IENTRALORGAN DER DEUTSCHEN SOZIALDEMOKRATISCHEN ARBEITERPARTEI IN DER TSCHECHOSLOWAKISCHEN REPUBLIK ERSCHEINT MIT AUSNAHME DES MONTAG TXGLICH FRÜH. REDAKTION UND VERWALTUNG FRAG XII., FOCHOVA«L TELEFON 0077. HERAUSGEBER« SIEGFRIED TAUB. CHEFREDAKTEUR« WILHELM NIESSNER. VERANTWORTLICHER REDAKTEUR« DR. EMIL STRAUSS, FRAG. (•IntchlMlldi 5 H*H«r F*lM| 15 Jahrgang Dienstag, 26. November 1935 Nr. 275 Werte und Taten Sonntag hielten sowohl Starhemberg als auch SnidariL wieder große Bersöh- nungsreden, in denen sie die Arbeiter zur Mitarbeit am Staate einluden und von der Liquidierung des Feber sprachen. Starhemberg verstieg sich soweit, die»Kämpfer in der Schutzbund-Uniform" förmlich zu feiern. Auch sie hätten für die österreichische Idee gekämpft. Er drohte dann den Nazis für das Jahr 1936 mit großem Aufräumen. Die Rede enthielt auch scharfe Wendungen gegen die Kapitalisten. Wir haben kürzlich auf die Hintergründe der neuen Politik Starhrmbergs hingewiesen. Sie sind vorwiegend finanzieller Natur. Mit den Taten des österreichischen Regimes stehen die schönen Worte übrigens dauernd in flagrantem Widerspruch. Das beweisen die folgende» Urteile von neuem. Schutzbundurtell nur unwesentlich gemildert Wien.(Tsch. P.-B.) Das Oberste Gericht hat die Nichtigkeitsbeschwerde des Staatsanwaltes im Prozesse gegen die Führer des Republikanischen Schutzbundes verworfen und das Strafausmaß beim Major im Ruhestande Eifler von 18 Jahren schweren Kerkers a» f 1 4 Jahre und beim Hauptmann Löw von 15 auf12 Jahre herabgesetzt. Das Urteil gegen die übrigen Angeklagten wurde bestätigt. * Klagenfurt.(Tsch. P.-B.) Nach mehrtägiger Verhandlung wurde Samstag abends im Hochverratsprozeß gegen 15 Kärntner Sozial- revolutionär«, welche die Gründung einer neuen sozialistischen Organisation versuchten und Pro- dagandaflugblätter und Zeitschriften verbreiteten, das Urteil gefällt. Die ehemaligen Führer der sozialdemokratischen Gewerkschaftsorganisationen Soffner, Arnold und K o m p o s ch erhielten vier, bczw. drei Jahre schweren Kerkers. Schacht druckt Darre an die Wandl Berlin(F. K.) Die verfehlte Politik des Ernährungsministers Darri hat eine neue Macht st eigerung Schachts zur Folge gehabt. An Schacht werden seit Wochen und besonders im Augenblick, so erhebliche Devisenanjor- derungen für die Beschaffung von Nahrungsmitteln im Auslande gestellt, daß er sie auch bei Benutzung der schwarzen Fonds unmöglich alle erfüllen kann. Zwischen Schacht und Darri ist es in der letzten Zeit zu beträchtlichen Differenzen gekommen und man behauptet in gut informierten Kreisen, daß es wieder einmal ein„U l t i m a- tum" Schachts gegeben habe. Er forderte in einer Kaüinettsbesprechung die Kontrolle des Ernährungsministeriums durch einige von ihm zu bestimmende Vertrauensleute. Darri opponierte scharf, aber eS half ihm wenig. Nicht einmal die Feststellung der gewiß nicht zu bezweifelnden Tatsache, daß er der einzige und— letzte Minister ~ sei, der aus der Partei gekommen ist und der in wirtschaftlicher Hinsicht»och einigen Einfluß besitze. Es half ihm auch die Drohung nichts: Was wohl die Parteigenossen zu einer solchen Kontrolle seines Ministeriums sagen würden, die'ohne- hin schon wütend über die Vormachtstellung deS Großkapitals in der Regierung seien. Ob es Schacht gelingen wird, die von ihm im Ernährungsministerium angestrebte einflußreiche und kontrollierende Stellung zu erhalten, scheint bei dem Widerstand der Partei-Nazis und bei der unbestimmten Haltung Hitlers noch zweifelhaft zu sein. Praktisch freilich übt Schacht eine Diktatur über Darrs schon setzt aus. Sest rund zwei Wochen sitzen seine Beauftragten in Darris Amt und prüfen dort, wie weit die Führung des Ernährungsministeriums. und der Minister über die wirklichen Verhältnisse in der Landwirtschaft i nd der Ernährnngswirtschaft informiert sind. Das bisher vorliegende Urteil soll vernichtend sein. Man behauptet, daß 4 0 0 M i l l i o n e n M a r k notwendig sind,»m die Ernährung des Volkes im Winter und Frühjahr einigermaßen sicher- zustellen. Wenn auch eine offene Diktatur von Schacht über Darr« vermieden werden sollte, weil Darrs sonst zurücktreten würde, so bat die Lebens» Mittelnot doch Darrs praktisch dem Beherrscher der deutschen Devisenbestände Schacht unterstellt. Um die Naphtha-Sanktion Amerika fUr Verschärfung— Laval bremst schon wieder— Sitzung verschoben Genf. Der Vorsitzende der Sanktionskonferenz, der portugiesische Gesandte Baseon- e e l l o s, beschloß, die Sitzung des Achtzrhner- ausschusses, der am 29. November zusammentreten sollte, zu verschieben. Es geschah dies auf das ausdrückliche Ersuchen Lavals, der bei den weitere« Verhandlungen über die Sanktionen persönlich anwesend sein will und der aus innerpolitischen Rücksichten dieser Tage von Paris nicht abkommen kann. Im Zusammenhang mit dieser Entschließung wird auch eine Verschiebung der Arbeiten der anderen Ausschüsse der Sanktionskonferrnz in Erwägung gezogen. An amtlichen Stellen in Genf wird versichert, daß die Verschiebung keine politische Ursache hat. Tatsache ist jedoch, daß sich die wiederholten Unterredungen Lavals mit dem italienischen und englischen Botschafter in den letzten Tagen mit dieser Verschiebung befaßten. Die Sitzung des KoordinationsausschuffrS hätte sich nämlich über weitere Sanktionsmaßnahmen und insbesondere über dieEinführungdeS Embargos ans Petroleum äußern sollen. Laval ist aber der Ansicht, daß eine Verschärfung der Sanktionen gegen Italien d i e politische Spannung verschlimmern würde,«nd strebt neue Brrföhnungsver- handlungen mit Italien an. Einige Genfer Korrespondenten kündigen an, daß Italien mit dem Austritte aus dem Bölkerb u nde antworten würde» wen« die Sanktionen gegenwärtig verschärft und inS- besonders ein Embargo auf die Einführung von Petroleum geschaffen würde. Paris. Die französischen.Blätter befassen sich mit Gefühlen der Besorgnis mit den Aussichten des vorgesehenen Embargos auf Naphtha für Italien. Dieses Verbot der Naphthaeinfuhr, schreiben die Blätter, werde kein anderes Ergebnis haben, als daß es Italien in Verzweiflung bringt, das so einen der wichtigsten Faktoren seiner Aktion verliere wird, und werde die Hoffnung auf ein mögliches Einvernehmen in weite Ferne rücken. Auch Baumwolle? Washington. Staatssekretär Hüll deutete an, daß zu den bisherigen Produkten, die aus dem Titel.der Sanktionen nicht nach Italien ausgeführt werden dürfen, d. s. Naphtha, Kupfer, Stahl und Eisen, wahrscheinlich auch Baumwolle hinzukommen wird. In der letzten Zeit ist nämlich eine große Zunahme der Lieferungen von Rohbaumwolle nach Italien zu beobachten. Als weitere Maßnahme hat das Schiffahrtsamt den Verkauf von alten amerikanischen Schiffen für Berschrottungszwecke nach Italien verboten. —na— Japans Vorstoß In China Ausrufung des Staates Nordchina Peiping. Wie die Agentur Rengo m eldet, proklamierte der Generaladministrator der demilitarisierten Zone in Rordchina, I in j uken, die Unabhängigkeit dieser Zone. Die neue Regierung nennt sich autonomer antikommunistischer Ausschuß für Tschitung(das östliche Hopei). Tie neue Regierung hat von der Stadt Tungtschau aus ein Rundtelegramm an die Häupter der fünf Nordprovinzen gesandt/in dem sie diese unter scharfen Angriffen auf die Nanking-Regierung«nd die Koumintang auffordrrt, an der neuen Unabhängigkeitsbewegung teilzunehmen. Das Ziel einer völligenTrennung von Nanking wird nunmehr offen zugegeben. Die Bewegung stützt sich vornehmlich aus zwei Organisationen, die ihren Sitz in der japanischen Konzession in Tientsin haben. Bei der einen handelt es sich um die von dem Japaner Kojischo organisierte „Friedensgesellschaft", bei der zweiten um die „Vereinigung zur Beschleunigung der Volfs- autonomie für Nordchina". BeideOrga« nisationen stehen den japanischen Trupven sehr nahe. Chinesisches Militär unterwegs Der Oberstkommandierende des Militärbezirks Peiping- Tientsin, General S u n g- tscheyuan, hat, wie die Agentur„Rengo" meldet, sofort nach der Erklärung der Selbständigkeit von Lst-Hopei drei Kompagnien Infanterie nach Tungtschau, der Hauptstadt des abgefallenen Gebiets, gesandt. Japan protestiert Di« japanischen Militärbehörden haben gegen diese Maßnahme unter Berufung auf den Waffenstillstand von Tangku, durch welchen den chinesischen Truppen das Betreten der entnnlita- risierten Zone untersagt wurde, Protest eingelegt. Auch Tientsin besetzt Einer japanischen Meldung zufolge haben Anhänger der nordchinesischen Selbständigkeitsbewegung auch in Tientsin eine Anzahl wih- tiger Gebäude in Besitz genommen. Am Montag früh bemächtigten sie sich, offenbar auf Grund eines verabredeten Planes, der Gemeindebüros und des Polizeipräsidiums in der Ehinesenstadt sowie der Büros der Peking-Mnkden-Eisenbahn. In Tientsin ist am Sonntag der Belagerungszustand erklärt worden. Bilanz des Dritten Reiches Der.Manchester Guardian" zieht folgende Bilanz der Leistungen des Dritten Reiches:".'-• „Wenn wir versuchen, zu entdecken, was die Nazis eigentlich geschaffen haben, können, wir nichts ermitteln, was positiven Wert hätte. Sie behaupten, Deutschlands Einheit geschaffen zu haben; sie war bereits geschaffen worden. Soweit die Nazis eine neue„Einheit" geschaffen haben, gründet sie sich auf ihken Terror." Sie behaupten, dem Parteisystem ein Ende bereitet zu haben, aber sie haben die absolute Herrschaft einer Partei errychtet. Sie behaupten, das'Verbrechen zurückgedrängt zu haben, aber sie. haben ihre eigenen Reihen mit denen angefüllt, deren Verbrechen, nachdem sie begangen tvaren, legalisiert wurde». Sie verkündeten öffentlich ihren Haß gegen humane Gefühle, und hier sind ihre Behauptungen einmal wirklich begründet. Ihre polittsche Justiz ist eine Art organisierte Lynch-Gesetzlichkeit geworden und jeder einzelne der großen Fortschritte, die in der Republik im Gefängniswesen und in der Behandlung der Angeklagten erreicht worden waren, ist von ihnen zertrümmert worden. An wirtschaftlichem Aufschwung hat die Nazi-Revolution nichts gebracht. Seit Jahren waren di« Preise nicht so hoch, die Löhne nicht so niedrig und die Nahrungsmittel nicht so beschränkt, wie jetzt. Aber einen Erfolg haben die Nazis: sie haben Deutschland wieder ausgerüstet, lind dcks ist ein schwarzer Zukunftsausblick für ganz Europa. Denn immer ist nötig, sich die Umrisse der Zukunft dadurch vor Augen zu halten, daß man sich daran erinnert, wie die Nazis im Innern Deutschlands herrschen, wo sie tun können, was sie wollen; sich vor Augen zu haltens wie sie das eigene Volk behandeln, wie sie selbst die Harmlosesten und Hilflosesten behandeln und wie sie ganz Deutschland zu ihrem Instrument gemacht haben. DloAadc ohne Krieg Dank der Wirtschaftsführung, wie sie sich unter dem braunen Regime teils„programmmäßig", teils zwangsläufig entwickelt hat, sieht sich Deutschland in eine Situation hineingewirt- schastet, die seiner Lage unter der Blockade während des Weltkrieges verzweifelt ähnelt. Die Lebensmittelknappheit hat längst aufgehört, eine„vorübergehende Erscheinung" zu sein. Sie ist eine dauernde Not geworden mit der Tendenz zu wachsender Verschärfung. Ganz ähnlich wie während des Krieges sieht sich jetzt das Regime zu Rationalisierungsmatznahmen gezwungen. Wenn die Zahl der Schweineschlachtungen durch behördliche Vorschriften auf 80, dann auf 70 Prozent herabgesetzt wird, in der Praxis aber noch weit darunter sinkt, wenn die Schlagsahneerzeugung um 40 Prozent gedrosselt, die Herstellung von Sahneschokolade überhaupt verboten, die Erzeugung von kondensierter Milch eingeschränkt wird, wenn der Verbraucher wegen eines achtel Kilos Butter stundenlang„Schlangestehen" muß und er dann gar noch leer ausgeht, wenn er wochenlang kein Scheibchen Speck erhält, wenn er dafür aber in der Zeitung liest, daß die Marmeladeverbilligung„angestrebt" wird— so weiß der Verbraucher, was es geschlagen hat. S o vergessen ist die Kriegszeit noch nicht, daß man nicht mehr wüßte, was eine„Butter-Schlange" zu bedeuten hat. Und wenn auch der Verbraucher vorläufig noch vor den bunten Lebensmittelkarten offiziell verschont bleibt, so bekommt er doch die Wirkungen der Rationierung schon deutlich genug zu spüren. Wenn beispielsweise in der Butterversorgung die Belieferung der Kleinhändler durch die Großhändler und Molkereien auf höheres Gebot derart gedrosselt wird, daß der Kleinhändler sich gezwungen sieht, den Verkauf der viel zu knappen Butterlieferungen an seine Stammkundschaft durch Kundenlisten, durch Ausweise mit dem Firmenstempel, durch ein vielgestaltiges und recht willkürliches privates Karten« und Markensystem zu regeln, so ist das eher noch schlimmer als eine allgemeine und öffentliche Verteilung von Butterkarten, weil auf diesem Wege der Unbemitteltere, der nicht zahlungsfähiger Stammkunde eines bestimmten Geschäfts sein kann, überhaupt keine Butter bekommt. Aehnlich ist es aber auch bei anderen Lebensmitteln. In den Großstädten können die Verbraucher oftwochenlangkeinenSpeckbekom« men. Aus sächsischen Städten erfährt man, daß sogar minderwertiges, stark mit Talg durchsetztes Fett nur viertelpfundweise an Stammkunden abgegeben wird./ Aehnliche Berichte kommen aus Schlesien, aus dem Rheinland, aus Norddeutschland. Sogar in Bayern herrscht fühlbarer Mangel an Butter, Butterschmalz, Eiern, Schweinefleisch— und auch an Seife; in einzelnen bayrischen Gebieten geben die Bäuerinnen ihre Erzeugnisse bereits lieber für Seife als für Geld h e r. In Berlin differierte nach den offiziellen Marktberichten der tägliche Schweineauftrieb zwischen 15.816 Stück im Juli und 2123 Stück im Oktober dieses Jahres. Hamburg verzeichnet Schwankungen von 1006 Stück auf 157 Stück binnen vier Oktobertagen. In. Kiel betrug ebenfalls nach offiziellen Berichten der Schweineauftrieb am 8. April d. I. 1303 Stück, am 2. Oktober aber nur 19 Stück I Solange nicht das Regime sich zu einer radikalen Rationierung entschließt— vor der es aber wegen ihrer Unpopularität noch zurückschreckt—, Hilst sich jeder, so gut oder so schlecht er kann. Es gibt in Deutschland wieder Ham st er« r, Schleichhändler und Wucherer— wie im Kriege. Die Großstädter fahren wieder Sonntags aufs Land und kaufen, was sie ergattern können— wie im Kriege. Nicht viel besser als auf dem Lebensmittel« markte liegen die Verhältnisse in der Rohstoffversorgung. Es erinnert schon recht sehr an die Ersatzwirffchaft der Kriegszeit, wenn die Landes« bauernämter von Schleswig-Holstein, Pommern und Brandenburg in jüngster Zeit angeordnet haben, daß alle Schilfkolben für die Baumwoll« und Kunstseidenindustrie und als Polstermaterial gesammelt werden müssen. Vor einem Jahre wurde auf allen Bauerntagungen zur„Erzeu« gungsschlacht" im Flachsbau aufgerufen. Vom Rohstoffmangel mancherlei Art wird auch die deutsche Rüstungsindustrie betroffen. Darauf wie auch auf zunehmende FinanzKrungs-, Seite 2 Dienstag, 26. November 1835 Nr. 275 schwierigkeiten ist es zurückzuführen, wenn jetzt die„Staatskonjunktur" gebremst werden muß und selbst so große, mit Staatsaufträgen reichlich bedachte Betriebe wie Daimler-Benz in Unter- türckheim oder die„Wumag", die Waggon« und Maschinenfabrik in Görlitz umfangreiche Arbeiterentlassungen beantragen müssen oder— bei der Wumag 10 Prozent der Belegschafti— schon vorgenommen haben. Das Regime sucht das Abflauen der Staatskonjunktur durch möglichste Ausdehnung der Kurzarbeit zu verschleiern. Aber das vermag über den wahren Tatbestand nicht Hinwegzutauschen: die so pompös aufgemachte„Arbeitsbeschaffungsaktion" droht in zunehmende Arbeitslosigkeit abzurutschen. So bietet die deutsche Wirtschaft gegenwärtig ein Bild schleichenden Verfalls, der nicht mehr allein durch die Weltkrise bewirkt, sondern durch die Wirtschaftspolitik des braunen Regimes verschlimmert und beschleunigt wird. Jedermann sieht das, denn die Folgen werden bis in jede Familie hinein spürbar. Und die allgemeine Stimmung ist:„So kann das nicht weitergchenl" Darüber aber, w i e es denn weitergehen soll, herrscht Unklarheit, Ratlosigkeit und teil« weise sogar Gleichgültigkeit. Es ist nicht abzuschätzen, bis zu welchem Grade die Leidensfähigkeit des deutschen Volkes ausdehnbar ist; die Prag. In fortgesetzter Debatte über die Kapitel Landesverteidigung und Aeußerrs bekam die SdP von dem tschechischen Nationalsozialisten Dr. Stränskhzu hören, daß ihre ablehnende Haltung zur Außenpolitik sie aus der Parteiengemeinschaft ausschlirße. Der Kernpunkt des ganzen SdP-Problems liege in der T o t a l i- tätsfragr und im Verhältnis zur Hitler- Partei. Zu diesem System muß die Partei erst ein klares„Nein" sagen. Später kam Genoffe Taub zu Wort, der di« Zwiespältigkeit der SdP-Agitation an Hand zahlreicher Zitate gebührend kennzeichnete und gleichfalls eine klare Stellungnahme der SdP zu Hitler forderte, um die sich die Herren bisher änglich herumdrücken, wohl wiffrnd, was sie ihren radikalisierten Anhängern in der Provinz noch gerade zumuten können. Zum Kapitel Außenministerium Lber- gehend, wiederholt Genosse Taub, daß wir die Politik des Außenminister? in allem und jedem unterstützen und für folgerichtig halten. Taub beschäftigt sich vorwiegend mit dem Kapitel der Außenhandelspolitik. Nach dieser Richtung müße von unserer Seite weitmehr geschehen als früher. Das von den Industriellen endlich ausgearbeitete Memorandum sei alsDiskussionS- b a s i s annehmbar. waS davon erfüllbar ist und was nicht-Verbitterung müssen darin einige Randbemerkungen erwecken, die vielleicht den Herzenswünschen der Industriellen entsprechen, aber bei der Betrachtung der gesamten handelspolitischen Situation besser unterblieben wären. Redner bemängelt weiter, daß wir zwar immer davon sprechen, daß der demokratische Gedanke in den Herzen und Hirnen unserer Menschen verankert werden soll, aber ruhig zusehen, wie unser» Menschen in dm Grenzgebieten den deutschen Radiosendungen völlig anSgelirsert sind. Tie Probe, die eS während des Weltkrieges ausgehalten hat, war wahrlich ungeheuer. Und nun ist eS wieder wie während des Krieges: man klagt, aber man bleibt noch geduldig oder ist schon fatalistisch. Kritisiert, gemeckert und geschimpft wird nahezu hemmungslos. Jedoch das Geschimpfe bleibt vorwiegend doch nur negativ, ohne positive Richtung. In diesem Gerede schon eine zielbewußte Opposition sehen zu wollen, hieße sich täuschen. Es ist noch immer nur der Ausdruck dumpfer Verzweiflung, die noch längst nicht zu geschlossener Auflehnung gegen das Regime bereit ist. Einer wartet auf den andern. DaS gilt nach den Berichten aus allen Gegenden Deutschlands im großen ganzen leider auch für die Arbeiterschaft, die von der Sorge um den Arbeitsplatz gelähmt wird. In einem Oktoberbericht aus Sachsen heißt es:„Bon einem werdenden revolutionären Bewußtsein im Volke bezw. in der Arbeiterschaft kann man nicht sprechen". Und ein bayrischer Berichterstatter schreibt:„Es werden große Erschütterungen kommen müffen, bis wieder revo- lutionärer Geist in die Hirne kommt". Große Erschütterungen— ob es Erschütterungen des Regimes oder Erschütterungen der Welt sein werden, die das Gesicht Deutschlands verändern— das ist die Frage, die niemand im voraus zu beantworten vermag. Aufstellung eine- deutschen Senders ist keine natio- nale Konzession an die Deutsche«, sondern eine Staatsnotwendigkeit, um endlich der ständigen Vergiftung der Atmosphäre durch de« Leipziger Sender wirksam entgegentreten zu können. Genosse Taub protestierte dann dagegen, daß die 44 Abgeordneten der SdP im Namen des deutschen Volkes sprechen. Wir wollen abwar- t e n wie sich dir Dinge noch weiter entwickeln werden. So geht eS nicht, daß wir immer bemüht sein sollen, für die Menschen wirklich daS Notdürftigste zu beschaffen, und daß dann dir SdP hin- auSgrht und sagt:„Das Positive, da» in der Regierung geschaffen wurde, ist unser Werk." Wir viel BolkSgenossen-Jndnftrielle hat die SdP in den zwei Jahren ihres Bestehens veranlaßt, neue Arbeiter aufzunehmen oder wenigstens von der Stillegung des Betriebes abznsehen? Sicher nicht einen einzigen! An Hand zahlreicher Stellen aus den Ausschuß- Reden der HenHn-Leute legt Genoffe Taub überzeugend dar,- daß da noch reichlich viel Wider» sprüche und'llngere'mihrri"en zu finden sind und einer tun anderen desavouiert. Gegen den Vorwurf der Totalität ist der Hinweis auf die Diktatur des Proletariats ein« schlechte Retourkutsche. Die Diktatur des Proletariat- bedeutet die Benützung der Staatsgewalt zur Ueberführnng der Produktionsmittel in daS Eigentum der Gesellschaft, keineswegs die Unter- drückung der persönlichen Freiheit, di« daS Merkmal der fafeistifchen Totalität ist. Bei uns wird man keineswegs so verklausulierte Bekenntnisse zur Demokratie finden, wie sie :n der SdP üblich sind. Gerade die Stellungnahme ium FasciSmuS zeigt die Zweideutigkeit der SdP am klarsten. Genoffe Taub zitiert die Stelle aus der Rede Henleins in Böhmisch-Leipa, wo er den italienischen Fascismus als unerträglich ablehnt, aber— trotzdem, alle dort angeführten Kennzeichen noch in verstärktem Maße auch für den reichsdeutschen FasriSmuS gelten, dann hinsichtlich des letzteren nur erklärt:„Auch gegenüber üem reichsdeutschen Nationalsozialismus stehen wir nicht an, grundsätzliche Vorbehalte zu bekunden, wenn auch aus anderen Gründen." Welche andere Gründe daS sind, haben wir bis heute mit keinem Sterbenswörtchen erfahren. Bor nichts hütet sich die SdP f» sehr, als vor der Bekundung besagter Vorbehalte, waS um so auffälliger ist, als ihre Bertrrter sonst zu allen Dingen auf allen Erdteilen sehr positiv Stellung nehmen und Abg. Kundt sogar die Verurteilung von Judenverfolgungen riskiert, allerdings in der Ukraine, während die Streicheriad«: offenbar vollkommen in Ordnung gehen. Wenn Abg. Kundt mit den Worten geschloffen hat, daß es leichter sei, mit zwei deutschen Ministern zu regieren, die weniger Schwierigkeiten machen und die Interessen der Sudetendeutschen mit weniger Energie vertreten als jene, die die Dinge ernst und gründlich auffassen, so gibt es da— von den persönlichen Verdächtigungen abgesehen— nur zweierlei: Entweder Sie wollen in die Regierung, obwohl Sie wiffen, daß Sie nicht ein Jota mehr nationalpolitische Zugeständnisse erlangen können als eine andere deutsche Gruppe, dann betrügen Sie das su- detendeutsche Volk oder Sie wollen mit Ihren Anbiederungen die tschechischen Parteien hineinlegen. Wer in Prag den Versöhnlichen, in der Provinz den wilden Mann spielt, wird früher oder später zwilchen zwei Stühlen auf dem Boden fitzen. Wer glaubt, daß di« deutsche Frage auf die Art gelöst werden wird, Vie sie seitens der SdP hier in Angriff genommen wurde, der täuscht sich. Unsere Politik war und ist immer auf die Zusammenarbeit der Völker eingestellt, und dieses Werk kann nur mit immenser Geduld geschaffen werden. Es wäre der größte Fehler, wenn wir uns von gewissen Vorkommnissen in der tschechischen Politik abhalten ließen, den Weg zu gehen, der den Deutschen in der Tschechoslowakischen Republik vorgezeichnet ist. Vergessen wir nicht, daß dei nationalistische Hochflut hier genährt wird durch gewisseVor- gänge im Ausland, daß der Erfolg des 19. Mai keineswegs der Erfolg der SdP ist, sondern der Erfolg der Saarabstimmung, und der Auswirkungen aus Deutschland. Sie lan die SdP gewendet) habe« in der kurzen Zeit Ihres Bestandes eines zuwege ge- bracht: Daß eine gewisse eisige Atmosphäre um alle Deutsche« gelegt wurde und die Atmosphäre der Verständigung eine Vergiftung erfahren hat. Sir haben als» dem deutschen Volk den schlechtesten Dienst erwiesen! Der Bankrat der Tschechoslowafischen Nationabbank hielt am 25. l. M. sein« ordentliche Monatssitzung ab. Dem vorgebrachten Ge- ' schästSbrricht für dei: verflossenen NonatS- abschnitt entnehmen wir folgendes: Die letzten Wirtschaftsberichte aus dem Auslande zeugen im übrigen von einer neuen sichtbaren Besserung derAkti- vität der Produktion und vom Nachlassen der Depression in zahlreichen Gebieten. Dementsprechend kann auch in der Tschechoslowakei in letzter Zeit neuerlich eine mäßige Belebung der Produktion in verschiedenen Branchen beobachtet werden. Die Grundentwicklung war ruhig, der Gesamtbeschäftigungsgrad bleibt jedoch andauernd noch niedrig. Nach den bisherigen Anzeichen ist ein r e g e r e r V e r l a u f der künftigen Bausaison, sowohl für öffentliche wie auch private Bauten, nicht zuletzt Biianek(Lid.) erklärt an die Adresse der SdP. daß alle auf einem Irrweg sind, die ein Na- tionalitätenproblem Hervorrufen und aus ihm gern eine internationale Frage machen möchten. Die Verhältnisse der Minderheiten seien durch die Verfassung gelöst. Zäpotockh(Komm.) spricht seine Zustimmung mit der Politik des Außenministers hinsichtlich der Friedensbemühungen und deS Bündnisses mit Rußland aus. Die KP wirb für daS Budget des Anßru- ministerimnS stimme«. WaS das Militärbudget betrifft, so erklärt Zäpotockh, daß er kein Pazifist sei und daß er auch nicht gegen die Armee und die Wehrhaffigkeit sei. Seiner Ueberzeugung nach würde er sogar sagen, daß für die Wehrhaftigkeit bei uns zu wenig geschieht. Um diese Wehrhaftigkeit zu erhöhen, beantragt er, den Soldaten die politischen Rechte zurückzugeben und einen engen Verkehr mit den Soldaten der Roten Armee zu organisieren. Dr. Stränskh(Nat-Soz.) widmet einen großen Teil der Ausführungen der SdP. Er konstatiert, daß diese Partei als einzige das Expose des Außenministers verworfen hat; dieses Nein seidezeichnend für die ganze politische Orientierung dieser Partei. Dr. Stränskh zitiert Henleins Erklärung in Teplitz:„Wir sind keine Partei, wir sind ein Bolt" als vollgültigen Beweis für das Streben nach der Totalität, auch wenn die SdP sich auszureden versucht, sie könne ja keine Totalität wollen, weil diese in der Tschechoslowakei eine tschechoflowakische und keine deutsche sein könnte. Der Kern der Frage sei der, ob die SdP daS, waS sie tun, nicht für«ine andere als die tschechoslowakisch« Totalität tue. Durch ihr« Stellungnahme gegen daS Expose hab« sich dir SdP deutlich aus der Parteiengemeinschast in der Republik ausgeschlossen. Wir wissen, sagte der Redner an die Adresse deS Dr. Peters, wie die wirkliche Orientierung de» (Hitler-) Systems gegen unser Volk und andere Völker ist. Dieses ganze System ist ideologisch einer ganzen Reihe europäischer Staaten f e i n d l i ch gesinnt. Daher müffen Sie(die SdP) sich dafür entscheiden, deutlich.Flein" zu sagen, und da» können Sie nicht taktvoller und für Sie als Deutsche annehmbarer machen, als dadurch, daß Sie sich f ü r unser Sy st em erklären, das weder den Deutschen noch sonst jemandem feindlich ist. Versäume« Sie nicht so eine Gelegenheit wie das Außen« exposö und zeigen Sie der ganzen Welt, ob Sie zur Tschechoslowakischen Republik oder zuHitler stehen. Solange die SdP nicht den Mut haben wild, zu sagen, waS für ein polirisches System sie will, solange wird dar gegenseitige Verhältnis so bleiben, wie cs ist. als Folge der Regierungsaktion zwecks Herabsetzung der Zinssätze zu erwarten. Einzelne Produktionszweige berichten in letzter Zeit von einer mäßig enBelebungdeS Absatzes sowohl auf dem Jnlandsmärlte, und zwar stellenweise auch außerhalb der Weihnachtssaison, wie auch im Export. Als störende» Moment der beobachteten Belebung wirken die Folgen derSanktionen, hauptsächlich in jenen Branchen, wo es sich um langfristige Lieferungen, speziell für den Bedarf des italienischen Marktes handelt. Die Oktoberergebnisse des Außenhandelgeben ein markantes Bild der Besserung, sowohl hinsichtlich des Wertes der Ausfuhr» als auch der Einfuhr. Die Ausfuhr von Fertigwaren erreichte ihr höchstes Niveau seit dem Jahre 1931; in der Erhöhung des Einfuhrwertes kommt bei Rohstoffen besonders die erhöhte Einfuhr von Textilrohstoffen in Betracht. Die Oktobermönatsbilanz des Außenhandels war wieder stark aktiv. 06N0886 Taub im Budgetausschuß: Für oder gegen Hitler? Was die SdP bisher noch immer nicht gesagt hat Mäßige Belebung der Produktion Bericht der Tschechoslowakischen Nationalbank u N s E M G E SICHT 10 Roman von Karl Stym Copyright by Eugen Prager-Verlag, Bratislava Drach— Drach liegt vor mir. Voll Blut und fliegendem Atem. Ich rufe Hell. Er kommt und noch einige neugierige Arbeiter mit Drach sieht fürchterlich aus. Ich habe Mühe, eine aufsteigende Übelkeit zu unterdrücken. Wir knöpfen Drachs herabgelassene Hose wieder hinauf und tragen ihn in die Kaue zurück. Drach war vielleicht in den Wald gegangen, um seine Notdurft zu verrichten und war dabei von einem Blutsturz überrascht worden— Zwei Arbeiter bringen den Sanitätswagen aus dem„Gelben Verschlag“. Wir heben Drach behutsam hinein. Dabei kommt er zu sich. Seine von Blut halbverklebten Augen suchen umher. Auf Hells Gesicht bleiben sie haften. „Jetzt geht’s dahin!“— Bitterer Hohn verzerrt den Mund. Das halbtote Gesicht wendet sich ab und die weit offenen, glasigen Augen starren auf das große Licht am Kauenplafond— Heil drückt meinen Arm. Seine leise Stimme zittert: „Gehen wir!“ Wir gehen an der dunstigen Halde vorbei. Dichter Nebel hängt bis zum Boden herunter. Die großen Haldenlichter sehen aus wie blaßgelbe, verschwommene Gesichter. Die Schropp Sohpie ärgert sich mit uns. „So eßt doch!“ 1 „Unmöglich!" schüttelt sich Paul. „Das gute Essen!— Ja warum denn nicht?“ Ich erzähle von Drach. Schweigend räumt Sophie das Essen weg und schlüpft mit finwn scheuen„Gute Nacht“ in ihre Kammer, Draußen hat es zu regnen begonnen. Die Tropfen klatschen an die Fensterscheiben. Im Nebenzimmer schnarcht der alte Schropp. Manchmal überschlägt er sich dabei, als verröchle er... „Ich habe ihn oft gewarnt!“ beginnt Hell nach einer Weile. „Um das wäre Drach nie herumgekommen!“ „Aber so furchtbar, wie— wie ein Vieh!“ „Gehen wir schlafen!“ weiche ich aus. Wir waschen uns gegenseitig den Rücken hinunter. Das tun wir alle Tage. Und alle Tage zählen wir die Augen auf unserer Haut Die Risse durch Kohle vernarben blau, Augen sagen wir. Auch Paul hat schon einige. Ich kann nicht einschlafen. Paul atmet ruhig und gleichmäßig. Der Atem ist noch so jung und unverbraucht Noch— Der Berg wird ihn holprig und heiß machen. Keuchend wird er aus den Lungen pfeifen und Blut mitreißen. Schwarzes, träges Blut, wie bei Drach... Herrgott, könnt ich doch einschlafen, um nicht denken zu müssen. Draußen ist der Regen heftiger geworden. Das Wasser plätschert von der Dachrinne herunter ins Regenfaß, dumpf und irgendwie gejagt. Mir ist, als hämmere mein Hirn, mein Blut, die Luft und alles im Rhythmus. Kohle— Blut Blut— Kohle— Blut Blut,— Drach hat nurmehr zwei Tage gelebt, nachdem wir ihn hinter der Kaue auf gelesen hatten. Uhu litt Furchtbares in diesen zwei Tagen. Er und Drach wohnten beisammen im Ledigenheim. Drach war die ganze Zeit über bei Bewußtsein und redete immer vom Tod. „Er hat bis zum letzten Augenblick nicht recht gewußt, solle er lachen oder weinen!“ sagt Uhu.„Schließlich hat er aber doch geweint und wollte noch länger leben—■ 1“ Heute graben wir den Drach ein. Er hat genau gerechnet. Es ist Sonntag, wie er’s wollte. Naßkalter Nebel hüllt uns ein und näßt unsere Gesichter, als ob wir weinten. Auf den Alleebäumen zum Dorf hinunter hocken zerzauste Krähen. Ihr widerliches Krah-Krah schmerzt in den Ohren. Fogger Schorsch macht den Vorbeter. Er ist der beste Christ unter uns. Seine Stimme ist dunkel und tief, als käme sie aus der hartgefrorenen Erde. Auf dem Friedhof müssen wir warten. Der Pfarrer spricht eben die letzten Worte an einem anderen Grab. Für ein totgeborenes Kind. Vor dem Grabe stehen die jungen Eltern, selbst noch Kinder. Das Mädchen lehnt blaß an der Friedhofsmauer. Auf der anderen Grabseite steht ihr Geliebter. Sie sind nicht verheiratet. Sie sehen sich über den kleinen Erdhügel an. Ihre Augen sind nicht traurig. Nachher nehmen sie sich an den Händen und gehen aus dem Friedhof, leicht, als hätten sie etwas Schweres zurückgelassen. Für die war der Tod ein Wohltäter... Der Schichtmeister Gahl hält eine Nachrede an den toten Drach. Ich ärgere mich. So etwas soll man bei uns lieber lassen. Wir haben keine Millionen zu hinterlassen, für die sich dankbare Erben mit schönen Worten bedanken könnten. Man soll uns verscharren, wie wir leben. Im Leben sieht sich ja auch kein Teufel um uns um— und auf die schleierhafte Ehre, erst im Grabe als Menschen angesprochen zu werden, verzichten wir gerne. Jeder nimmt einen Erdklumpen und wirft ihn auf den Sarg. Dumpf fallen sie auf. Dann schaufelt der Gräber das Grab vollends zu. Matthias Drach ist nicht mehr— Uhu sieht nachdenklich auf das kleine, schmale Kreuz. „Der hat’s jetzt gut!“ Paul und ich machen den Umweg über die„Rolle“. Die Sonne hat den Nebel durchbrochen und scheint fast sommerlich warm. Ich treffe Martha und wir machen für abends aus, Sir. 27S Dienstag, 26. November 1935 Seite 3 faddendtufedier ScUspiejet Die zeit arbeitet gegen den Fascismus Mc Lage In Europa und die Aufgaben des Sozialismus Referat des Genossen JaKsdi auf der Bodenbadier Krelshonferenz Ans der Kmrserenz unseres«ordbähmischea Parteilrepe» in Bodenbach, die sich durch einen glänzenden Besuch und einen einmütigen Verlauf auszeichnete, erstattete Abgeordneter Genosse A a k s ch das politische Referat. Er führte u. a. aus: In der Weltwirtschaft find BelebuuaStrrchenzen sichtbar,"doch sie wirken sich bisher am geringste» in den mitteleuropäischen Industriestaaten aus. In diesem Bereich bat der Fascismus za einer Stabilisierung des Elends geführt. Durch die Fesselung der Arbeiterbewegung hemmt er die AufstieaSkräfte, die nach sozialen Kriseulösnngen dränge». Die demokratische« Staate«. Skandinavien und der Westen, sind schon viel weiter aus der Krise heraus. Tie faseistischen Despotien lebe« von der Umschaltung der sozialen Strömungen in nationalisiisch- militärische Expausionskräfte. Tie innere Logik dieses Systems hat zum Raubkrieg Italiens in Abessinien geführt. An Stelle des Klassenkampfes tritt der Staatenkonslikt. Wir sind Zeugen einer Jnteressenkolkosion zwischen den Erobe- rimgszielen des italienischen FascismrrS und dem Friedensbedürfnis des britischen Weltreiches. Der Völkerbund ist durch seine Sanktionsbeschlüsse aber nicht nur ein Werkzeug der Austenpolitik Englands, sondern ein Instrument aller Staaten geworden, die an der Erhaltung des Friedens interessiert sind. Derzeit besitzt der kontinentale Friedens« block das Nebergrwichtüberdie faseistischen Kriegsgewalten. Deutschland versucht zunächst einem grasten Waffengang auSzuweichen und durch taktifcheSchachzüge den Friedensbl«k zu sprengen. Im Ernstfälle aber würde es auf den barten Widerstand einer mächtigen Staatengruppe stosten. die ein LebenSinterefse an der Beihinderung eines militärischen Kontinentalsieges Hitlers hat. In einer ganzen Reihe von Ländern, so auch in Sowjeirustlatch, aber auch in Jugoslawien und Polen, sind Tendenzen zu einer Redenukratisienmg vorhanden. Auch in Oesterreich zerbrechen sich die Benschenden den Kopf, wie sie der Arbeiterschaft etwas mehr Freiheit geben könnten ohne gleichzeitig die Knechtschaft aufzuheben. Die Diktaturen haben, wie da- Beispiel Deutschlands zeigt, die grösteren objektiven Schwierigkeiten. Der Nationalsozialismus ist auf wirtschaftlichem.sozialem und staatsrcsormeri« schem Gebiete bereits gescheitert. Er erhält sich mit Hilfe seiner Terror- und Propagandamaschine an der Rächt. Der Ausfall der versprochenen Volksabstimmung im heurig« Jahre und die gesteigerte Verfolgung aller«wposifionellen Gruppen, sind Zeichen seiner inneren Unsicherheit. Aus diesem Ueberblick ergeben sich wichtige Folgerungen. CrstenS: die Zeit arbettet nicht mehr für den Fascis- mus. Zweiten-: Di« Demokratie kämpft sich wieder empor. Drittens: Die Entscheidungen über Krieg «der Frieden. Aufstieg oder Niedergang Europas sind noch offen. Viertens: Der Sozialismus hat noch eine «roste Möglichkeit vor sich, in daS Rad der Geschichte einzugreifen. Die Gegenwartspolitik ist. wie Genosse Iaksch Wester auSführte, erfüllt von dem Ringen um den Vorrang sozialer oder nationaler Machtlösungen. In der sudetendeutschen Bevölkerung hat die Hoffnung auf eine nationale Machtlösung daS soziale Problem zeitweise in den Hintergrund gedrängt. Die sozialen Grundfragen unseres Dasein- bleiben aber weiter ungelöst. Wir waren in den letzten Wochen Zeugen dessen, wie in einigen Betrieben. soinOber- AderSbachundinTellnitz.die Arbeiter zur Waffe de- Hungerstreiks griffen, um der Zerstörung der Industrie durch kapitalistische Profitinteressen Einhalt zu tun. Diese Hungerstreiks sind keine Drohung gewesen, sie waren ein Appell an die nationale Solidarität. Wo blieb das Echo unserer Intel« liaenz? Wo blieb die völfische Jugend? Warum schwieg zu diesem BerzweiflungSkampf unsere Echriftleiterpresse? Wo blieb die Henleinpartei mit ihren fünfviertel Millionen Stimmen rind ihren 44 Mandaten? Der Arbeiter verteidigt im Kampfe gegen unbegründete Betriebsstillegungen die Grundlagen der nationalen Existenz der Sudetendcutschen. Die Ration aber lässt ibn im Stich. An der Seite der AderSbacher und Tellnitzer Arbeiter kämpfte der sozialdemokrafische Fürsorgeminister, kc-mpften di« freien Gewerkschaften und di« ganze sozialdemokratische Beweguna. Auf der anderen Seile der Front standen die Kartelle, die Aftionäre und im Falle Adersbach sogar reichsdeutsche Kapitalisten- Der sozialdemokratische Arbeiter ist also der Verteidiger der Nationalen ExistenzbasiS. Der Spätkapitalismus ist der Totengräber der Nation. Die proletarischen Anhänaer Henleins leben in einem Zustande geistiger Massenblindheit. Heber den Lohnsettel eines Gec-BetriebeS entrüsten sie sich mehr al- iiber daS ganze kapitalistische Zerstörungswerk der Doderers. Sie sehen auch nicht die furchtbaren Schäbigungen de- Sudetendeutschtums durch den HitleriS- wuS: Unterbindung des Fremdenverkehrs und der Grenzgänger, Abschnüren unserer Wirtschaft durch den reichsdeutschen AutarfiSmuS, Lähmung aller Belebungstendenzen durch die Kriegsgefahr. Der Hir« lerismuS hat rings um Deutschland den RechtSbod« erschüttert, auf dem die deutschen Minderheiten ihren Existenzkampf zu führen haben. Die deutsche sozialdemokratische Bewegung wird angesichts dieser Erscheirmng und Gefahren keinen Schritt zurückweichen vor nationalistischen ZerstörungS- I e w a l t e n. Wir wollen dieses arme hungernde Volk nicht Freibeutern und Katastrophenpolitikern ausliekern. Der schwerste Waffengang gegen den sudetendeutschen Rationalismus must bis ans Ende durchgefochten werd«. Dir Zusammenarbeit der sozialdemokratische« Partei« ist der stärkste Damm gegen die steigende Woae des Rationalismus im sudetendeutscheu wie im tschechischen Lager. Wir haben unserem Bekenninis für Demokratie und Republik fast die Hälfte unserer Wählerschaft geopfert und daraus leiten wir auch das Recht ab. den Staat an seine Pflichten gegenüber der deutschen arbeitenden Bevölkerung zu erinnern. Lewer hat sich die tschechische Politik bisher zu keiner positiven Konzeption in der deutschen Frage durchgerungen. Sie übersieht, hast die ungarische und polnische Aggressivität ausschliesslich auf den Rückhalt Hitler-Deutschlands angewiesen ist. Bon dort her droht der Republik die grösste Gefahr. Wir sind unversöhnliche Gegner des HitleriSmuS. Deshalb verwahren wir uns dagegen, dass kampferprobte deutsche Reprrblikaner vor der tschechischen Oeffentlichkeit und in der Praxis der Staatsbehörden in«inen Topf mft den Anhängern Henleins geworfen werden. Di« deutsch« Frage ist ei» brennendes StaatS- drovlem. HodZa könnte eine Wendung bringen, denn er ist als Slowake nicht mit Ressentiments gegen die Deutschen belastet. Der Ministerpräsident hat dieser Tage seiner lleberzeugung Ausdruck gegeben, dass eine lotzale Zusammenarbeit mit den Deutschen möglich ist. Wir verweisen darauf, dass es dabei nicht, um die Lösung taktischer, sondern grundsätzlicher Fragen geht. Die Staatspolitik steht vor der Aufgabe. der deutsch« arbeitend« Bevölkerung neue Leb«smöglichkeiten zu eröffn«. Der deutsche Arbeiter will nicht zum Almosenempfänger herabsinken. Deshalb fordern wir: Exporthilfe und Industrieaufbau, Sanierung der Selbstverwaltung. Ausbau der Sozialpolitik. Die deutsche sozialdemokratische Bewegung hat durch den Qualitätswert, den sie besitzt, zu den notwendigen konstruktivenLösungen etwas beizu- steuern. Ihre Existenz und ihre Mitarbeit ist eine Staatsnotwendigkeit. Wirlebenvonnieman- des Gnade und gehen furchtlos unseren Weg. Gemeinsam mit der tschechischen Arbeiterklasse setzen wir den Kampf um soziale Krisenlösungen fort. Wir stehen voll und ganz,hinter den Bestrebungen des Fürsorgeministers Neöa». 9. Dezember— Patichelder*ProzeB Mährisch-Ostrau. Vor dem Strafsenat des Kreisgerichtes in Mährisch-Ostrau tyird unter dem Vorsitz des Oberrates Dr. Kämpf am Montag, dem 9, Dezember, die Verhandlung in dem großen politischen Prozeß gegen Dr. Pätsch e i d e r und Genossen beginnen. Es sind im ganzen 20 Personen wegen Anschlägen gegen die Republik angeklagt. Die Klage wird Prokurator Chalupa aus Troppau vertreten. Die Angeklagten werden von neun Advokaten, darunter auch auS Prag und Reichenberg, verteidigt werden. Die Anklageschrift umfaßt 20S Seiten, der ganze Prozeßakt besteht aus neun großen Bänden und die Beilagen wiegen an 440 Kilogramm. Mit Rücksicht auf die große Zahl der Angeklagten wird die Verhandlung im Schwurgerichtssaal stattfinden. Sie wird wahrscheinlich einen ganzen Monat in Anspruch nehmen. Die Angeklagten gehörten dem Kreis der„B c- r e i t s ch a f t" an, einer von Patscheider ideologisch geführt« Organisation, die ein bedeutsamer Gegenspieler des„Kameradschaftsbunde 8" war. Während dieser von dem Othmar Spannschen Fascismus lStändestaat) und vom italienischen Vorbild auSgeht, war die „Bereitschaft" eher nach dem Berliner„T a t-KreiS" orientiert(Zehrer und Ferdinand Fried). Palscheider und die„Bereitschaft" war« vor allem pro» russisch, antiwestlerisch, im Gegensatz zum KB, der sich streng an die hitlerische scharf antiruffi- sche Politik hält, wie ja die Reden Brands und Henleins in Teplih bewiesen haben. Für die Alleinherrschaft des KB in der SdP war eS von großer Bedeutung, daß die„Bereitschaft" infolge ihrer Hochverratsaffäre ausfiel. Der KB ist in dieser Richtung überhaupt vom Schicksal begünstigt. Kaum rührt sich eine Oppositton gegen ihn, so hat die Polizei schon BeweiSmaterial gegen diese oppositionelle Gruppe in der Hand. Die Wege deS deutschen Herrgotts sind eben wunderbar. Wer Ist es, Herr Brand? Wim.(Tsch. P.-B.) Wie bereit- vor einiger Zeit das»Echo" gemeldet hat, wurde ein F u n k- tionär der Sudetendeutschen Henleinpartei damit betraut, eine Reorganisation der illegalen na- tionalsozialistischen Bewegung in Oesterreich durchzuführen. Laut einer heuttgen Meldung des genannten Blattes hat der betreffende Reorganisator seine Tätigkeit bereits ausgenommen. Er verhandelt mit den konrpetenten österreichischen Krei- Abschliessend befasste sich Genosse Iaksch auch mit der Einheitsfronttaktik der Kommunisten. Ein Rätselraten, ob die letzten Moskauer Beschlüsse ehrlich gemeint waren oder nicht, ist müßig. Wir können uns nur an unsere eigenen Erfahrungen halten, und diese mahnen zur Vorsicht. Ein« gewisse Entspannung ist eingetteten. seitdem die Kommunist« ausgehört haben, unsere Arbeit in der Regierung herabzusetzen und den guten Willen der sozialdemokratischen Minister anzuerkennen. Bei den Bestrebungen zur Vereinheitlichung der tschechosioiva« fischen Arbeiterbewegung geht eS nicht um die Herstellung einer formal« Einheitsfront, sondem«m die Frage der gemeinsamen Taktik. Auch die Volksfront in Frankreich ist vorläufig nur im Negativen einig.'nicht aber in ihren sozialen Zie- l«. Die Kommunisten müssen aufhören, Briefe Kl schreiben, sondern zu den Kernfragen der demokratischen Staatspolittk konkret Stellung nehmen. Der Schlüssel zur tschechischen Volksseele ist für sie die Frag« der Landesverteidigung. Wenn die Kommunisten trotz des Bündnisses mit der Sowjetunion wieder gegen das Militärbudget stimmen, dann machen sie die Polifik der versäumten Gelegenheiten. Aufgabe sozialistischer Polifik in der Tschechoslowakei ist e?. dem Fascismus den Weg zur Staatsmacht zu verlegen. Die Arbetterfchaft braucht nach wie vor zum Schube ihrer Interesse» eine einige und stark« Sozialdemokrafie. Die 60 Millionen Winterhilfe, die durch die Mitarbeit unserer Partes errungen wurden, halten wir dem Volkshilfeschwindel der Henleinbewegung ent- geg«. Es gibt keinen anderen Ausweg aus der Not, als die Arbeiterschaft immer wieder aufzurufen zum Kampfe für die eigenen Interessen und für ihr Recht. Nach wie vor gilt die Losung, die die Beweguna großgemacht hat. zurr st organisieren, dann diskutieren. Die deutsche sozialdemokrafische Bewegung geht einem neu« Krisenwinter als unerschütterte Kampf- und Schicksalsgemeinschaft entgegen. Unser Ziel ist eS, daS rote Banner deS Sozialismus unversehrt durch dir Sintflut des FasrismuS an die neu« Ufer«IsteS frei« und glücklich« Europas hinüberzuretten. Die Kreiskonferenz quittierte die Ausführung« des Genossen Iaksch mit minutenlangem Beifall. sen und mit den Führern der illegalen nationalsozialistischen Bewegung. Sein Bestreben geht dahin, in allernächster Zeit eine große Agitation zu entfalten, daß allen nationalsozialistischen Verhafteten Amnestie gewährt werde. Edmund Burlan gestorben Die tschechische uiid deutsche sozialdemokrafische Oeffentlichkeit wird schmerzlich überrascht sein, zu hören, daß der ehemalige Abgeordnete Edmund Burian Samstag, den 23. November 1935, im Alter von 57 Jähren gestorben ist. Seinen Tod werden alle, die ihn kannten— und das sind nicht wenige— beklagen, weil mit ihm ein Idealist dahingegangen ist, dessen Herz sein ganzes Leben lang der Arbeiterbewegung gehörte und der der Arbeiterbewegung mit der ganzen Kraft seiner Intelligenz und seiner Arbeit gedient hat. Burian, der ein Alter von 57 Jahren erreicht hat, ist auS einer sozialistischen Familie hervorgegangen, sein Vater Adolf gehörte zu den Begründern der tschechischen Sozialdemokratie in Mähren. Als junger Mensch kam Edmund Burian in die Redaktion der«Rovnost". Sein Interesse galt in den ersten Jahren vor allem der rutti- nalen Frage. Sein ungefähr um 1910 erschienenes Buch über die tschechische Sozialdemokratie und die nationale Frage zeigt ihn als Theoretiker und zwar als einen Schüler Renners und Bauers, der bemüht war die sozialistischen Theorien mit dem Geist des tschechischen Volkes zu vermählen. Ms eS dann zu der Spaltung der tschechischen Sozialdemokratie kam, ging Burian mit den Zentralisten, kam nach dem Weltkrieg in die revolutionäre Nationalversammlung, wurde 1920 Abgeordneter und ging dann zur kommunistischen Partei. Dort blieb er aber nur wenige' Jahre, da sich ein so kritischer Kopf, wie es Burian gewesen ist, dort nicht Wohl fühlen konnte. Er schied später aus dem politischen Leben aus und wurde Sekretär des Metallarbeiterverbandes in Mährisch-Ostrau und Mitarbeiter sozialdemo- krafischer Blätter. Auch die deutsche sozialistische Presse hat vielfach Beiträge von ihm gebracht. Am Samstag abend war er in seine Wohnung in Königsfeld zurückgekehrt, wo ihn ein Schlaganfall traf. In das Krankenhaus übergeführt, etwachte er aus der Bewußtlosigkeit nicht mehr und starb um acht Uhr abends. Die fichechische und deuffche Arbeiterschaft wird diesem tapferen, begabten und opferbereiten Kämpfer fiic die Sache ihrer Befreiung ein dankbares Andenken bewahren. Dr. BeneS an die Düsend Rede im Runfunk Minister Dr. Edvard Benes hielt Montag im fichechischen Rundfunk eine Rede über das Thema:„Die Tschechoslowakei und Europa", in welcher er ausführte: Wir vermindern hiebei keineswegs die Verdienste unseres Volkes an der Hebung seiner eigenen nationalen Kultur, wenn wir zugeben, daß wir vielfach auch aus der Schatzkammer der geistigen Werte und der nationalen Kultur anderer Völker geschöpft haben. Ein guter Tschechoslowake zu sein steht somtt noch nicht im Widerspruch zu dem Begriff ein guter Europäer zu sein. Aber Ihr Jungen müßt das Bewußtsein haben, daß Ihr zunächst und vor allem gute Tschechoslowaken sein müßt, damit Ihr Euch so zu guten Europäem emporarbeiten könnt, und ein guter Tschechoslowake und ein guter Europäer zu sein, bedeutet für mich vor allem ein guter Mensch sein. Daraus, daß wir jetzt frei sind, daß wir nach dem Sturz der österreichisch-ungarischen Monarchie unsere Republik haben, entstehen uns neue Aufgaben: Unser Staat, im Herzen Europas gelegen, liegt am Kreuzungspunkt tvichtiger Gedankenströmungen von Nord und Süd, von Ost und West, d. h. von Deutschland und von Mitteleuropa einerseits und von Rußland, Italien, Frankreich und England andererseits. Er hat deshalb eine für ganz Europa ungewöhnlich wichtige geographische Lage. Wollen wir also unserer Aufgabe enfiprechen, nämlich die kulturelle und politische Brücke zwischen den Ländern Ost- und Westeuropas zu bleiben, müssen wir notwendi- ! gerweise unser« internafionalen polttischen, kulturellen und wirtschaftlichen Beziehungen mit allen diesen Staaten und Völkern aufrechterhal- ten und systematisch ausdehnen. Die Tschechoslo- wakische Republik handelt so gleich seit ihrer Gründung. So haben wir also sowohl in polifischer und wirtschaftlicher Beziehung als auch in bezug auf die allgemeine Kultur un^ bereits seit der Zeit unserer Befteiung allmählich ein breites Netz unserer internafionalen Beziehungen ausgebaut. Es ist jedoch notwendig, daß wir in dem edlen Wettkampf um unsere würdige Placierung in der Reihe der europäischen Völker bestrebt sind, einen der ersten Plätze zu erringen. Ich glaube deshalb, daß Ihr Jungens wieder anknüpfen werdet an unsere alte ruhmvolle Tradition reger gegenseitiger Beziehungen unseres Volkes und Staates mit dem übrigen Europa. Ihr müßt Euch gut dafür vorbereiten. Die Zukunft eines jeden Staates und Volkes beruht wahrhafttg auf seiner Jugend. Ich glaube fest, daß unsere Jugend alle unsere Hoffnungen erfüllen wird. Einem jeden von Euch sei ein hehres Vorbild unser Präsident Masaryk, der auS einer arm« Landhütte hervorgegangen ist, sich schwer durchs Leben durch- gekämpft, auf heimischen und' ftemden Schulen studiert und sich so gebildet hat, daß er ein Weltmensch und Gelehrter geworden ist, die Freiheit unserem Volke erkämpft hat und heute zu den bedeutendstm Männern Europas und der Welt gehört. Kerkerstrafen Im Brünner „Falkenschaft“*ProzeB Brünn. Im Prozesse gegen die leitenden Funktionäre der Hitler-Organisation„Deutsche Falkenschaft" wurde Montag um 11 Uhr 20 Mi- nuten vor dem Senat des Kreisstrafgerichtes in Brünn das Urteil gefälü. Die Angeklagten I. Fröhlich, H. Klein und E. Antosch wurden des Verbrechens der Vorbereitung von Anschlägen gegen die Republik gemäß 8 2 des Gesetzes zum Schuhe der Republik schuldig erkannt. Sic hatten sich des Verbrechens dadurch schuldig gemacht, daß sie sich seit dem Jahre 1981 ist Brünn und an anderen Orten zu Anschlägen gegen die Republik verbündeten. Sie wurden zu schwerem Kerker verurteilt u. zw. Fröhlich zu 15 Monaten, Klein und Antosch zu je einem Jahr mit einer Faste in jedem Monat, ferner zu eiper Geldstrafe von je 1000 KL oder zu weiteren zehn Tagen schweren Kerkers. Alle verlieren die bürgerlichen Ehrenrechte und sind verpflichtet, die Kosten des Strafverfahrens zu ersetzen. Bei Fröhlich behielt sich der Staatsanwalt die Verfolgung wegen des Verbrechens der Unzucht wider die Natur und der Verleitung zur falschen Zeugenaussage vor. Der Angeklagte Witte! wurde freigesproch«. Sejum räumt Temblen Rom. Wie die Blätter melden, hat Ras Sejum Tembi« mit seinen Soldat« verlassen und sich über den Takasse-Fluß zurückgezogen. Er habe sich«ach Tzellentih begeben. Die abessinischen Truppenabteilungen, die sich noch in Tein- bi« befinden, würden jetzt nur aus eigener Initiative handeln. Havas bringt ans Harrar eine aus abessinischer Quelle stammende Nachricht, nach welcher die Militärabteilungrn des Ras Desta gegen die Italiener in der Gegend von HamarSchebu einen Erfolg errungen haben. Die Italiener hätten sich zurückgezogen und einige hundert Tote und Verletzte auf dem Kampfplatz gelassen. Wie Reuter ans Addis Abeba meldet, solle» am Sonntag nördlich von Makale drei italienische Bataillone in die Flucht geschlagen worden sein. Die Italiener hätten dabei ihren Bekeülsbaber und hundert Marrn verloren. Seite 4 DienStag, 26. November 1935 Nr. 275 <381 der Offensive! Kreiskonfereuz Auffig— Samstag traten an 300 Vertrauensmänner des Kreises Aussig-Bodenbach-Warnsdorf zu ihrer sechsten ordentlichen Kreiskonferenz zusammen. Bo.ran gingen die Frauenkreiskonferenz und die Kreisbildnngskonferenz. Der überzeugende und nachhaltige Eindruck in allen drei Tagungen tvar, daß die Partei sich im Angriff befindet und daß in allen ihren Organisationen der unerschütterliche Wille zum Kampf gegen den Fascismus und zum Sieg Wer alle Feinde der Arbeiterschaft lebt. Die Kreiskonferenz eröffnete Genosse Grünz- ner, welcher der verstorbenen Genossen gedachte und die anwesenden Vertreter der tschechischen Par, tei und der Kreise Reichenberg und Teplitz willkommen hieß. Mit lautem Beifall wurde ein Begrüßungstelegramm des Genossen Dr. C z e ch ausgenommen. Nach der Konstituierung der Konferenz und der Wahl der Kommissionen erläuterten die Genoßen K o g l e r und Wondrejz die im Druck vorliegenden Berichte, worauf die Konferenz unterbrochen wurde, um den Delegierten die Teilnahme an der Begrüßungsfeier der Bodenbacher Genoffen zu ermöglichen. Die Frauenkonferenz fand in Anwesenheit von 84 Delegierten im KroOvitzcr Arbeiterheim statt. Den Bericht erstattete Genossin Kirpal; die ebenfalls feststellen konnte, daß sich die Organisationen trotz der Wirtschaftsnot und der Hen« leinverhehung glänzend behauptet haben. Ihrem ausführlichen Referat folgte eine rege Debatte, an welcher die Genossinnen Schicht-Aussig, Klemmer- Krochwitz, Lorenz-Aussig, Kögler-Bodenbach, Langer-Aussig, Till-Politz, Sieber-Schönfeld, Parsche- Eulau, Müller-Aussig, Lumpe-Wolfsberg, Caste- letto-Ausfig, Heller-Biela und Pilz-Aussig teilnahmen. Einstimmig wurde dann die Entschlie- Bodenbach—Warnsdorf ßung angenommen. Die Neuwahlen hatten folgendes Ergebnis: Vorsitzende Gen. Kirpal; Stell- Vertreterinnen Gen. Klemenz und Lorenz; Frauenkreiskomitee: Gen. Schamfuß, Kögler, Marschner, Reyzl, Goth, Bürgermeister, Görgner, Martin, Pollak, Sotola und Kunte. An der Kreisbildungskonferenz im Altstädter Arbcitcrheim nahmen mehr als 80 Delegierte teil. An das Referat des Genossen Skoutajan schloß sich eine Aussprache an, an welcher sich zehn Delegierte beteiligten. Die Konferenz brachte eine Fülle werwoller Anregungen, welche auf die weitere Bildungsarbeit im Kreise befruchtend wirken werden. Das politische Referat hielt Genofle I a k s ch. Wir bringen an anderer Stelle des Blattes einen Auszug aus seiner Rede, die von der Konferenz mit stürmischem Beifall ausgenommen wurde. In der äußerst interessanten und sich auf hohem Niveau bewegenden Debatte sprachen die Genoffen Weig e l-Losdorf, Hill e-Rosendorf, K n o b l-Krochwitz, Werne r-Rumburg, W inte r st e i n e r-Schönborn, Ullman n-Aussig, P.e r t h e n- Tscheche, Grünzner- Aussig, R>a u b a ch-Waltirsche, P a tz-Bodenbach, Wink- l e r-Auscha. Die Wahlen ergaben als Kreisvertrauensmann den Genoffen Bruno Grund, als Sekretär Kögler, als Kassier Podzimek. In die Exekutive wurden außer den Genannten gewählt: Keßler, Klemenz, Kirpal, ^Schweichhart. Ientsch, Pölzl, Reyzl, Marschner, Eger. Die Konferenz ging in kampkesfroher Stimmung und mit dem unerschütterlichen Willen zu neuem Vorstoß auseinander. Hochzeitsfahrt in den Tod Pilsen. Sonntag um 2 Uhr nachts ereignete sich auf der Bezirksstraße in Plzenec bei Pilsen ein tragisches Automobilunglück. Ein Per- sonenautomcckiil, das von dem 28jährigen Chauffeur Jaroslav Zenisek gesteuert wurde, brachte Hochzeitsgäste, und zwar die Eheleute Anna und ZdSnek V e b r sowie Franz S i m e k, von Pilsen nach Stahlavy, wo Zdönek Vebr als Forstadjünkt beschäftigt ist. Hinter dem Eisenbahnviadukt in Pilsen gelang es dem Chauffeur nicht, eine scharfe Kurve zu nehmen.^)as Auto stieß an drei Bäume und stürzte schließlich um. Zdenek Vebr wurde aus dem Automobil geschleudert und erlitt so schwere Verletzungen, daß er ihnen während des Transportes in das Pilsener Krankenhaus erlag. Die Gattin Bebrs wurde' schwer verletzt und konnte noch nicht einvernommen werden Der Chauffeur Zenisek und Simck blieben unverletzt.^ Auf dem Unfallsort traf eine Gerichtskommission und die Gendarmeriesahndungsitation aus Pilsen ein. Der Chauffeur Zenisek wurde verhaftet. Es wurde festgestellt, daß er völlig nüchtern war. Die Eheleute Vebr hatten tagsvorher in Pilsen geheiratet. Gffttod auch in Prag Rach dem Genuß von Alkohol. Unter ganz ähnlichen Begleitumständen wie vor einigen Tagen in Üvaly starben Sonntag in Prag zwei Menschen, während ein dritter mit knapper Not dem Tode entgangen ist. Der 26jährige reichsdeutsche Flüchtling Gerhard B r i e g e r, welcher in der Pension „Arosa" in Prag. XIV wohnt, wurde Sonntag nachmittags von heftigen Schmerzen befallen. Als der Arzt kam, konnte er die sofortige Ueber- führung in das Krankenhaus anordnen, wo, B r i e g e r einer Vergiftung erlag. Zur gleichen Zeit wurden seine Verlobte, die 21jährige Edith Kornfeld aus Neudek bei Karlsbad und ihre 20jährige Schwester Ruth mit den Anzeichen derselben Erkrankung ins Krankenhaus gebracht, wo R u t h Kornfeld in der Nacht auf Montag starb. Ihre Schwester k/mnte gerettet werden. Wie die Polizei feststellte, hatten die drei Genannten gemeinsam mit dem Studenten B r e i n d l Samstag einen Likör getrunken, welcher aus der Schwarzbrennerei eines gewiffen B. D. in Prag XIV stammte. Es spricht also viel für die Annahme, daß die Todesursache in einer Vergiftung durch denaturierten Alkohol zu suchen ist, der von V. D- zur Herstellung von Likören benützt wurde. Der Schwarzbrenner wurde verhaftet. Auffallend ist jedoch, daß bei Breindl keine VergiftungSerscheinnngen aufgetreten sind. Wie in Üvaly, ist auch in Prag die Tragödie noch in Dunkel gehüllt. 47 Todesopfer Rom. Die Zahl der Todesopfer bei dem furchtbaren U n w e t t e r inSüditalienhat sich weiter erhöht. In der Gegend von Catanzaxa find bis jetzt 47 Todesopfer zu beklagen. Nahe Reggio Calabria kamen'zehn Menschen ums Leben. Moskau. Nach vorübergehendem Abflauen hat der O r k a n auf dem Schwarzen Meere wieder mit unverminderter Stärke eingesetzt. Die Küsten- wie auch die Hochseeschiffahrt mußte eingestellt werden. Der Hafen von Noworossijsk, dessen Anlagen zum Teil schweren Schaden gelitten hatten, ist von über vierzig sowjetrussischen und ausländischen Schiffen'als Nothafen angelaufen worden. Ein Funkspruch des gegen das Unwetter ankämpfenden Dampfer„Tscherno Mor" besagt, daß das im Sturm verunglückte Naphtha-TranSporffchiff »GroSnyj" von ihm und dem Tankschiff.Moskwa" ins Schlepptau genommen wurde. Häftling verschluckt einen Eßlöffel Jglau. Im Jglauer Gefängnis verschluckte der 21jährige Untersuchungshäftling Fr. Erbau aus Hlizov bei Kutnä Hora in einem unbewachten Augenblick einen in sieben Teile zerbrochenen Eßlöffel. Im Krankenhause wird zunächst der Versuch zur Beseitigung der Bruchstücke auf nichtoperativem Wege gemacht werden. Erban, der wegen des Verbrechens des r ä u b e- rischen Ueberfalles verhaftet wurde, wurde isoliert und in Ketten gelegt, da er mit seinem Versuch offenbar eine Möglichkeit zur Flucht suchte. Atter schützt vor Torheit nicht... Pilsen. Beim Eingang in die Militär- schwimmschule in Pilsen gab Sonntag vormittags der 7 4jährige Pflegling des städtischen Siechenhauses Martin List auf die 47jährige Pauline Hanölovä aus einem Trommelrevolver zwei Schüffe ab. Der erste Schuß verletzte die Hanclovä am rechten Handrücken, der zweite verfehlte das.Ziel. Der Täter floh nach den Schüssen und verbarg sich in einem Gebüsch beim Lager der Firma Drechsler, wo er von der Polizei ausgeforscht und verhaftet wurde. Er gestand die Tat ein und gab als. Ursache an, daß er die Hanölovä einige Male um die Rückzahlung des ihr vor einiger Zeit geborgten Geldes gemahnt habe. Er habe aber bereits vor zwei Jahren beschlossen, sie zu erschießen und dann Selbstmord zu begehen. Die Hanälovä gab bei dem Verhör an, daß sie List schon längere Zeit gedrängt habe, daß sie ihn zu sich nehme, was sie aber abgelehnt habe. Die Ursache des Revolveranschlages List ist allem Anschein nach verschmähte Liebe. Ehrenrettung eines SdP-Abgeordnetrn. Unter diesem Titel lesen wir ich„Volkswillc": Der SdP-Abgeordnete Adolf b st wird durch ein Gerichtsurteil, das der christlichsoziale „Landbote" in Krumau abdruckt, riner weiteren Oeffentlichkeit bekannt. Es lautet: I 838—38 Urteil. Im Namen der Republik. Das Bezirksaericht in Ä.-Knnnau bat heute zu Recht erkannt: Angeklagter Friedrich Neubauer, am 12. 2. 1909 geb., ledig, Besitzerssohn in Priethal 49, ist schuldig. Er habe am 15. 9. 1935 in Priethal den Adolf Jobst durch Schimpfworte Laus bub, leck mich um den A..., Rotzbube und durch Wegstoßen, somit durch Mißhandlung an der Ehre gekränkt. Er habe hiedurch die Uebertretuna der Be- leidigima nach 8 1 des Gei. fl. 198—33 beaanaen. Nach§ 9—HT deS Ges. 108—33 sied» das Gericht von seiner Bestrafung ab. Der Anoellagte wird nach 8 St. P. O. zum Erioke der Koben deS Strafverfahrens und. nach 8 393 St. V. O. zum Eriatze des Betrages von Kö 118.50 an Kosten für rechtsfr. Vertretung des Adolf Jobst und an Zeugengebühren verurteilt. -'Der Privatankläger ist berechffgt, den UrteilSsvruch auf Kosten d-S Verurteilten in der Leitschrift Landbote in B.-Krumau binnen 14 Taaen nach Rechtskraft des Urteiles bis zum Höchitbetrage der Kosten von 30 KL beröffeufl'chen zu lassen. L. S. Chour m. p. ' B.-Krumau, 15. Oktober 1935. Einer großen Liebe und Achtung scheint sich also der Herr Abgeordnete nicht zu erfreuen. Uns würde nur interessieren, ob der verurteilte Neu- bauer nicht gar zur„Volksgemeinschaft" Henleins gehört. Benes Ehrenbürger von UZhorod. Im Städtischen Lichtspielhause von Uzhorod fand Sonntag eine Festsitzung der Stadtvertretung von UZHorod statt,, die den Minister für auswärtige Angelegenheiten Dr. Eduard Bestes einmütig zum Ehrenbürger der Stadt U^horod ernannte.(Auch die Vertreter des oppositionellen Lagers der Ungarn und der K o m m u n i st e n stimmten für die Ernennung Dr. Benes' zum Ehrenbürger.) Benes ist nach dem Präsidenten der Republik und dem Landespräsidenten Rozsypal der dritte Ehrenbürger von Uzhorod.' Ei« weiteres Symptom für die Annäherung der beiden Prager Universitäten stellt eine Kundgebung dar, die am Sonntag vormittags im Hörsaal der Klinik Prof. Dr. Schlosser stattfand. Im Rahmen eines Fortbildungskurses des Reichsverbandes der deutschen Aerztevereiue in der Tschechoflowakei waren über Einladung der Redaktion der„Prager medizinischen Zeitschrift", die diese Kurse organisiert, auch tschechische Kollegen erschienen. Dekan Prof. Dr. G a m p e r begrüßte die Erschienenen: Er hoffe, daß der heutige Tag den Anfang für ein weiteres Zusammenarbeiten bilden werde. Nach ihm dankte der tschechische Dekan Prof. Dr. C a n c i k für die Einladung und drückte die Bereitwilligkeit für eine solche Zusammenarbeit aus. Namens des Ministeriums für öffentliches Gesundheitswesen begrüßte Oberrat Dr. Silbermann die Bestrebungen, die Verbundenheit der Aerzteschaft Nachrichten über die Organisierung zum 3. Bundesturnfest des Atus Die Zahl der verkaufte« Atus-Wandkalender zum 3. Bundesturnfest «m neuerliche 2850, also von 31.500 erhöht Wir berichteten am 16. November, daß sich die Zahl der verkauften Attis-Wandkalender(von deren Reinerträgniffen bekanntlich den arbeitslosen Mitgliedern die Teilnahme am 3. Bundesturnfest er möglicht werden soll) durch die enorme« Nachbestellungen der Vereine im Laufe von sieben Tagen von 2 0.0 00 auf 3 1.5 00 erhöht hat. Wir können nun heute berichten, baß sich diese Zahl in den letzten sieben Tagen durch neuerliche Nachbestellungen auf 34.500 Stück erhöhte. Die Berichte der Vereine über die dafür erhaltenen Spenden sind äußerst günstig und fft heute schon für einige Tausend arbeitsloser Genossinnen und Genossen die Teilnahme zum 3. Bundesturnfest gesichert. Nachfolgend die Nachbestellungen der letzten Woche: I. KreiS: OlmLH-Reustift 100 Stück, Zwitta« 100, Römerstadt 50, Würbenthal 50, Breitenfurth 100, Hannsdorf 50, Zlabings 100, Mähr.-Trübau 170, Kumrowitz 50, Oberufer 12, Tattenitz 100, Troppau 100 Stück. V. Kreis: Brüx, S. Kl. 50 Stück, Ladowitz 60, Hohenstein 15, Oberhaan 100, Ullgersdorf 40, Tur» 50, Pärchen 50, Avbesau 20, Böbm.-Leipa 40, Steinsdorf 20, Meretitz 80, Ratsch-Weberschan 20, Komotau I 200, Likwitz 15, Haida 50, Brüx, TD. 100, Graupen-Mariaschein 100 Stück. VI. Kreis: Petschau 30 Stück, Neusattl 50, Neudek 100, Putschirn 70, Pfraumberg 50, Neuer« 50, Untergrün 10 Stück. VII. Kreis: Dittersbach 45 Stück. Der Atus an die Front! beider Nationen, die auf wirtschaftlichem Gebiete bereits bestehe, auch auf wissenschaftlichem Gebiete weiterzuführen. Die Kundgebung ist aus dem'Grunde bemerkenswert, weA'sie nach vielen Jahren dis erste dieser Art ist, zu der sich auf gkademischem Boden tschechische und deutsche Aerzte zusammengefunden hatten. Sie wurde von dem dichtgefüllten Auditorium mit großem Beifall ausgenommen. Daran anschließend hielten Prof. Dr. Schlaffer und Prof. Dr. Knaus einen Vortrag über bösartige Geschwülste. Ein feines Mädel. In einem jglauer Hotel wurde in der Nacht auf Sonntag eine elegante Fremde verhaftet, die bereits zehn Tage in der Stadt wohnte und ihren Aufenthalt in einigen Hotels wechselte. Es wurde in ihr das 28jährige Dicnstmäöchen Hildegard Pilz aus Engelberg bei Freudenthal festgestellt, die wegen D lebst a h l s von Schmucksachen in Höhe von 6 0.0 0 0 Kö und 1 0.0 0 0 KL Bargeld, der in der vergant genen Wockie in Prag verübt wurde, verfclgt wird. Ihr Komplice G u ft a v Steiner befindet sich mit zwei weiteren Mitschuldigen bereits in den Händen der Sicherheitsbehörden. Die Pilz erwartete Steiner in Jglau und gab sich als Elfriede Hofmann aus. Sie wurde von dem Oberkellner eines Hotels nach der in einer illustrierten Zeitschrift veröffentlichten Photographie erkannt. Außer dem Gepäck und Seidentoiletten wurden nur einige hundert KÖ bei ihr vorgefunden und beschlagnahmt. Das amerikanische Großwafferflugzens „China Clipper" ist Sonntag in Pearlhabour auf den Sandwich-Jnseln gelandet und hat damit den Eröffnungsflug auf der neuen Poststrecke Ka l i- fornien-Hawai beendet. Ende im Nachtasyl. In einem Wiener Obdachlosenasyl wurde der ehemalige Berliner Redakteur Alfred Rosenthal verhaftet, weil er seine Schulden in einem Hotel im 6. Bezirk mit einem ungedeckten Scheck bezahlte. Alfred Rosenthal ist unter dem Namen Apos bekannt. Er war Filmchef des Scherl-Berlages und früher Berater Hugenbergs. Vom Rundfunk empfehlenswertes aus«en Programmen! Mittwoch: Prag, Sender L: 10.05: Deuffche Presse, 10.15: Deutscher Schulfunk für Unterstufen, 10.35: Leichte Musik, 12.10: Schallplatte», 12.35: MuM Salonquartett, 18.40: Deutscher Arbeitsmark, 16.55: Theater für die Jugend, 17.40: Schallplatten, 18.10: Deutsche Sendung: Dr. Maras: aus dem ffchechoslowakischen Kulturleben, 18.20: Arbeitersendung: Grete Schneider: Mutter und Tochter über den Krieg, 18.40: Sozialinfor- mattonen, 18.45: Deutsche Presse, 22.15: Tanzmusik. Sender S: 7.80: Salonorchesterkonzeck 14.15: Deuffche Sendung: Kinderstunde, 14.50: Deutsche Presse, 18.45: Tanzmusik.— Brüll* 17.40; Deutsche Sendung: Landwirtschaft.<—• Furchtbare Verzweiflungstat einer Mutter Das heimlich geborene Kind mit der Senfe in drei Teile zerstückelt' Ein Hund spielt mit der Kindesleiche Die Bevölkerung von Habakladrau und der umliegenden Ortschaften des Bezirkes Marienbad befindet sich unter dem Eindrücke eines Kindesmordes und seiner Begleitumstände in großer Erregung. Ueberall sieht man Frauen in Gruppen beisammenstehen und das grauenhafte Ereignis besprechen. In Habakladrau wurde ein Hund bemerkt, der mit dem Leichenteil eines Neugeborenen spielte. Das Körperstück wurde von dem Kopfe, den'beiden Armen und der oberen Brustpartie gebildet, war mit Blut besudelt und Erde beschmutzt. Von dem Leichenteilfund wurde der Ortsvorsteher Franz Waltinger verständigt, der seinerseits die Gendarmerie aus Hohendorf nach der Fundstelle rief. Sofort richtete sich der Verdacht, Mutter dieses Neugeborenen zu sein, gegen die 30jährige Amalie W i l f l i n g, die als Magd beim Ortsvorsteher Waltinger im Dienst stand und wegen Blutungen vor zehn Tagen in das Marienbadcr Krankenheim gebracht werden mußte. Als ein Gendarm zu einem Verhör die Wilfling im Marienbadcr Krankenheim auffuchen wollte, traf er sie gerade bei ihrer Entlassung unter dem Tore des Krankenheimes, verhaftete sie und brachte sie in das Gefängnis des Marienbadcr Bezirksgerichtes. Hier gestand sie, unbemerkt und ohne Geburtshilfeleistung in ihrer Schlafiammer beim Ortsvorstcher Waltinger in Habafladrau ein Mädchen geboren zu haben. Aus Furcht, ihre Dienststelle z« verlieren, bzw. arbeitslos zu werden, habe sie das Neugeborene mit einer alten Sense in drei Teile zerschnitten und die Körperteile, in einer Schürze verpackt, unter Laub im Rachbarsgarten versteckt. Während dort später auch Vie beiden Beinchen des Neugeborenen gefunden wurden, ist bis zur Stunde der dritte Leichenteil, der Rumpf, unauffindbar. Man nimmt an, daß er einem Hund als Fra ß diente. auf 84.800 Nr. 275 Dienstag, 26. November 1935 Sette 5 Amok. Wie aus Ampena in Ostindien berichtet wird, hat im Bezirk von West-Lombok ein Amokläufer mehrere Personen getötet. Ein Eingeborener, der sich mit seiner Frau entzweit hatte, tötete sie und seine beiden Kinder. Dann steckte er seine Hütte in Brand und rannte mit gezücktem Messer los. Der Rasende konnte erst über- wältigt werden, nachdem er!3Menschen getötet hatte. Zwei Leute wurden von ihm verletzt. Sadistischer Antisemitismus. Die zuständige Stelle im Berliner Reichsministerium für Bottsaufklärung und Propaganda hat allen jüdischen Künstlern das Führen von sogenannten Kün st- lernamen(Pseudonymen) untersagt. Dieses Verbot gitt auch für die im Rahmen des Reichsverbandes der jüdischen Kuüurverbände tätigen nichtarischen Personen. Fortschritt... Das Blatt»Sundayrefe- ree" veröffentlicht mit Bewilligung des englischen Luftfahrtsministeriums eine Nachricht über die neuen vervollkommneten Typen der englischen Militärflugzeuge, die durch die letzten Erfindungen ungemein verbessert wurden. So wurden auf den Vickers-Eindeckern Tragflächen aus sogenannter.Spinnwebenleinwand" eingeführt, die eS ermöglichen, eine weit größere Bomben» und Mu- nittonsladung an Bord zu nehmen als bisher. Ferner wurden konzentrische Propellerachsen«in- gefühtt» die es gestatten, an der Achse eines Motors zwei sich in entgegengesetzter Richtung drehende Propeller anzubringen» was die Leistung ungewöhnlich erhöht. Volkswlrtsdialt and Sozialpolitik Manöver nm Deutsche Banknote« ge zahlt In Berlin bereitet man, nach einer Meldung »Neuen Zürcher Zeitung", den Erlaß eines 47 80 25 IS Pfg. Pfg. Pfg. Pfg. deS Spiels wurden weder dieser verhängnisvolle Zufall noch feine furchtbaren Folgen bemertt, so daß der T o d e S k a m p f des Getroffenen als eine glänzende darstellerische Leistung bestaunt wurde. Erst als der Darsteller nach dem Aktschluß tot liegen blieb, erkannte man die furchtbare Wahrheit. Der unglückliche Täter ist unter dem Eindruck des Vorfallverschwunden und konnte noch nicht aufgefunden Die Markentwertung im Ausland— Banknoteuschmuggel durch Devisenstellen— Kurssturz als Mittel der Exportförderung Feuer I« der Nervenheilanstalt New Jork. In der Nähe von Wykoff(New «rsey) brannte ein Flügel der großen Nerven- Kilanstatt.Christliches Sanatorium" vollständig Wieder. Zwei geistesgestörte Frauen fanden da« »ri den T o d in den Flammen. Die 86 übrigen «nstaltsinsassen wurden vonden3 0 Kranke n schwesterngerettet. Viele der geisteskranken kämpften verzweifelt in Rauch und stammen gegen die. Rettungsversuche. Sie such- tkn, sich in das Feuer zu stürzen und muhten Teil in Zwangsjacken gesteckt werden, sie aus dem brennenden Gebäude getragen ^ttden konnten. Die starke Kälte und die unzu- iänglicbe Lage der Heilanstalt auf der Spitze «aes Berges vereitelten atte Löschversuche. Keine Nachricht von Liueolu Ellsworth New Jork. Rach hier eingetroffenen Meldungen herrscht Besorgnis um das Schicksal des Fliegers Lincoln Ellsworth, der am SamStag srüh zu einem neuen Fluge ins Südpolar- tebiet aufgesttegen war und über den jede Nachricht fehlt. Der Brennstoffvorrat war für 24 Stunden berechnet. Ellsworth hatte Lebensmittel für acht Wochen mitgenommen. An Bord des Flugzeugs befindet sich ein Noffender, der am Samstag Vormittag eine Mitteilung aussandte, die jedoch unverständlich blieb. An Bord des Hilfsschiffes wird zur Zeit eine RettungS- Spedition ausgerüstet. Man rechnet jedoch »och immer mit der Möglichkeit, daß der Flieger töt Walfisch-Bucht erreicht hat. Konsequenz vermissen. Wenn schon die Staaten, denen Italien seine Einheit, Freiheit und Großmachtstellung sowie die Rettung im Weltkrieg zu verdanken hat, nun mit Undank belohnt und die Oesterreicher geehrt werden, dann sollten sich die Italiener doch auch eine C u st o z a-Straße, eine Piazza di L i s s a, eine Caporetto-Straße, einen Tegetthoff-Platz und eine Via di Conrad leisten I Auf die Wunde der Santtto- nen muß doch die Erinnerung an frühere militärische Niederlagen wie Balsam wirken... Böser Herbst. In Paris herrschte am Sonntag starker N ebel, der im allgemeinen Verkehr erhebliche Schwierigkeiten heworrief. Am meisten betroffen wurde neben dem Flugverkehr, für den der Pariser Flughafen Le Bourget völlig ausfiel, der sonntägliche Ausflugsverkehr auf den großen Ausfallstraßen. Die Stadtver- kehrsmittel hatten teilweise beträchtliche Verspätungen. Der Schiffahrtsverkehr auf der Seine mußte in den Nachmittagsstunden ganz eingestellt werden, da die Sicht kaum zehn Meter betrug. Auch der sonntägliche Sportbetrieb wurde durch die Unsichtigkeit beeinträchttgt. Wie auS Südfrankreich gemeldet wird, haben in den Sevennen starke Schneefälle eingesetzt. Di« Temperatur ist auf zehn Grad Kält« gefallen. Auch in den französischen Alpen schneit es seit Sonntag. Nach einer Meldung aus Lyon mußte der Kleine St. Bernhardpaß für den Kraftwagenverkehr gesperrt werden. In den Savoyen herrschen schwere Schneestürme, die beträchtlichen Schaden angerichtet haben. 863.— Kronen 788.— Kronen 728.— Kronen 628.— Kronen Stand am 24. Oktober Eine fein« Bank. Montag stellte sich bei der ^atsanwaltschast in Brünn der 8vjährige Bankier Alexander Suchanek auS Brünn Mass« ein und teilte mit, daß sein Bankunterneh- derzeit einen Passivbetrag von 7 Millionen ^stveise. Gleichzeitig gab er zu, einen erheblichen ^rag von Depositen veruntreut zu haben. Er ^»rde sofort in Untersuchungshaft genommen. Bei sofort im Bankhaus vorgenommenen Unter» Buchung wurde ermitteü, daß größere Einleger ge- kMigt sein dürften, deren Verluste nach der ersten Schätzung auf 4.5 Millionen geschätzt werden. Die an Depositen,(Wertpapiere und Aktten) fragen rund drei Millionen tti. Ferner wurde et* daß das Bankhaus den größten Teil der M anvertrauten Wertpapiere und Baulose, die auf ^ten angekauft worden waren, lombardiert hat. Dieser Bettag beziffert sich auf rund 600.000 ttö Erhöht sich noch um verpfändete bereits gezo- tvie Lose der Klassenlotterie im Gesamtbettag von 148.000 KC. Durch diese Manipulation wurde die Klaffenlotteriespieler nicht geschädigt. Die Erektion der Klaffenlotterie hat Maßnahmen geästen, daß die Lotterieabteilung in Tättgkett bleibe hat die Auszahlung aller Treffer gesichert. Die Untersuchung wird fortgesetzt. -„Oesterrrichisch-ungarrsche Straße" in Rom! D" systematischen Bestrebungen, alle an die ^nktionSstaattn erinnernden Namen aus dem ^»mischen Stadtgebiet verschwinden zu lasten, hat kV auch der an eine jahrhundertealte Tradition ^bundene Name der„PiazzadiSpagna" pichen müssen. Sie wird künftig nach Marschall k Bono benannt. Die Namensschilder sind be- pä geändert worden. Die zur Erinnerung an Marneschlacht benannte»Via Marne", die die Mahrtsftraße zur ftanzösischen Botschaft bildet, »Straße der Italiener von der Marne" um» «mft worden. Die»Via Romania" heißt jetzt ? Ehren der beiden Staaten, die sich der Sank« enthielten,»Oesterreichisch-Un- ri sch e Straße".— Die Freundschaft»« ptocife für den»Erbfeind" von gestern sind rüh- J’to, aber die Durchführung läßt noch immer derWW__.... generellen Verbotes der Einfuhr von Reichsbanknoten aus dem Ausland vor. Damit soll offenbar der illegalen Ausfuhr von Reichsbanknoten aus dem Deutschen Reich ein Riegel vorgeschoben werden. Die offiziellen Stellen in Berlin erklären diese verbotene Ausfuhr für die Ursache des starken Kurssturzes, den die Reichsbanknoten besonders im September und Oktober erlitten haben. Während die sogenannte»freieReichS- mark", die es infolge der scharfen Devisenbewirtschaftung im Ausland so gut tmx.gar^nicht gibt, an den Devisenbörsen aller Länder zü einem nur wenig schwankenden Kurs notiert— in Prag 100.— Reichsmark für 970.75 Kronen— weisen alle anderen im Ausland erhältlichen Marksorten eine starke Unterbewertung auf. Diese verschiedenen Marksorten, es gibt Registersperrmark, Kreditsperrmark, Effrktensperr- mark, Auswanderersperrmark, die„Aski"°Mark «sw., sind Früchte der deutschen Devisenbewirtschaftung und gleichzeitig Dokumente einer raffinierten Devisenpolittk, mit deren Hilfe ausländische Gläubiger in fortschreitendem Maße um ihre deutschen Forderungen gebracht werde». Alle diese Sperr- und anderen Marknoten, die früher vollwertige Reichsmark repräsenttert haben, sind infolge der weitestgehenden Verwendungsbeschränkungen, denen sie unterliegen, seit längerer Zett schon stark unterbewertet. An der Londoner Börse z. B. werden die verschiedenen Sperrmarksorten gerechnet: Registersperrmark statt« 100 Pfg. Kreditsperrmark statt.. 100 Pfg. Auswanderersperrmark statt 100 Pfg. Effektensperrmark statt. 100 Pfg. Die Unterbewertung beträgt demnach zwischen 53 und 81 Prozent! Diese gewaltigen Kursverluste erleiden die ausländischen Gläubiger Deutschlands, wenn sie ihre Forderungen, die aus Warenlieferungen nach Deutschland oder auf andere Art entstanden sind, »flüssig" machen wollen. Im Gegensatz zu dieser fortschreitenden Entwertung der Sperrmark hielt sich der Kurs der deutschen Reichsbanknoten bis zum Frühjahr 1935 auf einem Stand, der nicht allzutief unter dem amtlichen Devisenkurs lag. Am 15. April 1935 notterte an der Prager Börse die»fteie Reichsmarkt" 961.— Kronen(für 100 Reichsmark), die Banknoten 898.— Kronen. Es bestand also eine Differenz von nur 63.— Kronen oder nicht ganz 7 Prozent. Dann ist aber ein starker Kursabrutsch für Banknoten eingetteten. Es wurden 160 Traktoren in einer Schicht hergestellt Moskau.(Taß.) Das Stalingrader Traktorenwerk hat am 24. November im Laufe einer slebenftündigen Schicht 160 Traktoren bei einer Leistungsfähigkeit von 72 Traktoren hergestellt. Am vorhergehenden Tage stellte das Charkower Traktorenwerk ebenfalls im Laufe einer sieben- Nndigen Schicht 144 Traftoren her, obwohl die Produktionskapazität nur 72 Traktoren beträgt. In dem Lestarttkel der„Prawda" heißt eS hiezu, daß dies einen„neuen glänzenden Sieg des Eqialismus" darstelle. Sowohl das Charkower als auch das Stalingrader Werk wurden bekanntlich unter Mitwirkung von Ausländern projek- tiett; auch die gewissenhaftesten der ausländischen Berater und Fachleute zweifelten stark, ob es den Bolschewisten gelingen wird, die projektierte Pro- tuktionskapazität von 72 Traktoren pro Schicht iu meistern. Den Partner ans der Bühne erstochen Et« tragisches»ersehen in Prag für Reichsbanknottn(100.— Mk.) am: 15. Mai.. 80. September 16. Otkober. 24. Oktober. Auf diesem tiefften wurden demnach die deutschen Rrichsbanknoten um beinahe 40 Prozent niedriger bewertet. Diese Entwicklung straft die nationalsozialistische Behauptung Lügen, daß die Mark eine gesunde und stabile Währung sei. Denn die Panknotxnkurse jener Länder, deren Währung wirklich gesund ist, bewegen sich durchwegs auf der gleichen Höhe wie die amtlichen Devisenkurse. Als Ursache deS Kurssturzes ist die verbotene umfangreiche Ausfuhr von deutschen Banknoten angegeben worden. Es wird richtig sein» daß größere Mengen ins Ausland gebracht worden sind. Ein lleinerer Teil dürfte tatsächlich auf das Konto.Vermögensflucht" zu buchen sein. Aber der weitaus größte Teil kann nicht ohne Wissen und Duldung maßgebender Stellen über die Grenze gekommen sein. Die Londoner»Financial News" gab kürzlich Kenntnis von der Feststellung, daß ein großer Teil des Angebots von deutschen Banknoten aus funkelnagelneuen Scheinen besteht, die sich noch in ihren Originalhüllen befinden. Bon der belgischen Grenze wurde ähnliche- gemeldet. Für diese Massen von Banknoten sind von den deutschen amtlichen Stellen Devisen erworben worden, mit denen Deutschland dann einen Teil seiner Einfuhr bezahtt. Das starke Banknotenangebot mußte die Kurse um so mehr drücken, als die deutsche Regierung an den größten Teil der Exporteure die Anweisung gegeben hat, keine Banknoten für Exporte in Bezahlung zu nehmen. So wurde der legale Rückfluß ins Reich abgesperrt, gleichzettig erfolgte die Beschleunigung des Kurssturzes. Es scheint, daß diese Wirkung nicht unbeabsichtigt war; denn die für die Handels- und Devisenpolitik verantwortlichen Stellen haben zugelassen, daß nach dem tiefsten Kursstand einzelne Exportgruppen Geschäfte gegen Banknoten tättgten. Der Kurssturz wurde dadurch zu einem Mittel der Exportförderung. Der Ausländer konnte die deutschen Waren zu einem um 30 bis 40 Prozent billigere« Preis kaufen, die damit eine« beträchtliche» Borsprung vor den Exportwaren anderer Länder erhielte«. Da im Reich die Banknote gleich der»freien Reichsmark" ist, erleidet der Exporteur keinerlei Schaden. So haben also die deutschen Stellen mit ihrer»illegalen" MassenauSfuhr von Banknoten erstens erreicht, daß sie in den Besitz von ausländischen Devisen gekommen sind, und zweitens haben sie eine neue Exporfförderung prattiziert, gegen die daS Ausland nicht so rasch den Borwurf des Dumpings erheben kann. Inzwischen hat sich der BanknotenkurS etwas erholt. In Prag notierten am 20. November 100 Mark in Banknoten 743.— Kronen. Die Entwertung beträgt also noch rund 23 Prozent! Kommt eS zu dem angekündigten generellen Verbot der Banknoteneinfuhr nach Deutschland, so dürfte die Entwertung rasch fortschreiten. Es ist 'aber sehr ftaglich, ob die deutsche Regierung ein, . Bischofshofen(Salzburg). Die Aufführung kJ VollsstückeS„Der Unfried" im katholischen ?kreinshaus in Bischofshofen nahm Sonntag ein ^uriges Ende. Im Verlauf der Handlung sollte Darsteller eines Wirtes den„Unfried" er- Als nun der Wirt das Messer zückte, blieb, «? ne daß er dies bemerkte, di« Scheideinder §kust lasche stecken und der Sttch des Mike» Messers traf den Gegenspieler, den Dar-1 verschwv "eller des„Unfried", mitten ins Herz. Im Eifer I werden. derarttges Verbot erläßt und obsieesduxch- führt. So wie wtt sie kennen, ist viel eher anzunehmen, daß sie sich di« Möglichkeiten für die Wiederholung dieses raffinierten Banknotenmanövers nicht versperren wird. Aus der Sowjet-Union Die„Stachanow-Bewegung". Die Fragen der Arbeitsproduktivität stehen seit mehreren Jahren im Vordergründe des Interesses der gesamten Oeffentlichkeit der Sowjet-« union.„Stoßbrigadler"(Udarniki),„Ausgezeichnete"(Otlitschniki)— das sind Bezeichnungen für verschiedene Arbeiter, die um die bessere Qualität der Arbeit wetteifern. Die jüngste Entwicklung ist die„Stachanow-Bewegung". Wer ist Stachanow? Ein Bergmann, der 24 Jahre alt ist, und eine enorme Menge von Kohlen: 102 Tonnen in einer Schicht, anstatt der Norm von sechs Tonnen» zusammen mit seiner Brigade gefördert hat, Wie ist dieses„Wunder" geschehen? Bisher arbeiteten in dem 85 Meter langen Stollen mit dem mechanischen Bohrer 8 bis 9 Arbeiter, die auch selbst die Absteifung besckrgen mußten, so daß der Bohrer(Pochhammer) nur während 2 bis 3 Stunden Kohle schaffen konnte, die übrige Zeit auf die Absteifung und zum Teil auf den Abtransport verwenden mußte. Der Leiter eines Schachtes und der zuständige Parteifunktionär haben überlegt, ob man die Arbeit nicht teilen könnte, so daß ein Arbeiter nur den Bohrer bedient und ein anderer hinterher geht und die Absteifung vornimmt,. Versuchsweise beauftragten sie danüt den Bergmann Alexei Stachanow. Das Resultat war tatsächlich bedeutsam, auch wenn man berechnet, daß jetzt drei Bohrer statt acht arbeiten, und es sich also in Wirklichkeit nicht um eine Verzwanzigfachung, sondern um eine drei- oder vierfache Steigerung der Förderung handelt. DaS war der Anfangspunkt dieser Bewegung, die unter der Losung„Arbeiten wie Stachanoiu" geführt wird. Am 8. September erscheint die erste Nachricht über die Erfolge Stachanows in der Zettung der Schwerindustrie. Mitte September werden die Namen anderer Arbeiter genannt, die in anderen Industrien(vor allem in der Auto- und in der Textilindustrie) die Initiative zur Arbeitsteilung ergriffen und große Erfolge erziell haben sollen. Stachanow ist jetzt ein berühmter Mann geworden und mit einer außerordentlichen Propagandakunst werden anschauliche Demonstrationen über die neue Arbeitsmethode veranstaltet. Wieder einmal Revolution In Brasilien Rio de Janeiro.(Havas.) Die brasilianische Regierung hat ein amtliches Kommunique auSgegeben, demzufolge«in Aufstand extremistischer Elemente im 21. Bataillon der brasilianischen Armee in Natal ausgebrochen ist. Die Rebellen haben sich der Stadt bemächtigt. Jin Staate Pernambuco hat ein aus Kommunisten bestenhender Teil des 21. Bataillons die Stadt Oliuda besetzt, die jedoch von regierungstreuen Truppen zurückerobät wurde. In der Vorstadt AtagadoS wird rwch gekämpft. In Pernambuco herrscht Ruhe. Gegen die Aufständischen wurden Flugzeuge und Kriegsschiffe enffandt. Die brasilianische Regierung ist entschlossen, sämtliche Unruhen zu unterdrücken- Athen. König Georg«nd Kronprinz Paul sind Montag an Bord des Kreuzers in Phaleron eingetroffen. Die Landung erfolgte gegen 10 Uhr. Belgrad. Die Dertteter der Generalstäbe der Kleinen Entente hielttn Sonntag ün jugoslawischen Generalstab ihre regelmäßige Konferenz ab, die alljährlich abwechselnd in einer der Hauptstädte der Kleinen Entente stattfindet. Berlin. Der Oberbürgermeister von Berlin Dr. Heinrich Sahm ist au» der nationalsozialistischen Pattei auSgeschloflen worden. DaS bedeutet-natürlich, über kurz oder lang auch daS Ende seiner Tä-, tigkeit alS Oberhaupt der Stadt Berlin, Sekte 6 j Feinde unserer Zahne betrieb VeremsaaetuicKten, SS. §port-§piek-Itörperpskege Iüurst und. Wissen die der ermög- Rach den Erziehern erheben nun anch dir Frauen ihre warnende Stimme, welche Voraussicht* lich in der im Dezember d. I. stattfindenden Bor* ftandsfitzung des Sokol von entscheidender Wirkung sein werden. DaS wäre im Interesse des Sokol und der Demokratie auch zu hoffen. »Sozialdemokrat" — Freitag 8 Uhr: Kameraden, Theatergemeinde des Kulturverbandes und freier Verkauf.— Samstag 8 Uhr: Damals und heute(1900 bis 1935), Erstaufführung. Fra« Tr. Sophie LazarSfeld hält am 28. November, um 20 Uhr in der„Urania" einen Vortrag über die„Neurose der Patriarchats". Eine Tür fliegt fieben Meter weit. Gestern nach 2 Uhr nachmittags explodierte aus unbekannter Ursache in einer Holleschowitzer Autokarosserie der Karbidlader des autogenen Schweißapparates mit solcher Gewalt, daß der Schuppen, in dem er sich befand— ein solcher war eigens auf dem Hofe der Fabrik errichtet wurde— vollkommen zertrümmert wurde und die metallene Tür, die ihn verschloß, sieben Meter weit flog. In der Umgebung des Schuppens wurden 35 Fenster durch die Explosion zertrümmert. Verletzt wurde niemand. Der Schaden beträgt etwa 600 K£. Motorraddieb gefaßt. Der 24jährige Lackierer Karl Curda aus Prag-Weinberge, der im Mai d. I. dem Maler Jan Holas aus Wrschowitz ein Motor- rad„Indian-Scout" im Werte von KL 7000.— gestohlen hatte, wurde gestern verhaftet. Er gab noch zwei weitere Komplicen an, die bei der Verhaftung behaupteten, von nichts zu wissen. Los des Arbeiters. Der 49jährige Arbeiter Ladislaus Najman aus Jinonitz arbeitete gestern nachmittags am Loshacken einer Lehmschicht auf der Landstraße bei Koschirsch, wobei ihm ein Stück Lehm auf den Rücken fiel und ihm zwei Rippen brach. Er wurde auf die Klinik Schlosser gebracht. Ertrunkener deutscher Student. Die Leiche des vor kurzer Zeit als vermißt gemeldeten 18jährigen Studenten der Germanistfl! Paul Weiß aus Käsmark wurde vorgestern nachmittags vom Zimmermaler Franz Mudra aus Koschirsch bei der Jirasek- Brücke aus der Moldau gezogen. Ihr Körper braucht Fett, Eiweiß und Kohlehydrate. Diana-Cacao enthält diese ganz konzentriert und dabei leicht verdaulich. 3116 Die Sokolinnen gegen die Berliner Olympiade Dir Frage der Teilnahme des Sokol an der Hitler-Olympiade ist noch immer ungewiß. Die Stimmen gegen die Entsendung einer Maffenexpedition aber mehren sich. Bor kurzem hatten sich die Erzieher gegen eine solche Delegation ausgesprochen und betont, daß d a S heutige Deutschland der Idee deS tschechoslowakischen Sokolwiderfpreche. Di« Männer. T« r n« a r t e entschieden fich in einer eigenen Sitzung hingegen vom nur rein technischem Standpunkt a«S für eine Beteiligung. Tie Turnwartinnen des Sokol find aber nicht derselben Anficht wie ihre männlichen Kollegen und faßte» auf ihrer am Samstag in Prag stattgefun- denen Tggung den Beschluß, daß der Sokol aus den gleichen Gründen, wie sie die Erzieher anführten, an der Hitler-Olympiade nicht teilneh- men soll. Die Böhmische Unionbank entläßt ein Betriebsausschußmitglied Der Entlassene wieder eingestellt Prag. Montag fand vor dem Arbeitsgerichtssenate deS GerichtSrateS I i n a die Schlußverhandlung in dem Prozesse deS Beamten der Böhmischen Unionbank Dr. Georg Winternitz gegen die Böhmische Unionbank statt. Gegenstand dieser Verhandlung war einer der prinzipiell wichtigsten und bedeutsamsten gewerkschaftlichen Streitfälle der letzten Jahre. Die Böhmische Unionbank hat im Juni l. I. den Beamten Dr. Winternitz, der Mitglied des Betriebsausschusses und des Ausschusses des Pensionsinstitutes der Böhmischen Unionbank ist und zuletzt in der Filiale Gablonz beschäftigt war, fristlos entlassen. Zum Anlaß nahm die Böhmische Unionbank einen Wortwechsel, den Dr. Winternitz nach Behauptung der Bank mit dem Dirigenten der Filiale gehabt hat, aus welchem Streit die Bank eine gliche Ehrverletzung und Dienstverweigerung zu konstruieren versuchte. Dieses Vorgehen der Bank war ei« Versuch, dir gewerkschaftliche« Errungenschaften und die Immunität der BrtriebsanSschußmitglirder anzutasten. Aus diesem Grunde hat die zuständige Gewerkschaft, der Verband der Bank- und Sparkassenbeamten, alle taktischen Differenzen, welche sie mit Dr. Winternitz hatte, zurückgestellt und fich mit allem Nachdruck für dir Rechte des BetrirbSauSschuffeS und die Immunität seiner Mitglieder eingesetzt. Der Betriebsausschuß der Böhmischen Unionbank und D r. Winternitz überreichten gemeinsam'eine Beschwerde an die Schiedskommission nach dem Gesetze über die Betriebsausschüsse. Die Schiedskommission hat die Behauptungen der Bank über die angebliche Ehrverletzung und Dienstverweigerung des Dr. Winternitz genau erhoben und eine ganze Reihe von Zeugen, fast sämtliche Beamte der Filiale in Gablonz, durch daS Bezirksgericht in Gablonz einvernehmen lassen. Auf Grund deS Ergebnisses dieser Beweisaufnahmen hat die Schiedskommission bei der am 16. November 1935 abgehaltenen Verhandlung der Beschwerde des Betriebsausschusses und des Dr. Winternitz stattgegeben und ausgesprochen, daß die Böhmische Unionbank durch die Entlassung daS Gesetz verletzt hat und daß die Entlassung unzulässig ist. Außerdem hat Dr. Winternitz beim Arbeitsgericht durch Dr. Schwelb seine Dienstbezüge für die Zeit seiner Entlassung eingeklagt. Bei der montägigen Verhandlung vor dem Arbeitsgericht erklärte nun der Vertreter der.Bank, Herr Dr. Schoen- b a u m, daß di« Bank fich dem Spruche der Schreds- kommisfion unterwirft und es dem Kläger freistellt, am Mittwoch wieder seinen Dienst dei der FUiale Gablonz der Böhmischen Unionbank anzutreten. Die Böhmische Unionbank verpflichtet sich ferner, die gesamten Dienstbezüge für die Zeit, in der Dr. Winternitz suspendiert war, an ihn zu bezahlen und auch die gesamten Kosten der rechtsfreundlichen Vertretung zu ersetzen. Damit ist der Konflikt derart entschieden, daß seine Bedeutung über den einzelnen Fall hinausgeht und daß er für die Unternehmer aller Kategorien eine Warnung vor Verletzungen der Rechte des Be- triebSauSschuffeS sein wird. Kinderfreunde: Donnerstag, den November, um halb 8 Uhr abends Ausschußsitzung, um 8 Uhr Eltern-Abend der „Kinderfreunde" im Monopol, gegenüber Masaryk- bahnhof. Lehrer Hofmann spricht über„W a S schenken wir zu W e i h n a ch t e n" und Genosse Ernst Paul über„DasguteKin- d e r b u ch", dann findet auch Winterlager-Besprechung statt. das Urteil Berufung an das Kreisgericht ein, doch konnte das Berufungsverfahren jahrelang nicht ausgetragen werden, da Karl Würdig, der inzwischen seinen Friseurladen aufgelassen hatte, nicht auffindbar war. Er hatte nämlich inzwischen seinen Namen inViertbig abgeändert, unter welchem Namen er auch verschiedene Vertretungen und bei der Polizei gemeldet war. Erst die bekannte Mordaffäre, durch Name Würdig aller Welt bekannt wurde,_ lichte die Identifizierung des Geklagten und die Fortsetzung des Ehrenbeleidigungsprozesses nach zweijähriger Pause. Würdig selbst erschien bei der Verhandlung nicht. WaS die Klägerin betrifft, so hatte diese jetzt kein Interesse mehr, den Prozeß durchzuführen, da«ine weitere Verurteilung des zu 25 Jahren Verurteilten gegenstandslos ist und die Klägerin für di« weiteren Kosten aufkommen müßte. Als daher Würdigs Vertreter Dr. Vladimir V e s e l h die Erklärung abgab, keinerlei Kostenersatz zu verlangen, zog die Klägerin ihre Klage zurück. Wie verlautet, befindet fich Würdig auf eigenen Wunsch in Einzelhaft und hegt äußerst optimistische Erwartungen hinsichtlich des Erfolges seiner Nichtigkeitsbeschwerde. rb. Dienstag, 26. November 1838. Nr. 276 Arbeitervorstellung„BrnuS in Seide", Stolz- Operette, am Sonntag, dem 1. Dezember, um halb 3 Uhr nachmittags im Neuen Deutschen Theater. Karten täglich bei Optiker Deutsch, Graben, Koruna. Wochenspielplan deS Renen Deutschen Theaters. Heute, Dienstag, halb 8 Uhr: M a r't h a, A 1.— Mittwoch halb 8: Der Feldherrnhügel, öl.—Donnerstag halb 8: Die erste Legi o n, C 2.— Freitag halb 8: V e n u S in S e i d e, D 1.— Samstag halb 8: M a c b e t h, Erftaufführnng, Bl— Spielpla« der Kleinen Bühne. Dienstag 8: D a s unbekannte Mädchen, vollstümliche Vorstellung.— Mittwoch 8 Uhr: Kameraden. — Donnerstag halb 8: Ieanne, Erstaufführung. Mörder Karl Würdig als Dienstgeber Eine alte Ehrenbeleidigungsklage vor dem Berufnngssenat x Prag. Der Name Karl Würdigs, der am 21. Oktober von dem hiesigen Schwurgericht wegen heimtückischer Ermordung seiner Frau zu fünfundzwanzig Jahren schweren Kerkers verurteilt Worten war, befand sich gestern auf dem Verhandlungsprogramm des Berufungssenates des GR. Dr. L e s a l. Es handelte sich um eine Ehrenbeleidigungsklage, die eine seiner gewesenen Angestellten vor langer Zeit gegen ihren Ches eingebracht hatte— zu der Zeit nämlich, als Würdig noch ein Friseurgeschäft betrieb. Später tauchte er bekanntlich in eine Anonymität unter, die nicht einmal klar erkennen läßt, wovon er eigentlich lebte. Vor etwa zwei Jahren also überreichte eine 16jährige Angestellte Würdigs gegen diesen die Ehrenbeleidigungsklage,, weil der Herr Chef in einem Brief an ihre Schwester sie beschuldigt hatte, eine Brennschere gestohlen zu haben. Die Klägerin wurde vor dem Bezirksgericht abgewiesen und Karl Würdig f r e igesprochemSie legte gegen Die Insel der. Aufständischen. Ein Ingenieur auf Java, der mit den rebellischen Eingeborenen zu kämpfen hat und von einem Rivalen beseitigt werden soll, wird mit allen Gefahren fertig— und überdies mit einer Frau, die er heldenhaft verprügelt, was ihre Liebe zu ihm zu begründen scheint. So sieht die Handlung dieses halb kindischen und halb brutalen Hollywood-Films vom energischen Herrenmenschen aus, den der Rohlings-Darsteller Jack Holt entsprechend verkörpert, ohne die Frage ganz zu lösen, ob der Film ernst genommen sein will oder als Witz gemeint ist—eis— Es ist erreicht: Die deutschen Ligaklub- am Tabellenschluß! Der vergangene Ligasonntag war für die deutschen Klubs wenig erfreulich. Der Prager DA? war auch diesmal nicht imstande, auch nur ein Tor zu erzielen. Saaz verlor erwartungsgemäß in Siachod und nur die Teplitzer errangen einen Punkt, der sie jedoch vom allerletzten Platz nicht wegbrachte. Auf dem TeplitzerPlatz gabs wieder arge Zusammenstöße, die sogar Gendarmerie zwn Einschreiten zwang I Sparta verlor einen Punkt in Brünn, Slavia hatte mit Kolm mehr als leichtes Spiel und Kladno überraschte seine Anhänger mit einer schönen Niederlage. Unerwartet ist das Preßburger Unentschieden. DaS einzige Prager Spiel fand zwischen Slavia und AFK K o l i n statt. Mit 8:2(4:0) wurden die Koliner wenig ligamäßig heimgeschickt. Slavia war vor der Pause stark überlegen und als nach dem Wechsel Kolin gleichwertig wurde, konnte es nur zweimal Planiika überwinden. Ein Kapitel für sich war der Schiedsrichter, der eS ruhig mit ansah, wie sich die Spieler gegenseitig ohne Ball .holzten". In Kladno siegte der SK Protznitz mit 5:0(2:0) über den dortigen SK verdient durch tie bessere Gesamtleistung. Der D F C gastierte beim SK Pilsen und wurde, wie nicht anders zu erwarten war, glatt mit 0:3(0:1) geschlagen. Die.Kunst" des derzeitigen TBC ist am besten dadurch zu illustrieren, daß es ihm in den fünf letzten Ligaspielen nicht einmal gelang, ein Tor zu erzielen und er aber 15 Tore er- hielt! Das spricht Bändel Nach einem guten Ligabeginn.ziert" der DFC nun den drittletzten Plaf — vor Saaz und Teplitz... SK N a ch o d besiegte daheim DSV S a a- mit 2:0(2:0). Die Nachodek stellten den Erfolg schon in den ersten 30 Minuten sicher. Die Saazet kamen nach der Pause wohl auf, ohne jedoch ihrerseits zu Erfolgen kommen zu können. Der Teplitzer FK machte in der letzten HD große Anstrengungen, um sein Team zu stärkt- Sonntag langte es auf eigenem Platz gegen Bikto ri a P il s en schon zu einem 2:2(0:1). l In Brünn verlor Sparta gegen Z i d£ niet einen Punkt, da das Match 2:2(2:2) endest- Sparta hatte einon guten Anfang, um aber im Verlaufe des Kampfes die Initiative an die Brünaek abzugeben, welche aber den Ausgleich nur durch eine» Elfmeter errangen. Nach der Pause hatten di« Brüv- ner zeitweilig mehr vom Spiel, ohne aber weiters Erfolge zu erzielen. Bei Sparta verlor in diestk Periode der Angriff jeden Zusammenhang. Ta- schon immer gerügte rücksichtslose Spiel der Sparta- Verteidigung fand beim Schiedsrichter keine Ah»' düng und löste bei den Zuschauern laute Protest-, kundgebungen aus. jXj Unentschieden endetedaSPreßburger Main LS K und Mor. Slavia— 1:1(0:0). Beiderseits wurden schwache Leistungen geboten. Zeitgemäßer Schwindel Gefälschte Eintrittskarten zum Boxmatsch Eder—Hrabäk Prag. Jedesmal wenn eine Sportsensation inszeniert wird, finden zahlreiche„schwarze" Eintrittskartenverkäufer ein einträgliches Geschäft, indem sie vor der Veranstaltung Eintrittskarten zu Wucherpreisen anbieten, um die sich manche Sportfanatiker, 'bte auf normalem Wege keine Karte bekommen haben, zu raufen pflegen, bis schließlich nach langer Lizitation der Meistbietende das heißersehnte Billett erwirbt. So geschah es auch am Abend des 5. September. als im Winterftadion aus der Hetzinsel der Kampf um die Europabormeisterschaft im Weltergewicht Ede r—H rabäk stattfand. Ein« der„schwarzen" Kartenhändler sah mit Mißvergnügen, daß zwei seiner Kollegen ganze Stöße von Eintrittskarten zum Verkauf hatten und wollte, da sejn Vorrat schon erschöpft war, daß ihm die beiden. die glänzende Geschäfte machten, einige Karten überlassen sollten. Er wurde schroff abgewiesen und nahm dafür— freilich auf ziemlich unanständige Weise— Rache, indem er die Polizei auf die üppige Konkurrenz aufmerksam machte. Denn solcher unkon- zeffionierter Kartenverkauf ist natürlich verboten. Der Anzeiger ahnte nicht, daß er der Polizei zu einem guten Fang verhalf. Auf dem Kommissariat stellte sich nämlich heraus, daß die Karten gefälscht und auch" das perforierte Stadtwappen auf ihnen (das Zeichen der bezahlten Lustbarkeitsabgabe) nach- gemacht war. Diese Arbeit muß ziemlich mühselig gewesen sein, denn die Perforation war Handarbeit und Loch für Loch mit einer Nadel hergestellt. Vor dem Strafsenat P e r n t waren aus diesem Anlaß die Brüder Wenzel und Franz KlaLa (der erstere Gerber, der zweite Graveur) des Verbrechens des Betruges angeklagt. Geschädigt ist der Promotor Josef K o l m a n durch den Verkauf von 15 Karten ä achtzehn Kö um 175 KL, ferner die Hauptstadt Prag durch den Mißbrauch ihres Amtszeichens und durch den in ihrem Namen betrügerischerweise eingehobenen Abgabebetrag von zusammen 50 KL. Erschwert wurde die Angelegenheit noch dadurch, daß bei ihnen weitere 52 gefälsch te Karten beschlagnahmt wurden. Die Angeklagten waren im ganzen geständig und bestritten bloß die Zahl der verkauften Karten. Beide Brüder wurden zu je zwei Monaten Kerker verurteilt. rb. DaS Endspiel um den Svrhla-Pokal wurde o” 1 Sonntag in Mailand zwischen Ungarn und I lien ausgetragen und endete 2:2(1:0). Ta- Unentschieden genügte den Italienern, um den P»'" zu erhalten. Den zweiten Platz in dieser Konbst' renz nimmt Oesterreich ein, gefolgt von Ungarn, kW Tschechoslowakei und der Schweiz. Sonstige Fußballergebniffe. B.- Budwe<*■ CSK gegen Petiin-Pilsen 5:1(1:0), Meiste schäft; Stadion gegen Urfahr-Linz 3:1(1:0).^ Karlsbad: WK gegen Sportbrüder Eger»• (2:1).— Brüx: DSK gegen DFK Komotau>' (0:1), Schwabbe gegen DSK Dux 3:1(1:1)-.« Gablonz: BSK gegen Reichenberger FK (1:1).— Wien: Admira gegen FC Wien 1 (3:1), Rapid gegen Fav. SC 1:0(1:0), VieH gegen FAC 8:1(2:1), Wacker gegen WAC*' (3:0), Hakoah gegen Liberias 2:1(1:1), Sp»"i klub gegen Austria 3:1(1:1). M Eishockryspirle. Bas e l: Slavia Prag- Rot-Weiß lei.— Paris: Wembley Lions geA Francais Volants 5:2.— London: Stade j cais gegen Wembley CanadianS 3:0.... Schwimmsport. In Preßburg stellte Dar KE über 3X50 Meter Lagen mit 1:35.8 Min. neuen tschechoslowakischen Rekord auf.— Kiefer,. A amerikanische Rückenschwimmer, erzielte in Kop^v Hagen über 400 Meter mit 5:22.6 Min.«inen nE Weltrekord.* Kreis- und Bezirksvertreter-Konferenz der DTIä Teilnahme am AtuS-Bnndesturnfest in Komata«. Gegen die Berliner Olympiade. Samstag und Sonntag fand im Prager.Lid. dum" die jährliche Konferenz der Bezirks- undKreisvertreterderDTJCbei einer Teilnahme von 100 Delegierten statt. Als Gäste waren u. a. anwesend Genosse Dr. Meißner für die tschechoslowakische sozialdemokratische Partei und für den Atus dessen Vorsitzender Genosse Po» k a p k a. Der gedruckt vorliegende Bericht des Verbandes, der Kreise und Bezirke weist u. a. darauf hin, daß die Arbeitslosigkeit in einigen Bezirken 50 Prozent der Mitgliedschaft erfaßt. Weiter wurde auch auf die aktive Unterstützung der Partei bei den Wahlen im Mai durch die DTJ hingewiesen. Die Verbandsturnwartin Genossin Patoikovä berichtete über die Reise der sechs Vorturnerinnen nach Finnland und deren Teilnahme an den dortigen Kurse. Ueber die Verhandlungen der Anbahnung des sportlichen Verkehrs mit Sowjetrußland sprach Genosse Fiser(Mähr.-Oftrau). Ferner wurde in der samstägigen Sitzung derVoranschlagdes Verbandes, welcher ein Erfordernis von über eine halbe Million KL vorsieht, genehmigt. Am zweiten Tag sprach Genosse S i l a b a über die erste Expedition der DTJC nach Amerika im kommenden Jahre zur ersten Arbeiter- Olympiade in Cleveland, an welcher mindestens 150 Personen teilnehmen werden, und über die III. A r- beiter-Olympiade 1937 in Antwerpen. Damit ist allerdings das internationale Programm nicht erschöpft. Die DM aus Böhmen wird an dem Verbandstutf fest des Atus vom 5. bis 7. Juli kommenden Jahres teilnehmen. Ueber die technischen Vorbereitungen hiezu berichtete Ver- bandsturnwart M r a z e k. Reges Interesse fand das Referat des Ver- bandsvorsihenden Genossen Hummelhans über die Erziehung zur Wehrhaftigkeit. Die Konferenz genehmigte eine Resolution, welche sich gegen den Versuch, die Erziehung zur Wehrhaftigkeit in den Körperkultur-Organisationen zu erzwingen, wendet, weil ihre freiwilligeDurchführung allseits viel bessere Erfolge aufzuweisen hat. Abg. Meißner erklärte, daß die Partei die freiwillige Erziehung zur Wehrhaftigkeit sich zu eigen gemacht habe und Abg. Genosse Vaverka.gab zu diesem Punkte nocss einige Erläuterungen. Ueber die Einführung einer sozialen Fürsorge im Rahmen der DTJ sprach Genosse Kiemen. Die katastrophale Arbeitslosigkeit unterbindet die Tätigkeit der Vereine stark. Es wird eine S?l bst Hilfe-Aktion durchgeführt" werden. Der letzte Punkt der Konferenz galt dem zuOstern1936in Prag stattfindenden Jubiläumskongreß des Verbandes. Ferner nahm die Konferenz eine Entschließung an, die sich g e g e n die Berliner Olympiade, ihre Teilnahme und Unterstützung wendet. Mittelböhmische Division Die sonntägigen Wettspiele brachten in® Mehrzahl Erfolge der Favoriten. Viktoria ZiW gewann nach einer wahren Schlacht über Nusellss SK mit 2:1(2:1). Um den zweiten Tabellenv^ herrscht großes Interesse: SK Nufle schlug Rap" 4:1(2:0) und Bohemians siegten gegen Metck» VHI 5:1(3:1). Die Entscheidung wird also öj kommenden Sonntag eintreten. Sparta Kooir bist* über Liffa mit 4:2(2:0) erfolgreich. Union 3M kov verlor gegen Cechie Karlin mit 1:2(0:1). Tabellenletzte CAFC machte diesmal eine AuSnaho" und bracht« der Sparta Kladno eine unertvarttst 5:0-Niederlage bei. Einen Rekordsieg trüg SlavÜ VIII über Viktoria Nufle mit 9:1 davon. BezugSbedingungen: Bei Zustellung ins SauS oder bei Bezug durch die Post monatlich KL 16.—. vierteljährig KL 48.—, halbjähria KL 96.— ganzjährig KL 192 Gerate werden laut Tarif billigst berechnet- Be, öfteren Emschaltungen Preisnachlaß.— RuMellung von Manuskripten erfolgt nur bei Einsendung der Retourmarken.— Die Zeitunasfrankatur w-'irde von der Boss, und Tele* graphendirektion mit Erlaß Nr. 13.S00/VH/1SS0 bewilligt.— Druckerei:„Orbis", Druck-, Verlags, und Zeitungs-A.-G.. Pro«. ttetn,ra0rraniatur ro,tMe DOn oet ¥on* unD S,n< i. Om?®fährlichste n, wenn sie ihr Zerstörung»* unbemerkt vollbringen können wie das Milhonenheer der Fäulnisbakterien. Wenn die Schäden sichtbar werden, ist es schon zu spät. i»t rechtzeitiges Vorbeugen durch regel* mäßige Zahnpflege mit Chlorodont-Zahnpaste,di® trotz größter Putzkraft den empfindlichen Zahn* schmelz nicht angreift. Tube Kc 4—.'