HERAUSGEBER! SIEGFRIED TAUB. CHEFREDAKTEUR! WILHELM NIESSNER. VERANTWORTLICHER REDAKTEURi DR. EMIL STRAUSS, PRAG. IENTRALORGAN DER DEUTSCHEN SOZIALDEMOKRATISCHEN ARBEITERPARTEI IN DER TSCHECHOSLOWAKISCHEN REPUBLIK EMriWk 70 HiH«r («'himMMM 5 Heiter Perle) 15. Jahrgang Samstag, 9. November 1935 Nr. 261 klbbentrop nach Paris Paris. ,,L' Oeuvre" erfährt, daß in der Berliner Wilhelmsträße' die Meldung über die Reise Ribbentrops nach Paris Ende November als offiziell bestätigt wurde. Es wurde angedeu- tet, daß Ribbentrop über fragen der B e s ch r ä n- k u n g der Landrü st ungen und über die beabsichtigte Jy I ugkonvention verhandeln werde. Allgemein wird jedoch angenommen, daß die Unterredungen diesen eng umgrenzten Rahmen überschreiten werden. In London sei man der Meinung, fügt das Blatt hinzu, daß Frankreich bei dieser Gelegenheit von Deutschland die.Aufrechterhal- tungdes derzeitigen status »uo in Mitteleuropa garantiert erhalten könnte. Deutschland habe Interesse an getrennten Verhandlungen mit Frankreich und Großbritannien und wünsche nicht, schon von Anfang an bei den Verhandlungen auf eine gemeinsame fran- sösisch-britiffhe Front zu stoßen. England und der Völkerbund , Angriffe der Arbeiterpartei Im englischen Wahlkampf spielt der Völkerbund eine große Rolle. Die Arbeiterpartei ^>irft die Außenpolitik der Regierung vor, daß sie in den vergäirgenen Jahren den Völkerbund »icht zur Festigung seiner Macht und zu ihrer Ausnützung tm Sinn« der Zweckbestimmung des Bitkervundes, also zur Sicherung des Friedens durch allgemeine Abrüstung habe kommen lasten. Run hat kürzlich der Außenpolitiker des„Daily Herald" W. N. E w e r zu melden gewußt, daß W auswärtigen Amt erwogen werde, dem Völkerbund das Recht zur Schlichtung von Konflikten zwischen den Staaten und zur Anordnung don Sanktionen gegen den Angreifer zu entziehen. Wenn die Parlamentswahl zugunsten der Regierung ausgehe, so schrieb Ewer» würde dieser Plan zur Wirklichkeit und damit die Bahn frei werden, Allianzen nach Vorkriegsart wieder abzuschließen, so daß die Kriegsgefahr aufs neue gesteigert würde. Außenminister Sir Samuel Hoare ist in einer Wahlrede mit gröbstem Geschütz gegen diese Darstellung des„Daily Herald" losgezogen. Er dementierte nicht nur kategorisch, daß ein solcher Plan in Erörterung stehe, er verglich das Bor- 8ehen des Arbeiterblattes mit dem eines berüchtigten Pamphletisten und mit einem„Papistischen Anschlag", was für einen orthodoxen Anglikaner so ziemlich das Aergste ist. Ja der Minister appellierte an Major Attlee, den Führer der Opposition, das Vorgehen ihres Organs zu Rechtfertigen. Darauf antwortet Ewer sehr deutlich: DaS «ußeyamt bestreitet immer» daß irgendein Plan erörtert wird, bis er amtlich veröffentlicht ist. «n Wahrheit habe London bereits bei anderen Regierungen wegen einer derartigen„Reform" des Völkerbundes sondiert und Ewer nennt ganz offen die K l e i n e E n t e n t e, bei der das. versucht, aber sehr entschieden a b g e« "Hut worden sei. Im Zusammenhang damit Wiederholt Ewer die Kennzeichnung der Politik Baldwins als einer auf Machtverminderung des Bölkerbundes zielenden; es bereite sich, wenn das britische Volk diese Regierung in ihrem Amte destätige, ein Zusammenwirken mit dem von Dag zu Tag sowjetfeindlicheren "aval vor, das auch die Wiederherstellung deS Piermächtepaktes Deutschland, England, Frank- skich und Italien— gegen Rußland— hinstrebe. Ule italienisch-ägyptische Spannung Rom.(Tch. P.-B.) In hiesigen politischen Preisen erklärt man sich lebhaft befremdet über die Haltung der ägyptischen Regierung, die als nicht freundschaftlich gegenüber Italien getrachtet wird. Wie von unterrichteter Seite oer- dtutet, habe die italienische Regierung zwar ihren Gesandten in Kairo mit keinem besonderen Schritt beauftragt, es sei aber anzunehmen, daß der ita- üenische Gesandte von sich aus Vorstellungen bei der ägyptischen Regierung erheben habe. Hitler befiehlt Stahlhelm-Auflösung Seldte kuscht und bedankt sich noch Berli n. Am Freitag ist die endgültige Liquidierung des Stahlhelms erfolgt. Hitler hat an den Führer des Stahlhelms Rrichsminister Seldte ein Schreiben gerichtet, in dem er unter Bezugnahme auf die Beleidigung des ersten Rekrutenjahrganges auf das Dritte Reich und seine Flagge als Krönung des Neuaufbaues der deutschen Wehrmacht die Voraussetzungen für dieWeiterführung des Stahlhelm als nicht gegeben ansieht. Indem Hitler Seldte und seinen Mitkämpfern dankt, erklärt er, daß das, was heute vielen ehemaligen Stahlhelmmitgliedern als ein schweres Opfer erscheinen mag, nichts anderes als die geschichtliche A« fw e r t u n g(!) der bisherigen Arbeit und Leistungen sei. In seinem Antwortschreiben erklärt Seldte n. a.:„Wenn wir am Tage, da die neue Reichsfahne aufgezogen wird, unsere alte Fahne einziehen, und unsere Ziele für erreicht er k l ä r e n, tun wir rS mit dem Dank des Kämpfers, der es noch erleben darf, daß seine Ziele und Jdeen-Erfüllung und Gestalltung fanden. Ich melde hierdurch die von mir befohlene Auflösung des Stahlhelm." Für die Aufnahme der Stahlhelmmitglieder durch Einzrlanmeldung wird die bestehende allgemeine Mitgliedersperre der NSDAP aufgehoben. Mitgliedern deS Stahlhelms, die nicht mehr politisch tätig sein wollen, wird der Eintritt in den Kyff- häuserbund empfohlen. Die Liquidation des Stahlhelm und seiner wirtschaftlichen Einrichtungen und Unternehmungen erfolgt durch die Bundesfüh- rmrg oder deren Beauftragten. Henlein-Jünger mit und ohne Maske Nicht nur die großen Debatten, sondern auch die kleinen Zwischenfälle im Abgeordnetenhaus« gestatten tiefe Einblicke in das Wesen der Parteien. Die Volksvertreter von Gnaden Henleins haben es wahrlich nicht leicht. Sie sollen gleichzeitig zur Erbauung ihrer Wähler den wilden Mann spielen und nach der tschechischen Seste wieder als loyale Patrioten auftreten. Aber immer wieder rutschte den Herren in der Hitze des Gefechtes die demokratische Maske vom Gesicht und die waschechte fascistische Gesinnung kommt zum Vorschein. Daraus ergeben sich ergötzliche und groteske Situationen. Einige Momentbilder von der großen außenpolitischen Debatte des Abgeordnetenhauses verdienen festgehalten zu werden. * Genoffe K ö g l e r schloß seine Anklagerede gegen die fascistischen Kriegstreiber mit einem kraftvollen Bekenntnis zur FriedenSmission der Arbeiterklasse. Der Henlein-Mann Dr. Neu- Wirth machte der Verlegenheit seiner Fraktion in dem Aufschrei Lust: „Im Jahre 1914 habt Ihr Euer Programm verraten!" Worauf ihm einer unserer Genosten die Frage zurief: „Sind Sie denn Pazifist?" Herr Dr. Neuwirth ging prompt in die Falle und rief: jawohl, ich bin Pazifist." Darauf stimmte die Henke siistaktion esti homerisches Gelächter an, über ihren Kollegen Neuwirth, den Pazifisten. * Donnerstag abends sprach Dr. Kramäk, machte seinem antibolschewistischen Herzen und seinem Haß gegen Dr. Benes Lust. Andächtig lauschten vor der Ministerbank die SdP-Mannen. Kramak schilderte die„Gefahren" des Bündnisses mit der Sowjetunion in düstersten Farben. Ein des Tschechischen kundiger Henleinvertreter belehrte seine Kollegen: „Der spricht ja für uns glänzend," Die Platzvertreter der hitlerischen Außenpolitik vermochten ihren Beifall für den alten bärbeißigen Deutschenfeind nicht zu unterdrücken, Kraiyak malte die Gefahr an die Wand, daß die Tschechen durch das Bündnis mit den Sowjets in Gefahr liefen, ihre seelische und. staatliche Selbständigkeit zu verlieren. „Sehr richtig, sehr richtig!" klang das Echo aus den Henleinreihen. Die patentierten Sudetendeutschen mimen sügar Sorge um die tschechoslowakische Selbständigkeit, wenn sie Bundesgenossen gegen die Friedenspolitik Benes' zu finden glauben. Am Freitag vormittags saß aber Dr. Benes, der bei Herrn Kramak gefehlt hatte, wieder auf der Ministerbank und so dozierte»der SdP- und Deutschdemokrat Dr. P e t e r s von der Rednertribüne:„Der gestern jn der Debatte von Dr. Kramak gebrachte Mißton war nicht nötig und nicht am Platze." Die Herren hatten sich das „Sehr richtig" inzwischen überlegt und beklagten die Mißtöne, denen sie am Vorabend Beifall gezollt hatten. Dr. Peters erinnert übrigens an den R a s G u g s a, der von den Abessiniern zu den Italienern übergegangen ist. Um seine überraschende Bekehrung glaubhaft zu machen, muß dieser Ras Gugsa in den vordersten italienischen Schwarmlinien fechten. So geht es auch dem Herrn Dr. Peters! Ihn schickte die Henleinfraktion vor, damit er Oel der Beschwichtigung über die peinliche Spionageaffäre gieße, in die so manche Sudeiest- deutsche verwickelt sind, die sich sonst an Loyalität nicht übertreffen lassen. Dieses undankbare Geschäft wurde Herrn Dr. Peters durch manchen peinlichen Zwischenruf von sozialistischer Seite gewürzt. Einigermaßen aus dem Konzept gebracht, schleuderte PeterS den Sozialdemokraten den iöieblingsfluch des Meister Sandner entgegen, daß sie nur von Demagogie und Denunziation leben. Vorher hatte jedoch der demokratische Ehrenmann beteuert, daß die Nur SdP gegen Benes-Expose Stürmische Auseinandersetzunsen mit den Henlein-Trabanten Prag. Jn der Freitagsitznng des Parlaments wurde das Expose des Außenministers mit einer wohl noch nie dagewesenen Mehrheit genehmigt. Die Abgeordneten der Hlinkapartei und der Rationalen Vereinigung, die Gajdafascistcn und die Ungarn hatten sich von der Abstimmung atsentiert. Für das Expost stimmten die Koalitionsparteien, die K o m m» n i st« n«nd die deutschenCbri st lichsozialen, dagegen lediglich die Henlrinlcute. Dieses Ergebnis wurde von der Koalition mit starkem Beifall und Händeklatschen ausgenommen. Die sozialistischen Koalitionsparteien äußerten auch über die Haltung der Kommunisten, die zum erstenmal sich positiv zu einem Expose einstrllten, ihre Befriedigung. Der Abschluß der Außendebatte«nd nachher einige Immunitäten boten Anlaß zu einer Reihe mitunter recht schwerer«nd lauter Zusammenstöße, die durchwegs von den Henleinleuten provoziert wurden. * Der Henleinklub schickte als zweiten Redner den Außenseiter Dr. Peters in die Debatte. Ihm fiel die unangenehme Aufgabe zu, zunächst einmal die gestrige Einheitsfront der SdP. mit Dr. Kramäk rückgängig zu machen, die der Zen- ttalleitung wahrscheinlich gegen den Strich ging, weil sie die Regierungsfähigkeit der SdP. beein- trächtigen könnte. Also erklärte der Herr Beschwichtigungshofrat ganz einfach, der gestern von Dr. Kramäk in die Debatte gebrachte Mißton sei nicht nötig und nicht a m P l a tz e gewesen. Schluß, Punktum! Die Herren, die Dr. Kramäk gestern Beifall geklatscht hatten, machten dabei etwas verdutzte Gesichter. Dann müßte Dr. Peters die SdP. von den diversen Spionageaffären der letzten Tage reinwaschen, eine Sisyphusarbeit, die angesichts des vorliegenden Tatsachenmaterials auch einem wett besseren Verteidiger als dem Herrn Dr. Peters nicht gelungen wäre und die auch den schärfsten Widerspruch auf der Linken des Hauses herauS- forderte, ebenso wie die neuen Anbiederungsversuche an die Tschechischbürgerlichen. Nach dem polnischen Kommunisten Sliw- k a, der sich scharf gegen die irredentistischen Strömungen wandte und die Forderungen der loyalen polnischen Minderheit formulierte, gab Z i e r- h u t für den BdL eine Erklärung ab, bei der Dr. Peters wie eine besorgte Gluckhenne die ihm anvertrauten SdP-Jünger ängstlich vorZwischen- rufen zurückhielt. Vor der Abstimmung gab es. noch ein erregtes Rededuell zwischen dem Kommunisten B e u e r und Dr.^Peters. Neuer stellte fest, daß Dr.. Peters auf die' ihm vorgelegtep Fragen bezüglich der SdP, Spionage und Gestapo alles andere als zufriedenstellend geantwortet habe. Peters hätte sagen müssen, was die SdP zu unternehmen gedenke, um den Geist der Jrre- denta in ihren Reihen zu bannen. Dr. Peters schwang sich in seiner Erwiderung lediglich zu einem bewegten Appell an das Haus auf, nicht einer Demagogie zum Opfer zu fallen. * Nach der Abstimmung wurden Zusammen- stöße in einer hex.. ersten Sitzungen des neuen Hauses im Juni durch Erkenntnisse des Jmmu- nitätsausschusses liquidiert. Zunächst erhielten Dr. N e u w i r t h und Jng. K ü-n z e l von der SdP Rügen, weil, sie den Landbündler Zierhut „Denunziant" beschimpft hatten. Herr Neuwirth hatte die Arroganz zu behaupten- daß für die SdP„nur die allerbesten parlamentarischen For- m em geradegut genug" seien und sie es anders gar nicht täten.(Zwischenruf: Sie haben uns ja das letztemal Ohrfeigen angeboten!) Aber Zierhut habe sie eben verleumdet. Dann erhält der Kommunist Köhler eine Rüge, weil er die SdP-Leute Verbrecher ünd Lumpen geheißen hat. Köhler verteidigt sich ebenso wie vor dem JmmunitätsauSschuß(wir haben seinerzeit darüber ausführlich berichtet!) damit, daß er nicht generell den Klub, sondern nur den Abgeordneten H o l l u b e genannt habe, der wegen Diebstahl im Jahre 1922 in Dortmund vier Monate abgesessen habe. Darauf erhebt sich ein T u m u l t. Genosse Katz ruft laut: Das ist die Partei der reinen Händel Andere Stimmen stellen fest: Ein Dieb sitzt in unseren Reihen! Herr Dr. Neuwirth wirft sich in sehr ungeschickter Weise als ex offo-Verteidiger Hollu- bes auf, indem er erklärt, daß es zu den primitivsten Grundsätzen des Strafrechtes gehöre, keinem Menschen eine verbüßte Sttafe vorzuhalten. Darauf erhebt sich ein neuer Tumult: Also er gibt es z«! Unerhört! Hier sitzen Diebe! In Verkennung der Situation wird Dr. Neuwirth erst recht aggressiv und geht zu offenen Drohungen über: Sie wären in der Lage, sich persönlich gegen persönliche Angriffe zu schützen! Diese Herausforderung wird mit neuen stürmischen Protesten auf den Bänken der Linken beantwortet, in denen weitere Redensarten von der f e h l e n d e n K i n d e r st u b e, die Herr Dr. Neuwirth ganz irrig auf die andern bezieht, zum größten Teil untergehen. Als Neuwirth abtritt, werden stürmische Rufe nach Holluhe laut, der es aber anscheinend vorgezogen hat zu Hause zu bleiben. Nach der Absttmmung über die Rüge ruft ein Kommunist: Köhler ist gerügt, der H o l l u b e aber gerichtet! In der nächsten Sitzung, die für Donnerstag, den 14. November, 3 Uhr nachmittags an-, beraumt, spätestens aber einen Tag später wird das Budget für 1936 vorgelegt und vom Finanzminister mit dem üblichen Expose eingeleitet werden. Seite 2 Samstag, 9. November 1935 Nr. 2S1 Henleinpartei selber die.Anzeige gegen zwei deutsche Spione erstattet habe. Mama, was ist ein Leutnant? Peters wird nächstens seinen Ascher Brotgeber fragen: Herr Führer, was ist Demagogie? Was ist Denunziantentum? Noch ein ganz fanatischer Demokrat ist vorzustellen: Herr Dr. Ernst Kundt, Leiter des Deutschpolitischen Arbeitsamtes. Heftig entrüstete er sich als Zwischenrufer, daß die österreichischen Arbeiter schlechte Demokraten waren, weil sie— man erblasse— am 12. Feber mit Maschinengewehren geschossen haben. Die Kanonen des Dollfuß gefielen ihm bedeutend besser, denn dagegen-hat besagter Kundt nichts einzuwenden. Er scheint ein Anhänger Ghandis zu sein und als Abwehr gegen Staatsstreich und Verfassungsbruch den Arbeitern nur Fasten und Beten zu erlauben. Herr Kundt mußte sich ziemlich deutlich von unseren Genossen sagen lassen, daß ihn seineZwischen- rufe zum Dollfußknecht stempeln. Und er steckte es ein. Dabei gab es eine nette Entschleierungsszene. Auf den Zuruf: So spricht der Leiter des überparteilichen Arbeitsamtes." machte Herr Kundt das Geständnis: „Das Arbeitsamt ist ja gar nicht überparteilich. Es heißt ja: Deutsch politisches Arbeitsamt." Aus berufenem Munde eine nicht uninteressante Bestätigung eines wohlbekannten Tatbestandes. Wir kennen Herrn Dr. Kundt allerdings noch aus einer Zeit, wo er besonderes Gewicht auf eine Zusammenarbeit mit den Sozialdemokraten legte. Das war vor dem 12. Februar 1933, dessen Helden ausgerechnet ein Herr Dr. Kundt aus Prag zu zensurieren sich erdreistet. Nächstens wird die Henlein-Fraktion im Prager Parlament mit Vollbärten antreten. Während sie sich bisher mit ihrer Jugendlichkeit brüstete, scheint sie nun auf ihr frühgealtertes politisches Profil zu pochen. Im Wortgefecht rief der Abgeordnete W o l l n e r dem Genossen H e e g e r zu: „Regen Sie sich nicht auf. Sie junger Kerl." Dabei ist Woiiuer netto zwanzig Jahre jünger als unser Heeger. Diese Anrempelung kam selbst den SdP.-Einpeitschern zu blöd vor. Die Herrn Kameraden wurden aus der Kampfzone herausgezogen und in die Bänke kommandiert, wie— mit Verlaub Hohes Presseamt— ABC-Schützen. Genosse Heeger wurde wegen des jugendlichen Eindrucks, den er im parlamentarischen Nahkampf auch bei seinen Gegnern erweckte, von vielen Seiten beglückwünscht. • Wem der Herr aus Asch ein-„Rechtsamt" gibt, dem traut er gewiß auch nicht eine bescheidene Stirn zu. Inhaber besagten Amtes, Abgeordneter und Spionen-Verteidiger Dr. N e u- wirt h, hatte Freitag keine leichte Nuß zu knak- ken. Er mußte vor dem versmnmelten Forum der Gesetzgeber als Anwalt des Abgeordneten Holub e auftreten, dessen kriminelle Vergangenheit von dem kommunistischen Abgeirdneten Köhler in schneidiger Attacke aufgerollt wurde. Dr. Neuwirth konnte nicht bestreiten» daß Klub- Kamerad Holube in Dortmund wegen Diebstahls verurteilt worden ist. Er berief sich— und hier verwechselte er das Haus mit dem Gerichtssaal— darauf, daß man einem abgestrafteü Dieb seine Vorstrafen nicht vorwerfen dürfe. Wer übrigens das geheiligte Recht der Henlein-Fraktion, in ihren Reihen kriminelle Elemente zu dulden, weiter streitig machen wollte, wurde von Dr. Neuwirth in seine Rede mit Selbsthilfe, also mit dem Faustrecht bedroht. Vorher hatte dieser vielseitige Herr aber verkündet, die besten parlamentarischen Sitten seien für die SdP. gerade gut genug. Zur Abrundung des Bildes wäre noch hin- zuzufügen, daß der Klubvorsitzende der Henlein- leute, Frank I, in einer der ersten Sitzungen seinen Gegner Ohrfeigen angeboten hat. Für diesen Herrn war ein solches Benehmen noch gut genug. Die Freitag-Ausgabe der„Zeit" schreit ihren Lesern ins Gesicht:„SdPgreift Paris. Seit der Eroberung Aduas meidet die italienische Heeresleitung einen zweiten größeren Erfolg. Zm Vordringen an der Nordfront wurde Freitag früh die Stadt M a k a l e in der Provinz Tigris kampflos besetzt. Die Abessinier hatte« sich, entsprechend der Ankündigung, daß sie um Makale keine Schlacht aufnehme« werden, zurückgezogen. Rach der Besetzung wurde der AeberlLufer RasGugsa zum Gouverneur der Stadt ernannt. Er und seine Anhänger wurden angeblich von der Bevölkerung begeistert begrüßt. Gleichzeitig mit der Eroberung Makales besetzten die Truppen des Generals Santini die zehn Meilen östlich von Makale gelegene Stadt Dolo. Vor neuen Schwierigkeiten „Echo de Paris" bemerkt, daß bereits jetzt die militärischen Operationen auf ein Terrain von 2000 bis 2500 Metern Seehöhe vor sich gehen und daß die Italiener immer mehr mit Terrainschwierigkeiten zu kämpfen haben. Die Abessinier benützten diese Schwierigkeiten zur Verschärfung ihres Systems des Kleinkrieges. «» Meldungen zufolge, die aus A d m a r a eingetroffen sind, haben italienische Militärab- teilungen, die die eritreische Grenze entlang des Flusses S e t i t a bewachen» diesen Fluß überschritten und gehen in der Richtung nach Süden vor. Der rechte Flügel der italienischen Armee hat den Bormarsch in der Provinz Amhara in der Richtung auf den Tanasee ausgenommen. Eroberung Gorahais Auch die Stadt G o r a h a i, die als Schlüssel der Verteidigungsstellung der Abessinier in der ganzen Provinz Ogaden angesehen wird, ist von italienischen Truppen eingenommen worden. B en es an". Mit rauher Faust etwa? Nein, aber immerhin in der Debatte, was dem Hen- leinjüngling wohl als große Heldentat dünken mag. In den Kampfpausen der letzten Parlamentstage sah man jedoch die Herrn Dr. Peters und Dr. Neuwirth eifrig uni den tschechischnationalsozialistischen Abgeordnten Dr. Stran- s k h bemüht, von dem bekannt ist,"daß er Dr. Benes nahe steht. Im Schweiße ihres Angesichts waren die beiden Neo-Femokraten wieder einmal-bestrebt, dem Abg. Stransky einzureden, daß die Heuleinpartei nur gegründet wurde, um alle Loyalitäts-Rekorde zwischen dem Nord- und Südpol zu brechen. Und Dr. Stransky machte dazu ein skeptisches Gesicht. Das Gesicht der Henlein-Wähler wird aber noch ganz anders ausschauen,, wenn sie einmal das Doppelspiel ihrer Führer erkannt haben. Die abessinische Armee verlor an der Südfront einen ihrer besten höheren Offiziere, len Kommandanten der Garnison in Daggabur in der Provinz Ogaden und ehemaligen Kommandanten in Gorahai G e r a z m a t sch A f e- werk, der den bei einem heftigen Bombardement Daggaburs durch schwere italienische Flugzeuge erlittenen Verletzungen erlag. Die Italiener warfen auf Daggabur über 1000 große Bomben ab, durch die viele Personen getötet und zahlreiche Häuser vernichtet wurden. Abessinischer Vorstoß an der Osadenfront? Harrar. Laut Nachrichten, welche hier eintrafen, deuten die an drei Stellen vorgenom- menen großen Konzentrationen der abessinischen Truppen darauf hin, daß in Ogaden bald eine abessinische Offensive einsetzen werde, obwohl m abessinischen Militärkreisen das Gegenteil behauptet wird. Entlang des Dschuba-Flusses rücken 40.000 Abessinier in Richtung Dolo vor. Eine andere Armee strebt in Eilmärschen nach Ogaden und eine dritte Armee in Stärke von 30.000 Mann wird bei'Diredaua zusammengezogen. 200.000 Mann Kerntruppen Hamburg. Mit dem Dampfer„Usambara" der Woermann-Linie ist auch einer der schwedischen Ausbildungsoffiziere, Oberleutnant N Y b- I o'm," nach Europa zurückgekehrt. Ryblom schätzt die Zahl der nach europäischen Richtlinien ausgebildeten abessinischen Soldaten auf 150.000 bis 200.000 Mann. Besonderer Nachdruck werde der Ausbildung der Garde gewidmet. Ihre Stärke habe vor dem Kriege etwa 5000 Mann betragen. Jetzt sei sie ganz bedeutend vergrößert worden. Die kaiserliche Garde, die nach europäischen Gesichtspunkten durchaus als wertvolle Truppe anzusprechen sei, sei bis jetzt noch nicht in den Kampf eingesetzt worden. Die Erfahrungen bei der Ausbildung der Truppen seien recht gut gewesen. Die Abessinier seien sehr intelligent und stellten sich in denkbar kürzester Zeit von ihren Donnerbüchsen auf die modernen Schußwaffen um. Sicherheit der Bevölkerung ein Objekt politischer Geschäfte? Durch eine Veröffentlichung des„Prävo, Lidu" wird zur rechten Zeit die Oeffentlichleit auf ein Projekt aufmerksam gemacht, welches die Erzeugung von Gasmasken— ein Unterneh-' men, welches für Hunderttausende im wahrste« Sinne des Wortes von lebenswichtiger Bedeutung ist— zu einem gewinnbringenden Geschäft für einige Personen mit guten politischen Verbindungen machen will. In dem ermähnten Artikel wurde vorerst nur auf die Tatsache hingewiesen, daß in diesen Tagen eine Gesellschaft gegründet werden soll, der zwar nur ein geringes Kapital zur Verfügung steht, deren Gesellschafter und Leiter es aber bereits verstanden haben, durch ihre nahe Zugehörigkeit zu führenden Menschen große Aufträge und noch größere Gewinne sicherzustellen. Die Stribrnh« Presse hat diese Mitteilungen dann noch ergänzt. Es handelt sich um die Aktiengesellschaft Fatra in Napajedl, welche eben ins Handelsregister mit einem Aktienkapital von einer Million XL(tausend Aktien zu 1000 XL) eingetragen wurde und die einen größeren Teil der Gasmasken liefern würde als auf alle-anderen bestehenden Firmen zusammen entfällt. Dem Vorstand der Gesellschaft gehören an: Dr. M i L u r a(ein früherer Minister, Präsident des Obergerichtes in Bratislava), Dr. Paul Bücher, Advokat in Prag, Karl Svoboda(Oberdirektor der Agrarbank in Prag), Dr. Karl Stränskh,(Advokat in Prag- Schwiegersohn des Kammerpräsidenten), Dr. Karl E n g l i s(der Sohn des ehemaligen Finanzministers und jetzigen Gouverneurs der Nationalbank). Diese unter Ausschluß der Oeffentlichkeft vorbereiteten und betriebenen Plän§ verdienen um so mehr eine gründliche Kritik und Kontrolle, als von fachmännischer und unvoreingenommener Seite gegen das Unternehmen die größten Bedenken geltend gemacht werden. Das Ministerium für nationale Verteidigung hat nach den ersten Veröffentlichungen ein Kommunique herausgegeben, in welchem vor allem erklärt wird, daß die Erteilung derartiger Aufträge aus Gründen der militärischen Sicherheit nicht öffentlich erfolgen könne und daß das Ministr* rium auch auf Kritiken und Warnungen nicht M der Oeffentlichkeit, sondern nur vor den zuständigen parlamentarischen:Stellen!' eingehen dürfe- wo der Minister für nationale Verteidigung öffentlich oder vertraulich Aufklärungen gebe» würde. Das„Prävo Lidu" stellt dazu in der Freitagnummer fest, daß der Zweck seiner Veröffentlichung darin bestand, an die zuständigen Stellen zu appellieren, soweit sie vertrauliche Warnungen nicht beachteten und in den Vorbereitungen zur Bildung dieser politischen Gesellschaft fortfuhren. Die Angelegenheit wird die nächste Sitzung des Wehrausschuffes des Abgeordnetenhauses beschäftigen. Italiener besetzen Makale und Gorahai 8 Der Lakai Verbekhoven Von Max Hochdorf „Nun denn, so schlag ich Ihnen vor, daß Sie sich hier sofort an meinen Tisch setzen und aufschreiben, bis in die kleinste Einzelheit, wie Sie sich die Sache denken. Wissen Sie, das ist besser, als wenn man nur so redet. Man muß astes schwarz auf weiß haben, gewissermaßen wie in einem Feldzugsplan. Meinen Sie das nicht auch? Ich gebe Ihnen eine Stunde Zeit. So lange zieh ich mich zurück, und wenn ich wieder komme Nun aber schleunigst an die Ar beit, mein Lieber, jede Minute Aufschub wäre ein Verbrechen." Der König schob den Lakaien zu seinem Schreibtisch. Er zwang ihn zum Niedersetzen. Verbekhove 1 gehorchte. IV. Die Stadt der Verrückten war eine Ortschaft, in der seit Menschengedenken die seltsaniste und heilsamste Menschenliebe gepflegt wurde. Vov grauen Jahrhunderten, so ging die Legende» floh ein adeliges Mädchen vor der Verfolgung eines wahnsinnig Verliebten. Sterbensmüd und verzweifelt, rettete sie sich zu einer Marienkäpelle an der Landstraße. Dort.warf sie sich vor der Jungfrau in die Knie, flehend, sie vor dem Ansturm des Mannes zmretten. Sie wurde erhört. Sie baute der himmlischen Mutter eine Dankkapelle, dazu Hütten in der Umgebung, in der sie bis zu ihrem seligen Ende alles Volk pflegte, das gemütskrank war. Zu der fürstlichen Irrenwärterin gesellten sich andere von gleicher Frömmigkeit und Geschicklichkeit, erfahren in der Kunst, kranke Seelen davor zu bewahren, daß sie in der Welt der Gesunden Schaden anrichteten. Seitdem vermehrte sich die Menge der treuen Menschenfreunde. Ganze Familien, schlichte Leute, Handwerker und Bauern, widmeten sich dem Dienst an den Wahnsinnigen. Die Kinder, die sie zeugten, wurden von Geschlecht zu Geschlecht in der nämlichen Wissenschaft und Kunst erzogen. Die kleine Siedlung wuchs zur Stadt der Wahnsinnigen. Von weit her wurden die Kranken dorthin gebracht. Sie lebten unter den Gesunden, als befänden sie sich nicht in einem vergitterten Siechenhaus, sondern in einem fried- lichen Bürgerheim.'Und.so war es auch. Sie aßen am Familientisch, zu Sauberkeit und Fleiß wurden sie angehalten. War in ihnen noch ein Körnchen Gesundheit, dann gedieh es unter der sorgsamen Pflege. Die» deren Geist nicht zur vollkommenen Zerstörung verurteilt war: gewannen die Selbstbeherrschung zurück. Selbst die offenbar Rettungslosen rafften sich noch eine Weile auf, weil sie getrieben vom unverwüstlichen Instinkt zum Guten, gleich gelehrigen Tieren, die Ordnung ihrer aufopfernden Wärter nachäfften. Im Hause des Zigarrenarbeiters Gooffens hatte der Lakai Verbekhoven Unterkunft gefunden. Er verriet nichts voU seinen Plänen. Was in seinem Inneren vorging, kein Sterbenswörtchen sollte davon über seine Lippen kommen. Er fühlte sich betrogen und genarrt. Sogar von seinem König. Und erst recht von seinem ganzen Volk.„So muß ich eben vollführen, was meine Sendung ist, aus eigener Kraft." Das sagte er sich. Aber er wüßte, daß sein Tag kommen würde. Er war gewiß, der Kaiser würde ihm nicht entschlüpfen, und er würde ihn treffen, so wie er es sich vorgenommen hatte. In einem Buch hatte er gelesen, daß der große Eroberer und Volksheld Oliver Cromwell niemals ein Ragout oder eine Pastete aß, um nicht durch verstecktes Gift getötet zu werden. Seitdem fürchtete Verbekhoven sich, daß ihm der König und das Volk mit ihm im Komplott durch Gift umbringen und so hindern würden, sein großes Werk zu vollenden. Seitdem hielt Verbeihoven stets Wacht, sobald Frau Gooffens bas Brot zu backen begann und Fleisch und Salat zu waschen. Da er sich still und ohne Aufsässigkeit benahm, die Wirtin lobte, sich sogar nützlich machte durch Kartoffelschälen und Rübenschaben, ließ man ihn in der Küche. So brachte Verbekhoven Spätwinter und Frühling hin. Er ging mit seiner Hausfamilie auf den Acher. Die Hausmutter türmte über seinem mächtigen Leib das hohe Federbett.„Bist Du zufrieden, Verbekhoven?" fragte sie ihn, wie man einen lieben Sohn befragt, der von einer weiten Reise heimgekehrt ist unb lange Ruhe und eine weiche Matratze braucht. „Danke, kleine Mutter," antwortete Verbekhoven, „es ist alles so hübsch hier, ich habe meiner Mathilde geschrieben, daß Ihr lauter Engel seid." Dann zog er die Uhr auf, die er auch zur Nacht um den Hals hängte, die goldene Uhr an der Haarkette, die war aus Haaren seiner Frau geflochten. Von zierlichen Goldschlangen wurde das Geflecht zusammengehalten. Das Berloque war ein in Silber gefaßter Zahn seines Sohnes Leopold. Selbst wenn es dunkel in dem Zimmer war, konnte Verbekhoven die Uhrzeiger ablesen. Er tat es oft in der Nacht, weil er doch nachsehen mußte, daß seine Tage weiter gingen, und daß niemand ihn daran hinderte, vorwärts zu denken, bis zu -er Stunde, da er den Kaiser zu treffen gedachte. „O, Du schlaue Frau Gooffens, dachte er,„Du bist auch im Komplott mit dem König. Aber ich bin schlauer als Du, Du hast gar nicht gemerkt, daß ich das Rattengift, das Du mir sicher in die. Meerrejtigsauce streuen wolltest, heimlich auf den Düngerhaufen geschüttet habe." Aber er sprach seine Entdeckung nicht laut aus, weil er schon längst herausgebracht hatte, wie leise Frau Gooffens schlief, wie sie beide Ohren durch die offene Tür selbst dann nach ihm spitzte, wenn sie tief schnarchte. In der Zeitung las Verbekhoven eine Nachricht, die ihn gewaltig aufregte. Der junge König hatte in seiner Hauptstadt eine Weltausstellung aufgebaut. Alle Völler der Erde hatten sich daran beteiligt und besonders das Volk des Kaisers. Es hatte eine ganze Stadt errichtet, ein Reich des Reichtums und des Glanzes, der Macht und der Schönheit, Maschinenhallen, in denen gezeigt wurde, was alles an Großem und Welteroberndem das Kaiserreich zu schaffen fähig war, an Musik und Malerei, an Spielzeugen, aber auch an Waffen und a« Transportmitteln. Im Hochsommer flammte die ganze Ausstellung auf. Das Kostbarste der Schauparade wurde zerstört. Aber ein Wunder geschah. An der Front des Palastes der Nationen hatte das Feuer vor der Fahne des Kaisers halt gemacht. Verkohlt waren alle übrigen Tücher der Hoheit, und in der Brise, die über die rauchenden Trümmer wehte, flatterte lustig allein das kaiserlicht Banner. Als Verbekhoven das las, konnte er nicht begreifen, daß Gott allein mit dem Kaiser gewesen war. Er folgerte daraus nur, daß er allein gegen den Kaiser sein müßte, um sein armes Volk zu retten. Aus Gram darüber, daß er den Kaiser nicht sofort treffen konnte, verfiel er in eine Gliederstarrheit, die ihn am ganze» Leib lähmte. Er verfluchte seinen Gott. Wollte er aufstehen, dann fiel er sofort wieder steif und starr auf das Bett zurück. Dottor Mattheus, der ihn besuchte, schüttelte mit dem Kopf. Er fühlte ihm den Puls.. Er horchte ihm die Brust ab. Verbekhoven wellte sichtlich dahin. Doch er war artig und fügsam. Er dankte für jede Freundlichkeit, die ihm angetan wurde. Nichts verlangte er als Zeitungen. Da niemand imstande war, in das Innerste seines Inneren hineinzuhorchen, so merkte niemand, wie Verbekhoven sich verstellte. Auf dem Bett des Kranken häuften sich Berge bedruckter Blätter. Er stöberte darin unermüdlich, bis er im Spätsommer las, daß der Kaiser selbst nach der Haupfftadt seines Königs kommen würde, um vor der ganzen Welt zu bezeugen, daß er der Mächtigste auf Erden wäre.(Fortsetzung folgt.) Nr. 281 TamStag, 8. November 1935 Sette 3 kundkuniovahlreden in England London. Mit der Rundfunkrede, die Premierminister Baldwin Freitag abends hielt, wird die Reihe der Wahlkundgebungen im Rundfunk geschloffen. Diese Rundfunkkundgebungen insgesamt zwölf, waren durch ein Einvernehmen der Parteiführer folgendermaßen verteilt: Fünf für die nationale Regierung, vier für-die oppositionelle Arbeiterpartei und drei für die oppositionelle liberale Partei. Die Parteiführer einigten sich auch darüber, die Rundfunkkundgebungen schon jetzt zu beenden, da sie anerkannten, daß es nicht gut wäre, wenn eine der um das Vertrauen der Wählerschaft kämpfenden Parteien knapp vor dem Wahltag, d. i. dem 14. November, das letzte Wort hätte. Interessant ist auch die Frage, welche Wirkung diese Wahlkundgebungen im Rundfunk auf die in politischen Versammlungen versammelte Bürgerschaft haben. Viele behaupten, daß die Wähler lieber die Rundfunk- Wahlkundgebmigen in der Bequemlichkeit ihres Haushaltes anhören und deshalb politische Versammlungen meiden. Deshalb wartet man mit großem Jntcreffe ab, ob in der nächsten Woche, wenn die Wahlreden im Rundfunk verstummt sein werden, die Beteiligung an den politischen Versammlungen größer sein wird als bisher. so sagen alle nn* Redrt.DennobLeiö- wSsdieJisdiwasAe oder Bettwäsche, Handtücher oder Taschentücher 15 Minuten in einer > Radion-tösung i Aen, und die \ sdie ist schon sau \ her und wirk lieh keimt** 1 „Eine unentbehrliche Waschhilfe fudetendeutsdier Zeitsme&et Das Spionage-Netz im Grenzgebiet Anna Dienet und acht Mitangeklagte vor Gericht Prag. Am letzten Mamstag veröffentlichte' die Prager Polizeikorrespondenz den abschließenden Bericht über einen umfangreichen Komplex von Spionageaffären, die durchwegs im Zeichen des Hakenkreuzes standen und deren Fäden in verschiedenen Zentralen des braunen Spionagenetzes Hitlerdeutschlands zusammenlaufen. Der Polizeibericht wurde aus guten Gründen erst dann ausgegeben, als die Untersuchung bereits abgeschloffen war und keine Gefahr mehr bestand,' daß Komplizen durch vorzeitige Publizierung des behördlichen Zugriffes gewarnt werden könnten. Diese Vorsichtsmaßregel wäre beinahe durch reichsdeutsche Sender durchkreuzt worden, die bereits ein e Stunde(!) nach Verhaftung einer der Hauptpersonen Berichte sendeten, die den Beteiligten zur Warnung dienen konnten. Der knappe Bericht der Polizei stellte fest, 4aß mehrere Spionagezentren aufgcdeckt und insgesamt 28 Personen in Haft genommen wurden, von denen 26 sich vor Gericht zu verantworten haben werden. Der Polizeibericht stellte weiter fest, daß die Mehrzahl der Verhafteten der Sudetendeutschen Partei des Herrn Henlein angehörte. Begreiflicherweise begegnet daher auch der Freitag vor dem Prager Strafkreisgericht eröffnete Prozeß gegen die erste Guppe der 26 Beschul- digren stärkstem Interesse. Bor demStrafsenat des OGR. Dr. P a z d e r s k h stehen neun Ange k l a g t e, die der Militärspionage nach 8 6 des Schutzgesetzes angetlagt sind. Die Anklage vertritt Staatsanwalt Dr. Easlavskh. Die Dauer des Prozesses wird auf mindestens zwölf Tage veranschlagt, doch ist nicht ausgeschlossen, daß die Verhandlung weit länger 'dauern wird. ' Das Verbrechen des Militärverrates, dessen Tatbestand sehr weit gefaßt ist, ist nach 8 6 des Schutzgesetzes mit einer Strafe von drei bis fünf Jahren, in besonders schwerwiegenden Fällen von fünf bis zwanzig Jahren und unter Umständen sogar mit lebenslänglichem schweren Kerker bedroht. Auch der bloße Versuch unterliegt grundsätzlich der gleichen Strafe. Eine Kran und acht Manner spielen aber die acht Angeklagten gegenüber der Spionageleiterin Anna Dienel eine mehr oder minder passive Rolle. In die Verteidigung teilen sich mehrere Anwälte. Die Hanptangeklagtr vertritt Dr. Lösch, der ständige Vertreter der deutschen Gesandtschaft. Der SdP.-Abgeordnete Dr. Nenwirth(der sich Freitag aber vertreten ließ) verteidigt den Rudolf Semsch. Die Verteidigung liegt indessen keineswegs bloß in den Händen deutscher Anwälte, denn die Angeklagten Tebenszki und Bauer verteidigt der Weinberger Bürgermeister, Advokat Dr. Pa- vlik, Funktionär und Repräsentant der ultranationalen„Rärodni Sjednoceni"(KramLt-Stki- brnh) in der Gemeindevertretung. Dieses Faktum hat in der Prager Oeffentlich- keit größte Aeachtung geftmdM, und wird t natürlich sehr lebhaft und sehr eingehend kommentiert. ** Da die Verhandlung noch vor Verlesung der Anklageschrift für geheim erklärt wurde, können wir über den Inhalt nicht berichten und bloß rekapitulieren, was bisher über diese Affäre bekannt geworden ist.- Anna Dienel und ihr„Onkel Jörg" Di« Erstangeklagte und Hauptperson dieses Prozesses, die 25jährige Anna Dienel(Typus: gutangezogene Sportfrau) war bis 1931 als Kontoristin in Prag angestellt. In diesem Jahr verzog sie in ihre Heimat Eger und lebte seither ohne eigentlichen Beruf. Man munkelte, daß sie einen vermögenden Freund habe, denn sie ließ sich nichts abgehen. Namentlich in dm letzten zwei Jahren unternahm sie so häufig Reisen nach Deutschland, daß sie den Behörden schließlich verdächtig wurde. Sie wurde unter Beobachtung gestellt und der Verdacht gegen sie erwies sich als wohl begründet. Am 27. Feber d. I. wurde sie beim Verlassen des Kasinos auf dem Graben verhaftet und gestand ohne weiteres ein, im Dienste Hitlerdeutschlands Spionage betrieben zu haben. 1934 lernte sie in Waldsassen einen Reichswehroffizier Mayer kennen, der ihr das Angebot machte, sich im Dienste der Militärspionage zu betätigen und zu diesem Zweck direkt oder durch geeignete'Mittelsmänner mit Militärkreisen Fühlung zu nehmen. Er überreichte ihr zu diesem Zweck einen äußerst detailliertenFrage- bogen über die verschiedensten militärischen Probleme. Anna Dienel übernahm die Aufgabe Und ging los. Mit Geld wurde sie natürlich reichlich versehen. Aus den getätigten Anbahnungen resultieren die An-! klagepunkte gegen die übrigen acht Angeklagten. Einer unter ihnen nimmt allerdings eine besondere Stellung ein, nämlich der pensionierte 67 j ä h- rige Bahninspektor Tebeszki. Dieser hatte die blonde junge Dame im Eisenbahnzug kennm gelernt und etablierte sich als ihr„O n- k e l", nachdem sie ihm erzählt hatte, sie babe sich eben von einem gewissen bösen Onkel Fritz losgesagt. Der alte Herr fuhr also mit ihr seither auf Ausflüge und machte auch allerhand verfänglicheTou- ren über die Grenze mit. Ob sich der gute Onkel wirklich immer nur als solcher benommen hat(es sind zahlreichegemeinfameUebernach- t u n g e n nachgewiesen), ist für diese Sache belanglos. Hier interessiett sich der Staatsanwalt für gewisse Hilfsdienste bei der Spionagetätigkeit der An- geklatztest,-über die erst hie Verhandlung Klarheit 'schaffen' wird—' allerdings unter Ausschluß"der Oeffentlichkeit. Anna Dienel stand in direkter Verbindung mit verschiedenen Nachrichtenoffizieren und sonstigen Chargen des Spionagedienstes und dieser Verkehr soll allerdings Höch st intime Beziehungen mit sich gebracht haben. Sicher ist, daß sie u. a. mit dem Dresdner Nachrichtenabteilungsleiter H o l m in dienstlichen und zärtlichen Beziehungen stand und mit dem Funktionär der„Gestapo" Richter in Waldsassen engste Fühlung hielt. Als Hauptinformator scheint der Angeklagte Rudolf Semsch gedient zu haben, ein Jugendfreund, der ihr verschiedene Informationen übersandte, die er vorsichtigerweise mit der Unterschrift versah:„D e i n e K a t h i". Der Angeklagte W o ll- r a b ist ihr Vetter. Und was die übrigen Mitangeklagten betrifft, so wurde jeder von ihnen nach Möglichkeit angegangen, sein Scherflein zu derSpionage- aktion beizuttagen— mit größerem oder geringerem Erfolg. Daß S,e m s ch Und F i s ch e r auf eigene Faust für die Spionagezenttale des Dritten Reiches arbeiteten, haben wir bereits erwähnt. Ueber den Prozeß selbst wird bis zur Urteilsfällung kaum mehr etwas zu berichten sein, denn die Türen des Verhandlungssaales sind hermetisch verschlossen. PH. vor Abschluß der Tragödie von Ober-Adersbach . Die aktive Hauptperson der Anklage ist die 25- jährige Anna Dienel, die sich nach eigenem Eingeständnis als rührige Agentin des braunen Spionagedienstes betättgt hat. Weiter sind nach 8 6 des Schutzgesetzes angeklagt: der 67jährige pensionierte Inspektor der ehemaligen Bustihrader Eisenbahn, Georg Tebenszki, aus Eger; der 29jährige Student der Philosophie Rudolf Semsch; der 24jährige Student der Brauhochschule in Freising Franz Wollrab aus T e p l; dessen gleichaltriger Kollege Ernst Bauer aus Z i^a i m; der 24jährige Beamte Friedrich RiPPel aus Karlsbad; der 30jährige Architekt Fritz Klee, ö st e r r eich i s ch e r Staatsangehöriger, der wegen nazistischer Umtriebe flüchten mußte und der 26jährige Jng. Walter Fischer. Rur weg^n Unterlassung der Anzeige ihm vekanntgewordener staatsfeindlicher Anschläge(8 12 Schutzgesetz) ist ängeklagt der 33jährige Dr. Alexander Michalek, der als einziger auf fteiem Fuß belaffen wurde. Von diesen acht Männern, mit denen die Dienel zu Spionagezwecken Fühlung nahm oder zu nehmen suchte, waren, wie verlautet, Rudolf Semsch und Jng. Walter Fischer anßerdem noch auf eigene Rechnung für den Spionagedienst des„Dritten Reiches" tätig. Jedenfalls Da die sechswöchentliche Entscheidungsfrist, die nach der Regierungsverordnung für Entscheidungen über dauernde Betriebsstillegungen am 2. November abgelaufen ist, tritt die Verfügung der Betriebsdirektion, den Betrieb einzu- st c l l e n, in Kraft. Tatsächlich hat auch die Ostböhmische Leinenindustrie A.-G. von Ober- Adersbach Donnerstag eine Verlautbarung an die Arbeiterschaft herausgcgcben, womit die früheren Arbeiter des Betriebes davon verständigt werden, daß der Betrieb dauernd eingestellt wird und die Auszahlung jener Beträge, welche den Arbeitern und Arbeiterinnen nach der Regierungsverordnung zustehen, in den nächsten Tagen erfolgt. In der Kundgebung wird weiters behauptet, daß es dem Unternehmen gelungen sein soll, eine größere Anzahl Arbeiter anderwärts unterzubringen. Jene Arbeiter, welche auf Unterbringung in einem auswärtigen Betriebe refleftieren, sollen dies melden. Die Firma hat auch allen Arbeitern die. Kündigung schriftlich zugestellt und sie gleichzeitig aufgefordert, die ihnen noch zukommenden Abfertigungen sich abzuholen. Tatsäch lich haben die Arbeiter nach den Bestimmungen der Regierungsverordnung Anspruch aus zwei Wochenlöhne, wenn sie bis zu fünf Jahren im Betriebe gewesen sind und für je weitere fl'mf Jahre für eine Woche mehr Lohn zu bekommen. Damit ist die Tragödie von Ober-Adersoach zunächst einmal abgeschlossen. Leider haben alle Bemühungen, die dauernde SttUegung des Betriebes zu verhindern, nicht zu dem gewünschten Erfolg geführt. Wohl hat sich über Wunsch der freien Gewerkschaften und der sozialdemokratischen Partei, die un- ausgesvtzt ihren Einfluß im Sinne der Wünsche der Arbeiterschaft auf Weiterführung geltend gemacht haben, das unter sozialdemokratischer Leitung stehende M i n i st e r i u m für soziale Fürsorge eindeutig für die Ablehnung des Ansuchens auf dauernde Sttllegung des Betriebes ausgesprochen. Das zu- I ständige Handelsministerium hat sich aber zu dieser Entscheidung nicht aufraffen können, so daß die sechswöchentliche Frist tatsächlich abgelaufen ist, ohne daß eine ministerielle Entscheidung getroffen werden konnte. Das böhmische Landes- budget Im Budgetausschuß genehmigt— Antrag Dr. Strauß auf Erhöhung der Jugendfürsorge-Subvention angenommen Freitag, den 8. November, trat der Budgetausschuß der böhmischen Landesvertretung zur Verhandlung des Landesvoranschlages für 1936 zusammen. Den Vorsitz führte der Landespräsident Dr. S o b o t k a, das Referat erstattete der Landesfinanzreferent Dr. K u b i st a. Das Budget weist auf der Einnahmenseite eine Gesamtsumme von 572,801.900 Xe, auf der Ausgabenseite von 572,727.300 Kö auf, so daß ein Ueberschuß von 74.000 XL resultiert. Allerdings betrifft dies nur die ordentliche Gebarung, während an außerordentlichen Ausgaben(zu Jn- vestitionszwecken) 44,400.000 XL vorgesehen sind, welche im Krcditwege beschafft werden müssen. Gegenüber dem Vorjahre ist die Summe der or- dentlichen Ausgaben um etwa 21 Millionen oder nicht ganz vier Prozent gestiegen. Als erster Redner'in der Debatte sprach Genosse Dr. Emil S t r a u ß, der seiner Zufriedenheit Ausdruck gab, daß das Budget sich im Gleichgewicht befindet, aber darauf hinwies, daß die Krise in den letzten Jahren das Land gezwungen hat, den Umfang der Landeswirtschaft einzuschränken, was angesichts der gestiegenen sozialen und kulturellen Aufgaben des Landes sehr unangenehm ins Gewicht fällt. Er verlangte daher in einem Anträge, daß wenigstens die Ziffern der außerordentlichen Ausgaben (Landcsinvestitionen) nicht auf dem Papier-bleiben, sondern, daß das Landesfinanzreferat alle Energie aufwende, damit die v o i5g e s e h e n e n Darlehen im Jahre 1936 ausgenommen werden und so Arbeit.geschaffen werde. In einem zweiten Antrag verlangte Genosse Dr. Strauß die Erhöhung derSub- ventionen der beiden Landeskommissionen für Kinder schütz und Jugendfürsorge, da die Wirkungen der Krise auf Kinder und Jugend die verheerendsten sind. Es sprachen dann noch eine Reihe von Rednern, darunter von deutscher Seite Dr. Ritter und Dr. Kislinger und der tschechische Genosse Marek. Nach dem Schlußwort des Landesfinanzreferenten Dr. Kubista wurden die beiden von Genossen Dr. Strauß ge st eilten Anträge angenommen und sodann das Budget genehmigt.— Die Landesvertretung wird zur Verhandlung des Budgets am 19. November zusammentreten. Vie not der Kleinlandwirte Im Erzgebirge —..—Einem Bericht aus der Geuleinde Bettlern, Bezirk Preßnitz, entnehmen wir: Tie heurige Dürke hat auch den Kleinbauern und Häuslern eine ungeheure Not gebracht. Der Befund der Elementarschädenkommission lautet: Futterbau 40 Prozent geschädigt, Wintergetrcide 60 Prozent, Sommerfrucht 75 bis 85, bei Kartoffeln sogar 90 Prozent. Es fehlen also die Lebensmittel für die Menschen und. das Futter für das Vieh. Die Äleinlandwirte dieses Notstandsgebietes beschweren sich auch darüber, daß das Getreidemonopol ihnen die Futtermittel verteuert. Es wäre vor allem Sache des Landeskulturrates und des Landwirtschaftsministeriums, diesem besonderen Notstand in den Grenzgebieten eine wirksame Abhilfe angedeihen zu lassen. Zivilisten zur Bewachung militärisch« Objekte. Im Parlament hat die Regierung einen Gesetzentwurf über die Bestellung von Zi v i'l w ä ch t e r n der M ilitä r ve rw altu n g.eingebracht. Zur Bewachung von militärischen Gebäuden kömien demnach dort, wo es der Charakter des Dienstes oder der eingelagerten Gegenstände erfordert, Zivilpersonen hrrangezogen werden, die in demselben Arbeitsverhältnis wie die übrig« zivile Arbeiterschaft der Militärverwaltung stehen. In Ausübung ihres Dienstes sind sie in, der gleichen Weise wie die öffentlichen Sicherheitsorgane strafverantwortlich und gemeßen auch denselben Schutz. Sie können unter denselben Bedingungen wie die Sicherheitsorgane Personen sicherstellen und anhalten. Der Gebrauch der Waffe wird genau begrenzt auf Fälle der Verteidigung gegen einen gewalttätigen Angriff und zur Verhinderung von Fluchtversuchen. In der Grenzzone, deren Ausdehnung die Regierungsverordnung bestimmt, finden schärfere Bestimmungen Anwendung. Die Zivilwächter sind vereidigt und haben im Dienst das Dienstabzeichen, die Waffe und die Kappe zu tragen.— Im Motivenbericht wird ausgeführt, daß zur Bewachung der Divisionsproviantlager usw., die Militärverwaltung bereits Zivilwächter verwendet, deren Arbeitsverhältnis durch einen Kollettivvertrag auf rein privatrechtlicher Grundlage geregelt ist.. Die Vorlage bezweckt vor allem, den gesetzlichen Schutz dieser Wächter und ihr Recht zum Waffengebrauch im Dienst befriedigend zu regeln. Die Kosten für diesen Wachdienst sind bereits in den Budgetkrediten(Löhne der Zivil- vertragsangestellten) enthalten. Derzeit sind 163 solche Zivilwächter angestellt, was jährlich einen Aufwand von rund 1,800.000 XL erfordert. Zeitspiegel Genosse Jacksch Auoschustvorsttzrndrr. Nach dem Plenum konstituirten sich der Ernährungs- und der Gesundheitsausschuß. Der erstere wählle den Genossen I a k f ch zum Vorsitzenden- der zweite die Genossin K i r p a l zur Vorsitzenden- Ktellyertreterin. Seite£ Samstag, 9. November 1935 Nr. 261 Der Mann im Hintergrund Sir Besil Zaharoff, König der Kanonen Deutsch-japanische Zusammenarbeit Seih einigen Tagen hänfen sich die Grenzübertretungen mandschurischer Banden auf Sowjet-Boden. Es wird immer deutlicher, daß die japanischen Imperialisten eine Kriegsatmosphäre im Fernen Osten vorbereiten. In dieser Arbeit gehen sie Hand in Hand mit den Imperialisten des Dritten Reiches. Neue Beweise für diese Behauptungen sind vorhanden. In Berlin finden jetzt Verhandlungen zwischen dem japanischen Militärattache und den führenden militärischen Kreisen des Dritten Reiches über ein Marineabkommen statt. Diese Verhandlungen werden in einer Konferenz fortgesetzt, die am 30. November und am 1. und 2, Dezember alle japanischen Militärattaches in Europa versammeln wird. In den politischen Kreisen Tokios schreibt man dieser Konferenz eine weit größere Bedeutung zu, als der letzten Konferenz der japanischen Botschafter in Europa. Und mit Recht. Die vorbereitete Vereinbarung soll alle Kriegsfälle vorsehen, in denen Japan und Deutschland sich beteiligen könnten, und dies auf dem Lande, zur See und in der Luft. Es kann sich dabei nur um einen Krieg gegen die Sowjet-Union handeln. Die Initiative der Verhandlungen scheint vom japanischen Militärattache auszugehen. Die deutschen Militärkreise sollen anfangs angesichts der Ungewißheit über die Stellung Polens, sich sehr reserviert dazu verhalten haben. Japan ist also, ohne von den Annektierungsaktionen in Nord-China abzulassen, bereit zu einem, im Bündnis mit Hitler durchs zuführenden, Ueberfall auf die Sowjet-Union. Daß die Zusammenarbeit beider Staaten sehr enge Formen annimmt, können wir noch aus folgendem ersehen. Nach Uokohama ist eine deutsche Mission entsandt worden. Sie wird vom ehemaligen Konsul in New Aork, Kip, geführt, der erklärt, daß die Hauptaufgabe der Mission die Untersuchung der wirtschaftlichen Verhältnisse zwischen Deutschland und den Ländern des Fernen Ostens ist.„Japan, sagt Kip, ist nicht nur das von Deutschland Verehrteste Land, sondern auch der beste Konsument deutscher Waren". Nach Simbun Rengo hat die Mission zum Ziel, die Reibungen, die im Zusammenhang mit dem deutschen Stahl- und Maschinendumping entstanden waren, zu beseitigen. Aus Japan soll die Mission nach Mandschu- kuo fahren, wo sie eine wirtschaftliche Zusammenarbeit herzustellen versuchen wird. Hiese Zusammenarbeit soll in einem Austausch deutscher Maschinen gegen mandschurisches Gußeisen und Soyabohnen bestehen. Deutschland beabsichtigt also an der Ausbeutung Mandschukuos teilzunehmen. Der deutsche Handelsattache in Mulden verhandelt schon jetzt mit der japanischen Elektrostahl-Gesellschast Tajka über die Ausbeutung der Eisenerzlager entlang der Mukden-Anjdun-Eisenbahn und in Njusin- hai. Die Tajka hofft vom deutschen Exportsyndikat eine 42-Mfllionen-Ven-Anleihe zu erhalten, um die Ausrüstung für neue Werke einzukaufen. Die Anleihe soll durch Lieferung von Metall und Soyabohnen getilgt werden. Die Kwantung-Armee, das Marineministerium und die Südmandschurische Eisenbahn versprechen sich vieles von der Realisierung dieses Planes. Es soll nächstens in Japan eine Gesellschaft für die Herstellung von Dieselmowren für Autos, Panzerwagen, Tanks und Flugzeuge, mit einem Kapital von sechs Millionen Den, gegründet werden. Es wird angenommen, daß die Gesellschaft mit besonderer Genehmigung von Hitler das Junkers-Patent für die Fabrikation der Dieselmowren erwerben wird. Die Bedeutung dieser Mitteilung ist von ungeheurer Tragweite. Deutschland ist das einzige kapitalistische Land, das Japan an die Ausbeutung von Mandschukuo heranläßt. I. Ules. Ein neuer japanischer Vasallenstaat? Tokio. Der Vorstand des Asiatischen Departements im japanischen Außenministerium Mor- morischima erklärte nach seiner Rückkehr von einer Inspektionsreise in China, daß der chinesische General S u n t s ch e a u a n die geeigneteste Persönlichkeit wäre, die in Nordchina die Regierung ergreifen könnte, wenn diese sich als selbständiger Staat erklären würde. Ein Schrittmacher Hitlers London. Hier starb Generalmajor Sir Francie Bingham im Alter von 72 Jahren. Er war der Urheber des Planes der Entwaffnung Deutschlands, den die interalliierte Kon- trollkommisjion nach Kriegsende durchführte. Zehnfache Brandstifterin aus religiösem Wahn Böhmisch-Krumau. Vor einigen Tagen verhaftete die Gendarmerie in der Gemeinde Groß- Uretschlag bei Krumau die 46jährige Landwirtsgattin Katharina Festl unter dem Verdachte der Brandlegung. Donnerstag hat die Festl ein Geständnis abgelegt. Es wurde ermittelt, daß die Frau in letzter Zeit aus religiösem Wahnsinn zehn Bauerngehöste in Brand gesteckt hatte. Die Verhaftete wird einer ärztlichen Untersuchung unterzogen werden, da sich bei ihr Anzeichen geistigerUmnachtung bemerkbar machen. Aus Neuhaus wird berichtet: Donnerstag früh brach in Lasenice bei.Straß nad Neßärkau wiederum ein Brand aus, und zwar in einem dem Jaroslav Vohäk gehörenden Strohschober. Das Feuer wurde jedoch bald durch den ausgiebigen Regen erstickt. Bemerkenswert erscheint, daß der Brand auf die gleiche Weise gelegt wurde, wie der am 1. November in Läsenice bei Fr. Beränek. Da dies bereits der dritte Brand im Laufe einer Woche ist, besteht die begründete Vermutung, daß ein Brandleger am Werke ist und die Bevölkerung hat Nacht- wa ch e n organisiert. Doppelmord in Zlabings Einbrecher erschlägt ein Ehepaar In Zlabings(Mähren) drang ein nicht festgestellter Einbrecher in das Haus des Kaufmannes I. Machacek ein, wo er bei der Suche nach Beute die beiden Eheleute aus dem Schlafe störte, auf die er dann in wildem Kampfe mit einem stählernen„Totschläger" einschlug. Gegen Machäcek gab er noch aus größter Nähe acht blinde Pistolenschüsse ab. Die Eheleute Ma- chacek blieben ernst verletzt in einer Blutlache bewußtlos liegen. Eine durch den Lärm geweckte Verwandte, die im ersten Stockwerk wohnt, fand die Wohnung von den Schüssen voll Rauch und rief deshalb die Feuerwehr herbei. Als später der Irrtum erkannt und festgestellt wurde, daß cs sich um einen Doppelmord handle, nahm die Gendarmerie mit der Jglauer Fahndungstation die Nachforschungen auf. Der Verbrecher ist spurlos verschwunden. Fünf Militärflieger tödlich verunglückt Paris. Donnerstag gegen Abend stürzte unweit Montpellier in Südwestfrankreich ein Militärflugzeug ab. Die fünsköpfige Besatzung kam hiebei ums.Leben. Die Ursache des Absturzes ist in dem herrschenden dichten Nebel zu suchen. Der mit einer Schnelligkeit von 3000 S t u n d e nkilometern fliegende Apparat bewegte sich in so geringer Höhe, daß er mit der Erde in Berührung kam und zertrümmert wurde. Befürchtungen«m den Flieger Smith Singapore. Es bestehen ernstliche Befürchtungen über das Schicksal des englischen Fliegers Kingsford Smith, der auf Grund seines Zeitprogramms hier bereits hätte eintreffen sollen und von dem seit seinem Staxt aus Akyaba in Bengalen überhaupt keine Nachrichten vorliegen. Singapore. Der australische Flieger Melrose, der in der gleichen Zeit wie Sir Charles Kingsford Smith die Rekordzeit für einen Soloflug von England nach Australien zurücklegen will, ist gestern in Singapore eingetroffen und erklärte, in der Bengalischen Bucht, ein Flugzeug auf dem Boden gesehen zu haben. Melrose glaubt, daß es sich um das Flugzeug des vermißten Smith handelt. Es wurde sofort eine Expedition ausgesandt, um nach diesem Flugzeug nachzuforschen. Ziehung der Klassenlotterie Unverbindlich. Prag. Bei der Freitag-Ziehung der Klassenlotterie wurden nachfolgende Gewinne gezogen: 1,000.000 K<5 das Los Nr. 108838. 30.000 K« das Los Nr. 56680. 20.000 K« das Los Nr. 42260. 10.000 Kß die Lose Nr. 94570 82424 79634 25157 83808. 5000 Hd die Lose Nr. 45815 5660 88629 24585 7335 74150 4893 33532 97507 6243 45856 6494 10464 76817 57760 55698 5239 73985. 2000 Kö die Lose Nr. 37566 15594 12281 1173 21415 53348 22490 108121 42384 49562 71160 44933 96848 30093 90270 78928 65575 56810 66116 68929 74525 848 43043 28465 70742 29945 7646 42134 76244 34189 60865 108077 69198 25398 98905 108192 94828 69259 87540 28514 51526 34841 43170 13768 53211 51711 569 44201 95018 48151 30678 31967 104081 56234 83131 62912 52255 48048 47380 103752 86348 82499 38267 19871 95743 35061 87999 88077 397 98371 12224 63598 54000 76351. Seehund mit Bombe Buenos Aires. In der Nähe des Hafens wurde ein Seehund gefangen, in dessen Eingewei- den man eine Bombe fand. Die Fischer verlangen nun eine Belohnung, die von der Regierung für die Auffindung von Waffen und Material terroristischer Organisationen ausgesetzt wurde. Wie lauge noch? Der„Volkswille" macht auf die Nummer 45 der„F u n k. W o ch e" vom 3. November, aufmerksam, in der die u n- verschämteHitlerpropaganda dieser in der Tschechoslowakischen Republik gestatteten reichsdeutschen Zeitschrift einen Höhe- punkt erreichte. Auf zwei vollen Seiten, bringt die„Funk-Woche" Abbildungen von dem Marsch zur Feldherrnhalle mit der Blutfahne voran, von dem Ehrenmal, von den großen, pompösen Bauten, die, in München, der „Hauptstadt der Bewegung", von den Nazis errichtet wurden; alle Bilder prangen im Haken- kreuzschmuck, man sieht Hitler in einer seiner berüchtigsten Posen, wie er die Hitler-Jung- frauen in hellste Verzückung versetzt. Und dazu unter anderem folgender Text: „Der Kampf, den die Blutzeugen der Freiheit an jenem schwarzen Schicksalstage des Jahres 1923 mit ihrem Tode besiegelten, hatte in der Aufrichtung der deutschen Wehrhoheit vor einem Jahre seine Erfüllung und Kröimng gefunden... Dies war die Saat, aus der des deutschen Volles Selbstbewußtsein keimte und aus der endlich durch die befrei ende Tat des Führers als segensvolle Ernte die stolze und wehrhafte Würde einer wiedererwachten Nation reiste... Die gewaltige Größe dieses einzigen Mannes stellt an ihn selbst von jeher mit unerbitt- licher Härte die schicksalhafte Forderung, den Schmerz über den Tod der gefallenen Kameraden zurückzudrängen mit der unbändigen Macht seines Willens, der fanatisch zum ewigen Ziele Deutschland vorstieß... Ihm wurde vielleicht das schwerste Los zugeteilt, sehen zu müssen, wie verblendete Kinder des eigenen Bolles die tapfere Schar seiner Getreuen hinmordete... Die Gefallenen... aus dem Stählgewitter des Weltkrieges heimgekehrt in eine entwürdigte Heimat, brennend vor Zorn über die deutsche Schmach.. In dieser Sprache spricht Hitler-Deutschland zu den Sudetendeutschen, ohne daß irgendetwas geschähe. Da braucht dann niemand sich zu wundern, wenn die Hakenkreuzverseuchung bei uns immer mehr um sich greift. Die Fachorganisation der deutschen Sch ul- «nd Fürsorgrärzte in der Tschechoslowakischen Republik hält am Sonntag, dem 17. November, um 10 Uhr vormittags in Prag II., U nemocnice, Anatomisches Institut» ihre Hauptversammlung ab. Programm: Bericht des Vorsitzenden und der anderen Sachwalter, Wahlen, Vortrag Prof. Dr. Julius Löwy(Prag):„Arbeitsphysiologie und Leibesübungen", 5..Kundgebung über das Kinderelend. Soziales Institut der Tschechoslowakischen Republik. Donnerstag, den 7. November, hielt das Soziale Institut der Tschechoflowakischen Republik eine Vorstandssitzung ab, in der der Minister für soziale Fürsorge N e c a s bekanntgab, daß anstelle des verstorbenen Dr. Lev Winter der Direktor der Pensionsanstalt, Prof. Dr. Schönbaum zum Vorsitzenden ernannt wurde. Zu Vorsitzenden-Stellvertretern wurden Prof. Dr. M a c e k, Dr. Z e n k l und Dr. Evzen Stern, zum Geschäftsführer Dr. Josef K o t e k gewählt. Darauf wurde eine Reihe von neuen Mitgliedern des Sozialinstitutes gewählt, darunter auch Abgeordneter Genosse Wenzel I a k s ch. Fischdampfer mit 13 Mann verloren. Der Fischdampfer„Wursten" der Hanseatischen Hochseefischerei A.-G., Bremerhafen, der am 10. Oktober zum Fang in die Nordsee ausgelaufen war, ist nicht zurückgekehrt. Der Dampfer wurde zuletzt am 19. Oktober in der Deutschen Bucht gesichtet. Es muß leider mit Bestimmtheit angenommen werden, daß das Schiff ein Opfer der damaligen Stürme geworden ist. Die 13köpfige Besatzung fand den Tod in den Fluten. Bahnräuber. Fünf mit Maschinengewehren bewaffnete Banditen überfielen auf der Strecke von Erie nach Garretsville im USA-Staate Ohio einen Personenzug. Die Räuber hielten die Passagiere durch Maschinengewehrfeuer in Schach und plünderten einen Po st sack mit 40.000 Dollar, worauf sie die Flucht ergriffen. Wölfe bei Sofia. In diesen Tagen kam ein Rudel von zwölf Wölfen aus dem Witosch- Gebirge bis in die Sofioter Vorstadt Gorno Lo- renec, wo es eine Schafherde überfiel und drei Schafe zerriß. Nur mit großer Mühe gelang es den Hirten, die Wölfe zu vertreiben. Einfache Frequenz. In den bulgarischen staatlichen, Gemeinde- und Selbstverwaltungsämtern waren die Amtsstunden bisher von 8 bis 12 und von 14 bis 18 Uhr, am Samstag bis 13 Uhr. Nunmehr hat der Ministerrat beschlossen, ab nächsten Montag in Bulgarien einfache Frequenz von 8 bis 15.30 Uhr einzuführen. Diese Maßnahme wurde deshalb eingeführt, weil sich tue Regierung durch die Neuerung bedeutende Ersparnisse an Heizmaterial und Beleuchtungskojten verspricht. Für das III. Atus-Fest in Komotau 1936 Die Beratungen des Zentralrates der deutschen und tschechischen Arbeiter-Sport und Kul- turorganssationen, abgehalten in Prag am 3. November d. I., begrüßen die Veranstaltung des III. Bundesturtkfestes des Atus 1936 in Komotau und fordern alle tschechischen und deutschen Arbeiter-Sport- uns Kulturorgunisatio- nen auf, diese Aktion zu unterstützen und zahlreich an diesem Feste teilzunehmen. Der'Zentralrat verweist auf die große politische Bedeutung dieser Manifestation im Grenzgebiet und stellt fest, daß der Atus eine der stärksten Stützen der tschechoslowakischen Demokratie in seinem Arbestsgebiete ist und werwolle Arbeit für den Staat und für die Freiheitsbeftrebungen der Arbeiterschaft leistet. Wir sind alle verpflichtet, diese Manifestation moralisch und materiell zuunterst ütz c n. Wir erinnern an die internationale Solidarität, die der Atus bei allen internationalen Arbestersportveranstaltungen in der Republik und im Auslande geübt hat. Wir fordern auch die sozialdemokratischen Parteien und die freien Gewerkschaften der Republik auf, diese große sozialistische und demokratische Veranstaltung des Atus am 4., 5. und 6. Juli 1936 in Komotau zu unterstützen und zu einer gewaltigen Demonstration der sozialistischen Arbeiterschaft zu gestalten. Der Zentralrat der Arbeiter-Sport-«nd Kulturorganisationen Kongokupfer via Deutschland nach Italien? In internationalen Wirtschastskreisen wird die Taffache lebhaft erörtert, daß die belgische„Society des Minerais" sich vertraglich verpflichtet hat, die gesamte Kupferproduktion des Belgischen Kongo für die Dauer eines Jahres an Deutsch« land zu liefern. Dabei handelt es sich um 60.000 Tonnen Kupfer. Früher bezog Deuffchland nur 20.000 Tonnen. Selbst wenn man den hohen deutschen Kupferbedarf auf Grund der Auf«, rüstung in Rechnung stellt, würde dies nicht als Erklärung für solche riesige Bezüge hinreicheN. Man hält daher für möglich, daß ein Teil deS Kupfers an Italien geliefert werden soll. Der nicht geringe Zwischengewinn käme dann den deutschen Devisenbeständen zugute. Die Verluste des Chaco-Krieges. Argentinischen Blättermeldungen zufolge, hat der Krieg zwischen Bolwia und Paraguay beide Länder, die zusammen nicht nicht einsnal vier Millionen Einwohner haben, 100.000 Menschenleben gekostet. Die Zahl der Kriegsbeschädigten dagegen soll 600.000 betragen. Die meisten Opfer haben Krankheiten und Strapazen gefordert. So hat eine bolwianische Truppenabteilung von 12.000 Mann in der Fieberhöhle des Chaco allein 8000 Mann verloren, von denen der größte Teil durch Hunger und Durst aufgerieben worden ist. Bei einer Operation hatten die Bolivianer 1500 Gefangene gemacht, die man nach einem 300 Kilometer entfernten Lager abzuschieben suchte. Wie man jetzt erfährt, ist von diesen Gefangenen kein einziger am Bestimmungsort angekommen, da sämtliche Gefangene den Anstrengungen unterwegs erlagen. Stürme«nd Schn« in Bulgarien. Das bulgarische Küstengebiet des Schwarzen Meeres wurde von heftigen Stürmen heimgesucht, di« in zahlreichen Häfen Fischerboote und kleinere Segelschiffe auf die hohe See hinaustrieben. An den Netze« der Fischer wurdm Schäden angerichtet, die in die Hunderttausende gehen. Die Dampfer treffen in den bulgarischen Häfen mit großen Verspätungen ein. Der griechische Dampfer„Nllolaos PangoS" konnte nur mit Mühe im Hafen von Warna Zuflucht finden. Auch der größte bulgarische Dampfer „Car Ferdinand" geriet in einen Sturm, der so heftig war, daß der Kapitän eine große Menge lebenden Viehs über Bord werfen ließ, das für Palästina bestimmt war. Fast überall in Nordost- Bulgarien ist Schnee gefallen. Das Wetter. Unseren Gegenden wurde gestern von Südosten her wärmere Luft zugeführt. In der Slowakei und in Karpathenrußland wurden nachmittags stellenweise 13 Grad verzeichnet. Dadurch wird die Temperaturverteilung über dem Binnenland für das Vordringen einer in der Nähe der französischen Riviera liegenden Druckstörung günstiger. In den südlichen Alpenländern herrscht Regenwetter; auch bei uns. muß mst einer allmähliche n Verschlechterung vom Südwesten her gerechnet werden- Im Gebiet der Karpathen, wo die Temperatur noch steigen dürste, wird es zunächst voraussichtlich im ganzen schön bleiben.» Vom Rundfunk ■atWiluuwertM aus den PrograanMi Sonntag Prag, Sender L.: 7.30: Konzert aus Karlsbad. 10.00: Musils Salonauartett. 14.15: Deutsche landwirtschaftliche Sendung: Bauernkäpell« spielt. 17.50: Deutsche Sendung:„Rufmord" von Rokos. 18.50: Deutsche Presse. 20.05: Uebertragung aus dem Sme« tanasaal: Russische Musik. 22.25: Deutsche Presse. — Sender S.: 14.30: Deutsche Arbeitersendung: Ullmann: Atusbundesfeft 1935 in Komotau. 15.00: Altitalienische Musik.— Brünn: 14.35: Orchesterkonzert. 17.50: Deutsche Sendung: Jäger und Jagen in Volksliedern.— Mährisch Ostrau: 16.00: Bunter Nachmittag. 17.50: Deutsche Sendung: Wostal: Vorlesung aus eigenen Werken, Nr. 261 Samstag, 9. Noveniber 1935 Seite 5 Explosion auf einem rumänischen Schleppschiff. Auf einem rumänischen Schleppschiff ereignete sich zwischen dem rumän. Hafen Ramadan und dem bulgarischen Hafen Russe eine Petroleumexplosion. die von der Frau des Kapitäns verschuldet wurde, die mit einem Petroleumkocher, auf dem sie das Essen kochte, unvorsichtig umging. Das Schiff wurde mit großen Schwierigkeiten in die Mitte des Stromes gebracht und dort den Flammen überlaffen.. Di« Frau, des Kapitäns und ihre beiden auf dem Schiff befindlichen Kinder kamen ums Leben. Die Hollywooder Filmstars errichte« eine eigen« Polizei. Wegen der Verfolgungen und der Ausbeutung durch Erpresser und Verbrecher aller Sorten haben sich die Hollywooder Filmstars dazu entschlossen, zur Selbsthilfe zu schreiten und eine eigen« Polizei zu gründen. Zu diesem Zwecke luden sie den berühmten Chicagoer Detektiv Mr. M. H. Purvis ein, ldurch dessen Hilfe es gelungen ist, Ioh»'Dillinger, der öffentliche Feind Nr. 1, unschädlich zu machen). Dieser Gedanke, der dazu beitragen soll, zahlreiche Filmstars von Menschen zu befreien, die auf ihre Kosten ein Parasitenleben führen, wird atich von den Filmproduzenten, wie z. B. von Wr. S. Goldwhn, Eddie Cantor usw. unterstützt. Bis jetzt ließen sich die verschiedensten Filmstars sowie auch ihre Familien durch Privatdetektive bewachen. Die Fischerboote werden ausgelost. Jedes Jahr um diese Zeit gibt es in der Seefischerei Schwierigkeiten. Die ganze Flotille der Seesischerei ausübenden Küstenländer will auf Heringsfang gehen auf Kosten der gewöhnlichen Fischerei. Daher gibt es zur Zeit der großen Heringsfänge fast keine anderen Fischsorten auf den Märkten. Man hat schon die Möglichkeit ins Auge gefaßt, einen Teil der Fischerflotille zu zwingen, den gewöhnlichen Fischfang auszuüben; man ist damit aber nicht weiter gekommen; die Fischer weigern sich z. B. in Belgien den Weisungen Folge zu leisten und machen geltend, daß sie «in Recht hätten, nur Heringe zu fischen, weil dieser Fang lohnender sei als der anderer Fische. Außerdem hätten sie Schulden und hoffen schon das ganze Jahr auf den Erlös aus dem Heringsfang, um ihren dringenden Verpflichtungen nachkommen zu können. Jetzt ist man auf einen neue Idee gekommen: Man will durch Los die Nummern der Boote ziehen, die den anderen Fischfang ausüben sollen. Die Rollen sollen dann im folgenden Jahr vertauscht werden. Dieser Vorschlag wird nicht so ungünstig ausgenommen, allerdings bekämpfen ihn die Eigentümer großer Schiffseinheiten. Heiteres Eine junge Frau bittet ihren Rann schon kurz nach ihrer Hochzeit:„Schwöre mir, daß du mich nie betrügen wirst." „Warum willst du, daß ich sofort damit anfange?" entgegnet der Gatte. Die beiden Marseiller Lokalhelden MariuS und Olive unterhalten sich über die Einschiffung der italienischen Truppen nach Abessinien. Marius: ,Lch würde gern miffahren. Ich glaube, die Frauen da drüben sind entzückend." Olive:„Du bist närrisch, ein Land ohne Wasser, wo 40 Grad im Schatten sind." Marius:„Du Dussel, wer zwingt dich denn, in den Schatten zu gehen?" Ein Pastor unterhält sich in einem Salon mit einer koketten italienischen Frau. „Die Frauen", sagt er,„geben für ihre Schönheitsmittel viel mehr Geld aus als Ihr Duce für seine Armee." „DaS ist wohl möglich", erwidert die Italienerin,„aber wir machen auch viel mehr Eroberungen-" Weiße Zähne: Chlorodont Tuben Kt 4.— u. Kc 6.—. VolKswirtsfliait und Sozialpolitik Der Welthandel in Kriegsgerät In der letzten Zeit ist oft von der Rüstungskonjunktur die Rede gewesen, die in allen Ländern einzelnen Teilen der Wirtschaft einen gewissen Auftrieb gegeben hat. Sie war nicht nur fcstzustellen an dem Sieigen der drückenden finanziellen Lasten, die in allen Staaten für Heer, Marine und Luftflotte aufgebracht werden müssen, sondern auch an der Erhöhung der Produktion und der Beschäftigungsziffer in der Schwerindustrie und in der chemischen Industrie. Der genaue Umfang dieser Rüstungskonjunktur ist kaum, in dem einzelnen Lande zu ermitteln, noch viel weniger aber für die ganze Welt. Jetzt legt nun der Völkerbund das Statische Jahrbuch über den internationalen Handel in Kriegsgerät für 1934 vor. Das darin veröffentlichte Material bestätigt die schon bisher bekannte Tendenz der Entwicklung, daß der Außenhandel in Waffen. Munition und Kriegsgerät weiter zunimmt. Die Entwicklung geht dabei allerdings so rasch vor sich, daß der Völlerbund mit seinem Material hinter der Wirklichkeit zurückbleibt. Da außerdem auch nur der Außenhandel von der Statistik erfaßt wird, und auch nur insoweit, als er legal vor sich geht, wird die wirkliche Anhäufung von Kriegsmaterial aller Art in der Welt aus dem Stafistischen Jahrbuch nicht ersichtlich. Aber auch das, was es bringt, kann nur dazu angetan sein, die Energien zur Bekämpfung des Rüstungswahnsinns und der Entfesselung eines neuen Krieges zu verstärken. Es ist ein schwacher Trost für die Völker, daß der Welthandel noch weiter gesunken wäre^wenn die Weltausfuhr von Kriegsgerät in den letzten Jahren keine Zunahme erfahren hätte. Nimmt man die Weltausfuhr von Kriegsgrrät und die Wrltausfuhr insgesamt im Jahre 1929 mit 100 an, so ist bis zum Jahre 1934 die Weltausfuhr insgesamt auf 34.5 heradgegan- gen, während die Weltausfuhr von Kriegsgrrät nur auf 63.9 gesunken ist. Dabei weist aber dir Wrltausfuhr von Waffen, Munition und dergleichen seit 1933 eine wesentliche Zunahme auf, während die Weltausfuhr insgesamt noch weiter zurückgeht. Man muA bei diesem wertmäßigen Vergleich außerdem beachten, daß die Preise für Kriegsmaterial seit 1929 gesunken sind, wenn auch der Preisrückgang nicht so beträchtlich war wie für die übrigen Waren im Weltaußenhandel: Doch ergibt sich daraus, daß mengenmäß'g der Weltexport von I I IK! III H I Afghanistan ■■■■■ Jraq ■■■■■ Union ok South Akrica ■■■■■ Tran ■■■■■ Aldania Irish Free State ■■■■■ Argentine ■■■■■ Latvia Avrtralia ■■■■■ Liberia ■■■■■ Austria Lithuania üelgium Luxemburg ■’■■■ Bolivia Mexico ■■■■ United Kingdom ■■■■ Nicaragua Bulgaria ■■■■ 1ä';. Norway ■■■■■ Canada ■■■■ New Zealand Chile ■■■■■ Panama ■■■■■ China ■■■■■ Paraguay Colombia ■■■■■ Netherlands Cuba ■■■■■ Peru WM• Denmark ■■■■■ Poland ■■■ M M Dotninican Republic Portugal Ecuador ■■■■■ Roumania ■■■■■ Spain Salvador ■ IW■ VW■ Eston ia ■■■■- Siam ■■■■■ Einland ■■■■■ Sweden ■■■■■ France ■■■■■ Switzerland ■■■■■ Greece ■■■■■■ Czechoslovakia ■■■■■ Guatemala Turkey ■■■■ Haiti ■■■■■ U.S.S.R. ■■■■■ Honduras ■■■■■ Uruguay Hungary Venezuela ■■ Jndia Yugoslavia Wer nimmt an den Sanktionen teil? Eine klebetsichtskarte zu dem gegenwärtigen Stand derSanktrons frage bearbeitet nach einer amtlichen Bekanntgabe des Völkerbundes. Das weiße Feld bedeutet die Zustimmung zu den jeweiligen fünf Sanktionsvorschlägen, das schwarze< Feld die Ablehnung. Zu den Staaten, die sich keinem, der Sanktionsvorschläge angeschlossen haben, gehören Albanien, Oesterreich und Ungarn, Bolivien und Paraguay. An Heinrich Man»! Am Schicksal der Großen nimmt die Welt Anteil. Als die Zeit der deutschen Emigration anbrach, verließen Zahllose das Land, das ihnen bis dahin Friede und Sicherheit, Brot und Arbeit, Geist und Kultur gegeben hatte. Bekannte und unbekannte Menschen... Von vielen wußte man. Kamen großer Künstler, Gelehrter, Wissenschafter, Schriftsteller. Darunter auch Sie, Heinrich Mann. Ein berühmter Deuffcher. Schon damals längst beheimatet in derMLelt-Literatur. Gespannt wartete man: was würde aus Ihnen tverden in der Fremde? Ihr Bruder Thomas Mann schwieg, von dem damals noch lebenden Verleger S. Fischer beschworen. Der meinte, gegen den Fascismus schreiben könnten viele, aber wenige schreiben wie Thomas Mann, Werke für-die Ewigkeit. Grundlegender Irrtum eines Menschen, der zeitlebens neben allem anderen stets auf seinen geschäftlichen Vorteil bedacht war. Denn es ging zu jenem Zeitpunkt nicht um die Ewigkeit. Vielmehr—- um die Gegenwart. Um Stellungnahme zu dieser Gegenwart. Da war wichtig zu wissen: was jagen jetzt Gerhart Hauptmann, was Thomas, Mas Heinrich Mann? Ueber die Schmach des greisen Gerhart Hauptmann ist die Zeit hinweg- gcgangen. Er ist schon längst gestorben, wenn auch sein Leib noch vegefiert. Thomas Mann überließ eS seinen tapferen Kindern, zu kämpfen gtgm den neuen deutschen Barbarismus. Lächelte mild-verstehend über sie, indes— selbst schwieg er. Einer aber stand auf. Redete. Fürchtete sich vor nichts. Gab vieles hin, setzte alles aufs Spiel. Hin Demütigungen und Beschuldigungen. Ertrug, daß man ihm der Form nach das Vaterland nahm. In dessen Sprache er redete, schrieb und sich vor nichts fürchtete. Das waren Sie, Heinrich Mann. Groß ist die Arbeit, die Sie in den zweieinhalb Jahren fern von Deutschland geleistet haben. Arbeit, getan schon für das künftige, das wahrhaft neue Deutschland. Unzählige Artikel in Zeitungen und Zeitschriften, die teils der Emigration gehören oder in anderen Nationen der Sache der Freiheit dienen, sprechen von Jhren^Fleiß und Ihrer Kampfeslust. Da gibt es das klare unumwundene Buch»Der Haß", und jetzt.als schönstes, reifstes Werk Ihres bisherigen Lebens«Die Jugend des Königs Henri Quatre". Notwendig fft die kleine unermüdliche Arbeit für den Tag. Aus dieser Erkenntnis verschmähen Sie es auch nicht, sie zu leisten. Wie Ihre anderen Schicksalsgefährten, mit denen das Los ler Emigration Sie fest verbindet. Notwendig war, im„Haß" zu kennzeichnen die Feinde. Dies aoer, „Die. Jugend des Henri Quatre" war das 10t- wendigste Buch. Wie könnten wir es uns je aus dem Herzen reißen? Es ist das Werk, auf welches wir gewartet haben. Es ist das große einmalige Epos ler Emigration. Nicht mein Wille, nicht meine Aufgabe, zu schreiben über Ihr Buch/ Dies geschah hier schon. Nur: Ihnen zu danken.' Für oen Trost; den Sie jenen Kirben,, die das mühevolle,, an Bitternissen so reiche Leben in der freiwilligen Verbannung führen. Nicht immer sind es die großen Dinge, welche Augenblicke der Kleinmütigkeit bringen und glauben machen, die Grenze des Erträglichen sei erreicht. Ost sind es die winzigen Bstterniffe, die winzigen Erniedrigungen und Beleidigungen, welche verzweffelt stimmen. Sonderbare Behauptung, vielleicht. Dennoch: große Probleme lassen sich ost leichter meistern als geringe. Trost, wo bist du in solchen Stunden? Ihr Buch, Heinrich Mann, wird immer Trost sein. Freude geben, wenn sich Helle zejgt, diese noch steigern, den Eifer anspornen und die Lust zu kämpfen. Süßester Helfer aber dann, wenn alles ausweglos ist— scheinbar, vorübergehend. Denn das ist der tiefste Sinn Ihres herrlichen Werkes/ den es siemein hat mit der Lebenserkenntnis-les Mannes, Staatsoberhaupt jenes Landes, das uns hier Schutz und Asyl gibt: Die Wahrheit siegt! Die Wahrheit ist immer schön. Auch die dunkelste Wahrheit hat noch ihren Glanz, allein aus der Tatsache, daß sie die Wahrheit ist. Und außer der Wahrheit: Glaube und Wissen um die Ueberlegenheit des Geistes und der Vernunft, die einstmals siegen weiden. Glauben an die Güte,-Wissen von der Vergänglichkeit des Häßlichen und Gemeinen.. Neben Sinn, Glauben, Wissen und einer ganz kostbaren Ironie jedoch der beiße, inbrünstige Appell: zu harren in Geduld. Niemals unter den Widrigkeiten des Lebens zu vergessen das große Ziel. Heinrich Mann, dies sei— in einem einzigen Satz— unser Dank, der Dank der deutschen Emigration für Ihre große trostvolle Arbeit: wir wollen dieses Ziel niemals vergessen l Grete Livius. > hilft rasch bei Schmerzen in den Gelenken und Gliedern, Kopfschmerzen und bet Erkältungen. Haben Sie Vertrauen zu Togal. Ein Versuch Oberzeugt. In allen Apotheken erhältlich. 7 Waffen usw. kaum unter. dem des günstigsten Jahres 1929 gelegen ist. Ja, er dürste in Wirklichkeit schon bedeutend höher liegen! Denn man muß dabei jene beträchtlichen Mengen mit berücksichtigen, die in der Statistik fehlen, die aber dennoch im Außenhandel umgesetzt worden sind. Aus den verschiedensten Waffenschiebungsaffären der letzten Jahre kann man ungefähr schließen, welch großen Umfang der illegale Export an Kriegsmaterial angenommen hat. In den letzten Jahren sind gewaltige Mengen nach Japan und China gegangen, die nicht immer als das deklariert waren, was sie wirklich darstellten. In der Statistik des Völkerbundes ist noch die besondere Stellung der Tschechoslowakei als Waffenexporteur hervorzuheben. Ms wichtigste Ausfuhrländer werden aufgeführt: 1933 1934 Ausfuhr in 1000 Golddollar Großbritannien 10128 9553 Tschechoslowakei • * 3181 8750 Vereinigte Staaten« i 3246 3720 Frankreich. •■ ■ 8486 7990 Schweden, ■■ '■ 3404. 3735 Belgien,, ■■ ■ 1443 2131 Italien.. ■» 1451 1595 Niederlande. . g 1402 907 Schweiz.» » e • 1108 850 Die Tschechoslowakei steht demnach in der Waffen-, Munitivns- und Kriegsgeräteausfuhr an zweiter Stelle der Welt. Sie hat von 1933 auf 1934 diese Ausfuhr wertmäßig auf fast das Dreifache gesteigert. Von 4.2 Prozent im Jahre 1932 ist ihr Anteil am Kriegsgeräteexport auf über 20 Prozent im vergangenen Jahre gestiegen. Die Tschechosloipa- kei, Großbritannien, Frankreich und die Vereinigten Staaten haben in den letzten Jahren nahezu 85 Prozent des gesamten. Weltexportes an Kricgsgerät auf sich vereinigt. Nach der Statistik waren die wichtigsten Abnehmer der tschechoslowakischen Rüstungsindustrie Afghanistan, Iran, die Türkei, Bolivien, Ecuador, Paraguay, China und Rumänien. Als das wichtigste Einfuhrland von Kriegsmaterialien erscheint 1933 und 1934 China. Es wendete im vorigen Jahre für diese Einfuhr 3,189.000 Golddollar auf, während es 1933 gar mehr als 7 Millionen Golddollar dafür verbrauchte. Die Einfuhr Italiens hat sich von 1933 auf 1934 mehr als verdoppelt: sie stieg von 143.000 auf 309.000 Golddollar. 1935 wird sein Import an Waffen, Munition und miderem Kriegsgerät noch bedeutend höher sein. Wenn es gelungen wäre, die Abrüstungskonferenz zu einem günstigen Ende zu bringen und eine Kdntrolle der Kriegsrüstungen in allen Ländern überhaupt einzuführen, so würde sich ergeben, daß die Statistik über den Weltaußenhandel in Kriegsgerät nur einen kleinen Teil der Weltaufrüstung erfaßt. Es sei nur darauf verwiesen, daß Deutschland in der Statistik völlig fehlt» weil es nach dem Versailler Vertrag Waffen, Muniston und andere Kriegsmaterialien weder aus- noch einführen durfte. Und doch weiß man, daß Deutschland seit 1933 in einem riesigen Umfang seine eigene Rüstungsindustrie entwickelt und darüber hinaus gewaltige Mengen von Kriegsgerät aus dem Ausland bezogen hat. So ist die Welt zu einem einzigen Waffen- und Munitionsdepot geworden. Man nennt diesen Zustand den bewaffneten Frieden. Allerdings nur mit sehr wenig Berechtigung. Denn während die Bewaffnung immer weiter zunimmt, führt dieser seltsame Frieden die Menschheit immer an einen neuen Krieg heran. Nur die äußersten Anstrengungen der in der sozialistischen Bewegung vereinigten arbeitenden Menschen aller Länder werden die drohende Katastrophe verhindern können. Ruhlands Außenhandel In den ersten neun Moüaten 1935 erreichte der sowjetrussische Außenhandel einen Wert von 432.2 Millionen Rubel gegenüber 473.15 Millionen Rubel in der gleichen Zeit des Vorjahres. Der Rückgang beträgt demnach 41 Millionen Rubel oder 8.5%. Er ist ausschließlich auf das Absinken der russischen Ausfuhr zurückzuführen. Der Wert der Ausfuhr betrüg vom Jänner bis September 1935 257.9 Millionen Rubel, während er in den ersten neun Monaten 1934 302 Millionen Rubel betragen hatte. Die sowjetrussische Einfuhr zeigt in der gleichen Zeit eine kleine Erhöhung von 171.1 Millionen auf 174.3 Millionen Rubel. Der Ausfuhrüberschuß in der sowjetrussischen Handelsbilanz beträgt in diesem Jahre bisher 83.6 Millionen Rubel, in den ersten Neun Monaten 1934 erreichte er die Höhe von 130.91 Millionen Rubel. Seite 6 „Sozialdemokrat"• b Samstag, 8. November 1935. Nr. 261 Trager AMmg Tote Prostituierte im Hotelzimmer In der Nacht auf gestern erschien im Hotel „11 Kuchynku" in der Altstadt die 30jährige Prostituierte Josefa Kamenik in Begleitung eines Mannes, der sich als der 21jährige Raseur Bohümil "Kocek-eintrug. Als dieser um 4 Uhr morgens d^s -Hotel verließ, sagte er dem Portier, er möge die Kamenik nicht wecken, da sie nach 7 Uhr früh das Hotel verlassen werde. Als die Kamenik jedoch den ganzen Vormittag ihr Zimmer nicht verließ und'auf Klopfen nicht öffnete, wurde das Zimmer aufgebrochen. Hiebei fand man die Kamenik tot aufdem Bette liegen. Der herbeigeholte Polizeiarzt stellte fest, daß t sie außer einem kleinen Kratzer am Schlüsselbein und einem Bluterguß über dem linken Auge gar keine Zeichen von Gewaltanwendung zeigte, so -daß nicht sicher ist, ob ein Verbrechen vorliegt. Die Obduktion der Leiche wurde angeordnet. Nach Kocek, der wahrscheinlich nicht seinen wahren Namen angegeben hat, wird geforscht. Gehören die Hörsäle der SdP? Im Lehrsaal Nr. 1 der deutschen philosophischen Fakultät war Dienstag eine Ankündigung der SdP-Studenten—- es handelte sich um die Reklame für irgendeinen Vortrag— an die Tafel geschrieben worden. Während der Vorlesung des Literaturhistorikers Prof Cysarz blieb die politische Reklame auf der Tafel stehen. Es ist doch merkwürdig, wie weitherzig die Universitätsbehörden sein könnenl Sozialisten dürfen oft nicht einmal am schwarzen Brett ankündigen, Henleinfascisten im Hörsaal, und an der, anderen Zwecken bestimmten, Lasel.- Daß Herr Prof. Cysarz sich sozusagen als Anreißer in den Dienst der SdP-Propaganda stellt, ist ein Kapitel für sich. Explosion im Modisten-Geschäft. Die Inhaberin eines Modesalons aüf dem Grübelt Nr. 3, Vlasta Svojfik, wusch gestern vormittags auf dem Wort ihrer Wohnung Wäsche in Bekizin. Als sie die Tür zu dem stark geheizten Salon öffnete, entzündeten sich die hiebei entstandenen Benzindämpfe und bei der Explosion, die nun erfolgte, wurden sämtliche Fenster des Modesalons eingeschlagen. Im gleichen Augenblick fingen die aufgehäuften Stoffe und fertigen Damenkleider Feuer. Die Inhaberin des Geschäftes selbst wurde mit schweren Brandwunden im Gesicht und auf Armen und Beinen auf die Klinik Samberger gebracht. Außer ihr erlitten ihre Angestellten, die 21jährige Schneiderin Marie Zavet und das 15jährige Lehrmädchen Billa Potucek leichtere Verbrennungen. Die herbeigerufene Feuerwehr konnte zwar in kurzer Zeit löschen, doch ff' der Schaden beträchtlich, da d«n Feuer außer den Kleidervorräten auch das Mobilar zum Opfer fiel. Trödler fängt zwei Pelzdiede. Die Vorsichtigkeit eines Alfftädter Trödlers, namens Wenzel Strachta in der Pafijskä, führte gestern zur Verhaftung zweier Diebe, die in der Rächt auf den 20. Oktober ins Magazin der Pelzsirma Alfred Eckstein in Lieben eingevrungen waren und dort Pelze im Werte von 7000 Kc entwendet hatten. Der Trödler verständigte die Polizei, daß ein verdächtiger Mann ihm«in Paket Pelze zum Kauf angeboten und daß er die Pelze bei sich behalten habe, mit dem Bescheid, er möge morgen um die Bezahlung kommen. So erschien der Betreffende zwar gestern tatsächlich im Geschäft des Trödlers, gleichzeitig aber zwei Detektive, bei deren Anblick er die Flucht ergriff. Für den Augenblick gelang es ihm zwar, zu entkommen, dafür wurde jedoch sein Komplize, der 40jährige Arbeiter Franz N l m e c aus Liebep, und im Laufe des Tages auch er selbst noch als der 45- jäbrige, gleichfalls in Lieben wohnende Arbeiter Vladimir Opi festgestellt. Sie sagten übereinstimmend aus, die Pelze in der Nacht auf Allerseelen auf einem Schleppdampfer im-Maninahafen gesunde n zu haben. Da jedoch die Pelze als die der Firma Eckstein gezeichnet waren, würden sie dieser zurückgestellt und die Diebe nach Pankrah einge- liefert. Im Namen liegt die Garantie. Also immer auf den Namen„D iana"- Bollmilch- Malz-Drops achten. 3116 Inurst nmi Mssen Das Lied Asiens Mit viel Spannung erwartete man das vom Ständetheater als europäische"Uraufführung angezeigte französische Stück von A. P. Antoine, welches die immer aktueller werdende Frage des Vordringens der gelben Rasse behandelt. Diesmal sind die Chinesen, die von den imperialistischen und anpassungsfähigere". Japanern bisher in den Hintergrund gedrängt wurden, zu Trägern des dramatischen Schauspiels gewählt worden und Mandarin Ly-Ta-Jen, der den Sturz des Kaisers im Jahre 1911 nicht, zu überleben vermochte, schickt seinen Sohn, den jungen Kiu-Hoa-Jen nach Europa, damit er den Geist kennen lerne, mit dem die Weißen, die asiatischen Völker geknechtet, der eine zersetzende Wirkung auf die gelben Völker ausübt, damit er ihre Waffen erkennt, mit denen sie Asien geschwächt haben. Kiu-Hoa-Jen wurde von dem revolutionären Studenten Tschang, den er aus den Händen des Scharfrichters gerettet hatte, in die Revolutionsbewegung eingeführt, wo er zwei Jahre lang als der zukünftige Führer angesehen wurde. Kiu-Hoa-Jen verbringt zehn Jahre in Paris, Biarritz etc., an die schöne Französin Susanne gekettet, äußerlich europäisch, innerlich unbefriedigt und fremd. Seine chinesische Braut, Tsuin, kommt nach Europa, um den Itemdgewordenen Sohn Chinas zurückzurufen, als Gesandte der national-rassisti- schen Vereinigung, ihm den Plan verratend, der' zur Verdrängung der Europäer aus China dienen soll. Das Jahr 1938 findet Kiu-Hoa-Jen an der Spitze der mächtigen chinesischen Bank, die das ganze Kapital des Landes in ihren Händen hat, die europäischen Konzessionen und das amerikanische Kapital bedrängt und uneingeschränkte Macht über-China und die Mongolei ausübt. Eurapa will militärisch Vorgehen, Amerika versucht die Regierung Chinas zu korrumpieren, die Komintern baut ihr Zcllennetz aus. Kiu-Hoa-Jen läßt sich mit Hilfe des Mischlings Siaon zum Diktator ausrufen und bereitet einen Aufruhr der Chinesen gegen die Europäer vor. Noch einmal erklingt das Lied Europas, als die noch immer heisigeliebte Susanne zu ihm ins Lager kommt, um für das Leben ihres Mannes, des französischen Gesandten in Shanghai, zu bitten. Da erschießt sich vor seinen. Augen Tsuin, seine chinesische Frau, fanatische Raffenkämpferin Und das Lied Asiens siegt: die ersten Salven donnern, bevor die Weiße Geliebte die schützende Grenze erreichen konnte. Man gewann nicht die absolute Uoberzeugung, daß es dem Autor gelungen ist, die tausendjährige chinesische Seele voll zu erfassen. Das Stück stellt große Anforderungen au die Spielleitung, die sehr sparsam, aber mit einigen mehr symbolischen neuen Einfällen, wie z. B. den sich dehnendem Raum, vorging. Herr K o h o u t als Kiu-Hoa-Jen, Herr Karen als Siao und Herr Neumann als Chang, sowie. Frau Sejbalovä als Susanne, Frau Kron baue r o v ä als Avonne und Frau H ä l k o v ä als Tsuin, neben anderen, haben gute Arbeit geleistet. Das Stück hatte nicht den erwarteten vollen Erfolg, ist aber als intereffantes Experiment zu werten. m. i. Wochenspielplan des Reuen Deutschen Theaters. Samstag,>/r8: Maria Stuart, neuinszeniert. — Sonntag, halb 3: Der Feldherrnhügel; halb 8: T o s c a, D 2, Gastspiel Kammersängerin Vera Schwarz. Montag, halb 7: Maria Stuart, Wann, aufgeh., Theatergemeinde der Jugend(gemeinsam mit Urania).— Dienstag, halb 8: Cosi fan tlitte, A 1.— Mittwoch, Miriam Hopkins in dem Farbenfilm„Markt der Eitelkeit". halb 8: Ritterliche Affäre, BI, Gastspiel Fells Breffart und das Ensemble des Deuffchen Volkstheaters.— Donnerstag, halb 8: Maria Stuart, C2.— Freitag, halb 8: Pelleas und Melisande, DI.— Samstag, halb 8: Venus in Seide, Uraufführung, A 2. Wochenspielpla« der Kleine« Bühne- Samstag, halb 8: Teddy contra Teddy.— Sonntag, 3: Im Londoner Nebel; 8: Kind im Kampf.— Montag,.8: Teddy contra Teddy, Bankbeamte I.— Dienstag, halb 8: Käme r a d e n, neuinszeniert.— Mittwoch, 8: Der König mit dem Regenschirm, Bankbeamte II und sreier Verkauf.— Donnerstag, 8-: Gastspiel Dela Lipinskaja.— Freitag, 8: ImLondon e r Nebel, Theatergemeinde des Kulturverbandes und freier Verkauf.— Samstag, 8: Kameraden. Reprrbttkarrische Wehr Ortsgruppe Prag Einladung zu der am F r e i t a g, dem 15. November 1935, im Parteiheim, Prag II., Rarodni trida 4, stattfindenden Konstituierenden Hauptversammlung Tagesordnung: Konstituierung, Wahl der Funktionäre, Allgemeines. Alle Parteigenossen find dazu eingeladen. Für RW-Mitgliedvr Pflichtbrtelligung. Schönfelder. §port-§piek-Itörperp^kege Die Leichtathletik in der SSSR hat kurz vor Saisonschluß noch einige sehr heachtllche Leistungen zu verzeichnen. In Rostow lief der 21jährige Rotarmist Golowkin— seit einem Jahr sportlich tätig — die 100 Meter in 10.6 Sek. Rajewski kam in Charkow im Stabhoch über 4.18 Meter; eine Leistung, die bisher kein bürgerlicher Sportler in Europa seit dem Norweger Hoff erreichte. Ozolin besetzte mit 4.15 Meter den zweiten Platz. S. Zna- menffi lief in Tiflis die 3000 Meter in 8:37.1 und in Kiew die 1500 Meter in 3:59.9 Min. Ljul- kow benötigte in Tiflis über 300 Meter 35 Sek. Alle vorstehenden Ergebnisse sind gleichzeitig neue Bestleistungen im sowjetrussischen Sport. DerMm, WMWWMWMWMWWM Zm Schatten der Wolkenkratzer Diese„Manhattan-Romanze" ist in Amerika eigens für den aus Prag stammenden Schauspieler FranzLederer geschrieben worden(der seinen Weg vom Prager Deuffchen Theater über Breslau, Berlin und London nach Hollywood nahm). Somit ist die hiesige Aufführung des Fillns, in dem Lederer noch dazu einen Tschechoslowaken(aus Groß-Meseriffch in Mähren) spielt, ein Ereignis für Lokalpatrioten, aber er ist auch sonst ganz interessant. Denn obleich Franz Lederer nicht mehr ganz die natürliche Frische hat, die ihn berühmt gemacht hat, und oft schon gekünstelt naiv wirkt, ist er doch noch immer nicht kitschig und hat viel von seiner sympathischen Art behalten. Und die Geschichte vom armen Einwanderer, die er hier spielt, hat zwar manche sehr romanttsche Wendungen, aber sie hält sich dabei in der Nähe der Wirklichkeit, denn sie erzählt von einem jungen Mann, den die Einwanderungsbehörden nach Europa zurückschicken wollen, der daraufhin illegal im Lande bleibt, die Freundschaft eines Tanzgirls und eine Beschäftigung als Zeitungsverkäufer und Taxichauffeur findet, aber immerfort fürchten muß, erwischt und ausgewiesen zu werden, während die Freundin fürchten muß, daß man ihr aus Sittlichkeitsgründen den kleinen Bruder wegnehmen wird, der bei ihr wohnt. Daß die Sache in Wirklichkeit ein trauriges Ende nähme, läßt sich denken, und die Filmautoren haben deshalb zu einem grotesken Einfall gegriffen, um doch noch ein happy end zustandezubringen: die New Korker Polizei spielt den rettenden Engel und begeht die tollsten Amtsverbrechen, um den armen Karl Novak zum amerikanischen Bürger und zum glücklichen Gatten zu machen. Es ist also kein durchwegs ernster Film, aber auch kein durchwegs kiffchiger, und Lederers Partnerin Ginger Rogers ist um Echtheit jedenfalls bemüht.—eis— Gogols„Revisor" neuverfilmt. Die Ukrajin- Film in Kijev bereitet nach einem Drehbuch des Schriffftellers M. Bulgakov die Neuverfilmung von Kreditanstalt der Deutschen r. G. m. b. H., Prag. Durchführung aller Geldgeschäfte. Verwaltungs-Kapital 830 Millionen Kö. Haftungs-Kapital 82 Millionen KC. 81 Niederlassungen. Gogols„Revisor" vor. Es ist intereffant, daß auch der ffchechische Filln dieses Werk mit Vlasta Burian in der Hauptrolle auf die Leinwand brachte. Ein russischer Abend im Bio„Fftrix". Am 9. November um-22 Uhr 30 findet im Bio.Fknix" eine Festvorstellung des russischen Sportfilms „Glückliche Jugend" unter dem Protektorat des Außenministers Dr. Eduard Benes und des Prager Sowjetgesandten Alexandrovskh statt. Ferner wird auch eine Reportage von dem Besuch Dr. Benes' in der U. d. S. S. R. und von den Feierlichkeiten am 1. Mai in Moskau gezeigt. ,„Der neue Gulliver" wird vorgesührt. Das russische Wunderwerk der Technik„Der neue Gulliver" wird am 12. November um 10 Uhr vormittags im Bio„Fenix" den Jnteveffenten und der Presse vorgeführt. Der Film wurde von der Zensur ohne Schnitt freigegeben. Filmberatungsstelle. In der verflossenen Woche wurden folgende Filme zur Einfuhr in die Tschechoslowakei fteigegeben: Drei deutsche Fllme:.Liebesleute" und„Wenn die Musik nicht wäre"(Elekta- Film),„Zigeunerbaron"(Ufa-Film), fünf amerikanische Filme:„Die weiße Frau",„Blut der Arena" und„Die Großfürstin und der Kellner"(Paramount),„Der Ruf der Wildnis" und„Die Elenden" (UnitedArtists), ein französischer Film:„Die Kameliendame"(Terra-Film) sowie mehrere Kurzfilme verschiedener Herkunft. Filme in Prager Lichtspielhäusern Urania:„Die Nacht der Liebe".(Deutsche Fassung— Grace Moore.)— Adria:„Nur ein Komödiant." D. R. Forster.— Alfa:„Vergiß mein nicht." D. B. Gigli.— Avion:„M arkt der Eitelkeit." A. Farbenfilm. M. Hopkins. — Beranek:„Schwarze Augen." Fr. Harry Baut. —. Fenix:„Viva Billa." A. Wallace Beery.— Flora:„Schwarze Augen." Fr. Harrh Baur.— Gaumont:.Leutnant Bobby." D.— Hollywood:„Leutnant Bobby." D.— Hvkzda: ,Jw Schatten der Wolkenkratzer." A. Fr. Lederer. Julis:.Ligeunerbgron." D.— Kinema: Journale, Grotesken, Reportagen.(Halb 2 bis%7.T— Koruna:„Der Silberpfeil." A.— Kotva:„Die Kinderlose." Tsch.— Lacerna:„Die Kinderlose." Tsch. — Metro:„Der unbekannte Gast." Engl. Conrad Beidt.— Olympir:„Pygmalion." D.—, Passage: „Episode." D. Paula Wessely.— Praha: „Ehestreik."— Radio:„Das Geheimnis im Nachtexpreß." A.— Skaut:„Fata Morgan«." A. Eddie Cantor.— Svktozor:„Episode." D. Paul-: W e s s e l y.— Alma:„Eva." D. M. Schneider.— Bajkal:„Ich liebe all« Frauen." D. Jan Kiepura. — Belvedere:„Weib und Hampelmann." A. M- Dietrich.— Beseda:„Abessinien 1935."— Carlton:„D i e lustige Witwe." A. Lubitsch- — Illusion:„Ich liebe alle Frauen." D. Jan Kiepura.— Kapitol:„Abessinien 1935."— Lido II: „Der erste Kutz." Tsch.— Louvre:„Ich liebe alle Frauen." D.— Maceska:„Ich liebe alle Frauen." D.— Roxy:„Schwarze Augen." Fr.—<2»or': „Sie lustige SBithre." A.— U Brjvodu: „Der Flüchtling aus Chicago." D.— Baldek:„Ich liebe alle Frauen." D.— Bio Belrtrhy:„Susi." Ä- Mitteilungen aus dem Publikum. Bei Schmerzen in den Gelenken und Gliedern wirkt Togal prompt. Auf Grund der überaus glücklichen Zusammensetzung und der guten Erfolge, die im Verlaufe von mehr als 20 Jahren mit Togal erzielt wurden, hat dieses Präparat allgemeine Anerkennung gefunden. In allen Apotheken. 6 OPTIK u. FOTO DEUTSCH Pfikopy Verwendet mehr Stahlblech! In den U. S. A. werden jährlich pro Kopf der Bevölkerung ca. 71 kg, in Großbritannien ca. 60 kg, in Deutschland ca. 27 kg, in der Tschechoslowakei aber nur ca. 16 kg Bleche verbraucht. Die Verwendungsmöglichkeit j S f vielseitig: Geschirre, Konserven, Verpackungen, Apparate, Knöpfe, Bauzwecke, Möbel, Behälter, Kessel etc. etc— Die inländische Blechindustrie ist gerüstet, auch den höchstgestellten Ansprüchen nächzukommen und scheut keine Mühe und kein Opfer, um auf der Höhe der Zeit zu bleiben, in der festen Überzeugung, daß Stahlblech das Material der Sukiinfft Ist. Verwendet mehr Stahlblech! 3102 Bezugsbxdingung e n: Bei Zustellung ins Haus oder bei Bezug durch die Post monatlich Kö 16.—, vierteljährig Kc 48.—, halbjährig Kö 96.—, ganzjährig Kd 192.—.— Inserate werden laut Tarif billigst berechnet. Bei öfteren Einschaltungen Preisnachlaß..—. Rückstellung von Manuskripten erfolgt nur bei Einsendung der Retourmarken.— Die Zeitunasfrankatur wurde von der Post- und Telegraphendirektion mit Erlatz Nr. 13.800/V 11/1930 bewilligt.— Druckerei:„Orbis"Druck-, Verlags- und Zeitungs-A.-G.. Prag.