Nr. 274 Sonntag, 24. November 1935 15. Jahrgang Ehmlpreh 70 Heller (•hmMMIkb S IMtar Nrt4 1ENTRALORGAN DER DEUTSCHEN SOZIALDEMOKRATISCHEN ARBEITERPARTEI IN DER TSCHECHOSLOWAKISCHEN REPUBLIK ERSCHEINT MIT AUSNAHME DES MONTAG TÄGLICH FRÜH, Redaktion und Verwaltung frag xii., fochova a. telefon sxt?. HERAUSGEBER! SIEGFRIED TAUB. CHEFREDAKTEUR, WILHELM NIESSNER. VERANTWORTLICHER REDAKTEUR* DR. EMIL STRAUSS, FRAG. Die Mission unseres Staates Programmatische Friedensrede Kampf für den Frieden Ist Dr. Benes' Kampf für die Demokratie, Kampf gegen die Krise Prag. Im überfüllten großen Saale der Philosophischen Fakultät der Karls-Universität veranstaltete Samstag vormittags die Prager Hochschulstudentenschaft eine große Friedenskundgebung. Ueber Ersuchen der Studentenschaft hielt der Professor der Karlsuniversität und Minister des Aeußern Dr. Benes einen fast zweistündigen Bortrag, der die Antwort auf die von der Studentenschaft gestellte Frage:„Wie ist für den Frieden zu arbeiten?" darstellte. Minister Dr. Benes wurde beim Eintritt in den Saal von der akademischen Jugend mit stürmischem Beifall empfangen. Minister Dr. Benes ging in seinem Bortrag von der philosophischen Humanitäts-Konzeption aus, die das Kriegsmorden als unmenschlich ansieht, als Beleidigung der menschlichsten Lehre, die je die Menschheit hatte, nämlich der Lehre Christi-' Der Krieg widerspricht aber auch der Modernen Soziologie und Philosophie der Geschichte, die den Begriff der Humanität als Endziel alles menschlichen Strebens und Fortschritts angenommen hat. Für Dr. B e n e s, ist der Sm« der ganzen Geschichte ständiger Fortschritt zur Humanität wie dies Herder, nach ihm Ka«1, Goethe und Schiller, bei den Franzosen Condoreet und Comte, verkündet haben, die in den Fußstapfen der Ideologie der französischen Revolution schreiten. Gegen den Krieg sprechen auch Gründe der drastischen Nützlichkeit. Da es in Zukunft immer schwieriger werden wird, einen Krieg zu lokalisieren, wird er auch fiir starke Staaten aufhören, vorteilhaft zu sein, llm so weniger kann er allerdings für uns, und zwar auch im Bunde mit starken Staaten, nützlich sein. Es gibt allerdings einige politische Doktrinen, die den Krieg sittlich und philosophisch anders beurteilen. Den Krieg erklären sie als Ausdruck des Dynamismus der Gesellschaft, als Komponente der Lebensexpansion, als Kampf gegen die Lebrnsstagnation, die ihnen eine vorgeschichtliche Wahrheit und Notwendigkeit ist. Andere Doktrinen stellen die alte Konzeption vom.„Herrenvolk" und von der,Her- rrnrasse", die Konzeption von der„reinen Rasse" und den sogenannten Rassismus in den Vordergrund. Sie teilen die Menschheit in niedere und höhere Rationen ein, billigen den höherstehenden Rationen höhere Rechte zu und betrachten den Krieg als natürliches Instrument für die Erreichung jener höheren Rechte der Ration und des Staates. So sehen den Krieg insbesondere gewisse Doktrinen autoritärer Regime des zeitgenössischen Europa. Gegen die humanitäre Ansicht stellt sich rbenfalls in gewissem Sinne die Konzeption des historischen Materialismus, die den Krieg als Natürliche schicksalsgegebene Folge deS kapitalistischen Systems ansieht. Der Minister stellt sich konsequent gegen alle diese Theorien; gegenüber "ein Fascismus behauptet er, daß die menschliche Gesellschaft ihre Energie und Dynamik und Expansion auf den verschiedensten anderen Gebieten oer menschlichen Tätigkeit zur Geltung bringen iann, daß dazu nicht die barbarischen Formen "es Krieges notwendig sind. Der HeroiSmuS und die Entwicklung der Nation kann in grandiosen Formen ohne Krieg gepflegt werden» der in der heutigen Form des bakteriologischen und chemischen Krieges mit Heroismus überhaupt nichts zu tun hat. Gegenüber der Theorie vom Herrenvolk, der Herrenrasse und dem Rassismus erklärt Dr. Be- 0eZ, daß es überhaupt keine reineRasse, 'ein Herrenvolk und keine Herrenrasse gibt- In pfr modernen Zeit, wo die Nationalitäts-Idee pst ganze Welt beherrscht, ist jeder Versuch, auch per größten Nation, im Vorhinein zum Mißlingen verurteilt, sich über eine andere Nation in menschlicher und moralischer Hinsicht erheben zu wollen. Was die Theorie des historischen Materialismus anlangt, sei die Fatalitätstheorie heute auch von den Sozialisten Und Kommunisten verlassen worden. Wenn sie den Völkerbund als Weltorganismus zur Rettung des Friedens anerkennen und unterstützen, geben sie zu, daß man den Krieg durch den Willen und die Arbeit der Politiker und der Diplomatie verhindern kann. Im weiteren zeigte der Minister, wie der Kampf Um Krieg und Frieden im heutigen Europa eng mit dem Problem des Nationalismus und mit dem Problem der Diktatur und Demokratie zusammenhängt. Die politischen Doktrinen, die theoretisch den Krieg verteidigen, bilden sich eine Konzeption des überspitzten Prestige-Nationalismus, der dann wirklich leicht zum Krieg führt. Ebenso verteidigen und verwirklichen alle Doktrinen und Regimes, die theoretisch den Krieg verteidigen, die Prinzipien der autoritären, antidemokratischen Regierungen. Es hängt dies mit dem heutigen Kampf um die Mission und den Sinn des Staates zusammen. Dr. Benes glaubt, daß unsere Konzeption des demokratischen Staates, der neue wirtschaft- liche und kulturelle Funktionen hat, jedoch die Ideale der demokratischen Freiheit bewahrt» siegen wird» womit auch die Ldee des Friedens siegt. In Uebereinstimmung mit dieser Konzeption stehe unsere ganze innere und auswärtige Politik.- Wir sind überzeugt, daß sich ein geordneter demokratischer Staat ohne innere Revolutionen die Entwicklung zu einem höheren Grad politischer, sozialer und wirtschaftlicher Gerechtigkeit zu ermöglichen versteht, daß er die nationale Gerechtigkeit, eine verständige nationale und konfessionelle Toleranz zu verwirklichen weiß. Gleichermaßen verteidigen wir auch die internationale Demokratie. Wir sind für die Idee der internationalen Gerichte und Arbitrage und wir unterstützen praktisch den Versuch nach Schaf- ftmg einer internationalen Weltinstitution, des Völkerbundes. Daran wird die Tatsache nichts ändern, daß wir uns für den Fall decken, daß in diesem oder jenem Falle diese Institution enttäuschen könnte. Dr. Benes glaubt, daß die Demokratie und der Friede verteidigt werden müssen, wenn notwendig mich mit dem Schwert. Washington. Der italienische Botschafter suchte am Samstag den Außenminister Hüll anf» um die Lage zu besprechen, die durch die ablehnende Haltung der amerikanischen Re- girrnng gegenüber der Ausfuhr von Kriegsmaterial nach Italien eingetreten ist und die sich im Laufe der>nächsten Woche» durch erhöhten Druck der Regt erung gegen Reeder und Exporteure noch verschärfen dürfte. Obzwar keine amtliche Erflärung über den Inhalt der Unterredung ausgegeben wurde, so wurde doch bekannt, daß Hüll sich rundweg weigerte, von der bisherigen Politik der AuSfuhrdrosselung nach Italien abzugehen. Donnerstag hat der Staatssekretär für Inneres die amerikanische Raphthaindustrie daran erinnert, die Raphthasendungen nach Italien^ ein z«stell en,«nd Freitag wurde bekannt, daß dir Regierung von Washington sich mit der Absicht trage» einen Druck auch auf die Schiffahrtsgesellschaften auszuüben, Kriegsmaterial auf den ihnen gehörenden Dampfern nicht mehr zu befördern. Auf die Frage, wie man weiter für den Frie- i den arbeiten müsse, antwortete Minister Dr. Benes: Die tschechoflowakische Außenpolitik wird konseuent weiter die Politik des Völkerbundes machen- Sie wird konsequent die Politik ihrer! bisherigen Bündnisse verfolgen, sie wird die Verwirklichung des Donaupaktes anstreben, sie wird für ein Abkommen zwischen Deutschland und den Wrstmächten,«nd damit auch zu einem Abkommen zwischen uns und Deutschland hinarbeiten, sie wird sich für die Beendigung deS abessinisch-italienischen Konfliktes«nd für ein vernünftiges Abkommen mit Polen einset- zrn. Das ist ihr konkretes Programm für daS Jahr 1936. Zu keiner Angriffspolitik oder irgend einen Krieg werden wir uns hergeben. Wir wollen nur Ruhe und Frieden. Die große Verschiedenheit der europäischen Regimes sei ein Hindernis zur Ordnung normaler Verhältnisse und zur Sicherung des Friedens. Persönlich sei Minister Dr. Benes überzeugt, daß der Ausgleich der europäischen Regime durch natürliche Entwicklung zu neuen Formen des staatlichen Regimes,«nd zwar demokratischen Charakters» gelangen werde. Schließlich zeigte der Minister, ein wie wichtiger destruktiver Faktor, der zum Kriege treibt, die Wirtschafts- und soziale Kunst ist. Daher ist für Dr. Benes der Kmnpf gegen die Wirtschaftskrise«in Kampf gegen den Krieg. Eine bewußte Wirtschafts- und Sozialpolitik, die Schritt für Schritt die soziale Gerechtigkeit für die niederen Klassen verwirklicht, ist in der heutigen Zeit einer der großen Faktoren nicht nur für den inneren, sondern auch für den äußeren Frieden. AnS all dem ist ersichtlich, führt« am Schluss« Minister Dr. Benes aus, daß unsere ganze Konzeption der inneren und äußeren Friedenspolitik eine große Synthese, ist: Sie ist evolutionär, sie ist demokratisch-dynamisch, indem sie nicht nur statisch sein und die Augen vor den Notwendigkeiten der Entwicklungsänderungen verschließen will. Die Jugend hat die Tendenz, radikal zu sein, nach links und nach rechts. Dr. Benes gibt zu, daß er ebenfalls radikal gewesen ist; der Lebenskampf hat ihn gelehrt, mehr radikal in der Sache als in der Theorie und Form zu sein. Der größte Radikalismus beruhe darin, ruhig sachlich und unermüdlich vorwärts zu gehen, zu einem höheren Grad der sozialen und politischen inneren und internationalen Gerechtigkeit. So stellt sich Dr- Benes die Arbeit für den Frieden vor. Er glaubt fest, daß auch im Jahre 1938 der Friede in Europa gewahrt bleiben wird. Minister Dr. Benes glaubt tief an die Frie- denSmiffion unseres Staates. Dazu prädestiniert ihn seine geographische Lage, nationale Tradition und innere Struktur. Dock eine Schiffsladung unterwegs Trotz der Warnung des Staatssekretär- Hüll, es dürfe kein Kriegsmaterial nach kriegführenden Staaten abgesandt werden, verließ Freitag der Frachtdampfer„Oregon" den kalifornischen Hafen San Pedro, um nach Jta- lienisch-Somiland eine Fracht von 36.000 Barrels Flugzeugbenzin zu befördern. Die Besatzung des Schiffes setzt sich aus Matrosen zusammen, die gewerkschaftlich nicht organisiert sind, da die organisierten Matrcfen den^Dienst auf diesem Schiffe abgelehnt hatten. Die amerikanischen Petroleumgesellschaften sind der Ansicht, daß das beste Mittel,, die Petroleumsendungen nach Italien zu verhindern, ein offiziell ausgesprochenes Embargo wäre. Ein fre iw illi g e.r Verzicht auf dst Lieferungen nach Italien könnte von den Gesellschaften nicht erwartet werden. Wenn die. Regierung ein Embargo verfügen wird, werden sich die Gesellschaften, wie es scheint, unterwerfen. Japans zwanzigjähriger Krieg Die neuerliche Bedrohung Chinas durch den japanischen Versuch, di« Nordprovinzen des chinesischen Reiches ähnlich wie vorher die Mandschurei in einen„unabhängigen" Staat zu verwandeln, hat seinen unmittelbaren Anlaß in der Währungsreform, die von der chinesischen Zentralregierung in Nanking verkündet wurde, aber im historischen Zusammenhang gesehen, ist sie nur ein neuer Vorstoß in dem Kriege, den der japanische Imperialismus nun schon seit zwanzig Jahren um die Herrschaft über China— und letzten Endes um die Vorherrschaft über idas ganze ö st liche Asien führt. Der Beginn der japanischen Invasion in China datiert vom Jänner 1915. Damals stellte Japan, das lange vorher schon die Halbinsel Korea unterworfen hatte, und das den Ausbruch des Weltkriegs benützt hatte, um die in Nordchina gelegene deutsche Kolonie K i a a t« schau zu besetzen, an China die„21 Forderung e n", in denen Japan die Beherrschung Nordchinas und der Mandschurei und für die übrigen Teile des chinesischen Reiches weitgehende wirtschaftliche Vorrechte beanspruchte. Schon damals hat Japan für seinen Vorstoß einen Zeitpunkt gewählt, der Europas Interesse an anders Punkte der Welt gefesselt hielt. Während auf den Schlachtfeldern Frankreich-, Rußlands und des Balkans die Geschütze donnerten, hat Japan feig« Machtziele in China der Verwirklichung näher gebracht. Die chinesisch« Regierung sah sich gezwungen, di« 21 Forderungen wenigsten- teilweise anzunehmen, insbesondere den japanischen Siedlern in der Mandschurei Privilegien zu geben, die mandschurische. Eisenbahn unter japanische Kontrolle zu stellen und der japanischen Einwanderung und dem japanischen Handel in Nordchina die Tore zu öffnen. Erst nach Beendigung des Weltkrieges mischten sich die Großmächte Europa? und die Vereinigten Staaten von Amerika wieder in die ostasiatische Politik ein und bemühten sich, dem japanischen Vordringen in dem als Absatzgebiet auch für sie wichtigen Riesenreich China Einhalt zu tun. Der Erfolg ihrer Bemühungen war der Neun-Mächte-Vertrag von Washington im Jahre 1919, in dem Japan die politische Unabhängigkeit und territorial« Unverletzlichkeit Chinas anerkennen mußte. Aber die Jahre des Friedens, die nun folgten, waren für China Jahre verschärfter Ausbeutung durch die konkurrierenden Großmächte der Welt. Die Privilegien der Europäer, die in den großen Hafenstädten des Reiches faßen und die chinesische Wirtschaft für sich monopolisierten, wurden-immer drückender empfunden, und daS Vordringen der Japaner im Norden wurde immer bedrohlicher fiir den Weiterbestand deS chinesischen Reiches. Die nationalrevolutionäre Bewegung, schon vor dem Weltkriege von Sun-flat-Sen'n? Leben gerufen und nachher durch die russische Revolution genäbrt, flammte auf, und die große chinesische Revolution begann, die der Kuomintang zur Mackit verhalf, den Bovkott aus- ländischerWaren vorwärtStrieb un*’ die Schaffung eines neuen, innerlich geeinten und nach außen unabhängigen China zum Ziele hatte, ohne es aber erreichen zu können. Denn aus der Revolution wurde bald ein chaotischer Bürgerkrieg, ein Kampf der Generale, die teilweise in japanischen und teilweise in russischen Diensten standen und ein Kampf der von Tschangkaitschek beherrschten Kuomintang gegen die Kommunisten, die au? Verbündeten der herrschenden Partei bald zu ihren am blutigsten verfolgten Feinden wurden. Als die Wirren im Jahre 1931 ihren Höhepunkt erreicht hatten, begann Japan einen neuen Vor» stoß. Im September geschah ein Ueberfaoll auf die mandschurischeEisenbahn, und unter dem Vorwand, daS Land von Banditen säubern zu müssen, marschierte eine japanische Armee in Mulden ein und besetzte in einem zwölf Monate dauernden Feldzug den größten Teil der Man» dschurei, die daraufhin von China abgetrennt und zum„selbständigen" Staat unter dem Namen Mandschukuo erklärt wurde. Auch für den mandschurischen Feldzug hatte sich Japan wieder einen für Europa kritischen Zeitpunkt gewählt: eS war die Zeit der sckiärssten europäischen Wirtschaftskrise und deS wachsenden deutschen FaseiSmuS. Japan fühlte sich deshalb USA drosselt Naphtha'ieferungen Einschreiten Italiens erfolglos nach Italien Seite 2 Sonntag, 24. November 1935 Nr. 274 Abkehr Bulgariens von der Diktatur Kabinett Toschew gestürzt— Rückkehr zum Parlamentarismus sicher genug, um die Proteste des Völkerbundes nicht ernst zu nehmen. Als im Jänner 1932 ein antijapanischer Tumult in Schanghai auS- brach, ließ das japanische Armeekommando die Stadt fünf Wochen lang beschießen. Durch die Machtergreifung Hitlers, des neuen Verbündeten, ermutigt, wagte Japan im Feber 193$ einen weiteren militärischen Vorstoß in die nordchinesi- sche Provinz D sch e h o l, lieh am 2. März Puji zum Kaiser der Mandschurei krönen und erklärte noch im selben Monat seinen Austritt aus dem Völkerbund. Die Freundschaftsverhandlungen zwischen Tokio und Berlin wurden fortgesetzt, wobei Hit« ltr die Rasse keine Sorgen machte. Die Angriffsabsichten gegen Rußland wurden immer deutlicher, und wenn die Sowjetregierung auch den von Jäpan um die Mandschurische Eisenbahn inszenierten Konflikt durch Verkaukdesrussischen Bah n-A»teils beilegte, so änderte das nichts an der AükunftSabsicht der Japaner, ihre Herrschaft nach der Mongolei und nach Sibirien auS- zudehnen. Der Kampf, den TschaNgkaitschek auch weiterhin gegen die Kommunisten führte, veranlaßte die japanische Regierung im Sommer 1934 zu einem regelrechten Bündnisangebot an den besiegten Gegner. Als Tschangkaitschel zu erkennen gab, daß er den Angeboten der Japaner nicht ablehnend gegenüberfiehe, begann man endlich in England die Gefahr zu erkennen. Ein japanischchinesischer Block mit„panasiatischen Idealen" stellt nicht nur für das asiatische Rußland eine ungeheure Drohung dar, sondern auch für den astatischen Besitz Englands, insbesondere für die englische Herrschaft über Indien. Als die warnenden Stimmen in der englischen Press« immer dringender wurden und darauf hinwiesen, daß das vom Völkerbund im Stich gelassene und durch jahrelange Kämpfe ruinierte China keine andere Wahl mehr haben werde, als sich Japan auf Gedeih und Verderb anzuschließen, sandte die englische Regierung Ende vorigen Jahre? ihren Finanzexperten Sir Frederick Leith-Roß nach China, der den Plan einer chinesischen Währungsreform ausarbeitete, die China an den Sterlingsblock anschließen sollte, und eine englische Anleihe an China befürwortete, um der chinesischen Regierung ihre Unabhängigkeit von Japan zu ermöglichen. Als di« Regierung in Nanking ihre Zustimmung zu dem englischen Plan zu erkennen gab, holte Japan zu Gegenaktionen aus. Auf das Attentat gegen den chinesischen Ministerpräsidenten Wangtschinwei folgte die Agitation für die LoSreißung von Nordchina, das seit dem Waffenstillstand von 1933 immer mehr unter japanischen Einfluß'geraten war. Auch jetzt hält der japanische Imperialismus den Zeitpunkt in« folge des italienisch-abessinischen Krieges wieder für günstig, und Tschangkaitschek scheint zu zögern, ob er einen neuen Kampf gegen Japan riskieren soll. Es wird an der englischen Regierung sitgen, ob sie ihre(freilich nicht ganz selbstloses Unterstützungsbereitschaft mit der nötigen Energie zum Ausdruck bringen wird, und der Völkerbund hätte Gelegenheit, das an China bisher begangene Unrecht wenigstens teilweise wieder gutzumachen und den ewigen Friedensstörern in Tokio, den Verbündeten Hitlers und Nutznießern des Mussolinischen KriegSabenteuers, sein Vorhandensein zu beweisen. Sofia. Das Kabinett Toschew ist SamS- tag zurückgetreten. Der Anlaß der Drmiffion, die bereits seit einem Monat erwartet wurde, ist, wie das Tsch. P. B. berichtet, in der Unzufriedenheit breiter Bevölkerungsschichten dar-, über zu suchen, daß es noch nicht zur Ausarbeitung einer Staatsverfaffung kam, sowie auch in den Verschwörer-Affären der letzten Zeit. Mit der Bildung des neuen Kabinetts wurde der bisherige Außenminister Kjossejwanow betraut, der folgendes Kabinett bildete: Vorsitz u. AeußereS: Kjossejwanow: Inneres: General i. d. R. S a p o w; Krieg: General Lukow; Finanzen: G« n e w(Bize- gouverneur der Nationalbank) Arbeiten: G a- new(Beamter)Eisenbahnen: Stojanow (Beamter); Justiz: P e s ch e w(ehemaliger Staatsanwalt); Kultus: General i. d. R.: I o- wow; Handel: W a l e w(Industrieller) und Landwirtschaft: Atanasow(Universitätsprofessor). Der neue Ministerpräsident war seinerzeit in mehreren Balkanhanptstädten Gesandter und später Minister des königlichen Hauses. Die Minister Sapow und Jowow waren als Generale in der Armee bis zum vorjährigen Mainmsturz aktiv und wurden dann in Pension geschickt. DaS Kabinett ist eine ausgesprochene Beamtenregierung. Man ist der Meinung, daß seine Hauptaufgabe die B o r- bereitung der Neuwahlen sein wird, die im Frühjahr stattfinden sollen. Der neue Ministerpräsident ist ein entschiedener Anhänger der Annäherung an SystematischerGuerillakries Abessinier melden Erfolge Addis Abeba. Seit Freitag beginnen größere Detachements von abessinischen Truppen an der Nord- und Südfront die italienische Front durch Nachtangriffe zu beunruhigen. Zweck dieser Unternehmungen ist es, die rückwärti- gen italienischen Truppen endgültig zum Stillstand zu bringen. Systematisch werden italienische Munitions- und Lebensmittel-Kolonnen abgefangen. Bis heute sind 24 Tanks erbeutet worden. Soweit die Tanks nicht in Elrfantenfallen zur Strecke gebracht wurden, wurden sie von den Abessiniern mit Dynamit in die Luft gesprengt. Der Kaiser hat vor der Abreise inS Hauptquartier erklärt, daß demnächst die Abessinier mit großen Operationen einsetzen werden. Von der Nordfront hört man, daß dort nördlich von Makale eine italienische Abteilung unter Führung eines Hauptmannes von dem Dedjae- matsch D a r r e s völlig vernichtet und der Hauptmann getötet worden sein. Die Italiener sollen dabei einige hundert Verwundete und Tote gehabt haben. * Der italienische Heeresbericht meldet lediglich ein Gefecht am Takasse, wo die Abessinier wieder über den Fluß zurückgeworfen worden seien. Sonst wird berichtet» daß sich im ganzen mittleren und südlichen Ogaden die Häuptlinge feierlich unterworfen und ihre Soldaten den Jta- Jugoslawien, zu dem sich das Verhältnis unter der Regierung Toschew merklich abgekühlt hatte. Kjossejwanow ist Anhänger des parlamentarischen Einkammer- s y st e m S. Rach seinen Pläne« soll ein Drittel der Abgeordneten ernannt und zwei Drittel indirekt durch die Gemeindevertretungen gewählt werden. Dieser Lösung steht jedoch die Haltung der Führer fast aller politischen Parteien entgegen, welche eine Wiederherstellung der parlamentarischen Freiheit «nd der Bürgerrechte verlangen. Durch königlichen Erlaß sind Samstag abends der bisherige Kriegsministrr General Z a n e w, der Innenminister General Atanasow und der Nnterrichtsminister General R n» d e w in den Ruhestand versetzt worden. Auch der bisherige Landespolizeidirrktor Oberst Bakar» d j u r w ist seines Postens enthoben worden. Damit ist die bulgarische Diktatur, die seit dem Maiumsturz am Ruder war, ihrer Macht ent- kleidet.'Offenbar hat auch der Zar die Unhaltbarkeit dieses Regimes eingesehen und nun seinen Vertrauensmann mit den Vorarbeiten zur Wiedereinführung eines parlamentarischen Systems betraut. Wenn auch der Weg zur parlamentarischen Demokratie in Bulgarien kaum ab jetzt schon ganz gradlinig und eindeutig verlaufen dürfte, so muß man doch die bloße Tatsache, daß eine Diktatur gescheitert ist, mit Genugtuung aufnehmen. Hoffentlich folgen bald auch andere Diktaturen dem bulgarischen Beispiel nach! lienern gegen den NeguS zur Verfügung gestellt hätten. Reuter meldet auS H a r r a r, daß die Abessinier das 24 Meilen südlich von Sassabanrh liegende Dorf Anale zurückerobert haben. Demgegenüber evakuieren die Abessinier die Zivilbevölkerung auS Harrar. Mussolini verhandelt wieder Rom. Nach mehr als zweiwöchiger Pause hat Samstag nachmittags zwischen dem englischen Botschafter Sir Erie Drummond und Mussolini wieder eine Unterredung stattgefunden. Zweck der Begegnung, die kaum zwanzig Minuten dauerte, war nach Auskunft von englischer Seite, die in den beiden letzten Unterredungen erfolgte Fühlungnahme wieder aufzunehmen. Passive Resistenz Italiens In Lenk Genf. Der hiesige Reuter-Korrespondent meldet, daß der Standpunkt Italiens, welches eine Teilnahme an der am Montag in Genf beginnenden marinetechnischen Konferenz und den Versitz der Tagung des Komitees für die Reorganisierung der Zusammensetzung des BölkerbundrateS adle b n t. als ein Beweis ausgelegt werde, daß Italien die Arbeiten des Völkerbundes solange zu boykottieren beabsichtige, als er Sanktionen gegen Italien durchführt. Lavals Lage ungemütlich Paris. Kurz vor dem Zusammentritt deS Parlaments zu seiner Hcrbsttagung ist die Situation der Regierung Laval recht unsicher. Die Regierung wird in der Dienstagsitzung des Ministerrates über ihr Vorgehen Beschluß fassen. Mittwoch werden die Linksklubs der Kammer zur politischen Lage Stellung nehmen. Sie beharren auf der sofortigen Debatte und auf strengen Maßnahmen gegendie Feuerkreuzler. Die konservativen Blätter dagegen beharren auf ihrer Interpellation über die Maßnahmen gegen die Linksligen. Man nimmt an, daß Laval die Interpellation der Linken über die Ligen ablehnen und vor der Einberufung der Kammer die Regierungsdekrete über die Straßenmanifestationen verschärfen will. 'Laval empfing Freitag gegen Abend außer dem italienischen» dem sowjetrusfischen und dem türkischen Botschafter And dem päpstlichen Nun» tius auch den tschechoslowakischen Gesandten Dr. Osuskh. Die Unterredungen Lavals betrafen die gegenwärtige außenpolitische Lage und bezogen sich u. a. auch auf die donnerstägige Unterredung des französischen Botschafters in Berlin mit dem Reichskanzler Hitler. SS-Sturm auf ein kirchliches MMdchenhelm Berlin. Wie erst jetzt bekannt wird, wurde vor einigen Tagen in dem westlichen Berliner Vororte Dahlen das sogenannte B u r ck- hardthaus von 120 SS-Leuten ganz plötzlich besetzt. Dieses Haus ist die Zentrale für die weibliche Jugendbewegung der Bekenntniskirche. Die SS-Leute drangen über den Zaun des Hauses hinweg ein und durchsuchten alle Räume und sogar auch die Kehrichtkübel. Die Mädchen wurden ausführlich einige Stunden hindurch vernommen. Dieser Vorfall wird die ablehnende Stimmung stärken, die noch immer in Kreisen der Bekenntniskirche gegenüber der neuen von Kerrl eingesetzten Kirchenregierung obwaltet.\ Börsenmakler— rein arischer Beruf Berlin.(DNB.) Der ReichSwirtschaftS- minister Dr. Schacht hat angeordnet, daß die amtlich bestellten jüdischen KurSmakler und Kursmaklerstellvertreter an allen deutschen Börsen mit Wirkung vom 22. d. M. auS ihrem Amt ausscheiden, da öffentliche Aemter nach der ersten Verordnung zum Reichsbürgergesetz vom 14. November 1935 nur noch von Reichsbürgern bekleidet werden dürfen. Die Tätigkeit der: jüdischen Besucher bleibt im übrigen unberührt. Ium Konflikt In der tschechisch-klerikalen Partei Der Konflikt in der- tschechisch-klerikalen Partei ist noch immer nicht beigelegt, die führenden Männer der Partei wie Srämek und Minister Dostalek haben noch nicht eingegriffen. Die katholischen Arbeiter stehen hinter dem Abgeordneten Petr und dem ausgeschlossenen Sekretär Nepraö. Petrs Gegner wollten diesen in seinem Wahlbezirk entwurzeln, ist ihnen aber nicht | gelungen, da der Wahlkreis Pilsen treu zu Petr I hält. In den letzten Tagen hat der Vizepräsident ■ deS Abgeordnetenhauses Kosek«ine Vermittlungs- I aktion eingeleitet. 9 Roman von Karl ßtym Copyright by Eugen Prager-Verlag, Bratislava ■■■ tit■iramn'i Rohling ist unbarmherzig. Jupp und er waren gute Freunde. Er vertraute ihm. Darum ist jetzt sein Ärger so groß. Wären wir vorhin nicht gekommen, so hätte er ihn gewiß erschlagen. Rohling ist im Zorn ein Vieh. „Der Schorsch hat sieben, Schick zehn usw., aber du hast alle bestohlen!“ „Was gibt’s da?“ knarrt Lorett. Lorett kommt immer wie eine Katze auf Mausejagd. „Das ist der Wagendieb!“ Der Aufseher sieht verächtlich auf Jupp. „Gehen Sie hinaus in die Kanzlei um Ihre Papiere!“ Jupp zuckt zusammen— Er ist erledigt. Für alle Zeit und alle Gruben. Wir sind nicht unnötig hart und wissen genau, daß jeder von uns ein armer Teufel ist Auch Jupp ist ein armer Teufel, aber daneben auch noch ein Schuft Keiner von uns würde jemals noch mit ihm arbeiten.— Seine junge Frap wird weinen, wir werden ihre Tränen sehen und die hungrigen Augen der Kinder. Es wird uns leid tun, aber helfen— nein/» helfen werden wir nicht!— „Und ihr.“ Lorett wendet sich zu uns,„ihr geht an die Arbeit. Der Herr Hofrat ist hier. Jetzt drüben im„Ost“. In einer Stunde kommen wir zu euch!“ „Auch das noch!“ brummt Röhling,„wenn der•Teufel Junge hat, ist’s immer ein Haufen!— Zuerst ein Wagendieb, jetzt ein Hofrat und dann—!" „Mehr Lohn!“ ergänzt Uhu. „Und weniger Arbeit!“ mault Schick. „Da braucht man einen Saumagen zum Verdauen!" Röhling stampft wütend davon. Wir hinterdrein. Jupp ist vergessen. Etwas anderes beschäftigt uns. Der Hofrat, der sich mal bemüßigt fühlt, dort nachzusehen, wo seine Taschen gefüllt werden. Ein Aktionär in der Grube ist für uns etwa dasselbe, wie das Pfeifen des Regenvogels zur Erntezeit für den Landmann, das heißt, etwas Unangenehmes ist im Anzug. Diese Leute kommen nämlich immer dann, wenn Ae Geld brauchen. Von der Arbeit verstehen sie ja nichts, um so besser aber sind sie in Dividenden bewandert. Fehlt hier eine Null, so ist das noch lange kein Grund für sie, sich einzuschränken,, sondern einer für uns, dje Riemen enger zu schnallen. Hell und ich haben eben den halben Schlitz und dampfen vor Hitze, als sie kommen. Lorett macht den Führer. Er glüht im Amte wie ein praller Lampion. Der Hofrat ist eine aufreizend runde Kugel, der die kurzen, dünnen Beine nicht übrig viel Balance zu geben vermögen. Das junge, schmale Wesen neben ihm mag vielleicht seine Tochter sein. Für die sind wir gewiß ein prickelndes Abenteuer. Schwitzende Leiber und dreckige Kohle bilden doch einen netten Kontrast mit Kölnisch-Wasser und Spiegelsälen... Mein Kamerad und ich stehen steif vor dem Stock. Das gepuderte Ding guckt wie eine neugierige Meiß in Hells Schram und fragt, ob das„Pickeln“ hier schwer sei. Hell zuckt die Achseln. „Aber ihr verdient doch ganz gut!“ Wir beide drücken an einer Erwiderung. Lorett versteht und komplimentiert die Herrschaften noch rechtzeitig weiter. Eine Viertelstunde später noch kitzelt uns das widerlich süße Parfüm in der Nase. „Eine Ohrfeige wäre leichter zu ertragen, als dieser Gestank!“ brummt mein Kamerad verärgert. Mir ist jede Lust zur Arbeit vergangen. Ich setze mich auf einen Kohlenbrocken und rauche eine Zigarette. Hell lehnt an Ulm und nagt an seiner Unterlippe. „Wenn dieses Dämchen nun zu ihren Freunden kommen wird, wird es sagen:„Ach wie entzückend sich diese Leutchen— schinden müssen!*—!“ Er spuckt angeekelt aus. „Man könnte verrückt werden!“— Nach Schicht entdeckt Hell einen Anschlag in der Kaue. „Vorlesen!“ rufen mehrere. Hell steigt auf eine Bank und liest. Lohnkürzung!— Hells Stimme knattert über unsere Köpfe. Ich habe die Vorstellung von widerlich süßem Parfüm und großen, schwarzen Blutstropfen auf glitzernden Spiegeln. Die Köpfe der Kameraden sind geduckt. Eine wartende Stille ist im Kau. Man hört den eigenen Atem. Hell steht noch immer auf der Bank, trotzdem er mit dem Sermon schon lange zü Ende ist. Ich weiß, was er denkt: den verdammten Wisch zerreißen, in lauter kleine Fetzchen und diese unter die Füße der Kameraden werfen, damit sie sie zerstampfen.— Aber— dann könnte er morgen gehen. „Man soll uns gleich die Haut abziehen!“ schreit jemand. „Ruhe!“ mahnt Foggers Baß. Einer nach dem andern geht, langsam und schwerfällig» als drücke jeden einzelnen eine Faust zu Boden. Wir sind gar nicht überrascht, nur traurig und— kein« Rebellen.— Noch nicht!— Draußen ist schon Nacht. Hinter der Kaue schließt gleich der Wald an. An einem der vordersten Baumstämme pendelt ein Grubenlicht Hell und ich bleiben stehen und sehen hin. Was das nur sein mag? Wir horchen, hören aber nur die klappernden Schritte der vorübergehenden Kameraden auf dem Betonsteig. „Vielleicht hat jemand sein Licht dort vergessen!“ meint Hell. Ich gehe auf das Licht zu. Etwas an der Sache will mir nicht recht gefallen. Rr. 274 Sonntag. 24. November 1935 Seit» 3 fadctendcufsdaCT Zeitspiegel Politik oder Asitationsmanöver? Zur Briefschreiberei der KP Die„Rote Kahne" berichtet wieder einmal über einen Brief, den der kommunistische Abge- ordnetenklub u. a. auch dem Parlamentsklub der deutschen Sozialdemokraten wegen eines gemeinsamen Vorgehens bei der Budgetberatung geschrieben hat. Daraus erfährt man. daß die Kam» munisten nicht nur den sozialistischen Parteien, sondern auch den tschechischenAgra- riern. Gewerbetreibenden und Bolksparteilernfürdie Behandlung der Anträge-um Staatsvoranschlag eine„Sin» heitsfront* angeboten hat. Das ist aber schon die höhere Klassenstrategie. Jeder politisch Halbweg- geschult« Staatsbürger Weitz, datz der Staatsvoranschlag in monatelangen Borberatungen der Koalition aufgestellt wird und datz seine Ziffern der Ausdruck der Machtverhältnisse innerhalb der Regierungsmehrheit sind. Die Kommunisten wollen nun den Eindruck erwecken, als ob diese Machtverhältnisse durch einen freundlichen Schreibebrief an die tschechischen Agrarier oder Gewerbepar- teiler geändert werden könnten. Da- ist keine Politik mehr, sondern die Rückkehr zu k i n d i- scheu AgttationSmanövern. Offenbar will die KP ihre Anhänger über die wahre machtpolitische Problemstellung Hinwegtäuschen. Denn sie, die kommunistische Partei. steht bei der Beratung des DtaatSvoranschla- ge- vor der Entscheidung, ob sie weiter mit oppositionellen Deklamationen auskommen kann, oder den ersten Schritt zu einer ernstenStaatS- Politik machen will. Durch eine positive Einstellung zu einzelnen Kapiteln; Sozialfürsorge. Gesundheitsressort. Aufwand für die Nationalversammlung und den Präsidenten der Republik und schliesslich— im Hinblick auf das Bündnis mit Russland—- zum Kapitel Landesverteidigung, hätte sie es in der Hand, eine Verbreiterung der sozialistischen Front in der Regierung wenigstens anzubahnen. Die KP- täte gut daran, brieflich b«i s i ch selber anzufragen, was sie eigentlich will: realistische Arbeiterpolitik oder«ine ebenso fruchtlos e wie unehrlich« Opposition. Nochmals itir Berliner Olympiade Di« Kommunisten glauben wieder einmal, einen grossen Fischzug gemacht zu haben. An einem barnumartig aufgemachten Dreispalter erhebt die„Rote Fahne" gegen den Genossen Dr. Tz«ch den Borwurf, dass er in seiner Eigenschaft al- Gesundheitsminister für die„Hitler- Olympiade KS 100.00Q.-T- in sein Budget„einsetzte", Um den Arbeitern den sozialdemokratischen„Verrat" dramatisch vor Augen zu führen, druckt sie einen Absatz aus dem Aufruf der beiden Arbeitersport-Internationalen gegen die Berliner Olympiade ab und stellt ihn den „Schandtaten" des Genossen Dr. Czech gegenüber. Es gehört natürlich nicht zu den lieblichsten Beschäftigungen, sich mit den kommunistischen Herrschaften auseinanderzusetzen, aber manchmal bleibt einem auch diese Vergnüglichkeit nicht erspart. Und nun zum Tatbestand: Der Dudgetent- wurf des Gesundheitsministerium^ für das Jahr 1936 wurde samt den dazu gehörigen und von den Kommunisten inkriminirrten„Erläuterungen" im Monat April dieses Jahres. also noch während der Wirksamkeit drS AmtSvorgän- gerS des Genossen Dr. Czech» dem Finanzministerium überreicht. Bei den im Oktober diese? Jahres, also viele Monate danach, stattfindenden Budgetberatungen erwirkte Genosse Dr. Tzcch unter Berufung auf die ausserordentlich missliche Finanzlage der Turn- und Sportorganisationen eine Erhöhung der bisherigen Budgetpost für die»körperliche Erziehung" von 200.000 auf 400.000 Kö. Während der Verhandlungen über diese Er- böhung ist mit keinem einzigen Wort von der Berliner Olvmpiade oder gar der Subventionierung ihrer Beschickung die Red« gewesen. Die Gründ«, die für die Erhöhung der Budgetpost massgebend waren, wurden nach Abschluss der Budgetberatun« gen im„Motivenbericht" zum Budget niedergelegt, der in der Beilage zum Finanzgesetz auf den Seiten 881 und 888 abgedruckt ist. Wörtlich heisst es dort: „Körperliche Erziehung..-. Di« Gebarung im Jahr« 1984 zeigt«, dass die Post„Ausserordentliche Ausgaben für die Körpererziehung", welche 800.000 iii betrug, sehr niedrig war und das - Ministerium auf dem Gebiet« der Körpererziehung zu einer sehr traurigen Rolle verurteilte. Daher wurde di« Post um einen Betrag erhöht, der für den Zwech welchem er dienen soll, notwendig ist..." Richter n W o r t findet sich darin von der in den sogenannten„Erläuterungen" erwähnten Widmung für di« Olympiade, nichts von «InomB« trag vonlO 0.0 0 0 XL. welcher, wie di«„Rote Fahne" in fetten Lettern schreibt, in das Budget des Gesundheit-Ministeriums»eingesetzt" worden ist. Wohl fand der von den Kommunisten so bombastisch aufgemachte Absatz äusser dem obangeführten Motivenbericht in den„Erläuterungen" zum Budget, kapitel des Gesundheitsministerium- Ausnahme. Es geschah dies aber nur durch«in technische- Versehen eine- Beamten, welcher den Absatz bei der Schlussredaktion des Budget- zu streichen verabsäumt«. Die Herren Kommunisten mögen doch den Betrag per 100.000 XL aufstöbern» der nach ihrer Darstellung in- Budget»»eingesetzt" wurde. Die Kommunisten haben also zu früh frohlockt und übrig bleibt ihnen nur noch der Katzenjammer und das Kopfzerbrechen, wie sie—- wenn sie sich durch das Fahlengewirr des Budgets krampfhaft durchgeschlagen haben werden— ander Soh wieder heraussteigen können. Eine geistige Anleihe des SdP-Abseordneten Kundt Der Henlein-Abgeordnete K u n d t hat im VudgetauSschuh als nationalpolitisch« Forderung seiner Partei di« Errichtung eines Dezernat« für Minderheitsfragen beim Ministerratspräsidium verlangt. Dazu wäre festzustellen, dass dieser Vorschlag unmittelbar nach den Maiwahlen von unserem Abgeordneten Genossen I a k s ch in seinem Vortrag vor dem tschechischen Jonrnalistenklub „Program" erstattet wurde. Darüber ist seinerzeit in der tschechischen und deutschen Presse ausführlich referiert worden, waS einem aktiven Politiker kaum verborgen bleiben konnte. Wir können eS dem Abg. Kundt nicht verwehren. auf Anregungen von deutscher sozialdemokratischer Seite zurückzugreifen, wir erwarten von ihm auch nicht, dass er so etwas wie ein geistiges Urheberrecht anerkennt, sondern wollen bloss feststellen, dass die Henleinpartei wieder einmal im Begriff« ist, sich mit fremden Federn zu schmücken. Der Senat ist für Mittwoch, den 87. d. M.. um 8 Nhr nachmittags einberufen. Auf der Tagesordnung steht äusser Fristverlängerungen die Vorlage über die Sprengelbürger- sch ulen. Oie Not der Kleinbauern und Häusler In der böhmischen Landesvertretung brachte Genoss« Hala die Forderungen der Kleinlandwirte und Häusler zur Sprache. Aus seiner ausführlichen Rede geben wir nachstehend einen Auszug: Die Einführung eine- Getreidemonopols und die Festsetzung höherer Getreidepreise kommt nur den wenigsten Kleinlandwirten zugute, weil sie nicht- oder nur sehr geringe Mengen Getreide verkaufen tonnen. Hingegen wurden sie durch di« übermässige Verteuerung de- Futtergetreides. sowie aller anderen Futtermittelorten infolge der Aionopolbewirtschaftung- schwer geschädigt. Eine weitere Schikane für die ärmere Landbevölkerung bedeutet die neue Verordnung über di« Lohnvermahlung. Rach ihr müssen nun alle Landbewohner die Mahlprodutte direkt in der Mühle holen. Diese Massnahme trifft die Ä e r m st e n amDorfe, die stundenweit zurMühle mit dem Handwagen fahren müssen, um die nötigen Mahlprodukte zu erlangen. Die schwere Lage wurde noch ausserordentlich verschärft durch die z wer» jährige Missernte, die ganz besonder- den Futterbau und Kartofselbau in den westlichen Gc» kieten der Republik in Mitleidenschaft gezogen hat und viele Häu-ler und Kleinbauern zwang, ihren kleinen Viehbestand noch zu verringern, ja vielfach oft ganz aufzulaffen. Die vom Elementarschadenfond- au-geworfenen Unterstützungen haben keinerlei Besserung der Lage gebracht. In vielen Fällen Wurden die Kleinbauern von den Elementarschaden« Unterstützungen vollständig ausgeschlossen mit dem Hinweis, dass sie nicht zum landwirtschaftlichen Berufe gehören, sondern Arbeiter seien. Die Re- «ierung hat zwar di« Absicht, etwa 10.000 Waggons Getreide für Futter« und Saatzwecke zur Verfügung zu stellen, aber da- könnte nur dann von Erfolg begleitet sein, wenn man Futtergetreide, ebenso Kleie und Futtermehl um etwa 30 bis 40 KC im Preise billiger in die Notstandsgebiete abgeben würde. Es muss aber auch für eine gerechte Verteilung der von der Regierung zur Verfügung gestellten Mittel gesorgt werden. Der Landespräsident möge daher sei der Re- gieruug vorstellig»erden, daß sie rofcheft weitreichende Notstand-Unterstützungen zur MU» derung der Trockenheilsschäden in den betroffenen Bezirken durchführt. In Betracht kommt in erstor Linie eine genügende Beistellung von ousierordentlick billigen Futtermitteln für di« Klemviehzüchter» die vom Ruin bedroht sind. Keine Freundschaft mit H tler-Deutschlandl Genosse Müller gegen eine offizielle Beteiligung an der Berliner Olympiade Im WehcauSschutz des Senats nahm am Donnerstag Genosse M ülle r in längeren Aus, führungen zum Expos- de- Verteidigungsministers Stellung. Er polemisierte vor allem gegen die Ausführungen der Redner der Sudetendeutschen Partei,-i« immer wieder, den Ruf nach Freundschaft mit tzit- lerdeutschland erheben. Gerade Hitlordentschland ist heute der yefäbr> lich st e Friedensstörer. ES rüstet in un» erbörtem Matz. Schule, Sport und die ganze Beamtenschaft, alles ist militarisiert, trotzdem Tcutschland von keiner Seite einen Angriff zu fürchten hat. Es will keine Freundschaft mit un-, well die demokratische Republik ei« Hemmni- für die nach dem Hsten gerichteten Erpanston-bestrebungen de- Dritten Reiche» ist und da- Bündnis mit Rußland die Konzeptioneu Deutschland- durchkreuzt. Die bi» in gewisse Parteikreise reichende gewaltige deutsche Spionage ist auch nicht gerade ein Ausdruck| des Fremtdschafl-willonS. Gegen da- faicistische| Deutschland kann eS nur gr- ßte Vorsicht; geben. In der Armee selbst sollte der demokratische Geist mehr Förderung erfahre». Der Mannschaft Eine bedeutend« Erschwerung der Existenz der Kleinbauern und Häusler bildet auch die Verschuldung. Viele sind in der Zeit der Wirt- schaftSkonjunktur erst aus dem Arbeiterberufe hervorgegangen und in die Häuslerkategorie gekommen. Nahezu 60 Prozent von ihnen sind heute mit Schulden stark überlastet. In jüngster Zell wurde« aber Pläne verössent» licht, wonach die kleinen Existenz«« unter 1 Hektar Besitz von der Schuldenregelung ausgeschlossen werden sollen. Gegen diese Pläne, di« von der Geschäftsstelle der deutschen Land- und Forstwirtschaft propagiert werden, muß entschieden protestiert werde«, denn deren Vor» wiritichung würde zur Folge haben» daß zehn- tausende Existenzen zugrunde gehe«. Wenn eS aber gelänge, diese Zwergbetriebe durch Zuteilung oder Sicherung von Grund selbst- genügsam zu machen, könnte das Heer der Arbeitslosen um ein Bedeutsame» verringert werden. Und hier gipfeln unsere Forderungen nach drei Richtungen: Gesetzlicher Pächterschutz und eine Neuregelung der Verpachtung von Gemeindegrüniwn. F«r- derung der Kultivinrungsarbeit«» von Grund» stücken und Förderung der Kolonisationsbestrebungen. In dieser Zeit der wirtschaftlichen Not wäre es nur völlig gerechtfertigt, dass der in den Gemeinden vorhandene Grund und Boden nur den sozial bedürftigen Häuslern und Kleinlandwirten verpachtet wird. Leider ist in den meisten Gemeinden da- Gegenteil zu bemerken. Die Ber- pachtung der Gemeindegründe geschieht im Wege oer Lizitation, wobei die grösseren Bauern, weil sie zahlungskräftiger sind, die Grundstücke hinauf- lizitieren und so den bedürftigen Schichten entziehen. Als Beispiel fei di« Gemeinde Hniemitz im Bezirk« Mie» angeführt, wo d« dor Sudeten» deutschen Partei«»gehörenden Großbauern di« Pachtpreise um daS Zwei- bis Dreifache hinaufsteigcrten. Aber nicht nur die Verpachtung der Gemeindegründe, sondern das gesamte Kleinpächterproblem bedarf einer Lösung. Genosse Hala stellte hieranf eine Reihe von entsprechenden Anträgen, auf welche wir in den nächsten Tagen anlässlich der Abstimmung zurückkommen werden. mutz in bezug auf Behandlung, Verpflegung und Unterkunft das Bestmögliche gegeben werden. Redner wendet sich dagegen, datz Soldaten, die während der Dienstzeit erkranken, di« versäumte Zeit n a ch- dienen sollen, und verlangt, dass Fehlentscheidungen der gemischten Kommissionen, die über die Einreihung in die Ersatzreserve entscheiden, einer Ueberprüfung durch eine übergeordnet« Instanz unterzogen werden. Auch die Erledigung der Unterhaltsbeiträge fordert oftmals zur Kritik heraus. Für die vormilitärische Erziehung sind wir nicht gerade begeistert, doch macht die Tatsache, dass sie alle Linder ring» um uns bereits eingefuhrt haben, auchunsereZustimmungmöglich. Allerdings soll ihre Einführung im Einvernehmen mit den staat-treuen, verlässlichen Sporwerbänden erfolgen. Für die Ausbildung der Soldaten ist die Förderung der Sportverbände von grötzter Bedeutung. ES ist«in grosser Fehler, dass man sie zu wenig unterstützt. Genosse Müller sprich sich ferner gegen eine Subventionierung der Tellnohme der Tschechoslowakei an der Berliner Olympiade aus- E- wäre bedenklich, wenn man in ein Land, Laon unseren Grenzen Befestigungen errichtet und über die deutschen Gebiete des Staate- ein förmliches Spionagepetz gelegt hat. das im Rundfunk und in der Presse gegen unseren Staat in gemeinster Weise hetzt, mit staatlicher Unterstützung Sportmannschaften senden würde. Wir verwahren uns gegen die offizielle Teilnahme an der Olvmviade, die nichts andere» ist al» eine gewaltige Propaganda für den Nationalsozialismus. Bischof Lesse— 100.000Mark Geldstrafe Die andern drei und fünf Jahre Zuchthaus Berlin. Im Deviscnprozesr gegen den Bischof von Meißen» Peter Logge» wurde dieser wegen fahrlässigen Devisenvergehens zu 180.000 Reichsmark Geldstrafe verurteilt. Sein Bruder» Dr. Theodor Legge, erhielt wegen fortgesetzten Devisenvergehens fünfJabreZuckt- h a u s, fünf Jahr« Ehrverlust und 70.000 Reichsmark Geldstrafe. Der Generaldirektor Dr. Wilhelm Soppa wurde wegen des gleiche« Bergehens zu dr< i Jährest Zuchthaus und 70.000.Reichsmark Geldstrafe verurteilt. Narr vr. Paters kneift aus Eine besonders schlaue Taktile der SdP Prag. Am Samstag verhandelte der Budgetausschutz die Kapitel Aeußrres und Nationalverteidigung. Referenten waren Dr. K l a P k a und Prof. B r d l i k. Dr. Klapka begründete u. a. die Erhöhung de» Beitrage- an den Völkerbund auf 7.8 Millionen Kä damit, dass der Völkerbund den Ausfall der Beiträge Japans und Deutschlands nicht anders decken konnte al- durch Erhöhung der Beiträge der übrigen Mitgliedsstaaten, Im Jahre 1936 soll in Kiew und vielleicht auch in anderen russischen Städten ein Konsulat errichtet werden. Die Errichtung von Gesandtschaften sei in Bangkok und Oslo geplant, in Addis Abeba sei sie derzeit überhaupt nicht aktuell. Dr. Brdlik tritt für ein« Gehaltsregelung der Militärgagisten und vorläufig wenigsten- für eine provisorische Lösung ein. Der Armee müsse die Nation das äusserst Mögliche geben, vor allem müsse man das Geld für das Flugzeugwesen aufbringen. Er empfiehlt aus volkswirtschaftlichen Gründen die Berfütterung von Z u ck e r an die Militärpferde. Es werde dann möglich sein, den um 45 Prozent reduzierten Zuckerrübenanbau wieder zu erhöhen und dafür die Anbaufläche für Weizen zu reduzieren. Dann könnte man Kompensationsgeschäfte gegen Weizen aus den Ländern der Kleinen Entente durchführen. In der Debatte sprachen ven deutschen Rednern Mayr-Harting, der gegen die Aeusserung des Verteidigungsminister- polemisierte, dass wir.rings-, um von Feinden umgeben" seien, und für die SdP wieder ein Vertreter der salonfähigen Garnitur, Dr. Peters. Er brach für die deutsch-französische Verständigung eine Lanze und erklärte dann, seine Partei hüte sich derzeit aus rein taktischen Erwägungen, ihre Stellungnahme zur Auhenpolitik zu beziehen. Ein einfaches I a zum Erposö zu sagen, erscheine so kurz nach dem.Umsturz innerhalb der politischen Struktur des Sudetendeutschtums", nicht richtig, Auf die letzten Feststellungen des Genossen Taub eingehend, suchte Peter» darzutun, dass sich seine Gesinnung nickt geändert habe; er macke mir nicht mehr die Politik, die>er seinerzeit imSchat- t e n Spinas gemacht habe. Die Politik der deutschen Regierungsparteien sei falsch: das nationale Problem müsse als Staats Problem betrachtet werden. Vom Elektraschacht In UIckern Gestern fanden neuerdings Verhandlungen mit der Betriebsdirektion statt, die bi» nachmittags dauerten und schließlich das Ergebnis zeitigten, daß für die nächsten zwei Wochen eine Beschäftigung in d r e t Schichten pro Woche gesichert ist. Auf Grund dieser Vereinbarung hat die Belegschaft gestern um 3 Uhr nachmittags die Grube verlassen. In den kommenden 14 Tagen soll nochmals versucht werden, Kohlenliefe, rungen zu erhalten, damit niemand entlassen, werden braucht. Hoffen wir, daß das gelingt. Aus der Slowakei Die.Lidovi Noviny" melden, daß innerhalb der magyarischen christlich- sozialen Partei neue Strömungen auftreten. Bisher hat diese Partei eine grundsätzlich oppositionelle Politik gemacht, welche vor allen den politischen Wünschen jenseits der Grenze entsprach. Gegen diese Politik macht sich eine immer stärkere Opposition insbesondere der jüngeren Generation bemerkbar, nach deren Auffassung vor allem die sozialen Probleme der magyarischen Jugend, die Hauptsorg« der Par, tei bilden müßten. Auf dem kommenden Kongreß der Partei wird e« wohl zu Auseinandersetzungen kommen. Bemerkenswert ist ferner, daß in der letzten Zeit die slowakisch-klerikalen Turne r auS der gemeinsamen Organisation mit den tschechischen klerikalen Turnern in den historischen Ländern„Orel" ausgetreten sind und einen eigenen Turnerverband bilden werden. Ueder die Auseinandersetzungen in der böhmischen Lnnd.'Svertrctung äußert sich daS„Peavo Lidu" wfe folgt:„Nach unserer Meinung ist ,s zu diesem Krawall und szu den Zusammenstößen mit den Deutschen überflüssigerweise gekommen. Wenn eS auch offenbar ist, daß di« deutsche Erklärung über Initiative der Henleinleute erfolgt ist, hätte die Sacke viel ruhiger, nachdrücklicher und würdiger erfolgen können. Aber in Dr. Kubist« ist-er lärmende Geist der alten National, sozialen au» der Vorkriegszeit erwacht und so Hai er di« Deutschen mehr gestärft al- er sie abgewehrt bat. Er versteht sich, daß auck da» Auftreten der Deutschen in dieser Angelegenheit nicht günstig beurteilt wordm ist.. Seite t Sonntag, 24. November 1935 Nr. 274 Zaneeek-Streik beendet Arbeiterschaft genehmigt ehrenvolles Kompromiß— Arbeitsantritt Montag Prag. Nach acht schweren und opfervollen Streikwochen und mehrfach gescheiterten Einigungsversuchen wurde Donnerstag von den Vertretern. der Firma. JaneLek und den Gewerkschaftsdelegierten im Innenministerium ein Bergleichsvorschlag unterschrieben, über den Freitag eine Versammlung der streikenden Arbeiterschaft abzustimmen hatte. In der vergangenen Woche ist ein ganz unzureichender Vorschlag der Firma mit 536 gegen 9 Stimmen abgelehnt worden. Die Firma JaneLek hat inzwischen wohl erkannt, daß ein Diktat, wie es der frühere Vorschlag bedeutete, gegenüber dem geschlossenen Abwehrwillen der Arbeiterschaft nicht durchzudrücken ist und hat aus dieser Erkenntnis heraus die Konsequenzen gezogen. Die neuen Vorschläge der Firma boten die Möglichkeit zu Verhandlungen, die schließlich zum Abschluß eines Uebereinkommens führten. DaS Resultat war ein K o m p r o m i ß, bei welchem, wie es in der, Natur der Sache liegt, beide Teile Zugeständnisse machen mußten, das aber für, die Arbeiterschaft einen ehrenvollen Abschluß ihres Kampfes bedeutet. Durch die Vereinbarung wird zunächst festgesetzt, daß die gesamte streikende Arbeiterschaft in den Betrieb zu rückkehrt und daß das Dienstverhältnis für die Zeit des Streikes als nicht unterbrochen angesehen wird. Die Wiedereingliederung in den Betrieb wird allerdings etappenweise erfolgen. Die erste Gruppe nimmt bereits Montag die Arbeit wieder auf, die weiteren Gruppen in gewissen zeitlichen Abständen. Da die Firma einen guten Beschäftigungsgrad aufweist, dürste in kurzer Zeit die gesamte Arbeiterschaft wieder in geregeltem Arbeitsverhältnis stehen. Bis zum Arbeitsantritt gelten die Arbeiter als auf unbezahlten Urlaub befindlich. Wichtig ist, daß sich die Firma JaneLek verpflichtet hat, keine neuen Arbeitskräfte einzustellen, ehe die gesamte alte Arbeiterschaft wieder in Arbeit steht. Auch die Mitglieder des ehemaligen Betriebs-, bzw. Streikausschusses kehren wieder in die Arbeit zurück, doch wird die Vertretung der Arbeitnehmerinteressen bis zur Neuwahl des Betriebsausschusses(die binnen drei Monaten zu er folgen hat) einer von den Vertragsgewerkschaften nominierten sechsgliedrigen Kommission übertragen, deren Mitglieder die Pflichten und Rechte ordentlicher Betriebsausschußmitglieder zukommen. Der Vertrauensmann H o s e k, besten Maßregelung den Anstoß zu der Streikaktion gab, hat schriftlich erklärt, auf eine weitere Beschäftigung bei der Firma Jänecek nicht zu reflektieren. Jeder, der die Situation kennt, wird dieses Kompromiß als annehmbare Lösung des Konfliktes betrachten. Auch die Versammlung der streikenden Arbeiter genehmigte mit beträchtlicher Mehrheit die Vereinbarungen. Die K o m m u- n i st e n versuchten Zwiespalt in diese bedeutungsvolle Versammlung zu tragen. Das gelang ihnen fteilich umso weniger, als verschiedene ihrer Leute, die sich an radikalen Zwischenrufen nicht genug tun konnten, kurz vorher noch ein wenig kameradschaftliches und äußerst egoistisches Benehmen an den Tag gelegt hatten. Der Streik in den Janeäek-Werken ist beendet. Es war ein Streik, aus dem manche Lehren gezogen werden können. Die Unternehmer sind wieder einmal belehrt worden, daß es vergeblich ist, mit dem Kopf durch die Wand zu wollen. Weder die offene und versteckte Unterstützung der kapitalistischen Presse(ob nun freiwillig oder durch Inserate erkauft), noch die von gewissen Faktoren der tschechischen Agrarier aufgezogene Streikbrecher«„Gewerkschaft" haben sich gegenüber dem Widerstand der Arbeiterschaft als hinlänglich wirksam erwiesen. Vielleicht haben diese letzteren Faktoren das Haupt„verdienst" daran, daß der Konflikt nicht rechtzeitig beigelegt wurd und nicht nur die Arbeiterschaft, sondern auch die halsstarrige Firma schwere Verluste in Kauf nehmen mußte. Die Arbeiterschaft aber wird zu würdigen wissen, daß sie auch in diesen Zeiten der ärgsten ArbeitSnot über eine wirksame Waffe verfügt: die absolute Solidarität. Und wird gewissen Werbern kapitalistisch finanzierter Auch-„Gewerkschaften" die entsprechende Antwort erteilen. rb. Textilindustrie zu nichts: Das Parallelgeschäst wurde von Djibuti nach Addis-Abeba gestartet. In Ermangelung eines abessinischen Fascismus begnügte man sich hier mit schlichtem Weiß und dem brav-kaufmännischen M a d« i n N i ft>- p o n. Während Japan"nun das italienisch, abessinische Hemdengeschäft schnell und resbungs. los abwickelte, ist England in Verfolg möglicher Weiterungen in 1 dieser Sache, im Mittelmeer stark engagiert. Die Zeit nützend, versucht Nip- pon mit China inS„Geschäft" zu kommen. Denn schließlich ist eS einer großen Nation un- würdig, nur mit Hemden zu handeln. Eine Enquete über dir Reform der Ausbildung des kaufmännischen Nachwuchses beginnt am 27. November d. I. im Einheitsverbandshaus in Prag. Die Enquete ist vom Einheitsverband der Privätangestellten einberufen. Die Enquete wird sich in der Hauptsache mit der Frage befassen, wie den allgemein empfundenen Mängeln der Ausbildung unseres kaufmännischen Nachwuchses abzuhelfen wäre. Sie wird für die Reform des Lehrplanes der kaufmännischen Fach« und Fortbildungsschulen sowie für die den Schülern zu gebende praktische Ausbildung Vorschläge machen. Die Enquete soll darum Mittel Vorschlägen, durch die zu erreichen wäre, daß jeder Absolvent einer Handelsschule^mindestens neben der tschechischen auch die deutscheSprache tadellos beherrschte, irx beiden Sprachen genügend schnell stenographierte und ein quter Maschinenschreiber, wäre. Die Einberufer der Enquete sind der Ansicht, daß diese Kenntnisse und Fähigkeiten schon in der Bürgerschule erworben werden müßten, damit in den Fachschulen genügend Zeit für die eigentliche fachliche Ausbildung bliebet Unglücksposten. In A s ch a u starb der Mühlenbesitzer Franz K u h n e r t im 73. Lebens jahre. Er war erster Bürgermeisterstellvertreter,! legte jedoch aus gesundheitlichen Gründen dieses Amt im Jahre 1934 nieder. Merkwürdig ist, daß seit der letzten Gemeindewahl innerhalb eines Jahres der Bürgermeister- sowie seine- zwei Stellvertreter starben, und zwar> Bürgermeister H ä n k e im Oktober 1934, der zweite Biirgermeisterstellvertreter Karl Lein- w e b e r im Oktober 1935 und nun auch der erste Bürgermeisterstellvertreter Franz Kuhnert. Dachbrand in der Mährisch-Schönberger Kaserne. Samstag um 2 Uhr früh brach auf dem Boden des ersten Traktes der Kaserne des Infanterieregimentes Nr. 13 in Mährisch-Schönberg ein Feuer aus, welches sich auf das ganze Dach des ersten Gebäudes ausdehnte. Durch das Feuer wurde das Dach des Kasernengebäudes zum Schaden der Stadt vernichtet. Weiters verbrannte auf dem Boden ein Teil von Uniformbestandteilen zum Schaden der Militärverwaltung. Di« Ursache des Brandes wird untersucht. „Graf Zeppelin" startete Freitag um 23 Uhr zu seiner zweiten Pendelfahrt von P e r n a m» b u c o nach Bathurst. Verkehrsflugzeug bei Aspern abgestürzt. Samstag morgens stürzte auf dem Flugplatz von Aspern eine dreimotorige Fokkermaschine der Gesellschaft Air F r a n c e ab, die der Pilot Vinzenz Magerl steuerte. Das Flugzeug ging in Trümmer, der Pilot, der Telegraphist und zwei Passagiere kamen durch einen glücklichen Zufall bloß mit leichteren, Hautabschürfungen davon. Die amerikanischen Flieger Ellsworth und Gellock-Kenvon haben nun den dritten Start zwecks Ueberfliegung des südlichen Polargebietes versucht und teilten sofort nach ihrem Abflug auf radiotelegraphischem Wege mit, daß sich nunmehr die atmosphärischen Bedingungen des Fluges günstig gestalten.. Hochwasser in Süditalien Biele Todesopfer Rom. Die italienischen Provinzen Cala- b r i e n und Reggio wurden in den letzten Tagen von derart schweren Stürmen und Regengüssen heimgesucht, daß die Flüsse und Bäche durchwegs über ihre Ufer traten und schwere Ueberschwemmungen verursachten. Die Zahl der Opfer dieser Hochwasserkatastrophen wird mit 40 bis 70 ertrunkenen Personen angegeben, von denen üb e r'di e Hälft e Kinder zu sein scheinen. Die Wetterstürme bauerten noch Freitag abends an, wobei besonders das gesamte Gebiet zwischen Catansaro und Messina schwer heimgesucht wurde; dieses Gebiet liegt fast völlig unter Wasser. Mehrere Brücken sind zusammengestürzt. Die entfernter liegenden Bezirke sind vcllkommen von der Außenwelt abgeschnitten. Im Villenviertel von Meffina steht das Wässer einige Fuß hoch. Die Geleise wurden aus dem Erdboden gerissen, an anderen Stellen find sie wiederum vollkommen vom Schlamm bedeckt. Nach dem Sturm, der sich spät abends ein wenig legte, wehte oberhalb des überschwemmtenGehietes ein heißer Wind, der vom Aetna kam. Matrosen, die aus Messina^ heimkehrten, erklärten, sie hätten mächtige Feuersäulen dem Krater des Aetna entsteigen sehen, wobei auch ein unterirdisches Dröhnen zu hören war. Bestialischer Mord an der Geliebten Budapest. Der herumziehende Zuckerwarenhändler Johann Gergely ermordete im Pusta« vacer Walde auf bestialische Art seine Geliebte. Gergely machte dem Mädchen Vorwürfe, daß sie nocb zu anderen Männern Beziehungen unterhalte. Im Walde entkleidete er das Mädchen vollkommen» band sie nackt an einen Baum und schnitt seinem Opfer den Magen heraus. Schließlich erdrosselte er noch das Mädchen. Ms er nur mehr die Leiche vor sich sah, verunstaltete er das Mädchen bis zur Unkenntlichkeit. Schließlich irrte er den ganzen Tag über im Walde umher und stellte sich dann, vom hösen Gewissen gepeinigt, den Gendarmen. Großer EinbruchSdiebstahl in Gablonz Gablonz. In der Nacht auf Freitag drangen unbekannte Täter in die Geschäftsräume der Firma H. Kynzl ein» brachen die eiserne Kasse auf und entwendeten Gold» Silber, Platin und Schmuckstücke im Werte von über 6 0.0 00 Kfr. Eisenbahnunglück in Sachsen Dresden. Zwischen den Bahnhöfen Pockau- Lengefeld und Zöblitz-Pobcröhau stieß am SainS- tag vormittags eine einzelfahrende Lokomotive mit dem Personenzug von Pockau- Lengefeld nach Reitzenhain zusammen.Weide Lokomotiven und der Gepäckwagen entgleisten» der Führer und der Heizer der einzelfahrenden Lokomotive wurden schwer und siebenRei- s e n d e des Personenzuges leicht verwundet. Die Schuldfrage ist noch nicht gellärt. Hemden-Haudel. Das Hemd— auswechselbar wie je— wurde in unseren Tagen zum politischen Kampffaktor erster Ordnung. Braun, — grau,— silber,— blau,— und schwarz: Der FasciSmus hat daS Dorado der Mätze geschaffen. Japan erfaßte die Lage von der Konfektion und vom Kriegsgewinn her: Es überschwemmte, noch bevor der„Kufturfeldzug" ge- gen Abessinien in Gang gesetzt worden war, Erytrea und Somali mit Schwarz-Hemden, die italienische Fabrikate nicht nur preiSmäßig un- terboten, sondern durch eine literarisch-politische Draufgabe geradezu überflüssg, unverkäuflich, ja unsascistisch machten. Diese japanischen Schwarzhemden nänilich, sind mit einer gestickten Parole verziert, die dem braven Milizionär den Mussolini geradezu auf die Brust setzt und schlicht heißt: Evviva Mussolini. Andererseits verpflichtete daS Hoch der japanischen Zarathustra gegen Hitler Zum Tode Elisabeth Förster-Nitzsches P S. Die reichsdeutsche Presse erging sich in diesen Tagen anläßlich des Todes der Schwester Nietzsches in großen Lobeshymnen auf diese Frau. Richtig ist, daß Elisabeth Förster- Nietzsche durch ihre Güte und Hilfsbereitschaft ihrem Bruder in vielen Situationen eine gut« Kameradin war. Richtig ist aber auch, daß unter ihrer Leitung viele, zum Teil entscheidende Dinge aus Friedrich Nietzsches Nachlaß her Oeffentlichkeit vorenthalten worden sind. Die Schwester Nietzsches war ein^ überzeugte Nationalsozialistin, entsprechend dem Normld ihres Gatten Bernhard Förster, der sich zu einem wilden Antisemitismus bekannte. Diese Tatsache führte seinerzeit zu heftigen Konflikten und Auseinandersetzungen Nietzsches mit seiner Schwester. Der Dichter des Zarathustra empfand die Ehe seiner Schwester mit einem Antisemiten als eine blamable und für ihn kompromittierende Angelegenheit. Aus seinen zahlreichen Aeußerungen darüber zitieren wir die nachfolgenden Stellen eines Briefes, den Nietzsche am 26. Dezember 1887 seiner Schwester aus Nizza sandte(die Bezeichnung ,Iama" war ein von Nietzsche gerne verwendeter Kosename für Elisabeth): . Eine der größten Dummheiten hast Du, mein armes Lama, gemacht— für Dich und für mich. Dein« Verbindung mit einem antisemitischen Chef drückt eine Fremdheit gegen meine ganze Art zu sein aus, die mich immer von neuem mit Groll oder Melancholie erfüllt. Du sagst zwar, Du habest den Kolonisator Förster und nicht den Antisemiten geheiratet, und dies ist auch richtig; aber in den Augen der Well wird Förster bis an sein Lebensende der Antisemitestchef blechen.. Weißt Du, mein gutes Lama, es ist..ne Ehrensache für mich, nach feiten des Antisenntis» ntus hin absolut reinlich und unzweideutig zu sein, nämlich ablehnend, wie ich es in meinen Schriften tue. Man hat mich in den letzten Zeiten mit Briefen und. antisemitischen Korrespondenzblät- tern heimgesucht; mein Widerwille vor dieser Partei(die gar zu gern ihren Vorteil von meinem Namen haben möchte!) ist so ausgesprochen wie möglich, aber die Verwandtschaft mit Förster ebenso wie die Nachwirkung meines ehemaligen antisemitischen Verlegers Schmatzner bringen immer wieder die Anhänger dieser unangenehmen Partei auf die Vorstellung, ich müsse wohl zu ihnen gehören. Wie sehr mir das schadet und geschadet hat, kannst Du Dir kaum vorstellen. Die gesamte deutsche Presse schweigt mein« Schriften tot— seitdem, sagt Overbeck. Es erweckt vor allem Mißtrauen gegen meinen Charakter, wie als ob ich öffentlich etwas ablehne, was ich im Geheimen begünstige,— und daß ich nichts dagegen zu tun vermag, daß in jedem antisemitischen Korrespondenzblatt der Name»Zarathustra" gebraucht wird, hat mich schon mehrere Male beinahe krank gemacht.— Verzeihung! es ist unrecht, Dir daS zu sagen, und unbillig, das arme Lama für die Gesinnungen dieser Partei verantwortlich zu machen. Aber ich bin nicht immer .chillig" gesinnt..."' Schließung der medizinischen Fakultät der Sosioter Universität? Der bulgarische Aerzjever« band ist nunmehr bestrebt, eine auf mehrere I a h r e sich erstreckende Schließung der medizinischen Fakultät in Anbetracht der großen Anzahl der Aerzte in Bulgarien zu bewirken. Es gebe auch zahlreiche arbeitslose Aerzte. Der Akademische Senat der Universität wird dieser Tage über diese Forderung Beschluß fassen. Ei» Wikingerschiff. Aus Tallinn wird gemeldet: Am Tihu-See wurde ein Wikingerschiff, das etwa 4000 Jahre alt sein mag, gefunden. Ei» teuerer Lehrer. Dieser Tage lernte ein Schneider aus Prag-Weinberge den 46jährigen ehemaligen Privatbeamten Franz Krause kennen, der sich erbötig machte, ihn Deutsch zu unterrichten. Tatsächlich gab er ihm eine Stunde; da er aber am nächsten Tage ausblieb, schöpfte der Schneider Verdacht und fand sich beim Durchsuchen seiner Wohnung um ein Einlagsbuch und eine Lebensversicherungspolizze im Werte von über 30.000 XL erleichtert. Ausserdem hätte der angebliche Lehrer dem Schneider 800 XL in bar, einen Smoking, einen Raglan und einen Filmapparat herauSgelockt; Umstände, die sich ohne den Verdacht gewisser Beziehungen zwischen den beiden eigentlich schwer erklären lassen. Bei der Verhaftung stellte sich heraus, daß Krause ein sogenannter schwerer Junge ist; vor kurzer Zeit hatte eine Firma am Wenzelsplatz gegen ihn die Strafanzeige wegen Diebstahls einer ziemlich bedeutenden Summe in Zwanzighellermarken erstattet, ferner suchte ihn die Reichenberger Polizei wegen eines Manteldiebstahls und zahlreiche Gendarmeriestationen wegen verschiedener Betrü- gereien. Unterschlagene Juwelen und fingierter Einbruch? Gegen den Juwelier Bohumil Roväk aus Prag I und seinen noch unbescholtenen Sekretär. I. R. auS Kärolinental wurde dieser Tage die Strafanzeige wegen Veruntreuung verschiedener Juwelen im Werte von 7000 Xi erstattet, die er zum Verkauf übernommen hatte. Noväk behauptete, er hätte die Juwelen einer dritten Person in Kommission gegeben; doch mutzte er bei der Konfrontation gestehen/ dass er die Schmuckstücke verseht und das Geld für sich verwendet hatte. Im Zusammenhang damit scheint sich ein bereits einige Monate alter. Versicherungsschwindel NoväkS herauszustellen., Noväk hatte damals die Strafanzeige wegen eine- angeblichen Einbruchs erstattet, bei dem ihm Schmuck im Werte von 30.000 XL abhanden gekommen sei, welch« Summe er später auf 20.000 XL ermässigte. Nun wurde eine goldene Uhr, die er als. gestohlen gemeldet hatte, in seinem Besitz gefunden, so datz der Verdacht besteht, datz er den g a n«. zen Einbruch fingiert hatte, um sich in den Besitz der Versicherungssumme zu setzen. Er wurde nach Pankratz eingeliefert. Wieder Todesstnrz eines Arbeiters. Samstag vormittags arbeitete auf dem Dach des einstöckigen Hauses Nr. 1032 in der Hafengaffe in Smichow der 38jährige Dachdeckermeister Franz Riha aus Podol. Plötzlich ritz der Sicherheitsgurt, er stürzte ab und blieb bewusstlos im Hofe-liegen. Auf der Klinik Schlaffer wurde festgestellt, datz er eine schwere Ge- hirnerschütterung und einen Bruch der Schädelbasis erlitten hatte. Seine Verletzungen sind tödlich. Allmähliche Wetterbefferung. In einem große« Teil der Republik ftel SamStag nachmittags noch Regen oder Schnee. Die NiederschlagSzone beginnt jedoch gegen Norden und Osten zurückzuweichen. Auch für unsere Gegenden wird die Wetterlage nunmehr etwas günstiger, trotzdem unbedeutende StörungSrest« strichweise noch leichte Niederschläge bringen können. Auf den Bergen herrscht schwach e r F r o st. Die Frostgrenze liegt im Westen des Staates in einer Höhe von etwa 700 Metern, im.. Osten bei etwa 1000 Metern über dem Meeresspiegel.— Wahrscheinliches Wetter von heute: Vom Südwesten her allmähliche, Wetterbefferung, in den Niederungen jedoch noch vielfach bedeckt, nebelig, Temperatur nachts nahe Null. Im Nordosten des Staates noch strichweise Niederschläge. — Wetteraussichten für Montag! Ruhig, nebelig, keine wesentliche Aenderung. Vom Rundfunk empfehlenswertes aus den Programmen) Montag Prag: Sender 2.: 10.05 Deutsche Presse. 10.40 Schallplaiten: Dvorak. 11.00 Schallplatten. 13.30 Arbeitsmarkt. 13.40 Leichte, Musik. 17.00, Kinderstündchen. 17.40 Klavierkonzert. 18.10 Deutsche Sendung: Westen: Mit Ski und Rodel in den südlichen Böhmerwald. 18.20 Gasschutz und Luftschutz. 18.35 Dr. Zak: Wirtschaftliches Relief. 18.45 Deur- sche Presse. 19.30 Lieder über Worte. 22.20 Russisch für Fortgeschrittene.— Sender St.: 14.00 Schallplatten. 14.20 Deutsche Sendung: Sordan: Wein, Weib und Gesang. 15.00 Deutsche Preffe. 19.10 Lustige Lieder.— Brünn: 13.30 Arbeitsmarkt und Sozialinformationen. 17.40 Deutsche Sendung! Kinderstunde. 20.00 Künstler-VarietL.— Mährisch' Ostrau: 18.10 Deutsche Sendung: Arbeiterfunk: Chobot: Ursprung und Entwicklung der Ge- noffenschaftSbewegung im Ostrau-Karwiner Bezirk; Rezitationen. 21.24 Kammergesangvereinskonzert. Prrßbnrg: 17.15 Violoncello-Konzert.— Kascha«! 16.10 Orchesterkonzert. DienStag Prag: Sender L.: 10.05 Deutsche Preffe. 1105 Deutscher Schulfunk. 12.35 Orchesterkonzert. 17.00 Jugendstunde. 18.45 Deutsche Sendung: Kammermusikwerke heimischer Komponisten. 20.05 Uebertra- gung auS dem Nationaltheater: Ein Schelm auf dem Jenseits, komische Oper von Begovic. 22.45 Englische Nachrichten.— Sender St.: 14.15 Deutsche Sendung: Dr. Zilchert: Mythus und Mythologie. 14.30 Stransky singt. 18.45 Bakulesänger singen Volkslieder.— Brünn: 15.00 Orchesterkonzert. 17.40 Deutsche Arbeitersendung: Sozialinformationen; Schildt: Jnnenkolonisation und Auswanderung. 22.15 Tanzmusik.— Mähr.-Ostran: 18.1« Deutsche Sendung. 20.40 Populäres Orchesterkonzert.— Kascha«: 17.25 Violinkonzert, Nr. 274 Sonntag, 24. November 1935 Seite 5 N-a-ec Zeitun- Heute Beginn der Sammelaktion des BezirKSVereinS Arbeiterfürsorge! Richt Wohltun, sondern Solidarität! Unsere notleidenden Klassengenoffen brauchen Hilfe und Beistand. Sie haben Euch nie im Stich gelaffen, wenn Ihr sie brauchtet, wenn es galt, für Arbeiter- und Ai gestelltenintereffe« einzutreten. Denkt daran und gebt schnell und reichlich, was Ihr entbehren könnt: Kleider, Wäsche, Schuhe, Lebensmittel und Geld. Wir zählen auf Euer« Hilfe! Die deutschen sozialistischen Studenten zur Friedenskundgebung An der Friedenskundgebung der tschechoslowakischen studentischen Verbände waren auch die Freie Bereinigung sozialistischer Akademiker und die Marxistische Arbeitsgemeinschaft deutscher Hochschüler beteiligt. Im Namen dieser beiden Organisationen gah der ^Obmannstellvertreter der Freien Bereinigung, Genosse I. Doppler, folgende Erklärung ab: > Im Namen der anwesenden deutschen demokratischen Studenten begrüße ich dieFriedenskundgebung der tschsl. Studentenschaft. Indem wir Seite an Seite mit euch für die Erhaltung deZ Friedens manifestieren, erklären wir unsere Bereitschaft zur Beendigung sinnloser nationaler Streitigkeiten, die nur den Jntereffen der inneren und äußeren Feinde unsere Demokratie dienen. Wir sind dem Initiator der heutigen Kundgebung, dem Spolek poflucha Lü silosofie dankbar für die unter der Anleitung des bedeutendsten Mittlers unserer Muttersprachen Prof. Otokar Fischer eingeleitete umfassende tschechisch-deutsche kulturelle Zusammenarbeit. Wir begrüßen es ganz besonders, daß der Üstrednl Leskoslo- densköho ftudenstva heute zum erstenmal in Angelegenheiten gesamtstaatlicher Bedeutung mit deutschen Studenten zusammen arbeitet. Wirbekennen uns ohne Einschrän- »ung zur Politik der unermüdlichen Arbeit für den unteilbaren Frieden und für die kollektive Sicherheit, zur Außenpolitik unsere? Staates, die im Geiste seines Gründers und Oberhauptes, unsere? verehrten und geliebten Präsidenten Prof. T. G. Masarhk, von Außenminister Dr. Edvard BeneS geführt wird. Biele Deutsche glauben heute, die Probleme der europäischen Wirtschaft und Politik abseits von der kollektiven Zusammenarbeit im Völkerbund durch Absonderung ihrer höllischen Gemeinschaft einer Lösung zuführen zu können. Demgegenüber bekennen wir uns zur Politik der allumfassenden europäischen Zusammenarbeit und deS Völkerbundes. Wir sind Dr. Benes besonder- dankbar für seine Bemühungen um die Einbeziehung der Union der sozialistischen Räterepubliken in den Völkerbund und den Abschluß der gegenseitigen Hilfeleistungsverträge, die die beste Garantie gegen die Bestrebungen der Friedensstörer und Unruhestifter in Europa bilden. Die Politik deS unteilbaren Friedens bedeutet nicht allein die Erhaltung des Bestehenden, sie ist«in großer Versuch, durch Verhinderung der KriegS- kaiastrophe die Grundlagen der Zukunft des Neuen Europa, einer vernünftigen und gerechten Ordnung der wirtschaftlichen und sozialen Probleme, zu sichern. Die Ideen und Prinzipien unserer Außenpolitik auch nn inneren Leben unseres Staates zu realisieren, muß das gemeinsame Bemühen der tschechischen und deutschen fortschrittlichen Und demokratischen Oeffentlichkeit sein. Erhaltung des Nationalen Friedens zwischen Tschechen und Deutschen in der Tschechoslowakischen Republik, kollektive Bekämpfung der gemeinsamen Wirtschaftsnot durch dlanmätzige Regelung der Wirtschaft fei unser gemeinsames Programm! Schreiten wir «nr Werk: Gleiche unter Gleichen! Wir Merden nicht ruhen, alle Kräfte anzustrengen, dem haßerfüllten totalitären Nationalismus die Ideen der Kooperation der Demokratie, des Sozialismus entgegenzustellen. Uebermitteln Sie, Herr Minister, dem Staats« oberhaupte unser Gelöbnis: Wir werden arbeiten und •— wenn er nottut kämpfen— für di« Demokratie, für die Tschechoslowakische Republik, für Frieden, Freiheit und Fortschritt, für Europa und die Menschheit. Kinderfreunde Prag B»ranzei»e: Donnerstag, dm 28. November 1935, 8 Uhr »bends im Hotel„Monopol"(gegenüber dem Mas«, khktahnhof) Elternabend mit Vortrag des Gesoffen Lthrer Hoffmann über„Wa» schenke ich den Kindern zu Weihnachten?" und Genoffr Emst Paul über da- Thema: Da- gute Buch. Am 8. Dezember halb 3 Uhr nachmittag- findet iw großen Saal de- Handwerkervrrein», SmeLka» saff«, ,in Kindernachmitta« mit reichhalti» sem Programm«nd Lichtbilder»»rfühmngm statt. Alle Gmoffinnm and Genoffen find zu diesen Beranstaltnngm herzlichst eingeladm. Sie WMdßti der Vierröhren-Fernempfänger GALA UNIVERSAL für Gleichstrom, den Sie ohne|ed- weden Umbau und ohne einen Heller Mehrkosten an ein Wechselstromnetz anschliessen können. Er kostet bar Kr 1950.—. JCunst und Mssea Die erste Legion Emmet Lavery, der nordamerikanische Autor dieses Stücks— gestern im Deutschen Theater erstaufgeführt—, nennt es ein Schauspiel. Das ist es nun eigentlich nicht. Vielmehr liegt«ine bühnenmäßig gesehene und geschilderte epische Handlung vor, in genug eigenartigem(um nicht zu sagen: einzigartigem) Milieu, auf religiös-philosophischer Unterlage, und mit der Auseinandersetzung zwischen Glauben und Wissen als Angelpunkt. Ein Jesuitenkollegium wird vorgeführt, in dem einzelne Patres zu zweifeln beginnen. Da geschieht ein„Wunder". Pater Serge, seit langem gelähmt, erscheint urplötzlich geheilt in der Versammlung der Väter. Das führt die Wankenden wieder zum alten Glauben und unbedingten Gehorsam zurück. Nur einer der Patres will an das Wunder nicht glauben; um so weniger, als der Arzt des Collegiums, ein ungläubiger Laie, ihm klar macht, daß es sich bei der Heilung des Gelähmten um einen natürlichen Vorgang handelte. Da- Beichtgeheimnis zwingt Pater Mark, diese Eröffnung für sich zu behaltem Aber er weigert sich, den auf Grund de-»Wunders* betriebenen Prozeß der Heiligsprechung des Colle» giumgründers in Rom zu vertreten. Der Rektor bezahlt diesen schweren Konflikt unter den Seinen mit dem Tode. Tann aber— das Collegium kam inzwischen in den Ruf eines zweiten Lourdes— wird ein seit frühester Kindhkit aelsthMtetz^Knäbe, der Reffe des Arztes, auch"plötzlich in den Mauern des Collegiums geheilt. Das besiegt nicht nur die Zweifel Pater Marks, sondern führt auch den Arzt wieder auf den Weg des Glaubens und der katholischen Kirche. Ein Tendenzstück also, boll unzweifelhafter Absicht, die Gottgläubigkeit zu stützen und zu fördern, für die Wunder der katholischen Kirche zu werben. Aber ebenso unstreitig eine wirkliche Dichtung. Das Menschliche steht im Vordergrund, wenn auch dort Beichstuhl und Vaterunser, die Macht der Kirche und die Gewalt des Glauben- ununterbrochen sichtbare Stätte haben. Dramatische Höhepunkte von teilweise packender und erschütternder Kraft sorgen immer wieder für neuerwachendes Interesse, wenn eS gerade durch ein Zuviel an Diskussion und Reflexion zu erlahmen droht und wenn das seltsame Ordensmilieu nicht mehr genug Teilnahme zu wecken vermag. Dazu kommen eine ganze Reihe fesselnder, gut gesehener Figuren, an denen auch nur wieder ein Zuviel an menschlicher Güte, Liebe, Herzens» und BerstündeSbildung einigermaßen mit der, Wirklichkeit und übrigens auch mit der gemeiniglichen Vorstellung, die man von den Jesuiten hat, kollidiert. Aber trotz alledem ein wertvolles Stück. And eine I ausgezeichnete Aufführung. All das läßt hoffen, daß man demnächst auch ein Stück modernsten Inhalts, mit Betonung des Sozialen und Demokratischen, zu sehen bekomme und daß dann der Respekt vor dem Kunstwerk Toleranz und Verständnis auch der aude« , ren Seite erziele. Anter der Regie L i e b l(der selbst auch wie- I der einmal al- Schauspieler zu sehen und zu hören | war und der an dem Pater Ouarterman seine Kunst der Charakterisierung mit einfachsten und überzeugendsten Mitteln neu erwies) war das Milieau ganz vortrefflich nachgezeichnet und eine erlesene Mischung von Gemüt und Gemütlichkeit erzielt, wie man sie in dem Jesuitencollegiüm anzutreten nicht vermutet hatte. Das Zusammenspiel war auf das Feinste aus» gefeilt. Besonders ragten Volker als edler Rektor. Klippel als in tiefster Seele wahch astiger Kämpfer, B a l k als zynischer Arzt, Richter und Trab au er als fanatische Jesuiten, hervor. Ueberaus einprägsam. auch hie jungen Patergestalten der Herren Schmerzenreich und Brix, der kindlich glaübige Pater Serge des Herrn Padle s a k und der köstlich-joviale Pfarrer des Herrn Costa. Den Zehnjährigen spielte Frido Bunzl erstaunlich klar und stei. Der szenische Rahmen und alle Ausstattung war in künstlerischester Weise von Herrn Kotulan besorgt worden. DaS Publikum(darunter zahlreiche kirchliche Würdenttäger) folgte dem Geschehen mit sichtlicher Anteilnahme und spendete Beifall in der Form, die angesichts der rituellen Betonung angemessen erschien. L. G. Wochenspielplan deS Reuen Deutsche« Theater». Heute, Sonntag, halb 3 Uhr nachmittags: D a S u n- bekannte Mädchen, halb 8:BenuS in Seide, C 1.—Montag 8: 1. Philharmonisches Konzert.— Dienstag halb 8:Martha, AI.— Mittwoch halb 8: Der Feldherrnhügel, BI.— Donnerstag halb 8: Die erste Le gi o n, C 2.— Freitag halb 8: B e n u S in S e i d e, D 1.— SamStag halb 8: Macbeth, Erstaufführung, BI— Wochenspielplan der Kleinen Bühne. Heute, Sdnntag 3)4 Uhr: DerKönigmitdem Regenschirm, 8:Kameraden.— Montag 8 Uhr:Der Königmitdem Regenschirm, Bankbeamte I.— Dienstag 8 Uhr: D a S unbekannte Mädchen, volkstümliche Vorstellung.— Mittwoch 8 Uhr: Kameraden. — Donnerstag halb 8: Ieanne, Erstmiffiihrung. — Freitag 8 Uhr: Kameraden, Theatergemeinde des KulturverbandeS und steier Verkauf.— SamStag 8 Uhr:Damals undheute(1900 bis 1985), Erstaufführung. Kus der Partei Bezirksorganisation Prag der Deutschen sozialdemokratischen Arbeiterpartei Der Diskussionsabend über daS Thema: „DiefZinSfußherabsetzung und ihre Bedeutung für die Volkswirtschaft" kann wegen Verhinderung des Referenten Genossen Heinz Fischer, nicht Donnerstag, den 28. November, sondern erst Donnerstag, den 5. Dezember» um 8 Uhr abends im Parteiheim, Närodni 4, stattfinden. WlaHsflsdic Jugend. Kreis Pro# Nevolutionsfeier zum 18jährigen Bestand der UdSSR, am Montag, dem 25. November 1935, 20 Uhr im Urania- Kino, Klimentskä. ES läuft der Ruffenfilm „Die Erde dürstet" außerdem Kollestivrrferat der neuen Tpieltruppe der SJ-Prag aus„Zehn Tagen, dir die Welt erschüttern". Eintritt Ki 3.20, 4.20, 5.20.— Reinertrag zugunsten der Solidaritätsaktion der Artritrrfürsorge.— Kartenvorverkauf im Partei- heim. Das Gesetz über die Finanzmaßnahmen im Bereiche der Gebietsselbstverwaltung lEntschuldungsgeseh) von Dr. D. Frank, kann zum Preise von 18 KS auch bei der Gemeindeberatungsstelle bezogen werden. Skc Dirn-' Borstadtvariett. Daß ein Film mit Luise U11- r i ch von Anfang bis zu Ende langweilig geworden ist. zeigt, wie weit es mit dem deutschen Film gekommen ist. Denn die Ullrich war— außer der Wessely— die einzige wertvolle Schauspielerin. die nach dem Abgang der Bergner. der Dietrich, der Sten und der Reher und nach dem künstlerischen Ruin der Thiele und der Wieck dem deutschen Film noch geblieben war. Eine Schauspielerin, die selbst belanglose Rollen durch ihr natürliches Temperament und ihre ganz unkitschige und ungeziette Einfachheit wirksam machen komtte. Aber in diesem(hier unter dem Namen„Die Wiener Nachtigall" vorgefühtten) Alt- Wiener Film des Nazi-Regisseurs Werner H o ch- bäum hat man der Ullrich eine Rolle gegeben, in der sie nur noch seufzen konnte. Sie muß ein Wiener KomödiaNtenfind spielen, das in einen eifersüchtigen und beschränkten Jüngling vom Lande verliebt ist, und immerfort betont, anständig zu sein, bis sie der Eifersüchtige schließlich knapp vvr dem Selbstmord rettet. Herr Hochbaum hat diese an sich schon krampfhaft langweilige Geschichte mit unmotivierten Großaufnahmen und einer unfteiwillig komischen Dramatik, ohne die Spur von Einfällen, Können und Geschmack in Szene gesetzt— mit einem Ensemble, das den Titel„Vorstadtvoritö" durchaus rechtfertigt.—eis— Die Sonne selbst hat ihn gemacht Sie wissen doch, daß man die Sonnenkraft durch Maschinen ausnützt? Diese ungeheure Kraft hat auch der PEROIA in sich, der auf heimischen Feldern reift. Er führt nicht nur Gesundheitzu, er schmeckt auch wunderbar und ist spottbillig. Skrjata^, Auch zu Perola: Aecht Franck. Dereiusnactuicstten. Bezirksverein Arbcitcrfürsorge. Die Sortierung und Bearbeitung der einaelangten Kleider und Wäsche für unsere HilfSaktion beginnt morgen, Montag, bereits in den Vormittagsstunden in der GEC, Fügnerovo näm. 4, 5, Stock. Die Genossinnen werden ersucht, sich an dieser Arbeit zahlreich zu beteiligen. „S.P.D.-Eniigranten! Freitag, den 29. November, abends 7 Uhr im GewerkschaftshauS(Eingang BartholomLjskä 14) Versammlung. Vortrag des Genossen Ollenh.auer über da? Problem der Einheitsfront.— Eintritt nur gegen Ausweis. Nlttei(ungut tu»'Urania« Heute Hali 11 Uhr vormittags:„Leib«nd Teufel". Greta Garbo. John Gilbert..Kamera-Matinee." „Zeugen antiken Geistes«nd Lebens." Sonder- Zyklus(In memoriam Rzach): Prof. Hopfner: „A t h e n". Die Blüte griechisches Kunst und Literatur.(Zahlreiche Lichtbilder.) Montag 8 Uhr. „DaS Magen- und Darmgeschwür." Seine Bedeutung. Behandlung und Verhütung. Doz. Dr. Paul Mahler. Dienstag, 8 Uhr.(Die Krankheit, di« meist sehr schmerzhaft ist, hat nicht nur durch die weite Verbreitung, sondern vor allem auch dadurch, daß sie junge Leute oft für Wochen dem Beruf entzieht. eine große medizinische und soziale Bedeutung.) „Däumling als Detektiv." Lustiges Märchenspiel mit Däumling in dek Hauptrolle. Außerdem «wert, Lustspiele, Kt n d e r n achmä tt.a a. Mitte, woch, 3 Uhr. „Die Fra« von 30, 40 und 50 Jahren."(Sozialer Kontakt, Liebe und Arbeit.) Vortrag Sofie Lazarsfeld(mit anschließender Diskussion). Donnerstag, 8 Uhr. Iung-Llrania '«DaS Neueste aus aller Welt." Oberlehrer Alfred Scholz. Eine kunterbunte, belehrende, unterhaltende.Leitung" mit vielen Lichtbildern. Interessant für groß und klein. Mttwoch, 5 Uhr. Masarhk-Volkshochschule „Ter Film von gestern und heute." Dr. Franz Glaser. Vorführung des Filmes:..Sterne, die nicht verlöschen". Montag, halb 7 Uhr. „Menschenkenntnis." Dr. Fürst. Erforschung deS Charakters aus Handschrift, Gesichtszügen und Handlinien. Montag, 8 Uhr. „Die neuesten graphologischen Forschungsergebnisse." Willy Schönfeld. Mittwoch, 8 Uhr. Ürania-Kino Pauk Hörbiger, Hans Moser, Maria Andergast: die Starbesebung in dem entzückenden Lustspiel;, „Endstation". Heute 2, 4. 6, s49 Uhr. filme In Prager Lichtspielhäusern Adria:„Kardinal Richelieu." A.— George Arliß.— Alfa:„Es geschah in einer Rächt." A. — C. Gable, C. Colbert.)— Avion:„M arkt der Eitelkeit." A.— M. Hopkins.— Berünek:„Die Kinderlose." Tsch.— Ff nix:„So mach ich eS." A.— Mae West.— Flora:„Folies Bergere." A.— Gaumont:„Vorstadt-Variete." D. — Luise Ullrich.,— Hollywood:„Borstadt-Varietä." D.— Hvkzda:„Bolero". A.— Julis:„Musikus Florian."— Kinema: Journale, Grotesken, Reportagen.(%2 bis yi7.)— Koruna:„Die Insel der Aufftändischen." A.-— Kotva B 36:„D er ne ue Gulliver." Ruff.— Lucerna:„Liebe nach Noten." A.— Metro:„Die ganze Welt dreht sich um Liebe." D.— Olympic:„Der Kampf mit dem Drachen." D.— Passage:„Episode." D.— Paula Wessely.— Praha:„General Isens Leidenschaft." A.— Radio:„Die Kinderlose." Tsch.— Skaut:„Folies Bergere" A.— Svktozor:„Episode". D. Paula Wessely.— Alma:„Gebrochene Herzen." A.— Bajkal:»Leutnant Bobby." D. Belvedere:„M. R. Stefan».' Tsch.— Brseda:„D u bistdieEinzige." Engl.— Elisabeth Bergner.— Carlton:„Kleopatra." A.— JL»sion: „Folies Bergere." A.— Kapitol:„Zwischen Himmel und Erde." D.— Lid, II.:„Die Kinderlose." Tsch.— Louvre:„Weib und Hampelmann." A.— Marlene Dietrich.— Mareska:„Menschen in Weiß." A.— Roxy:„Folies Bergere." A.—Sport: „Ich liebe alle Frauen." D,>— Jan Kiepura.— U Bejvodu:„Der stählerne Strahl." D.— Baldek: „FolieS Bergere." A.— Äeletrhy:„Die Kinderlose." Tsch. Bezugsbedingungen: Bei Zustellung in» Hau- oder bei Bezug durch die Post monatlich KL 16.—. vierteljährig KL 48.—. halbjährig KL 96.—.ganzjährig KL 192.—.— Inserate werden laut Tarif billigst berechnet. Bei öfteren Einschaltungen Preisnachlaß.— Rückstellung von Manuskripten erfolgt^ nur bei Einsendung der Retourmarken.— Die Zeitung-frankatur wurde von der Post« und Tele- qraphendirektion mit Erlaß Nr. 13.800/VII/1930 bewilligt.— Druckerei:„Orbis". Druck». Verlags- und Zeitungs-A.-G., Prag. Seite 6 „Sozialdemokrat" Sonntag, 24. November 193$. Nr. 274 Der Siegeszus des Rundfunk Das Radio Hat vor allen technischen Errungenschaften der letzten Zeit zweierlei voraus: seinen wohl beispiellos kulturell-geistigen Inh alt und seine Möglichkeit, saft alle Schichten des Volke- zu erfassen. Daher der grandiose Siegeszug', auf den der Rundfunk in erstaunlich kurzer Zeit zurückblicken kann. Vor zehn Jahren noch erschien er fast wie ein Wunder, war er eine einzigartige Sensation. Heute ist er fast schon zur Alltäglichkeit geworden. Vor zehn Jahren wollten die Menschen die ganze Geschichte noch nicht recht glauben. Heute gibt es, zumindest in den sogenannten Kulturländern, kaum jemanden mehr, dem der Rundfunk nicht schon vertraut wäre. Freilich, noch gibt es Millionen und Millionen Menschen, die auch heute noch nur selten Rundfunk hören. Noch gibt es Zehnmillionen, Hundertmillionen, die kein Rundfunkgerät besitzen. Dennoch aber weist die Statistik nach, daß der Rundfunk die Masten bereits erobert hat. Allein in Europa gibt es derzeit etioa 23 Millionen Empfangsapparate,, und der jährliche Zuwachs beträgt durchschnittlich weitere drei Million e n. Nimmt man an, daß zu jeder gerätbesitzenden Familie im Durchschnitt drei Personen gehören, so läßt sich sagen, daß zur Zeit allein in Europa rund hundert Millionen Menschen regelmäßig Rundfunk empfangen. Das ist vermutlich mehr, als sich vom Wirkungsbereich jedes anderen geistigen Beeinflussungsmittels sage» läßt, etwa von der Zeitung oder vom Buch, vom Ver- sammlungs- oder vom Vortragswesen. Es ist heute auch fast schon überflüssig geworden, für den Rundfunk im ' allgemeinen die Werbetrommel zu schlagen. Wer halbwegs dazu in der Lage • ist und nicht allzu abseits vom Strom der Zeit lebt, schafft sich gerade- in unseren Tagen einen Radiopapparat an, ohne daß man ihm die Vorzüge und Bedeutung des Rundfunk erst auseinandersetzen müßte. Es geht immer mehr darum, mitzuhelfen, daß der Rundfunk allmählich immer besser ausgestattet wird, den wahren Bedürfnissen der Menschen zu entsprechen. In dem Maße, als das große weltpolitische Geschehen auch die abseits Stehenden, jene vielen nämlich, die„von der Politik nichts hören wollen", in seinen Bann zwingt, wird auch die Zahl derer immer kleiner, die im Rundfunk nichts andere? als Unterhaltung und Kurzweil suchen. Dabei soll d>« unterhaltende, ablenkende, zerstreuende Funktion des Rundfunk keineswegs unterschätzt oder mißachtet werden. Nicht hoch genug zu bewerten ist-s ja, daß der Arbeiter am Abend. oder am Sonntag bei einem guten Rundfunkkonzert, einem heiteren Vortrag, bei der Uebertragung eines Theaterstückes Entspannung finden kann. Auch in dieser Eigenschaft ist also der Rundfunk geistiger Anreger, den das Familienleben sich immer besser zu schätzen weih. Darüber hinaus aber bringt der Rundfunk eben tägliche Kunde von der großen Welt, von dem dramatischen Geschehen in allen Erdteilen, von der Auseinandersetzung der Weltanschauungen und der Klassen, in die entlegensten Stuben. Bringt Mitteilung von allen Ereignissen, von allen Neuerrungenschasten der Wissenschaft, der Technik. Natürlich braucht eS dann auch eines offenen Hirns, eigener Ueberlegung, um Spreu vom Weizen zu sondern; um nicht der Verdummung zu unterliegen, die in unserer Zeit geradewegs auch zur Bestiali- sierung des Menschen führt. Schwer zu entscheiden wäre die Frage, ob nicht, insbesondere waS den deutschen Sprachbereich anlangt, zur Zeit der Rundfunk(durch den Inhalt, der ihm insbesondere in Deutschland gegeben wird), sogar mehr geistigen und politischen Schaden als Nutzen anzurichten vermöge. Aber wie immer dem sei: daß man fnit Maschinenstürmen nicht die Entwicklung, auch wenn ste stch vor- übergehend schädlich austyirfe, aufzuhalten Vermöge, ist doch als Erkenntnis schon Gemeingut des Großteiles der Menschheit geworden. Also kann es sich nur darum handeln, so wie alle Maschinen, so auch den Rundfunk immer mehr mit dem Geist zu erfüllen, der wahrhaftig dem Fortschritt zu dienen entschlossen und imstande ist. Daher kann es gerade für den arbeitenden Menschen nur die Parole geben: den Rundfunk zu erobern, im demokratischen Staate an ihm so viel und so gut wie möglich mitzuarbeiten, seinen Ausbau zu fördern, damit er immer mehr zur wirksamen Kraft gegen den entgeistigten und entgeistigen- den Rundfunk des Fascismus werde. Am Rundfunk mitarbeiten bedingt aber, . daß man ihn erlebe, daß man Anteil an ihm habe. Zumal in dieser jahrelang lastenden Krisenzeit müssen unzählige Arbeiterhaushalte sich lebenswichtigere Dinge, als es schließlich trotz aller Bedeutung ein Radioapparat ist, versagen. Aber wo immer die Möglichkeit seiner Anschaffung besteht, mag damit nicht gezaudert werden. Die sudetendeutschen Arbeiter haben sich ja übrigens unter den ersten in der Internationale«ine eigene Organisation der Hörer, den „Freien Radiobund", Prag XU-, Fochovä 62/V, geschaffen. HIER SEHEN SIE ES! Di« Philip»• Empfänger der Saison 1935/36 prüft und kontrolliert der„ESC"(Tschechoslowakischer Elektrotechnischer Verband) auf Verläßlichkeit und Sicherheit. Betrachten Sie es gut, das Wellen- und Sternenemblem, das jeder Philips- Empfänger trägt. Es ist das Symbol jener Eigenschaft, welche nur die Philips-Geräte auszeichnet— der Eigenschaft des unsichtbaren Faktors. Dieser unsichtbare Faktor, als Resultat aller Erfahrungen, allen Wissens und aller Vorteile der die ganze Erdkugel umfassenden Philips- Organisation, gibt den Philips-Empfängern einen„Mehrwert" und macht sie besser und zuverlässiger. Achten Sie deshalb auf das Emblem der Wellen und Sterne beim Kauf eines Empfängers; es verbürgt Leistungsfähigkeit und Zuverlässigkeit. Der Tag, an dem ein Empfänger mit diesem Emblem in Ihr Haus kommt, wird ein glücklicher Tag sein. PHILIPS„JUPITER" •h HochWihmgi Suptriwt der heurigen Philips-Serie. Preis.... Kc 2295*- t(inti. 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