Einzelpreis 70 Meller («ln>chli«6lkh i Haller Porto) IENTRALORGAN DER DEUTSCHEN SOZIALDEMOKRATISCHEN ARBEITERPARTEI IN DER TSCHECHOSLOWAKISCHEN REPUBLIK ERSCHEINT MIT AUSNAHME DES MONTAG TÄGLICH FRÜH. Redaktion und Verwaltung PRAG xiupochova«r. Telefon SMP. HERAUSGEBER. SIEGFRIED TAUB. VERANTWORTLICHER REDAKTEUR- DR. EMIL STRAUSS, PRAG. 15. Jahrgang Mittwoch, 18. Dezember 1935 Nr. 294 Offizielle Verlautbarung um Mitternacht: Kandidatur Nemec’ zurückgezogen Dr. Benes nunmehr ohne ernsten Gegenkandidaten Prag. Dar Vortag der Präsidentenwahl brachte die entscheidenden Beratungen der politischen Parteien, denen, soweit sich einzelne Parteien nicht schon längst offen für den Kandidaten T. G. MasarykS, für den Außenminister Dr. BeneS ausgesprochen hatten» naturgemäß eine außerordentliche Bedeutung zukam. Dementsprechend verlief auch der Tag in hochdramatischer Spannung. Am Abend brach sich dann langsam die Auffassung Bahn, daß der klare Wille des ersten Präsidenten und Gründers der Republik doch nicht bloß als Meinung eine-„Privatmannes" angesehen werden wird, wie am Sonntag ein Blatt schrieb» sondern ihre Wirkung auf die Oeffentlichkeit nicht verfehlen wird. Diese Auffassung wurde fast schon zur frohen Gewißheit, alS am spaten Abend bekannt wurde, daß innerhalb der Koalition noch in letzter Minute neue Verhandlungen im Gange seien, um doch noch eine einheitliche Kandidatur sicherzustellen, die nach allem nur die des Dr. Benes hätte sein können. Die Beratungen, über die Einzelheiten fehlen, müssen einen glatten Berlanf genommen Haden. Jedenfalls wurde den Blättern schon um Mitternacht folgende Meldung zur Berfügung gestellt:. „Das Tschechoslowakische Preßbüro teilt de« Blätter« auf Grund einer Mitteilung von verantwortlicher Stelle der republikanische« Partei folgendes mitr Professor D. R i m e e, der Obmann des Tschechoslowakischen Nationalrates, der von de» politischen Parteien zur Kandidatur auf das Amt des Präsidenten der Republik aufgeforderr wurde, hatte die Bedingung gestellt, daß er diese Kandidatur aufrechterhatten werde, wen« er der Kandidat der Mehrheit der tschechoslowakische« politischen Parteien sein werde.Das unentschiedene Verhallen einer politische« Partei veranlaßte Prof. B. Nemec, die verbleibenden polttischen Parteien zu ersuchen, von feiner Kandidatur abzusehen und die nationale und staatliche Einhett nicht abzuschwächen." Das bedeutet nichts anderes, als daß Dr. Benes am Mittwoch vormittags keine« ernsthafte« Gegenkandidaten mehr haben kann und somit seine Wahl allem Ermessen nach nicht mehr als zweifelhaft angesehen werde« kann. Diese Tatsache wird sicherlich weit über die Streife seiner Parteien hinaus, die von allem Anfang an für diese Lösung ringetrete« sind» mit restloser Genugtuung ausgenommen werden. Bald am Vormittag wurde das Kommuniquee der Agrarpartei bekannt, wornach der Beschluß der Kandidatur des Prof. Nemec einstimmig durch die zuständigen Organe der Agrar- parter zustande gekommen sei und daß alle anderen Nachrichten jeder Grundlage entbehren. Dazu kamen verschiedene Gerüchte, daß auch die tz l i n k a p a r t e i sich zur Gänze ins Lager des Prof. Nemec geschlagen habe. Am Nachmittag wurde dieses Gerücht jedoch wieder in Abrede gestellt. In der Fülle der vielen Gerüchte und Vermutungen, die über den Ausgang der entscheidenden Parteienberatungen am späten Nachmittag kolportiert wurden, bot den einzigen festen Rückhalt dje Feststellung, daß im Lager jener Parteien, die sich bereits offen für Dr. Benes ausgesprochen hatten, eine absolute Einheitlichkeit der Auffassung bestand und gar nicht erst viel debattiert, wurde, ob außer Dr. Benes noch jemand anderer in Frage komme, während im anderen Lager innerhalb jener Parteien, die schon voreilig mit ihrem ganzen Besitzstand an Mandaten auf das Konto des „überparteilichen". Kandidaten Prof. Nemec gebucht worden waren, im Laufe der Beratungen ziemlich tiefgehende Meinungsverschiedenheiten zum Ausdruck kamen, deren Bestehen allein schon für die Kandidatur des Dr. Benes sich nur günstig auswirken konnten; da es sich ja nur darum handeln konnte, daß gewisse Gruppen innerhalb dieser Parteien gegen den Wahlzwang fürNtmec und für Wahlfreiheit für Benes einllaten. Daß im agrarischen Lager keineswegs volle Einmütigkeit herrschen kann, ging bald daraus hervor, daß der„Slovenskh Dentk", das Blatt der slowakischen Agrarier, das auch dem Ministerpräsidenten" selbst näher stehen dürfte als dar zumeist unter anderem Einfluß stehend« Zentralorgan dieser Partei, beide Kandidaten, Prof. Nkmec sowohl wie auch Dr. Benes, objektiv würdigte und ausdrücklich feststellte, daß die Empfehlung MasarykS, den Minister' BeneS zu wählen, auf die einzelnen Gruppen nicht ohne Einfluß bleiben werde. Nachdrücklich wird in dem Artikel betcnt, daß die Meinung MasarykS, wenn auch privat ausgesprochen, niemals die Meinung eine- x-beliebigen Privatmannes sein könne und für die Slowakei Masa- ryks Autorität auch nach seiner Abdankung keineswegs gesunken sei. Dort wisse man mehr a l S anderswo, was die Autorität des Präsidenten für die staatliche Tradition bedeute. Es könne daher MasarykS Ansicht Wer seinen Nachfolger auch dann, wenn es sich um eine Prwatmeinung handle, nicht außer Kalkül gelassen werden. Auf diesen Artikel stützte sich im Laufe deS späten Nachmittags die Auffassung, daß der s l o- w a k i s ch e Flügel der Agrarier an der Kandidatur Dr. Benes festhalte. Später verlautete über die agrarischen Behauptungen noch gerüchtweise, daß sich auch die kleinbäuerlichen Elemente im agrarischen Lager dafür einsetzten, daß der Abstimmungszwang für Prof. Nemec aufgehoben werde.. Daß bei den tschechischen Agrariern damals noch die Entscheidung ausstand, ließ sich ro»hl indirekt aus dem Verhalten der deutschen Agrarier schließen, die gegen Abend ihre Entscheidung noch auf eine für Mittwoch früh vor der Wahl anberaumte Sitzung verschoben. Offenbar wollten sie die Beschlüsse der tschechischen Bruderpartei erst einmal abwarten. In den Abendstunden wurde mit ziemlicher Sicherheit behauptet, daß die tschechische Gewerbepartei ebenfalls nicht starr an der Kandidatur des Prof. Nkmec festhalten, sondern Abstimmungsfreiheit geben wolle, was sich ja ebenfalls nur für Dr. Benes auswirken könnte. Das Zentralorgan dieser Partei, der„Närodni Stieb", gibt daxüber allerdings keine Auskunft, sondern weist lediglich darauf hin, daß nach den Wahlen— wer immer gewählt werde— alle verpflichtet seien, ihn als die Verkörperung der Staatshoheit und als sichtbare Autorität in her Demokratie anzuettennen. Von einem klaren Beschluß, für Nemec einzutreten, ist nirgends auch- nur eine Andeutung zu sehen, Aehnliche Meldungen wollten weiters wissen, daß sich auch in der slowakischen Volkspartei HlinkaS starke Tendenzen zeigen, für die Wahl Dr. BenesS zu stimmen.,. Bon den sonstigen Parteien darf angenommen werden, daß die d e u t s ch e n C h r i st- lich sozialen, obwohl sie ihren Standpunkt gleichfalls noch nicht offiziell publiziert haben, trotz gewissen Beeinfluffungsversuchen im Laufe des Tages für Dr. Benes votieren werden. Die Henleinleute, die sich schon sicher als das Zünglein an der Waage fühlten, waren durch diese Entwicklung der Dinge augenscheinlich betroffen. Jedenfalls saßen sie noch am späten Abend beisammen, ohne daß über ihre Haltung ein Beschluß bekannt geworden wäre. Der„Venkov“ lenkt ein Einen nicht zu unterschätzenden Wertmesser für die Stimmung in den agrarischen Kreisen gibt auch der„Benko v" vom Mittwoch. Mit keinem Wort wird— sehr im Gegensatz zur Sonntagsnummer desselben Blattes— für oder gegen einen der beiden Kandidaten Stellung genommen, sondern lediglich Svehlas Weitblick betont, der sich seinerzeit gegen die Wahl des Präsidenten durch das Volk mit der Begründung ausgesprochen hat, daß kaum ein Präsident aus dem erbitterten Wahlkampf mit unerschütterter Autorität hervorgehen könnte. Der jetzige kurze Wahlkampf zwischen den Parteien sei im ganzen im Rahmen riner wenn auch scharfen K r i t i kge- führt worben, was der»Venkov" Mit Genug- rung zur Kenntnis nimmt. Den Wahlkämpf nicht auöarten zu lassen, sei von Anbeginn das Bestreben der republikanischen Partei gewesen. Nach den Wahlen lasse sich nichts anderes machen, als von neuem zusammenzuarbeiten; der Staat habe dies dringend nöfig. »Wer immer auch gewählt wird", schließt das Blatt,„die Autorität des Staates erfordert eS, daß alle bedingungslos, ob sie nun pro oder kontra waren, die Auwrität des Staatsoberhauptes respektieren. Ueber den Parteien steht der Staat. Hier gibt eS keine Debatten. Hier gilt es, wirklichen, wahrhaften Patriotismus zu zeigen." Dank an Masaryk Der Zentralvollzugsausschuß der tschecho- slowakischen sozialdemokratischen Arbeiterpartei hielt am Dienstag eine Sitzung ab, in der Genosse Bechynii einen ausführlichen Bericht über die Abdikation Th. G. Masaryks und ihre Bor- gcschichte sowie über die Vorbereitungen zur Neuwahl des Präsidenten Bericht erstattete. Wir danken Th. G. Masaryk, sagte Bechyne, für sein gesamtes Lebenswerk. Wir danken ihm für unsere nationale Freiheit und staatliche Selbständigkeit. Wir danken ihm für alle Hilfe, die er als Professor der Arbeiterbewegung geleistet hat, sowie dafür, daß er diesen seinen Ansichten auch als Präsident der Republik treu geblieben ist. Wir schließen uns in diesem Augenblick dem Satz an, den Ministerpräsident Hodsa öffentlich ausgesprochen hat: T. G. Masaryk ist unser ober st es Gesetz. Die Sitzung beschloß dann einmütig, an Masaryk eine Dankkundgebung zu schicken, in der es u. a. heißt: Die Arbeiterschaft ist Ihnen unaussprechlich dankbar für Ihr Werk«nd für alleS, waS Sie für ihre Bildung, ihre Freiheit«nd ihren sozialen Fortschritt getan haben. Es wird nur ein Glück für Ration und Staat sein, wenn an die verwaiste Stelle die von Ihnen empfohlene Persönlichkeit tritt» welche die von Ihnen begründete Tradition zum Wohle der Republik«nd allen Volkes verbürgt. Der Vorsitzende H a m p l gab dann eine ausführliche Information über die letzten innerpolitischen Ereignisse, worauf der Zentralvollzugsausschuß ohne Debatte und einmütig beschloß, dem Klub der Abgeordneten und Senatoren der Partei die Wahl des Dr. Eduard Benes zum Präsidenten der Republik zu empfehlen. Amt und Persönlichkeit Zur Wahl des Staatsoberhauptes i Der Parteivorstand der Deutschen sozialdemokratischen Arbeiterpartei trat Dienstag, den 17. Dezember» nachmittags, gemeinsam mit der parlamentarischen Fraktion der Partei zu einer Sitzung zusammen. Der Vorsitzende» Genosse Dr. C z r«b» würdigte einleitend unter allgemeinem Beifall der Versammelten die große Persönlichkeit des zurückgetretenm Präsidenten und gab sodann einen Bericht über die in den letzten Tage« geführten politischen Verhandlungen. Der Parteivorstand beschloß einstimmig, die parlamentarische Bertretnng zu beauftragen, bei der Wahl deS Präsidenten der Republik ihre Stimme für Dr. Benes abzugeben. In Demokratien, die das Oberhaupt d.S Gemeinwesens durch Wahl bestimmen, treten einander seit je zwei Tendenzen gegenüber: das Streben, dem Staat eine weithin sichtbare Persönlichkeit großen Formats zum Führer zu geben, kreuzt sich mit der Fur.cht vor dem starken Willen und dem überragenden Geist des bedeutenden Mannes, der leicht die Alleinherrschast anstreben könnte. Die griechischen Deinolratien haben bedeutenden Persönlichkeiten ost den Weg zur Führung freigegeben, aber sie haben ebenso ost den Ausstieg großer Männer durch das Scherbengericht jäh in einen tiefen Fall verwandelt. Die Römer suchten der Tendenz zur Monarchie durch die kurze Amtsdauer des Konsulats und durch die Kollegialitäte des Amtes zu steuern. Sie konnten damit den Untergang der Republik nicht aufhalten, die fiel, als sie fallen mußte, als die Zeit reif war für eine neue Lebensform. Das große Musterland der modernen bürgerlichen Demokratie, die Vereinigten S t a a t e n, hat die Angst vor dem großen Mann an der Spitze nicht empfunden. Amerika war seit Washington und ist bis heute ein» Präsidentschaftsrepublik, in der dem Staatsoberhaupt, das zugleich Chef der Bundesregierung ist, sehr umfangreiche Rechte zustehen. Freilich ist der Präsident nicht nur an das Repräsentantenhaus, sondern auch an den Senat, die sehr mächtige Kammer der Staatenvertretung, gebunden. Der Amerikaner weiß aber bis heute die große Persönlichkeit an der Spitze des Reiches zu schätzen und die Wähler sind mit einem gewissen Instinkt nach Intervallen farbloser Präsidentschaften doch immer wieder zu wagemutigen Männern bedeutenden Formats übergegangen. Jefferson Monroe, Lincoln, Grant, Äeveland, Theodor Roosevelt,- Wilson, Franklin Roosevelt cheben sich aus der Reihe der weniger stark profilierten Männer im Weißen Hause heraus. Dagegen hat die. Dritte Republik in Frankreich, nicht zuletzt wohl auf Grund der bonapar» tistischen Erfahrungen der ersten und zweiten Republik, nicht nur die Rechte des Präsidenten eingeschränkt,. sondern auch in der Praxis dem Grundsatz gehuldigt keine starken Männer an die Spitze des Staates zu stellen. Ins Palais Elyste zogen darum sehr oft Männer recht verwaschener Gesinnung, wenig klangvollen Namens ein und ihre größeren Gegenkandidaten unterlagen wie Clemenceau und Briand. Seite 2 Mittwoch, 18. Dezember 1935 -kr. 294 Daß aber auch ein so wenig glanzvolles Amt wie das eines Präsidenten der Französischen Republik Bedeutung erlangen kann, erwies sich in verhängnisvoller Weise 1913, als durch eine taktische Ünklugheit der grundsatzstarren Linken Poincäre statt des friedlich gesinnten P ams gewählt wurde. Poincäre hat nichts versäumt, um seine Präsidentschaft mit der blutigen Gloriole des Krieges zu zieren. Mer welche Macht immer man dem Präsidenten einräumte, ob man sich bei seiner Wahl an die st a r k e n Männer oder an reine Repräsentationsfiguren hielt»immer hat es sich als nötig und richtig erwiesen- ein politisches Amt einem politisch erfahrene.. Menschen anzuvertrauen. Die Deutsche Republik, die von diesem Brauch 1925 abwich, weil die Nation sich für den plebiszitären Gedanken der Weimarer Verfassung nicht reif erwies, hat den Fehltritt mit ihrer Existenz bezahlt. Der Präsident eines Staates kann kein bloßer Außenseiter der Politik sein, wenn er nicht zur Puppe in den Händen einer Kainarilla werden will. Er muß politische Erfahrung, ein volitisches Urteil, er muß unter Umständen das Geschick zur Lösung verworrener politischer Verhältnisse besitzen. Die Tschechoslowakei war 1918 in der glücklichen Lage, in Präsidenten M a s a r y k e in e Persönlichkeit zu besitzen, die wie keine zweite geeignet war, als Staatsoberhaupt einesdemokratischen Staates zu fungieren. Die dreimalige Wiederwahl bestätigte die Einsicht der Nation, für die Masarhk der Präsident schlechthin war. In ihm vereinigte sich die sittlich und geistig große Persönlichkeit mit dem politisch erfahrenen staatsklugen Manne, er war gleichermaßen R e p r ä s en tant der Ngtion, den die ganze Welt kannte, wie er der Nation wiederum di? Kenntnis der Welt, der großen Nachbarvölker und ihrer Kulturen vermitteln konnte. So gab es, solange Masaryk bereit war, an der Spitze des Staates zu verbleiben» keine Präsidentenfrage. Präsident Masaryk hat, als er sein Amt in die Hände des Ministerpräsidenten zurücklegte, seinen Schüler und Mitkämpfer Dr. B e* ne» als seinen Nachfolger empfoh- l e n. Auch diese Empfehlung, so unvorstellbar sie in. einer Republik wie Frankreich wäre, wirkt in unseren Berhältttiflen und aus dem Munde des Präsidenten-Befreiers als organischer Abschluß seiner großen Laufbahn. Das Volk hätte es nicht verstanden, wenn der zurücktretende Präsident La alle Kolporteure und Abonnenten! Anläßlich der Weihnachtsfeiertage wird unser Blatt früher gedruckt, so daß die Nummer vom Mittwoch, de« 25. Dezember, bereits um acht Ahr früh in allen Orten ist. Die Donnerstagnummer vom 26. Dezember und die Freitagausgabe vom 27. Dezember entfältt, so daß die nächste Ausgabe erst am Samstag, dem 28. Dezember erscheint. über dies« Schicksalsfrage geschwiegen hätte. Ein Mann von der unbestrsttenen Autorität Masaryks mußte sprechen, sein Schweigen wäre die Verweigerung eines Rates gewesen, auf den das Volk ein Recht zu haben meinte. In der Empfehlung Dr. Benes' aber trifft sich wieder in einzigartiger Weise das Urteil des Befreiers der Nation mit dem aller Kreise, die an der Tradition festhalten wollen, die mit der Präsidentschaft Masaryks begann. So kurz der Zeitraum von 17 Jahren für die Geschichte von Staaten und Völkern scheint, so unverwischbar haben diese 17 Jahre der Präsidentschaft Masaryks sich in die Geschichte, nicht nur unseres Staates, sondern des Kontinents, ja des Erdballs selbst, eingegraben. Sie haben auch für das Präsidentschaftsamt eine Tradition begründet, mit der man nicht ohne Gefahr für die ruhige und friedliche'Entwicklung des Staates brechen dürste. Diese Tradition fordert, daß an die Spitze der Republik ein Mann trete, der als Persönlichkeit das Durchschnittsmaß überschreitet, der die Welt als Repräsentanten der tschechoslowakischen Nation und der Masarykschen Staatsidee kennt, ein Mann, der g e i st i g und sittlich das Format eines wirklichen Führers hat. Diese Tradition fordert aber auch, daß dieser Mann ein P o l i t i k e r fei in jenem höchsten Sinne, daß er um den Stoff und ym die Form geschichtlichenWirkenSBescheid weiß. Wenn in einem zweiten Manne des tschechoslowa- kischen Volkes nach Masaryk diese Bedingungen vereinigt sind, so ist eS Dr. Edva rdBenes. Auch er kommt, wie Masaryk, von der Wissenschaft und hat als Wissenschaftler einen Namen. Auch er gehört schon heute wie Masaryk der Welt, die ihn schätzt und an der er gebaut hat als einer der hervorragendsten Gestalter der letzten Jahrzehnte. Auch er steht durch seine Taten und durch seinen umfassenden Geist, durch seine noble Haltung in allen Auseinandersetzungen innerstaatlicher oder europäischer Natur über den Parteien, ist ein wahrer Staatsmann und ein wahrer Volkskandidat. Aber auch er hat sich diesen Ruf nicht erworben, indem er abseits der Politik und des pulsierenden Lebens stand, sondern als tätiger Politike r, als ein Mann, der in der politischen Sphäre gleichermaßen daheim ist wie im Reiche des Gelehrten. Wir haben als D e m o k r a t e n, wir haben als Angehörige der deutschen Minderheit jm Staate, wir haben als S o z i a l i st e n und Europäer viele Gründe, für Dr. Benes zu stimmen. Aber auch wenn wir diese Gründe schweigen ließen und uns nur fragten, wer unter allen, die das Amt des Präsidenten überhaupt ausfüllen können, ist vor allen berufen, auch wenn wir nur gestagt hätten, wer im Sinn der von Masaryk geschaffenen Tradition erwählt werden muß, von der Prager Burg aus den Staat zu führen, so hätten wir Dr. Benes nennen müssen. Die Empfehlung Masaryks schließt diesen Kreis. Für andere Staaten mögen andere Bedingungen der Auswahl gelten, in anderen Verhältnissen mag man die Wahl haben zwischen stärkeren und schwächeren Persönlichkeiten, Führern und bloßen Repräsentanten, Politikern und Außenseitern der Politik. Wo Masaryk wirst«, kann weder ein reiner Parteimann, noch ein unpolitischer Outsider, weder ein Schatten, noch ein bloßer Namen zur Nachfolge berufen sein. Hier kann nur gewählt werden, cher durch Tradition, Persönlichkeit und durch den Willen des Volkes längst zur Nachfolge berufen war. Und das scheint nicht nur uns, sondern wohl der Mehrheit der Verantwortlichen Dr. EhvardBeneSzu sein! Der Wladislaw-Saal, in dem heute der feierliche Akt der PrBsidenten-Wahi stattfindet Die Anordnung des Wladistaw-Saales ist an und für sich dieselbe, wie bei der Wahl im Jahre 1934. An der östlichen Seitenwand erhebt sich die Tribüne ÄeS Präsidiums, wo die beiden Vorsitzenden der Nationalversammlung und etwas tiefer die Vorsitzenden-Stellvertreter der beiden Kammern sitzen. Unterhalb der Vorsitzenden-Tribüne steht ein Tisch mit einem Pult, der für die Ablegung des Gelöbnisses des neugewählten Präsidenten der Republik bestimmt ist. Vor dem Präsidium steht«ine Reihe Sessel für die Mitglieder der Regierung. Dahinter sind die Sitze für die Mitglieder der Nationalversammlung angeordnet. Der rückwärtige erhöhte Teil des Wladistaw- Saales ist für das Publikum Vorbehalten. Die ersten Sitzreihen sind für die Familie des Präsi, deuten der Republik, für das diplomatische Korps und sonstige hervorragende Gäste bestimmt. 192 Sitze find für die Journalisten reserviert, der Reit für das breitere Publikum. Auf der Galerie gibt eS im ganzen 750 Sitzplätze und 66 Stehplätze. Der Saal ist einfach, aber festlich ausgestattet, wobei namentlich die Beleuchtung besonders wirksam sst, die zum Teil an den Fenstern des Saales befestigt ist. Da? Licht wird indirekt nach oben auf das prachtvolle Gewölbe des Saales geworfen. Ueber die Nebenräumlichkeiten wurden fast durchwegs andere Dispositionen als bei der letzten Präsidentenwahl getroffen. Es fällt vor allem auf, daß nicht weniger als d r e i große Räume, und zwar die sogenannten Appellationen und die ehemalige böhmische Hofkanzlei, wenigstens notdürftig dazu ausgestattet find, eventuell auch noch zwischen den einzelnen Wahlgängen als Beratungszimmer der Parlamentspräsipien oder auch einzelner Klubs zu dienen. Bei der letzten Wahl wäre dies vollkommen überflüffig gewesen, da ja Masaryks Wahl ganz eindeutig feststand. Heute muß man damit rechnen, daß zwischen den einzelnen Wahlgängen eben» well längere BeratungSpausen sein werden. - Als Rezepttonssaal für das neue Staatsoberhaupt ist ein Keiner Raum auf der rechten Seite der sogenannten Reiterstiege vorgesehen. Jm ehemaligen Siändesaal, in welchem bei der letzten Wahl Masaryk begrüßt wurde, steht digsmal ein langer Tisch, auf dem das Dokument über den Wahlatt unterzeichnet werden wird. Große technische Schwierigkeiten verursachte die Installierung der Heizung, die in kaum mehr als vierzehn Tagen durchgefnhrt werden mußte. Die Heizanlage befindet sich auf dem Gang im dritten Stockwerk des anschließenden theresianischen Traktes und ist zum überwiegenden Teil schon definitiv ausgeführt. Sie erfolgt durch elektrisch vorgewärmte Lust, welche gefiltert, gereinigt, auf den entsprechenden Feuchtigkeitsgehalt gebracht und dann durch elektrische Heizkörper auf die entsprechende Temperatur erwärmt wird. Diese Anlage hat eine Kapazität von nicht weniger als 700 Kilowatt. Jm Sommer ist es auch möglich/ die Luft im Bedarfsfall abzukühlen. Die warme Lust wird durch Betonröhren, die auf dem Dachboden des WladiflawsaaleS in das Gebälk frei aufgehängt werden mußten, da man das herrliche Gewölbe des Saales nicht weiter belasten durfte, zu sechs großen Oeffnungen zu beiden Seiten des Saales geleitet, die unauffällig über den Fenstern angebracht sind; ein Teil des heißen Luftstroms wird zur sogenannten Reiterstieze geleitet. Die Lustzir- kulatton besorgen drei große Ventilatoren, di« pro Stunde 83.000 Kubikmeter heiße Lust in den Saat- treiben können. Die Anordnung der Tribünen im Saal mit der Front gegen die Schmalseiten ist lediglich provisorisch. Bei der definitiven Adaption des Saales für die kommenden Präsidentenwahlen soll die Tribüne an der nördlichen Läng-Wand des Saales angebracht und die Tribünen an die beiden Seitenwände verlegt werden. veklsssuns alter öffentlichen Gebäude Prag. Amtlich wird verlautbart: Anläßlich der Wahl des Präsidenten der Republik sind auf allen staatlichen Gebäuden im Bereiche der ganzen Republik Staatsflaggen und Fahnen am Mittwoch, dem 18. Dezember, von 8 Uhr bis 20 Uhr des gleichen Tages aufzuziehen. Roman von Karl Stym Copyright by Bugen Prager-Verlag, Bratislava „Auf Wiedersehen, mein Mädchen!“ Die alte Schiererin gibt mir für ihren Jungen warme Woll* socken mit. Ihr Karl hat immer so kalte Füße. Ein Knirps, kaum hüftehoch, reckt sein mageres Körperchen und sagt mit altweisem Gesicht, ich solle seinem Vater ausrichten, zu Hause sei ein„neues“ Brüderchen angekommen. Wir gehen einer nach dem andern in den Berg. Dabei kommt mir ein komischer Vergleich: Das Mundloch liegt am Ende eines sackgassenartigen Einschnittes. Links und rechts und vorne fallen steile Hügelhänge ein. Würde ein Mensch hier hereingesetzt, so könnte er sich nur auf eine Art vor seinen Verfolgern retten; durch den Berg! Auch wir sind Gehetzte. Wir gehen aber freiwillig in den Berg und bleiben so lange drinnen, bis es unser Feind aufgibt, uns zu hetzen und mit guter Absicht herausholt. Die Frauen und Kinder rufen nach: „Aushalten!— Wir warten!“ Unsere Schritte sind stark und voll Zuversicht. Ja, wir wollen! Für unsere Frauen, Mädchen und Kinder. Und der Welt wollen wir zeigen, daß wir keine Bagatelle sind, die man so mir nichts dir nichts zur Seite schieben kann. In hundert Metern vom Mundloch versperrt uns eine Barrikade den Weg. Übereinandergestapelte Wagen füllen die Strecke aus. Die Ulme sind davor um einen Meter weiter aus- einapdergetrieben. Für die Streikposten. Dieser Teil der Strecke ist geladen. Mit zehn fünfpptronigen Schüssen. Das ist für den äußersten Fall. Hoffentlich kommt es nicht dazu. Die erste Nebenstrecke ist eine„Blinde“ und dient jetzt als Streiklager. Es herrscht fröhliche Stimmung. Nichts deutet daraufhin, daß es sich hier um einen Kampf um Bestehen oder Nichtbestehen handelt. Einige spielen Karten, andere singen und wieder andere erzählen sich Witze. Dieses Bild wiederholt sich noch einige Male, bis wir am„Ort“ sind. Hell und ich zimmern das Oberflöz aus, weil keine Wagen da sind und die Förderung steht Lorett kommt heute nicht Wirklich, sein Schutzengel ist doch kein Schusterjunge, sonst hätte er ihm nicht soviel Weisheit in die abstehenden Ohren geflüstert Wäre er hier, so könnte er schließlich doch mal zu langsam sein mit dem Ausweichen. Um halb vor sechs gehen wir ins Westfeldstreiklager. Übermütige Ausgelassenheit empfängt uns. Böhling ist wieder einmal im richtigen Fahrwasser. Um den dicken Schädel hat er nach Stubenmädchenart ein rotblaues Taschentuch gebunden und ein gleiches um die Mitte. Er dreht sich zierlich wie ein ausrangierter Küchendragoner und kocht Tee. Dazu reißt er so fürchterlich derbe Witze, die jedem weniger Abgebrühten das Blut ins Gesicht jagen müßten. Für uns jedoch ist das eine übliche und angenehme Unterhaltung. Nachdem er mit dem Tee fertig ist, stellt er sich breitbeinig vor uns auf, als sei er, weiß Gott, was für ein Wohltäter. „Nur immer'ran, meine Herrschaften! Nur immer'ran! Hier wird das beste Gesöff gebraut! Nur'ran!— Für Kohlenbarone kostet es zwei Ohrfeigen, für Soldaten die Hälfte, für Kinder gar nichts und für Streikende das bloße Aussaufen! Nur immer'ran! Nur'ran!“ Der Tee wärmt bis in die Zehenspitzen hinab. So schlecht ist’s eigentlich gar nicht hier herinnen und urgemütlich! „Ich wünsche auch Kokosbusserln dazu“ meckert Uhu. „Bitte seeehr!“ Und schon hat er Böhlings Kehrseite vor der Nase. Ob Böhling an sein schwerfälliges Mädchen denkt, dem er ein Kind gemacht hat?— Ich glaube kaum. Aber es ist gut, daß er Witze macht. Im Lachen können wir vergessen, daß wir um eine sehr ernste Sache hier sind. Ich gehe schlafen, das heißt, ich hole mir ein Wagenbrett und lege mich darauf. Aus dem Schlafen wird lange nichts. Und als ich daran bin einzuschlafen, ist mir so kalt, daß ich gerne wieder aufstehe. Ich nehme aus meinem Bucksack die Wollsocken des Schierer Karl und gehe mit Hell auf Inspektion. Die Nachtschicht hat im Zigeunerwechsel ihr Lager. Die Strecke ist kreuzgezimmert und sieht aus wie ein gequetschtes Kirchenschiff. Die Lichter, an den Kappenmitten hängend, verstärken diesen Eindruck. Auch in den Gesichtern liegt eine dämmrige, büßerähnliche Bleichheit Die hier sind schon sechzehn volle Stunden in der Grube, ohne Schlaf und in nassen Kleidern. Dazu zieht es hier ganz niederträchtig. Man muß aber im Zug bleiben, um nicht zu allem auch noch Schädelbrummen zu kriegen. Am obersten Ende des kirchenähnlichen Lagers, gleichsam als ewiges Lieht, sitzt Dießler. Er ist wohlauf, das heißt, er ißt „Fast wie am Monte(Arnone! Nur hat’s dort auch am Fressen gehapert!“ Dabei sieht er liebevoll auf die säuberlich abgenagten Knochen eines halben Schweinskopfes. Es ist ein Bätsel, wo dieser Mensch hinfrißt. Er ist zwar sehr lang, dafür aber dürr wie ein englisches Windspiel. Schamback ist nicht da. Ich frage Dießler darnach. Der ist verlegen. „Er hat solange herumgeredet, bis es mir zuviel wurde!“ „Was hat er gesagt?" will Hell wissen. „Lauter Blödsinn!—Wir hätten mehr auf ihn hören sollen, dann brauchten wir jetzt nicht darmdörren. Du hättest die ganze Schuld, usw. Schließlich mußte ich ihn verhauen!“ „Schon lange?“ „Etwas vor euch!“ Hell flucht nicht sehr anständig und läuft gegen den „Nagele-Sehacstt“. Ich rufe laut: „Schierer Karl!“ um die Socken anzubringen. «Der schläft da!“ Rr. 294 Mittwoch, 18. TezemSer 1935 Seife 3 Schnellzug Nr. 12 del Brünn entgleist Lokomotivführer tot— 20 Reisende leicht verletzt Brünn. Der Schnellzug Nr. 12, der Brünn nm 20.14 Uhr verließ, entgleiste auf dem Einfahrtöwechfel der Stativ» Branovice. Die Lokomotive stürzte auf die rechte Seite. Ed entgleisten der Dienstwagen und drei Personenwagen. Der Lokomotivführer, der unter die Maschine kam, ist wahrscheinlich tot, die beiden Heizer konnten sich retten. Etwa 20 Passagiere erlitten Quetschungen leichterer Natur. Das Brünner Einfahrtsgeleise der Station Branovice ist verrammelt und auf etwa 18 Stunden unbefahrbar. Dir Schnellzüge werden auf einer Hilfsroute über Böhm.-Trübau— Prerau geführt werden, bei Personenzügrn wird das Umstrigen an Ort und Stelle erfolgen. Tie Rettungsarbriten leitet der technische Direktor Stellvertreter Jng. Kürka. Die Ursache des Unfalles wurde vorläufig noch nicht frstgestellt. Privat wird gemeldet, daß der betroffene Lokomotivführer Frantisck S t e j s k a l heißt und aus Prag ist. Labourlstischer Mißtrauensantrag gegen die Regierung London. In einer Sitzung der parlamen-' tarischen Vertreter der Arbeiterpartei hmrde beschlossen, Donnerstag im Unterhaus einen Mißtrauensantrag gegen die Regierung zu stellen. In dem betreffenden Resolutionsantrag wird angeführt werden: Die von der britischen Regierung als Grundlage für die Lösung des italienisch-abessinischen Konflikts vorgeschlagenen Bedingungen entlohnen den Angreifer auf Kosten des Opfers des Angriffes. Ein solches Vorgehen untergräbt die Kollektivsicherheit und steht mit dem von der Bevölkerung Großbritanniens kundgegebenen Willen sotvic auch mit dem Geist des Völkerbundpaktes iin Widerspruch, für dessen Verteidigung sich Großbritannien ausgesprochen hat. Das Unterhaus fordert deshalb, daß diese Bedingungen augenblicklich abgelehnt werden. Hamburg.(A. P.) Hier begann ein neuer Hochverratsprozeß gegen 270 Arbeiter wegen Arbeit gegeu das nationalsozialistische Regime. Danzig.(A. P.) Das hiesige Zentrumsorgan, die„Danziger Volkszeitung", wurde auf die Dauer von vier Monaten verboten. Rom.(A. P.) Italien hat im vergangenen Monat in Kanada 630.000 Kilo Nickel gekauft. Im ganzen vergangenen Jahre betrugen die Käufe dagegen nur 350.000 Kilo. Moskau,(A. P.) Am Nordufer des Baikalsees wurde ein ausgedehntes goldhaltiges Gebiet entdeckt. Btexiko. lÄ. P.) Der frühere President Cal- l e S ist unerwartet nach Mexiko zurückgekehrt. Athen. Ministerpräsident DemertziS, der Dienstag früh beim König war, erklärte nach seinem Besuch, daß König Georg der Auflösung der Kammer zugestimmt habe. Die Neuwahlen würden am 26. Jänner n. I. stattfinden. Die neue Kammer werde am 12. März erstmalig zusammen» treten. DaS Auflösungsdekret werde noch heute erscheinen. Kairo. Der Ministerrat hat ein neues Wahlgesetz beschlossen, durch das das allgemeine Wahlrecht eingeführt wird. fudetendeutscfier Zeitspieget Eine welthistorische Novität; Italien gibt einen Mißerfolg zu Rom.(Stefan!.) Im Heeresbericht Rr. 73 telegraphiert Marschall Badoglio: Beträchtliche gegnerische Kräfte, die auf 3000 Krieger geschätzt werden, haben unsere am Takazze- fluß verteilten Beobachtungsvorposten bei dem Flußübergang von Mai-Tinchet, 65 Kilometer südwestlich von Aksum, angegriffen. Unsere eritreischen Truppen haben sich nach hartnäckigem Widerstand auf dem Passe Tembrguina» 20 Kilometer nördlich von Mai- Tinchet, zurückgezogen. Zur gleichen Zeit hat cinr andere Gruppe abessinischer Krieger den Fluß überschritten, um mit einem Umgehungsmanöver in der Landschaft Schirr zu operieren, d«en Bevölkerung sich unterworfen hatte. Das gegnerische Manöver hat zu Kämpfen geführt,' die unter reger Teilnahme unserer Luftwaffe und Tankabteilungen zurzeit im Gange sind. Bei den ersten Ansammenstößen sind vier Offiziere und neun Soldaten der Heimatarmee gefallen und drei Ofsiziere verwundet worden. Die Berluste der Eingeborenentrupprn belaufen sich auf einige Dutzend Tote und Verwundete. Die Berluste des Feindes sind noch nicht festgestellt, aber beträchtlich. Wieder eine Mehrheit für Laval Paris. Die Regierung Laval erhielt Dienstag nachmittags in der Kammer eine Mehrheit von 304 gegen 252 Stimmen bei der Vertrauensfrage, die Laval gestellt hatte, wobei er gleichzeitig gefordert hatte, daß die Interpellationen über die Außenpolitik der Regierung auf den 27. Dezember vertagt werden. Lenk vor einer schweren Entscheidung Während in der französischen Kammer dic Linke dem Mussolini- Gehilfen Laval in gründlicher Debatte heftig zusetzte, konferierten in London nach der Sondersitzung des Kabinetts die Minister Baldwin, Eden, Chamber l a i n und Bansittart mit dem erkrankten Hoare in dessen Wohnung. Eden reiste noch am Nachmittag nach Genf ab, Laval begibt sich nachts dorthin. Die Situation in Genf ist ganz ungeklärt. Wenn auch, wie e8 jetzt den Anschein hat, Italien, übermütig geworden, seinerseits den Friedensvorschlag ablehnen sollte, so ist der Sanktionsbewegung jedenfalls der Elan genommen. Man wird sich nicht wundern dürfen, wenn gewisse Kreise, die auf weittragende Beränderungen in der europäischen Politik'ausgehen, schon in den nächstenTa- g e n die Genfer Mächte vor schwierige Fragen oder fertige Tatsachen stellen werden. Die Bahn für jegliches Abenteuer ist nach dem Brrrat Lavals und Hoares an der Idee des Bundes frei. kür wirksame Sanktionen Paris. DienStag trat in Paris der gemeinsame Ausschuß der Sozialistischen Arbeiter- Internationale und der Gewerkschafts-Internationale, der sogenannte Antikriegsausschuß, zusammen. Er beschloß, eine Proklamation zu erlassen, in welcher der Bölkerbund und alle seine Mitglieder aufgrfordert werden, in dem für den Völkerbundpakt und für den Weltfrieden entscheidenden Augenblicke unerschütterlich auf der Anwendung wirksamer Sanktionen gegen Italien, das öffentlich als Angreifer bezeichnet wurde, zu beharren. Reichsdeutsches Fabrikat: Höllenmaschine bei Saaz Nachspiel zum Brüxer Spionageprozeß Die Frau eines Spionageverräters verwundet Wie wir seinerzeit berichteten, wurde am 20. Novemver dieses Jahres vor dem Brüxer Kreisgericht die erste Gruppe der wegen Spionage zugunsten des Dritten Reiches angeklagten Personen verurteilt. Von zwölf Angeklagten wurden neun schuldig erkannt und zu Strafen bis zu fünfzehn Jahren schweren Kerkers verurteilt. Die Sicherheitsorgane waren auf die Spur dieser Gruppe von Spionen durch die Angaben eines früheren Angehörigen dieser Organisation gelenkt worden. Dieser, der 39jährige beschäftigungslose Schlosser Eduard P o p l st e i n aus Sobiesak bei Saaz, hatte hauptsächlich aus Existenzgründen sich auf diesen gefährlichen Erwerb verlegt und bekannte sich auch, als man ihn verhaftete, ohne weiteres zu seiner Schuld. Poplstein war schon vor Eröffnung des Prozesses mehrfach als Verräter beschimpft und angefallen worden und hatte auch wiederholt Drohbriefe erhalten. Samstag, den 14. Dezember, ging nun an Poplstein beim Postamt Sobiesak ein Postpaket im Gewicht von 1% Kg. ein, welches am 12. Dezember auf dem Postamt in L a u n auf- gegeben war und als dessen Absender ein gewisser David Freund auS Schlan angeführt war. Die Fran Poplsteins ging auf die Post, um das Paket zu beheben. Zuhause öffnete sie es, wobei ihr ihre zwei neun- und zehnjährige« Töchter und ihre Eltern zusahen. Poplstein war nicht zuhause. Als Frau Poplstein das Paket aufwickelte und den Deckel der darin enthaltenen Pappschachtel aufhob» entstand eine Explosion, welche die Stube teilweise demolierte und di« F e n st e r zertrümmerte. Gleichzeitig geriet eine vorläufig nicht näher bekannte entzündbare Flüssigkeit, die auch in dein Paket enthalten war, in Brand. Frau Poplstein wurde durch die Flammen an der Hand, am Oberkörper und im Gesicht verwundet. Sonst wurde niemand verletzt. Frau Poplstein mußte ins Spital übergcführt werden, wo man mehrere schwere Berlitz u n g r n feststellte, die aber nicht lebensgefährlich sind. Die Fahndungsstation in Brüx nahm die Untersuchung auf, die ergab, daß die Höllenmaschine technisch sehr geschickt und scharfsinnig konstruiert war und als gefährliches Instrument anzusprechen ist. Die Füllung der Schachtel bestand aus einem Explosivstoff und zehn Taschenlampen- Batterien reichsdeutschen Fabrikats. Der Mechanismus war so konstruiert, daß beim Oeffnen der Schachtel Funken übersprangen und die Pulverladung entzündeten. Die„Bohemia“ und die Präsidentenwahl Unter den Blätterstimmen zur Präsidentenwahl soll diejenige der„Bohemia" nicht untergehen, eines Blattes, das sich ünmer als deutsch und freiheitlich bezeichnet hat. Diese Zeitung, die doch ihren Lesern ein Führer sein sollte wie jedes Blatt, verhält sich neutral und sucht durch viele Worte, die über eine Spalte ausmachen, ihre Ratlosigkeit zu verbergen. Der Kern ihrer Ausführungen, so weit man bei dieser weichtierartigen Schreibweise überhaupt von einem Kern sprechen kann, lautet: Die.Richtschnur für ihr Verhalten kann in ' diesem Augenblick einzig und allein die Frage sein, womit sie ihrem Volk, womit sie dem Sudetendeutschtum am besten dienen. Die Frage, in welcher Weise am ehesten wenigstens ein Mindestmaß der demokratischen Freiheiten, ohne dessen Aufrechterhaltung jede nationale Minderheit verloren ist, gesichert werden kann, kann dabei unmöglich unbeachtet bleiben. Welche Folgerungen praktisch daraus zu ziehen sind, das werden di« Vertreter des Sudetendeutschtums nach sorgfältiger Prüfung mit ihrem nationalen Gewissen abzumachen haben. So jetzt weißt Du eS, lieber Leser, wozu das nationale Gewissen Deine Abgeordneten und Senatoren.verpflichtet! Im übrigen wird sich noch Gelegenheit finden, die»Bohemia" daran zu erinnern, daß sic nicht den Mut gefunden hat, sich für den Mann einzusetzen, der stets im Geiste Masaryks für die Verständigung der Tschechen und Deutschen eingetreten ist. bekannt ist, hat er noch nichts dafür bezahlt, so daß wahrscheinlich die rechtmäßigen Besitzer dir Banken sind. Der Exekutor ist ständiger Gast, doch bleibt es immer bei den Aufnahmen. Wenn dieses Gut unter die Bedürftigen aufgeteilt oder richtig bewirtschaftet würde» könnten zahlreiche Leute Beschäftigung finden und die Gemeindeumlagen hereingebracht werden. Die Lebenshaltung der armen Bevölkerung jn Koßlau würde bei einer ordentlichen Bewirtschaftung oder noch mehr bei einer endgültigen Aufteilung des Grundbesitzes unter sie um mindestens 50 Prozent besser sein. Hier ist wieder ein Beispiel der Auswirkung einer prötektiönsweiscn. Zuteilung von Grund und Boden an Restgutbesitzer, die- von der Bewirtschaftung des Besitzes nichts verstehen und das Gut verschlampt haben. Hier könnte die bevorstehende Schuldenregelung gutmachen, was seinerzeit verfehlt wurde, nämlich die Schuldenzahlung mit Grund und Boden zu ermöglichen, der unter die ortsansässige Bevölkerung aufzuteilen wäre. Patscheider bekennt sich als Patriot Mährisch-Ostrau. Am siebenten Tag des Hoch- verratsprozeffes gegen Dr. Patscheider und Genossen wurde heute das Verhör des Professors Dr. Patscheider fortgesetzt. Professor Dr. Patscheider machte u. a. längere Ausführungen über die schlesische und die preußische Kultur sowie über die siawischen Einflüsse im Grenzgebiet. Sodann schilderte er seine geistige politische Entwicklung. Als geborener Tiroler sei er in der Jugend in der großdeutschen Ideologie erzogen worden. Durch das Studium habe er sich von dem alten Rationalismus befreit. Er sei kein Politiker, sondern eher Romantiker. Die Behauptung, daß die tschechische Kultur auf niedrigerer Stufe stünde als die deutsche, erklärt Professor Dr. Patscheider ent- schiHen als Unsinn. Die beiden Nationen stände» kulturell und rassenmäßig auf der gleichen Höhe, beide seien auch gegenseitig verbunden. Er sagte, daß die Tschechoslowakei eine Art Brücke zu Paneuropa oder zur siawogermanischen Wel> sei. Patscheider behauptet, daß er unter den Tschechen und Juden gleicherweise Freunde hab« wie unter de» Deutschen, daß er aber unter den Deutschen auch viel» Feinde hab«. Er beschwert sich darüber, daß er k r a n 1 sei und unter chronischen Kopfschmerzen leide und kein gutes Gedächtnis habe. Sein neues Vaterland, di« Tschechoslowakei, liebe er. Der Prozeß wird wahrscheinlich erst Ende Jänner zu Ende gehen. Oer Ehrenbeleldlgungs*Prozeß Beuer— Hollube Gestern fand vor' dem Bezirksgericht in R e i ch e n be r g die Verhandlung der Ehrenbeleidigungsklage des Abgeordneten Gustav Beuer und des Leiters des Konsunwereins Otto Beuer gegen den SdP-Abgeordneten Hollube statt. Das Bemerkenswerte an dem Verlauf der Verhandlung war, daß Hollube nicht den Wahrheitsbeweis antrat, sondern nur den Beweis dafür zu fiih- ren versuchte, daß er einem entschuldbaren Irrtum unterlegen sei und dies auch nur gegen Otto Beuer, während er die gegen Abgeordneten Gustav Beuer erhobenen Beschuldigungen vollständig in den Hintergrund treten läßt. Die Verhandlung wurde auf den 21. Jänner 1936 vertagt. Erfolgreiche BetrlebtauitchuBwahl In Miet Einen schönen Erfolg erzielten die freien Gewerkschaften jüngst— wie wir der-i,Zukunft" entnehmen— bei der BetriebSaiKschußwahl der Firma Westböhmische GlaS- und Holzindustrie A.-G. in Mies, von den 161 angegebenen Stimmen erhielt die Liste der freien Gewerkschaften 103, die Liste der Gablonzer Gewerkschaft 58 Stimmen. Daher wurden den freien Gewerkschaften drei Mandate, den Henlein- Leuten ein Mandat zugeteilt. Wie Restgutbesitzer ihren Boden bewirtschaften Es ist kein Geheimnis, daß die meisten Restgutbesitzer ihre Höfe in den deutschen Gebieten oft um einen Bruchteil des wahren Wertes erworben haben. Man wollte es diesen Leuten auf solche Weise ermöglichen, ihre Existenz im deutschen Gebiete zu behaupten, um so den Nationalisierungsbestrebungen gewisser tschechischer Kreise gerecht zu werden. Wir wissen aber leider auch, daß viele dieser Herren unerhörte Gewinne in der Zeit der guten Konjunktur aus dem Grundbesitz gezogen haben, sie verpraßten und verwirtschafteten und zu guter Letzt wieder von dem Gute fort mußten» wenn es ihnen nicht.gelastg, aus dem Kreditsäckel des Bodenamtes neue Darlehen zu erhalten. Andererseits ist die soziale Lage der ortsansässigen Bevölkerung.durch das Herunterwirtschaften solcher Meierhöse trostlos geworden, wie der Fall in K o ß l q u, Bezirk Luditz, zeigt. Der dortige Meierhof hat ein Ausmaß von 96 Hektar, meist ackerbarer, Grund. Die bisherigen Besitzer zahlen seit dem Jahre 1921 weder Steuern noch Ge- meindeumlagen. Der größte Teil des Ackerlandes liegt schon seit Jahren brach» so daß kein Arbeiter eine Beschäftigung findet. Erst seit etwa drei Jahren wird ein Drittel der Felder bewirtschaftet. Das Gut befindet sich seit vielen Jahren in tschechischen Händen und wechselt ständig seinen Besitzer. Die Gemeinde bekommt heute noch die Wertzuwachsabgabe im Betrage von 12.000 KL von ihm. Der jetzige Besitzer Dr. Karl Rulik hat das Gut im Jahre 1929 bei einer Versteigerung in Eger erstanden. Soviel uns Umsatzsteuer• und Stabilisierungsbilanzen im Ausschuß noch nicht fertig Im Budgetausschuß des Abgeordnetenhauses wurde Dienstag die Vorlage über die Umsatzsteuer mit gewissen, von dem eingesetzten Subkomitee vorgeschlagenen Aenderungen angenommen. Dagegen stieß die zweite Vorlage über die Zuschläge zur Unssatzsteuer, die auch die Sonderbesteuerung der Filialen beinhaltet, im Subkomitee auf unüberbrückbaren Widerstand, so daß beschlossen wurde, die Vorlage der Regierung mit dem Ersuchen zurückzustellen, daß sie den bisherigen Zustand ohne Aenderung verlängern solle. Im Ausschußplenum kam es zu einer Debatte mit den Gewerbeparteilern, als deren Ergebnis der Vorsitzende schließlich erklärte, dem Subkomitee sei es ferngelegen, die großen Konzerne und Einheitspreisgeschäfte zn schützen, sondern daß die Zustimmung damit ausgesprochen wurde, daß im Falle einer Erfassung dieser Unternehmen durch eine Sondersteuer die Gemeinden an ihr partizipieren sollen. Die Regierung wird ersucht werden, die Vorlage noch zeitgerecht dem Hause wieder vorzulegen. Die Novelle zu den Stabilisierungsbilanzen wurde nach langer Debatte einem Subkomitee zugewiesen. Der Senat wurde für Donnerstag, den 19. Dezember, um 9 Uhr früh zu seiner nächsten Sitzung einberufen, in der der Bericht desBudget- ausfchusseS vorgelegt werden wird. Scilr 4 Mittwoch, 18. Dezember 1935 Nr. 294 AAesimügLelkfi Meldung aus Henkerland Berlin. Das Deutsche Nachrichtenbüro meldet:„Dienstag früh ist in Berlin der vom Volksgerichtshof am 25. Juli 1935 wegen Vorbereitung eines hochverräterischen Unternehmens zum Tode verurteilte Rudolf Claus hingerichtet worden. Claus, einer der gefährlichsten Kumpane des Terroristen M a x H ö l z, war schon einmal mit lebenslänglichem und später noch mit acht Jahren Zuchthaus vorbestraft." In den Tod gehetzt Wien. Der 58jährige Buchdrucker Karl Bracke, bei welchem extreme Blätter gedruckt wurden, hat sich gestern in seiner Wohnung mit Leuchtgas vergiftet. Die Ursache seines Selbstmordes ist— laut offizieller Meldung— unbekannt. Mordaufklärung nach 48 Jahren Bei dem Troppauer Gendarmerie- Fahndungskommando meldete sich der 86jäh- r i g e Johann Sosna, der angab, vor 48 Jahren Zeuge eines Mordes gewesen zu sein, den der. noch heute lebende 66 Jahre alte Landwirt Alois Teng.ler in Bransdorf an der 20jäh- rigen Dienstmagd Aloisia Tatze l begangen habe. Der Mord, blieb ungesühnt, obwohl Teng- ler verhaftet wurde. Er, wurde wegen Mangel an Beweisen vom Schwurgericht freigesprochen. SoSna hörte in der Mordnacht den Aufschrei der Tatzel und sah Tengler in blutiger Kleidung die Scheune Verlässen. Auf Anraten dritter Personen machte Sosna damals keine Aussagen. Sein..Gewissen habe ihm jetzt aber, keine Ruhe mehr gegeben. Die Gendarmerie überprüft seine Angaben. Sowjetrussische Goldförderung überflügelt die amerikanische AuS Moskau wird berichtet: An. kompetenten sowjetrussischen Stellen wird in der letzten Zeit mit Stolz auf die ständig wachsende Goldförderung hingewiesen. Vor zwei Jahren war Rußland auf der Konferenz der Goldgrubenbesitzer in Denver noch nicht in das Verzeichnis jener Länder ausgenommen worden, die eine nennenswerte Goldproduktion zu verzeichnen haben. Die Goldförderuna in, der Sowjetunion'würde Zunächst geheimgeylilten und erst in der letzten Zeit traten die Sowjetbehörden mit der überraschenden Nachricht hervor, daß Rußland in der Goldförderung nicht nur Amerika, sondern auch alle übrigen Länder, äußer Afrika, überflügelt hat. Der Praduk- tionöplan für das kommende Jähr enthält eine weitere Erhöhung der Goldförderung um 25%. Inoffiziellen Nachrichten zufolge wurden Heuer in Rußland 160 Zentner Gold gefördert. Die Goldförderung in Südafrika beträgt jährlich etwa 340 Zentner. Im Zusammenhang mit der wachsenden Goldförderung hat die Sowjetregierung beschlossen, im Feber nächsten Jahres die Torgsin-Unter- nehmungen zu schließen, in welchen bisher Waren nur gegen Gold und ausländische Devisen verkauft wurde. Im vergangenen Jahre erklärte Molotow, daß die Goldförderung in den letzten sechs Jahren zusammen mit den Einnahmen der Törgsin- llnternehmungen den Gold Vorrat Rußlands auf das Sechsfache ver- m e h r t haben. Auto überfährt vier Radfahrer Böhm.-BudweiS. Montag abends fuhr auf der Staatsstraße bei der Gemeinde Ctyki Dvory ein Lastautomobil in eine Gruppe junger Zykli- sren, die von der Schule und mis der Arbeit heimkehrten. Zwei der Radfahrer wurden tödlich verletzt, ein dritter entrann nur durch einen Zufall dem Tode. Auch die neben dem Chauffeur im Automobil sitzende Person wurde, bei dem Anprall des Automobils an einem Bäum verletzt. Alle wurden ins Krankenhaus nach Böhm.-Bud- Weis gebracht, wo zwei Verletzte gestorben sind. Der Lenker des Automobils, Martin Kubes aus Böhm.-Budweis, wurde verhaftet. Tragischer Irrtum Paris. Ein eigenartiger. Unglücksfall trug sich in der vergangenen Woche in Bourg-en-Bresie zu. Eine Mutter, die mit ihrer 15jährigen Tochter von einem Ball heimkehrte, wollte ihren Mann nicht stören und legte sich mit der Tochter in einem anderen Zimmer zum Schlafe nieder. Gegen 4 Uhr kehrte jedoch der vermeintlich schlafende Mann heim. Die Mutter, in der Meinung, einen Einbrecher vor sich zu haben, gab mehrere Revolverschüsie ab, die den Tod des Ehemannes herbeiführten. Der Tonfilm im Dienste der Kriminalistik New N»rk. Die amerikanische Polizei plant die Aiuvendung eines neuen Mittels, das ihr die Ergreifung solcher Verbrecher erleichtern soll, die Arbeiter- und Arbeitslosendrama RewDork. Zn Los Angeles erschien ein entlassener Notstandsarbeiter an seiner früheren Arbeitsstelle. Dort erschoß er mtt einem Repefiergewehr vier seiner frühere» Arbeitskameraden und verwundete drei schwer. Rach einem Fluchtversuch konnte der Mörder von Polizeibeamten überwülttgt und abtransportiert werden. Seine früheren Arbettskameraden konnten nur mtt Mühe davon abgehatten werden, ihn zu lynchen. nach ihrer Entlassung aus dem Gefängnis neue Straftaten begangen haben. In allen Kinos der Vereinigten Staaten sollen Tonfilme vorgeführt werden, die bei der letzten Gerichtsverhandlung gegen derartige Verbrecher gedreht wurden, so daß der Bevölkerung die Möglichkeit gegeben ist, die Polizei bei ihren Fahndungen zu unterstützen. Die Särge des Dritte« Reiches... In Hamburg hat sich kürzlich eine seltsame APon allzu begeisterter Nationalsozialisten ereignet, die schließlich den Urheber Her glänzenden Idee ins Konzentrationslager gebracht hat. Aus Grund einer Besprechung der Hamburger Sarg- firmen-Besitzer erschienen eines Tages in den Schaufenstern sämtlicher Geschäfte, die mst Särgen, Urnen und ähnlichen Gegenständen des täglichen Todes handeln, Ankündigungen dieses Inhalts:„N u r für National s o z i a- l i st e n! I u d e n unerwünscht!" Vor den Fensterscheiben der Sarghändler stauten sich die Menschemnassen und man hat noch niemals fest Beginn des„nationalen Aufbruchs" soviel vergnügt schmunzelnde Gesichter in Hamburg gesehen wie an diesem Tage. Das Merkwürdige an dieser Heiterkeit war, daß gerade die eingefleischtesten„Meckerer" mit dem Plakat der Sarghändler am rückhaltlosesten einverstanden waren. Da man bereits Witze über das ominöse Plakat zu reißen begann, schritt die Polizei ein und entfernte es aus allen Sarggeschäften. Der Mann jedoch, der in-be- ster Untertanenabsicht, die gute Idee gehabt hatte, die Trezie der Särghändler zum Dritten Reich durch jenes Plakat zu dokumentieren, wurde wegen„böswilliger Verächtlichmachung des neuen Staates" in Haft genommen. Für Humor hat man eben im Machtbereich des „Führers" kein Verständnis— vor allem dann nicht, wenn der Humor so ins Schwarze trifft wie hier! , Verlängerung der Weihnachtsferien an den Schulen«m^die Tage drS'3. und 4. Jänner. Der Minister für Schulwesen und Volksaufklärung bewilligte ausnahmsweise aus pädagogischen und wirtschaftlichen Gründen, daß in diesem Schuljahre auch noch der 3. und der 4. Jänner 1936 schulfrei sein sollen(da diese auf Freitag und Samstag fallen), und daß der regelmäßige Unterricht am Dienstag, dem 7. Jänner 1936, beginnt. Fünfzig Jahre„Le Peuple". DaS Hauptorgan unserer belgischen Bruderpartei„Le Peuple" in Brüssel hat Sonntag sein 50jähriges Bestandsfest gefeiert.„Le Peuple" ist heute auf dem Kontingent das größte, er ist ohne Zweifel aber in der ganzen Welt das bedeutendste sozialistische Presseorgan. So ruhnwoll seine Tradition ist,, so groß ist seine Gegenwart. Die ersten Männer der Internationale sind seine ständigen Mitarbeiter. Vandervelde, de Brouckäre, van Roesbrook, Hen- drikdeMan schreiben hier, A r t h u r W a u- t e r s, der Chef des Blattes, selbst ist ass Poli- tiker^und Publizist eine. Erscheinung von internationalem Format. Der große Blick seiner Redakteure und Mitarbeiter, der sittliche Ernst seiner Artikel und die gedankliche Tiefe jeder publizistischen Arbeit, die der Peuple aufnimmt, machen ihn zum Sprachrohr nicht nur einer Partei, sondern einer großen Weltbewegung und „nach dem Ende der„Arbeiter-Zeitung" zum meistbeachteten Blatt der SAJ. Sozialistischen Redaktionen, sozialistischen Politikern ist er weit über Belgien hinaus immer Lehrer und Berater, in allen großen Fragen ein unentbehrlicher Freund gewesen. Die Leich« Oberst Fawcetts' gefunden? Wie Reuter aus Cuyaba in Brasilien meldet, ist in Matto Grosse die Leiche eines weißen Mannes gefunden worden, von der man annimmt,' daß es sich um die sterblichen Ueberreste des vor zehn Jahren verschwundenen britischen Forschers Oberst Fawcett handelt. Alle Anzeichen deuten darauf hin, daß der Mann von Eingeborenen getötet worden ist. Die Gerüchte um das Schicksal des Obersten Fawcett sind bekanntlich nie ganz verstummt. Im Jahre 1928 glaubte man endlich die Gewißheit zu haben, daß Fawcett noch unter den Lebenden weilt. Eine englische Expedition machte sich auch auf den Weg, ohne jedoch eine Spur des Vermißten zu finden. Filmstar vergiftet. In Hollywood wurde die Filmschauspielerin ThelmaTodd, genannt VenuS-Bamp, in ihrem Auw wt aufgefunden. Gerichtsärzte haben festgestellt, daß Thelma ToFd an Kohlensä urever- g i f t u n g gestorben ist. Bei einem heftigen Schneesturm auf Island kamen 26 Personen ums Leben, die erfroren oder ertrunken sind. i Kirchenraub.’ In Kopidlno bei- Libän drang I ein unbekannter Täter mit einem Nachschlüssel in den Glöckenturm ein, von wo er durch eine unbenützte Tür in die Kirche gelangte,-Hier öffnete er mit einem Nachschlüssel das Tabernakel und entwendete aus demselben ein vergoldetes Ciborium und einen vergoldeten Kelch. Die Hostie warf er in einen Winkel des Glockenturms und verschwand spurlos. Kürzlich wurde in ähnlicher Weise die Kirche in Jitschin ausgeraubt.• Ozeandampfer für 12'Millionen Dollar. Die Schiffswerft in New Port(Virginia), gab bekannt, daß der Vertrag mit den„United States Lines" zum Bau eines neuen Ozeandampfers als Ersatz für die„Leviathan"(früher„Vaterland") unterzeichnet worden sei.. Die Kosten für den Neubau sollen 11.9 Millionen Dollar betragen. Es verlautet,' daß die Regierung 75 Prozent der Baukosten leihweise zur Verfügung stellen will. Volkszählung in.Frankreich. Am 8. März 1936 wird, jn Frankreich die allgemeine Volks- zählung stattfinden.(Die amtliche Volkszählung findet in Frankreich jedes achte Jahr statt.) Amerikanisch toll. Aus Chicago wird ernsthaft gemeldet:.Ein gewißer Fremagne aus London, der sich:in' Chicago'Niedergelaffen hat, ließ sich mit einem Beträge!von 1 0 0.0 0 0 Dollar-gegen das. Risiko v e r s i ch e r.n,, in Amerika seinen g u t e n-e n g l i s ch e n A k- z e n t zu verlieren Russische Filmstadt nach dem Muster Hollywoods? Wie auf der nationalen Konferenz der Filmproduzenten der SSSR erklärt wurde, soll an■ der Küste des Schwarzen Meeres nach dem Muster Hollywoods'eine Filmstadt gebaut werden, in welcher die gesamte russische Filmproduktton vereinigt werden soll. Den.Schätzungen zufolge, sollen bereits im ersten Jahr rund 250 Filme erzeugt werden. Schmuggler überfallen«inen Finanzer. Samstag in- den Abendstunden. wuxde an der un gar i sch e n G re nz e unweit der Weiß- Mühle bei Berehovo der Respizient Frantisek Kocina bei einem Patrouillengäng von zwei Schmugglern überfqllen,. die ihn ernstlich am Kopfo e rletzten und ihm das-Dienstge-' wehr entwendeten. Die Täter wurden g e st e l l 1 und in die Haft des Kreisgerichtes von Berehovo geschafft. Es handelt sich um Jan Szoeke und Stefan Holub aus der Gemeinde Buäu im Bezirk Berehovo. Neuzeitlicher Unterricht im Stürmergeist. Unter der Ueberschrift„Neuzeitlicher Unterricht" erzählt im„Stürmer" ein Lehrer stolz, wie man schon in der Grundschule, also bei- den Allerkleinsten, Gelegenheit habe, Rassenfragen zu behandeln. Der Lehret, hat an die Wandtafel ein« Reihe Bilder von Deutschen und Juden zur Kontrastierung geklebt und das Ganze mit dem kernigen Spruch„Die Juden sind unser Unglück" versehen. Nachher sollten dann die Kinder ihre Gedanken dazu auffchreiben. Von! diesen Niederschriften gibt der Lehrer im„Stürmer" zwei Beispiele: Ein' Siebenjähriger schreibt: „Die Deutschen haben'kräftige Arme, in. ihren Augen sieht inan den Mut.. Aber die Juden mögen nichts schaffen. Sie überlegen sich nur,, wie sie den Dauer betrügen können.' Bon den Juden nimmt keiner den Hammer in die Hand, auch kein Jude geht, in die Fabrik.' In den Augen des Juden sieht man die Faulheit, und den Betrug." Ein Achtjähriger schreibt:„Auf den Bildern sieht man, wie deutsche Männer schaffen. Der Hitler- bub lacht freundlich. Die Juden auf dem Bild wollen Nicht schaffen, sie wollen bloß effen. Da fft ein Bauer, der mäht, daß er schwitzt. Manche Juden auf den Bildern sind ganz fett."„Brav gemacht, Herr Lehrer!", bemerkt der„Stürmer" dazu. Die übrige Welt steht enffetzt vor solcher Vergiftung der Kindesseele. Majakowskij-Platz. Das Zentral-Exekutivkonntee der Sowjetunion hat den Triumphplatz in Moskau nach dem berühmten ruffischen Dichter Majakowskij in Majakowskij-PIatz umbenannt. Brand im Kloster. Jn der Ortschaft R i e t« berg(bei.Münster) ist Dienstag nachts in einem aus dem Anfang des 18. Jahrhunderts stammenden Franziskanerkloster ein Großfeuer ausgebrochen, daS mtt rasender Schnelligkeit um sich griff. Der ganze Dachstuhl des Klosters brannte nieder. Der Glockenturm stürzte ein, und wertvolle Kunstgegenstände wurden z« r st ö r t. Bis m die frühen Morgenstunden hinein mußte die Feuerwehr unermüdlich arbeiten, um des Feuers Herr zu werden. Ein Großteil der Kunstgegenstände, darunter eine alte wettvolle Bibliothek, konnten gerettet werden. DaS Puschkin-Jubiläum. Nach einem Beschluß des Zenttal-Exekuttvkomitees der Sowjetunion wurde anläßlich des bevorstehenden hundertsten Jah- cestages Puschkins unter dem Vorsitz G o r k i s Cui alluniönistisches Puschkin-Komitee gegründet, das aus 48 Mitgliedern besteht. Unter den Mitgliedern des Konntees.befinden sich u. a. Woroschilow, hervorragende Akademiker, Schriftsteller, Dichter und Bolksschauspieler. Selbstmord anf de« Schienen. Montag abends stürzte sich zwischen dem großen und dem kleinen Bahnhof von ULHorod die 21jährige Jolana Bodäjlovä aus ULHorod vor den Zug und wurde getötet. DaS. Motiv des Selbstmordes wurde noch nicht- festgestellt. Ein Film über tschechoslowakische Briefmarken wird jetzt in Prager Kinos, gleichzeitig in Asch. Bratislava, Brünn, Reichenberg, Brüx, Pardubitz, Pilsen, Teplitz und Auffig vorgeführt. Er wird allmählich in mehr als 300 Kinos bei unS und auch im Auslands zu sehen sein. Vom Rundfunk «MpfahlenswcrtM aus»an Programmen Donnerstag: Prag, Sender L: 10.05: Deutsche Presse, 12:10: Chansons, 13.40. Leichte Musik, 17.45: Deutsche Sendung: Jugendstunde mit Musik, 18.55: Schallplatten. Sender S: 7.80: Leichte Musik, 14.15: Deutsche' Senduüg: Kttkglstein: DaS jeder Gebildete von der Betriebswissenschaft wissen muß, 14.35: Opern-Arien, 14.50: Deutsche Presse, 19.10: Kla« Vierkonzert.— Brünn 11: Schallplatten, 13.30: Den tscherArbeitsmarkt, 17.40: Deutsche Sendung: Arbeiters« n k: Theodor Schuster: Erziehung und Weltanschauung, Fritsch: Der Mensch und sein Recht.•— Mährisch-Ostrau 12.35: Orchesterkonzett, 18.10: Deutsche Sendung: Preßburg 15: Funkorchesterkonzett, 19.35: aus dem slowakischen Nationaltheater:. Die russisch« Lady Macbeth, Oper.— Kascha« 16.10: Orchesterkonzert. Der Prager Rundfunk bringt heute bis 10.15 Uhr das Programm wie angegeben; 10.15 Uhr: Berichterstattung über den Verlauf der Wahl des Präsidenten der Tschechoslowakischen Republik.-18.10 Uhr Deutsche Sendung: Die Wahl des Präsidenten der Tschechoslowakischen Republik. 18.45 bi- 19.05 Uhr:"Deutsche Pressemeldungen. 19.05 bis 19.15 Uhr: Französische Pressemeldungen. 19.15 bis 19.40 Uhr: Tschechische Pressemeldungen. 19.40 Uhr: Reportage von der Wahl des Präsidenten(Aufnahme). 20.00 Uhr: Uebettragung des Symphonie« konzettes aus dem Smetanasaal. RewDork baut bMge Kleinwohnungen Bor einiger Zett wurde in dem New Dorker Viertel Eaitside eine Reihe von ElendShäu« fern niedergerissen. An ihre Stelle werden neue Wohnblocks aus Mitteln des Staates gebaut, die jetzt eingeweiht wurden.- Die Mietpreise dieser Wohnungen sind so billig, daß sie selbst den Aermsten ein Heim bieten sollen. Nr. S94 Mittwoch, 18» Dezember 1935 Seite 5 Zur Zwangspasteuristerung der MUch Das hygienische Problem Vom hygienischen Standpunkt aus wäre die Pasteurisierung der Milch, besonders für die Großstädte, dringend erwünscht. Noch mehr trifft dies zu für die Kurorte. Gegen die Pasteurisierung wird oft eingewendet, daß durch die Erhitzung der Milch der Nährwert(Vitamingehalt) herabgesetzt wird. DieS trifft nur dort zu, wo eine nachlässige Pasteurisierung mit unpraktischen Apparaten borge- ncmmen wird. Bei der sogenannten Dauer- erhitzung, wie sie in vielen Molkereien verwendet wird, leiden die wertvollen Milcheigen» sibaften und ist Kochgeschmack bemerkbar. Die Momenterhitzung ist günstiger, wenn sie zwischen 60 und 70 Grad sich bewegt. Eine vorzügliche Milch stellt die Karlsbader Zentralmolkerei mit ihrem Pasteurisierungsverfahren her, wobei der sogenannte Plattenpasteur Anwendung findet und die Milch nur auf 65 Grad Celsius erhitzt wird. Insoweit es darum geht, eine saubere, schmutzfreie Milch herzustellen und dadurch Bazillenvermehrung und Krankheiten zu verhüten, könnte eine allgemein eingeführte Stallkontroll«, die natürlich nicht mit hohen Kosten verbunden sein dürfte. Abhilfe sckiaffen., Die Stallkontrolle könnte in manchen Fällen auch zur rechtzeitigen Entdeckung von Krankheiten der Tiere führen. Immerhin ist es recht fraglich, ob sie allein in der Lage ist, etwa die Tuberkulose beim Rind rechtzeitig festzustellen. Der Genuß von Milch, die von tuberkulösen Tieren stammt, bildet zweifellos eine Gefahr für die menschlickie Gesundheit. Daher wäre aus hygienischen Erwägungen die Pasteurisierung gewiß notwendig. Leider ist sie aber mit dem Preisproblem verquickt worden■ und ist deshalb auf großen Widerstand in den Kreisen der kleinen Landwirte, wie auch in Konsumentenkreisen gestoßen. Die Einführung des Pasteurisierungszwanges in Prag führte dazu, daß den Kleinlandwirten(nach einer Feststellung des nationalsozialistischen Abgeordneten M i k u l a s) die Milch um 30 bis 40 Heller im Preise herabgesetzt würde, während andererseits gewisse Milcharten im Konsumpreise gestiegen sind. Das Endergebnis dieser Preisverschiebung war eine Erhöhung der Dividenden bei einer Prager Molkerei von 5 auf 13 Prozent. Wenn der Pasteurisierungszwang solche Auswire knngen hat, dann muß rr sretlich in der heutigen Notzeit von Kleinlanvwiktrn und Konsumenten abgelehnt werden. Er ist daher von diesem Stands punkt aus gesehen, nur dann zu befürworten, wenn er keine wesentliche Preisverschiebung nach sich bringt. Bei Neuerrichtung von Pasteurisie- rungS- oder Molkereianlagen müßten freilich die Pasteurisierungskosten, die sich ungefähr zwischen 15 und 25 Heller pro Liter bewegen dürften, einen Einfluß auf die Preisbildung der Milch ausüben. Bei bestehenden oder gar schon amortisierten Betriebsanlagen scheint eine wesentliche Preiserhöhung unzweckmäßig und überflüssig. Dadurch, daß die Molkereien durch den Pasteurisierungszwang oft weit mehr Milch geliefert bekommen und deshalb ihre volle Betriebskapazität auSnühen können, wäre ja an sich schon eine Erhöhung der Rentabilität der Molkereibetriebe ge- deben- ohne daß eine Preiserhöhung eintreten wuß. So würde zum Beispiel die Zentralmol- krrei in Karlsbad bei genügender Milchanlieferung in der Lage sein, den Landwirten einen höheren Preis zu zahlen, ohne daß der Konsnmentenpreis! erhöht werden brauchte. Wahrscheinlich könnte sie auch den Konsumpreis noch herabsetzrn. Bei der Diskussion über di« Preisbildung spielt in den letzten zwei Jahren die Futterwittelnot eine Rolle. Landwirtschaftliche Körperschaften erklären, daß infolge Futtermittel- vot und Erhöhung der Preise der Futtermittel auch eine Erhöhung der Milchpreise eintr'ten wüste. Hierbei verquickt inan die ganze Ange- stgenheit mit der Pasteurisierung der Milch Und I frage. Ohne Zweifel sollen die Landwirte einen Preis bekommen, der sie vor Verlusten schützt. Dies ist aber am besten so möglich, wenn man dir Preise für Futtermittel derart senkt, daß sie dem heutigen Stand der Milchpreis« angepatzt werden. Tie Kleinlandwirte, die gezwungenermaßen chre Milch den Molkereibetrieben liefern müssen, erhalten jetzt zu den überteuerten Futtermitteln noch einen Preisabschlag von 30 bis 40 Heller pro Produktionsaufschwung trotz geringer Arbeitslosenabnahme in USA Die Wiederbeschäftigung von 3.5 Millionen Arbeitslosen, die im großen und ganzen gelungen ist, hat das Problem der Arbeitsbeschaffung bei weitem noch nicht gelöst. Die Statistik des National Industrial Conference Board zählte Ende Oktober 9,196.000 Arbeitslose gegen 10 Millionen 57.000 zur gleichen Zeit des Vorjahres und allerdings 13,300.000 Ende März 1933, dem Höhepunkt der Arbeitslosigkeit. Die Arbeitslosigkeit ist mithin gegen ihren Höchststand um 30 Prozent zurückgegangen. Diese Verminderung der Arbeitslosenzahl steht aber in einem sehr ungünstigen Verhältnis zu dem anhaltenden Aufschwung der Industrieproduktion. Man weist mit Recht daraufhin, daß obwohl der Gesamtindex schafft dadurch eine Verwirrung in her Preis- Liter für die Milch. Wenn man der Milchwirtschaft bei den Kleinlandwirten dienen will, fo möge man für die Beistellung von billigen Futtermitteln sorgen, wie dies in Dänemark geschieht und dann ist die Preisfrage für sie gelöst, ohne daß die Konsumenten davon betroffen werden. Dies aber hat mit der Pasteurisierung der Milch selbst nichts zu tun. Sa. der industriellen Erzeugung in den Vereinigten Staaten 94 Prozent deS Durchschnitts 1923-5 erreicht hat, fast 11 Millionen Arbeitslose gibt, während 1930, als dieser Index auf 96 Prozent stand, nur etwa 4 Millionen Arbeitslose gezählt wurden. Für diese Disproporttonalität zwischen rascher Produktionszunahme und langsamer Arbeitslosenabnahme wird in erster Linie die zunehmende Verwendung arbeitssparender Maschinen in vielen Industriezweigen verantwortlich gemacht. Der Kampf gegen die Arbeitslosigkeit wird auch dadurch in den Vereinigten Staaten beeinträchtigt, daß verschiedene Industrien nach der Aufhebung der Nira zur Verlängerung der Arbeitszeit übergegangen sind. Wie groß der Auffchwung in den einzelnen, führenden Industriezweigen ist, kann man aus folgenden Angaben ersehen: VolhswirtsdiaH nnfl Sozialpolitik Der Aufstieg des Außenhandels Die von uns berefts veröffentlichten Ziffern des tschechoslowakischen Außenhandels für den Monat November zeugen von einer weiteren günstigen Entwicklung unserer Ein- und Ausfuhr. Am deutlichsten wird dieser Aufstieg, wenn man die bis jetzt für das Jahr 1935 vorliegenden Ergebniffe mit denen des gleichen Zeitraum der beiden Vorjahre vergleicht. Es betrug: Jänner bis Gesamteinfuhr November Kö 1935 5.976,000.000 1934 5.793,000.000 1933 5.539,600.000 Gesamtausfuhr Kö 6,722,000.000 6.531.000.000 5.338,000.000 Bon 10 Milliarden 877 Millionen Kronen in dm ersten elf Monaten 1933 ist demnach der Gesamtumsatz auf 12 Milliarden 698 Millionen in der gleichen Zeit im Jahre 1935 gestiegen. Die Einfuhr erhöhte sich um 436 Millionen Kronen, die Ausfuhr aber um 1 Milliarde 384 Millionen Kronen. Schloß vom Jänner bis November 1933 die Handelsbilanz für die Tschechoslowakei noch mit einem Einfuhrüberschuß von über 202 Millionen Kronen ab, so ergab sich in der gleichen Zeit 1935 ein Ausfuhrüberschuß von über 446 Millionen Kronen. Im Vorjahre hatte er 739 Millionen Kronen betragen. Für die Entwicklung im November 1935 muß als besonders auffällig hervorgehoben werden, daß die Einfuhr diesmal gegen den Vormonat ungleich stärker ge- sttegen ist als im Vorjahre. Aber auch die Ausfuhr, die vom Oktober zum November 1934 um mehr als 40 Millionm Kronen gesunken war, hat in diesem Jahre nochmals um 51 Millionen Kronen zugenommen. An der Einfuhrsteigerung in diesem Jahre, die gegen die ersten elf Monate 1934 rund 183 Millionen beträgt, hat die Gruppe der Lebensmittel den größten Anteil. Für 140 Millionen Kronen sind mehr Lebensmittel eingeführt .Warden, als-lm Porjahre,.wovm lu-neu. auf Obst und Südfrüchte eu,(fqllesi.,j.Wi dem steigenden Anteil, den die Kompensationsgeschäfte im gegenseitigen Handelsverkehr gewinnen» ist die Steigerung der Einfuhr von Lebensmitteln aus den vorwiegend agrarischen Ländern eine Voraussetzung für die weitere günstige Entwicklung unserer Ausfuhr. Daß die Tschechoslowakei mit der Ausfuhr dabei günstiger abschneidct, daß diese also in größerem Umfanq als die Einfuhr zunimmt und unsere Handelsbilanz dadurch aktiv gestaltet wird, eben das hat die Außenhandelsetttwicklung in den vergangenen Monaten gelehrt. Außer den Lebensmitteln ist bei einem bestimmten Rohstoff eine übermäßige Steigerung der Einfuhr festzustellen: bei Eisenerzen. Vom Jänner bis November 1934 wurden 459,5 Tausend Tonnen in die Tschechoslowakei eingeführt; im gleichen Zeitraum dieses Jahres 732,2 Tausend Tonnen. Außerdem weist auch die Einfuhr von Metallen und Metallwaren eine Zunahme auf. Damit wird unterstrichen, daß die günstige Entwicklung unseres Außenhandels einen starken Antrieb von der internationalen RüstungS- konjunktur erhält. Zur Erhärtung dieser Feststellung sei noch darauf verwiesen, daß die Einfuhr einer» für unsere Textilindustrie wichtigen Rohstoffes, der Baumwolle, von 75,6 Tausend Tonnen auf 69,5 Tausend Tonnen zurückgegangen ist. Auf der Ausfuhrseite weisen in Uebereinstimmung mit der eben getroffenen Feststellung darum auch die Erzeugnisse der Hütten- und metallverarbeitenden Industrie die größte Zunahme auf. Es betrug die Ausfuhr in Millionen Kronen: Jänner bis Nov. 1935 Jänner bis Nov. 1934 Eisen u. Eisenwaren 855 763 Metalle u. Metallwaren 267 239 Diaschinen..,. Schuhwaren u. Leder 207 172 9 340 324 Glas u. Glaswaren. 520 531 Konfektion.... 282 258 Baumwollgarne u. Waren 604 547 Wollgarne u. Waren 465 525 Papier..... 177 188 Die Ausfuhr von Ferttg- und Halbfertigwaren konnte 1935 um beinahe 800 Millionen Kronen gegenüber dem Vorjahre erhöht werden. Es ist jedoch notwendig, daß viel stärker als das bisher «reicht wordenist.die Terttl-.Glas-, Porzellan-, PapM-üsid keramische Industrie vonhiefim Atlf- stieg deS Außenhandels" erfaßt werden.' Darum müssen die Bemühungen von Staat und Industrie mit allem Nachdruck fortgesetzt werden. Denn so erfreulich auch die anhaltende Aufwärtsbewegung des Außenhandels ist, die Massen- arbeitslosigkeit hat sie bisher nur recht wenig zurückgedrängt. Diese Aufgabe aber ist es, die durch die Exportförderung, die nicht in einseitiger Subvention der Privatunternehmer bestehen darf, im Interesse der Wirtschaft, d. h. der in ihr für die Produktion zur Verfügung stehenden Menschen erfüllt werden muß. Die Sozialbilanz der AlkohoMerfarnMe Im Verlag Gerold u. Co., Wien I., Ste- fansplatz 8, ist unter obigem Titel eine gemeinsam« Arbeit der Genossen Prof. Dr. Julius Tandler und Dr. Siegfried Kraus erschienen(Preis öS 5.25), die verdient, der Oef- fentlichkeit aufs wärmste empfohlen zu werden. Das große soziale Werk, das Prof. Tand- i e r als amtsführender Stadtrat für Wohlfahrtsbesen in Wien aufgebaut hat, ist ein unvergäng- (ichez Zeugnis für die Leistungen deS Roten Wien, dem die Fachleute der gesamten Kulturwelt un- ttngeschränkte Anerkennung zollen. Wenn Prof. Wandler und fein enger Mitarbeiter Dr. Kraus (ehemals städtischer Konsulent für Wohlfahrts- ive>en) sich zu einer Arbeit wie der vorliegenden lusammengetan haben, war von vornherein zu erwarten, daß diese Arbeit an Tiefe und Gründlichkeit der Erfassung des Problems, an weltanschaulicher Zielsicherheit und an Reichhaltigkeit des fak- sischen Materials nicht io leicht ihresgleichen finden würde. Was diese Arbeit vor anderen gleicher Tendenz auszeichnet, ist der Umstand, daß die Autoren das Problem des AlkoholiSmus von der biologischen und bererbungSwissenschaftlichen Seite erfassen, daß die soziologische Gruppe der Trinker als pathologische Menschengruppe in ihrem gme- rativen Zusammenhang analysiert wird, Nicht der einzelne Trunksüchtige, auch n.icht die statistisch erfaßbare Gesamtheit der gegenwärtig trunksüchtigen Zeitgenossen steht im Vordergrund der Betrachtung, sondern dieses Menschenköntingent wird in seiner Eigenschaft als Generation erfaßt, einerseits als T r i n k e r e l k e r n, anderseits als Trinkerkinder. Die Autoren konnten allerdings Sozialstatistiken verarbeiten, wie sie in solcher Vollständigkeit bisher kaum anderswo erstellt wurden, als eben im Roten Wien.- Die Arbeit geht einen doppelten Weg. Einerseits verfolgt sie die Schädigungen der Nachkommenschaft von Alkoholikereltern und anderseits analysiert sie die Vorfahren- s ch a f t der Trunksüchtigen. An Hand der stati- stischen Zahlen werden schwerwiegende sozialpolitische Probleme um die soziologischen Begriffe »Familie" und»Erziehung" erörtert. Besonders interessant sind die Abschnitte, die über die Zusammenhänge zwischen Trunksucht und Störung des als normal geltenden Familienban- des(uneheliche Kinder— zerstörte Ehen). Hier wird vielfach absolut Neues geboten. Nicht minder interessant sind die Studien über die trunksüchtige Vorfahrenschaft, in denen die'alkoholkran- ken Kindesväter und Kindesmütter nach Alters-, Krankheit?- und Sterblichkeitsverhältnisien untersucht wird, desgleichen nach Arbeitsfähigkeit, Ar- beitswilligkeit und nach der kriminellen Anfälligkeit. Als die drei feindlichen Mächte, an denen der Kampf gegen AlkoholismuS bisher scheitern mußte, bezeichnen die Autoren in der Einleitung: 1. die Macht des Alkoholkapitals, 2. das feuchtfröhliche Spießertum und 3. die Dummheit der Massen. Und sie betonen als Wurzel des Nebels »die Unfähigkeit, die zum harmonischen Lebensgefühl notwendigen Seelcninhalte in einer höheren Form und nicht durch die primitive, ja viehische Methode des Rauschgiftes zu erreichen". Auch diese ftelische Verarmung breitester Schichten ist eine Auswirkung des Gesellschaftssystems,,in dem zu leben wir gezwungen sind. rb. 1 Zeltsdiriit mr Sozialismus Das Dezemberheft der wissenschafilich- theorettschen Monatsschrift der reichsdeutschen So- zialdemokratie enthält folgende Beiträge:' Karl Heinrichs en: Hitler ohne Hinter- männer. Ernst Keller: Mißtrauen«nd Hoffnungslosigkeit(Brief aus Deutschland). Karl Kautsky: Gedanke» über die EinheitS- front. Paul Sering: System«nd Widersprüche de- FasttsmuS. B. I r l e n: Der Weg zur Macht. Leopold Franz: Die marxistische Staats» theorie. Bücherschau. Zu beziehen durch jede Buchhandlung oder durch di« Berlagsanstalt G r a p h i a, Karlsbad. Die Äutomobilerzeugung belief sich in den ersten elf Monaten 1935 auf rund 3.6 Millionen Wagen und war um 2.3 Millionen Wagen größer als 1932. Die Roheisengewinnung zeigte im gleichen Zeitraum eine Zunahme um 10 Millionen Tonnen. In der Maschinenindustrie stellte sich die Erzeugung auf 90 Prozent und in der Textilindustrie auf 95 Prozent des Standes von 1923-5. Die Beschäftigung der chemischen Industrie übersteigt sogar um 10 Prozent den Durchschnitt 1923-5. Die Schuherzeugung wird 1935 voraussichtlich 367 Millionen Paar betragen gegen 313 Millionen 1932, usw. Der Wert der gesamten Industrieproduktion der Sowjetunion erreichte in der Zeit von elf Monaten des Jahres 1935 die Höhe von 35.894 Millionen Rubel, um 23 Prozent mehr gls die Produktion in der gleichen Zeitspanne des Jahres 1934. Die Produktton der Schwerindustrie stieg um etwa 26 Prozent, die der Leichtindustrie um mehr als 10 Prozent und die der Nahrungsmittelindustrie um 24.7 Prozent. Lastet uns beten Als der gkoße amerikanische Humorist MarkTwainvor30 Jahren sein"Kriegsgebet" schrieb, sagte er:„Dieses Gebet kann erst nach meinem Tode veröffentlicht werden, denn nur tote Menschen können in dieser Welt die Wahrheit sagen. Und in diesem Gebet habe ich die volle Wahrheit gesagt und nichts als die Wahrheit." Angesichts des abessinischen Raubzuges, PpMini» gräbt /.New'Bork Worllo Älelearqmm"?’ dieses Vertsillchtsii^ älttz. HE ist O, Herr, unser Gott! Hilf uns ihre Soldaten mst unseren Granaten in blutige Fetzen zu zerreißen; hilf uns die lachenden Fluren unserer Feinde mit den bleichen Körpern ihrer treuen Söhne zu bedecken; hilf uns ihre bescheidenen niedrigen Hütten mit einem Orkan von Feuer in Trümmer zu legen; hilf uns die Herzen ihrer harmlosen Witwen mit nutzlosem Schmerz zu quälen; hilf uns sie aus ihren Heimen samt ihren kleinen Kindern zu vertreiben, auf daß sie ohne Freunde durch die* Wüsten ihres trostlosen Landes wandern müssen, in Lumpen, hungernd, und dürstend, Spielbälle der Sonnengluten im Sommer, der eisigen Winde im Winter, gebrochen im Geist, verbraucht durch Arbeit, Dich, o Herr, um die Zuflucht des Grabes anflehend. Verweigere sie ihnen um unseretwillen, die wir Dich bewundern o Herr; senke einen Pesthauch auf ihre Hoffnungen, vernichte ihr Leben, aber verlängere ihre bittere Wanderung, mache ihnen jeden Schrift schwer, benetze ihren Weg mit ihren Tränen, färbe den weihen Schnee mit dem Blut ihrer wunden Fühel An Dich, o Herr, richten wir unser Gebet, der Du der Geist der Liebe bist und der ewig wahren Zuflucht und der Freund aller Schmerzgebeugten. Air suchen Deine Hilfe mit demütigem, zerknirschten Herzen. Erhöre unser Gebet, o Herr, und Dein wird sein das Reich, die Kraft und die Herrlichkeit in Ewigkeit, AmenI Dank an Laval Laval erhält für die Rettung Mussolinis von diesem ein Liktorenbündel und das Recht, die Uniform der fascistischen Miliz zu tragen Seite 6 „Sozialdemokrat" Mittwoch, 18. Dezember 1935. Nr. 294 Kroger Leitung Tank der Prager Urania an Prästdent Mafa- rhk. Die Prager Urania sandte folgendes Telegramm an Präsident MasaNik:„Die Prager Urania und ihre Masaryk-Volkshochschule gestatten sich. Dank nnd ergebenste Huldigungsgrüße dem Herrn Präsidenten zu übermitteln mit der Versicherung, stets in den Bahnen Masaryks weiterzuarbeiten." Weinhuber— Dr. Frankl. Ein Freund der Tamm. Vor einigen Tagen erstattete eine Frau die Anzeige in der Prager Polizeidirektion, daß ihr der 34jährige arbeits- und wohnungslose Beamte Wladimir Konvalina aus Blizko- witz bei Mährisch-Budlveis während eines Besuches ein goldenes Armband mit Brillanten und einem Saphir an der Schließe im Werte von 1000 Xc aus dem Nachttisch gestohlen habe. Konvalina. besten Hehler die Frau ebenfalls angeben konnte und mit dem ste sich später auf Herausgabe des Armbandes einigte, wurde verhaftet. Sonntag abends erschien nun eine ander« junge Frau auf dem Polizeikommistariat. die ebenfalls eine Anzeige wegen Schmuckdiebstahls erstattete; ihr.^avalier" habe ihr im Restaurant einen Brillaurring im Werte von 3000 XL vom Finger gezogen und sei unter dem Vorwand, auf die Toilette zu gehen, verschwunden, so daß sie auch noch die Zeche für ihn habe bezahlen müsten. Nach der Personenbeschreibung erkannten die Polizeibeamten Konvalina, der aus dem Arrest geholt und mit der Betreffenden konfrontiert wurde, die ihn sofort wiedererkannte. Der Ring, den er während des Verhörs in den Mund gesteckt hatte, wurde ebenfalls gefunden und ihr zurückgestellt. Selbstmord im Krankenhaus. Gestern um 9 Uhr vormittags wurde der 36>ährige Gärtner Franz Blumentritt aus Böhmisch-Leipa im Garten des allgemeinen Krankenhauses in Prag, wo er auf der Klinik Schlaffer in Behandlung war. erhängt aufgefunden. Die Leiche wurde ins Institut für gerichtliche Medizin gebracht. Bon der Brandstiftung freigesprochen Schluß der fünften SchwnrgerichtSperiode Prag. Gestern fand die letzte Schwurgerichtsperiode dieses Jahres ihren Abschluß mit einer Verhandlung wegen Brand stiftung. Angeklagt war vor dem Schwurgerichtshof des GR T i s e k der 49jährige Landwirt Josef Skor e p a aus Ra- k o n i tz. Am 23. September brannte sein Grundstück „Belidlo" bei Rakonitz nieder. Da es nicht das erstemal war. daß es bei Skokepa brannte, wurde die Sache besonders gründlich erhoben. Bereits im Jahre 1929 war-Nämlich sei» Gut-in-der Ortschaft Wiftonp abgebrannt und Skokepa meldete seiner Versicherung einen Schäden'von 100.000 XL an und rrhiell auch einen schönen Betrag auSgezahlt. Schon damals war aufgefallen.-daß der angegebene Schadensbetrag offenkundig sehr übertrieben war. Auch hatte sich Sloiepa bei diesem ersten Brand ziemlich sonderbar benommen, hatte seine Angestellten bei der Löscharbeit eher behindert als angeleitet und hatte den Brand dazu benützt, um verschiedenen Gläubigern gegenüber zu behaupten, daß das geliehene Geld mit verbrannt sei. Aber nachweisen konnte man ihm nichts und die Versicherung mußte zahlen. Es scheint, daß dieser erste Erfolg Skokepa au weiteren Unternehmungen anregte. Er pachtete sich von dem Gärtner Karl Krvsa die Liegenschaft Belidlo bei Rakonitz. Am 23. September brach nun dort abermals ein Feuer aus und Skokepa machte abermals hohe Versicherungsansprüche geltend. Diesmal aber ergaben sich derart verdächtige Umstände, daß die Staatsanwaltschaft schließlich gegen den Abbrändler die Anklage wegen Brand st iftung undVersicherungsbetrug erhob. Es hatte sich herausgestellt, daß Skokepa Versicherungen in solcher Höhe abgeschloffen hatte, daß er die Prämien nicht hätte tragen können. ES zeigte sich ferner, daß er auch landwirtschaftliche Maschinen versichert hatte, die nicht ihm, sondern dem Verpächter gehörten. In der Nacht des Brandes vom 23. September xxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxzoc Sozialistische Jugend. Kreis Prag Die Kreisleitung einberuft für Mittwoch, den 18. Dezember 1935, um 9 Uhr abends ins Parteiheim. Rarodni 4, eine autzerordentliche Kreiskonferenz Tagesordnung:!,. Organisatorischer und politischer Bericht. 2. Wahl der Delegierten zum außerordentlichen Verbandstag. 3.» Allgemeines. Die Kreisführung. stellte er seinen Wecker auf eine ganz ungewohnt frühe Morgenstunde ein. Nachdem ibn der Wecker aus dem Schlaf aufgeweckt hatte, legte er sich noch eine Weile ins Bett, um nach einiger Zeit plötzlich Feueralarm zu schlagen, ohne daß er von seinem Bett aus. das in der Scheuer ausgebrochene Feuer hätte sehen können. Sonderbar ist ferner, daß die Feuersbrunst gerade in der Nacht vor dem Tage ausbrach, an dem die versicherten Getreidevorräte ausgedroschen werden sollten und mit welchem Tage die Haftung der Versicherungsgesellschaft für das nicht ausgedroschene Getreide geendet hätte. Die in der Scheuer eingestellten Wagen waren mit Ketten aneinandergeschlosscn und deren Räder zum Teil abgenommen.(Es sollte offenbar so viel Material als möglich den Flammen, zum Rauh fallen.) Ferner waren alle Wirtschaftsgeräte, die sonst auf dem Hof verstreut uncherstanden, vor dem Brand in die Scheuer geschafft und mit Stroh zugedeckt worden— galiz ähnlich wie bei dem ersten Brand im Jahre 1929; Und ebenso wie damals warnte Skokepa die Leute, die sich um Bergung der Geräte und Gegenstände aus dem brennenden Schupfen bemühten, vor der Gefahr und legte den Rettern alle erdenklichen Hinderniste in den Weg. Alle diese Indizien belasteten Skokepa m schwerer Weise und die Folge war die vorliegende Anklage. Der Angeklagte leugnete allerdings jede Schuld. Wie stets in solchen Fällen zog sich das Beweisverfahren, in welchem die erwähnten Umstände eingehend erörtert nnd begründet wurden, derart tu vir Läng«, daß das Urteil erst in den Äbendstuiiöest gefällt' wurde. Reben der Hüuptanklage war Skokepä auch noch der Uebertretung des verbotenen Spieles angeklagt. denn er ist ein paffionierter Kartenspieler und wurde gelegentlich bei verbotenem Hasardspiel betreten. Die Geschworenen beantworteten die Hauptfrage in einem Stimmenverhältnis von sechs zu sechs, bejahten aber die Zusatzfrage auf Hasardspiel einstimmig. Der Angeklagte wurde hierauf zu 48 Stunden Arrest verurteilt,- die durch die Untersuchungshaft längst verbüßt find. rb. An unsere Abonnenten und Genossenl Wir werden wie im Vorjahre die Neujahrs-Enthebunsen in unserem Blatt veröffentlichen, wodurch den Genossen die mit den Neujahrsgratulationen verbundenen erheblichen Unkosten erspart bleiben. Die Enthebung kostet KS 10*— und wird nach Orten geordnet, lediglich Namen und Beruf enthalten. Wir ersuchen alle Abonnenten die tieferstehende Enthebungs* bestellung freundlichst auszufüllen und umgehend an uns einzusenden. Die Bestellungen müssen bis spätestens 18. Dezember bei uns einlangen. Die Verwaltung. - h■ LeurUeh iiitiUnl Neujahrs-Enthebung fiir„Sozialdemokrat* 4 Ich bestelle hiemit unter dem Namen: Beruf: Ort- eine Neujahrsenthebung zum Betrage von Kö 10.— und sende ihnen diesen Betrag per Erlagschein ein. Unterschrift: Iümst und Wissen Märchenrevue in acht Bildern:„Kasperle reist inS Märchenland", Montag, 3 Uhr, im Neuen Deutschen Theater, Erstaufführung. Preise: 2.80 bis 20 KC. Spielplan des Neuen Deutschen Theaters. Mittwoch, halb 8 Uhr: Martha, B 2.— Donnerstag halb 8: Der lächerliche Sir Anthony, CI.— Freitag halb 8: Macbeth, D 2..— Samstag halb 8: Servus, Servus! Abonnement aufgehoben. Spielplan der Kleinen Bühne. Mittwoch, 8 Uhr: Annasagtnein, Bankeamte II und freier Verkauf.—Donnerstag 8 Uhr: W oz- zek. Die Geschichte vom Soldaten. — Freitag 8: K i n d i m K a m p f, Theatergemeinde des Kulturverbandes und freier Verkauf.— Samstag 8 Uhr: Kameraden. Sp&ri- Spiet■ Körperpflege 92 Atus-Vereine des 6. Kreises startbereit! Sonntag, den 15. Dezember, fanden im 3. und 4. Bezirk die letzten Funktionär-Appelle statt. Damit sind alle Gebiete des westböhmischen Turnkreises für das Bundesturnfest in Kümo t a u startbereit. An acht Appellen, in welchen als Bundesvertreter die Genoffen Storch, Mykura, Müller, Kunig und Köhler über das 3. Bundesturnfest gesprochen haben, nahmen 392 Funktionäre aus 92 Vereinen teil. Es waren dies vor allem administrative Funktionäre; die Obmänner, Kassiere, Schriftführer wurden in diesen Appellen über den Aufgabenkreis des. Atus und über die notwendige Vorarbeit für das Bundesturnfest aufgeklärt. In sechs Bezirksvorturner stunden wurden außerdem noch 394 Turnwarte und Vorturnerinnen geschult, welche von 83 AtuS-Vereinen entsendet wurden. Zusammen sind es also 786 Funktionäre, welche mit Begeisterung und den notwendigen Kenntnissen nun an die Arbeit für das 3. Bundesturnfest gehen werden. Alle Bundesvertreter haben in den Appellen die wichtigsten Organisationsfragen besprochen. Die lebendige Aussprache in allen Gebieten hat gezeigt, daß die Vereins- und Bezirksfunktionäre größten Anteil an den Sorgen des Verbandes nehmen. Von den 128 Turnvereinen des 6. Kreises haben nur 92 Vereine Kinderabteilungen, 36 müffen diese schaffen. Viele Vereinsvertreter klagten über Lokalschwierigkeiten und über Hindernisse seitens der Schulbehörden; da müssen alle sozialistischen Organisationen eingreisen. Die finan- zielle Lage des Atus ist nicht leicht, um so opferbereiter werden seine Funktionäre* am Platze sein. Fascistische Unternehmer und die Wirtschaftskrise haben Lücken gerissen, um so stärker stellen die Ar- veitersporAer ihr Kfaffenbewnhtsein in den Vordergrund. In allen Appellen wurde positiv zur Wehrbereitschaft unserer freien Republik Stellung genommen, der Atus stellt sich in die Friedensfront. Mit größtem Interesse wurde auch die Stellung zu Rußland verfolgt. Di« Arbeitersportler Westböhmens find gerne bereit, ihre Kraft für eine große, einheitliche Arbeitersportbewegung einzusetzen. Westböhmens Arbeiterfußballer beenden die Herbstserie G r a s l i tz hat es geschafft,■ wenn auch mit sehr viel Glück im letzten Spiel. Mit einem Torvorsprung von 19 Toren steht es punktegleich vor Maierhöfen, welches auch das letzte Spiel gegen S ch a n k a u gewinnen konnte. Beide Spitzenführer gingen hartumstritten aus der Herbstscrie hervor. Der FFK Falkenau hat bis zur letzten Minute in Graslitz 2:2 gespielt. Schankau konnte ebenfalls bis zur Halbzeit ein 1kl erringen und führte zu Beginn der zweiten Halbzeit sogar 3:1. Der AtuZ Karlsbad, welcher bereits seine zehn Spiele absolviert hat, beseht nun den dritten Platz in der Tabelle. Sonst ändert sich nichts mehr am Herbstergebnis, möge die Entscheidung für das ausständige Spiel Fischern gegen Franzensbad ausfallen, wie sie will. Der FFK Falkenau und die R o t e ElfChodau stellen mit je elf Punkten gute Vertreter des 5. Spielbezirkes in der Herbstserie; r t dürften, so wie Schankau und Drahowitz, auch in der Frübjahrsserie den Spitzenführern den Rang pm das Primat streitig machen. Die restlichen Punktespiele brachten nachstehende Ergebnisse: ASV Schankau gegen ASB Maierhöfen 3:5, ASB Graslitz gegen FFK Falkenau 8:2. Die Abschlußtabelle der Herbstserie ASV Graslitz... 10 8 0 2 16 53:21 ASB Maierhöfen. 10 8 0 2 16 32:19 Atus Karlsbad.. 10 7 1 2 ß 19:12 FFK Falkenau. 10 5 1 4 11 31:19 Rote Elf Chodau. 10 4 3 3 11 24:29 ASB Schankau. 10 4 1 5 9 35:31 Atus Drahowitz. 10 4 1 5 9 25:26 ASB Reudek.. 10 3 2 5 8 22:24 Atus Fischern.. 9 3 0 6 6 13:24 Atus Unterreichenau 10 2 1 7 5 17:32 Atus FranzenSbad - 9 1 0 8 2 11:44 Sonja Henie, die norwegische Weltmeisterin im Eiskunstläufen, gastiert derzeit im Prager Wm- terstadion. Was sie in.den Tanzstudjen vorführte, war wirklich sehenswert; weniger allerdings chr« gezeigten Olympia-Kürübungen, die mitunter unsicher gelaufen wurden. Abgesehen davon, käm en wir doch nicht umhin, die ganze Aufmachung der Weltmeisterin in ihren Vorführungen als wenig sportlich, sondern eher artistisch zu bezeichnen. Und damit sind auch-schon alle Zweifel in bezug ihren; Jackie Cooper in dem amerikanischen Film„Die Schahinsel". „Amateurismus" gegeben, denn solchen Firlefanz kann sich keine wirkliche Sportlerin erlauben. Aus dem„Wildwestgau". In Karlsbad fand ein Pokalspiel zwischen den dortigen Fußballklubs Sparta und Slavia statt, das von Roheiten nur so strotzte. Nach der Pause kam es sogar zu Raufereien unter den Spielern und als der sonst sehr schwach amtierende Bodenbacher Schiedsrichter Matzke gegen eine solche einschritt, soll er von einem Slaviaspieler zu Boden geschlagen worden sein. Ein Polizeibeamter schritt daraufhin ein und unterbrach das.Spiel".— Sparta ist ein deutschvölkischer und Slavia ein tschechischer Verein. Wie die.Verständigung von Nation zu Nation" in bürgerlichen Kreisen aufgefaßt wird, zeigt dieser Fall allzudeutlich... 'Dereinsnocftricftten. Heute um 8 Uhr: Gruppcu-Boll- versammlungen. Weinberge-Smi« chov im Parteiheim, Zentrum in der Liga, Holleschowitz in der Ka- menickä. Tagesordnung: Berichte und Wahl der Delegierten zur außerordentlichen Kreiskonferenz. Sozialdemokratische Flüchtlingsfürsorge. Die für Donnerstag, den 19. Dezember,«unberufene Versammlung muh wegen Raumschwierigkeiten entfallen. EKAG Heute Mittwoch: AuSschußsttzuug, 8 Uhr.— Das Frauenturnen und das Kinderturnen(Mädcheu) am Mittwoch, dem 18. Dezember, ent« ällt, da dieser Tag schulfrei ist. Das nächste Frauen- und Kindertunten (Mädchen) findet am Mittwoch, dem 8. Jänner statt.— Tie anderen Abteilungen'urnen noch diese Woche. Am 7. Jänner beginnen wieder die regelmäßigen Stunden. Der Dkm- VZ2MW»WWUMDWWWWWM Prager Weihnachtspremiere« In der Weihnachtswoche gelangen in Prag nicht weniger als zwölf Filme zur Uraufführung, und zwar: /.Die Heirat der Nanynka Kulich" im Bio „Metro"; „Wonder-Bar" im Bio„Alfa"; „Seine kleine Freundin" im Bio„Avion"; .Königin Christine" in den Theatern„Lucerna" und„Fsnix"; „Morgen beginnt das Leben" im Bio„Adria"; „Nagana, das Phantom der Wildnis" im Bio .Koruna"; „II. Mickey-Programm" im Bio „Hvözda"; „S i e B e und H a ß" im Bio„Kotva B 86"j „B a r i e t ö" in den Theatern„Gaumont" und„Hollywood"; „Der grüne Domino" im Bio„Praha"; .Klar zum Gefecht" in den Theatern „Julis" und„Svetozor" und .Tagebuch der Geliebten" im Bio.„Passage". Verlanget überall Volkszünder MMMMMl Verlanget überall Volkszünder Bezugsbedingungen: Bei Zustellung inS Haus oder be: Bezug durch die Post monatlich KC 16.—. vierteljährig KC 48.—, halbjährig Kd 96.—. ganzjährig iit 192.—.— Inserate werden laut Tarif billigst berechnet- Bei öfteren Einschaltungen Preisnachlaß,.— Rückstellung von Manuskripten erfolgt nur bei Einsenduna der Retourmarken.— Die Zeitungsfrankatur wurde von der Pott- und Tele- graphendirektion mit Erlaß Nr. 13.800/VU/I93Ü bewilligt.— Druckerei:„Orbis". Druck». Verlags» und Zeitungs-A-G.. Prag.