Donnerstag, 12. Dezember 1935 Nr. 289 15. Jahrgang Einzelpreis 70 Heiter (•iMchlleBllch 5 Haller Parte) ZENTRALOEGAN DER DEUTSCHEN SOZIALDEMOKRATISCHEN ARBEITERPARTEI IN DER TSCHECHOSLOWAKISCHEN REPUBLIK ERSCHEINT MIT AUSNAHME DES MONTAG TÄGLICH FRÜH.«AKTION UNO Verwaltung präg xii., fochova 42. Telefon non. HERAUSGEBER, SIEGFRIED TAUB. CHEFREDAKTEUR! WILHELM NIESSNER. VERANTWORTLICHER REDAKTEUR: DR. EMIL STRAUSS, PRAG. Dementierte Attentatsplfine gegen den Prinzregenten Paul Belgrads(Avala.) Die Organe der Polizei» direktion in Belgrad kamen einer Gruppe von sechs Personen, größtenteils ausländischen Staatsangehörigen, aus die Spur, die Material über die Tätigkeit einiger Orgäni- sationen der russischen Emigranten sammelten. Alle diese Personen wurden verhaftet. Durch die Untersuchung wurde festgestellt,.daß diese Personen keine andere Tätigkeit außer der angeführten entwickelten. Alle Nachrichten der ausländischen Presse, denen zufolge diese Gruppe ein Attentat auf den Prinzregenten Paul vor« bereitet habe, sind grundlos und entsprechen nicht der Wahrheit. Die Nachricht über eine geplante Verschwörung gegen den Prinzregenten Paul veröffentlichte das Londoner Blatt„Da i l y Mai I* über Paris. Dieses Blatt teilte auch mit, daß in die Verschwörung eine Reihe russischer Emigranten und viele Mitglieder des mazedonischen revolutionären Ausschusses verwickelt seien, dessen Mitglieder bekanntlich König Alexander und Außenminister Barthou in Marseille ermordet haben. Das gleiche Blatt meldete auch, daß in Verbindung mit der Verhaftung von 6 spionageverdächtigen Russen eine Verordnung erlassen wurde', daß sich alle in Belgrad ansässigen Russen innerhalb von drei Tagen bei der Polizei zu melden haben. Lavals unsichere Mehrheit Paris.-Die Regierung erlitt Mittwoch nachmittags im Finanzausschuß der Kammer eine knappe Niederlage. Der Finanzausschuß hatte zunächst mit 23 gegen elf Stimmen den Antrag angenommen, das Budget für das kommende Jahr im beschleunigten Verfahren durchzuberaten. Hierauf wendeten aber die Sozialisten ein, daß bei einem derartigen beschleunigten Vorgehen das Parlament die staatlichen Ausgaben nicht ordentlich kontrollieren könnte, wie es seine Pflicht ist. Es wurde über den Antrag neuerlich abgestimmt, wobei er mit 20 gegen 19 Stimmen abgelt h n t wurde. Die Regierung sieht sich aber nicht als geschlagen an und will im Kammerplenum neuerlich auf das beschleunigte Verfahren dringen. Regierungskrise in Aegypten Der ägyptische Ministerpräsident Tewfik Nessim Pascha wird morgen dem König die Gesamtdemission des Kabinetts anbieten. Wie verlautet, ist der Grund darin zu suchen, daß England sich den ägyptischen Wünschen zur Wiedereinführung der Verfassung von 1923 gegenüber ablehnend verhält. Man erwartet, daß der König die Parteiführer zu Besprechungen empfange» wird. Demission det Kabinetts Hodza vom Präsidenten der Republik abgelehnt Prag. Amtlich wird verlautbart: Mittwoch um die Mittagstunde fand eine außerordentliche Sitzung der Regierung statt, in der auf Grund des Vorschlages des Vorsitzenden der Regierung Dr. Mila» Hodza die Demission der Regierung beschlossen wurde. Nachmittag wurde dieser Beschluß dem Präsidenten der Republik mitgeteilt. Der Präsident der Republik hat die Demission nicht angenommen. Weiter- wird amtlich mttgeteiltr Heute vor 19 Ahr fand eine zwette außerordentliche Sitzung des Miniverrats statt, in der der Vorsitzende der Regierung mittellte, daß der Präsident der Republik die Demission, welche die Regierung in ihrer heute Mittag stattgefundenen Sitzung beschloffe« hatte, nicht angenommen hat. Italiens Antwort erst In einigen Tagen Paris. Die aus Rom eingelangten Rach-1 richten bestätigen, daß Mussolini gegen Abend nacheinander den französischen und den britischen Botschafter in kurzen Audienzen empfing, die ihm den Text der französisch-britischen Vorschläge überreichten. Mussolini beschränkte sich auf die Erklärung, daß er die Bemühungen der französischen und der britischen Regierung um die Beilegung deS italienisch-abessinischen Konflikte- würdige, daß er sich aber die Antwort erst nach ausführlichem Studium dieser Anregungen Vorbehalte. An autorisierten italienischen Stellen wird erllärt, daß mit Rücksicht auf den fachtechnischen Charakter der Vorschläge die italienische Negie- rung ihre Antwort nichtvorAblaufeini- g c r T a g e wird erteilen können. Abessinien: Unabhängigkeit über alles I Pari-. Der abessinische Gesandte in Paris machte im Sinn« der Instruktionen seiner Regierung den Ministerpräsidenten Laval auf- merksam, daß Abessinien auf keine Bedingungen eingehen könnte, welche die Unabhängigkeit des Landes bedrohen würde. Er sagte: „Wenn eS sich um Vorschläge von der Art, wie sie in der Presse veröffentlicht wurden, handelt, dann find dieselben l S ch e r l i ck." Auf eine Frage deS Reuter-Korrespondenten erllärte der abessinische Gesandte:„Wenn es sich darum handelt» daß Abessinien Italien irgend, rin Gebitt abtrete« soll, dann«erden wir l i«. ber«eilerlämpfen, bis kein«bessi-ier «ehr am Lebe« ist,«iS daß wir auf diese Weife dem Angreifer nachgeben." Wieder ein Konzessionsgeschäft Addis Abeba.(Havas.) Eine bedeutende englische Finanzgruppe hat dem Negus eine Anleihe in der Höhe von einer Million Pfund Sterling gegen eine ausschließliche Konzession zur Förderung von Mineralien für die Dauer von 30 Jahren angeboten. Für jene Konzessionen, welche bereits früher erteilt worden sind, sind bestimmte Schwierigkeiten aufgetreten. Baldwin: So weit gehen wie der Völkerbund London. Nach den scharfen Reden einiger labouristischer Abgeordneter im Londoner Unterhaus«, die heftig die Friedensvorschläge bekämpften, die in der Presse als eine Art Anzeichen der Punkte, wie sie in Paris festgelegt wurden, auftauchten, ergriff Dienstag abends der Premier- minister Baldwin das Wort, der vor allem Erklärte: „Unser Prestige im Völlerbunde ist groß, doch ist unsere Macht nicht absolut. Wir werden deshalb auch nicht bestrebt sein, diese Basis der Regelung weder dem Völlerbunde, noch auch Italien oder Abessinien aufzuzwingen, wenn sie dieselbe nicht werden annehmen wollen. Bisher wissen wir auch gar nicht, was diese drei Parteien auf diesen Vorschlag antworten werden. Sollte diesbezüglich kein Resultat erzielt werde», dann müssen wir einenneuerlichenVersuch unternehmen. Wir werden neuerlich gezwungen sein, uns mit der Frage zu beschäftigen, bis zu tvelcher Grenze die Sanktionen gehen könnten. Es tst dies in der Tat keine leichte Aufgabe, es zu verhindern, daß nach Italien Naphtha eingefsthrt e r d e. Es ist dies eine ziemlich komplizierte Angelegenheit, und wenn man einmal dieses Verbot bereits ausgesprochen hat, dann müsse darauf auch geachtet werden, daß dasselbe auch durchge- isührt werde. Wir werden genauest in derselben Politik weiter fortfahren und wir werden in voll- uer Uebereinftimmung mit dem Völlerbunde handln; wir werden soweit gehen, wie der Völkerbund gehen wird, jedoch auch nicht um einen einzigen Schritt weiter! Und dabei ist eS notwendig, sich alle beteiligen, oder einfach niemand! Als Protest gegen den Standpunkt der Regierung zu aktuellen Fragen des abessinischen Konfliktes brachte die labouristische Opposition oen Antrag ein, daß über die Antwort der Regierung auf die Thronrede abgestimmt werde. Die Antwort wurde sodann mit 281 gegen 139 Stimmen angenommen. Obwohl bekannt gegeben wurde, daß Kommentare zu dieser amtlichen Meldung aus Gründen der Zensur zur Stunde noch unangebracht erscheinen, stellt das amtliche Pressebüro den Blättern einen Kommentar des agrarischen „V e n k o v" vom 12. d. zur Verfügung, der sich natürlich auch nicht ntti den Ursachen, sondern nur mit der formalen Seite dieses politisch hochbedeutsamen Ereignisses befaßt. Es wird darin u. a. auf die politischen Verhandlungen der letzten Wochen hingewiesen, in deren Verlauf zwei verschiedenartige Gruppen in der Koalition zum AuSdruck gekommen seien. Als diese Verhandlungen zu einem Abschnitt gelangten, der unüberwindbckk schien und bei dem eine klare Entscheidung notwendig war, hab« der Mi» nisterpräsident die einM natürliche Folgerung gezogen, daß er die ganze Frage dem Präsidenten der Republik zu einer klaren Lösung übergeben habe. Dadurch, daß der Präsident die Demission nicht annahm, habe er zu verstehen gegeben, daß er in die weitere Tätigkeit des Premiers Vertrauen habe und ihn mit den weiterenVer» Handlungen und Entscheidungen betraue. Die veröffentlichte amtliche Nachricht habe, auch wenn sie nur die einfachen Tatsachen konstatiere, ihren positiven Charakter darin, daß sie die gegenwärtige politische Leitung im Staat erneut bekräftige und daß demnach niemand' mit inneren Verschiebungen oder dauernden Gegensätzen w e l tste r Art immer rechnen könne. Alle Kombinationen, die auftauchten und die politische Atmosphäre vergifteten, als ob es zu einer Verschiebung der Machtkonstel« lation durch Kräfte kommen könnte, welche nicht Wortführer der überwiegenden Mehrheit der Bevölkerung im Staate wären, seien durch die angeführte Tatsache definitiv begra- benund widerlegt. Das Prinzip der Koalitionsmehrheit und des demokratischen Systems in der Republik sei neuerlich bestätigt worden. Jedweder Versuch, dessen Charakter zu entstellen, habe keine Hoffnung, von längerer Dauer zu sein. Die ganze Episode mit der Demission der Regierung Hodza, versichert der„Benkov" abschließend, werde unstreitig zur Stabilität der demokratischen Institutionen in unserem politischen Leben beitragen. -» Im Parlament Der plötzliche Beschluß der Regierung, zu demissionieren, wurde im Parlament kurz nach Mittag bekannt und rief selbstverständlich außerordentliche Aufmerksamkeit hervor, zumal keine Zensur Diskussionen in den Couloirs über die Ursachen dieses Entschlusses verhindern konnte. Es tauchte auch die Frage auf, ob das Haus nicht die Debatte unterbrechen und sich bis zur Lösung der Krise vertagen sollte. Im Parlamentspräsidium herrschte anscheinend die Ansicht vor, die dann auch der Agrarier R e ch c i g l von der Parlamentstribüne aus vertrat, daß nämlich das Budget nicht der jeweiligen Regierung, sondern dem Staat bewilligt werde. So wurde denn die Debatte im Plenum ohne Unterbrechung fortgesetzt. Da bald bekannt wurde, daß die Demission nicht angenommen wurde, entfielen diese Bedenken formal-rechtlicher Natur schon nach wenigen Stunden. Das Parlament wird also Donnerstag programmgemäß die Budgetdebatte beenden und am Nachmittag die Abstimmung vornehmen, worauf das Budget noch an den Senat weitergeleitet und von diesem dem Ausschuß zugewiesen werden wird. Zar Sdiuldcnrcgdung In der Landwtrlsdiaft Nach den Erklärungen des Landwirtschafts» Ministers in der letzten Sitzung deS landwirtschaftlichen Ausschusses soll nun auch das Problem der landwirtschaftlichen Verschuldung einer baldigen Lösung zugeführt werden. An einer Schuldenregelung sind weite Kreise der Kleinbauern und Häusler interssiert, deshalb ist eine Stellung» nähme hierzu notwendig. Nach den Schätzungen des statistischen Staatsamtes betrugen die Schulden der Land» wirtschaft, der Industrie und des Gewerbes zusammen 60 Milliarden Kronen, wovon auf die Landwirtschaft 13 Milliarden entfielen. Dem gegenüber stehen nun die Behauptungen des Landwirtschaftsministers, der die landwirtschaftlichen Schulden mit etwa 25 Milliarden beziffert. Nun waren ja die Herren Agrarier beim Limitieren nie kleinlich. Das zeigen am besten die Berichte des Bundes der deutschen landwirtschaftlichen Genossenschaftsverbände. Vor drei Jahren hieß es dort, daß die Landwirtschaft mit 24 Milliarden verschuldet sei, heuer berichtet man von 30 bis 50 Milliarden. Auf ein paar Milliarden mehr kommt es ihnen nicht an; man wirft sie einfach hin» um die Oeffentlichkeit zu bluffen. Daß es sich nur um einen Bluff handelt, beweist ja schon der Unterschied von 20 Milliarden bei diesen angeblichen Schätzungen. In den Jahren 1934 und 1935 dürften die Schulden höchstens bei den Kleinlandwirten gestiegen sein, hervorgerufen durch die Arbeitslosigkeit und die Futtermittelverteuerung, während den großen Besitzern das Getreidemonöpol erhebliche Gewinne brachte. Das Steigen der Spareinlagen in den Raiffei» scnkaffen und den landwirtschaftlichen Bezirks» Vorschußkassen drückt dies am besten aus. Selbst wenn man annimmt, daß seit 1933 noch etwa drei Milliarden Schulden zu der vom statistischen Stasitsamte festgestellten Summe hinzugekommen sind, was nach der Einführung des Getreide« Monopols kaum der Fall sein dürste, so würde man erst auf einen Schultzcnstand von 16 Milliarden kommen. Eine der Hauptursachen der Verschuldung war bis 1933 die Wirtschaftskrise und die dadurch bedingte Senkung der Rentabllität in der Landwirtschaft. Aber auch Unglücksfälle im Betrieb und in der Familie haben in einzelnen Fällen das Schuldenausmaß erheblich gesteigert. Hinzu kommen unvernünftige Uebergabsbe st immun gen, wodurch den von der Wirtschaft scheidenden Kindern auch noch in der Krisenzeit hohe Abfindungssummen ausgezahlt und den ühergebenden Besitzern oftmals allzu reichliche Ausgedinge gesichert wurden. Ob auch die Besitz umschichtungHurch die Bodenreform die Verschuldung vergrößert hat, kjinnte man erst feststellen, wenn man die Abfindungssummen kennen würde, die an die früheren Besitzer gezahlt wurden. Nach Berichten des Bodenamtes sind die neuen Besitzer mit 3.6 Milliarden verschuldet, wobei das'Vodenamt mit 2.5 Milliarden als Gläubiger figuriert. Daraus ergibt sich schon, daß eine Schuldenregelung nur dann Erfolg haben könnte, wenn sie die Ursachen, die zur Verschuldung führte»:, endgültig beseitigen würde. Bisher waren die Landwirte durch das sogenannte Moratorium geschützt. Der Schutz der Zwangsversteigerungen gilt vorderhand bis 31. Dezember und soll— wahrscheinlich nach einer kurzen Verlängerung— aufgehoben werden, sobald eine gesetzliche Regelung der Entschuldung zustande gekommen ist. Diese Regelung soll, nach den Ankündigungen des Landwirtschaftsministers, beinhalten: 1. Eine HerabsetzungcheS Zinsfußes. Dieser soll bei Kreditsätzen um% Prozent ermäßigt werden. Bei den ersten Hypotheken wird demnach der Zinsensatz 4^4 Prozent betragen lin der Slowakei 5% Prozent. Bei den Vollsgeldanstalten, insbesondere bei den Raiff- gen(in der Swwakei Ol4 Prozent). Bei den auf 5 Prozent, bei den landwirtschaftlichen Vor- schußkaflen und Sparkassen von 6% auf 5% Prozent gesenkt werden. 2. Bei kurzfristigen Schulden sollen die Rückzahlungen auf achtJahre, bei lang fristig,eu bis auf 40 Jahre verteilt werden. Bor ber Kündigung des Kredites durch den Gläubiger'soll der Schuldner geschützt Seite 2 Donnerstag, 12. Dezember 1935 Nr. 289 werden, wenn er Zinsen und Ratenzahlungen einhält. 8. Diese Mahnahmen sollen sich nicht nur aus die Landwirte, sondern auch auf Arbeitslose, auf Bezirke, Ge» m e i n d e n und gemeinnützigeBau« genossenschaften beziehen. 4. Für überlastete gröhere Landwirtschaftsbetriebe soll der gerichtliche Ausgleich eingeführt werden, der bisher nur bei nichtlandwirtschaftlichen Schichten in Frage kam. Hierbei sollen Hypothekardarlehen bis zu einer bestimmten Grenze geschützt sein. Die übrigen Schuldner sollen durch eine Ausgleichsquote gedeckt werden. 6. Die Durchführung der Schuldenregelung soll einem eigenen landwirtschaftlichen Entschuldungsinstitut lBauernbank) übertragen werden. Neben den Entschuldungsarbeiten soll diese? Institut auch die bisherige Funktion des BodenamteS, die Kreditbewilligung und Vermittlung für Dodenbewerber, Meliorations- und Re-' kultivierungSarbeiten übernehmen, wobei ihr auch das Enteignungsprivileg zustehen soll. Bei Versteigerungen soll dieses Institut Liegenschaften übernehmen, um sie dem bisherigen Besitzer in Pacht und später wieder ins Eigentum übergeben zu können. In diesen Ankündigungen steckt ebensoviel Gefährliches wie Schönes. Grundsätzlich wird man sich für eine Schuldenregelung einsetzen müssen, damit die Kreditverhältnisse endlich einmal geordnet und übermäßige Schuldenlasten abgebaut werden. Was aber bis jetzt die Oeffentlichkeii davon gehört hat, verdient kritische Einwendungen entschiedenster Art. Das Wichtigste bei der Schuldenregelung ist da? neu zu schaffende Institut, die Bauernbank. Hierbei ist die Frage von größter Bedeutung, wer diese staatlichen Unternehmungen verwalten wird. Die Agrarier sehen darin schon wieder Möglichkeiten, ihre Anhänger dort unterzubringen. DaS Institut soll natürlich in ihre Hände kommen. Geschieht dies, dann weiß man schon im vorhinein, daß die Schuldenregelung nur agrarischen Protektionskindern zugute kommen wird. Unglaublich groß soNen die Kompetenzen dieses Institutes sein. Nicht nur die Schuldenregelung, sondern darüber hinaus noch die Bodenzuteilungsagenda, die Kultivierungs- und Meliorationsarbeiten, Kreditvermittlung und— das Vorkaufsrecht bei allen Grundstückverkäufen, ganz gleich ob«r sich um landwirtschaftlichen Boden oder Baugrund handelt, sollen ihm übertragen werden. WaS das bedeuten würde, wenn ein mit solcher Machtfülle ausgestättetes Institut in rein agrarische Hände käme, brauchen wir nicht näher zu erörtern. Bom nationalpolitischen Standpunkt erheben sich die größten Bedenken gegen daS Vorkaufsrecht von Grund und Boden, insbesondere dann, wenn diese Bauernbank den tschechischen Agrariern ausgeliefert werden sollte. War es doch der tschechischagrarische Abgeordnete C h l o u b e k, der bei der vorjährigen Budgetdebatte erklärte, daß Grund und Boden in den deutschen Gebieten zum Überwiegenden Dell in tschechische Hände kommen müsse. Wird dem Institut dieses Recht eingeräumt, dann darf dies nur mit der ausdrücklichen gesetzlichen Bestimmung geschehen, daß der ange- kaufte Boden in erster Linie Bewerbern jener Na- ttonälität zufallen muß, der er entstammt. Käme eS anders, dann würde man dem HenleinfasciS- mus zu einem neuen Auftrieb verhelfen. Ursprünglich sollten nach den Forderungen der Großagrarier und der Henleinvertreter Kleinlandwirte unter einem Hektar und arbeitslose Häusler ausgeschaltet werden. Das einheitliche Borgehen der sozialistischen Parlamentarier im landwirtschaftliche» Ausschuß hat diese Absicht verhindert. Nach den ausdrücklichen Erllärungen des Landwirtschaftsministers werden alle landwirtschaftlichen Schichten, auch di« arbeitslosen HänSler, die Begünstigungen der Schuldenregelung genießen. Aber Protektion muß sein und so soll denn für die größeren Landwirte der gerichtliche Ausgleich geschaffen werden. Grundsätzlich wäre ein Ausgleich überhaupt abzulehnen und für die kleinen Landwirte bis zu sechs Hektar eine Entschuldung zu fordern, wie sie in Ungarn durchge- führt worden ist. Dort hat der Staat alle Schulden übernommen, die über das 40fache des Reinertrages hinauSgehen(bei Kleinlandwirten hiS zu 10 Katastraljoch). Auf die verbleibende Schuld (im Durchschnitt höchstens XL 2000.— pro Katastraljoch) zahlt der ungarische Kleinlandwirt an Amortisation und Verzinsung 4%%(XL 100.— pro Katastraljoch und Jahr). Der bei uns beabsichtigte Ausgleich, der die Hypothekarschulden der agrarischen Banken und Sparkassen schüt zen soll, hingegen von den übrigen Schuldnern große Opfer verlangt, bringt eine schwere Schädigung für die Dorfhandwerker mit sich, bei denen gerade die größeren Bauern flhr in Schuld stehen. Diese Kleingewerbetteibenden müßten also die Entschuldung der Großagrarier mit bezahlen. In den Vorschlägen des Landwirtschaftsministeriums vermißt man die Möglichkeit der Landabgabe zum Zwecke der EntschuldungbeidengrößerenBe- s i tz e r n, eine Forderung, die bei uns nicht nur von den Sozialdemokraten, sondern auch schon aus agrarischen Kreisen gekommen ist und in Polen bereits verwirklicht wurde. Ihre Verwirklichung bei uns würde Grund und Boden freimachen für eine KolonisierungS- und Siedlungsaktion. Wenn man eine planmäßige Schuldenregelung will, die nicht nur die Gegenwart, sondern auch die Zukunft im Auge hat, so wird man sich zu Maßnahmen entschließen müssen, die nicht etwa vorübergehend der polittschen Agitation der Agrarier zu dienen haben, sondern eine grundsätzliche Aenderung der bestehenden Verhältnisse herbeiführen sollen. Sa. testiert selbst gegen das geringste Zugeständnis an Italien und gegen die Abtretung auch n«r eines 3 o l l b r e i t s a b e s s i n i s ch e n Bodens. Genf.(Tsch. P.-B.) Der Konttollausschuß für Sanktionen verhandelt Mittwoch über die gegenseitige Hilfeleistung der Staaten, welche die Wirtschaftssankttonen durchführen. Die Interessen der Staaten der Kleinen Entente in dieser Diskussion vertritt der jugoslawische Gesandte Su- botiL. Die politische Atmosphäre in Genf hat sich bereits beruhigt. Hiezu haben nicht wenig die Meldungen aus London und aus Paris beigetragen, denen zufolge die französisch-englischen Originalentwürfe zur Lösung des italienischabessinischen Konfliktes noch vor der Uebergabe in Rom und Addis Abeba so textiert wurden, daß sie die Prinzipiendes Völker- bundes nicht berühren und keine kategorische Ablehnung der abessinischen Regierung Hervorrufen können. Man rechnet damit, daß im Falle der Zustimmung der Regierungen von Rom und Addis Abeba die französischen Vorschläge als Diskussionsgrundlage für die Lösung des afrikanischen Konfliktes dienen können und daß der Fünferausschuß des.Rates sofort zusammentritt, der unter Mitarbeit der Vertreter Abessiniens und Italiens die endgültt- gen Anregungen für den Völkerbundsrat auSar« beiten würde. Trotzdem aber herrscht bisher in Genf kein Optimismus. Man hofft aber, daß Ministerpräsident Laval und Minister Eden durch ihre Darlegungen in Genf zur Klärung der Situation beittagen werden, namentlich im Hinblick auf die Vereinbarkeit des englisch-französischen Kompromisses mit dem Völkerbundpakt. Prozeß Patscheider Am dritten Tage des Prozesses gegen Doktor Passcheider und Genossen wurde das Verhör des Prokuristen L a m a t s ch fortgesetzt. Lamaflch gesteht ein, daß er Briefe dikttert und geschrieben habe, die an von L o e s ch in Deutschland gerichtet waren. Was die Zeitschrift „Der Weg" anbetrifst, so erflärt er, daß dieselbe eine unschädliche polittsche, kulturelle und Wirtschaftszeitung gewesen sei. Zu einer Diskussion kommt es, als der Vorsitzende des Gerichtes La- matsch ersucht, die Bedeuttmg des Begriffes „Reich" zu erläutern, welcher sich des öfteren in seinen Arttkeln vorfindet, ob er damit die Tsche- choflowakische Republik oder das Dritte, Zweite oder Erst« Reich meine. Lamatsch versprach, er werde dies bei den einzelnen Arttkeln erläutern. Zu einer weiteren Diskussion kam es, als der Gerichtsvorsitzende und auch der Vertreter der Anklage die Erklärung des. Begriffes, der Worte „Gesamtdeutsche"Lnö"^Alldetlffch" fordern. WaS das Wort„Gesamtdeutsch" aNbetLifft, so erllärte Lamaffch, so sei dies als eine Art Kulturgemeinschaft aller Deutschen anzusehen, während man unter dem Worte„Alldeutsch" eher das alldeutsche polittsche Programm verstehe. Der Gerichtsvorsitzende hält dann Lamatsch entgegen, daß eine Auslegung einen philosophischen Vortrag dar« stelle, aber keineswegs eine Definition. Lamaffch erklärt auf weitere Auflage, daß er in dem Blatt „Weg" Kommentare schrieb und daß die Zeitschrift bloß für einen engeren Kreis schöpferischer deutscher Arbeiter bestimmt war. Lamatsch erläutert sodann die Bedeutung„Reich" und„Imperium", schildert die Schichtung der deuffchen Parteien in der Republik und vergleicht sie mit den tschechischen Parteien. ver Liebesdienst für Mussolini Der„Vermittlungsvorschlag“ überreicht Statt Sanktion— Kapitulation/ Mutige Geste Abessiniens Wie die Dinge jetzt liegen, kann gar kein Zweifel mehr darüber bestehen, daß der angebliche Vermittlungsvorschlag der anglo-französischen Kommission, den die Kabinette von Paris und London angenommen haben, einen Liebesdienst für Mussolini darstellt, und zwar einen Dienst, der den Italienern in der Stunde der Bedrängnis einen materiellen und moralischen Erfolg auf Kosten des Völlerbundes sichern soll. Die Lage Jtaliensistmilitärisch nicht besonders g ü n st i g, sie hat sich angesichts der drohenden Oelsanktion politisch verschlechtert. DaS Angebot der Westmächte sichert Mussolini einen glänzenden Abgang und Abessinien wird sich bei allem Mut wohl fügen müssen. Offen ist noch die Frage, w e r für den Verrat an der Bölkerbundside« in erster Linie der« antwortlich ist. Die englische Oppositton greift das Kabinett Baldwin-Hoare an, aber es verlautet, daß wiederum Laval dieRolle des ZutleiberSMussolinis gespielt hat, indem er den Engländern die Teilnahme an den Oelsanktionen rundweg abschlug und sie so ihrer enffcheidenden Waffe be- l0 raubte. An Frankreich wird sich Lavals Politik über kurz oder lang ja schwer rächen. Di« Rechnung, die der FasciSmuS Europa präsenttert, ist noch lange nicht beglichen und man braucht nicht an Nemesis zu glauben, sondern muß nur nüchtern rechnen, um sicher zu sein, daß Frankreich sie einmal bezahlen wird und daß Italien den Liebesdienst Lavals wie noch jede ihm erwiesene Freundschaft mit Verrat danken wird. PariS.(Tsch..P.-B.) Da» britische Kabinett hat Dienstag abends in PariS bekanntge- geten, daß es nach Vornahme einiger Aenderun- gen den in PariS von Laval und Hoare ausge- arteiteten Vorschlägen zustimmt. Roch im Laufe 1 der Nacht wurden die Texte dieser Vorschläge noch Rom und Addis Abeba telegraphiert, wo sie die diplomattschen Vertreter Frankreichs und Englands dem Ministerpräsidenten Mussolini und dem Kaiser von Abessinien überreichen werden. Paris.(Tsch. P.-B.) Die abessinische Ge- sandtschaft in Paris veröffentlichte am Nachmittag eine Note, in der es heißt: Abessinien ist daS Opfer eines unberechtigten UeberfalleS, den nicht nur der Völkerbundrat, sondern auch die Bölkerbundversammlnng ausdrücklich verurteilt hat. Unter diesen Bedingungen ist die abessinische Regierung fest entschlossen, jeden Vorschlag abzulehnen, der direkt oder indirekt dem italienischen Angreifer, der die Hauptgrundsähe, die der Völkerbundrat, die Böllerbnndversammlung und die BölkerbundauS- schüsse beschlossen haben, namentlich die Grundsätze der territorialen und der politischen Integrität AbessinienS nicht anerkannt hat, eine Belohnung erteilen würde. Die abessinische Regierung lehnt auch die Ausübung eines Druckes auf ihr schwaches Land ab, durch den ihm die Unterjochung durch die Regierung einer Großmacht aufgezwungen werden soll, welche nicht aufhört zu behaupten,„daß sie sich mit oder-ohne Zustimmung des Völkerbundes nut, Gewalt den Triumph ihrer Ziele sichern werde". Der Havas-Berichterstatter meldet auS Addis Abeba» daß der NeguS, der noch in Dessie weilt, bisher seinen Standpunkt bezüglich der französisch-britische« Vorschläge nicht bekanntge- geben hat. An abessinischen Regierungsstellen ist man der Ansicht, daß dieS der Kaiser, solange er über diese Vorschläge amtlich nicht verständigt sein wird, nicht tun werde. Wenn aber diese Vorschläge die Abtretung abessinischen Gebietes an Italien enthalten werden, werde sie der abessinische Kaiser,^ wie er bereits erklärt hat, ablehnen, ohne sie zu prüfen. An abessinischen Regierungsstellen wird wiederholt, daß die abessinischen Truppen nicht geschlagen wurden und man prou N 51 E R G1 : SICH T 23 Roman von Karl Stym 'Copyright by Eugen Prager-V erlag, Bratislava Hell sieht auf das tote Vieh und dreht sich schnell um. Der arme Kerl gibt schon über. Das Mittagessen kommt in weitem Bogen wieder an. Der so gute„Grenadiermarsch” tropft eklig an vom Ulm. Da hat’s auch mich schon. Hell und ich stehen nebeneinander und unsere Mägen entleeren sich um die Wette. Verdammt! Nach einigen unangenehmen Minuten sehen wir uns gegenseitig in die leeren Gesichter und haben den gleichen Gedanken: Wir sind fertig! Es fehlt ja auch nurmehr das Umfallen. Taumelnd versorgen wir das Werkzeug und fahren aus. Noch zwei Passen schließen sich an. Sechs Halbtote wanken durch die Stollen. Ich weiß fast nicht mehr, ob wir überhaupt noch Menschen sind. Alles Fühlen ist aus uns herausgerissen. Und trotzdem bereiten wir uns für einen Kampf vor. Für einen Kampf, dessen Sieg uns noch hunderte Male taumeln machen wird. Ich weiß nicht, was wir sind— vielleicht hoffnungslose Narren— oder Selbstmörder?——- Du dreimal verdammter Berg! Du bringst uns ja noch um! Zu Hause hocken Hell und ich uns in eine Ecke. Zum Ausziehen und Waschen fehlt uns die Kraft. Zum Einschlafen brummt der Schädel zu arg. „Das verdammte Rattenvieb!“ lallt Paul mit halboffnem Mund.„Ich hätt’ es erschlagen sollen, dann hätt’s mich nicht umwerfen können!— So elendig umwerfen!“ Ratten— Vor meinen trüben Augen füllt sich die halbdunkle Stube mit Ratten. Sie huschen über den rissigen Boden, springen auf den Tisch, die Bänke und beim Ofenloch aus und ein. Ratten— Stinkendes Grau, kahle Schnauzen und lange, furchtbar eklige Schwänze— Eine dicke, häßliche läuft von den anderen weg und hockt sich vor mich hin. Die rotunterlaufenen Augen starren mich an. Lange, mit unheimlicher Beharrlichkeit. Da werden plötzlich die kleinen Äuglein groß und schön wie Menschenaugen. Die spitze Schnauze tritt zurück und wird ein Menschenmund. Die Ratte mit dem Menschengesicht erzählt: Es war einmal ein Bergarbeiter. Den hatte zwei Kameraden. Einen wie du und einen wie ich. Alle drei waren gut gegeneinander. Die beiden Bergleute fütterten die Ratte und die Ratte sprang dafür um sie herum, so drollig und geschmeidig, daß sie lachen mußten. Es waren schlechte Zeiten damals, aber die zwei guten Menschen hatten trotzdem immer etwas zum Knabbern für die hungrige Ratte. Die Ratte versprach ihnen, ihnen als dankbares Tier einmal zu helfen. Die beiden lachten über ihre kleine Kameradin und konnten sich nicht denken, wie so eine kleine, schwache Ratte, zwei Menschen helfen könnte. Die beiden Bergleute arbeiteten auf einem entlegenen Feld allein. Tlinma.1 nun wurden sie verschüttet. Sie gaben sich verloren. Sie konnten sich ja nur knapp rühren in ihrem kleinen Sarg und durften gar nicht daran denken, sieb selbst auszugraben. „Wir werden sterben müssen!“ sagte der eine traurig. „Die anderen Kameraden sind zu weit weg. Und wenn sie bemerken, daß wir verschüttet sind, sind wir schon längst erstickt!“ „Beten wir!“ sagte der andere. Sie zündeten eines ihrer Lichter an, stellten es vor sich hin und beteten. Lange und inbrünstig. Sie empfahlen ihre armen Seelen Gott und baten ihn, er möge für ihre vaterlosen Kinder und Witwen sorgen. Als die Luft so schlecht geworden war, daß ihre Münder trocken wurden und ihre Gedanken sich zu verwirren begannen, legten sie sich schicksalsergeben auf die kalte Kohle. Einer schlief gleich ein. Der andere erschrak heftig und begann zu schluchzen. Er hatte gar nie in seinem langen Leben geweint. Jetzt aber tat er es. Er glaubte sich ganz allein mit seinem sterbenden Kameraden. Und doch wai er es nicht Zu seinen Füßen hub auf einmal ein Winseln an. Es war die arme, kleine Ratte. Der Bergmann setzte das verängstigte Tier auf seine breite Hand und sagte: „Du hast einmal versprochen, uns zu helfen. Hilf uns jetzt!“ Die Ratte winselte noch mehr. Sie wußte sich selbst nicht mehr zu helfen und die schlechte Luft tat auch ihr weh. Da saß sie lange auf der harten Hand ihres Kameraden und überlegte, wie sie doch noch helfen könnte. Aber es fiel ihr nichts ein. Sie spürte, wie die Hand, auf der sie saß, zu zuk- ken begann und sich verkrampfte. Da kam ihr plötzlich ein großer Gedanke. Sie sprang von der Hand herunter und begann zu graben. Das fliehende Bewußtsein des Bergmannes vernahm noch das emsige Kribbeln. Dann schlief auch er ein. Aber um seinen dünnen Mund lag ein weiches Lächeln, das der treuen Ratte galt. Die kleine Ratte grub. Sie keuchte und schund sich die Beinchen wund. Verzweifelt grub sie. Von der nackten Schnauze rann Blut. Aber sie ließ nicht locker. Sie grub, grub in einemfort, bis sie umfiel. Dann lag sie ein Weil* chen, fast ohne Atem, und holte Kraft und grub wieder weiter. Plötzlich hörte die schon beinahe halbtote Ratte ein Hämmern. Sie kommen, rief sie und warf sich mit der letzten Kraft gegen die nun weicher werdende Materie. Durch die Ritzen drang schon frische Luft zu ihr. Sie jubelte auf und dachte an ihre beiden Kameraden, die nun gerettet waren. Dann sah sie Licht. Weißes, unendlich schönes Licht. Aber nur einen Augenblick lang. Etwas Scharfes, Kaltes sauste durch ihre Rippen und die arme Ratte säufzte ihr kleines Leben auf einer Krampenspitze aus Nr. 280 Donnerstag, 12. Dezember 1935 Seite 3 Böhmlsch-Leipa, Teplitz, London Drei Reden, drei Programme Konrad Henlein hat endlich über einige der Fragen gesprochen, die man von ihm seit zwei Jahren beantwortet zu hören wünscht und auf die er bisher konsequent eine Antwort schuldig geblieben war. Er hat sich über diese interessanten Dinge merkwürdigerweise nicht in Eger oder Prag oder Troppau, sondern in— London ge» äußert. Gönner aus jenen Kreisen, die in der SdP di« entscheidende Rolle spielen, haben Henlein in die aristokratische Londoner Gesellschaft eingeführt und er hat in der Königlichen Gesellschaft für internationale Angelegenheiten eine Vorlesung gehalten. Es ist interessant, daß Henleins Blatt„D i r Zeit" zwar über di« Tatsache des Bortrages berichtet, eine Inhaltsangabe aber vorderhand nicht gebracht hat. So erfährt man aus der„Bohemia" und aus dem„Pr. Tagblatt", was Henlein den Engländern erzählt hat oder erzählt haben soll. Die Hauptgedanken seines Referats und der Antworten, die er auf Anfragen erteilt hat, waren demnach folgende Thesen: 1. Er sei ein Gegner des Pangerma- n i S m u s. 2. Er sei ein Gegner deS totalitären Staates und ein Demokrat. 3. ES sei unmöglich, die deutsche« Gebiete von der Tschechoslowakei lo-zulösen. 4. Zwischen ihm und seiner Partei einerseits. - dem Dritten Reich, Hitler und der NSDAP bestehen keinerlei Beziehungen. 8. Die kulturelle Beeinflussung der Sudetendeutschen aus dem Reiche sei ganz natürlich durch Lage und Mundart zu erklären. 6. Die SdP strebe nicht mehr an als eine Lösung der Minderheitenftage auf der Grundlage der jetzigen Verfassung. 7. Er sei nicht gegen, son der« für die Ju» den, habe deshalb Konflikte in der Partei gehabt und der Eintritt in die SdP steh, Inden immer offen. 8. Er sei kein Führer im Sinne Hitlers, sondern nur ein P a r t e i v o r s i tz e n d e r. Einige dieser Behauptungen— so über die Beziehungen zu Hitler und zum Dritten Reich— hat Henlein hierzulande auch schon aufgestellt. Sie werden nicht glaubhafter dadurch, daß er sie in London wiederholt. Was gegen sie spricht, sind Tatsachen und hundertfach offenbart« Gesinnungen und Gefühle der Gefolgschaft HenleinS. , Einiges ist neu an HenleinS Ausführungen und man fragt sich, war bezeichnender ist: die Tatsache, daß Henlein sich nach London bemüht hat, um Dinge zu sagen, di« er besser und längst hätte hier sagen müssen, oder die ander« Erscheinung, daß ein Nazi, wenn er inS europäische Ausland kommt, sich notgedrungen veranlaßt fleht, ander« zu reden, als er eS daheim tut. Ein Abrücken vom totalitären Staatsgedanken, eine scharfe Wendung gegen den Psage r m a n i S m u S, die geradezu liberal« Stellungnahme in der Judenfrage, das Bekenntnis zur Unverletzlichkeit der Grenze n der Tschechoflowakei hätte eine größere Bedeutung gehabt, wenn Henlein sie vor seinen An« hängern, in seinem Vaterland« getan hätte. Da hat Henlein in Leipa zu 30.000 und in Teplitz zu 60.000 Sudetendeutschen gesprochen. Das einemal wußte er nichts als aalglatte Phrasen zu sagen, aus denen sich jeder etwas nehmen und niemand ein klares Bild über seine Absichten gewinnen konnte. Warum hat er in Leipa nichts über die Judenfrage, nichts über den dikürtorischen Staat, nichts über die Abgrenzung vom alldeutschen Ideal gesagt? Er mutzte nach London gehen und den Engländern erzählen, was er den Sudetendeutschen verbirgt? Er hat in Teplitz über die Annäherung an Deutschland gesprochen, ohne sich mit einem Wort abzu« grenzen, er hat in Teplitz den Eindruck erweckt, der erste und einzige Programmpunkt der SdP se'. der Kampf gegen die Sowjetunion. In London hört man nichts mehr von Rußland, alle Nürnberger Töne sind verstummt, in London und via London zu den Tschechen spricht Henlein als»Demokrat" und»Europäer" I Er Weitz natürlich sehr gut, was er und warum er«S so macht. Er spricht zwei Sprachen,«ine für di« Masse seiner nazrfti- sch?n Anhänger, die er in dem Wahn belassen mutz, daß Hitler sie.befreien" werde, und eine für die Tschechen. Was er aber in der Tschechoslowakei sagt, wird von beiden Teilen vernommen und jede antinazistische Erflärung untergräbt sein Ansehen bei den Leuten, denen er sich doch als Nazi rekommandiert. In London glaubte er so reden zu können, wie er in Prag gern reden möchte, wenn di« Provinz, wenn die Deutschen und wenn nicht neben der offiziellen die geheime SdP da wär«, die in Wahrheit die erfolgreiche Maffenpartei, deren Sprachrohr der Deutschlandsender, deren Programm die Parolen der Flüsterpropaganda sind. Henlein wiederhole doch in Prag und Aussig, wa- er in London erflärt bat. Er wage eS doch, die Juden In die SdP einzuladen und sich eindeutig von Hitler zu distanzieren! Und er sage all das nicht nur einmal, sondern lasse täglich eS durch seine Presse, s'ine Redner, seine Flüsterparolen weitergeben! An dem Tage- an dem er es tut, wird seine Partei in ihre entscheidende Krise eintreten. tfudetendeutsdm Zeitspielen „Waschechter Fatcitmut“ Genosse Zlschka Uber die SdP und den Kunauer Mord Prag. In der Budgetdebatte kam Mittwoch Genosse 8 i s ch k a als Sprecher unserer Fraktion zu Wort. Er befaßte sich ausschließlich mit der SdP, und zwar in einer für die anwesenden Henleinabgeordneten derart unangenehmen Weise, daß dir Herren sofort darangingen, den unbequemen, scharf auf« Ziel loSgehenden Gegner kraft ihrer größeren Zahl durch Zwischenrufe mundtot zu machen, waS ihnen allerdings nicht gelang. Sie wurden vom Redner selbst und auch von seinen Klubkollegen Katz, Heeger, de Witte ete. entsprechend in die Schranken zurückgewiesen. Genosse Zischka, dessen kraftvolle Stimme sich inmitten der lärmenden Henlcinleute immer wieder gebührend Gehör zu verschaffen vermochte, führte u. a. aus: Durch die Budgetdebatte zieht sich wie ein roter Fad«» die Auseinandersetzung zwischen der Sudetendeutschen Partei und den übrigen Parteien dieses Hauses. Die Erflärung des Herrn Ministerpräsidenten war klar und eindeutig, die Aeußerungen der tschechischen Politiker kraftvoll und selbstbewußt. Die SdP har es daraufhin für notwendig gehalten, Herrn Sandner in die Debatte zu schicken, der u. a. erklärte: „Wir haben seit den ersten Tagen der Bestände« unserer Patte: über die Eindeutigkeit unserer positiven Einstellung zur Demokratie keinen Zweifel gekästen." Welche„erster^' Tage sind gemeint? Wenn wir behaupten, daß die SdP nicht nur den ganzen menschlichen Fundus der ehemaligen nationalsozialistischen Partei übernommen, sondern sich ihr auch ideologisch angegliedert hat, so wird das al» Verdächtigung hingestellt. ES ist aber Tatsache, baß daS Ernennungsdekret deS Herrn Konrad Henlein zum Führer deS SudrtendeutschtumS signiert ist vom Herrn Sreb», der sich gegenwärtig al» RegirrungSrat in Berlin aufhält und dort feine„segensreiche" Tätigkeit zugunsten de» sudetendeutschen Volke» ausübt. Zum Beweis verliest Genosse Zischka den„T a g" vom 18. Juli 1933, worin in einem Bericht über da» Saazer Turnfest der„junge Turnführer" Henlein in den pathetischesten Worten gefeiert und dem P. T. Publikum als unbestrittener Führer des gesamten Sudeten deutschtum» präsentiert wird. Herr Sandner kann überdies über die Einstellung zur Demokratte auch anders reden. In Graslitz hat er am 26. April erflärt: „Unsere Zukunftsaufgabe ist die B e s e i« tigung der politischen Parteien. weil diese schuld sind an der WirtschaftS- •. krise." Beseitigung der politischen Parteien, da» ist aber wafchechterFaseiSmu«!(Zwischenrufe.) Das ist die T» t a l r t ä t, die Sie hier jeden Tag abstreiten. Hier reden Sie eben ander- als in GraSlitz. Aber diese Methoden ken» nne wir, und die tschechischen Parteien kennen sie auch! K n o r r e(SdP) ruft dazwischen: Was möchten Sie sagen, wenn S i e 70 Prozent aller deutschen Stimmen hinter sich hätten?^ Zischka: Und was machen Sie schon mit diesen 70 Prozent? Da« müsse» Sie erst einmal dem deutschen Volke zeigen! Die Behauptung, daß die politischen Parteien schuld an der Krise wären, ist so primitiv, daß e« schwer fällt, sich mit ihr zu beschäftigen. M« noch Konjunktur herrschte, bat es auch Parteien gegeben. Heute gibt e« in Deutschland drüben keine Parteien mehr, aber die Krise ist noch immer dal Aber trotzdem geht Herr Sandner kühn daher und behauptet: Schuld sind die Parteien. Und dann reden die Herren von einer positiven Einstellung zur Demokratie! Konrad Henlein selbst ist in Böhm.-Leipa von dem italienischen FasciSmus abgerückt. Lat gegenüber dem reichsdeutschen Nationalsozialismus aber nur von.grundsätzlichen Vorbehalten" geredet. Welche Vorbehalte Laben Sie wirflich gegen de» deutschen FasciSmus? Wenn man hier von Demokratie redet, muß man doch vor allem llar sagen, wie man zum HitleriSmus steht! Sie dürfen sich nicht wundern, wenn das tschechische Volk Ihnen nicht glaubt, weil Dir noch nie eine klare und eindeutige Stellung dem HitleriSmus gegenüber bezogen haben! Genosse Zischka zitiett weiter» Henleins Ausspruch von den.f ü n f z« h n I a h r e n" und von dem.Tag, der kommen wird". SandnerS Hinweis in derselben Marienbader Versammlung, daß die Wahlen eine.Saarabstimmung" sein werden, weiters die Wendung von den»hundert Jahren", die immerhin etwas bescheidener ist als di« von drüben, wo man für sich da? Recht auf lOOOiäbrigen Bestand reklamierte. und sieht darin erneut den Schluß bestätigt, daß da« eben nicht- al« waschechter Fasei-mu« ist. Kollellge W o l I n e r Lat hier von der „Schlcksalsgemelnschaft der Arbeiter und Unternehmer* gesprochen. Wir glauben nicht an ein gemeinsames Schicksal von Herren und Knechten. Uralt ist die Erkenntnis, daß die Ungleichheit die Quell« aller sozialen Kämpfe ist. weil sie durch gar nicht» erträglich gemacht werden kann. Aber Lier muß man mit hieb« und stichfesten praktischen Argumenten kommen: In Mähren• hat der Textilbetrieb Langer iU Orkau und Deutsch-Libau. eine gut deutsche Firma, im Jahre 1929 noch 286 Arbeiter beschäftigt. Davon hatten sieben Arbeiter einen Durch« Wie steht e« h e u t e in diesen Betrieben aus? 79 Menschen wurden entlassen. Elf Arbeiter ver« dienen täglich 4 Kc, das sind 7 Prozent der Belegschaft. während vor fünf Jahren nur 3 Prozent diesen Hungerlobn hatten. 81 Arbeiter haben durch« schnittlich 8 AL pro Tag. das sind über 80 Prozent, wahrend eS früber nur 13 Prozent waren. Während im Jahre 1929 noch 81 Menschen 12 AL täglich verdienten, sind eS heute nurmehr 48. Die Arbeiter dürfm außerdem nicht gewerkschaftlich»rganisiett sein, die Firma duldet r« nicht. Dieselbe Firma hat aber der SdP in den FabrikS- riumlichkeite« einen Raum zur Verfügung gestellt, in dem Beratungen stattfinden können! So sehen also di« Dinge au« und derartig« Beispiele gibt«» tausende und zehntausende. Und dann kommen Sie daher und redm von der Notwendigkeit einer Shmbiose zwischen Arbeitern und Unternehmern! Herr Wollner! Halten Sie da« für gut, wenn ei« Arbeiter in 48 Stunden Arbeitszeit— es handelt sich nicht etwa um Kurzarbeiter— 24 AL verdient? Heißen Sie da« gut,' wenn s« d r t e n- deutsche Unternehmer sich ihren Arbeitern gegenüber doratt benehmen? Wenn Sie keine Antwort geben, so ist das auch ein« Antwort! ver Hord In Kunau Und nun, sagte Genosse Zischka weiter, mutz ich mich noch mit einem besonder» traurigen Ereignis beschäftigen, mit dem Mdrd in Kunau. Der Vertreter der SdP hat im Budgetausschuß zu diesem Mord gesagt: „Wiewohl die Untersuchung noch nicht zu Ende geführt ist. wird die Behauptung ausgestellt, daß e« sich durchweg? um politische Gegner de» Ermordeten und um Angehörige der SdP handelt." Ich stelle hier fest, daß hier nicht nur eine „Behauptung" ausgestellt wurde, sondern daß bewiesen ist, dass die Leute, dir in der Mordaffäre verhaftet wurden, der SdP angrhören! Herr Knarre hat im BudgetauSschutz dann ! folgende» gesagt:' „Im übrigen handelt«S sich um di« übliche Art von Brunnenvergiftung, wie wir st« fast täglich erleben müssen. Wir verwerfen jeden Mord und haben auch mit diesem Falle nicht da« geringste zu tun. Um aber die mutmaßlichen Hintergründe diese» Vorfälle» zu beleuchten, verweise ich auf di« Ausführungen meine« Kameraden Jng. Peschka, der darlegte, welche Gefahr«ine einseitig national geführte Wirtschaft mit sich bringt." Hier wird eine Behauptung ausgestellt, die durch nichts bewiesen werden kann. Im Jahre 1929 sind in Kunau vier tschechische Stimmen abgegeben worden, im Mai deS Vorjahres nur noch zwei Also kann man kaum den Mord aus nattonaler Verzweiflung herau» erflären. Wenn Herr Knorre dann die Tschechisie« rustgStendenzen der Firma, hei der der Ermordete angestellt war, in« Treffen führt, so ist cs ein starkes Stück, zu behaupten, nicht der Mörder, sondern Ser Ermordete sei schuldig. Ich lönnte e« verstehen, daß ein Mensch, der nicht mehr au« und etn weiß, den die Not seelisch vollkommen zermürbt bat, etwas tut, was ein Mensch normalerweise nicht zu tun pflegt. Aber der Mörder hat Rosenzweig nie gekannt. Der Mörder war in Freudenthal gedungen. Und rufen Sie(an die SdP gewendet) nicht so sehr nach der Untersuchung. E« wird schon, wenn der Mörder hier sein wird, alle« aufgedeckt werden, wa« notwendig ist. Und dann noch eine«: In der Mordnacht find Hausdurchsuchungen^orgenommen worden; die ersten zwei förderten bei Funktionären der SdP je«inen Revolver zutage. Diese Leute hatten keinen Waffenpaß, aber jeder hatte eine» Revolver in der Schublade. Bei den übrigen fand man vielleicht nur deshalb keinen Revolver mehr, weil sie mittlerweile Zeit hatten, sie beisette zu räumen. Wenn man sich geistig gleichschaltet, so ist eS eben kein Wunder, wenn man sich dann auch in den Methode« gleich schaltet und dann zum Revolver al» dem letzten Mittel d«S politischen Kampfe« greift. Das ist daS Werk, wofür Sie (an die SdP-Abgeordneten gewendet) verantwortlich sind. Bor aller Oeffentlichkrit muß gesagt«erden, daß Sie die moralische«nd sittliche Verantwortung für solche Ereignisse tragen! Pochen Sie ruhig weiter auf Ihre Stätte, rufen Sie ruhig weiter nach dem Partner beim tschechischen Volk. Sie können keinen ernst denkenden Menschen darüber hinwegtäuschen, daß Sie sich in einer Sackgasse befinden und keinen Ausweg sehen. Blldungsar beit Material für die Silvesterfeier Für Hie Silvesterfeier benötigen unsere Vereine, Spielgruppen etc, in der Regel geeignetes Material. Es wird deshalb begrüßt werden, daß die Bildungszentrale gerade zur rechten Zeit unter dem Titel„Standgericht zuSilvester" ein ernst-heiteres Neujahrsspiel von F. E, Roth herausgebracht hat. Dieses Spiel erfordert ganz geringe Vorarbeit und symbolisiert in ausgezeichneter Weise die Verabschiedung deS alten und die Begrüßung des neuen Jahres. Vorführungsdauer zirka 20 Minuten. Das Aufführungsrecht und die erforderlichen Rollenexemplare können von der-Zentralstelle für das. Bildungswesen, Prag XII., Slezskä 13, gegen Einsendung eines Betrages von 10 XL erworben werden. prükunssstunde in einer Karlsbader Volksschule In der dritten Knabenklaffe einer Karlsbader Volksschule gab es kürzlich eine ministerielle Inspektion. Der aus Prag gekommene Herr wollte sich davon überzeugen, ob die Buben schon irgendeinen Begriff vom Staat hätten. So st llte er die Frage, wer denn wisse, welche Farben dir Staatsfarben der Tschechoslowakischen Republik seien und darauf erhielt er prompt die Antwort:„Schwarz-weiß-rot". Es läßt sich denken, daß er etwas verwundert war, aber er wurde es noch mehr, als er auf die neue Fruge: „Weißt d« denn, mein Kind, wer oa« Staatsoberhaupt unserer Republik ist?" den Keinen Kerl herausplatzen hören mußte:■ „Adolf Hitler". Der Jnspeftor war mehr als verdutzt, und der Bub merkte das auch, weshalb er zögernd korrigierte: „Oder Konrad Henlein?" Mehr fragte der Prager Herr nicht. Genosse ProkeS gestorben M.-Ostrau. Der ehemalige Bürgermeister der Stadt M.-Ostrau, der frühere Abgeordnete Jan Prokes, ist Mittwoch abends an Hexzschlag gestorben. Um 19 Uhr kehrte er von einem Spaziergang zurück und ging in das Badezimmer, wo er zu Boden sank..Die herbeigerufenen Aerzte konnten nurmehr den Tod konstatieren. Jan Prokes war durch 17 Jahre Bürgermeister von M.-Ostrau. Nach den Wahlen vom 1. Dezember d. I. kandidierte er wegen Kränklichkeit nicht mehr auf das Bürgermeisteramt, verabschiedete sich gerade vor einer Woche al« Bürgermeister von der Beamtenschaft auf dem Rathaus« und übergab das Amt seinem Nachfolger Senator Ehalupnik. Zeh« Jahre deutsche Arbeitsgemeinschafi für Volksgesundheit. Die in der Oeffentlichkeit bestens bekannte überparteiliche Körperschaft zur Förderung der Volksgesundheit blickte in diesen Tagen auf eine zehnjährige erfolgreiche Tätigkeit zurück. Aus diesem Anlatz fand am 10. d. M. unter dem Vorsitz des Herrn Univ.-Prof. B r e i n l und im Beisein des Gründers, Hofrat Univ.-Prof. I a k s ch eine gutbesuchte Vorstandssitzung statt, in der berichtet werden tonnte, datz die Arbeitsgemeinschaft in der zurückliegenden Zeit über zwei Millionen AL aufbringen, und der Förderung der Volksgesundheft zuführen konnte. Da» zweite Jahrzehnt beginnt die Arbeitsgemeinschaft mit der Begründung eines Museums für Gewerbehygiene, das unter der Leitung des Herrn Univ.-Prof. 2 ö w y stehen wird. Tödlicher Unfall eine» Brunnenbauer». Ter Landwirt Sperk aus Nehasitz ließ sich in der Flur „Alter Berg" bei Saaz von dem Tiefbauunternehmen Franz Mladek in Aussig einen Brunnen bauen, der am Samstag fettiggestellt wurde. Am Dienstag machte man nun die Wahrnehmung, datz ein Stück der Betonwand eingefallen war. Als daraufhin der 43 Jahre alte Brunnenbauer Rudolf Mladek aus Polehra d, ein Bruder des Firmeninhabers, an den Brunnenrand trat, um Nachschau zu halten, brach auch ein Stück des Brunnenrandes ab und Mladek fiel in den mit Wasser bereits reichlich gefüllten Brunnen. Der Unglückliche konnte bisher noch nicht geborgen werden. Schuld an dem Einsturz ist der verwendete Beton, der infolge seines grossen Sandgehaltes nicht genügend Bindekraft hatte und so die Belastung nicht ettrug. Selbstmordversuch einer Saazer Handelsschülerin. Die 16 Jahre alte Schülerin Marie K o st i a l des zweiten Jahrganges der Kommunalhandelsschule in S a a z schoss sich am Montag nachmittags in einem Anstaltszimmer in selbstmörderischer Absicht mit einem Browning an. Die Kugel ging von der rechten Schläfe fast durch den ganzen Kopf und blieb in der linken Schläfengegend stecken. DaS Mädchen wurde im schwerverletzten Zustande ins Saazer Krankenhaus gebracht. Ein Streit, den die Schülerin zu Hause hatte, dürfte das Motiv der Verzweiflungstat gewesen sein. ,chn:ttSlobn von 4 AL täalich, und da« in den Zeiten der K o n j u n k t u r, 30 Arbeiter Latten durchschnittlich 48 AL pro Woche und 81 Arbeiter 72 AL. Ihre Bewegung ist geboren au« dem Geist de« Dritten Reiches. Sie können hmtdettmal lagen, daß der Nationalsozialismus kein Jmportmittel fei, Ihre Bewegung stammt doch von ihm ab. I« diesem Lande»nd in diesem Hanse hat dieser Geist keine Daseinsberechtigung. Ich glaube daran, daß er letzten Endes scheitern wird an der ihrer Stärke und ihrer Anfgaben sich bewußten Demokratie diese« Staates.(Lebhafter Beifall.) Seite 4 Donnerstag, 12. Dezember 1833 Nr. 288 London im Kampf gegen de« Rebel Seit zwei Tagen liegt über London dichter, undurchdringlicher Nebel, der nur wenige Meter Sicht gestattet. In der White Hall, einer Hauptverkehrsstraße am Parlament, wurde daher ein leuchtender Wegweiser aufgestellt. JcuEewuigfeeltav Tödlicher Flugunfall bei Königgrätz Dienstag, den 10. Dezember, um 15 Uhr ereignete sich bei Lohenice, etwa sechs Kilometer nördlich von Königgrätz, die Havarie Blues Militärflugzeuges. Der Zugsführer Josef Hruby übte auf einem Jagdflugzeug Kampfwendungen, wöbe^ er aus bisher unbekannter Ursache die Herrschaft über die Maschine verlor«und hiebei gegen den Erdboden stieß. Das Jagdflugzeug überstürzte sich mehrere Male, wurde vollkommen demoliert und der Pilot kam in den Trümmern umS Leben. Sein Leichnam wurde in das Krankenhaus nach Königgrätz gebracht, die Trümmer des Apparates blieben bis zum Eintreffen einer vom Ministerium für Nationalverteidigung entsandten Sonderkommission an der Unfallstelle. Zugsführer Hruby war nach Okrouhlice im Bezirk Dcutschbrod zuständig. Kindesmord bei Budwels In Lisov bei Böhm.-Budweis verhaftete die Gendarmerie den 26jährigen landwirtschaftlichen Arbeiter Karl Stepka aus llsilne wegen des Verdachtes des Mordes an einem Kinde. Die hierauf eingeleitete Untersuchung endete mit der Ueber- führung Stepkas, der am 26. November sein zweites sieben Monate altes Kind aufs Feld nahm, wo er es erdrosselte. Den kleinen Leichnam verscharrte er im Lehm und bedeckte ihn im Gemeindebruch auf dem Wege gegen Ledenice mit Steinen. Nunmehr wurde das tote Kind aus- gegraben und in die Totenhalle gebracht. Auch die Gattin Stepkas, die 25jährige Marie, wurde wegen deS Verdachtes der Mittäterschaft am Morde des Kindes von der Gendarmerie verhaftet. Stöpka war mehreremals verheiratet und besitzt noch ein Kind, das derweilen zu Verwandten zur Erziehung übergeben wurde. v Die Ueberschroemrmmgen in Südslawien Außer Montenegro wurden auch die südlichen Teile Serbiens von, großen Ueberschwemmungen heimgesucht. Infolge der langanhaltenden Regenfälle traten zahlreiche Flüsse und Bäche aus den Ufern. Der Fluß Vardar führte so starkes Hochwasser, wie dies in den letzten zwanzig Jahren nicht mehr der Fall war. Die Stadt S k o p l j e wurde schwer betroffen; der Vardar überschwemmte dort ganze Stadteile. Straßen stehen unter Wasser unb die Fluten bedrohen die Gebäude der Mittelschulen und der Forstdirektion. Das Wasser drang in die Erdgeschoße der Militärobjekte, in das Forstdirektionsgebäude und das Theater ein, wo die Keller und die Zentralheizung unter Wasser gesetzt wurden. Die Theatervorstellungen mußten abgesagt werden. Im Park steht das Wasser einen Meter hoch. Da zahlreiche Eisenbahnstrecken und Brücken zum Teil beschädigt wurden, mußte der Verkehr südlich von Sko- plje eingestellt werden. Die ganze Umgebung der Stadt Skoplje würde überschwemmt. Auch zahlreiche Dörfer stehen unter Wasser; so u. a. die Städte Strumica und StrumiLeno Pvlje. Die Stadt Beles wurde nachts vom Hochwasser überrascht. Eine Frau ist in den Fluten ertrunken. Die ganze Umgebung von Petov steht ebenfalls unter Wasser. Von allen Seiten langen in Skoplje Hilferufe ein. Ueberall werden Rettungsarbeiten unter Mitwirkung des Militärs, der Gendarmerie und' der Feuerwehr durchgeführt. Gestern abends war noch ein Ansteigen der Fluten des Vardar zu verzeichnen. Die verursachten Schäden sind sehr groß. /* Hochwasserschäden auch s» Griechenland Das Hochwasser richtete in den letzten zwei Tagen in Mazedonien große Schäden an, die auf über 200 Millionen Drachmen geschätzt werden. Die Flüsse Vardar' und Struma sind aus den Ufern getreten und haben das Gebiet ernstlich be- Adolf Stöcker, der Hofprediger, evangelische Antisemitenführer und Vorläufer Hitlers, hätte eben jetzt sein 100. Jahr erreicht. Zu diesem Jubiläum seien ein paar Erinnerungen beigcsteuert, die uns ein Mann erzählte, der als junger Student noch Stöcker-Versammlungen mitgemacht hatte: Der Herr Hofprediger sprach immer in gewählter Redeweise, ordinäres Geschimpfe vermied er peinlich. Er kombinierte das Wort„Jude" nicht wie seine Nachfahren mit Tiernamen oder sonstwie, seine Gegnerschaft drückte er dadurch aus, daß er— den Vokal unterschlug. Also:„Die Herren Jdn". Ein treuer Stammgast seiner Berliner Versammlungen war ein kleiner, verwachsener Mann, nicht schon ein Dr. Phil., Gauleiter und Chefredakteur, ein Schneider wars vielmehr. Wenn der Herr Hofprediger rhetorische Fragen stellte, wie:„Wer ist schuld an all diesen Nebeln?"„Wer hat uns diese Zustände gebracht?" usw., so krähte es aus dem Hintergründe, wo der Schneider saß, sofort:„Die Juden!", was das Zeichen zu einem Beifallsorkan für den Redner war. Wer einmal fragte Stöcker weiter:„Welche Kraft wird unser Voll droht, das kürzlich für landwirtschaftliche, Zwecke trockengelegt wurde. Diebsbande in Pilse« verhaftet Die Gendarmeriefahndungsstation in Pilsen kam einer Bande gefährlicher* Diebe auf die Spur, welche in der letzten Zeit im Pilsener Gebiete eine Reihe verwegener^ Einbrüche verübt hatten. Die Gendarmerie verhaftete Dienstag einige Mitglieder der Bande, den 38jährigen Emanuel Valent« aus Pilsen und den 35jährigen Jaroslaus Krofta aus Cerveny Hradek bei Pilsen. Die Nach- forsch^ngen werden. fortgeführt. In der Nacht aüf Mittwoch drangen, Mitglieder dieser Bande in die Kanzleiräumlichkeiten der Farbenfabrik der Firma Bergbau- undJndustriewerke vorm. I. D. Starck in Brasy-Vranov bei Rokycany ein, wo sie aus der feuerfesten Kassa den Barbetrag von ettoa 10.000 KL stahlen. Montag nachts drangen unbekannte Diebe in' das Schlößchen Beharov bei Kdyne ein, die aus dem Besitze der Witwe nach Meister Kalvoda fünf wertvolle Originale entwendeten. Ein Buch über die Gattin des Präsidenten. Im Wiener Verlag Weidmann u. Co.„Montsal- vatV(Wien 19. Bezirk, Berggasse Nr. 13) er- scheint dieser Tage das Buch»Frau Charlotte Masaryk", eine Sammlung von Briefen und Artikeln der verstorbenen. Gattin des Präsidenten der Tschechoslowakischen Republik., Ergänzt ist das Buch'bübch''ein Bild der Gattin'detz PMss'- denten sowie Kundgebungen führender tschechoslowakischer Persönlichkeiten, die in enger Bezie-, hung zu der Verstorbenen standen. Das Buch hat Frau Anna AukedniLkovä für die deutschen Leser bearbeitet. Bom Automobil überfahren und getötet. Unweit der Eisenbahnhaltestelle auf der Staatsstraße bei Neuhaus wurde Dienstag abends der 72- jährige Landwirt Jan Michälek aus der Gemeinde Gebolin von einem österreichischen Automobil überfahren und auf der Stelle getötet. Der Lenker des Wagens wurde in die Untersuchungshaft eingeliefert und\ der Wagen beschlagnahmt. An dem UnglüH trägt laut ersten Feststellungen der Gendarmerie wahrscheinlich der Lenker keine Schuld. Schulknaben alS Diobsbande. Die UZHoro- der Polizei hat eine fünfköpfige Bande von Schulknaben eruiert, die systematisch die Auslagefenster der Uzhoroder Kaufleute ausgeraubt haben. Djese Schülerbande, der ein lüjährigu: Knabe, zwei 14jährige sowie zwei zehnjährige^Burschen angehörten, stahl vor allem Spielsachen» Zuckerwerk, Lebensmittel, Sweater, Strick- und Wollwaren usw., die dann aw Wiederverkäufer abgegeben wurden. Das hiebei gelöste Geld verwendeten die Knaben für den Besuch von Lichtspieltheatern, wo sie besonders Detektivfilme bevorzugten. Die Schüler wurden ihren Eltern zweäs Bestrafung zugeführt. von all dem befreien?" Doch der Schneider war schon so im Eifer, daß er auch jetzt schrie:„Die Juden!" Da erwachte das Volk, sein Grimm kehrte sich gegen den Rufer und gepufft und getreten flog er zum Tempel hinaus. Stöcker war ein gewiegter Regiemeister. Einmal veranstaltete er. eine Protestversammlung gegen die Errichtung eines Denkmals für Heinrich Heine. Zum Schluß beantragte er eine Entschließung.„Der Einfachheit halber bitte ich nur diejenigen, die gegen die Entschließung sind, aufzustehen." Unser— nun auch schon verstorbener — Gewährsmann und seine drei oder vier sozialistischen Gesinnungsgenossen standen auf. Ein Sturm erhob sich. Stöcker beschwichtigte ihn durch eme Bewegung, und sprach:„Nicht doch, meine Verehrten, jeder kann bei uns seine Meinung frei äußern. Sie aber, meine Herren— zu den Opponenten—Sie bitte ich nur, noch einen Augenblick stehen zu bleiben." Alles war höchst gespannt, was nun geschehen sollte. Stöcker hielt wohlberechnend eine kleine Weile inne, dann zeigte er auf die Stehenden, um freundlich lächelnd auszurufen:„D a S ist das schönste Denkmal für Heinrich Heine— ich danke Ihnen!" Hier brauchte nicht der Komödiant den Pfarrer lehren,-denn es bestand Personalunion. Geldfälscher in Jugoslawien verhaftet. Die Belgrader Polizei verhaftete eine dreigliedrige Geldfälscherbande, deren Mitglieder bereits mehrmals vorbestraft sind, zwei von ihnen sogar wegen Mordes. Das Unternehmen finanzierte ein ehemaliger Kaufmann namens StankoviL aus Smederskä Palanka^Der Hersteller der Falsifikate war der deutsche Mechaniker Willy Schmidt, der sich in ZajeLar eine Werkstatt eingerichtet hatte. Dort wurde er von der Polizei gefaßt, nachdem er bereits in halbjähriger Arbeit einige bundert sehr gelungener Falsifikate angefertigt hatte. Die Maschineneinrichtung und die Korrespondenz wurden beschlagnahmt. Nach Angabe der Verhafteten sollte insgescunt für 20 Millionen Dinar Falschgeld hergestellt werden. Die Herstellung eines Falsifikats hätte sich auf etwa 2 Dinar gestellt. Brand in Moskau. Dienstag brach in der Schmiede-Abteilung der Moskauer Automobilwerke„Stalin" eine Feuersbrunst aus, die nach zwei Stunden gelöscht werden konnte. Das Dach der Abteilung ist abgebrannt, doch blieb die Einrichtung unbeschädigt. Der Betrieb wird im Laufe der nächsten Tage wieder ausgenommen werden. Ueber die Ursachen des Schadenfeuers wurde eine Untersuchung eingeleitet. Der Schiffsverkehr zwischen Dover und Calais und zwischen Folkestone und Boulogne kennte Mittwoch früh infolge der im Kanal La Manche tobenden Stürme nicht ausgenommen werden. In Boülögne warteten gegen 200 Reisende, um an Bord zu gehen: Der Dampfer „Prinz Leopold", der aus Ostende ausgelaufen war und nach 18 Uhr in Dover erwartet wurde, ist erst früh in Newhaven eingelaufen. Nur der Verkehrsdienst zwischen Dieppe und Newhaven wird aufrecht erhalten. Auch der Flugdienst aus Croydon fungiert normal. Moustreprozeß in Bulgarien. Bor dem Gericht in Jambol in Südbulgarien, wird dieser Tage einer der größten bisher in Bulgarien abgehaltenen Prozesse eröffnet werden. Angeklagt sind vier Beamte des Amtes für die Kolonisierung der Flüchtlinge, denen zur Last gelegt wird, daß sie seit dem Jahre 1926'bis zum Jahre 1932, wo in der Umgebung der Stadt etwa 1000 Häuser für Flüchtlinge erbaut wurden, etwa sechs Millionen Lewa an Staatsgeldern veruntreuten. Die Anklageschrift zählt mehr als 200 Seiten und es sind über 700 Zeugen geladen. In der berühmten Kathedrale von Orleans ist Dienstag ein Einbruch verübt worden. Es soll ein Inventar ausgenommen werden, um die gestohlenen Gegenstände' festzustellen. Bisher wurde ein wertvoller Kelch wiedergefunden. Gesühnter Raubüberfall. Vor dem Geschworenengericht in Budweis(unter dem Vorsitze des Gerichtsrates Fiata) hatten sich am Mittwoch der 28jährige Johann HkebaLka und 20jähsige Karl Andraschko wegen des Verbrechens des Raubes, begangen Heuer im Juni an Kajetan Riedl im Böhmerwald zu verantworten. Riedl wurde damals schwer verwundet und um 20 KL beraubt. Durch das-Verdikt des Gerichtes wurde HkebaLka und Andraschko zu je vier Jahren schweren Kerkers, verschärft durch eine Faste vierteljährlich verurteilt. Ueberschwemmung in Amerika. Der Fluß Bufallobayou(Texas, U.S.A.), ist infolge der andauernden Regengüsse der letzten Tage derart rasch über seine Ufer getreten» daß die bestürzte Bevölkerung einiger an den Ufern liegenden Gemeinden bloß mit Müh und Not einen Teil ihrer Habe in Sicherheit bringen konnte. Bisher sind sieben Leichen geborgen worden, etwa zwanzig Personen werden noch vermißt. Der Schaden beläuft sich auf mehr als zwei Millionen Dollars. Houston hat noch niemals derartige Ueberschwemmungen zu verzeichnen gehabt. Zahlreiche Geschäftsviertel der Stadt wurden ganz überflutet. Arsenik. In der kleinen Ortschaft Montet (Schweiz) erkrankten vor einigen Tagen nach dem Mittagessen eine ganze» Familie samt Dienstboten, insgesamt neun Personen. Der Arzt stellte Bergiftungserscheinungen fest. Eine Person starb kurz darauf, eine zweite ist in Lebensgefahr. Die übrigen Personen sind bereits außer Gefahr^ Die Untersuchung ergab, daß in den Speisen Arsenik Nltler-veutscklsnd Immer noch Im Mittelpunkt des Interesses Drei Fragen— Drei Antworten 1.«le leben die Menschen im Konzentra» tionslager? WalterHornung: „Dachau. Eine Chronik“ Kart. Kc 36.—. Leinen KL 52.—. 2.«le arbeitet das unterirdische Deutschland? Heinz Liepmann »...wird mit demTode bestraft“ Kart. KL 32.—. Leinen KL 49.50. 3. Wie ist das Schicksal des heimatlosen Emigranten? GerhartSeger: „Reise tagebuch eines deutschen Emigranten“ Kart Kc 32.—. Leinen KL 49.50. Zu beziehen durch die Zentralstelle für das Bildungswesen, Prag XII., Slezskä 13. von einem Familienmitglied beigemengt worden war. Der vermutliche Täter wurde verhaftet und beteuerte seine Unschuld. Rach 17 Jabren des Mordes überwiesen? Am Dienstag würde gegen den 35jährigen Pferdehändler Jaroflav B i l e k in Brünn, Prager Straße wohnhaft, ein Steckbrief erlassen, da er im Verdacht steht, vor 17 Jahren seine Freundin, die damals 33- jährige Arbeiterin Marie Skäcel, ermordet zu haben. Damals gelang es nicht, dem Bllek etwas »achzuweisen, da die Skäcel aus der Gemeinde Cerna Hora bei Lhsih spurlos verschwand. Erst jetzt verdichteten sich die Verdachtsmomente, so daß die Gendarmerie nach mehrtägigen Recherchen die Brün« r er Polizei ersuchte, Bilek zu verhaften. Diese führte daraufhin gestern zeitlich früh in Brünn eine Razzia durch und dabei gelang es ihr, Bllek zu verhaften und zur Polizeidirektion zu bringen. Die Reiselotterie der deutschen Landesverbände für Fremdenverkehr in Böhmen und in Mähren- Schlesien, Sitz Karlsbad bzw. Freiwaldau, bietet Gewinne in Form von Urlaubsreisen, Kur- und Erholungsaufenthalten und Sachwerten. Erster Haupttrefter im Wert von KL 70.000.— bestehend aus einem erstklassigen Automobil Marke„Praga" Type„Alfa" 88 PS, Modell 35, sechs Zylinder, mit vollständig freier dreiwöchiger Rundfahrt deS Gewinners mit Begleitperson durch die Tschechoslowakische Republik unter' Bestellung''"eiNeS Chauffeurs. Reiselose sind um 5 KL in allen Banken, Reisebüros und Gaststätten sowie in der Reiselotteriekanzlei, Karlsbad, II. städt. Amtsgebäude, HauS .Trautwein" erhältlich. Bon einem Sägefisch gerammt. Aus Berbera in Britüch-Somaliland wird gemeldet, daß im Roten Meer ein arabssches Fahrzeug von einem Riesen-Sägefisch gerammt und zum Sinken gebracht worben ist. Die Holzbarke erzitterte plötzlich von einem heftigen Stoß und durch ein Leck, da- der Fisch mit seinem sägeartigen Schwert in die Seitenwand des Schifies gestoßen hatte, strömte das Wasser ein. Der Besatzung gelang eS nicht, die zersplitterte Bordwand abzudichten. Ein in der Nähe befindlicher Segler eilte dem sinkenden Schifi zu Hilfe und rettete die arabischen Seeleute. Wenn derartige Unglücksfälle auch nicht allzu häufig Vorkommen, so steht das Schicksal dieser arabischen Barke durchaus nicht vereinzelt da. An der Küste des' Roten Meeres befürchten die Kapitäne von Holzschiffen jeder Zeit einen Zusammenstoß mit dem wehrhaften, 100 bis 150 Kilogramm schweren Sägefisch und manch eine Schifisplanke hat schon daran glauben müssen. Der Fisch durchstößt in seiner Wildheit mehrzöllige Planken glatt, wöbe- er allerdings meist seine Säge einbüßt und ohne diese Waffe elendig zugyzmde gehen muß. Amerikanisches. Der Bürgermeister von PittS- burg(Vereinigte Staaten) hat sich entschlossen, eine Woche lang in einem Variete aufzutreten, um ans dem Erlös des Gastspiels die Durchführung eines sozialhygienischen Gesetzes zu finanzieren. Es handelte sich um einige hundert Dollar, die notwendig sind, um Verbesserungen' an den städtischen Bädern vorzunehmen. Der Stadtrat verweigerte die Kredite dazu, woraufhin der Bürgermeister die Kosten auf seine Person übernahm. Die Einwohner von Pittsburg haben somit Gelegenheit, ihren Herrn Bürgermeister im Variete zu bewundern, wo er allabendlich ein italienisches Lied singt und auf der Violine spielt. Vom Rundfunk iMWtaMeiiswert«* aus den Proflramaraui Freitag: Prag, Sender L: 10.05: Deutsche Press«, 10.05: Opernarien, 10.30: Schulfunk, 11: Schallplatten, 12.10: Chansons, 13.30: Arbeitsmarkt, 18.40: Leichte Musik, 16.40: rullisch für die Jugend, 18.10: Deufiche Sendung: Marianne Hamburger: Kinderflilmfi. 18.20: Prof. Pirchan: Die Maske des Mimen. 18.35: Arbeitersendung: Aktuelle zehn Minuten, 22.20: Tanzmusik. Sender S: 7.30: Salonorchester, 14.15: Deufiche Sendung: Für die Frau, 18: Leichte Musik.— Brünn 15: Orchesterkonzert, 17.40: Deutsche Sendung: Sportbericht.— Mährisch.Ostrau 18.10: Dr. Michalifichka: üba: neue Bücher. Liederkonzert, Nr. 289 Donnerstag, 12. Dezember 1935 Seite 5 Berlin. Der deutsche Reichsfinanzminister Graf Schwerin-Krosigk gab in seiner Kundgebung zu, daß die deutsche öffentliche Schuld sich im Laufe der zweieinhalb Jahre des nationalsozialistischen Regimes um 7 Milliarden RM erhöht habe. Hankau. General T s ch a n t s ch u n, der Gouverneur der Provinz Hupeh, wurde an Stelle Wang-Ching-Weis, der nach dem auf ihn unternommenen Attentat zurückgetreten ist, zmn Minister deSAeußeren ernannt. Hamburg. Die Expedition des norwegischen Roten Kreuzes für Abessinien ist hier«ingetroffen. Sie wird sich in Bremen nach Abessinien einschiffen. Die Expedition, die ein großes Lazarett-Zelt und Bettmaterial für fünfzig Verwundete, ein Instrumentarium, alle in Frage kommenden Arzneien und 1006 Kilogramm Verbandstoff mit sich führt, wird am 3. Jänner in Dschibuti eintresfen. Der überstaatliche Wurm Di«„Deutsche Apothekerzeitung" bringt die Nachricht,, daß bei einer Apothekertagung unter Vorsitz des Reich sapothekersührers Schmierer die Apotheker als Fackelträger der deutschen Kultur bezeichnet wurden. Es sei nichts dagegen einzuwenden, wenn ein Apotheker«ine Apothekerstochter heirate, weil aus dieser Mischung eine Gewähr gegeben sei, die guten Eigenschaften d«S deutschen Apothekers weiter- zuzüchten. Wenn aber«in Apocheker den„überstaatlichen Wurm" in sich trage, sei eS für ihn besser, sich sterilisieren zu lassen. Eia Herr Apotheker mit Namen Schmierer hat kürzlich eia neues Tier entdeckt, baS manchmal in Apotheken steckt. Und dieses Tier, daS er glücklich fand, hat der findige Reichs-Apothcker-Führer den überstaatlichen Wurm genannt. Auch fand er, die Apotheker wäre» die Fackelträger der deutschen Kultur, besonders dann, wenn sie wirklich nur — natürlich mit Trauschein und Ring und Altar— mit Apothekertöchtem verkehren, was ja wähl auch früher schon öfters st war. Herr Schmierer fuhr fort, sich zu expektorieren. Er äußerte voller Nachdruck und Stärke: Wenn jemand in sich jenen Wurm bemerke, — hier erhob sich tosender Beifallssturm— dann täte er gut daran, sich zu kastriere« Mitsamt seinem überstaatlichen Wurm. Heute noch treiben fic's ungeniert, der Schmierer führt, der Führer schmiert, bi» morgen wieder dir Wahrheit regiert. ,^,,1 Tann fressen, nach ihrem letzten Krampf,-'m; de» Schmierer, den Streicher samt seinem„Stürmer", de» Klugscheißer-Clown mit dem Klumpfuß-Gestampf, den Anstreicherführer samt feinem„Kamps". die«aterirdischm Würmer. Anders Bechgrimm. MMW oml UHR 30.000 Bergarbeiter weniger In fünf Jahren Einem Bericht über den Kohlenbergbau im 3ahre 1934, den der„Glückauf" an leitender Stelle veröffentlicht, entnehmen wir, daß in den Steinkohlenrevieren die Zahl der Arbeiter 1933 47.072, im Jahre 1934 43.874 betragen hat. Die Zahl der Arbeiter hat sich also um 8188 oder um 7 Prozent verringert. Der größte Teil der abgebauten Bergarbeiter, und War 2869 Mann entfallen auf das Mährisch- Ostrauer Revier, aber auch im Kladnoer Revier hat sich die Zahl der Bergarbeiter um fast 600 dermindert. In den Revieren Pilsen, Schatzlar Und Rossitz yt die Zahl der Bergarbeiter im allgemeinen gleich geblieben, im Schatzlarer Revier haben wir sogar eine kleine Erhöhung von 1926 auf 1939 zu verzeichnen. Was das Braun» iohlengebiet betrifft, ist die Zahl der Arbeiter von 1938 auf 1934 gleichfalls, und zwar bon 31.378 auf 29.647, das ist also um 1731 »der um etwas mehr als fünf Prozent zurück- ßegangen. Der Abbau geht ganz zu Lasten des uordwestböhmischen Reviers, in welchem sich die Zahl der Arbeiter um 1808 vermindert hat. Im Reviere Falkenau-Elbogen ist die Zahl der Bergarbeiter um eine Kleinigkeit, nämlich um 16 gestiegen. In den letzten fünf Jahren, das ist seit dem Jahre 1930, hat sich die Zahl der beim Kohlenbergbau beschäftigten Arbeiter um 24.499 »der um rund 26 Prozent vermindert. Im gesamten Bergbau der Republik waren 1930 noch l10.933 Mann beschäftigt, im Jahre 1934 hingegen nurmehr 81.334 Mann, was in den letzten fünf Jahren einen Rückgang um 29.599 Mann bedeutet. Aus diesem gewaltigen Rückgang, der in den letzten Jahren in unserem Bergbau be- ichästigten Arbeiter, geht hervor, wie schwer die Bergarbeiter von der Krise betroffen wurden. Der Kurssturz deutscher Banknoten Die Notierung an den Börsen rtngrstellt. Nachdem das seit einiger Zeit von der bieichsregierung in Aussicht genommene Verbot der Einfuhr von Reichsbanknoten nach Deutschland durch ein Gesetz verordnet worden ist, hat der Kurs deutscher Banknoten italienische Anbiederung an England (R. F.) Der italienische Fascismus ist sich langsam darüber klar geworden, daß er bei einem wirklich ernsthaften Zusammenstoß mit dem britischen Imperialismus mit Sicherheit den Kürzeren ziehen wird. Dementsprechend versucht er jetzt, durch allerlei Versprechungen die englische Außenpolitik. von der Bölkerbundlinie ab- und auf eine„Zusammenarbeit" mit dem italienischen Großmachtstreben hinzulenken, ihr klar zu machen, daß ein italienisch-englisches Mi ttelmeerbündnis das beste Mittel sei, um die Interessen des Empire zu wahren und ihm in den— namentlich auf der kommende« Flottenkonferenz bevorstehenden— Auseinandersetzungen mit den anderen Seemächten den Rücken zu stärken. So erscheinen denn in den italienischen Zeitungen immer häufiger Artikel, die sich mit dieser Flottenkonferenz befassen und zu beweisen suchen, daß England seine Wünsche nach Abschaffung der U-Boote und nach genauer Festlegung einer zulässigen Höchsttonnage für jede einzelne Schiffskategorie nur mit Hilfe der italienischen Delegation werde durchsetzen können. Und weiter empfiehlt sich der italienische Fascismus als getreuer Kettenhund und Englands im Mittelmeer. Mit welcher Würdelosigkeit derartige Angebote von Leuten vorgebracht werden können, hie sonst die Ehre und Größe ihrer Nation ständig im Munde führen, zeigt folgendes Zitat aus dem„M essaggero":„Wenn England im Mittelmeer feste endgültige Freundschaften hätte, brauchte eS nichts zu befürchten, wenn es eines Tages seine Seestreitkräfte nach den Fernen Osten schicken müßte. Wenn England die Freundschaft der anderen ebenso erwiderte, würden diese ihr t r e ue Wächter am Mittelmeer sein und im eigensten Interesse treue Beschützer des Empire-Weges, der ihm so am Herzen liegt... Trotz allem, was geschehen ist und was noch kommen kann, wagen wir einen jähenSturz erfahren. An den Valutenbörsen wurde die Kursnotierung deutscher Banknoten überhaupt ringe st ellt. An der Prager Börse wurden allein am ersten Tag nach dem Verbot für 80.000 Mark Reichsbanknoten zum Kauf angeboten. Wahrscheinlich wird sich dieser Betrag in den nächsten Tagen beträchtlich erhöhen. Die Hitler-Regierung begründet dieses Verbot mit der Abwehr von Schädigungen der deutschen Wirtschaft, die durch die Bezahlung der Ausfuhr in Banknoten statt in Devisen entstehe. In Wirklichkeit sind die deutschen amtlichen Stellen, an. der sogenannten illegalen Ausfuhr Yon" Bankiioteij'in starker^ Maße beteiligt.' Wahrscheinlich werden die kominenden Wochen noch weitere Aufklärungen übet den Umfang bringen, in dem Banknoten im Zusammenhang mit dem beabsichtigten Wiedereinfuhrverbot von deutschen Behörden über die Grenze gebracht werden. Schon jetzt werden Millionenbeträge genannt, di« dem Ausland angedreht worden sind. Mit den Banknoten sind nun alle im Ausland zur Verfügung stehenden Marknoten stark entwertet. Diese Abwertung geht bis zu 83 Prozent, das heißt: eine Mark wird statt gegen knapp 10 Kronen nur gegen 1.50 Kronen umgetauscht. Die„freie" Reichsmark, die an den Devisenbörsen nach dem ursprünglichen Kurs notiert, kommt infolge der Devisenvorschriften kaum ins Ausland. Russischer Weizen in Wien. Die ersten russischen Weizentransporte sind bereits in Wien mittels Schleppern auf der Donau eingetroffen. Es handelt sich um die Sendung des Schiffstrans- porteS von 6000 Tonnen, die über die Sulina» Mündung geliefert wurden. Die anderen Liefe» rungen sind auf dem Wege nach Triest und werden von dort per Bahn nach Wien weiterbefördert. Aericsttssaak Line akademische Affäre „Aperit" im histologischen Institut. Prag. Es ist gewiß keine Kleinigkeit, wenn der Leiter eines Unibersitätsinstitutes seinen ersten Assistenten lebensgefährlicher Attentate mittels höchst gefährlicher Giftgase beschuldigt und daher nicht zu verwundern, daß die Sache, die gestern vor dem Bezirksgericht ihre Erledigung fand, seinerzeit beträchtliches AuffeheN erregt hat. Angeklagt war Dozent MUDr. Vladislav T ü m a, erster Assistent des histologischen Institutes der Karls-Universität der Uebertretung gegen die Sicherheit des Leibe» und der Gesundheit nach Paragraph 431 St.-G. Diese Anklage geht auf eine Anzeige deS Leiters d«S hiswlogifchen Institutes und unmittelbaren Vorgesetzten Dr. TümaS zurück, des a. 0. Professors MUDr. Johann Wolf. Diese Anzeige besteht aus einem außerordentlich umfangreichen Aktenfaszikel, dessen Inhalt, wenn er sich bestätigt hätte, den Beschuldigten wegen weit schwererer Anklage vor daS Kreisgericht oder gar vor die Geschworenen hätte bringen können. Läßt sie doch durchblicken, daß der verdächtigte Assistent gegen seinen Chef Attentate mit dem furchtbaren GistgaS „Aperit" unternomuren hab«. Die Anzeige durchlief den Dienstweg über da» Dekanat und Rektorat bi» zum Unterrichtsminister Dr. Krimäk und auf diesem Weg« wurden über den Polizeipräsidenten die SicherheitSbehörden in Bewegung gesetzt. Im wesentlichen besagt diese Anzeige, daß mehrfach im anzunehmen(l), daß diese schwere Verren- kung(I) auszubessern sein wird..." Man sieht, welche Taktik der Duce jetzt zu verfolgen beginnt.Und man kann nicht behaupten, daß diese Taktik ungeschickt sei. Jetzt, wo die englischen Konservativen ihren Wahlerfolg in der Tasche haben, ist es durchaus möglich, daß sie sich „im Interesse deS Friedens" auf Kosten Abessiniens nachgiebig zeigen und alles- opfern werden, was sie vor kaum einem Monat ihren Wählern versprochen haben. Hier wird der L a b 0 u r- Opposition eine wichtige Aufgabe erwachsen. Der„Daily Herald" hat bereits jetzt die Bedingungen formuliert, unter denen allein an Friedensverhandlungen überhaupt gedacht werden darf: Erstens müssen alle Bedingungen für eine Einstellung der Sanktionen von der abessinischen Regierung gebilligt worden sein. Zweitens müssen von jeder weiteren Verhandlung sämtliche italienischen Truppen auS Abessinien zurückgezogen werden. Drittens ist dem Angegriffenen der E r s a tz der erlitte« en Schäden zuzubilligen. Viertens sind den Italienern„alle Vorteile zu verwei* gern, die sie nicht von Anfang an, auf Grund friedlicher Verhandlungen, von Abessinien hätten erhalten können" und fünftens verlangt der„Daily Herald" die vollständige und unbedingte Wiederherstellung der territorialen Integrität und der politischen Unabhängigkeit Abessiniens als ein für allemal bindende Bestimmung des Friedensvertrages. Möglicherweise wird der Kampf um die Erfüllung dieser Forderungen bald im Vordergrund des Kampfes nicht nur der Labour Party, sondern der sozialistischen Parteien der ganzen Welt und hoffentlich auch der Sowjetunion gegen einen Verrat der englischen Konservativen an ihren Versprechungen stehen. Arbeitsraum des Prof. Wolf Flecken auf dem Teppich bemerkt wurden, die von Aperit herrühren sollten. Auch der A b 0 r t soll mit diesem lebensgefährlichen Stoff bestrichen worden sein. Es ist bekannt, daß Aperit,< chemisch gesprochen: Dichlordiethylsulfid) zu den„Gelbkreuzgasen" gehört, die in den letzten Jahren des Weltkrieges an allen Fronten in Verwendung kamen. Es ist ein schreckliches GistgaS, dessen zerstörende Wirkung auf die Gewebe erst nach ein bis zwei Tagen in Erscheinung tritt. DaS Gas erweist sich bereits in stärkster Verdünnung als wirksam. Prof. Wolf erklärt dann auch, daß er drei Tage unter starken Äffektionen der Ltemwege gelitten habe und kaum des Reden» fähig gewesen sei. Auch die Präparatorin M i l c 0 v ä beobachtete nach ihrer. Aussage an stch.tzerschiedepe.. Symptome, die.sie als Vergiftungserscheinungen deutet. Daß die Angelegenheit wirklich sorgfältig erhoben und untersucht wurde, davon zeugt das unheimlich umfangreiche Aktemyaterial, das bei der dreiein« halbstündigen Verhandlung vor dem GR. Dr. I a n ö i k verlesen oder konstatiert wurde. Als frei- willige» UntersuchunaSorgan hat zunächst Prof. Wolf selbst ungemein viel Material zusammengetragen, wenn auch nicht gerade überführende» und beweisendes. Fest steht, daß er seinen Assistenten und dessen Arbeitsplatz überwachen und mit Nachschlüssel dessen Schrank öffnen ließ, wo eine„Apparatur" zur Erzeugung von Pperit vorgefunden, bestehend aus einer Retorte und einigen Flaschen und Versuchsröhren. UebrigenS hat sich Prof. Wolf schon früher einmal durch seinen Assistenten am Leben bedroht gefühlt, weil dieser angeblich einmal drei Gashähne geöffnet gelassen habe. Nun hat Dozent Dr. Tüma tatsächlich mit Aperit experimentiert, wozu er als erster Assistent und Dozent berechtigt war, wie das Gericht in der Urteilsbegründung betont. Ein Beweis für einen Anschlag wurde nicht erbracht, im Gegenteil— das Gutachten der chemischen Sachverständigen bemerkt klar und deutlich, daß ein solches Attentat unter den gegebenen VerhAtniffen höchstens ein Psychopath unternehmen könne. Nebenbei bemerkt: dieses Gutachten umfaßt 167 Seiten und kostete die Kleinigkeit von 25.900 lfünfundzwanzigtausend) KC. So schrumpfte die Sache schließlich auf eine Anklage wegen der Uebertretung nach Paragraph 431 zusammen. Der Verteidiger Dr. M e l l a n, erklärte in seinem Plädoyer, er wolle auf die Hintergründe dieser Sache nicht eingehen, unterwarf aber die Untersuchungsmethoden des Prof. Wolf einer scharfen Kritik und sprach sein« Verwunderung darüber auS, daß auf akademischem Boden derartige Ueberwachungssy^rme praktiziert wurden. Insbesondere bewnte er, daß nicht der mindeste Beweis für ein Verschulden seines Mandanten vorliege. DaS Gericht schloß sich der Ansicht des Verteidigers an und sprach Dr. Tümafrei. rb. Raufer als Räuber lPrager Schwurgericht.) Prag. Auch heute noch gilt in manchen Gegenden der Grundsatz, daß ein Kirchweihfest- erst dann schön, war, wenn eS mit einer ordentlichen Keilerei abgeschlossen wurde. Von diesem Gesichtspunkt äuS betrachtet, war die Kirchweih im Dorfe Z ü p a n 0• Dice am 21. Oktober ein unübertreffliches Freudenfest. Verschönt wurde dieser Festtag durch daS Gastspiel der Brüder Josef und Karl Nodenka auS dem Nachbarort S l 0 v a n s k& L h 0 t a. Die beiden Brüder, bekannte Raufer, taten ihr Beste». Nach Abschluß des Festes waren die meisten Fensterscheiben de» Wirtshauses zertrümmert und zahlreiche Verletzte schleppten sich blutend und mit Beulen übersät nach Hause. Am ärgsten kam ein ge» wisser C i b e l k a davon, der beträchtliche Körperverletzungen davontrüg. Das alles war aber einem der rauflustigen Brüder. JosrfNodenka, noch zu wenig. Und so kam eS zu der Tat, wegen der er gestern vor den Geschworenen stand.• Josef Nodenka ist wegen Raufdelikte und sonstiger Gewalttätigkeiten neunmal vorbestraft und genießt mit Recht den Ruf eines gemeingefährlichen Subjektes. Als er daS Gasthaus „ausgeräumt" hatte, fühlte er sich erst recht in der Stimmung, mit aller Welt anzubinden. Auf der Dorfstraße lief ihm'nun gerade der Lehrer Franz S l a p ä k in den Weg. Ohne allen Grund stürzt« sich der hitzige Raufbold auf den Lehrer, schüttelte ihn, schwang seinen Knüttel sind brüllte sein verängstigtes Opfer an: ,,S t e h', L u m p, oder ich erschlag' dich!" Diese Drohung wiederholte er sechsmal. Gegenüber dem schwächlichen Lehrer ist der Angeklagte ein wahrer Riefe, Und da er zudem als Gewalttäter bekannt ist, kann eS nicht wundernehmen, daß der Angefallene unter Tränen bat,.ihndochlaszulajjen und allerler VersPtechungen macht«. Diese. Versprechungen brachten wohl den angetrunkenen Raufbold erst auf den Gedanken, daß aus der Sache Kapital zu schlagen sei und er befahl kurz und gebieterisch:„Her nii einen Hunderter!" Da der Lehrer aber nicht soviel Geld bei sich hatte, begnügte er sich schließlich mit 20 K«. Nun— diese„Hetz" sollte Josef Nodenka teuer zu stehen kommen, denn seine Tat bedeutet nicht mehr und wertiger als den Tatbestand des B e r» brechens des Raubes. Unter dieser Anklage erschien er denn auch vor den Geschworenen, die ihn mit zehn Stimmen schuldig erkannten. Der Schwurgerichtshof(GR. S h k 0 r a) verurteilte den Angeklagten zu eineinhalb Jahren schweren und verschärfte n K« r k e r S, rb. An unsere Abonnenten und Genossen! Wir werden wie im Vorjahre die Neujahrs-Enthebunsen in unserem Blatt veröffentlichen, wodurch den Genossen die mit den j^eujahrsgratulationen verbundenen erheblichen Unkosten erspart bleiben. Die Enthebung kostet K6 10*— und wird nach Orten geordnet, lediglich Namen und Beruf enthalten. Wir ersuchen alle Abonnenten die tieferstehende Enthebungsbestellung freundlichst auszufüllen und umgehend an uns einzusenden. Die Bestellungen müssen bis spätestens 18. Dezember bei uns einlangen. Dia Verwaltung. 1 Leserlich sntfüllen!■■ Neujahrs-Enthebung für„Sozialdemokrat 1 Ich bestelle hiemit unter dem Namen:——— Beruf: Ort:———— eine Neujahrsenthebung zum Betrage von Kä 10.— und sende ihnen diesen Betrag per Erlagschein ein. Unterschrift: Seite S „Sozialdemokrat" Donnerstag, 12. Dezember 1835. Nr. 288 Jtxujef Rettung Ei« Demokrat spricht über Demokratie Man wird der Prager Bezirksorganisation der soziaiöeinolrati,chea Partei auf jeden Fall dafür dankbar sein mügen, daß sie den Versuch unternahm, einen bürgerlichen Demokraten, den Schweizer R e n i Sonderegger, vor dem Partei- forum über das Thema„Offensive Demokratie" reden zu lassen. Von vornherein ein gewagtes Expcri- ntent, weil unsere Parteimitglieder den bürgerlichen Politiker nur als Bier« und Radaupolitiker kennen, unk dem weder im alten Oesterreich, noch in der Republik in sachlicher Form die Auseinandersetzung über wirtschaftliche und politische Probleme möglich war. Weil die bisher gemachten Versuche, eine solche Auseinandersetzung durchzuführen, niemals etwas anderes zeitigten als ein ödes Geschimpfe über die Partei- und Gewerkschaftsbonzen, denen die Arbeiterbewegung nur Mittel zu persönlichen Zwecken sei. Wir denken dabei gar nicht an die Fascisten, ganz gleich, ob unter Krebs oder Henlein, mit denen überhaupt jede Diskussion unmöglich ist, weil sie ihr grundsätzlich aus dem Wege gehen. Das Experiment, das hier vorgenommen wurde, mutzte in vielfacher Hinsicht gewinnbringend sein. Formell, sachlich und geistig. ES mutzte aber auch zeigen, dass wir mit unserem bisherigen Wissen noch lange nicht auskommen, um einen bürgerlichen Demokraten, der aus einem uns sehr fremden Lande kommt, ganz zu verstehen. Die Tatsache, datz wir hierzulande kaum mehr wissen, als datz die Schweiz eine der ältesten Demokratien und ein sehr schönes Land ist, war für viele der Versammlungsteilnehmer hemmend in der Verarbeitung der Gedanken, die Sonderegger zum Ausdruck brachte, hat manche vielleicht unbefriedigt gelassen. Aber nichtsdestoweniger war der Abend, den uns die Bezirksorggnisation gab, interessant und für den Sozialisten sehr anregend. ■ Sonderegger kommt aus einer uns fremden Welt. Ein Bürgerlicher aus einem Staate, der eine jahrhundertealte Demokratie besitzt, der aus dem Ringen um Freiheit und Demokratie für jeden seiner Bürger dieWehrhaf» t i g.k ei t beibehalten hat, dessen Bürger immer noch selbst bei jedem wichtigen neuen Gesetz für oder gegen stimmen und die Möglichkeit haben, ein von ihnen gewolltes Gesetz in die Wege zu leiten. Aus einem Lande, das seine ethischen Grundlehren aus den Schriften Heinrich Pestalozzis, Gottfried Kellers, Spittelers u. a. entnimmt und das zur Religion und Kirche in einem ganz gnderen Verhältnis steht als die Menschen unserer Republik. Aber nicht nur dcksl Dort lebt ein Volk von vielen kleinen autonomen Staaten, und seine wirtschaftlichen und sozialen Verhältnisse sind von den unseren grundverschieden. Diese mangelnden Erkenntnisse distanzieren uns von Sonderegger. Wohl versuchte Genosse I a k s ch mit einer kurzen Einführung in den Vortrag Sondereggers eine Parallele zwischen der Schweiz und der Tsche» choslowakei zu ziehen, der Versuch aber müßte sich logischerweise auf einige kurze Andeutungeki Wer' Aehnlichkeit der Nationen und des Raumes beschränken. Man mutzte deshalb über das Gehörte mehr als sonst nachdenken, um zu einem klaren und fruchtbaren Ergebnis des Vortrages zu kommen. Sonderegger sieht den Fascismus sehr richtig. Er lernt ihn bei seinem ersten Einbruch über die Grenzen des Kantons Tessin aus Italien kennen. Aber der Fascismus Mussolinis wird glicht wirksam, weil dieser Einbruch in der Zeit der normalen Wirtschaft an den ungestörten Lebensformen der Menschen abprallt. Anders die Welle, die 1933 aus Deutschland kommt, an verlängerten Grenzen und in der Periode jahrelang andauernder Wirtschaftskrise. Sie verschlingt auch hier die gefühlsmätzig nach Auswegen suchenden Schichten der schaffenden Bevölkerung. Die Parteien scheinen fürs erste dem Ansturm des Fascismus nicht gewachsen zu sein. Sie haben ihre Lehren und Methoden des Kampfes für eine geistige Abwehr, mit den Mitteln der Vernunft zurechtgelegt, die hier versagen. Die Niederlage des Fascismus wurde durch die Greuelmetho- den der Regierung des Dritten Reiches selbst verursacht, weil der demokratische Gedanke im Schweizer so mächtig wurzelt, datz er wohl vorübergehend durch eine maßlose Propaganda einer neuen politischen Form verdrängt werden konnte, mit der Offenbarung seiner Sinnlosigkeit und der Gewalt aber, die er brauchte, um sich zu behaupten, instinktiv wieder die Oberhand gewann. Daß die Demokratie in der Schweiz siegreich geblieben ist, hat weniger die Na- ttonalrätswahl bewiesen, als es die Volksabstimmung über, die Verfassungsänderung dargetan hat. Die Front der Arbeit, die zwischen Sozialdemokraten, bürgerlichen Demokraten,- Freisinnigen und Jungbauern zur Abwehr des Fascismus entstand, hat weniger in der Masse, als in den Führern ihre Kraft und Stütze. Ob diese Bewegung dauernd siegreich sein wird, sowohl gegen den Fascismus als auch in der Ausgestaltung der Demokratie, hängt nach,Sonderegger von den Formeln ab, die man als- nächste Kampfziele der Demokratie der Masse zu geben hat. Hier geht der Demokrat Sonderegger ganz andere, als bisher von der Arbeiterbewegung aufgezeigten Wege. Er stellt den Menschen in den Mittelpunkt des Ringens um eine neue Welt. Er macht dabei aus seiner Verachtung für wissenschaftliche Grundsätze kein Hehl. Gesetze dürfen nicht nur abgrenzen, nachholen, verbieten, sie müssen dem Menschen geben und ergänzen. Der Lohn des Arbeiters muß als Menschenrecht proklamiert werden, sein Brot darf nicht länger seine Sorge sein. Vieles von dem Vortrage hätte auch ein Sozialist nicht besser dartun können, vieles aber gilt längst als überholt und widerlegt. An Sonderegger hastet die Mentalität des Kleinbürgers, der in der individuellen Tat alles, in der Materie aber nur Schlechtes sieht. Deswegen kommt er mit dem Wollen nahe an un3 heran, während er sich handelnd von uns entfernt. Aber er ist ein ganzer Mensch unserer Zeit, der sich ernst und gründlich mit deck» Problemen der Politik und Wirtschaft, der Kultur und Erziehung auseinanderzusetzen versucht. Der seinen Gegner nicht mit Beschimpfungen, sondern mit, Argumenten des Geistes überzeugen will. Von ihm könnten unsere Bürgerlichen sehr viel lernen, vor allem polittschen Anstand- Genosse I a k s ch zeigte in seinen den Vortrag Protest-Kundgebung der Bank- und Sparkaffenbeamten Am Mittwoch nachmittags fand im großen Saale der Prager Produktenbörse eine vom Verband der Bank- und Sparkassenbeamten, dem Zentralverband der Versicherungsangestellten, dem Verband der Skontisten und Kanzleigehilfen und den entsprechenden tschechischen Organisationen einberufene Massenkundgebung statt, in der gegen die für den 1. Jänner geplante Zinssenkungsverordnung der-Regierung Stellung genommen wurde, soweit sie die Senkung des Zinsfußes aus Kosten der Bank- und Sparkassenangestellten unter Mißachtung der Kollektivverträge durchführen will. Nach einer Eröffnungsansprache des Vorsitzenden des Sdruzeni peneZniho urednicwa, Josef Straka, berichtete Generalsekretär Na- vrätil(vom gleichen Verband) über den Stand der Verhandlungen innerhalb der Regierung, die eine für die Bankangestellten ungünstige Wendung zu nehmen drohen. Im 8 27 der vorbereiteten Regierungsverordnung soll den Geldinstituten, die in den letzten zwei Jahren Verluste aufwiesen, das Recht zugesprochen werden, auf dem Verwaltungswege die Kollektivverträge mit ihren Angestellten außer Kraft zu setzen. Der Redner wies darauf hin, daß eine solche Bestimmung als unsozial zu verurteilen sei, weil die Bank, und Sparkassenbeamten seit Beginn der Krise schon 20 biS 25 Prozent ihrer Bezüge opfern mußten und ein großer Teil von ihnen dem Abbau zum Opfer fiel. Darüber hinaus aber handele es sich um eine ungesetzliche Maßnahme, die willkürlich in die grundlegenden Rechte der Arbeitnehmer eingreift. Genosse K o l l i n vom Beiband der Bank- und Sparkassenbeamten schloß sich in seinem deutschen Referat dem Protest des Vorredners an. Er bezeichnete den 8 27 der geplanten Regierungsverordnung als eine Hanvhadd zur Konfiskation aller seit dem Umsturz erworbenen Rechte und wies darauf hin, daß schon beim Bankengesetz und beim ersten Zinssenkungsgesetz im Jahre 1833 festgestellt worden ist, daß die Bezüge der Angestellten kein Hindernis für die Herabsetzung des Zinsfußes bei den Geldinstituten bilden. Für die Jndividualverträge aber, die einzelnen übermäßige Bezüge gewähren, haben sich die Gewerkschaftsvertreter niemals eingesetzt, sondern sie im Gegenteil stets bekämpft. Der Sprecher des Üstkedni Svaz zamöstnancä pojistoven, Josef K o k s ä l,'wies nach, daß die Verhältnisse bei den Privatversicherungen nicht anders liegen als bei den Banken, und Abgeordneter Genosse T a y e r l e erklärte, daß der Abwehrkampf der Bankbeamten gegen die geplante Verletzung der Kollektivverträge der Unterstützung der Gewerkschaftszentrale und der sozial i st ischen Parteien sicher sein könne, da er die Grundrechte aller Arbeitnehmer verteidige. Nach weiteren Ansprachen des Senators P ä n e k und der Vertreter der.Fachver-- bände wurde eine Entschließung angenommen, die gegen den 8 27 der geplanten Regierungsverordnung Wer die Herabsetzung des Zinsfußes protestiert, weil er nicht nur die Lebenshaltung der Bans- und Sparkassenangestellten bedroht, sondern auch einen Eingriff in ihre letzten, durch die Krllektivverträge garantierten Rechte darstellt. Es wird an die Gewerkschaftszentralen und die Abgeordneten aller sozial denkenden Parteien appelliert, den Abwchrkampf der Bankbeamten gegen die weitere Kürzung ihrer Bezüge und gegen un- begriindete Eingriffe in die Rechte der Privatangestellten zu unterstützen. Auf Initiative der Nmon für Reibt«nd Freiheit: Dienstag, den 17. Dezember, abends 8 Uhr. im großen Saal der Produktenbörse. Prag n., Havlidkovo näm., öffentliche Versammlung:»Der Hitlerfascismus und wir". Vorsitz: Regisseur Dostäl(När. Divadlo). ES sprechen: Ilniver- sitätsprofessor I. B. Kozäk, Universitätsprofessor theol. Hromädko, der Dichter Oskar Baum und Josef Hora.(Zweisprachig.) Vierzehnjährige Lebensmüde. Gestern vormittags versuchte sich das 14jährige Lehrmädchen V. T. im Keller des HauseS ick der Vorsilska in Prag, wo sie beschäftigt ist, zu erhängen. Sie wurde noch rechtzeitig entdeckt, abgeschnitten und auf die Klinik Nonnenbruch gebracht, wo sie angab, daß sie sich eines Tadels ihres Chefs wegen habe daS Leben nehmen wollen. Zur gleichen Zeit trank die löjäh- rige Praktikantin E. D. aus Bievnov im Hause ihres Arbeitgebers in der Langegasse Kupfervitriol. Die Rettungsstation brachte sie auf die Klinik Pel- abschließenden Worten, daß wir den Kampf mit unserm Bürgertum, wie Sonderegger es meint, nicht führen können, denn im Kampfe um die Demokratie fehlt uns auf bürgerlicher Seite der Partner. Aber der Wille, die Freiheit zu erhalten und auszubauen, wird auch bei den Sudetendeutschen durchbrechen und über die Kaders der Sozialisten hinaus die Demokratie zur Offensive führen. Genosse Schönfelder, welcher die Versammlung leitete, konnte am Schlüsse mit Recht hervorheben, daß der Abend dem Kampf um die Demo- kratie viel gutes und den Teilnehmern viele neue Anregungen gebracht habe, die sicher'nicht unfruchtbar bleiben werden. Der Besuch des Vortrages war sehr gut, der Beifall stark und sowohl für Sonderegger als auch für Jaksch, echt. f. k. nar, wo ihr der Magen ausgepumpt wurde. Als Motiv ihrer Tat gab sie Kummer darüber an, daß sie von ihrer Mutter gescholten worden sei. Ueberfahren. Gestrick vormittags geriet der 72jährige Dr. Eduard Fischl aus Karolinental in der Nähe des Strotzmaherplatzes in Holleschowitz vor das Auto deS 32jährigen Chauffeurs Josef Drjka aus Lieben und wurde zu Boden geworfen und verletzt. Mit einer schweren Gehirnerschütterung und stark blutenden Fleischwunden im Gesicht wurde er ins Krankenhaus auf der Bulovka gebracht. Dem Chauffeur wurde der Führerschein entzogen.— Der 58jährige arbeit?- und wohnungslose Emanuel Vo- dikka wurde gestern nachmittags um 5 Uhr in der Pilsenerstraße in Koschirfch von einem Auto, dessen Lenker im Eiltempo davonfuhr, zu Boden geworfen und schwer verletzt. Nach dem Chauffeur wird geforscht. f Einbrüche und Einbrecher. In der Nacht auf gestern wurden im Hause Nr. 43 in der Bokivojgafse in Zijjkov sämtliche sechs Böden ausgeraubt, wobei allen Parteien ihre gesamte dort befindliche Wäsche gestohlen wurde. Vom Täter fehlt jede Spur. Vorgestern wurde der bekannte Bodeneinbrecher Josef Soukup in ZiZkov verhaftet. Seinem Begleiter gelang es, zu flüchten. Gestern wurde jedoch auch ep in der Person des Bruders des Josef Soukup, Franz Souftw, verhaftet. Ten beiden konnten 15 in der letzten Zeit verübte Bodeneinbrüche nachgewiesen werden; ein Teil der Waren konnte bei einem Hehler beschlagnahmt werden. „Meiner Freundin Marie Kunz." Nach einer Mitteilung des tschechoslowakischen Konsulats in Cleveland starb in Ohio vor kurzer Zeit ein gewisser Alois Hauser, der in seinem Testament.seiner Freundin Marie Kunz in Prag" ein Legat aussetzte, ohne über die Person der Betreffenden nähere Angaben zu machen. Diese wird daher gebeten, sich auf der Prager Polizeidirektion in der Bartholo- mäuSgaffe zu melden. Sonderzng ins Riesengebirge. Die Staatsbahndirektton in Prag fertigt am Samstag, dem 14. Dezember, einen Sondermotorzug ins Riesengebirge mit Verpflegung zum Preise von 75 Kd ab. Anmeldungen mit einer Angabe nimmt das Ausflugszugreferat im Basar neben dem Wilsonbahnhof, Tel. Nr. 38335 entgegen. Weihnacht-ditte für teuffche EtstiKtastten. Die Demokratische FlüchttingSfiirsorge will ihren Schützlingen eine schlichte Weihnachtsfreude bereiten. Spenden von Lebensmitteln werden täglich zwischen 11 und, 1 Uhr vormittags in der Demokratischen Flüchtlingsfürsorge, Praha II., Prikopy 17, 2. Stiege, 2. Stock entgegengenommen. Geldüberweisungen an die Böhmische Escompte-Bank und Kreditanstalt, Postscheckkonto Nr. 51041 zugunsten der Demokratischen Flüchtlingsfürsorge. Vorträ-e Sektionsrat Otakar Sulik(tschechischer Sozialdemokrat), Vertreter des Internationalen Arbeitsamtes, spricht heute, den 12. Dezember, um 19.30 Uhr im Vortragssaal des Ministeriums für soziale Fürsorge über das Thema„Die Gewerkschaftsbewegung in den Staaten mit Korporationssoftem". Der Vortragende wird das Problem der berufsständischen Ordnung mit Berücksichtigung des italienischen Kor- porationsshstems erörtern, eine Frage, die besonders die moderne Gewerkschaftsbewegung berührt und die auch bei uns Gegenstand lebhafter Diskussionen ist. Eintritt frei. Xcmst und Wfesm Der lächerliche Sir Anthonh Bekannte deuffche Autoren, so beispielsweise R e h f i s ch, müssen sich jetzt zumindest heimlich nachsagen lassen, daß sie sich mit Pseudonymen tarnen, damit sft ohn' Ansehen der Großmutter auf reichsdeutschen Bühnen gespielt werden können. Und so darf man verumten, daß es sich mit H. G. T e n- nyson Holme, dem Autor der jetzt im Deutschen Theater erstaufgeführten Komödie oben genannten Titels ähnlich verhält. Jedenfalls würden wir dem Dtttten Reich solche„Kunst" gönnen. Der Vorwurf ist übrigens nicht schlecht, wenn auch nicht gerade originell: Aerzte wetteifern in der Bekämpfung eines Bazillus, kämpfen gegen Konservativismus der Wissenschaft, setzen ihr Leben aufs Spiel und erhöhen den Einsatz noch um Frau oder Geliebte. Aber dieser Tennyson Holme macht aus solchem Forscherproblem, in dessen Hintergrund Tausende vom Pandschab-Fieber dahingerafft werden, ein geschwätziges Amüsiertheater mit Blockhüttenromantik, Karl May-Heldentum und„englischer" Fairnetz-Verhimmelung und häuft so viel Edelmut, so viel Lebens- und Todesverachtung auf seine Figuren, datz man wie bei der Lektüre eines unterdurchschnittlichen---Iben Ullstein-Büchels sehr bald Interesse in Langeweile gewandelt sieht und nur aus guter Erziehung' et den dramatischesten Stellen nicht kräftig loslacht. Freilich ist auch der Prager Regisseur, MartinCosta, nicht ftei von Schuld; er zieht die oft läppische Diskussion unerträglich in die Breite und läßt die Darsteller dort, wo man nur durch flottestes Tempo die Sprünge der Logik einholen könnte, den faulen Zauber geradezu zeremoniell ausspielen. Es spricht ganz stark für unsere Schauspieler, datz Herr Götz ttotz alledem in jedem Augenblick interessant bleibt und datz man auch der Gestaltting der anderen Hauptfiguren (durch Klippel, die Wünsche und Warnholtz) bis zum Schluss zu folgen bereit ist. In Episoden überzeugend die Herren Trabauer und Schmerzenreich; Herr Costa als Primarius in eigener Regie eine Fehlbesetzung.— Gewisse Gentlemans auf der Bühne haben im Gespräch mit TameN grundsätzlich die Hände in den Hosentaschen; die im Zuschauerraum scheine« sich grohteilS daran ein Beispiel genommen zu haben, was nämlich die Neigung zum Applaudieren anlangt. l. g. Arbeitervorstellung„Kameraden"» eine mit grossem Erfolg aufgenommene Komödie von Strind- berg, am Sonntag, dem 15. Dezember, um halb 3 Uhr. Karten täglich(8 bis 2, 4 bis 6) bei Optiker Deutsch, Koruna. Bon der Deutschen Mustkakademie. Heiterer GesellschaftsabeW am 14. d. M., 20 Uhr, Festsäle des Deutschen Hauses. Programm: Beethoven, Haydn, Mozart und eine Nesttoy-Posse. Karten: Wetzler, Deuffches Haus, Deutsche Musikakademie. — Interner Abend der Deutschen Musikakademie, Montag, den 9. Dezember, 20 Uhr. Programm: Haydn, Mozart. Schumann. F. Finke u. a. Fritz Walter Nielse« rezitiert am 12. Dezember im Zensky klub Eeskh, abends 8 Uhr. in t s ch e- chischer und deutscher Sprache. DaS Programm Ibringt Tiergeschichten von Wilhelm Busch, Manfred Kyber und Karel Capek in der Uebersehung von Otokar Fischer. Pavla Moudra und Otto Pick. Kartenvorverkauf bei CSO. Tru« hlarova, und Wetzler. Abendkasse. Spielplan de Nene« Deuffche« Theaters. Donnerstag, halb 8: Wozzek— Die Geschichte vom Soldaten, C2.— Freitag, halb 8: Der lächerliche Sir Anthony, D 1.— Samstag, halb 8: Macbeth, CI. Spielplan der Kleinen Bühne. Donnerstag, 8 Uhr: Anna sagt nein.— Freitag, 8: Wozzek, Kulturverbandsfreunde und freier Verkauf.— Samstag, 8: Anna sagt nein. Der Dinr Viereinhalb Musketiere DaS ist ein deuffcher Filmschwank, der außerhalb des Dritten Reiches entstand und eine ganze Kolonne von Komikern aufmarschieren lässt; Felix Bressart,' Szöke Szakall, Otto Wallburg, Ernst Verebes und Huszar-Puffy. Die Autoren hatten keinen anderen Ehrgeiz, als diesem Ensemble Gelegenheit zu verschrobenen Dialogen, verlegenen und verworrenen-Situationen und anderem heiteren Unsinn zu geben. Der Lacherfolg wird nicht ausbleiben, Wer der Fehler des Films ist, dass er sich seine Sache zu leicht gemacht unh den Mitwirkenden keine töirnichen Rollen gegeben hat, so dass auch B r e f• fa rt und S z a k a l l, die mehr hii blosse Spaßmacher sind, nur sehr oberflächlich wirken können. —eis—’S „Unsere Soldaten". Das Verteidigungsmini- sterium hat einen mehr als 1600 Meter langen Stummfilm„Nasi vajäci" Herstellen lassen, der das Leben in der Armee und die einzelnen Trttppengattungen, feldmätzige Hebungen und die moderne Waffentechnik zeigt. Selbswerständlich hebt der Film vor allem die angenehmen Seiten des Soldatenlebens hervor, er verschweigt Wer ehrlicherweise nicht die Strapazen des modernen Militärdienstes. Rein filmisch ist vor allem die Photographie zu loben(Zdeniik Hofbauer), die mit ihren überaus schönen Aufnahmen an die besten heimischen Spielfilme heranreicht. Zu bedauern bleibt, daß der Film nicht um 1000 Meter länger, damit inhaltsreicher, bunter und vor allem abendfüllend geworden und daß er nicht vertont ist. Dass man Bedürfnis hat. die Bevölkerung über die Armee und moderne Wehrfragen aufzuklären und die Armee in Verbindung mit dem Volke zu halten, wird jeder Demokrat begrühen. Das Ministerium — beziehungsweise die Garnisonskommandos— verleihen den Film, unter Umständen auch kostenlos, an Organisationen, die sich für ihn interessieren. fr.: Zigeunerblut. Das alte Witzwort von der Fran von Pollak, die angeblich von eineu» Theaterstück gesagt hat, es eigne sich nicht für eine Premiere, läßt sich auf viele Filme und auf die Filme aus dem Dritten Reich fast ausnahmslos anwenden. Die Berliner Film-Posse„Zigeunerblut" ist in richtiger Erkenntnis ihrer„Oualüäten" von dem hiesigen Verleiher auch gar nicht erst in ein Premieren- Kino geschickt worden. Die Frage ist nur, warum man sie überhaupt hierher gebracht hat. Denn sie ist ein wahrer Hexensabbat plumper Geschmack« und Witzlosigkeiten, in dem Adele Sandrock, R. A. Roberts und Georg Alexander die Verrückten spielen. Ein Beweis mehr dafür, was unter Goebbels Kommando aus der deuffchen Filmkunst geworden ist. Wer ein Beweis, der gar nicht mehr nötig war, —eis— W 3Cindec= freunde Kinderfreunde Prag. Ausschutzsitzung nicht Freitag, soWern Montag im Parteiheim. MUtellungea aus dem Publikum. Stuhlverftopfung. Spezialärzte für Verdauungskrankheiten erflären, dass das natürliche „Franz-Josef"-Bitterwaffer als ein sehr zweckdienliches Hausmittel warm zu empfehlen sei. 8148/d Bezugsbedingungen: Bei Zustellung inS Haus oder bei Bezug durch die Post monatlich Kd 16.—. vierteljährig Kd 48.—, halbjährig Kd 96.—. ganzjährig Kd 192‘Intern« werden laut Tarik billigst berechnet. Bei öfteren Ein'chaltungen Preisnachlaß.— Rückstellung von Manuskriplen erfolgt nur bei Einsendung der Retourmarken.— Die Zeitunasfrankatur wurde von»er Bost,»no Je«- 1 H graph-ndirektion mit Erlass Nr. 13.800/VII/1930 bewilligt.— Druckerei:.Orbis". Druck-. Verlags- und Zeitungs-A.-G.. Prag.