Sonntag, 8. Dezember 1935 Nr. 286 15. Jahrgang Einzelpreis 70 Heller (•ImchlitBlich 5 H.ll.r Port») 1ENTRALORGAN. DER DEUTSCHENSOZIALDEMOKRATISCHEN ARBEITERPARTEI IN DER TSCHECHOSLOWAKISCHEN REPUBLIK ERSCHEINT MIT AUSNAHME DES MONTAG TÄGLICH FRÜH. Redaktion und Verwaltung frag xii.. fochova a. telefon son. HERAUSGEBER! SIEGFRIED TAUB. CHEFREDAKTEUR! WILHELM NIESSNER. VERANTWORTLICHE REDAKTEUR! DR. EMIL STRAUSS, FRAG. Der Krieg gegen Frauen und Kinder n I uns yaoen wrro, oas ore r5e^esung oes K a m Von Petroleum nach Italien beschleunigt tverden wird. Sie hätten vor allem die geistigen Werte deS neuen Italien nicht in Rechnung gestellt. Eine Lösung deS Konfliktes könne nicht ohne Sicherstellung der Rechte und Interessen Italiens erfolgen. Inzwischen werde in Italien und in Ostafrika die Aktion fortgesetzt, bis die italienischen Truppen und die fascistischen Schwarzhemden dem Vaterland den entscheidenden Endsteg gebracht hätten. Mit Genugtuung nehme man in Rom Kenntnis von dem Wunsch des Foreign Office nach einem starken Italien mit einer starken Regierung, wie sie ja die fascistische sei. Aber Italien könne nicht io wie es Hoare wünsche und wie er eS, Mussolini, selbst wünsche, stark sein, wenn nicht das Sicherheitsproblem seiner Kolonie in Ostafrikst gelöst sei. Das italienische Volk schätze zwar Hoares Worte, urteile aber nach den Taten. Die Petroleumsperre, die am 12. Dezember beschlossen werden soll, sei ein Ereignis, das die Lage schwer beeinträchtigen müsse. Vor allem fühle sich Italien in moralischer Hinsicht durch die Sanktionen verletzt und beleidigt. Die reichen Völker, die es auf diese Verletzbarkeit Italiens abgesehen hätten, hätten sich jedoch verrechnet. Tie Organisation der Feuerkreuzler erklärt«, sie keine Sturmtruppen noch Waffenlager bell). Sie bleibe als, eine reine Jnteresserwer- Krieg lokal zu beschränke und ihn zu verkürzen. Wir stnd weit entfernt davon, uns angesichts der gegenwärtigen Ereignisse vollständig abseits zu stellen. Wir haben vielmehr schon zahlreiche Schritte«nternomme« und unseren Anteil zu den Bemühungen nach Wiederherstellung des Friedens geleistet, ja in vielen Punkten sind wir sogar viel weiter gegangen, als die übrigen Rationen. der Auflösung der Organisationen daö gesamte bewegliche und unbewegliche Eigentum beschlagnahmt und zugunsten deS Staates eingezogen wird und einen Abänderu-gsantrag angenommen, demzufolge die Dekrete, durch welche die gegenwärtigen Ligen bestätigt werden» vor dem 31. Dezember auSgeg'ben werden sollen. Nm halb 3 Uhr nahm schließlich die Kammer die drei Gesetzentwürfe mit 408 gegen 179 Stimmen an. Als Antwort auf die Rede Hoares und die französischen Friedensbemühungen hielt SamS» kag Mussolini eine Rede vor seinem Parlament, auS welcher sich nur der c i« e Schluß ziehen läßt, daß er trotz der Gefahr der Sanktionen den Krieg fortführen will. ausgearbeiteten Texten zurückkehren wird. Die abgeänderten Texte würden dann der Kammer zur zweiten Lesung zurückgestellt werden und die Regierung würde erst in diesem Falle die Vertrauensfrage stellen, insbesondere wenn sie eine große Mehrheit des Senates hinter sich haben wird. Die Negierung scheint namentlich daraüf zu bestehen, daß das Recht der Auflösung der umstürzlerischen Ligen den Gerichten und dem Justizministerium und nicht dem Innenministerium zustehe. daß sitze einigung ehemaliger Frontkämpfer, die an der Front für ihre Tapferkeit ausgezeichnet wurde, bestehen. Tie Organisation des Feuerkreuzes wurde im Vorjahre von der Zweigorganisation der sogenannten Rationalen Freiwilligen gegründet. An zahlreichen Stellen wird aufmerksam gemacht, daß diese Organisation aufgelöst werden sollte. Die royalistische Action Francaise besteht als politische Partei weiter. . Die Organisation der Patriotischen Jugend, deren Vorsitzender Deputterter Taittinger ist, wurde, wie es scheint, von den gestrigen Ereignissen überrascht. Es wird erklärt, daß sie sich wahrscheinlich in eine voliti'che volkSnätionale Partei umwandeln werde. Die Vereinigung„Französische Solidarität", Pa r i s. Während die beiden ersten Regierungsvorlagen über das Tragen von Waffen und das Verbot, durch die Presse zu Mord» Raub und Brandstiftung aufzufordern, einmütig angrnom- uien wurden, kam es bei der Beratung des ersten Artikels des Regierungsgesetzentwurfes über die Auflösung der Kampfverbände und der Privatmilizen zu ernsten Meinungsverschiedenheiten. Trotz dem Widerspruch der Rechten wurde bei der Beratung dieses Artikels ein sozialisttscher Abänderungsantrag angenommen, durch welchen der Text des Regierungsgesetzentwurfes ersetzt wird. Dieser Abänderu..gsantrag fetzt fest, daß der Minister des Innern(und nicht der Justizminister) durch ein Rrgierungsdrekret nach vorangegangener Beratung mit dem Staatsrat alle Verbände anflösen kann, di« öffentliche bewaffnete Manifestationen Hervorrufen, ihre Mitglieder ohne Bewilligung des Kriegsministers im Militärdienst schulen, unter Leitung von Führern und unter Einhaltung der militärischen Disziplin ihre uniformierten Mitglieder unter Fahnen und Flaggen versammeln und nach anßenhin das Aussehen von Kampfverbänden oder Privatmilfi »en tragen. Weiters nahm die Kammer mit 322 gegen 258 Stimmen einen Nachtrag an, daß im Falle In Addis Abeba wurde ein schriftlicher Protest veröffentlicht» der von sieben Arrz- ten des Roten Kreuzes unterzeichnet ist. In diesem Protest heißt es u. a.:»»Drei italienische Bombengeschwader zu je vier Flugzeugen haben Dessie überflogen und«ine ganz«. Stunde lang Brandbomben» Schrapnells und Lufttorpedos abgeworfen. Wir erklären auf das entschiedenste, daß die ersten Explosiv- und Brandbomben auf die Ambulanzen des Roten KreuzeS abgeworfen wurden, die mit einer großen Zahl internationaler Abzeichen gekennzeichnet waren. Fünf Bomben wurden in das Hospital Tafari Makonnen abgeworfen, in dem sich 65»kranke und Berwun- dete befunden haben und auf dessen Dach ein Rotes Kreuz aufgemalt war. Ter Operationssaal und zwei andere Räumlichkeiten wurden von den Bomben in Brand gesteckt. ♦ Paris. Die Italiener setzen ihre Luftangriffe auf die abessinische Städte fort. Die abessinische Stadt Dessie wurde Samstag neuerlich von italienischen Flugzeugen bombardiert und hat große Schäden erlitten. Der Aktionsradius der abgeworfenen Schrappnells und Bomben betrug 80 Meter.- Die Bomben verursachten an vielen Stellen, namentlich im Militärlager, Brände.— Es kursieren Nachrichten» daß auch Dschidschiga bombardiert wurde. verckleunlsung der Sanktionen? „New Dork Times" schreiben, daß die Bombardierung Dessies und des dortigen amerikanischen Hospitals in den Vereinigten Staaten Erbitterung sowie eine scharfe Kritik dieser italienischen Handlungsweise hervorgerufen habe, und zwar kritisiere man dieses Vergeben aus humanitären Erwägungen heraus. Getötet wurden hiebei auch Menschen, die absolut nichts mit dem Kriege zu tun haben, ja sogar Frauen und Kinder. Wie der Reuter-Korrespondent berichtet, glaubt man in Genf, daß die Bombardierung DessieS durch italienische Flugzeuge die Folge haben wird, das die Festsetzung des Datums für der SdP verschoben. Mag auch Herr Brand mit Diktatorengeste den Ministerpräsidenten abkanzeln und ihm wenig verblümt vörwerfen,'er habe sich sozusagen aus Angst gedrückt(„Der Regierungschef jedoch hak es vorgezogen, sich dem Eindruck der von ihm wohl selbst erwarteten Erwiderung zu entziehen"„Zeit" vom 7. d. M.) so wird die Oeffentlichkeit eben in dem Nichterscheinen Dr. Hödzas lediglich einen Beweis dafür erkennen, daß es ihm ernst ist mit dem Willen, einer totalitären und nazistisch orientierten, von Größenwahn befallenen Fraktion nicht Rede zu stehen. Die Wirkung im Lager der SdP ist zuverlässigen Berichten zufolge denn auch niederschmetternd. Ein Katzenjammer sondergleichen hat die Wissenden erfaßt, die sich im klaren darüber sind, daß der Weg, auf dem die SdP marschiert, ins Chaos mündet. Aber auch nach der tschechischen Seite hin ist manches geklärt worden. Die Rede deS Genossen Dr. Meißner hat das Gespenst eines Bür- gerblocks. das in den Träumen mancher Politi- ker umging, in den Winkel gescheucht. Der tsche- Än politischen Stellen der! chische Sozialismus aller Richtungen ist entschloss Weder die Belagerung noch die Koalition, die gegen uns gerichtet find, sagte er, können uns von dem gesteckten Ziele abhalten. Wir wurden aufgefordert, unsere Forderungen bekanntzugeben. Wir haben sie bekanntgegeben, aber statt annehmbaren Vorschlägen» empfingen wir Sanktionen. Während der letzten Stunden hat sich die Lage etwas gebessert und die Gefahr weiterer Aktionen, die uns drohen, hat etwas nachgelassen. Jch warneEuch vor einem zu großen Optimismus. Der Abwehrkampf gegen die Sanktionen geschieht in Notwehr. Mit leicht ironischem Unterton antwortete Mussolini dann auf die Erklärungen des englischen Außenministers'vor dem Unterhaus. Diskussion und Klärung Innenpolitik im Fluß Das Abgeordnetenhaus hat in der ersten Woche der Plenumsdebatte über den Voranschlag, aber auch schon in den vorangegangenen Auö- schußberatungen den Beweis erbracht, daß allem antiparlamentarischen Gerede zum Trotz in dieser Zeit ein Parlament seine Berechtigung als Sprechhalle der Nation zu erhärten vermag. Di« Aussprache über die Regierungserklärung Dr. HodZas hat zu einer erfreulichen Klärung gewisser schwebender und leider oft nicht ausgesprochener Probleme der Innenpolitik geführt. Das bedeutet aber auch, zugleich mit den wirtschaftspolitischen Maßnahmen der Regierung und mit den wirtschaftspolittschen Plänen, über die der Ministerpräsident gesprochen hat, bedeutet im Zusammenhang endlich mit gewissen politischen Verschiebungen im Lager der Linken wie der Rechten, daß unsereJnnenpolitik nach einer Periode des Suchens und Verharrens i n Fluß komm t. Was für die Arbeiter und für die sozialistische Idee dabei von Bedeutung ist,' das ist vor allem die Tatsache, daß die B e w e• gungstendenzen der tschechoslowakischen Innenpolitik dabei nicht in die Richtung des Fascismus und eines kapitalistisch-autoritären Regimes weisen, sondern in die Richtung einer demokratischen Weiterentwicklung auf der Linie jener Kontinuität, durch die sich die Geschichte der tschechischen Nation seit einem Jahrhundert von der anderer Nationen erfreulich unterscheidet. ' Zunächst sind nach der heut scheu Seite hin durch die Rede» Spinas und dann des Ministerpräsidenten einige Frage» klargestellt worden, die allen sich verantwortlich fühlenden Menschen auf den Nägeln brannten. Spina hat für seine Partei, oder mindestens für jenen Teil seiner Partei, der nach wie vor zu ihm steht, einen entschiedenen Trennungsstrich gegen Henlein und den Nazismus gezogen. Lehrreicher als diese Rede aber war das Aufschäumen des Hasses im Lager der SdP und die Antwort, die in einer Polemik des reichsdeutschen Rundfunkes und einer—Ehrenbeleidigungskllrge Henleins besk. nd, zwei sehr charakteristischen Symptomen, die gleichermaßen die ideologische Orientierung der SdP nach Berlin wie ihre innenpolitische Ratlosigkeit kennzeichnen. Was die Rede HodZaS für die SdP bedeutet, haben wir schon unter dem unmittelbaren Eindruck der Worte des Ministerpräsidenten ausgesprochen. Der Eindruck hat sich inzwischen und vis Ligen verschwinden Umwandlung in politische Parteien? Amerika nicht desinteressiert Roosevelt:„Weit davon entfernt, vollständig abseits zu stellen“ Washington. Eine Definition der Neutralitätspolitik der Vereinigten Staaten, in welcher zum ersten Diale der Standpunkt der Vereinigten Staaten gegenüber den Sanktionen dargelegt wird, ist in einem Briefe enthalten, welchen Präsident Roosevelt am 14. November dem Bischof Oldham im Staate Albany schrieb. In diesem Brief heißt es: Die schrittweise eingeführten Maßnahmen der Regierung der Bereinigten Staaten dienten einem doppelten Ziel, nämlich: 1. Uns vor der Verwicklung in«inen Krieg zu dewahren und 2. d e n b e r ei ts begonnenen Hoare bei Laval Paris. Sir Samuel Hoare ist Samstag nachmittags zu kurzem Aufenthalt in Paris eingetroffen und hatte in Anwesenheit von Sir Robert Vanstttart, dem Generalsekretär des englischen Außenministeriums, eine Unterredung mit Laval. Abends setzte Hoare seine Reise in die Schweiz fort. Mussolini will nicht Frieden Wieder einmal: Kampf bis zum entscheidenden Sieg AuS dem Luftbombardement der Städte Dessie und Gondar ergibt sich der Eindruck, daß der wirkliche Krieg erst jetzt beginnt. Den Italienern war bekannt, daß der NeguS in Dessie weilte und sie wählten diese Stadt absichtlich als Kiel ihres DonchqrHeinLiltS,....^tL Ak.Ms, wurde nicht verletzt, soll aber einigemale großer Gefahr ausgesetzt gewesen sein. Ur die der verstorbene Parfümeriefabrikant und Jour nalist Francois Coch gründete und deren gegen wärtiger Führer Jean Renaud ist, erklärte eben falls, daß sie weder eine militärische, noch eine antt- repüblikanische, noch eine irgendwie umstürzlerische Vereinigung sei. Die Vereinigung der»Francfi sten", die zahlenmäßig die kleinste Partei ist, be hauptet dasselbe. Ihr Führer Bucart wurde be kanntlich am Montag in Straßburg verhaftet,-weil er trotz dem Verbot des Präfekten einige Sitzungen einberief. Es wird behauptet, daß die Regierung für den 1. Jänner eine ausgedehnte politischeAmne» st i e vorbereitet. Enttäuschung der Rechten Hoffnung auf den Senat Der Optimismus des gestrigen Tages ist vielfach einer Enttäuschung, namentlich auf der| Rechten, gewichen, l~~~......__ Rechten gibt man sich der festen Erwartung hin, I sen, seine Positionen zu verteidigen und sich auf daß der Senat den Text der Gesetzesentwürfe über j keinen Fall isolieren oder diffamieren zu lassen, die Ligen abandern und zu den von der Regierung! Es ist heute klarer als je, daß die tschechoslowa- ....~—••»■«—* kische Staatsidee nur'demokratisch und nur in der Zusammenarbeit der Werktätigen in Landwirtschaft und Industrie gedacht und verwirklicht werden kann. Sicher wäre mit Reden allein wenig getan. Es sind auf tschechischer Sette auch macht- politische Vorkehrungen getroffen worden, die eine kontinuierliche demokratische Entwicklung garantieren. Wir stehen zweifelsohne vor großen parteipolitischen Umschichtungen im tschechischen Lager. Die Entwicklung drängt Seite 2 Sonntag, 8. Dezember 1938 Nr. 286 USA-Sorgen um China Japan leugnet alle Vertragspflichten auf eine Dreigliederung hin: um die Zivnostenskä banka bildet sich eine rechtSnationali» stische Bürgerpartei, die aber Wohl den Stil Stkibrnhs wird überwinden müssen, wenn sie aktionsfähig werden soll. Die Mitte im weitesten Sinn sammelt sich um die Agrarier und die großen agrarischen Banken, die seit langem als Gegenspieler der Zivnobank gelten. Auf der L i n k e n vollzieht sich eine taktische und ideologische Annäherung zwischen den beiden sozialistischen Parteien, vor allem' zwischen ihren Randorganisationen, und zugleich wachsen bei den Kommunisten die Tendenzen, den Anschluß an eine große Linke nicht durch dogmatischen Starrsinn zu versäumen. Jedenfalls ist die Linke in welcher Kombination immer, stark genug, um sich aus keiner Entscheidung ausschalten zu lasten. Wenn es in nächster Zeit auf wirtschaftlichem und innerpolitischem Gebiete Fragen von er st em Range zu lösen geben sollte» so wird di e Linke mitsprechen und es wird keine Lösung geben, bei der sie zu umgehen ist. Für die Sudetendeutschen nahen damit freilich Entscheidungen, die so wichtig sein können wie die bedeutendsten unserer politischen Geschichte. Und die politische Gruppierung, in der die Deutschen in die nächsten Auseinandersetzungen eintreten, ist alles andere denn günstig für sie. Ihr aktivistischer Flügel ist geschwächt, ihre Fehlentscheidung vom 19. Mai rächt sich; gerade sie als Repräsentanten der am stärksten proletarischen Schichte der Bevölkerung haben keine entsprechend starke sozialistische Vertretung im Parlament. Es wird für die Deutschen von schicksalsschwerer Bedeutung sein, ob sie sich den kommenden Ereignissen gewachsen zeigen, ob sie aus dem Versagen der SdP die entsprechendenSchlüsse ziehen und ob sie insbesondere entschlossen sein werden, sich auf einer politischen Linie zu neuer Aktivität zu ordnen, auf der allein ein pauperi- siertes, industrialisiertes, im Staate als periphere Minderheit lebendes Volk sich durchsetzen kann: auf der Linie einer demokratischverständigungsbereiten, sozia- l i st i s ch e n und staatsklugenReal- Politik. . Prag. Da der Kommandant der achten Division, Divisionsgeneral B. Klecanda zum Militärattache in Rom ernannt worden ist, tritt an seine Stelle als provisorischer Kommandant der achten Division Brigadegeneral Sergej Jngr. Das Kommando der 16. Jnfanteriebrigade, welches bisher Brigade» ,general Jngr.innehatte, wurde dem Obersten deS Generalstabs, Josef Bräun, dem bisherigen Kommandanten di!S Inf.-Reg. Nr. 48 ,Lugoslavia" übertragen. London. Der Sekretär der abessinischen Gesandtschaft in London, Zaphiro, und der amerikanische Finanzmann Chertok reisten gemeinschaftlich nach New Dort. Zaphiro erklärte, er habe von seiner Regierung den Auftrag erhalten, sich um eine Anleihe in Amerika zu bemühen. Kairo. Zahlreiche Studenten versammelten sich vor-der Universität in dem Stadtviertel Giza, um das Denkmal der„Märtyrer" zu enthüllen. Gegen 500 Studenten rotteten sich in dem Viertel Saido Zeinab zusammen, wo sie mit der Polizei zusammenstießen. Washington.(Reuter.) Staatssekretär Hüll informierte alle Nationen, daß die Vereinigten Staaten der Autonömisten-Bewegung in Nord- ckina nicht gleichgültig zusehen. Gleichzeitig richtete er an alle Nationen die Aufforderung, die heutigen Verträge zu respektieren. Wenn auch Hüll hiebei Japan nicht erwähnte, sind doch die Beobachter der Ansicht, daß er eS damit gemeint habe. Der Vertrag, der die Vereinigten Staaten interessiert, ist der Neunmächte-Vertrag, der die Integrität Chinas garantiert. Der amerikanische Staatssekretär erklärte ferner, daß es hier offensichtlich das Bestreben nach einer erheblichen Aenderung des politischen Zustandes und der Lage in den nordchinesischen Provinzen sei, die einen Widerstand Hervorrufen. Tokio. Die Erllärungen Hoares und Hulls über die nordchinesische Frage und ihre Hinweise auf die Gefahr einer Verletzung des Neunmächte- Aus der Budgetdebatte Prag. Am Samstag setzte das Abgeordnetenhaus die Aussprache über die erste Budgetgruppe fort. Mit Rücksicht auf da- Wochenende wurde die Sitzung schon gegen 1 Uhr mittags geschlossen und eine Pause bis Montag nachmittag- eingeschaltet. Dr. Neuwirth(SdP) trat in ebener Sache einen de« und wehmütigen Rückzug an. Er hatte kürzlich im Ausschuß gegen die tschechoslowakische Justiz sehr heftige Angriffe und Pauschalverdächtigungen gerichtet, die vom Justizminister und auch vom Präsidenten des Obersten Gerichtshofes sofort energisch zurückgewiesen worden waren. Heute suchte Dr. Neuwirth diese Angriffe erheblich abzuschwächen. AuS seiner persönlichen Extratour wurde plötzlich eine„Kritik f«i n« r P artei an der Justizpflege". di« niemals den Zweck gehabt habe, unsere Justiz.etwa schlecht zu machen". Der auf der Liste der tschechischen Sozialdemokratie gewählte ungarische Genosse Schule- erklärte, die ungarische aktivistische Minderheit fühlt sich in der Tschechoslowakei zu Hause, und. verwirft jede friedensstörende Revision, gegen die mit allen Kräften zur Verteidigung der Republik einzutreten sie jederzeit bereit ist. Wir entsagen nicht unserer ungarischen Nationalität, erklärte der Redner, im Gegenteil, wir wollen unsere nationalen Rechte und unsere nationale Kultur bewahren und gute Ungarn im europäischen Sinne bleiben. Die Behandlung der ungarischen Minderheit darf aber nicht abhängig gemacht werden von dem guten oder schlechte« Verhältnis, in welchem die Republik jeweils zu Ungarn, bezw. zu den Herren Szüllö und Szentivanyi steht. Wir wollen aller unternehmen^ damit da- Verhältnis zwischen der Tschechoslowake? und Ungarn das beste sei, trstil das'im Jsikdresse de^ Böller beider Staaten liegt. Um das zu erreichen, müssen wir die ungarische Minderheit von dem politischen Terror der Leute vom Schlage SzüllöS befreien. Dr. Patejdl(Nat.-Soz.) schließt aus der Vermehrung der Gendarmerie» und Polizeikräft«, daß innerhalb unserer Staates ein« Situation entstanden ist. die erhöhte Wachsamkeit und gewisse Präventivmaßnahmen erfordert. ES ist kein Geheimnis, daß sich di« Notwendigkeit dieser Maßnahmen gerade in unseren Grenzgebieten zeigt. Dort häufen sich die Fälle von Illoyalität gegen den Staat und auch gewisse konkret« Handlungen, welche den Staat bedrohen. Wenn ! Sandner verlangt, daß konkret« Beweise über ihre Paktes werden hier als eine, wenn auch vorsichtige Warnung an Japan betrachtet. Der Sprecher des japanischen Außenministeriums erklärte zu den Ausführungen der beiden Minister, daß Japan den Neunmächtepakt und alle Abmachungen über China und den Fernen Osten als nicht mehr der gegenwärtigen Lage entsprechend ansieht. Die Vorgänge in Nordchina seien eine rein innerchinesische Angelegenheit. Von einer Einmischung Japans könne keine Rede sein. Auch könnten irgendwelche Bewegungen der japanischen Truppen in Nordchina in das Reich der Fabel verwiesen werden. Aus all dem ergebe sich, daß eine Anrufung des Neunmächtevertrages jeder Grundlage entbehren würde. Der Sprecher schließt mit der Feststellung, daß Japan aus Grund von Abmachungen mit China verpflichtet sei, für die Auf- rcchterhaüung der Ordnung in den neutralen Zonen zu sorgen. Illoyalität vorgebracht würden, so sst Redner überzeugt, daß der Vorsitzende der Regierung Dr. Hodra hinreichende Möglichkeiten besitzt, dem Herrn Sandner solch« Beweise vorzulegen. Loyalität kann sich nicht nur in Worten, Resolutionen und Zeitungsartikeln erschöpfen,"Loyalität muß auch durch gewisse Taten dargetan werden.(Beifall.) Später befaßt sich Dr. Patejdl ebenso wie gestern Dr. Meißner mit der Zusammenarbeit des landwirtschaftlichen und deS Arbeiterelementes in der Koalition, deren Notwendigkeit schon Masa- r y k und S v e h l a eindringlich betont haben, und erklärt, daß eine Störung dieses Gleichgewichtes beträchtliche Schwierigkeiten und Schäden bedeuten würde. Man könne erwarten, daß die verantwortlichen Faktoren sich dessen bewußt sein und-die Versuche jener ablehnen werden, die eine Störung dieses Gleichgewichtes herbeiführen wollen. Böhm(B- d. L.) fordert genau so wie die SdP eine Verständigung zwischen Frankreich und Deutschland sowie die Umwandlung unseres korrekten Verhaltens zu Deutschland in ein freundschaftliches. Ebenso wiederholt er fast wörtlich das SdP- BekenntniS der Verbundenheit mit den Deutschen jenseits der Grenze durch Sprache. Sitte und Kultur. Ob er dazu auch die Kultur der Konzentrationslager zählt, führte er leider nicht näher aus. Gerade noch, daß er den Nachsatz hinzufügte: ..Politisch aber trennen sich unsere Wege und ausländische Vorbilder find für uns nicht verwendbar." Mr die Deutschen in der Tschechoslowakei verlangt er Gleichberechtigung auch in der Praxis. Die SdP bezichtigt er zwar des Verbrechens, daß der Friede deS Dorfes durch sie gestört worden sei. Er warnt sie aber lediglich„in letzter Stunde" vor Ueberhebungen, vor schroffem Verlangen nach Unterwerfung, und gibt den guten Rat-, die fudetenoeutsche Politik aus der Erstarrung durch lleberbrückung d«r Gegensätze zu lösen.— Wenn man die kürzliche Rede Spinas gegen die SdP in Brüx mit den Erklärungen Böhms vergleicht, so scheint da verschiedenes nicht recht zu stimmen. Hat man einen R ü ck- z u g für notwendig erachtet? Letzter Redner des Tages war der tschechische Grnoffe Srba. Er protestiert dagegen, daß die Budgetberatungen so verkürzt wurden, und hätte ein kurzfristiges Budgechrovisorium für vorteilhafter gehalten. Er verlangt u. a. nach dem Muster Amerikas ein Gesetz gegen KriegSgewinste. Er greift weiters den Verteidigungsminister an. daß die Agrarier auf Bertragsarbeiter der Militärverwaltung«inen ungehörigen Druck auSüben, mit den agrarischen Auch- Gewerkschaften Kollektivverträge abzuschließen, und I verlangt, daß er diese Praxis exemplarisch unter drücke. Auf Fragen der Landesverteidigung übergehend, hebt er die Wichtigkest von B e f e st i« gungen hervor und erklärt, man werde auch an die Verlegung der wichtigsten Industrien in weniger gefährdete Gebiete denken müssen. Natürlich müsse man im Einvernehmen mit dem Fürsorgeministerium dann entsprechende Ersatzindustrien schaffen. Die Militärverwaltung kann sich angesichts der Vervollkommnung der Bombenflugzeuge im Ernstfall nicht aus daS Funktionieren der Eisenbahnen verlassen. Man muß daher den Automobilismus nach Kräften fördern und bestrebt sein, möglichst viel Autobusse sowie Personen« und Lastenautos zu besitzen. Auch sollte man sich auf Schweröl als Betriebsstoff umstellen. da wir nur wenig Naphtha besitzen. Schließlich ging Srba auf sein Spezialgebiet, das Flugwesen, näber ein. Stablilslerungsbllanzen Welchen Zweck hat die Regierungsvorlage? Wie wir bereits mitgeteilt haben, hat die Regierung eine Novelle zum Gesetz über die Stabilisierungsbilanzen vorgelegt. Worum handelt cs sich da und was bezweckt die Regierungsvorlage? Nach dem Weltkriege wurden in den Bilan- z-n der Unternehmungen die Werte für Grundstücke, Gebäude, Maschinen usw. genau so in Kronen angegeben wie im alten Oesterreich, da unsere Gesetzgebung auf dem Standpunkte stand: Krone ist gleich Krone. Nun ist aber im Weltkrieg und in den ersten Jahren danach eine starke Entwertung der Krone eingetreten, so daß alle Aktiven der Unternehmungen, insbesondere die Immobilien mit niedrigeren Beträgen angegeben waren als ihrem tatsächlichen Wert entsprach. Die Bilanzen enthielten dadurch versteckte Vermögenswerte und ergaben ein falsches Bild der tatsächlichen Lage deS Unternehmens. Wenn nun z. B. ein Gebäude mit einem Werte von sagen wir nur einem Siebentel in der Bilanz erschien(entsprechend der Entwertung der Krone), dann wurde auch nur ein Siebentel abgeschrieben und eS ergab sich die Möglichkeit, größere Gewinne zu verteilen, als wirflich vorhanden waren, wodurch die Substanz des Unternehmens nach und nach aufgezehrt wurde. Das Gesetz Nr. 78 aus dem Jahre 1927 ordnete nun eine Aufwertung dieser Vermögenswerte ihrem wirklichen Wert entsprechend an. Dcidurch ergab sich ein Ueherschuß, der als Reserve verwendet werden mußte, und zwar auf zweierlei Art: Entweder konnten die Reserven in Grundkapital verwandelt werden oder als Deckung von Betriebsverlusten Verwendung finden. Nicht verwendet durfte dieses Mehr werden zur Verteilung von Dividenden. Außerdem wurden höhere Abschreibungen ungeordnet. Nach 15 Jahren allerdings konnte der Unternehmer mit diesen Werten frei disponieren. Diese freie Disposition wird nun dem Unternehmer durch die neue Novelle genommen, die Werterhöhung muß zur Deckung von Betriebsverlusten reserviert bleiben.,.Außerdem hat sich herausgestellt, daß die Abschreibungen, die vorgenommen wurden, viel zu hoch waren. Die Folge davon war, daß die Unternehmungen weniger Geld brauchen, um neue Anschaffungen zu machen, als man, hätte aus der Bilanz schließen können. Dadurch wurden also Reingewinne versteckt, beziehungsweise verkürzt und die Steuerbasis verfleinert. Der Zweck der Novelle ist also, eine richtige Besteuerung der Unternehmungen herbeizuführen und zu verhindern, daß derStaat um Steuern kommt, die ihm mit Fug und Recht gebühren. u NjS FD IG E 1 1 SHIT 2» Roman von Karl S t y m Copyright by Eugen Prager-Verlag, Bratislava Er hat etwas Weibiscnes an sicn, was bei einem juanne immer unangenehm wirkt. Auch jetzt kommt er mit allerlei Ausflüchten. Er kann es nicht verwinden, daß Pauls Vorschlag angenommen werden würde. Fogger Schorsch faßt Ihn hart an den Schultern. „Was willst du eigentlich!" „Wieder Arbeit!“ „Nein! Wir wollen bei der Sache das Brot und du den Wirbel. Ich kenne dich!— Du hast keine Familie und die Familien deiner Mitläufer sind dir, wenn es darauf ankommt, egal!“ Ich mache die Türe auf und Schorsch schiebt den Kerl hinaus. Ich habe das Gefühl, die Luft in unserer Stube ist reiner, well er fort ist. Fogger Schorsch setzt sich jetzt wieder vor die alte Kommode, die Hände schwer darauf stützend. Er starrt vor sich hin. Sein Gesicht ist alt und faltig, wie zerknittertes, schmutziges Papier. Die Haare an den Schläfen sind vom Schweiß verklebt. Er sitzt da, groß und doch hilflos wie ein Kind. Ein tiefes Mitleid mit dem großen Kinde steigt in mir auf. Ich möchte das arme Gesicht in meine Hände nehmen und ihm etwas Gutes sagen. „Ich habe selbst fast Angst, die Sache könnte schiefgehen!“ sagt er schwer. Die Angst teilt sich mit, füllt die Stube mit dunklem Un behagen, legt sich an die Wände, den Boden und auf die heißen Schläfen. „Ich hatte noch nick solche Angst! Noch nie!— Neben mir der Bundestagsbeschluß an den Betroffenen aus? Hatten sie, materiell und moralisch, unter seinen Folgen zu leiden? Oder war er wirklich die harmlose Angelegenheit, als welch« ihn wenig« Wochen später, im Feber 1836, die Augsburger«Allgemeine Zeitung" hinstellen wollte, als sie vorher schon in einem französischen Organ veröffentlichte Eingabe Heines an die„hohe Bundesversammlung" brachte, in der ihr der Dichter, halb ernst, halb ironisch vorwirft,' daß er ohne die Möglichkeit einer Verteidigung angeklagt, gerichtet und verurteilt worden sei. Nationalistische Historiker wie Treitschke haben das Bücherverbot ebenfalls als bloßen Lufthieb bezeichnet. Da» ist bestimmt unrichtig: DaS Frankfurter Interdikt ging zweiftlloS darauf auS, die jungen Leute mundtot zu machen, indem es die Grundlagen ihrer materiellen Existenz zu vernichten suchte. Aber: was hat die Bücherächtung von 1885 zu bedeuten gegenüber der Bücherverbrennung von 1933, WaS die materielle Schädigung der jungdeutschen Literaten gegenüber der Tatsache, daß der Nationalsozialismus eine ganze Generation deutscher Schriftsteller in Not und Exil sendetl Welcher Unterschied sogar zwischen den preußischen Ministern von damals und heut«! Görings Amtsvorgänger von 1885, der preußische Polizei« und Innenminister Gustav Adolf RochuS von R o« chow, war alles eher als ein Gönner der oppositionellen Skribenten, aber er steckte lieber eine Rase seines königlichen Herrn ein, al» daß er seine Unzufriedenheit mit der Verfügung vom 14. November unterdrückt hätte. Erst eine solche Gegenüberstellung veranschaulicht so recht die jäminer« liche Unfreiheit, in der da» geistig« Deutschland im Dritten Reich zu leben gezwungen ist. 2. Kohler. Seife 4 Nr. 28« Sonntag, 8. Dezember 183« 3400!Vs!cisrdeiter im Streik Schwerer Arbeitskonflikt in Karpathorußland In den Wäldern der Gesellschaften„Lato« rica" und„Szolyva" im Bezirk Svaljava in Karpathorußland sind 3400 Holzarbeiter in den Streik getreten, weil die Firmen Fire Lohnforderungen abgelehnt haben. Der größte Teil der Arbeiter erhält für eine Stunde schwerster Arbeit 80 Heller, der Maximallohn beträgt zwei Kronen für die Stunde. Nur gewisse Spezialisten, wie Heizer und Maschinisten, verdienen drei Kronen. Den Streik haben die Unternehmer mit einer Aussperrung und Anforderung von Gendarmerie beantwortet. Nicht genug daran, reizen sie die Arbeiter auch noch dadurch, daß sie ihnen die Benützung der Schmalspurbahn untersagt haben, welche die tief in den Wäldern gelegenen Arbeitsplätze mit den Ortschaften verbindet. Zentralsozialverslcherunssanstalt Die Zinssenkung- Wirtschaftsplan für 1836 Dr. Stern und Vydra Direktoren Am 5. Dezember 1935 hat unter dem Vorsitz des Abg. H a m p l die Plenarsitzung des Aus- schuffes der Zentralsozialversicherungsanstalt stattgefunden. Dir. Dr. Klumpar berichtete eingehend über die Verhandlungen betreffend die Herabsetzung des Zinsfußes und über die Rückwirkungen dieser Eingriffe auf die finanzielle Wirtschaftslage der Zentralsozial- bersicherungsanstalt. Die Zentralsozialversicherungsanstalt hat im Bilanzjahre 1934 einen Zinsenertrag von 249.6 Millionen KL ausgewiesen. Die beantragte Regelung des Zinsfußes und der Minderertrag der Wertpapiere wird einen Abgang des Zinsertrages— berechnet auf Grund des Ertrages aus dem Jahre 1934— von ungefähr 28 Millionen KL bedeuten. Die Zentralsozialversicherungsanstalt kann sich natürlich einer allgemeinen Regelung des Zinsfußes nicht entgegenstellen. Sie hat jedoch die Pflicht, auf die Auswirkungen dieser Regelung auf die Sozialversicherung aufmerksam zu machen. Dr. Klumpar gab sodann Erklärungen zum Wirtschaftsplan. Der Wirtschaftsplan für das Jahr 1936 veranschlagt die Einnahmen an Beiträgen auf 880 Millionen KL, wobei vorausgesetzt wird, daß die Arbeitslosigkeit im Jahre 1936 keine Verschlimmerung erfährt. Die Auszahlung der Renten und Leistungen ohne den Staatsbeitrag wird im Jahre 1936 einen Aufwand von bereits 330 Millionen KL, die Heilfürsorge von 27 Missionen KL erforderlich machen. Der Zentralsozialversicherungsanstalt werden nach Abzug der für die Auszahlung der Renten und Leistungen und für sonstige Ausgaben notwendigen Beträge ungefähr 330 Millionen KL gegenüber 342 Millionen KL des Vorjahres, zwecks Vermöqensanlage zur Verfügung stehen. Nach dem Referat des Direktors Dr. Z e n k l genehmigte der Ausschuß im Sinne der Bestimmungen des§ 82 des Gesetzes die Instruktion für die Direktion der Anstalt und die Aufteilung der Agenda unter die Mitglieder der Direktion. Der Ausschuß ernannte zum neuen Mitglied der dreigliedrigen Direktion den bisherigen Generalsekretär der Anstalt Dr. EvZen Stern und betraute ihn insbesondere mit der Leitungsagenda der JnvaliditätS- und Altersversicherung. Zur Kenntnis wurde genommen, daß der Vorstand den bisherigen Direktor-Stellvertreter der Anstalt, Vladimir Vydra, zum Direktor extra statum ernannt hat. Direktor Vydra wurde mit der Agenda der Krankenversicherung betraut. Vom Rundfunk InpfaNMiwwIu au*«ten PrograaaMi Montag Prag, Sender L.: 10.08: Deutsche Presse. 10.40 Schallplatten. 11.05: Schulfunk. 12.10: Schallvlatten: Strauß. 17.00: Kinderstunde. 17.40: Violoncellokonzert. 18.10: Deutsche Sendung: Ska- litzky: Mit Ski und Rodel im Künischen Gebirge. 18.20: Lieder von H. Krause. 18.30: Dr. Beck: Nietzsches Gerechtigkeit der Moral. 18.45: Deutsche Presse. 20.50: Unterredung mit einem Gablonzer Glasmacher. 21.05: Chorkonzert. 22.40: Deutsche Nachrichten.—Sender S.: 14.00: Chansons. 14.20: Deutsche Sendung: Zum 70. Geburtstag von Sibelius. 14.50: Deutsche Presse. 19.10: Liederkonzert. — Brünn: 13.30: Arbeitsmarkt und Sozialinformationen. 17.40: Deutsche Sendung: Dr. Obrist: Was man vor 100 Jahren, von der Eisenbahn hielt. 19.30: Bunter Abend.— Mährisch Ostrau: 18.10: Deutsche Sendung.— Preßburg: 16.10: Orchesterkonzert.— Kascha«: 17.15: Violinkonzert. Dienstag Prag, Sender L.: 10.05: Deutsche Presse. 11.00: Schallplakten. 11.05: Deutscher Schulfunk. 12.10: Opernfantasien. 12.85: Konzert. 13.40: Unterhaltungsmusik. 17.00: Jugendsendung. 18.10: Deutsche Sendung: Volkslieder aus aller Welt. 18.45 Deutsche Presse. 20.45: Orchesterkonzert. 22.15: Tanzmusik.— Sender S.: 7.30: Leichte Musik. 14.15: Deutsche Sendung: Reise nach Karlsbad. 14.30: Szenen aus Wagner-Opern. 18.45: Opernduette.— Brünn: 17.40: Deutsche Arbeitersendung: Sozialinformationen. Etrich: Segen und vnsegen der Nationalisierung.— Mährisch Ostrau: 18.10: Deutsche Sendung: Onderka: im Bienenstock. —.Schallplatten: Mozart.— Preßburg: 21.30; Beethovenkonzert. Mit dem Auto durch die Bahnschranken Prag. Samstag um 3.13 Uhr fuhr in der Station Uvaly ein Lastauto auf die geschloffenen Schranken an der Staatsstraße, durchbrach die Schranken und fuhr auf das Bahngeleise, dicht vor dem einfahrenden Zug Nr. 8201. Der Zug Nr. 8201 erfaßte das Auto und schleuderte es beiseite. Hiebei wurde Frantisek S o m b e r k sen., Inhaber einer Wirtschaft in Habry Rr. 68, Bezirk Caslau, getötet. Der Chauffeur Vra- tislav Tome! wurde in Haft genommen. Liebestragödie in Prag In einem Hotel in Königssaal fand Freitag nachts das Personal den in Prag als Sportsmann sehr'bekannten Konzipienten Dr. Emanuel Ceska erschaffen auf. Die in seiner Gesellschaft befindliche Tänzerin Anita Nosek hatte zwar ebenfalls eine schwere Schußwunde in der Brust, konnte aber auf der Klinik noch gerettet werden. Dr. Ceska hatte seine Freundin vor ungefähr einem halben Jahr kennen gelernt. Er bewog sie, ihren Beruf in der Bar aufzugeben, sorgte für ihren Lebensunterhalt und mietete ihr eine kleine Wohnung. Nach einem kleinen Streit besuchten beide Freitag abends verschiedene Nachtlokale, wo sie sich in Gesellschaft von Bekannten unterhielten, ohne eine besondere Aufregung erkennen zu lasten. Nach Mitternacht fuhren sie mit einem Auto nach Königssaal, wo sie in einem Hotel ein Zimmer mieteten und sich unter ihrem richtigen Namen eintrugen. Auch hier fiel den Hotelangestellten nichts auf, was auf die Absicht eines gemeinsamen Todes schließen ließ. Jn- folgedeffen richtete sich der Verdacht der Polizei gegen die Tänzerin, die aber während des Verhörs nur beteuerte, daß Dr. Ceska freiwillig aus dem Leben gehen wollte und sie bat, mit ihm zu sterben. Diese Aussage wurde nachträglich durch einen Brief Dr. Ceskas bestätigt, welcher in seiner Aktentasche gefunden wurde. In diesem Schreiben bittet, Ceska, nicht nach den Gründen des Selbstmordes zu forschen.»Motiv— sagen wir: Lebensmüdigkeit" schließt der Brief. Vier Explosions-Todesopfer Hagen(in Westfalen). Samstag morgens explodierte in einer Zellulosefabrik bei Jserloh ein' mit Dampf geheizter Zellulosekocher. Die Dächer dieses Fabrikteiles würden niedergeriffen und die Werkseinrichtung zerstört. Vier Arbeiter wftrden unter dem zusammenstürzenden Gemäuer begraben, drei wurden als Leichen geborgen. Ein viertes Todesopfer liegt noch unter den Trümmern. Ein Arbeiter hat schwere Brandwunden und Kopfverletzungen davongetragen. Totgeschlagen!- Der„M anchester Guardian" berichtet von einer grausigen Bluttat, die sich in Bremen abgespielt hat. Ein Hafenarbeiter hatte in einer Unterhaltung mit Kollegen die Bemerkung gemacht, daß„Julius Streicher selb st ein Jude sein müsse, weil er die Juden so hasse". Diese Bemerkung wurde weitererzählt und der Arbeiter einen Tag später von einer S. A.- Rotte überfallen, die den Mann i n viehischer Weise miß h>r n d e l t e. Man schaffte den Unglücklichen in bewußtlose/« Zustand in ein Krankenhaus, in dem er drei Tage nach seiber Einlieferung an den erlittenen Verletzungen st a r b. Fünflinge verdienen Millionen Aus N e w D o r k wird berichtet: Die D i o- nerFünflinge, die gegenwärtig achtzehn Monate alt sind, verdienten dieser Tage zum erstenmal ein hübsches Honorar als F i l m- schauspieler, und zwar je 50 Pfund Sterling in der Minute. Es wurden nämlich die ersten Szenen für den Film»Der Landarzt" gedreht, in dem die schweren Augenblicke des Arztes Dr. A. R. Dafoe geschildert werden, als er bei der Geburt von fünf neuen Weltbürgern auf einmal Hilfe leistete. Der Film wird mit Hollywooder Schauspielern von der Gesellschaft Fox Company gedreht. Das Honorar für die Fünflinge, das schon vor der Filmaufnahme erlegt wurde, ber trägt insgesamt 10.000 Pfund oder 1,200.000 KL. Die Fünflinge haben trotz ihrem zarten Alter bis heute bereits sechs Millionen KL Ersparniss e. Unter Verbündeten Berlin. Das Deutsche Nachrichtenbüro berichtet aus Bromberg: In der Ortschaft Groß- Rosendorf bei Thorn wurden in der evangelischen Kirche und im Pfarrhaus die Scheiben eingeschlagen. In der benachbarten Schule wurden die Fensterscheiben der deutschen Klasse eingeworfen, während die Fenster der polnischen Klasse verschont blieben. Der gleiche Schaden wurde bei fünf deutschen Landwirten ange- I richtet. Die von den Behörden eingeleiteten Nachforschungen haben zu der überraschenden Tat sache geführt, daß die vorhandenen Spuren auf da- Gehöft und in di« Wohnung des polnischen Lehrers des Ortes führten. Anfrnf gegen Hitler-Deutschland. Mehr als hundert tschechoslowakische Wissenschafter, Künstler, Schriftsteller und Politiker tschechischer und deutscher Nation und verschiedenster Welt- anschauungen haben ein Manifest der „Union für Freiheit und Recht" unterfertigt, in dem es u. a. heißt:„Dort in Deutschland jagt ein Todesurteil das andere. Menschen wie Karl von Ossietzki, Mierendorf, Thälmann, Neubauer und Renn sind noch immer ohne rechtliche Grundlage in Hast. Der Feind macht einen Ausfall nach dem andern, darum sind jene, die auf der Sefte des Lebens stehen, gehalten, sich gegen ihn zusammenzuschließen. Drum sollt ihr alle, die ihr Euch zur Demokratie und jenem Maß von Freihest be- kennt, die dem Leben unerläßlich ist, euch jenen fortschrittlichen Männern und Frauen anschlie- zen, die das Gewissengegen den Fascismus aufrütteln, und den in Deutschland Eingekerketten und ihren Familien praktische Hilfe bringen wollen. Hinter diesen gemarterten und rechtlosen und verfolgten Menschen steht die gesamte fortschriü- liche Welt. Das müssen wir den Herren Deutschlands beweisen durch unser Wott und unsere Tat. Wir fordern unsere Regierung auf, diesen Protest der fortschrittlichen tschechoflowa- fischen Oeffentlichkeit als Ausdruck des breitesten Volksempsindens zu betrachten, und als demokratische Regierung im Einklang mst diesem Volksempfinden zu bleiben. Wir fordern unser Parlament auf, die Solidarität mst der verfolgten und unterdrückten, mißhandeüen deutschen Demokratie und deren Verttetern solenn zu bekunden. Wir fordern unsere Hochschulen, unsere Bildungsstätten, unsere geistigen und künstlerischen Jnstitu» t i o n e n auf, die Solidarität mit der unterdrückten, verfolgten und mißhandeüen deutschen Geistessteiheü zu bekunden. Wir for- dern alle Menschen guten Willens, ohne Unterschied des Berufes und des Standes, ohne Unterschied der Nation, der Weltanschauung und der Partei auf, sich unserem Protest anzuschlie- ;en und unsere Aufgabe, der unterdrückten Kultur, Freiheft und Menschenwürde in Deutsch, land mit Wort und Tat beizustehen, auf das Tatträstigste zu unterstützen. Wir fordern die ,Freilassung der polftischen Gefangenen in Deutschland. Wir fordern die Auflassung der Konzentrationslager. Wir fordern die Einstellung derVer- f o l g u n g der polftischen Andersdenkenden, der chrisllichen Bcknntnisse und der Juden." Abgeblitzt. Dieser Tage hat eS einigen Ueber- patrioten in Prag-VysoLany den Appetit zum Nachtmahl verschlagen. Man höre und staune, was darüber ein Prager tschechisches Blatt schreibt: Mittwoch nachmittags kehrte eine Rotte des 1. Autobataillons von einer Uebung am Schießplätze in Kbely heim. Bei dieser Gele- genhett wird gewöhnlich gesungen und da Angehörige dieser Autorotte Deutsche sind und besonders ein Zug nur aus lauter Deutschen besteht, ist eben deutsch gesungen worden, was, wie schon oben erwähnt. Gift für die Ohren gewisser VysoLaner Spießbürger bedeutet. Und es fanden sich sogar unter ihnen einige„Beherztere", die sich an den Offizier, welcher die Rotte führte, mit dem Ersuchen wandten, den Soldaten das Singen von deutschen Liedern zu verbieten. Es handelte sich um das Lied„Ich hatt' einert* Kameraden". Aber Unerwartetes geschah: der Offizier lehnte-nicht nur die Erfüllung des Wunsches ab, sondern hieß diesen»Verrat an der Nation" im Herzen Böhmens, in Prag, sogar gut. Dian würde sich nämlich leicht verleiten lassen, von einem Offizier viel weniger demokratische Anwandlungen zu erwarten, als von gebildeten Großstadtbewohnern, da sich doch jener Berufsstand mit der Politik am allerwenigsten befaßt? — Bei dieser Gelegenheit sei auf den ungesunden Einfluß einer bestimmten rot bedruckten Presse hingewiesen, die auf eine bestimmte Bevölkerungsschichte in unserer Republik so wirkt wie rotes Tuch auf einen Truthahn(wenn es gilt gegen Deutsche loszuziehen). Um so erfreulicher, daß über diesen Zwischenfall ein tschechisches Blatt, das„Ceskö Slovo", so steimütig und gerecht schrieb, ihn verurteilte und das Vorgehen des Offiziers guthieß. Der„Bund der Deutschen" und die deutsche Sprache. Der»Bund der Deutschen" und die „Sudetendeutsche Volkshilfe" versenden ein Flugblatt, das zu Spenden für die„Sudetendeutsche Volkshilfe" auffordert und gleichzeitig für den Bund Propaganda macht; es heißt darin in einem Deutsch, das für jene bezeichnend ist, die das Deutschtum für sich gepachtet zu haben glauben:„Deutscher! Falls Du noch nicht Mitglied des Bundes der Deutschen bist, so t r e t e bei. Bist Du es schon, so werbe Deinen Nebenmann." Im 22. Devisenprozeß(gegen die fünf Mitglieder des Ordens der„Barmherzigen B r ü d e\“ aus Trier) sprach das Berliner Gericht nach dreitägiger Verhandlung das Urreil. Der Generalschaffner Ferdinand Hoffmann wurde 2000. Geburtstag des Dichters Horaz Am 8. Dezember 65 v. Chr., also heute vor 2000 Jahren, wurde in Benusia der berühmte römische Dichter H. Flaccus Horaz als Sohn eines Frei« gelaffenen geboren. Von ihm find viele Satiren, Episteln, Epoden und Oden bis heute erhalten geblieben, die ihn als den volkstümlichsten lyrischen Dichter RomS kennzeichneten. Von ihm stammt auch die„Ars poetica", in der wesentliche Grundsätze der Dichtkunst enthalten sind. zu fünf Jahren Zuchthaus, fünf Jahren Ehrverlust und 141.000 RM Geldsttafe verurteilt; der Generaloberst August Wolff wegen fortgesetzten gemeinschaftlichen Devisenvergehens zu zweieinhalb Jahren Gefängnis und 15.000 RM Geldstrafe. Beide Angeklagte haben weiter gesamt^ schuldnerisch für einen Wertersatz in Höhe von 100.000 RM zu hasten. Der Klostervorstcher Michael Thiel erhielt wegen Anstiftung zur Begünstigung sechs Monate Gefängnis und die beiden Laienbrüder Joseph Meister und Johannes Sauer wegen Begünstigung je vier Monate Gefängnis. Tod auf den Schienen. Freitag nach 19 Uhr wurde im Kilometer 197.5, zwischen den Stationen Luka nad Jihlavou—Igtau, vom Motoreilzug Nr. 37 ein unbekannter Mann überfahren und auf der Stelle getötet. Seine Identität konnte bisher nicht festgestellt werden. Es handelt sich aller Wahrscheinlichkeit nach um einen Selbstmord. Der galante Polizeiprüfident. Die ftanzösische Stadt Grenoble hat eine große Sensation zu verzeichnen. Der Chef der Sicherheitspolizei, LouiS L a l a n n tf ist seines Amtes wegen Verfehlungen im Dienst enthoben worden. Diese Verschlungen liegen einige Zeit zurück, als Lalanne noch Kommiffär in Avignon war. Als solcher hatte er sich mst dem Fall einer wiederholt vorbesttaften Abenteurerin Emilie Coudert zu beschäftigen. Diese Dame ist ebenso jung wie schön und elegant, und sie hat daS Herz des Polizeibeamten erobert. Es fiel schon damals in Avignon auf, daß er sie zu einer Swnd« zum Verhör rufen ließ, als bereits kein Beamter auf dem Polizeipräsidium anwesend' war. An diesem Abend verschwand Mademoiselle Coudert. Angeblich war sie auS dem nicht vergitterten Fenster der Toilette aus dem Breiten Stock herausgesprungen. Man verhaftete ffie später, und nun gestand sie, daß Lalanne .sie einfach durch die Tür habe geh^n kaffen. Sie habe Sogar ihre Handtasche iy«einem Bureau vergeffen gehabt und sei nochmals zurückgekehtt, um diese zu holen. Eine Unterfuch-ng gegen den Beamten wurde eingeleitet, und Lalanne gab freimüttg zu, den Reizen der schönen Abenteurerin nicht Widerstehen haben zu können. Ein Postsack verirrt sich. In völlig mysteriöser Weise in in Frankreich ein Postsack mit Wettbriesen in einer Gcsamthöhe von einer Million Francs aus Abwege geraten. Ein^gewisser Herr Ruhemann in Paris empfing ein gtoßeS Paket, daS er überhaupt nicht erwartet hatte. Als er die Sendung näher untersuchte, fand er sie plombier: und löste kopfschüttelnd den^ungewohnten, offensichtlich amtlichen Verschluß. Sein Erstaunen aber kannte keine Grenzen, als aus dem Sack«ine Unmenge Briefe herausfielen, von denen nicht ein einziger an ihn adreffiett war, die aber dagegen erhebliche Beträge als Inhalt aufwie- scn. Herr Ruhemann tat das richtigste, was er tu« konnte: er rief seinen Anwalt an, um sich zu decken, und dieser verständigte die Polizei. Die Poswerwal- tung wird gewiß den ehrlichen Finder dieses Millionensackes belohnen, aber wie der Postsack zu Herrn Ruhemann gekommen ist, ist ganz unerfindlich. Japan als Rüstungslieferant. Bis vor kurzem war Japan noch einer der besten Kunden der fremden Rüstungsindustrien. Seit 1934 sucht es jedoch selbst Rüstungsaufträge zu erhalten. Im März 1934 kam die Nachricht, daß Japan sich um RüstungSaufttäge bei der Türkei bemühe und auf diesem Umweg auch Verbindungen nach Persien und Afghanistan sowie verschiedenen Balkanftaaten angeknüpft habe. Bei der Türkei handelte eS sich vor allem nm Kriegsschiffe. Kurze Zeit später fragte man von Athen auS an, ob Japan berest sei, Kreu-- zer, Unterseeboote, Flugzeuge und Geschützmatenal an Griechenland zu liefern. Dann erhielt Rumänien ein Angebot, das außer Waffen- und Munitionslieferungen auch die Errichtung von Waffen- und Munitionsfabriken in Rumänien unter japanischer Leitung vorsah. Als Gegenleistung wollte« die Japaner Holz und Pettoleum beziehen. Neuerdings erhielt Japan von Brasilien einen Auftrag auf Lieferung von Kreuzern, Zerstörern, U-Booten, wobei Kaffee und Manganerz in Zahlung gegeben werden sollen. Nr. 28« Sonntag, 8. Dezember 1938 Sette 8 Trager ZMmg Elternabend der staatliche« deutsche« Volksschule, Prag VII., am V. Dezember 1938, um 20 Uhr, Meffepalast. Vortrag:„Haben Unterhaltung und Vergnügen pädagogischen Wert?"(Frau Hammer- schmidt und Herr Lehrer Hoffmann.) Ferner ein Referat des Schularztes, Herrn Dr. Steinert. Gäste wWommen. Die Moritat. Ein Vorfall, der an MauvassantS „Moritat" erinnert, spielte sich in Michle ab. Die Bewohner eines Michler Hauses hörten auS der Wohnung, die die 23jährige Vlasta Stolejt in gemeinsamem Haushalt mit dem Arbeiter Josef Novotnh be- ivohnt. ein Stöhnen dringen und fanden, als sie die Tür erbrachen, die Stolejt anscheinend schwerverletzt im Bett liegen. Da aus ihr nichts herauszubringen dar, wurde die Rettungsgesellschaft alarmiert, die sie ins Allgemeine Krankenhaus überführte, wo festgestellt wurde, das; ihr Körper ganz mit Wunden bedeckt ist, daß sie überdies einen Abortus gehabt hatte, das wohl die Hauvtursache ihres Stöhnens war. Was ihr sonst noch zugestoßen ist. must erst die weite« Untersuchung ergeben. Dodessprung. In der Nacht auf Samstag um l Uhr sprang der 27jährige Kellner Ladislaus Zig- mund aus dem Fenster seiner im dritten Stockwerk eines Hauses in Zi/stov gelegenen Wohnung und brach sich das Rückgrat. Er wurde von der Rettungsgesell» kchaft auf die Klinik Schlaffer gebracht, wo er kurz nach seiner Einlieferung gegen 4 Uhr früh verschied. Das Motto des Selbstmordes ist unbekannt. Unbekannter Schwachsinniger. Freitag vor 11 ilhr abends, wurde in der Rumburger Straste in Ko- dhlis ein unbekannter, etwa 4öjähriger Mann, der Leichen von Geistesverwirrung zeigte, von der Polizei angehalten und nach Untermchung durch den Poli- seiarzt nach Bohnitz überführt. Einbrecher verhaftet. Der 26jährige arbeits- vnd wohnungslose Klempner Jaroslavs Weinerck. der Mehrmals wegen Einbruchs vorbestraft ist. wurde sreitag— mit noch zwei Versatzzetteln auf gestoh- iene Kleider— auf der Straste verhaftet. Er hatte am 9. November einen Einbruch in der Billa eines Beamten in Altbunzlau verübt, wo er ein Fahrrad und Kleider im Werte von 6000 Kö erbeutet hatte. Di« gestohlenen Gegenstände hat er versetzt. Weine- tek leugnet und behauptet, alles von einem Unbekann« ien erhalten zu haben. Der Mann, der der Betrüger Kaufmann sei« swllte. Der Mann, der, wie etwa vor einem Viertel» lahr gemeldet, von der Polizei angehalten worden Uvr, weil er sich auf Grund eines gefälschten Bastes als der Scheckfälscher(und Gatte der Mimi Hanl) Kaufmann ausgegeben batte, bat erst jetzt auf Grund einer Mitteilung des Warschauer Polizeipräsidiums identifiziert werden können. Es handelt sich um den Mn 11, Feber 1905 im Dorf Novosielkh bei Tomasov Polen geborenen, ebenfalls zweimal wegen Betruges vorbestraften Dimitrij Hrhcai. Darmträgheit. Zuschriften von Frauenärzten a>ben gleichlautefrh hje recht milde Wirkungsweise MS natürlichen„Franz-Joseft'-BitterwäflerS,' die ach für den zarten Körperbau des Weibes ganz vor- iüglich eignet. Aerztlich bestens empfohlen. 3148 ßericktssaak ner Haft sicher zugute komme« würden. Da aber das Feuer nicht richttg ausbrechen wollte, beschlotz er«in wenig nachzuhelfen. Als vertrauenswürdiges Faktotum war es für ihn nicht schwer auf«inen Augenblick in der Registratur zu verschwinden, die zwischen der Zivil- und der Exe- kuttonsabteilung im zweiten Stockwerk gelegen ist. Dort zündete er schnell die Aktenstöße an und war im Handumdrehen wieder auf dem Korridor. wo er sich mit harmloser Miene zu schaffen machte. DaS Feuer verbreitete sich tatsächlich und Franz Rehäk fand Gelegenheit, sich auszuzeichnen. Er benahm sich so tapfer, daß er mehrere Brandwunden davontrug. Schliestlich wurde der Brand gelöscht und Rehäk war der Held deS Tages. Der Bezirksgerichtsvorsteher belobte ihn öffentlich und. versprach ihm für seinen besonderen Eifer eine Belohnung von 30 iiö. die ihm nach berbüstter Strafe ausgezahlt werden sollte. Rehäk war mit sich und der Welt zufrieden.■ Die Zeit verging und der Zeitpunkt der Haftent» lastung näherte sich mit Riesenschritten. Rehäk begann zu überlegen, dast er durch Wiederholung seiner Heldentaten sich eine weitere Belohnung sichern könne. Und tattächlich führte er seinen Plan zum zweiten mal aus. Beim abendlichen Aufräumen am 27. Oktober verschwand er. ganz wie beim erstenmal, in der Registratur, zündete mit einem Feuerzeug kl) — wie er als Sttäsling zu einem solchen kam, ist nicht bekannt— die Akten an und erschien im Handumdrehen durch das benachbarte Zimmer auf dem Gang, wo er sich mit Feuereifer seinen Obliegenheiten widmete, indem er sich seinen zweiten Triumpf herrlich ausmalte. Tatsächlich brach auch diesmal das Feuer aus und vernichtete wieder eine graste Zahl von Akten, konnte aber abermals gelöscht werden, ohne dast aber Rehäk Gelegenheit zu neuen wackeren Taten fand. Im Gegenteil— diesmal fiel, da ihm kein Teckenbrand in die Hände arbeitete, der Verdacht der Brandstiftung geradewegs auf ihn und er gestand denn auch resigniert rin, dast er diesmal Pech gehabt habe. Und Werl er einmal beim Gestehen war, berichtete er auch jene erste, so gut ausgegangene Brandlegung. samt seinen edlen Beweggründen. Ein solcher Prozest ist keine Kleinigkeit. Die Strafen für Brandstiftung sind nach unserem Strafgesetz führ schwer und in diesem Falle liegt noch die doppelte Oualifikatton der Wiederholung des Verbrechens vor und austerdem der Umstand, dast der Brand bei weiterem Umsichgreifen das ganze Gebäude hätte einäschern können. Da die zahlreichen gerichtSmästig festzustellenden Details die Verhandlung sehr in die Länge zogen, erfolgte das Urteil erst spät nachmittags. Es brachte keine Ueberraschungen. Der Angeklagte wurde mit allen zwölf Stimmen schuldig erkannt und zu sieben Jahre« schweren Kerkers verurteilt. rb. KJ MEraaUNKCßHISW PHÖNIX INWT DIREKTION FOll DIE(SP IN PRAG 11,1 ÜTZOWOVA 7 DireUionfurftPäva&Uakii Filiol4ircl(lionfSrJi«Slovol«i inßrünn.BShounsko 10. in ßrdti ilava, GrötslingovaS. Verlanget übers» VOLKS ZÜNDER SOLO Ä.S?I. Eine Mmu< wirksame Prora zanda ist beute dem moderner weschSftSmann in der Ameise Ul di« Land gegeben. Ei« wirkt am meiste» in Bldt- «rn der oraan. ilrdeiier und a r bet tat Nir ibn. obn« das, er«rod« tluSIaaen bat und— da» wichtigste— L r s o l a dal sie Immer! Ein Sträfling,der das Gerichtanzündet sich bei den Löscharbeiten auSzeichnen z« können! Prag. BrandstiftungSverbrechen lassen sich im ^gemeinen auf drei Grundmotive zurückführen, Mchsucht. Gewinnsucht^Versicherungsbetrug) oder Mnkhafte Veranlagung eines Brandstifters, der "tim Anblick einer Feuersbrunst Befriedigung Empfindet. . Der Prozest gegen den 33jährmen Franz R e« k. der Samstag vor dem Senat Cervinka ver- Mdelt wurde, betrifft indessen einen ganz kuriosen «achverhalt. der in keines dieser Schema« pastt. - Franz Rehäk ist Vagabund und alter Krimi- ^Ibruder ku. a. auch vor dem Prager Schwurgericht JW dreizehn Monaten Kerker wegen SittlichkeitS- "ttbrehens vorbestraft). Besagter Rehäk sah wieder s>nmal eine mehrmonatliche Strafe im Gefängnis "is Rikaner Bezirksgerichtes ab. Da er- Wene Gefängnisinsassen sich meist vorzüglich auf Hausarbeiten verstehen, wurde auch Rehäk zur täg- achen Aufräumung der Gerichtsräume herangezogen M überdies zur Reinigung der Räumlichkeiten des ^ieueramte s, das in dem gleichen Amtsgebäude hergebracht ist. Er versah diesen Dienst unter Auf- des Aufsehers Pluhak zur vollsten Zufriedenheit “2» war selbst mit dieser Tätigkeit, die ihm täglich ?ftschiedene Zigarettenstummeln einbrachte, sehr etn- fttstanden. Natürlich kannte er sämtliche Ämtsräume seine Westentasche. . Am 13. April brach nun infolge eines Mangels "'S Kamins im ersten Stockwerk ein Deckenbrand ?as, der nicht sobald gelöscht werden konnte, da die hlk-n weiterglimmten. Noch am selben Tag wurde Mnge Feuerbereittchast gehalten, zu der auch der ^vährte.^konkai"(Gangaufräumer) Rehäk her- "aaezogen wurde. L Rehäk fiel plötzlich ein, er könne sich bei dieser Gelegenheit als wackerer und aufopfern» Löschmann zeigen und sich Ber- "lenste erwerben, die ihm bei sei- K» Und(Sonntag den 8. Dezember 1935, alle zum kvten Kßnvavend der Sozialisttscheu Jugend, KrriS Prag, um sechs Uhr im Rosensaal des Bolkshauses (Hybernfta k. 7). Gäste willkommen! ^Hmnnmnnnnnnninnm Trudi Dchoop erschien gestern im Neuen Deutschen Theater wieder als„Fridolin" in ihrer bekannten getanzten Spießedomödie, die ihr Meisterwerk ist und auch gestern wieder starten Beifall fand. Mer die Schoop hätte noch größeren Beifall ernten'können, wenn sie dem Publikum neu« Zeugnisse ihres tänzerischen Humors geboten hätte. Sie überließ das ihren Mitarbeitern, den„tanzenden Komikerinnen des Züricher Stadttheaters", die in einer Szenenreihe„Kleine Anzeigen" allerhand von Trude Schoop erdachte und inszenierte Alltag-» geschehniffe pantomimisch darstellten—• eine recht harmlose„Tragikomödie"(obgleich auch die Nicht- ariertragödie im Dritten Reich dabei ist), die weder durch ihre Satire noch durch die Darstellung hinzureißen vermag, die nicht mehr als brav, bemüht, beweglich und bunt ist.—eis— Billigere Preise in der Kleine» Bühne. Auf zahlreiche Anregungen auS Publikumskreisen werden in Zukunft in der Kleinen Bühne bei einer großen Anzahl von Vorstellungen endlich billigere Preise ein, geführt, und zwar derart, daß die durchschnittliche Ermäßigung auf den meisten Plätzen bi» 20 Prozent bettägt, auf den billigen Plätzen 80 Prozent und darüber. Die Aufführungen, für die die billigen Preise gelten, werden dem Publikum in den Theaternotizen ausdrücklich als„ermäßigte Vorstellungen" bekanntgegeben. Ab 10. Dezember gelten bis Weihnachten ausschließlich die ermäßigten Preise..Sollte dieser Versuch von Erfolg begleitet sein, so wird die Direktion an dem neuen System festhalten und es auf den größten Teil der Vorstellungen erweitern. Die Abonnenten genießen auch bei den neuen Preisen auf ihre Bons 50 Prozent Ermäßigung. Wochenspielplan de» Neuen Deutschen Theater». Sonntag, nachmittags halb 8 Uhr: Kind im Kampf; halb 8: Turandot, neueinstudiert, D 2.— Montag, halb 8: Der keusche Lebemann, Gastspiel Otto Wallburg mit Ensemble, Monn, aufgehoben:— Dienstag, halb 8: Der lächerliche Sir Anthony, Erstaufführung, AI.— Mittwoch, halb 8: Fidelio, B 1.— Donnerstag, halb 8: Wozzek— Die Geschichte vom Soldaten, C2.— Freitag, halb 8: Der lächerliche Sir Anthony, D 1.— Samstag, halb 8: Macbeth, CI. Spielpla« der Kleinen Bühne. Sonntag, 8; Teddy contra Teddy; 8: Anna sagt nein.— Montag, 8: Ieanne, Bankbeamten I. — Dienstag, 8: Wozzek— Die Geschichte vom Soldaten.— Mittwoch,^ Fremdenverkehr, volkstümliche Vorstellung.— Donnerstag. 8: A nna sa gt n ein.— Freitag, 8: Wozzek, Kulturverbandsfreunde und freier Verkauf.— Samstag, 8: Anna sagt nein. Dorträge Tscheche«««d Deutsche in der Tschechoslowakei _ Neber dieses Thema hielt vor tschechischen Stu- denten in den Räumen der Amca in Prag Genosse Dr. Emil Straub einen Vortrag in tschechischer Sprache. Der Vortragende erörterte zunächst das Verhältnis von Tschechen und Sudetendeutschen in der Geschichte und wie» nach, daß es nicht nur Epochen des Kampfes zwischen diesen beiden Rationen, sondern vielfach Zeiten gegeben hat, in denen die beiden Völker eng miteinander gearbeitet haben. Das gute Einvernehmen, das sich seit einigen Jahren angebahnt hat, ist nun wieder durch das Auftreten der Sudetendeutschen Partei gestört worden. Genosse Dr. Strauß erörterte die Ursachen de» Aufstieges der Henleinbewegung und bezeichnete als die beiden Hauptgründe die schwere Wirtschaftskrise insbesondere im deutschen Gebiet und den Sieg Hitlers in Deutschland. An Hand von Zahlen und Wirtschaftskarten führte der Referent eindringlich den tschechischen Zuhörern die schwere Notlage der arbeitenden deutschen Bevölkerung in der Republik vor Augen. Bei der Besprechung der Wirkung der Machtübernahme durch den Nationalsozialismus in Deutschland auf die Sudetendeutschen ging Genosse Dr. Strauß eingehend auf die politische Geschichte der Sudetendeutschen in den letzten Jahren ein und zeigte, daß die Sudetendeutschen vielfach in einer politischen Romanttk befangemsind und sich zur Erkenntnis der tatsächlichen Machtverhältnisse noch nicht durchgerungen haben. Die Erziehung der Sudetendeutschen zu einem politischen Realismus sei«ine Hauptaufgabe der deutschen Demokratie, welche zusammen mit der tschechoslowakischen Demokratie dem Lande und Europa den' Frieden bewahren und so die europäische Kultur retten muß.— Die Ausführungen des Borttagenden riefen«ine lebhafte Debatte hervor, in deren Verlaufe an Genossen Dr. Straub«ine Reihe von Anfragen gestellt, wurden, die dieser ausführlich beantwortete. Der Vorsitzende konnte den Abend mit der Bemerkung beschließen,> datz die Zuhörer reiche Belehrung und viel« Anregungen aus dem Vortrag« geschöpft haben. K. H. 1 Dereinsnackuickten. Aus Wasser wird Licht Skrata'äL ‘' Auch zu Perola: nsi Aechf Franck. Freie Vereinigung sozialistischer Akademiker Parteiversammlung am nächste« DirnStagl Sämtliche Mitglieder müssen sich beteiligen. Der auf diesen Tag angesetzte Gruppenabend ist um eine Woche verschoben. AuSflug nach Rrratowitz. Mit Rücksicht auf die Beschränkung der Teilnehmerzahl ist rechtzei- t i g e Anmeldung dringend erwünscht. Anmeldungen an Genossen Arrhur Kreisky, Prag XIV., Pod Vilautt 16, Tel. 5ä 185. Fraurnorganisation Prag. Der Handarbeitsnachmittag der Frauenorganisaüon ist-diese Woche statt Dienstag am Donnerstag. BezirkSverei« Arbeiterfürforge. Die Genossinnen werden ersucht, sich zum AuSbessern von Kleidern und Wäsche am Montag, dem S. Dezember, ab halb 9 Uhr früh im Büro der Arbeiterfürsorge. Prag II, Füg- nerovo näm. 4. 5. Stock, zur Verfügung zu stellen. di» Maschinen, die Wasserkraft in elektrischen Strem verwandeln. Und aus Heimaterde und Sonnenwärme wird Gesundheit, durch den wohlschmeckenden und kraftvollen PEROLA, der noch dazu so billig ist,daß er auf jedem Tisch dampfen kann. Mit AECHT FRANCK zubereitet, ein Hochgenußl Heute nachmittags Kinder-Herbstfeier im Großen Saal deS deutschen Handwerkervereines in Prag II., Smeäkq. Beginn H3 Uhr nach«., Ende gegen 8 Uhr. Kommen Sie bestimmt! Bringen Sie Bekannte mit! MitteUrmgen au» dem Publikum. Unten oder oben? Der Teufel kam einmal zu einem Bauern und sagte ihm:„Du weißt, die Hälfte der Welt gehört mir. Also gehört" auch.die Hälfte deiner nächsten Ernte mir." Und der Bauer, der zwar keine Universität besucht hatte, aber doch wußte, wo Barthel den Most holt, tat furchtbar erschrocken und demütig und sagte:„Gewiß, Eure Pestilenz, und welche Hälfte belieben Cure Pestilenz bei der nächsten Ernte in Anspruch zu nehmen, die obere oder die untere?" Da der Teufel aus der Unterwelt ist, entschied er sich für die untere. Da baute der pfiffige Bauer einen schönen Roggen, der reiche Frucht trug. Der Dauer mähte das Korn und verkaufte es um ein schönes Stück Geld einer Fabrik in Komotau und als der Teufel kam, um sich seinen Teil zu holen, führte ihn der Bauer aufs Feld und wies ihm die untere Hälfte, nämlich die Stoppeln und Wurzeln als seinen Teil. Der Teufel war wütend und schrie, das passiert mir nicht wieder, nächstes Jahr will ich die obere Hälfte. Dann verschwand er mit Gestank. Der Bauer blinzelte ihm listig nach, dann ging er hin und baute Zichorienwurzeln an, die«ine prächtige Ernte ergaben, und als der Teufel wiederkam, fand er neben dem Berg saftstrotzender Edelzichorien-Wurzeln einen Haufen von Zichorienblättern als seinen Anteil, da er doch den oberen Teil verlangt hatte. Da spuckte der bettogene Teufel Feuer und Schwefel und fuhr wutentbrannt zur Hölle. Wissen Sie übrigens, wem der gescheite Bauer den Roggen und die Edelzichorien-Wurzeln verkauft hat? Der Franckfabrik in Komotau, die aus dem Roggen Perola-Korn- kaffee und auS der Edelzichorie den guten altbewährten Franck-Kaffeezusatz machte. Für den Bauern ist'S Lohn für harte Arbeit und für die anderen ein gutes, gesundes heimisches Frühstücksund Jausengetränk. 1718/1 Drr Mm- Der Ruf der Wildnis Der berühmte Roman Jack Londons ist tn der Heimat des Erzählers verfilmt worden, von einem Regisseur namens W e l l m a n n, der sich ehrlich be» müht hat, die Welt der Wölfe und halbwilden Hunde, das LÄen männlicher Abenteurer und feiger Schurken und die Atmosphäre des hohen Nordens in Bilder zu fassen. Es fehlt dem Film die Harmonie Jack Londons, bei dem das Rauhe und das Zarte, daS Abenteuerlich« und das Nachdenkliche, das Iln- wahrscheinliche und das Natürliche einander auS- gleichen. Aber di« Wirkungen, die Jack London berühmt gemacht haben, kommen hier doch in einer langen Reihe gelungener Einzelszenen zur Geltung, die den Zuschauer in ihren Bann ziehen, wie die Wildnis und ihre verborgenen Schätze die Abenteurer, deren Schicksale wir miterleben. Den Goldgräber Thornton, der mit einem lustigen entlassenen Sträfling auSzieht, um die Goldmine zu finden, die der alte Blake seinem Sohne vermacht hat, und der dabei erst die Frau d«S jungen Blake und dann auch den Sohn selber rettet, spielt Seite 8 „Tozialdemolral" onntag, 8. Dezember 1838. Rr. 28« Deutsche sozialdemokratische Bezirksorganisation, Prag Dienstag, den 10. Dezember, acht Uhr abends, findet im großen Saal des Odborovh düm eine Plenarversammlung mit Bortrag statt. Es spricht: . Schriftsteller Rene Sonderegger-Aürich über daS Thema: Sffenfive Demokratie Warum der Schweizer Fafeismus geschlagen wurde Sonderegger gehört zn jenen Linlsdemokraten» die im Bunde mit der Schweizer sozialistischen Arbeiterschaft einen erfolgreichen Kampf gegen die fascistischrn Fronten bis zu ihrer Riedrrringung in der letzten Wahlschlacht geführt haben. Er vertritt das Programm einer politisch-sozialen Offensivpolitik der europäische» Demokratien. Die Schweizer Entwicklung bietet ein interessantes Gegenstück zu den Verhältnissen im sudetendeutschen Lager. Mit Rücksicht auf dieses aktuelle Thema sind von Mitgliedern eingeführte Gäste willkommen. Wir erwarten einen regen Besuch. Die Bezirksleitung Clark Gable glaubhaft und ohne heroische Ueber- treibungen. Die weibliche Rolle spielt Loretta Young, dessen Frauengestalten immer nur um- rißhaft bleiben. Um so tiefer hat er die Seele des Hundes gestaltet, und es ist ganz in seinem Sinne, daß der beste Darsteller dieses Films der Hund Buck ist, in dem die Treue zum Menschen mit der Liebe zur Wildnis kämpft und der bei einer Wölfin das happy end findet, das seinem Herrn versagt bleibt, der am Ende zwar reich geworden ist, aber die Frau herausgeben muß. die er nach dem Gesetz der Wildnis erobert hatte.—eis—. WteUttftgeftdw»Urania« Heute halb 11 Uhr vormittags:„Unter jugoslawischem Himmel". Kulturtonfilm. Leben. Land und Leute Jugoslawiens. Heute 11 Uhr vormittags:„Rilke-Feier". Gemeinsam mit„Concordia".„Schutzverband deutscher Schriftsteller"..Lit. künstlerischem Verein". Eintritt frei. »Zeugen antiken Geistes und Lebens." Prof. K. Kühn:„Ravenna". An der Wende der Zetten (Lichtbilder). Montag. 8 Uhr.» «Unvergeßliche Filme":„Katharina die Große". Grandioser Film mit Elisabeth Bergner. Regie: Alex. Korda. Montag viertel S Uhr. „Gifte in uns." Primararzt Dr. Heinrich Schur(Wien). Vegetarismus— Fleichkost— Rohkost— Besprechung der endogenen Gifte. DienStagsUhr. „Durch verbotenes Land in Südarabien." Hans Hellfritz(Berlin). Abenteuer einet wissenschaftlichen Expedition. Original-Film. Mittwoch. 8 Uhr. „Die kleine Unheilstifterin" mit Gloria Coo- gan. Neues vom Kindertheater. Mittwoch. 3Uhr. Arania-Kino „Alles für die Firma." Amüsante, spannende Komödie mit FelixBressart, Otto Wallburg. Oskar Karlweis. Bühnenschau:„2 De- Werts".(Luftakrobaten). Heute 2(ohne Dühnenschau). 4, 6, viertel 9 Uhr. Filme in Prager Lichtspielhäusern Urania-Kino:„Alles für die Firma." Lustspiel. Karlsweis, Bressart, Wallburg.— Adria:„Tanz der Liebe." A.— Alfa:„Der letzte Tag von Pompeji." A.— Avion:„Es gab einmal zwei Schelme." Laurel und Hardy. A.— Bcnänek:„Vergiß mein nicht." D- — Fcnix:„Marysa." Tsch.— Flora:„Kardinal Richelieu." George Arliß. A.— Gaumont:„Die Christi von der Post." D.— Hvkzda:„Die Wildnis ruft." Cl. Gable. A.— Julis:„Dubarry." Gitta Alpar. A.— Kinema, B.-Th.: Journale. Groteske, Reportage. Ab>/r2—$$7.— Koruna:„Die Wildnis ruft." Cl. Gable. A.— Koiva B 36:„Der neue Gulliver." Sowjetfilm.— Lucerna:„Marysa". Tsch.— Metro:„Die ganze Welt dreht sich um Liebe." D.— Olhmpie:„Die Götter amüsieren sich." D.— Passage:„Mazurka." Pola Regri. Regie W. Forst. D.— Praha:„Der hohe Einsatz.", A.— Radio:„Vergiß mein nicht." B. Gigli. D.— Skaut: „Viva Villa." Wallace Beery. Weitere Woche. A. — Svktozor:„Mazurka." D.— Alma:„Strahlende Augen." S. Temvle. A.— Bajkal:.Siva Villa." Wallace Beery. A.— Belvedere:„Menschen in Weiß." A.— Beseda:„Die Götter amüsieren sich." D.— Carlton:„Die Kinderlose." Tsch. — Illusion:„Tränen der Liebe." A.— Kapitol: „Zigeunerblut." D.—• Lido II.:„Tränen der Liebe." A.— Louvre:„Zigeunerb^ut." D.— MacrSka: „Die Götter amüsieren sich." D.—Rory:„Kardinal Richilieu." George Arliß. A.— Sport Smichov: .Leutnant Bobby." D.— U Bejvodu:„Csibi, der Fratz." Franziska Gaal. D.— Baldek:„General VenS Leidenschaft." A.— Beletrhy:„Vergiß mein nicht." B. Gigli. D. M o n t a g, de» S. Dezember, um 8 Uhr abends im Partcihcim, Prag II, Närodni 4, Frauenabend mit Lichtbildervortrag über das Themar Die Vererbung Vortragender Genosse Dr. Gatterman». WM»- Im Zeichen dieses gewiß bedeutungsvollen Leitwortes wird die zwecks Vergrößerung des Rundfunkhörerkreises gerade vor sich gehende gesamtstaatliche Rundfunk- Propaganda-Aktion geführt. Die Rädiofabriken waren seit je bestrebt, ihren Kunden durch reichste Auswahl kn verschiedenen Modellen die Möglichkeit zu bieten, daS gerade benöttgte geeignetste Gerät auSzu- suchen: ein Empfänger,, der sowohl allen technischen Anforderungen entspricht, als auch einen erschwinglichen Preis hat. Wir können heute die Mitteilung bringen, daß wir unsere JubiläumS- reihe von Microphona- Empfängern, die in den letzten Tagen mit dem luxuriös ausgestatteten „Luxus-Superiual" vervollständigt wurde, abermals um eine neue Empfänger-Type erweitert haben, die zufolge ihres niedrigen Preises, ihrer einwandfreien technischen Leistung, Verläßlichkeit und Billigkeit im Bettiebe geradezu vorbestimmt ist, daS Empfangsgerät aller jener zu werden, die sich bisher einen Empfänger nicht anzuschaffen vermochten oder unter Verzicht auf jede Bequemlichkeit Kristallapparate und Kopfhörer benützten. ES ist dia der Microphona- Empfänger„Baby", zu Kö 495.—. Lassen Sie sich ihn noch heute in den neuen Ausstellungs- und VlstführungSräumen im Palais„Noväk". Vo- diikovä ul., Hauptpaffage, vorführen. 81—54 er lnie deFa n,,,le' „em-'-''-""" KJ 495 Idealer Empfang wie bei Kristall, geraten und dennoch mit dynamischem Lautsprecheri Orts-Empfang ohne Antenne I Geringfügiger Stromverbrauch I Und doch elnZwelkrels-Empfünger für Empfang starker Sender. Verlangen Sie Vorführung und ausführliche Prospektei Nutzen Sie die Vorteile der gerade vor •Ich gehenden Rundfunk-Propaganda-Aktion aus und kaufen Sie Ihren Empfänger li Im Dezembor 1935. j 3164 L Beraten Sie sich mit Ihrem Radlohlndlcrl Wozzek und Die Geschichte vom Soldaten Endlich wieder einmal Größe in der Kleinen Bühne! Mit fast ehrfürchtigem Schauer betritt man sie, angeweht vom unsterblichen Hauch Georg Büchners, dessen beispielloser Wurf„Wozzek" uns wohl mehr noch sagt als sein Drama„Dantons Tod". Schon mit dessen Aufführung hat sich das Deutsche Theater(in der vergangenen Spielzeit) ein Verdienst erworben. Noch höher aber ist das um„Wozzek" zu werten. Viel ist in den letzten Jahrzehnten über ihn und über Büchner überhaupt geschrieben worden. Erkannt hat man, daß dieser Frühreife, nein: Frühvollendete, den unerforschliches Walten der Natur, begreiflicherweise Grausamkeit genannt, als Vierundzwanzigjährigen fällte, als Dichter und Denker einzigarttges Genie war, neben Schiller und Kleist die gewaltigste dramattsche Begabung in der deutschen Nation, und darüber hinaus fast nur mit Shakespeare zu vergleichen. Und seinen„Wozzek" hat'man gewürdigt und gepriesen als das großartigste Fragment unserer Literatur, in seiner Konzeption^ in dem Urstrom, der ihn gebar, so zwingend, daß kaum mehr zu ahnen ist, es handle sich um ein Torso, das spätere Hände auszuformen sich erst bemühten. Unter Verzicht, den Inhalt des.Wozzek," einigermaßen gut wiederzugeben, kann eS vielleicht ■ hier als unsere wichtigere Aufgabe angesehen werden, die Frage zu berühren, was er uns, den Menschen des zweiten Drittels dieses Jahrhunderts bedeutet, ein ganzes Jahrhundert dem„Wozzek" und jener Zeit nachgeboren, in der jenes reaktionäre Deutschland einen seiner größten Söhne emigrieren ließ. Lebte er heute und schriebe einen„Hessischen Landboten", er fände in der reichsdeutschen Heimat nur Platz in einem Konzentrationslager. Aber auch sein„Wozzek", richtig verstanden und richtig gespielt, würde hinreichen, Büchner, den wahren Revolutionär, die Tyrannis fühlen zu lassen. Vor hundert Jahrxn war ihm„Deutschland ein Leichenfeld". Was sagte er heute? Und was würden sie ihm tun, der den armen, vom Geist berührten, aber in der ttefsten Niederung des sozialen Lebens irrenden, noch bis in die unaussprechliche leibliche Notdurft versklavten, vom„gebildeten" Ungeist getretenen und gemarterten Wozzek im Zusammenstoß mit der autoritären Gesellschaftsordnung zeigt? WaS würden sie tun mit dem Schöpfer dieses Wozzek, der unterm Zwang des Hungerns und Liebens, des Verdienen- und Parieren-Müffens opfert und geopfert wird, während zu all dem die blutig- löcherliche Fratze des Militarismus, des Obrigkeitsstaates, höhnisch feixt? Können die Herren des Deutschland von heute den Anblick des Hauptmanns ertragen, der sich an dem armen Wozzek weidet, weil der Tambourmäjor ihn zum Hahnrei machte? Wir sehen Kerle vor uns, die sich des freuen würden, daß der Söldner aus Böhmen irrsinnig wird vor Schmerz, weil ihm ein Kraftmeier, ein SA- Chargierter, die Geliebte weggenommcn hat. Das Mädel aber würden sie vielleicht dennoch einsperren und dann die Doppelwaise zur Hitlerjugend bringen, um dem Wurm bessere Zucht und Ordnung beizubringen, als sie seine Eltern zu halten wußten. Was kann ihnen Büchner sein, dessen„Wozzek" erstes und größtes dichterisches Denkmal der Erkenntnis ist, daß der letzte Mann aus dem Volk genau so ein Herz hat wie diejenigen, die sich groß fühlen und ihr Herz verhärten? WaS ist ihnen Büchner, der das Volk gerade bis zu seinen untersten Schichten mit der innigsten Liebe umsaßt, der es gefangen zeigt in Unbildung, in Unfreiheit des Worts, des Gedankens, ja selbst noch des Liebens?« Man kann sich bestenfalls ein hitlerdeutscheS Theater vorstellen, in dem der Jude, der Wozzek daS Mordmeffer verkauft, als der wahre Satan hingestellt würde. Und die zarten Volkslieder, die den Todesweg Wozzeks begleiten, würden zum Landknechtsgröhlen, in dem alle Naturliebe, alles Naturnahe, alles Ewige dieser Dichtung unterginge. Ewig ist der„Wozzek", weil hier ein begnadeter Dichter des Aermsten Leid ergreifend gestaltet hat, das die Welt nie verlassen wird; und besonders stark zieht eS uns heute an, weil das Leid der Zeit Büchners sich in der unsrigen verhundertfacht hat. Müßig, darüber zu sinnen, was Büchner noch hätte schaffen können, hätte er länger gelebt; aber gerade wegen aller Härte des Gedankens erwägenswert, daß noch hundert Büchner, das Entsetzen unserer Tage kaum hätten aufhalter^ können. Doch die Kraft, sie zu überwinden, schöpfen wir nicht zuletzt aus den Büchners. Die Aufführung hatte ganz hohes Niveau, vor ollem schon dank der außerordentlichen Regie-Intelligenz Renato Mordos, der unaufdringlich und schlicht den Grundton der Sttmmung und des Milieus traf, das Tiefe und Starke sich selber bloßlegen, dabei das Sprachliche voll tönen und sich runden ließ, im Ganzen äußerlich schon, bei klügster Raumausnützung, durch die restlos überzeugende bühnenbildnerische Arbeit der Meister Pir- ch a n und K o t u l a n unterstützt. Darstellerisch stand, wie es sich gehört, Valk als Wozzek immer fühlbar im Vorder- oder Hintergrund, beklemmend dumpf bis zum Reifen des Mordgedankens, dann vehement tterisch, über- und untermenschlich losgehend(nur vielleicht zu wenig ergreifend im Ab- schied hon den Andenken, dafür prachwoll in der Wirtshausszene nach der Tat). Eine vollgültige Marie mag in unserem Ensemble wahrhaftig nicht zu finden sein. Trude Wessely gab, was sie konnte; fteilich war schon in Gestalt und Gestaltung kein Lberschäumendes, hinreißendes und dann wieder zu Tränen rührendes Weib; zu sehr Gretchen, zu wenig Soldatendirne, Marketenderincharakter; und vor allem: mehr gespielt, zu wenig erlebt. Ausgezeichnet angelegt der Hauptmann des Herrn Volker, eine unvergeßliche Karikatur des undummen verdummten, weinseligen Soldaten(nur etwas zu sehr Feldwebel statt Hauptmann). Daneben geriet der Tairchourmajor des Herrn Siedler, der wie- derum mehr nach Derblay statt nach einem nur- lexualen Kraftkerl roch. Dagegen der Doktor des Herrn Marls überaus einprägsam, wenn auch nach seiner Art ins Bizarre gerückte. Geradezu rasant aber die Wirkung der Grabbe-Shakespeare-Ne- stroy-Mischung des Ersten Handwerksburschen durch WalterTaub, gediegene Episoden vor all:m die Alte Frau Charlotte Küters, der Jude(Stadler)« und der Andreas Padlesaks. Es gab viele, viele Vorhänge. Und dann schloß sich daran, zwanglos schon iS Beginn, gut komödienhaft, wie improvisiert(&>• Musiker in Hemdärmeln und so wie der Sprecher geatzt) die„G es ch i ch te v o m S ol d a t e n" a>>, die freie Nachdichtung des Ramuz-Textes durch Ha») Reinhart, die aus dem Urruffischen stammende Fabel von dem armen Soldaten, dem der Teufel di« Geige und damit das reine Herz nimmt, des dann reich gewordenen Schluckers, der nun erst recht arni ist und der schließlich den Teufel endgültig über« list-t und zurückfindet zu Liebe und wahrem Lebe«. Immer noch wirkt Igor Strawinskys Wufil erst ein wenig befrenrdend.. Aber mählich gerät ma« trotz Atonalismcn und hundert Eigenwilligkeiten nicht nur in den Bannkreis seiner genialen RbyH« men, sondern wird auch bezaubert durch die Eigen« art und den Reiz der Klangbilder und mit dein Choral ist man dann durchaus in der Märchen« stimmnng, di« so kunstvoll und dabei natürlich Mischen der Realität des Lebens und der anderen Realität der Bühne balanciert. Verdienswoll anck hier ausnahmslos alle Mitwirkenden: der muss« kalische Leiter Zweig und sein« Musiker(allen voran der Geiger Hermann Klein), wiedennn all Regiffeur und Bildner di« Herren M o r d o, Pirchan und Kotulan, der diesmal eindrucksvolle Rezitator Valk, der sympathische Soldat Padlesaks, dek groteske Teufel Walter TaubS und die intet« essante Tänzerin Camilla Steinhart. Auch Strawinsky fand viel Beifall. Im Stiche gelassen ward das Theater und die Kunst durch daS Publikum, das nicht da war. An« wenn man in Rechnung stellt, daß derselbe Abevd andernorts auch groß« Kunst bot— das Deutsv Theater gehörte übrigens mit zu den Konkurrent^ der Kleinen Bühne— war der spärliche Besm dieser Vorstellung doch recht beschämend. Hasses wir daS Beste für die Wiederholungen. Und a» jeden Fall: nicht Nachlassen, nicht sich entmutige' lassen! Fortfahren auf diesem Weg und immer wieder versuchen, daS Publikum zur wahren Kunst zurückzuführen l L.«. Bezugsbedingungen: Bei Zustellung ins HauS oder bei Bezug durch die Post monatlich Kd 16.—. vierteljährig Kd 48.—. halbjährig Kt 96.—, ganzjährig KO 192.—.— SfnktMt werden laut Saiif billigst berechnet. Bei öfteren Einschaltungen Preisnachlaß.— Rückstellung von Manuskripten erfolgt nur bei Einsendung der Retourmarken.— Die Zeitungsfrankatur wurde von der Post« und Teie- graphendireftion mit Erlaß Nr. 13.800/V11/1930 bewilligt.— Druckerei:„Orbis". Druck«. Verlags- und Zettuugs-A.»G.. Prag.