IENTRALORGAN DER DEUTSCHEN SOZIALDEMOKRATISCHEN ARBEITERPARTEI IN DER TSCHECHOSLOWAKISCHEN REPUBLIK Einzelpreis 70 Heller (•iiuchlieSlich I Heller Forte) ERSCHEINT MIT AUSNAHME DIS MONTAG TÄGLICH FRÜH. REDAKTION UND VERWALTUNG MAG XII..FOCHOVA 62. TELEFON 53077. HERAUSGEBER: SIEGFRIED TAUB. VERANTWORTLICHER REDAKTEUR: DR. EMIL STRAUSS, PRAG. 15. Zahrgang Dienstag, 17. Dezember 1935 Nr. 293 Schwere Gegensätze im britischen Kabinett Deutsche Jugend grüßt Masaryk Ter Verbandsvorstand des Sozial!« stischen Jugendverbandes beschloß in seiner Sitzung vom 15. Dezember die Absendung des folgenden Telegrammes an Ma« sarhk: Der Verbandsvorstand des Sozialistischen Zugendverbandes als der Wortführer der jungen sozialistischen! Generation in den deutschen Gebieten j unserer Republik grüßt Sie in Liebe und Verehrung und gelobt, Ihre hohen Gedanken und Zhr edles Wirken in der Jugend lebendig zu erhalten und in Ihrem Geiste an der Verständigung der Ration und der Fortentwicklung der Demokratie zum Wohle des gemeinsamen Vaterlandes zu arbeiten. Auch für die sudetendeutsche sozialistische Jugend werden Sie immer der große Führer zu edelstem Menschentum, das leuchtende Vorbild des sittlichen Handelns bleiben. Soldatenrevolten In Oesterreich Linz.(E. B.) Die Drosselungen der Bundesregierung bei dem neuen Bundesbudget haben großen Unwillen bei einem Teil der Wehrmacht auSgclöst. In EnnS in Oberösterreich kam cs Samstag abend zu einer Revolte. Die Sache begann in den verschiedenen Kaffeehäusern und Gaststätten, dort wurden Sprechchöre aufgesagt, darunter„Wo gehört der Starhemberg hin?" „In die Würscht'". Alle möglichen Aeußerrmgen wurden über das herrschende System gemacht. Dann zogen Soldaten auf den Stadtplatz und forderten durch lautes Geschrei, daß der Bürgermeister von Enns» der Fabrikant Eisenbriß auf- gehängt werden müsse. Tie Situation war sehr brenzlig. Um halb 19 Uhr wurde Alarm geblasen und der Oeffentlichkeit gegenüber erklärt, daß das Fliegeralarm sei. Eine Reihe von Soldaten hatten ihre Medaillen und Scharfschützenfchnürr zum Fenster der Kaserne hinausgeworfen. Die Rädelsführer» darunter einige Offiziere, wurden verhaftet und befinden sich in der Schloßkaserne in Linz. In Linz geht die Polizei mit Doppelposten. Das Militär soll eine außergewöhnliche Auszahlung erhalten haben. Neuer Gesandter Hitlers Berlin.(DNB) Reichskanzler Hitler hat den Gesandten in Athen, Dr. Eisenlohr, zum Gesandten in Prag ernannt. Spanien vor Neuwahlen Madrid. Durch eine Regierungsverordnung werden die Cortes bis Ende Dezember vertagt. Es wird behauptet, daß die neue Regierung Por- tela-Valladares die Absicht verfolgt, am 2. Jänner die Cortes aufzulösen und Neuwahlen für Ende Feber auszuschrciben. DaS neue Parlament würde dann Mitte März zusam- rnentreten. Die neue Regierung beabsichtigt, die Pressezensur aufzuheben und auch die gewählten Stadtvertretungen, die durch amtliche Kommissionen ersetzt werden, wieder in ihr Amt einzusetzen. Durch diese Maßnahmen soll Spanien allmählich wieder zu demokratischen Freiheiten zurückkehren. Neue Krise In Athen Athen. Hier ist eine neue politische Krise ausgebrochen. Die Volkspartei hat durch eine Unterschriftenaktion.die Einberufung der Nationalversammlung für Mittwoch durchgesetzt. Anscheinend wird es zu dieser Sitzung trotz, dem nicht kommen, da die Regierung entschlossen ist, vorher die Nationalversammlung aufzulösen und für April Neuwahlen auszuschreiben. Andernfalls will die Regierung die Demission geben. Die Entscheidung liegt beim König, der dem Ministerpräsidenten mitgetcilt hat. daß er sich eine endgültige Antwort bis Dienstag Vorbehalte. Der Kampf um daS Friedensprojekt wird jetzt auf verschiedenen Feldern ausgrtragen,«. a. im Schoße des britischen Kabinetts. Um L o r d Eden und den Kriegsminister Duff Cooper hat sich eine Gruppe gebildet, die sehr heftig gegen die Politik Baldwins und Sir Samuel Hoares opponiert. Eden selbst droht mit dem Rücktritt und angesichts der Haltung der Arbeiterpartei, die einen Mißtrauensantrag vorbereitet, kann Donnerstag im Unterhaus eine sehr unerquickliche Situation für die Regierung entstehen. Baldwin wird selbst sprechen und seine Anhänger vertrauen darauf, daß er gute Gründe für seine Politik beibringen werde. Die öffentliche Meinung Englands wende! sich leidenschaftlich gegen den Berrat an Abessinien und den Grundsätzen des Bölkertundes. Das kommt in der Presse und in zahlreichen spontanen Kundgebungen täglich znm Auödruck. Uebri- gens soll man auch in Amerika über die Kapitulationsbereitschaft der Bölkerbundsmächte entsetzt sein und für künftige Fälle mit der vollkommenen Isolierung drohen. Ueber die Unterredung des britischen Botschafters Sir Erie Phips mitHitler verkantet, daß sie ergebnislos verlaufen sei. Anch dies und ebenso die ägyptischen Ereignisse haben die Stellung Hoares nicht gerade gestärkt, Als eigentlicher„böser GeiL'1. des Foreign Office wird in der Opposition aber nicht Hoare, sondern der Untrrstaatssekrrtär Bansittart genannt. Deffie. Kaiser Haile Selaffie gab heute einem Vertreter des Reuterbüros eine wichtige Erklärung ab. Er führte u. a. aus: Wenn wir— und wäre es auch nur im Prinzip— den britisch-französischen Vorschlägen zustimmen würden, so würde dies einen Verrat am Bö lkerbund und an allen denjenigen Staaten bedeuten, welche der Meinung waren, daß sie künftighin Vertrauen zum System der kollektiven Sicherheit haben können-. Die französisch-englischen Vorschläge sind den Augen der Abessinier eine Verleugnung der Grundsätze, auf denen der Völkerbund aufgebaut ist.. Zugunsten desjenigen Staates, der Abessinien angegriffen hat, würden abessinische Gebiete abgetrennt werden und ihre Selbständigkeit verlieren. Die französisch-britischen Vorschläge, lassen es zu, daß es den Abessiniern untersagt wird, frei an der wirtschaftlichen Entwicklung des Landes mitzuarber« ten. Diese Aufgabe wird vielmehr dem Feinde Abessiniens übertragen, der nunmehr bereits zum zweiten Male versucht, Abessinien zu erobern. Eine Regelung auf der Grundlage dieser Vorschläge würde eine Prämie für den Angreifer und eine Prämie für die Verletzung internationaler Berp'lichtungeu bedeuten. Die Lebensintereffen Abessiniens find bedroht und für uns genießen diese Lebensinteressrn den Vorzug vor allem anderen. Als wir unseren Beschluß faßten, haben wir auch nicht außer- acht gelassen» daß die Sicherheit anderer kleiner und schwacher Staaten zweifelhaft wird, wenn ein Land, das vqm Völkerbund als Angreifer gebrandmarkt wurde, noch belohnt werden sollte, und zwar auf Kosten desjenigen Landes, welches das Opfer dieses Angriffes wurde. Der Kaiser erklärte schließlich nochmals, daß er bereit sei, jede ruhige Lösung des Konfliktes zu erleichtern. Neuer Fliegerangriff London. Der Berichterstatter des Reuter- Büros, der an der Südfront mit der italienischen Armee vorgeht, depeschiert, daß 15 große Bom- Herrlot gegen den Laval-Plan Herriot hat Sonntag in einer Rede seine Ansichten über den möglichen Frieden dargelegt. Er betonte die absolut gleichen Rechte Abessiniens und lehnt jede Lösung ab, die einem Teil anfgezwungcn werden müßte und die nicht im Geiste des Völkerbundes wäre. Da Herriot bisher die Außenpolitik Lavals gedeckt hat, muß man in seiner Rede wohl ein Abrücken zur Opposition erblicken. Italien nicht zufrieden Das unverschämt üppige Angebot, das die Westmächte den Friedensbrrchern gemacht haben, erweckt bei diesen— das ist italienische Tradition — keinesfalls Genugtuung, sondern wird in der Presse Mussolinis scharf kritisiert. Italien wird wahrscheinlich bir Abtretung Assabs verweigern und größere Kolonisationsrechte, dazu auch Alsum fordern. Diese Frechheit darf nicht wundernehmen. Rach.der Auffassung von„Völkerrecht", die Laval«. Sir Hoare in ihrem Friedensprojrkt an den. Tag gelegt haben, könnte Mussolini es ruhig riskieren, morgen Dalmatien oder Kreta zu verlangen nnd es zu besetzen; nach einigen Sanktionsdrohungen des Bundes würde er es auch einsteckrn. Allerdings scheinen, wie gewisse militärische Beratungen zwischen Bukarest—Belgrad—Angora und Athen beweisen, die südosteuropäischen Mächte entschlossen z« sein, sich, ohne allzusehr auf Genf zu vertrauen, selbst ihrer Haut gegen Mussolini zu wehren. benflugz'euge zu je drei Motoren nm 14. Dezember morgens in Lughforrandi gestartet sind und die'Operatwnsbasis des Ras Desta in Nag- h e l l i rund 3f00 Kilometer nordöstlich von Dolo mit Bomben belegt haben. Die Piloten, die an dem Bombardement teilnähmen, melden, daß di- Armee des Ras Desta deutlich im Vormarsch begriffen ist, wen sie auch nur langsam vorrückt. Die Bombardierungsflugzeuge haben den Abessiniern mit großen und kleinen Bomben beträchtliche Verluste zugefügt. englische Soldaten In Kairo angefallen Kairo. Wie erst nachträglich bekannt wird, ist es Samstag zu einem schweren Zwischenfall gekommen, als sich eine Gruppe von- Demonstranten gegen englis ch>e Soldaten wendete. Durch diplomatische Vorstellungen beim Ministerpräsidenten wurden Schutzmaßnahmen für die englischen Soldaten und für die Ausländer gefordert. Der Ministerpräsident untei- richtete den Führer der Wafd-Partei und dieser erklärte den Studentengruppen, daß ein solcher Vorfall ein Verbrechen am Bater- lande sei. Die Kundgebungen müßten ein Ende nehmen und die weitere Arbeit den Aelteren überlassen werden. Die Studenten versprachen, aus ihre Kameraden in diesem Sinne einzuwirken. Am Sonntag früh begannen jedoch die Kundgebungen von neuem. Ole Autonomisten vor Tientsin Tientsin. Der Hafen Tangku in unmittelbarer Nähe der Stadt Tientsin wurde von Miliz unter dem Kommando Uinjukens besetzt, der am 25. November die autonoine Regierimg der demilitarisierten Zone von Tschahar bildete. Aus chinesischer Quelle wird gemeldet, daß es zur Besetzung dieses Hafens nach einem kurzen Kampfe mit dem kürzlich zum Gouverneur von Honan ernannten Tschanschen kam, wobei auf beiden Seiten Verluste verzeichnet wurden. Die Truppen Tschantschens zogen sich in der Richtung nach Tagku zurück. Präsidentenwahl Die Stellung der deutschen Sozialdemokratie Mittwoch treten die beiden Häuser der Nationalversammlung in dem altberühmten Wla- dislawsaale der Prager Burg zu der hohen Aufgabe der Neuwahl eines demokratischen Staatsoberhauptes zusammen. Der Tag, an dem der Nachfolger Masaryls gewählt werden soll, ist einer der bedeutsamsten seit der Entstehung der Tschechoslowakischen Repu- \ blik— die Entscheidung oarüber mutz, von den I hiezu berufenen Volksvertretern in höchstem Verantwortungsgefühl gefällt werden. Die Stelle des Präsidenten der Republil wurde bisher von einer Persönlichkeit bekleidet, wie sie das Schicksal ,selten einem Volke oder Staate schenkt. Thomas Masaryk hat dieser Funktion eine hohe Würde verliehen, wie es nur sitt- I liche Autorität^ind geistige Ueberlegenheit schaffen ! können. Die Achtung vor der Republik und der I Demokratie ist ein Schatz von unermeßlichem Werte» den Masaryk in den 17 Jahren seiner I Präsidentschaft aufgespeichert hat und von diesem Standpunkt muß die Wahl jener Persönlichkeit beurteist werden, die für würdig befunden wird, den Staat nach dem Rücktritt des großen Euro- , päers zu leiten. In dem Augenblick seines Rücktrittes Hai Masaryk mit dem Mut, der ihn stets ausgezeichnet hat, sich nicht gescheut, zu sagen, wen er für geeignet hält, sein Nachfolger zu werden. Er Hai es nichtmit der Geste des Diktators gesagt, sondern schlicht und einfach getan: Gern« möchte ich Ihnen noch sagen, daß ich als meinen Nachfolger Dr. B e n e ö empfehl«. Ich habe mit ihm jenseits der Grenzen und zu Hause gearbeitet und ich kenne ihn. Masaryk hat dieser Empfehlung keine lange Begründung gegeben, um so tiefer muß der Eindruck sein, der sie macht. Ist die Bewunderung, die wir für Masaryls Wirken und Persönlichkeit haben, echt— bann mutz in uns auch die Ueber- zeugung felsenfest sein, datz niemand anderer die Tradition Masaryls besser wahren, datz niemand anderer besser in Masaryls hohem Geist und edlem Wollen den Staat führen wird, als eben der, den Masaryk selbst empfiehlt. Benes ist der Schüler Masaryls, und zwar dessen bedeutendster, Benes hat in enger Gemeinschaft mit Masaryk seit jenem berühmten Spaziergang auf dem Belvedere im Herbst 1914 — also durch volle 21 Jahre— gearbeitet— keine Persönlichkeit in der Republik ist mehr Gei st vom Gei st e dieses Grossen als Eduard Ben es. Schon deswegen, weil Benes als Präsident die beste, ja einzige Gewähr dafür bietet, daß auf der Prager Burg der Geist der Humanität, der edelsten Menschlichkeit des ersten Präsidenten weiter seine Heimstätte haben wird, werden die deutschen Sozialdemokraten aus den Tiefen derUeberzeugung, mit der sie Sozialisten sind und aus dem gläubigen Hoffen auf eine bessere menschlichere Gesellschaft für Eduard Benes ihre Stimmen abgeben. Wir wählen aber Benes noch aus anderen Gründen: Benes i st der Friede. Es gibt wohl für die Kulturwelt nichts Grauenvolleres als einen künftigen europäischen Krieg, der das Ende der Zivilisation dieses alten Erdteils' und gerade für die Tschechoslowakei— die infolge ihrer zentralen Lage das Belgien und Serbien des kommenden Krieges werden kann— ein Meer von Blut und Tränen bedeuten würde. Mögen die Barbaren um uns mit dem Gedanken eines Krieges spielen, mag der. Faseismus im. Norden und Süden den Krieg als Mittel betrachten, der Abrechnung im Innern zu entgehen, wir werden mit all den Kräften, die uns unser Ideal gibt, daran arbeiten, zu verhindern, daß die Menschheit in die Hölle eines Krieges taumelt. Als wirkliche Europäer müssen wir die Politik des Friedens und der Zusammenarbeit der Völker unterstützen, welche Benes alI Außenminister betrieben hat und die er auch als Präsident weiterfuhren wird. Ein« Wahl Bepess zum Präsidenten bedeutet Festigung des Friedens und der Zusammenarbeit der Völker. Ebenso wird»eine Wahl des gegenwärtigen Außenministers eine weitere Befestigung der Demokratie und der Verfassung der Republik be- „Verrat am Völkerbund" wäre nach dem Negus die Annahme des Planes Seite 2 Dienstag, 17. Dezember 1935 Nr. 293 deuten, was gerade für die kommenden sieben Jahre von entscheidender Bedeutung für das Schicksal der Demokratie und der Arbeiterklasse dieses Landes ist. BenessWahl heißt, daß der Fascismus sein Spiel verloren hat. Wir leben in einer Zeit, da die demokratischen Kräfte überall sich wieder stärker regen, der Aufstieg der Demokratie bereitet sich vor— da langsamer, dort rascher— wenn Benes die Hand am Steuer des Staatsschiffes haben wird, bleibt das Schiff im Fahrwasser einer sozialen Demokratie und der Freiheit, in der Fahrtrichtung, die allein zu Zuständen führt, in der die Massen der Völker wieder ein menschenwürdiges Dasein führen können. Wir werden schließlich Benes tpählen, weil wir Deutsche sind. Seit 1918, da Benes in Genf— noch vor dem Tage, da die Republik in Prag ausgerufen wurde — für die Ernennung eines deutschen Ministers eingetreten ist, hat er, auch hier im Geiste Masa« ryks, für eine Verständigung der tschechischen Ole Entscheidung des Präsidenten 8m engsten Kreis des Präsidenten war eS seit langem bekannt, daß Masaryk den Gedanken eines vorzeitigen Rücktritts erwägt. Die Entscheidung fiel am 21. November, als der Präsident dem Vorsitzenden der Regierung seinen Willen mitteilte, aus gesundheitlichen Gründen sein Amt niederzulegen. Ergebnislose Koalitionsberatungen Ministerpräsident Dr. Hodza verständigte sofort die Regierung und die Regierungsparteien und versuchte, die Aufstellung eines Kandidaten der gesamten Koalition herbeizuführen. Dieser Versuch scheiterte, da die tschechischen Agrarier der— damals schon vom Präsidenten Masaryk empfohlenen— Kandidatur Dr. Benes' nicht zustimmen wollten. Sie fanden Unterstützung nur bei den Gewerbetreibenden. Oie Oemission der Regierung Die Folge dieses unlösbaren Konflikts war die Demission der Regierung, welche jedoch nicht aiigenommen wurde. Mit dem Auftrag, die Re- gicrungSgeschäfte weiterzuführen, verband der Präsident die Erklärung, daß sein Rücktrittsbeschluß unwiderruflich sei, auch wenn eS innerhalb der Koalition zu keiner Einigung kommen sollte. Agrarischer Gegenkandidat: Professor Nämec Bis zur offiziellen Erklärung der Amtsniederlegung bemühte sich die Regierung, die Presie von der Veröffentlichung beunruhigender Nachrichten abzuhalten. Es ist bekannt, daß dieses Bestreben zum großen Teil gerade von der bürgerlichen Presie um die nationale Vereinigung und den Rechtsflügel der tschechischen Agrarier herum durchkreuzt wurde. Als Sonntag alle Beschränkungen fielen, teilte der„Benkov" mit, daß von der tschechischen Agrarpartei und der mit ihr ver- Nation mit der deutschen gewirkt. Er ist gerade im letzten Jahr auch zu deutschen Zuhörern gegangen und hat zu ihnen gesprochen. Er hat sich, auch an Mut Masaryk gleichend, vor ihnen mit Entschiedenheit zur Demokratie und nationalen Verständigung bekannt. Er ist ein überzeugter Anhänger der Teilnahme der Deutschen an der Regierung. ,,ES gibt kein« Nationalität ohne Human i t 8 t", so sagte der Masarykschüler einst—, damit ist ausgesprochen, daß er mit der Liebe zur Nation ein allmenschliches Ideal verbindet, das jene Tschechen und Deutsche zusammenführt, die in dieser barbarisch-schrecklichen Zeit den Kampf um die Vermenschlichung dieser Welt nicht aufgeben werden. Die Stimmabgabe für Benes am 18. Dezember 1985 ist für die deutsche Sozialdemokratie der Kainpf um Frieden, Freiheit, Demokratie, soziale Ordnung und nationale Gerechtigkeit— um eine bessere Zukunft der Armen, Unterdrückten, Entrechteten, der Stiefkinder der heutigen Gesellschaft. bundeney Gewerbepartei der Vorsitzende des tschechischen Nationalrates und Professor für Botanik an der Prager Universität, Dr. Bohumil Ntmec» als Gegenkandidat gegen Dr. Benes aufgestellt werde. Bekanntlich waren einige Tage vorher die tschechischen sozialistischen Parteien und hie Legionäre aus dem Nationalrat ausgetreten. Es geschah dies zum Protest gegen das Auftreten des Vorsitzenden. Oie Stimmen für Dr. BeneS Von den 450 Stimmen aller Abgeordneten und Senatoren sind für die von Masaryk ge- wünschte Kandidatur Dr. Benes' sicher: Tschechische Sozialdemokraten. , 9 58 Deutsche Sozialdemokraten.. 17 Tschechische Nationalsozialisten. 42 Tschechische Bollspartei... 83 Kommunisten 46 Deutsche Christlichsoziale•, •• 9 205 Die Haltung der katholischen Parteien wurde Sonntag neuerlich in einem bemerkenswerten Interview des Päpstlichen Kämmerers Pr. Rückl bekräftigt, weiches sich zweifellos micht Nur auf me tschechischen, sondern auch auf die deutschen Christlichsozialen bezieht. Oie Stimmen für Prof. Nämec Obwohl noch keine einzige Partei offiziell für diese Kandidatur eingetreten ist— auch die Agpariet haben nur ihre Zeitungen sprechen lassen, die dann von den Blättern der Gewerbepartei kommentarlos zitiert werden— kann Prof. Nemec mit folgenden Gruppen rechnen: Tschechische Agrarier.. •••• 68 Nationale Vereinigung. .... 26 Gewerbepartei.... •••• 2p Faseisten..... .... 6 125 Es ist jedoch kein Geheimnis, daß unter den Agrariern selbst keine Einigkeit herrscht, da vor allem der aus der Slowakei kommende Flügel der Präsidentenschaft Dr. Benes' nicht ablehnend gegenübersteht. Oie dritte Gruppe, bilden jene Parteien, deren Haltung noch nicht entschieden ist: Sudetendeutsche Partei...,, 67 Bund der Landwirte...... 5 Slowakische Volkspartei Hlinkas.’u 80 Ungarn........ 14 Wilde 4 120 Die SdP hat für Dienstag eine Sitzung einberufen, in welcher sie sich über die Situation klar werden will, welche durch das Auftreten des Vorsitzenden des Nationalrats entstanden ist. Unter den landbündlerischen und auch den ungarischen Mitgliedern der Nationalversammlung sind Strömungen, welche für eine Unterstützung der Wahl Dr. Benes' eintreteü, während die Entscheidung bei den slowakischen Volksparteilern eher gegen ihn ausfallen dürfte. Dr. Benes kann auch auf einen Teil der»wilden" Stimmen zählen, wodurch der Ausfall von vier kommunistischen Abgeordneten ausgewogen würde, die an der Wahl nicht teilnehmen können. 8okoln, Legionäre, Lehrer Sonntag tagte der gesamtstaatliche Vorstand der Sokoln, welcher sich eindeutig für die Erfüllung des Wunsches MasarykS aussprach und an alle Mitglieder der Nationalversammlung, die Angehörige deS Sokol sind, die Aufforderung richtete, deffen bei der Wahl deS Präsidenten eingedenk zu sein. Auch die tschechoslowakische Legionärgemeinde ruft für die Wahl Dr. Benes' als des Bewahrers des Geistes und Willens Masa- ryks auf. Der dritte zehntausende Mitglieder zählende Verband, die Lehrerschaft, hat gleichfalls in einem Aufruf Partei für Dr. Benes ergriffen. In der rechtsbürgerlichen Presse haben diese drei Erklärungen Bestürzung hervorgerufen. vte Präsidenten-Wahl auf der Prager Burg Am morgigen Wahltag wird die Prager Burg von 9 Uhr vormittags an geschloffen sein. Zutritt zur Burg werden nur die Mitglieder der Nationalversammlung, die Regierungsmitglieder, Sie Mitglieder der Parlamentskanzlei und Gäste gegen Vorweisung von Legitimationen der Nationalversammlung oder mit einer Eintrittskarte haben, die zum Betreten des Wladislaw-SaaleS berechtigt. Fußgänger haben die Möglichkeit, auf welchem Wege immer zur Burg zu gelangen. Die Legitimationen und die Eintrittskarten werden aber schon bei der Alten Schloßstiege, auf der Staubbrücke und auf dem Hradkansk< näm. kontrolliert werden. Für Automobile und Fahrzeuge ist die Zufahrt ausschließlich durch die Thotkovä über die Staubbrücke auf den 2 Burghof, dann durch die Unterfahrt zur Vikärlki zum alten Landhaus festgesetzt, wo die Mitglieder der Nationalversammlung aursteigen werden. Di» Wagen mit den Gästen werden auf den 8. Burghof zu dem den Gästen vorbehaltenen Eingang in den Wladisiaw-Saal weiterfahren. Für das Publikum und die Deputationen der Vereine wird in beschränktem Maße auf dem dritten Burghof, wo der Präsident der Republik nach der Wahl die Ehrenkompagnie abschreiten wird, Platz Vorbehalten sein. Eintrittskarten zu diesem reservierten Platz wird die Wirtschaftsverwaltung der Prager Burg auf schriftliche, telepho- Vom 21. November zum Vortag der Wahl Die Agrarier kandidieren Prof. Nfimec— Die politische Gruppierung Sokoln, Legionäre und Lehrer für Dr. Benei Sozialistischer 9ugendverband für die deutschen Gebiete der CSR Der Verbandsvorstand hat auf Grund des 8 18, Punkt 5 der Satzungen am 15. Dezember beschlosien, für den 4. und 5. Jänner 1936 in die KurhanSveranda in Teplitz-Schönau einen auBerordentlxhen Verbandstag einzuberufen und schlägt die folgende Tagesordnung vor: 1. Die Aufgaben der sozialistischen Jugend in unserer Zeit. 2. Der Reichsjugendtag. 3. Statutenänderungen. 4. Neuwahlen. 5. Allgemeines. Die statutengemäßen Delegierungsbestimmungen und die anderen Einzelheiten werden in eigenen Rundschreiben mitgeteilt. Die Delegierten müssen bis spätestens 3. Jänner beim Verbandssekretariat gemeldet werden. Anträge sind bis 31. Dezember 1935 einzubringen. Für den Verbandsvorstand: Rudolf Geißler, Karl Kern, Verbandssekretär. Vorsitzender. Teplitz-Schönau, am 15. Dezember 1935. nische oder persönliche Anmeldungen spätestens bis Dienstag, den 17. Dezember, 12 Uhr, ausgeben. Die Teilnehmer, welch« diese Eintrittskarten haben, werden nur vom Hradkanske näm. durch den 4. Burghof, wo die Kontrolle der Eintrittskarten erfolgt, Zugang haben. Es wird empfohlen, spätestens irat 10.15 Uhr einzutreffen. Für Journalisten. Kino-Operateure und Photographen, sofern sie auf dem 3. Burghof photographieren wollen, gibt die Wirtschaftsverwaltung der Prager Burg auf ihre Anmeldung bis zum 17. Dezember, 12 Uhr, Eintrittskarten auf die beiden Ballone am dritten Burghof aus. Sonst ist das Photographieren und Filmen im Wahlsaal und aus den Burghöfen nur amtlichen Photographen Vorbehalten. t Nämec an Masaryk Danksagung namens des Nationalrates Im Namen des Tschechoslowakischen Nationalrates sandte deffen Vorsitzender PH. Dr. Bahumil Kämet, Professor der KarlSuniver- sität, an den zurückgetretenen Präsidenten- Befreier T. G. Masaryk nach Läny eine herzliche Danksagung für alles, was er an der Spitze des nationalen Abwehrkampfes während des Weltkrieges und nach der Erneuerung des tschechoslowakischen Staates als Präsident der Republik getan hat. u N 51 * R J l w l■ 1 1 i 27 Roman von Karl S ty m Copyright by Eugen Prager-Verlag, Bratislava ■' i-."T' i'i""iifj Eine Katze schleicht über die Wiese vor mir. Ich sehe nur den hochgekrümmten Rücken und den begehrlichen pendelnden Schweif über das dürre Gras schauen. Es ist Frühling. „Grüß Gott!“ Gabis Tochter huscht am Garten vorüber. Sie ist nicht sonderlich schön. Aber ihr helles Kleid schmiegt sich eng um den jungen Körper. Ich werde doch auch zu meinem Mädchen gehen— „Fritz!“ Ich drehe mich um. In der Tür steht Sophie. „Und?“ Das Mädchen dreht unschlüssig an den Schürzenzipfeln. Es möchte gerne etwas sagen, nur weiß es nicht, wie es anpacken. Ich setze mich wieder und warte. Sophie ist mir eigentlich noch ganz fremd, trotzdem ich schon fast drei Jahre mit ihr im gleichen Hause wohne. An manchen Menschen geht man vorbei. Man sieht sie täglich, redet täglich mit ihnen und hat doch nicht mehr Berührungspunkte als banale Selbstverständlichkeiten. Einfache Menschen kennen sich nur, wenn sie sich lieben. Auch dann nicht einmal ganz» Ihre Liebe ist zu sehr körperliche und materielle Notwendigkeit. Darüber vergessen sie ihre ungeschulte Seele. So kommt es, daß solche Menschen sich ein ganzes Leben lang angehören und sich doch innerlich fremd bleiben. Ihr Geist ist zu unentwickelt, um hier eine Brücke schlagen zu können., „Du kennst doch Böhling?“ fragt Sophie nach einer Weile. „Und ob!“ x Dumme Frage. Aber dahinter steckt etwas. „Er ist ein Brausekopf!“ „Das sagst du?“ „Ja, ich habe Angst!“ „Hm, und brauchst mich wohl als Aufpasser?“ Die Sache wird langsam ulkig. Mädchen sind am amüsantesten, wenn sie vom Herzen reden. „Er macht manchmal solche Dummheiten— und wir brauchen ihn doch!“ „Wer, wir?— So red’ doch mal vernünftig!“ „Ich— und das— Kind!“ Das Mädchen sagt das leise, als beichte es eine schwere Schuld. In der Stimme ist nichts von jauchzendem Mutterglück, nur tiefe Verzweiflung und Verzagtheit. Ich schäme mich, daß ich nur ein armseliges„Wird schon wieder gut werden!“ hervorbringen kann. Sophie weint, ruckweise, als stoße etwas Hartes ihr die Tränen in die Augen. Auf ihre Hände im Schoß fallen Tränen, große, schwere. Dieser Schoß wird ein Leben gebären und dieses neue Leben wieder eines. Jedes jieue wird kümmerlicher werden als das gebärende—. Sophie war nie schön. Jetzt aber sehe ich sie anders. Sie wird Mutter werden müssen und Mütter sind nie häßlich. Wie schwerfällig sie dasitzt, als trüge sie eine ganze Generation in sich, eine Generation Elend.— Es ist kein Segen für uns, Kinder zu kriegen! Wir sind nicht roh oder entartet, nur ehrlich. Unser Leben ist hart, ebenso unsere Ansichten darüber. Kinder liebt man. Das tun wir, wenn sie einmal da sind, genau so tief und stark wie die anderen. Der Unterschied ist nur det*, daß die Kinder der anderen ihre Eltern lieben und dankbar sein können, unsere Kinder uns aber fluchen müssen, daß wir sie ins Elend hineingeboren haben. Ich habe das Bedürfnis nach Ruhe und Einsamkeit. leb gehe über die Halde, am Werk vorbei in den Wald. Eine ungewisse Angst hält mich davon ab, heute noch zu Martha zu gehen. Ich glaube bestimmt zu wissen, daß es ein Unglück wäre, gingen wir beide ins„Eden“. Ganz oben auf dem Waldhügel setze ich mich auf einen Baumstrunk. Um mich herum ist eine frischgeschlagene Blöße, pie Sonne zittert über die pechglänzenden Wurzelstöcke. Links unten kriecht der schmutzige Haldennebel über die ersten Bäume. Rechts breitet sich ein Flachland aus, weit, bis in den Himmel hinein. Es sieht aus wie ein mit grellgrünen Flicken benähter Bauernrock. Dort unten wohnen andere Menschen als wir. Stehen sie morgens auf, so treten sie auf eigenen Boden. Tagsüber gehen sie auf eigener Erde. Eigene Erde— Herrgott, sind wir dagegen arm! Wir sind nichts und haben nichts! Wir gehen etwas früher als gewöhnlich zur Arbeit. Die Nacht ist kalt, der Himmel hoch und klar, wie ein umgestülpter See, in dem die Reflexe von unendlich vielen Grubenlichtem tanzen. In der„Rolle“ schließen sich Fogger Schorsch, Böhling, Uhu und die anderen von der Nachtschicht an. Wir gehen schweigend. Der frühlingsweiche Boden dämpft unsere festen Schritte. Man glaubt in Filzpantoffeln zu gehen. In der Kaue ist’s trotz der hundertfünfzig Arbeiter ganz still. Gahl ist ernst wie sonst. Auf sein„Heute ist die letzte Schicht!“ rührt sich niemand. Fogger Schorsch versucht sogar ein kleines Lächeln und sieht ermunternd um sich. Ich bin stolz, daß ich mich jetzt auch Kamerad nennen darf. Ich möchte jedem einzelnen die Hände drücken und das Gesicht streicheln, weil sie so ruhig und so stark sind. Vor dem Mundloch stehen Frauen und Kinder. Auch Martha ist da. Sie zieht mich aus der Menge etwas seitwärts ins Dunkel und sagt besorgt: „Ich habe solche Angst!“ Ich weiß nichts Rechtes zu erwidern darauf. Nicht daß ich auch irgendwelche Angst hätte, es tut mir nur plötzlich leid, daß ich nicht doch abends mit ihr ins„Eden“ ging. Beschämt stecke ich das kleine Päckchen ein, das sie mir in die Hände drückt. „Mach’s gut, Fritz!“ Nr. 293 Dienstag, 17. Dezember 19^5 Seite 3 tfudetendcu fecftct Zeifspie^cf Der„Feind“ vor den Toren Prags? Professor N6mec und die Deutschen SVH Vorletzten Donnerstag fand im Warnsdor- fer Schützenhause eine Veranstaltung des„Bundes der Deutschen" statt. Bundesführerstellvertreter Direktor Breuer, Reichenberg, der zweite Vorsitzende des Bundes der Deutschen, hielt dabei einen Vortrag über die Ziele und Aufgaben des Bundes der Deutschen und berichtete auch über die SVH. Im Zusammenhänge damit meinte er,„es würde niemandem schaden, wenn sich alle Arbeitenden entschlössen, einen Tag im Monat bei Wasser und Brot zu leben, um zu fühlen, wie die ärmsten Volksgeiwssen zu leben gezwungen seien, und die Ersparnis hieraus zu opfern. Der gleiche Direktor, der seit kurzem in den Ruhestand getrete.: ist, bezieht nach den Pin- sionsbestimmungen zwischen 6 9.0 0 0 bis 7 2. 0 00 XL an Pensio n.'Datz er bei diesem bescheidenen Betrage leider nur auf Wasser und Brot angewiesen ist, wird jeder begreiflich finden. Das sind die Leute um die Su- detendeutsche Bolkshilfe, die Wasser predigen und Wein genießen. Warum Herr Breuer nicht selbst mit gutem Beispiel vorangeht, wird die Oeffent« lichleit nach dieser Darstellung nicht gut verstehen. Der Reichssender des Führers Konrad Henlein Henlein in Aachen offiziell gefeiert Der Leipziger Sender ist bei uns bekannt als derjenige, der die innigsten Beziehungen zu unseren Hitleins unterhält. Keiner ist fixer, als diel«:, wenn es darum geht, etwas Ungünstiges übVunsere Republik in den Aether zu rufen, und keiner liegt so nahe an der Grenze, daß es nicht seine Bestimmung wäre, gerade unsere Deutschen gegen den Staat» in welchem sie leben, aufzuputschen. AberMontag tat er besonders feierlich. Um ein Uhr mittags, in den ersten Tagesmeldungen, stand an der Spitze aller Nachrichten, als e r st e, noch bevor von Sir Hoare und Laval, bevor noch von den weltbedeutenden Frie« densvorschlägcn und ihrem Schicksal die Rede war, die unerhört wichtige: Der Führer der Sudetendeutschen Partei, Konrad Henlein, wurde, als er von seiner Rückkehr auS England zum ersten Male deutschen Boden betrat, vom Oberbürgermeister der alten Kaiser st adt(oder hieß es Krönungsstadt?) Aachen begrüßt. Mag sein, daß dem sudetendeutschen Hitlein, als er die Nachricht hörte, das Herz vor Wonne schlug, unS erscheint es nur sehr auffällig, woher der Oberbürgermeister von Aachen, natürlich kein gewählter Funktionär, sondern einOrgander D S N A P, so schnell von der Ankunft eines so »berühmten" Mannes, wie Konrad ist, gewußt hatte? Wir können es uns schon denken, sogar sehr genau, doch gibt es bei uns noch immer Politiker, die sich als staatstreu aufspielen, aber aus Klqsseninteresse solche Umstände gerne übersehen. Tas eine sei noch gesagt: der Staat Masa- r y k S ist es nicht, der dem Leipziger Sender und seinem Protektionskind gefällt. Henlein droht mit Aufruhr! Heber die Rede, die der„Stammesführer" im Londoner„Institut für Auslandsfragen" gehalten hat, konnte bisher nichts Authentisches mitgeteilt werden; die Berichte der Presse der Su- detendeutschen Partei waren offensichtlich• durch die Zensur der Parteileitung gegangen. Nun erscheinen in reichsdeutschen' Blättern sehr interessante Berichte von Ohrenzeugen. So liest man u. a. in den»Münchener Neuesten Nachrichten" folgende wörtliche Zitate aus der Londoner Rede: „Wir haben jetzt die letzte Gelegenheit für eine friedliche Lösung. Wenn die deutsche Bolksgruppe weiterhin Enttäuschungen erleiden mutz, dann wird meine Partei gezwungen sein, radikal zu werden und eine Politik der Berzweiflung zu treiben. Das wäre eine schwere Gefahr für dm europäischen Frieden". Dieser Bericht trägt die ultimativen Ucber- schriften:»Die letzte Gelegenheit" und„Warnung an die Prager Regierung". Der Korrespondent der»Münchener Neuesten Nachrichten" war, wie aus seinem Bericht zu entnehmen ist, beim Vortrag des Vorsitzenden der SdP zugegen. Ratschläge nicht erwünscht Zu dem Vortrag Henleins in London äußert sich der»Völkische Beobachter": »Der Bericht über die Rede Herrn Henleins vermittelt den Eindruck, daß der Vorsitzende der Sudetendeutschen Partei über den Umweg des Vortrages in London den tschechischen Partnern einige Erklärungen über die loyale Haltung seiner Gruppe abgeben wollte. Das mag verständlich sein. ES wäre aber besser gewesen, er hätte sich hierbei auf seine Tätigkeitsgebiete beschränkt, ohne die internationale Politik— wenigstens so-1 weit sie daS Reich betrifft— zu berühren. Denn hier müssen seine Formulierungen zum Teil Befremden erregen, wenn wir auch gerne feststellen, daß Herrn Henlein das internationale diplomatische Parkett noch ungewohnt zu sein scheint." Die Arbeltslosen-Kartoffeln der Abseordneten-Mutter Wir lesen im„Volkswille": In Großloh und darüber hinaus hat es großen Unwillen hervorgerufen, daß die Mutter des SdP- Abgeordneten Nickerl. die mit ihrem Sohn in gemeinsamem Haushalte wohnt und dessen Kinder betreut,"am Gemeindeamte in Großloh die Zuweisung von Kartoffeln aus der Arbeitslosenaktion begehrte. Ihrem Verlangen wurde auch entsprochen und sie erhielt 50 Kilogramm Kartoffeln, was natürlich in den Kreisen der Arbeitslosen, die immer noch auf die versprochene Hilfe durch die SdP warten, große Empörung hervorgerufen hat. Mit Recht fragen die Arbeitslosen, die nur auf die Unterstützungen angewiesen sind, ob ein Abgeordneter der SdP nicht in der Lage ist, seine Mutter zu erhalten. Mancher Arbeiter wäre froh, wenn er das Einkommen hätte, das der Abgeordnete Nickerl heute bezieht»; ein Arbeitsloser, der aber gar nichts bat und der mit jedem Kilogramm Erdäpfel rechnet, kann es einfach nicht verstehen, daß solche Ansprüche erhoben werden. Herr Nickerl, der selbst einmal arbeitslos war, sollte es seinen ehemaligen Arbeitskameraden nachfühlen, wie sie über ihn denken! Christlich und sozialistisch In der Zeitschrift„Neuer Morgen" äußert sich der Vorsitzende des Verbandes christlicher Gewerkschaften und christlichsoziale Abgeordnete Hans S ch;L tz über die gegenwärtigen. sozialen Verhältnisse und schreibt da u. a.: An die liberale These in ihrer ursprünglichen Form glaubt heute kein Mensch mehr. Zwischen dem christlichen und sozialisti- schen Begriffe von der sozia- Kameraden-Unternehmer sind die ärgsten Ausbeuter! Genosse Reyzi fertlvt einen SdP-Redner ab Bei der Behandlung der ersten Kapitel des Budgets hatte der SdP-Denator Pfrogner im Budgetausschuß des Senates eine große Rede gehalten, deren Anhalt den Genossen R e n z l veranlaßte, dem neugebackenen Herrn Senator entsprechend rntgegenzutreten. An ironischen Worten glossierte Genosse Reyzi zunächst die ungewohnte Bescheidenheit,- die anö Pfrogners Rede hervorgehe. Davon, wie die SdP den kranken Staat kurieren wolle, hat man in der ganzen Rede nichts gehört. Sonst hat Pfrogner in seinen Beschwerden Richtiges mit Unrichtigem. Wahres mit Unwahrem vermengt; das letztere übeb- wiege bei weitem. Pfrogner hat u. a. erklärt, sie seien keine Anhänger der Bielrederei. In Wirklichkeit hat poch keine Partei so viel geredet, wis gerade die SdP, aber im Gegensatz zu ihrer großen Vielrederei hat sie n o ch k e i n e T a t e n g e s e tz t. Er bat auch von der»Arbeitsbeschaffung für 800.000" ge» sprochen. Wenn aber die bekannte SdP-Broschüre selbst von rechtsstehenden Fachleuten so zerzaust wird, daß davon kein Beistrich übrig bleibt, dann sollte es sich Pfrogner ersparen, hier nochmals mit dieser Broschüre zu kommen. Die Drahtzieher der SdP sind durchaus Befürworter der Inflation und die Regierung wird sicher auf dieses Truggebilde nicht eingehen. Pfrogner ist auch nicht der erste, der von der Not im deutschen Gebiet gesprochen hat. Ach lebe, erklärte Genosse Reyzl, im deutschen Gebiet und weiß, wie gerade die»Kameraden von der SdP, zu der,sich fast alle deutschen Unternehmer im deutschen Gebiet zählen, zumgroßenTeil schuld an diesem Elend sind. Wenn Sie sich bei uns im nördlichsten Böhmen etwa die Verhältnisse in der Blumenindustrie ansehen würden, wo die Unternehmer die an und für sich niedrigen Arbeitslöhne noch reduziert haben, so daß eine Frau samt ihren Kindern im Tag fünf Kronen verdient, dann wenden Sie sich nur an diese Bolksgenoffen- Nnternehmer! Denen müßten Sie in erster Linie sagen, daß sie ihre Arbeiter-Kameraden nichts» ausbeuten sollen. Die Beschwerden, daß wenig InveftitionSarbei- ten in die deutschen Gebiete vergeben werden, sind auch unsere Beschwerden. Senator Pfrogner wird wissen, daß sich gerade unser Vertreter in der Regierung, als er im Ministerium für öffentliche Arbeiten wirkte, eine sehr.große und erfolgreiche Mühe gegeben hat, auf diesem Gebiete Remedur zu schaffen.(Pfrogner: Wir haben nichts davon verspürt.) Reyzl: Wenn Sie nichts davon verspürt haben, dann haben Sie geschlafen. Blättern Sie die Zeitungen nach, damit Sie informiert sind. Auch über die Art der Zusammenstellung des Budgets ist Pfrogner offenbar nicht informiert, wenn er kritisiert, daß am Budget nichts geändert werden darf. Richtig ist, daß die zuständigen Faktoren, und vor allem auch der S p a r a u S s ch u ß. zu a l l e n Posten ihr Gutachten abgeben. Es ist len Gerechtigkeit gibt es heute keine unüberwindlichen Klüfte mehr. Diese Aeußerung des christlichsozialen Abgeordneten ist um so interessanter, als ein anderer deutschbürgerlicher Politiker fast jede seine Rede dazu benützt, um von dem„Abgrund" zu sprechen, der zwischen seiner Partei und den Sozialdemokraten besteht. Verhör PatscheidrrS. Im Patscheider-Prozeß wurde das Verhör des Angeklagten Lamatsch beendet, den der Vorsitzende über sein Mitteleuropa-Projekt befragte. Dann wurde P ätsch e i d e r verhört, dem die Anklage neben seiner Tätigkeit in der»Bereitschaft" und für die phantastischen mitteleuropäisch-alldeutschen Projekte auch sein Verhalten als Professor am Gymnasium vorwirft. Batscheider soll die Ausarbeitung alldeutscher Stilaufgaben gefördert haben. Der Vorsitzende läßt Patscheider, der nach Entschuldigungen sucht, sehr hart an und spricht von»Frechheit". Dann wurde Pat- scheider noch über seinen Sonderbericht verhört. Der Hauptangeklagte, der unter der sehr langen Untersuchungshaft schwer gelitten bat, macht den Eindruck eines nervösen, früh verbrauchten und ergrauten Mannes. An alle Wo'nartrure und Abonnenten! Anläßli<-z dar Weibnachtsfeieriaqe wird unser Blatt früher aedruckt, so dak die Nummer vom Mittwoch- de« 28. Dezember, bereits um acht 5lhr früh in allen Orten W. Die Donnerstaanvmmer vom 26. Dezember und die ffrei^^aansa^b^ vom 27. Dezember entfällt, fo dass die nächste A"sqabe erst a— KamS- tag, dem 28. Dezember erscheint. leicht, Anttäge und Forderungen zu stellen; man muß aber auch für die Bedeckung sorgen.' ES wäre für Herrn Kollegen Pfrogner überhaupt besser, weniger von der Demokratie zu reden und sie dafür mehr jj it b rächt e n. Wkade. die Parteien!, dir so gar nicht von der Demokratie angehaucht sind, sind heute am meisten um dir Drmokratir besorgt. Es scheint diesen Herren nicht z« passen, daß gerade in diesen Zeiten die Demokratie Maßnah. men trifft, die eS ihnen erschweren sollen, der Demokratie den Kragen zu brechen. Die.Herren sollten sich überlegen, daß sie hier in der Nationalversammlung sind und nicht in einer Paragraph-2-Versammlung. wir sie sie so gern veranstalten. Hier in diesem Hause werden ihre Ausführungen n i ch t so kritiklos entgegengenommen! Budgetausschuß des Senats hat die Bndgetberatungen bereits abgeschlossen Prag. Der Budgetausschuß des Senats hat mit Rücksicht darauf, daß die zur Verfügung stehende Zeit durch die Wahlsihung der Nationalversammlung am Mittwcch noch weiter verkürzt wurde, die Budgetberatungen bereits am Montag zu Ende geführt und in den späten Abendstunden das Budget und daS Finanzgesetz für 1835 ohne Aenderung genehmigt. Es wurden auch drei Resolutionen angenommen, die verlangen, daß für 1937 für die Elektrifizierung wieder 25 Millionen, wie ursprünglich festgesetzt, ins Budget eingestellt werden sollen, daß im nächsten Jahre alle Vorbe- rcitungSarbeiten für den Bau eines weiteren Staatsrealgymnasiums in Preßburg getrofsen werden und daß das Außenministerium auf diplomatischem Wege wegen der Liquidierung der Forderungen tschechoslowakischer Staatsangehöriger in alten Kronen durch die ungarische Postsparkasse einschreiten soll. Zum Berichterstatter für das Plenum wurde Senator Ze m a n gewählt. In der Debatte sprachen die Minister Dr. Z a d i n a, Dr. K r k m a t, Dr. Srämek. Najman, Jng. D o st ä l e k, Dr. Franke und Dr. T r a p l. Die übrigen Minister hatten sich wegen anderweitiger unaufschiebbarer Beratungen entschuldigt und versprachen, auf die in der Debatte gestellten Anfragen und Beschwerden schriftlich zu antworten. Heuer ungarischer Gesandter In Berlin Budapest. Der Landesverweser hat den ungarischen Gesandten in Berlin Dr. Konstantin Masirevich dieses Postens enthoben und den königlich ungarischen Feldmarschalleutnant Demetrius Szatojay zum außerordentlichen Gesandten und bevollmächtigten Minister ernannt und in der Eigenschaft eines Gesandten mit der Leitung der Berliner ungarischen Gesandtschaft betraut. Herr Professor Dr. R. N ü m e c, der Gegenkandidat des Außenministers Dr. Benes bei der bevorstehenden Präsidentenwahl, ist bisher nur aus seiner Tätigkeit als Vorsitzender des tschechoslowakischen Nationalrats bekannt. In dieser Eigenschaft hat er allerdings eine Auffassung über die nationalen Probleme vertreten, die sich von den hohen Idealen eines T. G. M a s a r y k wesentlich unterscheidet. Als Beleg dafür ist ein Preßbericht über die am 2. Juni d. I. in Prag stattgefundenen Tagung der tschechischen Grenz- lcrvereine aktuell geworden, in welchem u. a. zu lesen war: ,,ES sprach gleich nachher Prof. Dr. B. R i m e t für den tschechoslowakischen Nationalrat, welcher zu» Eintracht aufforderte und daran erinnerte, daß der Feind eigentlich vor den Toren Prags steht— so naheist daS gemischte Gebiet. Er erhebt den Borwurf, daß im Grenzgebiet gewisse Par- teifaktoern bei den Wahlen der'Verbindung mit einerdeutfchenParteiden Vorzug gaben." Bemerkenswert ist vor allem, daß Herr Prof. NSmec in diesen Ausführungen die Deutschen schlechthin als»den Feind" bezeichnete und daß er sogar gegen die Listenkoppelung tschechischer und deutscher Parteien anläßlich der Bezirkswahlen(darauf scheint sich sein Vorwurf zu beziehen) in seiner Funktion als Vorsitzender des tschechoslowakischen Nationalrates öffentlich Stellung genommen hat.. Zwei Jahre Kerker für die Gründung des„Slowakischen Nationalrates“ Preßburg. Das Kreisstrafgericht fasste am Montag das Urteil gegen die Komplicen Bazov- skys. Dr. P a v l i c e k und Prof. Paul N e- m th wurden des Verbrechens nach§ 1 des Gesetzes 50/1923 für schuldig befunden, weil sie in einer vertraulichen Sitzung am 6. August 1933 in Banska Bystrica den slowakischen National rat einsetzten, dessen Zweck es war, eine gewaltsame Lostrennung der Slowakei von der Tschechoslowakischen Republik herbeizuführen. Beide Angeklagte erhielten je ein Jahr Kerker; außerdem wurde auf Verlust der bürgerlichen Ehrenrechte für drei Jahre und Ersatz der Prozeßkosten erkannt. Eine bedingte Verurteilung ist ausgeschlossen: Die übrigen drei Angeklagten wurden freigefprochen. Die Angestellten der Geldinstitute Im kämpfe um Ihre Rechtssicherheit Nach der großen Manifestationskundgebung, die am 11. Dezember in der Produktenbörse statt- fand, haben die gewerkschaftlichen O^ganisanonen der Angestellten der Geldinstitute Eingaben an den Ministerpräsidenten sowie an alle Mitglieder der Regierung" abgerichtet, in welchen sie ihr Verlangen nach Eliminierung des 8 27 aus der vorbereiteten Regierungsverordnung über die Senkung der Zinssätze nochmals begründen. In diesen Eingaben wird unter anderen! auch darauf verwiesen, daß insbesondere der zweite Absatz der vorbereiteten Stilisierung dieser Bestimmung die Auflösung der Kollektivverträge ermöglichen würde, was im Widerspruche zu den geltenden Vorschriften über den Schutz der Kollektivverträge wäre. Die Organisationen verweisen weiters auf die kürzlich vom Ministerpräsidenten Dr. HodZa abgegebene Erklärung, der die Notwendigkeit der Rechtssicherheit in unserem Staate betonte und sich gegen Eingriffe ausgesprochen hat, welche die Rechtssicherheit stören könnten. Rückkehr Brünings nach Deutschland? PariS. An Berliner katholischen Stellen wird, wie der Berliner Berichterstatter der„Information financiSrc" mitteilt, versichert, daß d-r ehemalige Reichskanzler Brüning, der zurzeit in den Vereinigten Staaten von Amerika 'weilt und sich vorher längere Zeit in England aufgehalten hatte, die Absicht habe, nach Deuts t>- land zurückzukehren. An amtlichen deutschen Stellen wird erklärt, daß man dort nichts davon wisse, doch wird diese Möglichkeit nicht ausge- i schlossen, besonders mit Rücksicht auf das korrekte ! Verhalten,'das der ehemalige Reichskanzler während seines ganzen Aufenthaltes im Ausland ge- ! zeigt habe. Schuhbauer-Urteil annulliert Wien.(Tsch. P.-B.) Der Nichtigkeitsbeschwerde deS ehemaligen Führers des republikanischen Schutzbundes und des Kommandanten der Gemeindewache während des sozialdemokratischen Regimes auf dem Wiener Rathause, Theodor S ch u h b a u e r, der jüngst zu 10 Jahren schwe- ! ren Kerkers verurteilt wurde, ist stattgegeben ! worden und das Urteil wurde aufgehoben. Schu- bauer wurde infolgedessen aus der Haft des Latt- desgerichts in Polizeihaft übergeben, wo er solange verbleiben wird, bis über einige kleine Delikte, die sich noch im Untersuchungsverfahrcn befinden, entschieden Wird. Nr. 293 Äienstag» 17. Dezember 1935 Seite 4 3age6neuu$eiten D der Direktion der Staatslotterie von nahezu 35.000 Teilnehmern ihren Urlaub im Jnlande ver- Ausfolgung der verlosten Preise Vater und Kinder ertrunken Stockholm. Unweit Lamstadt brach aus einem kleinen See unter einer Gruppe schleifender Kinder das Eis. Zwei Mädchen ertranken. Das Unglück forderte auch das Leben des Vaters dieser Mädchen, der in das eisige Wasser gesprungen>oar, um seine Kinder zu retten. Leihhaus-Statistik als Krisenbarometer Paris. Die Leihhaus-Statistik von Paris zeigt sehr deutlich das ständige Anwachsen der Krise. Zunächst ist die Zahl derjenigen, die zum Versatzamt gehen, erheblich gewachsen, während gleichzeitig der Minister Genosse Neras an die Schulkinder Erziehung zur Hilfsbereitschaft Prag. Der Minister für soziale Fürsorge, Jng. Jaromir N e L a s, sprach am Montag vormittags im Schulrundfunl. Er forderte die Schüler und Schülerinnen auf, selbst auch zur Milderung der durch die Arbeitslosigkeit hervorgerufenen Not beizutragen. Der Minister führte in seiner Ansprache u. a. folgendes qus: Der Herr Lehrer hat euch sicherlich schon des öfteren dargelegt, in wie schwerer Zeit wir leben und was für ein Martyrium die Arbeitslosigkeit für jene Familien ist, die sie betroffen hat. Er sagte euch auch, daß es ein Anzeichen von Unbildung und hartem Herzen ist, wenn nicht jeder von. uns sich bemüht, jenen zu helfen, die unter der Arbeitslosigkeit leiden. Die Arbeitslosigkeit, dieses furchtbare Uebel, kann durch gerechtere und beffere Lebensführung beseitigt werden, für welche die besten Kräfte der Welt bemüht sind. Wird ihnen dies gelingen? Es wird ihnen ge- lmgen,. denn die gesamte Gesellschaftsordnung der Welt ist ein Werk der Menschenhände, der Herzen und der Gehirne. Bevor ihnen dies aber gelingt, ist es unstre Sache, dafür bemüht zu sein, jenen das Leben zu erleichtern, die durch die Arbeitslosigkeit entbehren müssen. Diese Aufgabe erfüllen vor allem der Staat und die Gemeinden. Aber ihr alle, Buben und Mädchen, die ihr für euere Mitschüler offene Augen und Herzen habt, seht selbst ganz gut, daß alles, was genmcht wird, nicht genügt, daß wir den sechsten Winter in einer schrecklichen Arbeitslosigkeit zubringen, wo in den armen Familien oft schon bereits alle Kräfte erschöpft sind. Ich fordere euch also auf, liebe Kinder, helfet deshalb auch ihr eueren Mitschülern. Denket daran, daß der Mensch niemals weiß, ob er nicht dadurch auch sich selbst hilft. Ist es'denn nicht schon unzähligemal vorgekommen, daß ein Mitschüler, dem wir in der Jugend hilfreich beistanden, wiederum uns. geholfen hat, als wir mit ihm als Erwachsener zusammentrafen? Man sagt nicht umsonst, daß das Rad des Lebens sich rundherum dreht und seien wir nur dessen eingedenk, daß unsere drei führendsten Männer— Masaryk, Benes und Stefanik— in ihrer Jugend zu jenen Knaben gehörten, die der Hilfe bedurften. Es gibt keinen schöneren Anblick, als wenn an diese Bäumchen ganze Klaffen von Schulkindern herantreten und im Namen der Jugendfürsorge das untereinander Gesammelte unter den Baum legen. Die Bezirksjugendfürsorgestellen helfen dann mit diesem Gelbe den Allerbedürftigsten. Am Schluffe seiner Kundgebung appellierte der Minister an die Schuljugend, einander gegenseitig zu helfen und an hjß Lehrerschaft, jn ihrer Hilfsbereitschaft für die Kinder nicht zu erlahmen und in dieser Arbeit den sicheren Weg zur künftigen Generation und zum wahren Menschentum zu erblicken. Gin Flieger gewinnt eine Million Paris. Auf dem Flugplatz von Villacoublay führte der Flieger C l a y s s e ein Win d- m ü h l e n f l u g z e u g vor. Dabei konnte er mit seinem Apparat die vom Luftfahrtministerium gestellten Bedingungen erfüllen und eine Million Franks als Preis gewinnen. Moskau und Leningrad vervierfachten ihre Einwohnerzahl Den Angaben des sowjetrussischen Zentralamtes für volkswirtschaftliche Statistik zufolge hatte im Jahre 1935 die Stadt M o s k a u 3,641.500 Einwohner, Leningrad 2,739.800, Kiew 625.000, Minsk 186.500, Tiflis 426.300, Taschkent 565.000, A s ch a b a d 85.400 und Stalingrad 40.300 Einwohner. Im Jahre 1920 zählte Moskau 1,028.000, Leningrad 722.200, Kiew 392.100, Minsk 104.000 und Taschkent 232.600 Einwohner. Der Vorschlag zur Aufteilung Abestiniens So sieht der Friedensvorschtag aus, der zwischen England und Frankreich in Paris vereinbart wurde. Demnach würde Abessinien im N o r d e n einen Gebietsstreifen in Italien abtreten, jedoch Aksum behalten. Ebenso würde im Süden ein Stück von O g a d e n an Italien fallen(jeweils schwarz eingezeichnet). Außerdem würde em großes Siedlungsgebiet geschaffen werden (schraffiert), in dem Italien gewisse witt- schaftliche Vorteile genösse. Als Gegenleistung koll dann Abessinien einen Zugang zum Meere mit dem bisher italienischen Hafen A s s a b erhalten. Bei der gegenwärttgen verwickelten internationalen Lage muß allerdings abgewartet werden, ob überhaupt und wieweit dieser Plan Gestalt annehmen wird. Der Stawisky-Prozeß, der bereits die siebente Woche geführt wird, soll noch mindestens einen Monat dauern. Es verbleiben noch 150 Zeugen zur Einvernahme. Die Urteilsverkündung wird Mitte Jänner des kommenden Jahres erfolgen. Den Geschworenen werden gegen 2000 Fragen zur Beantwortung vorgelegt werden. Pech der Blonden. Die Britische Rundfunk- gesellschast, die umfangreiche Fernsehversuche durchführt, teilt mit, daß die blonde Haarfarbe mit den Fernsehapparaten nicht übertragen werden kann. Schauspieler und Schauspielerinnen mit' derartigen Haaren werden daher genötigt sein, ihre Haarfarbe ändern zu laffen, falls sie bei Vorführungen mitwirken, die mittels Fernseher übertragen werden. Attentat auf einen Eheftedatteur. Gegen den Cheftedakteur eines der wichtigsten chinesischen Zeitungen„Laikuntschi", wurde in einem sehr lebhaften Viertel der inneren Stadt von Hongkong ein Anschlag verübt. Der Zustand des Journalisten ist ernst. Der Attentäter ist nicht bekannt. Der Kampf gegen den Krebs. Der Vorstand der internationalen Union zur Bekämpfung des Krebses hielt am Sonntag in Paris eine Tagung ab. Die Arbeiten galten der Vorbereitung der zweiten internationalen Krebstagung, die im September 1936 in B rü s s e l stattfindet und der Ausarbeitung eines Arbeitsvlanes für die von der Union eingesetzten Ausschüsse.u.zw. erstens für die anptomisch-fli- nisme Klassifizierung dcrZrrebvgescywure und zweitens für die Krebsstatistik. Neun Menschen verbrannt. In einer Siedlung in Irkutsk brannte einer Meldung der „Taß" zufolge ein zweistöckiges Haus nieder, in dem 160 Personen wohnten. Neun Menschen fanden den Tod in den Flammen. Echt nazistisch. Die Europäische Nationali- tätcn-Korrespondenz, die früher einmal ein objektives Mitteilungsorgan war, hat sich seit 1933 zum reinen Nazi-Organ entwickelt(Schrift- leittmg Wien, Dr. Günther Fischer). Sie macht nur noch in Sowiethetze und Gehässigkeiten gegen demokratische Staaten. Bezeichnend dafür ist, daß ihre letzte Folge 24/25 sich mit gut gespielter Entrüstung seitenlang gegen die Ausbürgerung als„Rechtsverschlechterung" wendet und für das„Recht auf die Heimat" eintritt, aber dabei mit keinem Wort von Deutschland, von der Einbürgerung der Ausbürgerungen durch das Dritte Reich spricht, sondern ausschließlich von— Belgien und der Tschechoslowakei. Dabei hat die Tschechoslowakei die von Deutschland längst praktizierten Ausbürgerungen vorläufig nur angedroht. Und endlich wäre zu bedenken, daß aus Belgien oder der Tschechoslowakei ausgebürgerte Nazi in Deutschland gehätschelt und versorgt werden, während die Opfer der Hitlerschen Ausbürgerungen sich als gehetzte Opfer von Land zu Land durchbetteln müssen. Was sich die Enroväische Nationalitäten-Korrespondenz da leistet, ist echt nazistische, jeden Jesnitismns weit in den Schatten stellende Verdrehungskunst. Früher Tod. Ter Redakteur des„Prager Montagsblatt", H a n s F u n k, ist im Alter von 27 Jahren Sonntag an einem Schlaganfall verschieden. Die Feuerbestattung findet Mittwoch, nachmittags im Krematorium in Fischern bei Karlsbad statt. Ein Wirbelsturm hat in der argentinischen Provinz Tucuman die Otte Santa Cruz, Gastona und El Pucsto sowie verschiedene Siedelungen zer- stött. Der Sturm war von stundenlangen Wolken- krüchen begleitet. Bisher wurden zehn Verletzte gemeldet. Ein Güterzug entgleiste und zwei andere stießen zusammen. Mehrere Bahnhöfe und Postgebäude wurden schwer beschädigt. Ein betrügerischer Advokat. Wie die„Wiener Sonn- und Montagszcitung" meldet, wurde der Wiener Rechtsanwalt Tr. Friedrich Vogel wegen des Verdachtes des Betruges im Auftrage der Staatsanwaltschaft verhaftet und dem Landes- Zunahme der französischen Arbeitslosigkeit In der ersten Dezemberwoche stieg die Zahl der französischen Arbeitslosen um 7222 Personen, so daß Frankreich nunmehr insgesamt 416.692 Arbeitslose besitzt. Davon sind 332.846 Männer und 83.846 Frauen. Im Vergleich mit der gleichen Vorjahreszeit bettägt die Zunahme acht Prozent. Zu Dezemberbeginn verließen 1271 Ausländer Frankreich, während nur 120 neu ankamen. tionelle Ettnnerung: der größte russische Dichter, Puschkin, war abessinischer Herkunft! Tatsächlich ist die Mutter des 1799 geborenen Dichters di« Enkelin eines Abessiniers. Dieser hieß A. P. Hannibal und mm an den Hof Peters des Großen. Puschkin hüt selbst die abenteuerliche Geschichte seines Urgroßvaters beschrieben, der in ganz Rußland als der „Reger Peters des Großen" bekannt war. Ec wurde als Exote viel bestaunt, hat manche Herzen gebrochen und eine russische Adelige geheiratet. Er hat eine glänzende militärische Laufbahn in Rußland durchgemacht und starb 1781 als General der russischen Armee. Möglicherweise datieren die mannigfachen Beziehungen des Zarenhofes mit dem Hofe des Re- gus seit dieser Zeit. Jedenfalls ist ja bekannt, daß auch Tecie Hawariati, der abessinische Vettrerer in Genf und bis vor kurzem Pariser Botschafter des Rcgus seine militärische Ausbildung in Rußland erhallen hat. Dir Richter der Unterwelt expedieren Postpakete. Vor einigen Monaten wurden bekannte Persönlichkeiten in Paris, vornehmlich Großindustrielle, mit Muster-ohne-Wert-Sendungen überschwemmt, die beim Oeffnen explodierten und beträchtlichen Schaden anrichieten. Nun hat der geheimnisvolle Absender seine Tättgkeit wieder ausgenommen, und heute sind in drei Pariser Postämtern größere und kleinere Explosionen erfolgt; die einzige Variante ist, daß di« Sendungen nur von einem vervielfältigten Brief begleitet sind, der offenbar von einem Irren stammt, und mit den Namen der drei Richter der Unterwelt, Minos, Radamanthez und Aeakos gezeichnet ist. Benes' Hauptwerk magyarisch. Benes' grundlegendes Werk über den Weltkrieg erscheint demnächst auch in ungarischer Uebersetzung. Der Engen Prager-Verlag, Bratislava, der schon die Auswahl von Masaryks Werken in sorgfältiger Bearbeitung und vorzüglicher Ausstattung her- ausgebracht hat, unternimmt nun die Herausgabe des Repräsentativ-Werkes von Dr. Edvard Benes „Aufstand der Nationen". Die ungarische Ausgabe erhält den Titel„Nemzetek Forradalma" und erscheint in drei Bänden. Die Bäder-Lotterie. Sonntag fand!ie Mst- malig veranstaltete Aftion des Bäder-Informationsdienstes„B rbringet Euren Urlaub in d er Republik", ihren Abschluß durch Verlosung der Preise im Gesamtwerte von 125.000 KL im Ziehungssaale i nter Beteiligung dieser Aftion, die brachten.— Die erfolgt bis 15. Feber 1936 in der Kanzlei des Bäder-Informationsdienstes in Prag II» VodiLkova ul. 20, Palais SekuritaS. Der tschechoslowakische Arbeller-Esperantobund will allen Genossen und Genossinnen, welche sich für das Studium der Welthilfssprache Esperanto interessieren, ermöglichen, mit gettngen Kosten sich die Kenntnisse desselben anzueignen und beginnt mit Anfang Jänner«inew K öt r cf'p o'n d c n z k u r S, 1 an dem sich jeder beteiligen kann. Auskünfte erteill Genossin F. Richter, Aussig, Fünfhaus 5. Riesiges Ansteigen des Trlegrammverkehrs in der ESR. Aus allen Teilen des Staatsgebietes und aus dem Auslande treffen in Prag zahlreiche Telegramme ein, in denen autonome und andere Korporationen und zahllose Einzelpersonen von dem ersten Präsidenten unserer Republik, Th. G. Masaryk, Abschied nehmen. Auch die Wahl des neuen Präsidenten dec Republik verursacht einen ganz außerordentlichen Anstieg des Telegrammverkehrs. Außerdem steht auch ein außerordentlicher Telegranunverkehr in Verbindung mit den üblichen We-Hnachts- und Neujahrsgratulationen zu erwarten(im vorigen Jahre wurden zehntausende solcher Telegramme expediert). Die Telegraphendirektion hat daher weitgehende Vorkehrung getroffen, damit die Beförderung dieser Nachrichten auch ihre Uebertragung auf Zierformulare rasch vonstatten geht. DaS persönlichste Geschenk ist das Buch. Ein Buchgeschenk soll der Beweis sein für ein geistiges Sichkennen, für ein seelisch nahes Verhältnis zu- ttnander. Man schenkt nicht Bücher, die man selbst nicht haben möchte, denn das hieße, den Empfangenden geringer einschätzen als sich selbst. Man schenkt vor allem nicht Bücher, die uns nichts Bleibendes zu sagen haben. Es gibt Bücher genug, die enttäuschen, die keinen geistigen Standott haben und am Ende belanglos sind. Bei den Werken der Büchergilde Gutenberg wirst du nie enttäuscht sein. Entschließt du dick, aus dem Bestände der Gilde ein Buchgeschenk auszuwählen, so kannst du sicher sein» kein belangloses Buch zu bekommen. Bestelle dir Las Verzeichnis über die bisher erschienene Literatur in der Geschäftsstelle Prag, Ptemhslovo näbkeZi 14. Vom Rundfunk Bmptehlenswertes aus«Ian ProgrimMMl Mittwoch: Prag, Sender L: 10.05: Deuffche Presse, 10.15; Deuffcher Schulfunk für die Unterstufen, 11.05: Salonorchejterkonzert, 12.10: Buntes Programm 13.40: Deutscher Arbeitsmarkt, 17.40: Schallplatte», 18.10: Deutsche Sendung: Dr. Moucha: Neue Chinabücher, 18.20: Arbeitersendnn g: Erna Haberzettel: Kinderspielzeug auf den Weihnachtstisch, 18.40: Sozialinformationen. 18.45: Deutsche Presse, 20.45: Konzert der tschechischen Philharmonie. Sender S: 7.30:' Orchesterkonzert, «laarsanivaincyatt veryasrer uno oem icanoes- 14: Schallplatten, 14.50: Deuffche Sendung: Prof, j yericht eingeliefett. Er hat einen ungedeckten Scheck. Klein: Der Stein der Weisen, 14.50: Deutsche von bedeutender Höhe herausgegeben und außerdem Presse, 18.45: Schallplatte»: Bakulesänger, 19.10: ““ 1 Arbeit»- markt und Sozialinformationen, 16.55: Theater für die Jugend, 17.40: Deutsche ~‘ i- Wert der Pfänder gesunken ist. 66 Prozent aller ver setzten Gegenstände werden niedriger als mit 1000 Francs bewertet. Sehr interessant ist die Taffache, daß 12.375 Pfänder für nur drei Francs versetzt wur den. Eine weitere interessante Zahl ist die der ver setzten Autos. Während im vergangenen Jahr 894 Wagen aufs Leihhaus geschafft wurden, waren cs in diesem Jahr 1793. Das Versprechen. Das Radio ist unbestech lich wie die photographische Platte. Man hört das Zögern, Forcieren und vor allem das Sich- Bersprechen des Redners, alle die Dinge, die spä ter in den Zeitungsberichten nicht mehr zur Geltung kommen, ost auch nicht in den nach träglich korrigierten Reproduttionen von der Schallplatte. In Görings Hamburger Rede hat ein Freund unseres Blattes folgende Stil blüten und Sprachschnitzer festgestellt:„Wir müssen uns davor hüten, daß wir allzu zarte Mimosen werden.".....»„dann hat man ein umso klareres Augenlicht darauf"(gemeint war: dann hat man ein umso besseres Augenmaß dafür)...„ein einziger Choas"...„der Füh- rer wird die Bestimmung herauslassen, daß"... „ich möchte davor warnen, daß mtt unserm ehr- lichen und opferdurchtränkten braunen Tuch Mißbrauch gettieben wird" ...„die. Lage ist nicht schlecht, die Laße ist nicht schwierig, die Lage ist heroisch"...„die natio nalsozialistische Weltanschauung hat uns g e- lernt, daß...". Dazwischen kam ein merk- würdiges Wott,„u n e r b i tt erl i ch". Ge meint war: unerbittlich. Wir erwarten von einem Naziführer keineswegs die Beherrschung der deutschen Sprache, das wäre gegen die Natur, und somit mag es einfach falsches Deutsch ge wesen sein. Aber noch interessanter wäre es, wenn es wirklich„nur" ein^Versprechen" gewesen wäre>Ja, Herr Göring, da gibt es einen ge wissen Saujuden Freud, und der hat uns ge lehrt— nicht Sie—, was es mit dem Sich- Bersprechen auf sich haben kann. Eigentlich woll- ten Sie der Wahrheit gemäß sagen:„Die Lage ist nicht heroisch, sie ist bitter", wie das im Ka sinodeutsch heißt. Und niancher wird noch bitter- lich zu klagen haben, wenn es einmal anders wird im Garten Ihrer zarten Mimosen. Auch Sie. Die Bestattung deS Genossen Prokcs. Die Stadt Mähr.-Ostrau verabschiedete sich Sonntag von ihrem Bürgermeister, dem Abgeordneten und Journalisten Genossen Johann Prokes. Am Sarge sprachen u. a. der neue Bürgermeister der Stadt, Senator.Chalupnik, als Behördenvettreter der Präsident des Kreisgerichtes Blesäk und für die Journalisten Syndikus Seyator Pichl, weiter Vertreter der tschechoslowakischen sozialdemokra tischen Gewerkschaftsorganisationen und der deut schen Sozialdemokraten. Im Trauerzuge schrit ten überaus. zahlreiche Trquergäste, darunter viele Mitglieder der Nationalversammlung, Re präsentanten der Behörden, Vertteter von Städ ten aus allen Teilen der Republik und verschie dener Vereine und Korporattonen. Bor der Ein äscherung der sterblichen Ueberreste hielt der Vor sitzende des Senats, Dr. Soukup, die Trauer rae, in welcher er der Verdienste und des Wer kes Johann Prokcs gedachte. Erfolgreicher Streikabschluß. Samstag nach mittags wurde im Bezirksamte Svalava(Karp.- Rußl.) zwischen den Vertretern der beiden Holz industrien„Latorica" und der Fabrik„Szolyva" eine Vereinbarung abgeschlossen. Die beiden Un ternehmungen verpflichteten sich, die L ö h n e um zehn Prozent bis KL 1.60 pro Stunde zu e r- höhen und verpflichteten sich außerdem schrift lich, sämtliche Sozialbestimnumgen einzuhalten. Durch dieses llebereinkommen wurde der Streit beendet. Das Ergebnis der Verhandlungen ivurde von einer großen Zahl von Arbeitern abgewartet, die noch vor den Weibnachtsfeiertagen ihre volle Beschäftigung wieder aufnehmen werden. Jubiläen bürgerlicher Tagblätter. Das\ l i st y" feierten am vergangenen Sonntag"eine ganze Reihe seiner Klienten bei Realltats-^erkonzerl—Brünn. 13.30 seltene Jubiläen: jenes erscheint nun seit s e ch- transaktionen um große Smnmen geschädigt. 1 S i g, diese sogar schon seit fünfundsieb- Puschftn— abessinischer Herftmft. Abessinien Se^^?Musikallsche^Mendswnd^'^— Mährisch- zi g Jahren. Beide großen Blätter erschienen in ist auch in Rußland aktuell, und im Zusammenhang Ostrau 13.40: Leichte Musik, 15: Populäres Kon- ihrem Jubeltage in großen und reichen Ausgaben. I damit bringen die russischen Zeitungen eine sensa- zert.— Prrßburg 16.10: Orchestettonzert.—, Nr. 293 Dienstag, 17. Dezember 1935 Seite 5 Das teuerste Telephongesprach der Wett London.(MTP) Das teuerste Telephongespräch der Welt ist vor einigen Tagen zwischen London und Paris geführt worden. Der Direktor einer großen englischen Automobil-Fabrik wollte sich mit seiner Pariser Vertretung ausführlich unterhalten. Von neun Uhr früh bis zum späten Abend— genau 13 Stunden 51 Minuten— wurde die Verbindung nicht unterbrochen, und die englische Direktion hat während dieser Stunden den gesamten Geschäftsgang der Pariser Vertretung durchgesprochen. Sogar die Geschäftsbücher wurden telephonisch kontrolliert. Die Spesen für dieses Gespräch betrugen über 1000 Pfund. Aber anscheinend war man in der Direktion nicht auf die Idee gekommen. Laß es wesentlich billiger und zweckmäßiger gewesen wäre, per Flugzeug nach Paris zu fahren. Man hätte es bequem hin und zurück in dieser Zeit schaffen können und noch zehn Stunden für Verhandlungen frei gehabt. Wievirle Wörter hat die dentschr Sprache? Die Schätzungen namhafter Forscher gehen auf einen Gesamtwörterbestand von etwa 500.000 hinaus, wovon etwa 50.000 bis 70.000 Fremdwörter sind. Auch der sprach- und stilgewandteste deutsche Gelehrte beherrscht nur einen Bruchteil davon, nämlich etwa 9000. Der wortkargste deutsche Menschenschlag, der ostfriesische Fischer, kommt gar mit 200 Worten aus. Als Durchschnitt nimmt man eine Beherrschung von etwa 3000 Wörtern an. mit denen ein Mensch sehr gut durchkommt. Jntereffant in diesem Zusammenhänge dürfte die Feststellung sein, die das amerikanische Sprachenforschungsinstitut in New Dork gemacht hat. ES stellte fest, daß von den rund 115.000 Wörtern deS amerikanischen Englisch nur wenige hundert Wörter für alle. Zwecke ausreichten. Weitere Versuche sollten dann ergeben haben, das insgesamt 900 Wörter völlig ausreichten, sich ausgezeichnet und ohne die geringste Schwierigkeiten in Amerika zu bewegen. DaS genannte Institut gibt übrigens eine Wochenschrift heraus, die tatsächlich mit dem„Normalsprachschatz" von 900 Wörtern ausreicht. Auch das englische Sprachinstitut in Cambridge stellt die Behauptung auf, daß man mit 850 englischen Wörtern völlig auskommen kann. KMIW WM Kleine Wirtschaftsnachrichten In den ungarisch-tschechoslowakischen Han- drlsverhandlungen hat Ungarn den Abschluß eines Handelsabkommens nur für die nächsten drei Mck- nate vorgeschlagen. Ungarn bemüht sich außerdem um eine Steigerung des Exports von Industrieerzeugnissen. nach-er. Achtzchoklavaki,..-.. Weitere sechs Jahre Papierkartell. Die Verhandlungen, die zur Verlängerung der Dauer des Kartells der Papierindustrie um weitere sechs Jahre geführt werden, stehen vor dem erfolgreichen Abschluß. Dabei dürfte es gelingen, die noch vorhandenen wenigen Außenseiter dem Kartell zuzuführen. Die Bildung einrS gesamtstaatlichen Kartells für die Hohlglasindustrie steht bevor. Vom Staat wird der Erlaß einer Verordnung verlangt, die die Berbindlichkeitserklärung der Kartellver- einbarungen und den Beitrittszwang für alle Unternehmen Vorsicht. Ein« Aluminiumfabrik wird in Belgrad errichtet. Sie soll nach ihrer Fertigstellung wenigstens 1000 Tonnen jährlich erzeugen. Bei Lieferung an den Staat hat sie die Ermächtigung erhalten, 15 Prozent teurer sein zu können als die ausländischen Konkurrenten. Rekordverkehr im Suezkanal. Im Oktober 1935 verzeichnete der Suezkanal einen Passagierverkehr von 3.2 Millionen Bruttoregistertonnen. Das sind 9.8 Prozent mehr als im Oktober| des Vorjahres. Diese Steigerung wird im wesent- i lichen auf die italienischen Truppentransporte nach Abessinien zurückzuführen sein. Krisenbekämpfung und wirtschaftliche Umformung in Schweden Schweden gehört gegenwärtig zu den Ländern der günstigsten Wirtschaftslage. Der industrielle Produktionsindex ist höher als in den Prosperitätsjahren 1928-9, die Arbeitslosigkeit ist fast ganz verschwunden. Wenngleich dies zum Teil der internationalen„Rüstungskonjunktur" zuzuschreiben ist, so sind doch die bereits vorher angewandten Mittel zur Krisenbekämpfung von- Interesse. i Vor kurzem hat ein offizielles Komitee zur Produktionsförderung dem Handelsminister einen Bericht vorgelegt, worin auf die riesigen noch un- ausgenützten Möglichkeiten einer Entfaltung der Produktion und der Naturschätze hingewiesen! wird. Der Staat müsse bestrebt sein, die noch bestehenden Hindernisse wegzuräumen, namentlich das Dumping, unrichtige Zollpolitik, Mangel an Zusammenarbeit zwischen den Produzenten der gleichen Branche, bzw. den nationalen oder ausländischen Monopolen und Trusts, unzulänglicher Perteilungsapparat. ES sei eine ständige Jndu- ,striekommission einzusetzen, die die Entfaltungsmöglichkeiten studieren sollte, mit entsprechenden Zweigstellen. Mehrere verantwortliche Staatsmänner befassen sich in letzter Zeit mit den Fragen des lleberganges von einer bloßen Krisenbekämpfung zu einer allgemeinen Neuordnung der Wirtschaft. Trager feituna Unsere Stellung zum Budget der Stadt Prag Bo« Stadtverordnete« Dr. Ego« Schwelb Der gestrigen Sitzung des Stadtverordneten- kollegiums lag das Budget der Stadt Prag für das Jahr 1936 zur Beschlußfassung vor. Die Sitzung wurde vom Primator der Stadt Prag, Dr. Baxa, mit einer Ansprache eingeleitet, in welcher der Primator auf das hi st arische Ereignis vom 14. Dezember, den Rücktritt des Präsidenten M a s a r h k verwies. Die Rede deS Primators wurde stehend angehört und es wurde einstimmig eine Tankeskmidgebunq der Prager Stadtvertretung an den scheidenden Präsidenten beschlossen. Ueber das Budget selbst referierte der Finanzreferent, Vizebürgermeister Dr. S t u l a, und der Vorsitzende der Finanzkommission, Jng. H v r k. ES wurde von allen Parteien der Rathausmehrheit br« schlossen, angesichts der wichttgen staatspolitischen Situation und der bevorstehenden Präsidentenwahl i von der Entsendung von Rednern sowohl in die General- als auch in die Spezialdebatte über las Budget abzusehen. Dieser Maßnahme republikanischer Würde schloß sich auch der Vertreter der Deutschen sozialdemokratischen Partei an. Tas gleiche taten die verbilligte Fahrkarten auf der Straßenbahn zu erhalten. Einen wichtigen Beleg dafür, wie wenig objektiv die Stadwerwaltung in diesen Fragen vorgeht, sind die Vorgänge, die sich in den letzten Tagen bei der Vergebung von Textillieferungen in der Wirtschaftskommission und im Stadtrat abgespielt haben. Ich habe in dieser Frage in der gestrigen Plenarsitzung der Stadtverttetung einen konkreten Antrag gestellt, über den an anderer Stelle berichtet wiod. Die Sache hat nicht nur eine juristische, sondern auch eine weittragende, eminent staatspolitische Seite. Die Vergebung von Lieferungen an Unternehmungen aus Reichenberg, Warnsdorf, Fulnek, Zwittau, Neu- Titschein wurde abgelehnt. Wirsindnichtdie Sprecher der Unternehmungen, um die es geht, wohl aber vertrete« wir die LebenSinter- effen der Arbeiter dieser Unternehmungen und der Arbeitslose« dieser Gebiete. Die deutsche sozialdemokratische Arbeiterschaft unserer Industriegebiete steht schon durch drei Jahre in einem heftigen, ungleichen Kampfe gegen das Hakenkreuz. Diese ArOber 44,000.000 Xc sind für die Spieler der 34. techosl. Klassenlotterie vorbereitet Am 18. Dezember um 6 Uhr abends besinnen die Ziehungen der I. Klasse Haupttreffer... 1,000.000 K2 Prämie 1,000.000 KJ 1| 8 Los 15 Ke, 1| 4 Los 30 Ke, 1,2 Los 60 Ke,'<1 Los 120 Ke Vertreter der deutschbürgerlichen Parteien. ES wurdr daher von der Abgabe der üblichen Erklärungen znm Budget Abstand genommen. Aks Vertreter unserer Partei stimmte ich auch im heurigen Jahre, wie in den früheren Jahren,"für daS Budget der Stadt Prag. Durch diese Abstimmung manifestiert die Deutsche sozialdemokratische Partei ihre positive Einstellung zum demokratischen Staat, ihren Willen zum friedlichen Zusammenleben der Nationen der Republik. Durch diese Abstimmung drückt die Deutsche sozialdemokratische Partes ihre Anerkennung für die sozialpolitischen Leistungen der Stadt Prag aus, für die systematische Sorge der Stadt um Alte, Leidende, Kinder, um Bedürftige überhaupt. Jnbesondere drückt die Deutsche sozialdemokratische Partei dadurch ihre Zustimmung zur Behandlung des Arbeitslosenproblems durch die Stadt Prag aus. insbesondere zur heurigen Arbeitslosenaktion, durch welche die bisherigen Unterstützungsmaßnahmen, die auf dem Rechtsinstitute der Armenfürsorge aufgebaut waren, in ein ordnungsmäßiges ArbeitSver- HSltniS umgewandelt worden sind mit allen daraus erflirtzenden Konsequenzen auf dem Gebiete deS Arbeitsrechtes und des SozialversichrrungSrechteS. Auch auf anderen Gebieten der Stadwerwaltung, sowohl im eigenen, als auch im übertragenen Wirkungskreise, kommt die Stadt Prag ihren Aufgaben nach. Viel« Ressorts der Stadwerwaltung sind sich der Bedürfnisse der Zeit bewußt, insbesondere der Bedeutung der Durchführung und Respektierung der neuen sozialpolitischen Maßnahmen. Ich denke da z. B. an die bekannte Entscheidung des Magistrates, die zum Schutze der Kollektivverträg« der Bankbeamten auf Grund der Verordnung über die Verlängerung und die Unabdingbarkeit der Kollekttvverttäge Nr. 89/1935 ergangen ist.. Auch bei der Anwendung der sogenannten Filialverordnung Nr. 162/1985 hat sich der Magistrat seine Unabhängigkeit und Unparteilichkeit gegenüber den ungewohnten Versuchen der Handels« und Gewerbekammern bewahrt, auf dir gesetzliche Entscheidung der Gewerbebehörden einen unzulässigen Einfluß zu nehmen. Auch die liberale Personalpolitik der Stadt Prag findet unsere Billigung. Diesem Katalog von Lichtseiten der Gemeindepolitik korrespondiert aber eine Reihe von wichtigen Einwendungen, die wir gegen di« Gemeindeverwaltung haben. Trotz unserer loyalen und versöhnlichen Haltung herrscht in den Amtsstuben des Rathauses ein gegenüber allem Deutschen nicht objektiver Geist, für den vielleicht historische Gründe zu finden sind, der aver gegen-' über dem heutigen Prager Deutschtum einen Anachronismus darstellt. Auch kleine Erfolge im Interesse der mittellosen Schichten des Prager Deutschtums werden uns von der Stadwerwaltung versagt. Ich erinnere a. B. daran, daß es uns nicht ewmal gelangen ist, für einige Dutzend deutscher Bürgerschüler, also Kinder unbemittelter Ettern, beiterschaft ist der verläßlichste Wachposten an den Grenzen der Republik, diese Arbeiterschaft setzt Existenz und Leben für die Republik und die Demokratie, ein. Eine verantwortungslos« Agitation macht für den Hunger und die Arbeitslosigkeit der Industriegebiete der Republik die Regierung und das tschechische Volk verantwortlich. Die Hauptstadt Prag beeilt sich, der antidemokratischen Agitatton rasch und bereitwilligst den Wahrheitsbeweis für das zu liefern, was sie ständig verkündet. Auch wenn die konkreten Fälle hinreichend aufgeklärt und geregelt würden, bliebe die sehr ernste Tatsache bestehen, daß ein hoher Beamter der Gemeinde in einem gewiß entschuldbaren Irrtum« der Meinung war, daß nach dem Wunsch« der entscheidenden Kreise der Gemeindeverwaltung bet Lieferungen nicht die Qualität und der Preis der Ware entscheidend ist, sondern dir Nationalität»der da- GlanbemsbekonntniS des Erzeugers. Wenn unsere Partei trotz der Bedenken für daS Budget einer Gemeindeberwallung stimmt, welche Vorfälle dieser Art nicht vermeidet, so ist dieS di« Konsequenz unserer demokratisch-republikanischen Disziplin und Solidarität» rS ist dieS der Ausdruck unseres Willens, gerade in dieser Zeit«nS aus der demokratischen Arbeitsgemeinschaft nicht auSzuschlir- ßen und mittätig zu sein an der Befestignng der demokratischen Grundlagen und der Sicherheit deS Staates. ES ist dies ein Vorgang, welcher die prakttsche Anwendung der Kundgebung darstellt, welch« der Parteivorstand und die parlamentarische Vertretung unserer Partei am Samstag dem Präsidenten Masaryk gesandt hat und die in folgenden Worten aus klingt: „Wir geloben, Herr Präsident, in dieser geschichtlichen Stunde, daß wir im Sinne Ihrer Ideen zu wirken und z« kämpfen entschlossen sind, zum Wohle des Staates und aller Völker, die ihn bewohnen und zum Wohle der gesamten Monschhelt." * Um 8 Uhr abends wurde daS Budget zur Abstimmung gebracht. Gegen das Budget stimmte keine Partei. Die Kommunisten stimmten bei einzelnen Kapiteln pro, so bei der Fürsorge, dem Schulwesen, dem Gesundheitswesen. Auch die deutschbürgerlichen Vertreter stimmten für das Budget. Der Stadtrat an Masaryk Die gestrige außerordentliche Sitzung der Zentralvertretung wurde mit einer Rede des Primators über die Abdikation des Präsidenten Masaryk eröffnet. Einmütig wurde dann die Absendung einer Adresse nachstehenden Wortlauts beschlossen: Herr Präsident! Die Zentralvertretung der Hauptstadt Prag, welche ebenso wie das ganze Volk tiefstes Bedauern über ihre Entscheidung empfindet, gedenkt in diesem historischen Augenblick Ihres großen Lebenswerkes für die Befreiung des tschechoslo- Weihnachtsbücher wakischen Volles, Ihres edlen Berständniffes für die Aufgaben und Bedürfnisse der Stadt Prag und bittet, den aufrichtigen Ausdruck ihrer ergebenen Liebe, Achtung und dauernder Dankbarkeit entgegenzunehmen. Zusammenstöße. Gestern um 11 Uhr vormittags fuhr der Chauffeur Vlastimil Zäruba aus Kladno mit seinem, mit Säcken Reis beladenen Lastauto über die Letnä nach Bubentsch und blieb, als er einen herankommenden Motorwagen der Iler-Linie erblickte, auf dem danebenlaufenden Geleis« stehen. Hiebei bemerkte er jedoch einen von hinten kommenden 2er-Wagen nicht, der das Auto mit samt seinen Insassen gegen den Wagen der ller-Linje schleuderte. Ein Fahrgast des 11 er-Wagens und ein Mann, den Zäruba im Automobil mitgenommen hatte, würden leicht verletzt. Eine vorbeikommende Soldatenabteilung entfernte das umgestürzte Automobil von den Schienen, doch blieb der Verkehr trotzdem etwa 29 Minuten lang unterbrochen. Alle beteiligten Fahrzeuge wurden stark beschädigt.— Der Chauffeur Josef Blovskh.aus Wysotschan stieß gestern um 3 Uhr in der Divisgasse in Smichow mir dem schweren Lastauto des Chauffeurs Häroslab Stehlik aus Jinonitz zusammen. Während die Wagen nur leicht beschädigt wurden, wurde der Fahrgast des erstgenannten Automobils, der Privatbeamte Franz Sti- bor aus Nusle, aus dem Wagen geschleudert und mußte mit einigen Rippenbrüchen auf die Klinik Jiräsek gebracht werden. Das Verfahren wurde eingeleitet.' Doppclsclbstmord. Sonntag abends, nach 19 Uhr, wurde die Polizei vom Hausmeister des Hauses Nr. 551 in Holleschowih, Josef Veselh, in das bezeichnete Haus geholt, wo, wie er angab, sein Sohn, der 24jährige Fleischhauer Robert Veselh, und dessen 23jährige Geliebte Elisabeth Vachl tot aufgefunden worden seien. Der Augenschein ergab, daß Robert Veselh erst seine Geliebt« und dann sich selbst durch einen Schuß in den Kopf getötet hatte. Das Motw der Tat dürste unglückliche Liebe sein. Ei« Aut» fährt dav»n. Sonntag um 2 Uhr nachmittags ließ der 87jährige Lackierer Franz Vy- skccil aus Nusle sein Auto vor einem Hause in Nusle, in dem er einen Besuch machen wollte, stehen. Das Auto, das offenbar nicht gut gebremst war, gee riet jedoch auf dem gefrorenen Pflaster von rlbst ins Fahren und fuhr etwa 69 Schritte weit, worauf es aufs Trottoir geriet und gegen eine Mauer fuhr, so daß es stark beschädigt wurde. Von den lßqssasijen. Wurde niemand. veüedtt> l Tödliche Benzinpumpe. In der Nacht auf gestern, gegen 1 Uhr, ging der 64jährige Schneider Josef Kubin aus Holleschowitz den Kai entlang und stieß, als er ist die Argentinische Gasse einbog, mit dem Kopf gegen eine Benzinpumpe, so daß er ohnmächtig zusammenbrach. Die Polizei fand ihn, stark aus einer Wunde an der Nasenwurzel blutend, und veranlaßte seine Ueberführung ins allgemeine Krankenhaüs, doch starb er am Wege. Die Verlosung der 1. Klaffe der 34. Tfchech»- sliwakischen Klaffenlotterie beginnt morgen, den 18. d. M., um 18 Uhr im Ziehungssaale der Direktion der Staatslotterie, Prag I., Kozi ul. 4, und wir» am 19. Dezember 1935, um 8 Uhr fortgesetzt. Verlost werden 2775 Gewinste im Gesamtbetrags von durchschnittlich 1,123.949 KL, welche den Spielern ohne Abzug ausgezahlt werden. Von höheren Gewinsten werden ausgelost: 1 Gewinn zu 129.999 KL, 1 zu 59.999 KL, 3 je 29.999 KL, 5 je 5999 KL/39 je 2999 KL usw. Die Einschüttung der Nummerröllchen der 84. Tschechoflowakischen Klaffenlotterie und der Gewinnröllchen der 1. Klass« findet öffentlich am 18. Dezember 1935, um 19 Uhr stcktt. Die amtliche Verlosungsliste wird am 29. Dezember 1935 erscheinen. 31—97 Die Deutsch« Minderheitsbücherei bleibt anläßlich der Weihnachtsfeiertage vom 23. bis einschließlich 26. Dezember 1935 geschlossen. / 1 1- ßmektssaat Lin ehrwürdiger Greis Ein 70jähriger, der seine Gefährtin um ihre letzten Spargroschen bestiehlt Prag. Der Ausgedinger Staniflav Z v o l» sky ist 79 Jahre alt, scheint aber keinen besonderen Wert auf ehrenfeste Würde des Greisenalters zu legen. Montag stand dieser würdige Greis vor dem Straffenat N e b u s k a unter sehr häßlicher Anklage. Im Juni 1934 gesellte sich die nicht viel jüngere Witwe Marie Mikolas zu dem Angeklagten und sie lebten seither zusammen, wie sich ja nicht allzu selten alte einsame Menschen zusammenfinden, um die letzten Lebensjahre gemeinsam zu verbringen. Dieses Zusammenleben verlief freilich nicht als friedliche Idylle. Ganz im Gegenteil— es gab Zank und Streit in Hülle und Fülle und nach einem Jahr verließ Marie Mikolas ihren Gefährten. Vor dem Auseinandergehen forderte sie ihre drei Sparkassenbücher zurück, welche Zvolsky zur Aufbewahrung übernommen hatte und auf welche zusammen 60.999 KL bei der PragerStädti- schen Sparkasse eingelegt waren. Sie erhielt sie auch ohne weiteres ausgefolgt und stellte mit Befriedigung fest, daß nicht nur die Beträge stimmten. sondern auch die entfallenden Zinsen richtig zugeschrieben waren. Da sie ihrem Partner aus der- Seite 6 „Sozialdemokrat" Dienstag, 17. Dezember 1935. Nr. 293 Die Textil-Lieferrrngen an die Gemeinde Prag Der Stadtvertreter der DSAP für das Recht der Deutschen auf gleiche Konkurrenz schieden«» Gründen nicht mehr recht traute, lieh sie, um ganz sicher zu gehen, die Bücher auf L o s u n g s- wortvinkulieren. Die Vinkulierung wurde auch anstandslos durchgeführt und die alte Frau war überzeugt, daß alles in Ordnung sei. Denn sie nahm— sicher mit Recht— an, daß die Spar« lasse bei der Vinkulierung auch die Richtigkeit des ausgewiesenen Einlage nstandes überprüft habe. Leider zeigte, sich, daß dies nicht der Fall gewesen war, denn erst als sie einige Wochen später Geld abheben wollte, stellte sich heraus, daß in jedem der drei Sparbücher nur mehr zwanzig Kd eingelegt waren, die übrigen 59.940 Kd aber abgehoben und die Ausweise der Guthaben samt der Zinsenzuschreibung gefälscht waren. Es ist tatsächlich sehr sonderbar, dah dieser Betrug nicht bereits bei der Vinkulierung in der Sparkasse aufgedeckt wurde. Als Täter kommt einzig und allein der 70jäh- rige Angeklagte in Betracht, der während der Zeit ihres Zusammenlebens die Bücher in Verwahrung hatte. Zvolsky hat sie seinerzeit auch gedrängt, ihre früheren Einlagen bei der Jesenicer Sparkasse zu kündigen, die Ersparnisse bei der Prager Städtischen Sparkasse neu einzulegen und ihm die Bücher zur Aufbewahrung zu übergeben, wobei er fich daraus berief, dah er.eine Tischschublade mit Patentschloh" besitze. Die um ihre letzten Spargroschen gebrachte Frau erweckte vor Gericht tiefes Mitleid. Ihr sauberer Lebensgefährte hatte natürlich eine Menge Einwände und erzielte wenigstens so viel, dah der Strafsenat Nebuska die Verhandlung zur Ergänzung des Beweisverfahrens schließlich vertagen muhte. rb. Iümst und Wteaeft Die Zauberflöte Sonntag erfreute das Deutsche Theater mit einer musikalisch überaus sauberen„Zauberflöte"- Vorstellung unter Szdlls geistreicher und sicherer Gestaltung und Führung, die auch dem unberührt Natürlichen, Heiteren, Volksliedhaften gerecht zu werden beutüht war. Die Bühne vermittelte reichlichen Genuß an Stimmbegabungen und Gesangskünstlerischem, wenn auch nicht überall Beides vereint anzutreffen ist. So bringt zwar Herr Daum, wie immer, seinen schönen, echt lyrischen und mit müheloser Höbe ausgestatteten Tenor auch für den Tamino mit, ohne jedoch sehr zu wirken und zu entzücken; zu unruhig ist die Tongebung, zu wenig durchgearbeitet die ganze Partie; immer wieder wirkt befremdend, wie dieser Sänger anscheinend immer nur in den Arien ganz auS sich herauS- zugehen versucht, wie auch diesmal in der Bildnis- Kantilene; aber schon die Flötenarie fällt durchaus matt aus; im Duett, Terzett, Quintett verblaßt die Stimme vollends. Weit besser schneidet Fräulein H e n d e r s ab, als Pamina bezaubernd in der Erscheinung, mit Tragkraft der zarten Stinune durch alle RegisW. sühen Kopf tönen und Noblesse iss dtr Arie; es fehlen^ lebte Innigkeit des Gesangsausdrucks und dramatischer Stil. Dagegen vorbildlich in'jeder Hinsicht der Sprecher S ch e i d l s, Herr Andersen, ohne Zweifel rastlos an sich arbeitend, singt nunmehr den Sarastro überlegen und einwandfrei(erzielt auch den stärksten Applaus des Abends), Herr Hagen, immer vornehm im Gesang, spielt den Papageno frischer denn je und Frau Rayn ist eine sympathische Papagena. Große, schöne, homogene Stimmen vereinigen sich zum Damenterzett(Konetzni. Hafenbraedl, Kindermann), kiangrein auch die Knaben(Medak, Merz, Wanka). Rose Book singt ihre Königin der Nacht recht In der montägigen Budgetsitzung der Stadtvertretung stellte der Vertreter der Deutschen sozialdemokratischen Arbeiterpartei, Stadtverordneter Genosse Dr. Schwelb den folgenden Antrag: 1. Die Zentralvertretung beauftragt das Präsidium der Hauptstadt Prag, es möge die Frage der Lieferungen von Textilwaren, die Gegenstand der Verhandlungen in der Wirtschaftskommission und in der letzten Sitzung des Stadtrates war, neuerlich überprüfen und feststellen, ob das Vorgehen nicht verfassungs- und gesetz- widrig ist. 2. Die Zentralvertretung fordert den Primator der Hauptstadt Prag auf, er möge, falls sich erweisen sollte, daß der Beschluß gesetzwidrig ist, die Durchführung des Beschlusses über die Vergebung von Textillieferungen sistieren. 3. Der Unterfertigte erklärt, daß er, falls die weitere Untersuchung erweist, dah der Beschluß des Stadtrates ungesetzlich oder unzweckmäßig ist, als Wähler und Steuerzahler der Hauptstadt Prag gemäß dem Gemeindestatut und dem Gesetze über die Organisation der Zent-lvertretung Nr. 116/1920 gegen diesen Beschluß die Berufung überreichen wird.(Entscheidung des Obersten Verwaltungsgerichtes, Bohuslav 9579/31.) Der amtierende Primatorstellvertreter Ferdinand Kellner ordnete auf Grund dieses Antrages des Stadtverordneten Dr. Schwelb sofort neue Erhebungen über den Sachverhalt an. Der Leiter des politischen Dienstes der Stadt Prag setzte sich im Auftrage des Primator-Stellvertreters Kellner noch im Laufe der Sitzung mit dem artig, doch ohne Brillanz, ja sogar fühlbar mit geminderter Stimmsubstanz. Die kleineren Aufgaben in guten Händen bei Göllnitz, Gutmann, Hey, Libal Fürth und dem sehr lustigen Sklaventerzett Klinger, Tretsch, Willander. Tadellos die Chöre, vom neuen überzeugend Szene und Bilder(Liebl, Pirchan). Nur daß die wilden Tiere schon beim ersten Taft der Flötenarie sofort und gleichzeitig zur Stelle sind, ist falsch und bringt den ganzen Einfall um seine rührend-komische Wirkung. L. G. Bon der Deutsche« Mustkakademie. linier dem Titel„Ein Abend heiterer Kunst" hatte die Prager Deutsche Mustkakademie^ die in letzter Zeit wieder schwer um ihre materielle Existenz kämpfe» hat, am Samskiig abcssv rat FestsamM Deutschen Hauses eine öffentliche Aufführung in Szene gesetzt, bg der ausschließlich musikalische und literarische Musterwerke heiteren und leichteren Stils zur Aufführung gelangten: die ,Lwölf deutschen Tänze" für Orchester von B e e t h o v e n, das„Dorfmusikantensextett",«in musikalischer Spaß für sechs Soloinstrumenie von Mozart, acht heitere Kanons für drei, vier und sechs Stimmen von Haydn, Mozart, Beethoven und W. Hübner und schliehlich N e st r'o y s einaktige Posse„Frühere Verhältnisse". Ausführende des Antragsteller Dr. Schwelb in Verbindung und legte ihm das Aktenmaterial, welches den Verhandlungen zugrunde lag, vor. Die Erhebungen sind naturgemäß noch nicht abgeschlossen. Von dem Ergebnisse der Erhebungen wird eS abhängen, ob der Vertreter unserer Partei aus dem Prager Rathause den angekündigten Schritt der Berufung gegen den Beschluß über die Vergebung der Lieferungen unternimmt. Das Recht zur Ueberreichung der Berufung beruht auf dem Gemeindestatut der Stadt Prag und auf dem Gesetze über die Zentralvertretung von Groß- Prag. Heber die Berufung entscheidet nach dem Gesetze das Beschwerdekollegium der Stadt Prag. Gegen die Entscheidung des Beschwcrdekollegiums ist ein weiterer Rechtszug an den Landesausschuß resp. die Landesbehörde zulässig. Gegen die Entscheidung der Landesinstanz kann das Oberste Verwaltungsgericht angerufen werden. Bon feiten der städtischen Organe wird versichert, daß ein Beschluß, wonach Deutsche und Juden von Lieferungen ausgeschlossen sein sollen, nicht besteht und daß auch die gegenständlichen Lieferungen nur nach sachlichen Grundsätzen vergeben worden sind. Daß ein ausdrücklicher Beschluß dieser Art nicht besteht, ist durch die Erklärung des PrimatorS Dr. B a x a im„Montag" klargestellt. Die Frage bleibt, ob auch die Behandlung richtig ist, daß derartige Erwägungen auch der konkreten Vergebung nicht zugrundegelegt wurden. Sollten die Erhebungen diese Behauptungen bestätigen, so wird die Ueberreichung der administrativen Rechtsmittel unterbleiben. ebenso gelungenen wie interessanten und stimmungsvollen Abends waren: Daz passioniert spielende Orchester der Akademie unter der etwas langweiligen Stabführung des ehemaligen Akademie-Absolventen und Kapellmeisters des Prager Deutschen Theaters Fritz Rieger, die Instrumentalisten Ernst Wohlrab und Franz Lob(Horn), Franz Berger und Walter W a tz k e Violine), Jos. Dienstbier(Bratsche) und I. Tomschitschek (Kontrabaß), die Sängerinnen Eichler, Feistner, Fiala, Freund, Hlawa, Hübner, Millauer, Pollak, Scharf, Schlegl, Smetana, Stepek, Brauberger und Wallerstein, sowie die Zöglinge der Schausprelabtei» ftmg Theo Grohmann, Margot Wallerstejn, A. G. Schreiber ünoKenKouschek. Tas witzige Bühnenbild zur Posse NestroyS hatte der Akademir-Schüler Fritz Neurath entworfen. Leider stand der klägliche Besuch der Veranstaltung in gar keinem Verhältnis zu ihrem guten und wichtigen Zweck. Die Otakar-Oströil-Gesellschast konstituierte sich am Sonntag in der Prager städtischen Zentralbücherei. Nach einer musikalischen Einleitung hielt der Präsident der Akademie für Wissenschaften und Küm'te Dr. Förster eine Gedenkrede für Otakar Ostrdil. lieber die Tätigkeit und Mission der Gesellschaft sprachen der Komponist Otakar Jeremiä» und A. I. Patzakovä. Professor Dr. Zdenkk Nejedliy, der Obmann der Gesellschaft, hielt zum Schluh des Festaktes einen Vortrag über das Werk Ostrdils. Zum Ehrenpräsidenten wurde schließlich Dr. I. D. Förster gewählt. An der Festsitzung nahmen außer den Mitgliedern der Familie Ostrdil Vertreter des Unterrichtsministeriums, des Rationaltheaters und künstlerische Korporationen teil. Wochenspielplan des Reuen Deutschen Theaters. Heut«, Dienstag, halb 8 Uhr: W o z z e k, A 2.— Mittwoch halb 8: M a r t h a, B 2.— Donnerstag halb 8: Der lächerliche Sir Anthony, CI.— Freitag halb 8: Macbeth, D 2.— Samstag halb 8:,S e r v u s, S e r v u sl Abonnement aufgehoben. Wochenspielplan der Kleinen Bühne. Heute, Dienstag 8 Uhr: Anna sagt nein.— Mittwoch 8: Annasagtnein, Bankbeamte II und freier Verkauf.—Donnerstag 8 Uhr: Woz- zek. Die Geschichte vom Soldaten. — Freitag 8: K i n d imKampf, Theatergemeinde des Kulturverbandes und fteier Verkauf.— Samstag 8 Uhr: Kameraden. Peremsnackricktea, Frei« Bereinigung sozialistischer Akademiker. Gruppenabend heute, 20 Uhr, im Parteiheim, Närodni tr. 4. Thema:' Die sozialistische Wehrpolitik. O Bolksstnggemeinde Prag: Dienstag, 17. Dezember, um 7 Uhr Probe des Frauenchores, um 8 Uhr Probe deS gemischten Chores. Da wir bei der Veranstaltung des Atus mitwirken, ist vollzähliges Erscheinen notwendig. Um halb 8 Uhr Ausschußsihung. ▲ Samstag, den 25. Jänner 1986, im Saale des„Hasikkh düm", Prag XU., Rimskä 45(Malä opereta) Masken, und Kostümball. Beginn 20 Uhr. „.... Eintritt 10 Kd inkl. Steuer. Karten r u im Bildungsverein deutscher Arbeiter und bei den Funktionären. ' Ai) unsere Abonnenten und Genossen! Wir werden wie im Vorjahre die Neujahrs-Enthebunsen in unserem Blatt veröffentlichen, wodurch den Genossen die mit den Neujahrsgratulationen verbundenen erheblichen Unkosten erspart bleiben. Die Enthebung kostet Kc 10*— und wird nach Orten geordnet, lediglich Namen und Beruf enthalten. Wir ersuchen alle Abonnenten die tieferstehende Enthebungsbestellung freundlichst auszufüllen und umgehend an uns einzusenden. Die Bestellungen müssen bis spätestens 18. Dezember bei uns einlangen. DI« Verwaltung. ■' ii i■■■■■■■■ LmerUeh niffillei!—■—■■■■■— Neujahrs-Enthebung für„Sozialdemokrat** Ich bestelle hiemit unter dem Namen:— Beruf: Ort:—--- eine Neujahrsenthebung zum Betrage von Kö 10.— und sende ihnen diesen Betrag per Erlagschein ein. Unterschrift: Die Union der GeschüftSreisenden und Vertreter veranstaltet am 18., 19. und 20. Dezember o. I. im Technologischen Museum, Prag H., Lützowova 25, Fachvorträge über Textilmaterialien, Spinnerei und Weberei, und über das Veredelungsverfahren. Informationen erteilt das Sekretariat, Prag II., Ra Zborenci 18. SDP-Emigranten: Fortsetzung der Versammlung Donnerstag, den 12. Dezember, um 19 Uhr im Steiner-Saal, Hyberna ul. 7. Sprt- äpiek■ Aörperpjiege Sokol— ohne Entscheidung Die für die Beteiligung des SokolS an der Hitler-Llympiade entscheidend sein sollende Sitzung hat stattgefunde«. Sir ist, um eS gleich vorweg zu sagen, nicht mit jener eindeutigen Entscheidung abgeschlossen worden, wie in demokratischen und fortschrittlichen Kreisen erwartet wurde. Ter Borstand der Sokolgemeind« wurde nämlich beauftragt, in den Vorbereitungen zur Olympiade fortzufahren und es einem engeren Borstand zu überlassen, welcher zu bestimmen hat, ob neben der zu entsendenden Musterirge auch noch eine Massenexpedition erfolgen soll. O Nach den klaren Entscheidungen der Sokolinnen und der Erzieher mutet dieses„Handeln" um ein offenes Nein oder Ja sehr befremdend an. Spartas erste Niederlage Sonntag gelangten drei Ligaspiele zum Austrag, von denen jenes der Sparta in Protznitz mit deren Niederlage, der ersten, endete. Neben diesem Punkteberlust haben die Prager auch noch ihren Sturmführer Brain« auf der Verlustliste, der sich bei einem Sturz eine Hand brach. Alle Spielplätze waren mit hartgefrorenem Schnee bedeckt und glatt, so daß es schließlich ein Wunder ist, daß nicht mehr Unfälle zu verzeichnen waren. In Prag teilten sich der DFC und Kladno die Punkte und die Brünner Slavia unterlag ihrer Prager Namensschwester durch ein— Eigentor. Die Spitzenführung ist damit in der Liga ausgeglichen: Sparta und Slavia haben die gleiche Punktezahl bei fast gleichem Skore. Am Ende bleiben aber weiterhin Teplitz und DFC. Die Entscheidung um den Herbstmeister fällt in den beiden Nachtragsspielen am kommenden Sonnteq. Der Prager DFC konnte diesmal in dem Wiederholungsspiel mit S K Kladno, das bekanntlich seinerzeit durch den Unfall Cejnars nicht beendet wurde, ein wohl günstigeres, aber doch nicht befriedigendes Ergebnis erzielen. Der DFC wies eine Feldüberlegenheit auf, doch der Angriff war,, wie in den vorhergegangenen Spielen, vor dem Tore zu wenig energisch ünd schoß noch dazu schlecht. Die Kladnoer kämpften wie gewohnt, waren aber durch die Bodenverhältnisse mehr behindert als der DFC,. Di« Gäste führten bis zur 70. Minute 2:1 und erst dann gelang es. dem PFC nach langer Ueberlegen- heit bei einem Gedränge vor dem Kladnoer Tore den Ausgleich zu erzielen. 2:2 lautete das Endergebnis und zu mehr war kein Team auch nicht fähig; der DFC schon wegen der Schutzunsicherheit seiner Stürmer und bei Kladno genügten di« Kraftanstrengungen allein ebenfalls nicht. Mit dem Schiedsrichter Bizik konnte niemand einverstanden sein. In B r ü n n trafen die Prager Slavia und Mor. Slavia aufeinander. Man rechnete mit einem leichten Erfolg der Prager und doch: nur ein Eigentor der Brünner in der ersten Halbzeit verhalf ihnen zum Gewinn der beiden Punkte. Slavias Angriff zeigte eine schwache Leistung und nur dem Umstand, daß die Brünner ebenfalls Versager aufwiesen, ist es zu danken, daß der Ausgleich nicht zu- standekam. Die Proßnitzer hatten einen großen Tag. Rach der letzten hohen Niederlage in Prag vollbrack- ten sie das Kunststück, die Prager Sparta mit 1:0(1:0) zu schlagen. Die mittelböhmische Diviston beendete am Sonntag ihre Herbstrunde. Bohemians schlugen Rapid Weinberge 4:1(3:0) und Cechie Karlin gewann gegen Sparta KoZir 4:0(2:0).— Viktoria Zijkov führt mit 24 Punkten vor BohemianS mit 19 Punkten. Am Schluß stehen CAFC und Viktoria Nufle mit sechs bzw. drei Punkten. Der Saazer TSB hatte es für notwendig befunden, am Sonntag einen Ausflug ins Dritte Reich zu machen. Er holte sich dort keine Lorbeeren, denn der Dresdener SC kloppte ihn 3:0. Sonstige Fußballergebnisse. N a ch o d: SK gegen SK Königinhof 11:1.— Komotau: DFK gegen städtisches Auswahlteam 8:4(0:3).-- Karlsbad: Sparta gegen Slavia 3:1(3:0) abgebrochen.— Budapest: Ujpest gegen PhöbuS 2:2 (1:2), Ferencvaros gegen 3. Bez. 5:1, Hungaria gegen Törökves 1:0.— Wien: Fav. AC gegen Burgenland 5:0, Sportklub gegen Libertas 5:4, WAC gegen Simmering 2:2, Vienna gegen Helfort 3:0, Rapid gegen Schwechat 5:3. Der Schwimm-Länderkampf Tschechoslowakeis- Oesterreich in W i e n endete mit 64:39 Punkten für die Oesterreicher. Im Wasserball verlor die Tsche- choflowakei 7:4(4:1). Erbert(Tsch.) verbesserte über 200 Meter Brust mit 2:51.8 Min. den tsche- choslowaftschen Rekord.. Eishockey. In Prag spielten Samstag^und Sonntag di« derzeit sehr schwachen Oxforder Studenten und wurden von Rapid 11:1 und von LTC 16:0geschlagen.—Budapest: FrancaiS Volants gegen BKE 5:3.— Paris: Stade Francais gegen Wembley Canadians 3:0.— London: Richmond Hawks gegen Wembley LionS 3:1. Verlanget überall Volkszünder Bezugsbedingungen: Bei Zustellung ins HauS oder bet Bezug durch die Poft monatlich Kd 16.—. vierteljährig Kd 48.—. halbjährig Kd 96.—, ganzjährig Kd 192.—.— Jnlerake werden laut Tarif billigst berechnet. Bei öfteren Einschaltungen Preisnachlaß— Rückstellung von Manuskripten erfolgt nur bei Einsendung der Retourmarken.— Die ZeitungSftankatur wurde von der Post« und Tele- graphendirektion mit Erlah Nr. 13,800/V11/1930 bewilligt.— Druckerei:„Orbis". Druck». Verlags- und Zeitunas-A.-G.. Prag.