Sosialdemokrat ZENTRALORGAN DER DEUTSCHEN SOZIALDEMOKRATISCHEN ARBEITERPARTEI IN DER TSCHECHOSLOWAKISCHEN REPUBLIK ERSCHEINT MIT AUSNAHME DES MONTAG TÄGLICH FRUH. REDAKTION UND VERWALTUNG PRAG XII., FOCHOVA 62. TELEFON 53077. HERAUSGEBER: SIEGFRIED TAUB. CHEFREDAKTEUR: WILHELM NIESSNER. VERANTWORTLICHER REDAKTEUR: DR. EMIL STRAUSS, PRAG. 15. Jahrgang Sonntag, 17. November 1935 Mussolini wird ungeduldig General de Bono durch Marschall Badoglio ersetzt Schärferes Offensiv- Tempo Rom. Der Generalgouverneur von Italienisch- Ostafrika General de Bono ist unter Verleihung der Würde eines Marschalls von Italien von seinem Posten abberufen worden. An seiner Stelle wurde der Generalstabschef des italienischen Heeres Badoglio zum Generalgouverneur von Eritrea und Somaliland ernannt. Zum Vizegouverneur wurde der bisherige Rommandant der römischen Division General Ugozoni ernannt. Offiziell wird der Wechsel im afrika-| Libyen ernannt, seit dem Jahre 1925 ist er Marnischen Oberkommando folgend kommen- schall und seit 1929 Senator. tiert: Mit der Rückeroberung Makalles hat der Marschall de Bono steht bereits im 70. Lebensjahre. Er war schon am Marsch nach Rom beteiligt. Nach dem Sieg ernannte ihn Mussolini zum Generaldirektor der Polizei. Die sen Posten mußte er verlassen, als er nach der Ermordung Matteottis im Jahre 1924 der Urheberschaft, zumindest aber der Mitwisserschaft solini sandte ihn damals als Gouverneur nach an der Mordtat so gut wie überführt war. MusTripolis. Später wurde er Kolonialminister. in Ostafrika war er erst seit Beginn dieses Jahres tätig. Oberkommissar, General de Bono, die ihm anvertraute Aufgabe zu Ende geführt. Der Duce hat aus diesem Anlasse an General de Bono ein Telegramm gerichtet, in dem er dem General das Zeugnis ausstellt, daß er die ihm übertragene Aufgabe, die nun als beendet durchgeführt anzusehen sei, unter außerordentlich schwierigen Umständen und mit Ergebnissen erledigt habe, die ihm ein Anrecht auf die Dankbarkeit der Nation geben. In Anerkennung der mit der Wiedereroberung von Tigre geleisteten Arbeit hat der Paris. In der Abberufung des Generals König auf Vorschlag des Duce General de Bono de Bono erblickt der römische Korrespondent des Badoglio wurde beauftragt, de Bono als Ober-" Intransigeant" den Ausdruck der Unzufrieden: fommissar für Ostafrika abzulösen. heit Roms darüber, das General de Vono bei der Führung der Offensive a II su zögerns und langsam vorgegangen ist, wobei das Blatt allerdings nicht der Meinung ist, daß de Bono nunmehr direkt in Ungnade gefallen sei. Der Korrespondent bemerkt hiebei, das diese Taktik de Bonos bisher glückliche Resultate gezum Marschall von Italien ernannt. Marschall * Marschall Badoglio, der neue Oberfommandant der italienischen Truppen in Ostafrika, ist Spezialist in Kolonialfragen. Badoglio wurde im Jahre 1928 zum Gouverneur von Einzelpreis 70 Heffer ( einschließlich 5 Heller Ports). Nr. 268 Die Sanktionen beginnen Morgen wird der umständliche Mechanismus von Ein- und Ausfuhrsperre, Kreditsperre und allem Drum und Dran dieser Maßnahmen, von zeitigt und verhältnismäßig geringe Opfer an mehr als 50 dem Völkerbund angeschlossenen Menschenleben gekostet hat. Marschall Badoglio Staaten endlich in Gang gesetzt. Wer sich von der genießt den Ruf eines ausgezeichneten Taktikers Auswirkung der Sanktionen eine rasche Niederund man nimmt an, daß unter seiner Leitung zwingung Italiens, eine rasche Beendigung des die militärischen Operationen mit größerer Strieges versprechen sollte, würde schwer enttäuscht Verve vor sich gehen werden. werden. Die Sanktionen werden ihre Wirkung auf die Dauer nicht verfehlen. Ob Italien aber ins zwischen nicht drei Viertel Abessiniens besetzt haben und ob die Wirkung überhaupt so stark sein wird, daß Italien sich den Bedingungen des Völ ferbunds unterwerfen wird, ist eine andere Frage. Man wird sie kaum bejahen können, wenn man die Lage ohne trügerische Illusionen betrachten will. Ausländische Beobachter in Addis Abeba sind der Ansicht, daß Marschall Badoglio sofort nach Uebernahme des Kommandos die Offensive mit jener größeren Energie und Schnelligkeit beschleunigen wird, mit der er bestrebt sein wird, noch vor der Zeit der Regengüsse den Krieg zu beenden. In dieser Taktik, die Entwicklung der Dinge zu beschleunigen, liegen gewisse Risikos, doch wird darauf aufmerksam gemacht, daß einige vereinzelte abeffinische Erfolge an dem Ergebnis des Krieges nichts ändern werden, wenn die Italiener ihre Ziele erreichen werden. Der große Rat tagt Das liegt weder an der Einrichtung des Völkerbunds, noch an seinen Grundsäßen, noch an mangelhaften Sanktionsbestimmungen in der Sazung der Liga der Nationen. Es liegt an der Unvollkommenheit des Bundes und der Unentschlossenheit eines Der italienische Botschafter in Lon. Großteils feiner Mitglieder. don Grandi ist als Mitglied des fasci. Daß so wichtige Mächte wie die Vereinigten stischen Großen Rates zur Teilnahme silien, dem Bunde nicht angehören, macht die völ Staaten, Japan und Deutschland, aber auch Bras an der für Samstag nachts anberaum lige Abschließung Italiens von der Zufuhr friegsten Sigung in Rom eingetroffen. Zwei wichtiger Rohstoffe und fertigen Kriegsmaterials fellos wird seine Anwesenheit zur Füh illusorisch, es schlägt Breschen in die Boykottrung wichtiger politischer front, die sich gegen die italienische Ausfuhr geBesprechungen mit Muffo.bildet hat, und es stellt die Kreditsperre in Frage, lini ausgenützt werden. Der General obschon es wahrscheinlich ist, daß Amerika den gouverneur von Libyen Marschall Stalienern keine Anleihe gewährend wird und obBalbo ist ebenfalls in Rom zur Ta- wohl Deutschland kein Geld gung des fascistischen Großen Rates leihen könnte. Es haben sich ferner Staaten, die eingetroffen. im Völkerbund verbleiben, doch gegen die Sants tionen erklärt und zwar verkehrspolitisch und als Rohstoffbasis so wichtige Staaten wie Desterreich, Ungarn und Albanien, die Roheisen, Stahl, Holz, Petroleum, Leder, Getreide, Vieh zu liefern ver mögen. Gorrahai in der Frontlinie 8,3 Millionen Labourstimmen gegen 10,5 Millionen konservative welches es vers Asmara.( Neuter.) Die Frontlinie der Es mußte aber auch auffallen, daß der Völs Armee des Generals Graziani wurde definitiv terbund die Sanktionsartikel in einer sehr mils befestigt und verbleibt in Gorrahai. den Weise ausgelegt hat. Er hat entgegen den Bei Grabhora, 300 Meilen in direkter Südlinie Bestimmungen des Pattes die Sanktionen nicht London. Bisher sind 604 Wahlergeb- Nach den letzten Meldungen sind bereits fofort und automatisch in Kraft von Saffabaneh, kam es zu einem Kampf zwischen nisse bekannt. Die Konservativen verfügen über 610 Mandate, und zwar 427 für die Regie- treten lassen, sondern den Italienern eine sehr, italienischen Eingeborenen- Truppen und Abef- 382, die Nationalliberalen über 31, die Natio- rung und 183 für die Opposition gezählt. Der sehr reichlich bemessene Galgenfrist gewährt und finiern. Die Abessinier haben Saffabaneh nallabouristen über 8 Mandate. Schließlich sind neugewählte Abgeordnete der Nationalen Labour- er hat die Möglichkeiten des Sanktionsparagraund Dagga bur geräumt, nachdem beide Orte dem Regierungslager auch noch die zwei Man- party Ros botham, der für den Bezirk Lans phen bei weitem nicht ausgeschöpft. Denn wollte date der Unabhängigen zuzuzählen. Die Regie- cashire gewählt wurde, erklärte, daß er zugunsten er dies, so müßten sämtliche Mächte, die dem rung verfügt somit über 423 Mandate. Ramsay Macdonalds oder dessen Sohnes Mals Bund angehören, die diplomatischen Beziehungen werden die Entscheidung hierüber erst in der näch mit dem Angreifer abbrechen. colm auf sein Mandat verzichten werde. Diese sowie jeglichen Reise-, Güter- und Postverkehr sten Woche treffen. durch italienische Flugzeuge heftig bombardiert worden waren. Die Italiener haben bisher diese beiden Orte noch nicht besetzt. Von den oppositionellen Parteien besitzen die Labouristen 153, die Liberalen 16, die UnDer Reuterkorrespondent in Harrar berichtet, abhängigen Liberalen 4, die Unabhängigen Ladaß heftige Regengüsse die Abessinier in ihren bouristen 4, die Unabhängigen 1, die KommuniBestrebungen, den italienischen Vormarsch längs sten 1, die Nationalabstentionisten 2, im gandes Fafan- Flusses in der Richtung auf Dschidschiga zen demnach 181 Mandate. 311 erschweren, behilflich sind. Diese Meldung Die Konservativen vereinigen auf sich 10 aus abessinischer Quelle fügt hinzu, daß zwölf Millionen 465.787 Stimmen, die Nationallibeitalienische Tanks im tot eingesunken sind und ralen 894.034, die Nationalen Labouristen nicht vom Plaze können. Täglich wächst auch die 353.061, die nationalen Anhänger der RegieBahl der Malariaerkrankungen. rung 64.508. Die Labouristen erhielten 8,295.741, die Eine ausschließlich zur Postbeförderung bestimmte Fluglinie wird Ende November von Rom Liberalen 1.422.650, die übrigen Oppositionellen nach Mogadiscio in Somaliland mit Zwischen- 424.245 Stimmen. stationen in Tripolis und Asmara eingerichtet werden. Die Strecke ist 8000 Kilometer lang und wird zweimal wöchentlich beflogen werden. Die Arbeiterpartei hat damit ihre Rekordstimmenzahl vom Jahre 1929 mit 8,362.594 Die ägyptische Regierung hat Italien be- Stimmen faft erreicht, gegenüber dem Jahre fanntgegeben, daß nach den Prinzipien der Neu- 1931, wo sie nur 6,648.023 Stimmen erhielt, tralität Flugzeuge friegführender Parteien, welche aber rund 1,650.000 Stimmen, d. f. 24,8 Proüber Aegypten fliegen, fünftig nicht mehr Waffen, zent, gewonnen. bewaffnete Reisende oder Reisende in militäri-| Die Konfervativen sind gegenüber 1931, schen Uniformen befördern dürfen, es sei denn, wo sie 11,926.537 Stimmen erhielten, um rund daß es sich um Personen handelt, auf die sich die 1,460.000 Stimmen oder um 12.2 Prozent zuPrivilegien des Roten Kreuzes beziehen. Konfiszierte Reuter- Meldung rückgegangen. Nachwahl- Mandat für Macdonald? Wie Reuter meldet, wird an zuständigen Stellen angenommen, angenommen, daß Ministerpräsident Baldwin bestrebt sein werde, für Macdonald angesichts seiner langen Zugehörigkeit zur natioen Regierung einen parlamentarischen Poſten zu Die römischen Korrespondenten der Pariser Abendblätter berichten, daß die freitägige Meldung des Reuterbüros aus Asmara, welche berichtet, daß eine große Zahl italienischer Arbeiter von Italienisch- Eritrea gefordert hat, nach Italien finden. Macdonalds Sohn Malmcolm, der hisbefördert zu werden, in Rom tonfisziert her stolonialminister war, wird gezwungen sein, worden ist. In dieser Depesche soll auch von sich infolge seiner Wahlniederlage seines Amtes einer Meuterei gesprochen worden sein. zu begeben. Der geschlagene Hausknecht der britischen Bourgeoisie WAHL URNE Der Mohr hat seine Schuldigkeit getan, So hat der Bund selbst sein Schwert stumpf gemacht und den Italienern erlaubt, weiter Buns desmitglied zu sein, vor Beginn der Sanktionen ihre Vorräte zu ergänzen, Gegenmaßnahmen zu treffen und in der Eroberung eines dem Bunde angehörenden, von Italien ohne jeden triftigen Grund überfallenen Landes systematisch fortzus fahren. Man hat mit dem Vertragsbrecher weis ter verhandelt, man spricht offen von Kompro mißlösungen, die dem Angreifer eine Prämie zu schanzen und den Angegriffenen für seine Vers tragstreue bestrafen, und Frankreich der Hauptverantwortliche für die schwächliche Haltung des Bundes hat noch in den letzten Tagen Freundschaftsschwüre mit Mus= solini ausgetauscht. Es zeigt sich, wie verhängnisvoll es ist, daß der Bund über keine Eretutive vers fügt, daß er nicht mindestens Herr über die Luftfahrt ist, daß er auf den guten Willen seis ner Mitglieder angewiesen bleibt, die zum großen Teil nach eigenem Gutdünken und nach ihren Sonderinteressen vorgehen. Daß es dabei gerade Frankreich, die an dem Bestand des Bundes meistinteressierte Macht ist, die sein Ansehen schädigt, zeugt freilich von einer tragischen Verblendung, die sich einmal rächen wird. Italien hat bisher das Erempel eines Staas tes geliefert, dem jegliche Art von Rechts- und Vertragsbruch gut bekommt. Es hat erwiesen, daß man den Völkerbund mißachten, verhöhnen, eines seiner Mitglieder überfallen, mit überlege= ner Technik bekriegen kann, ohne daß einem etwas Ernstes zustößt. Ein verhängnisvolles Beispiel! Und wenn Herr Titulescu kürzlich sagte, ... man gehe mit Italien so milde um, weil alle es Seit« 2 Sonntag, 17. November 1935 Nr. 268 so lieb hätten und Mussolini nun einmal daS Herzpinkerl Europas sei, man werde aber in an» deren Fällen strenger sein, so kann ein derart frivole- Bekenntnis zu einer doppelten Moral nur dem Völkerbund schaden und seine Feinde moralisch stärken, sie aber auch ermutigen. sich Mitschuldige zu suchen und dann loszuschlagen. Dagegen erweist sich an dem Beispiel Abessiniens, wie weit man mit Vertragstreue kommt. Abessinien hat Hilfe nur vom Völkerbund zu erhoffen, an dessen Satzungen eS sich streng gehalten hat. Aber vorläufig hat eS von der Hilfe nichts gespürt, um so mehr vom Uebermut des Angreifers, der weiter seine Soldaten und seine Munition durch den Suczkanal schiffen kann, der die Zufahrtsstraße, die Abessinien mit seinen sozusagen„Bundesgenossen" verbindet, bedrohen darf, der in brutalster Weise Frauen und Kinder mordet, unter wurmstichigen Vorwänden von Zivilisation und Aufhebung der Sklaverei seine Bündnisse gerade mit den übelsten Praktikern des Sklavenhandels schließen darf und der zu alldem seine Schlachten mit gepreßtem und schamlos geopferten Menschenmaterial schlägt: mit Aska« r i s, also schwarzen Truppen, die gegen ihr eigenes Interesse an der Seite der Unterdrücker kämpfen müssen, und mit Deu-tschtirolern, denen die Eroberung Abessinien- stagelgrün auf» läge, wäre sie nicht eine für sie so blutig ernste Tragödie. Eine VlockadederKüstevonEri» t r e a durch maritime Streitkräfte der Völker» bundsmächte, die Bereitstellung der Luftflotten der Bundesmächte zum Schutze gegen italienische llebeffälle in Europa(mit denen gedroht wurde), könnte den Krieg in 14 Tagen beenden, Italien zur Unterwerfung zwingen, die Macht und die Rechtsgrundsätze des Bundes triumphieren lassen. Was man jetzt beginnt, sieht mehr nach dem Witz des Komikers Ballentin aus, der eine Brille ohne Gläser aufsetzt und dem Publikum erklärt:„Besser als gar nichts". In unserem Fall aber ist die Geste ohne Inhalt, die Drohung ohne ernsten Willen, s ch l immer als gar nichts, denn sie kann zum moralischen Bankrott und zum Zerfall des Bundes führen. Wenn die Idee des Völkerbundes sich behaupten soll, wenn er ein Instrument des Friedens werden wiU, dann muß er bald jene Macht entfalten, die Abessinien, den unschuldig angegriffenen Staat, retten, die den Angreifer Italien zur Genugtuung zwingen kann. Aber dazu wäre weit mehr nötig als das, was unter dem Titel „Sanktionen" morgen beginnen wird. Rrbeitsmarkt und beruflicher Nachwuchs Querschnitt durch ein brennendes Zeltproblem— Interessante Referate bei der Tagung der Reichsgemeinschaft für deutsche Berufsberatung Prag. Samstag vormittags fand hier die Herbsttagung der„Reichsvereinigung für deut sch e Berufsberatung" (RAG) statt, mit der Tagesordnung„A r- beitsmarkt und beruflicher Nach» wuchs". Die RAG, die als Sonderausschuß des „ReichSverbandeS für deutsche Jugendfürsorge" konstituiert ist, hatte zu dieser Tagung die Vertreter der wichtigsten Arbeitgeberverbände und der gewerkschaftlichen Organisationen geladen, die zu dem heute so überaus aktuellen Thema eine Reihe höchst interessanter Referate erstatteten. Nach Verlesung mehrer EntschuldigungS» schreiben und Begrüßung der Gäste und Delegierten erteilte der Vorsitzende Obergerichtsrat i. R. Theodor Schufte r-Brünn dem Geschäftsführer Dr. Walter Simon-Wrgstädtl, das Wort zum einleitenden Referat über die Struktur des tschechoslowakischen Arbeitsmarktes. Dr. Simon erklärte u. a.. zur Beurteilung der Lag« auf dem Arbeitsmarkte sei es notwendig, eine theoretische Bergleichsbasis zu schassen. Diese Ber« gleichsgrundlage bietet die..Gleichgewicht<• si ruation", nämlich der Zustand, in welchem«in vollkommener Ausgleich von Angebot und Nachfrage herrscht, io daß also auf hundert Angebote hundert Nachfragen entfallen. Dieser angenommene Jdealzu- stond existiert bekanntlich nirgends, ist aber als M a ß zur zahlenmäßigen Erfassung des„Andrang s" von Wert. Die„Ändrangsziffer 120" bedeutet z. B., daß in einer gewissen Produktionkgruppe auf 100 frei« Stellen sich 120 Bewerber melden. Die Aufgliederung des Gesamtarbeitsmarktes in Teilarbeitsmärkt« verschafft genaueren Einblick, wobei auch das zeitliche Moment(„Fristigkeit") zum Ausdruck kommt. Nachdem Dr. Simon die Methoden der Erfassung des Arbeitsmarktbildes erläutert batte, gab er an Hand zahlreicher graphischer Darstellungen eine Analyse des allgemeinen tschechoslowakischen ArbeitkmarkteS in seiner Entwicklung seit 1927. Die..Andrangskurve" sinkt Vom Beginn des Jahres 1927 allmählich bis zum Sommer 1928.Bon da ab seht eine Stagnation ein, die bis in den Gommer 1929 währt. Dann beginnt ein zunächst allmähliches Ansteigen des„Andrangs". das im Frühjahr 1930 in«inen jähen An st i e g überg«ht. dessen Tempo sich 1931 verüber- gehend verlangsamt, um 1932 wieder unheimlich zu steigen, Im Jahre 1933 verlangsamt sich der Anstieg, um schließlich in Stagnation überzugehen. Seit Ende 1933 zeigtsich etn mäßiger Abfall. An Hand einer Reihe weiterer Diagramme zeigte der Referent den gleichzeitigen Ablauf, verschiedener anderer wirtschaftspolitischer Entwicklungsreiben (Groß- und Kleinhandelspreise, Arbeitslosenziffern, Einlagenstand. Produktionsentwicklung, Banknoten« umlauf) und bot eine Analyse der wichtigsten Teilarbeitsmärkt«. Zusammenfassend stellte er fest, daß die wahrnehmbaren strukturellen Veränderungen teilweise überdeckt sind durch konjunkturelle Schwankungen, so daß es vom Standpunkt der Berufsberatung aus vorläufig nicht«Sgltch sei, Rückschlüsse aus dir Weitere Entwicklung zu ziehen, unter besonderem Hinweis auf gewisse Erportindu» strien(namentlich Textil), die unter Weltmarkt» lichen Einflüssen stehen. Dr. Simon schloß'mit der Forderung nach gründlicher beruflicher Schulung undvraktischer Weiterbildung der jungen Generation. Zu diesem Punkt nahmen denn auch die folgenden Referate Stellung. Zum Thema des zweiten Hauptreferates, Welches lautete: „Die gegenwärtig« Lage des tschechoslowakische« Arbeitemarkteö" referiert« zunächst, als Sprecher der Arbeitgebergruppe, Herr Dr. Rudolf Fernegg-Reichenberg, Generalsekretär der Arbeitgeberhauptstelle. Seine Ausführungen gingen von der Weltkrise aus, die insgesamt 30 Millionen Menschen au- dem Produktionsprozeß ausgeschaltet hat, wobei Referent die verschiedene Entwicklung in den einzelnen Ländern betont«. Hinsichtlich der europäischen Staaten erinnerte Dr. Fernegg daran, daß heute jeder dreizehnte E u r o p ä e r arbeitslos ist, er verwies ferner auf den Niedergang de- europäischen Exporte-, der von 83 auf 38 Milliarden S ch w e i z e r Franken zurückgegangen ist. Das bedeutet V0 Milliarden Franken Lohnausfall und zwölf Millionen europäischer Arbeitsloser. Auf unserenArbeitSmarkt eingehend, verwies der Referent auf die besondere Notlage der deutschen Randgebiete und bemerkte, daß keine Stärkung des Jnlandsmarktes den Exportausfall und die durch diesen bedingte Arbeitslosigkeit aufwiegen könne. Interessant war die Stellungnahme deS Generalsekretärs Dr. Fernegg zu den Problemen der Rationalisierung und der Ar» beitszeitverkürzung.„Rationalisierung" bedeute vernünftige Betriebsführung" und wenn die Technisierung der Industrie zu.„einigen Ber» schärfungen" geführt habe, so liege das kti» neSwegs(?) im Willen d«r Unternehmer. Zur Frage der Arbeitszeitverkürzung äußerte sich der Referent in dem Sinne, daß auch die deutsche Industrie den Wunsch hege, daß die Fortschritte der Technik zu einer Erleichterung der Arbeit führen sollen, also auch zu einer Arbeitszeitkürzung. Rur dürfe die Arbeitszeitkürzung zu keiner Verteuerung der Regie führen. In der Frage de- Verbote- de- Doppelverdienste- über eine gewisse Einkommenstufe hinaus wünschte der Referent keine Schematisierung und zum Problem der Frauenarbeit erklärte er, daß die Industrie die Frauenarbeit nicht um der geringeren Entlohnung willen bevorzuge. (Der Gewerkschaftsvertreter der Porzrllanarbeiter konnte mit Beispielen für das Gegenteil dienen.) Schließlich setzte sich Dr. Fernegg in Uebereinstim- mung mit allen anderen Referenten für eine Schulungsaktion für di«arbeitende Jugend und für die ernstlich« Inangriffnahme einer planmäßigen Jnnenkolonisation ein. Als zweiter Referent zu dem zweiten Hauptthema sprach als Vertreter der Arbeitnehmergruppe Genosse Wilhelm Weigel(Reichenberg), Sekretär der Zentralgewerkschaftskommission. Zur Illustration der Situation in den deutschen Randgebieten führte Genosse Weigel einleiteno einige statistische Zahlen an. In den 44 Bezirken Böhmens mit mehr al- 80 Prozent deutscher Einwohner(Gesamtzahl der Einwohner 2,593.700) waren Ende Jänner 228.871 arbrit-lo«, d. i. 8.8 Prozent. Ende September waren der Arbeitslosen 189.785 d. i. 7.3 Prozent. In den übrigen 60 Bezirken mit 4,505.676 Einwohnern wurden Ende Jänner nur 186.571 Arbeitslose gezählt, d. i. 4.1 Prozent, Ende September nur 102.851, d. t. 2.2 Prozent Die Gesamtbilanz der Sudetenländer entspricht vollkommen diesem zahlenmäßigen Verhältnis. Auf einen Bezirk mit mehr als 30 Prozent deutscher Einwohner entfallen im Durchschnitt per Ende Jänner 8897, auf einen tschechischen Bezirk 3497 Ar- bertslos«. Für Ende September lauten di« entsprechenden PerhästniSzahlen 4583: 2127... Genosse Weigel analysierte weiter, die k r i s e n- verschärfendenMomente. Zunächst kommt die natürliche Zunahmederer- werb-tätigen Personen in Betracht. Die Gesamtbevölkerung ist gegen 1921 um 8 Prozent gestiegen, die Zahl der erwerbstätigen Personen aber um 11 Prozent und die der erwerbstätigen Frauen um 12 Prozent. Ferner macht sich die A b- stoppung der Auswanderung fühlbar. Schwer in- Gewicht fallen. die Maßnahmen der Kartelle. In der kartellierten Papierindustrie wurden z. B. seit 1989 achtPapier», dretZellu- lose« und eine Papierfabrik stillgelegt, womit 2000 Arbeitsplätze verloren gingen. Für die Unternehmer ist allerdings gesorgt, sie erhalten hei Verkauf ihre- Kontingente- fette Entschädigungen. Auch der politische Umschwungin Bewaffneter Widerstand Nankings gegen die LosrelBung Nordchinas? Nanking. Ein hervorragender Führer der Kuomintang erklärte dem Havas-Korresponden« ten, die Kuomintang werde nicht zulassen, daß China zerstückelt werde, sie werde sich im Bedarfsfälle auch mit der Waffe in der Hand gegen die LoSreißung der nördlichen Provinzen stellen. Andere chinesische Kreise erklärest, daß die Konzentrierung der chinesischen Truppen längs der Eisenbahnlinie von Peiping nach Hankau und von Tientsin nach Pukau, von der japanische Meldungen sprechen, möglicherweise durch den Beschluß der Regierung von Nanking zu erklären sei, sich einer allfälligen japanischen Militäraktion in Nordchina zu widersetzen. Deutschland hat viele tausende von Grenz» bewohnttn um die Arbeit jenseits der Grenze gebracht, gar nicht zu reden von den ständig in Deutschland lebenden, die plötzlich ausgewiesen wur» den und den Saisonarbeitern, die früher jenseits der Grenze ihr Brot fanden. Besonder- schwer find die Auswirkungen für die jugendlich«» Arbeiter. Im Organisationsgebiet der Zentralgrwerk- schaft-kommission wurden seit 1929 nicht weniger als 660 Betriebe stillgelegt mit 102.624 Arbeit-plätzen- Nimmt man einen Prozentsatz von 20 Jungarbeitern an, so ergibt sich die Zahl von 64.900 arbeitslosen Jugendlichen. Auch die Stellensuche im Handwerk steht sehr unerfreulich au-. Die Zahl der offenen Lehrstellen beträgt kaum«in Drittel der schulentlassenen Bewerber um solche. Eine einheitlich« Prognose nach ExistenzauSfichten in einzelnen Berufszweigen läßt sich heute nicht stellen. In einzelnen Gebieten macht sich auf diesem oder jenem Gebiet eine vorübergehende Nachfrage nach Arbeitskräften geltend, ohne-aß daraus aber ein« heutige Schlüsse auf die weitere Entwicklung zu ziehen wären. Zum Schluß betonte Genosse Weigel mit großem Nachdruck, daß die Ausbildung eines fachlich aualifizirrten Nachwuchses mit allen Mitteln gefördert werden müsse. ES werden und müssen wieder andere Zeiten kommen und unsere Industrie und unser Gewerbe wird sich leichter durchsetzen und behaupten, wenn sie sich auf qualifizierte Arbeiter einstellen, die Qualitätsware her« zustellen vermögen. Ms vierter Programmpunkt folgten Kurzberichte über die Aussichten deS jugendlichen Nachwuchses von Vertretern der Arbeitgeberorganisa« tiön' und Gewerkschaftsvertretern, wcwei alle hauptsächlichen Wirtschaftszweige zum Wort kamen: Metall- und Textilindustrie, Bergbau, GlaS- und Porzellanindustri«, Nahrungsmittelindustrie, Baugewerbe und Handel und Gewerbe. Die Berichte brachten viel werwolles Material, wenn auch wenig erfreuliche Tatsachen. Die AuS« sichten für die Jugend find in allen Wirtschaftszweigen höchst unerfreulich. Alle Referenten aber wiesen auf die Tatsache hin, daß trotzdem überall für gewisse Spezialisten Aussichten bestehen, daß aber deren Ausbildung durch di« heutig« Situation auf schwere Hindernisse stößt, die zum großen Teil in dem heutigen Arbeitssystem liegen. Alle Referenten betonten übereinstimmend di« Notwen« digkeit, eine griindliche fachmännische Schulung deS beruflichen Nachwuchses. rb. u N ■1 s E SICHT 3 Roman von Karl Stjrm Copyright by Bugen Prager-Verlag, Bratislava Da drinnen liegt einer, der wartet! Oder—? Der Schweiß rinnt mir in die Augen, brennt niederträchtig und macht mich fast blind. Aua dem’ Mund rinnt mir klebriger Speichel. Welter, weiter— Uhu kommt mit Schick und Rühling. Ohne ein Wort au sagen, werfen sie sich auf die Arbeit, schaufeln, zerren und keuchen. Uhu reißt sein Hemd herunter. Von der schmutsi- gen Haut rinnt der Schweiß. „Um Gotteswillen, wielange denn noch!" Schotter knirscht. Unsere Lungen pfeifen. In solchen Momenten hat das Leben der Retter gar kei« nen Wert Über uns hängt eine große Kohlenplatte. Sie kann jeden Moment kommen. Kommt sie, so sind wir vier plattgedrUekte Fladen. Wir wissen das, sehen aber nicht nach oben. Da, vor uns drinnen ist einer, der unsere Hilfe braucht Davor muß all unsere Angst um unser eignes Leben surilckweichen.— weil wir Kameraden sind! Uhu arbeitet am weitesten vorne. Plötzlich schreit er: „Ein Fuß!" Er zwickt hinein: Wir horchen— „Hie— ie— ie— Ifeee!“ Er lebt! Uhu weiß nicht, soll er lachen oder weinen. Wir fassen den Fuß und sieben an. Langsam, zentimeterweise bekommen wir den Körper frei. Ich schließe einen Augenblick lang die Augen. Furchtbar, was der Berg mit uns treibt! Am Ulm lehnt schräg eine Kohlenplatte. Darunter war Drach. Die Platte hat den Schotter aufgehalten und so unseren Kameraden das Leben gerettet— Wir tragen Drach einige Schritte in die Strecke zurück und betten ihn auf Röcke, Sein ganzer Körper zittert. Die rotentzundenen Augen sehen uns ungläubig an. In der rechten Hand hat Drach ein offenes Messer. Ein heftiger Luftstoß löscht unsere Lichter aus. Vom Abbau her kommt fürchterliches Poltern, Krachen und Splittern— Drach schreit auf. Wild, wie ein totängstiges Tier— Wir machen wieder Licht. Der Abbau ist gefallen— Dort, wo Drach lag, ist jetzt ein wirres Durcheinander von Kohle, zerfetzten Stempeln und TegL Eine Minute nur und wir hätten ihm nicht mehr helfen können. Vielleicht wären auch wir drunter— als schmale, unkenntliche Fetzen— Schwarzes, unnennbares Gräben schüttelt uns. Wir sehen einander in die Labien Gesichter— Nur eine kleine, winzige Minute— wie viel Elend wäre daraus geworden!« Drache Gesicht ist fleckig. Seine Brust fliegt. Er öffnet fast andächtig seinen Mund. „Ich lebe!" Mit einem Ruck setzt er sich aufrecht, stellt die Knie hoch und vergräbt den Kopf darin. Seine Schultern zucken. Der zerschundene Körper bebt. Ein Schluchzen bricht aus ihm heraus. Abgehackt, zerrissen und doch wieder jubelnd. „Ich lebe!!— Lebe!!" schreit er wild. Uhu und ich helfen ihm hoch und führen ihn in die Hauptstrecke. Dort liegt noch immer Hell und schläft, Sein Mund ist halb offen. Zwei feine Speichelfäden rinnen Uber das rußige Kinn. Uhu zieht seinen Rock an. Seine Zähne klappern vor Frost aufeinander. Drach lehnt sich an den Ulm zurück, streckt beinahe ängstlich seine Glieder und schüttelt den Kopf. „Ich kann es noch immer nicht begreifen!— Ganze Knochen— atmen können— und so knapp, so elendig knapp dabei!" Er hat noch das Messer in der verkrampften Hand. Die helle Schneide blitzt wie etwas Gehässiges im Licht „Es war furchtbar!— Furchtbar!— Aber bevor ich erstickt wäre, hätte ich mir den Hals oder die Hände durchschnitten!" Auf seiner Stirn glitzern Schweißtropfen. Mit einer scheuen Zärtlichkeit steckt er das Messer ein. Wir sitzen nm ihn herum und schweigen. Eine stille Freude ist in uns. Wir haben ein Leben erhalten. Drach ist mit seinen dreißig Jahren schon fünfzehn Jahre Bergmann, und ein Bergmann ist ein anderer Mensch, als die, die draußen in der Sonne leben. Nachdem er seine Angst und seinen Schreck in ein paar wilden Sätzen aus sich herausgerissen hat, ist er auch schon wieder der Alte. Drach schneidet ruhig seinen Priem von der Rolle ab und beginnt daran zu kauen. Seine Hände zittern nur mehr ganz wenig. „Wie spät ist's eigentlich schon?" frägt er. „Halb vor neun!" „Erst?— Dann warten wir hier auf Schicht!" Jeder hängt seinen Gedanken nach. Das Flötz hinten ist ruhiger geworden. In den Abständen piepsen Ratten. Plötzlich springt Uhu auf, preßt seine Hände ins Gesicht und flucht „Verdammt verdammt!—-——•!“ Grubenkoller. Wir sehen gar nicht hin, weil es zu oft vorkommt Ein Bergmann soll nicht zuviel denken. Am allerwenig* sten über sieh selbst Er kommt dabei zu einem Punkte, an dem er vermeint er müsse an seinem Leben ersticken Lorett steht vor uns. Wir haben sein Kommen überhört Der Aufseher sieht verbissen auf seine Uhr, dann auf uns» Nr. 2S8 Sonntag, 17. November 1935 Seite« fudet endenischer Zeifspiegef Stipendien, Langemarck Wer bäckt schlechtes Brot für die arbeitslosen? Wer liefert dumpfiges Mehl? Eine Anfrage an die Henleinfraktion und Hitlerputsch Vor der Beilegung des Brünner Hochschulkonflikts? DaS Rektorat der deutschen Technik in Brünn bat Samstag eine Erklärung ausgegeben, in der «» die Oeffnung der Hochschule für Montag, den 17. d., ankündigt und der Hoffnung Ausdruck gibt, daß nun ein ordentlicher Betrieb möglich semi werde. Die Verfolgung irgendwelcher Sonderinter« essen würde, so heißt es weiter, im Rahmen der Hochschule nicht geduldet werden. Die Entwicklung des ganzen Streites ist ein deutlicherBeweis dafür, daß den He n<- keinstudenten jeder Anlaßrecht ist, ihre nazistischen Demo» st ra- t Ionen auf Ko st en der sozialen und kulturellen Interessen der ärmeren Schichten des Volkes und der Studentenschaft in den Vordergrund zu stellen. Die völkischen Studenten hatten in Brünn für den 9. November eine Toten-Gedenkfeier angekündigt. Die Polizei war mit Recht der Ansicht, daß diese Feier geziemenderweise am 2. November, dem Allerseelentage, hätte stattfinden müssen und verlangte die Verlegung auf diesen Termin. Die völkischen Studenten schützten technische Schwierigkeiten vor und veranstalteten tatsächlich am 9. November eine interne Feier, das heißt sie versammelten sich vor der Gedenktafel in der Aula und verharrten dort schweigend. Vielleicht wußte die Brünner Polizei gar nicht recht, w a r u m den Nazis soviel am 9. November lag. Es handelt sich da um das Gedächtnis derTotenvonLan- g e m a r ck. Bei Langemarck wurden Anfang November 1914 die jungen deutschen Freiwtlligenregimenter *— meist Studenten— in verbrecherischer Weise von einer unfähigen Führung als Massenschlachtopfer in die groß« Flandernschlacht geworfen. Da» „Deutschland«Lied" singend, stürmten die Freiwilligen die englischen Linien, nahmen auch einen Graben, opferten aber unzählige junge Menschenleben. Langemarck ist seitdem ein Symbol, ein typisch deutsches Symbol. Man Der Klub der Henlein-Parlamentarier, bzw. Herr Frank, hat an eine Reihe von Abgeordneten und Senatoren ein vervielfältigtes Schreiben folgenden Inhalts gerichtet: Die verschiedenen Hinweis« der Sudetendeut- schen Partei auf die Notlage in Nordböhmen, aus die unzulänglichen Fürsorgemaßnahmen und auf die Unzukömmlichkeiten selbst im Rahmen der unzulänglichen Fürsorgemaßnahmen werden immer wieder als billige Demagogie abgetan. Ich habe nun im Auftrage der Abgeordneten und Senatoren der Klubs der Sudetendeutschen Partei veranlaßt, daß Ihnen mit gleicher Post eine kleine Mustersendung zugeht, aus welcher Sie ersehen wollen, daß selbstdieprimi- tivsten Nahrungsmittel nicht nur in unzurÄchendem Maße, sondern auch in ge« . radezu ungenießbarem Zustande den Arbeitslosen dieser Gebiet« zur Verfügung gestellt werden. Unsere Genossen haben das ihnen zugesandte Brot geprüft und bei der Regierung alle nötigen Schritte zur Abstellung des Uebelstandes unternommen. Sie haben ein | übriges getan und sofort von sämtlichen Arbeiter- l bäckereien— gegen die sich wohl der Vorstoß der |„sozialen Vorkämpfer" aus der SdP richten sollte — Proben von Brot und Mehl anstellen lassen, die i für die Arbeitslosenaktion verwendet werden. In keinem einzigen Fall waren Brot und Mehl der Arbeiterbäckereien schlecht oder auch nur verdächtig. Es erhebt sich aber jetzt eine andere Frag«, die unser Genosse Senator Heinrich Müller bereits in einem Antwortschreiben an den Henleinkstlb formuliert hat. Dem Genossen Müller wurde nämlich zwar der Brief, aber nicht die Probe zugestellt. Er schrieb daraufhin an den Henleinklub: Am 16. Oktober l. I. erhielt ich ein Schreiten, i» welchem die Zusendung eines«nzenietz- Di» Gemeinde Nothai» wendet sich von neuem an die Oeftenilichkeit mit der Bitte um Unterstützung. Rc>tbau kann heuer nicht einmal mehr das KinderhilfSwerk durchführen, welches sich in den vergangenen Winternwnaten als die wirk- Und wenn bei uns schon nicht die Juden»abgekillt" werden können, so versucht man mindestens die Juden geschäftlich zu schädigen. Dies soll aber gewisse Juden nicht hindern, unver» hüllt ihre Sympathien für die Hen» leinbewegung und ihr« Randorganisationen, wie Bund der Deutschen und Turnerbund, kund zu tun. Neben Dr. Füffel wurde auch ein JUE. Hrdlitschka in die Affäre verwickelt. Durch die Driirer Affäre dürsten erst ewig blinde Kreise dahinterkommen, daß zwischen SHF und BdD, aber auch dem Turnerbund Zusammenhänge bestehen, die weit mehr als nur»freundschaftlich" sind. Die verschiedenen versonellen und verwandtschaftlichen Zusammenhänge zwischen den drei Organisationen sind oft zu stark, um nicht aufzufallen. „Arische Abstammung" und Sund der Deutschen Obwohl der Bund der Deutschen immer wieder von'sich behauptet, unpolitisch zu sein, so" glaubt eS ihm kein Mensch. Die Kenner schmunzeln einander verständnisvoll zu,»wissen doch eh'", und die anderen, die müssen cs nicht wissen. Ueber den»Arierparagraphen", der seit Bestand des Bundes dessen Statuten zierte, ist nun ein Macher gestolpert. Dr. Otto F ü s s e l, der nicht nur im Bund dec Deutschen tätig ist, sondern auch«ine Rolle in der deutschen Turnbew«gung und vor allem in der Henleinpartei spielt, ist nun Opfer dieses Arierparagraphen geworden. Richt, daß er seine deutsche Urgroßmutter nicht nachweisen konnte, sondern, daß er bei andetn diese deutsche Urgroßmutter nachzuweisen versuchte. Er gab jedem, der ihn verlangte, um in Deutschland politische oder andere Geschäfte zu machen, diesen Ausweis über seine„arische Rein- heit".^ SS ist aber nicht nur die einzige Verfehlung, die sich die DundesortSgruppe Brüx und ihre führenden Personen zuschulden kommen ließen, sondern sie verwendeten auch Klebezettel, die wahrscheinlich von Teplitz geliefert wurden, mit dem Aufdruck:»Kauft deutsche Waren." Es entzieht studenten ihre Totenfeier abhalten. Das wurde. Waren gemeint waren, also nicht erlaubt. O-.." Für den 7. November beriefen s ä m t l i ch r! um bi* Anpreisung von Geschäften handelte, die Brünner studentischen Organisationen eine Ver- 1«rische Urgroßmutter nachweisen können, sammlung ein, die sich mit densozialenFor-!^rotz dieser rein politischen Tätigkeit werd der d e r u n g«n der Studenten befassen sollte. Hin-; dund der Deutschen noch immer von sich behaup- ter. dem Rücken der anderen Organisationen£ n, daß er unpolitisch fei, wie die» auch die deut, schmuggelten die Völkischen in die Tagesordnung! W* Turnbewegung, aus der die Henleinbewegung «inen Programmspunkt„Protest gegen das Ver« I hervorgegangen«st, von si« behauptet. Auch dort bot der Totenfeier" ein. Nun wurde auch diese wielt der Arierparagraph eine hervorragende Versammlung nicht erlaubt. Darauf fand eine Rolle.■__. Versammlung in der Mensa aendemiea statt, an' der alle Richtungen teilnahmen. Auch in dieser »Versammlung warfen die Nazi die Frage der Totenfeier wieder auf. ES fanden dann Beratungen mit den Pro fessoren statt, den Forderungen der Studenten wurde weitgehend Rechnung getragen, ein sozialer Ausschuß aus Professoren und Studenten wurde gebildet. Trotzdem begannen die Henleinstudenten Mittwoch als Protest gegen die Versammlungsver» bote«inen Boykott der Vorlesungen, einen Streik, den der Rektor S r n k a— ein billig denkender Mann, der allerdings fremden Ein flüssen nicht immer unzugänglich ist—* mit der Sperre beantwortete. Inzwischen haben sich viele völkische Studen ten überzeugen lassen, daß sie von der nazistischen SdP-Richtuug mißbraucht werden und datz die Henleinleute den berechtigten sozialen Kampf durch ihre Naziparolen verfälschen. Es ist zu hoffen, daß diese Ernüchterung zur Wieder herstellung eine- geordneten Studienbetriebes beiträgt. sollte nämlich meinen, daß eS im Gedächtnis fort lebte als Beweis für di« Unfähigkeit und die ver brecherisch« Schlächtergesinnung einer Heerfüh- rung, di« halb ausgebildete, blutjunge Burschen sinnlos in daS Schnellfeuer und den Schrapnell- bagel eittes verschanzten Feindes schickt. Man sollte glauben, datz Langemarck als Symbol für die Gottverlassenheit des deutschen Systems von 1914 zu werten wäre, das mit tausenden jungen und begeisterten Menschen nichts anzufangen wußte als sie zu opfern, statt eine Schlackst nach den Regeln moderner Taktik zu schlagen. Aber solche Symbolik wäre nicht deutsch. Es ist typisch deutsch, daß Langemarck fortlebt als beispielhafter Opfertod glühender Patrioten, einer zum Sterben bereiten Jugend. Langemarck sollte also gefeiert werden, darum der 9. November. Aber diese Feier war nicht das eigentliche Provozierende. Der 9. November ist ja auch derTagdes Hitlerputsch es von 1928, der Tag, an dem Herr Hitler mit verstauchtem Arm zurücklief und in ein Auto sprang, während seine Kamera den noch kämpften und zum Teil verbluteten. Hit ler, der die Schmach seines Verhaltens am 9. No vember 1923 gern übertünchen möchte, hat heuer andiefemTageinMünchen mit unge heurem Pomp«ine Totenehrung und Totenschau vorgenommen. Zugleich mit deri.. Münchener Feier wollten die Brünner Henlein-; sich unserer Kenntnis, ob damit reichsdeutsche , um den Boykott gegen Deutschland zu durchbrechen, oder ob es sich nur bann Brotes, welche» angeblich an die Arbeitslosen verteilt wurde, avifiert ist. Da ich da» Brot bisher nicht erhalten habe und ich mich feit Jahren für dir gute Durchfüh- ntng der Arbeitslosen.Aktionen rinsetze, bitte ich, mir entweder ein derartige» Brot zuzusenden, oder mir den Bäckermeister bekannt zu geben, der dieseSvrot er- zeugt tat, und zugleich auchdie Mühle, die diese» dumpfige Mehl geliefert haben soll. Ich bin überzeugt, daß Sir, schon im Interesse der Arbeitslosen, mir diese Mitteilungen machen werden. Auf dieses Schreiben ist nun bezeichnenderweise nur eine Teilantwort eingegangen. Die Herren teilen nämlich mit, daß die Proben nur an Abgeordnete, nicht an Senatoren abgesandt wurden, sagen aber nichts über denUr- sprung des verdorbenen Brotes. Wir stellen daher nochmals in aller Oeffent- lichkeit die Fragen, die Genosse Müller bereits an die SdP gerichtet hat: Wer hat das verdorbene Brot gedarke«? Wer hat daS Mehl geliefert, aus dem das schlecht« Brot hergestellt wurde? Wir glauben, daß diese Fragen vor allem zu beantworten sind und datz man dem Parlament rlnd der Regierung, wenn man sie zurecht auf Mißstände hinweist, auch die Urheber dieser Mißstände nennen soll. Die Regierung bäckt ja das Brot nicht, die Minister mahlen das Mehl nicht persönlich. Das tu» andere. Die muß man kennen, wenn man anklagen und helfen will. Die muß man nennen, auf die Gefahr hin, daß ein kapitalistisches oder volksge- nössischeS B r u d e r u n t e r n e h m e n der SdP mit der Schuld belastet ist! samste und zweckmäßigste Aktion erwiesen hat. Die AuSspetsung hat vielen Kindern die einzig« warme Mahlzeit geboten. Jetzt ist die Gemeinde so weit. daßsie.auS eigener Kraft die Mittel nicht ejnmgl teiüveise aufbringen kann und mehr denn je auf die privat« Hilfstätigkeit angewiesen ist. Geld-, Sach« und Naturalspenden für di« Ausspeisung armer Schulkinder können an das Gemeindeamt geschickt werden. Genosse Pik wieder Bürgermeister von Pilsen. Am SamStao fand im Pilsner Rathaus die konstituierende Sitzung der Stadtvertretung in An- wesenheit sämtlicher 60 Mitglieder statt. Zum Bürgermeister wurde, bereits zum viertenMal seit dem Jahre 1919, der tschechische Sozialdemokrat Abgeordneter Ludek Pik mit 56 Stimmen, zum ersten Stellvertreter der Nationalsozialist Dr. Augustin S i p mit 51 Stimmen und zum zweiten Stellvertreter fiir die Gruppe der Nationalen Bereinigung Dr. Ma'ttouS Mandl mit 47 Stimmen wiedergewählt. Neue Landes- und KorpSkommandanten. Der Präsident der Republik hat mit Dekret vom 13. November ernannt: Zum LandeSmilitärkom- mandanten in Prag den Armeegeneral Sergej Bojcechovskh, bisher Landesmilitärkommandant in Brünn; zum Landesmilitärkommandanten in Brünn den DivisionSgen«ral Eduard K ä d k e c, bisher Korpskommandant in Ol- mütz; zum Korpskommandanten in Olmütz den DivisionSgeneral Bojftch LuZa, bisher Korpk- kommandant in Trentin; zum Korpskommandanten in Trenöin den Brigadegeneral Alois Eliäö, bisher Kommandant der dritten Division. Neue Unruhen In Kairo London. In Kairo kam eS am Samstag zu neuen Unruhen, an denen Reuter zufolge hauptsächlich Studenten beteiligt waren. Nach I der Abgabe einiger blinder Schüsse gelang e» der Polizei, die Ruhe wieder herzustellen. Ein Student wurde verletzt und ist am Nachmittag gestorben. In Zagazig, etwa 150 Kilometer von Kairo entfernt, griffen Studenten die Polizei mit Steinen an. Sechs Polizisten wurden verletzt. Schließlich feuerte die Polizei auf die Beine der Demonstranten, worauf zwei Personen mit Verletzungen ins Krankenhaus gebracht"werden mußten. Der älteste Wühler Maidstone(Grasschaft Ken!). In Maidstone wählte der 104 Jahre alte James Miles. Er gab an, seine Stimme den La» bouristen gegeben zu haben. Zum ersten» male wählte MileS im Jahr« 1856, wo er, wie er angibt, für D i» r a e l i stimmte. Iame» MileS trinkt täglich zwei Flaschen Bier. Er sprach die Hoffnung aus, auch bei den kommenden Wahlen zum Wahlakte schreiten zü können. ver Fall Hollube Der Mann, der sieh an einem kalten Heizkörper die Finger verbrannte „Volljuden“ und„Mischlinse“ Durchführungsverordnung zu den Judengesetzen Berlin. DaS Reichsgesetzblatt veröffentlicht eine vorläufige Regelung der Anwendung des in Nürnberg beschlossenen Reichsbürgergesetzes. In den einzelnen Paragrapben wird u. a. verordnet: Bis zum Erlasse weiterer Vorschriften über den Reichsbürgerbrief gelten vorläufig als Neichsbürger die Staatsangehörigen deutschen oder artverwandten Blüte». Nur der Reichsbürger kann ein öffentliche» Amt bekleiden.- Ein Jude kann nicht Reichsbürger sein und ihm gebührt auch kein Stimmrecht in politischen Angelegenheiten; er kann demnach auch kein politisches Amt bekleiden. Die jüdischen Beamten treten mit Ablauf de» 81. Dezember» 1935 in den Ruhe st and, wobei als Ruhegehalt die vollen zuletzt bezogenen ruhegehaltsfähigen Bezüge gelten. AIS Jude gilt, wer mindesten» von drei der Rasse nach volljüdischen Großeltern ab- stammt, ferner gilt auch als Jude, der von zwei volljüdischen Großeltern abstammende Mischling jüdischer Religion. Die Verordnung sieht vier Möglichkeiten zur Definition des Begriffs„jüdischer Mischling" vor, nämlich die Zugehörigkeit zur jüdischen Religion beim Erlaß des Gesetzes, die Ehegemeinschaft mit einem Juden, die Abstammung aus jüdischer Ehe, die nach dem Gesetze vom 15. September 1935 geschlossen wurde und schließlich da» nach dem 81. Juli 1936 geboren« außereheliche Kind eine» Juden. Die Ausführungsbestimmungen zum„Gesetz zum Schutze des deutschen Blutes und der deutschen Ehre" setzen u. a. fest, daß eine Ehe nicht geschloffen werden soll, wenn auS ihr eine die Reinerhaltung des deutschen Blutes gefährdende Nachkommenschaft zu erwarten ist, und ferner, daß vor der Eheschließung jeder Verlobte durch das Ehetauglichkeitszeugnis nachzuweisen hat, daß kein Ehehindernis vorliegt im Sinne deS eben genannten Paragraphen. Ferner wird in der Verordnung bestimmt, daß ein Haushalt als jüdisch gilt, wenn ein jüdischer Mann ihm vorsteht oder der Hausgemeinschaft angehört, ferner datz weibliche Staatsangebörige deutschen oder artverwandten Blutq», die beim Erlaß deS Gesetzes ick einem jüdischen Haushalt beschäftigt waren, in diesem HauSalt in ihrem bisherigen Arbeitsverhältnis bleiben können, wenn sie bis zum 31. Dezember 1935 das 35. L e b e n s j a h r vollendet haben. Bor Vertretern der Preffe erläuterte der Staatssekretär S t u ck a r t die beiden Verordnungen. Diese» Gesetz gewährleiste den Juden ihr Eigenleben in gesetzlich gezogenen Grenzest, mache aber dem Judentum für alle Zukunft die Vermischung mit dem deutschen Volkstum und die Einmischung in die staatliche, politische und kulturpolitische Gestaltung Deutschlands unmöglich. Staatsangehörigen mit zur Hälfte jüdischer Erbmasse ist es freigestellt, ebensolche Staatsangehörige oder auch Juden zu heiraten. Dagegen ist die Ehe eines solchen Staatsangehörigen mit zur Hälfte jüdischer Erbmasse mit einem Staatsangehörigen deutschen oder arwerwandten Blutes an die Genehmigung des Reichsministers des Innern und des Stellvertreters des Führers oder der von ihnen bestimmten Stelle geknüpft. Ehen unter Mischlingen mit ein Viertel jüdischer Erbmasse sollen überhaupt nicht geschlossen werden. Dagegen steht es ihnen frei, eine Ehe mit Staatsangehörigen deutschen oder aritsver- wandten Blutes zu schließen. Konsulerkonvfntlon mit Buhlend Moskau. Der BolkSkommissär für auswärtige Angelegenheiten Litwinow und der tschechoslowakische Gesandte Bohdan P a v l ü unterzeichneten Samstag im Kommissariat für auswärtige Angelegenheiten die Konsularkonven« tion der Sowjetunion mit der Tschechoslowakischen Republik.. 'Seite t Sonntag, 17. November 1935 Nr. 268 Hauptträser der Demokratie Dr. Hodza(Iber die Selbstverwaltung Prag. Deck Vorsitzende der Regierung. Dr. Milan Hodßa, empfing Samstag das Präsidium der Ständigen Delegation der tschechoslo- tvakischen Selbstverwaltungsorganisationen und ließ sich über die gegenwärtige Lage der Selbstverwaltung und ihre Bedürfnisse informieren. In seiner Antwort hob Dr. Hodza hervor/ er mache sich die bekannten Worte des Präsidenten Masaryk über die Bedeutung der Selbstverwaltung im Staate und über die unerläßliche Notwendigkeit einer Zusammenarbeit der öffentlichen Verwaltung mit der Selbstverwaltung vollständig zu eigen. Die Selbstverwal- tungseheerals den Hauptträger derDemokratie an. Damit die Selbstverwaltung diese Funktion erfüllen könne, müsse unsere Gemeinde» die die Grundlage der Selbstverwaltung bildet, gesund sein und mit solchen Mitteln ausgestattet werden, daß sie die ihr übertragenen Aufgaben ordentlich erfüllen könne. Die Selbstverwaltung verhüte auch eine Mechanisierung der Staatsverwaltung und verstehe es am besten, örtliche Verhältnisse zu regeln. Die Selbstverwaltung ist auch die Grundlage einer gesundenDezentralisation im Staate, welche notwendig ist. Aufgabe der Dembkratie in unserem Staate ist, allen Bürgern im Staate die Möglichkeit zur Mitarbeit und zur Mitverantwortung zu geben, wie dies gerade die Selbstverwaltung tut. Ueberschwemmungskatastrophe in Südfrankreich Infolge tagelanger Regenfälle und einer plötzlich eingetretenen Schneeschmelze in döst Bergen ist die Rhone in ihrem Unterlauf über die Ufer getreten. Ein großer Teil der Stadt Abignon wurde unter Wasser gesetzt, und der Verkehr konnte nur notdürftig aufrechterhalten werden. Französisches Militär kam den bedrängten Einwohnern mit ihren Pontons zur Hilfe. An Polens Adresse: Prag. Amtlich wird gemeldet: Minister Dr. Benes empfing Freitag den ehemaligen tschecho- fiowakischen Konsul von Krakau Dr. Arthur M a i x n e r und den ehemaligen tschechoslowakischen Konsul in Posen Dr. Jaromir D o l e- Zal, welchen die polnische Regierung das Exequatur als Vergeltungsmaßnahme dafür entzogen hat, daß dem polnischen Konsul Herrn Klotz von der tschechoslowakischen Regierung das Exequatur entzogen wurde. Nach Entgegennahme der Referate der beiden Konsuln dankte Minister Dr. Benes den beiden Konsuln herzlich für die sachliche Arbeit an ihrer Wirkungsstätte zur Zeit der tschechoslowakisch-polnischen Spannung und sprach ihnen insbesondere mit Nachdruck seine Befriedigung darüber aus, daß sie stets absolut korrekt vorgegangen sind und für die Besserung des Verhältnisses dec beiden Staaten ergeben gearbeitet haben, ohne jemals irgend einen Anlaß zu Beschwerden gegen ihre Person gegeben zu haben. Mährisch-Ostrau Garnisonsstadt/ Am Samstag traf das erste Bataillon des Infanterie-Regimentes Nr. 8, deS„Schlesischen" i in Mährisch- Ostrau ein und wurde vom Bürgermeister und dem Stadtrat begrüßt. Die offizielle Begrüßung durch die Behörden und die Bevölkerung findet heute statt- Die Stadt Mährisch-Ostrau hat hiermit seit dem Umsturz wiederum eine Garnison erhalten. Vom RumUiinlf Ak UM MAt MMWW bringt in dieser Woche: Sonntag, 17. Nov., 14.30 bis 14.45: Dr. Otto Frey:„Die Bedeutung der englischen Wahlen. Mittwoch, 20. Nov., 18.20 bis 18.40: Dr. Adalbert Markovits: Tie Arbeitslosen- und Flüchtlingsfrage in Griechenland., Freit^rg, 22. November, 18.35 bis 18.45: Aktuelle zehn Minuten. Sonntag, 14. Nov., 14.30 bis 14.45: Dr. JuliusLöwh- Aussig: Fürchten Sie ansteckende Krankheiten? Empfehlenswertes aus deu Programmen: Montag: Prag, Sender L: 10.05: Deutsche Presse, 11.35: Opernarien, 12.35: Salonorchesterkonzert, 15.30: Uebertragung aus England: Fußballkampf, 17.25: Schallplatten, 18.10: Deutsche Sendung: Sommer: Die vier Temperamente des Kindes, 18.25: Dr. Hekter: Masaryk und Tolstoi, 18.45: Deutsche Presse, 19.15: Englischer Sprachkurs, 19.30: Militärkonzert, 21.30: Nationalkonzert aus Riga. Sender S: 7.30: Salonorchester, 14: Chansons, 14.20: Deutsche Sendung:, Kuddel-Muddel. — Brünn Ick: Schallplatte», 13.30: Arbeits« markt und Sozialinformatioyen, 17.40: Deutsche Sendung: Dr. Werner: Henry Barbusse zUm Gedenken,— klassische und romantische Operette, 20.10: Saxophonsolo, 21.25: Natur in Liedern.— Mährisch-Ostrau 18.10: Deutsche Arbeitersendung: Keilich, Können wir aus der Geschichte Lehre ziehen? Bakulesänger^— Prestburg 15: Orchesterkonzert, 17.15: Slowak. Volkslieder. DienStag: Prag, Sender L: 10.05: Deutsche Presse, 11: Deutscher Schulfunk, 17: Jugendstunde, 18.10: Deutsche Sendung: Dr. Husth: Wirtschaft!. Relief, 18.20: Lieder sudetendeutscher Komponisten, 20.50: Rundfunkorchesterkonzert. Sentzer S: 7.30: Leichte Musik, 14.15: Deutsche Sendung: Die drei Greise, nach Tolstoi. 14.50: Deutsche Presse.— Brünn 15: Rundfunkorchesterkonzert, 17.40: Deutsche Arbeitersendung: Dr. Brügel: Heimatrecht und Staatsbürgerschast.— Mähr.-Ostrau 12.35: Rundfunkorchesterkonzert.— Preßburg 19.10: Jazz- «rchester. Das Urteil im Bestechungsprozeß Ein Angeklagter verurteilt, die übrigen freigesprochen Brünnl Im Bestechungs-Prozeß gegen die Angestellten der Baufirma Pittel& Brausewetter und die Beamten der Staatsbahnen in Brünn wurde Samstag vormittags vor den Senat. tz'es Kreisstrafgerichtes in Brünn Pas'Urteil gefällt. Es wird verurteilt Franz$ lie g e r, Bauführer der Firma Pittel& Brausewetter in Brünn in den Fällen der Bestechung der Ingenieur Eernh und Hammer sch m i e d, die inzwischen verstorben sind, zu K e r k e r in der Dauer von s i e- ben Mon a t e n» verschärft durch monatlich einen Fasttag, und weiters zum Verlust des Wahlrechtes,' sowie zum Ersatz der Kosten des Gerichtsverfahrens. Die Geldgeschenke Verfällen zugunsten des Staates. In den übrigen Fällen wurde Franz Fliege r. von dec Anklage frei-> gesprochen. 'Sämtliche u b r i g e n A n g e I lagte n, der Oberoffisial Johann Nov ohr a d s k h, der Technische Rät Jng. Jösef H o l e L e k, der Technische Oberrat Jng. Johann H l a v i L k a, der Adjunkt Josef H o f o-r,-der-Oberoffizial Karl M o d-r h, der Offizial Josef K r i st o f und Äng. Johann- Fl i eg e r, Leiter der Brünner Filiale der Firma.Pittel& Brausewetter würden fr e i« g e spro chen. Politisches Attentat in Indien Peshawar-(Reuter.) Auf den Vorsitzenden der-zentralen.indischen gesetzgebenden/Versammlung Sir Abdu-rrahim, wurde in der Nähe von Peshawar/em-Attentat verübt, als er von einer Reise an der Nordwestgrenze Indiek zurückkehrte.-Der-Angreifer gab drei Schüsse ab, Sir Abdurrahim wurde aber nicht getroffen. Verhaftet wurde niemand. 88 Millionen Franke« Paris^Der durch die Verschüttung der Branntweindestillation der Karthäuser- Mönche angerichtete Sachschaden wird auf 35 Millionen Franken geschäht, einschließlich von etwa zehn Millionen Fabriksmaterial und eingelagerten Likörvorräten. Diese Vorräte liegen zwar noch vorläufig in den Kellern, jedoch befürchtet man, daß der auf ihnen lastende Druck der 500.000 Kubikmeter Erbmassen nicht so rechtzeitig gehoben werden kann, um ein Einbrechen der Kellerdecken zu verhüten. Heulein bezahlt mit seiner Photographie. Auch das ist nicht neu und ist irgendwo abge- lauscht, daß Führer und Potentaten mit ihrem Konterfei bezahlen. Die„Sudetendeutsche Freiheit", das Organ Kopatscheks, der wir die Ver» | antwortung für ihre Meldung überlassen, schreibt in ihrer neuesten Nummer über einen Vorgang, der außerordentlich bezeichnend ist für den Geist der Volksgemeinschaft in der Partei Konrad Henleins. Nach den Schilderungen genannter Zeitung stellte ein arbeitsloser Schlosser Michael K r a l i k aus K a r b i tz, der sich mit Astrologie beschäftigt, seststm Führer Konrad Henlein das Horoskop in der Erwartung einer finanziellen Belohnung. Kralik hatte auf eine Entschädigung von Kc 50.— gehofft. In dem Begleitschreiben, das er der Sendung an Herrn Henlein beilegte, schilderte der Mann seine furchtbare Notlage... .Der gläubige Karbitzer, der auf die Volksge- ^meinschast der SdP vertraute, erhielt von der Kanzlei Konrad Henleins in Asch, eine Anerken- nung in folgender Form: Sudetendeutsche Partei, Konräd Henlein Asch, am 7. Oktober 1935 Werter Kamerad! In der Beilage übersenden wir Ihnen ein -mit Unterschrift versehenes Bild Konrad Henleins. ' Für das Konrad Henlein übersandte Horo- stop danken wir herzlich. Mit kameradschaftlichem Gruß Sudetendeutsche Partei, Kanzlei Konrqd- Henlein, Asch Auf ein Ansuchen Kraliks um eine Unterstützung an die Ortsleitung der SdP in Karbitz wurde in einer Versammlung eine Sammlung veranstaltet, die Xc 17.— ergab. Nun bleibt dem Manne noch die C h a n c e, d a 8 Auto- gram in des F ü h r e r 8 ,z u v er- ä u.ß e r Vielleicht findet sich eine h y st e- rische Kam e r a bin, die, Xö 50.— da- für.zahlt und so das Horoskop zum. Schätzwert des Autors, abdingt.. Ministerpräsident Dr. HodZa empfängt in der nächsten Woche keine Besuche. Lastauto in der Tatra abgestürzt. Warschau. Während des Baues einer Delephpnleitung in der Tatra stürzte ein Lastauto,mit Arbeitern 15 Meter tief ab. Ein Arbeiter wurde getötet, zehn erlitten Verletzungen, einige davon schwere. Die Folgen.eineS Trinkgelages. In- einer Restauration in Prag XVI. kam es Samstag zu einer Schlägerei. Der. Arbeiter Anton Munk hatte in gehobener Stimmung seinen Ueberzieher für 200 Kronen verkauft,-um Geld-für Bier zu bekommen. Der Käufer gqb den Mantel gleich weiter, so daß es/ zu-spät wqr, als Muk den Handel bereute und den Kauf rückgängig machen wollte. Es käm zu Aüseinandetsetzüngen, wobei Muk von einem der Anwesenden einen Schlag erhielt, nach dem er bewußtlos zu Boden stürzte. Auf der Klinik Prof. Jiräseks wurde außer einigen leichteren Verletzungen auch ein Bruch des. Schädelknochens festgestellt. In direkter radiotelegraphischer Verbindung Prag—Buenos Aires wurden seit dem 1. Oktober d. I. bis zum 10. November insgesamt 1256 Telegramme mit 17.180 Myrten expediert. Die Tschechoslowakei hat gegenwärtig bereits drei direkte Ueberseeverbindungen(New Dork» Bey- rut und Buenos Aires) durch die eine rasche und verläßliche Uebermittlung der Telegramme nach allen Ueberseeländern gesichert ist. Der Absender, der für seine Telegramme die Beförderung auf diesen direkten Verbindungen wünscht, hat vor der Telegrammadresse die kostenlose Angabe zu setzen:„via Radio Praha".(Post- und Tele- graphen-Ministerium.) Liebesdrama. In einem Walde bei Neudörfel im Bezirk von Preßnitz wurden die Leichen des 23jährigen Landwirtsohnes Karl Stamn» aus Meretitz bei Klösterle a. Eger und der 18jäh- rigen Landwirtstochter Martha Selinger aus Neudörfel’ aufgefunden. Die polizeilichen Erhebungen führten zu der Feststellung, daß der Bursche das Mädchen erschössen hatte, um sich sodann eine Kugel'dürch den Kopf zu jagen.'Die Tat-beging er wegen krankhafter Eifersucht. Die tschechische Philharmonie mit Professor V. Talich an der Spitze verläßt in der Zahl von 103 Personen am 21. Nov. Prag und reist über Ostende nach London, wo drei öffentliche Konzerte und ein Konzert der tschechischen Philharmonie für die britische Rundfunkgeseklschast stattfinden. Einige Tage werden den Aufnahmen von Grammophonplatten für die Gesellschaft Mis master's voice gewidmet sein. Von- London reist die tschechische Philharmonie nach Brüssel | und Paris. Nachrichten über die Vorbereitungen zum 3. Bundesturnfest Schwimmen. Ejne glänzend gelungene Werbeveran- st a l t u n g führten >ie Schwimmabteilungen von Schrek- k e n st e i n und Aussig im 5. Kreise im Johann- Schicht-Bad am 13. d. M. durch. Vor zirka 400 Zuschauern traten 152 Schwim mer und Schwimmerinnen zu den verschiedensten Programmpunkten an. Neben Wasserballspielen, Leistungsschwimmen, Kunstspringen und Figurenlegen wurde auch gezeigt, wie und warum der Arbeiter schwimmen lernen soll. Besonderes Interesse erregte das vorgeführte Rettungsschwimmen. Die Resultate der Wettkämpfe waren außerordentlich gut. Jugend-Erzieher. In der Jugendherberge „Heinrichsruh" bei Teplitz, 5. Kreis, sind am 16. und 17. d. M. zirka 40 Jugendleiter und Erzieher zu einer Schulung für die Arbeiten 1936, besonders das 3. Bundesturnfest, zusammengezogen.„Jugend im Atus", sportpolitische und Verbandsfragen, das Fugendsportabzeichen des AtuS und ähnliche aktuelle Fragen stehen auf der Tagesordnung. Der Veranstalter dieser Aktion ist dec 2. Bezirk im 5. Kreise. Turnen. Außer einer ganzen Reihe von Kreis- und Bezirksvorturnerstunden, die gegenwärtig im ganzen Verbandsgebiete abgehalten werden, führt der 10. Bezirk im 5. Kreise eine Elementarschulung für Vorturner, -Turnerinnen und Turnwarte durch. In systematischer Arbeit wird das Leistungsgeräteturnen gepflogen, die Turnsprache erlernt und den Teilnehmern die erforderlichen Leitereigenschasten beigebracht. Der erste Lehrgang, welcher am 2. und 3. d. M. durchgeführt wurde, war mit seinen 42 Teilnehmern ein voller Erfolg. Wintersport. Die Bezirke des 5. KreiseS halten in diesem Winter je einen Bezirkswintersporttag ab, um die Auswahl für die Beteiligung am Bundeswintersporttag, welcher im Feber in Joachimsthal abgehalten wird,tzu treffen. Eine Sprungschanze wurde im 10. Bezirke deS 5. Kreises in der Nähe von Teichstatt gebaut. Leichathletik. Die Leichtathletik-Leitung deS 5. Kreises gibt an alle Vereinsleitungen die„Höchstleistungsliste" der leichtathletischen Ergebnisse des letzten Jahres hinaus. Zweck ist: Alle leichtathleti» scheu Wettkämpfer zum 3. Bundesturnfest zu unterrichten, welch« Leistung in den verschiedenen Disziplinen n o t w e n d i g ist, um als Anwärter für die E i n z e l m e i st e r s ch a f t e n in Betracht zu kommen. Wir lesen u. a.: 100 Meter: 11.8 Sek. 200 Meter: 23.9 Sek., 400 Meter: 55.6 Sek., 1500 Meter: 4:26.8 Min., 3000 Meter: 10:38.0 Min., 4X100 Meter: 46.8 Sek., 10X100 Meter: 2:02.8 Min., Olnmpisch« Stafette: 4:00.2 Min., Weitsprung: 6.22 Meter, Dreisprung: 11.82 Meter, Hochsprung: 1.63 Meter, Stabhoch: 8 Meters Kugel (7%): 11.60 Meter, Diskus: 32.24 Meter, Speer: 50.36 Meter. Ziehung der Klassenlotterie Unverbindlich. Prag. Bei der Samstag-Ziehung der Klassenlotterie wurden nachfolgende Gewinne gezogen: 2600 Ls unck Prämie 1,000.000 Kö gewinnt das das Los Nr. 14.728. 70.000 Kd das Los Nr. 30656, 40.000 KL das Los Nr. 88851, 10.000 KL die Lose Nr. 18793, 107444, 5000 KL die Lose Nr. 55800, 49854, 82920, 105108, 37362, 3092, 10594, 74200, 21217, 73504, 102918, 19681, 9940. 2000 KL die Lose Nr. 96630, 14864, 101393, 17599, 24627, 50784, 41143, 108903, 42712, 1084, 94109, 60884, 91471, 26848, 83631, 83648, 66988, 106890, 7304, 16976, 73431, 27296, 32224, 1160, 5064, 83085, 81474, 106505, 96907, 45348, 83214, 52864, 41821, 72514, 105680. Die Geschworenen haben Freitag gegen Vera Stretz, die am Dienstag in einem New Dorker Wolkenkratzer-Hotel den 40jährigen Dr. Fritz Gerhard erschossen hat, Anklage wegen Mordes erhoben. Vera Stretz verweigert noch immer jede Auskunft. Schlechtes Wetter im Anzug. Die Wetterlage ändert sich nur sehr langsam. Bei vorwiegend südöstlichem Winde herrscht in unseren Gegenden trockenes Herbstwetter. Während im westlichen und mittleren Teile der Republik infolge beträchtlicher Bewölkung die Temperaturänderungen zwischen Tag und Nacht nur gering sind, ist die Temperaturschwankung im Karpathengebiet, bei vorwiegend wolkenlosem Himmel sehr beträchtlich. Aus Südwesteuropa, wo es ziemlich warm ist und vielfach regnet, dürste sich gegen Anfang nächster Woche die Wetterverschlechterung auch über unsere Gegenden ausbretten. Wahr- s ch e inliches W e tter Sonntag: Im Westen der Republik vorwiegend umzogentrocken oder nur ganz vereinzelt geringfügiger Niederschlag» im allgemeinen etwas wärmer. Im übrigen Staatsgebiete wechselnd bewölkt, milder. Im äußersten Osten ziemlich heiter mit beträchtlicher Temperaturschwankung zwischen Tag und Nacht.— Wetteraussichten für Montag: Allmähliche Verschlechterung vom Südwesten her.'— Luftdruckverteilung über Europa um 14 Uhr: Hochdruck; 777 Millimeter West-Ukraine, 775 MiUimeter Nordost-Ruhland; Tiefdruck 740 MMmeter zwischen Island und Irland, 746 MMmeter westlich vom Golf von Biscaya., Nr. 268 Sonntag, 17. November 1935 Seite 5 Da Ist sie nun! Gleich wlrds mH der Wüsche flotter gehn! Denn die »DREIMKNNER«-Selfe ist eine vollhaltige Kernseife, wie sie die Hausfrau schon längst ersehnt hat Passen Sie auf, wie die Arbeit zum Kinderspiel wird, denn»DREIMKNNER« waschen, schäumen und sparen da-, bei— für Drell FUhrerbesprechuns der NSDAP Ober Außenpolitik Berlin. Aeropreß erhält folgende zuverlässige Informationen über mehrere Führerbesprechungen der NSDAP, die in den letzten Tagen stattgefunden haben und in denen die Erörterung der außenpolitischen Lage im Vordergrund stand: Von maßgebenden parteiamtlichen Stellen wurde zugegeben, daß die Anbahnung von Verhandlungen mit Frankreich dem immer stärker werdenden außenpolitischen Druck entspringe und Laß man gleichzeitig angesichts der immer schwerer werdenden Wirtschaftslage unbe- dingt durch außenpolitische Erfolge die Aufmerksamkeit der Massen von der wachsenden Not ab» lenken müsse. Außerdem gab man die Be- Nündung, daß die Anleihe Verhandlungen, die man in letzter Zeit in England und Amerika ßu führen versuchte, auf unüberwindliche Hindernisse stießen, solange nicht eine Entspannung der Lage auf dem Kontinent herbeigeführt worden sei. Die Parteiinstanzen wurden aufgefordert, dafür zu sorgen, daß vorläufig(!) der Ton gegen Frankreich gemildert werde., Der Sprecher des Außenpolitischen Amtes der NSDAP machte dazu noch folgende be- merkenswerte Ausführungen, diemir wörtlich wiederzugeben in der Lage sind:„Wenn es uns gelungen ist, Frankreich in die Falle zu locken(I), dann können wir einen entscheidenden Vorstoß Segen die demokratische Weltanschauung als solche unternehmen. Durch ein Abkom- Men mit uns erschüttert Frankreich den Gedanken der Demokratie in der ganzen Welt(i). Dir werden dann daran gehen, eine großzügige untisemitische und antidemokratische Propa» S a n d a in allen Ländern zu entfesseln. Daß diese Propaganda ihre Früchte trägt, haben wir >n England gesehen. Anzeichen, daß vor allem die antisemitischen Argumente der NSDAP wirken, beobachten wir auch in Amerika. Das Abkommen mit Frankreich kann für den Natio- ualsozialismus der Anfang der Weltherrschaft sein." bauernunruhen im Eutiner-Land Hamburg.(F. ft.) Im.Eutiner-Land" (Schleswig-Holstein) ist es zu Bauernunruhen üekommen. Die Molkerei in' dem Städtchen nhrensbök mußte in der letzten Woche«inen beträchtlichen Ausfall bei den Milchlieferungen Melden. Darauf ordnete der zuständige Kreisbauernführer an, die Bauern mühten das fest« besetzte Quantum Milch abliefern, wenn die Be- börden nicht zu Zwangsmaßnahmen(Geldstrafen oder gar Enteignung) schreiten sollten. Als diese.freundliche" Mahnung ohne Er- s°Ig blieb, mußte der Kreisbauernführer auf Anordnung. der Gauleitnng die Bauern persönlich aufsuchen und sie an ihre Pflicht erinnern. Dabei kam eS zu schweren Auseinandersetzungen, die den Kreisbauernführer veranlaßten, eine ganze -ieihe Anzeigen zu erstatten. Die Bauern erklärten, auch weiter ihrer Pflicht genügen zu wollen, sie müßten sich aber verbitten, daß die Partei ihnen einen Führer schicke, der nicht ihr Vertrauen besitze. Sie hätten diesen Kreisbauernführer nicht gewählt, er verstehe von der Landwirtschaft gar nichts oder nur sehr wenig. Außerdem wisse er Kristens nicht, was er rede, La er in der Regel betrunken sei. In diesem Zustand habe er sich gegenüber den Bauern die gröbsten Beleidigungen Und Drohungen gestattet. Diese Gründe der Bauern treffen nicht den Kern. Tatsächlich obstruieren sie gegen den Ab- llefernngszwang und die schlechte Bezahlung. Sie haben bei der zuständigen Bezirksregierung gegen den Bauernführer Beschwerde und Anzeige erstattet und diesen Akt durch eine Abordnung gewichtiger Persönlichkeiten aus ihrem Kreis unterstützt. Dabei traten diese Delegierten sehr selbstbewußt— die Nazis sagen.provozierend"— °uf und erklärten, sich keiner irgendwie gearteten Diktatur fügen zu wollen. Ein kompromittierender lleberläufer Der Sklavenhändler (AP) Die italienische Preffe überschlägt sich förmlich vor Freude über den Uebertritt des Sultans von A u s s a, Daho, zu den Italienern. Im Grunde besteht jedoch von italienischer Seite keinAnlaß, darauf besonders stolz zu sein! Nicht deshalb, weil die Zahl der zu beiden Seiten der Grenze von Französisch-Somaliland nomadisierenden Aussa nie und nimmer 60.000 Mann beträgt, sie also auch nicht, wie angegeben, über 20.000 Soldaten verfügen können, sondern aus einem ganz anderen Grunde. Das Gedächtnis der Weltöffentlichkeit ist schlecht. Bei der Fülle von Hunderten, ja Tausenden von Nachrichten, die täglich auf die Menschheit herniederprasseln, ist das auch nicht verwunderlich. Aber manchmal ist es nützlich, dem Gedächtnis nachzu- helfen. Der frühere italienische Ministerpräsident Salandra hat im September 1928 dem damaligen Generalsekretär des Völkerbundes und jetzigen britischen Botschafter in Rom, Sir Eric Drummond, eine Note überreicht, in der er aus den— Sklavenhandel des Sultans Naho hinweist, der trotz der strengen Anordnungen der abessinischen Regierung und der von ihr verhängten harten Strafen fortdauere. Daho, das Haupt der Aussa im Danakil- Lande, wurde als ein Mann gekennzeichnet, der den Sklavenhändlern bereitwillig mit Rat und Mussolini hofft auf neuen Tory-Kurs Paris. Der Londoner Sonderkorrespondent deS»L'Oeuvre" meldet, daß die Unterredungen S i rErieDrummonds mit dem Ministerpräsidenten Mussolini an einem toten Punkt angelangt sind. Italien will England nicht entgegenkommen und keine weiteren Truppen von Libyen mehr abberufen. Italien sei es nicht unbekannt» daß die Moral der Besatzung auf den britischen Mittelmeerschisfen ziemlich schlecht sei. Die Besatzung bestehe zum größten Teil aus Reservisten, deren Dienst eben endete und welch« ihre letzte Dienstzest in den englischen Häfen unweit ihrer Heimat verbringen sollten.' Nunmehr befänden sie sich bereits drei Monate auf hoher See ohne irgendwelche Beschäftigung, worunter ihre moralische Verfassung leidet. Deshalb wolle auch Mussolini vorläufig mit England nicht verhandeln und weitere militärische Erfolge in Abessinien erzielen. Das Blatt meldet weiter, daß auf jeden Fall im Baldwin-Kabinett Aenderungen vorgenommen werden sollen und die genaue Linie der britischen Außenlinie bisher-nicht bekannt ist, da in der konservativen Partei verschieden« Strömungen bestehen, deren Kräfte erst nach Bekanntwerden der gesamten Wahlergebnisse abgeschätzt werden können. Vollfasdsmus In Litauen Die litauische Regierung hat soeben die gesamte Tätigkeit der Oppositionsparteien ,— Christliche Demokraten und VolkSsozialisten— für solange eingestellt, als der Kriegszustand(l) besteht. Es gibt in Litauen nur noch eine legale politische Partei, nämlich die Nationalsozialisten. Noch vcr einigen Jahren hatten die katholischen Demokraten eine starke Mehrheit in der Regierung und bis zuletzt besaßen sie einige große Jugendorganisationen, die nun vor der Auflösung stehen. Diesen Streich sucht die Regierung Tu- belis zu bemänteln, indem sie die oppositionellen Parteien für die Bauernunruhen im September verantwortlich macht. Damals wurde das Kriegsrecht verhängt, von dessen Wiederaufhebung keine Rede ist. Ein Vorspiel war der Aufmarsch — auf feiten Italiens Tat zur Seite stehe, sofern sie ihn an ihrem Geschäft mit einer angemessenen Provision beteiligen, aber zur Gewalt greife, wenn sich die Sklavenhändler diesen Zahlungen zu entziehen suchten. Faho ist in der Tat Partner großer Konsortien, die den Sklavenhandel und Sklavenschmuggel betreiben, und er ist dabei bisher immer auf seine Rechnung gekommen. Mit seiner Unterstützung wurden viele Hunderte von Eunuchen und viele Hunderte von jungen Gallamädchen nach Arabien gebracht, wo sie auf Auktionen, zu denen Weiße natürlich keinen Zutritt haben,.reißenden Absatz" finden. In Genf haben di« Italiener den Negus gerade für die Taten dieses.Sultans"(auch sein Titel wird bestritten) verantwortlich gemacht, obwohl dieser zweimal durch die Entsendung abessinischer Truppen recht kräftig zur Rechenschaft gezogen wurde. Seit der Aufhebung der Sklaverei vermochte Naho di« Kosten seines Hofes und seines Harems nicht mehr aufzubringen. Daher schlug er sich jetzt auf die Seite der Italiener. Vom agitatorischen Standvuntt müßte das eigentlich den Italienern peinlich sein: der Negus als Gegner des Nah", der Daho als Freund der Italiener. Was macht man nun mst dem Argument der abessinischen Sklaverei? von 3000 Jungfascisten in Kaunas, welche strenge Maßnahmen gegen die Opposition verlangten. Die Suspendierung der oppositionellen Parteien ist der Vorläufer ihrer Gleichschaltung nach hitlerdeut- schem Muster. Noch bis in die letzte Zeit hinein Erschienen selbst in demckratischen Auslandsblättern Nachrichten über die bevorstehende Wiederherstellung verfassungsmäßiger Zustände in Litauen. fadchti&Mt Tod auf dem Operationstisch Neuerliche Verhandlung»egen eine« fahrlässigen Arzt Prag. Im Mai 1934 wurde der hiesig« Arzt Dr. Eduard Svoboda vor dem Kreisgericht wegen fahrlässiger Tötung zu vierMonaten strenge n A r r e st e s, bedingt auf drei Jahre, verurteilt. Die Ursache seiner Verurteilung war eine verunglückte Operation, der das Leben eines jungen Rädchens zum Opfer, fiel. Der Fall ist nicht ganz aufgeklärt worden. Es spielte dabei noch em Freund und. Kollege des Verurteilten eine Rolle, ein gewisser Dr. Ernst E r b e n. der den verurteilten Arzt eines Tages zu seiner Freundin berief, die über heftige Unterleibsschmerzen klagte. Die Details blieben in Dunkel gehüllt. Fest steht nur soviel, daß Dr- Svoboda sich im Sanatorium Boruvka den Operationssaal mietete und an der Freundin seiner Kameraden mitten in der Nacht eine Operation vornahm, wobei er auffallenderweise die Hilfe des diensthabenden Assistenzarztes mit der Bemerkung zurückwies, Ms handle sich nur um einen kleinen Eingriff. Die Operation dauerte indessen ungewöhnlich lange und als nach zwei Stunden schließlich der Chefarzt selbst einschritt, fand er das bedauernswerte Mädchen in einem schrecklichen Zustände vor. ES war eine Gebärmut- terauSkratzung vorgenommen worden, und zwar in so unfachmännischer und fahrlässiger Art. daß die Gebärmutter und die angrenzenden Darmteile mehrfach durchbohrt worden waren. ES war bereits allgemeine Blutvergiftung eingetreten und der erfahrene Arzt sah auf den ersten Blick, daß jede Hilfe zu spät kam. DaS Opfer der verunglückten Operation starb unter furchtbaren Qualen. Dr. Svoboda wurde der Fruchtabtreibung und der fahrlässigen schwe- Ersäufen darf man ihn natürlich nicht in allzuviel Wasser den AECHT FRANCK, sonst kann er seine Kraft, die den Kaffee so voll, aromatisch und wohlsehmek- kend macht, nicht entwickeln. Darum lieber ein bißchen weniger Wasser zum Einkochen und— der Kaffee wird noch viel besser sein. AechtFranck™ zu jedem. Kaffee! I ren Körperverletzung angeklagt. Ein verbotener Eingrift konnte ihm freilich nicht nachgewiesen Werden, da nicht ausgeschlossen war. daß er sich bloß bemüht habe, nach einem solchen der Patientin nach bestem Wissen und Können zu helfen. Mit dem Können war es aber ganz sicher nicht weit her und so verurteilte dar Gericht seinerzeit den Angeklagten wegen fahrlässiger Tötung zu vier Monaten. Der Staatsanwalt brachte die Nichtigkeitsbeschwerde ein und das Oberste Gericht fällte nun eine interessante Enftcheidung. Es hob das erste Urteil auf und verwies die Sache zur neuerlichen Verhandlung an das Erstgericht zurück. Der Tatbestand der fahrlässigen schweren Körperverletzung sei nicht gegeben, da sich der Vorfall in Ausübung der regulären Praxis des angeklagten Arztes begeben habe. Dagegen wird das Gericht angewiesen, zu untersuchen, ob nicht der Tatbestand des 8 856 St.-G. borliea«, nach welchem«in Arzt wegen grober Kunst« f e h l e r mit Entzug der Praxis zu bestrafen ist, und zwar bis zu dem Zeitpunkt, da er durch ein« besondere Prüfung»nachweist/daß er sich die mangelnden Kenntnisse angeeignet hat-(Der Angeklagte hat zugegeben. nur über sehr geringe gynäkologische Kenntnisse zu verfügen.) Solche Verhandlungen zählen freilich zu den größten Seltenheiten und wir erinnern uns nicht, daß vor dem Prager Kreisgericht ein solcher Fall verhandelt worden wäre. Zur Begutachtung der Sach« ist der am Sitze jedes Obergerichtes bestehende Aerzteratzberufen. Da aber nur auswärtige Aerzte zur Erstattung des Gutachtens herangezogen werden dürfen, müssen die Akten dem Brünner Aerzterat, der zur Begutachtung erwählt wurde, abgetreten werden, weshalb der Strafsenat Beck di» Verhandlung vertagte. rb. Mitteilungen ans dem Publikum. Milch, mit dem Strohhalm trinken. Das ist keine Fexerei, so muß man die Milch trinken, wenn sie nicht Magendrücken und das lästige Gefühl der Völle erzeugen soll. Wenn die Milch anders als in der Form des Saugens genossen wird, gelangt sie in so großen Mengen in den Magen, daß sie zu groben, schwer verdaulichen Klumpen gerinnt. Darum hat. es ja die Natur so weise eingerichtet, daß die Milch beim Saugen in den Magen des Wesens, für das sie bestimmt ist, nur in ganz winzig kleinen Schlückchen gelangt. Also reine Milch „getrunken" ist zu schwer. Deswegen müssen wir aber tWtzdem nicht auf dieses wertvolle Nahrungsmittel verzichten. Mit Perola-Kornkaffee gemischt, wird sie erstens in einem gesunden Verhältnis verdünnt und zweitens so aufgelockert, daß sie in kleine, leicht verdauliche Flöckchen zerfällt. Darum macht Perola-Kornkaffee mit Aecht Franck den Genuß der Milch für viele Erwachsene und Kinder nicht nur erst geschmacklich möglich, sondern bewirkt auch die vollkommene Verarbeitung der genossenen Milch im Magen. Runftbetrieb im Dritten Reich AP. In seiner Kulturrede auf dem Nürnberger Parteitag hat Hitler di« Künstler sämtlicher moderne Richtungen, vom Impressionismus bis zu den Abstrakten,»Schwindler oder Irrsinnige" genannt. Während in der Kaiserzest aus der Ablehnung des obersten Landesherrn für die betroffenen Künstler kaum andere Konsequenzen entstanden, als daß man sie nicht zu Hose lud, während sie also toleriert wurden, verbinden die heutigen Machthaber mit ihrer Ablehnung die völlige Intoleranz und tödlichen Haß. Auch Wilhelm H. hat Aeußerungen wie»Eure Modernen machen Rinnsteinkunst" oder„Ihr großer Delacroix soll erst einmal zeichnen lernen"(diese Aeußerungen sind durch Maximilian Harden der Nachwelt erhalten worden) getan, aber dabei blieb es auch. In Deutschland ist es heute verboten, den Menschen so darzustellen, wie er wirklich ist, und das anklagcnde Elend zu verarbeiten. Di« Käthe Kollwitz darf nicht mehr hungernde Kinder zeichnen, als ob es das nicht mehr gäbe. Otto Dix darf nicht mehr die Schrecken des Krieges malen, weil das eine aufreizende Wirkung haben könnte. ES ist auch verboten, in die Tiefen der menschlichen Seele«inzudringen, wie es Paul Klee oder die Surrealisten taten. Die Unterführer gehen in ihrer Wut gegen das, was ihnen unverständlich ist, noch weiter als di« oberen Instanzen. Als in München vor kurzer Zeit eine Ausstellung eröffnet wurde, die von der zuständigen Stelle des Propagandaministeriums bereits reichlich zensuriert war, erschien der Gauleiter Wagner und ließ westere 20 Bilder eigenmächtig entftrnen. Großenteils waren es einfache Akte, die das sittliche Empfinden dieses Soldaten des Dritten Reiches verletzt hatten. Das Verlangen der radikalen Parteikreise, die Böttcherstraße in Bremen, ein Werk deS Expressionisten Bernhard Hoetger und Versuch einer Synthese von Architektur, Plastik und Farbe, solle dem Erdboden gleichgemacht werden, ist bekannt. Man kann über di« künstlerische Erscheinung dieser Häuser verschiedener Meinung sein, aber jedenfalls würde mit ihnen ein interessantes Dokument der deutschen Nachkriegskunst vernichtet werden. Beim Dessauer Bauhaus gingen die Frrderungen ursprünglich genau sö weit. ES hat jedoch nur ein schräges Dach aufgesetzt bekommen und beherbergt heute eine SA-Führerschule. Die in Deutschland verbreitete Ansicht, das flache Dach sei ein Zeichen»semitischen Einflusses", ist einer von hundert Beweisen dafür, daß auch auf dem Gebiete der bildenden Kunst Unwissenheit und DUettantiSmuS die Berater des Nationalsozialismus sind. Was propagiert nun das Dritte Reich? Hitler erklärt, die Kunst müsse Verkünderin des Erhabenen und Schönen und damit Trägerin des Natürlichen und Gefundenen fein. Darm kommt zum Ausdruck, daß eS im Interesse des Regimes liegt, die Kunst zu benutzen, um die Menschen über das Dafein zu beruhigen, während die andere Möglichkeit der Kunst, den Menschen tiefer« Erkenntnisse über ihr Dasein zu verschaffen, unterdrückt werden soll. Barlach, die stärkste Begabung unter den deutschen Bildhauern, wird heftig btt kämpft, weil die von ihm dargestellten Menschen nicht dem nordischen Schönheitsideal entsprechen. Die Darstellung deS»rassisch hochwertigen Menschen" ist eine der Haupfforderungen der neuen Kunstdiktatoren. Was zeigen nun die heuttgen deutschen Kunstausstellungen? Es sind großenteils die Werke der schon zu Zeiten der Weimarer. Republik anerkannten Künstler, für die sich offenbar aus den Reihen der Nationalsozialisten kein vollwertiger Ersatz gefunden hat und die deshalb auch unter Hitler ihre künstlerische Anerkennung nicht verloren haben. Allerdings sind die Reihen erheblich gelichtet. Es fehlen die Namen der jüdischen Maler wie Liebermann und Spiro, es fehlen di« alten Feinde des Regimes wie George Groß und Käthe Kollwitz. Dagegen gehören Schmidt- Rotluff, Xaver Fuhr, Mattarö, Oskar Moll, Max llnold und Karl Hofer auch heute noch zu den Ausstellern. Auch Otto Dix stellt noch aus, allerdings nicht Schützengrabenbilder, sondern— Landschaften. Einige wenige nur malen heute »rasserein". Sie malen„Germanen auf der Landsuche" oder„Wotan unter der Welteiche". Man ist bemücht, in neuen Kunstschulen, deren bekannteste in Hamburg ihren Sitz hat» junge Künstler heranzubilden, die solche Tchemen später mit größerer Vollendung behandeln sollen. Inzwischen hilft man sich anders. Die Zeitschriften des Dritten Reiches reproduzieren mangels anderen Materials immer wieder Dürer, Holbein, die allen Holländer und neuere dänische oder schwedische Maler. Während also viele begabte junge deutsche Künstler hungern, können sich Holbein und Rembrandt, Dürer und Franz Hals nicht dagegen schützen, dem Dritten Reich zur. Deckung seiner Blöße zu dienen. Sekte 6 a„Sozialdemokrat" Sonntag, 17. November 1935. Nr. 1935 Jrajer Rettung Brennende Kerze in Holzwolle geworfen. Gestern vormittags vor S Uhr schickte der Kaufmann Rudolf Fris in Prag-Weinberge seine beiden Lehrlinge um Kühle in den Keller. Einer der Jungen, der eine Kerze mitgenommen hatte, stellte diese, unten angelangt, auf eine mit Holzwolle gefüllte Kiste. Durch einen Luftzug wurde die Kerze in die Holzwolle geworfen, die sofort Feuer fing. Die beiden Lehrlinge eilten zu ihrem Chef zurück, der sofort die Feuerwehr telephonisch verständigte, da das Feuer inzwischen in dem mit Holzwolle, Linoleum und Kohle gefüllten Keller einen bedrohlichen Umfang angenommen hatte. Trotzdem konnte verhältnismäßig rasch gelöscht werden. Der Schaden ist beträchtlich. Rotbaracke durch Feuer zerstört. Gestern vormittags brach in der Notbaracke Nr. 994 in Michle infolge Ueberheizung des Ofens Feuer aus und ergriff rasch das ganze Häuschen, in dem sich niemand als die 18jährige Arbeitersfrau Marie Bartos mit ihrem fünfjährigen Neffen befand. In Ker Eile suchte die Bartos vom Mobilar zu retten, was zu retten war, wurde jedoch beim Heraustragen der einzelnen Gegenstände vom Feuer erfaßt und erlitt Brandwunden zweiten Grades an Gesicht und Händen. Als die Michler Feuerwehr eintraf, konnte sie zwar in zehn Minuten löschen, die Baracke war jedoch bereits mit sämtlichem Mobilar völlig verbrannt. Der Schaden steht nicht fest, ist aber nicht durch Versicherung gedeckt. Die Bartos wurde ins allgemeine Krankenhaus gebracht. Ausflugszüge. Die Staatsbahndirektion veranstaltet folgende Ausflugszüge: Vom 6. bis 8. Dezember Rikolofeier auf der Sokolbaude und in Johannisbad 170 KL; 21. bis 27. Dezember Weihnachten in der Hohen Tatra 415 KL oder bis zum Neujahr 690 KL; 21. bis 26. Dezember Weihnachten im Gesenke 800 KL oder bis Neujahr 550 KL. Anmeldungen beim Ausflugsreferat im Basar neben dem Wilson-Bahnhof, Telephon 383-35. Verdauungsstörungen. Namhafte Magenärzte bezeugen, daß sich der Gebrauch des natürlichen „Franz-Joses"-Bitterwassers für den durch Esten und Trinken überladenen Berdauungsweg als eine wahre Wohltat erweist. Aerztlich bestens empfohlen- 8148 JCunst und WUs-w Venus in Seide Unter den zeitgenöffischen Operettenkomponisten ist der Wiener Robert Stolz'einer der produktivsten. erfolgreichsten und beliebtesten. Seine Beliebtheit mag seiner Popularität entspringen, die er sich als Tonfilm« und Schlagerkomponift erwarb. Seine Operetten, veren Schopfüngszahl mehrere Dutzend beträgt, gehören nicht zur Gattung der'großen Operette, wie sie etwa Franz Lehär pflegt und die sich. schon sehr ihrer ernsten Schwestergattung Oper nähert, sondern repräsentieren die Operette in ihrem leichtesten und vergnüglichsten Genre. In diesem Genre allerdings schreibt Stolz eine durchaus wirksame Operettenmusik. Eine Operettenmusik, die sich auf rhythmische und melodische Erfindung stützt, ohne freilich besonders originell oder gar^ geistreich zu sein, die das Ohr umschmeichelt, hie uno- da sogar in einer oder der anderen Nuancen wirklich so etwas wie Schmitz und glücklichen Wurf verrät, eine Operettenmusik, die auch harmonisch im konservativen Sinne apart ist und in der farbenfrohen un^ stimmungsvollen Instrumentation den erfahrenen Könner verrät; kurz, eine Operettenmusik ansprechendster Bedarfsqualität für das Publikum, eine Ope- rettenmusik, die keine Rätsel aufgibt und amüsiert. Die Operette„Venus in Seide" von Robert Stolz, die gestern abends im Reuen Den tschen Theater zur Erstaufführung gelangte, ist ein Musterbeispiel dieser Stolz'schen Bedarfs-Operettenmusik für das Moderne Operettenpublikum. An ihrem Textbuch haben sich zwei erfahrene Operettenlibrettisten beteiligt: Alfred,G r ü n w al d und Ludwig Het- zer. Sie haben diesmal die Fabel von dem vornehmen Räuberhauptmann verwendet und„Gaspa- rone" in ungarischer Variante aufgetischt, keineswegs aber geistvoll und glaubhaft in dem Spiel des Rollentausches zwischen dem. Räuberhauptmann Rosza Sandor und einem Fürsten, den ein Bild „VenuS in^Seide" entflammt und nicht Ruhe gibt, bis er das Original in der Person einer Fürstin besitzt. Unerträglich primittv find übrigens- die Liedtexte in dieser Operette. . Ihre Aufführung litt unter Mangel an rhythmischem Schwung und an Lebendigkeit der Szene. An ersteren war der junge Kapellmeister Herbert Popper schuld, der zum erstenmale seines Amtes am Pulte waltete, also vermutlich noch zu vorsichtig in den raschen Tempis war, im übrigen aber viel Geschick in der Stabführung bekundete und vor allem die großen Ensembles überraschend fest und sicher leitete. Martin CostaS Inszenierung war bildlich schön, aber— wie bereits angedeutet— zu wenig flott im Tempo. In der Rolle der Fürstin(VenuS in Seide) zeigte Anny C o t y schauspielerische Liebenswürdigkeit. auch gesangliches Können, aber leider wenig Temperament. Ausgezeichnet wie immer war Kurt Erich P r i g e r, ihr Hauptpartner, dem zuzuhören ebenso ungetrübte Freude bereitet wie seinem naturechten Spiel zu folgen. Das lustige Paar der Operette hatte in f mCarpentier und Herrn Schmerzenreich temperamentvolle und frohgelaunte Vertreter. Sehr unterhaltend war in einer komischen Rolle Herr Dudek, nicht ganz am Platz Dörner als Räuberhauptmann, sehr gut Herr Stadler als Pfarrer. DaS zahlreich erschienene Publikum unterhielt- sich gut kam aber nie in die richtiae Stimmung. E. I. Neues Deutsche? Theater. Sonntag halb 8: DieberkaufteBraut, Arbeitervor- st e l l u n g, halb 8: Martha, neuinszeniert, C 2.— Montag 7:Der Geizige, Theater- gemejnde der Jugend, Abonnement aufgehoben.— Dienstag halb 8: MariaStuart. A2.— Mittwoch halb 8: Venus in Seide, B 2.— Donnerstag halb 8: Die verkaufteBraut, C 1.— Freitag halb 8: M a r t h a, D 2.— Samstag halb 8: Die ersteLegion, DI.— Wochcuspielplan der Kleinen Bühne. Heute, Sonntag 3 Uhr: Die.spanischeFliege, 8: D a s unbekannte Mädchen.— Montag 8: Kameraden, Bankbeamten l— Dienstag 8: Kameraden.— Mittwoch 8: Kameraden, Bankbeamten H und freier Verkauf.— Donnerstag 8: Kind im Kampf.— Freitag 8: Der König mit dem Regenschirm, Theatergemeinde deS Kulturverbandes und freier Verkauf.— Samstag 8: Kameraden., Deutsche sozialdemokratische Bezirksorganisation Prag Donnerstag, 21. November 1935, um acht Uhr abends im Großen Saal des Gewerkschaftshauses, Prag I., Perstyn 11, Parteiversammlung mit Vortrag des Genossen Paul MalleS, Korrespondenten des„Socialdemokraten" Stockholm, über das Thema „Die Sozialdemokratie in den nordischen Ländern".« Vorträge Karin Michaelis »Leben und Treiben" Die dänische Dichterin ist der„Urania". Sie steht, im weißen Haar, die alte Dichterin und Kämpferin, und wie sie aussieht, was sie sagt, das wirkt alles«in bißchen märchenhaft, erinnert an den feinen, leisen, bittersüßen Geschichtenerzähler Nils Christian Andersen, Vorfahren und Landsmann der Karin Michaelis. Einer gespannt und andächtig lauschenden Zuhörerschaft erzählt die Dichterin von ihrem„Leben und Treiben", Karin Michaelis ist sehr viel herum- gekömmen, in Europa, in Amerika, auch"eistest Zipfel von Asien und Afrika hat sie erwischt— da gäbe es also allerhand zu berichten. Doch kein Land der Welt erscheint Karin Michaelis so wunderbar wie ihre Heimat Dänemark, wie die kleine Jcksel Thürö, wo sie schafft und den größten Teil des Jahres verbringt. Das Land Dänemark wird uns von der im besten Sinne befangenen und zugleich unbefangenen klugen Frau, die frisch, lebendig, auf eine wunderbar MNg-gebliebene Art redet, als Musterland hingestMt. „Wir haben 75 Jahre lang keinen Krieg gehabt. Das Geld, das andere Völker in ihre Rüstungen stecken, konnten wir zum Aufbau Dänemarks, zur Bekämpfung der Arbeitslosigkeit, zur Hilfe für die Alten und Arbeitslosen verwenden". Was Karin Michaelis hier mit berechttgtem Stolz preist, das ist die Leistung unserer Genossen, deren Politik auf jedem Gebiet soeben bei den kürzlich stattgefundenen Wahlen die überwältigende Zustimmung der dänischen Bevölkerung gefunden hat. Mit 65 Jahren, so hören wir. hat jeder in Dänemark, dessen Enckommen und Besitz eine bestimmte Vermögensgrenze nicht überschreitet, Anspruch auf Altersversorgung. Arbeitslosen-Unter- stützung erhalten alle, die sechs Wochen an einem Ort sind, ohne Beschäftigung gefunden zu haben. „Denke ich an meine Jugend", sagt die 65jährige Dichterin,„da gingen kleine Kinder in die Fabrik, die Alten und Siechen ins Armenhaus, vor dem sich alle fürchteten. Wenn ich sage, wir haben jetzt eine herrliche, eine wunderbare Regierung, so ist dies keine Uebertreibung. Heute stehen in den Armenvierteln Kopenhagens die herrlichsten Schulen für Proletarierkinder. Ich habe sie selbst gesehen. Sie sind eingerichtet mit Blumen und Bildern und vor allem— die Kinder bekommen dort jeden Tag nach Beendigung des Unterrichtes ihr Mittagsbrot. Wie die Schulen, so sind auch die Altersheime. Keine Stätten des Grauens mehr und der Verwahrlosung. Die alten Leute gehen gern dorthin.'Sie haben es so gut wie in einem Sanatorium. Man legt ihnen jeden Tag eine Speisekarte vor mit den verschiedensten Gerichten. Da dürfen sie sich wählen, wonach ihnen der Appettt steht.— Denkt man an das Elend der Welt, wer bekäme, nach den Worten Karin Michaelis, nicht Sehnsucht nach ihrem herrlichen Land Dänemark? Dann spricht die Dichterin von jener kleinen Insel, auf der sie lebt. Von Thurö. Mit seinen 1600 Bewohnern, deren männlicher Teil sich meist auf Seefahrt befindet. So kommt es, daß auf Thurö die Frauen regieren und ein strenges Regiment führen. Mit liebevollem Humor und einer Ironie ohne Bosheit malt Karin Michaelis nicht nur ihr Leben und Treiben, sondern auch jenes der Leute rings um sie. Wir aber wissen noch mehr von ihr, als sie uns verrät. Wir wissen sogar das, was sie verschweigt. Nämlich— wir wissen von ihrer großzügigen Hilfe für vertriebene deutsche Schriftsteller, Künstler und Gelehrte, von denen mehrere seit Beginn der braunen Barbarei Zuflucht und Obdach im Hause Karin Michaelis auf Thurö gefunden haben. U. a. auch Bert Brecht, der dort seinen Dreigroschen-Roman schrieb. Gerade weil wir wissen, was Karin Michaelis für ein tapferer und vorurteilsloser Mensch ist, hätten wir gern noch etwas über ihren Standpunkt zu den brennendsten Fragen des Tages— Krieg, Fascismus und Sozialismus gehört. Aber leider, vielleicht nicht ganz freiwillig, beschräntte sich die Dichterin auf einen kleinen Ausschnitt. Doch auch das war interessant und wesentlich. Wir freuen uns, daß Karin Michaelis kam. Wir danken ihr für das, was sie uns gab. GreteLivius- Vortrag über Kartelle des Direktors der „Gec" Großeinkaufs-Genossenschaft Kreisky, am Mittwach, dem 20. November, 8 Uhr abends, im großen Saal des Handwerkerheimes im Rahmen eines Vortrags-Zyklus des Allgemeinen Angestellten- Verbandes Reichenberg, Ort Prag II., Gäste aus befreundeten Organisationen willkommen; Ausweis notwendig. VMnsnathnchiin 8 pari■• Xörperpfiegr Die Schweizerischen Gerätrmeisterschasten 1935 wurden vor starkem Besuch in Schafisheim(Aargau) und Teilnahme der zwölf besten Kunstturner des Satus ausgetragen. Als Sieger und Meister ging der bestbekannte Paul Schori(Bümpliz) mit 39.2 Punften vor Ernst Krättli(Baden) mit 38.8 Punkten hevor. Schoris Einzelwertungen waren: Barren: 9.8, Pferd: 9.8, Freiübung: 10 und Reck 9.7 Punkte. Norwegens Arbeiterfußballer in Schottland und England. In Edingburg fand kürzlich ein Spiel zwischen einer schottischen und norwegischen Auswahlmannschaft der Arbeiterfußballer statt.Die Norweger gewannen das Match mit 5:2(2:1). Von Interesse ist daß die Schotten während des ganzen ,Spieles keinen Sttafstotz verursachten. Das zweite Spiel der Norweger ging in Newcastle vor sich, wo sie gegen eine englische Arbeitermannschaft mit 6:1 (3:0) siegreich blieben. Sozialistische Jugend, Kreis Prag Revolutionsfeier zum 18jährigen Bestand der UdSSR, am Montag, dem 25. November 1935, 20 Uhr im Urania-Kino, Klimentskä. Es Lust der Ruffenfilm:„DieErdedürste t", außerdem Kollektivreferat der neuen Spieltruppe der SJ-Prag aus„Zehn Tagen, die die Welt erschüttern". Eintritt KL 3.20, 4.20, 5.20.— Reinertrag zugunsten der Solidaritä^aktion der Arbeiterfürsorge.— Kartenvorverkaufrm Parteiheim. Freie Bereinigung sozialistischer Akademiker. Dienstag, den 19. November, 20 Uhr, Gruppenabend im Parteiheim, Narodni tk. 4. Genosse K. W. Deutsch spricht über das hochaktuelle Thema: „Umbruch in der sozialistischen Bewegung". Es wird vollzähliges Erscheinen unserer Mitglieder erwartet. Gäste willkommen. Allgemeiner Angestellten-Berband Ortsgruppe Prag. Monatsversammlungam Mittwoch, dem 20. November, 8 Uhr abends, im Hand- werkerheim. Vortrag.Kartelle". Nächste Versammlung am Sonntag, dem 1. Dezember, 10 Uhr vorm. Handwerkerheim. Am Samstag, d—> 23. November, 3 Uhr nachmittags in der Urania Vorführung des Schweizer Naturfreundefilmes„Empor zur Sonne". Karten im Vorverkauf sichern. Volksstnggcmeinde. Dienstag^7 Uhr Probe des Frauenchors, Dienstag J$8 Männerchor.— Um 7\ Uhr wichtige Ausschuß- s i tz u n g, Vorbesprechung für die Dezember-Akademie. der»TirCIfUCL« Heute, halb 11 Uhr vormittags:„Mit Jane Grey ins Reich der Meeresungeheuer".(Südsee). Jn-der Reihe„Spielfilme für die Jugend".-p Dienstag, 8 Uhr, liest Ernst Zahn aus eigenen Werken.—„Helenens Kinderchen", Kindernachmittag, M i t t w o ch, 3 Uhr. „Kinderkrankheiten im Herbst und Winter". Ihre Bekämpfung und Verhütung. Dr. Paul Gerstl, Kinderarzt. Donnerstag. 8 Uhr.—„Einführung in den Wintersport". Donnerstag, 8 Uhr. Richard Salzer und Affistentin Dr. Vogl: Psychographologischer Experimental-Vorttag:„Wie sieht der Schreiber aus? Wie erkenne ich meine Mitmenschen?"(Zugunsten der Arbeiterfürsorge.) Freitag, 8 Uhr. Masarhk-Volkshochschule ^.Der Film von gestern und hytte". Mon- t a g, halb 7 Uhr.—„Menschenkenntnis". Di. Fürst. M o n t a g, 8 Uhr.—.Tschechoslowakische Kunstgeschichte". Dr. Leopold Kreitner. I.„Romanische Epoche".(Zahlreiche Lichtbilder). M i t t- w o ch. 8 Uhr. „Die Kunst der freien Rede"« Dr. Fürst- Donnerstag.8 Uhr. Arania-Kino „Johanna, das Mädel aus dem Böhmerwald". Ewald Balser. Heute um 2, 4, 6 und viertel 9 Uhr. Der Nkm- „Kardinal Richelieu." Der Hauptwert dieses historischen Hollywood-FilmS besteht darin, daß er eine neue Rolle für den englischen Charakterdarsteller George A r l i ß hat, der als„eiserner Herzog" Wellington und als Rothschild berühmt wurde. Auch als Richelieu baut er wieder eine interessante Gestalt aus Würde, und Verschlagenheit, aus Energie und Gelassenheit auf, und auch hier wieder zeigt er in der,MaSke eines machtstolzen Mannes der Weltgeschichte das Gesicht eines Menschen, der lieber lächeln und sinnen als kämpfen und zerschmettern möchte. Aber der Film Lßt diesmal der Kunst des Schauspielers George Arlitz nicht Raum genug zur Entfaltung. Sie bleibt mehr als früher in den Verwicklungen der Handlung stecken, die auf billige Art abenteuerlich ist und Richelieu, den Begründer des französischen Absolutismus(und Ueberwinder des Ständestaates, der heute nach 300 Jahren wieder als modern angepriesen wird) im Kampfe gegen eine Adelsverschwörung zeigt, die sich der(vom König vergeblich begehrten)' Pflegetochter des Kardinals bedient, um gegen'ihn zu intrigieren, und die ein Attentat gegen ihn ins Werk setzt, um dann, wenn Richelieu sich tot stellt, den Sieg schon für sicher zu halten. Einem Kampf gegen solche Gegner fehlt notwendigerweise die dramatische Spannung, und einem Darsteller wie George Arlitz fehlt in der Söhar der Mitwirkenden auch das Gegengewicht. Der Regisseur RowLnd Lee war um historische Ausstattung und um die Pointen des Dialogs nicht ohne Erfolg bemüht.—eis— Filme in Prager Lichtspielhäusern Urania:.Johanna, dar Mädel aus dem Böhmerwald." D.— Adria;„Kardinal Richelieu." A. Georg Arliß.— Alfa:»Hergiß mein nicht." D. B. Gigli.— Avion:„Marktder Eitelkeit." A. Farbenfilm. Harlow.— Beranek:„Der König der Straße."— Fenix:„So mach ich eS." A. Mae West.— Flora:„M. R. Stefanik." Tsch.— Gaumont:„Der rote Reiter." D.— Hollywood: „Der rote Reiter." D.— Hvkzda:„Cucaracha." „Im Schatten der Wolkenkratzer." A.— Julis: „Musikus Florian." D.— Krnema: Journale, Grotesken, Reportagen.(Halb 2 bis%7.)— Koruna: „Cucaracha."„Der silberne Pfeil." A.— Kotva: „Die Kinderlose." Tsch.— Lucerna:„Die Kinderlose." Tsch.— Metro:„Der unbekannte Gast." Engl. Conrad Beidt.— Olympic:„Menschen in Weitz." A.— Passage:„Episode."©• Paula Wessely.— Praha:„General Dens Leidenschaft." A.— Radio:.Kleopatra."— Skaut: „Der König der Straße."— SvLwzor:„Episode." D. Paula Wessely.— Alma:„Tränen der Liebe." A.— Bajkal:„Weib und Hampelmann." A. Marlene Dietrich.— Belvedere:.Kleopatra." A.— Beseda:„Der erste Kuß." Tsch.— Carlton: „Der König der Straße."— Illusion:„Menschen in Weiß." A.— Lid» II:.Jahrhundert in Flammen."— Louvre:.Kleopatra." A.-p Maceska:„Der König der Straße."— Roxy:„D i e Hochzeitsnacht." A. A. Sten» G. Cooper.—' Sport:„Die blonde Carmen." D.— U Bejvodo: „D i e gackze Welt lacht." Russ.— Baldek: „M. R. Stefan».' Tsch.— Bi» Beletrhy:„Jahrhundert in Flammen." Handeln Sie energisch... Entscheiden Sie sich fest, daß Sie noch heute den ersten Schritt zur Rückkehr der Jugend, Kraft und Lebensfreude unternehmen, daß Sie noch heute mit einer ROGA-HORMON- Kur anfangen werden. • ROGA-HORMON ist ärztlich geprüft und empfohlen. • ROGA-HORMON bedeutet die‘Wie* dergeburt der Kraft und Jugend. • ROGA-HORMON gibt die männliche Energie wieder. • ROGA-HORMON schiebt die Zeit des Ueberganges bei Frauen hinaus und erhält die jugendliche Schönheit. ROGA-HORMON erzeugt Ph. Mr. J. Galär, Praha-KoSife, Plzeöskä tf. 138 Eine Probekur von 30 Stück kostet KC 25.—. Verlangen Sie unsere Broschüre„NEUE JUGEND" gratis von unserer literarischen Abteilung. ROGA-HORMON, Praha-KoSife, Plzefiskä tf. 138 Aerzte erhalten Muster gratis. den folgenden Apotheken: Erhältlich In Prag:„Adam“. II., Väclavskä näm. 8:„Kalina“, II., Väclavskd näm. 85;„Hynek“. I., Müstek 2; „Orient“, II., Hybernskä 20. gegenüber Abfahrt Masaryk-Bahnhof;„Beim Museum“, II., Väclavskä näm. 70; Teplitz-Schönau:„Beim schwarzen Adler“. Langeg.r Aussig:„Zum Adler“. Masarykstraße 55; Böhm, Kamnitz: Stadtapotheke: Brüx: Marlen-Apotheke: Reichenberg: Zentralapotheke. Schützenstraße; Hirsch berg: Apotheke Ph. Mr. Mära; Gablonz: In allen Apotheken: Brünn: Apotheke„Belm Bahnhof“. Maaaryk-Straßei Neustift-Apotheke. Hybeäova 6: Mährisch-Ostrau: Städtische Apotheke und„BeiS heiligen Prokop“; Olmütz: Apotheke„Zum goldenen Adler“, Denisova’ Preßburg: Apotheke„Zum roten Krebs“. Michalaks! Königgrätz:„Zum goldenen Löwen“. Velkä näm.» Tschechisch-Teschen: Apotheke„Zum Salvator“» Pardubitz: Apotheke„Zur Krone“: Pilsen: Vllfm. Tfida Csl. legil. Bezugsbedingungen: Bei Zustellung ins Haus oder bei Bezug durch die Post monatlich KL 16.—, vierteljährig KL 48.—. halbjährig KL 96.—, ganzjährig KL 192.. Inserate werden laut Tarif billigst berechnet- Bei öfteren Einichaltungen Preisnachlaß.— Rückstellung von Manuskripten erfolgt nur bei Einsendung der Retourmarken.— Die Zeitunasftankatur würde von der Vost- und r-le. 7 X graphendirektion mit Erlaß'Nr. 18.800/VII/IV30 bewilligt.— Druckerei:.Orbis'. Druck-, Verlags- und Zeitungs-A.-G., Prag.