1ENTRALORGAN DER DEUTSCHEN SOZIALDEMOKRATISCHEN ARBEITERPARTEI IN DER TSCHECHOSLOWAKISCHEN REPUBLIK ERSCHEINT MIT AUSNAHME DES MONT AO TÄGLICH FRÜH. REDAKTION und vbwaltung frag xii., fochova 42. TELEFON 0077. HERAUSGEBER, SIEGFRIED TAU*. CHEFREDAKTEUR, WILHELM NIESSNER. VERANTWORTLICHER REDAKTEUR, DR. EMIL STRAUSS, FRAG. / EhneW« 70!Wlw (dmcMIaSlicli S Halter FarteJ 15. Jahrgang Donnerstag, 5. Dezember 1935 Nr. 283 Eintritt der Hlinkapartei in die Regierung Deutsche Christlichsoziale in die Koalition? Wie das„Prager Tagblatt" Mittwoch abend meldet, steht der Eintritt der slowakische» Dolkshartei in die Regierung unmittelbar bevor. Die Ver» Handlungen, welche zwischen dem Ministerpräsidenten Hodza und Hlinka geführt wurden, sind nunmehr zum Abschluß gelangt. Die slowakische Volkspartei wird durch zwei Minister in der Regierung verttete« sein. Nm zu einem praktischen Abschluß zu kommen, werden zwei neue Ministerien geschaffen werden. So soll das Ernährungsministerium reaktiviert werden. Die deutschen Christlichsozialen, die gleichzeittg mit der Hlinkapartei der Regierungsmehrheit angegliedert werden sollen, dürfte» sich fürs erste mit einem Vizepräsidenten in einer der Kammern zufrieden geben. Vildersprechende Nachrichten vom Kriegsschauplatz Abessinische Meldung: Italiener räumen Gorrahal und Gerlogubl Italiener melden Erfolge bei Makale Ansteigen der Arbeitslosigkeit Im November von 602.000 auf 670.000 Der Monat November verzeichnet rin stärkeres Ansteigen der Arbeitslosigkeit. Während Ende Oktober bei den Arbeitsvermittlungsämtern 602.775 Arbeitslose verzeichnet waren, stieg deren Anzahl biS Ende November ans etwa 670.000, d. i. also um mehr alS 76.000. Das Wachstum der Armee der Arbeitslosen ist damit brößer alS in der gleichen Zeit des Lorjahres, da es Ende Oktober 590.404, Ende November 668.937 Arbeitslose gab, daS Ansteigen im November 1934 demnach etwa 69.000 betrug. Heute Regierungserklärung In der Donnerstagsitznng des Hauses wird «ach dem Budgetrefrrenten Ministerpräsident Dr. H o d j a da- Wort ergreifen,»m eine ausführliche Erklärung über daS Programm seiner Regierung vorzutragen. Vie französische Krise Freitag Kammerabstimmung Paris. Die Aussprache in der Deputierten« kammcr über die Innenpolitik wird Donnerstag fortgesetzt werden. Die Abstimmung dürfte wahrscheinlich erst am Freitag abends erfolgen. In den Kreisen der Regierung hofft man, daß es der Regierung gelingen wird, bis zu dieser Zeil die in den Reihen der Radikalen neuerdings auk- gktauchte Opposition zu mildern. Laval werde in seiner Antwort prinzipiell betonen daß die Regierung»die Ordnung für alle und gegen alle, di; sie bedrohen, hüten werde". Kühe erledigt Nazikorruption im Vordergrund Die„TimeS" weisen daraufhin, daß mehr noch als die ungeheure Korruption und Dieberei an öffentlichem und privatem Gut, die in den Nazizentralen selb st dem Regime gefährlich zu werden drohen. Um wenigstens diese Quelle von Meckerei und Miesmachertum neben der Lebensmittelnot und Ausraubung durch Riesensteuern und Extra-Abgaben zu verstopfen, hat man den Himmler loSgelassen. DaS sing in der Mark Brandenburg an und eines der ersten Opfer ist der Gauleiter und Landtags- Fraktionsführer Wilhelm Kube. Hitler .setzte ihn ab. die Verhaftung folgte und seither hört und sieht man nichts mehr von dem Ober- Pg. Kube. Es heißt, daß er einem.Selbstmord" in der Zelle zum Opfer gefallen sei. Die bereits gemeldete Verhaftung des Gaupressechefs und Rundfunksprechers Schulze- Wechsungen hing ,rnit der Affäre Kube unmittelbar zusammen. Addis Abeba. Die abessinische Regierung bestätigt kategorisch die Nachricht, daß die italienischen Truppen Gorrahai und Gerlogubi geräumt haben.—- Nach Meldungen von der Südfront sollen die italienischen Streitkräfte die Kampfhandlungen»st* läufig eingestellt haben, da sie ihre unter schweren Opfern eingenommenen Stellungen wieder verloren hätten. Auf abessinisiAr Seite wird von militärischen Sachverständigen die Ansicht vertreten, daß die italienischen Streitkcäft» an der Südfront für die nächsten drei Wochen jede Angriffsmöglichkeit, verloren hätten, zumal es den abessinischen Truppen gelungen sei, die seit dem Angriff auf Ual-Ual von den Italienern besetzten Gebiete ohne große Opfer wieder zurückzuerobern. * Paris. Wie die französischen Kriegsberichterstatter melden, rücken die abessinischen Truppen in der Richtung auf Makalle vor. Man erwartet, daß die Abessinier ehestens eine größere Offensive unternehmen werden. Es scheint, daß die Taktik der Abessinier dahin gehen wird, gleichzeitig mindestens an drei Stellen eine Schlacht zu liefern, damit so die italienische Armee gezwungen werde, ihre Kräfte zu zersplittern. Auch an der Südfront von Ogaden soll sich Ras Nasibu zu einer Offensive entschlossen haben. Der Kaiser von Abessinien ist in Dschidschiga eingetroffen und hat die letzten diesbezüglichen Weisungen gegeben. Unweit des Takasse-Flusses und in der Nähe von Debra, südwestlich von Makalle, fanden Scharmützel zwischen den Italienern und den Abessiniern statt.' Die abessinischen Truppen Asmara. Mittwoch abends kam es zu einigen kleineren Vorpostengefechten vor Malaie. Die Abessinier zogen sich schnell zurück. Es kann«etzt mit ziemlicher Sicherheit behauptet werden, daß die Abessinier nicht nur auf Makale vorrücken, sondern auch einen geeigneten Weg für einen Vorstoß über den Taka-See suchen.— Südwestlich von Makale stießen am Takazzi« sluß bei Debri italienische Truppen auf feindliche Kräfte. Nach kurzem Feuergefecht, in dem vier weiße italienische Soldaten fielen, wurde der Gegner geschlagen. Die Vorhut des Eingeborenenkorps drang bis in die Gegend von Eacciamo westlich von Helfa vor. Das Tembien- Plateau ist damit so gut wie umzingelt; Starke feindliche Kräfte nähern sich den Takazzefluß- linien und Makale. * ♦ räumten heute die Stadt Harrar vollständig, damit die Zivilbevölkerung nicht durch italienische Luftbombardements bedroht werde. Teilnahme Chinas an den Sanktionen Schanghai. Zur Inkraftsetzung der vom Völkerbund beschlcssenen Sühnemaßnahmen gegen Italien verfügte die chinesische Regierung mit dem Stichtage des 3. Dezember das Verbot der Ausfuhr von Lasttieren, Zugtieren, Gummi, Metallen, Erzen und Metallegierungen nach Italien und den italienischen Kolonien sowie das Berbst des Abschlusses neuer Handelsgeschäfte zur Einfuhr italiensicher Waren nach China, wobei jedoch Gold und Silber in Barren oder Münzen sowie Drucksachen ausgenommen sind. kine Rede Stalins Vermehrte Getreideproduktion notwendig In den Verbandsberatungen des Personals siir die Bedienung landwittschaflicher Maschinen hielt Stalin eine Rede, in der er sagte, daß die Sowjetunion in den letzten Jahren einen jährlichen Bevölkerungszuwachs von etwa drei Millionen Menschen zu verzeichnen habe. Nach einem Hinweis auf die Bedeutung der Steigerung der Eetreidevorräte für die weitere Entwicklung der Viehzucht und die Befriedigung des wachsenden Bedarfes der Bevölkerung an Fleischprodukten Erklärte Stalin weiter: DaS sind die Ursachen, die das Antlitz unsere- Landes radikal veränder- len und uns vor die unausichiebbare Aufgabe stellen, die alljährliche Getreideproduktion in der Wichsten Zukunft auf sieben bis acht Milliarden Pud zu bringen. ES bestehe kein Zweifel dorther, daß es möglick sei, diese Aufgabe zu erfül- len. Vor allem^ber sei hiefür erforderlich, daß die herrschende Wirtschaftsform auf dem Gebiete «es Ackerbaus in der Sowjetunion nicht eine llleinlandwirtstbast, sondern eine Großwirtschaft sei, die fähig ist, sich die moderne Tecki- d>! zu eigen zu machen«nd modernes agrotechnisches Wissen in genügendem Matze äuSzunützen. Vie„Volksgesundheit" im vr tten Keich Grauenhaftes Anwachsen der Kindersterblichkeit in Deutschland Dem Leitartikel des„Prager Tagblatt" entnehmen wir folgende erschütternde Stellen, die an der volksmordenden Politik des nationalsozialistischen Staaten keinen Zweifel lassen: „Die neuen Sterblichkeitsziffern in Deutsch- land haben leider die Befürchtungen bestätigt, die man an die Arbeit drS Aerztrführers Dr. Wagner knüpfen mutzte. Obzwar Deutschland noch heute, nach zweidrrivirrtrl Jahren Diktatur, SU neun Zehntel Aerzte auS der demokratsichen „System'zeit besetzt, gehen die Todesfälle bedenklich in die Höhe. Die.Zahl der Gestorbenen war im ersten Halbjahr 1935 allein in den Städten um 19.363 oder 12 1/ 2 Prozent höher als im Borjahr 1934 und 16 Prozent höher als 1933. Rechnet man dazu daS zweite Halbjahr«nd daS flache Land, dessen Ziffern hier noch nicht zugänglich sind, so müssen mindestens 70.000 oder 80.000 tote Deutsche in einem einzigen Jahre an dir Vorzüge des FührerprinzipS glauben. Liest rohe Ziffer gibt noch kein vollständiges Bild, denn in der gleichen Zeit sind in den Demokratien Schweiz«nd England die Sterblichkeitsziffern stark gefallen! In Deutschland nennt man gern den Kampf gegen die Arbeitslosigkeit die„Arbeitsschlacht", die Getreidewirtschaft die„Getrrideschlacht" und so weiter- Die Medizinrrschlacht des Führer- Dr. Wagner wird in ein oder eineinhalb Jahren die Toten der Marneschlacht bei weitem übertreffen. Wahrlich, in aller Stille eine schöne Leistung! Als äußeres Schild seines verderblichen volksmörderischrn Tuns spricht er fortwährend vom Raffrnprinzip, haßt aber die genialen Stammesdeutschcn fast noch mehr al- die Richtarier." Judenhetze In Polen Warschau. An der Posener Universität kam es heute zu neuen stürmischen antisemitischen De- monstrationen, die besonders an der medizinischen Fakultät der Universität einen größeren Umfang angenommen haben. Die nationalistischen Hochschüler mißhandelten die jüdischen Studenten und drängten sie aus den Borlesungssälen hinaus. Die antijüdischen Demonstrationen setzten sich dann auf der Straße in der Nähe des llniversitätSgebäudes fort. Fascismus im Norden Lettland, Estland, Litauen Es ist wahrlich kein Wunder, daß die demokratische Presse West- und MiteleuropaS in der letzten Zeit so wenig Interesse für die baltischen Staaten zeigt, denn diese haben einer nach dem anderen auf dem Wege des Umsturzes ihre demokratischen Verfassungen vernichtet, die fascistischen Methoden angenommen und somit den alten westeuropäischen Demokratien den Rücken zugekehrt. Fast hundertprozentig ist der FasciSniuS in Lettland durchgeführt, Halbfascistisch ist Estland, und Litauen bewegt sich mit seinen Regierungsformen so ziemlich zwischen diesen beiden Staaten. In E st l a n d sind die politischen Parteien und auch das Parlament noch nicht aufgelöst, sie dürfen sich augenblicklich nur nicht betäsigen. ES besteht auch eine beschränkte Pressefreiheit. Die Arbeiterorganisationen dürfen Versammlungen, die einen politischen Charakter haben, nicht ab- halten, aber ihre kulturelle Tätigkeit ist nicht eingeschränkt. In L i t a u e n, wo die gewaltsame Beseitigung der Volksvertretung und Auflösung der kommunistischen und sozialdemokratischen Parteien schon im Jahre 1928 stattfand, gerät man allmählich vollständig in das Geleise Lettlands. Nur außenpolitisch orientieren sich diese beiden Länder in entgegengesetzter Richtung: Litauen nach Rußland, Lettland nach Deutschland. Innenpolitisch lauscht man dem lettländischen»Führer" alle Schritte ab. Bisher hatte die linksdemokratische Partei der„Laudininki" und die Partei der christlichen Demokraten(katholische Pfarrerpar- tei) ein« gewisse Bewegungsfreiheit. Nach den letzten Bauernunruhen wurden beide Patteien aufgelöst und es herrscht jetzt im Lande eine rein autoritäre Regierung, die sich auf daS Militär stützt. Nach den Bauernunruhen wurde die Zensur verschärft und für kurze Zett über einen Teil des Landes der Kriegszustand verhängt. Die Lage der Bauern ist noch miserabeler geworden nach der Sperrung der deutschen Grenze für gewisse landwirtschaftliche Erzeugnisse. Viel schlimmer sieht eS aus in dem dritten ballischen Staate— in Lettland—, wo das parlamentarische Regime erst im vorigen Jahre gestürzt wuxde. Den Umsturz hatte der Bauern« bündler und damalige Ministerpräsident U I m a• n i s arrangiert und vollzog ihn mit Hilfe deS aus Bauernsöhnen bestehenden Schutzkorps mit ensiprechender Brutalität. Die sozialdemokrasischen Deputierten, Stadt« und Gemeinderäte, sowie alle sozialdemokrasischen und Gewerkschaftsfunk- sionäre wurden verhaftet und fast ein Jahr im Konzentrationslager gehalten, der Parlamentsvorsitzende mit noch drei Deputierten dem Kriegsgerichte übergeben und abgeurteilt, darunter das Mitglied der Sportinternätionale Bruno K a l n i n, der noch jetzt im rigaschen Zenttalgefängisiffe. schmachtet. Die Funktionen de- Parlamentes übernahm daS aus Bauernbündlern zusammengesetzte Ministerkabinett, an dessen Spitze Ulmanis sich stellte. Es wurde über das ganze Land der Kriegszustand verhängt, die gewählten Selbstverwaltungskörperschaften in den Städten und auf dem Lande abgesetzt und mit Funksionären des Bauernbundes besetzt, die übrigen politischen Parteien aufgelöst, das Eigentum der sozialdemokrasischen Pattei konfisziert und dann verkündete mit frecher Sttrne der fttschgebackene»Führer", daß das Volk jetzt freivomJochederpo- litischen Parteien und geeint sei und im Chore wiederholten diese Lüge seine gutbesoldeten Journalisten in der gleichgeschalleten Presse. Administrative Strafen regneten über die, welche nicht aufs Wott parierten und Gesetzlichkeit suchten. Mit Festen und patttosischen Reden versucht man den Vplksunwillen zu betäuben. Brot konnte man allen nicht verschaffen, man sucht es durch Spiele und Feste nach deutschem Muster zu ersehen und belog das Arbeitsamt in Genf, indem man behauptete, daß es i.. Lettland keine Arbeitslosen gäbe. Dabei sind noch jetzt alle aus dem Dienste entlassenen sozialdemokratischen Funktionäre, Hunderte demokratische Lehrer, Gewerkschaftler und Arbeiterspottler arbeitslos und es darf sie niemand anstellen, bevor die polisische Polizei nicht dazu die Erlaubnis ertellt hat. Man demo» ralisiert das Boll und erzieht Handlecker und politische Schnüffler. Die Jugend ist vergiftet. ES Wird Wohl wenige Länder geben, in denen Korps« Seit- 2 Donnerstag, 5. Dezember 1935 Nr. 283 studenten zugleich besoldete Polizeispitzel sind. ES ist auch nur aus dem zaristischen Rußland bekannt, daß Zirkusclowns für ihre Witze bestraft worden sind. Leider geschieht so etwas auch in Lettland. Für eine Bemerkung über das eben enthüllte Freiheitsdenkmal, in welcher ein, Clown feststellte, daß man Denkmäler gestorbenen Größen sehe, also sei auch die Freiheit in Lettland gestorben, mit acht Tagen Gefängnishast bestraft wurde. Und nun hat man noch vorgeschrieben, daS Denkmal der gestorbenen Freiheit zu grüßen I Diese Geschmacklosigkeit erinnert schon an Teils Geschichte vom Hute Geßlers. Wenn wir zu dem schon Gesagten noch hin- zufügen, daß das Diktaturregime den Staat dahin gebracht hat, daß die Staatsausgaben um zehn Millionen Lats sich vergrößerten, etwa 150 Schulen im Lande im ersten Jahre der„Führerschaft" geschlossen und über 2000 Personen administrativ wegen Kritik bestraft wurden und die Gerichte vollauf^nit politischen Prozessen beschäftigt sind, monatlich 30 bis 40 Jahre Zwangsarbeit für Herstellung und Verbreitung von Flugblättern zudiktiert werden, dann wird man sich ein kleines Bild davon machen können, wie eS in dem heutigen Lettland aussieht. Lettland ist wohl das einzige Land in Europa, welches keine Konstitution hat und seit Jahren unter Kriegszustand sich befindet. Und trotzdem kann der„Führer" nicht ruhig schlafen. Er träumt von Rivalen, die ihm die usurpierte Führerschaft zu entreißen drohen. Neben dem Führer gibt es noch einen Staatspräsidenten und einen Kriegsminister, mit denen er vorläufig die Macht teilen muß. Nur einen Nebenbuhler, das frühere Stadthaupt von Riga, Herrn Celmin, hat er bisher beseitigen können, indem er ihn als Gesandten nach Berlin versetzte. Mit den anderen zwei und dem lettischen Volke steht ihm der Kampf noch bevor. Verlängerung verschiedener Steuergesetze Prag. In der Mittwochsttzung des Abgeordnetenhauses legte die Regierung dem Hause eine Reihe von Stenrrvorlagen vor, die durchwegs Berlängerungen, bzw. die Novellierung bestehender Steurrgesetze betreffen. Da die alten Gesetze mit Jahresende ablaufen, wird die Verlängerung noch vor den Weihnachtsferim vorgenommrn werden müssen. Zuschläge zur Einkommensteuer auch für 1936 Eine Vorlage verlängert die Gültigkeit der bisherigen vorübergehenden Zuschläge zur Einkommen- und Tantiemen st euer unverändert um ein Jahr. Im Motivenbericht heißt es lediglich, daß die Gründe, die seinerzeit zur Einführung der Zuschläge führten, in unvermindertem Maß weiterbestehen und die Finanzverwaltung daher auf diese Einnahmequellen nicht verzichten kann. Umsatzsteuer Zwei Gesetzentwürfe betreffen die Umsatz- und Luxussteuer. Das erste Gesetz verlängert die Gültigkeit des gegenwärtigen Gesetzes über die beiden Steuern, das mit Ende Dezember abläuft, um weitere zwei Jahre. Gleichzeitig werden einige Aenderungen durchgeführt, von denen die wichtigsten folgende sind: Die Befreiung des Reexports von den Pauschalen, die Erleichterung der dokumentarischen Nachweise für die Steuerbefreiung der Handelsvertreter,, eine neue teilweise Befreiung der Schnftsteller und Künstler, die Verschiebung der Frist zur Abfüh- rung der Steuerraten auf den 15. Tag des zweiten Monats nach dem Quartal, die Einführung der monatlichen Zahlung bei Pauschalen, eine Milderung der Bestimmungen über die Verzugszinsen und endlich gewisse Aenderungen in den Bestimmungen über die Steuersubjekte, über die Steuerhaftung, über das Bemessungsverfähren und über Beschwerden. Die zweite Vorlage erläßt an Stelle der bisherigen Bestimmungen über die Zuschläge zur Umsatz- und LuxuSsteuer, deren Gültigkeit gleichfalls mit Ende deS Jahres«bläust, neue Bestimmungen, die für die Jahre 1938 und 1937 gelten. Der bisherige allgemeine Zuschlag von 50 Prozent, der die Umsatzsteuer auf 3 Prozent erhöht, bleibt unverändert. Der besondere Zuschlag, der nunmehr alle (auch die Handels-) Unternehmungen betrifft, die drei und mehr Verkaufsstellen oder auch nur eine oder mehr Verkaufsstellen mit Einheitspreisen haben und der neben dem allgemeinen Zuschlag zu entrichten ist, wird von 50 auf 100 Prozent erhöht. Der Zuschlag bezieht sich jedoch nicht auf Unternehmen mit einem Gesamtumsatz von höchstens 500.000 Kö sowie auf Erwerbs« und Wirtschaftsgenossenschaften. Es tritt also für' Unternehmen mit Verkaufsstellen eine Erhöhung der Umsatzsteuer von vier auf fünf Prozent ein. Im Motivenbericht wird erklärt, daß die Vorlage neben fiskalischen auch gcwerbepolitische Ziele verfolgt. Es soll wenigsten? teilweise der Vorsprung wettgemacht werden, den Unternehmungen mit mehreren Filialen anderen gegenüber dadurch haben, daß die von ihnen verkaufte Ware weniger durch die Umsatzsteuer belastet ist, weil sie direkt und im großen zu stark gedrückten Preisen eingekauft wird.. Weitere Sistierung des Steuerüberwälzungsverbotes Die Abgeordneten Klein, Tuöny, Maro u n und Petr, also die Führer der Gewerk- schastsverbände der Koalitionsparteien, haben einen Initiativantrag eingebracht, daß das sogenannte Steuerüberwälzungsverbot im Gesetze über die direkten Steuern neuerlich, und zwar bis Ende 1989, aufgeschoben werden soll. Zuletzt wurde das Steuerüberwälzungsverbot für 1935 im Verordnungswege sistiert. Der Antrag läuft darauf hinaus, daß die bisherige Praxis in vielen Betrieben, daß der Unternehmer die Steuern sowie die Pensions- und Krankenkassenbeiträge für seine Angestellten zur Gänz e zahlt, weiter bestehen bleiben- d. h. daß der Unternehmer-diese Pasten weiterhin von der Steuergrundlage in Abzug bringen kann. Andernfalls würde der Zwang, daß der Angestellte die Steuern und Beiträge selbst tragen muß, einem empfindlichen Ge- haltsabbau gleichkommen, weil es dem Angestellten heute nur in den seltensten Fällen gelingen dürft«, den Arbeitgeber zu einer entsprechenden Gehaltserhöhung zu veranlassen, die den Ausfall wettmachen würde. Es ist bestimmt zu erwarten, daß die bisherige Praxis weiterhin verlängert werden wird. SteuerverzugSzinsm sechs Prozent. Finanzminister Dr. T r a p l kündigte im Budgetaus- schuß an, daß das Finanzministerium eine Regierungsverordnung vorbereite, um die Verzugszinsen für Steuern von 7 auf 6 Prozent Herabzusetzen. Prattisch werde der Zinsfuß noch niedriger sein, da die Berechnung der Zinsen nach Monaten vereinfacht und die Grundlage auf 100 Xö nach unten abgerundet werden soll. 56 Stunden Budgetdebatte Prag. Das Abgeordnetenhaus hielt Mittwoch eine kurze Sitzung ab, die vor allem der Auflegung des Berichtes des Budgetausschusses über denStaatsvoran- schlLg für 1928 und einer Reihe von Steuerverlängerungen gewidmet war. Donnerstag um 11 Uhr wird die Budaet- debatte im Plenum des Hauses durch das übliche Referat des Generalberichterstatters R e.m e s eröffnet werden. Die Debatte soll etwa 56 Stunden in Anspruch nehmen und nächsten Mittwoch mit der Abstimmung beendet werden. Die Redezeit beträgt nach einem Beschluß des Präsidiums zehn Minuten pro Klubmitglied, mindestens aber 60 Minuten pro Klub. Die Debatte wird wieder in eine General- und Spezialdebatte' gealiedert und letztere wieder in die drei Grupven Politik, Kultur und Sozialpolitik und Wirtschaft und Finanzen geteilt werden. Das Haus verabschiedete am Mittwoch eine Reihe kleinerer Wirtschaftsabkommen durchwegs ohne Debatte. Es bandelt sich um die Verlängerung der Abkommen mit Deutschland über das Perlmutter- knöpfe-Kontingent und über die Zollermäßimmg für unseren Hopfen und um zwei Kusahbrowkolle zum italienischen und zum polnischen Handelsvertrag. Ferner wurde auch noch die Novelle zum Gesetz über den militärischen Vorspann ohne Debatte genehmigt. Stablllsierunasbfianzen werden novelliert Ferner wurde auch die angekündigte Novelle zum Gesetz über die Stabilisierungsbilanzen eingebracht. Die Novelle nimmt den Unternehmungen die Möglichkeit, mit den Stabilisierungsfonds nach Ablauf der fünfzehnjährigen Frist ftei zu disponieren, d. h. sie dann zur Ergänzung der Dividenden etc. zu verwenden. Die Fonds bleiben für immer zur Deckung von Bilanzverluftcn reserviert. Dann werden die Abschreibungen eingeschränkt. Der Motivenbericht weist darauf hin, daß die vor dem Preissturz beschafften Vermögensbestandteile in den Bilanzen mit einem weit h ö h er en Preis eingestellt sind, als heute zu ihrer WiOexerrichtung: notwendig wäre.-Infolgedessen sind auch die Abschreibungsquote« hohcr.als sie notwendig wären, um heute die Wiederbeschaf- fiing zu ermöglichen. Infolgedessen wird durch die unbegründet hohen Abschreibungsquoten der R e i n- gewinn verkürzt und dadurch die Steuerbasis zu unrecht verkleinert. Dieser Umstand tritt noch krasser in jenen Fällen in Erscheinung, wo die bereits nach früheren Gesetzen(102/21 und 403/22) abgeschriebenen Vermögensbestandteile in der Ausgangsbilanz neu bewertet und so n e u e steuerfteie Abschreibungen ermöglicht wurden. Es werden daher, beginnend mit dem Steuerjaht 1935, bei der Bemessung der Einkommen- sowie der allgemeinen und besonderen Erwerbsteuer die Abschreibungen durch zehn Jahre hindurch jährlich um e i n Prozent des Stabilisierungsüberschuffes, in jenen Fällen, wo bereits früher Abschreibungen nach den Gesetzen 102/21 und 403/22 vorgenommen worden sind, um weitere zwei Prozent gekürzt. Den Unternehmungen wird das Recht gegeben, in der Bilanz die entsprechende Abwertung der betreffenden Vermögensbestandteile selbst durchzuführen. GerlchtsgebUhren Ein anderer Gesetzentwurf betrifft die Gerichts'gebühren. Die GerichtSgebührcn wurden zuletzt durch das Gesetz 120/31 geregelt, dessen Rechtskraft jedoch mit- Ende des JahreS erlischt. Durch die neue Vorlage wird die Rechtskraft der bisherigen Bestimmungen über die Gerichtsgebühren bis zu der Zeit verlängert, bis es möglich- ein wird, für den ganzen Staat einheitliche Vorschriften über.die Gerichtsgebühren einzusührcn. Außerdcni führt der Entwurf kleinere Textänderungen dort durch, wo bei der Auslegung des bisherigen Wortlautes Unklarheiten bestanden, und vereinheitlicht einige bisher in den beiden Staatsgebieten sch unterscheidende Bestimmungen. Ferner bringt der Entwurf die Vereinfachung einiger Vorschriften, wodurch eine Beschleunigung des Gerichtsverfahren? angestrebt wird., Für Ausdehnung der Altersunterstützungen Im Einlauf der gestrigen Parlamentssitzung befand sich auch der Antrag Taub und Genossen auf Ausdehnung der staatlichen Altersunter- stützung auch auf Personen, die in der Zeit vom 1. Juli 1926 bis 31. Dezember 1930 das 60. Lebensjahr erreicht haben, wenn sie der Altersversicherung nicht teilhaftig geworden sind oder die Wartezeit nicht vollendet haben. Wir haben bereits seinerzeit an Sand des Motivenberichtes die Bedeutung dieser Vorlage erläutert. Vertrauensvotum für Sramek. Mittwoch, den 4 Dezember, fand eine Sitzung der Abgeordneten und Senatoren der tschechoslowakischen Volkspartei statt, hei der, wie das offizielle Kommunique« besagt,„dem Vorsitzenden Minister Msgre. Sra« mek einmütig der Dank für seine Arbeit ausgesprochen, sein Bericht zur Kenntnis genommen, die Zustimmung za dessen bisherigem Vorgehen ausgesprochen und ihm da? Vertrauen bekundet". Diese? Vertrauensvotum entbehrt mit Rücksicht auf den Konflikt innerhalb der tschechischen Volkspartei nicht deS Interesses. Dr. Juraj Slavik, der agrarische Abgeordnete und frühere Innenminister, hat mit-Zuschrift vom 4. d. M. an das Präsidium des Abgeordnetenhauses auf sein Mandat verzichtet Dr. Slavik soll bekanntlich zum Gesandten in Warsckiau ernannt werden!-Die Bestimmung, daß ein Mitglied der Nationalversammlung erst ein Jahr nach seinem Rücktritt eine Stelle im Staatsdienst annehmen kann, bezieht sich auf Dr. Slavik nicht, da et ja bereits Staatsbeamter ist und fiil die Dauer der Mandatsausübung lediglich- den borgeschriebenen Urlaub hatte. Verlängerung deS ParteienauflösungS-Ge- setzeS. Die Regierung hat im Parlament einen vom 29. November datierten Gesetzentwurf eingc- bracht, durch den das Gesetz über die Einstellung, bzw. Auflösung von politischen Parteien bis 1. Jänner 1937 verlängert wird. Im Motivenbericht heißt es, daß sich bisher die Verhältnisse, die zur Erlassung des Gesetzes und zu seiner Verlänge-' rung führten, nicht in dem Maß geändert haben, daß diese Maßnahmen nicht mehr notwendig wären. UNSER GESICHT Roman von Karl Stym Copyright by Eugen Prager-Verlag, Bratislava Wir reden von allerlei Kleinigkeiten, nur vom Roßjungen erwähne ich nichts. Ich möchte das noch sparen, um nicht die an und für sich kärgliche- Weihnachtsfreude ganz zu zerstören. Martha hat mir ein paar dicke Wintersocken, einige Taschentücher und eine Schachtel Zigaretten gekauft. Ich gebe ihr dafür meine Schüsseln. Dabei wird sie rot, was ein schmales Lachen hervorruft. Nachher führe ich sie nach Hause. Beim Zurückgehen schließt sich mir Rühling an. Er hat ein Päckchen unter den Arm geklemmt und möchte damit zu seiner Sophie. Ich habe nichts dagegen und lasse ihn durch die Türe schlüpfen. So müde ich auch bin, kann ich doch keinen Schlaf finden. Ein kleines, schmutziges Gesicht mit dunklen Blutflecken irrt durch die finstere Stube. Ich glaube, jetzt noch das dünne, armselige Wimmern zu hören. Ums Dach draußen singt der Wind, als klage jemand. Alles um mich her atmet Kummer.— Oben in der„Rolle" wird eine Mutter um ihren Jungen weinen. Die Tränen werden in ihren Schoß fallen. In den gleichen Schoß, der den Jungen gebar. Die arme Frau wird nicht begreifen können, daß die Welt für ihren Schmerz nur ein kleines Wort übrig hat: Bergmannslos. Ein so kleines, banales Wort! Doch wieviel Mütter, Frauen und Kinder hat es schon zu Verzweifelten gemacht! Wir stehen täglich davor. Jeden Moment kann es sich an uns erfüllen. Aber wir dürfen nicht dran denken, sonst müßten wir vor Angst sterben— und ein ängstlicher Bergmann ist überhaupt nichts wert., Am Morgen werde ich durch lautes Poltern und Schimpfen wach. Jemand stürmt die Stiege zu uns herauf. Die Tür wird aufgerissen und Rohling steht mit nicht gerade sehr vernünftigem Gesicht in unserer Stube. „Der verdammte Alte!“ ärgert er sich. Als aber jemand an die Tür klopft, reißt er das werkseitige Fenster auf, springt auf den Ziegenstall und ist davon. Den ganzen Vormittag brummt der alte Schropp und Sophie drückt sich mit eingezogenem Kopf herum. i• Der Winter ist vorbei. Er war voll Mühsal und Plackerei. Frühling!— Hügel, Wälder und Wiesen atmen auf. Die Kinder freuen sich. Wir Altern aber sehen einander besorgt an. Es wird wärmer werden und man wird weniger Kohle brauchen. Die Kohle wird billiger werden und wir werden noch billiger arbeiten müssen, oder gar? Wir hassen fast die warme Sonne. Paul und ich fahren in die Kreisstadt, den kleinen Gallon besuchen. Wir haben den Armen beinahe vergessen. So oft ich in die Stadt komme, fühle ich mich seltsam verloren. Ich muß von Zeit zu Zeit an mir heruntersehen, um mich zu überzeugen, daß ich nicht das schmutzige Grubengewand anhabe und die klobigen Schuhe. Ich glaube immer, ich bin schmutzig und irgendwie lächerlich. Die vielen Menschen um mich her kommen mir so nichtssagend vor und doch muß ich sie wieder bewundern. Sie laufen, lachen und stehen auf den Straßen herum, als wären sie irgendwo draußen, wo es keine Autos und Straßenbahnen gibt. Diese Unbekümmertheit macht mich scheu und verstärkt meine Unbeholfenheit. Am liebsten möchte ich mich um die Ecken drücken und so bald wie möglich wieder nach Hause. Der kleine Roßjunge liegt in einem lichten Zimmer dritter Klasse. Die weiße Bettwäsche macht'sein Krankengesicht noch durchsichtiger. Er kann vor Freude anfangs nur Paul und Fritz stammeln und unsere Hände drücken. Nachher fragt er nach seiner Mutter und sagt, er werde ihr die Orangen geben, die wir ihm brachten. Für seine kleinen Geschwister./ „Wie gefällt es dir hier?" frage ich. „Ganz gut! Man hat sein reines Bett und gutes Essen. Aber wenn ich wieder auf kann, komme ich zu euch auf Kohle. Nicht wahr, Fritz, du richtest auch mich ab!“ Einmal ins Reden gekommen, wartet er gar keine Antwort mehr ab. Das ist gut; denn jede ehrliche Antwort müßte ihm weh tun. „Wer fährt denn jetzt mit meinem Blaß?— Er ist ein gutes Roß! Ich träume noch oft von ihm.!“ Ich gehe aus dem Zimmer und suche den Chefarzt. Vor der hohen, weißen Türe bleibe ich stehen. Ich bin in Verlegenheit, wie ich den Arzt ansprechen soll. Dieser Mensch ist weder ein Kamerad, noch ein Aufseher und dazu hatte ich schon als Kind eine gewisse Angst vor Ärzten und Krankenhausluft. Vor fremden Türen soll man aber nie zu lange stehen. Man weiß ja nicht, ob’s nicht plötzlich jemand einfällt, sie aufzumachen. Der Chefarzt hatte nun leider diesen Einfall und ich spüre nicht gerade angenehm die Türkante an meinet* Stirne. „Pardon!“ „Nichts geschehen!“ Teufel auch, ich habe doch schon andere Stückchen auf den Kopf bekommen!— „Wollten Sie zu mir?“• „Ja!“ Ich bin der harten Türe und der werdenden Beule auf meiner Stirne dankbar. Wer weiß, wie tolpatschig die Sache sonst ausgefallen wäre. „Und Sie wollten?“ „Herr Doktor, wie denken Sie über den Patienten Gallon?“ „Ah, den kleinen Bergmann!— Sind Sie mit ihm verwandt?“ „Das nicht! Aber mein Kamerad und ich haben ihn in der Grube aufgefunden!“ Nr. 283 DonnerStag, 3. Dezember 1935 Seite S tfudetendcutsdier Zeitspieget Was kostet den Staat die Stillegung der lellnltzer Porzellanlahrik? Können wir uns leisten, 700.000 Kk dem Porzellankartell zu schenken? Die Entscheidung über die Fortführung der Tellnitzer Porzellanfabrik ist noch immer nicht gefallen. Zwar müssen die Arbeiter bereits feiern und jeder weitere Tag Arbeitsruhe bedeutet erhöhte Gefährdung der Voraussetzungen für die Wiederaufnahme der Arbeit, denn die Kunden haben keine Lust, auf die Ausführung ihrer Aufträge endlos zu warten, aber das Handelsministerium prüft und erwägt, fordert Gutachten ein und hält Besprechungen ab, als ob es nicht aus jeden Tag ankäme. So schleppt sich die Angelegenheit bereits Wochen hin. Der 2. Dezember, bis zu dem eine endgültige Entscheidung zugesagt worden war. ist vorübergegangen, ohne daß" daS Handelsministerium die Tellnitzer Keramischen Werke angewiesen hätte, den Betrieb weiterzuführen... und so warten die Tellnitzer Arbeiter und Angestellten mit enger geschnürtem Hosenriemen, wann endlich die Prager Postkutsche unter dem munteren Schall des Posthorns in die Oct- ichaft hereinhumpeln und den dann schon über die Schnelligkeit erstaunten Einwohnern einen Bries des Handelsministeriums überreichen wird... Der Staat hat ja Zeit! ES kostet nur sein Geld, wenn die Fabrik stillsteht l Und was sind schon einige hundert Menschen bei vielen Millionen Einwohnern I Und was schon lumpige 700.909 K£ jährlich bei einem JahreSbudget von Milliarden! Auf solche Lappalien kommt es uns nicht an, wir haben es ja! 700.000 XL verliert nämlich der Staat, wenn die Tellnitzer Porzellanfabrik ein Jahr stillliegt! Die Summe ist nicht iibertrieben. Wir stellen ihre Zusammensetzung in das Licht der Oeffentlichkeit, damit sich jeder überzeugen kann, dass es in Tellnitz äusser um das Los von etwa 500 Menschen(einschliesslich der betroffenen An- gehörigenl um erhebliche Allgemeininteressen gebt, die geschädigt werden, wenn nicht schnell und richtig entschieden wird. XL 1. StaatSbeiträge zu bett Stellen losen» und Arbeitslosen-Unter- stützungen: 10 verheiratete Angestellte zu je 400 XL pro Monat und 4 ledige Angestellte zu je 261 XL pro Monat als Durchschnitt, per Jahr 60.528.— 120 organisierte Arbeiter mit einem angenommenen Durchschnitt von 50 XL pro Woche ergibt 6000 XL pro Woche, resp. für 52 Wochen 812.000— 80 unorganisierte Arbeiter, die Lebensmittelkarten pro Woche per 2. 10 XL resp. 20 XL erhalten, er- gibt einen Jahresdurchschnitt von Entfall an direkten und indirekte» Stenern: Umsatzsteuer für die JnlandSliefe- rungen der Tellnitzer Fabrik, errechnet auf Basis der Ergebnisse der ersten drei Quartale 1S35 Dienstvertragsgebühren.... Einkommensteuern der Angestellten und Arbeiter von den Dienstbezügen Kohlensteuer auf Kohlenbezüge (1. Juli 84 bis 30. Juni 35). Umsatzsteuer auf bezogene Kohlen, Roh-, Hilfs- und Verpackungsmaterial(1034) Transportsteuer für ins Inland verkaufte Ware und für ins Ausland verkaufte Ware(soweit im letzteren Falle auf die tschechoslowakische Strecke entfallend) auf BasiiS des JahreS 1034... TranSportsteuet auf bezogene Kohle und Materialien.... Entfall an Frachten: Auf Basiis 1034: JnlandSftachten auf inS Ausland erpedierte Sendungen... Frachten auf im Inland verbliebene Sendungen, zirka.... Frachten auf bezogene Kohle und Rohmaterialien.»».». Gesamtsumme.. XL 62.400.— 434.928.— 52.000.— 1.823.70 7.821.— 26.052.75 25.615.52 9.601.75 21.172.05 144.577.67 9.407.50 81.000.— 91.740.40 132.246 90 711.752.57 Hiebei ist die Tatsache unberücksichtigt geblieben, dass die Bezüge an Kohle und Materialien durch die Betriebsstillegung entfallen und dadurch bie' Lieferungen der Tellnitzer Fabrik einen AuSfavumsatz erleiden, was wieder eine geringere Beschäftigung der Arbeitnehmer der Lieferanten, eine Reduzierung an Einnahmen deS Staates an Umsatz- und Frachtsteuern und Frachten selbst bedingt. Weiter wäre der Ausfall der an die Tschechoslowakische Nationalbank zufließenden Devisen auS den Tellnitzer Exporten zu berücksichtigen. Zweifelt noch jemand, dass schnell und richtig entschieden werden mutz? F. T. Kalte Dusche für Henlein Prag Der Vorsitzende der Sudetendeut- fchen Partei Konrad Henlein sandte am 3. d. M. dem Vorsitzenden der Regierung Dr. Milan HodZa ein Telegramm beinhaltend eine Erklärung, welche am gleichen Tage den Zeitungen zur Verfügung gestellt worden war. Der Vorsitzende der Regierung hat dem Vorsitzenden der Sudetendeutschen Partei mit einem Vries geantwortet, in welchem er mitteilt, daß die Negierung der Republik für ihre Politik und für ihre Administrative den gesetzgebenden Körperschaften der Nationalversammlung verantwortlich ist und daß die Regierung auch eine jede Anfrage der Sudetendeutschen Partei auf dem Boden der darlamentarischen Demokratie beantwortet. Abseblitztl Die SdP hatte seinerzeit im Parlament eine sehr aufgeregte dringende Interpellation eingebracht, in der Beschwerde darüber geführt wurde, dass die Prager Polizeidirektton anfangs November ein amtliches Kommunique über die Epionageaffäre Diene! und Konsorten veröffentlicht hatte, in dem auch die Namen aller verhafteten angeführt und u. a. die Zugehörigkeit einiger der Verhafteten zur SdP verwerft wurde. Die Antwort der Minister für Inneres, Justiz Und Verteidigung, die Mittwoch im Parlament deröffentlicht wurde, deckt die Prager Polizeidirektion in allen Stücken, namentlich auch gegen den Vorwurf der unrechtmässigen Beröffent- iichung von Tatsachen aus der Voruntersuchung. Und erklärt zum Schluss, dass keinGrundzu irgendeiner Verfügung vorliege. kür die deutschen Theater In der Tschechoslowakei Landesvertreter Dr. Strauß befaßte sich an- msslich der Budgetberatung in der böhmischen ^andesvertretung mit der schwierigen Lage der deutschen Theater in der Tschechoslowakei. Er führte zunächst aus, daß die Kunst des Theaters niemals so notwendig gewesen ist, wie gerade jetzt, denn das Theater hat die Aufgabe zttr Menschlichkeit zu erziehen. Ohne höheres Theater gibt es keine höhere Kultur. Zu welchen Folgen die Not der deutschen Theater führt, zeigt, daß 44 Prozent der an den deutschen Theatern in der ESR beschäftigten Personen keine höhere Monatseinnahme haben als XL 60V.—, 13.4 Prozent von XL 600.— bis 800.—, 21.4 Prozent von XL 800.— bis 1000.—, 15.7 Prozent von XL 1000.— bis 1500.—, zwei Prozent von XL 150V.— bis 2000.— und 3.5 Prozent über XL 2000.—. Redner beschäftigt sich dann eingehend mit der Lage der einzelnen deutschen Theater und zeigt, daß trotz Zuschüssen des Staates und der Selbstverwaltungskörper der deutsche Theaterbetrieb ein Defizit von über vier Millionen XL aufweist und daß die Theater in Wirklichkeit'auf Kosten ihrer Angestellten leben. Ohne stärkere öffentliche Unterstützung können unsere sudetendeutschen Theater nicht weiter leben. So wie früher die Fürsten die Theater unterhielten, so mutz es jetzt die Denwkratie tun. Trotz der schweren Krise, in ddr wir leben, dürfen wir unsere deutschen Theater nicht zugrunde gehen lassen. Ein neuer Vorstoß gegen die Brünner deutsche Technik. Herr Dr. D o m i n, Universitätsprofessor und Abgeordneter des Narodni Sjedno- eeni, hat im Parlament einen Antrag eingebracht, durch den die Regierung aufgefordert wird, in kürzester Zeit einen Gesetzentwurf über die Ver- sckmelzung der deutschen technischen Hochschulen in Prag und Brünn einzubringen. Der Antrag operiert mit all den„Argumenten", die seit langem von tschechisch-nationalistischen Kressen gegen die Brünner deutsche Technik'vorgebracht werden, namentlich wieder damit, daß die Zahl der Ausländer, vor allem der Ungarn, an der Brünner deutschen Technik zu groß sei. Unterschrieben ist der Antrag außer von den Abgeordneten des Narodni Sjednoceni lediglich von ein paar slowa- kjschen Volksparteilern. Wer nicht kuscht... ver frühere SdP-Abseordnete Nentwlch wehrt sich Bekanntlich wurde Jn^N entwich wegen eines PrivatbriefeS, in dem er Personen und Zustände in der Henleinpartei kritisierte, gezwungen, sein Abgeordnetenmandat„freiwillig" niederzulegen. Neuestens hat man ihn auch aus der Partei hinauSgelehnt, und zwar wegen angeblichen „parteischädigenden Verhaltens". Jng. Nentwich hat darauf an den„Stammesführer" einen Brief geschrieben, in dem er u. a. sagt: „In der parteioffiziösen Mitteflung werde ich als Kritiker und als ein Mann hingestellt, der durch„üble Nachreden und Intrigen" gegen Parteifunktionäre seinen Ehrgeiz zur Geltung bringen wollte. Der Schlutzsay dieser Mitteilung:„In Jng. Nentwich verliert die SdP gewiß einen akti- ven Menschen und begabten Redner, aber keinen Kameraden", müßte dort zuletzt richtiger heißen:....„aber keinen Kameradschaft Sbündler, und darum ist's nicht schade um ihn". Jedenfalls spreche ich jenem Kreis von Menschen, den heute die SdP diktatorisch „führt", die Berechssgung ab, über mich so zu urteilen, wie er es getan hat. Richterineigener Sache zu sein, ist Wohl bequem, jedoch nach uralten menschlichen Gesetzen unstatthaft. Als eine glatte Perfidie aber muß ich den Versuch bezeichnen, mir kameradsckiastliche Gesinnung unh Haltung abzusprechen. Mein Leben liegt offen da... In einigen Tagen ist meine Broschüre allgemein zugänglich, die Kameraden aus den Ortsgruppen und die Oeffentlichkeit werden dann urteilen." Jng. Nentwich hat also eine Broschüre verfasst, aus der man sicher allerhand erfahren dürfte. Eben diese Broschüre ist es nun, die seinen Ausschluss bewirkt hat. Der Inhalt dieser Broschüre ist nämlich dem Ascher siebenzimmc- rigen Turnlehrer zur Kenntnis gekommen, ehe sie öffentlich erschienen ist und dies auf eine Art, die auf die Begriffe von Ehrenhaftigkeit, wie sie in der SdP verstanden wird, ein bezeichnendes Licht wirst. Herr Nentwich hat ein Exemplar der Broschüre seinem„Kameraden" Rösler ,,zu ge- tre»aa Hän-de-n" gegen sein Wort, nur Henlein unter vier Augen Einblick!» die Schrift zu gewähren, überlassen, doch bis dahin kam es nicht, denn man setzte, wie Nentwich behauptet, Rösler„derart unter moralischen Druck, daß er in einem inneren Zwiespalt und, einen falschen Ausweg aus einer scheinbaren Pflichtenkollision suchend, die Schrift an Mat) und Zillich ausfolgte". Das sind Nentwichs gewesene .Kameraden", gegen die er anklagend aufgetreten ist. Jng. Nentwich sagt weiter: '„W ie aber nennt man das Vor- gehen, das unter Anwendung aller Machtmittel«inen ehrlichen Menschen, wie Rösler, derart unter Druck setzt, daß er nicht mehr aus noch ein weiß? Der fixe Jurist Dr. Reuwirth kann diese Frage wohl vom Rechtsstandpunkt aus beantworten. Rühmlich ist es keinesfalls, moralisch ebenfalls nicht. Jedenfalls haben Sie, Konrad Henlein, den wesentlichen Inhalt der Broschüre/ den in ftirzer Zeit auch die Oeffentlichkeit kennen wird, bereits jetzt vor sich. Ihr„Hoher Rat" hat mich aus der Partei ausgeschlossen und Sie haben mit Ihrer Unterschrift dazu die Zustimmung gegeben. Dem völkischen Sudetendeutschtum gehöre ich aber doch noch weiter an? Oder wird man, wie es schon anderen geschehen ist, die sich noch eine eigene Meinung bewahrten nnd nicht kuschten» auch mir diese Zugehörigkeit abzusprechen versuchen?" Man braucht diesen Worten keinen Kommentar anzufügen, sie sagen über die Erneuerung des Deutschtums durch die Henleinpartei genug. Danach kann man sich vorstellen, was erst Nentwichs Broschüre zu erzählen haben wird/ Und man kann sich auch jetzt schon vorstellen, welche Mittel in Anwendung gebracht werden dürsten, um die Verbreitung der Broschüre zu verhindern... Der deutsche Unterricht für die in der Lan- deSanstalt in Opokany untergebrachten deusschen Kinder war bereits einigemal Gegenstand von Anträgen in der böhmischen Ländesvertretung. Obwohl in der Anstaft 47 deutsche Kinder sind, war es bisher nicht möglich, für alle die Einführung des Unterrichtes in ihrer Muttersprache zu erreichen. Genosse Grund wiederhofte diese berechtigte Forderung auch im Laufe der Budgetdebatte in der böhmischen Landesvertretung, wobei er auch darauf verwies, daß die Einberufung der Kinder in die Anstalt sich in vielen Fällen jahrelang verzögert, wodurch schwere Schädigungen hervorgerufen werden. Parteiberatungen Der Vollzugsausschuß der Deutschen sozialdemokratischen Arbeiterpartei hielt Mittwoch eine Sitzung ab, die vom Parteivorsitzenden Genossen Dr. C z e ch mit einem tief empfundenen Nachruf auf die verstorbene Genossin Julie Hackenberg und auf den einem tückischen Morde zum Opler gefaflenen Genossen Walter Rosenzwei g eröffnet wurde. Die'Nachrufe wurden stehend angehört. Darauf erstattete Genosse Dr. Czech ein eingehendes Referat über alle aktuellen politischen und wirtschaftlichen Fragen, das nach einer regen Debatte, an der sich fast alle Mitglieder des Vollzugsausschusses, und zwar die Genossen Schäfer, Heller, Jaks ch. Taub, Reitzner und Kremser beteiligten, angenommen wurde. Nach Erledigung der laufenden administrativen Angelegenheiten wurde die Sitzung geschlossen. Gesandter Fierllnger über Politik und Wirtschaft Wien. In dqr Generalversammlung des Vereins für kaufmännische Interessen sprach Mittwoch der tschechoslowakische Gesandte ZdenLk Fierlinger über das Thema„Politik und Wirtschaft". Einleitend befaßte sich Gesandter Fierlinger sehr ausführlich mit dem engen Zusammenhang zwischen Politik und Wirtschaft, kam sodann auf die Weltwirtschaftskrise zu sprechen und behandelte schliesslich eingehend das Wirtschaftsverhältnis zwischen der Tschechoslowakei und Oesterreich. Beide Länder sind mitteleuropäische Staaten im wahren Sinne des Wortes, das bedeutet, dass beide Länder infolge ihrer geographischen Lage ausserordentlich empfindsam sind und auf alle europäischen Ereignisse stets sehr lebhaft reagieren. Deshalb müssen sich beide Staaten von allen extremen Doktrinen fern- halten, denn ihre geographische Lage lässt eine einseitige Zielsetzung nicht zu. Die beiden Länder müssen immer bemüht sein, eine gesunde Synthese aller moralischen, politischen und wirtschaftlichen Strömungen Lu finden. Wahlergebnisse der Gemeindewahlen in den Gemeinden Kannowa(Bezirk Saaz) und Sobru- san(Bezirk Dux). K a u n o w a: Tschechische vereinigte Parteien 294 Stimmen(8 Mandate), tschechische Sozialdemokraten 117 Stimmen(3 Mandate), Sudetendeutsche BollSgemeinschaft 262 Stimmen(7 Mandate). Sobrus an: Tschechische bürgerliche Parteien 95 Stimmen(2 Diandäte)tschechische Natipizalsoziglisten 202, Stimmen(5 Mandate), tschechische Svzialdemo- traten 142 Stimmen(4 Mandate), Kommunisten 87 Stimmen(2 Mandate), deutsche Sozialdemokraten 94(2 Mandate), deutsche unpolitische Kandidatenliste 17(0), Sudetendeutsche Partei 119 Stimmen(3).- Gemeinnutz seht vor Eigennutz Korruption um Seldte Der„Neue Vorwärts" kündigt eine Artikelserie über die Korruption in der deutschen Rüstungsindustrie an. Er befaßt sich vor allem mit dem Wirken des NeichsarbeitsministerS Seldte, der als Stahlhelmführer und Schnapsfabrikant seinerzeit die„Kreuzzeitung" erworben hatte und dann seinen Einfluß im Reichswrhrministerium benützte» um auf dem Umweg über die Zeitung große Summen aus der Industrie zu ziehen. Er arbeitete unter einer Decke mit de» Majoren Schäfer und W u l k o» welch letzteren er auch alS Jnseratenvertreter beschäftigte» und mit dem Hauptmann I o h st. Indem die sauberen Herren die Konkurrenz der beiden in G a s m a S- k e n führenden Firmen Draeger und Auer A.-G. ansnützten, verschafften sie sich große Provisionen. Um Leute aus dem Ministerium zu gewinnen, hat Seldte im Namen der Kreuzzeitung Geschenk-Körbe an einflußreiche Offiziere verschickt. So erhielten der jetzige Staatssekretär Milch— Görings erster Gehilfe in der Lnftfahrt— der General R e i weit a u, aber auch der Staatssekretär Meißner solche Körbe im Werte von je 270 Mk. Man steht» daß die Wehrhaftmachung der Ration den Geldbeuteln einiger Führer sehr zuträglich war und daß im Dritten Reich Gemeinnutz vor Eigennutz geht für und für! Kanonen sind wichtiger ais Lebensmittel Konzentrationslager für Butterhainsteret Wir lesen in der„Frankfurter Zettung": In einer Massenkundgebung der NSDAP in Gerlingen erklärte der württembergische Minister des Innern Dr. Schmid, wer hamstere, verdiene nicht den Namen Volksgenosse. Die Polizei werde nicht davor zurückschrecken, eine Kontrolle in den Speisekammern»der Hamsterer vorzunehmen, i-nd er, der Minister, werde jeden derartigen Hamsterer ohne Ansehen der Person nach Dachau schik- ken und dafür sorgen, dass er sobald nicht wieder zurückkomme. Wichtiger als das Bat« teressen sei die Schaffung eines starkenHeeres. Seift 4 Donnerstag, 5. Dezember 1935 Nr. 283 Kitsch aus dem Dritten Reich In unentwegtem Optimismus entsenden auch diesmal, wie alljährlich, zum Weihnachtsfest die deutschen Buchverlage ihre Kataloge.„Der Spiegel" nennt sich die Offerte des Verlages II l l st e i n, der nur noch dem Namen nach der llllstein-Verlag ist. Sein wirklicher Besitzer ist der Eher-Verlag, Herausgeber des„Angriff" und des„Völkischen Beobachter". Was keiner vergessen sollte, der in Versuchung gerät, irgendwo für irgendwen ein sogenanntes Ullstein-Buch zu kaufen. Also— da liegt der„Spiegel" vor mir auf dem Tisch. Allein der Name, von'den Herausgebern sicher mit Ernst gewählt und ebenso ernst gemeint, ist ebenso blutige Ironie wie bittere Wahrheit. Denn wirklich und wahrhaftig, der Inhalt dieses Katalogs„spiegelt" die ganze Niveau- losigkeit, die trostlose Leere des deutschen Büchermarktes von 1935 wieder. Um halbwegs einen guten Eindruck zu machen, kündigt man zuerst eine „Neue deutsche Biographie", betitelt„Die großen Deutschen" an. ferner verschiedene Klassiker, deren Wert und Bedeutung unzweifelhaft ist. Jetzt aber gehts los: Ulrich S a n d n e r:„Land und Stamm Pommern". Man braucht nur das nebenstehende Bild dieses sogenannten neudeütschen Dichters zu betrachten, der sich weitester Unbekanntheit erfreut, um zu wissen, wen man vor sich hat. Nämlich: Blubo plus Kraftmeierei. Ein Gesicht, auf das der Berliner zu sagen pflegt:»»Stundenlang in die fresse, Liebling... I" Die getarnten Ullsteins empfehlen ihn als„Dichter von Kraft und Eigenart". Was Herr Sandner über sich selbst berichtet, soll ans„Gemüt gehen". Eine Kostprobe zum Genießen: „Und wer sich dann borgenommen hat, seinen Pfahl in dieses Land zu rammen und nie mehr von ihm zu lassen, der, nun, der lernt es erst dann richtig kennen, wenn er in seiner eigenen Heimat zu kratzen hat, daß er auf seinen Beinen bliebe, denn eS ist ein Land, das nicht von Pappe ist. Es will erobert sein, wie ein schönes, scheues und sanftes Mädchen, daS sich nicht so leicht jedermann gibt." Nun, die Verhunzung der deutschen Sprache scheint uns in diesem Fall auch nicht von Pappe zu sein. Aber das schadet ja nichts. Auf die Gesinnung kommt es an, nicht auf das Talent. Die Gesinnung ist allerdings wohl zweifelsfrei.... Weiter: Friedrich Bischoff:„Heimat Schlesien". Lyrische Kostprobe. Was als bemerkenswert auffällt— der teut sche Dichter macht nn Rimbaudschen Versmaß des„bätcau ivre" (Das trunkene Schiffs, eines der schönsten Gedichte dieses großen Franzosen. Doch Versmaß allein genügt nicht. Das beweist der Inhalt. Der ist so: Riesengckirgisch verdüstert, waldhügelgrün verträumt, Ueber den Tälern die Stille verzaubert als Himmel gespannt, Brunnen am Wege und Dlaxienbilder, von Rosen umschäumt: Die im Blute dich tragen, hältst du im Tod noch gebannt. Das genügt wohl. Aehnlich Waller V o l l- m t r, der das„Ruhrgebiet" auf romantische Weise zu verkitschen sucht und Walter Franke- R u t a, der allen Ernstes die Behauptung aufstellt:„Nur einDeutscher kann es fertig bringen, zu seinem Vergnügen auf die Berge zu steigen". Sonst geht es unentwegt um den deutschen Wald, die deutsche Seele oder Handfesteres, wie Kolonialgelüste, Fliegerträume und Exotisch- Anregendes. Nicht ohne Bedauern entdeckt man inmitten dieser ganzen hohlen Köpfe den Namen des beggbten Journalisten und Schriftstellers Walter Ki au lehn(Pseudonym Lehn au), der eine Geschichte der Technik unter dem Titel „Die eisernen Engel" geschrieben hat. Ohne diese Arbeit zu kennen, glaube ich die kühne Behauptung wagen zu dürfen, daß sie sicher nicht schlecht ist. lim so schlimmer. Ein Buch von Kiaulehn, ange- knndigt zwischen Belanglostgkeiten, ein Feuilleton von ihm in den gleichgeschalteten Blättern des Dritten Reiches, weckt jedesmal die Erinnerung an Gretchens Worte zu Faust: Es tut mir lang' schon weh', daß ich dich in der Gesellschaft seh'. Katja. Venlzelos will als Privatmann zurückkehren. Athen. Der Führer der griechischen Republikaner Venizelos, welcher seit dem im März d. I. erfolgten Aufstandsversuche im Auslande weilt, sandte einem seiner politischen Freunde in Griechenland ein Schreiben, in welchem er erklärt, daß die durch die Erteilung der Amnestie vollzogene edle Tat des Königs'seinen Thron festigen und die Einheit der Nation wieder Herstellen werde. VenizelcS beabsichtigt, nach den Parlamentswahlen nach Griechenland zurückzu- kchren, ist aber entschlossen, sich nicht mehr mst der aktjven Politik zu befassen, sondern plant, sich als Privatmann auf Kreta niederzulassen. Oesterreich und Kleine Entente Wien. Die tschechoslowakischen, jugoflawi- schen und rumänischen Presseattaches in Wien sowie auch die Vertreter der Presse-Agenturen und die übrigen Presseorgane der Kleinen Entente-Staaten in Wien waren gestern mittags beim österreichischen Minister des Aeußeren Ber- ger-Waldenegg- laAesnemgäeiteir —mr„ ii—wl-,.— i j■■ Hi—wyM—— Streikende stürmen ein Fabriktor New Nork. Zwischen streikenden Arbeitern der„Moürrproducts Corporation" und Polizei ! kam es zu blutigen Zusammenstößen, bei denen | zwei Polizisten, eine unbeteiligte Frau und 18 ' Streikende verletzt n^den. 800 Streikende stürm- * ten das Fabriktor, wurden aber mit Tränengasbomben zurückgetrieben. Die Polizei erwartet neue Unruhen. Schußverletzung auf der Bühne Gablonz. In der Dienstag im Gablonzer Stadttheater abgehaltenen Vorstellung des Anzen- gruber'schen Volksstückes„Das vierte Gebot" wurde die Schauspielerin Thea Schober durch einen Schuß am Hinterkopf ernstlich verletzt. Der die Rolle des Schlantaler spielende Theaterdirek- tox Hennig gab im'dritten Akt aus einem Jagdgewehr den vorgeschriebenen Schuß auf den Feldwebel Frey ab. Der Papierpfropfen der blinden Patrone traf die in etwa 3 Meter Entfernung befindliche Schauspielerin, die eine stark blutende Hautwunde erlitt und bewußtlos wurde. Sie mußte ins Krankenhaus übergeführt werden. Familientragödie Salzburg. Der Hilfsarbeiter Gregor Kitzmann in Maxglan tötete seine zwei Kinder im Alter von 1, bzw. 4 Jahren durch Schüsse in die Brust und nahm sich selbst durch einen Schuß in den Hals das Leben. Seine Frau hatte er vorher mit seinem dreijährigen Sohn zum Einkäufen nach Salzburg geschickt. Pitzmann, der 24 Jahre alt ist, dürfte die Tat aus Not begangen haben. 50 Todesopfer eines Erdrutsches Guayaquil(Equador). Ein riesiger Erdrutsch verschüttete das Andendorf Berdecocha. Sämtliche 50 Einwohner wurden getötet. Der Erdrutsch, der in einer Breite von zwei Meilen erfolgte, war von gewaltigem Getöse begleitet. Spanische Korruption Madrid. Admiral Garanza überreichte dem Landtagspräsidenten eine Anzeige über schwere Verfehlungen beim staatlichen Schiffbau. In den neuen Skandal sollen wieder hohePersönlichk eiten des öffentlichen Lebens verwickelt sein. Die aufgedeck- tcü Schiebungen sollen die Unregelmäßigleiten bei der Strauß- und Robela-Angelegenheit noch weit in den Schatten stellen. Hunger und Liebe. Das bekannte Sprichwort, daß die Liebe durch den Magen geht, hat in der heutigen Krisenzeit eine ganz neue Deutung erfahren. Unzählige Opfer der kapitalistischen Wirtschaftsordnung, die heute arbeitslos auf der Straße stehen, versuchen jetzt, sich dadurch über Wasser zu halten, indem sie„Liebe" spenden, um dafür Brot zu bekommen. Es ist allgemeist ein erschreckendes Anwachsen der Prostitution zu beobachten. Not und Elend zwingen heute abertausende Frauen und Mädchen, ihren Leib zu verkaufen. Das geschieht mitunter sehr verschämt, aber dennoch offen genug. Und da das Angebot groß ist/sind viele dieser armen Menschen direkt genötigt, auf ihre Bereitwilligkeit, für ein Nachtmahl ein Schäferstündchen zu gewähren, auch noch durch entsprechende Reklame aufmerksam zu machen. Ein Blick in den Inseratenteil der bürgerlichen Presse zeigt, wie es heute auf dem Liebesmarkt, der geradezu zum Arbeitsmarkt geworden ist, zugeht. In einer einzigen Nummer des Wolfblattes fanden wir nicht weniger als zwei Dutzend Inserate, in denen Freunde gesucht werden, die zahlen können. Ta liest man nun beispielsweise: Welcher Herr kann nettem Mädel ein schönes Weihnachtsgeschenk bieten? Dafür liebe, verschwiegene Freundschaft... * Dame, sehr anpassungsfähig, wünscht Bekanntschaft mit Herrn, der in der. Lage wäre, ihr eine Stellung zu verschaffen. Verständnisvolle Freundschaft wird zugesichert... * Zwei Kameradinnen ersehnen Freundschaft mit zwei älteren, vermögenden Herren, welche die Herzensgute besitzen, ftnanziell zu helfen, wofür restlose Liebe und Treue, sowie Einordnung in jeden Wunsch gewährt wird... Einordnung in jeden Wunsch, Liebe und sogar Treue wird garantiert— und das alles nur deshalb, weil der Hunger weh tut. Auch Männer sind in dieser herrlichen Gesellschaftsordnung oft darauf angewiesen, aus ihrer Liebe Kapital zu schlagen: Junger Beamter sucht Dauerfreundschaft mit reicher Dame, die ihm einige materielle Sorgen abnimmt Zwei Freunde suchen verständnisvolle Freundinnen, die in der Lage sind, finanziell zu helfen.... Aus diesen Inseraten spricht zu uns die Tragödie' dieser Zeit. Die Liebe, einst besungen Md verherrlicht von den Großen aller Nationen, ist zu Ware erniedrigt worden, die gehandelt wird wie früher die Ware Arbeitskraft, weil nämlich nach dieser nicht viel Nachfrage mehr besteht. Die Liebe geht durch den Magen und das ist heute so zu verstehen, daß sie auf den Strich gehen muß, damit der Magen satt wird. „Also doch Gelder für die Hitler-Olympiade", schreit die„Rote Fahne" entrüstet auf und be- hauptat, Genosse Dr. Czech habe in seiner Erklärung, die er im Gosundheitsausschusse zu dieser Sache abgegeben hat,„die bereits von der sozialdemokratischen Presse veröffentlichten Aus-' flüchte gebraucht, ohne sich llar und deutlich auszusprechen". Die Feststellung des Genossen Czech, daß „die Behauptung, als sollte der obige Betrag für die Berliner Olympiade verwendet werden, den Tatsachen nicht entspricht" ist also der„Roten Fahne" nicht klar genug. Der Abg. Hodinova und ihrem Kollegen Dr. Dolanfty war sie es. Sie haben für die Kenntnisnahme des Exposes des Gesundheitsministers gestimmt. Damit ist die Demagogie der„Roten Fahne" von einer für sie autoritativen Seite. gebrandmarkt worden.. Antrag auf Subventionierung der Zentralwanderbücherei für die deutschen Gemeindebüchereien. Bei der Budgetberatung haben die Genossen Dr. Strauß(deutscher Sozialdemokrat) und Dr. Charvät(tschechischer Sozialdemokrat) den Antrag gestellt, den in Böhmen bestehenden tschechischen Gebietsbüchereien und derZentralwander- bücherei für die öffentlichen deutschen Gemeindebüchereien zu gewähren. Die Errichtung einer zweiten deutschen Hebammenschule forderte in der böhmischen Landesvertretung Genosse Grund, welcher die Notwendigkeit dieser Anstalt ausführlich begründete. Autounglück. Mittwoch vor 17 Uhr fuhr die | 36jährige Anna Kiitkova, Gattin eines Ingenieurs, mit einer Autodroschke Von Mähr.-Ostrau nach Karwin. Sie saß rückwärts, während vorne neben dem Chauffeur ihr Dienstmädchen Anna Joklobä Platz genommen hatte. In Slezskä Ostrava übersah der Chauffeur wahrscheinlich im Schneegestöber, daß die Schranken an der über die Straße führenden Betriebsbahn herabgelassen waren, fuhr durch die erste Schranke und brachte den Wagen vor der zweiten zum Stehen. In diesem Moment fuhr aber ein Lastzug mit 40 Waggons Kohle heran, das Auto wurde von den Puffern der Lokomotive' erfaßt und über 500 Meter weit geschleift, bevor der Zug zum Stehen gebracht wurde. Zuerst wurden beim Auto die Kühler abgestoßen, dann, fielen weitere Teile ab. 200 Meter von der Unfallstelle fiel der Chauffeur aus dem Wagen und blieb schwer verletzt neben der Strecke liegen. Nach 500 Metqr fiel, Frau Kkitkobä mit zertrümmerten Kopf, bereits iot, m:S dem Wagen. Das Diensttnädchen kam.wie durch ein Wunder ohne Verletzung davon. Rückkehr der tschechoftowakischen Philharmonie. Mittwoch um 18 Uhr traf auf dem Wilsonbahnhof die Exkursion der tschechoflowaki- schen Philharmonie mit ihrem Dirigenten Professor Dr. T a l i ch ein, die in England und in Frankreich eine erfolgreiche Konzerttournt absolviert hat. Zur Begrüßung der tschechoftowakischen Künstler hatten sich im Salon des Wilsonbahn- hofes zahlreiche hervorragende Persönlichkeiten der Prager Musikwelt eingefunden. Im Devisenprozess gegen die Barmherzigen Brüder aus Trier beantragte der Staatsanwalt nach zweitägiger Verhandlung gegen den Gene- ralschaffner Ferdinand Hoffmann eine Ge- samtsträfe von sechs Jahren Zuchthaus, fünf Jahren Ehrverlust und 200.000 Mark, gegen den Generaloberen August Wolff insgesamt vier Jahre, Zuchthaus, fünf Jahre Ehrverlust und 25.000 Mark, ferner beantragte er, den Klostervorsteher Michael Thiel wegen Anstiftung zur Begünstigung zu acht Monaten Gefängnis und die beiden Ordensbrüder Josef M e i s e r und Johannes Sauer zu je sechs Monaten Gefängnis wegen Begünstigung zu verurteilen, 100.000 Mark zugunsten des Reiches als Ersatzbeitrag für die durch die Schiebungen verloren gegangenen Devisen einzuziehen und die Mithaftung der vom Orden der Barmherzigen Brüder betriebenen Erwerbs- und Wirtschaftsgenossenschaft für die verhängten Geldstrafen und die Ersabeinziehung auszusprechen. Das Urteil soll am Freitag verkündet werden. Falschmünzer in Oesterreich. In Purkers- dorf bei Wien wurde eine Falschmünzerwerkstätte ausgehoben, die einige Monate hindurch 50- Groschen-Münzen herstellte..In diesem Zusammenhang wurden der Chemiker Walter Obhlidal Und seine Frau und noch einige andere Personen verhaftet. In Graz wurde der 44jährige Mechaniker Josef Ambroj verhaftet. Er hatte falsche Fünf-Schilling-Mün- z e n hergestellt. Bei dem Verhafteten wurden eine photographische Platte dieser Münze sowie 44 Falsifikate beschlagnahmt. Ausgebrochen. Fast zu der gleichen Stunde wie ein Gefangenenausbruch in B o st o n erfolgten zwei weitere Ausbrüche von Strafgefangenen. Aus dem Gefängnis in Muscoges(Oklahoma) brachen fünf Sträflinge aus, darunter vier Bankräuber. Es kam^u einem Feuergefecht zwischen den Ausbrechern und den Wärtern. Dabei wurde einer der Strafgefangenen getötet und ein Polizeibeamter schwer verletzt. Die Polizei hat die Verfolgung der Flüchtlinge mit Flugzeugen aufgenommen. Weiter gelang eS drei Sträflingen aus dem Staatszuchthanse in Nashville (Tennesee), zu entkommen. Der abessinische Kriegsminister Ras Mulageta Geräuschlose Strassenbahn. In Moskau werden jetzt vollkommen„geräuschlose" Straßenbahnwagen von neuartiger Konstruktion gebaut. Alle Lenkungsvorrichtungen und Apparate, die gesamte elektrische Ausrüstung, die Räder und der Wagen sind von Sowjetingenieuren nach neuen Grundsätze« konstruiert. Die vorläufigen Prüfungen der neue« Wagen haben günstige Resultate ergeben. Staatliche Ski- und Eislanfkurse 1936. Zur Erprobung der im Winter 1935 in Zehgrund im Riesengebirge unter Teilnahme aller zuständigen Verbände erarbeiteten einheitlichen Lehrweise„Su- detendeuffcher Skilauf" finden vom 1. bis 8. Feber 1936 folgende Lehrgänge statt: Jos e f s t a l bei Oberplan, Eisen st ein, Schwaderbach bei Graslitz, Gebirgsneudorf bei Brüx, Lausche-Oberlichtenwalde, Klein Jser, Schüsselbauden, Zeh grund bei Petzer, Nieder-Heidisch bei Grulich, Klein-Mohrau bei Karlsdorf, Altvater, O ft r a v i c a, Beskiden. Staatlicher Eislaufkurs inSpindlermühle vom 8. bis 15. Feber 1936. Die Lehrgänge sind zugänglich für Vereinsleiter, Lehrer und Lehrerinnen,^ Kandidaten des Lehramtes für alle Schulgattungen, Kandidaten der Turnlehrerprüfung für alle Bürgerschulen. Die Teilnahme ist kostenlos, Die Teilnehmer erhallen 50 Prozent Fahrpreisermäßigung. Unterkunft in Maffenlagern und Verpflegung etlva 14 bis 20 K5. Zimmer entsprechend höher. Skiliederbuch und Turn» lleidung ist mitzubringen. Staatliche Besuchsausweise werden verteilt. Eine neue Kochtechnik. Ein Mister Duston in London will eine neue Methode des Bratens erfunden haben, die dem englischen Volk jährlich 70 Millionen Pfund ersparen soll. In einem Brief am die wissenschaftliche Zeiffchrift„Nature": schreibt er etwa:„Meine Frau war sehr aufgeregt, als sie mir den sechspfündigen Hammelbraten für den Sonntag zur„Behandlung" überantworten sollte. Während gewöhnliches Fleisch bei einer Temperatur von 300 bis 500 Grad Fahrenheit brät, habe ich herausgefunden, daß es bei einer konstanten Temperatur von zirka 212 Grad bei 15stündiger Kochzeit an Aro^a und Geschmack ungemein gewinnt. Außerdem bedeutet es eine Ersparnis von einem Penny pro Kopf und Tag, das macht für das englische Voll im Jahre die beachtliche Summe von 70 Millionen Pfund aus." Ein gewöhnliches Huhn— auf diese Weise gebraten— soll wie junges Hühnchen schmecke« und das Aroma eines Truthahns aufweisen. Demnach soll in Zukunft der Sonntagsbraten bereits am Samstag um 9 Uhr abends in den Ofen. Die Rivieraküste wurde von schwere« Stürmen heimgesucht, die großen Schaden anrichteten. Ber Sestri zerschellte ein Segelschiff an den Felsklippen. In Trevisio ging nach einem klaren Sonnentage plötzlich ein schweres Gewitter mit Hagelschlag nieder, ohne daß auch nur ein einziger Regentropfen fiel. Verstaatlichung der türkischen Eisenbahnen. Au« läßlich der Verkehrseröffnung auf der Eisenbahnstrecke Ankara—Diarbekir wurde kundgemacht, daß alle privaten Strecken in der Türkei in den Besitzstand des Staates übergehen. Die türkische Regierung hat in den letzten Jahren rund 250 Millionen türkischer Pfund, d. i. annähernd 2j4 Milliarden K5, für den Aufkauf von Prwatbahnen in'einer Gesamtlänge von 2835 Kilometer ausgegeben. Außerdem wurden während des republikanischen Regimes 2500 Kilometer neuer Strecken ausgebaut, von denen einigen strategische Bedeutung zukommt. Vom Rundfunk empfehlenswertes aus 4m Programmen! Freitag Prag, Sender L.: 10.05: Deutsche Presse. 10.30: Schulfunk. 11.85: Schallplatte». 13.30: Arbeitsmarkt. 13.40: Leichte Musik. 16.45: Russisch für die Jugend. 18.10: Deutsche Sendung: Sportvorschau. 18.15: Dozent Schild: Wintermode der Tierwelt. 18.35: Arbeitersendung: Aktuelle zehn Minuten. 18.45: Deutsche Bresse. 19.30: Uebertra« gung aus dem Reichenberger Stadttheater: Der Waffenschmied, Oper von Lortzing. 22.15: Tanzmusik.— Sender S.: 14.15: Deutsche Sendung: für die Frau. 14.30: Sordan: Bunte Schallplattenfolge. 14.50: Deuffche Presse. 18.00: Chansons.— Brünn: 13.35: Overnouvertüre. 16.45: Russisch für die Jugend. 17.40: Deutsche Sendung: Holluta: Mineralquellen, Hörspiel. 19.10: Balalaikaorchester.— Mährisch Ostrau: 18.10: Deuffche Sendung: Weber-Herlin« grr: St. Nikolaus weiß alles. Hörspiel für Kinder.—- Preßburg: 19.10: Saxophonsolo.— Kascha»: 16.19: Orchesterkonzert. Nr. 283 Donnerstag, 8. Dezember 1935 Seite 5 fc» Mr fr Man; selten ein Streiflicht wie dieses aus der «ragment gebliebenen Schilderung einer Nacht: Dach in der Kammer noch sitzt am Rocken das dürftige Mädchen, i ünd mit dem Drange der Not ringt die M Begierde des Schlafs, ^afür ritz es schon den Jüngling stürmisch in die ^mische Gedankenströmung hinein. Vielleicht ihn ein hartes Schicksal, das ihn nur für ^nner statt für Frauen in Liebe entbrennen Ä don vornherein in Opposition gegen den ^Hschnitt; auf jeden Fall lebte in seiner Brust !^as wahre Gefühl für Freiheit, das angeborene, B* keinem Mirabeau, keinem Rousseau ge- Mft". Immerhin half ihm die Lehre der Auf« !NningSphilosophie und das Beispiel der franzö- Wen Revolution aus den rechten Weg. Stand er, W Deutscher unter Bayern, im Offizierskorps Wnlich einsam da, so teilte er mit der ganzen B Freiheit und Einheit des Vaterlandes begei« Mm Jugend die grimme Enttäuschung, datz mit 3 Ende der französischen Fremdherrschaft der i?^eimische Despotismus fröhliche Urständ ge« hatte. Schon bald nach Waterloo warf sich g gräfliche Leutnant zum poetischen Wortfüh- F des„Dritten Standes", des Bürgertums, "> für die Piaffen, die an die Niederwerfung MoleonS Gut und Blut gesetzt hatten, zeugte er: ! De fühlen sich mehr als gedungene Knechte i fordern die alten, die heiligen Rechte; De fühlen sich ungeahnte Kraft Bürgertugend und Wissenschaft, Md wollte man wehren dem Zug der Wellen, Me mächtigen würden die Dämme zerschellen. L 8e trostloser.Heilige Allianz", Metternichs ^absittätsshstem" und Demagogenjagden die Mchen Zustände machten, desto mehr entwickelte ? Platen zum feurigsten Gegner des Bestehen« O Wie er Napoleon als Sohn der Revolu» g und Freiheitsbringer für die Völker Europas M brachte er für die deutschen Tyrannen nur I E?. nn b Verachtung auf, seinen angestammten ^d>ig von Bayern nicht ausgenommen; als ihm s L^önig ein Jahresgehalt von lumpigen fünf« Mert Gulden auswarf, grollte der Dichter: i verschwenden seine Baumeister in einer ^de, von seinen Maitressen nicht zu reden". ■ L seinem republikanischen Herzen machte ! F# immer weniger eine Mördergrube, bis ihn Plate« Zu feinem hundertste« Todestag Von Hermann Wendel. M Da er Vorfahren schon in den Wendenkriegen Heinrichs I., also um das Jahr 930, namhaft l machen konnte und den Grafen August Philipp 1 don Platen-Hallermünde Vater s und eine geborene Freiin von Reitzenstein l Mutter nannte, vermochte der Dichter auch die ' strengste Ahnenprobe zu bestehen. In Ansbach am 24. Oktober 1796 zur Welt gekommen, erhielt er > nicht nur vier Vornamen Karl August Georg Maximilian, sondern auch die seiner Abstammung entsprechende Erziehung: mit zehn Jahren steckte er im Münchner Kadettenkorps, dann wartete er ! als Page bei Hofe^mf, dann trat er als Unterleutnant in die bayrische Armee ein. Aber auch , später, als er auf den Universitäten Würzburg und Erlangen aussichtlosen Studien nachging oder s als er gar nichts mehr war als ein armer Teufel I von deutschem Poeten, brauchten beflissene Lakaien nur seinen Namen zu hören, um ihn unter ehrfürchtigsten Bücklingen mit„Jhro gräfliche Gnaden" anzureden. Datz Platen ein Aristokrat auS altem reichs- nnmittelbarem Geschlecht war, scheint seine Poesie zu verraten. Sie läßt sich nie gehen; sie hält auf Form; sie wahrt Distanz. Sie ist kein Kaviar für I die Menge, keine Dichtung für jedermann, weitab dom Volkslied und das Gegenteil des Bänkel- fangs. Wie der Dichter an sich die höchsten An- | spräche stellte, unermüdlich an seinen Versen Slättend und feilend, so stellte er sie auch an den Leser. Er mutete ihm altgriechische und morgenländische Vermatze zu und gefiel sich in den sel» l lensten Kunststrophen, pindarischen Oden und I persischen Ghaselen. Aber die Sprache gehorchte ,>dm als einem großen Meister des Wortes und ge- » stattete ihm, im Metrum des klassischen Altertums ! Und des Orients vollendet auszudrücken, was er, ein Deutscher des neunzehnten Jahrhunderts, in ' Lust und Leid empfand. Die Wahl entlegener Gedichtformen war ium Teil bewußte Abkehr von einer Gegenwart, «ie ihm höllisch mißfiel; daß er sich für sein hei« ! teres EpoS„Die Abbassiden" den Stoff ■"US der Märchenwelt von Tausendundeine Nacht , Uoste, erklärte er rundheraus mit dem Bedürfnis, ' zufliehen in fabelhafte Zeiten", da. seine Zeit f--betrübter ward und ärmer". Mit Nichten jedoch steckte in seiner Vorliebe für ungewöhnliche Versmaße und in seiner schroffen Ablehnung des |"Hobels" ein reaktionäres Gelüst; Pöbel hieß ! M der knechtisch kuschende Untertan einer Ge- Maltherrschast, aber„die Freiheit hebt ein geläu- » Mes Volk über den Pöbel empor.„Freiheit, ja, - i h e i ti war d e t Jb e r v f e r n« s• gebens u n d S t r e b e n S; mit gerech-» - lk>n Stolz durste er von sich sagen: Dem ergiebt die Kunst sich völlig. Der sich völlig ihr ergiebt. Der die Frieheit heißer, ÄlS er Not und Hunger fürchtet, liebt, das Soziale, das doch in Gestalt der Lehre Mut-Simons an die Herzen mancher Zeitgenos- lsa auch in Deutschland rührte, fehlte ihm das Wirkung der Sanktionen In den eriträischen Hafen von M a s s a n q find vor Beginn der Sanktionen große Mengen O e l für die an der Nord- und Südfront kämpfenden motorisierten Truppen gelagert worden. die französische Julirevolution als machtvoll beredten politischen Sänger auf die Schanzen rief. In jene Zeit fiel sein Zwist mit H e i n e, der der tieferen Gründe entbehrte; beide waren poetische Vorkämpfer einer neuen, einer demokratischen Ordnung der Dinge. Leidenschaftlicher begehrte selten ein großer Dichter im Kampf um der Menschheit große Gegenstände auf als Platen, da er in seinen„Polenliedern" den russischen Zerstampfer der für ihre Unabhängigkeit fechtenden Polen vor sein unerbittliches Gericht zog: die Furien beschwor er,„dem Würger der bestesi Bürger" die Kralle auf die Brust zu setzen: . Ihr wißt, Tyrannen Sind vogelfrei. Männliche Klage um das Los der Unterliegenden anstimmend: Soll der Freiheit Sonne sinken, Folgt ein langes Abendrot, brandmarkte er zugleich jenes Preußen, das sich zum Büttel des Zarismus erniedrigte; die beißende Satire„Der Rubel auf Reisen" stäupte aste jene feilen Kreaturen, ,hje für dreißig. Silber« singe die Menschheit verrieten und einem blutigen Gewalthaber Weihrauch streuten: Der Rubel klirrt, der Rubel fällt, WaS ist der Mensch? Ein Schuft! Und wenn die Welt dir nicht gefällt. So steig in deine Gruft. Kommende Revolutionen nahm sein„Aufruf an die Deutschen" vorweg: Eilt, o Söhne Teuts, herbei. Stürzt die kleine Tyrannei! Metternich und Nesselrode Sind so ziemlich aus der Mode: Wollen sie zurück euch weisen. Greift zum Eisen! Gleich unverzagt ging Platens Lied der Reaktion in Spanien und Italien zu Leibe, grüßte und krönte hier wie dort» die Märtyrer der Freiheit und drohte den Jesuiten wie allem rückschrittlichen Gelichter: Wer Fortschritte des Menschengeschlechts in satanischer Dummheit Hemmt, er verwirft Schonung. Fort, an den Galgen mit ihm! Einst hatte er, allzu gutgläubig, in sein Tagebuch eingetragen:„Gottlob, daß endlich in Deutschland eine Zeit gekommen ist, wo man die Finger nicht mehr auf die Folter spannt, die freie Fedenr führen"; dann mußte er erleben, wie„der mörderische Zensor" seine Lieder verstümmelte und seine Harmonien zerriß, aber allen Zeiten kündete er den Triumph des Geistes über stumpfen Zwang, wenn er einem„Ultra", das war: einem Ultrareaktionär, zurief: Du willst der Rede sehen ihre Schranke, Einkerkern Schrift und Wort? Umsonst! ES wälzt sich jeder Glutgedanke Bacchantisch und unsterblich fort! Solcher Zukunftsglaube hinderte Platen nicht, allmählich an der unbeweglichen deutschen Gegenwart zu verzweifeln. Als er 1826 i n I t a- l i e n eine neue Heimat suchte, bedauerte er: Zeit nur und Jugend verlor ich in Deutschland, LebenSerquickung Reichte zu spät Welschland meinen ermüdeten Geist. Und ttefste Bitternis über alles, was er bei und von seinen Landsleuten gelitten hatte, floß in den VerS:„Wie bin ich satt von meinem Vaterlande!" In der Fremde, in SyrakuS auf Sizilien, starb Platen am 5. Dezember 183S, noch jung, doch in dem Bewußtsein, den Besten seiner Zeit genügt zu haben. Mit Recht feierte ihn Herwegh als„den Genius der Freiheit", der„statt der Jakobinermütze den Lorbeer" trug; kein anderer Freiheitsdichter, sei es Freiligrath, sei es Prutz, der Platen nicht sein Totenopfer gebracht hätte. Am unbedingtesten aber huldigte ihm Ferdinand Las« falle als«einem der gedankenttefsten Dichter der gesamten deutschen Literatur"; mit Platen, „dessen Busen von der brennendsten Sehnsucht für die Freiheit seines Volkes schlug", sah der Auftüttler der deutschen Arbeiter den Reigen der Poeten beginnen, die„in den großen und realen geistig-politischen Interessen der Völker das begeisternde Prinzip ihrer Lyrik erblicken". Roher Raubüberfall auf einen Schuljungen Angeklagter freigesprochen, aber in Haft belassen. Prag. Ein aufregendes Erlebnis hatte am 8. August der 12jährige Schulknabe Jarosiav R e z e k aus dem Dorfe PsarybeiEul e. Seine Eltern schickten den Jungen auf Einkauf in die Stadt. Ja- roflav fuhr auf seinem Rad und hatte eine Mten- tasche an der Lenkstange befestigt. Zur Besorgung des Einkaufs haften ihm die Ettern s i.eb e n flä mitgcgeben.«p. Groß war der Schrecken der Eltern^ als nach einiger Zett der Junge in erbarmungswürdiger Verfassung heimkehrte, oder besser gesagt, heimge- bracht wurde. Er hatte nahezu die Sprache verloren und konnte zunächst nur durch Gebärden andeuten, daß er auf der durch einen Wald führenden Sttaße überfallen worden sei. Näheren Bericht erhielten die Eltern erst durch den Radfahrer, der das halb ohnmächtige Kind nachhause geführt hatte. Dieser Radfahrer war gerade im richttgen Augenblick gekommen, um einen schänd« lichen Raubiwerfall im letzten Moment zu verhindern. Der Junge war auf der Sttaße einem älteren Mann begegnet, der etwas auf einem Zeitungspapier aß. Als er etwa fünf Schritte von ihm entfernt war, ließ der Unbekannte plötzlich das Eßpäckchen fallen, stellte sich dem kleinen Jarosiav in den Weg, hielt sein Rad auf und rief mtt erhobenem Stock: „Her mit dem Geld!" Der Junge versuchte zu entkommen, indem er gleichzeitig die Aktentasche mtt allen Kräften festhielt. Der Räuber vermutete offenbar einen größeren Geldbettag bei dem Knaben, denn für sieün Kronen steht da? Risiko einer Anklage wegen Raubes sicher nicht. Der Gewalttäter versetzte dem Jungen einen Stockhieb überdenKopf, sodaß derKna- bebetäubt in den Straßengraben fiel. In diesem Moment tauchte zum Glück ein Radfahrer auf und der Räuber entfloh. Der Radfahrer nahm sich des Jungen an und brachte das verstörte Kind nachhause. Als Jarosiav einigermaßen zu sich gekommen war, nahm ihn sein Vater auf sein Fahrrad und machte sich zur Verfolgung des Räubers auf. Sie hatten Glück, denn es gelang ihnen, auf der Sttaße einen Mann einzuholen, bei dessen Anblick der Junge aufgeregt ausrief:„Dasister! Das ist er!" Erst mit diesem Ausruf hatte der Nein« Jaroslav die zusammenhängende Rede wiedergefunden. Auf den Aufschrei des Jungen hin versuchte der Verdächtige zu flüchten, wurde aber eingehoü und mit Hilfe anderer Passanten dingfest gemacht. In ihm wurde der 40jährige Karl Kopp auS Prag festgestellt. Die Festnahme ging nicht eben glatt vor sich, denn der verdächtige Mann wehrte sich aus Lei- beskräften. Als man ihn zur Gendarmerie gebracht hatte, war er es, der sich wegen„grundlosen UeberfalleS" bitter beschwerte und sich hoch und teuer verschwor, mit dem Raubüberfall nicht daS mindeste zu tun zu haben. Es liege eine Verwechflung vor. Nun sprach aber nicht nur die bestimmte Aussage deS überfallenen Jungen, sondern auch eine Reihe verdächtiger Begleitumstände. Warum versuchte er zu flüchten, als er sich vom Vater seines Opfers verfolgt sah? Warum versuchte er, als er zum Tatort geführt wurde, das dort noch liegende Zeitungspapier des Eßpaketes verschwinden zu lassen? Dergleichen belastende Umstände sind noch mehrere und das Jndizienmaterial reichte zur Begründung der Raubanklage aus, die dann auch erhoben wurde. Vor dem Schwurgericht(Bors. GR. H r u 8 k a) blieb der Angeklagte bei seiner Darstellung. Bon dem Raubüberfall wisse er nichts und sei unbegrün- deterweise mit dem Täter verwechselt worden. Karl Englands finanzielle Rüstung London. Die Montag abends angekündigte Ausgahe von zwei Anleihen im nominellen Gesamtbeträge von 300 Millionen Pfund hak die Oeffentlichkeit überrascht. Verschiedene Blätter weisen mit Befriedigung darauf hin, daß der ungewöhnlich niedrige Zinssatz einen Beweis für die Stabilität des britischen nationalen Kredits bilde. Die Blätter nehmen an, datz der größere Teil der Anleihen zum Rückkauf alter Anleihen benutzt und der Rest für eine Der« Minderung der schwebenden Schuld verwendet werden wird. Mehrere Zeitungen bringen die neueste finanzielle Transattion ihrer Regierung auch mit den bevorstehenden Ausgaben für das AufrüstungSprogramm in Zusammenhang. Kopp ist psychiattiert worden und die Gerichts« ärzte haben ihm bescheinigt, daß er in mäßigem Grade schwachsinnig ist, aber verantwortlich im Sinne des Gesetzes. Die Geschworenen erachteten indessen die von der Anklage produzierten Beweise nicht für hinreichend und bejahten die Schuldfrage nur mtt fünf Stimmen, so daß der Schwurgerichtshof einen Freispruch fällen mußte. Bei der Urteilsverkündigung rief die im Zuschauerraum anwesende Frau des Angeklagten die« sem zu:»Karl, gift ist es mtt dir ausgefallen!" Staatsanwalt Dr. M e j st t i k gab sich indessen mit diesem Urteil nicht zufrieden und meldete Nichtigkeitsbeschwerde an. Gleichzeitig beantragte er, den Angeklagten bis zur Entscheidung des Obersten Ge- richtes inHaftzu belassen. Der Gerichts« Hof gab diesem Anttag statt. rb. Skandalöse Wirtschaft „intregal-nationaler" Funktionäre im Juristenverein„Böehrd" Schwere Defraudationen der Settrtäre— Zeh« Monate und vier Monate schweren KerkrrSl Prag. Der größte und angesehenste tschechische Studentenverein ist der Juristenverein„B s e h r d". Wie in allen Vereinigungen der tschechischen Studentenschaft(vor allem in den Fach- und Fakultätsvereinen), kam es auch im„Vsehrd" mit dem Anschwellen nattonalistischer und fascisierender Strö« mungen in der Akademikerschaft zu Kämpfen zwischen der fortschrittlichen Linken und der reaftionä« ren Rechten und vor einigen Jahren ging die Verbandsleitung in die Hände der vereinigten Reaftion über. In den letzten zwei Jahren hat eine erfteuliche Umkehr eingesetzt und die letzten Ausschußwahlen der einzelnen FakultätSvereine zeigen allenthalben einen starken Ruck nach links. In einer Reihe von Vereinen hat die Linke die Mehrheit erkämpfen können und auch im„Bsehrd" ist die ehemalige mächtige reakttonäre Mehrheit auf ein winziges StimmenpluS zufammengeschmolzen. '! Daß zu dieser Umkehr auch die siandalöse Wirtschaft der„integral-nattonalen" Amtswalter der„Vsehrd" das ihre beigetragen hat, steht außer Zweifel. Es ist noch nicht so lange her, datz der damalige Sekretär dieses Vereins JUC. K o p e ö n h vor dem hiesigen Kreisgericht zu z e h n Mona« ten schweren Kerkers verurteilt wurde, weil er sich schwere Beruntteuungen bei Führung seiner AmtSgeschäste hatte zuschulden kommen lassen. Kopeönh war eigentlich ein Opfer seiner kapital« schweren„integral-nationalen" Kollegen und Ge« sinnungSgenossen geworden, mit deren„vornehmer" Lebensführung er Schritt halten wollte. Da er armer Leute Kind war und nicht über daS Taschengeld der reichen Bürgersöhnchen verfügte, die dort den Ton angaben, lietz er sich zu ausgiebigen Griffen in die anverttaute Bereinskaffe verleiten. Sein Nachfolger wurde ein gewisser JUC. Eduard Bärtl, der sich bei der Untersuchung gegen seinen kriminellen Vorgänger solche Verdienste erworben hatte, datz man ihn zu dessen Nachfolger als Vereinssekretär ernannte. Natürlich war auch Bartl„integraler Nattonalist" und hatte Gelegenheit, sich als solcher zu bewähren, denn seine Amts- dauer fällt gerade in die Zeit der.^Insignienkrawalle", die im„Vsehrd" einen besonders lauten Widerhall fanden. Trotz seiner„Verdienste" in dieser Richtung war indessen auch JUC. Bärtl nach nicht allzulanger Zeit gezwungen, auf der Anklagebank Platz zu nehmen. Es kamen Unterschlag u n gen zutage, die annähernd auf 8600 flä geschätzt werden. Bei dm Malversationen BärtlS kamen diesem die sonderbaren Machinationm zustatten, die von der nationalistischen Verbandsleitung anlässlich der vorjährigen Ausschuhwahlen getrieben wurden. Damals stellte man, um für die reaktionäre Wahlliste Sttmmen aufzutreiben, kostenlose Mitgliederlegitimationen für Rechtswähler aus, obwohl der reguläre Mitgliedsbeitrag 10 Kt beträgt. JUC. Bärtl natzn, nicht mit Unrecht an, datz bei solchen kompliziertm Verrechnungen ein guter Griff in die BereinSkaffe getan werdm könne. Irgendwie klappte die Sache aber doch nicht und der Skandal flog auf, wobei auch noch zutage kam, datz Defraudationen BärtlS sich auch noch auf andere Gelegenheiten erstreckten. Die Verhandlung gegen Bärtl zog sich sehr lang hin, bis endlich vor dem Strafsenat B einer das Urteil gesprochen wurde. JUC. Eduard Bärtl wurde zu vierMonatenschweren Kerkers verurteilt— bedingt auf drei Jahre, rb. Das Gesetz über-ie Finanzmaßnahmen im Bereiche der Gebietsselbstver« wattung(Entschuldungsgesetz) von Dr. D. Frank, kann zum Preise von 1v KL auch-ei der Gemeindeberatungsstelle bezogen werden. Seite 6 „Sozialdemokrat" Donnerstag, 5. Dezember 1935. Nr. 283 Z forkt* QiML&äf muss die Vorzüge besonderer Leuchtkraft, Wirtschaftlichkeit und Zuverlässigkeit in so hohem Masse aufweisen, wie die Präger Zeitung Lebendige Internationale! Unweit Paris bauten im vergangenen Sommer die Roten Fallen aus Frankreich, Bedien, Holland, England, der Tschechoslowakei, der Schweiz, ja selbst aus Deutschland, Oesterreich und Polen große Zeltdörfer auf, errichteten für einen Monat ein von wahrem internationalen Geiste getragenes Gemeinwesen. Rote Ballen aus Holland schlossen Freundschaft mit unseren Fallen, die Jungen und Mädel der englischen Woodcraftbewegung, die Flamen und Wallonen, die munteren Franzosen, alle halfen, die Kinderrepublik zu einem großen Erlebnis für ihre Insassen und ihre Gäste zu machen. In Massen strömten die französischen Genossen zu den großen festlichen Veranstaltungen, welche alle Sonntage in der Zeltrepublik stattfanden. Auch aus Prag hat eine Gruppe unserer Sturmfallen und Roten Falken an dieser Kinderrepublik teilgenommen. In ausgezeichneten Bildern hat der Photodienst der Sozialistischen Erziehungsinternationale ein Stück dieses froh bewegten Lebens eingefangen und zu einer Lichtbildserie zusammengefaßt, die Sonntag, den 8. d. M., im Rahmen der Kinder- Herbstfeier der Prager Kinderfreunde(halb 8 Uhr, großer Saal im Deutschen Handwerkerverein, Smeöka) vogeführt wird. Kein Genosse versäume diese Gelegenheit, die Bilderseri« von der lebendigen Internationale unserer sozialistischen Erziehungsbewegung kennen zu lernen. Sieben Jahre unter falschem Namen. Gestern wurde ein Mädchen verhaftet und wegen Urkundenfälschung nach Pankratz eingeliesert, die sieben Jahre lang in Zizkob unter dem Namen Susanne Pova- zan bei einem Gastwirt gedient hatte, während sie in Wirklichkeit Marie Sekeres, die Tochter einer ziemlich wohlhabenden Familie aus Pytelov bei Kremnitz war. Im Jahre 1929 hatte die Kremnitzer Gendarmerie die 22jährige Marie Sekeres, geborene Duc, als seit dem 1. Feber 1928 vermißt gemeldet. Solange hatte es nämlich gedauert, bis sich ihr aus Frankreich zurückgekehrter Gatte— ihr Kind hatte sie zu Hause gelassen— zu einer Anzeige entschloß. Nach langem Suchen wurde festgestellt, daß die Vermißte einer gewissen Susanne Povajan ihr Dienst- mädchenbuch gestohlen hatte, so daß man fie nun, da der Verdacht nahelag, daß sie auch den Namen der PovaZan angenommen hätte, unter beiden Namen suchte; bis gestern ohne Ergebnis. Sie hatte sich nämlich auch unter dem Namen Povajan niemals polizeilich gemeldet und erst ibr neuer Dienstgeber, der sie selbst gnmeldete, brachte ohne es zu wissen, die Angelegenheit ans Licht. Die Sekereß gibt an, von ihren Eltern bereits mit 16 Jahren zu einer verhaßten Ehe gezwungen worden zu sein, die durch die Schuld ihrer Schwiegermutter bald vollends unerttäglich wurde. So habe sie die Flucht vorgezogen.— Im Dienstbotenbuch der Povazan hat sie uberdses deren Geburtsjahr gefälscht, was dje eigentliche Ürriinverffälschnng'm GegensäD zum bloßen Tatbestand der Falfchmelduna, den sie durch ihr Verhalten gesetzt hat, darstellt. Brückenpfeiler als Wohnung. Vorgestern bemerkte ein Nachtwächter, daß sich aus dem Hohlraum des dritten Pfeilers der Liebener Brücke, wo öfters Personen zu übernachten pflegten, dicke Rauchwollen wälzten. Nach kurzer Zeit bemerkte er einige junge Burschen, die auS den zerbrochenen Fenstern krochen und Anstalten machten, vor ihm davonzulaufen. Er holte sie ein und übergab sie der Polizei, die feftstellte, daß sie die im Hohlraum befindlichen Decken, Strohsäcke, etc., die die dort ilebernachtenden aufgehäuft hatten, offenbar beim Spiel angezündet hatten. Infolge der starken Rauchentwicklung konnte das Feuer rasch bemerkt werden. Die Feuerwehr konnte in kurzer Zeit den Brand löschen. Der Schaden ist unbedeutend. Dorträgr Der Lyriker Moriz Seeler Das ist wohl der einzig wahre Weg. auf dem heute eine nicht zum Gebrauch und zur kabarettisti- schen Unterhaltung bestimmte, sondern als dichterisches Spiel mit Phantasie und der sprachlichen Form entstandene Lyrik in eine begrenzte, aber interessierte Oeffentlichkeit gelangen kann: daß ein Freunv dem Dichter eines Tages die Manuskripte mit sanftem Druck entwendet und einen Kreis von Bereitwilligen zusammenrust, um ihm die Verse vorzutragen, die da im Laufe vieler Jahre ohne Anspruch auf öffentliche Wirkung entstanden sind. Daß der Zuhörerkreis, der sich im kleinen Urania-Saale eingefunden hatte, um Heinrich Fischers Vorlesung aus den unbekmulten Gedichten Moriz Seelers zu hören, verhältnismäßig zahlreich war, liegt daran, daß der Lyrller Seeler nur als Lyriker unbekannt geblieben ist. Als entdeckungsfteudiger Leiter der Berliner.Lungen Bühne" und als Autor des ersten erfolgreichen deutschen Avantgarde-Films„Menschen am Sonntag" hat er sich schon vor vielen Jahren einen Namen gemacht. Die Verse SrelerS find durchaus nicht avant- aardiftisch. sie streben im Gegenteil zu einer beinahe klassizistischen Form, und es find wahre Virtuosenstücke des StrophenbauS und Musikstücke des Sprachklangs darunter, die mehr beweisen, als daß ihr Autor ein kunsterfüllter Kenner der deutschen VerS- kunst von Platen bis Stefan George ist. Er ist ein Dichter mit einer quellenden und wuchernden Phantasie. die kaum die Berührung mit der äußeren Realität sucht und deshalb auch die Berührung mit dem Publikum nicht gesucht hat. Aber wo diese Phantasie sich in knabenhaften Träumen von erotischen Abenteuern und prahlerischem Heldentum ergeht, von einer Ironie gebändigt, die an Benn, Klabund und Brecht erinnert, spricht fie den Zuhörern unmittelbar an und so machten balladeske Gedichte wie„Die alte Seekarte", der„Regengott", der„Untergang der Hispaniola" oder die satirischen Strophen„Virginia 1802" den stärksten Eindruck auf dar Publikum da» den Interpreten dieser Verse mit dankbarem Beifall bedachte(während der Autor sich unerkannt im Hintergründe hielt).—eis— Der Niedergang der HmnanitätSidee und die Grundlagen ihrer Wirderaufrichtung. Borttag von Dr. A. Goldschmied in der„Deutschen Gesellschaft für sittliche Erziehung" am Montag, dem 9. Dezember, halb 8 Uhr(7 Uhr Generalversammlung) im Karolinum. Hörsaal I. Grundsätzliche Besinnung über das brennendste Gegenwartsproblem.— Eintritt srei. Vortragsabend Klaus Man» am 9. d. M. im .Iiadiosaal" unter Mitwirkung von Jarmilla K r o n- b a u r o v ä. Außer Werken von Klaus Mann in tschechischer Sprache gelangt ein für diesen Abend geschriebener Aufsatz von Voskovec und Werich zum Vortrag. Alle Parteimitglieder, alle Zugendgenoffinnen und-genoffen sind herzlichst eingeladen z« der am 8. Dezember«m halb 3 Uhr nachmittags im großen Saale des Deutschen Handwerkervereins, Smccka 22, stattfindenden Kirrder-Herbstfeier Die Roten Fallen werden Euch ein lebendiges Bild ihrer Bewegung zeigen. Die Kinder des Arbeiter-TurnvereinS werden Tänze vorführen. Ihr werdet Bilder auS der großen internationalen Falken-Republik in Frankreich sehen. Kommet alle und bringet auch Euere Bekannten mit! Kinderfreunde Prag. Xunst nncl Msssn Theodor Scheidl dankt man neuerdings einen in vieler Hinsicht vorbildlichen Liederabend (Dienstag in der„Urania). Daß ein so hervorragender Gesangsschauspieler wie Scheidl mit Schumanns„Beiden Grenadieren" oder Liszts„Drei Zigeunern" starke Wirkung erzielen werde, war Vorwegs klar. Fast überraschend aber war das immense lyrische Vermögen Scheidls, seine Kunst der Ausschöpfung und Gestaltung des Zartesten und Subtilsten, wie es beispielsweise in Brahms'„Feldeinsamkeit" oder.Mainacht" niedergelegt ist. Und geradezu bewundernswert die tiefe Weche, mit der Scheidl Gedanken und Gefühle im Hymnus auf das .^Trinkglas eines verstorbenen Freundes" verlebendigt. Aber auch den Vier biblischen Liedern von Dvokak lieh der vornehme und dabei ungemein sympathische Künstler überzeugend den reizvollen Timbre seiner Stimme, deren Wärme, Kraft und mustergültige Führung im Verein mit Scheidls Geschmack, Sttlficherheit und innerer Versenkung in jedes der dargebotenen Keinen Kunstwerke diesen Liederabend zu einem ganz erlesenen Genuß machte und dem Sänger(wie seinem seriösest und mit feiner Differenzierung spielenden Begleiter am Flügel, Fritz Rieger) viel ehrlichen und ehrenden Beifall eintrugen. l. g. Fritz Zweig, der Kapellmeister des Prager Deutschen Theaters, errang dieser Tage in der Pariser Opera-Comique mit einer deutschen. Aufführung des„Figaro" ungewöhnlichen Erfolg. Das„Pariser Tagblatt" rühmt eine„im ganzen prachtvoll abgetönte, die himmlische Grazie und Heiterkeit mozarttscher Klang- und Empfindungswelt gestaltende„Aufführung" und verzeichnet minutenlange, stürmische Beifallskundgebungen. „Wo bleibt Knappertsbusch?" Die„Münchner Neuesten Nachrichten" stellen am Schluß eines Berichtes über die jüngste„Siegfried"-Aufführung am Münchener Nationaltheater.(zu deren Leitung in letzter Stunde ein Dirigent für den Opernchef Knap« pertsbusch einspringen mußte) fest: Die nach den ersten Takten des Vorspiels von der Galerie laut in das Haus gerufene Frage: „Wo bleibt Knappertsbusch?". führte, bei plötzlich wieder erhelltem Haus zu einer kleinen Kund- gebung. Daß zwischen dem berühmten Knappertsbusch und der Intendanz nicht alles, in Ordnung ist, weiß man seit langem. Daß aber in dieser Luft, in der alles nur Fügsamkeit atmen darf, mitten in ein Orchestervorspiel hinein solcher Ruf von der Galerie dringt, daß es dann wieder hell wird im Theater und daß es schließlich dort zu einer„kleinen Kundgebung" kommt, läßt doch ttefer blicken. Richtigstellung. In unserer vorgestrigen Nottz über„M oderneKunsterziehung"soll es im letztem Absatz richttg heißen:„Die prakti- schen Beispiele zur Theorie und Lehre Kestenbergs gaben:.... im rhythmischen Sinne Schüler Frau Berti Kalman- Sommers" statt Kollmann- Sommers. Deutsche Akademie für Musik und darstellende Kunst. Montag, den 9. Dezember. 20 Uhr, Interner Abend im Saale des Lyzeums. Werke für Gesang, Klavier. Violine, Horn und Harfe. Arteitervorstellnng„Kameraden", Komödie von Sttindberg, welche in der Kleinen Bühne mit großem Erfolg, aufgeführt wird, am Sonntag, dem 15. Dezember, um halb 3 Uhr nachmittags im Neuen Deuffchen Theater. Wochenspielplan des Rene« Deuffchen Theaters. Donnerstag hall» 8: P e l l 6 a s undMeli- s a n d e, C 1.— Freitag halb 8: Die erste Legion, D.2.— Samstag halb^Tanzabend Trude Schoop, Abonnement aufgehoben.. Wochenspielplan der Kleinen Bühne. Heute Donnerstag halb 8: Anna sagtnein, Erstaufführung.— Freitag 8: Kameraden.— Samstag halb 8: Wozzek.— Die Geschichte vom Soldaten, neuinszeniert. Der Mm Die letzten Tage von Pompeji Mit dem gleichnamigen, einst viel gelesenen Roman von Bulwer hat dieser amerikanische Film nichts zu tun. Aber es besteht kein Anlaß, sich auf diese literarhistorische Frage«inzulasien, denn es ist klar, daß sich der Film, auch wenn er sich«in« eigene Handlung erfunden hm, dieselben Wette angestreor hat wie der Bulwersche Roman: die Effette. die sich aus dem Thema von selbst ergeben: die schwelgende Ueppigkeit spätrömischen Lebens, die wüste Grausamkeit der Gladiatorenkämpfe. das Heraufdämmern des Christentums und am Ende die große Naturkatastrophe, die alle Pracht und allen Uebermut der Lurusstadt Pompeji in den Lavafluten des Vesuvs begräbt. Mit echt amerikanischer Ueberdeutlichkeit ist in diesem Film der Held der Handlung, der aus einem armen Schmied zum gefeierten Gladiator und zum großen Mlavenhalter wird, zum Augenzeugen der'letzten Tage Christi in Jerusalem und Pontius Pilatus zum Besucher in Pompeji am Tage vor der Katastrophe gemacht worden, und die Liebe, die den Römerjüngling um der geliebten Sklavin willen in die Arena führt, ist aus dem„Zeichen des Kreuzes" übernommen worden. Der.King Kong"-Regisseur E. B. Schoedsack hat dieses große Film-Theater (in dem nur Preston Foster ein« größere Rolle spielt) in dem monströsen Sttl in Szene gesetzt, deffen Spezialist er ist. und wenn am Ende die großen vom» pcjan.ischen Kulissen brennend und krachend zusam- Greta Gart» in der Titelrolle des Films„Königin Christine". menstürzen und dem sterbenden Sünder die Vision des Heilands erscheint, sind alle Erwartungen erfüllt, die ein nach den letzten Tagen von Pompeji verlangendes Publikum haben durste.—eis— Cki& cler Partei Bezirksorganisation Prag Disknssionsabend. Donnerstag, den 5. Dezember, um 8 Uhr abends Diskuffionsabend über das Thema„Die Bedeutung der Zinssenkung für die Volkswirtschaft". Referent Genosse Heinz Fischer. RW Prag. Heute Donnerstag, 8 Uhr, Vorttag im Parteiheim. Deutsche Volksfinggemeinde Prag Wir laden alle unsere Freunde rin z« der am Samstag, dem 7. Dezember, im Hause Btt Beseda, Prag II., Smctty 27, statffindrnden gemütlichen Nikolofeier Gesangsvorträgr des Frauen- und des Mia- ncrchors(Leitung Genosse Janetschek), Solovorträge, lustiges Allerlei, Mitwirkung einer Frauen- und Männrrrirge des AtuS, Tombola, fröhlich» Nikolopost. Beginn Punkt 7 Uhr abends. Freie Bereinigung sozialistischer Akademiker. Der Ausflug nach Neratowitz ist auf nächsten Mittwoch, den 11. Dezember, verschoben. Anmeldungetl bei Genossen Arthur Kreisky, Prag XlV., Pod Bilami Rr. 16, Telephon 58.185, oder spätesten! am Gruppenabend am nächsten DienStA wo über das Thema„Sozialistische Wehrpolitik" diskutiert werden wird. AtuS Prag. Donnerstag, den 5., um 9 Uhr abends Ausschußsitzung, Verein deuffchek Arbeiter, Prag. Smekky 27. Sport-Spiet-JCwpiepffcff Der„Umbruch" im DFB Der GauWesten— bekannt unter der Bezeichnung.Wildwestgau"— des deutschbürgerlichen Fußballverbandcs in der Tschechoslowakei hielt vor kurzem eine Gauleitungssitzung ab, in der der Vorsitzende des DSK Reudek sich in antisemitischen Aeußerungen erging. Der als Gauvertreter amvesende Dr. M ü h l str im, ein I u d e, zog däraufhin alle Konsequenzen und letzte fein* F u nktio»nieder mtt der Erklärung: Ein Jude habe heute in der Sportbewegunk d«S DFB nichts mehr zn suche«. Der DSK Neudek identtfiziert« sich nach Bekanntwerden dieser Angelegenheit nicht und forderte seinen Vorsitzenden, dessen Namen uns leider nicht bekannt ist, auf, diese Funktion niederzu- legen. Tas ist vom DSK Neudek sehr anständil gehandelt. Wie wir schon gelegentlich des außerordentlichen Verbandstages des DFB berichteten, strebt dff DFV eine.Reform" an, die in eingeweihten Kreisen nicht mißverstanden wurde. In dieser Angelegenheit ist der Antrag, vom W e st g a u ausgegau- gen. Wie sich diese.Reform" in W i r k l i ch k e t* gestalten wird, das beweist die.Entgleisung" de« Neudeker Herrn. Der Weg, den der derzeitige DF" gehen will, scheint sehr, aber schon sehr schlecht getarnt zu sein! Tschechisch« GewerkschaftSsporffer— bürgerlich organisiert. Der mittelböhmische Bezirk deS tsche- chischbürgerlichen Leichtathletikverbandes,(CsAAul hielthielt vor nicht langer Zeit in Prag eine TaguN« ab. Von 32 Klubs hielten eS nur neun für notwendig, an den Geschehnissen ihrer Organisation Anteil zu nehmen. Interessant ist aber jedoch, da« der Einheitsverband der Privatangestellte* seine Sportsektion in dieser bürgerlichen Organisation stehen hat und noch dazu einen Vertretet in den Vorstand enffendete I Mitteilungen ans dem Publikum. Fast in allen Länder» gibt es Prüfanstalte«- wo die Qualität der Glühlampen geprüft, resp. festgestellt wird, ob sie für den konsumierten Stro^ tatsächlich die beim heuttgen Stande der Technik höchsterhältliche Lichtmenge geben. Größere Betrieb» und Anstalten haben sogar selbst solche Einrichtungen, um sich vor der Lieferung minderwertiger LaiU- pen zu schützen. In unserem Lande werden für d»- leuchttsiigskosten in einem Jahre Hunderte Millionen auSgegeben. Es liegt also im Interesse eines jede* Stromverbrauchers, nur solche Lampen zu verwenden, die wftklich ökonomisch sind. Die führende* Glühlämpenfabriken haben nach langer, mühevolle* Forscherarbeit entdeckt, daß eine größere Lichtle»- stung erreicht werden kann, wenn in den längst gn^ bewährten gasgefüllten Lampen doppelspiralisiem Glühkörper, Doppelspiralen genanrtt, verwend»« werden. Die gaSgefüllte Tungsram»D"-Dopp»^ spirallampe macht die Beleuchtung wirtschaftlich»* 23—d' Stnhlverstopfnng. Spezialärzte sür Verdös ungSkrankheiten erklären, daß das natürlich* „Franz-J»sef"-Bitterwaffer als ein sehr zweckdi»^ licheS Hausmittel warm zu empfehlen sei. 814^" Bezugsbedingungen: Bei Zustellung ins SauS oder bei Bezug durch die Post monatlich Kt 16- bitMwitw Kö 48— barbwbna Kd»6^- ganziabrw Kä 192.—.- Inserate werden laut Tarif billigst berechnet. Bei öfteren Einschaltungen Preisnachlaß— Rückstellung von Manuikripten erfolgtnurbei Emiendung der Retourmarkem— Die Zeitungsfrankatur wurde von der Post- und Tel«, ».aris viuign oercan graphendirektion mtt Erlaß Nr. 18.800/VI1/1930 bewilligt.- Drucker«:.HrbiS. Druck«. Verlags, und Zettungs.«..G., Prag.