Freitag, 15. November 1935 Nr. 266 15. Jahrgang Einzelpreis 70 Heller (•iiuchliefilich 5 Hellar Porto) 1ENTRALORGAN DER DEUTSCHEN SOZIALDEMOKRATISCHEN ARBEITERPARTEI IN DER TSCHECHOSLOWAKISCHEN REPUBLIK ERSCHEINT MIT AUSNAHME DES MONTAG TÄGLICH FRÜH. Redaktion und Verwaltung frag xii., fochova a. Telefon 53077. HERAUSGEBER: SIEGFRIED TAUB. CHEFREDAKTEUR: WILHELM NIESSNER. VERANTWORTLICHER REDAKTEUR: DR. EMIL STRAUSS, PRAG. De Bono In Verbindung mit der Danakll-Gruppel Das neue Budget | Einnahmen 8.033, Ausgaben 8.032 Millionen Kt Prag. Im Abgeordnetenhaus wurde Donnerstag das Budget für 1936 eingebracht, das sowohl in den Ausgaben wie in den Einnahmen gegenüber ! dem Vorjahr um fast 80 Millionen höher ist und mtt einem kleinen Aktivum von etwas mehr als einer MMion ab schließt. Die Hauptziffern des Budgets find in nachfolgender Aebersicht zusam- mengefaßtr i. Staatliche Hoheitsverwaltung: gesamte Staatsansgaben:........ gesamte Staatseinnahmen:........ 1936 8.032,195.900 8.033,531.000 1935 7.983,298.400 7.985,255.600 rechnungsmäßiger Ueberschnß:........ 1,335.100 1,957.200 II. Staatliche Unternehmungen: gesamte Ausgabe«............. 7.230,396.750 7.175,462.400 gesamte Einnahmen.......... 7.973,722.750 8.002,870.400 Betriebsgewiune........... 1.443,530.200 1.503,860.400 Betriebsverluste............ 700,204.200 676,452.400 Investitionen:' a) eigentliche 913,100.500 629,589.800 b) Erneuerungen.......... 391,817.500 30,502.600 Abfuhr an die Staatskasse........ 998,304.500 1.055,229.800 III. Zuweisungen: UN die Selbstverwaltungskörper....... 1.617,493.000 1.645,766.764 Anteile der staatlichen Fonds: a) Straßenfonds........... ♦* 256,500.000 245,000.000 b) Meliorationsfonds......... 8,000.000 8,500.000 k) Wasserwirtschaftsfonds. 8,650.000 9,800.000 Sonstige Zuweisungen: a) Fonds für kleine Bierbrauereien....,. 6,000.000 6,000.000 b) an das Exportinstitnt 3,000.000 3,000.000 c) für gewerbliche Fortbildungs-Schulen... 3,000.000 2,000.000 Außerordentliche Zuweisungen: a) an die Kaschau-Oderberger und Privatbahnen: 179,938,400 162,400.000 b) für Arbeitslosenfürsorge: 1. ans der Einkommensteuer...... 100,000.000 100,000.000 2. ans der Umsatzsteuer 550,000.000 550,000.000 Summe aller Zuweisungen der Gruppe III:... 2.732,581.400 2.732,466.764 IV. Verwaltung der Staatsschuld: Kapital insgesamt: 40.933,673.851 39.367,627.798 davon: 1. Fundierte Schuld........ 23.311,608.940 23.860,007.075 2. Nichtfnndierte Schuld....... 7.461,710.000 5.172,654.000 3. Auswärtige Schuld........ 8.160,354.911 8.234.946.723 4. Banknotenschnld......... 2.000,000.000 2.100,000.000 Laufende Ausgaben: für: Zinsen 1.689,192.579 1.676,323.776 Amortisierung 292,233.844 292,199.739 Verwaltung........ ♦... 7,001.289 7,014.962 Summe der laufenden Ausgabe« für di« Staatsschuld: 1.988,427.712 1.975,538.477 Die englischen Wahlen Bel Blattschlutz«m 0 Uhr 48 lag vo« de» englische« Wahle« lediglich folgendes Resultat vorr Konservative..... 41 Arbeiterpartei.... 23 Liberale........ 4 Das Finanzgesetz Im Finanzgesetz sind die wichtigsten Bestimmungen fotzende: Den Staatsbahnen wird im Artikel H wieder der Ertrag der Ber- kehrssteuer zur Deckung der Betriebsausgaben belassen. Die Zuweisungen an die. Selbstverwaltungskörper(III. Budgetgruppe) sind so gut wie unverändert, ebenso sind die außerordentlichen Zuweisungen für Zwecke der Arbeitslosenfürsorge(100 Millionen aus der Einkommensteuer und 550 Millionen aus der Umsatzsteuer) gegenüber dem Borjahr unverändert. JDie Herabsetzung der Jahresdotationen für den Meliorationsfonds, den Wasserwirt- schastsfonds und für die Elektrifizierung bleibt aufrecht. Auch die normale Amortisierung der Staatspapiere(mit Ausnahme der Arbeitsanleihe) bleibt weiterhin suspendiert; statt dessen werden 150 Millionen zum Rückkauf von Staatspapieren auf dem freien Markt verwendet. Ebenso bleiben in Kraft das bisherige Ueberwälzungs- dcrbot, das Budgetzwölstel und die Bestimmung, daß Subventionen nur im letzten Vierteljahr Hsgezahlt werden dürfen. 1 Für Selbstvertvaltungslörper,. die im Jahre 1936 Investitionen mit staatlicher Unterstützung durchführen, aber den auf sie entfallenden Teil der Kosten nicht aus eigenem bar ausbrinaen können, darf der Finanzminister wie im Borjahr Kreditgarantien bis zur Höhe von 50 Millionen übernehmen. Eine weitere Garantie bis zur selben Höhe betrifft die sogenannten Industriekredite. Bis zu 150 Millionen können zur Beschaffung anderer„im öffentlichen Interesse unausweichlich notwendiger Bedürfnisse garantiert werden. Neu ist die Bestimmung des Artikels XVIII, daß der Finanzminister zur Ergänzung, Aus- wechflung und Sicherung von Material und gewisser für die Verteidigung des Staates notwendiger Einrichtungen(offenbar von Grenzbefestigungen, don derbst Notwendigkeit auch der Verteidigungs- winister kürzlich sprach) durch Kreditoperationen oder durch Vorschüsse aus der Staatskasse über den Rahmen des Militärbudgets(1340 Millionen) hinaus einen weiteren Betrag von 360 Millionen KL beschaffen kann. Außerdem ist noch im Budget des Finanzministeriums die alljährliche Rate von 315 Millionen für den Fonds für die sachlichen Bedürfnisse der Wehrmacht enthalten, so daß also die Gesamtausgaben für die Wehrmacht einen Betrag von 2015 Millionen erreichen. Aus dem Artikel XX geht hervor, daß das Finanzministerium bereits mit der Durchführung der Entschuldung der Selbstverwaltung für 1936 rechnet. .» Nach der formalen Seite hat das Budget gegenüber dem Vorjahr keine wesentliche llenderung erfahren. Im Kapitel Ministerratspräsidium erscheint als neuer Titel la:„Minister ohne Portefeuille", im Kapitel Innenministerium ein neuer Titel 6:„Ziviler Luftschutz" mit einem Budget von 2,250.000 KL. Das Staatliche BodenamNexistrert nicht mehr als selbständiges Budgetkapitel, sondern ist in das Landwirtschafts- winisterium eingereiht. Im Budget der staatlichen Betriebe sind Unter den Investitionen nicht nur wie bisher die eigentlichen Investitionen, sondern auch die Aus- 8aben fürErneüerungsarbeiten eingestellt. Die einzelnen Investitionen sind detaillierter angeführt, um eine Kontrolle zu er- wöglichen. Im IV. Teil des Budgets, Verwaltung der Staatsschuld, wird bereits mit dem Ertrag der neu einzuführenden außerordentlichen.Steuer don Dividenden und den Zinsen einiger, nichtstaatlicher Wertpapiere gerechnet^ ebenso mit der Ersparung im Zuge der beabsichtigten Herabsetzung der Zinsen der inneren Staatsschuld, Rom. Der-Heeresbericht Nr. 45 lautet: Das erste Armeekorps in Berbindung mit der Dana« kiltruppe setzte dieSäuberungsaktion längst des Ostrandes der Hochebene von Tigre fort. Das Eingeborenenarmeekorps fährt mit seinen Operationen zur Besetzung des Gheralta- Gebietes fort. Das Zweite Armeekorps macht in seinem Aufmarsch im Takazze Fortschritte. An der S 0 m a l i-Frvnt hat die Abteilung Maletti bei der Verfolgung, des Feindes diesen im oberen Tal des Faf-Flusses erreicht. Der Feind zog sich zurück,-^ wohei er auf dem Kampffeld außer 300 Toten, unter> denen sich auch ein noch n iH.t i d e.n.tif i z i e r- ter E u r ö p ä e r befand, Maschinengewehre und zahlreiche Lastautos, und Munition. zurückließ. Auf unserer Seite sielen ein Offizier,' ein Unteroffizier, ein Soldat-und 15 Irreguläre. Addis Abeba.(Reuter.) Die abessinische Regierung meldet, daß abessinische Patrouillen nördlich von Makalle einen italienischen Transport mit Lebensmitteln und Munition überfallen haben, wobei der gesamte. Transport den Abessiniern in die Hände siel. Außerdem hätten die Abessinier 100 Gewehre erbeutet. Derselben Quelle zufolge waren die Verluste der Italiener groß, die Verluste auf abessinischer Seite werden nicht angeführt. Von' der’ italienischen Makalle-Front wird gemeldet: Die. Italiener haben den, Versuch des Dedschasmatsch Gabrjeta, die italienischen Köm- munikatjonen im Gebiete von Gheralte südwestlich von Haussen zu unterbrechen, wo heute ein hartnäckiger Guerillakrieg wüte t, zunichtegemacht. Staatshaushalt als Spiegel der Wirtschaft Dieselben Widersprüche, welche die gegenwärtige wirtschaftliche Lage der Tschechoslowakei aufweist, drücken sich auch in den vielen Ziffern des Budgets für 1936 aus, das gestern dem «Parlament vorgelegt wurde und das der Finanzminister mit einer Rede einbegleitet hat: teils kommt im Voranschlag zum Ausdruck, daß wir uns noch immer inmitten der schweren Krise der Weltwirtschaft befinden, teils sehen wir, daß wir den Tiefpunkt der Krise überschritten haben, daß sich die Wirtschaft auf einer leider noch tiefen Stufe stabilisiert und daß der Aufschwung bei uns langsamer vor sich geht als in manchen andern Ländern, wie selbst der Finanzminister ohne übertriebenen Optimismus zugeben mußte. Die leichte'Besserung der wirtschaftlichen Lage kommt darin zum Ausdruck, daß die Gesamtziffern des Budgets etwas, wenn auch nur um eine Kleinigkeit höher liegen als im Vorjahre. Bis zum Jahre 1934 mußten die Staatsausgaben, die ursprünglich zehn Milliarden betragen haben, abgebaut werde», und diese beginnen nun langsam wieder zu steigen: im Voranschlag von 1936 überst eigen sie zum e r- st en Male wieder die Ziffern von acht Milliarden. Die Steigerung der Ausgaben, an der fast alle Ressorts(abgesehen vom Ministerium des Aeußern) teilnehmen, werden ermöglicht durch die höher veranschlagten Staatseinnahmen. Mit Ausnahme der Zölle und Verbrauchsteuern werden die Erträge für die übrigen Steuer n, wie Einkommen-, Erwerbs-, Umsatz- und Luxussteuer für 1936 h ö h e r e i n- geschätztals für 193 5. Ob die Voranschlagseinnahmen im Jahre 1936 den tatsäch- lichen Einnahmen des Staates enffprechen werden, bleibt abzuwarten. Der Finanzminister hofft es, gewiß ist diese Erwartung allerdings nicht, weil auch im heurigen Jahre die tatsächlichen Einnahmen des Staates die budgetären Einnahmen noch nicht erreicht haben. Eine besondere Erhöhung weisen die Ausgaben für Landesverteidigung und öffentliche Ordnung einerseits, die Sozialausgaben andererseits auf. Darin kommt das Streben der Demokratie zum Ausdruck, die schwächeren Volksschichten zu schützen und die Demokratie selb st gegen ihre Feind evoninnenundaußenzuver« leidigen. Bei den Ausgaben fürnatjonaleVer- teidigung muß man ordentliche und außerordentliche Ausgaben unterscheiden. Die ordentlichen Ausgaben selbst erscheinen um 60 Millionen gegenüber dem Vorjahre erhöht, was sich aus der Wiedereinführung der zweijährtzen Dienstzeit ergibt. Daneben finden wir außerordentliche Ausgaben, die sich ergeben aus dem auf elf Jahre berechneten seinerzeit eingeführten Fonds, diese Ausgaben betragen Heuer wieder 315 Millionen sowie 360 Millionen, die in einem besonderen Artikel des Finanzgesetzes vorgesehen sind und die durch eine Anleihe aufgebracht werden. Auch das Ministerium!» esLnnern weist eine Erhöhung seiner Ausgaben um fast 70 Millionen KL auf, wovon ein Mehr von 30 Millionen auf die Gendarmerie und ungefähr ebensoviel auf die Polizei entfällt. Die zweite Gruppe der Ausgaben, die eine Erhöhung gegen 1935 aufweisen, betreffen das Gebiet der Sozialfürsorge und der öffentlichen Arbeiten. Das Ministerium für soziale Fürsorge selbst weist eine Vermehrung seiner Ausgaben um rund 54 Millionen auf, diese betreffen die Sozialversicherung(Sanierung der Bergarbeiterversicherung, erhöhter Staatsbeitrag zur Invalidenversicherung, erhöhter Beitrag wegen Einrechnung der Militärdienstzeit sowohl in der Arbeiter- als much Angestelltenversicherung), die Bau- und Wohnungsfürsorge und— was insbesondere erfreulich ist— die Jugendfürsorge. Für Arbeitslosenunterstützungen sieht das Finanzgesetz abermals die im Vorjahre vorgesehene Summe von 650 Millionen KL vor, bei einem Gesamtbudget von acht Milliarden immerhin, eine Summe, die beachtlich ist. Auch das Gesundheitsministerium ist an den erhöhten Staäts- ausgaben mit einer Summe von 13 Millionen beteiligt, es handelt sich da vor allem um Maßnahmen der' öffentlichen Gesundheit, bzw. Gesundheitsfürsorge, wobei auch auf die Gesundheit Seite 2 Freitag, 15. November 1935 Nr. 266 Das Expose des Finanzministers Die ZinsfuBsenkuns ab 1. Jänner/ Für drei Milliarden Investitionen Prag. Donnerstag nachmittags ergriff im Abgeordnetenhaus Finanz. Minister Dr. T r a p l das Wort, um durch ein ausführliches ExposL das Budget einzubegleiten und gleichzeittg die übliche Äebersicht über die allgemeine Lage der Wirtschaft und des Staates zu geben. Das Expose war auch insofern von großem Interesse, als Dr. Trapl zum erstenmal eine genauere Darstellung über die im Schoß der Regierung be- retts vorbereitete allgemeineZinssenknng gab, die alle Formen des Kredits erfassen und einerseits dem Schuldner helfen, andererseits dem Gläubiger mit relativ nicht zu großen Opfern die Sicherheit seiner Anlagekapttalien erkaufen soll. Zn Verbindung damit plant Dr. Trapl auch die Liquidierung der Steuerrückstände aus der Zett vor der Krise durch individuelle Abkommen mtt den einzelne« Steuerträgern. Aus de« wetteren Darlegungen sei nur»och die Aufstellung über die Investitionen hervorgehoben, die insgesamt über drei Milliarde n Kc ausmachen. Dabei sind das nicht etwa Luftschlösser, sondern durchaus solide Ziffern, für die die Bedeckung teils durch den Voranschlag selbst, teils durch Kreditoperattonen gesichert erscheint. Dr. Trapl führte«. a. aus: der Kinder Rücksicht genommen wird. Was die öffentlichen Arbeiten betrifft, so sieht der Voranschlag in allen Teilen des ordentlichen und im außerordentlichen Budget Investitionen von nicht weniger als 3038 Millionen XL vor. Für drei Milliarden XL sollen alsoim Jahre 19 36 allein vom Staat öffentliche Arbeiten geleistet werden, was ein bedeutsamer Beitrag zur Ankurbelung der A i r t s ch a f t ist. Dazu kommen noch die öffentlichen Arbeiten der Selbstverwaltung, die wohl in rascheren Gang kommen dürften dadurch, daß Mdlich die Entschuldung der Selbstverwaltung vorgenommen wird, woran im Voranschlag mit einem staatlichen Beitrag von 151 Millionen XL gedacht ist. Auch die Beiträge des Staates für die Selbstverwaltungskörper aus bestimmten Steuern sind um eine Kleinigkeit gestiegen. So bereitet der Staatsvoranschlag immerhin im Rahmen des Möglichen die Voraussetzungen für die Wiederbelebung der Wirtschaft vor. Allerdings gibt es im Voranschlag, wie wir schon einleitend festgestellt haben, auch weniger erfreuliche Seiten. So zeigt sich die Krise vor allem im Rückgang der lleberschüsse der Staatsbetriebe. Rückgängig ist der Gewinn der Tabakregie(um fast 60 Millionen), der Post(um etwa acht Millionen), der Staatswälder und Güter(um etwa fünf Millionen) und nur der Gewinn der staatlichen Berg-* und Hüttenwerke ist um etwa zehn Millionen gestiegen. Am schmerzlichsten ist der Verlust der Eisenbahnen, der von 665.6 Millionen auf 696.4 Millionen, das ist also um mehr als 30 Millionen angestiegen ist. Hier liegt einederwun- besten Stellen unseres Voranschlages. Ebenso ist die Gesamtsumme der Staatsschulden von rund 39.3 auf 40.9 Milliarden XL g e w a ch s e n, was ein Ansteigen der Ausgaben für Verzinsung und Amortisation von 1975.5 Millionen auf 1988.4 Millionen XL mit sich bringt. Ein kleines erfreuliches Detail bildet allerdings, daß die Vermehrung der Staatsschuld ausschließlich auf die innere Schuld entfällt, während die Staatsschulden an das Ausland sogar um eine Kleinigkeit gefallen sind, wodurch auch die ins Ausland abfließende Summe für Verzinsung und Amorti- sation etwas geringer geworden ist. Der Finanzminister hat in seinem Exposee im ganzen großen der Lage der Staatswirtschaft Rechnung getragen und ohne übertriebenen Pessimismus und Optimismus gesprochen. Ebenso hat er, wie auch wir das vor einiger Zeit getan haben, drei Wege zur Wiederbelebung unserer Wirtschaft aufgezeigt nämlich die Wiederbelebung.des Exports, Erleichterungen auf dem Kapitalmarkt, insbesondere die Herabsetzung des Zinsfußes und Hebung der Kaufkraft des inneren Marftes durch öffentliche Arbeiten. Insbesondere können wir den Motten des Finanzministers beistimmen, daß„der Weg zur Wiederbelebung in erster Reihe in der Vergrößerung des Absatzes unserer Waren nach dem Auslande" liegt. Nur durch tatkräftige Förderung unseres industriellen Exports können wir das große Heer der Arbeitslosen, insbesondere im industriellen Grenzgebiete dieses Landes abbauen. Wenn der Finanzminister aus der Erkenntnis der Ziffern des von ihm vorgelegten Budgets diese Folgerung zieht, wird er dabei der Unterstützung der sozialistischen Parteien und insbesondere der deutschen i Sozialdemokratie gewärtig sein können. Aus dem Rechnungsabschluß für 1934 hat stch ergeben, daß die seit 1930 rückläufige Bewegung der Wirtschaft in diesem Jahre zum Stillstand kam. Im Jghre 1935 dauert die Stabilisierung der Wittschafk an, die Staatseinnahmen entwickeln sich jedoch anfänglich u n g ü n st i g e r als im Jahr vorher. Erst für den Monat Juli erreichen die Steuereinnahmen die Vorjahrsziftern, für August und September sind sie bereits höher. Das Gesamtergebnis für 1935 dürfte hinter dem des Vorjahres nicht wesentlich zu- rückbleiben. Auch die staatlichen Unternehmungen zeigen eine gebesserte Tendenz, namentlich bei den Bahnen. Das wird leider ausgewogen durch das Sinken des Ertrages der Tabakregie/ Für 1935 müssen wir mit einem höheren Abgang in der Staatswirtschaft rechnen als 1934, var allem da die Ausgaben auch durch notwendige ausserordentliche Maßnahmen im Laufe des Jahres weiter erhöht worden sind. Mit einer Herabsetzung der öffentlichen Lasten kann man also vorläufig nicht rechnen. Bei der Vorbereitung des Budgets für 1936 mußte ein weiteres Ansteigen der Ausgaben. einerseits automatisch für Gehalte etc., andererseits infolge neuer Ausgaben in bedeutender Höhe aus Gründen der Staatsnotwendigkeit ins Kalkül gezogen und die Bedeckung gesichert werden. Dafür mußten andere Ausgaben herabgedrückt werden. Die Zusammenstellung des Budgets war unter diesen Umständen keine leichte Aufgabe. Alle unsere Bemühungen müssen sich darauf konzentrieren, mit eigenen Kräften zur Wiederbelebung der Wirtschaft bei- zutragen. Daraus erwächst ein ganzes Programm von notwendigen Maßnahmen: Dazu gehört di«' Vervefsernng der Produk»' tionsverhältnissa, di» Vergrößerung unseres Exports und vor allem die Lösung des Bsoblems der Verschuldung im weiteste« Sinne des Wortes. Man müsse einen gerechte« Ausgleich erstreben, denn die Entwicklung strebe seit dem Umsturz eher au feine Stärkung des Gläubigers als des Schuldners hin. Es ist eine der Folgen der Kttse. daß die Schuld für den Schuldner drückender geworden ist, ob es sich um Private oder um öffentliche Schuldner handelt. Die ersten vor zwei Jahren zur Herabsetzung der Zinsen getroffenen Maßnahmen haben den Geld- und Kapitalsmarkt gesundet. Während noch vor zwei, drei Jahren eine große Geldknappheit hettschte und der Staat für kurzfristige Anleihen bis über 8 Prozent zahlen mußte, sind jetzt vierprozentige Kassenscheine sehr gefragt. Die günstige Entwicklung auf dem Geldmarkt ermöglicht eS, nunmehr das Problem der aufge- wertcten Schulden definitiv z« lösen, und zwar für alle Schuldenrelationen. Wirtschaftlich am gangbarsten ist der Weg der Milderung der Schuldenlast durch Zinssenkung. Sie soll dem Schuldner die Schuld erträglich machen und dem Gläubiger wieder die Sicherung seiner Forderung geben. Indem die Regierung an diese Lösung herantritt, manifestiere sie zugleich ihren Enffchluß, den Besitzstand der Eigentümer von Geldkapitalien und Forderungen vor jedem Schaden zu schützen. Das habe mit Rücksicht auf die Millionen kleiner Einleger und Spater auch eine große soziale Bedeutung. Die Sicherung des Kapitalswertes wird dann auch noch durch die gestärkte Währungsstabilität erhöht. Die Zinssenkung: - Ueber den Inhalt der geplanten Zinssenkung, die durch Regierungsverordnung erfolgen wird, gab der Finanzminister zum erstenmal authentische Aufklärungen.- Sie soll, wie bereits erwähnt, den ganzen Komplex der Kreditfragen umfassen, nämlich: . 1., Die Herabsetzung der Kredit- und Debet- Z.i n s s ä tz e, wie anch der Nebenleistungen mit einer Regelung der näheren Borschriften, die durch die Regierungsverordnung Nr. 85 vom Jahre 1933 und durch die Kundmachungen Nr. 59 und 70 S. d. G.«. B. vom selben Jahre erlassen wurden. 2.- Eine Erleichterung für die am meiste« be- trofseucn Schuldner durch Verlängerung der Zahlungsfrist der kurz- f r i st i g e n und der Hvvothekar- »g Den S ch« tz des Schuldners »egen«nbegrL»dete Kündi- gung des Kredites seitens deS Gläubigers infolge der dem Schuldner gewährten Erleichterungen. 4. Die Regelung der Vorschriften über den Ausgleich mit Rücksicht auf die landwirtschaftliche Berschul- dung und die Lösung deS Problems der überschuldeten Liegenschaften im Zusammenhang mit der Kolonisationsfrage. 5. Die Herabsetzung der Zinsen von StaatSpavieren. ■. 6. Die Einführung einer Steuer, welche einige andere KavitalSerträge erfaßt, insbesondere die Zinse» einiger festverzinslicher nicht st aatlicher Wertpapiere. 7. Die Lösung der Verschuldung durch öffentliche Stenern und Abgaben, namentlich soweit es sich»m Schulden handelt, die gleichfalls der allgemeinen Auf- wertung der Geldschulden unterworfen waren. Die Herabsetzung der Berzugs- zinsen von Stenern und Abgaben. 8. Die Liguidierung aller Moratoriumsmaßnahmen. Zugleich mit den Zinsen— einschließlich der Sozialversicherungsinstitute und Privawersicheruugs- gesellschaften— sollen insbesondere auch genau alle Rebengebühren und Entschädi- g u u g e n geregelt werden, die bei Krediterteilung außer den Zinsen gefordert werden dürfen. Insbesondere der Ettatz der Regie bei Bankdarlehen soll genau präzisiert werden, damit nicht auf solchen Umwegen der Debetsatz unangemessen erhöbt werde. Durch entsprechende Vorschriften wird die st r e n g e Einhaltung der Zinssätze garantiett. Es ist auch an den Schutz des Schuldners gedacht. daß ihm bei genauer Einhaltung der Darlehensbedingungen dieses nicht vorzeitig gekündigt werden kann- Das ffnanzielle Gleichgewicht der Geldinstitute wird nicht gestört werden. Weitere Erleichterungen betreffen die am meisten betroffene« Schuldner, so ftnanzschwache Bezirke und Gemeinden. Landwirte, Arbeitslose, gemeinnützige Baugenossenschaften und Hausherren, deren Wohnungen zu mindestens zu einem Drittel dem Mieterschutz unterliegen. Dieser Kategorie wird außerdem die Zahlungsfrist für langftistige und zum Teil auch für kurzfristige Schulden erstreckt. Weitere Erleichterungen bestehen im S ch u tz der Arbeitslosen im Exekutionsund Konkursverfahren und in der Regelung des landwirtschaftlichen Ausgleichsverfahrens. Die Erleichterungen sollen aber auf der anderen Seite die gleichzeitige Aufhebung aller Mora- toriumsmaßnahmen ermöglichen. Die Herabsetzung der Zinsen von Staatspapieren wird in der Weise erfolgen, daß von den bisherigen Effektivzinsen(nach Abzug der Kuponsteuer) zehn Prozent in Abzug gebracht werden. Bei den ursprünglich sechsprozentigen Papieren, die nach Abzug der Kuponsteuer 5 Prozent trugen, beträgt die weitere Herabsetzung also ein Haides Prozent des Nominales. Dadurch bildet sich ein vi'erein- halbprozentiges Standard Papier heraus. Die Zinsen der niedriger verzinslichen Papiere werden im selben Ausmaß herabgesetzt. Die Zinssätze der Staatskaffenscheine ermäßigen sich auf, vier Prozent. Für den Staat bedeutet die geplante Regelung eine Erleichterung von mehreren Hundert- Millionen, Um auch andere Kapitalserträge,, so hie Zinsen gewisser nichtM etlicher Wertpapiere gleichmäßig zst erfassen, wird eine außerordentliche Steuer einge- fühtt Steuerllquldlerunsspläne Zugleich soll ab« auch die Verschuldung durch öffentliche Stenern und Abgaben geregelt, d. h. die Stenarrückstände endlich liquidiert worden, die in die Zeit v»t bet Krise fallen. ES soll in einem vereinfachten Verfahr«, unter Mitwirkung nichtamtlich« Exporten der endgültige Stand der Forderungen deS Staates»egen den Steuerträger feftgeftellt worden. Die Bemessung and Eintreibung der laufenden Steuern darf dadurch nicht tangiott worden. Die beiden Verfahren werde« daher vollkommen voneinander getrennt werden. Eine tadellose Erfüllung der laufenden Steuerverpflichtungen wäre Voraussetzung für die eveu- tuelle Liquidierung der alten Rückstände. Ueber 1 Roman von Karl Stym Copyright by Eugen Prager-Verlag, Bratislava „Vorgestern hat Ferk seinen Arm verloren. Gestern, «drückte ein Stempel dem Raspe den Fuß ab. Heute, morgen oder übermorgen kommt ein Kopf dran. Irgendeiner!“ Der dürre Drach spuckt nach diesen Worten kräftig aus. Es ist Jausenzeit Wir sitzen in unserem„Mauseloch“ auf der„Fünften“. Das„Mauseloch“ ist eine alte Strecke, etwa zwanzig Meter Weit ins UnterflötZ getrieben und so niedrig, daß man nur mit dem Kopf zwischen den Füßen hinein kommen kann. Trotzdem kriechen wir täglich auf eine Viertelstunde hier herein, weil’s trocken ist und vom Zug liegt, was in dem Windignassen Löchergewirr eine Rarität ist. Die Jause ist für uns ein Atemholen.„Spreize“ sagen wir. Das heißt, eine Viertelstunde lang sich recken und strecken dürfen und Witze machen. Heute aber sitzen wir eng an die Ulme gepreßt und sehen aneinander vorbei. Seit zwei Tagen ist etwas Fremdes in uns gekommen. Das gräßliche Schreien des Raspe. Es war furchtbar. Raspe brachte seinen linken Fuß unter einen fallenden Stempel. Auf dem Stempel lagen noch etwa zwei Tonnen Kohle. Raspe schrie sich vor Schmerz fast die Lungen blutig. Mit Keile und Hammer zerschlugen wir die Kohle auf dem Schreienden. „Den Fuß!— Den Fuß hackt ab!— Ich werde verrückt!“ Eine volle halbe Stunde lang tobte er, schlug mit den Händen um sich, verkrallte sie ins Gewand und biß sich die Lippen blutig. Dann wurde er bewußtlos. Das geschah etwa hundert Schritte von unserm„Mauseloch“ weg in der Hauptstrecke. Nicht einmal in einem Abbau. Wir alle gehen täglich zumindest zehnmal an der gleichen Stelle vorbei. Gerade nur den Raspe hat es erwischt. Das ist keine Boshaftigkeit des Berges; es war dem Raspe eben so aufgesetzt. Dem kommt niemand aus und ein Bergmann schon gar nicht. Drach sieht nachdenklich vor sich hin. „Ja, wenn man’s wüßte, wie und wo’s einem blüht, wär’s halb so schwer. Aber so—! Keiner will’s sein, und einer muß es sein!’s ist eine ekelhafte Geschichte mit dem Warten!— Da geht ein Abbau nieder und man kommt mit heiler Haut davon. Ein paar Minuten später geht man ahnungslos durch eine Strecke, die totsicher verzimmert ist, da gibt’s plötzlich einen Krach, einen kleinen Schrei und aus ist’s!" Wir kriechen noch kleiner zusammen. Angst? Nein, Angst haben wir nicht. Sonst wären wir ja nicht hier. Wir warten. Auf den nächsten und dieser nächste wird den Kopf herhalten müssen. Wir sind keine alten Weiber, die, wenn eine Katze übern Weg läuft, neun Schritte zurückgehen, um ein eingebildetes Unglück zu verhüten. Wir sind Bergleute, die weder fallende Flötze noch den Tod fürchten; aber wir wissen, daß irgendetwas kommt. irgendetwas! Das wir uns noch nicht ganz klar vorstellen können, das aber schon in der Luft liegt. Es ist viel Neugierde dabei. Etwa so, wie ein Jäger sich denken mag, wenn er die Patrone in den Lauf steckt: Was wird fallen! Nur ein kleiner Unterschied ist in unserm Falle. Der Jäger braucht nicht?u fürchten, daß er selbst fallen werde, von uns aber kann jeder fallen.' Die trüben Lichter über unseren Köpfen zittern, als atme irgendwo ein riesiges, unbarmherziges Tier, das auch wartet— auf einen von uns. Es war schon immer so: Der Berg zeigt sich an. Zuerst ein Fuß, dann eine Hand oder umgekehrt. Bald darauf ein ganzes Leben. Neben mir sitzt Drach, dünn und lang. Seine Brust ist so schmal, daß man eigentlich nie recht weiß, wo man sich seine Lunge hindenken soll. Sein Kamerad ist Uhu. Man könnte meinen, seine Eltern haben sich bei seiner Erzeugung einen Witz erlaubt. Er ist klein, dackelbeinig und großköpfig, aber zäh wie holzige Kohle. Daneben hockt Schick, dürr und schlapp. Schick ist notorischer Schnapssäufer und hat zu Hause zehn Kinder und ein ewigschwangeres Weib, was alles zusammen er in Fusel ertränken möchte. Er arbeitet mit dem dickschädligen Rohling, der immer die dümmsten Witze macht Mein Kamerad hat sich etwas abseits hingekauert den Kopf zwischen die aufgestellten Knie gestellt und schläft Er ist noch grubenneu und verträgt die schlechte Luft noch nicht recht Drach nimmt einen Priem. Priemt Drach, so glaube ich immer, er kaut an seiner Lunge. Er hat schwere T. B. C- Ich rauche mir eine Zigarette an. Rauchen ist zwar nur erlaubt, wenn’s niemand sieht. Das hat nichts mit einer etwaigen Feuergefährlichkeit zu tun, sondern entspringt lediglich der Devise: Zeit ist Kohle! Besser wäre aber auch, wir unterließen es. Zwanzig Zigaretten im Tag, dünne Lungen und dicke Luft! Gibt es außer fallender Kohle noch etwas, was uns so bald von allem erlösen könnte?— Wir sind Fatalisten in Potenz, und waS liegt denn schließlich an ein paar Jährchen mehr oder weniger schon dran?— Rohling versucht etwas Stimmung zu machen. „Ratet mal, Kameraden: Was ist der Unterschied zwischen einem Bergmann und einem Esel?“ „Gar keiner!" brummt Uhu. „Doch!— Steht ein Esel vor einem Bach, so läßt er sich lieber erschlagen, als daß er ins Wasser steigt. Steht aber ein Bergmann vor einem zerrissenen Abbau, so braucht er gar nicht geschlagen zu werden, er geht selbst hinein. Uw was seine Ohren kürzer sind, ist er auch dümmer L" Nr. 266 Freitag, 18. November 1835 Seite 3 Die Einnahmequellen des Budgets Die Einnahmenseite des Budgets der eigentlichen Staatsverwaltung zeigt folgende Konstruk- tic Die Staatsschuld ist gegenüber dem Vorjahr formal um 1566 Millionen gewachsen, faktisch ist sie sogar um rund 2115 Millionen gestiegen. Darin sind jedoch auch die Emiffionen auf Grund der Außerordentlichen Kreditermächtigungen enthalten. Sie laufenden Ausgaben für den Schuldendienst wurden um rund 300 Millionen herabgesetzt Abschließend konstatiert der Minister, daß der Voranschlag nur um den Preis außerordentlicher Maßnahmen im Gleichgewicht gehalten werden konnte. Zur Sicherung diese» Gleichgewichtes ist es notwendig, daß alle in dem ktpos« angekündigten Maßnahmen auch durchge- sührt werden, zu deren Verwirklichung e» parallel Wit den Budgetberatungen kommen wird. Weiters wuß sehr sparsam gewirtschaftet werden, ch Tas mehr als einstündige Expose wurde vom bichtgefüllten Haus mit großer Aufmerksamkeit verfolgt und von der Koalition mit starkem Beifall quittiert. Die Debatte über das Expost wird Sogleich mit der Budgetdebatte im Plenum abgr- führt werden. Das HauS wird znr Erledigung der testlichen Tagesordnung noch heute Freitag nm 10 Uhr eine weitere Sitzung abhalten. Das Budget der wichtigsten Staatsbetriebe Betrieb-- Brtriebs- *) Davon auS bet Staatskasse zu decken: 1936: 434,442.200 1935: 400.621.600 **) Einschließlich der Ausgaben für Erneuerungen. Ausgaben Einnahmen Investitionen** ) gewinne abgänge Tabakregie..... 1936 701,142.100 1.979,680.700 12,340.000 1.278,538.600 1935 744,701.600 2.080,900.200 16,110.000 1.336,198.600 Staatslotterie.... 1936 105,203.000 126,928.900 10.000 21,725.900 1935 103,286.600 124,636.400 10.000 21,349.800 Post 1936 1.215,306.200 1.247,723.000 160,783.000 32,416.800 1935 1.188,981.200 1.229,771.000 78,008.000 40,789.800 Postsparkasse.... 1936 106,215.000 122,750.000 3,700.000 16,535.000 1935 104,435.000 121,086.000 2,500.000 16,651.000 Staatsbahnen.... • 1936 4.001,532.500 3.305,060.300 1.033,102.600 696,472.200*) 1935 8.958.843.500 8.293,221.900 480,800.000 ST*—- 665,621.600*) Staatsgüter und Forste. • 1936 526,715.900 560,000.000 48,692.000 33,284.100 1935 532,627.500 571,518.000 43,265.500 38,890.500 Staatl. Berg- und Hüttenwerke 1936 440,425.200 497.850.100 35,195.500 57,424.900 1935 419,905.600 467,200.500 15,750.000 47,294.900 Militär-Flugzrugfabrik. 1936 32,028.000 33,080.000 1,221.000 1,052.000 1935 22,001.200 22,212.500 484.000 211.^00 Militärische Forste.. 1936 22,927.400 22,984.500 1,201.300 57.100 1935 22,149.400 15,101.000 17,785.200 — 7,048.400 Staatliche Bäder... 1936 14,244.700 11,954.400 4,720.000 2,290.300 1935 12,490.700 10,731.100 2,952.000 — 1,759.600 Staatsdruckereien... 1936 20,010.000 20,952.400 493.000 942.400 1935 21,376.300 22,077.600 .— 701.300 Tschechoslow. Prcßbirro. 1936 8,976.500 7,573.900 165.000 — 1,402.600 1935 9,356.500 7,428.300 — — 1,928.200 Gesamte Staatsbetriebe. 1936 7.230,396.750 7.973,722.750 1.304,918.000 1.443,530.200 700,204.200 1935 7.175,462.400 8.002,870.400 660,092.400 1.503,860.400 676,452.400 Genosse Taub übernimmt ein Ausschulkeferat Nach der Plenarsitzung trat sofort der Budgetausschutz zusammen Und nahm die Zuteilung der Referate über die einzelnen Budgetkapitel vor. Zum Generälberichterstatter wurde wie im Vorjahr der tschechifche Genosse R e m e s gewählt. Zum erstenmal übernahm ein deutscher Abgeordneter, der Genosse Taub, ein Budgetreferat/ und zwar das Kapitel „Gesetzgebende Körperschaften und Parlamentskanzleien". Ilm den Referenten das eingehende Studium deS Budgets zu ermöglichen, wurde die erste ArbeitS- sitzung des Ausschusses erst fpr Mittwoch, den 20. d. M., um halb 3 Uhr nachmittags festgesetzt. Der Ausschußvorsitzende Teplar''h erklärte, die Budget- arbeiten würden zeitlich so geteist werden, daß daS Budget'rechtzeitig' verhandelt werden kann und man nicht zu einem Budgetprovisorium greifen müsse. Fachliche und politische Dinge werden die Mitglieder der einzelnen. Klubs in den verschiedenen Ausschüssen vorbringen können, die gleichzeitig mit dem Budgetausschuß tagen werden. Er gab der Erwartung Ausdruck, daß auch die neuen Mitglieder des Ausschüsse» sich bemühen werden, die Debatten auf dem bisherigen hohen Niveau zu erhalte«. • Zwei neue Steuern Der Gesetzentwurf über die Verbrauchssteuer von Teiggärungspräparaten führt unter Hinweis auf die bereits bestehende Heftsteuer eine Steuer auf Backpulver („Präparate zwecks Lockerung oder Gärung von Teig") ein, welche Stoffe als Hefeersatz anzusehen sind. Die Steuer beträgt bei den durch chemische Reaktion Gasprodukte entwickelnden Stoffen (Backpulver) dreißig Heller für eine gesetzlich bestimmte Steuereinheit, bei den durch chemische Zersetzung Gasprodukte entwickelnden Stoffen 20 K£ für ein Kilogramm. Die Steuer wird bei Backpulver regelmäßig bei der Erzeugung durch Ankleben von Steuermavcke« oder beim Verlassen der Produktionsstätte entrichtet. Die übrigen Bestimmungen tragen den übliche« finanztechnischen Charakter. Der Verbrauchssteuer von Essigsäure unterworfen wird Essigsäure, die bei der Trockendestillation von Holz oder auf anderem chemischen Weg« gewonnen wird. Auch die Essigsäure, gewonnen durch Gärung von unversteuertem Spiritus, wird auf die Weise belastet, daß der Preis deS Spiritus zugunsten der Staatskasse erhöht wird Der Essigbedarf soll zu 69.5 Prozent durch die'durch Gärung deS Spiritus gewonnene Säure und zu 30.5 Prozent durch chemische Essigsäure gedeckt werden. Fn den Grenzen dieser Regulierung wird die Steuer für ein Kilogramm wasserfreier Essigsäure mit dem Betrage von 6 Kö, außerhalb des Rahmen» dieser Regulierung mit 20 Kä festgesetzt. Die Steuer ist, wie bei den üblichen VerbrauchSsieuern, beim Verlassen der Produktionsstätte zahlbar. Ervose deS Schulminister» im KulturauS- schuß. Trotzdem seit langem bekannt war, daß am Donnerstag das Budget vorgelegt wird, wurde ausgerechnet für Donnerstag vormittags auch noch eine Sitzung deS Kulturausschusses anberaumt, in der Schulminifter Dr. KrLmäk ein nicht weniger als vierstündiges Referat über Kulturfragen erstattete. Angesichts deS Budgets und der Budgetrede des Finanzministers wäre das Ervoft deS Schulministers in der Presse natürlich völlig untergegangen, so daß man sich schließlich dazu bequemte, eS erst am Freitag auszugeben. Besser wäre es natürlich gewesen, wenn die parlamentarische Regieführung etwas besser geklappt hätte und man von vornherein nicht erst zwei große Ministerreden auf einen Tag zusammengedrängt hätte. Der JnkompatibisititSausschuß des Abgeordnetenhauses konstituierte sich am Donnerstag wie folgt: Vorsitzender R e m e S, erster Vorsitzender Kkemen, zweiter A. I. Benes, Schriftführer Dr. Neumann. Weder eine „Versühnungsrede" Wo bleiben Ule loten? Wien.(Tfch. P.-B.) Im Rahmen einer von der Vaterländischen Front- veranstalteten Vor- tcagsreise erklärte Bundesminister B a a r-B a a- renfels u. a.: es sei ihm klar, daß die Arbeiterschaft in ihrer Gesamtheit noch nicht zum Staate zurückgefunden hat, daß sie aber zum größten Teile abwartend zurückhalte, weil sie zuerst sehen wolle, ob das, was in verschiedenen Reden verkündet wurde, auch in die Wirklichkeit umgesetzt werden wird. Der Bundesminister sprach die Ueberzeugung aus, daß die sozialdemokratischen Führer Oesterreichs keine Internationalen sondern in Wirklichkeit gute Oesterreicher sind, denen man die Möglichkeit geben müsse, Wiede r.zuOefterreich z u- r ü ck z u finden. Der Rediier,^bezeichnete die Arbeiterschaft als die selbst- loseste Bolkssschichte Oesterreichs, aber der Arbeiter verlange zuer st, als gleich und vollberechtigter Mensch behandeltzuwerden. Schließlich sprach Bundesminister Baar-Baarcnfels die Ueberzeugung aus, daß eine bewaffnete Revolte in Oesterreich derzeit nicht möglich sei. Finanzielle Gründe zwängen dazu, die zur Bekämpfung von Revolten erlassenen Ausnahmsbestimmungen wieder schrittweise abzubauen. Sollte es dennoch da oder dort zu irgendwelchen Aktionen geheimer Organisationen kommen, dann bekenne er sich zu dem Grundsätze: Die größte Energie ist die größte Humanität. Es wäre falsch hier schonend vorzugehen, man müsse vielmehr mit allen Mitteln jede Revolte im Keime ersticken. So sieht die deutsche Autarkie ausl Berlin.(Tsch.P.-B.) Auf delnllieichsbauern- tag in Goslar wurde durch ein Referat über die OÄnung der Erzeugung festgestellt, daß gegenwärtig rund eineMillion Tonnen Eiweiß und eine Million Tonnen Fett, fehlen. Bon dem fehlenden Fett werden rund zwei Drittel für die menschliche Ernährung und ein Drittel für chemische Zwecke benötigt. Um diesen Fehlbetrag in Fett zu decken, müßte eine Million Hektar für Futter- und Oelpflanzen frei werden. Der deutsche Erzeugungsraum sei jedoch zu beschränkt, als daß diese Fläche von etwa' einem Zwanzigstel des gesamten benützten Raumes entbehrt werden könnte. SiÄfincJ Berlin. Dem Berliner Korrespondenten des „Prager Tagblattes" Popper wurde beim Betreten des Gerichtssaales in der Prozeßverhandlung gegen den Bischof von Meißen Legge die Ausweiskarte abgenommen. Die Justizpreffe- stelle gab die Auskunft, daß diese Maßnahme auf Veranlassung des Reichspropagandaministeriums erfolgt sei. Nr« Aerk.(AP) Um daS Sinken der Preise zu bekämpfen, werden zur Zeit wieder in geradezu phantastischem Ausmaße Lebensmittel vernichtet. So werden in Los Angeles täglich 100.000 Liter Milch fortgeschüttet! In den Weststaaten wurden 600.000 Kühe geschlachtet, um die Buttererzengung um 15 Prozent zu senken. Rom.(AP) General de Bono hat angeordnet, daß diejenigen Italiener in Eritrea, die„für die Kolonie gefährlich oder staatsfeindlich" seien, verbannt werden sollen« Budget der eigentlichen Staatsverwaltung Ausgaben Einnahmen *) Nur die Kosten der Zentralverwaltung. 1936 1935 1936 1935 Präsident d. Republik 14,941.900 13,957.800 2.736.600 2,588.500 Gesetzgebende Körper- schäften.... 36,102.800 36,286.500 182.000 182.000 Ministerratspräsidinm 37,210.100 37,056.400 13,077.000 13,530.000 Aeußeres.... 132,730.100 132,980.100 6,080.000 6,080.000 Nationalverteidigung. 1.340,000.000 1.280.000.000 7,354.800 7,775.600 Inneres..... 714,740.100 645,199.300 3,993.300 3,788.100 Justiz und Oberster Gerichtshof... 278,632.300 277,110.700 11,243.400 11,258.200 Unifiziernng... 1,896.100 1,741.300 Oberstes Berwaltnns- und Wahlgericht. 6,144.600 6,080.700 64.000 64.000 Schule..... 944,766.600 924,000.000 77,486.900 77,554.200 Landwirtschaft... 195,329.200 181,032.600 23,553.800 8,580.100 Bodenamt.... —.— 15,650.300 15,650.300 Handel..... 36,825.400 32,871.200 13,930.400 11,308.700 Oeffentliche Arbeite«. 475,839.800 437,343.500 105,660.700 95,880.400 Post*) 11,760.700 11,197.500 11,760.700 11,197.500 Eisenbahn*)... 21,184.000 20,199.200 21,184.000 20,199.200 Fürsorge.... 856,042.600 802,106.800 24,077.000 14,497.700 Gesundheit.... 156,356.800 143,323.000 37,027.000 35,121.500 Pensionen... ,. 926,677.500 895,018.100 174,974.500 163,070.600 Finanzministerium. 1.837,975.200 2.084,017.600 7.499,144.800 7.486,929.000 Oberste» Kontrollamt 7,040.100 6,125.800 —.— Summe.... 8.032,195.900 7.983,298.400 8.033,531.000 7.985,255.000 Seite 4 Freitag, 15. November 1935 Nr. 266 Aegypten in Gärung Direkte Steuern: zug datz Mittelbare Wirkungen des italienischen Griffes ins afrikanische Wespennest Einfuhr 5,185.465, Ausfuhr: Das Äktivuck beträgt also *) Die Steuern und Abgaben sind hier in ihrer dollen Höhe angeführt und nicht, wie im Budget der Gruppe I, nach Abzug der Zuweisungen an die Selbstverwaltungskörper etc. nach Gruppe Hl. *) Bis auf 4.5 Millionen den Staatsbahnen zur Deckung der Betriebsausgaben überlassen. kam es, als Nahab Pascha sich zu dem Volkshaus, der Zentrale der Wafd-Partei» begeben hatte, zu' ernsten Zusammenstößen; Bei dem Eintritt Nahab-Paschas in das Volkshaus brach die -Menge, die ihn begleitete, in Hochrufe auf ihn aus. Rufe, wie„Nieder mit den Engländern!" .und„Es lebe die Revolution!", wurden laut. Die Polizei ging darauf mit der Waffe gegen die Menge vor und stürmte, als die Rufe nicht verstummen wollten, das Bolkshaus. Zahlreiche Verhaftungen wurden vorgenommen. Bei dem Vorgehen der Polizei mit der Waffe wurden etwa 30 Personen durch Schüsse verletzt. Ein Demonstrant wurde getötet. Auch mehrere Polizisten erlitten Verletzungen. Die Gesamtzahl der Verletzten auf beiden Seiten belief sich bis Mittwoch abend in Kairo .auf 100» in Tantah auf 70. Im Augenblick herrscht zwar überall Ruhe, jedoch befürchtet die Regierung für Donnerstag eine Fortsetzung der Unruhen und ein Uebergrei- fen auf die Provinz. Sämtliche Gouverneure und Polizeikommandanten haben strengste Weisungen erhalten. Der Streik, aller ägyptischen Hochschulen, der am Mittwoch begann, wird Donnerstag fortgesetzt. Kairo,(Havas) Bor dem Gebäude des ägyptischen Außenministeriums wurden sieben Polizisten von Demonstranten aus acht Meter Höhe in den Jnnenhof des Gebäudes hinabgeworfen. London.(PS) Der Zeitpunkt, an dem die vom Genfer Komitee beschlossenen Sanktionen in Kraft treten sollen, rückt immer näher. So intransigent in dieser Frage die offizielle Haltung der englischen Regierung ist, so geschmeidig und labil ist demgegenüber die Einstellung der englischen Industrie- und Handelsmagnaten. Dies zeigt sich ganz besonders in gewissen Vorsichts- matzregeln, die von einer Reihe englischer Grubengesellschaften bereits jetzt mit dem Ziel der Umgehung der Sanktionen getroffen worden sind. England war bis vor kurzem der Hauptlieferant Italiens für Kohle. Im Jahre 1932 bezog Italien aus England 5,249.000 Tonnen Kohlen, aus Deutschland 1,736.000 Tonnen» aus Polen 526.000» aus Frankreich 178.000 Tonnen. Im ersten Quartal des Jahres 1935 hingegen bezifferte sich der Bezug aus England auf 1,154.000, aus Deutschland auf 1,599.000 Tonnen. Auch die polnischen Lieferungen erfuhren im Vergleich mit früheren Jahren eine bedeutende Erhöhung, sie betrugen im ersten Quartal 449.000 Tonnen. Diese Verschiebung in dey-italienischen Kohlenimporten hatte bereits in einem Zeitpunkt, da das Abessinienproblem sich noch nicht zugespitzt hatte, die Nervosität der englischen Grubenindustriellen hervorgerufen. Jetzt, da die Sanktionen durchgeführt werden sollen, befürchten diese Minenbesitzer, datz für England damit auch die letzten Absatzmöglichkeiten im Kohlengeschäft mit Italien schwinden werden. Zunächst werden die Lieferungen nach Italien fortgesetzt. Tag für Tag laufen aus den Häfen von Süd-Wales Kohlenschiffe nach Italien aus. Da man aber mit Sicherheit Weitz, datz gerade die englifche Regierung auf der stritten Durchführung der Sank- tionsmatznahmen bestehen wird, haben die Industriellen einen Ausweg gefunden: die englischen Kohlen werden künftig nicht direkt nach Italien, sondern nach Spanien geliefert, von wo sie durch Mussolini hat Glück. Auf seinen Eroberungszug hin, als erste Antwort auf die Provokation der farbigen Rassen durch Europa bricht eine gefährliche Unruhe gerade dort aus, wo Mussolini sie in diesem Augenblick am besten brauchen kann und mit einer Tendenz, die den Italienern sehr genehm sein wird. Die blutigen Zusammenstöße in Aegypten, die antibritische Bewegung in Englands wichtigstem Tributärstaat ist ohne Zweifel auf die fieberhafte Erregung zurückzuführen, die ganz Afrika und vor allem die Rachbargebiete Abessiniens und des Suezkanals erfaßt hat. Englands schlimmste Befürchtungen werden hier bestätigt. Das interessante an dem Konflikt ist ja, daß die Aegvptrr und gerade die nationale Wafd- Partei keineswegs für Jta- l i en sind. Sie sind nur kaum in der Lage, die Tragweite ihrer eigenen politischen Handlungen heute abzuschätzen. Ausgelöst ist die Bewegung durch eine Rede Sir Samuel Hoares worden. Auf eine Rede des nicht nationalistischen Politikers Mahmud P a s ch a, der England aufforderte, jetzt zu erllären, ob es Aegypten als unabhängigen Verbündeten wolle, hat Sir Hoare sehr höflich geantwortet, daß man die Jnteressengleichheit beider Staaten doch jetzt erkenne, daß aber der Zeitpunkt zu einer Revision ihres Verhältnisses noch nicht gekommen sei. Gegen diese Rede protestierte die Wafd- Partei in der Kundgebung, die zu den Zusammenstößen geführt hat. Ein Konflikt mit Aegypten, ja auch nur ein wahrscheinlich kaum zn vermeidender Regierungswechsel in Aegypten ist für England denkbar unangenehm. Er wird für Mussolini/ ine bedeutende moralische und materielle Erleichterung sein. Bon dieser Seite konnte er am wenigsten eine Ent- lastpng erwarten. Um so kühner wird er wohl jetzt" in seinen Forderungen an den Völkerbund sein, um so schüchterner wird London operieren. Kairo.(Tsch. P.-P.) Die Erregung gegen England, die die nationalistische-Wafd- Partei in die Bevöllerung getragen hat, ist autzerordentlich stark. , Nach Beendigung der Massenversammlung schrulligen Wesen in dieser Kleinwelt des Philistertums verwurzelt, hat sie gekannt und hat sie bekämpft, indem er sie mit bissigem,„mit den grauen Flören des Pessimismus verhängtem" Humor geschildert und ihr den Idealismus seiner Helden entgegengestellt hat. Freilich sind seine Idealisten recht häufig weltflüchtige, verschrobene, immer aber mit ihrer Umwelt unzufriedene Sonderlinge, die am Ende unterliegen und ihre trotzdem nicht preisgegebenen Ideale grollend und spottend in irgendeine kauz- haste Verborgenheit retten. Und das ist bei all ihrer kritischen Unerbittlichkeit die entscheidende Schwäche dieser Helden:„Ihre Sehnsucht ist nicht nach vorwärts gerichtet; sie lebt in einem beständigen Widerstreü mit ihrem Verstände. Sie können weder mit dieser alten Welt leben, die sie innerlich überwunden haben, noch in jener neuen, der sie in ihrer Weichlichkeit und Verletzlichkeit äusserlich nicht gewachsen sind"— es ist das die Schwäche, die ganze, dem Ueberkommenen gegenüber kritisch und oppositionell eingestellte, schlietz- Üch aber doch resignierende Generationen des deutschen Bürgertums politisch unfähig und unfruchtbar gemacht hat; die Diktatur des Dritten Reiches ist die Folge, und nun jubeln ihre Nachkommen denen zu, die sich als stärker erwiesen als jene; sie verhimmeln in verzerrtester Gestalt die Straft, die ihren Vorfahren abging. So find Raabes-Helden von vornherein geschlagene Kämpfer. Die Umwelt, gegen die sie angehen, ist stärker als ihr aktives Wollen, aber wiederum stärker als diese Umwelt bleibt ihre Der Außenhandel im Oktober Gegenüber Oktober 1934 gesteigerte Fertigwarenausfuhr, aber geringere» Aktivum des gesamten Warenverkehrs.— Größeres Gesamt- attivum in den ersten zehn Monaten 1935. Nach den Erhebungen des Statistischen Staatsamtes betrug im Monate Oktober 1935 die reine Warenausfuhr(in tausend Kd) 772.901, die reine Wareneinfuhr 660.921. Das Aktivum beträgt daher 111,980.000 UL. Im Oktober 1934 betrug die Einfuhr 587.737, die Ausfuhr 723.981, das Aktivum 136,244.000 KL. Die heurige Oktoberbikanz ist also weniger günstig als die vorjährige. Dabei mutz jedoch berücksichtigt werden, dass die Ausfuhr von Fertigwaren im vergangenen Monat gegenüber der gleichen Zeit des Vorjahres eine Steigerung um rund 50 Millionen zu verzeichnen hat. In den ersten zehn Monaten des Jahres 1935 betrug der reine Warenverkehr(in Taufend KL):'""“ 5.899.410. 713,945.000 KL. Im Vorjahr betrug die Einfuhr in denselben Monaten 5.195.023,!'~", Das Aktivum war daher 642,784.000 KL. * Auch die Syrier rühren sich Jerusalem.(Tsch. P.-B.) Die acht arabischen Parteien in den Staaten Syrien und Libanon, die beide dem ftanzösischen Mandatsgebiet Syrien angehören, haben sich jetzt nach dem Vorbild der arabischen Parteien in Palästina zu einer Einheitsftont zusammengeschloffen. Sie haben an das französische Auhenministerium eine Denkschrift gerichtet, die hier Forderungen enthält: Herstellung'einer nationalen Autonomie, Wiederzusammenschluh aller Teile Syriens, Erlatz einer allgemeinen politischen Amnestie und die Einsetzung einer konstitutionellen Regierung. Wilhelm Raabe Zu culnem 25. Todestage Es ist eine fast überraschende Feststellung, fest dem Tode des.Dichters Wilhelm Raabe erst fünfundzwanzig Jahre vergangen find—> so beinahe verschollen und nur von wenigen gekannt ruht sein Wert in den Bibliotheken. Als er am 15. November 1910 sta/b, war er zwei Monate zuvor neunundsiebzig Jahre alt geworden. Um ihn trauerte eine grosse anhängliche Leserschaft, die ihm allmählich zugewachsen war, nachdem ihm jahrzehntelang nur„das Glück der kleinen Gemeinde" beschieden gewesen war. Und nach seinem Tode sollte es wieder so sein. Es sind in diesen fünfundzwanzig Jahren so schwere Stürme über die Menschenwelt hingebraust, datz uns die Gestalten der Raabeschen Romane und Erzählungen schon wie Erscheinungen aus vergangenen Jahrhundertest anmuten. Wer aber tiefer forschend in die mitunter reichlich krause Epik Raabes, eindringt, findet Schätze, die immer noch blanke Geistesmünze sind. Denn der Kampf, den fast alle Helden Raabes führen, ist trotz allen weltgeschichtlichen Stürmen, die im letzten Vierteljahrhundert das Gesicht der Erde verändert haben, noch nicht zu Ende gekämpft. Es ist der Kampf der Idealisten gegen die dumpfe Kleinwelt des Philistertums, gegen das „ hemmende, bremsende, niederziehende Gewicht die- die Ausfuhr 5.837.807.! ser Welt. PZilhelm Raabe, selber sein Leben lang ' in deutschen Kleinstädten sitzend, selber in seinem im Sanktionsnetz Englische Grubenindustrielle am Werk 1936 1935 Einkommensteuer 1.170,000.000 1.137,550.000 Militärtaxe.. 10,000.000 10,000.000 Allgem. Erwerbstrurr 80,000.000 80,600.000 Besondere Erwerbsteuer'. 105,000.000 85,000.000 Grundsteuer.. 106,417.000 108,742.000 HauszinSfteuer. 177,245.000 182,445.000 Rentrnfteuer.. 175,000.000 118,000.000 Tantiemensteuer. 20,250.000 20,250.000 Steuer von höheren Dienstdezügen. 8,156.000 7,000.000 BerzngSzinsen. 210,000.000 210,000.000 Umsatzsteuer: Umsatz-». LuruS- steuer.... L .417,946.000 2.403,046.000 Verzugszinsen, 47,500.000 32,300.000 Zölle: Zölle.... 787,542.500 805,079.500 Zollgebühren•. 875.500 988.500 Verzugszinsen.. 3,182.000 3,082.000 Verbrauchssteuern: SpirituSsteuer und Nrbengebührrn. 397,032.000 420,176.000 Hefesteuer... 48,000.000 48,500.000 Zuckersteuer.. 600,000.000 600,850.000 Mineralölsteuer. 200,000.000 155,000.000 Zündholzsteuer. 56,100.000 56,000.000 Glühbirnensteuer 23,000.000 21,000.000 Schaumweinsteuer 2,500.000 2,500.000 Effigsteuer 8,000.000 Backpulverfteurr? ne« 8,000.000 Knustfettsteuer J 34,000.000 Getränkesteuer: a) auf dem Lande 36,800.000 89,000.000 t) in Städten. 9,200.000 9,000.000 Biersteuer... 352,000.000 441,928.764 Fleischsteuer: a) auf dem Lande 98,100.000 94,000.000 b) in Städten. 26,900.000 26,000.000 Berzehrung-stener u. sonst. Einnahmen 27,000.000 26,970.000 Kohlensteurr,, 161,200.000 170,000.000 Gebühren: Stempel... 270,000.000 280,000.000 Rechtsgebühren 950,000.000 9807000.000 Taxen.... 900.000 700.000 Verkehrssteuer a) Eisenbahn: Fahrkartenstener 140,000.000 147,500.000 Transportsteuer*) 321,700.000 322,000.000 Gepäcksteuer.. 4,000.000 3,500.000 Fahrkartenabgate 70,000.000 72,500.000 b) Motorfahrzeuge (neu geregelt). 15,000.000 63,000.000 Sonstige Abgaben: Steuer von Telephongebühren 29,050.000 32,450.000 Gebühren für Amtshandlungen 48,000.000 45,000.000 Monopole: Salz.... 43,000.000 32,676.000 Süßstoffe... 3,000.000 3,000.000 Explosivstoffe.. 10,000.000 8,000.000 die'„Asociacion de Navieros de Bilbao" nach Italien weiter verschifft werden. Wie man hört, sind bereits einige Transporte, probeweise auf diesem Umweg vorgenommen worden. Es gibt im Hinblick auf diese Manöver nur einen einzigen Weg, den Sanktionen zur Wirk« samkeft zu verhelfen: die Kontrolle durch die organisierten Arbeitnehmer. Allein das Zusammenwirken von Gruben- und Hafenarbeiten kann der Aktion des Völlerbundes einen durchschlagenden Erfolg sichern und die Liquidierung des ftalieni« schen Kriegsabenteuers in Abessinien beschleunigen helfen. Selbstverständlich wird von den Unternehmern auf die Arbeiterschaft ein wirtschaftlicher Druck ausgeiibt. Man droht mit Betriebseinschränkungen und Entlassungen. Die englischen Grubenarbeiter lassen sich jedoch durch solch« Pressionen nicht einschüchtern. Auch die Hafenarbeiter haben bereits Zeugnisse ihrer Aktivität und Wachsamkeit geliefert, indem sie das Auslaufen verschiedener Kohlentransportschiffe unmöglich machten. In den Kreisen der englischen Gewerkschaften ist man sich allerdings darüber klar, datz das Sanktionsproblem ein internationales Problem ist: es kommt darauf an, dass nicht nur die englischen Arbeiter, sondern genau so diejenigen der anderen Länder den Kampf führen. Wieviel werden die englischen Wahlen kosten? Schätzungsweise werden die heurigen Wahlen ins Unterhaus etwa 1 Million Pfund(etwa 120 Millionen KL) kosten. Die letzten Wahlen waren verhällnismätzig wenig kostspielig, da für sie blotz 634.105 Pfund ausgegeben wurden. Der Kandidat darf auf dem Lande 6 Pence, in den Städten 5 Pence pro Wähler ausgeben. Bei den letzten Wahlen kostete die Wahl des Arbeiterdelegierten Maxton, der bloss 88 Pfund an Wahlkosten benötigte, am wenigsten. Jeder Kandidat mutz nach dem Gesetze eine Kaution von 150 Pfund erlegen, die ihm zurückerftattet werden, wenn er wenigstens ein Achtel der in seinem Bezirke abgegebenen Stimmen erhält. Diese Massnahme richtet sich gegen leichtsinnige Kandidaturen. Versickerung gegen tsdour-Sleg London. Die englischen Versicherungsgesellschaften versichern Interessenten mit einem Satz von 20% gegen die Erhöhung der Einkommensteuer, die im Falle eines Sieges der Arbeiterpartei bei den heutigen Wahlen erwartet wird. Wer Ist das? Um ein Dementi der SdP wird gebeten Wien. Der„Telegraph" meldet, dass an die Reorganisierung der ganzen nationalsozialistischen Bewegung in Oesterreich unter Leitung einer Persönlichkeit aus den Reihen der Sudetendeutschen Partei in der Tschechoslowakei gedacht wird. Als Reorganisawr sei ein Nationalsozialist auSersehen, der im Jahre 1923 in der österreichischen Bewegung arbeitete. Dieser Reorganisator wolle die gesamte illegale Tätig' keit der Nationalsozialisten einstellen und den Weg in dieVaterländischeFront unter der Parole suchen, datz die nationalsozialistische Bewegung nunmehr positiv am neuen Staate arbeiten wolle. Nazi-Mandate In Danzig annulliert In 18 Wahlbezirken wegen Terrors Danzig. Der Oberste Gerichtshof der Freien Stadt Danzig erflärte die bei den Volkstagswah- len in 18 Gemeinden abgegebenen nationalsozialistischen Stimmen für ungültig. Demzufolge verlieren die Nationalsozialisten einige Mandate zugunsten der sozialistischen Mitte. -SS—-SB unbedingte Gegnerschaft, die auch in der Misere kleinlicher Not nichts von ihrer Gesinnung preisgibt; Raabes Helden werden leicht wellflüchti^ Sonderlinge, aber sie machen keine Konzessionen- Blecht so der Kampf seiner Helden mehr oder minder erfolglos, so findet doch auch der Leset von heute in dem immer wieder emsig geschlifft- nen geistigen Rüstzeug dieser Widersacher ein e Fülle kritischer Betrachtungen und Gedanken, die zu kennen sich lohnt. Und wer sich in die manchmal ähnlich wie bei Jean Paul kraus wuchernde Pro!» Wilhelm Raabes vertieft, wer den„Abu Tel- f an", denu n g e rp a st o r", den„S ch ü d- d e r u m p" als seine grossen Hauptwerke und diesen und jenen Band seiner vielen kleineren R»* mane und Erzählungen zur Hand nimmt, der wir!' auch heute noch in bewegter Anteilnahme dei» Schicksal Raabescher Gestallen folgen,, gewönne» von der menschlichen Tiefe des Humors, der im' mer wieder die Bitternisse der Erkenntniffe durchwärmt. Mit Recht darf man Wilhelm Raabe eine» der besten deutschen Humoristen nennen— Humorist nicht im Sinne platter Spatzmacherei, sonder» von der Art jenes Humors, welcher lacht mit einet Träne im Auge. Und immer wieder schlägt dieses aus warm empfindenden Herzen quellende HunEt um in beissenden Sarkasmus, in grimmige Satirein scharf zeichnende, mit ihrem Spott den Ker» der Dinge treffende Kritik der Philisterwen- gegen die Wilhelm Raabe einsiedlerisch seine Fed^ führte. Und darum verdient Wilhelm Raabe avck heute noch gelesen zu werden, obwohl er„schon seit fünfundzwanzig Jahren tot ist. Manfred, Nr. 26tf Freitag, 15. November 1935 Seite 5 fudetendeutscfteT£ei/spicgcf Ortsgruppe Brüx des DdD behördlich eingestellt Ansprache zu wissen, daß er sich als Abgesandter Der Enderfolg wird doch auf Seite derer Dachte Herr Rohn dabei an das Dritte dem Ortsgrupprnleiter Dr. Otto Fussel bekannt, und ausserdem mußten die beiden unterzeichneten Funktionäre im klaren darüber sein, daß rin solcher Ausweis nicht für den inländischen Gebrauch, sondern für das Ausland, usw. für einen Staat bestimmt ist, wo eine derartige Bestätigung seitens der Behörden verlangt wird. Dadurch hat der genannte Verband einen Erlaß ansgefertigt» welcher dem Gesetze vom 19. April 1923 88 2 und 17 und dem Strafgesetz 8 5 zu- widerläust. Gegen den Einstellungsbescheid kann binnen 14 Tagen beim Polizeikommiffariat in Brüx die Berufung an die Landesbrhörde eingelegt werden. Wirtschaftsverband gibt sein Spiel mit dieser Entscheidung einer unteren Instanz längst nicht verloren, die Böhmische Escompte-Bank hat bereits der Bezirksbehörde erklärt, daß sie nicht nur den Betrieb nicht weiterführrn, sondern nicht einmal die gegenwärtig vorliegenden Aufträge ausführen wird. Sie glaubt die Stillegungsverordnung vom 20. April 1934 mit einer Handbewegung beiseite schieben zu können, indem sie erklärt, die Tellniher Keramischen Werke seien selbst nie in den Betrieb eingetreten, hätten auch mit den Angestellten und Arbeitern keinerlei Vereinbarungen getroffen, sondern hätten bloß die Liegenschaften samt Zubehör erworben. eine nazistische Gesinnung vermuten und selbst ein von nationaler Hetzgesinnung freier Lehrer, wie es „E. V." ist, im„Narodni osvobozeni" die Forderung nach Beaufsichtigung der deutschen Lehrerschaft durch tschechische Zentralinspektoren erhebt. Hier zeigt sich wieder einmal recht deutlich, laß die größten Feinde der Deutschen die Deutschen selber sind. Brüx,-500.000 XL) und ebenso noch eine ganze Reihe kommunaler Unternehmungen, bzw. Aktionen(Verbrennungsstation, Stratzenreinigung, Theater und Bibliotheken, Kindergärten usw.). Eine wesentliche Rolle spielen die gesteigerten Personalaufwendungen, einschlietzlich der Pensionen. Der außerordentliche Boranschlag rechnet mit einem Erfordernis von 254,818.911 XL, dem heute fine Bedeckung von l82,3&4.£&4 XL gegenübersteht. Der Rest von 102,454.000 XL wird durch Anleihen gedeckt werden. Im Nahmen des autzerordentlichen Budgets sollen zunächst verschiedene bereits. begonnene öffentliche Bauten-zu Ende geführt werden(vor allem Schulbauten), sowie eine Reihe anderer kommunaler Projekte. Der Ausgestaltung des Feuerwehrwesens— und in Verbindung damit der passiven Luftabwehr— sind drei Millionen gewidmet. Der Arbeitsbeschaffungsakt i o n, die bekanntlich völlig umgestaltet wurde (ordentliches Arbeitsverhältnis an Stelle der früher praktizierten Notstandsarbeiten) sind 13 Millionen XL mehr zugedacht als im Vorjahr. Diese Aktion wird nach dem Budget im ganzen 38 Millionen XL erfordern(5 Millionen im Rahmen des ordentlichen und 33 Millionen XL im Rahmen des autzer- ovdentlichenVoranschlages). Diese Arbeiten sollen sich hauptsächlich auf Regulierung der Kommunikationen, Aufforstungen in der Prager Umgebung u. dgl. erstrecken, die sozialen Fürsorgeaktionen bleiben im bisherigen Ausmatz aufrecht(Arbeitskolonnen usw.). Xun&t und Mssen Dela Lipmflaja war bei ihrem heiteren Wend gestern in der Kleinen Bühne zwar merklich durch das Fehlen ihres ständigen Klavier-Begleiters(der erkrankt ist) behindert, aber bald überwanden ihre Kunst und ihr Temperament die entstandenen Schwierigkeiten, und ihre^einzigartige kabarettistische Begabun, in der schauspielerische, musikalische und sprachliche Talente vereint sind, kam wieder erfolgreich zur Geltung- Erstaunlich, wie sie aus unbedeutenden(zuweilen sogar armseligen) Sächelchen kleine Kunstwerke macht, mit einer Betonung und Melodik, die noch dem Inhaltslosen Pointen gibt— und mit einer stillen Heiterkeit, die auch die aufdringlichen Pointen verfeinert. Sie brachte russische, jiddische und deutsche Chansons und„Figurinen",, hie sie sprachlich alle mit gleicher Beherrschung meistert,, wobei aber unverkennbar die russischen und jiddischen Lieder ihrem Temperament am besten entsprechen. Aber auch den Song von der„ladyliken Dame", die„beiden Ameisen" von Ringelnatz und das(vom Publikum heftig begehrte) „Vielleicht" wird ihr kaum jemand nachsprechen, -spielen und-singen. Als Helfer in der Not hatte sich Frank Pollak der Künstlerin zur Verfügung gestellt und füllte die Verwandlungspausen mit brillanten Vorträgen moderner Klaviermusik aus. '—eis— „Die verkaufte Braut" als Arbeitervorstellung am Sonntag, dem 17. November, um halb 3 Uhr nachmittags. Karten täglich(8 bis 2, 4 bis 6) bei Optiker Deutsch, Graben, Koruna. Bon» in der Kleinen Bühne. In Zukunft gelten von Dienstag bis Freitag Bons aller SLrien, nutzer bei geschlossenen und volkstümlichen Vorstellungen. Samstag und Sonntag werden die Bons, wie bisher,, turnusweise aufgerufen. Spielplan des Neuen Deutsche» Theaters. Freitag, halb 8: P e lle a s und Melisande, DI.— Samstag, halb 8: Venus in Seide, Uraufführung, ,A 2. Spielplan der Kleinen Bühne. Freitag 8 Uhr: JmLondonerNebel, Tbeatergemeinde des Kulturverbandes und freier Verkauf.— Samstag, 8: Kameraden. Ein interessantes Kapitel ist die Frage der Gemeindes chuldenlast. Bekanntlich gehen bei der Beurteilung dieser Frage die Ansichten der matzgebenden Stellen ziemlich«ms- einander. Gegenüber der Ansicht, datz die Stadtgemeinde Prag überschuldet sei(diese Meinung wird auch von gewissen Aufsichtsbehörden vertreten) ist der Finanzreferent der Prager Gemeinde durchaus optimistisch. Zur Begründung dieses Optimismus wird insbesondere angeführt, datz die Stadtgemeinde bei Aufnahme von Darlehen von feiten der Geldinstitute grotzes Entgegenkommen findet. Die Gesamtschuld der Hauptstadt. betrug im Jahre 1935 insgesamt 1.674,239.000 XL und wird sich 1936 um 36 Millionen erhöhen. Natürlich steigen auch die Ausgaben für den Zinsen« und Amortisationsdienst gegenüber dem Vorjahr. Dr. Stüla unterstrich die Tatsache, datz an die Einführung neuer Zuschläge und Abgaben nicht gedacht werde. rb. Der Dtm Der unbekannte Gast Es ist schwer, diesen englischen Fikm zu empfehlen, weil seine Schwächen offensichtlicher sind als seine Vorzüge. Aber diese Vorzüge, eine überlegene Regie, ein gelungenes Zusammenspiel und ein literarisches Manuskript, sind so grotz, datz sie den Film trotz der schlechten Photographie und des schwachen Schlusses weit über den Durchschnitt emporheben. Das Manuskript ist aus einer Erzählung des englischen Schriftstellers Jerome K. Jerome entstanden, die ein altes Thema der Weltliteratur ins Moderne übersetzt: das Thema vom Kampf des zur Erde herabgestiegenen Gottes mit dem Teufel. Dieser Gott erscheint hier in der Maske eines reisenden Gentleman, der in Liner Londoner Pension einkehrt, um die freudlosen Bewohner dieser Herberge zur Güte und zum Glück zu erwecken: die alternde Frau, die den Glauben an sich verloren hat, den bankrotten Major, der seine Tochter verkuppeln will, den jungen Architekten, der seine Liebe zu dieser Tochter für hoffnungslos hält, und das arme, aus dem Gefängnis entlassene Zimmermädchen, das die Verachtung durch die Umwelt rächt mehr ertragen kann. Wie dieser Gentleman-Heiland mit ein paar guten Worten, mit vornehmer Freundlichkeit und mit der Einladung zu einem Feiertags-Ausflug die guten Geister in den Menschen erweckt, die wieder ans Leben zu glauben beginnen, wenn sie dem Alltag entrissen sind,— und wie der Satan in Gestalt eines Londoner Grundstückspekulanten die alte Ordnung der Bitterkeit und Feindlichkeit wiederherstellt, das ist mit viel Psychologie und Wirk- Achtung! Die Frauenorganisation veranstaltet am SamS- tag, dem 16. ds., eine Ggtnrfion in die Masarykheime nach ftti Treffpunkt 15 Uhr an der Endstation der 14er. Wir ersuchen die Genossinnen und Genoffen, pünktlich zu sein, da die Führung um 15.30 Uhr beginnt. Das Bezirkssraurnkomitee. Deutsche sozialdemokratische Bezirksorganisation Prag Donnerstag, 21. November 1935, um acht Uhr abends im Großen Saal des Gewerkschaftshauses, Prag I., Perstyn 11, Parteiversammlung mit Bortrag des Genossen Paul Malles» Korrespondenten des„Socialdemokraten" Stockholm, über das Thema „Die Sozialdemokratie in den nordischen Ländern". llchkeitssinn dargestellt. Nur das Ende ist schwach: der Böse findet einen raschen Tod, und der Gute verschwindet. Der Regisseur Bertold Viertel, der vor zehn Jahren eine Hoffnung des Berliner Theater» war und dann in der Stummfilmzeit in Hollywood arbeitete, hat mit diesem Film eine große Leistung geliefert. Der epische Aufbau des Ganzen und die meisterhafte Führung des Darsteller-Ensembles(mit Conrad V e i d t an der Spitze) gehören zum Gelungensten, was wir auf der Leinwand gesehen haben.—eis— DerdnenocMcfUen- Mreie Bereinigung sozialistischer Akademiker. Heute um 18 Uhr 30 Ausschutzsitzung im Parteiheim. Sämtliche Mitglietchr müssen unbedingt erscheinen! © Ortsgruppe Prag. Samstag, den 16. November: Zusammenkunft um halb 3 Uhr beim Autobus in Smichov, Cafe Westend. Fahrt nach Mnisek und Wanderung zur Hütte. Decken und Brennholz vorhanden. Einfache Verpflegung bereits möglich. Die Hütte ist jeden Samstag und Sonntag unter Aufficht geöffnet. Hüttendienst am 16. und 17. November: Zaotoch.'— Voranzeige: Samstag, den 23. November, im Urania-Kino Vorführung des Schweizer Naturfteundefilmes„Empor zur Sonne". Eintrittspreise von 2 XL aufwärts. — Nikol o-A b e n d am 7. Dezember in der Hütte. Alle Mitglieder sind dazu herzlichst eingeladen. Um für eine Unterkunft zu garantieren, wird ersucht, sich in der Geschäftsstelle anzumelden. Mitteilungen aus dem Publikum. Im Wirbel der Ereigniffe, im fortwährenden Wechsel der Begebenheiten, in einer Zeit, in der man nie Weitz, was der nächste Tag bringen wird, kann nur der bestehest, nur der durchhalten, der „den Kopf nicht verliert" I Das ist aber nur möglich, Wenn Geist und Körper stets elastisch sind!— Gewinnen, erhalten Sie diese Elastizität durch regelmätzige Einreibungen mit dem Alpa-Franz- branntwein. Sie machen ftisch, kräfttg und gerüstet für jedes Ereignis! Das wird sogar Ihr Arzt bestätigen! Urania-Kino, Klimentshä 4. Fernsprecher 61823. Johanna, das Mädchen aus dem Bähmerwald Deutsche Raffun«. Drei Tierversuche Von Dr. Bruno Altmann. (Schluß.) II. Charles Darwin und Thomas Huxlei wetten. Hatte man also früher das Tier in einen möglichst weiten Abstand vom Menschen gebrach! — der Mensch, eine Art Herrgott, das Tier eine seelenlose Maschine— so waren die beiden großen Naturforscher Darwin und Huxley bereits so weit zu fragen, welcher Unterschied überhaupt noch zlvischen den beiden Lebewesen, wenn man das Seelische in Erwägung zieht, bestehe. Darwin meinte, nach seinen Erfahrungen als Viehzüchter gehe dem Tiere nur eine Fähigkeit ab, die der Mensch wenigstens zuweilen aufbringe, die Fähigkeit, sich zu versöhnen Wenn einmal ein Tier mit einem anderen seiner Art oder einer andern Art verfeindet sei, so blieben sie beide verfeindet, ihren gegenseitigen Hatz könne nichts tilgen. Huxley, ebenso Landwirt und Tierzüchter wie Dar» tvin, sah sich veranlatzt, auf Grund seiner Erfahrungen zu widersprechen. Beispielsweise könnten sich sogar Hähne nach einem reichlich blutigen Bcxmatch versöhnen. Darwin, glaubte es nicht. Da sie beide Engländer waren, so wetteten sie. Es war vereinbart, einen Hahn von Huxlehs Gehöft auf das Gut Darwins zu bringen. Dort sollte der Meisterschaftskampf vor sich gehen, dort wollte man sehen, was die beiden Kämpfer hinterher täten.' Die Hähne gingen gleich in der ersten Runde wie toll aufeinander los. Hahn Huxley überflog Hahn Darwin und versetzte ihm mit dem Schnabel einen Hieb auf den Kopf, brachte ihm mit dem Futzstachel einen Kratzer am Halse bei. Darwin duckte sich und ritz seinem Gegner mit dem Schnabel einige Partien des Gefieders am Bauch auf. Dann vertauschten sie die Rollen. Darwin überflog Huxley und bearbeitete seinen Kopf und Hals, muhte aber mehrere Tiefschläge von Huxley hinnehmen. Die Kämpfer gingen dann in den Clinch, d. h. sie verbissen, veÄrall- ten, verkratzten sich so grimmig ineinander, daß sie wie ein zusammengewachsenes Tierpaar aus- sah^i. Der Ringrichter sah keinen Anlaß einzuschreiten, er sollte das nur tun, wenn ein Kämpfer hoffnungslos schwächer war als der andere. Als die Hähne für eine Weile losließen, konstatierte der Ringrichter, daß Huxley die erste Runde überlegen gewonnen habe. Die Pause dauerte kaum eine Minute, ohne Gongzeichen stürzten, fiitzten, flogen die beiden Streiter gegeneinander los. Bald war der eine unten, bald der andere. Schnabel, Hacke, Fuß arbeiteten mit allen Kunstkniffen der Raufpraxis. Ein wildes Boxmatch, die zweite, die dritte Runde und so fort. Nach der zehnten Runde ermatteten sie ein wenig, der Ringrichter hielt es für gut, die Rivalen zu trennen. Er sprach Huxley einstweilen einen klaren Punktsieg zu. Immerhin, ! meinte er, man könne Darwin doch noch einige > Chancen für den Revanchekampf einräumen. Es war 12 Uhr, als das Match abgebrochen . wurde. Nachmittags sollte es wieder ausgenommen werden. Um 4 Uhr erschien das Zuschauerpublikum. Der Ringrichter gab dem Tierbetreuer ein Zeichen, die Hähne aus den Ställen zu holen. Zur Anfeuerung für die Kämpfer hatte man ein paar Hühner als Zuschauer mitgebracht. Die Tiere erschienen. Man erwartete, daß sie der Kampfitätte des Vormittags zufliegen und ihren Strauß mit gesammelten Kräften von neuem ausfechten würden. Es geschah nichts. Ruhig gingen sie aufeinander zu, wählten sich ihre Hühner aus und promenierten friedlich, als ob gar kein 10-Runden-Tournier mit blutigem Ausgang kurz vorher stattgefunden hätte, auf dem Hof herum. Thomas Huxley hatte die Wette ge wonnen. Auch Tiere verstehen Freundschaft zu schließen, wenn sie ihren Zwist gründlich bereinigt haben. III. Das mutigste Tier. Der Weltkrieg hat den Physikern ein eigenartiges Problem aufgegeben. An Großkampftagen machte man die befremdliche Erfahrung, daß der Geschützdonner etwa 50 Kilometer vom Schlachtort entfernt als Knall zu hören war, daß man ihn bis zu 100 Kilometer' als lautes dumpfes Geräusch vernehmen konnte, daß er dann in einer Zone von 100 bis 120 Kilometer absolut nicht wahrzunehmen war» jenseits dieser Strecke bis zu 200 Kilometer und weiter aber deutlich zu hören war. Man nennt die Strecke mit der unterbrochenen Schallwahrnehmung die „Zone des Schweigens". Nach den gültigen Gesetzen der Physik war diese akustische Erfahrung unerklärlich. Das bisher Unerklärliche sollte gelöst werden. Dazu wollten die Gelehrten erst einmal die Tatsache der Schweigezcme studieren. Italienische Physiker veranlaßten folgendes Experiment: 500 Zentner Explosivstoffe sollten zu gleicher Zeit zur Entzündung gebracht werden. Von 50 Kilometer an bis zu 800 waren alle 20 Kilometer Fachleute zur Stelle, um die akustischen Stöße mit Hilfe von Gehörapparaten und Uhren zu registrieren. Die Explosivmasse war auf einem Fest) im südlichen Kalcckrien aufgestellt worden. Am 1. August 1925 wurde das Experiment vorgenommen. Bei dieser Gelegenheit wollten auch Zoologen und Tierpsychologen etwas für ihr Fach lernen. Sie wollten wissen, welche Tiergattung den Ex- plosicmsausbruch am mutigsten ertragen würde. Es wurden etwa 500 Meter von der■ Entzündungsstelle entfernt, zwei Hunde, ein alter Bär, ein alter Löwe, ein jüngerer Tiger, zwei ausgediente Kavalleriegäule festgebunden, ein Adler, ein Kondor, ein Habicht im Vogelkäfig eingesperrt. Ein älterer Orang-Utan leistete ihnen Gesellschaft. Die Tiere konnten die Feuererscheinung sehr gut sehen, waren aber gegen die Gefahr, von den Explosivstoffen getroffen oder vom Luftdruck beschädigt zu werden, Wohl geschützt. Die Witterung von ganz ungewöhnlichen Ereignissen, die da kommen werden, müssen alle Tiere gehabt haben. Sie sahen fortwährend nach der Exploswmasse herüber, sie bewegten sich un^ ruhig, klagend, heulend auf dem kurzen Raum, den ihnen die Fesselung ließ, herum. Um 8 Uhr früh erfolgte die Explosion in drei kurz nacheinander dröhnenden Donnerschlägen. Man hat sie etwa 70 Kilometer weit als Knall gehört und volle 600 Kilometer ist sie wahrnehmbar gewesen. Die Beobachter haben Wer das Verhalten der Tiere Bericht erstattet. Me Titre duckten sich, als die Explosion vor sich ging, keines von ihnen hat es gewagt, die gewaltige Feuersäule in Augenschein zu nehmen. Etwa 5 Minuten gab kein Tier ein Lebenszeichen von sich. Merkwürdigerwesse ging es den Kavalleriegäulen, obgleich sie manche Manöver mitgemacht hatten, am schlechtesten. Sie starben sofort am Herzschlag. Auch die Vögel überlebten die Katastrophe nicht lange. Kondor, Adler und Habicht gingen bald ein. Die Raubtiere zeigten noch Wochen hindurch deutliche Anzeichen von Melancholie, der Bär starb am zehnten Tage. Am besten haben die beiden Hunde und der Affe das Experiment überstanden. Die Hunde bellten, als sie die erste Erschütterung überwunden hatten, zunächst sehr wehmütig, zuletzt über ganz ftöhlich in die Unheilstätte hinaus. Dem Affen war auch bald nichts Besonderes anzumerken. Alle Tiere hatten den ganzen Tag Wer nichts mehr hören können. Also am mutigsten haben sich von allen Versuchstieren noch Hunde und Affe benommen. Bezugsbedingungen: Bei Zustellung räs Haus oder bei Bezug durch die Post monatlich XL 16.—, vierteljährig XL 48.—. halbjährig XL 96.—, ganzjähttg XL 192.—.— Inserate werden laut Tarif billigst berechnet. Bei öfteren Einschaltungen Preisnachlaß.— Rückstellung von Manuskripten erfolgt nur bei Einsendung der Retourmarken.— Die Zeitungsftankatur wurde von der Post- und Tele. graphendirektion mit Erlatz Nr. 13.800/VII/1930 bewilligt.— Druckerei:„Orbis", Druck-, Verlags- und Zeitungs-A.-G., Prag.