der Verlag ihres Blattes zugleich auch ein Henleinblaü erzeugt?! Für Herrn Sttef, für die Firma und für die Leute, die sich durch derlei Firmierungen irreführen lassen, ein jedenfalls in mannigfacher Richttrng charakteristisches Manöver! Raubüberfall bei Auscha. Eine 35jährige Angestellte eines Warnsdorfer Heims hatte ihre Schwester, eine Lehrerin in Konoged bei Leit« meritz, und ihre Eltern besucht und wollte mit dem Zuge um 19 Uhr wieder zurückfahren. Als die Angestellte, die ein Stück Weges von ihren Angehörigen begleitet wurde, später allein nach dem Bahnhof ging, sprang ein junger Mann, der auf der Straße stand und an seinen Schuhbändern herumnestelte, plötzlich auf die Frau zu, griff nach der Handtasche und riß sie von dem Riemen los. Der Ueberfall erfolgte so blitzartig, daß die lieber« fallene erst um Hilfe rief, als der Räuber im Dunkel verschwunden war. Bei seiner Flucht riß ec beinahe zwei Frauen um, die ebenfalls nach dem Bahnhof gingen. Die Tasche enthielt 130 KL Bargeld und Toilettegegenstände. Ueberfahren. In BudLeveS bei Kopidlne wurde durch ein Lastauto der 3Sjährige Arbeiter Väclav HorLiLka aus NekaS überfahren. Kurz nach der Einlieferung in das JiLiner Krankenhaus starb er. Er hinterläßt eine Witwe und vier unversorgte Kinder. Die Gen-' darmerie hat eine Untersuchung eingeleitet. Wieder Brandstiftungen im Neuhauser Bezirk. Am 1. November wurde in Läsenice der von einem unbekannten Täter verursachte Brand eines Schobers des Fr. Beränek gemeldet und schon am Montag folgte die Meldung von einem in Mnisek ausgebrochenen Brand einer Scheune und eines Teiles eines Wohngebäudes» bei dem in der Scheune Getreidevorräte, Maschinen und Fuhrwerke verbrannten. Das ist in diesem Jahre das zwanzigste Schadenfeuer im Neuhauser Bezirk. Die Gendarmerie fahndet eifrig nach dem unbekannten Brandstifter, der daS Eigentum seiner Mitbürger bedroht. Bon einem Wildeber schwer verletzt. Der 50jährige Holzfäller Ivan SimLinec aus der Gemeinde Lipecka Poljanka und sein zehnjähriger Sohn wurden in das Krankenhaus in Sevljus eingeliefert. Sie waren bei der Arbeit im Walde von einem Wildeber überfallen und ziemlich schwer verletzt worden. Auf ihre verzweifelten Hilferufe war der staatliche Heger Juraj Kaban herbeigeeilt, der daS Tier erschoß. Es wurde festgestellt, daß der Eber kurz vorher von einem Mitglied einer Jagdgesellschaft aus Chust angeschossen worden war. Die Devisenprozesse. Das Landesschöffengericht in Oldenburg verurteilte nach viertägiger Verhandlung zwei Angehörige des Do- m i n ik a n e r-Ordens(Ordensprovinz Deutschland), den Provinzial Siemer-Köln und den Generalprokurator der Rosenkranzmiffion, Dr. Horten, wegen Devisenvergehens zu Gefängnisstrafen von einem Jahr drei Monaten, bzw. zwei Jahren, sowie zu hohen Geldstrafen. Für Briefmarkensammler. In der Zeit vom 7. bis 21. November 1935 wird das Postamt Praha I Postmarken zu philatelistischen Zwecken mit dem Gelegenheitsstempel„Brno 2— VI. Belkä cena Masarykova" und mit grüner Farbe abstempeln. Schlecht Wetter. In Westeuropa herrscht seit Montag unbeständiges, regnerisches Wetter und auch Im Gebiete des Mittelmeeres fällt vielfach Regen. Di« Verschlechterung breitet sich sehr langsam gegen das Binnenland aus. Im mittleren und östlichen Teil der Republik war es gestern noch vorwiegend heiter bei einer Nachmittagstemperatur von Plus 7 bis 10 Grad; in Böhmen hat sich jedoch der Himmel überall umzogen und im Westteil des Landes regnete es hie und da ein wenig. Eger und Neuhaus hatten Dienstag nachmittag nur Plus 2 Grad Celsius. Der allgemeine Witterungscharakter dürfte sich in der nächsten Zett ungünstig gestalten. s i n V e 1 r -b fi 9 fi f d 11 ft 8 n d d st st fi n fi h II dl 4 st T p! U D ki in tz str T ül de dr Br eil tei Nr n« C' S N>i d« Be n, ist b< tz in D r« die ih, 1« *r che s e «st! d- die * Nr. 258 Mittwoch, 6. November 1935 Seite 5 fomswinsMi und sozlaipoilMk MWk Minne itt«WWW Während für hunderttausende Familien kaum eine Milderung des Krisendruckes zu der» spüren ist, können sich die Unternehmer und die Jndustrieaktionäre bereits wieder steigender Gewinne erfreuen. Eine genaue Feststellung der Unternehmergewinne ist leider aus mannigfachen Gründen nicht möglich. Selbst die Gewinne, die die Aktiengesellschaften in ihren Jahresberichten ausweisen, sind im höchsten Matze ungenau und für die Oeffentlichkeit irgendwie nach unten korrigiert. Die Aktiengesellschaften haben bei der Gesellschaft Sellier. Westböhmische Kaolin... Böhmische Handelsgesellschaft ■ ■ a Berg und Hütten.... ■ ■ a Prager Eisen..... b a a Böhmisch-mährische Kolben. a Skoda....... a Poldi...... Kupfer....... Solo«•■••III a a Nussiger Chemische'.'■■■ a a Böhmische Zucker..■■ 0 a Schockier...... Es ist demnach der R e i n g e w i n n der angeführten Gesellschaften von 83,3 Millionen Kö im Jahre 1933 auf 59.9 Millionen Kronen im Jahre 1934 gestiegen. Die in unserer Aufstellung nicht aufgeführten Rohgewinne haben sich von 489,6 Millionen auf 580,2 Millionen Kö, also um rund 100 Millionen oder mehr als 20 Prozent erhöht. Aufstellung ihrer Bilanzen eine Fülle von Möglichkeiten, die Gewinnziffern herabzudrücken— und sie tun das auch l Wenn wir uns dennoch an die Berichte der Aktiengesellschaften halten, so geschieht das mit den eben erwähnten Vorbehalten. Aber selbst diese korrigierten Reingewinne beweisen, daß bereits im Jahre 1934 die Gewinnkurve des Privatunternehmertums wieder nach oben geht. Von den wesentlichsten Aktiengesellschaften seien die folgenden angeführt: ten ausgezahlten Dividende ist von 220 auf 355 liä gestiegen. Reingewinn Dividende in Millionen llö in Kc 1933 1934 1933 1934 4,3 '-5,4 40 50 2,5 271 35 45 5,4 6,8 50 45 0,7 8,2 — 30 —33,9 —29,1 — — — 1,8 —12,1 — 24 11,1 11,2 .— 29 0,8 1,5 — 20 0,1 2,4 8 8 6,9 7,5 25 25 5,6 5,7 20 20 3,3 3,6 12 14 4,6 5,4 80 45 Trotz aller Mängel, die dieser Uebersicht anhaften und die den Reingewinn kleiner erscheinen lassen, als er tatsächlich ist, beweist sie doch, datz Unternehmertum und Aktionäre bereits wieder beffere Zeiten sehen. Dagegen zeigt die Lohnbewegung der Arbeiter und Angestellten im Jahre 1934 noch eine erhebliche Abwärtsbewegung, wie die Versichertenstatistik der Zentral- Die Summe der pro Aktie von diesen Gesellschaf- j sozialversicherungSanstalt unwiderlegbar beweist. Stürme Bukarest. Im Schwarzen Meere herrschen seit Tagen verheerende Stürme. Die Schiffahrt ist zum grötzten Teile unterbunden. Die meisten Dampfer können aus den rumänischen Häfen nicht ausfahren. Besonders kritisch ist die Lage eines türkischen Schiffes, das bis auf den letzten Platz mit türkischen Auswanderern aus Rumänien besetzt ist. Da die Austvanderer nur für eine bestimmte Zahl von Tagen verpflegt sind, versuchte der Dampfer trotz aller Schwierigkeiten die Reis« anzutreten, wurde aber bei den ersten Versuchen gegen die Steinwand der Hafenausfahrt geworfen. Nur dank der Geistesgegenwart der Besatzung konnte ein Unglück vermieden werden. Der Hafen von-Konstanza ist voll von Fahrzeugen aller Art, die Zuflucht vor dem Sturm gesucht haben. Der rumänische Dampfer„Bucaresti" kämpft nach den letzten Nachrichten auf offenem Meer gegen den Sturm und kommt mühsam kaum eine Meile stündlich vorwärts. Die Funkstation von Konstanza hat verschiedene unverständliche SOS- Rufe aufgefangen. Der scwjctrussische Dampfer .Tschitscherin", der frühere Dampfer»Prinzessin Eugenie von Oldenburg", ist 18 Kilometer nördlich von Konstanza auf einer Sandbank gestrandet. Jacksonville(Florida). Heber Florida wütete ein heftiger Orkan, der grotze Schäden verursachte. Nach Meldungen aus Miami wurden durch den Orkan zwei Menschen getötet und gegen 490 Personen verletzt. Der angerichtete Schaden wird auf eine Million Dollar geschätzt. Durch die Ueberschwemmungen wurden die Telephonleitungen sowie die elektrischen Kabel im südlichsten Teile Floridas zerstört. MoSka«. Die Stürme auf dem Schwarzen Meere haben weitere Opfer gefordert. Der sowjetrussische Dampfer„Udarnik" hat Havarie erlitten und mutzte von dem Dampfer„Minsk" ins Schlepptau genommen werden. Die.Udarnik" wurde jedoch losgeriffen und treibt steuerlos umher. Das Schiff befindet sich in schwerster Gefahr. Auch über da- Schicksal des sowjetrussischen Dampfers -Tschitscherin" herrscht lebhafte Besorgnis, ba das Schiff seit fünf Tagen umhertreibt. Seit drei Tagen ist der Brennstoff auSgeganzen. Das Schiff ist auf eine Sandbank ausgelaufen. Der Eisbrecher„TorroS", der der„Tschitscherin" zu Hilfe eilen wollte, mutzte erst die Besatzung deS havarierten sowjetrussischen Dampfers„Swirstroh" retten und ist erst gestern in der Nähe'der„Tschitscherin" ungelangt. Istanbul, lieber dem Roten Meer wüten noch immer Gewitterstürme, die bereits zahlreiche Opfer forderten. In Giankin sind einige Schiffe gesunken. Der Trapezunter Hafen wurde vollkommen zerstört. Auf einem der kentern« den Schiffe spielten sich während des Kampfer mit dem wütenden Element dramatische Szenen ab. Der Kapitän des Schiffe- war gezwungen, zum Schutze der Reisenden den R e v o l« brr zu ziehen, um die Besatzung in Schachzuhalten und sie zum Gehorsam ru zwingen. Der.Engel des Bagno" unter Anklage Paris. Die bekannte junge Advokatin M i» perlle Maroger hatte vor einiger Zeit geheiratet, und ihre Hochzeitsreise führte sie auf die Teufelsinsel. Schon immer hatte sie ihr Herz den Bagno-Sträflingen zugewandt und Nach dieser Reise veröffentlichte sie sensationelle Artikel, die für die Verwaltung wenig schmeichelhaft waren. Sie ist jetzt von 118 Aufsehern verklagt worden, die sich durch ihre Veröffentlichungen diffamiert fühlen. Bei den Sträflingen hat' sie den Namen„Engel des Bagno" erhalten, und da sie vor Gericht niemand anders als der berühmteste Amvalt Frankreichs, d e M o r o- G i a f f e r i. verteidigt, dürfte in diesein sensationellen Prozeß nicht Mireille Maroger, sondern Einrichtung und Verwaltung der französischen Strafkolonie unter Anklage stehen. Der Krieg und die Wilden Tiere (PS.) Bei den kriegerischen Ereignissen in Abessinien gibt es außer den maßlosen Menschenopfern noch anderes Leben, das sinnlos und unschuldig den„Heldenwd" durch Giftgas, Brandbomben ustv. stirbt: die Fauna in den Kampfzonen. Man erinnere sich an die seltsamen Wirkung«,, die der Weltkrieg auf alle Kreatur in den stricgsgebieten auSüüte. Einerseits hat das Aufhören der Treibjagden in den nördlichen Gebieten Frankreichs zu einem enormen Anwachsen deS TildbeftandeS geführt und als schließlich der Wildschäden überhand nahm, wurde eine Aktion erfor- berlich. Man schoß damals in zwölf Monaten 40.000 Stück Wild ab und noch blieb ein gewalti- Scr Ueberschuß. Andererseits wurden durch Gift- gaS und Brandbomben eine ungeheure Anzahl Vögel getötet und die Vernichtung von Süßwasscr- fischen ist kaum bis heute wieder ausgeglichen. Aehnliches kann man von fast allen„Fronten" im Weltkrieg behaupten. Aber nirgends war die be- bauerliche Dezimierung des WildbestandeS so be» werkenswert wie in Litauen, wo der europäische Bison, der nie sehr zahlreich war, vollständig ausgerottet wurde. Auch die weiten und landschaftlich so verschieden gearteten Gebiete in Abessinien werden leider Auswanderung wegen Erdbeben New Aork. Das Erdbeben, das jetzt seit Wochen den Staat Montana Heimsucht, hält noch immer an. In H e l e n a, das bereits schwer unter der Katastrophe zu leiden hatte, machte sich Montag wiederum ein schwerer Erdstoß bemerkbar» der neuerdings großen Schaden anrichtete. Der größte Teil der Bevölkerung wurde von einer derartigen Panifftimmung ergriffen, daß eine ^o l I' I omme n e A u s w a n d e r j u n q aus der Stadt begann. Tod eines berühmten Juristen. Der„Matin" meldet aus dem Haag, datz dort der berühmte holländische Jurist Dr. Loder im 86. Lebensjahre gestorben ist. Dr. Loder war der erste Präsident des Haager Gerichtshofes für Internationales Recht in den Jahren 1922 bi- 1928. Mitglied de- GerichtShofeS blieb er bis zum Jahre 1930. Geistige Leistung«nd Alkohol. Die norwegische Guttempler-Zeitschrift befragte einige nordische Schriftsteller, ob sie Alkoholgenuß bei ihrer Arbeit für unentbehrlich oder schädlich halten. Knut Hamsum hält den Alkoholgenuß für„entbehrlich", unerwünscht und schädlich. Er schlecht: Ich bin unfähig zu dichten mit nur einem Hachen Glas Bier im Kopf. Abstinenz halte ich nicht für eine Askese, sondern für Idealismus. Der Bau eine- neuen ArktiSflugzeugrS ist in Irkutsk nach einem Entwurf der Brüder Slo» kasow zum Abschluß gelangt. Es ist ein Ganzmetall- Flugzeug mit einem Motor von hoher Leistungskrast und einer geschloffenen Kabine für zehn Fluggäste. Dit Mannschaft des Flugzeuges kann leicht und ohne besondere Vorrichtungen die Räder gegen Kufen oder Schwimmer austauschen und den Motor bei jeder nicht imstande sein, ihre einheimische Tierwelt vor den Schrecken des Krieges zu bewahren; besonders wenn auch die Nahrungsmittelbeschaffung auf beiden Kampffronten immer schwierig t wird und wahllos alles abgeschoffen wird, was sich als Nahrung eignet. Bisher hat der Kaiser von Abessinien gewöhnlich Sammlern und Forschern die Erlaubnis erteilt, in seinem Lande Wild abzuschießen; im übrigen war Abessinien aber nie ein Paradies für den Sportsmann, da das Gelände zu schwierig ist. Die Zahl der Weißen, die das Hochland erforscht haben, ist verhältnismäßig gering. Das Land ist im allgemeinen weniger reich an Wild als die mehr erforschten Jagdgründe weiter südlich. Unter den Großhufern mögen genannt sein: Oryx(eine Antilopenart), Buschbock, Steinbock, Wafferbock, Rohrbock und Hartebeest; im Süden kommt dazu noch das Zebra und das Elen, eine besonders große Antilopenart. Elefanten und Rhinozeroffe sind auch ziemlich zahlreich, während das grotesk aussehende Warzenschwein charakteristisch für das Land ist. Diese Wildschweine. sind außerordentlich behende trotz ihres unförmigen Kopfes, der mit riesigen Warzen und Auswüchsen ausgestattet ist; die beiden sichelförmigen Hauer des Tieres bilden eine furchtbare Waffe, die sogar einem Löwen gefährlich werden kann. Dennoch ziehen sie cS Nicht vor, daS H.il Kälte ohne Schwierigkeiten erwärmen. Die Fluggeschwindigkeit deS neuen Flugzeuges beträgt etwa 250 Stundenkilometer, die Geschwindigkeit bei der Landung 60 Stundenkilometer. Eine Weltuhr. In den Lagern des Jvanow- Museums in Moskau wurde eine Uhr mit 95 Zifferblättern aufgefunden, die gleichzeitig die Stunden in ebensoviel verschiedenen Weltgegenden anzeigen konnte. Die Uhr ist im Jahre 1873 in, P a r i s gebaut worden und war ein.Glanzstück-der- damaligen>Uhrentechnik. Letzt ist der Mechanismus zum größten'Teile verdorben- aber man hofft, das Werk reparieren zu können. Ei» Engländer vorS SS-Gericht. Der pensionierte englische Eisenbahner R. E. Charle- w o o d ist innerhalb einiger Wochen schon das drittemal von der deutschen Polizei verhaftet worden und liegt augenblicklich im Gefängnisspital zu Franffurt a. M. Er ist beim Zeichnen von Eisenbahnanlagen ertappt worden, will das aber nur zu seinem Vergnügen und auf einer reinen Erholungsreise getan haben. Es heitzt, datz er vor das Berliner„Volksgericht" gestellt werden soll, was mit schtverster Verurteilung gleichbedeutend ist. Der Brttrlmönch. Der vor kurzem verstor- bene griechische Wanderprediger Panopoulos war in allen Städten Griechenlands als Bettelmönch bekannt. Er galt als heiliger Mann, lebte in entsagungsvoller Armut, besaß, so viel man wußte, nichts als seine Kutte und predigte Entsagung. Milde Gaben, für angeblich heilige Zweck«, floffen ihm reichlich zu. Nach seinem Tode aber stellte eS sich heraus, daß er diese Gaben einem wesentlich profanerem Zwecke zugeführt hatte: er hatte sie mündelsicher angelegt und sie einem Bettelbruder und Freunde, der mit ihm durch daS Land zog, teste» mentarisch vermacht. Die Erbschaft beträgt immerhin 238.000 Drachmen. in der Flucht zu suchen. Wenn das Warzenschwein in Gefahr ist, läuft es mit unglaublicher Geschwindigkeit auf dem kürzesten Weg zu seiner selbstgegrcchenen Höhle. Kurz vor dem Eingang drehst es sich plötzlich um, geht rückwärts in seinen Bau und versperrt so wirkungsvoll den Eingang mit seinem wehrhaften Schädel. Selbst die öden Wüstenzonen sind mit allerlei Getier belebt. Vorherrschend ist eine Art Felsenkaninchen, die in freundschaftlichem Verhältnis mit Affen, sogar mit Pavianen, leben. Die Paviane sind in mehreren Arten vertreten, die ein« fast militärische Organisation haben. Sie werden oft von einem Diktator regiert, der den Stmnm auf Jagdexpedition in das nächste kultiviette Gebiet führt. Das seltsamste der abessinischen Säugettere ist der Ameisenbär, der sehr verbreitet ist. In« folge seinerNachtgewohnheiten und seiner erstaun» lichen Eingrabetechnik ist er jedoch den meisten einheimischen Jägern unbekannt. Wenn er sich ein« gräbt, so scheint er direkt imErdboden unterzutauchen, so schnell geht das vor sich. Mit den Vor- 'derfüßen und mit den Hinterfüßen die Erde fortschaffend, gräbt er so schnell, daß drei mit Schaufeln bewaffnete Männer nicht mft ihm Schritt halten können. Die Bogelwelt ist besonders reich in Abessinien. Der nordwestliche Teil ist das Ziel vieler Vereinigung rechtssorlallstischer Splitterparteien Paris. Zum Vorsitzenden der Sozialistischen Union wurde der ehemalige Ministerpräsident Senator Paul-Boncour, zum Generalsekretär der neosozialistische Deputierte D s a t, zu Stellvertretern des Vorsitzenden ein Republikaner und ein französischer Sozialist gewählt. Die Parteien werden bis auf weiteres ihre Namen beibehalten, jedoch in der Oeffentlichkeit und insbesondere im Parlament einheitlich auftreten. In der Kammer werden sie 50 Deputierte haben. kin jüdischer Renegat Im Dienste der Gestapo 1 (AP) In London wurde vor einiger Zeit ein jüdischer Gestapo-Agent namens Chaim Beneber verhaftet, der bei seinem Verhör völlig zusammenbrach und sich des Verrats an seinen unterdrückten Glaubensgenoffen bezichtigte. Er gab zu, aus niedrigsten, eigennützigen Motiven gehandelt zu haben und legte das Geständnis Wb, daß er früher als Kriminalassistent in der preußischen Polizei tätig gewesen und nach Hitlers Machtantritt als Jude zunächst entlassen worden sei. Als die Gestapo dann eine Spezialabteilung zur UeberwachUng der Juden und Emigranten einrichtete, meldete sich Beneber freiwillig und wurde, als besonders zur Bespitzelung seiner Glaubensgenoffen geeignet, wieder eingestellt. Zuerst wurde er in Berlin verwendet, um die jüdische Gemeinde zu beobachten und Auslandsverbindungen sowie geschäftliche Transaktionen auszukundschaften. Später ging er nach England, wo er hauptsächlich über die jüdischen Boykottbestrebungen zu berichten hatte. Er verschaffte sich sogar Eingang zu dem Genfer Boykottkongreß. Das Geständnis Bene« bers, der immer wieder betonte, daß er Ekel vor seiner Judasrolle empfinde, machte den Eindruck der Echtheit. Er machte sogar weitere jüdische Persönlichkeiten, die mit der Gestapo in Verbindung stehen sollten, namhaft und nannte dabei u. a. das sehr bekannte Mitglied der Berliner Jüdischen Gemeinde, K a r e s k i(dessen Namen in politischen Kreisen dadurch bekannt ist, daß er früher wiederholt als Vertreter religiöser jüdischer Gruppen auf der Zentrumsliste kandidierte), der Informationen an die Gestapo liefere. Nach seinem Geständnis wurde Beneber freige- laffen. Er erklärte, er wolle ein neues Leben beginnen und zuerst in Spanien seine Gesundheit wiederherstellen. Er löste eine Fahrkarte nach Mallorca und— fuhr nach Deutschland zurück, wo er sein detailliertes Geständnis natürlich verschwieg. Er setzte seine Tätigkeit fort, trat auch wieder im Ausland auf und erklärte dazu ganz unverfroren- er sei fetzt doch in jüdischen Kreisen verfltük^ iffiS älS Wer^eüg der Gestocho bekannt. Daher"seh'e'eö sich'WwuNg'Edereik' Brot weiter zu eflen., Bulgarischer General verhaftet Sofia. Die am Samstag erfolgte Verhaftung deS ehemaligen Generalinspektors der bulgarischen Artillerie, Generals Zaimow, der vor zwei Wochen mit 78 Anhängern des Obersten Weltschew in die Reserve versetzt worden war» ist Gegenstand lebhafter Kommentare in Sofia. Zaimow wird ähnlich wie Weltschew, der O r- ganisierungein er Rebellion in der Armee beschuldigt. Das Gesetz zum Schutze des Staates setzt für derartig? Vergehen die Todesstrafe oder mindestens zehn Jahre Zuchthaus fest. Man glaubt, daß die Verhaftung des Generals Zaimow eine Rekonstruktion der Regierung zur Folge haben werde, da ein aktiver Minister kompromittiert ist. Tauerung In Italien Rom.(Tsch. P.-B.) Im Rahmen der Sparmaßnahmen hat die italienische Eisenbahngesetl» schäft beschlossen, ab 6. November 47 Personenzüge einzustellen. Mit den steigenden Benzinpreisen sind auch die Fahrpreis« für Kraftdroschken erheblich gestiegen. Zugvögel aus dem Norden. Die Dschungelbrände dehnen sich manchmal über Hunderte von Meilen aus und es ist überraschend, welche Anziehungskraft diese Feuer auf die Vögel haben. Besonders die insektenfressenden Vögel, wie z. B. der Bienenfresser, kommen in Scharen aus weiten Entfernungen und fliegen über den Flammen, um die entfliehenden Heuschrecken und Motten zu fangen. Der schöne karminrote Bienenfreffer fliegt in dem aufsteigenden Rauch hin und her, und wenn d". Sonne auf sein glänzendes rotes Gefieder scheint, so sicht eS aus, wie wenn glühende Aschestückchen in der Luft Herumfliegen. Di« Raubvögel sind durch den Lämmergeier» Seeadler, verschiedene Arten von Geiern, darunter einem, deffen ausgebreitete Flügel zirka drei Meter messen, vertreten. Außerdem gibt es dort noch eine besondere Adlersorte, deren Fleisch bei' den Eingeborenen als Medizin geschätzt wird. Verschiedene Arten von Enten bevölkern die Gewässer. Aber aus irgend einem mystischen Grunde essen die Eingeborenen kein Entenfleisch. Andere Arten Geflügel dagegen sind als Nahrung sehr beliebt. Ein unterhaltsamer Bogel ist der abessinische Chiff Chaff, der die Melodien und Rufe anderer Vögel nachahmt. Er kommt freiwillig in die Zimmer der Häuser und Bungalows und singt lustig, während er auf der Suche nach Spinnen ist. Seite 6 „Sozialdemokrat" Mittwoch, 6. November 1935. Nr. 258 Agger feitunq Ein Muster-Unterstand gegen Fliegerangriffe. Gestern besichtigten die Pressevertreter den ersten Prager Unterstand gegen Fliegerangriffe, der durch Adaptierung des Hauses Nr. 25 Na Porici erbaut wurde. In zweckmäßiger Weise wurde die hermetische Abdichtung gegen Gase durch besonders konstruierte Türen, die F i I t r i e r st a t i o n, die Regenerierungsstation und die Wasserversorgung vermittelst Tauchpumpen gelöst? Der Unterstand dient vorläufig der Instruktion der Einwohnerschaft und wird von Exkursionen der Polizeidirektion, des Rcten Kreuzes und der Zentralämter besucht. Dieb im Hause. Am 1. November erstattete der Ingenieur Viktor Fuchs aus Prag VIII. die Strafanzeige, daß ihm aus dem verschlossenen Schrank seines Wohnzimmers eine große Anzahl Schmucksachen, darunter eine mit BrillaHen und Smaragden besetzte Brosche, im GesamtlpÄt von 34.000 KL gestohlen worden sei. Aus der Untersuchung des Falles ergab sich, daß nur eine mit der Oertlich- keit genau vertraute Person als Täter in Frage kommen könne, so daß der Verdacht sich sofort auf den 21jährigen Sekretär des. Jng. Fuchs, den Handlungsgehilfen Josef JeneLek aus Prag II konzentrierte. Dieser wurde verhaftet u..d war geständig. Den Schmuck hatte er allmählich in der Zeit vom März d. I. bis jetzt entwendet, verpfändet, die Pfandscheine vernichtet, einige Schmucksachen auch verkauft. Er wurde nach Prankratz eingeliefert. Betrug an kleinen Leuten. Vorgestern verhaftete die Polizei den 33jährigen arbeitslosen Maurer Jaroslav K r 4 l t k. Er hatte einen Chauffeur in ein Gasthaus kommen lassen— angeblich, um ihm einen Posten zu empfehlen-— worauf er ihn unter einem Vorwand verließ. Der Chauffeur schöpfte Verdacht, ging ihm nach und ertappte ihn, wie er bei seiner Gattin eine angebliche Kaution von KL 200.— herauszulocken versuchte. Den gleichen Schwindel hatte Krülik in 40 Fällen, und zwar stets an kleinen Leuten, Chauffeuren, Handwerkern u. dgl. begangen. Die von ihm auf diese Weise erschwindelte Summe übersteigt KC 11.000.— Er wurde nach Pankratz eingeliefert. Inmst twd Wim Felix Bressart gastierte mit einem Ensemble des Wiener Volkstheaters am Montag im Deukschen Theater in einem sehr sympathischen, für Prag neuen Stück von Alexander Hunyady:„Ritterliche Affäre". Es handelt sich um eine gute Komödie des Büro- und Kleinbürgerhaus- Milieus mit zuweilen ziemlich deutlichen sozialen Anklagen und um die Tragikomödie eines ältlichen Ehemannes Und Prokuristen, Len seine Ritterlichkeit für die geliebt« Schreibmaschinistin so weit hinreißt, daß er nicht nur Kopf, Herz und Haltung, sondern beinahe die Stellung verliert. FelixBres- s ar t spielt diesen Vater Fink überwältigend echt, rührend-komisch, so daß schließlich dem Zuschauer, der sich an dieser Schauspielkunst mit ihren hundert Nuancen der Wort- und Körperkomik für zwei Stunden gesund lacht, vor Ergriffenheit die Augen feucht werden. Pallenberg, die Niese, Max Adalbert sind nicht mehr. Doppeltes Glück, daß uns Bressart erhalten blieb.— Neben ihm schafft Karl E h r m a n n als Chef eine überzeugende Gestalt kapitalistischer Herrschsucht(auch in der Erotik) und anständiger menschliche: Gesinnung. Ganz ausgezeichnet auch Elisabeth Markus als Bürodame, die dauernder Schundgehalt raffiniert und in der.Liebe" großzügig und doch nicht schlecht gemacht hat. Auch sonst noch ein paar gute darstellerische Leistungen. Ein ungewöhnlich vergnüglicher, werwoller Abend. l. g. Gastspielreise drS Tschechischen Philharmonischen Orchesters nach England, Frankreich und Belgien. Im Rahmen der Gastspielreise der Tschechischen Philharmonie nach England, Frankreich und Belgien werden unter der Leitung von Prof. V. T a l i ch folgende Konzerte gegeben werden: In London.am 24. November nachmittags, und am 28. und 26. November abends. Das Programm des ersten Konzertes umfaßt durchwegs Kompositionen von Anwnin Dvorak(Karneval, Symphonie in G-dur, 8 slawische Tänze). Programm des zweiten Konzertes: Smetana„Verkaufte Braut", Ouvertüre; Dvokäk: Symphonie in E-moll; Noväk: In der Tatra; Suk: Serenade für Streichorchester. Es-dur, op. 6; Dvokäk: Drei Slawische Tänze. Das dritte Konzert bringt: Vivaldi: Concerto gross» D-moll; Beethoven: IV. Symphonie; Smetana: Sakka, symphon. Gedicht und Drei Slawische Tänze, sowie Arien und, Lieder. Die Solopartien des Konzertes bestreitet Frau Jarmila N o v o t n ä. Das Konzert in Brüssel am 30. November umfaßt neben einigen in London aufgeführten Werken noch C. Franc PsYchL. Das Pariser Konzert am 2. Dezember bringt außerdem Rouffels Symphoniette und Wagners Tannhäuser-Ouverture. Außerdem wird das Orchester der Tschechischen Philharmonie im Rahmen der englischen Rundstinksendungen die Slawischen Tänze von Dvokäk aufführen und für die Gesellschaft ,Ms Masters Voice" Dvokäks IV. Symphonie und dessen Slawische Tänze auf Platten spielen. Die„Verkaufte Braut" in USSR. Der bekannte Sowjetschriftsteller Alexej Tolstoi, der dieser Tage mit der sowjetischen Journalisten- und Schriftstellerorganisation aus der Tschechoslowakei nach Moskau zurückgekehrt ist, will Sme- tgnaS„Dle verkaufte Braut" für das Sowjettheater bearbeiten. Der tschechoslowakische Schriftsteller Franz K u b k a ühersetzt den Text der Oper ins Russische. Ende November wird Alexef Tolstoi den Operntext bearbeiten und dkeaOper dem staatlichen Großen Opernhause in Moskau und dem Leningrader Kleinen Opernhaus zur Aufführung übergeben. Auch im Kiewer Staatstheater für Oper und Ballett wird„Die verkaufte Braut" voraussichtlich zur Aufführung gelangen. Die neue sowjetrussifche Oper„Der stille Don", ein Werk des jungen Komponisten Dsershinski, nach dem bekannten Roman Scholochows„Der stille Don", wurde jetzt im Leningrader Kleinen Opernhaus uraufgeführt. Die Oper hatte großen Erfolg. Der Komponist wird als ein neuer großer Meister der sowjetrussischen Opernmusik bezeichnet. Morgen Donnerstag Felix Bressart in„Ritterliche Affäre". Die Direktion hat das Ensemble des Wiener Volkstheaters mit Felix Bressart an der Spitze noch für ein zweites Auftreten am Dottners- DerMttr Der„Zigeunerbaron" der Afa Ernst Lubitsch hat mit seiner„Lustigen Witwe" bewiesen, daß die Verfilmung von Operetten auch auf künstlerischem Wege möglich ist: wenn mau den Gesang zum sparsamen Ornament, den Tanz zur bewegten Szenen und das Libretto zur Grundlage für heitere Pointen benützt. Aber die Ufa, der wir den verfilmten„Zigeunerbaron" zu verdarcken haben, durfte Lubitsch als Vorbild natürlich nicht anerkennen,(denn die einzige Anerkennung des Dritten Reiches für ihn bestand in der Ausbürgerung). Sie durste es schon deshalb nicht, weil das Libretto des„Zigeunerbarons" von einem wegen angeblichen Landesverrats geächteten Emigranten erzählt, der es mft den Zigeunern, also mit den Fremdrassigen hält, und dem ein protzig prassender Schweinekerl seinen Besitz weggenommen hat. Die Pointen, die sich daraus hätten entwickeln lassen, sind so naheliegend, daß die Herren von der Ufa sich möglichst west von Pointen überhaupt ferngehalten haben. Die Hersteller dieser Filmes(ein deutscher Herr namens Duday und der Regisseur Karl Hartl) haben das umgekehrte Lubitsch-Rezept befolgt: sie haben sich darauf verlassen, daß die Melodien von Johann Strauß unverwüstlich sind. Und sie haben damit natürlich recht behalten. Die Musik zum Zigeunerbaron ist nicht totzukriegen, auch wenn sie ein deutscher Komponist namens Melichar verstümmelt und wenn Leute sie singen, denen zwar die Gabe des Schreiens, nicht ccher die des Gesanges gegeben ist. Damit ist alles gesagt, was über diesen(mit einem PappmachL-Schloß ausgestatteten und mit läppjschen Schatzgräber-Szenen bereicherten-Johann Strauß-Film der Ufa zu sagen ist. Wenn man erwähnt, daß Fritz Kämpers als Zsupan drastisch ist, hat man die schauspielerischen Leistungen des Ensembles aufgezählt. Denn daß Herr Adolf Wohlbrück, obwohl einige Backfische seine affektierte Männlichkeit bewundern, kein Schauspieler ist, läßt sich nicht länger verheimlichen,— und von den Damen, die hier auftreten, schweigt des Kritikers Höflichkeit.—eis— Leutnant Bobby, der Teufelskerl. Angeblich stammt dieser Film aus Wien, aber er steht durchaus auf dem Niveau der derzeitigen Berliner Filme: er gibt sich schwachsinnig und wünscht, deshalb für komisch gehalten zu werden. Den englischen Leutnant Bobby, der vergeblich den vom Oberst befohlenen Reim auf Wupeifu sucht und deshalb erst in Verlegenheit und dann zu einer Rene Bücher Timitrosf: Briefe und Aufzeichnungen ans dar Zeit der Hast und dcS Leipziger Prozesses,(Editions du Carrefour, Paris; Preis KL 40.—). Dimitroffs Größe: seine unbeugsame Tapferkeit, seine geistige Ueberlegenheit über Ankläger und Richter, erstehen noch einmal aus diesem Buch. Nicht minder tapfer als während der langwährenden Verhandlung war Dimitroff in den vielen Monaten zermürbender Haft. Tagebuchblätter. Briefe an Freunde— die wenigen Briefe, die er schreiben durfte— und die mutigen, oft ironisch gefärbten Eingaben an Gefäng- nisbehörden und den Senatspräsidenten sowie die Notizen zu seiner Verteidigungsrede bezeugen die Geistes- und, Nervenkraft dieses Mannes.— Das Buch ist wertvoll als Beitrag zur Erkenntnis des Wesens des deutschen Fascismus und, vor allem, als menschliches Dokument.