Nr. 271 Donnerstag, 21. November 1935 15. Jahrgang Etatlprelt 70 Htfler (•iMchliaSllch S H«Har hdtj IENTRALORGAN DER DEUTSCHEN SOZIALDEMOKRATISCHEN ARBEITERPARTEI IN DER TSCHECHOSLOWAKISCHEN REPUBLIK ERSCHEINT MIT AUSNAHME DES MONTAG TÄGLICH FRÜH. REDAKTION UND VERWALTUNG FRAG XII., FOCHOVA 42. TELEFON 53077. HERAUSGEBER! SIEGFRIED TAUB. CHEFREDAKTEUR, WILHELM NIESSNER. VERANTWORTLICHER REDAKTEUR» DR. EMIL STRAUSS, FRAG. Schwere Kerker-Urteile In der Saazer Splonage*Affäre Kreisleiter der SHF zu zwölf Jahren verurteilt »Herzliche“ Antwort auf eine Ohrfeige Frankreich entschuldigt sich bei Italien I Paris.(Tsch. P. B.) Ministerpräsident »nd Außenminister Laval überreichte gestern abends dem italienischen Botschafter Cerntti die Antwort Frankreichs auf die vor zehn Tagen von der italienischen Regierung an alle Staaten, welche Sanktionen gegen Italien durchführen, gesandte Note. Die Antwort Frankreichs wurde nach einer mit England«nd mit vielen anderen Staaten getroffenen Vereinbarung redigiert. England hätte es bekanntlich vorgezogrn, daß eine gemeinsame Antwort aller 52 Staaten, welche die Sanktionen gegen Italien durchführe«, erfolge. Die Antwort Frankreichs ist kurz gehalten und umfaßt zwei, höchstens drei maschinengeschriebene Seiten. Sie soll in herzlichem Tone redigiert sein. Sie erinnert an die verschiedenen Phasen der Genfer Verhandlungen betreffend den italienisch-abeffinischen Konflikt«nd dir bindende Verpflichtung Frankreichs, als Mitglied deS Völkerbundes sich den vom Völkerbünde gegen Italien beschlossenen Maßnahmen anzuschließen. Die Rote bemerkt, daß die durch die solidarisch« Verpflichtung begründete Beteiligung Frankreichs an den Sanktionen nicht die freundschaftlichen Gefühle des französischen Volkes gegenüber dem italienischen schwächt. Widerstand wächst . Addis Abeba.(Tsch. P. B.) In der Provinz Gheralta sowie im Gebiet von Tembirn And Srire nehmen die Kämpfe immer größeren Umfang an. Die Bormarschhewegung der Italiener südlich von Makalle ist dadurch völlig behindert. Rach einer zuverlässigen Quelle sind von den abessinischen Truppen zirka 10.000 Mann an dem Kleinkrieg in kleinen Gruppen in diesen obge- vaunten Provinzen beteiligt. Am Webischrbeli- Fluß versuchten die Italiener vorzudringen, sie wurden aber auch hier zurückgewiesen. Südlich bin Makalle zeigten sich größere Bombengeschwader, die versuchten, den noch nicht beendeten Aufmarsch der Abessinier durch Bombenabwürfe zu beunruhigen. Der Regus ist mit unbestimmtem Ziel an die Front abgrflogen. Seine Abwesenheit wird nur kurze Zeit dauern, da es sich um eine Inspektionsreise handelt, um die strategische Lage r« überprüfen. Italienischer Heeresbericht Rom.(Heeresbericht Nr. 50). Die italie- vifchrn Truppen setzen ihre Säuberungsaktion in der Gegend von Tembirn fort. Rach den letzten Feststellungen hat sich ergeben» daß bki dem letzten Gefecht vom 11. November am Berge Gundi dir Feinde rund hundert Tote verloren haben. An der Somalifront werden die Sicherungsarbeiten in der Gegend von Gabredarre fortgesetzt. Im Tigrrgrbiet Haven die Flieger eifrige Äufklärungstätigkrit geleistet. (Zuerst haben die Italiener den abessinischen Verlust auf 5000 Tote beziffert!) 400.000 Bergarbeiter für den Streik London.(Tsch. P. B.) Das Ergebnis der Abstimmung über die Frage, ob die Bergarbeiter zu einem allgemeinen Streik zur Erzwingung ihrre Lohnforderungen bereit sind, wurde in der heutigen Sitzung des Vollzugsausschusses des BergarbriterverbandeS amtlich be- ianntgegeben. Danach haben sich 409.351 Bergarbeiter für und 29.215 gegen einen Streik aus-1 besprochen. Baldwin wird sofort von dem Ergebnis in Kenntnis gesetzt und zu einer frühestmöglichen Zusammenkunft mit dem Vollzugsausschuß «ufgrfordert werden. Demonstration vor der tschecho- slowaklschen Gesandtschaft In Warschau Warschau. Mittwoch abendS kam es vor der tschechoslowakischen Gesandtschaft in Warschau neuerlich z« Demonstrationen, bei denen einige Fensterscheiben des GesandtschaftsgrbäudeS rin- «eschlagen wurden. Brüx.(E. B.) Im Prozeß wegen der Spionageaffäre in Saaz-Weipert wurde heute beim Kreisgrricht in Brüx daS Urteil verkündet. Der Angeklagte Johann Sperk aus Saaz wurde zu 15 JahrenschwerenKer- k e r s verurteilt, der Angeklagte Friedrich Mayer, Landwirt, zu 14 Jahren schweren Kerkers, ferner dir Angeklagten K r a b e tz aus Saaz, der Schlosser Bruno Fritsch, der Chauffeur Adolf K ö st l e r aus Saaz, der Drechsler Josef Franke aus Saaz, der Hochschüler Heinrich Ntschig-Dietrich auS Saaz, der Hochschüler Karl Stäuber auS Rürschan«nd die 68 j ä h r. Theresia Krabetzz« 12 Jahren schweren verschärften Kerkers, der Hochschüler Wolfgang Richter aus Saaz, der Arbeiter Daniel Bayer aus Wripert und der Bäcker Emil Leicht aus Postelberg wurden freigesprochen. In der Urteilsbegründung gibt der Vorsitzende bekannt, daß dir Angeklagten unmittelbar mit einer fremden Macht in Verbindung standen, der sie verschiedene Gegenstände übermittelt Nanking.(Tsch. P.-B.) Im außenpolitischen Teil ferner auf dem Kuomintang-Parteitag gehaltenen Rede erklärte Marschall Tschangkai- schek u. a., China sei fest zum Widerstande entschlossen, wenn seine Souveränität angegriffen werde. Es sei zur internationale« wirtschaftlichen und politischen Zusammenarbeit jederzeit bereit, aber nur auf der Grundlage der gegenseitigen Gleichberechtigung.„Wir hoffen fest, daß der Frieds erhalten bleiben kann mrd wollen uns eines entgültigen Entschlusses enthalten, es sei denn, dieser Entschluß werde uns aufgezwungen." China strebe die Auswertung aller Friedensnwg« lichtesten an, doch habe der Friede auch seine Grenzen und im schlimmsten Falle müßten für ihn die höchsten Opfer gebracht werden- In hiesigen politischen Kreisen betont man, daß die Rede Tschangkaischels der Ausdruck einer neuenFormulierung der chinesischen Außenpolitik darstelle. Die Rede fand Anklang bei den Vertretern Südchinas und man erwartet jetzt die Aufnahme von Vertretern Südchinas in die Nationalregierung. Schanghai.(Reuter.) Di« Unabhängigkeitserklärung von Nordchina hat in Schanghai Erregung hervorgerufen. Das japanische Ultimatum i st abgelaufen, ohne daß irgendwelche Erwähnung über das neue Regime Paris. Mittwoch nachmittags trat der französische Ministerrat zusammen, um sich mit den Vorbereitungen zur Einberufung des Parlamentes zu befassen. Die Mitglieder der Linksparteien, welche dem Finanzausschuss« angehören, haben sich bisher mit der Regierung noch nicht geeinigt. Im Ministerratr wird außerdem über dir blutigen Ereignisse in Limoges verhandelt werden, die bisher noch nicht geklärt worden sind. Der Minister des Innern hat den Präfekten vop Limoges nach Paris berufen, damit er genaue Informationen über die Vorfälle erstatte. Dir Sozialisten, welche dieserhalb eine Interpellation eingerricht hatten, behaupten, die Linksfront sei von den Feuerkreuzlern angefallen worden. Der Vorsitzende der Feuerkreuzler, Oberst de la Roque, hat offene Schreiben an den Ministerpräsidenten und den Innenminister gesandt. Er gibt darin bekannt, daß die Feuerkreuzler angefallen worden seien. haben. Weiters wurde Friedrich Mayer wegen des Versuches zur Werbung falscher Zeugen verurteilt. Fritsch, der unter dem Namen„Der von der Heimatfront" bekannt war» war Kreis- leiterderSHF und hatte in der aufgelösten Kanzlei der Hakenkrenzler die Mitgliederliste der Hakenkreuzler abgeschrirben, um angeblich diese Mitglieder in die SHF zu überführen. Bei Mayer und Sperk wurde als erschwerender Umstand angenommen, daß sie beim Bund der Landwirte organisiert waren. Die Urteilsbegründung verwies auch noch darauf, daß es sich um ein gut organisiertes und verläßlich arbeitendes Spionagenetz handle. Die Angeklagten waren nach Paragraph 6(militärischer Verrat)«nd nach Paragraph 2(Schutzgesetz) wegen Anschlages gegen die Republik angeklagt. Die Angeklagten wurden nach Paragraph 6 verurteilt, nach Paragraph 2 aber ftrigesprochen. Gegen die frrispre- chenden Teile des Urteils erhob die Staatsanwaltschaft Einspruch, ebenso gegen die Freisprechung dreiet Angeklagter. Die Verteidiger reichten die Nichtigkeitsbeschwerde ein. gemacht wurde. Der allgemeinen Anschauung nach wird einerseits das Ergebnis der Unterredungen zwischen General Tschangkaischek und dem japanischen Botschafter in Nanking, andererseits das Verhalten der Provinzen Schantung und Schansi abgewartet, die nicht bereit sein sollen, einem autonomen Regime unter japanischem Einfluß zuzustimmen. In der Provinz Schantung soll der Kommandant der japanischen Abteilungen General Tada nicht beliebt sein. Peiping. Auf Instruktion von Nanking hin haben die chinesischen Behörden General Dois- hara Dienstag abends mitgeteilt, daß sie auf weitere private Verhandlung em verzichten müssen und daß die Verhandlungen nur auf amtlichem Wege, also zwischen der Regierung von Nanking und dem akkreditierten Botschafter Japans geführt werden. General Doishara hat Peking Mittwoch früh verlassen, nachdem die beiden von ihm zu einer Konferenz aufgeforderten Gouverneure von Hopei und Schantung sich geweigert hätten, in Verhandlungen mit ihm zu treten. Nanking.(Reuter.) Nach dreistündiger Konferenz mib Tschangkaischek erklärte der japanische Botschafter, er sei der f r e« n d s ch a f t- lichen Absichten der chinesischen Regierung Japan gegenüber versichert worden. In der Sitzung der Linksmitglieder des Finanzausschusses kamen sehr abweichende Ansichten zum Ausdruck und die Beschlußfassung wurde auf morgen vertagt. Die Sozialisten wollen dir Regierung Laval stürzen, die Kommunisten sind jedoch weniger entschieden und die Radikalen find sehr uneinheitlich. Der Radikale Klub, der nachmittags zusammrntrat, wünscht angesichts der gegenwärtigen unklaren Situation der ftuanziellen und innerpolitifchen Spannung kein« Regierungskrise hervorzurufrn. Er zieht es vor, die Verhandlungen mit der Regierung,«nd insbesondere mit dein Finanzminister, einem radikalen Senator, zwecks Erzielung eines Einvernehmens fortzusetzrn. Zwischen den Sozialisten und der Rechten dauert die scharfe Polemik über die Verantwortlichkeit an dem blutigen Zu- saminenstoß in Limoges an. Das zwiespältige Ergebnis der englischen Wahlen H. I., London. Es ist ein seltsamer Wahlausgang: er gibt den beiden großen Parteien reichlich Stoff zur Freude und zur Enttäuschung. Die Arbeiterpartei wird in nahezu dreifacher Stärke, mit mindestens 94 Mandatsgewinnen in das Unterhaus einziehen und dort praktisch die Opposition bilden, denn die Liberalen sind auf ein winziges Häuflein reduziert. Die Konservativen haben mindestens 74 Mandate und mehr als 1.5 Millionen Stimmen verloren, aber ihre„nationale" Regierung wird immer noch über die gewaltige Mehrheit von etwa 240 Mandaten verfügen! Das bedeutet, kurz gesagt, daß die abnormalen Folgen des„Erdrutsches" von 1931 be« seitigt sind, daß aber die Arbeiterpartei das Niveau ihres Triumphes von 1929 noch nicht wieder zu erreichen vermocht hat. Zwar übertrifft ihre Gesamtstimmenzahl, wenn man die Stimmen der seither abgespaltenen I. L. P. mitzählt, sogar den Rekord von 1929 noch ein wenig und ist mit bisher schon 8,430.320 die höchste, die in England je auf die Arbeiterpartei entfallen ist; aber sie hatte diesmal mehr Kandidaten im Feld; in den einzelnen Wahlkreisen konnte sie die Stimmen von 1929 nur in Ausnahmsfällen wieder gewinnen oder überschreiten. Vor einem Jahre noch schien sie über das Niveau von 1929 bereits hinausgekommen zu sein. Einig« Nachwahlen hatten Vorstöße in alten konservativen Besitzstand gebracht, der auch 1929 noch nicht angetastet worden war. Dies« Vorhutstellungen-find nun wieder verloren gegangen. Sie bilden die einzigen Labourverluste neben den vielen Gewinnen dieser Wahl. In diesem stimmungsmätzigen Rückschlag drückt sich die ungünstige wahltaktische Situation für Labour aus, die Baldwin herbeigeführt hatte, als er inmitten einer ernsten außenpolitischen Krise überraschend Neuwahlen ansehte. Der englische Durchschnittswähler, der im Kampf der überzeugten Parteigänger rechts und links den Ausschlag gibt» ist ein'überaus vorsichtiges und traditionsgebundenes Wesen. Immerhin war er im steten Lauf der Ereignisse allmählich zu der Labour-Politik der Friedenssicherung durch den Völkerbund und des entschiedenen sozialen Fortschritts auf demokratischem Wege bekehrt worden. In kritisier Zeit aber schreckt er vor allem Neuen zurück. Eine Labour-Mehrheit, eine« Regic- rungsumschwung in einer außenpolitisch so bedrohten Situation— das wollten gerade die 4000 oder 5000— vielfach auch nur 400 oder 500— Wähler in den einzelnen Wahlkreisen nicht riskieren, auf die es angekommen wäre, um die vielen großen Labour-Minderheiten zur Mehrheit zu machen und dadurch einen Erdrutsch nach links herbeizuführen, ähnlich dem vor vier Jahren nach rechts. Erleichtert wurde ihnen ihre Passivität noch dadurch, daß die Regierung ja wesentliche Teile des Labourprogramms adoptiert zu haben schien, vor allem in sehr eindrucksvoller Weise die Völkerbundpolitik, daß sie nn Wahlkampf Fine Reihe sozialer Maßnahmen versprach, die Verlängerung der Schulpflicht, öffentliche Arbeiten u. a. m,, so daß sich die Wahlplattformen der beiden großen Gegner an der Oberfläche recht wenig von einander unterschieden, nur daß Labour der„nationalen" Regierung den Willen und die Konservativen einer eventuellen Labour-Regierung die Fähigkeit zur Durchführung der so ähnliche^ Versprechungen bestritten. Unter diesen Umständen aber entschieden sich die Unentschiedenen für die Fortdauer des Alten— Baldwin hatte richtig gerechnet. Jeder nüchterne Beobachter wußte denn auch von vorneherein: um eine Labour-Mehrheit konnte es in d i e s,e m Wahlkampf nicht gehen. Was überrascht hat, war, daß sich auch diesmal, wie 1931, das englische W a h l s y st e m der relativen Mehrheit in ungleich großen Einzelwahlkreisen mit voller Stärke gegen d i.e A r b e iterpartei und für die Regierung ausgewirkt hat. 10^j Millionen haben nach den letzten Berichten für die Konservativen gestimmt, 11% Millionen für die Regierung Insgesamt; 8^ Millionen für die Arbeiterpartei, beinahe 10 Millionen für die gesamte Opposition. Während ein Konservativer im Durchschnitt mit rund 27.000 Stimmen gewählt ist, entfallen auf einen Labourabgeordneten durchschnitt« Asiens große Sphinx Marschall Tschangkaischek wird entscheiden: Einheit oder Kampf zwischen Nanking und Japan Klippen für Laval Die Unke wieder nicht einig Stile 2 Donnerstag, 21. November 1933 Nr. 271 lich mehr als 64.000— also mehralsdop« Pelt so viel l Daraus allein erklärt sich die immer noch so große Regierungsmehrheit, die durchaus im Widerspruch steht zu der Stimmung im Lande. In Wahrheit haben von je 20 Mählern 11 für die Regierung gestimmt, 8 für die Arbeiterpartei und einer für die übrigen Parteien. Die Wählerschaft zerfällt also in zwei große Lager zur Rechten und zur Linken. Die Wahlen haben den politischen Verfallsprozeh des Liberalismus(der geistig und kulturell allerdings weiter eine starke Kraft in England bleibt) wiederum ein gutes Stück weitergeführt. Die Partei Gladstones und Asquiths, die England bis in den Krieg hinein regiert hat, hat im ganzen Lande nur wenig mehr als eine Million Stimmen(von 31 Millionen Wählern) auf sich vereinigen können. Der bürgerliche Liberalismus ist auch in seinem Geburtsland politisch tot. Die unter den Schuh der Konservativen geflüchteten Nationalliberalen haben zwar etwas mehr Mandate, aber noch viel weniger Stimmen gerettet als die gesinnungstreuen Liberalen. Die zweite und noch viel verächtlicher« Hilfstruppe der„nationalen" Regierung, bestehend aus den Labour-Deserteuren von 1931 ist in den Wahlen nahezu völlig a u f gerieben worden. Nur„Jimmy" Thomas, einstmals ein populärer Arbeiterführer, heute streb- und klebsamer Dominionminister, hat sich von den bekannteren Leuten der Gruppe in das neue Parlament hinüberzuretten verstanden.! Macdonald aber, ihr Führer, und bis vor kurzem noch Premier-Minister, ist wahrhaft vernichtend geschlagen worden: Die Bergarbeiter von Seaham, seinem alten Wahlkreis, haben ihn mit Schimpf und Schande davongejagt und mit einer Mehrheit von über 20.000 Stimmen, die allgemeine Sensation hervorgerufen hat, den Labour- Kandidaten S h i n w e l l gewählt(Shinwell 38.380, Macdonald 17.882 Stimmen). Die Arbeiterpartei bringt durch ihre Wahlerfolge eine Reih« ausgezeichneter, erfahrener Parlamentarier, die 1931 ihre Sitze verloren hat, ten, wieder ins Unterhaus: Vor allem Herbert Morrison, Hugh Dalton, A. V. Alexander, H. B. Lees-Smith, I. R. C l y n e S. Zusammen mit den Führern der bisherigen kleinen Parlamensftaktion, dem greisen LanSbury(bezeichnenderweise einem der ganz wenigen, die ihre Majorität noch über 1929 hin- ouS steigern konntenl), Attlec, Cripps und Greenwood und vielen neugewählten jungen Abgeordneten werden sie ein gutes„Team" bilden, das der Regierung viel zu schäften geben dürfte. Die Kommunisten haben den einen Ihrer beiden Kandidaten— auS dem Bergarbeiterbezirk Fyfe in Schottland— ins Parlament gebracht. Daß sie diesmal von aussichtslosen Kandidaturen abgesehen haben, hat der Labour Party zu einigen Mandaten verhalfen(z. B. dem in Whitechapel). Di« Unabhängige Arbeiterpartei (I. L. P.) hat bewiesen, daß sie trotz ihrer Abspaltung von der Labour Party in Schottland über einen Stock treuer Wähler verfügt. Sie hat nicht nur ihre drei schottischen Mandate behalten, sondern auch noch ein viertes dazu erobert. In der englischen Politik dürste das Wahlergebnis wohl keine"großen Veränderungen mit sich bringen, wenngleich es zu einer Regierungsumbildung kommen wird. Insbesondere aber ist die Außenpolitik durch den Wahlausgang nicht berührt. Konsequente Völkerbundsaktion gegen den Friedensbrecher war das Programm nahezu aller Kandidaten auf beiden Seiten. Die verstärkte Labour-Opposition wird scharf darauf sehen, daß von dieser politischen Linie nicht abge wichen wird. Im übrigen stehen ihr Jahre des parlamentarischen Kampfes um Arbeiterrechte und gegen politisch und sozial reaktionäre Tendenzen bevor. Justizminister Dr. D ö r e r und Unifizierungsminister Dr. S r a m e k und nach ihnen die Vertreter der einzelnen Ministerien Berichte über den Stand der Unifizierungsarbeiten ab. Ueber diese Erklärung wird in der nächsten Sitzung eine Debatte abgeführt werden. Erhöhter Bahnschutz Im Teschener Gebiet Brünn. Die Staatsbahndirektion in Brünn teilt mit: Montag nachmittags fuhr ein Teil der Eifenbahnwächt-Abteilüng Nr. 1 aus Lündenburg und Nr. 6 aus Brünn nach Tschechisch-Teschen ab, wo diese beiden Gruppen mit einem Teil der Eisenbahnwachtabteilung Nr. 3, die Wachtabteilung Nr. 12 bilden werden. Die Mitglieder der Wachtabteilungen fuhren in voller Ausrüstung und in Begleitung einer ihnen zugeteilten Sonderabteilung von Diensthunden mit ihren Führern. In Mähr.-Ostrau ergänzte die bewaffnete Eisenbahnwachtabteilung Nr. 12 ihre bisherige Ausbildung durch Vorträge von Polizeibeamten und durch Scharfschieß« Übungen. Aufgabe dieser neue» Wachtabteilung ist die Sicherung deS Eisenbahnbesitzes und Erhöhung der Verkehrssicherheit auf der Strecke Oderberg— Tschechisch-Teschen— Cadca. Die Angehörigen der Wachtabteilung sind durchwegs ausgediente Soldaten. Die Abteilung u.achte einen sehr guten Eindruck und erregte auf der Fahrt, namentlich in Tschechisch- Teschen, die Aufmerksamkeit der Bevölkerung. Die konstituierende Sitzung deS Beirates für die Reinhaltung der Wasserläufe beim Landwirtschaftsministerium fand im großen Sitzungssaal dieses Ministeriums am 20. d. M. unter Teilnahme von Vertretern des Handelsministeriums, der Ministerien für öffentliche Arbeiten, für öffentliches Gesundheitswesen und des Innern, der Landesbehörden, der staatlichen hydrologischen, meteorologischen und Sanitäts-Institute, der landwirtschaftlichen Forschungsinstitute, der Hochschulen und ihrer zuständigen Institute, Wester der Korporationen und Organisationen der Industrie, der Landwirtschaft und der Selbstverwaltung statt. Das Landwirtschaftsministerium als oberste Wasserrechtsbehörde ging nach den Erfahrungen mit den ungünstigen Wirkungen der katastrophalen Dürre in den letzten Jahren auf den Stand unserer Wasserläufe und hauptsächlich ihrer Reinheit an die Lösung des akuten Problems der Reinheit unserer Wasserläufe heran und schafft zu diesem Zwecke einen Beirat, mit besten Beihilfe die Unterlagen und Behelfe für die Lösung der zahlreichen mit dem Problem der Reinheit unserer Wasserläufe zusammenhängenden Fragen gewonnen werden sollen:. Bürgermeisterwahl in Ostra«. Mittwoch nachmittags fand in M.-Ostrau die konstituierende Sitzung der neugewählten Stadtvertretung stast. Zum Bürgermeister wurde mit allen 60 Stimmen Senator Josef Chalupnik stsch. Sozialdemokrat) gewählt. Es wählten 31 Mitglieder deS sozialistischen Blocks, 18 Angehörige des bürgerlichen Blocks und elf Angehörige der Wahlgemeinschaft. Zum ersten Stellvertreter wurde mit 33 Stimmen der Industrielle Jan Geisler(Nationale Vereinigung), zum zweiten Stellvertreter Dr. FrantiSek- Mrüzek(tsch. Nationalsozialist) mit den 31 Stimmen des sozialistischen Blocks gewählt. Der neugewählte Bürgermeister verlas sodann ein Huldigungstelegramm an den Präsidenten Masaryk, besten Absendung unter stürmischer Akklamativn beschlossen wurde. Beginn der Budgetdebatte Im Ausschuß Einleitendes Referat des Generalberichterstatters RemeS Mittwoch nachmittags trat der Budgetausschuß des Abgeordnetenhauses in Anwesenheit des Ministerpräsidenten Dr. H o d z a und des Finanzministers Dr. T r a p l zu einer Sitzung zusammen, in der die Debatte über den Staatsvoranschlag für 1936 eröffnet wurde. Anwesend waren auch die Budgetreferenten der einzelnen Ministerien. Zunächst erstattete Generalreferent Abgeordneter R e m e 6 einen einleitenden Bericht über den Staatsvoranschlag und das Finanzgesetz. Remes begründet die späte Vorlegung des Budgets damit, daß erst die langwierigen Verhandlungen über die Herabsetzung des Zinsfußes, mit der das Budget bereits rechnet, beendet werden mußten. Jedem verantwortlichen Menschen, der die Staatswirtschaft näher kennt, sei eS klar, daß der Staat eine weitere Erhöhung derAus- gaben nicht vertrage. Schon durch einige Jahre hindurch gehen wir über die Grenzen unserer Möglichkeiten hinaus. Die bisherigen Erfahrungen zeigen, daß die Budgetschätzungen nicht genau sind. Die Abgänge aus der Wirtschaft der Jahre 1930 bis 1933 betragen im Erfordernis 6111 MU» lionen. Das Jahr 1934 hat infolge einiger günstiger Umstünde im ganzen sehr gut abgeschnittrn, d. h. mit einem Defizit von 341 Millionen. Im Jahre 1935 werden wir diese günstigen Umstände schon nicht mehr verzeichnen können, so daß wir das Defizit auf 1300 Müionen schützen müsse«. Die erhöhten Ausgaben wurden zu 90 Prozent durch Schuldenmachen gedeckt. Auf Schuld könne man nur bis zu einer gewissen Grenze wittschaften und diese Grenze hält der Referent schon für überschritten. Die Einnahmen des Budgets find s e h r opti- m i st i s ch eingeschätzt. So wurde z. B. im Vorjahre der Ertrag der Staatsunternehmungen mit 1086 Millionen eingeschätzt: in den ersten neuen Monaten deS heurigen Jahres find aber nur 459 Millionen eingegangen, während die budgetmäßige Quote 791 Millionen betragen müßte. Der wirkliche Ertrag der StaatSbettiebe wird also Heuer stark hinter dem Voranschlag zurückbleiben und auch im Jabre 1936 dürfte es nicht anders sein. Der Referent hat auch kein großes Zutrauen in die günstige Entwicklung der direkten Steuern und verspricht sich von einer Novellierung deS Gesetzes über die direkten Steuern keine besonderen Ergebnisse. Dir Ausgaben von 8033 Millionen leinhalten »och keineswegs die ganze den Steupstkägern ausgebürdete Last. Wir finden im Finanzgesetz Ermächtigungen zu Kreditotzerationea, die einen Betrag von 1180 Millionen repräsentieren, und außerdem find noch di« Zuweisungen an di« Telbstverwal- tungSkörprr zu berücksichtigen, so daß fast eine Belastung von 12 Milliarde» Kd für unsere Wirtschaft berauSkommt. Der Staat als Arbeitgeber zahlt jährlich a« Gehalten und Pensionen seine» Angestellten 8766 Mllionen aus. Der Referent beschwert sich u. a-, daß bei gewissen Faktoren der Wille fehlt, die notwendige Reform der Staatsverwaltung wirklich vorwärts zu bringen. Er befaßt sich dann mit dem Problem der S t e u e r r ü ck st ä n d e und dem Plan des Finanz- ministerS zu ihrer Liquidierung. Er erklärt, daß nur eine individuelle Lösung durch Verhandlungen mit den Steuerttägern möglich sein werde. Man werde die Finanzämter der ersten Instanz, die den Steuerträger kennen, damit beauftragen müssen. Eine zweite, nicht minder wichttae Frage sei eL. wie man verhindern könne, daß sich nicht eine neue Pyramide von Steuerrückständen auftürmt. In Besprechung der Ausgaben für den Schuldendienst erklärt Re- mes die Höhe der nichtkonsolidierten Schuld von 7460 Millionen für eine bedenkliche Erscheinung. Bon der Finanzverwaltung verlangt er, daß sie die geeigneten Methoden finde, um eine Atmosphäre des Vertrauens zwischen Finanzverwaltung und Steuerträger zu schaffen. Um dies zu erreichen, müsse sie auch di« p s y cho- logische Seite dieses Problems berücksichtigen. RemeS weist u. a. auf ein Hintertür! im Gesetz über die direkten Steuern hin. daß nämlich bei den Bankdirektoren und Direktoren der Jndustrieunterneh- mungen der eigentliche Gehalt nur mit 100.000 Kö kestgesetzt wird, wozu dann oft das Vielfache dieses Betrages in Form von ,Entloh n u n g e n für außerordentliche Leistungen" hin- zukommt, die der Einkommensteuer nicht unterliegen. Er wünscht überdies dem Finanzminister, daß er mit seiner Steuerverwaltung auch derartige Unannehmlichkeiten im Kontumazverfabren bätte. wie viele Tausende gewöhnlicher Sterblicher. Der Effekt ist dann immer eine Erschütterung des VettrauenS in di« Objektivität der Finanbehörden und damit der Steuermoral. Diese Erscheinungen müsse die Finanzverwaltunq um jeden Preis besei- ttaen. Der einzige Weg sei für die kleinen Steuerträger die Pauschalierung der Steuergrundlage für zwei bis drei Jabre im gegenseifigen Einvernehmen. Die Finanzverwaltung würde dann Zeit zur qualitativen Besteuerung der großen Steuerträger gewinnen. Auch die Steucrverrechnung müßte vereinfacht werden. Abschließend ermabnt der Referent dl- einzelnen Ressorts, nichl zu vergessen, daß die bewilligten Mittel nur mit ungewöhnlichen Schwierigkeiten und Opfern der Steuerträger beschafft werden können. Er empfiehlt schließlich, das vorgelefte Budget zur Grundlage d-r Verhandlungen zu nehmen. Das Referat wurde mit Beifall ausgenommen. Dann ging der Ausschuß in die Generaldebatte über das Budget ein. Erster Redner war der ftchechische Nationalsozialist Dr. Klapka. » Vie Gasmasken-Affäre vor dem WehrausschuB Der Wehrausschuß des Abgeordnetenhauses verhandelte am Mittwoch in vertraulicher Sitzung die Angelegenheit der Gasmaskenlieferung der neugegründeten Firma Fatra. Wir haben schon seinerzeit über die Angelegenheit berichtet. Da die Verhandlung vertraulich war, muffen wir uns auf die Wiedergabe des offiziellen AusschuhberichteS beschranken." Detnnach wurde diese Angelegenheit sehr ausführlich untersucht. An der Debatte beteiligten sich fast alle Mitglieder deS Wehrausschusses. Für die Militärverwaltung gaben Minister M a ch n i k, der Stellvertreter des Generalstabes, General H u s a r e k und der Vorsitzende der Rüstungssektion General N e t i k Erläuterungen. Das Vorgehen der Militärverwaltung wurde als korrett anerkannt und einmütig konstatiert, daß weder die Armee noch der Staat geschädigt wurden. de Im Senat entspann sich im verfassungsrechtlichen Ausschuß auf die Initiative des Ausschußvorsitzenden Dr. Milota hin eine Debatte über das Problem der Unifizierung, zu der Vertreter aller Ministerien eingeladen waren. Nach dem einleitenden Referat des Vorsitzenden gab V N 51 ER g|Gjl •Sil CHT 8 Roman von Karl Stym Copyright by Eugen Prager-Verlag, Bratislava Vor einer Tür bleiben wir stehen. Fogger Schorach hebt langsam den Kopf. Seine Augen suchen von Fenster zu Fenster. Über uns wird eines aufgerissen. Ein Frauenkopf beugt sich heraus. Ich sehe nur zwei große, furchtbar erschrok- kene Augen und einen zum Schrei geöffneten Mund. Das Fenster fliegt zu. Die Scheiben klirren in den Hof herunter...• „Josch!!“ Josch Miihlers Weib steht in der Tür. Ich trete einige Schritte zurück. Vielleicht habe ich Angst. Ich weiß es momentan wirklich nicht. Die Frau spreizt die Hände an die Türbalken. Es hat den Anschein, als wolle sie sich auf uns stürzen. Ihr Gesiebt ist wie ein verwaschenes Tuch. Nur die Augen darin haben Leben. Sie fiebern. So steht sie eine Weile. Fogger Schorach tritt zu ihr. „Mühlerin, ich kann nicht dafür!“ Das Weib zuckt zusammen. Ihre Hände fliegen hoch. „Du?!" Noch nie habe ich in Augen soviel Haß und Verzweiflung gesehen. „Mühlerin!“ Foggers Stimme ist weich, fast bittend. Das Weib stößt ihn zur Seite und reißt den Wagen auf. „Tot!— Ganz tot!“ Sie sieht über den Toten hinweg, als suche sie irgendwo jemand, der ihr sagen könnte, es sei alles nicht wahr. Die Köpfe der Umstehenden ducken sich. Die suchenden Augen werden trübe, der harte Mund weich und zuckend. Sie weint— Ich drehe mich um und gehe. Ich bin mit bestem Willen nicht mehr imstande, die Unglückliche anzusehen. Draußen hinter der„Rolle“ lehne ich mich an einen Baum und sehe zurück. Die Sonne flimmert hell über die verrußten Dächer. Aus den Kaminen steigt der Rauch kerzengerade in die Luft Das ist die„Rolle“— Man mag sie ansehen wie man will, sie zeigt immer das gleiche Gesicht! Graue Höfe, dumpfe Stuben, unterernährte Kinder, in fahlen Gesichtern entzundene Augen. Hier gibt eä keine Jugend. Geburt und Tod und dazwischen schablonisiertes Elend. Ein Leben gleicht dem anderen. Fünfzehnhundert Menschen haben nur ein Schicksal. Der Junge ist vom Schulpack weg Mann und das Mädchen Weib. Hier hört ihre Entwicklung auf, nur ihre Körper wachsen fort, in die Arbiet hinein. Das ist unser Gesicht! Lacht es, so ist’s eine Fratze. Weint es, do ist’s auch eine Fratze. Lachen und Weinen ist uns gleich nahe, ebenso Beten und Fluchen. Unser Gesicht kann durch nichts schöner oder häßlicher gemacht werden! — Dort drüben, in einer engen Stube, liegt jetzt ein toter Kamerad. Vor dem Fenster spielen und lachen Kinder. Der Bärentreiber wird einige Häuser weitergehen und dann wieder zu seiner Pauke summen und den Bären tanzen lassen, als sei nichts geschehen. Nichts?!— Ein Bergmann ist erschlaget) worden! Nur einer— und es leben noch fünfzehnhundert dort. Fünfzehnhundert können doch nicht wegen eines weinen... Morgen wird in den Zeitungen zu lesen sein: „Der Hauer Josef Miihler ist bei der Arbeit unter Tag tödlich verunglückt Er hinterläßt eine Witwe und zwei Kinder." Darunter aber steht vielleicht ein, spaltenlanger Artikel über den Versuch einer Pariser Dame, buntfarbige Zehennägel als neueste Mode zu kreieren.., Ich gehe langsam weiter, mit dem Empfinden, fremde Füße in den Gelenken hängen zu haben. Ich bin furchtbar müde. Und doch ist heute Sonntag! Martha—• Ich habe sie drüben in der„Rolle“ gesehen und fühle jetzt noch ihre großen, ängstlichen Augen auf meinen blutige» Händen. Martha lacht so fürs Leben gern. Ihr Lachen ist so schön, so jung und so gut Heute aber Jcönnte ich es nicht ertragen... Am nächsten Tag sagt Drach: „Ich glaube, der Josch ist vorläufig für mich gegangen." „Vorläufig?“ fragt Uhu. „Ja!— Sieh mal!“ Drach macht sich schmal, zieht die Achseln hoch, räus* pert sich und spuckt aus. Blut!— Drach lächelt dünn. „Jetzt geht’s bergab!— Mit jedesmal Spucken fliegt ein Stückchen Leben mit Je mehr ich spucke, um so früher ist’s gar. Eigentlich ist das praktisch; ich kann mir so genau meinen Tag bestimmen. Ein Freitag muß es sein, weil dann am Sonntag das Begräbnis ist und ihr alle mitgehen könnt, ohne eine Schicht zu verfeiern!“ Drach hat ruhig gesprochen. Nur seine Augen zwinker* ten. Das ganze soll natürlich als Witz gelten. Aber irgend etwas in dem Witz tut weh. Ich weiß nicht ist es die Stimme oder die braunrote Spucke vor meinen Füßen. Hell kennt unsere Art, wie wir über Dinge sprechen, die andere ängstlich meiden, noch nicht Er faßt entrüstet Drachs Arm. „Mensch, du gehörst doch nicht hier herein!“ Drach lächelt wieder. Ein brüchig verzerrtes Lächeln- Die Oberlippe zieht er dabei hoch. Darunter leuchten die priemgelben Zähne unnatürlich grell. Nr- 271 Donnerstag, 21. November 1935 Seite 3 fudctendeutsdm Zcitspicget Was braucht die Selbstverwaltung? Voranschlagsdebatte In der Landesvertretung SdP stimmt für das Budget Prag. Die Generaldebatte über das Landesbudget 1938 wurde Mittwoch von dem tschechischen Agrarier Dr. S y ch r a eingeleitet, welcher in seiner Rede in bemerkenswerter Weise auf das Verhältnis"'zu den Deutschen einging und einen Trennungsstrich zwischen den demokratisch und den nicht demokratisch Eingestellten zog. Bon deutscher Seite sprachen Mittwoch nur der Hen- leinmann Westen, welcher die Verlesung seiner Rede mit der Erklärung schloß, daß die SdP für das Budget stimmen werde, obwohl sie auf feine Zusammenstellung keinen Einfluß nehmen konnte. Nach der wütenden Kritik, welche die SdP außerhalb der Landesvertretung an der Arbeit der andern Parteien übt, wirkte diese neue.Loyali- tätS"-Kundgebung reichlich überraschend und wurde dementsprechend mit stiller Heiterkeit ausgenommen. Vor einem stark besetzten Haus sprach für die deutschen Sozialdemokraten Genoffe Dr. Strauß. Es waren besonders seine Ausführungen über das Elend im deutschen Gebiet, welche von den Anwesenden mit allergrößter Aufmerksamkeit ausgenommen wurden und starken Eindruck hinterließen. Dr. Strauß bemängelt eS zunächst, daß die Landesvertretung erst ein halbes Jahr nach ihrer Wahl zu ihrer ersten Arbeitssitzung zusammentritt, weil dadurch der Einfluß der Landesvertreter auf die Landesvertretung ausgeschaltet wurde. Die Mitarbeit der Vertreter der Bevölkerung ist aber in der Landesverwaltung von großer Bedeuttung, denn die Landesvertreter kennen die Bedürfnisse der Bevölkerung nicht so wie die Beamten nur aus der Aktenlage, sondern auch aus eigenen Anschauungen. Gerade deswegen muffen die Landesvertreter die Brrrinfachong der Verwaltung und die Beschleunigung des Verfahrens fordern, denn eine rasche und klaglose Verwaltung bedeutet vielfach Glück und Zufriedenheit für jene Menschen, die mit der Landesverwaltung in Berührung kommen und an sie gewiffe Forderungen zu stellen haben. Wir brauchen eine demokratische und moderne Verwaltung, die rasch arbeitet und deren Beamte immer das Wohl der Bevölkerung vor Augen haben. Wir begrüßen daher auch vom Standpunkt der Landesverwaltung die Aeußerungen, welche der neue Herr Ministerpräsident jüngst zu den KoalitionSjournali- sten getan hat und die dahin lauteten, daß die Demokratie hinsichtlich ihrer Beweglichkeit und ihres schnellen Handelns die Konkurrenz mit den Diktaturen bestehen müffe. Die erste bedeutende Arbeit der neuen LandeS- vertretung ist die Beratung des Landes» b u d g e t s. Obwohl sich der Haushalt des Landes im Gleichgewicht befindet und sogar einen kleinen Ueberschuß aufweist, wäre es ein Fehler, die Landeswirtschaft allzu optimistisch zu betrachten. Der Rückgang der Landeseinnahmen— die S t e u e r- grundlage i st in den Krisenjahren auf etwa 60 Prozent gesunken— hat zu einer Einschränkung der Lan- deswirtschaft und damit auch zu einer Einschränkung der wirtschaftlichen, sozialen und kulturellen Aufgaben des Landes geführt. Trotzdem das Land das außerordentliche Budget, welches Investitionen für den Betrag von 44 Millionen Kd vorsieht, nicht bedecken kann, müffen diese Investitionen mit Rücksicht auf die noch immer große Arbeitslosigkeit durchgeführt und die notwendigen Kredite beschafft werden. Die Ersparnisse, die das Land durch die Herabsetzung des Zinsfußes erzielen wird, müssen zur Deckung unbedingt notwendiger Ausgaben und vor allem zur Erhöhung der Ausgaben für die Jugendfürsorge verwendet werden. Die Landesvertretung muß sich aber auch bei der Beratung deS Voranschlages mit der noch kritischeren Lage der Finanzen der Bezirke und Gemeinde« befassen. Alle Novellen zum unglückseligen Finanzgesetz von 1927 werden überholt durch die Senkung dgr Einnahmen der niederen Selbstverwaltungskörper. Trotzdem wir seit April ein E n t s ch u l« Juristische Schachzüge gegen die Tellnltser Arbeiterschaft Versagt die behördliche Autorität? (E. B.) Nachdem Dienstag die Enquete im Handelsministerium die tatsächlichen Verhältniffe geklärt hat, wobei die Porzellan-Industriellen keinesfalls gut abgeschnitten haben, wird nun versucht, durch juristische Winkelzüge zu erreichen, was mit der Logik der Tatsachen nicht zu erreichen war. Wie wir erfahren, soll folgendesMätz- ch e n bei der Vernichtung der Existenz von 200 Arbeiterfamilien helfen: Bei der Versteigerung haben die Tellnitzer Keramischen Werke die Fabrik zwar ersteigert, doch diese Ersteigerungist noch nicht rechtskräftig geworden, weil der Konkurs- Schuldner, der frühere Besitzer, gegen den Zuschlag Rekurs eingelegt hat. Den Rekurs begründet er mit angeblichen Formfehlern in dem Verfahren, ein Einwand, dessen Berechtigung aber bereits in piederholten Fällen vom Obersten Gericht verneint wurde. Da er Armenrecht besitzt, kommt es ihm auf einen Prozeß mehr oder weniger nicht an. Auch dieser Rekurs wird zwar abgelehnt werden, aber in der Zwischenzeit erheben sich für die Weiterführung beS Betriebes erhebliche Schwierigkeiten, falls das Handelsministerium sich den Einwand zu eigen macht, daß es nicht entscheiden könne, solange die Versteigerung nicht in Rechtskraft erwachsen ist. Solcher Verschleppungstaktik ist entgegenzuhalten, daß ja trotz dem Rekurs der B e t r i e b übergeben worden ist und daß es durchaus dem Willen des Gesetzgebers entspricht, wenn aus Grund der Stillegungsverordnung Vorsorge getroffen wird, daß die Arbeiter, die jene Verordnung ja schützen will, in der Zeit, da der Rekurs läuft, keinen Schaden erleiden. Jedenfalls muß verlangt werden, daß daS Ministerium einen so fadenscheinigen und aus Rechtsbeugung abzielenden Einwand ablrhnt. Es besteht leider die Befürchtung, daß beim Handelsministerium Neigungen bestehen, auf diese Weise einer sachlichen Entscheidung auszuweichen. Die Nervosität bei den betroffenen Arbeitern ist um so größer, als die AussigerBezirks- b e h ö r d e einen Wink erhalten zu haben scheint, die Keramischen Werke nicht zur Betriebsaufnahme zu zwingen. Was nützt aber dann die schöne Verordnung der letzten Woche, wenn die Behörde keine Machtmittel einsetzt, um ihrem Willen Geltung zu verschaffen?! Und was sollen die Staatsbürger von den Gesetzen«nd von der Autoritätdesdemokratischen Staates halten, wenn mäch- ttge politische Behörden ihren Entscheidungen keine Geltung verschaffen wollen oder können und wenn die Kapitalisten sich um daS Gesetz nicht mehr kümmern als um die Weisung eines tibe- tanischen Lamas! Der Existenzkampf der Belegschaft des Elektra-Schachtes Am Mittwoch, dem 30. Oktober, sind, wie noch erinnerlich ist, die Häuer des Elektra» Schachtes in Ukkern nicht eingefahren, weil die Betriebsleitung vier Feierschichten einlegen wollte. Nach dreistündigem Streik erklärte dann der Betriebsleiter, daß weiterhin drei Schichten gearbeitet werden wird. Auf diese Erklärung hin nahmen die Häuer die Arbeit wieder auf. In der darauffolgenden Woche aber hieß es neuerlich, daß pro Woche nur zwei Schichten gefördert werden können. Diese Hungermaßnahme des Herrn Direktors Schauberger erregte den begreiflichen Unwillen der Belegschaft und zum Zeichen des Protestes blieben die Häuer am 6. November in deG Grube. Nm jedoch die für den 8. November vom Revierbergamt anberaumten Verhandlungen nicht zu erschweren, ist die Belegschaft am 7. November um 11 Uhr vormittags wieder ausgefahren. Die Verhandlungen am 8. d. M. zeitigten das sehr magere Ergebnis, daß für die kommende Woche eine dreitägige Förderung zugesagt wurde. Ansonsten beharrte Direktor Schauberger auf seinem Standpunkt, daß er keine Privataufttäge habe und daß die Staatslieferungen nur für zwei Förderschichten hinreichen. Es wurde dann bei Weimann in Aussig und im Eisenbahnministerium wegen größerer Zuweisungen interveniert. Der Sekretär des Weimann-Konzerns erklärte, sich dafür einsetzen zu wollen, daß die Zuweisungsquote um 6 Waggons erhöht werde. Im Eisenbahnministerium versprach man lediglich, das auf den Slektra-Schacht gemäß dem Belegschaftsstande entfallende Quantum weiterhin abzunehmen. Für heute, Donnerstag, wurden neuerliche Verhandlungen beim Revierbergamt in Komotau angesetzt. Inzwischen aber hat Direktor Schauberger bei diesem Amt um die Baufrist, d. h. um die Einstellung des Betriebes ängesucht. Gleichzeitig wurde mitgeteilt, daß auch diese Woche wieder nur zwei Schichten gefördert werden sollen. Damit ist klar geworden, was Herr Schauberger eigentlich will. Selbstverständlich, daß sich die Bergarbeiter gegen den Plan, im Interesse deS dreimal geheiligten Profits ihre Existenzen zu opfern, mit aller Entschiedenheit zur Wehr setzen. gemeinschaft verstehen, von der ihre Partei, die Henleiwbewegung, heute so viel spricht. Notttandsunterrtützungen — und für wen? Im landwirtschaftlichen Ausschuß kam unlängst auch die NotstandsMtterstützung für die durch die Trockenhett geschädigten Gebiete zur Sprache. Die heurigen Trockenheitsschäden sollen nach den Ausführungen des Landwirtschaftsministers lj£ Milliarden KC betragen. Insgesamt sollen 1.3 Millionen Hektar in 192 Bezirken .betroffen, worden sein, Ration allein 96 Bezirke in Böhmen. Zur Unterstützung sollen unter anderem etwa 10.000 Waggons Getreide für Futter- und Saatzwecke beigestellt werden zum Preise von 130 KL pro Meterzentner. Hiezu ist einmal zu sagen, daß um 130 KL kein Kleinlandwirt Futtergetreide kaufen kann. Könnte er so viel Geld aufbringen, dann würde er sich wohl lieber die im Preise annehmbaren Sorten an Kraftfuttermittel kaufen, die ebensoviel oder nicht viel mehr kosten, aber einen weit größeren Nährwert haben. Schon damit ist dar getan, daß die ganze Aktion weniger den bedürftigen Viehzüchtern, dafür aber viel eher dem Ge- treidemonopol helfen soll, damit es seine Getreidevorräte zu hohen Preisen an den Mann bringt. So wird aber die ganze Aktion ihr Ziel verfehlen. Sie könnte nur dann erfolgreich sein, wenn man Futtergetreide, ebenso Kleie und Futtermehl um etwa 30 bis 40 KL im Preise billiger in die Notstandsgebiete abgcben würde. Zu diesen ermäßigten Preisen könnten die notleidenden Viehzüchter— bei weitem nicht alle — einigermaßen ihren Bedarf decken. Was geschieht aber mit den völlig mittellosen Klein- lan d w i rt e n, die ihr letztes Vieh verkaufen müffen oder schon verkauft haben? Hier wären billige Futtermittel beizustellen und auf längere Zeit zu kreditieren. In diesem Sinne hat Genoffe I a k s ch in der Sitzung des landwirtschaftlichen Ausschusses das Getreidemonopol einer scharfen Krittk unterzogen und eine soziale Agrarpolitik verlangt. Bei der Behandlung der Notstandsunterstützungen hat sich aber noch etwas anderes herausgestellt. Die tschechischen Agrarier verlangen nämlich bei der Verteilung der Notstandsuntcr- stütznng die Bevorzugung von Bezirken Inner- böhmenS und OstböhmenS, wo die Mißernteschädcn viel geringer oder gar nicht vorhanden sind. Und warum das? Anscheinend brauchen einige höhere agrarische Funktionäre eine Auffrischung ihrer. Reputation, die mit sechs Millionen auS de« Notstandsgeldern erreicht werden soll. So dient der Notstand in den deutschen Gebieten gewissen Po- litikern dazu, um sich bei ihren Wählern, die vom Notstand gar nicht betroffen sind, in ein schönes Licht zu stellen. So benützt diese Partei jede Gelegenheit, um auf Kosten der Allgemeinheit politische Geschäfte zu machen. Zu der Verteilung von Notstandsunterstützungen ist im allgemeinen noch zu sagen, daß alle Aktionen immer wieder Unzufriedenheit auslösen müffen, wenn nicht für eine wirklich gerechte Verteilung Borsorge getroffen wird. Wir haben es im Vorjahre erlebt, wie die völlig ein- seittg-agrarisch zusammengesetzten Bezirkskommissionen in erster Linie jene Gebiete bevorzugt haben, in denen die Kommissionsmitglieder ihren Sitz hatten, und dort wieder zuerst gewiffe Protektionskinder. Diese Mißstände haben in manchen westböhmischen Orten sogar zu Raufereien der Landwirte untereinander und zur Verprü» gelung von Kommissionsmitgliedern geführt. Hier muß endlich einmal Vorsorge getroffen werden, durch Schaffung einer Verteilungskörperschaft, in der alle landwirtschaftlichen Schichten vertreten sind, und die bor allem eine Berücksich- ttgung der wirtschaftlich schwachen kleinbäuerlichen Schichten garantiert. Sa. VorstoB der Fahmerpartel gegen SdP Die von der Gruppe Fahrner-Simm, den ehemaligen Nationalsozialisten ins Leben gerufene Deutsche Arbeiterpartei, scheint durch die offen- Die Belegschaft ist Mittwoch wiederum in der Grube geblieben,«m gegen die Verkürzung der Schichten«nd gegen die beabsichtigte Stillegung des Betriebes zu protestieren. Sie hat das letztemal aus disziplinären Gründen ihren Hungerstreik abgebrochen, ist aber diesmal nicht gewillt, sich mit neuen billigen Versprechungen abspeisen zu lassen. Das Vorgehen der Schachtdirektion ist jedenfalls unerhört. Dabei soll nicht vergessen werden, daß eS sich hier um ein rein deutsches Unternehmen mit deutscher Belegschaft handelt Und daß die Prosite der Gesellschaft auch in dieser Krisenzeit bisher sehr erheblich waren. Im letzten Geschäftsjahr wurde beispielsweise ein Reingewinn von anderthalb Millionen KL aus- gewiesen. In Wirklichkeit dürfte er noch wesentlich größer gewesen sein, denri man weiß ja, wie derartige Bilanzen frisiert werden. Nun wird man an, einem praftischen Beispiel sehr bald auch bei uns sehen können, was unsere deutschen Unternehmer unter der Volkssichtlich arbeiterfeindliche Polttik der Henlein- Partei, unter den ursprünglich bei der SdP organisierten Arbeitern Boden zu gewinnen und zu wachsen. Dieser Tage hielt der Vollzugsausschuß der DAP, wie die„Prager Presse" meldet, eine Sitzung ab, in der über die bisherige Entwicklung der Partei berichtet wurde. Das Vertrauensmän- nersystem sei, nach einem Referat des Vorsitzenden der DAP, Wander, in 60 Gemeinden verankert und gewinne ständig an Ausdehnung. Ebenso wurde über die Gründung zahlreicher Ortsgruppen berichtet. Der Sekretär der Deutschen Arbeiterpartei, Rößler, wendete sich in einet Rede scharf gegen die Bohkottbewegung der SdP gegen jeden, der nicht in der SdP organisiert sei. Sie sei sowohl gegen Gewerbetreibende, als auch gegen Arbeiter in den Betrieben festzustellen. Auf der einen Sette also Kopatschek, auf der Wanderen Fahrner und die Seinen, zwischen diesen die SdP, das wird eine recht sonderbare Zukunft für die deutschen Arbeiter, die sich in das nationale Fahrwasser bringen ließen, werden. Da muß doch den Dümmsten unter ihnen bald klar sein, daß sie in der schmählichsten Weise mißbraucht werden, und daß ihr Platz nur bei der Sozial« demokratte sein kann. Die Sparkasse Wegstädtl, deren Fusionierung mit der Raudnitzer Sparkasse geplant und in einer Sitzung des SparkaffeausschusseS der Wegstädtler Sparkasse bereits mit schwacher Mehrheit beschlossen worden war, wird nach einem mit 18 gegen 9 Stimmen gefaßten Beschluß der Gemeindevertretung in Wegstädtl, den Anschluß an Raudnitz nicht vollziehen. Wahrscheinlich wird die Sparkasse mit Leitmeritz öder Lobositz zusammengelegt werden. Der Verband der deutschen DrlbstverwaltungS- körper hat in der BorstandSsitzung am 16. Oktober l. I. beschlossen, im Rahmen seiner Satzungen einen Sonderausschuß der leitenden Konzeptsbeamten zu errichten. Am 18. d. M. fand unter dem Vorsitze deS Verbands» Vorsitzenden, Bürgermeister Pölzl, Aussig, die gründende Versammlung dieses Sonderausschusses statt, der«in beratendes Organ des Vorstandes ist. Zmn Vorsitzenden wurde Dr Lamka, Karlsbad, zu seinem Stellvertteter Lorenz, Komotau, und zum Geschäftsführer Dr. Schreitter, Brüx, gewählt, die zusammen mit den Referenten für die verschiedenen BerwaltungSgebiete den Vollzugsausschuß bilden. Zu solchen wurden bestellt: Dr. Hudetschek, Gablonz (Gemeindefinanzen), Dr. Stein, Karlsbad(Dienstrecht), Dr. Senn, Reichenberg, und Dr. Unttschil, Gablonz(Gemeindeverfaffung), Dr. Lamka, Karlsbad(Privatwirtschaft der Gemeinde), Dr. Wild, Eger(Soziale Fürsorge), Dr. Worliczek, Teplitz- Schönau(Kulturfragen), Dr. Nttschil, Gablonz (Allgemeine Verwaltungsangelcgenheiten und Ver- fahrensordnung),. Dr. Mayer, Troppau, und Dr. Koberg, Jägerndorf(Mährisch-schlesisch« Gemeindeangelegenheiten).— In der Sitzung Wurde vom Finanzreferenten des Verbandes, Dr. Frank, ein Bericht über den neuesten Stand der Finanzreform bei den örtlichen Selbstverwaltungsverbänden erstattet. Der Prager Erzbischof znm Kardinal ernannt. Der Papst hat zwanzig neue Kardinäle ernannt, unter diesen befindet sich auch der Erzbischof von Prag, Dr. Karl Kaspar. dungsgesetz für Gemeinden und Bezirke haben, ist dieses Gesetz noch nicht in Wirksamkeit getreten, obwohl sich die Finanzlage der Gemeinden und Bezirke seither neuerlich verschlechtert hat. Der Schuldendienst der Gemeinden erfordert einen hohen Prozentsatz ihrer ordentlichen Verwaltungsausgaben, der bei manchen Gemeinden die Hälfte ihrer Gesamtausgaben ausmacht. Der Zinsendienst der Gemeinden verschlingt ost einen solchen Teil ihrer Einnahmen, daß die geregelte Ver- waltungbtätigkeit unterbunden ist. Redner zeigt dann an der katastrophalen Not, wie der Finanzen der Gemeinde R o t h a u, die Unhaltbarkeit der herrschenden Verhältnisse auf. Das fällt um so mehr ins Gewicht, als in den Zeiten schwerster Krise und Arbeitslosigkeit die Gemeinden für die Aermsten der Armen immer weniger zu leisten imstande sind. ES wäre«in Brrgehrn an der Zukunft deS Staates, wenn wir die Gemeinden verkümmern ließen, die in sozialer und kultureller Hinsicht so Bedeutendes geleistet haben und auch in Zukunft noch große Aufgaben erfüllen werden. Die deutschen Sozialdemokraten wollen, wie in allen anderen Fragen, auch in jener der Selbstverwaltung mit aller Kraft die Gesundung der Verhältnisse in unseren Gemeinden und Bezirken herbeiführen. Dies ist mtt ein Teil deS Programms der deutschen Sozialdemokratie, die die Freiheit deS arbeitenden deutschen Volkes in der Tschechoffowakei erhalten und die furchtbare Notlage der Massen der deutschen Bevölkerung lindern will. Darüber hinaus wollen wir jene Gesellschaftsformen schaffen, die ein Leben in Freiheit und Zufriedenheit möglich machen. Wir wollen dieses Ziel im Rahmen der Demokratte verfolgen, wohl wissend, daß die politische Demokratte nicht allein die sozialen Probleme der Massen der Bevölkerung zu lösen imstande ist. Wir wollen dieses Ziel unseres Kampfes, unseres SehnenS und Hoffens erreichen im Bunde mit allen jenen Menschen im ffchechischen Lager, die dieses Ideal ebenso wie wir im Herze» wagen, ein Ideal, das der größte Mann deS tschechisch»» Volkes in die Worte gekleidet hat: Die echte Demokratie wird nicht nur politisch, sondern auch wirtschaftlich und sozial sein.(Beifall.) » Die Budgetdebatte wird heut« fortgesetzt. Lett, 4 Donnerstag, 21. November 1935 Nr. 271 AgcsneuigLeikn auf fünf Jahre und zum dauernden Verlust eines Anspruches auf eine staatliche und öffentliche Stellung verurteilt wurde; der Schwiegersohn des bekannten langjährigen Abgeordneten Michaj- lovik, Dr./Dragoljub Jevremovik, wurde zu drei Jahren Zuchthaus, zum Verlust der öffentlichen Rechte auf die Dauer von fünf Jahren sowie zum dauernden Verlust eines Anspruches auf eine staatliche und öffentliche Stellung verurteilt. Weiter. wurden verurteilt Dr. Grdin zu einem Jahr Zuchthaus» weil et Eigentum im Werte von zwei Millionen Dinar um 240.000 Dinar an Adolf Schlesinger unk Dr. Filip Schlesinger veräußerte, wofür ex 80.000 Dinar erhielt. Dr. Filip Schlesinger wurde zu zweieinhalb Jahren Zuchthaus und zu einer Geldstrafe von 250.000 Dinar verurteilt. Dr. Bratanik ebenfalls zu zwei Jahren Zuchthaus. Zu Gefängnisstrafen von zwei bis sechs Monaten wurden 19 Staatsbeamte verurteilt. AuS Belgrad wird gemeldet: Am Montag endete der große Prozeß gegen die Uthebcr von Korruptionen und anderen Straftaten, die auf Kosten des Staates durch betrügerische Manipulationen mit Staatseigentum, hauptsächlich mit Wäldern, begangen wurden, mit denen sich das Gericht sechs Monate hindurch zu befassen hatte. Vom Umfang dieser betrügerischen Tätigkeit zeugt das Ansuchen des Vertreters der Staatsprokuratur, daß die Angeklagten zum Ersah des dem Ltaate zugefügten Schadens zu einer Geldstrafe in Höhe von einer Biertelmilliarde Dinars verurteilt werden mögen. Vost der großen Zahl der Angeklagten wurden 48 verurteilt, einige bis zu acht Jahren Zuchthaus, abgesehen von den Geldstrafen. Unter den Verurteilten befindet sich auch der e h e m a lige Mini st er Dr. Nikola Nikiä, der zu drei Jahrey Zuchthaus, zuM Verlust der öffentlichen Ehrenrechte Wenn einer eine Reise tnt. Konrad Henlein hat über seine große Auslandsreise im Frühsommer dieses. Jahres nichts erzählt. Das ist auch sehr verständlich, wenn es ihm überall so gegangen ist wie in der Schweizer Bundeshauptstadt Bern. Dort besuchte er nämlich die Redaktion der großen Zeitung„Der Bund", um sie für seine Sache zu gewinnen. Aber man gab ihm sehr deutlich zu verstehen, daß die Schweizer Demokratie für alle Arten von Fascismus und Nationalismus, mögen sie noch so viel von„Volksgemeinschaft" saseln, nichts übrig hat und gar nicht daran denkt, solche Bestrebungen gegen eine demokratische Republik zu Unterstützen,- auch wenn diese ihnen Bewe- gungsfteiheft gibt. Vier Tote bei Autounglück Stuttgart. Heute abends fuhr auf einem ungeschützten Bahnübergang zwischen Urlau und Friesenhafen ein mit vier Personen besetztes Personenauto im einen Personenzug hinein. Sämtliche Liebestragödie auf dem Land umm* des«mos wurde» gerötet. Iwei rote Pilsen. DaS Dienstbotenzimmer des Land wirtes Johann Anton in Poppowa bei Mies war in der Nacht auf Mittwoch der Schauplatz einer Tragödie zweier junger Leute. Das achtzehnjäh rige Dienstmädchen Marse Stather aus Mikovo bei Bischosteinitz war schon längere Zeit in den 21jäh- rigen Fleischergehilfen Franz Harmääek aus Stich bei Dobtanp verliebt. Die Eltern der Stather bereiteten aber der Liebe der jungen Leute Hin- derniffe. DienStag abends ging die Stather mit der Ausrede, daß sie verkühlt sei, zeitig zu Bette. AlS sie sich Mittwoch früh auf die Rufe der Haus bewohner nicht meldete, zeigte sich diesen bei einem Blick durch eine Türspalte ein schreckliches Bild. Auf dem Fußboden neben dem Bette la« in einer Blutlache Harmäöek und auf dem Bett die Stather. Der herbeigerufene Arzt Dr. Rejma« aus Unter-Seketan verständigte dir Gendarmerie und eine GerichtSkommiffion auS Staab, die fest stellten, daß sich Harmääek in der Rächt in das Ditnftbotenzimmrr eingeschlichen hatte, wo er di« Stather erschoß und sich hierauf selbst entleibte. Die Leichen der jungen Leute wurden in di« Totenkammrr übergeführt. Aus den vonHarmtäek zurückgelaffenen Briefen geht hervor, daß er sich schon längere Zeit auf die Tat vorbereitet hatte und daß dir Ursache der Tragödie unglückliche Liebe war. Tas größte Thratergebäude in der Sowjetunion, das Gebäude des Rostower Stadttheaters, eine hervorragende Schöpfung der Sowjetarchitektur, wurde jetzt seiner Bestimmung übergeben. Der Bau ist mit Granit und Marmor verkleidet, der Zuschauerraum ist für 2250 Personen bestimmt. Die Abmessungen der Bühne betragen 19X44 Meter. Das Theater hat seiner Größe nach nicht seinesgleichen in der Sowjet- Union. Ein schweres Unglück hat sich in einem Steinbruch in Zirl im Oberinntal ereignet. Durch einen zu bald losgegangenen Sprengschuß erlitten zwei Arbeiter lebensgefährliche Verletzungen. Einer der beiden Arbeiter, der 38- jährige Max Kleisen, erlag bald nach der Einlieferung ins Krankenhaus seinen Verletzungen- Während der andere Arbeiter noch mit dem Tode ringt. Gasvergiftung. Mittwoch früh wurden in ihrerWohnung in der Kamennä-Kolonie in Brünn der 27jährige Arbeiter Ladislaus Cerny und dessen 23jährige Ehefrau Wilma sowie die 24jährige Bettgeherin Bojjena Krejkovä mit Anzeichen einer Kohlengasvergiftung bewußtlos aufgefunden. Die Rettungsstelle des §sl. Roten Kreuzes brachte alle drei Personen in das Brünner Krankenhaus. Hilf, was helfen kann! Aus Turin wird gemeldet: In Anwesenheit des Prinzen von Piemont wurden die R a s e n des königlichen Schlosses in Racconici in Getreidefelder umgewandelt, um die Getreideernte zu erhöhen, da nach Einführung der Sanktionen mehr Getreide benötigt werden wird.- Likörleitung in Schläuchen.. Ein Teil der großen Keller der von einem schweren Erdrutsch heimgesuchten Karthäuser-Brennerei ist eingestürzt. Um wenigstens einen Teil des dort eingelagerten kostbaren Likörs zu retten, sind mehrere große Fässer, zu denen man durch eine Maueröffnung vordrang, mit Hilfe eines Gummischlauches ausgepumpt worden. Auf diese Weise wurden 100 Hektoliter des kostbaren Elixieres im Werte von einer Million Francs gerettet. Ei« schwerer Zusammenstoß zwischen dem italienischen Tankdampfer„Rona" und dem türkischen U-Boot„Jlnonu" hat sich im Bosporus ereignet. Der Tankdampfer erhielt ein Leck an der Wasserlinie und mußte seine Fahrt unterbrechen. Ueber eine Beschä- Riesiger Korruptionsprozeß in Belgrad 48 Verurteilte, darunter ei« Exminister und 19 Staatsbeamte Autokatastrophe bei Kulm Ein Todesopfer, drei Berletztr Aussig. Dienstag mittags ereignete sich auf der Staatsstraße zwischen Pristen und Kulm«in tragisches Automobilunglück. Ein Personenautomobil der Firma Hartwig u. Vogel auS Bodenbach, das Franz Klier lenkte, erfaßte zunächst einen Radfahrer in dem Augenblicke, als dieser in«ine Seitenstraße einbiegen wollte, fuhr dann in einen Graben, wo es auf einen Brückenstein aufstietz und sich sodann quer über die Straße stellte. Einer der mitfahrenden zwei Beamten der Firma, E h i n g e r, wurde so schwer verletzt, daß er kurz darauf verschied. Der zweite, Gautsch, und der Chauffeur wurden in das Masarykkranken hau s nach Aussig gebracht. Der Radfahrer wurde nur l e i ch t verletzt. Die Ursache des Unglücks wird erhoben. Der Prozeß gegen die Königsmörder Selbstmörder-Klub im Zeichen Schopenhauers Jn Aix-en-Provence hat der Prozeß gegen die drei Kroaten Pospischil, Raytsch und Kralj begonnen, die der Mittäterschaft an dem Anschlag gegen den König von Jugoslawien und den französischen Außenminister Barthou angeklagt sind. Das Bild zeigt die beiden Angeklagten K r a l j und R a y t sch(rechts) auf dem Wege zum Sitzungssaal. Aus B e l g r a d wird berichtet:'Die Untersuchung des Selbstmordes, durch den vor einiger Zeit in Sarajevo der Student Feldbauer endete, hat ergeben, daß Feldbauer Mitglied eines Kreises von Selbstmördern war, dessen Mitglieder geschworen haben, daß einer nach dem anderen Selbstmord begehen wird. Dieser Kreis wurde hauptsächlich unter dem Eindruck der Lektüre der Schriften Schopenhauers gegründet, Auch Feldbauer, das erste Opfer, hat sich gm I a h r e s t a g des Todes Schopenhauers umgebracht. Das zweite Opfer dieses Wahnes war der Mechaniker Lutvo P e k a r, den sein alter Onkel am Montag erhängt auffand. Bei ihm wurde ein Zettel mit einem Zitat Schopenhauers„Das größte Verbrechen, des Menschen ist es, daß er geboren wurde", gefunden. Englischer Polizist und vier Räuber getötet Lehrer rrnd Ettern Bo« einer Lehreri« Eine Lehrerin sendet uns die nachfolgende Betrachtung, in der sie für eine engere Zusammen- ar b eit v o n Schule und H aus eintritt. Es ist nicht nur pädagogisch, daß Lehrer und Eltern in vollständiger Uebereinstimmung an der Erziehung des Kindes arbeiten, es ist heute geradezu eine soziale Forderung. In der Schule soll das Kind zu einem wahrheitsliebenden Staatsbürger,, zu einem Mitglied der menschlichen Gesellschaft erzogen werden. Die Schule ist für das Kind ein Staat im Kleinen. Was dort geschieht, soll gut und wahr sein. Nu» liegt die Frage nahe: weshalb diese Feindseligkeiten? Sei es eine unerklärliche Scheu, welche die Eltern das ganze Jahr von der Schule fernhält — und es gäbe so viel zu besprechen, was nicht im Zeugnis vermerkt werden kann— oder sei es, daß sich Mutter oder Vater in ihren Rechten als alleinige Verfüger geschmälert sehen, oder aus verschiedenen privaten Gründen. Nun geht das Kind in die Schule und beginnt den Lehrer zu lieben. Jetzt sehen sich diese pessimistischen Eltern noch um einen Teil ihrer Kindesliebe betrogen. „Ungerechtigkeit" ist dann das Wort, welches man dem Lehrer so gern zum Vorwurf macht. Eine kleine Aussprache würde in solchen „Ungerechtigkeitsfällen" oft zur vollständigen Aufklärung und Einsicht führen. Die Eltern müßten erkennen, daß es fürwahr keine Kleinigkeit ist, 40 Kinder statt eines oder zwei zu erziehen. Dabei gerecht sein, gleiches Recht für alle, zugleich die Individualität der einzelnen Kinder zu berücksichtigen— es klingt fast wie ein Widerspruch und doch muß all den Anforderungen entsprochen werden. Es gibt sogar noch Eltern, die der Meinung sind, der Lehrer muß von den Kindern gefürchtet werden. Doch jeder neuzeitliche Pädagoge zieht es London. Wie aus Jerusalem berichtet wirb, wurde dort ein englischer Polizist bei einem Zusammenstoß zwischen der Polizei und einer Bande arabischer Räuber bei Jenin, 20 Kilometer nördlich von Jerusalem, getötet. In dem Gefecht wurden außerdem sechs arabische Räuber getötet und Pier gefangengenommen. . Und jetzt geschieht leider noch ost genug die große Sünde der Erziehung. Das Kind kcgnmt nach Hause und müß aus dem Münde der Eltern hören, daß das schlecht ist, was in der Schule soeben noch gutgeheißen wurde. Nun entsteht der Zwiespalt in der Kinderseele. Es wird schweigen, cS wird'vielleicht sogar lügen, um Verdruß zu vermeiden. Der junge Mensch ist auf dem besten Wege,- ein verschlagener Charakter zu werden. IV. internationales Treuen der Arneiter-wtnter-Tourlsten und Sportler Am 15. und 16. Feber(Samstag und Sonntag) findet im Jserqebirge auf der Königshöhe dieses Treffen statt, veranstaltet vom Verband fü r Arbeiter-Winter-Touristik in der Tschechoslocvalischeu Republik. Es werden teilnehmen alle Mitglieder des Verbandes: die Naturfreunde, die tschechischen Arbeiter-Touristen und-Turner und der AtuS. Außerdem haben ausländische Arbeiter-Touristen ihre Teilnahme zugesagt. Den Haupttagen geht eine Schulungswoche für Skiwarte und für Mitglieder voraus, welche von geprüften Skikursleitern abgehalten wird.— An das Treffen schließen S k i w a n« derungen in das Jsergebirge und Riesengebirge an, welche bis zur Raturfreunde-HLtte in Petzer führen werden. Am Samstag, dem 15. Feber, nachmittags werden Sportspiele veranstaltet.— Am Sonntag, dem 16. Feber, kommen die Läufe zur Durchführung: Kombinierter Lauf, Mannschaftslauf, Stafetten, Abfahrtslauf und Einzellauf der Altersklassen.— Der Samstag Abend.wird Beratungen und Begrüßungen gewidmet sein.- Mit vereinten Kräften, bei großer Teilnahme von Freunden des Skilaufes, wird unser internattonales Verbandstreffen dem Zweck seiner Eigenatt: Urlaubswochen, Skiwanderungen, technisches Können und Ausdauer sowie Zusammenführen vieler hunderter Freunde der Winter-Touristik und des Sportes aus dem entfernten In« und Auslande,« wohl auch vollkommen gerecht werden. (Die Pattciblätter werden um Nachdruck ersucht.)' digung des Unterseebotes, das das größte und modernste der türkischen Flotte ist, liegen keine Meldungen vor. Wilder Weizen. Im Bezirk Ararat in Armenien wurde wilder Weizen vorgefunden. DaS Gebiet wurde als Naturschutzgebiet erklärt, da das Vorkommen von wildem Weizen zur Feststellung der Abstammung des Weizens von Bedeutung ist und der wilde Weizen große Wichttgkeit bei Versuchen zur Steigerung der Widerstandskraft der gewöhnlichen Weizens gegen Frost und Dürre hat. Die rechtsseitige« Herzen. Zu der Meldung d«S Rundfunk und in der Tagespress« betreffend den 40jährigen Serben mit dem Herzen auf der rechte» Seite teilt das Bad PodLbrad mit, daß dort im Jahre 1932 ein Patient aus Mähren zur Kur weilte, der auch das Herz auf der rechten Seite hatte. Wahrscheinliches Wetter Donnerstag: Vorwiegend bis wechselnd bewöltt. In den böhmischen Ländern später von Südwesten her wieder Wetterverschlechterung. Mäßig warm. Im übrigen Gebiet ist es meist trocken, im Gebiet der Kasachen allmähliche Abkühlung vom Osten her.— Weiteraussichten für Freitag: Im Westen der Republik schlechteres und wärmeres Wetter als in den übrigen Ländern. Vom Rundfunk ■nHaMmwarlM au*«an Programmeai Freitag: Prag, Sender 2:10.05: Deuffche Presse, 12.10: Schallplatten: Johann Sttauß, 13.40: Leichte Musik, 17.15: Violinkonzert, 17.45: Deutsch« Sendung: Jugendstunde, 10.30: Schulfunk, 11: Schallplatten, 12.10: Chansons, 13.30: Arbeitsmarkt, 15: Orchesterkonzert, 16.50: Russisch für die Jugend, 18.10: Deuffche Sendung: Sportvorschau, Prof. Rauchberg: Der Gedanke der Freiheit in der tschechoslowakischen Verfassung, 18.35: Arbeiterfunk: Aktuelle zehn Minuten, 22.15: Tanzmusik. Sender S: 7.80: Salonorchesterkonzert, 14.15: Deutsche Sendung: für die Frau, 14.30: Liebe im Foxtrott« Rhythmus, 14.50: Deuffche Presse, 18: ChansonS. — Brünn 13.35: Orchesterkonzert, 17.40: Deutsche Sendung: Das Weekendparadies, Hörspiel v. Lichtenberg.— Mährisch-Ostra« 16.10: Konzert des Rundfunkorchesters, 18.10: Deuffche Sendung: Jng. Korngold: Eberty, Vorgänger Einsteins.— Preßburg 19.10: Unterhaltungsmusik. vor, der geliebte Lehrer zu sein, denn damit ist schon ein großer Prozentsatz des Erfolges gesichert.>, „Er ist zu gut, er hat keine Disziplin" hört man oft sagen. Ganz im Gegenteil, das ist niemals die Ursache von Disziplinlosigkeit. Störungen, die das temperamentvolle Kind unbewußt verursacht» unterbleiben hier wie dort nicht. Aber die vielen kleinen Bosheiten» mit welchen sich das Kind an dem ungeliebten Lehrer rächen will(denken wir an unsere Schulzeit), diese unterbleiben bestimmt. Richt zuletzt sei jener Kinder gedacht, die zu Hause Zwietracht, Not und Elend sehen müssen, wie gern gehen sie zur Schule» wenn es dort ein bißchen Liebe für sie gibt. Mit diesen Worten wollte ich begründen, wie notwendig Elternvereinigungen, bzw. Elternabende sind. Ich selbst habe schon sehr anregend« Elternabende mitgemacht und der Erfolg war deutlich zu merken. Leider weiß ich auch, daß in manchen Orten gänzliche Interesselosigkeit dafür herrscht und dorthin sollen vor allem meine Worte gerichtet sein. Der Schüler muß sehen, wie sich Eltern und Lehrer über seinem Haupt die Hand reichen. E.D, Nr- 271 Donnerstag, 21. November 1935 Seite 5 Da hat uns der Henlein gegen dieschlechten Leiten helfen wollen— wenn wenigstens seine ..Zeit" gnt wärl Aus der Froschperspektive Wie Herr Heil die deutsche Pleite erklärt Aus dem Reichsbauerntag in Goslar, ' dem zahlreiche Vertreter fremder Staaten nnd U Bauernparteien beiwohnten und wo Darre jich i als Vorkämpfer einer Art grüner Internationale | borslellte, sprach auch der Stellvertreter des Führers, Herr H e h, wohl eine der geistig dürf- I tigsten Puppen aus dem engsten Kreise um Hitler. I Herr Heß wagte es, den Teilnehmern und Gästen p folgenbe Erklärung des deutschen Fett- und i Futtermangels vorzusetzen: M.„Reichsminister Heß betonte, daß nirgends an- s Ichaulicher als hier zum Bewußtsein gebracht werde, daß im deutschen Bauerntum beste Art unseres i Bolles durch die Jahrtausende erhalten geblieben sei. I Gerade denen, die Rasse und Eigenart bewahrt hät- ikn, müsse der jüdische Bolschewismus Feind sein. Im Marxismus und im Bolschewismus sei ' der K ampf deS Judentums gegen Deutschland geführt worden, ein Kampf, der sich mit dem», «ersailler Vertrag und nach dem Kriege in »ster Linie g eg e n d i e-E r n ähr un-g sgr u n d-- läge des deutschen Volkes gerichtet habe. Durch den- Hunger habe'Deutschland in den Bolschewismus ge« ! Dicken werden sollen und wie nahe Deutschland vor der nationalsozialistischen Machtergreifung schon vor i dem Bolschewismus gestanden hab«, daS sei der Zeit I auch nicht genügend zum Bewußtsein gekommen, k jedenfalls hätten die Führer der bolschewistischen ! tlleltrevolution Deutschland bereits als sichere nächste ! Etappe für die Bolschewisierimg Europas betrachtet, v dne es die Funde im Karl»Liebknecht-HauS bewiesen r hätten. Nachdem Adolf Hitler mit seiner Gegenorgani« ''ation in zwölfter Stunde die bolschewistische Orga- k Elation in Deutschland niederwarf, ihre Führer, ' kestsetzte und damit den Drahtziehern der Weltrevo- e^lütion die Rechnung durchkreuzte, setzte der im k judrntum verkörperte Bolschewis» l a