Freitag, 29. November 1935 Nr. 278 15. Jahrgang Einzelpreis 70 Helfcr (•iMchlitfillch S H.ll.r Feite) 1ENTRALORGAN DER DEUTSCHEN SOZIALDEMOKRATISCHEM ARBEITERPARTEI IN PER TSCHECHOSLOWAKISCHEN REPUBLIK nSCHEINT MIT AUSNAHMI DIS MONTAG TÄGLICH FRÜH. KD AKTION und Verwaltung nag xiufochova u. Telefon wf. HERAUSGEBER: SIEGFRIED TAUB. CHEF» ED AKTEUR: WILHELM NIESSNER. VERANTWORTLICHER REDAKTEUR i DR. EMIL STRAUSS. PRAG. Wieder einer! SdP-Mann und Nazikurier Expose des Genossen Dr. Czech: Wie„A—Zct" aus Königgrätz meldet, wurde Donnerstag in den frühen Morgenstunden an der Grenze von der Finanzwache der 32jShrige Jng. Franz Winkler, der leitende Beamte der Firma P a m, Fabrik für Papierhülsen in Lands» krön, verhaftet. Er wurde schon längere Zeit beobachtet» da er die Grenze auffallend oft Lbrr- fchritt. AIS Winkler merkte, daß sich ihm ein Finanwachangestellter nähert, suchte er zu fliehen, wurde jedoch eiugeholt und einer genauen Untersuchung unterzogen. Eingenäht in Taschen und in geheimen Rocksalten wurden bei ihm kompromittierende Anschriften hochverräterischen Inhalt- gefunden. Die Brief« warm an bekannte tschechoslowakische Staatsangehörige in Berlin, vor allem an dm früherm hakmkreuzlerischm Abgeordneten Krebs, den jetzigen Chef der Preffepropaganda, gerichtet. Andere Briefe warm fürWalterMahin Berlin und hervorragende Politische Persönlichkeiten deS Dritten Reiches bestimmt. Der verhaftete Jng. Winkler war dem 41—Z" zufolge ein Kurier deS Lands- kronrrTurnverrines und rin bewährtes Verbindungsglied zwischen den Tumem und dem Reich, gleichzeitig aber auch ein täti- IeS Mitglied der Hrnlrinpartri in Landskzon. Außer den Briefen wurdm bei ihm auch Skizze« verschiedener staatlicher Gebäude, vor allem von Objekten der Militärverwaltung» der Eismbahn und der Post» gefunden. Der Aufstand in Brasilien unterdrückt Paris.(Tsch. P.-B.) Der brasilianische Staatspräsident hat die Gouvemeure der Provinzen telegraphisch davon in Kenntnis gesetzt, daß die revolutionäre Aufstandsbewegung in Natal, Pernambuco und Rio de Janeiro voll- kommen unterdrückt sei. R i o d« Janeiro. Neber die Räumung der Stadt Ratal seitens der Aufständischen wird witgeteilt» daß sich die Aufständischen an Bord des erbeuteten Dampfers„SantoS" begaben und unbekannt wohin abfuhrm. Ihre Führer wieder sind auf einem bei dem Aufstand beschlagnahm- len„Kondor"-Flugzeug in unbekannter Richtung i ubgrflogm- Italien fürchtet die Oelsanktion v London. Der Reutrrberichterstatte^ meldet aus Rom: Ueber die Bewegungm der italienischen Truppm, die, wie eingrstandm wird, angr- «rduet wurdm, um der drohenden Verschärfung der Sanktionm durch das-Verbot der» Petroleum- uusfuhr nach Italien za begegnm, wird strmgstes Stillschweigen bewahrt. Es sind zwei Bermutun- ben allgemein verbreitet» und zwar erstens, daß der Transport der Truppm von Italien nach "ibhen angeordnet wurde, und zweitmS, daß dir 'talimischm Militärabteilungcn, welche im Srp- tembrr von der französtschm Grmze abgezogen wurden, nun wieder ersetzt werden. In Rom ist t"uu der Ansicht, daß der Benzinvorrat in Ost- ustika bis Feber ausreichm wird, daß aber sofort ^uch der Verschärfung der Sanktionen der Zivil- drvölkemng in Jtalim strengste Sparsamkeit im «etroleum- und Benzinverbrauch angeordnet werdet wird. tadoglio hat das Kommando übernommen Rom. Marschall Badoglio ist am Don» "erstag in Massaua in Italienisch-Eritrea einstraffen und hat sich nach einer langen Unter- ^dung mit Marschall de Bono im Auto nach s m a r a begeben, wo er mittags eintraf, urarchall Badoglio hat den Oberbefehl über die Astenischen Truppen in Ostafrika übernommen, Marschall de Bono hat die Rückreise nach Italien ^getreten. Der Kampf für die VolKszesundlieit — ein Kampf für die bessere Zukunft des Volkes ganze Gesundheitswesen derzeit ein die von tiefem Verantwortungsgefühl dringend notwendige A m b a« erfol- grotzen Umrissen wie in Einzelheiten erstattete Gesundheitsminister Ge- umfassendes Referat über die Pläne er wahrhaft erschütternde Ziffern der Wirtschaftskrise auf die Gesund» Prag. Zm Gesundheitsausschuß nosse Dr. Czech am Donnerstag ein und Leistungen seines Refforts, wobei über die verderblichen Auswirkungen heit Wetter Bevölkerungsschichten, vor allem der Arbeitslosen und ihrer Kinder, an die Spitze seiner Ausführungen stellte. Daraus ergab sich von selbst die Folgerung, daß unser ganzes Gesundheitswesen sich diese» furchtbaren Tatsachen anpaffen und dementsprechend legislattv wie organisatorisch nach der sozialen und sozialhhgienischen Sette umstellen müsse, dies um so mehr, als die Basis für das Gesetz aus dem Jahre 187V bildet. Rach welchen Richtlinien dieser gen müßte, legte Dr. Czech in den überzeugend dar. Die Ausführungen des Ministers, für die Opfer der Wirtschaftskrise getragen Ware«, machten auf den Ausschuß sichtlich großen Eindruck. Es kam zu einer streng sachlichen Debatte, aus der sich ergab, daß auch die Opposition den Plänen des Ministers zustimmend gegenübersteht. Wir werden über den Verlauf der Debatte noch berichten. Dem Exposä entnehme« wir folgende Stellen: 'Durch mehr als sechs Jahre steht unser Land unter dem Druck der Wirtschaftskrise. Sie hat auch das Gesundheitswesen des Staates aufs schwerste ergriffen und auch hier bittere Auswirkungen gezeitigt. Diese sind namentlich dort in sehr fühlbarem Maße in Erscheinung getreten, wo sie auf einen schwächlichen oder durchs Not und Entbehrungen unterwühlten Organismus stießen, wie dies vor allem bei den Kindern und Jugendlichen, bei den Frauen und Arbeitslosen der Fall ist. ES ist eine der brennendste« Aufgaben Misere? Staates und besonders seiner»bersten Gesundheitsverwaltung, den aus dieser Richtung kommenden Gefahren tatkräftig entgegenzuwirken, um, wenn schon nicht alle, so doch den größten Teil der von der Krise Erfaßten gesundheitlichen Opfer ihre« Klauen zu entreißen. Gesundheitsstatistik Unsere Oeffentlichkeit quittiert die von Zeit zu Zeit auftauchenden Meldungen über die fortschreitende Befferung der Gesundheitsverhältnisse unseres Landes mit Dank. Aber unsere amtliche Statistik gibt leider nur einen mechanischenDurchschnitt unseres staatlichen Gesundheitsbereiches. Sie erzählt uns, daß die Sterblichkeit in unserem Laside im Staatsdurchschnitt 18.34 Prozent im Jahre 1918 und 13.23 Prozent im Jahre 1934 betrug. Tin anderes Beispiel: Im Durchschnitt der Jahre 1923 bis 1932 starben 21.934 Personen an Lungentuberkulose und 2683 Personen an anderen Tuberknloseerkrankungen, im Jahre 1934 18.424 resp. 2301 Personen. Tas sind ohne Zweifel Anzeichen einer bedeutsamen Bes-erung. Oder betrachten wir die Kindersterblichkeit: Im Jahr« 1924 sind von je 1000 Kindern rund 148, im Jahre 1934 nur rund 127 Kinder im ersten Jahre gestorben. Auch hier sehen wir wieder einen bedeutsamen Rückgang.-- Aber alles in allem stehen wir he^te bei einer Einwohnerzahl von fast 15 Millionen Einwohnern noch immer vor der sehr hohen Mortabilitätsziffer von 199.203 Personen jährlich, vor einer beklemmenden Tuberkulosesterblichkeitsziffer von 20.7-25 und vor der Tatsache, daß noch immer jährlich 35.839 Kinder im erstqn Lebensjahr sterben. Diese Ziffern sind, verglichen mit de« analogen Verhältnissen mancher anderer Länder, zweifelsohne nochimmervirlznhoch and es wird daher vieler Mühe und des Zusammenwirkens aller öffentlichen und privaten Faktoren deS Landes bedürfen, nm sie noch weiter herab- z«drücken. Aber wir dürfe» uns mit der rein quantitativen Abschätzung der gesundheitlichen Verhältnisse unseres Landes absolut nicht zufriedengeben, sondern müsse« nach einem wahren Spiegelbild der tatsächlichen Gesundheitsverhältnisse im ganzen Lande, aber auch in den einzelnen Teilen deS Staates suchen. Uns fehlt ein sozialer statistischer Wertmesser, der uns insbesondere auch plastisch vor Augen führen würde, wie es in den von der Wirtschaftskrise und Massenarbeitslosigkeit am stärksten heimgesuchten Gebieten, in den industriellen Zentren des Staates aussieht. Nur eine solche sozial und sozialhhgienisch auswertbare Statistik würde uns zeigen, wo wir den Hebel anzusetzen haben. Es wird daher«ine der wichtigsten Aufgaben deS Gesundheitsministeriums sein, in der Zusammenarbeit mit dem Statistischen Staatsamt und unter Mitwirkung der Staatlichen Gesundheits- Anstalt der Gesundheitsstatistik neue Wege zu weisen. SOS-Wuf an alles Kinder in höchster Not Wie sehr es notwendig ist, dir Krisrnauswirkungen in den von der Arbeitslosigkeit am härtesten hcimgesuchten Gebieten zu erforschen, zeigen dir Ergebnisse einer Erhebung, di« daS Gesundheitsministerium in den halbamtlichen Beratungsstellen„R a S i m d k t r m vor ganz kurzer Zeit durchführen lieh,«m für die von, ihm geplante KinderhilsSaktion greifbare Unterlagen zu erhalten. Die Ergebnisse dieser Erhebung find geradezu aufregend. Doch eS ist am beste», wenn wir fi«— vorläufig ohne jeden Kommentar— für sich selbst sprechan lassen, wobei wir natürlich nur einzelne markante Beispiele herausheben wollen. sundheitsverhältniffe der ärztlich betreuten Kinder von Arbeitslosen. Ueber das Ergebnis der Erhebungen wurde in einer kürzlich in Prag abgehaltenen Tagung der Fachgruppe der Schul« und Fürsorgeärzte referiert und unter Hinweis auf die katastrophale Unterernährung der Kinder festgestellt, daß besonders die Kinder der Arbeitslosen im Wachstum zu rückgeblieb en^und körperlich wia geistigenahezu überhauptnichtleistungsfähig sind. - Aus dem Berichte deS Chefarztes des vom Bezirk Telsche« errichteten Kitwererholungshei- mes««Dittersbach geht hervor, daß 80 Prn« zcnt der dort aufgenommenen Kinder untergewichtig und dadurch in ihrer Entwicklung gehemmt, geschwächt oder sonst gestört find. Di» Zahl der Kinder mit Verbildungen im Knocheusystem infolge der durchgemachte« Englische« Krankheit betrug 50 Prozent. Bei 48 bis 65 Prozent fand man Wucherungen im Rasen- und Rachenraum infolge quantitativ und qualitativ ungenügender Ernährung und unhhgie- nischer Lebensweise, infolge Wohnungselends, un. genügender Bekleidung und Beheizung. 24 bis 29 Prozent der Kinder waren engbrüstig, 34.5 bis 40 Prozent Haden eine schiefe Körperhaltung mit einer mehr oder weniger hochgradigen Wirbelsäulenverkrümmung. 26 biS 34 Prozent habe« neurotische Symptom e als Ausdruck der allgemeinen Neuropathie. Dabei wird nur so nebenbei erwähnt» daß bei jedem Antransport von 100 Kindern 10 bis 15 verlaust waren u«d rin Teil der Kinder in fadenscheinigen, geflickten und zerrissenen Kleidern, die vielfach bereits auseinanderzufallen drohten, inS Heim gebracht wurde. Ich beschränke mich auf diese Feststellungen hin« sichtlichderVerelendungderKinder. Ich kann aber auch nicht umhin, auf die traurige Lage der Frauen und stillenden Mütter in den von der Arbeitslosigkeit heimgesuchten Familien sowie daraus zu verweisen, daß die gesundhcktlichen Verhältnisse der Arbeitslosen geradezu mederdrückend sind. Die vom Fürsorgeministerium gemeinsam mit dem Gesundhertsntinisterium eingeleitete Heilssir» sorgeaktion für Arbeitslose kommt leider gerade jetzt und gerade in den bedrohtesten Gebieten infolge Mangels an finanziellen Mitteln und des Ausscheidens eines Teiles der Aerzte aus der Aktion als helfender Faktor nur in einem Teil der Bezirke ernstlich in Betracht. Ehe wir nun z« der Frage übergehen» welche Vorsorgen wir angesichts des gewaltigen UeberhandnehmenS der gesundheitlichen Gefahrenherde unseres Landes zu treffen haben, wollen wir unS darüber klar werden» ob unser Gesundheitswesen den große» Aufgaben, die.hm in nächster Zeit gestellt sein werden, gewachsen seiw wird, und ob eS sich dessen bewußt ist, daß die soziale Fürsorge mit der kurativen Hand in Hand gehen muß und daß eineGesundheitSvrrwaltung »hnesozialhygirnischenndGesnnd- heitSfürsorge ein Torso ist und bleiben muß. Diese Erkenntnis zum F u n d a m e n t der gesamten Gesundheitsverwaltung zu machen und sie in ihr nächstes Aufgabenprogramm einzugliedern, scheint mir daS Gebot der Stunde zu sein. Wir müssen aber auch den gesunden Menschen zum Gegenstand unserer Fürsorge machen, um auf der Höhe unserer Aufgaben stehen zu können. Ich weiß, daß wir unS zum Gedanken der Notwendigkeit einer regelmäßigen Gesund.«« Untersuchung nicht über Nacht emporarbeiten können, aber es ist meine U«berzeugung, daß erst, sobald dies geschehen sein wird, ein gewaltiger Umschwung und Ausstieg der Gesundheitspflege unseres Staates beginnen wird. So hat die B r ü r e r Beratungsstelle festgestellt, daß im ersten Vierteljahr des Jahres 1935 die Zahl der mit Affektion der Lympb- prüfen behafteten Kinder um 36 Prozent, dir Zahl der tuberkulösen Kinder«m 42 Prozent«nd die Zahl der rachitischen Kinder»m 200 Prozent— wohlgemerkt, innerhalb eines Jahres!—- zugenommen hat. In Schüttenhofen wurde im Jahre 1935 eine Ztmahme der R a ch i t i s um 100 Pro- zent, eint Zunahme der Kinder mit schadhaftem Gebiß um 63 Prozent festgestcllt. In Trplitz-Schöna» ergaben sich bei der gleichen Erhebung bei 40 Prozent dar Kinder Erscheinungen der Rachitis. In l sch wurde ei« rapider Aufstieg der Blutarmut und eine Zunahme von schadhaftem Gebiß als Folge der Unterernährung um 39 Prozent feftgestellt. Aehnlich« Beobachtungen wurden auch an anderen Stellen gemacht. Im gleichen Sinne lauten auch die von den Schulärzten im Aussiger und Bodenbacher Gebiet durchgeführten Untersuchungen über die Lebens-, Ernährungs- und Ge- Das neue Gesundheitssesetz Ohne einen Umbau unseres Gesundheitswesens in seinen legislatorischen und organisatorischen Fundamenten können wir nur schwer vorck wärts kommen. Indem ich dir- sage, wende ich mich gegen niemanden, aber ich wende mich a n alle. Unsere Gesundheitsverwaltung bedarf dringendst der endlichen«nd raschen Befreiung a»S den altösterreichische» Fesseln und einer A n- Seite 2 Freitag, 29. November 1935 Nr. 278 Der Diebstahl In der Sowjetgesandtschaft Der Dieb In Böslg bei Hirschberg verhaftet pass»ng an dieZeit, in der wir tedon, mit ihren völlig veränderten iwrtschastlichm, soziale« und kulturellen Verhältnissen. Noch immer gilt für unseren Staat al- grundlegendes Gesetz das altösterreichische SauitätSgttetz aus dem Jahr« 1870, für den östlichen Teil der Republik das ungarische Sanität-gesetz vom Jahre 1876, novelliert im Jahre 1908, dazu die altösterreichische dezentralisierte Landesgesetzge» b u ng und eine Reihe sehr bedeutsamer Spezialgesetze älterer österreichischer Provinienz, und als Krönung des Ganzen die eigene Gesundheitsgesetzgebung der Tschechoslowakischen Republik. Das wichtigste dieser Gesetze ist Wohl daS Gesetz vom 18. April 1920, womit der Staat die gesundheitspolizeilichen Agenden übernimmt. Es gibt nur wenige auserlesene Menschen, di« sich in diesem GesetzeS- labyrinth vollkommen zurechtfinden können. Wir aber brauchen die endliche Befreiung aus diesem Gesetzeswirrwarr und die rascheste Schaffung eines zusammenfaffendrn, dem neuen Zeitgeist und den Lebrnsnotwrndigkeiten des Staates und seiner Bevölkerung angrpatzteu staatlichen Gesundheitsgesetzes, daS daS Gesundheitswesen anfneueFunda- mente aufbanen und der großen Zersplitterung der öffentlichen und privaten GesundheitSorgani- sation ein Ende bereiten soll. Wohl ist das Gesundheitsministerium bisher schon mit den Vorarbeiten zu dem neuen Ge- sundheitSgesetz befaßt. Es ist aber selbstverständlich, daß eS den entscheidenden Fachkorporationen und Fachleuten ermöglicht werden wird, an der Schal« fustg diese- großen Werkes mitzuarbeiten. Dabei will ich vorläufig die Frage offen kaffen, ob das voi5- zubereitende Gesetz ein bloße- Rahmengesetz oder ein alle meritorischen und organisatorischen Fragen regelndes Gesetz sein soll. Ich für meinen Teil würde mich für letzteres entscheiden. Krankenhauswesen Die tristen Verhältnisse in unserem Kranken« hauSwesen sind nur zu notorisch, so daß ich sie wohl nicht in allen Einzelheiten darlegen muß. Die ganze Bevölkerung verlangt, daß nach dieser Richtung schleunigst Wandel Kschaffen wird. Hiezu gehört eine planvolle Neuregelungdes gesamten K r a n k e n h a u s w e s e n S, als dessen Unterbau ein modernes Kran- kenhauSgesetz notwendig ist, das auch als Spezialgesetz geschaffen werden kann. Doch genügt dies allein noch lange nicht. Es müßte vielmehr «in umfassender, großzügiger, aber rationell«» Plan für den Aufbau und Ausbau und die modrrne Ausgestaltung unserer Krankenhäuser aufgestellt und von hier aus systematisch ans Werk gegangen werden. Selbstverständlich stehen wir hier sofort vor dem finanziellen Problem. Sind aber einmal alle Vorfragen gelöst, dann würden sich für die A r b e i t s b e s ch a f f u n g, die augenblicklich dar Zentralproblem unseres Staates ist, ungeahnke Möglichkeiten ergeben. Dabei würde hier produktive Arbeit im wahrsten Sinne des Wortes geleistet werden, die sich hundertfältig bezahlt machen würde. Soziale Gesundheitsfürsorge Wohl wurden auf dem Gebiete der Gesundheitsfürsorge von der öffentlichen Verwaltung, mehr aber noch von der freiwilligen Fürsorge, außerordentlich Großes und Wertvolles geleistet. Aber den Einrichtungen der Gesundheitsfürsorge fehlt jede planvolle Regelung, die angesichts der großen Zersplitterung der Fürsorgeeinrichtungen unbedingt notwendig erscheint. Man bedenk« doch, daß sich beispielsweise die Zahl der Mütterberatungsstellen allein auf rund 8000 beziffert! Nur«ine auf legislatorischer Grundlage fußende, alle losen Teile zu einem festgefügten Ganzen zusammenfaffende Führung aller Zweige der Gesundheitsfürsorge würde der Zerrissenheit ein Ende machen und di« Zusammenfassung und Oekonomisierung der gesamten Gesundheitsfürsorge ermöglichen, wobei selbstverständlich der Selbstverwaltung der einzelnen Teile vollste Entfaltungsmöglichkeiten gegeben sein würden. Auch finanziell müßte di« Gesundheitsfürsorge auf gesicherte Grundlagen gestellt werden. Heute ist sie fast ausschließlich auf die unzureichenden staatlichen Subventtonen angewiesen, die unsystematisch unvollkommen planlos dargereicht werden und vielfach nur ein leidliches Vegetieren der charitativen Körperschaften ermöglichen. Jugendpflege Von den großen halboffiziellen Jugendfürsorgekorporationen abgesehen, sind die Aufgaben der Jugendpflege nahezu zum größten Teile in die Hände der nach vielen Tausenden zählenden freiwilligen Hilfsorganisationen gelegt. Die überwiegende Mehrheit von ihnen fristet ein a r m« s eligesSubventionsdasein. Ihrem Drängen nach endlicher Eingliederung der Subventionen in das staatliche Budget wurde bisher keine Folge gegeben, so daß alle diese Subventionen nur als verschämte Gnadenpost in einem Budgetwinkel des Fürsorge-, Gesundheit-- und Schulministeriums vegetieren. Dazu kommt noch, daß eS der Jugendfürsorge nicht nur an einer festen systematischen Zusammenfassung, sondern auch an jedweder gesetzlichen Unterlage fehlt. Seit Jahren schon wird nach einem Jugendwohlfahrtsgesetz gerufen. Andere Staaten sind uns hier weit voraus. Wir haben bereits aufgezeigt, wie sehr es der Jugend in gewissen Gebieten vor allem an einer gesicherten Ernährung, an einer gesetzlich festgelegten Gesundheitskontrolle, Gesundheitspflege und Gesundheitsfürsorge fehlt. Wir rufen die ganze Oeffentlichkeit zur Mitwirkung bei der Lösung dieses Problems auf. ES geht hier— man mutz die» wohl nicht erst sagen— nm die Zukunft des ganz«« Volk«»! Um den von vielfacher Seite vorgebrachten Wünschen nach einheitlicher Regelung de» Subventionswesens für die Prag. Die Polizeidirektion teilt zu dem bereits gestern gemeldeten großen Diebstahl folgendes mit: In der sowjetruffischen Handelsmiffion war am 27. November d. I. eine verschloffene eiserne Handkassa mit einem Barbe- trag von 700.000 K8 entwendet worden. Es wnrde festgestellt, daß der Diebstahl am gleichen Tage zeitlich früh von einem Angestellte« der sowjetruffischen Handelsmiffion, dem 35jährigen Alexander Wassil K a z i m o w, begangen worden war. Durch die Nachforschungen der Detektive der Sicherheitsabteilungen in Prag wurde festgestellt, daß Kazimow sich an dem selben Tage sofort nach dem Diebstahl eine Autodroschke beim Standplatz des Kaffeehauses„Elektra" in Prag gemietet hatte und sich nach Hirschberg fahren ließ, wo er vor einem der dorttgen Hotels ausstieg. Auf Grund dieser Feststellung wulsten von der Sicherheitsabteilung noch in der Rächt Detettive mittels AutoS nach Hirschberg entsendet, um dort nach Kazimow z« forschen. Dort stellten sie mit Hilfe der Ortsgendarmerie und in Zusammenarbeit mit einem städtischen Wachmann fest, daß Kazimow tatsächlich in einem Hotel deS Ortes avgestiegen war, wo er frühstückte und sich Jugendfürsorge Rechnung zu tragen, bereitet das Ministerium neue grundlegende Richtlinien für die Verteilung-er Subventionen vor. Eine analoge Regelung soll auch hinsichtlich der Entsendung von Kindern in Bäder und Ferienkolonien getroffen werden. Schulung 6er Amtsärzte Die durch die Rationalisierung, Technisierung und Konzentrierung verursachten Veränderungen in der industriellen Produktion, die fortwährende Zunahme der Unfallshäufigkeit und besonders das Umsichgreifen der Berufskrankheiten, die fürchterliche Massenarbeitslosigkeit, die ganz außerordentliche Verschlimmerung der Gesundheitsverhältniffe in den von der Krise heimgesuchten Gebieten des Staates, dies alles stellt unsere Amtsärzte vor gewaltige neue Probleme. Es mutz also hier durch Schulung der Aerzte nachgeholfen werden, um sie auch über die sozialen Aufgaben der Gesundheitsfürsorge, über die Errungenschaften der Sozialhygiene und der sozialen Medizm, sowie di« sozialen Aufgaben der Aerzte zu orientieren. Diesem Zweck sollen nun die periodischen Schulungskurse dienstbar gemacht werden, welchem auch nach und nach alle Distrikts- und Ge- meindeärzte,.beigezogen werden, sollen. Für,den An» fantz^Vd?-Wahres 1936 W eiN-pKiterrt'Wrattiger Kurs in Aussicht genommen. Aerztllche Gewerbeinspektion Ich habe schon in meiner früheren Wirksamkeit im Fürsorgereffort die Eingliederung des ärztlichen Elementes in die Gewerbeinfpektsion verlangt, da beispielsweise die rechtzeitige Diagnose von Gewerbekrankheiten, die Kontrolle der in letzter Zeit in ge» wissen Produktionszweigen zunehmenden Verwendung von Giften und die sofottige Veranlassung etwaiger notwendiger Vorkehrungen unmöglich den lediglich technisch vorgebildeten Gewerbeinspektoren übertragen werden kann. DaS Gesundheitsministerrum bereitet einen dahin abzielenden Antrag für die Regierung vor. Berufskrankheiten Dar Beratungswesen für Berufskrankheiten befindet sich noch immer in den ersten Anfängen und vermag nur in den seltensten Fällen klinisch einzugreifen. Daher erscheint eine materielle Unterstützung der bei der Klinik deS Herrn Prof. P e l n a r, bezw. beim Deutschen hygienischen Institut des Herrn Prof. Löwy bestehenden Beratungsstellen dringend geboten. Die Schaffung von Universitätskliniken für Berufskrankheiten ist nicht mehr aufschiebbar. Das Gesundheitsministerium hat daher dem Schülministerium unter eingehender Darlegung aller Gründe«ine solche Ergänzung der Ausbildung der Aerzteschaft beantragt. Joachlmsthaler Lungenkrebs Gegenüber den in letzter Zeit wiederholt aufgetauchten Preffemeldungen, welche den Bestand des Joachimsthaler Lungenkrebses vollständig in Abrede stellen, haben die im Jahre 1934 durchgeführten Untersuchungen ergeben, daß von den sechs Sterbefällen des Jahres 1934 zwei Fälle aufLun- genkrebs zurückzuführen waren. Das Ministerium setzt mit Hilfe der von ihm eingesetzten Kommissionen und der wissenschaftlichen Fachleute seine Arbeiten weiter fort und ist entschlossen, die Ergebnisse dieser Forschungen zum Ausgangspunkt seines Eingreifens zu machen, bei dem es die Beihilfe des zuständigen Ärbeitrnministeriums zu finden hofft. Hellfürsorge für Arbeitslose Im Jahre 1932 habe ich in meiner damaligen Stellung im Fürsorgereffort alle Anstrengungen darangesetzt, um im Wege einer freiwilligen, auf Zuschüsse der SozialversicherungSzentpalen und der interessierten Korporationen aufzuhauenden Organi- satton für die Arbeitslosen die notwendigsten Vorsorgen für den Krankheitsfall zu treffen. Rach großen Bemühungen gelang es, eine Zenttale für Heilfürsorge der Arbeitslosen inS Leben zu rufen und dieser Zentrale 208 in den politischen Bezirken errichtete Bezirk-komiteeS anzugliedern. Anfänglich funktionierte die so erstandene Hilfsorganisation durch nahezu zwei Jahre klaglos, bis die finanziellen Mittel der Hilfsattion zu versiegen begannen und auch ein Teil der Aerzteschaft der freiwilligen Mitarbeit dort eine halbe Stunde aufhielt. Nach weiteren angestrengten Nachforschungen gelang es, sicherzustellen, daß Kazimow, der sich dort abermals eine Autodroschke gemietet hatte, in die Gemeinde B ö s i g gefahren war, wo er in einem Gasthaus diS um ein Uhr nachts trank und hierauf wegging. Nach diesen Feststellungen wurde in der Gemeinde Bösig und Umgebung nach Kazimow geforscht. Dieser wurde von den' Detektiven um halb sechs Uhr früh auf der Terrasse eines HauseS schlafend vorgefun- den. Bei ihm wurde fast der gesamte entwendete Geldbetrag und eine Repetierpistole gefunden, die er ebenfalls entwendet hatte. Die erbrochene Handkassr wnrde ebenfalls in Hirschberg gefunden. Kazimow wurde in die Sicherheitsabteilung eingeliefert. * Zu den Meldungen einiger Blätter über den Diebstahl in der sowjetruffischen Handelsmiffion wird von kompetenter Stelle noch mitgeteilt, daß n u r G e l d, nicht aber, wie von einigen Blättern unrichtig behauptet wurde, auch irgendwelche Dokumente entwendet wurden. Die Nachrichten über den politischen Charakter der Tat sind deshalb unbegründet. müde geworden war. Heute stehen wir vor der GefahrdervollständigcnEinstellung derHilfsaktion und dies in einem Zeitpunkt, da jene Gründe, die im Jahre 1932 zu ihrer Schaffung führten, noch schwerer ins Gewicht fallen. Die natürliche Lösung des Problems wäre dadurch gegeben, daß die Krankenversicherungsanstalten, lei denen die Arbeitslosen versichert waren, di« weitere Darreichung der für de« Krankheitsfall notwendigen Leistungen ans sich nehmen: aber die KrankheitSverficherungsan- staltem, die selbst duvch die Krise in schweren Notstand geraten waren, können dies nicht tun. Dagegen erklärten sie sich sofott zur Mitwirkung bereit, falls ihnen aus diesem TUrl entsprechende Zuschüsse geleistet werde«. Dem Gesundheitsministerium scheint lrtzttrer Weg der einzig möglich« zu sein. Es wird daher wohl nichts anderes übrig bleiben, als daß die beiden beteiligten Ressorts, das Gesundheits- und das Fürsorgeministerium, die Initiative ergreifen und wenn schon nicht eine gesetzliche, so doch wenigstens eine administrative Regelung dieses brennende« Problem» beantrage«. Kinderhilfsaktion Die an früherer Stelle geschilderten traurigen Gesundheitsverhältniffe der Kinder der von der Krisennot heimgesuchten Familien veranlaßt das Gesundheitsministerium, eine Kinderhilfsaktion in die Wege zu leiten. Die Aktion ist so gedacht, daß die dem Krisengebiete sowie den industriellen Zentren näher gelegenen, derzeit unbenützten Gesundheits« und Genesungsheime zur Durchführung der Aktion herangezogen werden. Das Ministerium wird der Regierung nunmehr einen formellen Antrag überreichen, der die finanziellen Grundlagen sirr die HilfSaktton gewährleisten soll. Für die Aktion kommen selbstverständlich nur gefährdeteKinder in Betracht, da kranke Kinder einer geordneten Anstalt-Pflege bedürfen. Die SanltStsumlage DaS Gesundheitsministerium hat der Regierung vor einigen Tagen einen Verordnungsentwurf betreffend die Höhe der SanitätSumlage für da- Jahr 1986 überreicht, gleichzeitig aber einen neuerlichen Versuch unternommen, die Novellierung des Gesetzes über die Sanitätsumlage verhandlungsreif zu machen, deren hauptsächlichster Zweck es ist, aus der Umlage vor allem die Erbauung von Krankenhäusern und sonstigen Heilanstalten, weiters von Genesungs« und Erholung»- sowie Altersheimen etc. zu ermöglichen. Die Novelle stößt jedoch im interministeriellen Verfahren bei mehreren Ressort- noch auf große Schwierigkeiten. Das Ministerium hat die Vorbereitungen zur Verteilung des Erträgnisses der Umlage für daS Jahr 1934 bereits abgeschlossen. Noch im Laufe dieses Jahres wird die Verteilung der Zuschüsse an die interessierten Kovporattonen erfolgen können. Die Umlage hat im Jahre 1934 zuzüglich der Zinsen einen Bettag per rund 20.3 Millionen abgeworfen, wovon 15 Millionen den Ländern zur gesetzmäßigen Verwendung zugewiesen werden, während da» Ministerium rund 5.5 Millionen selbst zur Verteilung bringen wird. Assanierung Der dem Ministerium für Assanierungszwecke zur Verfügung stehende Kredit, der sich bisher in den Grenzen von 5 Millionen Kö bewegte, ist leider durch die bereit- etteilten Bewilligungen auf Jahre hinaus gebunden. DaS Ministerium vermag daher den Gemeinden nur kleinere Abstattungen auf Abschlag des bewilligten Subventtonsbettages zu gewähren, der nach dem jetzigen Stand noch immer 34 Millionen beträgt. Dadurch geraten die Gemeinden in eine arge Verschuldung. Die Bewilligung neuer Subventionen auf Grund neuer Gesuche mußte bereits seit drei Jahren vollständig ein» gesttllt werden. Das Gesundheitsministerium hat die größten Anstrengungen gemacht, eine Erhöhung des AffanierungskrediteS zu erlangen, doch ist«s dabei immer und immer wieder auf den heftigsten Wider st and der Finanzverwaltung gestoßen. Beim Ministerium erliegen Vorzeit 140 Gesuche. Der Gesamtaufwand der Projekte beträgt rund 370 Millionen Kc. Mit einem Kredit in der Höhe von 60 SRittunen Kc könnte die Verwirklichung der Projekte in Angriff genommen werde«. Gerade j^t steht daS Problem der I r- beitsbeschaffung wieder im Vordergrund unserer Sorgen. Hier wäre die Möglichkett gegeben, nicht nur eine gewaltige Zahl von arbeitslosen Menschen dem Nährzustand wiederzugeben, sondern auch dem Staate gleichzettig de« Aufwand a«S dem Tittl der Arbeitslosenfürforg« ganz wesenttich abzubürden! Masarykschule für Gesundheit und soziale Fürsorge Diese mit finanzieller Beihilfe der Rockefekler« Stiftung ins Leben gerufene Schule Wird in den ersten Jännertagen eröffnet werden. Sie dient der Erziehung von Gesundheits« und Fürsorgeschwestern höherer Stufe. Als Aufnahmsbedingungen für die Schule gilt da« Reifezeugnis einer Mittelschule. Die Dauer jedes der Schulungskurse ist mit mindoftenS 22 Monaten in Aussicht genommen. Für den Anfang ist die Zulassung von höchstens 45 Freguentanttnnen :— darunter 12 deutscher— in Aussicht genommen, wobei alle Landesteile«nttprechend berücksichtigt werden sollen. Körperliche Erziehung Die Erkenntnis des Wertes und der Bedeutung der körverlichen Ertüchtigung bat sich in den letztea Jahren siegreich Bahn gebrochen und ist zum Gemeingut aller Schichten der Bevölkerung geworden. Namentlich in der heutigen Zeit müssen alle Kräfte angespannt werden, um der Wirksamkeit der Organisationen der Körperkultur, der Turn« und Spottbewegung nicht nur den größten Anttieb, sondern auch die notwendigen Mittel und Möglichkeiten zu einer gedeihlichen Wirksamkeit an die Hand zu geben. Darum ist es sehr zu beklagen, daß sich die Bedeutung der Aufgaben der körperlichen Erziehung nicht in vollem Maße im Staativorankchlag widerspiegelt. Für das Jahr 1936 ist eS dem Ministerium gelungen. eine Verdoppelung der bisherige» Subventionspost zu erzielen, so daß ihm zur Förderung der Turn- und Sportorganisationen ein Betrag von 400.000 KC zur Verfügung stehen wird. Selbstverständlich fördert dar Ministerium die staatlichen KörpererziehungSkurse, di« sich einer sehr guten Frequenz erfreuen, in weitestgehender Weise. Das Ministerium ist auch um die rascheste Aktivierung de» Staatlichen Tyrs-Institute» bemüht. An der-Ausgestaltung desMasaryk« Stadions, dessen Wert und Bedeutung sich immer mehr in» Bewußtsein unserer Bevölkerung einprägt. wird weitergearbeitet. Schon während der kurzen Dauer seines Bestehens hat es bei den ganzstaatlichen Veranstaltungen der großen Turn- und Sportorganisationen die Bewährungsprobe bestanden. Kampf gegen den Alkohollsmus Das Ministerium hat vor kurzem einen Erlab an die Landesbehörde gerichtet, in welchem den Unterstellen die genaueste Beobachtung und Uebec- wachung der Bestimmungen der lex Holit scher zum'Schutz der Jugend vor den Gefahren des Allo- hol- auferlegt wird. Ferner hat das Ministettum im Sinne der Regierungsverordnung vom 19. Dezember 1919 die Einsetzung eines ständigen Beirates für die Bekämpfung des Alkoholismu» verfügt und wird schon in allernächster Zett— nach Fühlungnahme mit den führenden Abstinentenorganisationen— die Mitglieder ernennen. Die staatliche Gesundheitsanstalt Die wachsenden Aufgaben der staatlichen Ge- sundhett-verwattung haben in letzter Zeit die Bedeutung der Staatlichen Gesundheitsanstalt noch sichtbarer in Erscheinung tteten lassen al» zuvor. I» wissenschaftlicher Beziehung fältt dec Staatlichen Gesundheitsanstalt die Rolle der Fachberatungsstelle des Gesundheitsministeriums zu, i« da- Gebiet der Produktton gehört die Erzeugung der Heilsera und Vakzinen zur Bekämpfung von Krankheiten aller Art. Hinsichtlich dieser Heilbrhelfe näher« wir uns bereits dem Zustand der Autarke. Zur Unterstützung der Arbeiten der Staatliche« Gesundheitsanstalt bereiter da» Ministerium auch einen Gesetzentwurf über die biologische Kontrolle der Heilmittel vor. Zur räumlichen Erweiterung der Anstalt ist ein Betrag va« 2 Millionen Kd in den Jnvestitionsvoranschlag füt 1936 eingestellt. Der Kampf gegen die sozialen Krankheiten Im Kampf gegen die verbreiteteste der Volks- krankbeiten, die Tuberkulose, ist es gelungen, dem Umsichgreifen dieser tückischen Krankheit und W* allem der gewaltigen Sterblichkeit Schranken«« setzen. Es ist erst recht notwendig, in dem begonnene« Kampf mit noch größerem Emsatz an Kräften fortzufahren. Im Kampf gegen die weitere Verbreitung dec Geschlechtskrankheiten, gegen das Umsichgreifen dec Trachomerkrankungen, gegen die zunehmenden Gefahren des AlkoholiSmuS sowie gegen den Rheumatismus und die Krebskrankhett. hat da» Ministettum im Rahmen seiner überaus unzulänglichen Mittel da» Aeußerfte aufgeboten und hiebei eine ganz außer- ordenttiche Unterstützung der freiwilligen Füttorge- korporationen gefunden. Der Kampf gegen die ansteckenden Krankheiten wurde von unserer Gesundheitsverwaltung plamnäßi« und«ttolgreich durchgeführt. DieS gilt in ettttr Linst von der Unterdrückung des Flecktyphus in K«r- vathorußland und der Slowakei. Da» Jahr 198* weist nur noch 328 Erkrankungen auf. von denen 1* FAlle tödlich ausgingen. Die Organisation der Bekämpfung der D i p d- t h e r i e bat das Ministettum einem hiefür errichteten Beirat anverttaut; die notwendigen finanziellen Mittel u»d insbesondere der notwendige Impfstoff wurden beigestellt. So sehr daS Ministettum die Bestrebungen der einzelnen Bezirke nach Schaffung von Evidemit« Nr. 278 Freitag, 29. November 1935 Sette 3 -avillonen bei den allgemeinen öffentlichen Krankenhäusern begrüfit, io sehr bedauert eS. das; es ihm feine unzureichenden budgetären Kredite nicht ermöglichen, die Errichtung solcher Pavillons in ausgiebigerem Maste als bisher materiell zu unter- itützen. Ein bedeutsamer Anteil an den Erfolgen der Epidemiebekämvfung ist der Wirksamkeit der staatlichen Epidemieautokolonnen zuschreiben, die sich ganz austerordentlich bewährt haben. Au den wichtigsten Aufgaben auf diesem Gebiet gebärt die schleunigste Inangriffnahme der Novellierung des auS dem alten Oesterreich stammenden Evidemiegesetzes. Das Bäderwesen Die reichen Naturschätze und Heilquellen.„ die seit 1918 ins Staatseigentum übergingen, müssen den breitesten Schichten der Bevölkerung insbesondere den ärmsten Angehörigen des Staates, zugänglich gemacht werden. Darum must darauf hingearbei- tet werden, dast das Verständnis für die Notwendigkeit der Badekuren in die weitesten Volksschichten getragen wird und dast die Staatsbäder bei der Be» kömvfung der drei wichtigsten Bolkskrankhei» ten Rheumatismus, Herzkrankheiten und Krebserkrankungen mit Land anlegen. ES ist daher unbedingt notwendig, daß dir StaatSbäder sich den Anforderungen, die die heu- tige Zeit an sie stellt, anpassen und durch Gewährung von Erleichterungen bei der Unterkunft und bei dem Gebrauch der Heilmittel eine wichtige sozial-gesundbeitliche Funktion auSübrn. ES ist dies die Erfüllung einer sozialen Brr- pflichtuug gegenüber de« sozial Schwachen. Vie Lage der Geburtsassistentinnen DaS Gesundheitsministerium ist sich dessen be- wustt. dast die zunehmende Inanspruchnahme der Gebäranstalten durch die schwangeren Frauen die wirtschaftlich« Situation der Geburtsassistentinnen in empfindlicher Weise berührt. Für um so berechtigter hält das Ministerium deren Forderung, dast dar Für- sorgerinnenversonal der öffentlichen Gebäranstalten vor allem demKreiSdergeprüften Assistentinnen entnommen wird. In den staatlichen Anstalten wird dieser Forderung bereits Rechnung getragen. DaS Ministerium steht dem Antrag der Geburtsassistentinnen auf Rayonierung der geburtshilflichen Praxis positiv gegenüber, ebenso dem Antrag auf Schaffung eines Gremiums. Soweit die von den GeburtSaffistentinnen beantragten Mastnahmen gesetzliche, normative oder administrative Vorkehrungen erheischen, wie z. B. die Frage der Lonorarsätze der Geburtsassistentinnen, die Schaffung einer Standesvertretung, die Vorsorge für Wiederholunaskurse, hat das Ministerium die in Frage kommenden Anträge bereits fertiggestellt; einige beflnden sich bereits im interministeriellen Verfahren. Das Ministerium hofft, sie nach Ueberwin- dung der ihnen im Wege stehenden Schwierigkeiten beimbringen zu können. Den überalterten GeburtSasiistentinnen werden alljährlich vom Gesundheitsministerium Unter« Mtzungsbeträge bewilligt; im heurigen,Jghre„wur- den 100 GeburtSasiistentinnen mit se 509 s<ö betritt. Die Frage der Einführung der Sozialversicherung der GeburtSaffistentinnen fällt in die ausschließliche Kom- detenz der Fürsorgeministeriums. Auf die anderen Zweige der GesundheitSver- Wallung, die in ihrer Bedeutung den bereits«rörter» ten absolut nicht nächsten, will ich entweder in «einem Schlustwort oder in der Budgetdebatte näher Zurückkommen. ES sind dies vor allem die Fragen, die auf das Gebiet deS Aerzte- und Avotbekerwesens sowie deS Nahrungsmittel-, Veterinär- und Heilmit- trlwesenS ufw. fallen. Sudetendeutsche Verdrehunss* Künste Eine Abfuhr des Herrn Peschka Im GewerbeauSschutz des Abgeordnetenhauses hatte sich der SdP-Abgeordnete Jng. Peschka einige hinterhältige Angriffe auf die sozialistischen Parteien geleistet. Ihn nahm sich Genosse M a c o u n entsprechend vor. Für den Rückgang im Austenhandel mit Deutschland hatte L«rr Peschka.politische Strömun- Sen" verantwortlich gemacht, die seines Erachtens nichts mit der Handelspolitik zu tun hätten. Unser Redner verwies darauf, dast die Schwierigkeiten Unseres Austenhandels mit Deutschland auf anderem Gebiete liegen, vor allem in der ZahlungS» Und Währungsunsicherheit deS Dritten Reiches. Dann hatte sich Peschka dazu verstiegen. von Parteien zu sprechen, welche Hasard- volitik treiben, die mit der Wirtschaft nichts zu tun babe. Genosse M a c o u n erklärte, dast zu dieser Behauptung der Mut gehöre, zu sagen, wer damit gemeint ist. Herr Peschka aber blieb die Antwort schuldig. Die Verordnung über die sogenani.'.« Gewerbesperre sei nach Peschka durch die mar- ristischen Parteien um ihre Wirkung gebracht wor» den. M a r o u n verwies hiezu auf die seinerzeitigen Verhandlungen der Gewerkschaften mit den Regierungsstellen. bei welchen der Umstand die Hauptrolle stielte, dast nach dem Wortlaut der Verordnung die Gefahr vorhanden war, dast tausende Arbeitsplätze für Arbeiter und Angestellte verloren gehen. ES sei die Frage äestattet, ob in der SdP noch irgendein Interesse für den.Kamerad Arbeiter" übrig bleibt! Schließlich hatte Peschka in seiner Red« gegen di« Rationalisierung gewettert. Auf einen Zwischenruf, war die.Kameraden Fabrikanten" dazu sagen werden, meinte er. das sei eine BoSbeit. well die SdP fast keine Fabrikanten zu ihren Mitgliedern zählt. Mae»»« zeigt« an d«n bekannten Beispielen deS deutschen TrxtUvvrbandeS in Reichenberg und der Glaöindustrlellen in Haida di« engen Beziehungen zwischen deutschen Fabrikanten»nd der Henlein- Partei auf«nd erklärte sich brrrit, mit«etter«» Beispielen zu dienen. Die beiden SdP-Mitglieder deS GewerbeauS- schusies nahmen alle Feststellungen schloeigend zur Kenntnis. Sudeten deutsch er Zeitspiegel Der Kunauer Mord Feme Im Grenzgebiet 1 Der Mord an unserem Genossen Walter Rosenzweig haft nicht nur die Gemüter in der schlesischen Grenzgegend in Spannung, er findet sein Echo darüber hinaus in einer verständlichen Erregung aller Kreise des deutschen und des tschechischen Volles, die daran interessiert sind, daß die Randgebiete der Republik nicht zum Tummelplatz politischer Mörder und brauner Feme-Agenten werden. Noch ist die Untersuchung nicht soweit gediehen, daß wir mit schlüssiger Gewißheit von einem unzweifelbar politischen Mord sprechen können, noch kann man einwenden, der Mörder habe vielleicht andere, private Mottve gehabt, obwohl solche nicht bekannt sind und, da Raub ausschließt, auch kaum zu finden sein werden. Aber der Umstand, daß gegen Rosenzweig eine HetzeimGange war, daß er sich bereits bedroht fühlte, daß man die Staats- anwaltschait schon vor dem Mord hätte um ihr Interesse ersuchen müssen, endlich die Tatsache, daß der Mörder zweifelsohne in Deutschland Schutz suchte— den er dort doch nur als politischer Mörder gesichert hat— die Möglichkeit oder Wahrschein- lichkett. daß der Täter aus dem Braunen Reich herüberkam, wiegen schwerer als die Zweifel, die man in das Motiv des polnischen Mordes noch setzen könnte. Ob und wiewett die Leute von der«SdP an der Vorbereitung des Mordes beteiligt waren, läßt sich noch nicht sagen. Daß in diesen Kreisen eine frivole Stimmung herrscht, die Morde nur zu leicht erzeugen kann, wird kein-Kenner der Verhältnisse bezweifeln. Wir haben dieser Tage in den Brief eines, der SdP nahestehenden, wenn auch noch kritischen Deutschnationalen Einblick nehmen können, der einem führenden organisatorischen Funktionär der SdP in besagtem Brief das Wort„der vereckerte Lessing" (der von dem Nazi Eckert meuchlings ermordete Philosoph Theodor Lessing) gebraucht. Leute» die so schreiben, so sprechen, werden auch ähnlich handeln wie die Eckert, Salomon, Kern, Fischer, Schultz, Tillessen, und vor allein wie der Meister Göring selbst. Unsere Genossen tun alles» um die Aufklä- rung des Kunauer Mordfalles zu beschleunigen. Genosse Taub hat den Fall im Budgetausschuß zur Sprache gebracht und strengste Unter suchung gefordert. Das Innenministerium hat diese Untersuchung zugesagt und es ist uns bekannt, daß die Behörden mit größtem Eifer der Sache nachgehen. Der Erfolg bleibt natürlich insofern zweifelhaft, als der Mörder, wenn er im Dritten Reiche weilt, sicher wie in Abrahams Schoß ist. Er wird dort höchstens eine Kopfprämie ausbezahlt erhalten wie jener Eckert und wie die Mörder des Ingenieurs Formis. Die Untersuchung wird nicht das letzte Wort des Staates sein können. Es fragt sich, wie man solche Morde verhindert, wie man die Republik gegen eine Seuche schützt, die weit mehr gefährdet, als die einzelnen Menschen, die ihr zum Opfer fallen. Dem Geist, der solche Taten gebiert, mit Energie entgegenzutreten, ihn aus» zurotten, wo er gedeiht, das ist vor vor allem die Aufgabe der Staatsgewalt! Vie zwei Gesichter der SdP Für oder gegen die Erhöhung des Margarine-Kontingents? Im landwirtschaftlichen Ausschüsse des Abgeordnetenhauses wurde Herr H o d i n a von dem Landbündler Böhm interpelliert, wie sich seine Partei zur Frage der Erhöhung des Margarine- Kontingents stelle. Er wußte darauf keinen Karen Bescheid zu geben, sondern bemühte sich, in anderen agrarischen Fragen(Biehmonopol) noch den Agrariern den Rang abzulaufen. Im Ernährungsausschuß trat hingegen der SdP-Abge- ordnete Knarre sehr entschieden für eine Erhöhung des Margarine-Kontingents ein. Hier Bauernpolitik— dort Konsumentenpolitik. Es lebe die Volksgemeinschaft! h Franzbranntwein zu Massagen und Einreibungen des Körpers Die Radikalen retten Laval — vorläufig auf eine Woche Paris.(Tsch. P-B.) Die erste große politische Schlacht auf parlamentarischem Boden brachte bei einem Stimmenverhältnis von 345 gegen 225 einen Sieg für die Regierung in der Vectrauensftage, welche die Regierung für die Borzugsbehandlung der Finanz-Debatte gestellt hatte. Rach einer PietätSfeier für den verstorbenen ehemaligen stellvertretenden Vorsitzenden der Kammer erklärte Ministerpräsident Laval, dir Regierung ersuche um die sofortige Aufnahme der Aussprache über die finanziellen Interpellationen. Tie Negierung wolle nicht'den übrigen Interpellationen ausweichen, doch erachte sie vor allem die Sicherung der Finanzsituation und deö Franken als unumgänglich notwendig. Die Regierung nehme die Aussprache über die Ligen und über die Innenpolitik in den Bormittagssitzungen, beginnend am Dienstag, an, in den nachmittägigen Sitzungen werde die BudgetauS- fprache stattfinden. Um der Regierung ein wirksames Vorgehen zu ermöglichen«nd ihr die Autorität in der finanziellen, inneren und äußeren Politik zu sichern, brauche sie das Vertrauen und die Solidarität des Parlaments. Laval er» klärte, die Regierung würde ein nur bedingtes oder maSkierteS Vertrauen nicht annehmen. Im Namen der Sozialisten lehnte Lion Blum das Berlangrn der Regierung ab«nd erklärt, daß die Sozialisten dagegen stimmen werden.Blum sagt, die heurige Einberufung des französischen Parlamentes auf den 28. November sei in der Geschichte des französischen Parlamentarismus ein Rokarddatum in bezug auf den späten Zeitpunkt.„Wenn Sie durch Regierungsdekrete dieses Datum hätten hinausschieben können, dann hätten Sie dies getan" ruft Blum aus. „Jawohl, ich hätte dies sicherlich getan" antwortete Laval. Die Sozialisten lärmen. Der Haus-Präsident kann nur schwer die Ordnung wieder Herstellen. Leon Blum fährt in seiner Rede fort, daß der Regierung die Aufgabe obliege, die republikanischen Einrichtungen«nd die republikanische Freiheit zu verteidigen, es sei daher ihre Pflicht sich z« äußern, was sie getan hat. Ein kommunistischer Redner protestiert gegen die RegirrungSdckrete«nd besteht ebenso wie die Sozialisten auf den Interpellationen über die republikanischen Freiheiten- Der neosozialistische Redner Marcel D i tt t erklärt gleichfalls, daß fein Klub gegen die Regierung stimmen werde. Der radikale Redner Martinaud D e p l a t ist mit der Taktik der Regierung nicht zuftieden. Er erllärt jedoch» daß die Radikalen der Regierung keine prinzipiellen Schwierigkeiten machen wollen und für die erste Vertrauensfrage der Regierung unter der Bedingung stimmen Er sitzt noch Immer fest werden, daß die Regierung einer umfangreichen Debatte über die Ligen nicht ausweichen werde. Der Ministerpräsident gibt seiner Zustimmung Ausdruck. Der linke Flügel der Radikalen protestiert lärmend, der rechte Flügel des Klubs aber klatscht Beifall. Tie Kammer geht sodann zur Abstimmung über. Vorher stellt die Regierung die Vertrauensfrage, die sie mit einer Mehrheit von 120 Stimmen m dem Verhältnis wie schon angekündigt, mit 345 gegen 225 zugesprochen erhält. O Die Regierung Laval ist vorläufig gerettet. Wahrscheinlich wird sie aber nächste Woche bei der Debatte über die Ligen eine neue Vertrauensfrage stellen müssen., Julie Hackenberg Die Parteiöffentlichkeit wird schmerzlich überrascht sein, die Kunde zu vernehmen, daß Genossin JulieHackenberg, die Frau unseres Senators Theodor Hackenberg, in der Nacht von Mittwoch, den 27., auf Donnerstag, den 28. November, gestorben ist. Obwohl es dem Freundeskreis der Familie Hackenberg längst kein Geheimnis war, daß Julie Hackenberg schwer krank ist und obwohl wir wußten, wie schlecht es um sie steht, sind wir doch überrascht, daß das vorbildliche Leben einer braven Frau und Mutter, einer prächtigen Genossin und opferbereiten Funktionärin, die Jahrzehnte ihrer Lebens der Arbeiterbewegung gewidmet hat, zu Ende gegangen ist. Juli« Hackenberg, hie ein Alter von 57 Jahren erreicht hat, stammt aus Mähren und kam in früher Jugend— sie hieß mit ihrem Mädchennamen Klapatsch— nach Brünn, wo sie Handelsangestellte wurde. Bald wandte sie sich damals — eine der wenigen weiblichen Handlungsgehilfen, die Interesse für öffentliche Fragen hatte— der Gewerkschaftsbewegung zu und arbeitete fleißig in der Brünner Organisation der Handelsgehilfen. Von dort fand sie den Weg in die Partei und als 1907 die Brünner Frauenorganisation neu gegründet wurde, fiel sie in der gründenden Versammlung dadurch auf, daß sie in gewandter Weise in die Debatte eingriff und sich klug und schon damals lebenserfahren über die künftigen Aufgaben der Frauenbewegung äußerte. Rasch gelangte sie an die Spitze unserer Brünner Frauenorganiia- tton in Bezirk und Kreis und hat als solche eine umfasiende Tättgkeit entwickelt, die sich nicht nur auf Brünn beschränkte, sondern sie auch in die mährische Provinz führte. Sie hat überall mit großer rednerischer Begabung und organisatorischem Eifer die Bewegung auf- und ausgebaut. Als der Krieg ausbrach, stellte sie sich in den Dienst der Kriegsfürsorge für die Bevölkerung und war auch da mit Eifer und Kraft tätig. In jener Zeit verband sie ihr Lebensschicksal mit dem des Genossen Theodor Hackenberg, der damals Landespar- teifekretär in Brünn war und der auf tragische Weise im Kriege seine erste Frau verloren hatte. Nach ihrer Verheiratung verminderte sich'bre Tätigkeit für die Partei nicht im geringsten, nun war sie erst recht für jene Ideale tätig, die uns allen gemeinsam sind. Bis zu ihrer llebersiedlung nach Prag, wohin di« Beruksvflicht ihren Mann berief, arbeitete sie in der Brünner Kreisorganisation. Was sie dort geleistet hat, wird unvergessen bleiben. Für Julie Hackenberg war«S selbstverständlich, daß sie auch in Prag, in ihkM heuen Wirkungskreis, in der Partei tätig war. Sie war Mitglied deS BezirkSfrauenkomiteeS und der Bezirksvertretung und war jahrelang intensiv in unserer Prager Bezirksfrauenorganisation tätig, wo sie nicht nur bei den Sitzungen mit ihrem Rat der Bewegung Diente, sondern auch als Vortragende und Versastnnlungsrednerin in die Kampfarena trat. Noch vor sechs Wochen hat sie in unserer Prager Frauenorganisatton einen Vortrag über die Teuerung gehalten. Es sollte das letztemal sein, daß sie ihr sozialistisches Wort— sie war in ihren Grundsätzen radikal und unbeugsam — an die Genossinnen richtete. Seit einem bal« ben Jahre war sie krank, lange weigerte sie sich zum Arzt zu gehen, weil sie wußte, daß ihr Herz zu erlahmen begann. Vor einigen Tagen wurde sie von Magenblutungen befallen. Mittwoch verschlimmerte sich ihr Zustand. Eine Bluttransfusion, bei der ihr einziger Sohn durch Bluihergabe sie zu retten versuchte, hatte keine Wirkung mehr. Unser« volle Teilnahme wendet, sich ihrem schwer geprüften Gatten und Sohne zu, mögen Vater und Sohn Trost finden in dem Bewußtsein des Schmerzes, von dem wir alle erfüllt sind und mögen sie die Versicherung entgegennehmen, daß wir Julie Hackenberg niemals vergessen werden einstimmige Annahme der Sprenselbürserschul-Vorlage Prag. Im Senat ereignete sich am Don- nerStag der noch nie dagewesene Fall, daß eine Vorlage in namentlicher Abstimmung, bei der sich also daS Stimmverhältnis genau eruieren läßt, einstimmig angenommen wurde, ohne daß etwa die Opposition auS irgendwelchen Gründen sich von der Abstimmung absentiert hätte. Es handelte sich um die Sprengelbürgerschul-Bor- lage, die in der abgeänderten Fassung die Zustimmung aller anwesenden 98 Senatoren fand. Die einstimmige Annahme kann gewiß auch der Hauptrrfrrent über die Vorlage, Genosse Vojta Benes, der bereits im Abgeordnetenhaus in der vergangenen Wahlperiode daS Re- ferat innehatte, alS seinen ehrlich verdienten persönlichen Erfolg buchen. Das Abstimmungsergebnis wurde mit allgemeinem Beifall quittiert und der Vorsitzende Dr. Soukup konstatierte ausdrücklich, daß dies der erste derartigeFall in der Geschichte des Senats sei. Die Abstimmung mußte mit Stimmzetteln erfolgen, da der bereits vorliegende Beschluß des Abgeordnetenhauses in einigen unwesentlichen Punkten abgeändert wurde. Die Vorlage wird nun nochmals das Abgeordnetenhaus beschäftigen. Seite 4 Freitag, 29. November 1935 Nr. 278 ✓ Beschlüsse des Ernährungsausschusses Für Neuregelung des Margarinekontingents, für beschleunigte Novellierung des Kartellgesetzes Prag. Unter dem Borsihe des. Genoffen I a k s ch beendete Donnerstag der Ernährungsausschutz des Abgeordnetenhauses seine Aussprache über die Berichte der Minister Dr. Cernh und Jng. Necas. Der Fürsorgcminister Neöas ging zum Schluß der Debatte nach ausführlich auf alle vorgebrachten Anregungen ein. Die Berechtigung der Forderung nach Herabsetzung der Zuckerpreise erkannte er rückhaltlos an und betonte, datz diese Frage noch Gegenstand weiterer Verhandlungen sein wird. Die Darlegungen beider Minister wurden zustimmend zur Kenntnis genommen. Ein von den sozialistischen Parteien eingebrachter Resolutionsantrag forderte eine Neuregelung des Margarine-Kontingents und die beschleunigte Novellifierung des Kartellgesetzes. Er wurde dem Präsidium des Ernährungsausschuffes zur weiteren Veranlassung zugewiesen. Abgeordnetenhaus am 4. Dezember Das Präsidium des Abgeordnetenhauses be» schlotz, die nächste Plenarsitzung der Kammer für Mittwoch, den 4. Dezember, um 3 Uhr nachmittags anzuberaumen. Falls die weiteren Verhandlungen im Budgetausschutz programmätzig verlaufen, soll in dieser Sitzung bereits der Bericht des Budgetausschusses über den Staatsvoranschlag aufgelegt werden. Die Budgetdebatte würde dann, wie schon seinerzeit beabsichtigt, am 5. Dezember beginnen. Oer Landwirtschaftsminister zur Hopfenrestriktion Auf die Ausführungen des Genossen Taub im Budgetausschutz wegen Einschränkung der Hopfenanbaufläche teilte der Landwirtschaftsminister Folgendes mit: Durch daS Gesetz Nr. 86/1934 wurde die Anlegung neuer Hopfengärten nach dem 28. März 1934 verboten. Jeder, der bis zu diesem Tage nicht alle Anlegungsarbeiten vollendet hatte, sollte von den weiteren Arbeiten abstehen. Viele Hopfenbauern legten das Gesetz so aus, datz der Hopfengarten als angelegt zu betrachten ist, wenn auch nur einige Anlegungsarbeiten durchgeführt sind. Die auf diese Weise gegen das Gesetz angelegten Hopfengärten wurden teilweise freiwillig, teilweise unter amtlicher Exekutions-l androhung ausgelassen. Einzelne der angelegten Hopfengärten bestehen noch und es wurde gegen ihre Eigentümer das Strafverfahren nach Paragraph 9 des Gesetzes 95/1933 eingeleitet. Nach dem Gesetz 89/1934 werden neue Hopfengärten nur in ganz beschränktem Umfang in besonders berücksichtigungswürdigen Fällen bewilligt. Es geschieht dies auf Grund der Richtlinien, die das Landwirtschaftsministerium an die LandeS- behörde hinausgegeben hat, wobei darauf geachtet wird, datz die Hopfenanbaufläche nicht zu sehr erweitert wird. Wir behalten uns eine Stellungnahme zu den Ausführungen des Landwirtschaftsministers vor. Beratungen des Reichserziehungsbeirates Am Dienstag, dem 26. November, tagte in Prag eine Sitzung des Reichserziehungsbeirates, der die führenden Vertrauensmänner aller sozialistischen Organisationen zusammenfaßt, die sich mit der Erziehung des proletarischen Nachwuchses beschäftigen. Die Sitzung, die unter dem Vorsitz des Genossen Schweitzer tagte, nahm einen Bericht des Geschäftsführers, Genossen Paul, über die Arbeitspläne der einzelnen Organisationen für das Jahr 1936 entgegen. Diese Arbeitspläne wurden aufeinander so abgestimmt, datz sich bei der Durchführung keine Reibungen ergeben.' Die Zusammenarbeit der einzelnen Organisationen, die aus den vorgelegten Arbeitsplänen ersichtlich ist, wurde mit besonderer Befriedigung zur Kenntnis genommen.— Auf Grund eines Vorschlages der Gewerkschaften, der vom Genossen Weigel vertreten wurde, entspann sich eine ausführliche Diskussion über organisa- torische und pädagogische Grundfragen der so- zialistisöben Jugenderziehung. Der Reichserziehungsbeirat stellte einmütig fest, datz sich den sozialistischen Erziehungsmethoden noch ein weites Feld der Werbung unter der nicht crganisierten Jugend bietet; er richtet an alle angeschlossenen Organisationen den Appell, der Gewinnung dieser Schichten der proletarischen Jugend das Hauptaugenmerk zuzuwenden und die Werbung unter der bereits für eine Organisation gewonnenen Jugend einzuschränken.— Die Sitzung sitzt« ferner das Arbeitsprogramm des Reichserziehungsbeirates für die nächsten Monate fest und beschäftigte sich abschlietzend mit Fragen des Vertriebes guter Jugend- und Kinderbücher. Italienische Etappe Dessenungeachtet haben es die! rücktreten werde, -au-...».... ru~ r, r i* t v lassen, dak di- ai> 1 Sagestleiugfcelteti in anderen öffentlichen Lokalen. Eine interessante Erfindung New Uork. Professor Selby Maxwell hat ein besonderes Instrument erfunden» das die Veränderungen der magnetischen Pole der Erde verzeichnet, worauf die atmosphärischen Veränderungen beruhen. Mit Hilfe dieses Instrumentes wird es möglich sein, die atmosphärischen Veränderungen zehn Tage im vorhinein zu bestimmen, , da sich aber alle daraus verlassen, datz die aus dem Dienst entlassenen Offiziere nicht wieder zurückberufen werden. Der Führer der Venizelisten Sofulis legte dem König eine Denkschrift vor, in der erklärt wird, datz die Venizelos-Partei bereit sei, sich mit der neuen Situation abzufinden, datz sie aber auf die unbedingte Notwendigkeit einer Erteilung einer allgemeinen Amnestie aufmerksam mache. ‘ Der König berief daraufhin Demerzis zu sich. Morgans Klageschrei. Der Bankier P. Morgan, einer der reichsten Männer Amerikas, ist in ein grosses Ach- und Wehgeschrei ausgebrochen. Der Grund? Morgan behauptet, dass U.S.A. spätestens in dreissig Jahren keine Mil- lionäre mehr besitzen wird. Die Ursache dieses ihm so gross erscheinenden Unglücks sieht Mor- gan in der Rooseveltschen Steuer- und Taxen- Praxis.„JAermann", so erklärte der Dollar- fürst,„der gegenwärtig in Amerika Geld der- dient, arbestet acht Monate des Jahres für den Staat. Nur eine Ermässigung der Steuern und Taxen kann uns retten." Morgan ist in U.S.A. bekannt als„der Mann, der ungern Steuern zahlt". Erst kürzlich erfuhr die Oeffmtlichkeit, dass der Bankier schon jetzt, bei Lebzeiten, seinen künftigen Erben grosse Vermögen geschenkt hat, um auf diese Weise seine Steuerlasten zu verringern. Für jene, die die Klagen des Dollar- Millionärs als Unbeteiligte hören, entsteht eine immerhin nicht uninteressante Frage: wird es in dreißig Jahren wirklich keine Millionäre mehr in Amerika geben? Und wenn— hat sie die Besteuerungs-Praxis des wahnsinnig aufrüstenden Kapftalismus befestigt oder berests der inzwischen siegreiche Sozialismus? Tödliche Weg-Abkürzung. Der 25jährige Gendarmeriewachtmeister in Rychwald bei Tischen, Jan RimarLik, der aus der Slowakei stammt, ging mit seiner Braut, der 18jährigen Ottilie Kursiovskä, ins Kino. Die Gemeinde Rychwald ist ziemlich ausgedehnt und um sich den Weg zu verkürzen, benützte das Paar die Bahnstrecke der Kaschau- Oerberber Eisenbahn. Als der Schnellzug von Orlova anbrauste, sprangen Ri- maröik und die Kurnovskä auf das zweite Geleise,' auf dem jedoch in demselben Augenblick eine Lokomotive aus Oderberg angefahren kam, die beide erfasste und zermalmte. An der Unfallstelle traf sofort eine-Bereitschaftsabteilung der Gendarmerie und die Fahndungsstation ein. Die Leichen wurden in die Totenhalle gebracht. Prinz Liechtenstein als abessinischer Freiwilliger. Prinz Ferdinand Liechtenstein, österreichischer Staatsbürger, Neffe des regierenden Fürsten von Liechtenstein, ist dieser Tage nach Addis Abeba abgereist, um auf abessinischer Seite an den Kämpfen teilzunehmen. Die Bemühungen des Fürsten Starhemberg, ihn von diesem Plan abzuhalten, sind mißlungen. EllSworth meldet sich. In Wellington wurde ein Funsspruch des Flugzeuges Ellsworths aufgefangen, welches in der Richtung zur Walfisch-Bucht fliegt.(Von dem Flugzeug fehlte seit vier'Tagen jede Nachricht.) Nach einer Reutermeldung empfing auch der Dampfer„Monowai"» der nach Auckland unterwegs ist, einen Funsspruch Ellsworths, der in Ziffern seine Position anzugeben versuchte. Die Zeichen waren sehr schwach und fast nicht wahrnehmbar, das Sendezeichen der Ellsworth-Station wurde jedoch einigemal deutlich aufgefangen. Furchtbare Statistik. Aus London wird gemeldet: In der letzten Woche wurden bei B e r- kehrsunfällen 164 Personen getötet und 4203 Personen verletzt. In der gleichen Zest des Vorjahres wurden 146 Personen getötet und 3882 verwundet. Eine Bakafiliale ansgcraubt. In O p a t o« b k c ean der Elbe wurde gestern um Mitternacht das Geschäft der Firma Bata ausgeraubt. Die unbekannten Täter, allem Anscheine nach drei Personen, drückten das Fenster des Auslagekastens ein und entwendeten Schuhe, die dort ausgestellt waren. Der Schaden beträgt zirka 1000 XL. Durch die Zertrümmerung der Auslage wurde ein Schaden in der Höhe von 2000 XL verursacht. Nach den Tätern fahndet die Ortsgendarmerie in Gemeinschaft mit der Chrudimer Fahndungsstatton.' WeihnachtS-Rundfunk-Aktion 1935. Die Postverwaltung gewährt laut Verordnungsblatt des Ministeriums für Post- und Telegraphenwesen Nr. 52/1935 im Rahmen der Weihnachts-Rundfunk« Propagandaattion 1935 nachstehende Begünstigungen: Die Konzessionsinhaber von Radio-Empfangs- Siationen, welchen die Konzession in der Zeit der Werhnachts-Rundfunk-Propagandaaktion 1935, d. i.- in der Zeit vom 1. bis 31. Dezember 1935, verliehen wurde, haben die Rundfunkgebühr ausnahmsweise erst am 1. April 1936 zu bezahlen, jedoch nur unter der Bedingung, datz sie die Kdnzeffion wenigstens bis zum Ende des Jahres 1936 behalten. Falls der Konzessionsinhaber, welchem eine solche Begünstigung erteilt worden ist, auf die Konzession vor Ablauf des Jahres 1936 verzichtet, erlischt wohl die Verpflichtung zur Bezahlung der Rundfunkgebühr bis Ende des Monats, in welchem er die Konzession zurückgelegt hat,— dagegen ist er verpflichtet, die Rundfunkgebühren für die Monate Jänner bis März 1936 nachträglich zu begleichen. Die angefühtte Begünstigung bezieht sich nicht: 1. auf die bisherigen Kon» zeflionsinhaber, welche die Konzession im November oder Dezember 1935 zurückgelegt haben und 2. auf Personen, welche bloß um eine zeitweilige oder gelegentliche Konzession manchen. Wahrscheinliches Wetter Frettag: In den böhmischen Ländern vom Westen her Wetterverschlechterung) stellenweise Niederschlag, vorübergehende Erwärmung. Auffrischender Südwest- bis Westwind. In der Osthälfte der Republik wechselnd bewölkt, meist trocken, vielfach Nachtfrost.— Wetteraussichten für Samstag: Unbeständig und windig. Im Kar« vathengebiet wärmer, im Westen der Republik später wieder Abkühlung. Die Auswüchse des Die Sportkommiffion des Pers für körperliche Erziehung ihrer Sitzung am 27. November einige grundsätzliche Fragen und Einwände gegen den Sport, wie z. B- den verderblichen Einfluß des Besuches von Fußball-und Box-Wett- kämpfen auf die Jugend,, die Notwendigkeit der Beschränkung dieses Einflusses und die Mittel, die einer solchen Einschränkung dienen würden. Weiter wurde die Festsetzung der Altersgrenzen verhandelt, innerhalb deren unter normalen Verhältnissen die einzelnen Sportarten ausgeübt werden können, die Art der ärztlichen Beaufsichtigung der Wettbewerber und die Festsetzung, der Grundsätze der diesbezüglichen Zusammenarbeit mit den Schulen. Das Referat arbeitete Dr. Korker aus. Sein Elaborat wird der medizinwiffenschaftlichen Kommission überwiesen werden. Gegenstand der Verhandlungen bildete gleichfalls die Frag? der staatlichen und zwischenstaatlichen Ermöglichung und Unterstützung des- W i n t e r s p o r t s, sowie der Ausflüge und Exkursionen für alle Kinder. Rasender Mortimer London. Das Schwurgericht in Winchester verurteilte einen jungen Jnfanteriegefreiten namens Mortimer zum Tode, weil er mtt einem gestohlenen Kraftwagen auf einer Landstraße ein ihm persönlich unbekanntes Mädchen absichtlich übeahren Und getötet hatte. Ihm wurde nachgewiesen, datz er ähn- licheAttentate auf junge Mädchen bereits mehrere Male versucht hatte. Sports Beratungskör- behandelte in Schlußwort, das immerhin andeutet, datz Uner- bitterlichkeit anscheinend notwendig sein könne. Einen großen Teil der italienischen Kriegs berichterstattung nehmen die Meldungen von den Unterwerfungen von Stammesfürsten der Randgebiete ein. Nach ihnen herrscht eitel Freude unter der Bevölkerung, daß die fascistischen Trup- im Laufe des Donnerstag noch verschärft, pen endlich eingerückt find. Nicht unerheblich hat aber zu diesen Unterwerfungsaktionen beigetra- i Ministerrat stattfand, versammelten sich etwa 200 gen, datz De Bono überall, wo die Italiener ein-, Anhänger der gegenwärtigen Regierung, die laute rückten, verkünden ließ, alle Notabeln und kirch-, Rufe nach der Einführung der Diktatur und lichen Würdenträger hätten sich unverzüglich zum gegen die Amnestie ausbrachten. Unter feierlichen Unterwerfungsakt einzufinden, andern- i dem Vorsitz des Marineministers trat der Admi- falls sie als Feinde angesehen, also mutmaßlicher-\ ralsrat zusammen, der dem König einmütig vollweise erschossen oder in Gefangenschaft abgeführt( kommene Treue gelobte. Kriegsminister Papagos würden. Begreiflicherweise haben die Unterwer-! erklärte, als er nach der Audienz beim König das fungsccklärungen seitdem(20. Oktober) st a r k Königspalais verließ, daß nicht ein Offizier zuzugenommen. f~ übergelaufenen Stammesfürsten, so Gabriel! Telia und Ras Gugsa, für zweckmäßig gehal ten, der Bevölkerung mitzuteilen, das Abschneiden von Telegraphendrähten und die Beschädigung von Straßen stehe unter schwerer Strafe. Dinge, die nicht geschehen, braucht man bekanntlich nicht zu verbieten. Weiter rückwärts in der Etappe vollzieht sich mittlerweile dieSklavenbefreiu ng, von der in Genf dazumal so viel die Rede war. Bei den muselmanischen Stämmen der Randgebiete gibt es ja wirklich Sflaven: so wie nach einem italienischen Bericht an den Völkerbund von frü herer Zeit auch in den altitalienischen Kolonien. Doch sei dem wie ihm sei, dies mal mutzten die Sklaven natürlich befreit wer den. Sie wurden^hren bisherigen Herren abge nommen und in die Goldminen bei As mara, der erythräischen Hauptstadt, geschickt, wo sie Kisammen mit/den abessinischen Kriegs gefangenen dazu beitragen müssen, die dürf tige Golddeckung der Lira zu verbessern. Neben bei erfährt man» es habe in diesen Goldbergwer-- kcn bislang nicht gearbeitet werden können, weil es an Arbeitskräften gefehlt hat..Die Sklaven befreiung und die Einbringung der Kriegsgefan genen ist also recht nützlich— für die abessinische Zivilisation, die bekanntlich nur durch diesen Feldzug ermöglicht wird. Schwere Konflikte in Athen Der König beruft ein anderes Kabinett Der Gegensatz zwischen dem König und dem Ministerpräsidenten in der Frage der Amnestie, gegen die sich der Ministerrat aussprach, hatte sich Vor dem Gebäude des Außenministeriums, wo der Ueber den tatsächlichen Verlauf des Feldzuges in Abessinien vermag man sich allgemein nur sehr andeutungsweise Vorstellungen zu machen, da der italienische Pröpagandaapparat ebenso mitteilsam wie nichtssagend arbeitet, die abessinischen Berichte aber aus begreiflichen Gründen äußerst dürftig sind. Bei der Struktur desabessini- s ch e n Publikums ist die Kriegsberichterstattung auch wahrscheinlich äußerst unerheblich. Rur die fremden Korrespondenten benötigen Nachrich'ren- material. Das italienische Publikum, von der Regimepropaganda aufgepeitscht und in ein Abenteuer zweifelhaften Ausgangs hineingezogen, bedarf einer ausgedehnten Berichterstattung. Die nicht unerheblichen Opfer durch Einziehungen zum Militärdienst, Durchführung einer bereits ehr weitgehenden Kriegswirtschaft bedarf des Nachweises, datz etwas geschieht, datz die Fahnen des Imperiums« siegreich vorangetragen werden, daß die Bevölkerung der okkupierten Gebiete die Truppen des abgesägten Oberkommandanten D e Bono als Befreier begrüßt Haben- Auf diese und andere Weise erfährt man schließlich einiges aus der Etappe der italienischen Armee. Das interessanteste hierbei sind die verschiedenen Proklamationen. Der Feldzug begann ja mit Proklamationen. Während in Genf vertreten wurde, daß Abessinien in Ery- thräa einzufallen im Begriffe sei und man dem zuvorkommen müsse, proklamierte de Bono in Erythräa und Somaliland: Ihr habt in vorbildlicher Disziplin gewartet— nuymehr will der König und befiehlt der Duce, daß Ihr die Grenze überschreitet(3. Oktober). Einer seiner Ab- schntttsführer, der General Billa Santa tat ein übriges und verkündete schon einen halben Tag zuvor: Morgen zu früher Stunde werden wir den Mareb überschreiten. Auch die Bevölkerung von Erythräa wurde auf dem Wege einer Bekanntmachung ins Bild gesetzt, in der D e B o n o behauptet, daß die Bevölkerung von Tigre die italienische Jnterventton erwarte, vorsichtshalber jedoch zum Schlutz warnte, etwa„falsche Nachrichten" zu verbreiten oder die öffentliche Ordnung zu stören.„Ich Lin unerbitterlich" endete diese Proklamation, ein Judaslohn für G. B. Shaw Rom.(Stefani.) Das Propagandamini« stcrium veröffentlicht«ine Verordnung über die Aufführung und Veröffentlichung von Kunstwer- ketz, deren Autoren Ländern angehören, die Sanktionen gegen Italien durchführen. An den Theatern dürfen keineStückevonAutoren aus diesen Ländern aufgeführt werden, m i t Ausnahme von Shakespeare und Shaw. Für die französische Literatur wurden besondere Bedingungen festgesetzt, da, wie es in der Verordnung heißt, die Mehrzahl der französi- schen Intellektuellen einen für Italien günstigen Standpunkt eingenommen hat. Auch für die Opern gilt dieses Verbot; es wird nur eine bestimmte Zahl französischer Opern zur Aufführung zugelassen werden. Auf Konzerten dürfen nur einige spanische und ftanzösische symphonische Kompositionen gespielt werden. Die sogenannten leichten Musikstücke jener Autoren, deren Heimatländer Sanktionen durchführen, dürfen nicht aufgeführt werden. Auch Künstler aus diesen Staaten dürfen in Italien nicht mehr wirken. Nur ganz geringe Ausnahmen wurden für einige französische Künstler und russische Emigranten, die über einen Nansen-Paß verfügen, gemacht. Auch Emigranten aus anderen Ländern, die einen Nansen- Paß besitzen, dürfen in Italien arbeiten. Der Rundfunk wird nur italienische Musikwerke und Werke aus jenen Ländern aufführen, die keine Sankttonen durchführen. Die gleichen Bestimmungen gelten für die Orchester in den Kinos und Vom Rundfunk ImHahlunswertcs aus«San Programmaal Samstag: Prag, Sender L: 1 10.05: Deutsche Press«, 11.05: Jazzorchester, 12.10: Opernouvertüren, 13.40: Leichte Musik auf Schallplatten, 16.05: Militärkonzert, 18.45: Deutsche Sendung: Die Teufelchen auf der Himmelswiese, Märchenoper für Kinder, 18.45: Deuffche Presse, 21.05: Jugoflawische Volkslieder. Sender S: 7.30: Leichte Musik, 14.10: Deuffche Sendung: Chansons, gesungen von Rösler, 18: Mexikanische Musik.— Brünn 17.40: Deutsche Sendung: Gitarrenmusik.— 19.55: Buntes Ope- * rettenprogramm. Nr. 278 Freitag, 29. November 1935 Seite 5 Ein vertrauensseliger Bräutigam und ei« psychopathisches Weibchen Marie Klapka vor Gericht De« Bräutigam bestöhle«, be« Geliebte« mit Geschenken überschüttet Prag. Der starke Andrang, der Donnerstag im VerhandlungSzinuner des Strafsenates H r u s k a herrschte, zeigte an, daß ein besonderer Fall zur Verhandlung stand. Dem war auch wirklich so, denn vor den Richtern stand die 21jährige Marie Klapka, deren Affäre vor etwa zwei Monaten grohes Aufsehen erregt hat, und neben ihr ihr Geliebter Ottokar Chruma, ein 27jähriger Beamter der Pensionsanstalt. Außer den beiden Angeklagten tritt noch eine Hauptperson auf: der junge Advokat Dr. B o h u s l a v E., der offizielle Bräutigam der Marie Klapka, als Zeuge und Geschädigter. Die von Staatsanwalt Dr. T o m s a vertretene Anklage legt der Marie Klapka das Verbrechen der Veruntreuung, des Diebstahls und des Betruges zur Last und der entwendete Betrag beträgt an 180.090 Kc, von denen allerdings ein Großteil wieder zuftandegebrachi wurde. Kurz gesagt: Marie Klapka hat ihren Bräutigam. der ihr ungemessenes Vertrauen schenkte, schamlos bestohlen, um ihren Liebhaber mit kostspieligen Geschenken aller Art zu überschütten. Dieser Roman eines pathologischen Weibchen- dürfte die Psychologen mehr interessieven als di« Juristen, denn vom Standpunkt des Strafparagraphen liegt der Fall vollkommen klar. Marie Klapka ist«in moderner DurchschnittS- typ. Schlank, gut gewachsen, mit künstlich blondem Haar. Tochter eines akademischen Malers, aufgewachsen in reichlich zerrütteten Familienverhältnissen. Der Vater unterhielt allerlei Verhältnisse, die Mutter starb vor einiger Zeit und hinterließ ihrer Tochter eine Versicherungspolizze auf 80.000 KL. Bon einer geregelten Arbeit wollte Marie nichts wissen und hat niemals einen Beruf gesucht. Sie spekulierte auf ihren sex appeal. Nicht ohne Erfolg. Im Vorjahr machte sie auf einen Ball die Bekanntschaft des jungen Advokaten Dr. E., der sich in Marie Klapka verliebte und mit ihr verlobt«. Als er im Herbst einrücken mußte, übergab der allzu- vertrauenSselige Bräutigam seiner Braut die Schlüffe! z« seinem Schließfach» in welchem sechs Sparbücher verwahrt waeen, die ans zusammen 180.000 UL lauteten. Da er ihre unerfreuliche finanzielle Lage kannte, setzte er ihr für die Zeit seines Militärdienstes eine Monatsapanage von 1500 KL aus und ermächtigte ste gleichzeitig, diesen UnterhalSbeitraq für zwei Jahre im voraus zu beheben. Während er nun aus seiner Garnison seiner vergötterten Braut die zärtlichsten Briefe schrieb, plünderte diese die Sparbücher ihres Bräuti- gamsbis auf einen winzigenRest aus. Nicht für fich allein. Denn sie hatte im Herbst(unmittelbar nach der Einrückung ihres Bräutigams) eine neue Bekanntschaft gemacht. In einer Bar Spindelmühle lief, ihr,>•,< i der Mitangeklagte Ottokar Chrmna in den Weg, mit dem sie sofort eine intime Bekanntschaft anknüpste.(Chrmna war übrigens nicht der einzige Liebhaber, den dieses Weibchen akquirierte.) Nun entwickelte sich ein sonderbares Zusammenleben. Chrmna war«in kleiner Beamter mit 1000 KL MonatSgage und Marie Klapka gefiel sich darin, die Rolle einer großen Finanzierin zu spielen. Nicht nur, daß sie diesen Geliebten überall in üppigster Weise freihielt— ste überschüttete ihn auch mit den kostspieligsten Geschenken, kaufte ihm ein Auto, mietete ihm ein« luxuriöse Wohnung für 11.500 KL Jahresmiete, schenkte ihm die kostbarsten Wertgegenstände— alle» auS dem Geld, das sie ihrem Bräutigam stahl. DaS Beweisverfahren brachte groteske Einzelheiten zutage. So bemängelte fie einmal, als ste mit ihrem Kumpan in einer Luxusbar zechte(natürlich auf ihre Kosten). daß er eine so armselige Armbanduhr habe. SierißsieihmvomHandge- lenk und zerschmetterte sie auf dem Boden der Tanzdiele. Am nächsten Tag kaufte sie ihm eine neue Armbanduhr für 450 KL. Dieses Beispiel für viele andere. Kurz und gut, als der ahnungslose Bräutigam eines Tages auf Urlaub heimkam und sein Schließfach revidierte, muffte er feststellen, daß seine Braut nahezuseingan- zes Vermögen verpulvert hatte. Marie Klapka ist voll geständig und so blieb nur noch die Rolle ihres Mitangeklagten Liebhabers aufzuklären. OttokarChruma bestritt jede Mitwisserschaft um die verbrecherischen Machinationen seiner Geliebten. Er habe Marie Klapka heiraten wollen und ihren Vorspiegelungen Glauben geschenkt, daß sie ein« Millionenerbin fei und nach ihrer Mutt« eineinhalb Millionen KL geerbt habe. In dieser Annahme bestärkte ihn ihr luxuriöser Lebenswandel und die kostspieligen Geschenke und Aufwendungen. Als fie ihm das Auto schenkte, bemerkte sie, dies sei„der Anfang ihres gemeinsamen Lebensweges". Sie setzte eine Art Verlobungszeremonie in Szene, indem sie ihren Geliebten in eine Kleinseitener Kirche schleppte uind dort ihm und sich Eheringe ansleckte, die sie zuvor in den Weih- waffrrkeffel getaucht hatte, womit gewissermaßen ihr Bund für geweiht gelten sollte. ES muß vermerkt werden, daß die irrsinnige Verschwendungssucht der Angeklagten sich nicht aus ihren Liebhaber beschränkte. In der gleichen Vernunft« und hemmungslosen Art hat sie auch eine Reihe von Verwandten bedacht. Diese Psychopathin war offenbar von ihrer Rolle als„Millionenerbin" besessen und setzte dieses, von Schimdfilm und Schundroman genährte„Jdeal"bild in kriminelle Wirklichkeit um. Bezeichnend ist, daß ste in ihrer Rolle als Millionärin ihrem Liebhaber mit geringschätziger Handbewegnng erklärte: ,,D« Beamtenstand ist kern Stand— das ist ein Eleuddaseio«, mit dem ich nicht» zu tun Haban will." In der Untersuchungshaft zog sie indessen andere Saiten auf und beschuldigte plötzlich ihren Mitangeklagten Geliebten, daß er von allem gewußt und fie sogar zu allen Straftaten angestiftet habe. Diese Aussage hielt sie auch bei der Hauptverhandlung aufrecht. Bei dieser Aussage spielten im Gesicht des Mitangeklagten alle Muskeln vor Erregung. Bei der hierauf erfolgenden Konfrontation beschwor er„seine Ma- ryskä", sie solle doch„im Namen GotteS und beim Andenken ihrer Mutter die Wahrheit sagen". Und Marie Klapka erklärte mit eintöniger Stimme, sie habe, bei Gott und beim Andenken ihrer Mutter, die Wahrheit gesagt.— Derartige Eide von Angeklagten haben allerdings vor Gericht keine Gelmng. Der geschädigte Hauptzeuge Dr. E.(übrigens ein sehr hübscher und sympathischer Mann) benähte sich, seilte" gewesene Braut sticht zu belasten.' Seine Aussagen beschränkten-sich auf die Bestätigung der bereits bekannten Tatsachen. Der Hauptangeklagten kommt zugute, daß durch Beschlagnahme des Autos, der Wohnungseinrichtung und verschiedener Wert- fachen der Schaden zum großen Teil gutgemacht erscheint. Unter den Sicherstellungen befindet sich u. a. auch die auf 50.000 KL lautende Versicherungspolizze der verstorbenen Mutter der Angeklagten. Da aber— bezeichnenderweise— der Vater der Angeklagten die Ausfolgung des Totenscheinesverweigert, gegen dessen Vorlage nach den Versicherungsbedingungen die Versicherungssumme liquidiert werden soll, stehen noch zivilrechtliche Auseinandersetzungen bevor. Wenn man diese Polizze einbezieht, beträgt der Schaden nur etwa 20.000 KL. Der Gerichtshof verurteilte MarieKlapkaz« einem Jahr schweren und »«schärften Kerk«— bedingt auf drei Jahre. OttokarChruma wurde freigrsprochen. In der Urteilsbegründung wird für Marie Klapka ihr Geständnis und die teilweise SchadenS- gutmachüng als mildernder Umstand angeführt. Was Ottokar Chrmna betrifft, so erfolgte der F r e i- spruch mangels Beweisen, wobei betont wird, daß sein Vorgehen nicht eben die besten Rückschlüsse auf seinen Charakter zulaffe. rb. Kind und Kino AuS Genf wird uns berichtet: Im Sinne der Beschlusses deS Völkerbundrates über die Beschaffung möglichst vollkommener und genauer Berichte über die Entwicklung lehrhafter und unterhaltender, eigenS für die Jugend bestimmter Filme, wandte sich der Generalsekretär deS Völkerbundes an alle Mitgliedsstaaten mit dem Ersuchen, bis Ende Jänner 1938 sechs Hauptftagen zu beantworren: 1 Altersgrenze für die Zulassung von Kindern in öffentlichen Lichtspieltheatern. 2. Welche Vorkehrungen bestehen bei unbeschränkter Zulassung von Kindern zu Kinovorstellungen, um die Vorführung ihrem Alter nicht entsprechender Filme unmöglich zu machen. з. Mitteilung der Ergebnisse einer allfällig durchgeführten Enquete betreffend die Zahl der Kinovorstellungen für Kinder und Jugendliche, über den Einfluß solcher Vorstellungen auf die Mentalität und das Benehmen der Jugend. 4. Wurden besondere Kinovorstellungen a) für Kinder und für Jugendliche überhaupt, b) für ganze Familien organisiert?(Es ist ein detaillierter Bericht über die Organisation solcher Vorstellungen, über die Art der Vergütung der mit ihnen verbundenen Kosten, Mer die AuSNxchl der Filme und über die erzielten Ergebnisse zu erstatten.) 5 Welches find die Ergebnisse einer allfälligen Enquete Mer die geeignetesten Filme für Kinder und Jugendliche? Haben Behörden, Industrie« oder andere Unternehmungen Anstalten zur Herstellung besonderer Filme für Kinder getroffen(außer rein erzieherischen Filmen)? Es ist an Beispielen zu zeigen, ol hiebei Kinderliteratur einschließlich Märchen, Tiererzählungen und Schilderungen aus dem Schulleben и. a. verwendet wurden. Der Fragebogen der VölkerbundsekretariatS er» sucht schließlich die Regierungen der Mitgliedsstaaten, ihren Antworten, Anregungen, betreffend die Erzeugungsmethoden von Kinderfilmen, anzuschließen. Radfahrer tödlich verunglückt. Donnerstag vormittags fuhr der 47 Jahre alte Maurer Josef R e i tz n e r aus Meierhöfen, als er mit dem Rade an einer stark abschüssigen Stelle der Staatsstraße zwischen Elbogen und Karlsbad in voller Fahrt einem über den Weg laufenden Jungen ausweichen wollte, mit voller Wucht auf einen Randstein auf und erlitt hiebei so schwere Verletzungen, daß er nach der Einlieferung ins Krankenhaus starb. Rechner hinterläßt eine Frau und mehrere Kinder. 20 Stunde« in einer Wand. Die 47jährige Private JosefinL S t e p a n aus Buschowitz, Bezirk Podersam in Böhmen, die sich zur Zeit bei Bekannten in der Ortschaft Stollhof aufhält, verbieg sich bei einem Ausflug auf die Hohe Band(Niederissterreich) und stürzte 15 Meter tief ab. Sie mußte 20 Stunden lang auf ihre Rettung warten und wurde erst Donnerstag früh total erschöpft und mit zahlreiche« Verletzungen zu Tal gebracht. Internationale Kokainschmnggler. Die Belgrader Polizei ist einer großen internationalen Bande von Kokainschmugglern und-Verkäufern auf die Spur gekommen. Der Führer der Bande, Eugen Katolik, wurde mit seiner Lebensgefähr- tin, bei der er in Belgrad lebte» verhaftet. In ihrer Wohnung fand man viel Kokain und Korrespondenz, aus welcher ersichtlich war, daß er Mit dem Auslande in Verbindung stand. Einen Teil der Bande griff die Polizei in Susak auf, als sie sich anschickte, auf dem Flusse Rjeka Kokain zu schmuggeln. Die Bande hatte auch in Belgrad Komplizen. - Abermals Erdbeben in Stalinabad. Nach einer Meldung aus Stalinabad, der Hauptstadt der zentralasiatischen Republik Tadschikistan, die erst kürzlich von einem katastrophalen Erdbeben heimgesucht wurde, hat sich dort ein neues Erdbeben in der Nähe der Hauptstadt ereignet. Ein Dorf wurde zerstört und 83 Häuser d e r n i ch t e t. E» ist unbekannt, ob auch Todes- vpfer zu verzeichnen sind. Plötzlich das Gedächtnis wiedergrfnnden. In einem Krankenhaus von Jersey City wurde ein Mann entdeckt, der bereits zehn Jahre als vermißt gilt und gerichtlichalstoter- klärt worden war. Er litt an Gedächtnisschwund. Jetzt gewann er sein Gedächtnis plötzlich wieder zurück und berief seine Frau und Mut- t e r zu sich, welche ihn auch erkannten. Augenbrauen auSrrißen ist lebensgefährlich. Eine löjährige Friseuse in Birmingham ist zwei Wochen, nachdem sie sich die Augenbrauen ausgerupft hatte, nn einer Infektion gestorben. Der Arzt, der die Todesursache festzustellen hatte, rrklätte, daß dies bereits der zweite Fall in diesem Jahre sei, daß«ine Fran die Folgen ihrer Albernhest mit dem Tode be» kahlen mußte. In den Schulen de» Tritten Reiche» ist es jetzt nm Samstag recht still, denn alle, die mtt der Hit- strjugend marschieren, sind am„Staatsjugendtag" schulfrei. So auch in einer Berliner Klaffe— bis auf Fritzchen, das ganz allein erschienen war. Der Herr Lehrer spricht:„Hör mal, Fritzchen, nun sind wir ganz allein da. Sieh mal, nur Deinetwegen Muß ich heute in die Schule kommen. Möchtest Du nicht auch lieber mit der HI. marschieren?" Fritz- chen antwortet sinnend, er wolle sich da» überlegen. Der Lehrer hofft schon, nun auch wie viele seiner Kollegen, zum freien Samstag zu kommen. Aber al» er gewissenhafter Weiser und vermeintlich zum setzten Male hingeht, fitzt Fritzchen wieder da.„Nanu Fritzchen, ich dachte doch. Du würdest nicht mehr kommen?"—„Ach, Herr Lehrer, wissen Sie: Wenn dar P j e r t e Reich kommt, dann sind wir zwei, Tie und ich, die a l t e n Kämpfe rl" Hyänen im Ruhestand Wien, im November. Er ist erreicht. Herr Fey hat— zwar nicht seinen Zujublern vor dem Rathaus den versprochenen„Platz an der Sonne" — aber sich selbst den erwünschten Platz im Wirtschaftsleben erkämpft. Er ist Präsident der Donau-Dampfschiff-Fahrts-Gesellschaft geworden und bezieht ein Monatsgehalt von 2500 Schilling. Sein Vorgänger, Herr Pöschmann, der sich mit einem„Dank für seine Tättgkeit" und sonst nichts ab finden mußte, bezog nur 850 Schilling monatlich. Oesterreichs Finanzlage bessert sich zusehends, wie man vermutlich demonstrieren will. Aber Herr Fey— im Grundberuf Diktatoraspirant— gibt sich mit einer Einzelstellung nicht zufrieden. Sr hat die allzu ehrenvollen und verdienstlosen Posten— wie etwa den eines Präsidenten der Bundesbahnen(man hoffte dabei, ihn gegen den derzeitigen Präsidenten Vaugoin, seinen alten Feind, ausspielen zu können), oder eines Gesandten in Rumänien, eines Direktors der Post oder deS Dorotheums und die vielen anderen kleinen Stellen,« die mit seiner Person besetzt werden sollten, nicht vergebens ausgeschlagen. Er will, da er zum Gehen gezwungen wurde, ein„Rennen" machen. Und die Berwal« tungSräte, Präsidenten, Vorstände, Direktoren und Leiter von öffentlichen Unternehmungen etc.» schüttelt ein Zittern, wenn sie daran denken, wie viele Stellungen Herr Fey noch konsumieren wird. Denn bekanntlich hat dieser Major, Gene ralstaatssekretär, Vizekanzler und Bundesminister— alles a. D.(AdLI)— einen sehr guten Magen und ein leeres Säckel. Und bekanntlich gilt das Doppelverdienergesetz nur für die armen Leute.— Ja. Man wird noch manche neue Stelle schaffen, noch manche„dankende" Entlassung durchführen müssen, um die Wünsche dieses Herrn zu stillend Um ihn vergessen zu machen, daß er eigentlich Kanzler werden wollte. Um die Erinnerung zu kompensieren, daß er eigentlich eine Woche lang Regierungsgefangener gewesen ist.(Rach seiner Absetzung war Fey längere Zeit in seiner Wohnung interniert. Er wurde Tag und Rächt von Detektiven bewacht, durfte keinen Besuch empfangen und konnte keine Telephongespräche führen. Besonders„gut" informierte Kreise wußten sogar von seiner Ueberführung nach Wölkersdorf.) Um ihn über den Entgang seiner zweifellos nicht geringen Nebeneinkünfte als Konttollor der Privatwirtschaft zu ttösten. Und— vor allem— um ihn zum„freiwilligen" Rücktritt von der Leitung der Wiener Heimwehr zu bewegen. Denn Starhemberg, der Siegreiche des Tages, mutzte die gesamte Heimwehrführung haben. In Wien stand Fey ihm noch im Wege. Also muß er„erledigt" werden. Doch Starhemberg— seines Zeichens ein Kaiseraspirant(er erklärte den Auslandjournalisten, daß ihm der Bundeskanzlerposten wohl angeboten war, doch zu gering sei und wenn von einer Wiederherstellung der Monarchie gesprochen wird, man nicht vergessen dürfe: die Linie Starhemberg sei älter als die der Habsburger),— erledigt seine Geg- Gömbös in Wien Neue diplomatische Operation auf der Linie Rom—Berlin? Der ungarische Ministerpräsident ist Donnerstag zu einem Besuche in Wien eingetroffen, der ganz offiziell verläuft und den GömböS tor der Mreise selbst als politischen Besuch bezeichnet hat. Wenige Stunden vor dem Eintreffen Göm- bös' in Wien hat der Außenminister Berger- Waldenegg in seinem Expose vor dem sogenannten Bundestag versichert, daß Oesterreich der Freundschaft mit Italien— lies: der tributären Abhängigkeit von Italien— treu zu bleiben gedenke. Er erklärte zwar auch, daß man ungeachtet dessen mit England und Frankreich in herzlichen Beziehungen stehe, doch dürfte diese Herzlichkeit, mindestens was England betrifft, sehr einseitig österreichisch geworden sein. Es hat den Anschein, als sollte der Besuch Gömbös', der seinerseits vor der Reise nach Wien in einer Rede ebenfalls die Freundschaft zu Italien und zu Deutschland als geographische Notwendigkeit für Ungarn erklärte, der Politik desmitteleuropäischenRevisions- b l o ck S dienen. Die nach links„versöhnlichen" Reden österreichischer Minister scheinen in Rom» Berlin und Budapest einen unangenehmen Eindruck gemacht zu haben. Die Geldnot der österreichischen Regierung bedingt ihren Hang nach London. Vielleicht soll GömböS dahin wirken, daß Oesterreich in der römischen Front bleibt, der fich ja neuerdings auch Berlin wieder genähert hat. kosenderg wird Minister? Als Nachfolger Rusts Berlin. Unterrichtsminister Rust, der in- Folfe einer schwerenKrankheit beurlaubt ist, wurde von Professor Sauerbruch operiert und dürste infolgedessen kaum in der Lage sein, die Geschäfte seines Ministeriums zu führen. Man glaubt deshalb in nationalsozialistischen Kreisen, daß Alfred Rosenberg interimistisch mit der Leitung des Ministeriums betraut werden wird. Bekanntlich ist der Chefredakteur des„Völkischen Beobachters" Rosenberg auch der Ueichsbxauf- des Führers für die weltanschauliche Erziehung der nationalsozialistischen Partei. Das Flüchtlingsproblem Genf.(Tsch. P.-B.) In Genf trat Donnerstag der Sonderausschuß des Völkerbundrates zusammen, der mit der Prüfung des Entwurfes der norwegischen Regierung zwecks Schaffung einer Hilfsorganisation für alle Flüchtlinge betraut ist. Dieser Ausschuß soll über festzusetzende Vorgehen Übereinkommen,-durch das eine Zu-' sainmenarbeit" der M ftgli e b staakÄ?' des Volkers Hundes mit Deutschland'bei der Erledigung des heiklen Problems der deutschen Flüchtlinge ermöglicht würde. Der Ausschuß betrachtet diese Frage als ein rein soziales und unpolitisches Problem und ist bemüht, den besten Weg zur Vereinheitlichung aller Bemühungen zum Schutze der Flüchtlinge zu finden. USA geben die Ausfuhr frei? Washington.(Reuter.) Obwohl genaue amtliche Nachrichten nicht vorliegen, verlautet, daß die Regierung bestrebt ist, ein Mittel zu finden, das die Aufrechterhaltung der Ausfuhr aller Rohstoffe nach den kriegführenden Ländern in normalen Grenzen ermöglichen würde. Das gegenwärttge Neutralitätsgesetz verliert seine Gültigkeit und es wird ein n e u e s Gesetz angenommen werden, in dem daran gedacht sein werde, daß die Ausfuhr von Roh st of- f e n nach kriegführenden Staaten nicht gehemmt und in einer Höhe bewilligt werde, die dem Durchschnitt der Ausfuhr in normalen Zeiten entspricht. ner nicht mit Feuerwaffen. Er wirst ihnen lieber Präsidentenposten hin.» Das ist genau so wirksam und ungefährlicher. Und vor allem schnappen die Gegner gerne zu. Schon hat sich Fey bereit erflärt, aus dem politischen Leben zu verschwinden. Wortlos hat er die Einstellung seines Blättchens„Oefterrei- chische Abendzeitung" geduldet. Die Vermögensliquidierung der Zeitung übernimmt die Bundesleitung der Heimwehr. Sie wird vermutlich weniger„Vermögen" als anderes zu liquidieren haben. Denn das„vielgelesene" hochoffiziöse Blatt erschien gewissermaßen unter Oeffentlichkeitsausschluß. Und die Mitglieder der Redaktion werden vermutlich weniger einen „Platz an der Sonne" als eine Nummer im Arbeitslosenamt bekommen. Es ist nun einmal so und die Regierung betont es stets sehr nachdrücklich: Opfer muß man bringen. Herr Fey ist wieder einmal Vorbild. Mer wie wäre es, wenn er— der ständig auf der Suche nach neuen Geldquellen ist— seine Memoiren schreiben würde?— Er könnte vielleicht verraten, wohin der Dollfußfonds gekommen ist. Er könnte vielleicht sagen, was aus den Mitteln des Feyfonds geschaffen wurde. Er könnte— vielleicht— die Hintergründe des 25. Juli 1934 enthüllen. Und könnte der Wett aus seiner dreijährigen Praxis auch sonst viel Wissenswertes mitteilen. Ein Buch:„Mein Kampf" von Emil Fey fände bestimmt reißenden Absatz. Seite k „Sozialdemokrat" Freitag, 29. November 1935. Nr. 278 Kunst und Mssen k Spwt-Spkt-JC&qKfpffegt VeeeinsnacLeiMen Unsere innigstgeliebte Gattin und Mutter Julie Hackenberg Julie Hackenberg Elisabeth BergnerS neue Filmrolle ist die Rosalind in Shakespeares Komödie„Wie es euch gefällt" Theodor Hatkenderg Dori Hackenberg eikmq Spielplan de» Neuen Deutschen Theater-. Freitag, halb 8 Uhr: Venus ins Seide, D 1. — Samstag, halb 8 Uhr: M a e b e t h, Erstaufführung, BI.— Spielplan der Kleinen Bühne. Heute, Freitag, 8 Uhr: Kameraden, Theatergemeinde des Kulturverbandes und freier Verkauf. Samstag 8 Uhr: Damals ündheute(1900 bis 1935), Erstaufführung. Ortsgruppe Prag. Samstag, de» 30. November: Zusammenkunft um halb 3 Uhr beim Autobus in Emicho». CafL Westend. Sonntag: Wan« derung von der Hütte ins Sazavatal. Hüttendienst: Zechner.— Voranzeige. Nikolo« feier in der Hütte am 7. Dezember. Da nur be« schränkter Raum vorhanden, ist eS notwendig, daß sich die Interessenten rechtzeitig in der Geschäfts« stelle anmelden. Geschenke werden in der Hütte zur Verteilung entgegengenommen. rigen Emil Blalek aus Smichow aus dem Wasser, der Sonntags von der Jiräsckbrücke in die Moldau gesprungen war. Seine Leiche sowie die der Elschle- ger wurden ins Institut für gerichtliche Medizin gebracht. o__ den musikalischen Begebenheiten der Prager Konzertsäle. Das Prager Streich-Quartett der Herren Schwehda, Berger, Cerny und VeLtomov hatte einen Streichquartettabends ins Werk gesetzt, dessen Programm nach dem Grundsätze aufgestellt war, durch Musterwerke für die Kammermusik zu werben. Man hörte Beethovens Quartett opus 95, eines jener schönsten Werke des Meisters, in denen persönlichste Bekenntnisse auftlingen, sodann Leos Janäöeks Zweites Streichquartett, dessen Untertitel.Intime Blätter" schon verrät, wie sehr es dem Komponisten darin um persönliche Empfindungen geht, und schließlich Smetanas Streichquartett„Aus meinem Leben", jenes erschütternde musikalische Lebensbekenntnis des großen tschechischen Klassikers. Das Prager Quartett hatte sich dieser Werke mit besonderer Liebe angenommen. Im klanglich schön ab- gcslimmten und technisch präzisen Zusammenspiel sowie in der ausdrucksreichen Vortragsgestaltung der Künstler machten namentlich Beethovens und Smetanas Quartett tiefsten Eindruck auf die zahlreich erschienene Zuhörerschaft. /— Einen Konzertabend ganz seltener Art dankte man dem Primarius des genannten Prager Quartettes und Meisterlehrer deS Violinspieles an der Prager Deutschen Musikakademie, Professor Willy S ch w e y d a und seiner Gattin und Schülerin Margarete H ö n l; er diente der konzertanten Musik für zwei Violinen, der man in den Konzertsälen fast gar nicht mehr begegnet und die doch als solistische Doppelkunst doppelt wettvoll und begehrenswert ist. Schweyda und seine Gattin erscheinen geradezu prädestiniert für die Wiedergabe dieser Doppelkunst; nicht nur deswegen, weil sie alS lebensverbundene Menschen auch künstlerisch ständig Gelegenheit haben einverständlich zu musizieren und die höchste Vollendung im Duospiel zu erreichen, sondern auch und vor allem deswegen, weil die Art ihres Violinspieles, nämlich ihr schöner, voller Ton und ihr Vortragsstil fast vollständig übereinstimmen. Schweydas große, überlegene und ausdrucksstarke Geigenkunst wird in den Prager Konzertsälen längst gebührend geschätzt. Erfreulich ist es, nun auch seine hochbegabte Gattin dem Konzertsaal wiedergewonnen zu sehen; in dir Schönheit und Fülle des Geigentöties'steht sie ihrem Gatten und Meister kaum nach, in der temperamentvollen Lebendigkeit des Spieles aber ist sie ihm vielleicht sogar überlegen. Das Programm des Künstlerpaares enthielt wertvollstes älteres, und modernes Kunstgut. Ein Konzert von V i v a l d i, eines von Joh. Seb. Bach, einen Canon und Fuge von Reger, eine Sonatine von Honegger und eine Sonate von M i l h a u d. An Kapellmeister Frank Pollak hatten die Konzertgeber einen verständnisvollen und zuverlässigen Partner am Flügel. — Ein beachtenswertes Konzert tschechischer Novitäten hatte die Musiksektion des Tschechischen Kunstvereines(„Hudebni matice umkleskö besedy") veranstaltet; Wohl hauptsächlich zu dem Zwecke, mit neueren Werken tschechischer Tonsetzer, die der rührige Verlag dieses führenden tschechischen Musikhauses in der letzten Zeit! veröffentlicht hat oder zu veröffentlichen gedenkt, bekannt zu machen. Die aufgefühtten Werke repräsentierten das zeitgenössische tschechische Musikschaffen ebenso zahlreich wie mannigfaltig. Man hörte ihren Titel entsprechende„Schlichte Motive" des jungverstorbenen, hoffnungsvollen Jaroslav Jeremias und eine kraftvoll bestimmte Sonate von OttokarJeremias für Klavier, eine rhythmisch fesselnde und inventionsstatte Sonate für Violine und Klavier von dem weniger bekannten Emil Hlobi<, vier als„Erneuerte Bilder" bezeichnete aparte Klavierstücke von Boleslav B o m ä L k a, eine temperamentvoll komponierte und thematisch sowie harmonisch eigenwillige Sonate Jack Holt und Lilian Bond in dem Film„Die Insel der Aufständischen"- Die„Arbeiterfürsorge" ruft Der Bezirksverein„Arbei- t e r f ü r s o r L e" setzt seine Sammelaktion für die Arbeitslosen des Kamnitztales im Jsergebirge am Sonntag, dem 1. Dezember, vormittags, fott. Unsere Sammler kommen in die Wohnungen und holen, was Sie für uns vorbereitet haben, ab. Wir sammeln abgelegte Kleider, Wäsche, Schuhe und Geld. Die Hilfe derer, die noch Arbeit und Brot haben, für die von Arbeitslosigkeit und Not bedrängten Menschen, ist eine selbstverständliche Pflicht der Solidarität. In den Randgebieten siechen die Kinder dahin, ihre Väter und Mütter stehen mit leeren Händen und können der Not und dem Hunger nicht wehren. Voll Treue, waren sie stets am Platze, wenn es galt, für die Forderungen ihrer Klasse zu kämpfen. Immer standen sie als Pioniere der Arbeiterbewegung bereit. Jetzt heißt es Treue um Treue. Wir zählen auf Ihr Klassenbewußtsein und rechnen mit Ihrer Beisteuer. * Die Jugend- und RW-Genossen und-Genossinnen, die den Sammlerdienst versehen, können am Freitag abends voy 6 bis 8 Uhr, und am Samstag von 2 bis 4 Uhr das SamMel- material im Vereinsheim, Närodni tr. 4. in Empfang nehmen. die in London unter der Regie Dr. Paul Czinneri verfilmt wird. „Klar zum Gefecht!" im Wettbewerb um den ftanzösischcn Filmpreis. Der französische Merkur« Film„Klar zum Gefecht" mit A n n a b e I l a in der Hauptrolle gelangte mit fünf weiteren Spitzenfilmen in die engere Wahl um den ftanzösischen Filmpreis 1935. Die Entscheidung fällt noch im Laufe dieser Woche. DTI neuerdings gegen die Olympischen Spiele in Berlin Wie wir bereits an.'.cser Stelle mitteilten, tagte am ver gen^n Samstag und Sonntag im „Lid. dum", Prag II, die Konferenz d e r B e« zirks- und Kreisvertreter der DTI, welche P. a. Vee^andlungspunkten auch ihren~ rnd« punkt zu den Olympischen Spielen in Berlin in folgender Entschließung bekanntgab: „Die Konferenz der Bezirks« und Kreisvcrtre« ter der DTI, welche in Prag am 23. und 24. No« vember 1935 stattfand, genehmig die bisher durch« geführte Aktion des Verbandes de? DTJC gegen die Olympischen Spiele in Deutschland und erklätt die Solidarität der gesamten DTJ-Bewegung mit sämt« lichen fortschrittlichen Organisationen in der Tsche« choffowakischen Republik und in den übrigen Staate» der Welt, welche im Kampf und Boykott der OIYM« piade in Berlin stehen." für Cello und Klavier v n Otwkar Sin und lleinere, aber höchst charaktettstische und anregende Klavierstücke„LeS Ritournelles" und„Skizzen" von Bo- huslav M a r t i n ü. Für die künstlerische Durchführung des Programmes waren die besten ffchechischen Konzertkünstler gewonnen worden: Prof. Friedrich Jaros(Cello), Richard Z i k a(Violine), Prqf. Dr. Wenzel S t ö p ä n und Karl Sole(Klavier), sowie Mitglieder des OndkiLek- Quartettes, der Kammermusikvereinigung der Prager Rundfunkstation.— Die Solisten- Konzerte der Bettchtszeit gehörten den Vokalkünstlern: dem ffchechischen Bassisten Paul Ludi- k a r und der Wiener Staatsopernsängerin Zdenko Z i k o v a. Wettvoll— programmlich und künstlerisch— war vor allem der Liederabend Ludikars, der neuerdings die hohen gesangskünstlerischen Qualitäten und die geistige Bedeutung dieses Sängers offenbarte und im ersten Teile des Programms altböhmische Lieder, im zweiten Tell romantische Meisterlieder von Schubert und Schumann, im dritten Teil hochinteresiante unbekannte moderne Lieder von Mufforgski, de Falla und Ravel beschette. Zdenka Zikoväs Programm war weniger nach Stilgrundsätzen zusammengestellt, als in dem Bestreben, möglichst vielsettig zu sein. Die starke Seite dieser Sängerin ist in der Schönheit und Größe ihrer Stimme zu suchen, während ihre Ausdruckskunst im Vottrage manches zu wünschen übrig läßt. Ludikars vorbildlicher Klavierbegleiter war der ffchechische Pianfft Dr. Wenzel StLpän, jener der Zikovä der Wiener Professor Meller. E. I. Die BezirksorgoVisatron Prag gibt allen Genoffen und Genossinnen bekannt, daß unsere gute Genossin Mitteilungen aus dem Publikum Wenn das Quecksilber finkt..-, wenn's immer kälter und kälter wird, dann stellen sich auch Schnupfen, Grippe, Rheumatismus und all diese Erscheinungen der rauhen Jahreszeit ein.— Fort mit ihnen. Ein gestählter Körper kann ihnen leicht widerstehen und regelmäßige Einreibungen mit dem Franzbranntwein Alpa stählen den Körper wie nur etwas. Fragen Sie Ihren sArztl Donnerstag früh verschieden ist. Die Kremation unserer unermüdlichen Mitkämpferin ist am Samstag, dem 30. d. M., um 11 Uhr vormittags im neuen Krematorium in Prag-StraZnice. Bezugsbedingungen: Bei Zustellung ins Haus oder bei Bezug durch die Post monatlich K