IENTRALORGAN DER DEUTSCHEN SOZIALDEMOKRATISCHEN ARBEITERPARTEI IN DER TSCHECHOSLOWAKISCHEN REPUBLIK ERSCHEINT MIT AUSNAHME DES MONTAG TXGLICH FRÜH. Redaktion und Verwaltung frag xii.,fochova a. telefor 53077. HERAUSGEBER} SIEGFRIED TAUB. CHEFREDAKTEUR} WILHELM NIESSNER. VERANTWORTLICHER REDAKTEUR« DR. EMIL STRAUSS, FRAG. Bntlpnit 70 im* (•MkMMMi 5 Heller FerReJ 15. Jahrgang Sonntag, 10. November 1935 Nr. 262 vr. Zadina ernannt Prag. Das Amtsblatt veröffentlicht zwei Handschreiben ans Läny vom 9. November, des Präsidenten der Republik folgenden Wortlautes: Herr Borsitzender der Regierung, ich entspreche Ihrem Wunsche und enthebe Sie von der Leitung des Ministeriums für Landwirtschaft. Dr. Hodja m. p. T. G. Masaryk m. p. Herr Abgeordneter Dr. Zadina, ich ernenne Dir-um Minister und betraue Sjr mit der Leitung des Ministeriums für Landwirtschaft. Dr. HodZa m. p. T. G. Masaryk m. p. * Wie bekannt, wurde sofort nach Beseitigung der in der Koalition bestehenden Mißstimmun- gen über die F o r m, in der die Agrarpartei ihre Vorschläge vorzeitig veröffentlicht hatte, von den Koalitionsparteien die baldige Betrauung Dr. Zädinas mit dem Amte des Landwirtschaftsministers in Aussicht genommen.Sachliche Einwendungen sind gegen ihn nie erhoben worden. Die erfolgte Ernennung stellt daher auch hinsichtlich des Datums keine wie immer geartete Ueber- raschung dar. Dr. Zadina ist Oberrat des Landeskulturrates in Prag und seit 1928 Abgeordneter. Kürnach dem Kriege war er eine Zeitlang Vorstand des landwirtschaftlichen Referates in Preßburg. Er hat in seiner Heimat, dem böhm.«mährischen Hügelland, große agrarische Genossenschaften für die Verarbeitung von Kartoffeln geschaffen. London-Rom London.(Reuter.) Man glaubt, daß die italienisch• englischen Besprechungen einen erfolgreichen Fortgang nehmen werden, so daß es nicht ausgeschlossen ist, daß bereits am Sonntag Mussolini mit dem britischen Botschafter beim Quiri- nal verhandeln wird, was den Eintritt in ein neues Entwicklungsstadium der Beruhigung der italienisch- französische» Beziehungen im Mittelmeer bedeuten würde. Die strittige Division nach Italien zurückgezogen Rom. An zuständiger italienischer Stelle wird mitgeteilt, daß die jüngste, aus Libyen ab- berufene Division nunmehr fast vollständig nach Jtalienzurückgekehrt ist. Internationaler sozialpolitischer Kongreß in Prag Der nächste Kongreß der internationalen Vereinigung füv sozialpolitischen Fortschritt wird im September 1936 in Prag stattfinden. Auf der Tagesordnung stehen hauptsächlich zwei Referate: das eine über Planwirtschaft und Kontrolle des Kredits, das andere über die Freiheit der Gewerkschaftsbewegung.’ Anrufung Genfs Im Konflikt mit Polen I Prag. Bekanntlich hat die polnische Regierung vor zwei Tagen in einem halboffiziel- len Kommentar das von Dr. Benes in seinem Expose neuerlich gestellte Angebot, dir strittigen Fragen einem schiedsgerichtlichen Verfahren zu unterbreiten, mit sehr gewundenen Ausflüchten abgelehnt. Aus einer-vom tschechoslowakischen Preßbüro verbreiteten Erwiderung scheint hervorzugehen, daß die tschechoslowakische Regierung sich nunmehr nach der abermaligen Ablehnung des Schiedsverfahrens durch Polen sich ernsthaft m it der Frage zu befassen scheint, ob sie nicht zwecks Beilegung dieser Differenzen an den Völkerbund appellieren soll. In der diesbezüglichen Publikation heißt es«. a.r Es muß festgestellt werden, daß Polen in der letzten Zeit bereits drei Wege zur Erledigung dieser Differenzen vorgeschlagen worden find: Vor allem die Anru fung des Völkerbundes als des breitesten und kompetentesten Forums zur Lösung' von Differenzen zwischen Mitgliedsstaaten. Zweitens die Anwendung des gegenseitigen Vertrages über -das Schieds-und Arbitrageverfahren vom 23. April 1923, durch den sich beide Staaten verpflichteten,„dem Schieds« oder Arbitrageverfahren alle Differenzen zu unterstellen, welche zwischen den beiden Staaten entstehen könnten", und drittens die polnischen Beschwerden einer gemischten Kommission, eventuell einem Schiedsgericht im Sinne des gegenseitigen Vertrages über den Minderheitenschutz (gleichfalls vom 23. April 1925) zu überweisen. Nachdem Polen alle diese angebotenen Wege adgelehnt und sie als taktisch e,. G e st e n bezeichnet hat, konstruiert eS in dem angeführten Kommunique«ine eigenartige Theorie, wonach der Gedanke des Arbitrageverfahrens bei dem im Vertrage vom Jahre 1925 präzisierten Problem nicht angewendet werden könne und daß es sich nur darum handle, daß die tschechoslowa- kische Regierung die übernommenen Verpflichtungen voll erfülle. Die polnische Interpretation dieses Vertrages ist vollkommen unhaltbar. Der polnische Standpmrkt bedeutet, daß die polnische Re gierung einen von ihr unterzeichneten Vertrag z u erfüllen ablehnt, indem sie vor allem auch die formale Seite des Vertrages verletzt, da sie ihn in strittigen Fällen, für die er unterzeichnet wurde, nicht anwenden will. Warum Polen dies tut, wird im.Kommunique nicht gesagt. Es bleibt daher keine andere Annahme übrig, als daß es Befürchtungen sind, daß die Beschwerden polnischerseits nicht st a n d- halten würden und daß die tschechoslowa- kischen Beschwerden über die polnische Minderheitenpolitik anerkannt werden könnten. Die einseitige Ablehnung der Anwendung der Arbitrage-Bestimmungen des tschechoslo- wakisch-volnische« Vertrages vom Jahre 1925 zwecks Herbeiführung eines klaren Gutachtens über die Minderheitenpolitik Polens und der Tschechoslowa» chei und zwecks Lösung der angeführten Differenzen kann überdies weder als richtig noch als definitiv angeseben werden. Ein jeder Staat hat eS in seinem eigenen Mög- lichkeitSbereich, das internationale Fo r u m a n z« r« f en, damit dieses«rteUe, wer seine VertragSverpflichtungrn einhalte. Die Tschechoslowakei hat bisher dem den Vorzug gegeben, daß dies durch ein beiderseitiges ! A b k o m m e,n geschehe. Sie ist aber überzeugt, daß alle diese Fragen vor das internationale Forum auf jeden Fall komme» und dementsprechend geht sie auch vor. Schon das beweist am besten ihre Aufrichtigkeit und ihren guten Willen. Zum VorstoO nach Aegypten bereit Ein Reuter«Korrespondent über die Italienische Angriffsarmee London. Der Sonderkorrespondent des Reuterbüros telegraphiert ans Ess o l u m: Ich bin von einer Reise durch Libuen und die ryrrnäische Küste, bei der ich 550 Kilometer in der Wüste zurückgelegt habe, nach Aegypten zu- rückgrkehrt und kann Mitteilen» daß das Gros der italienischen Truppenabteilungen ans Tripolis Msammengczogen und in die Cyrauaira dirigiert wurde, wo zur Zeit etwa 38.000 Mann unter W a f f e n stehen; nicht inbegriffen sind 9090 Araber, die unverzüglich nach Ostafrika abgehen sollen. Im gleichen Gebiet befinden sich 20 Panzerantomobile, zahlreiche leichte Lastkraftwagen, 32 schnelle Tanks und 130 Flugzeuge, nicht mitgezählt jene zerlegten Flugzeuge an ! Bord des Flugzeug-Mutterschiffes„Miraglia", die im Hafen von Tobruk weitere Befehle aus Rom abwarten. Im Meerrshafen Tobruk befinden sich ferner vier Torpedobootzerstörer, vier Unterseeboote und vier Wasserflugzeuge. Mit ständigk wechselnder Urbrrraschung stellte ich auf dem Wege nach Alexandria fest, daß die italienischen Truppenabteilungen in v o l l- ständiger Bereitschaft stehen, auf Befehl fo schnell wie möglich«mfzubrechrn. Sir besitzen keine befestigten Artillerie-Stellungen, da sie zumeist über Feldgeschütze verfügen. Dir ägyptische Armee hat eine ausgesprochene Verteidigungsstellung bezogen, die sich auf ans- ■ gebaute Artillerie-Standorte und Flugabwehrpositionen stützt. Der Reuter-Korrespondent hebt hervor, daß er überall sehr höflich empfangen wurde, daß er jedoch in jedem Dorfe und jeder Stadt, dir er besuchte, Vorposten in der Wüste gesehen habe, und daß überall behauptet wurde, Eden sei ein enropäischesSchreck- g e s p e n st. Ter Hafen Tobruk ist in rin« n- gehe u res Flugzeug-Magazin umgrwandelt; es werden dort 150 Flieger erwartet. Außerdem befinden sich weitere neun Flugplätze in Benghasi, entlang der Grenze des Sudan und in Kufra, inmitten der libyschen Wüste. Schutz der Nildämme gegen Luftangriffe Kairo. Das Kriegsministerium beginnt mit der Anlage von Befestigungen im Süden Aegyptens am großen Staudamm von Asuan, der heute für die ägyptische Landwirtschaft von lebenswichtiger Bedeutung ist. Besonders wird an den Bau einer Verteidigungsanlage gegen Luftangriffe gedacht. Aehnliche Verteidigungsanlagen sind bei den Staudämmen in Affiut, ferner in Nag Hamadi und im Rildelta vorgesehen. Italienisches Flugzeug über Addis Abeba AddisAbeba. Ein unbekanntes Flugzeug, allem Anscheine nach ein italienisches, überflog Samstag mittags in großer Höhe die abessinische Haupfftadt. Sie vertragen das Klima nicht Neapel. Aus Ostafrika sind drei italienische Schiffe mit 350 italienischen Soldaten und Arbeitern hidr eingetroffen. Die Heimkehrer sollen entweder das afrikanische Klima nicht vertragen haben, oder ihre Verträge seien abgelaufen. Nachschub für Abessinien. Aus Dschibuti wurden für die abessinische Armee zwölf amerikanische Lastautos, 6500 Mausergewehre, vier Flugzeugabwehrgeschütze und drei zerlegte britische Flugzeuge abgesandt. Osteuropäische Rivalitäten Die Hochspannung zwischen Warschau und Prag —m. Warschau, Anfang November. Ueber dem kolonialpolitischen Konflikt zwischen London und Rom hat die europäische Oef- fentlichkeit seit einigen Monaten die anderen Rer« bungsflächen und Spannungen unseres Erdteils beinahe vergessen. Hitler hat zwar durch sein Aikftrumpfen gegen das kleine Litauen und durch die fortdauernden unterirdischen Bemühungen seiner Anhänger in Oesterreich, welche bei der letzten Wiener Regierungskrise vorübergehend wieder sichtbar wurden, daran erinnert, daß auch seine Diktatur in nicht allzu ferner Zeit gerade so wie die italienische neue außenpolitische Abenteuer zur Ablenkung von inneren Schwierigkeiten suchen wird. Aber schon erheben sich hier und da Sti.»,« men eines leichtfertigen Optimismus, die uns versichern, die ganze übrige Staatenwelt habe jetzt in Genf ihre solidarische Bereitschaft zur Abwehr solcher Gefahren gezeigt. Die Sanktionsbeschlüsse des Völkerbundes und die llebereinstim- mung seiner Mitglieder in der Anerkennung des geltenden internationalen Rechts seien bis auf weiteres eine genügende Sicherung des europäischen Friedens. Eine Warnung vor solchen Illusionen bilden die immer schärferen, Kon- fliktezwischenPragundWarschau. Polen und die Tschechoslowakei sind beide Mitglieder des Völkerbundes. Trotzdem weisen sie sich gegenseitig ihr« Konsuln auS, hauen ihre diplomatischen Beziehungen bis auf ein Mindest, maß ab. Diesseits und jenseits der polnischtschechischen Grenze finden erregte Massenkundgebungen gegen das Nachbarland statt. Tschechoslowakische Bürger erhalten kein Niederlassungsrecht mehr im polnischen Staatsgebiet. Die polnische Minderheit in der Tschechoslowakei klagt über nationale Bedrückung. Nach den Darstellungen der Warschauer Regierungspropaganda sind es die Leiden dieser polnischen Minderheit, welche den ganzen Konflikt heraüfbeschworen haben. Tatsächlich haben die rund 100.000 Polenindentschechischen Grenzbezirken von Teschen und Mährisch- Ostrau, überwiegend Affieiter der dortigen Berg« und Hüttenwerke, manche unerfüllten Wünsche, aber mehr sozialer als nationaler Art. Im Gebrauch ihrer Muttersprache, in der Versorgung ihrer Kinder mit polnischem Schulunterricht sind sie immerhin besser daran als die Polen im jetzigen Deutschen Reich, welche Hitler trotz seiner angeblichen Sorge um die Reinhaltung des deutschen Bluts und entgegen seinen Versprechungen an Pilsudski zwangsweise in die Hakenkreuz-Organisationen der Jugend, des Arbeitsdienstes, der Berufsstände usw. hineinpreßt und dort entnatio- nalisiert. Selbst das Blatt des polnischen Außenministers Oberst Beck muß sich darüber immer häufiger beflagen. Wenn die Warschauer Regierung trotzdem ihren außenpolitischen Flirt mit Deutschland fortsetzt und die nationalistische Stimmung ihrer Anhänger nur gegen die Tschechoflowakei auspeitscht, so ist die Minderheitsfrage offenbar nur der Vorwand dafür. Die tieferer. Gründe für den wachsenden Gegensatz der beiden westflawischen Staaten hängen mit der Unsicherheit der internationalen Lag« in Mittel- und Osteuropa zusammen Die Leiter der polnischen Außenpolitik sind feit dem nationalsozialistsschen Umsturz überzeugt, daß Hitler über kurz oder lang seinen Versuch zur Eroberung Oesterreichs wiederholen wird. Sie wer; den diesen Versuch zwar nicht unterstützen; dazu widerspricht eine deutsche Machtausdehnung im Südosten zu sehr ihren eigenen Interessen. Aber sie werden sich auch nicht aktiv an ded Abwehr eines solchen Angriffs beteiligen, well sie fürchten, daß dann der vorläufige Verzicht der Nationalsozialisten auf die Aenderung der deutschen Nordostgrenze(Weichsel-Korridor und Oberschlesien) wieher rückgängig gemacht wird. Ihr Gedanke ist vielmehr: wenn das nationalsozialistische Deutschland sich ins Donaubecken hinein auS- dehnt, müßte auch Polen zum Machtausgleich dort einen Landzuwachs erhalten. Dafür erscheint ihnen Tschechisch-Schlesien mit seiner teilweise polnischen Bevölkerung, seinen reichen Bodenschätzen und seiner wertvollen Industrie ein£e» eignctcs Gebiet Historisch wird dieser Anspruch Seite 2 Sonntag, 10. November 1935 Nr. 262 När. Sjedn. verfügt wurde. —EvZen Eiern, zum Direktor vorzuschlagen. Genosse Dr. Evjen Stern Direktor der Zen- tralsotialversicherungsanstalt. Der engere Vorstand der ZSBA hat beschlossen, anstelle des verstorbenen Genossen Dr. Fleischmann den bisherigen Generalsekretär der Anstalt, Genossen Dr. damit begründet, daß nach dem Weltkrieg in jener Gegend eine Volksabstimmung stattfinden sollte, auf die Polen nur verzichtet habe, weil es 1920 durch seinen damaligen Krieg mit der Sowjetunion und die zahlreichen Abstimmungskämpfe mit Deutschland dazu gezwungen war. Strategisch liegt die Bedeutung des tschechisch-schlesischen Bcrglandes darin, daß von dort aus die Verbindung zwischen Polen und Ungarn hergestellt oder auch gestört werden kann. Das interessiert die Warschauer Militärkreise in erhöhtem Matze, seitdem die Tschechoslowakei ihren Hilsspakt mit der Sowjetunion abgeschlossen hat. Pariser Frontkämpfer in fünf Gruppen gespalten Paris. Der 17. Jahrestag des Waffenstillstandsabschlusses wird Montag erstmalig von der Regierrmg und den Behörden einerseits und den ehemaligen Frontkämpfern andererseits gesondert begangen werden. Die Frontkämpfer werden sich heuer mich an der gemeinsamen Defilierung vor dem Grabe des Unbekannten Soldaten nicht beteiligen, sondern werden etwa in fünf gesonderten Abteilungen je nach der verschiedenen politischen Zugehörigkeit ihrer Organisationen defilieren. In den RachmittagSstnnden wurde bekannt daß Dr. Pavlik schriftlich auf sein Bürgermeisteramt resigniert hat. Wie wir weiter erfahren, hat Dr. Pavlik versucht, die unangenehm gewordene Verteidigung niederzulegen. Nach 8 274 St. P. O. hat die Niederlegung der Vertretung durch den Verteidiger die V e r t a g u n g des Falles zur Folge, bis ein neuer Verteidiger nominiert ist und die Sache des Klienten weiterführt. Da die Niederlegung der Verteidigung im laufenden Verfahren aber nur aus sehr schwerwiegenden Gründen anerkannt w'rd, hätte Dr. Pavlik für die durch die Vertagung auflaufenden Gerichtskosten aufkommen müssen. So viel uns bekanntgeworden ist, hat sich Dr. Pavlik damit begnügt, sich für den weiteren Verlauf durch seinen Konzipienten vertreten zu lassen, so daß sein Mandat noch immer besteht. Nach eigener Angabe Dr. Pavliks hat er von seinem Klienten Inspektor Ttbenszki 4000 XL und von den Eltern seines zweiten Klienten Bauer einstweilen 3400 XL erhalten. Wiener Straßenbahner In der illegalen Front Wien.(Tsch. P. B.) In den letzten Tagen wurden in drei Wiener Bezirken insbesondere in Neubauten bei Angehörigen der aufgelösten sozialdemokratischen Partei zahlreicheHauS- durchsuchungen vorgenommen. Eine große Anzahl von Personen wurden verhaftet oder dem Polizeikommiffariat vorgeführt. ES handelte sich meistens um Ange st eilte der Wiener elektrischen Bahne«. Rach dem Verhör wurde jedoch die Mehrheit der Verhafteten oder Borgeführten wieder entlassen. Ungefähr zwölf Personen blieben in Hast. Diese neuen Verhaftungen erfolgten auf Grund von Material, daS bei Haussuchungen ungefähr vor zehn Tagen im 14. und 15. Bezirk gefunden wurde. Die Polizei fand damals außer anderem Material auch rin Verzeichnis der Mitglieder einer großen illegalen Organisation. DaS Verzeichnis enthielt aber keine Namen, sondern nur Zahlen. Durch die weitere Untersuchung stellte sodann die Polizei anch dir Namen der Mitglieder fest, nahm neue Durchsuchungen und sodann Verhaftungen vor. Ribbentrops Reise noch In Dunkel gehüllt Paris. Der französische Botschafter in Berlin Francois Poncet, der Samstag von Laval empfangen wurde, erklärte den Journalisten, daß er aus familiärenGrün- den(?) nach Paris gekommen sei und daß er bei dieser Gelegenheit von Laval empfangen worden sei. Auf die Frage, was an den Gerüchten Mer eine baldige Reise Ribbentrops nach Paris Wahres sei, erwiderte Francois Poncet, daß ihm über diese Angelegenheit n i ch t s B e st i m m- teS bekannt sei. Auswirkungen des Prager Spionage* Prozesses im tschechischen Lager Weinberger Bürgermeister. Verteidiger Dr. Pavlik, resigniert auf sein Amt Für eine amtliche Unter- suchunsskommission Ins industrielle Grenzgebiet In einer Betrachtung über die Verhältnisse im industriellen Grenzgebiet der Republik schreibt die vom Vorstand der volkswirtschaftlichen Abteilung des Ministerratspräfidiums Bittermann herausgegebene„Hospodakska po- litika": Alle die mehr oder weniger privaten Stimmen, Fahrten und Expertisen genügen nicht— auch wenn sie noch so interessant und erfolgreich sind— zur objektiven Klärung der Verhältnisse im nordböhmischen Industriegebiet. Dazu wäre eine offizielle Untersuchung notwendig, welche auch das unparteiische Interesse der Regierung am Schicksal unserer deutschen Landsleute bekräftigen würde. Wir kehren deswegen wieder zum Antrag zurück, welchen wir hier vor kurzer Zeit gemacht haben, es möge eine Untersuchungskommission offizieller Faktoren g^ildet werden» in der auch die politische« und wirtschaftlichen Vertreter des deutschen Elements im noroboh- mischen Gebiet wären und welche kcnkret und objektiv den wirklichen Stand der hauptsächlichsten Industriezweige, von denen die Existenz der Bewohner dieser Gegenden abhängt, die Ursachen ihrer mißlichen Lage und die möglichen Wege zur Besserung untersuchen würde. Es ist das die beste Art allen Rekriminationen und Borwürfen, seien sie berechtigt oder unberechtigt, zu begegnen. Prag. Die gesamte Presse hat bei Eröffnung des großen Spionageprozeffse gegen Anna Diene! und Konsorten die Tatsache hervorgehoben, daß die Angeklagten Tebenszki und Bauer von Dr. Otto Pavlik verteidigt werden. Dr. Pavlik war Nationaldemokrat und später Angehöriger des„Närodni sjednoceni", also der nationalistischesten tschechischen Gruppe, als deren Kandidat er auch zum Weinberger Bürgermeister gewählt wurde. Es konnte nicht ausbleiben, daß die Uebernahme der Vertretung zweier der Hitlerspionage beschuldigter Angeklagter entsprechend glossiert wurde. Die Sache erregte solches Aufsehen, daß die Partei des Herrn Dr. Pavlik schleunigst eine Sitzung des Parteivorstandes berief, deren Ergebnis war, daß Dr. Pavlik die Frage vorgelegt wurde, ob er die Vertretung seiner deutschen Klienten ex offo oder gegen Entlohnung übernommen habe. Im„Expres" wird nun bekanntgegeben, daß Dr. Pavlik zugegeben hab«, daß er Von Prag aus gesehen, ist dieser Hilfspakt' biefe Sache gegen Honorar übernahm und daß eine Sicherung der tschechoslowakischen Grenzen! daraufhin sein Ausschluß aus dem gegen etwaige Angriffe. Die Leiter der polni schen Heeres- und Außenpolitik aber sehen darin vor allem ein« Erweiterung des Ak tionskreises der Sowjetmacht, die nunmehr im Ernstfall nicht nur östlich, sondern auch südlich von Polen Mit ihren Streitkräften vor allem in der Luft in die Erscheinung treten könnte. Da auch im Norden das kleine Litauen sich trotz seinem fascistischen Regierungssystem außenpolitisch eng an das Rätereich anlehnt, fürch tet Polen, von dem starken östlichen Nachbarn bei einem Konflikt gewissermaßen eingekreist zu wer den. Diese Furcht bildet den mächtigsten Antrieb für die zeitweilige Annäherung Warschaus an di« deutsche Politik. Einer solchen Annäherung sind aber enge Grenzen gezogen, da der Umfang der deutschen Aufrüstung den westlichen Nachbarn Polens als„Beschützer" immer gefährlicher macht. Als Hitler offen mit der Rückeroberung des litau ischen Memelgebietes drohte, wandte sich auch der polnische Außenminister mit einigen deutlichen Gesten gegen eine solche deutsche Ausdehnungs politik im Nordosten. Und die polnischen An sprüche auf Tschechisch-Schlesien beruhen nicht, wie eS manchmal erscheinen mag, auf einem mit Ber lin und etwa noch mit Budapest verabredeten Auf teilungsplan für die Donauländer, an dessen Exi stenz wir nicht glauben. Diese polnischen Expan sionspläne stehen eher— wie auS hundert Anzei chen des gegenseitigen Mißtrauens zwischen Hit ler-Diplomaten und Pilsudski-Offizieren zu er kennen ist— im Wettbewerb mit dem deutschen Imperialismus. Ist es vorteilhaft oder nachteilig für den Frieden, daß di« iinperialistischen Interessen der Machtstaat«« auch in Mittel- und Osteuropa nicht übereinstimmen? Man kann darüber verschie dener Ansicht sein. Vielleicht würde ihre engere Zusammenarbeit den Ausbruch von Konflikten be schleunigen. Ihre Gegensätze aber schaffen wei tere Reibungsflächen. Die organisierte Arbeiter- schqft wird in ihrer Rolle als Friedenshüterin die Entwicklung dieses feuergefährlichen Spiels nicht aus den Augen lassen dürfen. S Der Lakai Verbekhoven Von Max Hochdorf »Der Kaiser mitten in meinem Volke", dachte Verbekhoven,„und er besitzt noch beide Hände, um mit dem Säbel zu raffeln, und er wird nun seinen Besuch benutzen, um den Säbel mit der vergifteten Schneide auf mein ahnungsloses, verträumtes, verwöhntes Voll niedersausen zu lassen!" Wie Verbekhoven da in der Zeitung das Bild des Kaisers vor sich sah, dieses Gesicht mit den kalten Augen, diesen in Hochmut und Uebermut aufgezwirbelten Schnurrbart, diesen Mund, an dem ganz deutlich war, daß er immer reden und reden mußte, um die Welt mit Ueberraschungen und Verblüffungen zu überschütten, da bemächtigte sich Verbekhoven zunächst eine unermeßliche Niedergeschlagenheit. Der Kaiser erschien ihm nicht nur räuberisch, er erschien ihm auch gerissen. An der Stirn des Kaisers, einer hohen, ge- 'wölbten Stirn, schien alles abzuprallen, was Milde und Mitleid des Großen mit dem Kleinen hätte sein können. In den Gedanken, die hinter dreser glatten, wie ein Stahlpanzer polierten Stirn wohnten, schien nur ein Wille zu leben, aber keine Weichheit, nicht einmal die Laune, aus den Krallen eine Beute zu lassen, auf die sich einmal die Begehrlichkeit gestürzt hatte. Und Verbekhoven, der sich in dieses Bildnis vergrub, verzagte, wenn er über das Schicksal seines Volkes grübelte. Die Fliege wird immer im Netz der Spinne verenden, mag sie auch noch so mutig mit den Flügeln schlagen. So grWelte Verbekhoven. Er verfiel zusehends, jede Speise wies er zurück. Als Dr. MattheuS kam, um ihn mit der Sonde zu nähren, sttäubte Verbekhoven sich nicht. Ja, er war sogar sanft und nachgiebig, so als wenn er damit zählte, daß alles doch zwecklos wäre. Mochte der Arzt mit ihm tun, was er wollte, er würde ihn doch sticht meht hoch kriegen. Tenn er, Verbekhoven, der sich in das Bild des Kaisers ein« grub, wurde durch diesen Anblick vollständig gelähmt. Von diesem Bild, dieser Stirn, diesem Mund, blitzten Todesstrahlen, die in das Mark Verbekhovens eindrangen, jede Ader abschnürten, jeden Nervenstrang abtöteten. Wie er schon nicht mehr war und nur noch die Augen krampfhaft zusammenpretzte, um nicht von dem überirdischen Höllenlicht des Kaiserbildes ganz Und gar zerfasert zu werden, kam plötzlich eine Erleuchtung über ihn. Der Kaiser würde in das Land des jungen Königs kommen. Hatte das nicht mit Riesenlettern in der Zeitung gestanden? War die Tatsache nicht von hMen und drüben be- stättgt worden? Und dieses Land, war es nicht auch das Land Verbekhovens? Er kannte jeden Weg und Steg darin. Kommen würde der Kaiser persönlich. Aber würde er es merken, daß Gott selber ihn in die Hände Verbekhovens gegeben hatte? Diese Zettungsnachricht von dem Besuch« des Kaisers war nichts anderes als Gottes Wink. Verbekhoven fühlte es. Sie war Gottes Befehl, und der Befehl erging an keinen anderen als an Verbekhoven. Er brauchte nicht mehr darüber zu seufzen, daß er sein Land nicht mehr verlassen durste. Er brauchte sich nicht mehr in das fremde Land«inzuschleichen. Zu warten brauchte er nur auf seinem Boden und auf seinen Tag, und dann würde alles vollbracht sein. Das war die große Erleuchtung, die Verbekhoven besser tat als jede Medizin des Doktor Mattheus. Er söhnte sich wieder mit Gott aus. Er verlangte aufzustehen. „Vorsichtig", mahnte Frau Goossens,„daß du nicht umknickst, wo du so lange hingestteckt gelegen hast." Er achtete nicht darauf. Wirklich, die Lähmung war von ihm wie durch ein Wunder abgefallen. Er ging im Hause herum, als hätte er niemals das bösartige Absterben in allen Gliedern gespürt. Er entwickelte einen gesegneten Appetit. Um aber vorsichtig zu sein und nicht behindert zu werden, bevor er sein großes Werk tun könnte, Merwachte er immer noch die Küche, in der sein Essen hergerichtet wurde. „Sehen Sie, Verbekhoven", sagte Doktor Mattheus,„ich wußte, daß Sie die Krise über- stehen würden. Dieser Stupor, das war die letzte Etappe, daS war das heilsame Fieber, das alle Krankheit aus Ihrem Blut herausgejagt hat." Die stemden und bedrohlichen Worte, die der Arzt gebrauchte, verstand Verbekhoven gar nicht. Aber sie flößten ihm auch keine Angst mehr ein. Was er wußte, das war viel wichtiger als die Vokabeln des Doktors. Verbekhoven betete zu Gott, daß er ihm seinen Bestand erhalten, daß er ihm die Hände lenken möge zum Guten. Im Garten des Hauses Goossens konnte man mit dem Bogen nach der Scheibe schießen. Das tat Verbekhoven stundenlang, und bald traf er nur noch ins Schwarze. Diese Zielsicherheft gab ihm sein ganzes Gleichgewicht zurück. Er war der freundlichste und fröhlichste Bewohner in der Stadt der Wahnsinnigen. Er war der Stolz seiner Pflegefamilie.„Bin ich wirklich krank gewesen, kleine Mutter?" stagte er Frau Goossens. Sie antwortete, indem sie seine Hand faßte:„Es ist Gott sei Dank nicht das erste Wunder, daS bei uns geschieht." Unter solchen Umständen zögerte Doktor MattheuS nicht länger, dem Kranken zu gestatten, daß er zu seiner Familie heimkehre, Verbekhoven erbat eS so ruhig, so überlegt und mit Worten, die nichts als die Sehnsucht des gesundeten Gatten und Familenvaters offenbarten. Der Arzt meinte:„Sie sind sich doch darüber klar, Berbek- hoven, daß Sie in einer miserablen Haut gesteckt haben?" „Ja", erwiderte der Lakai,„und jetzt hab ich mir ein neues Fell angeschafft. Ich bin wie neu geboren, wie abgeschuppt, wie abgeschrubbt. Ich danke Ihnen, Doktor, daß Sie mir dazu verhalfen haben, und auch der Mutter Goossens danke ich, daß sie mir Suppe und Fleisch so fein gekocht hat." England und die CSR Im Anschluß an die Rede des Außenministers Benes tauchen Merall Mutmaßungen Mer die weitere Entwicklung der englischen Außenpolitik auf. Besonders interessieren in diesem Zusammenhang die Mitteilungen von GeneviSve Tabouis im„Oeuvre": „Wir erfahren aus bester Quelle, daß die Engländer unmittelbar nach den Wahlen, jedoch vor Inangriffnahme ihres nunmehr bekannten umfassenden Aufrüstungsprogrammes zum leh- tcn Male bei der deutschen Regierung vorstellig zu werden wünschen, um mit Frankreichs Hilfe g e m e i n s a m e i n e D e m a r ch e zu machen oder vielmehr um an die deutsche Regierung„eine freundschaftliche Aufforderung" zu richten, Hftler möge die Aufrüstung des Dritten Reiches begrenzen oder sein Programm zum mindesten abschwächen. Man fügt hinzu, daß sich die Mächte über die Einzelheften auf gütlichem Wege zu Dritt darüber einigen könnten. Dieser Schritt, den die englische Regierung unbedingt nur mit dem Einverständnis der französischen Regierung zu unternehmen gedenke, könnte an sich in etwa einem Mo- n a t erfolgen. Die Engländer sind der Meinung, daß die Rede des Generals Göring, in der dieser Frankreich wissen ließ, Deutschland sei zu einer Verständigung mit Frankreich bereit, ohne jedoch jetzt oder in Zukunft auch nur ein Jota der deutschen Rüstungen aufgeben zu wollen, nicht gerade ein gutes Anzeichen sei. Die englische Regierung will daher auf Grund der Ueberzeugung, daß jede deutsche Expansion in Ost- oder Mittel- Europa eine Bedrohung des europäischen Friedens bedeuten würde,„Germany quiet" halten. Die Tschechoslowakei, die bisher fürdie E n g länder lediglich ein geographischerBegriff war, wird nun zum ersten Male als ein Staat betrachtet, dervonentfchei- dendem Interesse für das Gleichgewicht in Europa ist. Des- wegen spricht Benes davon,„daß England verstanden hat, welches die leicht anzuwendenden Mittel sind, um Europa vor einer Katastrophe zu bewahren. Die Stärke der Tschechoflowakei liegt darin, daß die konsttuttiven Elemente in Europa an der Erhaltung seiner Integrität interessiert find." Gorahai ohne Widerstand besetzt? Dschibuti. Von der italienischen Somalifront wird gemeldet, daß alle befestigten Posittonen bei Gorahai vcn italienischen Abteilungen mit Panzerautomobilen besetzt wurden, ohne daß sie auf Widerstand gestoßen wären. Nach der letzten, sehr heftigen Bombardierung des Gorahai-Bezirkes durch italienische Bombenflieger ergriffen die abessinischen Truppen, die auf 3000 Mann geschätzt werden, die Flucht und ließen an Ort und Stelle viele kleine Geschütze und Maschinengewehre zurück. Die italienischen Abteilungen verfolgen die Abessinier in ncrdöst- licher Richtung von Gorahai. Nach den Frontberichten der römischen Abendpresse ist die ganze italienische Front von der Setit-Grenze bis in die Danakil-Wüste immer noch im Vormarsch, wenn auch große Operationen zur Zeit nicht im Gange sind. Uebereinstimmend wird eine sehr planmäßige und starke Patrouillentätigkeit gemeldet. „Das meiste verdankst du aber", wehrte Frau GoossenS bescheiden und glücklich ab, deiner eigenen Natur und deinem guten Stern." „Meinem guten Stern", dachte Ver bekhoven,„wie schön, wie richtig sie das gesagt hat! Und doch ist sie mit dem König im Komplott und ich muß mich'retten, daß ich noch rechtzeitig meinem guten Stern folge." Mit einem mächttgen Blumenstrauß, auS Rosen und weißen Floxblüten und langstieligen, braunen Königslilien, aber auch aus den Aehren des AckerS zusammengebunden, begab sich Verbekhoven auf die Heimreise. Die ganze Schönheit des Landes, in dem er gesundet und erleuchtet worden war, wollte er seiner Frau und seinem Sohne ins HauS tragen. Nur das Geheimnis seines Bündnisses mit Gott, daS sich gegen den Kaiser richtete, behielt er für sich. Dann auch, wenn er seinen Sohn Leopold an die Hand nahm und mit ihm durch die Straßen der Hauptstadt spazierte, wenn er mit ihm die Paradeschau der Weltausstellung besichtigte. Schon waren die verkohüen Trümmer weggeräumt. Man hatte in Eile wieder aufgebaut, was das Feuer zerstört hatte. Die Völler der Erde hatten neue Kästen, mit neuen Reichtümern und Kostbarkeiten angefüllt, geschickt, aber eS war nur noch eine halbe Pracht. Auch fing es schon zu herbsten an. Oft, wenn Verbekhoven seinen Sohn Leopold durch di« Hallen führte, hörten sie die schweren Regentropfen auf Dach und Fenster niederklatschen. Rur in den Hallen des Kaisers hörten sie das nicht. Dort watsten sie auch nicht durch dunstverhangene Atmosphäre. Dort schwamm alles in blendendem Lichte. Dort donnerten die Motoren, sie waren also stärker als die Nattir, siegreicher als die Traurigkeit des Herbstes. Dort musiziert««S aus schmetternden Instrumenten, lauter Wunderwerken, die kein anderes als das Boll deS Kaisers so vollkommen herzustellen verstand. (Fortsetzung folgt. Nr. 262 Sonntag, 10. November 1935 Seite 3 fudetendeutscfier Zeitspielen Wachsende Gewinne hier— wachsendes Elend dort! Vom Elend der westböhmischen Porzellanarbeiterschaft „Volksgemeinschaft" durch Lohnabbau I Der Schrei nach HilfeI Wer durch die Jndustriebezirke wandert, wer die blassen unterernährten Kinder sieht, die arbeitslosen Väter, die jahraus, jahrein vergeblich auf Beschäftigung warten und langsam in hoffnungsloser Apathie untergehen, wer in die engen, elenden Wohnungen dieser Arbeiter geht und sieht, wie Schmalhans unerbittlicher Diktator ist, kurz, wer im Elendsgebiet beobachten kann, wie Verzweiflung und Fatalismus alle Opfer unserer unermüdlichen Funktionäre zunichte zu machen drohen, der Weitz, Latz hier schleunigste Hilfe nicht nur ein Gebot der Menschlichkeit, sondern auch eine elementare Forderung der politischen Klugheit ist. Die gewissenlose Agitation der Henleinpartei reitet mit sadistischer Wollust auf dieser Not der sudetendeutschen Arbeiterschaft herum und sucht sie für ihre volksfeindliche Propaganda zunütze zu machen» obwohl die„Kameraden Unternehmer" nicht zuletzt daran schuld sind, datz das Elend innerhalb der Arbeiterschaft grausige Dimensionen angenommen hat. Halbverädete Fabriken und Kurzarbeit... Nicht nur den Arbeitslosen geht es furchtbar schlecht, den Arbeitern und Arbeiterinnen, die das Glück haben, in Arbeit zu stehen, geht es kaum viel besser. 8m Karlsbader Bezirk sind die Porzellanindustrie und die ihr verwandten Betriebe massgebende Jndustriefaktoren. Pirkenhammer Porzellane sind in aller Welt berühmt, aber wie sieht es heute in diesem einst so glanzvollen Industriezweig aus? Die Fabriken find halb verödet, soweit sie überhaupt noch in Betrieb sind, wird Kurzarbeit geleistet. Das Büro des Verbandes der Glas- und Keramarbeiter in Karlsbad-Fischern kann mit Zahlen aufwarten, Zahlen, die der Statistik entnommen sind... Aber wieviel Leid enthalten diese trockenen Berichte vom sudetendeistschen Arbeiteralltag I Unerträglich schlecht sind die Lebensverhältnisse der Arbeiter. Wie aber gehttes den Unternehmern, die stets so beweglich zu klagen verstehen? Trotz allem wachsender Wohlstand der Unternehmer! Nehmen wir einmal die letzte Nummer des „Prager Börsen-Courier" zur Hand. Hier finden wir einen sehr instruktiven Bericht über die Lage der Z e t tlitz e rKaolin-Werke, einer führenden Firma der einschlägigen Branche. Dieser Bericht ist gewiss nicht mit Gehässigkeit oder aus böser Absicht geschrieben, im Gegenteil, er stammt aus einer den Unternehmern aufs engste verschwisterten Quelle und ist so gewiss Bürgschaft für unbedingte Objektivität. Wir lesen da von der stürmischen Expansionstätigkeit des Unternehmens, das auch in Deutschland Fuss zu fassen wusste. Dann heißt es, datz die Zettlitzer Kaolinwerke„die Früchte eines langen Jahre dauernden Konsolidierungsprozesses zu ernten beginnen". Weiter lesen wir:»,... dass im Konzern verdient wird, geht aus der Bilanz 1984 hervor. Bei 17 Millionen A. K. werden fünf Millionen abgeschrieben. Das Jahr 1935 bringt ungefähr die gleichen Verdien st e wie 1934..." Weiter:«... die Zettlitzer Kaolin ist eine reiche Gesell, schäft... Erfreulicherweise wird der Anteil der Banken an den Erträgnissen des Unternehmens immer kleiner, die Chancen des Aktionärs hingegen wachsen... Gesamturteil: Zettlitzer Kaolin gehört zu den guten Aktien der P r a g e r B ö r s e." „Spitzenlöhne" als Hungerlöhne! Und wie leben die Arbeiter? Lassen wir Zahlen sprechen! Sie kann niemand anzweifeln. Der Tages Durchschnittsverdienst der Kaolin- Industrie beträgt für M ä n n e r 29.33 XL, für Frauen 16.20 XC, am Tage. Im Durchschnitt also 28.57 XL. Diese Sätze, die, wie der Verband in seiner Zeitschrift feststellt, nicht einmal für das primifivste Leben reichen, werden von einer Industrie gezahlt, die, wie die Unterneh- merorgane feststellen, sich im Aufffieg befindet und ausgesprochen„reich" ist. Reich— auf Kosten der Arbeiterschaft!" Aber die Sätze in der Kaolin-Industrie sind noch„Spitzensätze"—! In der Porzellanindustrie zahlt man den Männern 24.07, den Frauen 14.30 XL am Tage, im Durchschnitt also, beide Kategorien zusammengerechnet, 18.35 XL am Tage. In der Tonindustrie werden den Männern 23.81, den Frauen 14.50 XL fiir den Tag gezahlt. Hier herrscht übrigens, infolge der Interesselosigkeit der Tonarbeiterschaft und begünsfigt durch die asoziale Eiksstelluntz der Unternehkner, ein vertragsloser Zustand, der jeder Willkür Tür und Tor öffnet. Export und Import steigen— nur der Lohn bleibt untenI Datz diese niedrigen Löhne gänzlich unberechtigt sind und mit den wirtschaftlichen Verhältnissen nicht begründet werden können, beweist ein Blick in die Stafistiken, Im Jahre 1934— soweit liegen statistischeBerechnungen vor—ist der Export der Porzellanindustrie von 10,517.779 Kilogramm Bruttogewicht im Jahre 1933 auf 11,628.955 Kilogramm Bruttogewicht gestiegen, das bedeutet ein A n w a ch s e n der Exportziffer um 10.56 Prozent. Auch der Jnlandabsatz ist in dieser Zeit um annähernd eine Million XL gestiegen. Er wäre noch wett höher gewesen, wenn die kurzsichtigen Unternehmer nicht durch ihre asoziale Lohnpolitik die breiten Massen als Absatzbasis nahezu völlig aus- schliehen, da die Schandlöhne nicht einmal zum Ankauf der notwendigsten Dinge zum Leben genügen. Die Entwicklung des Jahres 1935 dürfte mit der Aufwärtsbewegung des Jahres 1934 wahrscheinlich Schritt halten, doch lassen sich hier noch keine präzisen Berechnungen anstellen. Noch stärker als in der Porzellanindustrie zeigt sich die Aufwärtsbewegung in der Kaolinindustrie. Der Export des Porzellankaolins stteg im Jahre 1934 gegenüber dem Vorjahre sogar um 15.29 Prozent, der Jnlandsabsatz sogar noch» erheblicher, nämlich um 17,46 Prozent. Nur das Papierkaolin weist im Export einen Rückgang auf. Auch hier dürste die Gesamt- Entwicklung des Jahres 1935 keinerlei Konjunkturänderungen aufweisen. Zum Hunger fascistische Terrorversuche... Die Not der sudetendeutschen Porzellan- Industrie hat selbstverständlich die Akfivität aller Feinde der Arbeiterschaft wesentlich verstärkt. Es fehlt auch nicht an Versuchen fascistischer Angestellter, bei Anstellungen einen Gesinnungsterror auszuüben, henleinistische Arbeiter zu bevorzugen und den fteigewerkschaftlich organisierten, republikanisch und demokratisch gesonnenen Arbeitern Schwierigkeiten zu bereite». Die Unternehmer rücken allerdings in solchen Fällen meist von ihren Angestellten ab und behaupten, die schmählichen Uebergriffe seien ohne ihre Billigung erfolgt... Die einzige Hilke: gemeinsamer Kampf! Alles in allem: steigende Gewinne der Unternehmer, unerträglich niedrige Hungerlöhne, wachsende Not der Arbeiter, auch jener, die in Arbeit stehen. Die Henleinbewegung hat, waS zu erwarten war, die Tendenzen zu hemmungsloser Ausbeutung nur verschärft, am skrupellos festen in der Bereicherung auf Kosten der Arbeiterschaft sind die„volksgemeinschaftlichen" Unternehmer, die in der Henleinfront stehen. Die Not ist nicht allein in der wirtschaftlichen Krise begründet, sie wird, weit über dieses KrisenauS« matz hinaus, durch die soziale Unvernunft der Unternehmer verschärft, die im arbeitenden Menschen nur ein Objekt zum persönlichen Gewinn sehen. Helfen kann den Armen im sudetendeutschen Gebiet nicht die Schürung des Hasses gegen den Marxismus und die Auspeitschung nationaler Leidenschaften, wie sie die Henleinpartei betreibt, sondern einzig und allein der freigewerkschast- licheZusammenschluss und der gemeinsame Kampf aller Werktätigen in der wirklichen Front des Volkes, in der Front des Sozialismus, und damit also in der Front der Sozialdemokratie! P. Vom Krebs, der den Krebs hat Von E. Aldt. Um eS nur gleich herauszusagen: Um unseren Flusskrebs handelt es sich hier nicht, sondern um einen Meeresbewohner. Und wenn ich sage: »er hat den Krebs", so ist damit auch nicht die furchtbare Krebskrankheit gemeint, die verschiedene Organe des Menschen befällt und zahllose Todesopfer fordert, sondern wirklich und wahrhaftig ein Krebs und nicht nur eine Krankheit, die zufällig diesen Namen trägt. Es ist also durchaus berechtigt, von den Krabben zu behaupten, dass sie zuweilen am Krebs leiden, das will ich beweisen und die Sache ist interessant genug. Diese Krcchben tragen nämlich ost lebenslang ein Ding mtt sich herum, das aussieht wie ein Organ ihres eigenen Körpers, das aber in Wirklichkeit ein Fremdwesen ist, das selbst in die grosse Familie der Krebse gehört, wenn es der oberflächlichen Betrachtung auch gar nicht so scheinen mag. Wenn ich also von meiner Krabbe sage,„sie hat den KrebS", so. ist daS etwa in dem Sinne gemeint, in dem man von jemandem sagt: er hat einen Floh, oder: er hat einen Bandwurm. Wer einmal eine Zeit am Meeresstrand verbracht und sich ein wenig mit der Tierwelt der Küste befteundet hat, der hat wohl auch die Bekanntschaft der Strandkrabben gemacht, die in verschiedenen Arten an allen europäischen Küsten häufig sind. Diese meist etwa handtellergrossen Krebse haben eine breite, gedrungene Gestalt. Der kurze, verkümmerte Hinterleib ist gegen die vertteste Unterfläche der starken gepanzerten Brust umgeschlagen, so dass das ganze Tier breiter als lang erscheint. Ein Paar derber Scheren macht die Krabbe zu einem recht wehrhaften Geschöpf, was die zugreifende Hand empfindlich zu spüren bekommt. An der Form des untergeschlagenen Hinterleibes sind Männchen und Weibchen der Krabben leicht zu erkennen. Er ist beim Weibchen viel breiter ausgebildet und dient zur Befestigung und zum Schutz der zahlreichen Eier, die das Tier längere Zeit mit sich herumträgt. Sehr häufig begegnet man nun Tieren, Weibchen sowohl als Männchen, bei denen an der Unterseite, eben dort, wo bei den Weibchen die Eier angeheftet sein sollten, ein merkwürdiges, weiches, gelbliches, sackförmiges Gebilde sich breit macht. Das ist der Parasit. Er kommt ausserordentlich häufig vor, wovon ich mich gelegentlich eines Aufenthaltes am Mittelmeer überzeugen konnte. Die Krabben wohnten zu Tausenden in dem Gemäuer einer alten Hafenanlage, deren Fugen und Hohlräume ihnen willlommene Schlupstvinkel boten. Etwa jedes zweite Tier, das ich zu fassen bekam, war von dem Schmarotzer befallen. Vielleicht lag das auch daran, dass die befallenen Tiere matter in ihren Bewegungen und daher leichter zu fangen sind, obzwar die meisten von ihnen immer noch recht flink und wehrhaft waren. Die Krabben sterben meist nicht an dieser Krankheit. Es liegt schon im Interesse des Schmarotzer-, den Wirt am Leben zu lassen, mit dem er zeitlebens auf Gedeih und Verderb verbunden ist. Aber sie sind doch in ihren Lebensäusserungen stark gehemmt. Bielen begegnete ich, die längst nicht mehr alle ihre zehn Beine beisammen hatten, weil sie offenbar im Kampf mtt gesunden und ihnen daher überlegenen Artgenossen einige eingebüht hatten. Die Zoologen nennen diesen Schmarotzer der Krabben„S a c c u l n a", das heisst: ein kleines Säckchen. Und diesen Namen.trägt er zu Recht. Wie ein lebendes Wesen, ein selbständiger Organismus wirkt er keinesfalls. Da ist kein Kopf uqd kein Fuss, kein Mund und kein Auge zu sehen. An einem dünnen Sttel tritt das gelbe, sackförmige Etwas aus dem Körper der Krabbe hervor und hängt bewegungslos, breit und dick an ihr, als wäre es ein Teil von ihr. Tötet man eine solche Krabbe zwecks näherer Untersuchung, die freilich nicht ganz leicht durchzuführen ist, dann bietet sich ein merkwürdiger Anblick dar: dieses sackförmige Gebilde ist nämlich tatsächlich wie ein Organ des Körpers mit diesem verwachsen. Es ist nicht möglich, den Schmarotzer einfach abzulösen, denn man sieht nun, dass er volllommen verwurzelt ist in seinem Wirst. Verzweigungen gehen von ihm aus, die den ganzen Körper der Krabbe mit einem Geflecht von Saugfäden durchsetzen. Bis in die Füsse, die Scheren, die Organe des Kopfes hinein ziehen Fäden, alle Körpergewebe umspinnend. Der ganze Leib der Krabbe ist förmlich durchwurzelt von dem Schmarotzer, der sesbst weder Magen noch Darm, weder Gehirn noch Sinneswerkzeuge besitzt und braucht: nichts als unzählige Fäden, die in die Tiefen des Wirtskörpers eindringen. Mit welchem Recht nennt man dieses formlose Etwas, diese Geschwulst am Körper der Krabbe einen Krebs? Nichts in seinem Aussehen und seinem Verhalten erinnert auch nur im Entferntesten an einen solchen. Nur die Entwicklungsgeschichte der Sacculina erweist ihre Zugehörigkeit zum Stamme der Krebse. Aus ihren Eiern >gehen nämlich Larven hervor, die echte, richtige Krebslarven sind mit allen Merkmalen dieser und ausgerüstet mit allen notwendigen Organen. Im ersten Lebensabschnitt schwimmen diese Larven ftei herum. Später heften sie sich an jungen Krabben fest. So klein sind diese Larven, dass sie an irgend einer Borste am Körper der Krabbe genügend Platz finden. Sie bohren sich mtt einem griffelförmigen Fortsatz ihres Kopfes am Grund der Borste ein, und nun erfolgt etwas sehr Merkwürdiges: Der ganze Rumpf mit samt allem, was für das nun beginnende Schmarotzerleben überflüssig geworden ist, wird einfach abgeworfen und es bleibt nur der Kopsteil übrig, in welchem sich die schon kenntlichen Anlagen der Fortpflanzungsorgane befinden. Durch das Sttlett aber, welches sich in die Krabbenborste eingebohrt hat, wandern nun die Zellmaffen in die Krabbe hinein. Vom Blutstrom wird der Parasit bis an den Darm der Krabbe herangebracht. An diesen legt er sich an und entwickelt eine Menge fein verzweigter Fortsätze, die zum Aufsaugen der Nährstoffe dienen. An der Bauchseite der Krabbe, eben an der Stelle, wo der untergeschlagene Hinterleib ansetzt, erzeugt der Schmarotzer krankhafte Veränderungen, die bewirken, dass bei der nächsten Häutung der jungen Krabbe ein Loch in der Oberhaut entsteht, durch welches die Sacculina nach aussen durchbrechen kann. An dieser Durchbruchsstelle wächst nun 1918 November 1935 „Mit Lebensmittelkarten hat mein Ende auch angefangen.. Neue Angriffsabslchten Japans? Tokio.(Reuter.) Das Samstag vom Kriegsministerium veröffentlichte Kommunique greift scharf die angeblichen britischen Pläne betreffend die chinesischen Finanzen an und erwähnt die Gerüchte, wonach zwischen Großbritannien und China über eine Anleihe in der Höhe von 50 Millionen Dollars verhandelt werden soll, welche durch den Zoll« und Eisenbahn-Ertrag garantiert würde. Das Kommunique beschuldigt die Führer der Nanking-Regierung, dass diese zu ihrer eigenen Bereicherung ihr Land Ausländern verschachern, und fügt hinzu: Japan als stabilisierender Faktor im Fernen Osten kann die Augen vor irgendwelchen Versuche» nicht verschliessen, mit welche» Grotzbritannien aus China eine Halb- Kolonie unter der Herrschaft britischen Kapital- machen würde. Das Kommunique macht ferner darauf aufmerksam, dass die Zwangssendungen von nordchinesischem Silber nach Nanking in Nordchina nicht wiedergutzumachendes wirtschaftliches Chaos auslösen, dem Japan gegenüber nicht I u n t ä t i g bleiben könnten das grosse, sackförmige Gebilde hervox, welches von den im Innern des Wirtes verbleibenden Saugfäden ernährt wird. In diesem Sack gelangen jetzt die Eier des Schmarotzers zur Reifung. Die Produktion von Nachkommen ist eine ungeheuer grosse und das muss wohl mich so sein, soll sich diese Tierart erhalten können, denn zahllose der kleinen Larven gehen zugrunde, ehe sie ihr Ziel erreichen und nur ein verhältnismässig geringer Prozentsatz findet sein Opfer. Die Sacculina hat viele Verwandte, die sämtlich parasitisch leben und zwar ist jede Art an einen ganz bestimmten„Wirt" angepasst. Diese Wirte entstammen den verschiedensten Klassen des Tierreiches, bald sind es Würmer oder Schnecken, Krabben, Muscheln oder Fische. Man fasst alle diese verwandten Arten zusammen unter dem Namen„W u r z e l k r e b s e", eben ihrer Eigentümlichkeit wegen, sich im Körper ihres Opfers zu verwurzeln, ihn zu durchflechten mit ihrem Wurzelsystem, welches ihr Ernährungsorgan darstellt. Die Nahrungsaufnahme erfolgt auf osmotischem Wege, durch die ganze Oberfläche der Wurzelfasern. Daher brauchen die Tiere weder Kauwerkzeuge, noch Magen und Darm. Alle Körperfunktionen sind reduziert auf eine einzige, auf die Produktion von Nachkommenschaft. Auf sie ist der ganze Organismus ausschliesslich eingestellt. Dafür macht der Parasit fehr ost seinen Wirt fortpflanzungsunfähig. Manche Arten von Wurzelkrebsen bewirken bei ihren Wirten eine sogenannte„parasitäre Kastration". Die Ovarien der Weibchen werden degene- rativ verändert. Bei den Männchen dagegen kommt es zuweilen zu einer Umstimmung des Geschlechtes, indem die sekundären Geschlechtsmerkmale denen der Weibchen ähnlich werden. Ja es kommt sogar vor, dass die männlichen Geschlechtsdrüsen dieser Tiere beginnen, statt der Samenzellen Eier zu produzieren. Und der Krebs, der am Krebs leidet?-— Er stirbt nicht an seinem Leiden. Aber er ist versllavt auf Lebenszeit. Und statt der eigenen Kinder trägt er die eines Eindringlings mit sich herum. Die Brut seines Feindes muß er an seinem Körper nähren» Seit« 4 Sonntag, 10. November 1935 Nr. 262 Der Mord im Stundenhotel Der Täter, ein arbeitsloser Achtzehnjähriger, verhaftet Ueberfall auch in einem andern Hotel Mord bei Pardubitz? Pardubitz. Freitag abends wurde in einem Wald in der Nähe von Bad BohdaneL die Leiche einer Frau gefunden, in der die 32jährige schwachsinnige Antonie V i r t o v ä aus BohdaneL festgestellt wurde. Da verschiedene verdächtige Momente vorliegen, forscht die Gendarmerie nach, ob es sich nicht um einen Mord oder eine andere gewaltsame Todesursache handelt. Dämon Geld Die Gattin aufgespießt und gebraten AuS Istanbul wird berichtet: Die Gendarmerie hat in dem Dorfe Alamund in Ost- Anatolien ein schreckliches Verbrechen festgestellt, dessen Opfer eine junge türkische Frau nach unmenschlichen Martern geworden ist. Der Bauer Veli in dem genannten Dorfe stellte nämlich fest, daß seine Ersparnisse von 180 türkischen Pfunden verschwun den seien und verdächtigte seine Frau, das Geld entwendet zu haben. Er drang in sie und bedrohte sie. Er verlangte von ihr die Rückgabe deS Geldes, die Frau versicherte aber dem Bauer ihre Unschuld. Der Bauer war aber von ihrer Schuld überzeugt und lockte sie mit seinem Bruder an einen einsamen Ort, wo sie sie beide gefangen hielten und marterten. Obwohl sie fortwährend ihre Unschuld beteuerte, hörten sie mit ihren Quälereien nicht auf imd zwangen sie, ein Geständnis abzulegen. Nach zehntägigem Martern ritz den beiden Uümenschen die Geduld und sie ermordeten die Frau in bestialischer Weise. Sie spießt e n sie auf einenPfahl auf und b riete n s i e üb e r e i n e m F e u e r, bis der Körper ganz verkohlt war. Als man nach der Ver- mihten suchte, entdeckte man das Verbrechen. Die beiden haben ihre Tat eingestanden. Fo»Ton Der von einem Tschechoslowake» erfundene neue Tonfilm-Apparat Prag. Der akademische Bildhauer F o i t führte Freitag im Kino Metro seine ersten k u l- tur-propagatorischen Filme vor. Es handelt sich um Tonfilmaufnahmen mittels einer neuartigen Apparatur, die die Bezeichnung F o- T o n führt. Bei einer Erläuterung seiner Tonfilm- Apparatur erzählte Foit auch, wie er zu seiner Tätigkeit als Kameramann angeregt wurde. Während einer Afrikareise stellte er fest, datz die Tonwiedergabe bei Afrika-Filmen eine grotze Rotte spiele und datz der Ton bisher in keinem Film norüial und naturgetreu wiedergegeben würde. Ein grotzer Teil der Arbeit, die Foit und seine Mitarbeiter im Laufe von zwei Iahten geleistet haben, ist durch unglücklichen Zufall vernichtet worden. Im Laufe von sieben Monaten wurde ein-zweiter Apparat gebaut, durch den lediglich die Tonaufnahme erfolgt, während der erste Apparat auch die Bilder festhielt. Bei dem zweiten Apparat wurde der Mechanismus, das optische und das elektrotechnische System verbessert. Foit Witt später Reportagefilme vorführkn. Seine Reportage-Apparatur, die erste tschechoslowakischen Ursprungs, soll den Bewejs liefern, datz die Tschechoslowakei über ein eigenes Tonfilm-Journal verfügen kann, mit dessen Hilfe sie ihre Naturschönheiten und ihre Kultur propagieren und inländische Begebenheiten naturgetreu wiedergeben könnte. Todessturz eines Touristenpaares Linz. Freitag stürzten von der Westwand des Sandling im Gebiete von Goisern im S alz- kammergut zwei Touristen, ein Mann und eine F r a u, 150 Meter tief ab. Nach langen Nachforschungen wurden ihre Leichen geborgen. Die Frau fand bei dem Sturz sogleich den Tod, der Mann hat noch einige Stunden gelebt. Ziehung der Klassenlotterie Unverbindlich. Prag. Bei der Samstag-Ziehung der Klaffenlotterie wurden nachfolgende Gewinne gezogen: 20.000 K£ das Los Nr. 64217; 10.000 Kd die Lose Nr. 28982 74342 45000; 5.000 Kd die Lose Nr. 48187 42204 170 46272 94957 88711 80362 69422 55126 26110 50803 25065 62818 33069 67185 4576 19095 8520 57989 31200 13600 22602 26292 648 84697 1112 22165 63165 97034 36322 34635 45231 72198 70057;' 2000 Kd die Lose Nr. 62179 77319 45405 34871 1920 26262 18328 38218 26054 77111 86418 88236 62228 90814 44039 84603 24379 88102 32541 14960 10546 19205 56673 72352 72170 43940 63718 37293 39276 62123 40453 10171 56495 10431 103405 28776 85654 93189 26708 95327 82023 51479 22947 22924 3665 53795 99469 104327 5426 57922 57276 64461 57892 94166 44734 103091 43908 57304 6788 103072 75754 12837 39422 90985 84493 64485 18244 42906. Innerhalb vierundzwanzig Stunden ist es der Prager Polizei gelungen, den Mann zu verhaften, der in der Nacht auf Freitag die Prostituierte Iosefine Kamenikovä in dem Stundenhotel„U Kuchynkü" erwürgt hat. Es ist ein arbeitsloser Friseurgehilfe, der kurz vor der Tat nach Prag gekommen war und erst am Tage nach dem Morde das achtzehnte Lebensjahr erreichte. Freitag früh fand das Stubenmädchen in dem genannten Hotel die Leiche der Kamenikovä, die entkleidet und mit gefalteten Händen auf dem Bett im Zimmer Nr. 8 lag. Die Frau war am Abend zuvor in Begleitung eines jungen Menschen in das Hotel gekommen. Kurz darauf holte der Bursche auf ihren Wunsch erst eine Flasche billigen Wejns, etwas später auch Zigaretten. Um 4 Uhr nachts verlietz er das Hotel, wobei er dem Partier erzählte, die Frau wolle noch schlafen und man solle sie erst gegen 7 Uhr früh wecken. Der Portier, an derartiges gewöhnt, fand an dieser Mitteilung nichts Auffälliges, um so weniger, als der Mann vollkommen ruhig war. Nach Entdeckung des Mordes stand die Polizei erst vor einem Rätsel, da keine äußeren Zeichen von Gewaltanwendung sichtbar waren und die Todesursache erst durch die Obduktion festgestellt werden konnte. Da die Eintragung auf dem Meldezettel sich bald als falsch erlvies, waren die Detektive auf ganz wenige Anhaltspunkte angewiesen. Die leere Weinflasche führte nun zu Nachforschungen in den nahegelegenen Gasthäu- sern; dieser Weg erwies sich als richtig. Einer der Gastwirte erinnerte sich, datz er den Wein einem Burschen verkauft hatte, der vorher in Gesellschaft eines arbeitslosen Kellners,. der durch eine grotze Narbe auffiel, bei ihm gewesen war. Nach kurzer Zeit war dieser ausgeforscht und in seiner Wohnung fand man auch den Täter, der während des Verhörs zusammenbrach und alles gestand. Er war vor einigen Tagen mit dem Rest seiner Barschaft, ungefähr 150 KL, zu Fuß nach Prag gekommen. Bei dem Kellner, einem alten Bekannten, quartierte er sich ein und beide gingen Donnerstag abends bummeln, um den bevorstehenden 18. Geburtstag des Friseurs zu feiern. Nachdem sie einige Glas Bier getrunken hatten, besuchten sie ein Kino in der Altstadt, dann setzten sie rhren Bummel fort und trennten sich, nachdem jeder Anschlutz an eine Prostituierte gefunden hafte. Im Hotel trank der Mörder mit der Kamenikovä erst den Wein, als sie von ihm Geld Ei« Heuleiu-Hirte aus der Fremdenlegion. Der Ingenieur AlfredNentwichhat rasch und wenig rühmlich als Henlein-Abgeordneter zurücktreten müssen. Wie steht's mit seinem Nachfolger, Kamerad" Erich Hirte? Man erfährt es aus der„Rundschau". Dort wird nämlich berichtet:„Nachher arbeitete er in Deutschland und geriet dann in die f-ran- zösische Fremdenlegion." Er„ge- riet". Wie denn, wieso denn? Vielleicht wäre es interessant, Näheres darüber zu hören. Man kann zwar ein anständiger Mensch sein und dennoch in die Fremdenlegion geraten. Aber mitunter soll es passieren, daß Abenteurer doxthin kommen. Möglich, daß weder Henlein noch seine Nachläufer das als Schönheitsfehler ansähen. Aber für andere Leute,' dürste der Volksvertreter, der im die Fremdenlegion geriet, doch etwas merkwürdig sein. Merkwürdig wie sein Klubkollege H o H u b e, der ins Kriminal „geriet"/ Und wir sind neugierig, wie die Hen^ leinpartei mit all diesen Herren weiter„Staat mach en" wird... Dir Schwester Nietzsches gestorben. In Weimar ist neunzigjährig Frau Elisabeth Förster-Nietzsche gestorben, die Schwester des großen Dichters und Philosophen, zugleich die Hüterin seines Lebenswerkes. Elisabeth Förster-Nietzsche hat Friedrich Nietzsche in dem Jahrzehnt seiner schweren Krankheit und geistigen Umnachtung gepflegt, sie hat für die Sammlung seiner Briefe und die Herausgabe seiner Werke, für die Rettung jener Manuftripte, die Nietzsches Mutter hatte verbrennen wollen, große Opfer gebracht. Sie leitete seit nun 35 Jahren eine Art Nietzsche-Propaganda, besorgte die G e s a m t a u s g a b e der Werke Nietzsches und betreute das von ihr gegründete N i e tz s ch e- Archiv in Weimar. Sie hat allerdings gewiffe Seiten Nietzsches— der ja ein von Widersprüchen voller Charakter und in Extremen denkender Philosoph gewesen ist— übermäßig betont und vielfach ihre reichlich primitiven Anschauungen ass die des toten Bruders ausgegeben, der bei Lebzeiten zum Beispiel den Antisemitismus seines Schwagers Förster und seiner Schwester Elisabeth Förster-Nietzsche scharf verurteilt hat. So trug die jetzt Verstorbene dazu bei, aus Nietzsche einen Apostel des Hitlerismus, einen Vorläufer Adolfs zu machen. Gewiß hat der Nazismus sehr viel von Nietzsche übernommen, manches vergröbert, anderes umgelogen, aber Nietzsche war doch immer ein Europäer, war nicht nur Antiwagnerianer, sondern auch Antipreutze Mtd seine aristokratische Herrenmoral hatte— . jo viel Unheil feine Wortprägungen auch ange- verlangte, gerieten sie in Streit, in deffen Verlauf ihn die Frau, wie er aussagte, ohrseigte. In der Wut habe er sie zu würgen begonnen. Als er sie loslietz, habe er gesehen, datz er sie getötet hatte. Er legte sie dann auf das Bett, faltete ihre Hände und verließ das Hotel. Der Täter ist drei Stunden nach dem Mord 18 Kahre alt geworden. Dieser Umstand rettet ihn wahrscheinlich vor dem Geschworenengericht und damit vielleicht vor der Todesstrafe. Nach dem geltenden Gesetz dürfte er vor das Jugendgericht gestellt werden. Nach demselben Gesetz ist es den Zeitungen auch verboten, den Namen zu nennen. 24 Stunden später Wie der„Telegraf" meldet, wurde in der Nach auf Samstag die Polizei in ein Stundenhotel in Karolinenthal gerufen, wo fie nach hartem Kampf einen Mann verhaftete, der ein Mädchen tätlich angegriffen hatte. Aus den Aussagen der unmittelbar Beteiligten ergibt sich bisher folgendes: Eine 21jährige stellungslose Angestellte hielt sich mit einer Freundin Freitag abends in einem Buffet-Automaten auf dem Pokik auf, wo sie nach dem Genuß von zwei oder drei Glas Bier, die sie getrunken hatte, ohne etwas gegeffen zu haben, von Unwohlsein überfallen wurde. Auf dem Heimweg wiederholte sich der Anfall, so daß sie nicht widerstand, als sie von einem Unbekannten angesprochen und mitgenommen wurde. Erst als dieser in einem Hotelzimmer von ihr verlangte, sie solle sich entkleiden, sei sie sich ihrer Lage bewußt geworden und habe um Hilfe gerufen, obwohl sie der Mann daran hindern wollte. Der Portter kümmerte sich anfangs nicht um den Streit und forderte die beiden nur auf, die Ruhe nicht zu stören. Erst ikkch einem neuerlichen Kampf holte er einen Schutzmann, der die versperrte Zimmertür aufsprengen und den tobenden Mann überwältigen mußte, bevor das Mädchen befreit werden konnte. Die Ueberfallene beteuert, keine Prostituierte zu sein. Der Verhaftete, ein 35jähriger Reisender, behauptet, in Trunkenheit gehandelt zu haben. Der Polizeiarzt hat zwar Anzeichen von übermäßigem Attoholgenuß festgestellt, ein Gutachten über die Zurechnungsfähigkeit aber noch nicht abgegeben. Inzwischen setzt die Polizei die Nachforschungen über diesen noch nicht ganz eindeutigen Vorfall fort.- richtet haben— mit dem braunen Untermenschentum und den plebejischen Allüren des Hitlerismus nichts zu tun. Den blonden Herrenmenschen hat er sicher nicht im Typus Goebbels oder Göring gesehen und sein„Antichrist" ist noch lange nicht Rosenbergs Wotan, mit dem die alte Dame in Weimar ihn gleichsetzte. Staatliche Fürsorgerinnenschule in Prag. Im Laufe der nächsten Monate wird in Prag eine neue staatliche Fürsorgerinnenschule eröffnet, die dadurch ermöglicht wurde, daß die Rock efeller-Stiftung der tschechoslowakischen Regierung einen großen Betrag zur Errichtung und zur Führung der Ausbildungsanstalt im Laufe der ersten drei Jahre zur Verfügung gestellt hat. Die Schule hat den Zweck. Frauen zwischen 18 bis 30 Jahren zu Fürsorgerinnen und für Stellen in der poliftschen Verwaltung heranzubilden, da angestrebt wird, die sozialen Belange bei den Behörden in bestimmte Referate zusammenzufassen. Aufnahme finden Mädchen und Frauen mit Mittelschulmatura, ferner solche, die eine Lehrerinnenausbildung nachweisen können oder aber solche, die Lehranstalten für Frauenberufe besucht haben und eine dreijährige Praxis in der sozialen Fürsorge nachweisen können. Die Ausbildung dauert 22 Monate; die Verpflegskosten im Internat der Schule sollen KL 400.— monatlich betragen, das Schulgeld KL 400.— jährlich. Dem Vernehmen nach dürften jedoch in besonders berücksichtigungswerten Fällen seitens des Ministeriums für Gesundheitswesen und körperliche Erziehung, dem die Schule gemeinsam mit dem sozialen und dem Schulministerium unterstehen soll, Ermäßigungen gewährt werden. Deutsche Schülerinnen werden den Unterricht in deutscher Sprache und an den deutschen Kliniken erhalten.— Nähere Auskünfte sind beim Gesundheitsministerium zu erhalten; auch die Landeszentralen für Jugendfürsorge sind dazu bereit. Es wäre zweckmäßig, Aufnahmsgesuche durch die Landeszentralen einzubringen. Hydroavion in Flammen. Der britische Hydroavion„Sylvanus" ist, als er im Hafen von Brindisi Benzin aufnahm, in Brand geraten. Das Flugzeug wurde vollkommen vernichtet. Die Besatzung des Flugzeuges konnte sich durch rechtzeitiges Heraussprmgen aus dem Flugzeuge vor dem sicheren Tode retten. Vulkanausbruch in Japan. Der Vuttan Asama im Verwaltungsbezirk Nagano ist plötzlich in Tätigkeit getreten. Der Vuttanausbruch ist mit einem gewaltigen Aschenregen verbunden, der so stark war, daß er sogar bis in die Umgebung von Tokio drang. Der auf dem Lande angcrichtete Schaden ist beträchtlich. Ob auch Menschenleben zu bettagen sind, ist noch ungewiß. Der Kampf Internationale Revue, Prag Das November-Heft(Nr. 11) ist soeben erschienen. Es enthält folgende Beiträge: Emil Franzel: Die erste Runde. Otto Bauer: Adua in Wien. Robert Wiener: Boraussetzungen der proletarischen Einheit. Paul MalleS: Zur Charakteristik der schwedischen Sozialdemokratie. Weltpolitik. Weltwirtschaft. Internationaler Sozialismus. Internationale Gewerkschaftsbewegung. Aus der Sowjetunion. Bücherschau. Preis des Heftes 5 KL, JahresbrzugSpreiS 50 KL. Redaktion u. Verwaltung: Prag II., Lützowova Nr. 37. Eine schwere unterirdische Gasexplosion erschütterte am Freitag abends das englisch« Städtchen Oldham(in Lancashire). Di« Hauptstraße wurde auf eine Länge von 200 Metern aufgeriffen, schwere Kanaldeckel und Steinplatten flogen in die Luft und zertrümmerten im Flug über 50 Schaufenster. Viele Passanten, die sich in der Hauptstraße befanden, wurden durch die' Gewall der Explosion zu Boden geschleudert. Elf Personen wurden schwer und 40 leicht verletzt. Auf der Rekordjagd. Der Flieger Broad D e n t ist aus England in Port Darwin mit Flugzeug angxkommen und hat damit aus dieser Strecke den Rekord im Solo-Flug, den der Flieger Kinsfort Smith aufgestellt hatte, Überboten. Kaum sieben Tage bis nach Austtalien. — Wie aus Adelaide gemeldet wird, hatten die N a ch f o r s ch.u n g e n nach dem vermißten Flieger Kingsford Smith bisher keinen Erfolg. Alarmsignale für Bahnübersetzungen. Das österreichische Bundesministerium für Handel und Verkehr hat 20 Millionen Schilling zur Sicherung von etwa 2000 Bahnübergängen bewilligt. Diese Bahnübergänge werden mit besonderen Alarmsignalen ausgestattet werden, durch welche ein weiteres Anwachsen von Verkehrsunfällen an den Bahnübersetzungen verhindert werden soll. Lichtstreik in Kladno beendet. Am Samstag wurde in Kladno der Lichtstreik beendet, der von den Kladnoer Geschäftsleuten und Gewerbetreibenden wegen zuhohe rStrompreife erklätt wurde. Der Stteik dauette fett dem 1. November. Zwischen dem Handelsgremium und dem Stadttate in Kladno ist ein llebereinkommen erzielt worden, durch welches der Konflikt im wesentlichen beseitigt wurde. Von Samstag ab sind wieder alle Geschäfte, Gewerbe und Restaurants elekttisch beleuchtet. Die allgemeine Wetterlage bleibt unverändert. In Westeuropa weht an vielen Orten starker Südwest«, über dem Ozean Nordwestwind. Bei uns strömt die Luft im ganzen von Süden. In Mähten und in der Slowakei, wo ziemlich schönes Wetter herrscht, ist eine weitere Erwärmung einge- treten. Samstag um 14 Uhr erreichten dott die Temperaturen stellenweise bis 15 Grad Celsius. In Böhmen, wo der Himmel andauernd bedeckt ist, betrug die Temperatur meistens rund plus 10 Grad Celsius. Auch in den nächsten Tagen ist keine bedeutende Aenderung des Wetters zu erwarten. Wahrscheinliches Wetter von h e u t e: Keine wesentliche Aenderung, in Böhmen zeitweise etwas aufklärend. — Wetteraussichten für M o n t a g: Im Westen des Staates bedeckt, stellenweise Neigung zu Regen, im Osten des Staates im Ganzen unverändett. Vom Rundfunk ■mpfahlaiiswerte» aus den PraflraauaMi Montag Prag, Sender L.: 10.05: Deutschs. Preffe. 10.11: Schallvlatten. 11.35: Leichte Musik?12.10: Opernszenen. 13.30: Arbeitsmarkt. 13.40: Cban- sons auf Schallplatten. 17.00r Kinderstunde. 17.30: Festkonzert aus Paris. 19.30: Deutsche Preffe. 22.20: Ruffisch für Anfänger. 22.40: Deutsche Nachrichten.— Sender S.: 14.00: Chansons. 14.20: Deutsche Sendung: Rekord, Rekord, bunte Schall- plattenfolge. 18.55: Deutsche Sendung: Sedlar: Jugend im Kampfe mit unsere Zeit. 19.10: Vorschau auf das Musikprogramm der tschechoslowakischen Sender. 19.30: Schallplatten: Beethoven.— Brünn: 13.30: Arbeitsmarkt und Sozialinformationen. 21.15: Orchesterkonzert. Dienstag Prag, Sender L.: 10.05: Deutsche Preffe. 11.00: Deutscher Schulfunk. 11.45: Märsche. 12.10: Orchesterkonzett. 13.40: Leichte Musik. 17.00: Jugendstunde. 17.20: Violinkonzert. 18.10: Deutsche Sendung: Dr. Weil: Wirtschaftliches Relief. 18.20: Klassische Lieder und Klaviermusik. 18.45: Deutsche Preffe. 20.55: Konzert des Prager Rundfunkorchesters. 22.15: Franck: Stteichquattett.— Sender S.: 7.30: Leichte Musik. 14.15: Deutsche Sendung: Dr. Spitzer: Was das Papier erzählt. 14.85: Overn- szenen. 18.00: Schrammettonzett. 19.10: Schallplatte».— Brünn: 14.00: Opernarien. 17.40: Deutsche Sendung: Arbeiterfunk: Sozialinformationen.— Kacerovsky: Der Spott und seine Bedeutung für die Arbeiterklasse. 19.10: Die Geschwister von Prag, komische Oper von Pennet.— Mahr. Ostrau: 16.10: Leichte Musik.— Preßburg: 19.25: Flotow: Grapins Witwe. 21.40: Klavierkonzert. Nr. 262 Sonntag, 10. November 1935 Seite 5 Jkrxrfa,# Spart- Spiet■ JCorpirp|fcß& i dauernder Niedergang des Kapitalismus herzuleiten sei. Die Verfasserin kann sich bei dieser Ausdeutung der gegenwärtigen Krise auf keinen geringeren bürgerlichen Zeugen berufen als auf den Statistiker Ernst Wagemann, der die Forschungsergebnisse des Berliner Konjunkturforschungs- Instituts mit der Analyse begleitet, daß die im Jahre 1929 begonnene Krise„die logische Konsequenz eines Missverhältnisses zwischen Produktion und Konsumkraft sei" und dah damit„für dieses Mal die Unterkonsumtionstheorie die Palme errungen habe". Die Ausführungen der Verfasserin werden sicher Gegenstand eingehender Debatten sein müssen und es soll ihnen hier nicht vorbehaltlos zugestimmt werden; wichl aber sei der Wunsch ausgesprochen, dass das kleine Buch in möglichst vi-l« Hände kommt, damit es dazu verhelfe, falschen Krisenausdeutungen ein Ende zu machen und.mehr Licht über die wirklichen ökonomischen Ursachen der gegenwärtigen sozialen und politischen Not zu verbreiten. Für die Politik der Arbeiterschaft ist es von entscheidender Bedeutung, zu wissen, ob die gegenwärtige Wirtschaftskrise noch eine Krise im System der kapitalistischen Wirtschaft darstellt oder ob.sie bereits eine strukturelle Aende» rung des kapitalistischen System s e l b st beinhaltet. Wachstumskriseoder Existenzkrise— das ist die Grundfrage aller Krisentheorien über den heutigen Kapitalismus. Dr. Moszkowska gebührt das Verdienst, das Augenmerk von kleinen Einzelfragen auf dieses Hauptproblem gelenkt zu haben. Weil aber die meisten Menschen sich in Details erschöpfen, ist ihr» Schrift bis heute noch wenig beachtet geblieben. Sie verdient deshalb mehr gelesen zu werden und sei es auch, damit schöpferische Kritik sich an ihr entzünde. TaS Kind. »Mutti, was sind das,»Blaue Berge'!" Zerbeißen Sie einmal Die Mutter. „Dai hat denn Ihr Jung« angestellt?" „Aber, der Lausbub wäre fast an die Ober- fläche gekrochen." Luxu». „Mensch, das ist ein Luxus. Die haben sich in ihrer Höhle künstliche Tropfsteine anbringen lassen." Die ideale Wohnung. „Und Ratten haben Sie keine hier?" „Ach wo, hier würde es doch keine Ratte aus« halten." Unterschiede. „Am besten wohnt man im Kalkstein. Grantt ist ein wenig kühl und dunkel." Dir junge Fra«. „Mr werden uns unter der Erde eine Veranda bauen und Schimmel und Schwamm in Blumentöpfen ziehen." T«r Leser. „Worüber lachst du denn so?" „Ach, ich lese da in einem alten Buch irgendeine Naturschilderung." Der Hausherr. „Wenn Sie nicht binnen einer Woche den Zins zahlen, werfe ich Sie aus dem Erdgeschoss an die Sonne." Die Moral. „Cs ist unzüchtig, das Gesicht zu zeigen. Nie darf ein anständiges Mädchen ohne Gasmaske ge- 'ihen werden." Mythus. „Dass man einst oben auf der Erde gelebt habe? Da» sind Märchen. Wissenschaftlich ist es unmöglich." (Deutsch von Julius Mader.) Auch zu krola• Aechf Franck. Die Zukunft Ein Ingenieur schrieb, dass sich die Felsen in der Nähe Prags zum Ausbau von unterirdischen Zufluchtsorten für die Prager Bevölkerung eignen würden. Künftiger UrbaniSmuS. „Wenn man bedenkt, dass die Menschen ihre «ohnstätten früher einmal auf der Erde erbaut haben! WaS für primitive Zeiten das waren!" Die Boukommiffion. ».Ihre Höhle ist gesundheitswidrig. Es dringt Luft ein." Produktivität senkt den Wert der sachlichen und persönlichen Produftionsmfttel, schraubt mithin die Kapitalzusammensetzung herunter und die Mehrwertrate hinauf.„Unmittelbar nach Einführung technischer Neuerungen, Ausstattung der Arbeiter mit kostspieligeren Produkttonsmitteln, steigt zwar die Kapitalzusammensetzung; nach Verbilligung der Produktionsmittel dank der steigenden Arbeitsproduktivität fällt sie aber wieder. Da nach Verbilligung der Konsumgüter für Arbeiter auch der Lohn sinkt, das heisst die Mehrwertrate steigt. ,j kann die Profitrate nicht fallen." Schliesslich setzt sich Dr. Moszkowska auch m l Otto Bauers Auffassung von der„P l a n l o s i g- keit der kapital!stischen Produktiv n als Ursache der gegenwärtigen Wirtschaftsnöte" auseinander. Sie bestreitet, dah es den kapitalistischen Unternehmern an Orientierungsmitteln fehlt, wirft dieser Anarchielehre vor, dass in der Verkehrswirtschaft die Produktion durch dre Preise gelenkt werde und dass die kapitalistischen Preisgesetze ja nicht willkürlich seien.(Sie unterschätzt dabei freilich die marktstörende Rolle des Monopols.) Die falsche Verteilung der Produktivkräfte sei durch die falsche Verteilung der Kaufkraft auf die Gesellschaftsschichten verursacht. Si entspringe picht einem falschen Organisations-, sondern einem falschen Gesellschaftsprinzip. Di« Auseinandersetzung mit der Otto Bauer'schen Auffassung ist deshalb so wichtig, weil auf ihr jene vom Neo-SozialiSmus und auch von Hendrik de Man vertretene planwirtschafllichen Experimente beruhen, die ja auch manchem Sozialisten Roosevelts„New Deal" als so begrüssenswert erscheinen liehen. Dr. Moszkowska stellt also di« Marx'sche Unterkonsumtionstheorie gegenüber ihren Kritikern wieder her. Sie weist die Bedeutung auch der r e l a t i v e n Verelendung für den Niedergang des Kapitalismus auf und kommt zu dem Schluss, dah, wenn die Kluft zwischen Erzeugung und Verbrauch eine gewisse Tiefe erlangt habe, sich dann die relative Verelendung in eine absolut« verwandle und dah so der SpättapitaliS« mus im Gegensatz zur relativen Verelendung im Hochkapitalismus eine absolute und auf die Dauer nicht tragbare Verelendung bewirkt, auS der ein Lin duck. das jeder lesen soll Robert GRÖTZSCH: Wir suchen ein Land Roman einer Emigration Organisations- Ausgabe, in Ganzleinen gebunden, statt KC 86.— nur Kd 28.—. Beziehbar durch die ZENTRALSTELLE FÜR BILDUNGSWESEN, PRAG XU., Slezskä 13. Nachbattnnrn. „Das ist schrecklich. Die Lust ist schon wieder teurer geworden." Höhlenmenschen. „Schau mal, ich habe hier eine uralte Feuerstätte ausgegraben." „Aber geh. Sollten schon früher einmal Menschen auf so hoher Kulturstufe gewesen sein, dass sie in Höhlen wohnten?" Da» Denkmal. „Wozu wird denn dieser Schacht dienen?" „Dort wird das unterirdische Denkmal unsere» Führer» feierlich verschüttet werden." Der Knabe. „Vater, was ist das.Friede'?" „Ich weih nicht. Frag nicht solche Dummheiten." Training ... Untrennbar von dem sportlichen Wettkampf ist der Begriff Trauung. Wir führen zwei gross« Phy. stowgen an deren Auslegungen zusamSreng-noU men klar erkennen lassen, was allgemein unter Trarmng zu verstehen ist. F. A. S ch m i d t(Bonn) schreibt in seinem bekannten Werk Unser Körper": Da, Trainieren besteht un wesentlichen aus: 1. Regelmässiger, höchstmöglich gesteiger- Muskelubung. welche besonders auch auf Kräftigung und Entwicklung der Atem- und Kreislauforgane abgezweckt ist. 2. Geeignete Lebensführung welcke hinsichtlich der Kost. Entfettung und Entwässerung der Körpergewebe. Ansatz krastgebender Muskel- substanz, Vermehrung der roten Blutkörperchen anstrebt.■ die Haut« und Atemtätigkeit anregt und fördert. «£ pber sibrigens selbst ein guter Fussballspieler und SportSmann war. tritt besonders gut die Zweckbestimmung des Trainings auft In seiner„Hygiene der Leibesübungen" sagt er: .Training ist nicht Technik der Uebung. sondern gesteigerte Uebung für einen bestimmten Termin mit ZwangSdiät oder, wie es die Griechen drastisch nannten, mit Zwangsfressen. Das Wesen des Trainings ist das Fertig- oder Bereitsein zu einem bestimmten Momente. Das unterscheidet den Sport scharf von den natürlichen Leistungen der Naturvölker, die immer bereit, sein müssen. Deshalb konnte Phflostratus mit Recht sagen—und daS gilt heute wieder—: Die Siege der Athleten Müqivn auch Key Krajyern. zu. mcht minder.wie den- Athleten..•-..... Tt,....... ' Die Körperübungen, welche auf diese-Weise auf die Spitze getrieben werden, könnerr wohl vernünftig gesteigert, aber auch höchst unveriMuftig betrieben werden, gesundheitlich« Vorteile bringen; aber auch zu schweren gesundheitlichen Missständen führen. Nicht die Höchstleistung, nicht die Uebung, selbst extremer Art an sich, sondern-die Uebertreibunz. zu häufige Wiederholung, mangelhafte Berücksichtigung de» ganzen Körpers, ungenügende Erholung wirken schädlich. Da» ist aber an sich nicht- nötig, weil jeder auf Grund der Erfahrung aller sich zu seiner höchsten Form emporarbeiten kann, wodurch gerade die Besonderheiten seine- Körpers physiologisch richtig und technisch zielbewusst ausgebildet werden." Wenn Hueppe und F. A. Schmidt darlegen, was Training ist, so sagt uns die Erfahrung, welchen Wert«s hat. Ohne Training kann im Sport keine hochflassige Leistung erreicht werden, ohne«in gewissenhaftes Training wird der Sportler selbst bei bester Technik nie ein Könner. A. Brechbühler im„Satussport". Mitteilungen au» dem Publikum. Unten»der vir«? Der Teufel kam einmal zu, einem Bauern und sagte ihm:„Du weisst, die Hälfte, der Welt gehört mir. Also gehört auch die Hälfte deiner nächsten Ernte mir." Und der Bauer, der zwar keine Universität besucht hatte, aber doch wusste,, wo Barthel den Most holt, tat furchtbar erschrocken^ und demütig und sagte:„Gewiss, Eure Pestilenz, und welche Hälfte belieben Eure Pestilenz bei der nächsten Ernte in Anspruch zu nehmen, die obere oder die untere?" Da der Teufel aus der Unterwett ist. entschied er sich für die untere. Da baute der pfifftge Bauer einen schönen Roggen, der reiche Frucht trug- Der Bauer mähte das Korn und verkaufte e» um ein schöne» Stück Geld einer Fabrik in Komotau und al» der Teufel kam, um sich seinen Teil zu holen, führte ihn der Bauer aufs Feld und wies ihm die untere Hälfte, nämlich die Stoppeln und Wurzeln al» seinen Teil. Der Teufel war wütend und schrie, das passiert mir nicht wieder, nächstes Jahr will ich die obere Hälfte. Dann verschwand er mit Gestank. Der Bauer blinzelte ihm listig nach, dann ging er hin und baute Zichorienwurzeln an, die«ine prächtige Ernte ergaben, und I als der Teufel wiederkam. fand er neben dem Berg saftstrotzender Edelzichorien-Wurzeln einen Hausen von Zichorienblättern als seinen Anteil,, da er doch den oberen Teil verlangt hatte. Da spuckte der betrogene Teufel Feuer und Schwefel und fuhr wutentbrannt zur Hölle. Wissen Sie übrigen», wem der gescheite Bauer den Roggen und die Edelzichorien-Wurzeln verkauft hat? Der Franckfabrik in Komotau, die au» dem Roggen PerÄa-Korn- kaffee und aus der Edelzichorie den guten altbewährten Franck-Kaffeezusatz machte. Für den Bauern ist'» Lohn für harte Arbeit und für die anderen ein gutes, gesundes heimisches Frühstücks« und Jausengetränk, 17.18/r.; Italienisches Riesenflugzeug mit 3000 Kilo Bombenlast Diese» italienisch« Kampfflugzeug vermag nicht weniger als 8000 Kilo Bombenlast mit sich zu führen. Es wird gegenwärtig auch in Abessinien verwendet. Unter dem Rumpf sind zwei je 800 Kilo wiegende Riesenbomben sichtbar. Im Innern deS Rumpfes hängen in besonderen Vorrichtungen weitere 500-Kilo-Bomben sowie sieben 100-Kilo-Bomben. In einer Höhe von 4000 Meter erreicht das Flugzeug eine Höchstgeschwindigkett von 350-Stundenkilometer. Diese Festung der Luft ist mit sechs Maschinengewehren bestückt. Das Wesen der Krise Von Otto Friedrich Ueber das Wesen der gegenwärtigen Welt wirtschaftskrise wird seit Anbeginn, das heißt seit nunmehr bald sechs Jahren, eifrig diskutiert. Neben der volkswirtschaftlichen Journalistik hat sich auch die Wissenschaft des Stoffes bemächtigt und außer mehr oder weniger belanglosen bür gerlichen Gelegenheitsarbeiten sind auch in der sozialistischen Literatur verschieden« Schriften er schienen, die sich bemühen, den Charakter der gegenwärtigen Krise aufzuzeigen. In den letzten zwei Jahren ist in dieser Literatur, soweit sie deutschsprachig ist, eine gewisse Unterbrechung ein getreten, die wohl nicht zuletzt auf die veränder ten Verhältnisse in der deutschen Buchproduktion zurückzuführen ist. Erst ganz vor kurzem ist wie der eine theoretische Arbeit erschienen, die trotz ihres kleinen Umfanges inhaltsreich und bedeut« sam genug ist, um die Aufmerksamkeit eines grö ßeren sozialistischen Leserkreises zu sinden. Es handelt sich um das Buch von Dr. Natalie Mosz kowska„Zur Kritik moderner Krisentheorien" (Kacha-Verlag, Prag). Dr. Moszkowska setzt sich mit den neueren sozialistischen Theoretikern des Krisenproblems auseinander. Sie kommt zu einer Ablehnung der von ihnen vorgetragenen Theorien: „Die Ursache der periodischen Wirtschafts störungen ist weder technischer noch organisatori scher, sondern sozialer Natur. Weder ein Aus fall an Kaufkraft freigesetzter Arbeiter bei Ein- ' führung von Maschinen(Löwe), noch ein Kapi talmangel bei raschem technischen Fortschritt (Heimann), noch eine sinkende Prositrate bei Vervollkommnung der Produktionsmittel(Gross mann), noch eine Fehlleitung de» Kapitals in folge der Anarchie der Produktion(Bauer) ist an den Wirtschaftskrisen schuld. Die Ursache der verheerenden Krise ist die Verelendung respektive die Ueberakkumulation." Gegenüber der Theorie einer Kaufkraft freisetzung, die Professor Adolf Loewe ver tritt, wendet sie ein, daß die Freisetzung mensch licher durch maschinelle Arbeit nicht dauernd zu sein braucht, denn wenn der Arbeiter den richti gen Anteil am Gesellschaftsprodukt erhielte, näm lich denjenigen, der dem jeweiligen Stand der Technik entspricht, so sei auch für jeden Arbeiter eine Beschäftigung und für jede Beschäftigung ein Arbeiter da. Die Löwesche Theorie ist ebenso wie di« van Franz Oppenheimer aufgebaut auf der These, daß die Arbeiterreservearmee die Ursache der niedrigen Löhne sei, während sie bei Marx sine Folge der niedrigen Löhne, das heißt eine Folge der relativen Verelendung ist. Löwe führt die Krise4 — Beranek:„Schwarze Augen." Fr. Harry Baur. — Fenix:„Viva Billa." A. Wallae« Beery.— Flora:„Schwarze Augen." Fr. Harry 1 Baur.— Gaumont:.Leutnant Bobby." D.—•| Hollywood:»Leutnant Bobby." D.— Hvkzda:.Lol Schatten der Wolkenkratzer." A. Fr. Lederer.—-! Juliö:„Zigeunerbaron." D.— Kinema: Journale, 1 Grotesken, Reportagen.(Halb 2 bis%7.)— Ko- runa:„Der Silberpfeil." A.— Kotva:„Die Kin« 1 verlose." Tsch.— Lacerna:„Die Kinderlose." Tsch. — Metro:„Der unbekannte Gast." Engl. Conrad| Beidt.— Olymp«:„Pygmalion." D.— Passage:\ „Episode." D. Paula Wessely.— Praha: „Ehestreik."— Radio:„Das Geheimnis im Nacht« I expreß." A.— Skaut:„Fata Morgana." A. Eddie g Cantor.— Svktozor:„Episode." D. Paulas Wessely.— Alma:„Eva." D. M. Schneider.—- Bajkal:„Ich liebe alle Frauen." D. Jan Kiepura. 1 — Belvedere:„Weib und Hampelmann." A. M-< Dietrich.— Beseda:„Abessinien 1935.“— Carl- ton:„Die lustige Witwe." A. Lubitsch-- — Illusion:„Ich liebe alle Frauen." D. Jan Kie«] pura.— Kapitol:„Abessinien 1935."— Lido II: „Der erste Kuß." Tsch.— Louvre:„Ich liebe alle Frauen." D.— Maceska:„Ich liebe alle Frauen/U D.— Roxv:„Schwarze Augen." Fr.— Spor!: j „Die listige Witwe." A.— U Bejvod«:| „Der Flüchtling aus Chicago." D.— Baldek:„Ich liebe alle Frauen." D.— Bio Beletrhy:„Susi." A. j Warom alt werden? Zunehmende Jahre bedeuten noch nicht das Alter. Die Wissenschaft hat ein wirksames Apothekermittel geschaffen: RoeA-nonnoN ROG A-HORMON ist ärztlich geprüft und empfohlen. ROGA-HORMON bedeutet die Wiedergeburt der Kraft und Jugend. ROGA-HORMON gibt die männliche Energie wieder. ROGA-HORMON schiebt die Zeit des Ueberganges bei Frauen hinaus und erhält die jugendliche Schönheit. ROGA-HORMON erzeugt Ph. Mr. Gal&f, Praha-Koäife, Plzeftskä tr. 138 Eine Probekur von 30 Stück kostet Kö 25.—. Verlangen Sie unsere Broschüre„NEUE JUGEND“ gratis von unserer literarischen Abteilung. Erhältlich in den Pros:„Adam“, II., Väclavskä lim. 8;„Kalina**, II., Väclavskä näm. 85;„Hynek“, I., Mustek 2; „Orient“, II., Hybernskä 20. gegenüber Abfahrt Masaryk-Bahnhof:„Beim Mnsenm“, II., Väclavskä näm. 70; Teplitz-Schönau:„Beim schwarzen Adler“, Langeg.: Anssis:„Zum Adler“, Masarykstraße 55; Reichenberg: Zentralapotheke, SchOtzenatraBe: Hirsch berg: Apotheke Ph. Mr. Mära;- ROGA-HORMON, Praha-KoMfe, Plzeftskä tf. 133 Aerzte erhalten lauster gratis. folgenden Apotheken: Gablonz: In allen Apotheken: Brünn: Apotheke„Beim Bahnhof", Masaryk-St raße; Mährisch-Ostrau: Städtische Apotheke und„Beim heiligen Prokop"; Olmätz: Apotheke„Zum goldenen Adler", Denisova: PreBbnrg: Apotheke„Zum roten Krebs“, Mlchälska; Königgrätz:„Zum goldenen Löwen“, Volks näm.; Tschechisch-Tezchen: Apotheke..Zum Salvator**;. Pardubitz: Apotheke„Zur Krone“; Pilsen: Vilim, Tfida ösl. legii. Bezugsbedingungen: Bei Zustellung^ins Haus oder bei Bezug durch die Post monatlich Kö 16,—, vierteljährig Kö 48.—. halbjährig Kö 96.—, ganzjährig Kd 192.—.— Inserate werden laut Laris billigst berechnet- Bei öfteren Einschaltungen Preisnachlaß.— Rückstellung von Manuskripten erfolgt nur bei Einsendung der Retourmarken.— Die Zeitungsfrankatur wurde von? a Post- und Tele. graphendireltion mit Erlaß Nr. 13.800/VII/1930 bewilligt.— Druckerei: ,O>rbis". Druck-, Verlags- und Zeitungs-A.-G., Prag.