I Freitag, 20. Dezember 1935 15. Jahrgang Einzelpreis 70 Heller (eimchll.Blieh S H«ll«r Potte) Nr. 296 IENTRALORGAN■ DER DEUTSCHEN SOZIALDEMOKRATISCHEN ARBEITERPARTEI IN DER TSCHECHOSLOWAKISCHEN REPUBLIK ERSCHEINT MIT AUSNAHME DES MONTAG TÄGLICH FRÜH. KD AKTION und Verwaltung piag»ufochova 42. Telefon 53077. HERAUSGEBER, SIEGFRIED TAUB. VERANTWORTLICHER REDAKTEURt DR. EMIL STRAUSS, PRAG. Herriot. das zweite Opfer Lav^l’scher Politik Neue Lage in London, Genf und Paris Der„Friedensplan" so gut wie erledigt Mussolini überspannt den Bogen Der Rücktritt Sir Samuel Hoares kam trotz der vorangegangenen heftigen Kampagne der gesamten englischen Presse gegen den verunglückten Friedensplan überraschend. Denn eben hatte Baldwin noch erklärt, er werde die Polittk Hoares, die auch die seine sei, im Unterhaus verteidigen un sei sicher, daß die Ration ihm recht gebe. Man verweist in der Presse darauf, daß der Fall einzigartig dasteht, daß ein englischer Minister gewissermaßen kneift, indem er vor der Parlamentsdebatte zurückttitt, statt sich erst den Angreifern zu stellen. Run wird der Rück- tritt des englischen Außenministers vielfach als eine Folge der scharfen A n g ri f f e hingestellt, die innerhalb deS konservativen Parteiklubs gegen ihn erhoben wurden. Das dürste stimmen, nur werden die Auseinandersetzungen im Klub der TorieS sich nicht auf derselben Plattform bewegt haben, wie die Diskussion in der Oeffentlichkeit. Auch das wird stimmen, daß die Rede Mussolinis bei der Einweihung der neuen Stadt Pontinia, bei der Mussolini von dem„Egoismus und der Heuchelei" der Gegner Italiens sprach und das fett« Angebot Hoares als zu gering ablehnte, den letzten Anstoß zum Sturz des.britischen Ministers gegeben hat. Rur wird auch hier die Empörung der TorieS weniger groß gewesen sein als ihre Angst. Der Sturz Sir Samuels ist aller Wahrscheinlichkeit nach auf die nüchterne Erwägung zurückzuführen, daß man dem drohenden Sturm im Unterhaus Vorbeugen, daß man die Empörung des Hauses der Gemeinen abfangen wollte, indem man ihr ein Opfer hinwarf. Insofern wird die Rede Mussolinis mitgespielt haben, die für das englische Nationalgefühl beleidigend gewesen ist und leicht einen Sturm entfesseln konnte, dem trotz seiner Mehrheit im Parlament das Kabinett Baldwin zum Opfer gefallen wäre. So entschloß man sich zu der ungewöhnlichen Maßnahme, den Außenminister zu opfern, den man eben noch gedeckt hatte." Hoare selbst hat im Unterhause bei seiner Verteidigungsrede nicht schlecht abgeschnitten. Die Nachrichten aus Genf und Paris, die Wahrscheinlichkeit, da der angefochtene Friedensplan ohnehin erledigt sei, hat die Stünmung im Unterhaus ebenso gebessert, wie der Rückttitt Hoares seine schärfsten Gegner besänftigt haben dürfte. Ist Hoare, wie er auch in seiner Rede sehr deutlich zugibt, ein Opfer der zwei- drutigen Politik Lavals geworden, so hat diese inzwischen in Paris selbst einen weiteren Kopf gefordert. Zwischen Herriot und seiner Partei ist es zu einem Konflikt gekommen, der mit dem Rückttitt Herriots vom Präsidium endete. Im Augenblick scheint dadurch Lavals Position gestärkt, da Herriot sich für ihn opfert. Aus die Dauer aber wird Laval die Radikalen, gerade wenn sie unter neuer Führung— Chauxtemps und D a l a- di e r werden neben D e l b 0 s genannt—• stehen und auf Herriot keine Rücksicht nehmen müssen, nicht bei der Stange halten können. Die oppositionelle Welle in der Kammer schwoll Donnerstag wieder an und man forderte allgemein die Vorverlegung der Debatte über die Außenpolitik. In G e n f fängt der bürokratische Mechanismus des Völkerbundes auch die größten Stürme auf, ehe sie sich austoben können. So entschieden weite Kreise des Bundes den Antrag Laval-Hoare ablehnen, so wenig hitzig war der Beginn der Aussprache. Die Nachricht vom Rückttitt Sir Samuels mußte die Gemüter weiter beruhigen, denn nun hat der Vorschlag, dessentwegen er stürzte, ohnehin nur noch akademische Bedeutung. Eine andere Frage ist es, ob die Ereignisse in London und die Ablehnung des Projektes in Genf wie auch durch beide kriegführenden Parteien zu einem verschärften Sanktionsdruck führen wird. Der Dolchstoß L a v a l s hat doch soweit gewirkt, daß dem Völkerbund heute der Schwung ,fehlt> mtt dem- er im November für seine Grundsätze eingetreten ist. Man will weder, die Sanktionen über Nacht abbrechen, noch"aber sie bald und energisch erweitern. Nur ein K u r S- wechsel in Frankreich könnte die Situation wirklich bessern und Edouard Herriot den Krieg mit einem Mißerfolg Muffoflnis enden lassen.-", Jedenfalls ist die Pplirik der sandten Sanktionen— und das hat die öffentliche Meinung Englands begriffen—; gescheitert. Für alle künftigen Fälle wird der Bund beachten müssen, daß es n u r scharfe Sanktionen— Genf.(Tsch. P.-B.) In Genf wurden Donnerstag vormittags dir diplomatischen Beratungen über das weitere Borgehen bei Lösung des italienisch-abessinischen Konfliktes fortgesetzt. Außerdem trat am Vormittag der Völkerbund- rat in Anwesenheit sämtlicher- RatSmitglieder I mit Ausnahme des italienischen Delegierten Baron Aloisi zusammen, der in Genf nicht einge- troffen ist. Die Verhandlungen des RateS über die französisch-britischen Vorschläge waren zuweilen geradezu dramatisch. Rach langer, kurz vor 14 Uhr beendeter Debatte genehmigte der Rat eine Resolution, drrgemäß die französischbritischen Vorschläge dem Dreizehnetausschuß des RateS zur näheren Prüfung überwiesen werden. Man ist der Meinung, daß dieser Ausschuß«ach Eintreffen der definitiven Antworten der Regierungen Abessiniens und Italiens auf die französisch- britischen Vorschläge zusammentretrn werde. Der allgemeine Eindruck geht dahim daß daS französische Kompromiß schließlich nicht angenommen werden wird, da die britische Regirrung nach der Demission HoarrS die Politik der integralen Verteidigung deS Bölkerbundpäk- teS aufnrhmen und darauf bestehen werde, daß die Sanktionskonferenz ihre kürzlich unterbräche» neu Verhandlungen fortsetzr. Bisher steht nicht fest, ob über die Geltendmachung der Petroleum-, Eisen- und Kohlensanktionrn bereits aus dieser Tagung deS AchtzehnerauSschuffeS entschieden werden, der ob über diese Sanktionen erst im Jänner verhandelt werden wird. Addis Abeba. Die abessinische Antwort auf den französisch-britischen Friedensplan enthält keine kategorische Ablehnung, gibt jedoch der 8ö- sungSart den Vorzug, daß der Völkerbund den Plan selbst verwerfe.»Wir sind überzeugt", heißt es in dem Texte der Rote,„daß weder der Böl- terbundrat noch di« Völkerbundversammlung außerhalb des Paktes liegende Lösungsversuche unterstütze« werden, und zwar solche Verschlüge, die die eigentliche Grundlage, auf der der Genfer Organismus ruht, zerstören. Wir sind entschlossen, unser Gebiet und unsere Freiheit bis zum Letzten zu verteidigen." In dem hier veröffentlichten amtlichen Text ist kein Wort der Ablehnung enthalten. London.(HavaS.) In parlamentarischen Kreisen hat jener PaffuS in der Red« des italienischen Ministerpräsidenten, die er bei der Ein-> oder garTekne g e b e n kann, will man sich nicht blamieren. Und. noch, eine Lehre haben England und die Bundesmitglieder zur Kenntnis zu nehmen: daß man die Reaktionen eines faicistischen Regimes anders einkalkulieren muß als die einer normalen Regierung. Als alle Welt noch an ein baldiges Nachgeben Mussolinis glaubte, das der englischen Politik ohne Zweifel zuerst als Ziel vorschwebte, sagte ein sehr gründlicher Kenner des deutschen FascismnS und seiner führenden Männer: Diese Lösung ist zwar denkbar, aber sie ist nicht m ö g l i ch. Sie läßt sich auf dem Papier ausklügeln, sie rechnet aber nicht mit dem Faktum, daß ein Hitler oder Mussolini nicbt frei« willig zurückgehen und nicht kluge Erwägungen anstellen. Sie spielen um ihren Kopf und nur daS entscheidet bei ihren Entschlüssen, Sie müssen lieber zügrundegehcn als zurückwcichcn, koste es auch ihr Land. Mussolinis Rede in Pontinia zeigt, daß man in London falsch rechnete, als man ihn teils durch Drohungen, teils durch Entgegenkommen zu fangen versuchte. Mussolini wird wirklich nut der Gewalt Weichen, und zwar.einer höchst brutalen Gewalt, Wenn England und Frankreich vor ihrer Anwendung zurückschrccken, dann wird Mussolini, sei«S auch unter ungeheuren Opfern Italiens, die Partie gewinnen. Insofern bedeutet die nengeschaffene Lage Wohl eine gewisse Chance für den Völkerbund, aber sie ist noch lange keine ernste Gefahr für Italien. Wenn Mussolini gebändigt werden soll, müßten vorher Laval und vielleicht daS ganze Kabinett Baldwin, sicher aber der böse Geist des Foriign Oftike.der tlnterstnats'ekretär B a n- s t t t a r d stürzen, und der Nachfolger HoareS müßte mindestens Eden oder Duff C 0 0« » e r, aber nicht NevilleChamberlain heißen. weihung der Stadt Ponttnia hielt, einen starken Eindruck hervorgerufen, wonach sich all« Kräft« deS Egoismus und der Heuchelei gegen Italien vereinigt haben. In konservativen Kreisen wirkt dieser peinliche Eindruck noch stärker als das unangenehme Gefühl, das durch eine Aeußerung des Duce hervorgerufen wurde» die hier als Ablehnung des Vorschlages betreffend die Kolonisa- ttonSzone in Abessinien aufgefaßt wird. An Londoner politischen Stellen war man Mittwoch der Ansicht, daß sich dadurch die Verteidigung der Friedensvorschläge, wie sie in der Parlamentsdebatte von der Regierung beabsichtigt wird, umso schwieriger gehalten werde. Der Rücktritt Herriots Paris. Im Vollzugsausschuß der Radikalen Partei, der Mittwoch zu einer Sitzung zusammengeirrten war, entwickelte sich eine heftige Debatte, in welcher zahlreiche Mitglieder und namentlich der Deputierte Pierre C 0 t» die französisch-britischen Vorschläge betreffend die Regelung deS italienisch-abessinischen Konflittes sowie die Außenpolitik der Regierung ttitisierten. Als rin Mitglied des Vollzugsausschusses den StaatSministrr Herriot durch die Bezeichnung „Kuhbändler"(nach anderen Versionen„Roßtäuscher") welcher unausgesetzt zwischen Laval und den Radikalen verhandle, beleidigte, und ttotz der Aufforderung HerriotS und des Präsidiums dieses Wort nicht widerrief, legte Herriot da s P r ä s i d i u m deS BollzugSausschuffeS und den Vorsitz in der radikal-sozialistischen Partei nieder. Der ehemalige Ministerpräsident D a- lädier sowie auch andere Mitglieder versuchten, vergeblich auf Herriot einzuwirken, von diesem Entschlüsse abzugebrn, Herriot machte darauf aufmerksam, daß sich bei der letzten Abstimmung über daS Vertrauensvotum der Regirrung bezüglich der Außenpolitik 85 radikale Deputierte gegen die Regierung, also gegen ihn, und nur 45 für die Regierung ausgesprochen hätten. Rach Mitternacht begab sich neuerlich eine Abordnung zu Herriot und verhandelte mtt ihm bis zwei Uhr, Herriot beharrte jedoch auf seiner Demission. Bisher kann nicht gesagt werden, ob er sei- nen Rücktritt noch zurücknehmen, oder ans ihm beharren und welche Folgen der Beschluß Her- riots haben wird. (Fortsetzung auf. Sette 2). 1 Dramatische Verhandlungen Der versessene Regenschirm Ein großes historisches Schauspiel, der Form aber auch' dem Inhalt nach, fand Mittwoch im Wladislaw-Saal der Prager- Burg seinen Abschluß. Das wochenlange heiße Ringen um die Lösung der Präsidentschaftsfrage hat einen großen und würdigen Abschluß gefunden. Beifallsrauschen empfing das neue Staatsoberhaupt, lieber die Dächer von Prag dröhnten Kanonenschüsse. Der Staatsakt im Wladislaw-Saal war abgeschlossen und nahm auf dem Burghof, wo die Armee dem neuen Präsidenten huldigte, seine Fortsetzung. Langsam strömten die Teilnehmer durch die altertümlichen Gänge ins freie, innerlich tief bewegt von dem Nachfiebern schicksals- hafter Stunden. Auf der leeren Bühne aber blieb ein vergessener Regenschirm zurück. Dieser vergessene Regenschirm war die Fraktion des Herrn Konrad Henlein. Man hat die vielbeschäftigten SdP-Mannen einfach im Winkel stehen gelassen. An ihnen be«' wahrhcitete sich daS alte Reiterlied: Gesttrn noch auf stolzen Rossen... Innerhalb einer bewegten innerpolitischen Woche ist die alleinseligmachende Partei Henleins hoch emporgestiegen und tief gefallen, ganz im Sinne des Bibelwortes:, Wer sich selbst erhöht, der soll erniedrigt werden". Die Prälidentenwahl bot der SdP die erste Chance, als politischer Fak- tar In die. Entscheidungen der Staatslebens einzugreifen. Sollte das neue Staatsoberhaupt im ersten Wahlgang durchdringen, dann genügten die Sttmmen der Koalitionspartkien nicht. Schon bei früheren Anlässen hatten Oppositionsparteien in solcher Stunde eir positives Votum abgegeben. Auch die deutschen Sozialdemokraten stimmten 1927 für Masaryk. Diesmal aber drohte die Koalition in zwei Lager zu zerfallen. In solcher Situation lag die Entscheidung bei der Opposition. Es wurde auch schon sehr eifrig diskutiert, welche Oppositio isgruppen für Dr. Benes oder für seinen Gegenkandidaten stimmen werden. Für eine deutsche Partei konnte es in solcher Konstellation kein Zögern und kein Schwanken geben. Auf der einen Seite der Vermächtn:-träger Ma- saryks, auf der anderen Seite der Vorsitzende des Nationalrates Prof. N e m e c— da wußte Wohl der letzte Häusler im Böhmerwald Bescheid, von welcher Seite mehr Verständnis und Sinn für nationale Gerechtigkeit zu erwarten war. Die SdP machte jedoch in diesem historischen Augenblick nicht BolkSpolitik, sondern engstirnige Par eipolitik. Es hat ja nicht an Spekulanten gefehlt, die strit ihrer Haltung zur Präsidentenwahl ein kleines Parteigeschäft machen wollten. Der Henlein-Abgeordnete Köhler sah bereits am Sonntag, nach dem Wortlaut seiner Brüxer Rede zu schließen, eine v«berganfSregie- r u n g kommen und die Marxisten ans der Koalition hinausfliegen. In spätestens einem Jahre sollte die HdP— nach Köhler—„zwangsläufig" an ihr Ziel kommen, Teilhaberin einer antimarxistischen Bürgerblockregierung zu sein. Daß Köhler in gleichem Zusammenhang Dr. Benes die größten Aussichten für die Präsidentschaft zusprach, war nur ein taktisches Manöver zur Täuschung der tschechischen Linken über die wahren Absichten der SdP- Fraktion. Wenn nämlich die Partei Henleins ernsthaft mit einem Sieg Dr. Benes' gerechnet hätte, dann wäre sie gär nicht in die Versuchung gekommen, ihre Stellungnahme bis zur letzten Stunde hinauSzuzögern. ES genügt, ein deutschbürgerliches Zeugnis über die kläglich«. Rolle der Henleinjünger in den vergangenen Tagen zu zitieren. Der christlichsozialen Deutschen Presse wird darüber von wohlinformierter Sette berichtet: „Nach dem wilden Kampf,' den die SdP die vergangenen Wochen hindurch im Anschluß an daS letzte Expos« des damaligen Außenministers Dr. Benei gegen die deutsche chriftlichsoziale Volkspartei begonnen hatte, ist es endlich der SdP zum Bewußtsein gekommen, daß sie sich fürchterlich verrannt hat. Bor der Neuwahl deS Staatspräsidenten hatte man in christlichsozialen Kreisen erwartet, daß die SdP als weitaus stärkste Partei mit allendeot» scheu Pa r't ei e n F ü h l u n g nehmen Seit« 2 Freitag, 20. Dezember 1935 Nr. 206 Fraktion in die Wüste der Verlassenheit verirrt und warfen gleich ihnen weiße Stimmzettel in die Urnen. Zum zweiten Male nach der Abstim- mung über das Expose: des Außenministers befand sich die Sudetendeutsche Partei in restloser Isolierung. Wieder ist ihr eine Spekulation vorbeigelungen. Weit und breit ist leine Möglichkeit mehr offen, welche die SdP auf kurzem Wetze zur ersehnten Machtergreifung führt. Sie wird weiter das bittere Brot einer vereinsamten Oppositionspartei essen müssen. Werden sich aber die fünfvier» telMillion Wähler der SdP den Luxus lei sen k ö nne n, n^ch lange Jahre auf ein politisches Wunder zu warten? Hoares Rechtfertigunssrede (Fortsetzung von Seite 1) London.(Reuter.) Die Sitzung des Unterhauses wurde in ungewöhnlich ernster Stimmung eröffnet. Als Baldwin das HauS betrat, blieben die Beifallskundgebungen auS. Als um 18.40 Uhr der zurückgetretene Außenminister Hoare das Haus betrat, wurde er auf der Ministerbank mit Beifall empfangen. Der Beifall wiederholte sich, als Hoare um 18.46 Uhr das Wort ergriff. Es wurden zwar einige feindliche Ausrufe auf den Bänken der Arbeiteropposition laut, doch trat sofort tiefe Ruhe ein, als Hoare zu sprechen begann. Sir Samuel Hoare führte unter anderem auS; seit seinem Amtsantritt als Außenminister habe er die Dringlichkeit zweier großer Probleme erkannt: 1. Alles zu tun, was in seiner Macht stehe, um eine große europäische Feuersbrunst zu verhüten, und 2. nichts unversucht zu lassen, um einen isolierten Krieg zwischen Großbritannien und Italien zu verhindern. Er persönlich habe alles in seiner Macht Stehende getan, um die Weltmeinung gegen den abessinischen Krieg in der Genfer Vollversammlung zu mobolisieren. Jeder weitere Tag dieses Krieges habe größere und gefährlichere Probleme heraufbeschworen. ES seien Schwierigkeiten im Fernen Osten entstanden und Schwierigkeiten in Aegypten und auch in mehr als einer Gegend Europas hätten sich drohende Wolken zusammengezogen. Die Gefahr eines Kriegsausbruches habe sehr schwierige Fragen zwischen England und Frankreich aufgeworfen. Jedermann müsse sich darüber klar gewesen sein, daß weite Kreise der' französischen Oeffentlichkeit einen Bruch mit Italien befürchteten und gleichzeitig große Nervosität empfanden über die Möglichkeit einer Schwächung der Berteidigung Frankreichs. Angesichts dieser Tatsachen habe er alles getan, um eine Regelung zu ermöglichen. England habe die doppelte Aufgabe gehabt, in vollem Maße an dem kollektiven Vorgehen teilzunehmen und gleichzeitig zu versuchen, eine Friedensgrundlage zu finden. Ein« neue Lage sei durch die Frage einer Oelsperre entstanden. Gesetzt denFalk.daß das Oelembargo unter Mitwirkung der Richt- mitgliedSstaatm hätte in Kraft gesetzt werden können» so würde das Oelausfuhrverbot unter Umständen das Ende der Feindseligkeiten erzwungen haben. Aber gerade deshalb wäre dir Lage vom Standpunkt pes italienischen Widerstandes sofort gefährlicher geworden. Von allen Seiten seien Berichte eingegän- gen, daß Italien ein Oelembargo als eine militärische Sanktion oder als einen kriegerischen Akt ansehen würde. „Ich wünsche", so fuhr Hoare fort,„unsere Lage völlig klarzumachen. Als Nation empfanden wir keinerlei Furcht vor irgendeiner italienischen Drohung,(Lauter Beifall) wie auch immer sich Italien verhalten haben würde. Wir würden, wie die Geschichte lehrt, einen solchen Angriff mit Erfolg zurückgeschlagen haben." Ein isolierter Angriff dieser Art auf eine einzige Macht ohne die Gewißheit einer vollen Unterstützung der anderen Mächte würde fast unvermeidlich zu der Auflösung deS Völkerbundes geführt haben. Unter diesen Umständen habe er sich vor zehn Tagen nach Paris begeben. Es sei in einer Atmosphäre des Krieges gewesen, als die Besprechungen begannen, und eS habe auf der Hand gelegen, daß die große Mehrheit der Genfer Mitgliedsstaaten gegen die Anwendung militärischer Sanktionen zu sein schien. Der Beifall des Hauses erneuerte sich, als Hoare erklärte, daß kein Mitgliedsstaat mit Ausnahme Englands, irgend welche militärischen Borsichtsmaßnahmen ergriffen hätte, während die meisten Mitgliedsstaaten an wirtschaftliche» Sanktionen teilgenommeu hätte«..... Zwei Tage lang« habe er mit Laval über ein^'DiskllffihUSg^lMMrge gesprochen.'"Die Vorschläge, die sich aus diesen Besprechungen ergeben haben, enthielten manche Dinge, die weder er noch Laval billigten. Sie schienen jedoch beiden Staatsmännern die einzige Grundlage gewesen zu sein, auf der möglicherweise Besprechungen hätten eröffnet, werden können. Es sei notwendig gewesen, einen Versuch zu machen, die eng- lisch-französische Solidarität aufrecht zu erhalten. In diesem Geist habe man sich auf die Vorschläge geeinigt. DaS sei die einzige Erklärung und Rechtfertigung der Pariser Verlautbarung. Sir Samuel Hoare erläuterte dann die Pariser Vorschläge und hob hinsichtlich des Hafens von Assab hervor, daß über keinerlei Beschrän- werde, um eine gemeinsame Richtung der fast 100 deutschen Stimmen bei der Präsidentenwahl anzuregen. Aber die SdP hat sich zwar in Brünn bei den kürzlichen Gemeindewahlen mit den tschechischen Fascisten gefunden, die Unterhändler der SdP sind auch in eine Koalition mitStkibrnh geraten, aber zu den deutschen Parteien hat sie nicht gefunden. DaS war derschwersteFehler, den die SdP begangen, ihre Bloßstellung wird sie kaum jemals wieder verwinden können. Wäre staatsmännischer Sinn bei den Führern der SdP, dann hätten sie im Bewußtsein der Verantwortung für das deutsche Boll im Staate unbedingt für Dr. Benes stimmen müssen. Statt dessen haben sie leere Stimmzettel abgegeben und dadurch bewiesen, daß sie Nichtwissen, was sie wollen, trotzdem sie lange, lange und länger als alle anderen Parteien beraten hatten, was sie tun sollten. Biele, viele Leute in den Reihe» der SdP selbst schüttel» den Kopf über dies« politische Kläglichkeit und empfinden diese Tatsache als überaus peinlich. Die SdP verhandelte wegen der Stim- menabgab« mit der tschechische» Agrarpartei, aber auch mit Benes-Leuten. Dr. Benes hat jede Verbindung mit der SdP abgelehnt. Die Agrarier bedienten sich der SdP alS S ch a ch f i g» r, solange die Grgenkandidatur des Prof. Römer aufrecht war, als aber Römer seine Kandidatnr zurückgezogen hatte, hielt man esgfür überflüssig, den Berhandlungspartner SdP zu verständigen." Am Vorabend der Wahl ergab sich in der Tat eine groteske Situation. Die Beratungen der SdP-Frakfion hatten schon vormittag begonnen. Nachmittag beriet ein Parteirat weiter, doch bis in die Abendstunden wurde kein Ergebnis bekannt. Die Männer, die so wenig vom Reden halten und der Wählerschaft tausendfach versprochen hatten zu„handeln", konnten zu keinem Entschluß kommen. Dabei verpatzten sie offenbar den jähen Wandel der Gruppierungen: das Einschwenken der slowaki- schen Bollspartei, den Umfall der tschechischen Gewerbepartei und der Agrarier. Die Mehrheit für Benes war schon haushoch gesichert, aber die EdP-Leute fühlten sich noch immer als„Zünglein an der Waage", berieten ruhig weiter und meinten, das Land werde Kopf stehen vor Neugierde, was sie eigentlich beschlossen haben. Ob der Parteirät Henleins per Zufall oder erst aus der Mittwochmorgenpresse erfuhr, wieviel es inzwischen geschlagen hatte, wird ein ewiges Geheimnis bleiben. Jedenfalls berieten die Männer des.„Handelns" noch am Mittwoch früh lustig weiter, doch kein Mensch war mehr neugierig, was sie auch beschließen mochten. Es ging ihnen wiö dem Mädchen beim Rendez-vöusr Bestelltundnicht abgeholt., So saß dann die zahlreiche Mannschaft Konrad Henleins beim Wahlakt einsam und verlassen im Wladislaw-Saal. War es nur ein Traum, daß sie sich vor zwölf Stunden noch ungeheuer wichtig und von allen Seiten umworben fühlten? Wo waren plötzlich ihre„Verhandlungspartner" verschwunden? Begegneten sie einem der Männer, aus die sie ihre antimarxistischen Regierungshoffnungen gesetzt hatten, dann erinnerten sie vielsagende Blicke an den bekannten Vers: Blamier mich nicht mein schönes Kind, Und grüß mich nicht unter den Linden! Sogar die gesinnungsverwandten Kramak« Sttibrnh-Leute wählten anders. Rur einige tschechische Fascisten hatten sich mit der Henlein- An alle Kolporteure und Abonnenten! Anläßlich der Weihnachtsfeiertage wird«nser Blatt früher gedruckt, so daß die Rümmer vom Mittwoch, de« 25. Dezember, bereits«m acht Ahr früh i« alle« Orte» ist. Die Donnerstagnummer vom 26. Dezember und die Freitagausgabe vom 27. Dezember entfüllt, so daß die nächste Ausgabe erst am Samstag, dem 28. Dezember erscheint. kung, z. B. über ein Verbot des Eisenbahnbaues von Addis Abeba nach Assab, verhandett worden sei. Unter großem Widerspruch der Opposttion erklärte Sir Samuel, die Pariser Vorschläge seien für Italien ganz erheblich ungünstiger als die Forderungen, die Mussolini im letzten Sommer Eden gegenüber stellte. Abessinien habe er, Hoare, nicht vergessen. ES gebe nur zwei Wege, den Krieg zu beenden: Entweder Frieden durch Vereinbarung oder Frieden durch Kapitulation. Er glaube an die erstgenannte Möglichkeit. Sir Samuel Hoare sprach dann über die Bedingungen des modernen Krieges und schloß mit der Erklärung: Ich habe es als meine Pflicht angesehen, dem Unterhaus die Lage hinsichtlich der Gefahren, welche ich in der Zukunft sehe, wenn wir nicht allen Tatsachen begegnen werden, so klar wie nur möglich darzulegen. Ich bin fest überzeugt, daß ich nicht anders vorgehen konnte. Ich bin aber auch fest überzeugt, daß die Politik eines Außenministers die allgemeine Billigung seiner Mitbürger haben muß. Diese habe ich nicht und deshalb bin ich zurückgetreten. Dies ist der einzige Grund meiner Demission. Der Führer der arbeiterparteilichen Opposition, Attlee, der hierauf das Wort ergriff, erklärte, es könne keine Erklärung der Regierung angenommen werden, aus der nicht klar hervorgehe, daß die Regierung eine kollektive. Verantwortung trage und Hoare lediglich zum Sündenbock gemacht worden sei. Wenn der Rücktritt Hoares zu Recht erfolgt sei, dann müsse auch die Regierung zurücktreten. ES entspreche nicht dem britischen Sinn für fair play und Gerechtigkeit, wenn dem Lande, da» gefehlt habe, ungeheure Zugeständnisse auf Kosten des Opfers gemacht würden. Ein solches Verfahren bringe nicht den Frieden, sondern das Schwert, da es eine unmittelbare Ermutigung zu künftigen Kriegen sei. Der Redner bezweifelte, daß es möglich sein würde, eine Regelung zu finden, die für alle drei Parteien in gleicher Weise annehmbar sein würde. Attlee schloß seine Rede mit einem Bekenntnis zu einem unter Führung Englands aufzubauenden System kollektiver Sicherheit, unter dessen Schutz die Abrüstung herbeigeführt werden könne, die alle Kriege beenden werde. Wenn die Regierung nicht von dem Pariser Friedensplan Abstand nehme, werde die Welt in Anarchie und Krieg verfallen. Hierauf brachte Attlee einen Miß- trauensantrag gegen die Regierung ein. u N Sl : RI IG El 1 1 SICHT 30 Roman von Karl Stym Copyright by Eugen Prager-V erlag, Bratitlava Ich siehe allein auf einem weiten Felde, darüber der Nebel so tief hängt, daß ich mich darunter bücken muß. Meine Füße stecken bis zu den Knien in teigigem Lehm. Aus dem niedrigen Streifen zwischen Nebel und Feld rast eine Meute toller Hunde auf mich los. Ich will laufen, doch der Dreck hängt wie Blei an den Füßen. Der Schweiß rinnt mir in die Augen und mein Schreien erdrückt der Nebel zu jämmerlichem Gewinsel.— „Was winselst und strampelst denn so?“ weckt mich Hell. „Ich hab so scheußlich geträumt!“ Ich bin froh, daß ich wach bin. Ringsherum ist noch Ruhe. Nur hie und da dreht sich einer um oder redet im Schlaf. Plötzlich fährt Uhu mit seinen Händen in die Höhe. Zugleich wird er wach. „Verdammte Luder!“ Paul und ich lachen. Irgendwer hat dem schlafenden Uhu die Rockärmel über die Hände gezogen und unterhalb zusammengebunden. Uhu schimpft verärgert. Er reckt und streckt sich, um die Hand frei zu kriegen. Die Nähte krachen. „Wart’ mal!“ Paul macht die Schnüre auf. „Wenn ich nur wüßte, wer’s war!— Aber so schlecht ist’s gar nicht, jetzt hab’ ich schon warme Hände!“ „Na siehst!“ Uhu setzt sich zu uns auf unser Brettbett Zusammen bewitzeln wir die komischen Figuren der Schlafenden. Der Häuer Hager, zum Beispiel, liegt platt auf dem Bauch, die Hände vors Gesicht haltend. Nach einer Weile sagt Hell: „Ich hab’ eine Idee!— Wir schreiben ringsherum auf die Ulme Streikparolen. Aber— Farbe?“ „Haben wir“, begeistert sich Uhu.„Ich weiß, wo der Markscheider seinen Farbtopf versteckt!“ „Mach schnell!“ Nachdem wir Farbe haben, geht die Klexerei los. Da nur ein Pinsel vorhanden ist, wechseln wir im Malen ab. Das ist auch notwendig, denn zwischendurch müssen wir die Hände auf ein Weilchen unter die Achseln stecken. Es ist ein ganz niederträchtig kaltes Geschäft, das. Nach einer Stunde sind wir mit unserem Lager fertig. Auf den Ulmen steht dick und patzig, in weißer Farbe zu lesen: „Brot oder Tod!“ „Herinnen wollen wir sterben! Draußen müssen wir krepieren!“ „Kamerad! Denk an dein Weib! Denk an deine Kinder! Denk an dich selbst! Sei stark!“ „Die werden schauen!“ freut sich Uhu.„Und— aushalten!“ Wir legen uns nieder und warten mit halbgeschlossenen Augen. Als erster wird Fogger Schorsch wach. Er reibt sich die Augen und rekelt sich. Er liest und lächelt. Aber nur einen Moment lang. Dann wird sein Gesicht ernst, sehr ernst. Er steht schwerfällig auf und betastet die Schrift. •„Ganz frisch!“ murmelt er.„Nicht schlecht!“ Wir freuen uns, rühren uns aber nicht. Das Spiel wiederholt sich bei noch mehreren. Dann schlafen wir ejn.— Abends haben wir den ersten Kranken. Peter Pohl hat das Grubenfieber. Er verdreht gräßlich die Augen, so daß man nur das Weiße darin sehen kann. Peter war sofort mit unserem Plan einverstanden. Nun ist er der erste, der zusammenklappt Armer, kleiner Kamerad! Ich grolle ihm nicht mehr. Rohling, Hell und ich legen unsere Röcke auf einen leeren Wagen und darauf den Kranken. Peter ist so leicht, daß ihm beinahe einer allein nach Hause tragen könnte. In einem lichten Augenblick zieht mich Peter zu sich und sagt leise: „Fritz, ich geh’ wieder zur Mutter!“ „Recht so, Peter!“ Wir schieben den Wagen vor uns her. Ein trauriger Zug. Aus den Seitenstrecken schauen die heißen Augen der Kameraden auf uns. Eine bange Frage glüht darin: Der erste!— Wieviel werden noch drankommen?— Und wird es doch nicht umsonst sein? Herrgott, sind wir arme Teufel!— Wir lassen die Barrikade nieder und tragen Peter auf den vordersten Wagen. Unsere Überröcke ziehen wir wieder an. Das ist nicht Rücksichtslosigkeit gegen unseren Kameraden. Peter kommt in den warmen Tag hinaus, wir aber müssen noch weiter im kalten Loch bleiben. Plötzlich, wie aus dem Boden gewachsen, steht Ing. Krakauer vor uns. Hinter ihm etwa fünfzehn Soldaten mit aufgepflanzten Gewehren. Wir sind so überrascht, das augenblicklich keiner etwas sagen kann. Zum Aufrichten der Barrikaden ist es schon zu spät, so stellen wir uns quer zur Strecke. Auch die beiden Streikposten, der alte Daniel und sein Kamerad, schließen sich an. Krakauer ist als Draufgänger bekannt „Platz da! Ihr wollt ja nichts anderes als ausgeräuchert zu werden!“ „Da müßt ihr aber vorerst hier vorbei!“ Wir sind fest entschlossen, niemanden durchzulassen: „Dummköpfe!“ brummt Krakauer. Die Soldaten hinter ihm entsichern ihre Gewehre. Das fühlt sich in den Nerven wie boshafte Nadelstiche. Ich weiß nicht, was ich eigentlich von den Kerln da mit den Schießeisen halten soll. Das eine aber weiß ich bestimmt daß kein einziger von ihnen im Krieg war. Ich auch nicht aber ich wäre dort gewiß nicht davongelaufen. Diese milchigen Gesichter jedoch sehen nachgerade aus. als würden sie im Ernstfälle mit Tränen rühren. Nr. 29« Freitag, 20. Dezember 1935 Seite 3 #udetendeuts k a r t e n gerichtet hat, in dem er darauf auf- ! merksam machte, daß zwar sein Schwiegersohn j Abgeordneter, aber nicht in der Lage sei, seinen Schwiegervater zu unterstützen... Achtung, Schwindler! Wie die Bezirksorganisation Ko» m o t a u der DSAP mitteUt, hat sich dieser Tage bei ihr ein gewisser Artnr Verles eingefunden und mit einer Bestätigung des Kreissekretariats Pilsen der DSAP ausgewiesen. Den Ko- motauer Genossen kam dieser Ausweis verdächtig vor und daher wurde er dem Genannten abgenommen und unserem PUsner Kreissekretariat nach Pilsen eingesandt. Dabei wurde festgestellt, daß Artur Verles im Pilsner Kreissekretariat, wo ihm eine Unterstützung verweigert wurde, auf irgendeine Weise einen Briefbogen mit dem Aufdruck des Kreissekretariats entwendet haben mutz. Die Bestätigung hat er aber selbst geschrieben und dieAnterschriftdesKreis- sekretürs gefälscht. Da anzunehmen ist, daß sich Verles ähnlicher Methode» auch anderswo bedient, sei vor ihm gewarnt. Es handett sich zweifellos um einen Abenteu rer oder Schwindler. Kohle für Arbeitslose billig verfrachtet. Im Sinne deS Regierungsbeschlusses vom 19. Oktober 1935 bewilligte das Eisenbahnministerium für die Verfrachtung von 7500 Tonnen Braunkohle und 3000 Tonnen Steinkohle, welche der Verband der Grubeneigentümer zur Hilfsattion des Fürsorgeministeriums zugunsten der Arbeitslosen stiftete, eine 35prozentige Frachtermäßigung. 50 Prozent der Frachtgebühren hat die empfangende Gemeinde zu bezahlen und die restlichen 15 Prozent der Fracht wird das Ministerium für soziale Fürsorge decken. Prager Motorradmesse im Frühjahr 1936. Der Verband der Händler und Gewerbetreibenden der Autobranche in der Tschechoftowakei entschloß sich auf Grund der früher gemachten Erfahrungen im Rahmen der Prager Frühjahrsmesse vom 8. bis 15. März eine eigene Motorradmeffe durchzuführen» die nicht nur Motorräder, Auto« und Moto-Ausrüstungen und Bestandteile, sondern auch ekngeführte Automobile umfassen soll. Als Anziehungspunkt dieser Veranstaltung sollen ferner zwei Ausstellungen dienen, von denen die eine Rennmaschinen, welche im Motor- oder Autosport Erfolge erzielten, und die andere die gesamt« Fachpresse umfassen soll. Todesopfer eines üblm Scherzes. In De- bteczist wurde der 1 4 j ä h r i g e G y m n a- sia st Johann Somlyay das Opfer eines schlechten Scherzes. Somlyay hatte seine Kameraoen zu sich geladen und traktierte sie mit Wein. Im Verlaufe des Gelages schütteten ihm seine Mitglieder in sein Glas i n Wa s s e r a u f- gelöstenPaprika. Somlyay leerte ahnungslos sein Glas. Er brach bewußtlos zusammen und starb unter großen Qualen auf der Klinik. Das Verfahren wurde eingeleitet. Bon der Zeugen- ans die Anklagebank. In dem Prozesse gegen die Mitschuldigen Sta- w i s k i s wurde Mittwoch aus einem Zeugen ein neuer Angeklagter. Der ehemalige Direktor der Sozialversicherung, Tissot, der als Zeuge einvernommen wurde, gestand im Kreuzverhör der Verteidigung der Angellagten und nach erfolgter Aussage zweier Angellagter, daß er Beziehungen zu Stawiski und dessen Mitarbeitern hatte. Der Staatsanwalt erlangte die Neberzeu- gung, daß ihm die Betrügereien StawistiS nicht unbekannt gewesen seien und erhob augenblicklich gegen ihn die Anklage. Eine Sohnesmörderin. Größtes Aufsehen erregt in T o k i o die Ermordung des 25jähri- gen Studenten Mitsugi durch seine Mutter und seine 21jährige Schwester unter Beteiligung des Vaters, eines Arztes. Der Mord wurde verübt, um die hohe Lebensversiche- , r u n g Mitsugis auszunützen. Die 16 neuen Kardinäle. Gestern vormittags fand in der Peterskirche in Rom ein feierliches öffentliches Konsistorium statt, in welchem der Papst den 16 neuen Kardinälen dieKardi- nalshüte übergab." Es ist dies zum ersten Male in der Kirchengeschichte, daß das Konr storium im Hauptschiff der Peterskirche abgehalten wurde. Die Masartzk- Studentenstiftmig. DaS Ministerium für Schulwesen und Bolkskultur verteilt 400 fteie Stipendiat-Plätze der Masaryk-Studenten- stiftung im Betrage von je KL 4000.— und KL 3000.— jährlich an Hochschulhörer in der Tschechoslowakischen Republik. Näheres in den Kundmachungen, die in den Hochschulen auSgehängt find. Vom Rundfunk (■HaMmwartM ans den Programm«“ SamStag: Prag, Sender L: 10.05: Deutsche Presse. 12.10: > Schallplatten-Ouvertüren, 13.40: Chansons, 15: I Schallplatte«: Mozart, 16.05: Konzert, 17.55: Deutsch«' Sendung: Deutsche Weihnachtslieder, 18.45: Deutsche Presse, 22.15: Tanz. Sender S: 7.30: Leichte Musik. 14.10: Deutsche Sendung: Heimische Lyriker. 18.45: Opernarien.— Brünn 15: Schallplattenkonzert, 17.40: Deutsche Sendung: Winter und Weihnacht.— Mäbrisck-Osiri» 18: Leichte Musil. Rr. 29« Freitag, 20. Dezember 1935 Seite 5 26V außerordentliche Züge der Prager Staatsbahndirektian Die Staatsbahn-Direktion Prag gibt bekannt: Vom 2 1. D e z e m b e r d. I. bis 2. Jänner 1936 werden auf den Eisenbahnlinien im Bereiche der Staatsbahndirektion Prag 260 außerordentliche Schnell- und Personenzüge eingereiht werden. Die regulären Schnell- und PersonenzugS-Garnituren werden in außerordentlicher Weise u m 9 5 0 Waggons vergrößert werden. Einkommensteuer «ah bis End« Jänner rintrkannt werden. DaS Bekenntnis zur Einkommensteuer, zur allgemeinen Erwerbsteuer für das Steuerjahr 1985 ist gemäß 8 807 d. G. betr. die dir. Steuern und der Reg. Vdg. vom 22. November 1985, 8- 215 Slg. d. G. u. Vdg. bei der nach dem Wohnorte (Sitze) des Steuerträgers zuständigen Steueradministration in der Zeit bi- Ende Jänner 1986 einzubringen. Da- Bekenntnis zur Einkommensteuer ist einzubringen verpflichtet, wer im Jahre 1985 ein steuerpflichtige» Einkommen(zusammen mit dem Einkommen der Gattin oder Lebensgefährtin und der minderjährigen Kinder) von mehr als 7006 fli hatte. Die Empfänger von Dienstbezügen, denen die Einkommensteuer ordnungsgemäß im Sinne der 88 80 und 31 abgezogen oder von der Steueradministration gemäß 8 33, Ms. 1 und 2 des Gesetzes bemessen wurde und die(einschl. dem Einkommen der Familienangehörigen) kein anderweitige» Einkommen über 500 XL haben, find von der Verpflichtung, ein Bekenntnis einzubringen, befreit, außer fie würden hiezu besonders aufgefordert werden. Diesen Empfängern steht da- Recht zu, die ordentliche Bemessung der Steuer nach den allgemeinen Bestimmungen de- Gesetzes über die direkten Steuern zu verlangen. Ein solche- (stempelfreie-) Gesuch, dem ein ordnungsgemäß auSgefüllteS Bekenntnis beizuschließen ist(8 82, Abs. S, de- zit. Ges.), ist längstens b i S Ende März 1936 einzubringen. Die bloße Ueberreichung des BekenntniffeS ohne Gesuch würden aber die Steueradministrationen nicht als ein solches Gesuch betrachten, und würden dasselbe nicht nach 8 32, Abs. 5, sondern nur im Sinne des 8 82, Ms. 4, des zit. Ges. in Verhandlung nehmen. Alle Einkünfte, Gewinn« oder Bezüge werden für das Jahr 1935 in der Höhe, die fie im Jahre 1935 tatsächlich erreicht haben, einbekannt, Da- Bekenntnis darf nur auf den amtliche n D r uzk.s orten»inrebrachs werden. M^fe^virKen'.nicht,'kostenlos äüSgegebin werden um die Steueradministrationen werden überhaupt keine zur Verfügung haben. Demjenigen,-er da- vorgeschriebene Bekenntnis innerhalb der angeführten Fristen nicht einbringt, kann dieSteuervonAmtS wegen ohne seine weitere Mitwirkung anch den vorliegenden Behelfen bemessen werden, ohne daß er vorher zur Abgabe deS BekenntniffeS aufgefordert werden müßt«(8 309, Abs. 1 d. G.). Außerdem kann er gemäß 88 185 ff. d. G. bestraft werden; ebenso derjenige, welcher im Bekenntnisse unrichtige Angaben macht. Zu 260 Jahren Zuchthaus verurteilt New Kork. Die„weiße Tigerin", die Königin der Gangster von New Dort, Eicon ora Karmouth, ist vor einiger Zeit zu nicht weniger als 260 Jahren Zuchthaus verurteilt worden. Sie hat jetzt ein Gesuch eingereicht, daß ihr die Strafe verkürzt werden sollte. Man wird sich darüber wundern, denn schließlich 100 oder 260 Jahre Zuchthaus müßten doch das gleiche sein; man erlebt ihr Ende sowieso nicht. Aber das ist ganz und gar nicht so. Denn nach dem amerikanischen Gesetz hat jeder Verbrecher bei guter Führung das Recht, seine bedingte Freilassung zu verlangen, wenn er ein Drittel seiner Strafe abgesessen hat. Darum lächeln die Gangster mitleidig über die Richter, die sie nur zu 20 Jahren verurteilen, weil sie dann große Chancen haben, bereits nach sieben Jahren wieder herauszukommen, was entschieden weniger ist als der elektrische Stuhl. Eleonora Jarmouth hatte mit 260 Jahren keinerlei Chancen mehr; denn selbst das Ende eines Drittels hätte sie nicht mehr erlebt. Wäre ihr die Strafe auf 100 Jahre verkürz; worden, so hätte die noch nicht 80jährige Frau damit rechnen können, wenigstens mit 60 Jahren herauszukommen. Wer das Gesuch ist abschlägig beschieden worden. Der polnische„Goldmacher" Jng. DuNiko w s k i ist, aus San Remo kommend, mit seiner Familie in Brüssel, eingetroffen und beabsichtigt, neue Versuche zur Erzeugung von Gold in größerem Maßstabe aus- zunehlnen. Sorgen der griechischen Offiziere. Die griechischen Offiziere sandten an den Kriegsminister, an den Marineminister und an den Minister für Flugwesen eine Eingabe, in der sie die Aufhebung des Gesetzes fordern, demzufolge die Offiziere keine Duelle annehmen dürfen. Die griechischen Offiziere ersuchen, die Wiedereinführung des Duells zuzulaffen, denn derzeit könnten viele Offiziere keine Satis-fikation erreichen, so daß einige Offiziere sogar Selbstmord verübten, weil sie Obwohl in, Sen I Springern, ern der Eaer(Karlskiad- fieber" erfaßt sein. Durch g®l Verhaftungen und damit, daß da- Rennen abge sagt wurde. . Ueberlegen konnte der 1. Bezirk (Karlsbad-Neudek) gegen den 3. Bezirk(Grasl'tz) gewinnen. Doch machte sich schon damals ein starker Jugendnachwuchs aus dem GraSlitzer Bezirk bemerkbar. Der Jänner ist der große Aufmarschmonat für die Wintersportler des Atus. In Mähren, im Riesengebirge,.in Nordböhmen und>m Erzgebirge finpen Sonntag für Sonntag die Bezirkswintersportfeste statt. Bon den zehn Bezirken des 5. Kreises werden sechs oder sieben Bezirke Bezirkstreffen durchführen; diese Bezirke haben bereits ihre Bezirksmannschaften für da- Bundeswintersportfest nominiert. Im 6. Kreis werden alle Bezirke den Monat Jänner für die Vorbereitung ihrer Wettkämpfer verwenden. Ein Be- zirkswintersportfest am 12. Jänner in N e u h a m- m e r deS 1. Bezirkes eröffnet den Reigen, er folgen das BezirkSwintersporffest des 3. Bezirke? am 19. Jänner in GraSlitz und des 5. Bezirkes am 26. Jänner In Grün bei Falkenau. Der 2. Bezirk sieht ebenfalls Treffen der Wintersportler im 'Ascher und im E g e r e r Gebiet vor. Die Gruppe Ta ch au deS 4. Bezirkes will ihre Wintersportler nicht nur nach JoachimSthal bringen, sondern vorher in das Kaiserwaldgebiet nach PerlSberg zum Neben führen. Auch der Böhmerwald ist lebendig geworden, e» Regen bereits Wintersportmeldungen von Neuern und M e tz l i n g vor; sonach wird auch da» Eisensteine! Gebiet vom Arbeiter« Wintersport erfaßt und durchdrungen. DaS BundeSwinterfportfest in St. JoachimSthal verspricht eine ganz große Veranstaltung zu werden. Ihre Teilnahme haben ungarische und schweizerische Arbeitersportler versprochen, aber auch die tschechischen Arbeiter« turner rüsten fleißig. Eine prächtige Festschrift liegt bereits vor; eine besondere Ueberraschung wird aber auch das schöne Festabzeichen sein, welche» den Pauschalkartenbeziehern mit der Festschrift vorher zugeschickt wird. Die Fragebogen für daS Bundeswintersportfest mit der Festeinladung werden diese Woche auSgeschickt... lind nun: die Bretter raus, der Schnee ist dal Der Rachefchwur de» Auchth8«»ler» Brüssel. Die gesamte belgische Polizei sucht fieberhaft nach dem aus dem Zuchthaus von Tour« ^>ey entsprungenen, zum Tode verurteilten Mörder H e r r e g o bitt Estzlrivt zunächst unklar; nrtc-er Ausbruch bewerkstelligt worden ist, und'alle» läßt darauf schließen, daß Herregodt Komplicen außerhalb des Zuchthauses gehabt haben muß. Mer die größte Besorgnis geht in andere Richtung. Herregodt hatte nämlich geschworen, daß, wenn ihm die Flucht gelänge, er seine Frau, die ihn verraten hat, und den Richter Mauroy, der ihn zum Tode verurteilt hat, ermorden würde. Die Frau wird darum seit der Kunde von seinem Ausbruch sorgfältig bewacht, und auch die Villa deS Richters ist ständig von einem Kordon von Polizisten umgeben. Sollte Herregodt nicht über die nahe französische Grenze geflüchtet sein, so ist trotz aller Vorsichtsmaßnahmen immer noch zu befürchten, daß er seine Drohung wahrmacht. Herregodts wurde Dienstag im französischbelgischen Grenzbahnhof MouScron von einem Reisenden nach einer Photographie erkannt. Als der Reisende die Polizei auf den Flüchtling auf» mcrksam machen wollt«, warf dieser ihn zu Boden und flüchtete. Die Polizei fahndete in den Hotel- der ganzen Umgebung vergeblich nach ihm. Mitteilungen aus dem Publikum. Früher nannte man e» Influenza, aber die Feiten haben sich geändert und auch dje Influenza ist„mit der Zeit gegangen" und hat sich zur bösartigen Grippe ausgelvachsenl Um so mehr muß ihr — und rechtzeitig l— begegnet werden: der Alva- Franzbranntwein, tropfenweise dem Gürgelwaffer zugesetzt, desinfiziert die Mundhöhle und AtmungS- wege, und zu regelmäßigen Einreibungen benutzt, belebt und stärft er den Körper! Fragen Sie Ihren Arztl Tälern der Eger, der Miesa und der Elbe noch nicht viel vom Schnee zu sehen ist, im oberen Erzgebirge, auf den Kämmen des Riesengebirges, in den hohen Bergen ie? Böhmerwaldes fahren aber unsere Arbeiterwintersportler schon fleißig über die Hänge. In wenigen Tagen wird jedoch auch da- tiefer« Land vom„Schnee« die Herabsetzung der Wintersport-Unfallvers ich e- r u n g von 7 auf 3 XL wird sich die Zahl der versicherten Arbeiterwintersportler in diesem Winter um da- Zehnfache vermehren, Heute sind schon im 6. Kreis mehr Wintersportler versichert als im ganzen Winter deS Vorjahre». Die Wintersportversicherung mutz sofort abgeschlossen werden. Alle AtuS-Vereine haben die Meldelisten erhallen; nm 3 KC können sich alle Mitglieder deS AtuS gegen Wintersportunfälle versichern lassen. Wettkämpfer zahlen mit der Zusatzversicherung 7.50 Ai, die Leistungen sehen ein Taggeld von 5 K(, weiter hohe Beträge bei Todesfall und bleibender Invalidität vor. In wenigen Tagen wird der erste Start erfolgen. Der 6. Kreis wird am 1. Jänner sein„Neujahrstreffen" in Bärringen durchführen. Als Vorprobe fürdaSBundeSwintersport- f e st, welches bekanntlich am 1. und 2. Feber in St. Jo a chimS th alstattfindet, wird am 1. Jänner in Bärringen am Vormittag ein Slalomlauf für Sportler und Sportlerinnen durchgeführt. Nachmittags findet da» Eröffnungsspringen auf der .Roten Schanze" statt. Der Schanzenrekord beträgt derzeit 46 Meter, der Springerrekord 43 Springer bei einer Veranstaltung. DaS letzte Springen am 17. März 1935 in Bärringeu erfolgte als Bezirksmannschaftskampf 1. gegen 8. Bezirk mit je Mlf — Wir haben schon zwei Tage nichts Jgessen... — Na, die Tage sind.1a jetzt kurz.. die ihnen angetane Schande nicht'sühnen konnten. Zum Schluß wird in der Eingabe gefordert, daß Duells nur Offizieren, Politikern und Journalisten gestattet sein dürfen... Also schon stellen sich, ehe der König noch recht warm geworden ist, wieder die alten Auswüchse des . Feudalismus in Griechenland' eins- • i' DrriMuk der Dreizehn. Freitag/. d«N zeuibrp, war fütf die Abergläubischen inallerr Ländern ein besonderer Tag. Wie die englischen Zeitungen berichten, hat der„Klub der Dreizehn" diesen Tag selbstverständlich nicht vorübergehen lassen, um ihn gehörig zu feiern. Dieser Klub bekämpft den Aberglauben, und zwar gerade dadurch, daß seine Mitglieder sich verpflichten, alles das zu tun, was Abergläubische vermeiden. Bei diesem Bankett waren selbstverständlich alle dreizehn Mitglieder zugegen. Er sind übrigens recht wohlsituierte Herren, Advokaten, Aerzte, zwei bedeutende Journalisten und Künstler. Einer von ihnen war gerade verreist und wurde einige Tage vorher zutückgeholt, damit nicht etwa zwölf bei Tisch seien. Beim Banket? brannten 13 Kerzen, das Tischtuch war schwarz,»jeder bemühte sich, soviel Salz zu verschütten wie, möglich, und alle betraten den Raum, nachdem fie unter einer angelehäten Leiter hindurchgegangen waren. Eine unglückselige Wette. Der Arbeiter Gorin mls Ballons(Frankreich) betrat mit einigen Freunden nach der Arbeit eine Wirtschaft. Man war in fröhlicher Stimmung und da Gorin Hunger hatte, bestellte er sich Würstchen und behauptett, sechs Paar hintereinander aufessen zu können. Wie immer in solchen Fällen war bald eine Wette geschloffen. Er verpflichtete sich, die sechs Paar Würstchen hintereinander in einer Minute aufzuessen. Tatsächlich unterbot er noch diese Rekordzeit und verschlang die Würstchen in 50 Sekunden. Wer unmittelbar darauf fühlte er sich unwohl, und noch auf dem Wege zum Hospital vrrstatb er an den Folgen dieser Unbesonnenheit. Verlängerter Telephondirnst in Spitzberg und Eisenstein. Um den Bedürfnissen der Skifahrer und Touristen entgegenzukommen, hat sich die Postverwaltung entschloffen, in der Wintersaison 1935/36 bei den Postämtern in Spihberg und Eisenstein den verlängerten Dienst im Telephonbetriebe einzuführen. In dec Zeit vom 21. Dezember 1935 bis .6. Jänner 1936 wird bei diesen Aemtern ununterbrochen von 8 Uhr bis 21 Uhr der Telephondienst gehalten werden. An de« weiterest, Sonn- und Feiertagen wird, solange in der Umgebung von Spitzberg und Eisenstein die Schneeverhältnisse günstig sind, ab 12. Jänner 1936 bei den genannten Aemtern ununterbrochener Telephondienst von 9 Uhr bis 19 Uhr angeordnet. Bei einem Rennen in Sidney kam es vor lür- zem-u einem beim Turf noch nie dagewrsenen Zwischenfall. Ein Pferd, daS als Favorit galt, hatte e'stige Male fehlgestartet, so daß es der Starter endlich disqualifizierte. Das Publikum, das gerade auf dieses Pferd hoch gesetzt hatte, protestierte, die Menge überflutete die Bahn und bedrohte den Starter. Dieser riß einen Revolver aus der Tpsche und droht« jeden niederzuschießen, der nicht sofort die Bahn freigeben würde. Er hielt tatsächlich viele Hunderte in Schach, und die Sache endete mit So sieht ihre„Zivilisation“ aus Aus der Italienischen Kolonie Eritrea (P.S.) Das internationale Arbeitsamt veröffentlicht einige interessante Arbeitsverordnungen der italienischen Kolonialverwaltung von Eritrea. Es handelt sich dabei um Dokumente, di« in aufschlußreichster Weise die Ausbeutung der eingeborenen Arbeitskräfte beleuchten. Man hat eine Reihe von Maximallöhnen festgesetzt, die für eingeborene nicht über 15 Lire betragen; die Sätze sind gestaffelt, je nach Art der Arbeit und nach' den verschiedenen Gegenden deS Landes. Für die Arbeit von Kindern sind T a- geSlöhne von 1,50 bis 2 L i r e angesetzt. Die erwachsenen einheimischen Arbeiter erhalten im allgemeinen nicht mehr als 2.50 bis 3.50 Lire. WaS die Kinderarbeit betrifft, so gibt eS keinerlei Schuhgesetze— die Kinder sind dem Zwang der Arbeitgeber vollkommen ausgeliefert. Vor allem gibt es keinerlei Begrenzung deS Arbeitstages. Bor einigen Wochen schrieb daS römische Blatt„Critica fascista" folgendes:„Abessinien ist ein Land von ungeheurem Reichtum» nicht nur an Rohstoffen, sondern auch an nicht auS- aeDxt^N HschWfMWLe^R^oMM; die * I Eigentümer lassen alles unatlSgenutzt, Wir aber werden diese Quellen ausschöpfen, und die Eingeborenen werden die ersten sein, die daraus Nutzen ziehen". DaS Beispiel von Eritrea zeigt, welcher Art dieser vorgebliche Nutzen ist. Di« Abessinier werden, wenn der Krieg zugunsten deS FasciSmuS auslaufen sollt«, in dieselbe' Sklaverei übergeführt werden, für die heute schon die Kolonie Eritrea ein so anschauliches Beispiel bietet. Die Kirche auf der Seite des Faselsmus In der Sanktionsabwehr bringen die ttalienischen Geistlichen ihre goldenen Ketten und goldenen Kreuze dem Staate zum Opfer, wie es dieserBischof hier mit einer Ansprache im Beisein des Duce(ganz rechts) tut. Die Bretter raus, der Schnee ist da... Seite S „Sozialdemokrat" Freitag, 20. Dezember 1935. Nr. 298 Aaqrr fei-tuaa Unsere sozialistischen Akademiker an Benes. Die Freie Vereinigung sozialistischer Akademiker hat an den Präsidenten Dr. Benes ein Glückwunsch-Telegramm gerichtet, an dessen Schlüsse es heißt: Die deutsche sozialistische Studentenschaft der Tschechoslowakischen Republik wird wie bisher mit allen ihren Kräften dazu beitragen, die Ideale, aus denen unser Staat geboren ist, der Verwirklichung näherzubringen. Sie baut darauf, in Ihnen, Herr Präsident, dabei einen Förderer zu finden. Der Präsident der Republik, Dr. E. Benes, wird Freitag, den 20. d. Vk., um 15 Uhr unter Teilnahme des Ministers für nationale Verteidigung Machnik und der Repräsentanten der Armee einen Kranz auf dem Grabe des Unbekannten Soldaten im Altstädter Rathaus niederleaen. Opfer der Not...Gestohlene Weihnachtsbäume zu verkaufen." Mit dem Ausruf näherten sich vorgestern abends zwei unbekannte Männer mittleren Alters einer Holleschowitzer Christbaumverkäuferin an der Ecke Belcrediftraße—Steinmetzgasse und boten ihr einen Packen Weihnachtsbäume zum Verkauf an. Als sie ablehnte und die beiden fortschicken wollte, ergriffen' diese kurzerhand einen zweirädrigen Karren, der der Frau gehörte, luden ihre Weihnachtsbäume auf und fuhren davon. Die resolute Verkäuferin setzte ihnen nach, holte sie tatsächlich ein und nahm ihnen den Karren ab: den Dieben selbst aber gelang es, zu entkommen. Die sofort verständigte Polizei nahm die Suche auf und entdeckte die beiden in einem Hollescho- witzer Wirtshaus, vor dem sie die Bäume abgelagert hatten. Der eine von ihnen, der 36jährige ar» heits- und wohnungslose Ant. Dvokäk, liest sich widerstandslos abführen, der 29jährige, ebenfalls arbeits-undwohnungslose Karl Dragoun jedoch setzte sich zur Wehr, wurde nach kurzem Kampf überwältigt und ebenfalls auf die Wachstube gebracht. „Achtung, Gas! und vier andere Selbstmorde. Als der städtische Angestellte Karl Päsek aus Wrscho- witz vorgestern abends in seine Wohnung kam. bemerkte er einen starken Gasgeruch und sah ein Schild mit dem Aufschrift:„Achtung. Gas!" an der Küchentür hängen. Da diese versperrt war, mustte er die Glasscheibe der Tür einschlagen, um eindringen zu können. In der Küche fand er seinen Untermieter, den 23jährigen Studenten Alois Pseniknh tot am Boden liegen. Die Leiche wurde ins Institut für gerichtliche Medizin gebracht. Das Motiv der Tat ist unbekannt.— Gestern mittags tötete sich die 22jäh- rige ehemalige Hausgehilfin'Bozena Winter aus Prag-Weinberge in der Wohnung ihres Onkels in Smichow durch einen Schust aus einer Repetierpistole ins Herz. Das Motiv der Tat ist unbekannt.— Gestern kurz vor Mittag sprang die 27jährige Arbeiterin Franziska Belika aus Hloubötin in den Hlou- bitiner Mühlteich und konnte nurmehr als Leiche aeborgen-sverden. Da» Motiv der Tat ist Krankheit. Die Leiche wurde ins Institut für gerichtliche Medizin gebracht.Vorgestern abends trank die 40jährige Marie Fiel. Gattin eines Instrumentenmachers, in ihrer Wohnung in Lieben ein unbekanntes Gift. Im Krankenhaus auf der Bulovka gab sie zerrüttete Familienverhältnisse als Motiv ihrer Tat an.— Zur gleichen Zeit wurde die 21jährige Zdenka Lettl aus Zsijkov, die kurz vorher aus dem Fenster des zweiten Stockes in selbstmörderischer Absicht in den Hof gesprungen war und sich den rechten Arm gebrochen hatte, auf die Klinik Iiräsek gebracht. Die Ferse abgeriffen. Das Opfer eines merkwürdigen Unfalls wurde vorgestern abends um 8 Uhr der 19jährige arbeitslose Zahntechniker Karl Lippert aus Prag XU, den der 18jährige, ebenfalls arbeitslose Handlungsgehilfe Karl Fleischner aus Karolinental auf seinem Motorrad mitgenommen hatte. Er benahm sich während der Fahrt so ungeschickt, dast er sich mit der Ferse im hinteren Rade verfing, wobei er sieben Drähte aus dem Rad rist und ihm selbst die Ferse abgeriffen wurde. Er wurde auf die Klinik Iiräsek gebrächt. Die Regulierung von Holleschowitz. Ab 21. Dezember 1933 wird die Staatliche Regulierungskom« Mission für die Dauer von vier Wochen, d. i. bis ein« fchliestlich 17. Jänner 1936. einen Regulierungsentwurf für den Gebietsteil Prag VII(Holleschowitz) östlich von der Bilsköho tkida und nördlich von der Staatsbahn Prag—Eger mit den angrenzenden Teilen von Prag VIII(Liben) und Prag XIX(Bu- beni) zur öffentlichen Einsichtnahme auflegen. Der Volksbildung im Dritten Reich Von Otto Friedrich DaS neue Statistische Jahrbuch Deutschlands rst recht schweigsam geworden. Man kann das allenthalben feststellen, vor allem aber auch in den statistischen Angaben über das Unterrichtsministerium. Immerhin genügen schon die lpenigen konkreten Zahlen, um den Grund der Schweigsamkeit erkennen zu kaffen: man fürchtet den Vergleich mit den früheren Zuständen I Ein Beispiel mag genügen: Im Oktober 1934 war die Zahl der Schüler gegenüber der Vergleichsziffer vom 15. Mai 1931 von 4 681.130 auf 5,606.029 gestiegen. Die Zahl der Schüler hatte sich also in diesem Zeitraum um 824.899 vermehrt, aber die Zahl der Schulen ist von 33.479 auf 32.833, also um 646 Schulen gesunken und die Zahl der Schulklassen hat sich von 117.959 auf 116.398, also um 1561 vermindert. Mtt anderen Worten: Während der Bevölkerungszuwachs annähernd 2500 neue Schulen erfordert hätte, sind 646 eingegangen, es find also in Preußen, für die allein diese Statistik gilt, über3000 Schulen weniger als früher, d. h. es ist eine Schul- t.dnahme um mehr als 10 Prozent festzustellen. Daß der Besuch der Universitäten' und Hoch- Entwurf wird in der Kanzlei der Staatlichen Regu- lierungskommiffion in Prag I. Novä radnice. 3. Stock, zur Einsichtnahme aufliegen. Aümst und Wisaen Prager Konzertsaal Auch in den Tagen vor Weihnachten war in Prag an Konzerten kein Mangel. Was ebenso den Mut wie die Unerfahrenheit der Konzertgeber beweisen könnte. Dabei ist gerade in diesen konzertungün- stigsten Vorweihnachtstagen ein Fall ungerechtfertigter öffentlicher Konzerttätigkeit festzustellen gewesen. Grace Macbride, die amerikanische Geigerin, die sich zum erstenmal in den Prager Konzertsälen vorstellte, ist keine Instrumentalistin, deren Spiel so reif wäre, den Titel„Kunst" in Anspruch nehmen zu dürfen. Denn sie beherrscht nicht einmal die Technik des Geigenspieles so volllommen. wie es ein öffentliches Konzertauftreten erfordert, und hat in allgemein musikalischer Hinsicht noch eiuen weiten Weg zum Ziele wirklicher Künstlerschaft. Was nützte, ihr eine Suite von Joh. Seb. Bach im Programm, wenn sie ihr stilistisch und geistig alles schuldig bleiben mußte, was ein Konzert von Glasunoff, wenn sie ihm technisch nicht gewachsen war? Daß sie fich mit ihrem routinierten Klavierbegleiter, dem Wiener Professor Otto Schulhof, nicht verständigen konnte, ist wohl auch auf das Konto technischer Unzulänglichkeit der Geigerin zu setzen. Um so merkwürdiger mutete es bei der Zweifelhaftigkeit der Kunst dieser Geigerin an, daß sie der überwiegenden Mehrheit des Publikums gefiel und durch Beifall ausgezeichnet wurde.— Auffallend groß ist die Zahl der P i a n i st e n, die in der heurigen Konzertsaison den Weg zu uns finden.. In knappen vierzehn Tagen lernte man drei neue Meister der Taste kennen: Richard Glas, einen in Technik und Anschlag beachtlichen Künstler. Georg Pinkas, einen fünfzehnjährigen, halb als Wunderkind, halb als reifen Konzertkünstler zu wertenden Pianisten, und Bernard Kaff, einen seiner Kunst ergebenen, technisch tüchtigen und auch aeistig hochstehenden Pianisten. der schon in der Programmgestaltung seine ehrlichen Ziele erkennen ließ.— Daß wir gerade den intereffantesten und vielleicht besten Klavierabend, jenen der Prager Pianistin Alice Herz- Sommer nicht hören konnten, bedauern. wir lebhaft. Denn diese ehrgeizige und NNstloS in ihrer Kunst lebende Künstlerin hatte ein Musterprogramm vorbereitet, in dessen erstem Teil die klassische und roman- tische Klaviermusik l Beethoven— Schumann) vertreten war, währenb der zweite Teil der modernen Klaviermusik(Röuffel— Prokofieff— de Falla— Albeniz) gewidmet war.— Der letzte Abend zeitgenössischerMusik des Prager Deutschen Kammermusikvereins diente dem > Lied» und der Klaviermusik. Zur Ausführung gelaugten Bela DariokS„Dorffzencn" für Ttf-mg. iimge i Gesangsstücke aus dem alpinen„Reisebuch" von Ernst Kkenek. sechs Etüden für zwei Klaviere von Felix Petyrek, eine Klavier-Sonate von Alfredo Casella und eine Klavier-Suite des heimischen Komponisten Wilhelm Ieletz. Künstlerische Mittler des Programms waren die vortrefflichen Prager deutschen Pianisten Prof. Eugen Kal ix von ber Deutschen Musikaka- demie und Dr. Ernst L a tz k o sowie Frau Mali Trümmer(Gesang).— Lebhafte Konzerttätigkeit hat in der diesjährigen Herbst-Konzertsaison das Prager Tschechische Staatskonservatorium entfaltet. Zunächst hatte dieses rührige Kunstinstitut zwei schöne und würdige Gedenkfeiern veranstaltet: eine für seinen verstorbenen Rektor Josef S u k(mit Werken nur dieses Meisters) und eine für die verstorbene Professorin E m i n g e r (mit einer Aufführung des Requiems von Mozart). An öffentlichen Schülerkonzerten dieser führenden tschechischen höheren Musiklehranstalt wurden geboten: Drei der Gesang-, Biolin-, Klavier- und anderer Instrumentalmusik gewidmete normale Schülerabende und zwei Abende der Meist e r k l a s s en für Violine und für Klavier. Eines ber letztgenannten Schülerkonzerte interessierte durch die Mitwirkung zweier junger Klavier- t a l e n t e, die bereits an der Prager Deutschen Musikakademie ihre ersten künstlerischen Erfolge hatten. der Pianistin Gerta R e s e k und des Pianisten Franz Holletschek.— Das Prager Staatskonservatorium war auch Hauvtbeteiligter bei einem Konzerte der Prager Mozart-Ge- sckulen eingeschränkt worden ist und eine Abnahme ter Hörerziffer von 82.698 auf 76.961, also um 5131 Hörer stattgefunden hat, wäre bei ber Ueber- füllung der akademischen Berufe an und für fich nicht zu bedauern, wenn man nicht wüßte, daß po- lnische Beweggründe auch hiefür maßgeblich gewesen sind. Richt nur, daß man außer den sogenannten„Nichtarierin" auch zahlreiche„Marxisten" u.ld„StaatSseinden" den Besuch der Hochschulen un- n.öglich gemacht hat und durch Aufrechterhaltung der hohen Kolleggebühren nach wie vor die ärmeren Schichten allen Reden von der„Volksgemeinschaft" und der„Verbundenheit von Hirn und Faust" zum Trotz den Zugang zu-den höheren Bildungsstätten versperrt hat, hat man auch eine weitere Verschärfung de» Bildungsmonopols im Parteisinne durchgeführt. Man hat da-, früher selbständig arbeitende„Deutsche Studentenwerk" in ein Rcichs- studentenwerk umgewandelt und übt nunmehr das von jener sozialen Einrichtung geschaffene Stipen- dünwesen nach rein parteipolitischen Gesichtspunkten aus. Das offizielle Organ der deutschen Studentenschaft„Der deutsche Student" brachte darüber Angaben, die für sich selbst sprechen. Bon den zu Ende des Sommersemesters unterstützten 395 Studenten waren nämlich 276 in irgendeiner nationalsoziali- stffchen allgemein politischen oder hochschulpolitischen m e i n d e. deffen Ertrag für die Erhaltung der Villa' „Bertramka". in der Mozart wohnte und wirkte, bestimmt war. Denn es hatte sirr diesen Anlaß nicht nur sein ausgezeichnet zusammengespieltes und mit echt jugendlichem Feuer musizierendes Zöglings-. Orchefter. sondern auch den Dirigenten in der Person des vielerfahrenen Professors Paul Di- bekek zur Verfügung gestellt. Das Programm des Konzertes enthielt ausgewählte Werke von Mozart: eine Konzert-Arie, ein Divertimento, ein. Flötenkonzert, das Vorspiel zur Oper„Mithribates, König des Pontus" und die Symphonie in G-dur. E. I. Weihnachtsspielplan des Deutschen Theaters Großes Haus Montag. 3 Uhr.„Kasperl ereistins Märchenland". Weihnachtsschau mit Musik und Tanz in acht Akten. Hauptbilder: Schneewittchen. Rotkäppchen, Frau Holle, Rumpelstilzchen, Aschenbrödel etc. Preise Xc 2.50 bis 20.—. Für zwei Kinder genügt ein Platz. Erwachsene können gegen Lösung einer Zuschlagskarte ein Kind mitnehmen!— Mittwoch. den 25. Dezember, halb 3 Uhr.„Anna sagtnein". Kä 2.50 bis 20.—.— Mittwoch. 7 Uhr.„Loh eng rin"(BI).— Donnerstag, halb 3 Uhr,„Die erste Legion". Xi 2.50 bis 20,—.— Donnerstag. 8 Uhr. zum erstenmal„Eine Nacht in Venedig" Operette von Johann Sttauß(C 2). Kleine Bühne Mittwoch, den 25. Dezember, viertel 4 Uhr, „DerKönig mit dem Regenschir m". KC 6.—. 12.—. 18.—.— Mittwoch. 8 Uhr. Welt-Uraufführung„Der andere Napoleon"(Napoleon Unique) von Paul R ay- nal. deutsch von Robert Blum.— Donnerstag, 3 Uhr.„Kamerade n". Xi 6.—, 12.— 18.—. — Donnerstag, 8 Uhr, Erstaufführung„Wir werden beobachtet". Lustspiel von Adler und Frank. DaS Nationaltheater teilt mit, daß es zu Ehren deS neuen Staatspräsidenten demnächst eine Festvorstellung veranstalten wird. Spielpla» des Neuen Deutschen Theaters. Heute, Freitag, halb 8 Uhr:„M a c b e t h", D 2.-— Samstag halb 8: Servus, Servus! Abonnement aufgehoben. Spielplan der Kleinen Bühne. Heute, Freitag, 8 Uhr: Kind im Kampf, Theatergemeinde des Kulturverbandes und freier Verkauf.— Samstag 8 Uhr: K a m e r a d e n. llus. der Partei Bezirksorganisatiorr Prag der Deutschen sozialdemokratische» Arbeiterpartei. Zeitnngsaktion am Samstag, dem 21. Dezember. Wir ersuchen alle Genoffen und Genoffinnen, die halbwegs Zeit haben, uns zu helfen. Wenn wir ge- nügend Kräfte zur Verfügung haben,. werden wir sam-iag fertig. Ausgabe ab 2 Uhr tut Panethelm. Die Bezirksvertretang. Republikanische Wehr, Ortsgruppe Prag. Alle Mitglieder müffen sich an der Zeitungsaktion am Samstag, dem 21. Dezember, beteiligen. Ab 2 Uhr im Parteiheim. Der Dlm- Die Wunder-Bar Die Firma Warner Brothers, die einst mit dem Tonfilm vom singenden Narren groß wurde, lebt noch 1 immer, was sie durch diesen Film von der Wunder- Bar beweist, in dem auch der Sänger des„Sonny Boy". AlIolson. wieder in natura und als Reger geschminkt erscheint. Die Handlung ist dem Theaterstück von Farkas und Herczeg entnommen, das vor etwa sechs Jahren eiy Ausstattungsschlager gewisser Berliner und Wiener Bühnen war, und das durch das damals hochaktuelle Lied„Wenn die Elisabeht nicht so schöne Beine hätt'" sozusagen berühmt wurde. Daß man im Film dieses kriminalisttsche Revuestück verändert hat, wäre kein Fehler gewesen, wenn man es beffer gemacht hätte. Aber man bat nur den Song von der schönbeinigen Elisabeth durch einen Tanzschlager ersetzt, der den weitaus witzloseren Refrain hat: „Wenn der schöne Tanz vorbei ist. sagst du Gut' Funktton beschäftigt. So waren 81 von ihnen SA- Führer und-Unterführer, 26 führende Mitarbeiter 'm nationalsozialistischen Studentenbund, 78 Stu- dentenschaftSführer und Amtsleiter, 29 Führer in nationalsozialistischen Kameradschaftshäusern, 52 Leiter nationalsozialistische: Fachschaften, 13 Hitler- lugendführrr, mehrere Funktionäre der SS. des Luftsportverbandes und schließlich noch 120„Mitarbeiter der örtlichen Studentenwerke". Wenn zu ftüheren Zetten eine gleiche Zahl politischer Funk- ttonäre und gar solcher Funftionäre, die in der studentischen Verwaltung tätig waren, sich mit Stipendien hätten versorgen laffen, so hätte mit Recht die übrige Studentenschaft von einer maßlosen Korrupten gesprochen. Heute aber nennt man das„eine planmäßige Auslese" und man ist stolz darauf, daß „fich die Angehörigen der Reichsförderung neben ihrer reinen Studienarbeit in der Führung natio- nalsozialistischer Gliederungen und in der Arbeit um die Neugestaltung der deutschen Hochschulen ein- jetzen". Ist schon der Zaun um- Wissen, den seit alterS- her das bürgerliche Bildungsmonopol aufgerichtet hat, hoch genug, um für den Mann aus dem Volke kaum übersteigbar zu sein, so wird jetzt. noch darüber der Stacheldraht des nationalsozialistischen Varteimonopols gezogen. E. Cesarskaja in dem Sowjetfilm„Liebe und Haß". Nacht" und statt de» Originalschlagers„Hier in der Wunderbar, da ist es wunderbar" singt Al Iolson ein Negerlied vom Esel, mit dem der Nigger gen Himmel reitet, was durch eine umfangreiche Revueszene vom Negerhimmel veranschaulicht wird. die. gelinde gesagt, nicht gerade von edlem Geschmack zeugt. Es ist nicht die einzige Revueszene dieses Films, der eher in einem Zirkus als in einer Bar zu spielen scheint und der. nachdem ein Mord aus Eifersucht unv ein Selbstmord geschehen ist. nicht weiß, wie er eigentlich enden soll. Da auch di« schöne Dolores del Rio eine Rolle bat, mit der nichts anzufangen war. ist das Ganze ein wenizec als mittelmäßiger Unterhaltungsfilm.—eis— Literatur „Klapperzahns Wunderelf" von Eduard Baß (Verlag Dr. Rolf Passer, Wien). DaS ist eine lustige Geschichte für Jungen, die Futzballfreunde sind, und daS sind ja nicht wenige! Und es ist noch dazu eine Geschichte, die ein Landsmann geschrieben hat! Aus dem Tschechischen übersetzt wurde sie von Josef Kalmer und Marianne Wallner. Josef Cape! hat sie mit lustigen Zeichnungen geschmückt. Klapperzahn hat elf Söhne, und da er ein armer Häusler ist, seinen Söhnen al'o nichts mitgeben kann, und nicht recht weiß, was aus ihnen werden soll, macht er eine Fußballmannschaft aus ihnen I Es hat nie einen besseren Trainer gegeben als den alten Klapperzahn, denn von den: Augenblick an, die die Elf zum ersten Male öffentlich austreten(oder sagt man sportlich: antreten?), find fie unbesiegbar. Die tschechoslowakische Meisterschaft gewinnen sie mit 122:0, und dann folgen Siege in aller Welt, zuletzt, nach einem abenteuerlichen Schiffbruch, sogar ein siegreicher Kamps gegen eine Menschensressermann- schaft. Zwischen den Sie>en und bei den Wettkämpfen gibt es mancherlei lusttge Episoden,— das Buch Eduard Ba..s wird also zweifellos den Jungen gefallen, und vielleicht auch manchem erwachsenen Futzballfreund. Ganz unmerklich aber, ganz unaufdringlich, wirkt es doch auch erzieherisch: die elf Söhne KlapperzabnS zeigen, t..» man an sich arbeiten mutz, datz man be'arrlich sein mutz, wenn man ein Ziel erreichen will! Josef Beränck:„Vrednä'ky o pracovnim prävu". (Borträge über ArbcitSrrcht) Verlag der Zenttale der Revierbergräte, Prag 1935. Der Sekretär der Zentrale der Revierbergräte, Genosse Josef B e r n- nek, einer der*est:n Kerner des Arbeitsrechtes, insbesondere des Rechtes de: Bergarbeiter, hat eine Reihe von Vorträgen, die er in der letzten Zeit im Rundfunk gehalten hat, in Form einer Broschüre erscheinen laffen. Die Vorträge haben alle Vorzüge, die von den früheren Arbeiten Beräneks bekannt sind. Sie verbinden eine gemeinverständliche Darstellung mit strenger Wissenschaftlichkeit und Griind- lichkeiü E. Sch. Urania*Kino, Kümentskä 4. Fernsprecher 61623. Der Zigeunerbaron Hohe Tatra Dr. Szontagh Sanatorium Nov» Imakovec, 1O1O m Indikationen: Erkrankungen der Lunge. Hilusprozesse. Erkrankungen des Kehlkopfes, tuberkulöse Erkrankungen der Gedärme, Knochen, Gelenke und anderer Organe Die Lungenheilanstalt steht im Vertragsverhältnisse mit f*em Heilfonde der Staatsangestellten, mit der Zentralversicherungs- anstatt und allen Krankenkassen ♦ 3196 Bezugsbedingungen: Bei Zustellung ms Hau» oder bei Bezug durch die Poft monatlich Xi 16.—. vierteljährig Kd 48.—. halbjährig Xi 96.—. ganzjährig Xi 192.—.— Inierare werden laut Tarif billigst berechnet. Bei öfteren Einschaltungen Preisnachlaß.—? Rückstellung von Manuskripten erfolgt nur bei Einsendung der Retourmarken.— Die Zeitungsfrankatur wurde von der Post- und Tele. graphendirektion mit Erlaß Nr. 13.800/V11/I930 bewilligt.— Druckerei: ,F)rbis". Druck«. Verlags- und Zeitungs-A.-G.. Prag.