Einzelpreis 70 Heller (•ln*chli«Blich 5 Haller Porto) IENTRALORGAN PER DEUTSCHEN SOZIALDEMOKRATISCHEN ARBEITERPARTEI IN DER TSCHECHOSLOWAKISCHEN REPUBLIK ERSCHEINT MIT AUSNAHME DES MONTAG TÄGLICH FRÜH. Redaktion und Verwaltung präg xiufochova a. Telefon sott. HERAUSGEBER: SIEGFRIED TAUB. VERANTWORTLICHER REDAKTEUR: DR. EMIL STRAUSS, PRAG. 15> Jahrgang Samstag, 21. Dezember 1935 Nr. 297 Segen den faschistischen Eroberungskrieg (I. I.) Die Antikriegskommission der Sozialistischen Arbeiter-Internationale und des Internationalen Gewerkschaftsbundes hielt am 17. Dezember in Paris unter dem Vorsitz von Louis de Brouckäre und Löon Jouhaux eine Sitzung ab, in der folgende Kundgebung beschlossen wurde: „Eine Schicksalsstunde ist für den Völkerbund gekommen. Er hat z« entscheiden, ob seine Satzungen Wirklichkeit werden solle«, ob die historisch« Wendung, die die Aechtung und Be, strafnng jedes Versuches eines Erobernngskrie- ges bedeutet, sich vollziehen wird oder ob die Menschheit zn dem alte» System der Raubkriege zurückkehren soll. Der Vorschlag Laval-Hoare ist aufgebaut auf de« alte« Grundsätze« imperialistischer Eroberungspolitik, er gibt dem von aller Welt festgestellte« Aagreiferfürdenzyui- schcnBruchdes Völkerbundpaktes eine Belohnnng au neuem Land und wirtschaftliche« Einflußsphären. Das Antikriegskomitee des JGBund der CAI, das sich am 17. Dezember in Paris versammelt hat, fordert den Völkerbund«nd alle seine Mitglieder in dieser Schicksalsstunde auf, unverbrüchlich festzuhalte« an der Anwendung entscheidender Sanktionen gegen den imperialistischen Angriff, den der italie- »ischc Faschismus unternommen hat. Der ZGB »ad die SAJ habe» immer wieder den Willen der internationalen Arbeiterklaffe zum Ausdruck gebracht, die Sanktionen gegen die Friedensbrr- cher mit alle« ihr zur Verfügung steheude« Mittel« z« unterstützen." Ehrung Masaryks einstimmig angenommen Prag. Im Abgeordnetenhaus wurde am Freitag die Ehrung Masaryks durch ein eigenes Gesetz in feierlicher Weise angenommen, wobei alle Anwesenden dafür stimmten. Lediglich die Kommunisten und die Ungarn hatten sich vorher entfernt. Im Abgrordnetenhause hatte sich zu diesem Zwecke die gesamte Regierung mit Dr. H o d j u an der Spitze ringefundrn. Als der Referent Dr. Patejdl den Bericht erstattete und die Vorlage in der bereits mitgeteilten Fassung des Berfas- sungsansschusses empfahl, hörten alle Anwesenden das Referat stehend an und quittierten es mit rauschendem Beifall. Dr. Bat es dl gab in schlichten Worten der tiefen Trauer der Bevölkerung über den Rücktrittsbeschluß Masaryks Ausdruck. Das Volk ehre jedoch diesen Entschluß und wünsche aus ganzem Herzen, daß Masaryk jetzt nach 21 jähriger rastloser und aufreibender Arbeit ausruhen, seine Kräfte erneuern »nd so ein gesegnetes Alter bis an die äußersten Grenzen des Menschenlebens verbringen könne. Die Entscheidung des ersten Präsidenten, sagte Dr. Patejdl, ist die stolze Tat eines echten Demokraten. Hat' sich der gesunde Präsident der erhabenen Staatsidee geopfert, die er selbst begründet und formuliert hat, opfert sich nun der physisch Geschwächte neuerdings dieser Idee, damit sein Nachfolger, ein Mann in der Vollkraft seiner Jahre, ihr zum weiteren Sieg^ verhelfen kann. Was für ein Beispiel für^rlle und für jeden l Patejdl zitierte-eiter eine ergreifende Würdigung Masaryks durch das„E.ch o d t Parin" und begründet dann kurz die Vorlage, die die Dankbarkeit des tschechoslowakischen Volkes und auch der andern Nationen für ewige Zeiten Ausdruck geben soll. Auch der zweite Referent, Prof. B r d l i k, würdigte in herzlichen Worten Masaryks Verdienste und hob namentlich den Entschluß des 63jährigen Philosophen und Kämpfers für Recht und Gerechtigkeit hervor, ins Ausland zu gehen, um seinem Üolk die Freiheit zu erkämpfen. Masäryk möge nach den Stürmen seines Lebens in Ruhe harmonische Tage verleben, Zeiten echten menschlichen Glücks, angemessen dem unsterblichen Werk, das im Abstand der Zeit nur noch mehr hervorleuchten und das die Geschichte der Nation für immer würdigen wird. Die Sudetendeutsche Partei hielt es nach den vielen Fehlschlägen ihrer Politik in den letzten Wochen und Tagen für sehr angezeigt, diesnial nicht wieder durch Absenz von der allgemeinen, allen vom Herzen kommenden Huldigung für Masaryk unangenehm aufzufällen., Statt aber stillschweigend für die Ehrung des großen Staatspräsidenten zu stimmen, dem sie ja ihre Verehrung schon früher in einer Reihe protziger Telegramme zum Ausdruck gebracht hatten, schickten sie Herrn Dr. Zippelius vor, der erst, großartig ankündigte, daß auch sie für die Ehrung stimmen würden. Um ja gegenüber ihren' Anhängern draußen gedeckt zu sein, beriefen sie sich auf die Stelle in der Abdikationserklärung Masaryks, worin von der Gerechtigkeit gegenüber den Bürgern aller Nationen die Rede ist, und auf die Amnestie. Die Herren haben auch mit dieser theatralischen Pose den erwünschten Zweck nicht erreicht. Nach den Ereignissen der letzten Tage ist es jedermann klar, daß sie setzt einfach auf jede nur mögliche Weise den längst und gründlich verpaßten Ansöbluß wieder erreichen möchten. Das ist ihnen auch heute nicht gelungen! Erfolg rechnen können. Nach abgeschlossener Debatte lehnte das Unterhaus den Mißtrauenöantrag der Arbeiterpartei mit 367 gegen 165 Stimmen ab. Hierauf schritt das Unterhaus zu einer zweiten Abstimmung über den von der Regierung gebilligten Abänderungsantrag des Konservativen Lord W i a t e r t o n, der mit 390 gegen 165 Stimmen angenommen wurde. In diesem Antrag heißt es u. a„ daß alle Bedingungen für emr Regelung des italienisch-abessinischen Konflittes dergestalt sein müssen, daß sie der Völkerbund annehme» kann. unternehmen würde, dann ist Großbritannien bereit, die Auferlegung von Naphthasanktionen zu billigen." Chamberlain erklärte hierauf, daß die Gerüchte von einer beabsichtigten Reform des Völkerbundes, von denen Dalton sprach, vollkommen unbegründet sind und fügte hinzu, es dürfe nicht vergessen werden, daß die letzte Sanktion General Grazlani in Gefahr (AP) Auf dem abessinischen Kriegsschauplatz verlagert sich das Interesse mehr und mehr vom Norden nach dem Süden. Man neigt immer stäicker der Ansicht zu, daß der nächste Schlag in O g a d e n fallen wird. Vom Hafen Zeila (Britisch-Somaliland) wird alles Kriegsmaterial über Dschidischiga nach dem Süden geschafft. Rüstet sich der dortige Oberkommandeur, W e h i b Pascha, zur Entscheidungsschlacht? Graziani befindet sich demgegenüber in einer nicht leichten Situation. Seine Truppen sind über eine-:el zu breite Front verteilt nnd daher nicht in fester Fühlung miteinander,' so daß der Zusammenhang schon an manchen Stellen zerrissen ist. Mtt 40.000 Mann kann Graziani aber keine Front von 700 Kilometer halten. Er hatte sowohl im Südwestrn in Dolo dem Ras Desta Damptu und im No d- osten am Haud dem Ras Aptr Mikael» der die Autostraße Zeila—Dschidschiga zu sichern hat, ent- gcgcntrcten wollen, und sich dadurch verzettelt. Aber er fürchtet die Gefahr der Uebcrflügelung. Diele Taktik erleichtert jedoch Wehib Pascha die Möglichkeit eines Durchbruchs. 1 kerbundmächte nicht derart gerüstet sein werden, Auch die Lords gegen den Laval-Plan London. Das Oberhaus nahm am Ende seiner gestrigen Aussprache ohne Abstimmung den Antrag des Lord Davies an, in dem es heißt, daß die Pariser Friedensvorschläge unannehmbar seien und daß die Regierung zu ihrer bei den Neuwahlen vertretenen Politik zurückkehren solle. Vor großen Kämpfen an der Nordfront L o n d o n.(Reuter.) Da die Pariser Frie- deusvorschläge, die an und für sich a priori un annehmbar waren, jetzt vom rngl. Ministerprä- sideuten Baldwin als tot erklärt wurden, herrscht, in Abessinien die Neberzrugung vor, daß in der' Raphthasanktioneu:„Wenn der Völkerbund dar- «ächsten Zeit eine Verstärkung der feindlichen- über entscheiden wird und wenn wir überzeug« Tätigkeit erwartet werden kann. Donnerstag; sein werden, daß alle Mitglieder des Bölkerbun- vormittags überflogen fünf italienische Flug- des, welche Naphthalieferanten find, nicht nur be- zeuge, die in der Richtung von Assad kamen, den! reit sind, die Versicherung zu geben, sondern sich Haik-See. Der abessinische Kaiser hatte den See' auch tatsächlich an dem Widerstand zu beteiligen, in der vergangenen Woche besucht und in Dessir j wenn Italien einen Angriff auf SanktionSländer herrscht die Ansicht vor, daß die italienischen Flüge zu dem See den Zweck haben, die Bewe gungen des Kaisers festzustellen, der sich in der nächsten Zeit an die Nordfront begeben will. Es werden jeden Augenblick neue Angriffe der Abes sinier an der Rordfront erwartet. Die italieni schen Flugzeuge verfolgen sorgfältig jede Bewe gung der abessinischen Streitkräfte. Aus verschie denen Teilen der Provinz Tigre werden Anflüge des Völkerbundes eine Drohung «nd die Bombardierung abessinischer Abteil»«-1 der Mächte sein müsse,«nd solange die Böl gen gemeldet. Laval will nicht welchen P a r i s. Der Umstand, daß sowohl das brttische Kabinett als auch der Bölkerbundrat die französisch-britischen Vorschläge fallen gelassen hat, an deren Ausarbeitung Laval den Hauptanteil hatte, wird an französischen Regierungsstellen keineswegs als eine ernste oder gar persönliche Niederlage des Ministerpräsidenten Laval angesehen. Man erklärt vielmehr, daß dieser Mißerfolg nurein kleines Glied in der Kette der hartnäckigen Bestrebungen darstellt» welche Laval zur friedlichen Beilegung des italienisch-abessinischen Konfliktes entfaltet»«nd daß ihn dieser Mißerfolg nicht abschrrcken kann. Laval ist entschlossen, sich Freitag der Kammer bei der außenpolitischen Debatte zu stellen. Die Linke ist neuerlich sehr unzufrieden und führt gegen die Regierung abermals eine heftige Kampagne. Was geschieht Wenn Italien England angreift London.(Reuter.) In der Debatte im i daß sie imstande sind, sich jedem Angreifer ent- Unterhaus meldete sich ferner der ehemalige Un- gegenzustellen, werden sie nicht auf einen vollen terstaatssekrctär des Außenministeriums Dal- ton zum Wort, der u. a. erklärte:„Die Bertei-| ! digung der Tätigkeit der Regierung seitens des> ! Ministerpräsidenten Baldwin war durchaus nicht ! überzeugend, ja direkt verlege». Leider muß ge- }sagt werden, daß der Eindruck stark zugenommen\ I hat, daß das freie Großbritannien ‘tot dem faschistischenJtalien ! Angsthat. Talton stellte die Frage, ob Groß britannien bereit sei, sich weiterhin für eine Oel- sperre einzusetzrn.„Ferner wünschen wir zu wis sen," fuhr Dalton fort,„ob es ein Teil der bri tischen Politik ist» nichts zu tun» was das faschistische Regime in Italien bedrohen könnte." Für die Regierung antwortete ihm Ne ville Chamberlain, der erklärte, daß britischerseits bei den Regierungen der Mächte in dem Sinne angefragt worden sei, daß sie erklä ren, was sie tun würden, wenn Italien Großbri tannien angreifen würde. Chamberlain fügte so fort hinzu, daß sich diese Gefahr nur auf das Mittelmerr beziehen kann.„Für«ns ist es wich tig," sagte Chamberlain»„nur zu wissen» was die Mittelmeermächte tun würden. Die Antworten haben uns bisher nicht befriedigt." Chamberlain erklärte dann hinsichtlich der Storm über Asien Von Lotus de Brockere, Vorsitzender der Sozialistischen Arbeiter-Internationale Noch immer schwebt der Weltfriede infolge Mussolinis afrikanischem Abenteuer in schwerer Gefahr. Zugleich aber zeigt sich eine noch ernstere Bedrohung im Fernen Osten und fordert unsere vollste Aufmerksamkeit, Die Einzelheiten der jüngsten Ereignisse in Nordchina sind uns wenig bekannt. Es gab so viele Erklärungen und Gegenerklärungen, die politische Verwirrung ist groß, daß niemand-mehr genau weiß, unter wessen Herrschaft sich die Nordprovinzen insgesamt, jede für sich und jede ihrer Teile befinden. Selbst an Ort und Stelle dürfte es schwer sein, sich die wirkliche Situation klar zu machen. Immerhin drängen sich einige offenbar zutreffende Feststellungen auf. Wer die autonomi- sttsche Bewegung ausschließlich für ein japanisches Manöver ansieht, würde völlig irregehen. Zwischen hem Norden und dem Süden gibt es ernste Differenzen in Interesse und Kultur. Sie haben in der ganzen Geschichtsperiode wichtige politische Folgen gehabt und seit dem Beginn der Revolution scheint sich der Dualismus nicht abgeschwächt zu haben. Das vorausgeschickt, wäre es kindliche Naivität, wenn man nicht erkennen wollte, daß Japan alles tüt, um diese heikle Lage zu seinen Gunsten auszubeuten. Japan hat sich nicht mit jener Propaganda von außen her begnügt, die so viele Staaten bei ihren Nachbarn, unterhalten. Es greift immer wieder militärisch ein. Japanische Regimenter marschieren in die Gegenden, btt vom Autonomismus zersetzt sind. Die Gegner Nankings operieren unter dem Schutz japanischer Bajonette, meist mit politischer, administrattver, höchstwahrscheinlich auch finanzieller Unterstützung Japans. Ganz offenkundig stehen wir vor einem großen Vormarsch der japanischen Armee auf dem Festland, gedeckt, vorbereitet, wie es immer mehr der Brauch wird, durch eine Reihe sehr geschickter politischer Operationen. Japan hat,jetzt seine Batterien demaskiert. Fast offen— trotz ter ganz formalen politischen Dementis— verfolgt es seine alten Pläne. Und seine Bewegungen wären schwer verständlich, wenn es sich nicht darauf vorbereitete, sobald die Grundlagen für ein I Vorgehen solchen Umfangs gestöbert sind, seine Macht bis ins Herz Chinas und Sibi- I r i e n 8 vorzuschieben. Wobei allerdings die Frage (rkfen bleibt, ob eine von Schwierigkeiten so erfüllte Unternehmung gelingen kannl Ich bin ein wenig erstaunt, wenn ich höre, wie viele Leute Japans Erfolg für absolut sicher halten. Sie sttitzen sich auf die militariche Schwäche Chinas, die Energie der javanischen Aktion,1>ie Opfer, zu denen eine allmächtige Herrscherkaste eine völlig unterworfene Nation zwingen kann. Sie stützen sich vor allem aus die jüngiten Ereignisse. Da es Japan gelungen ist— oder gelungen zu sein scheint— Mandschükuo zu erobern, so schließt man, daß ihm überall alles gelingen wird. Bei näherer Ueberlegung bemerkt man aber, daß der Erfolg der japanischen Pläne weder so leicht noch so eindeutig sicher ist. Es ist recht schwer, China zu erobern, wie das die Ereignisse so oft bewiesen haben. Kein Land der Erde hat eine solche Fähigkeit, sich den Sieger zu assimilieren. Als die Mandschus China besiegten, verschwanden sie wie von der niedergeworfenen Bevölkerung verschluckt. Die chinesische Zivilisation, Sprache und Interessen hatten bald die Oberhand, kn der Mandschurei ebenso wie im eigentlichen China. Kundige Beobachter haben mir gelugt, daß man im neuen Staat Mandschukuo bereits die ersten Symptome eines ähnlichen Vorgangs fest- 1 stellen könne und die Japaner mit allen ihren Soldaten, BerwaltungSbeamten, Kaufleuten. Siedlern, die sie dorthin entsenden, um sich die soziale | Vormachtstellung im Lande zu sichern, nicht Wenin [zu tun haben, um dem langsamen aber unwiderstehlichen Vordringen des chinesischenBauern Widerstand zu leisten. Wer unter den japanischen Staatsmännern wirklich an die Zukunft denkt, hat nicht wenig Grund zur Sorge. Die Japaner find' keineswegs die gesicherten Herren Mandschukuoö. Ihre Ar- Seite 2 Samstag, 21. Dezember 1935 Ausbeutung des„ Kameraden" Arbeiters Der oberste Zweck der Volksgemeinschaft! meen müssen ständig eingreifen, um die Revolten Genosse Reyzl im Senat: zu unterdrücken. Der Widerstand Nordchinas gegen eine wirkliche Besetzung durch Massenarmeen dürfte noch größer sein. Das Land ist viel zu groß, als daß man es mit Soldaten, deren Zahl notwendigerweise beschränkt ist, zur Gänze , pazifizieren" fönnte. Der japanische Eroberer erleidet das Schicksal aller Eroberer. Sie schwä chen sich in dem Maße, indem ihre Siege sie von ihrem Ausgangspunkt entfernen, soferne sie nicht die unterworfene Bevölkerung moralisch ebenso niederzwingen fönnen, wie militärisch. Es scheint wohl, daß die japanischen Armeen teinerlei moralische Eroberungen machen und weiter im feind lichen Land stationiert bleiben. Gewiß könnten die japanischen Armeen dennoch, dank der chinesischen Anarchie, vormarschieren, wenn sie ihre Heeresstände unbegrenzt vergrößern könnten. Aber ihre Mittel sind beschränkt, vor allem ihre finanziellen Mittel. Man beginnt festzustellen, daß die hemmungslose Konkurrenz, die die japanische Industrie auf dem Weltmarkt treibt, durchaus kein Zeichen industri Mer Kraft ist, sondern eher zum Ruin des Landes beiträgt, das feiner Substanz entblößt vird. Das Volt stöhnt unter der Last. Die Ergebenheit der Bevölkerung, deren Charakter durch die Arbeit in der Fabrik geändert wird, ist nicht mehr selbstber= ständlich. Es ist nicht mehr bloß die Basis auf dem Festland, die eines Tages der Armee auf dem Vormarsch fehlen könnte, es ist die Basis auf den Heimatinseln! Wir tragen nachfolgend im Auszug die, Rede nach, die Genosse Rey 3 I am ersten Tag der Budgetdebatte im Senat gehalten hat. nehmer unter dem Schein der Volksgemeinschaft die Arbeiterschaft ungeniert bis aufs Blut ausbeuten fönnen. ( Widerspruch bei der SdR., Zustimmung auf der Linken.) Genosse Reyal schilderte die Schwierigkeiten, die sich dem Budgetgleichgewicht heute entgegenstels Redner lenkt dann die Aufmerksamkeit auf die len, und verwies darauf, daß sich unser seinerzeitige Kampf gegen den Bürgerblock wegen der Steuer- erhöhte Not in den deutschen Grenzgebieten und apreform und des Gemeindefinanzgefeßes, aber auch pelliert an die Regierung, gerade an der Grenze, wegen des Gesetzes über die Stabilisierungsbilanzen die politischer Beeinflussung viel leichter zugänglich sich heute leider als nur zu berechtigt herausstellt. ist, das Los der Arbeitslosen möglichst zu lindern. Diese Gefeße hatten nachteilige Wirkungen auf lange Jahre hinaus zur Folge. Dem Staat wurden ungeheuere Einnahmen entzogen, die gewissen Bevölkerungsschichten in die Taschen geflossen sind. Heute vermag der Staat aus diesen Taschen nicht das geringste mehr herauszuholen. Die Vertreter der arbeitenden Schichten in der Koalition haben sich die größte Mühe gege= ben, um für ihre Wähler aus dem Staatsbudget Unsere herauszuholen, was herauszuholen war. Vertreter in der Sparkommission haben alle Hände voll zu tun, um die Angriffe von bürgerlicher Seite abzuwehren, die darauf ausgehen, ge= rade bei den sozialen Ausgaben zu sparen, die in der Notzeit ja eher erhöht werden sollten. Abgeblitzt! eignisse der letzten Tage zu sprechen, die uns die Endlich kommt Genosse Retzl noch auf die ErReaktion im rechten Lichte gezeigt und die Größe der Gefahr aufgedeckt haben. Nr. 297 Mantelchen reicht, das sich die SdP nmgehängt hat: daß es nämlich nur alle jene reaftionären Gesinnungen verdecken foll, die fie in erster Linie gegen die freiorganisierte Arbeiterschaft hegen. Bald wird es wohl soweit sein, daß auch der letzte Arbeiter erkennen wird, daß die blöde Margistenhezze nur den Zweck hat, den Arbeiter beffer ausbeuten zu können.( Wütende Zwischenrufe der SdP.) Im Budgetausschuß hat Senator Tischer von der SdP von der Rechtsunsicherheit" in der Republik gesprochen. Was würden Sie( an die SdP gewendet), die doch immer so die Kulturgemeinschaft mit dem Dritten Reiche reklamieren, dazu sagen, wenn sich die Republik jene Grundsätze der Rechtssicherheit zueigen machte, die heute drüben gang und gäbe find? Da sagen Sie nichts, aber hier in der Republik unterziehen Sie jeden Beistrich und jeden Punkt einer genauen Kritik!( Zustimmung.) Volkshilfe in der Praxis minister Genossen Ne čas dafür, daß er sich selbst Zum Schluß dankt Gen. Rehzl dem Fürsorgevon der Not in den deutschen Gebieten überzeugt hat Wir freuen uns nur, daß den Herren, namentlich und dankt ihm für die getroffenen Maßnahmen der auf deutscher Seite, in letter Stunde alle Felle Winterhilfe für Arbeitslofe. Sie Savongeschwommen sind und sich ihre Hoffnungen werden sicher dazu beitragen, der„ Sudetendeutschen bezüglich der politischen Situation in der nächsten Volkshilfe" den Boden zu entziehen. Wie es mit dies Zeit nicht erfüllten.( Zwischenrufe bei der fer Volkshilfe aussieht, zeigt Rehzl unter den EntSdp.) Reyzl: Ihre Absichten, meine Herren, rüstungsrufen unserer Genossen an einem Unterdurch Ausschaltung des sozialistischen Einflusses nehmer in Schluckenau, der für die Volkshilfe zwar zur Macht zu kommen, find zuschanden ge- 2000 Kč gespendet, einige Wochen vorher aber den worden und ich glaube, daß sich die Dinge nunmehr Arbeitern den Lohn um einen Betrag gekürzt hat. langsam in der Richtung entwickeln, wie wir der mindestens das 3ehnfache ausfie wünschen. macht. Eine solche Volkshilfe lohnt sich für den In den deutschen Gebieten weiß man heute Unternehmer, wir können aber darauf verzichten! schon genau, wie weit das sozialistische( Lebhafte 3ustimmung.) Umsatzsteuer verlängert Von der Regierung verlangen wir vor allem, daß sie sich endlich zur Sanierung der Selbstverwaltungskörper entschließt. Wir verlangen weiters, daß endlich mit Die wirkliche Gefahr der japanischen der obligatorischen ArbeitsverAngriffe besteht weniger in der drohenden Auf- mittlung Ernst gemacht wird. Mit richtung eines gewaltigen Kontinentalreiches oder dem Terrorgefes kann man praktisch nicht viel auseinem entschlossenen Angriff auf die Sowjetunion, richten, schon deshalb nicht, weil kein Arbeiter in den Japan ohne toll zu werden in nächster Zu einem solchen Terrorprozeß gegen Unternehmer Zengenschaft leisten kann, ohne Gefahr zu laufen, daß funft nicht versuchen könnte, sondern in der tiefer- er auf eine schwarze Liste kommt und nie mehr Stabilisierungsbilanzen an den Ausschuß rückverwiesen gehenden De 3 organisation des sozia Arbeit erhält. Die Regierung muß sich deslen Lebens, die es in allen Gebieten hervor halb entschließen, die obligatorische ArPra g. In der letzten Sitzung vor den ruft, die es weder assimilieren noch zu einer freien beitsvermittlung zu verwirklichen. Ein solches Ge- Weihnachtsfeiertagen erledigte das AbgeordnetenEristenz vorzubereiten vermag. Es ersetzt alles in fez wird wie alle andern auch zu umgehen sein, aber haus noch die beiden Vorlagen über die Verlänallem die oberflächliche Anarchie von heute durch es würde wenigstens den Mut gewisser gerung der Umsatz und Luxussteuer eine viel tiefergreifende, wenn auch weniger ficht- erren dämpfen, die gegen die marxistisch und der Krisenzuschläge hiezu. denkende Arbeiterschaft eingestellt sind und die es in bare, dauerhaftere und für den Weltfrieden ge- unseren Gebieten schon gar zu arg treiben. Genosse Die Debatte drehte sich zumeist um das Ges fährlichere soziale Unordnung. Neyzl bemängelte weiters die mangelnde Energie fetz über die Stabilisierungsbila nGefährlicher, sage ich, weil Japan, ob man der Behörden gegen den Unfug der Ueberzen, das gleichzeitig zur Beratung stand und nun will oder nicht, alle Vorauseßungen des inter- ft undenarbeit, gegen die heute der Arbeiter über das der tschechische Genosse Chalupa über Antrag der Koalition an den Aus= nationalen Lebens im gesamten Stillen Ozean völlig umgestaltet, weil die daran interessierten Länder es nicht immer ruhig handeln lassen wer= den, weil sie mit unwiderstehlicher Gewalt dazu faum mehr zu protestieren wagt. Welche Löhne referierte. men,( es soll sich zusammen um rund 30 Millionen handeln), so zeigten sie doch augenfällig, wie riesig die Vorteile waren, die der selige Bürgerblock den Herren Unternehmern seinerzeit zugeschanzt hat. Schließlich wurde die Umsatzsteuerverlän= gerung samt der Vorlage über die Zuschläge in beiden Lesungen von der Koalition ange= nommen, während die Stabilisierungsbilanzen schuß zurückverwiesen werden. Es erklärte, daß das Gesetz den Unternehmern Es handelt sich dabei nicht etwa darum, den die Henlein- Fabrikanten zahlen: ganz unverdiente Vorteile gewährt Wünschen der Herren Unternehmervertreter nach Was Genosse Neyzl dann über die Lohn habe. Wie kraß es sich auswirkte, geht daraus her- Sistierung der 15prozentigen Steuer von den getrieben werden, ihre Interessen zu verteidigen, verhältnisse in seinem Gebiet jagt, ist dire!! bor, daß in den letzten drei Jahren vor seinem In- Gratisaftien Rechnung zu tragen, sondern ledigindem sie auf irgendeine Weise in den Krieg ein- erschütternd. Auch vor der Krise mußte die krafttreten die beiden Erwerbsteuern dem Staat noch greifen, soferne sie nicht durch eine allgemeine Ver- Heimindustrie in Nordböhmen mit den elendsten 1050 Millionen eintrugen, in den drei nächsten lich darum, der Selbst verwaltung ständigung auf Grund einer gemeinsamen Orga- Löhnen rechnen, aber was sich die Unternehmer heute Jahren aber nurmehr 443 Millionen, obwohl dies einen entsprechenden Anteil an dieser Abgabe nisation die Möglichkeit finden, eine friedliche leisten, übersteigt alle Grenzen. Genoffe Reyzi er auch noch Konjunkturjahre waren. Für den Staat einzuräumen. Regelung zu treffen, für welche die Wiederherzählt einen Fall, wo einer Frau für zweitä bedeutete dies einen Verlust von 507, für die gige angeſtrengte Heimarbeit unter Mithilfe ihrer Selbstverwaltung einen Verlust von 2.388 Milstellung Chinas, aller Teile Chinas, in vollen Tochter bei der Ablieferung nach Abzug des Fahr- ionen Kč! Es sei nur zu bedauern, daß die Novelle Rechten die unentbehrliche Voraussetzung ist. geldes von Schluckenau nach Niedereinsiedel und zu rück ganze drei Kronen übrig blieben! Eine schwierige Regelung, seitdem der Völterbund in einem unglaublichen Schwächeanfall die sich bietende Gelegenheit vorübergehen ließ, seine gemeinsame Aktion den Armeen entgegenzu stellen, die die Mandschurei beseßten und Schang= hai angriffen. Aber dennoch ist diese Regelung möglich, wenn Genf im abessini= ichen Konflikt fest bleibt und damit seine geschwundene moralische Kraft wiederfindet, wenn Genf die Fortsetzung und den Ausbau der Zusammenarbeit mit den USA im gemeinsamen Werk zu sichern weiß und vor allem, wenn die öffentliche Meinung mit genügend Kraft und ce= nügender Deutlichkeit Genf zum Handeln nötigt. Es gibt Fabriken, wo sich der Arbeitgeber getraut, dem Arbeiter einen Stundenlohn von 80 Heller bis zu einer Krone zu geben. Es find dies fast durchwegs Betriebe, deren Eigentümer hente Mitglieder der sogenannten„ Volfsgemein schaft" sind. Die anderen Unternehmer find in der Lohnzahlung viel anständiger.( Zwischenrufe.) Rey zl, an die SdP gewendet: Ich weiß, daß Ihnen diese Feststellung nicht past, aber daraus erklärt sich die Tatsache, daß man bei den Kundgebungen der Volksgemeinschaft in erster Reihe die Unternehmer sieht. Wenn bei so einer Kundgebung mehr als 300 Autos der Unternehmer stehen, so zeigt das eben, daß die ,, Volksgemeinschaft" jener Ort ist, wo die UnterUNSER GESICHT 31 Roman von Karl Stym Copyright by Eugen Prager- Verlag, Bratislava Krakauer besinnt sich. Er mag wohl einsehen, daß er auf die versuchte Weise nichts erreicht. Darum ändert er seine Taktik. ,, Leute, ihr quält euch da an einer unnützen Sache ab. Der Betrieb wird nur auf ein halbes Jahr eingestellt, um dann wieder in vollem Umfange aufgenommen zu werden. An dieser Tatsache ändert auch eure Hartnäckigkeit nichts. In der Zwischenzeit werden zirka hundert Mann mit den Erhaltungsarbeiten beschäftigt sein. Diese Leute suchen natürlich wir uns aus. In erster Linie kommen solche in Betracht, die auch jetzt unsere Interessen wahren und den Streik nicht mitmachen!" ,, Das heißt, Schufte! Und meinen Sie etwa, Sie kriegen einen einzigen von uns dazu?" Hell sagt das verächtlich. Wir sind alle empört und ich glaube, Krakauer schämt sich selbst ein wenig. spät fomme. Der Mißbrauch des Gesetzes durch Verwendung des Stabilisierungsfonds zur Aufstempelung des Aktienkapitals soll fünftig verhindert werden. Weiters erledigte das Haus noch die Vorlage uber die Sprengelbürgerschulen in der vom Senat abgeänderten Form, über die wir bereits wiederholt ausführlicher berichtet haben, und die Verlängerung des Gesetzes über Schumaẞ= nahmen für die Angestellten he hördlich eingestellter 3ei tungen. Die Debattenredner Ing. Toušek von der Nationalen Vereinigung und Dr. Peters von der Sdp wandten sich mit aller juristischen Spitzfindigkeit Hiebei zählte der slowakische Volksparteiler gegen die vom Ausschuß beantragte Aenderung, wornach die Ausgabe von Gratisaktien auf Kosten así t, ohne einen Namen zu nennen, eine des Stabilisierungsfonds wenigstens für das lau- lange Liste der Funktionen eines öffentlich tätigen fende Jahre mit einer 15prozentigen Steuer belegt werden soll. Ing. To u 3 e t, der Sekretär des In- Mannes in den verschiedensten Wirtschaftsorgadustriellenverbandes, behauptete, daß hiedurch sieben nisationen auf und rief ironisch nach dem einem Unternehmungen betroffen würden, die Beträge von Tierschutzverein analogen Gebilde, das solche einer halben bis zu 50 Millionen Kč nachzahlen Funktionäre davor schüßen sollte, durch öffentliche Funktionen( die natürlich entsprechede Früchte müßten. Wenn auch diese Ziffern nicht stim tragen! D. Red.) so ,, übermäßig beansprucht" zu was der damalige Zugsführer Krakauer wohl gesagt haben würde, wenn der feindliche Kapitän vor dem Sturm das Ultimatum gestellt hätte: ,, Wer sich freiwillig ergibt, bleibt am ? Leben, alles andere rennen wir zusammen! Krakauer verliert seine Sicherheit. ,, Das gehört nicht hieher!" ,, Doch, Herr Ingenieur! Unser Kampf geht genau so auf Leben und Sterben wie damals auf den ,, Sieben Gemeinden" und Ihren Vorschlag von vorhin könnte ebensogut der italienische Kapitän gemacht haben. Sie müssen eine schlechte Meinung von uns haben, wenn Sie glauben, damit etwas zu erreichen. Herr Ingenieur, wir sind jetzt auch Soldaten. An unserem Leben liegt uns vielleicht weniger, aber wir haben Frau und Kinder zu Hause, Herr Ingenieur, denken Sie an und sollte Ihre Frau und Ihre Kinder! Lassen Sie uns! alles umsonst sein, so haben wir eben um eine verlorene Sache gekämpft! Aber gekämpft haben wir doch! Gehen Sie, Herr Ingenieur, und sagen Sie denen draußen, uns ist's blutig ernst! Eher geht alles in Trümmer, als daß einer von Da!" euch hier durchkommt! Daniel leuchtet an den Schußzündern vorbei. Krakauers Gesicht ist nicht mehr unwillig. Er sieht jeden von uns lange an. Plötzlich macht er kehrt und geht. Hinterdrein die verdutzten Soldaten. Die haben sich möglicherweise Der alte Daniel tritt etwas vor und sieht dem Ingenieur schon gefreut, ihre Munition loszuwerden. scharf ins Gesicht. ,, Herr Ingenieur Krakauer, erinnern Sie sich noch an den siebzehnten August neunzehnhundertsiebzehn auf den ,, Sieben Gemeinden" drunten? Sie waren damals unser Zugsführer und wir bewunderten Ihren Schneid. Wir kamen in einen Hinterhalt. Hundertdreißig Italiener standen uns, Sie mitgerechnet, einundzwanzig Mann, gegenüber. Trotzdem kommandierten Sie Sturm. Was nicht erstochen wurde, nahmen wir gefangen. Einundzwanzig gegen hundertunddreißig! Auf einen Mann sechs Feinde! Ebensogut hätten auch wir erschlagen werden können. Aber wir klammerten uns an das Zipfelchen Hoffnung, die Feinde zu verwirren und dann zu berrumpeln.- Herr Ingenieur Krakauer, ich frage Sie nun, Das ist ihr Glück. Weiter drinnen hätten sie vielleicht schlechter abgeschnitten. Der Fuchs ist im eigenen Bau am gefährlichsten! Wir richten die Barrikade wieder auf. Der alte Daniel und sein Kamerad beziehen den Streikposten. Daniel lächelt zufrieden dem Rauch seiner nicht gerade appetitlichen Stummelpfeife nach. Daniel könnte ohneweiters behaupten, der Storch habe ihn gebracht. Er hat keine Eltern, d. h. in gewissem Sinne sogar zwei Paare. Die einen, die ihn zeugten und dann als etwas Unerwünschtes vor die Türe der zweiten hinlegten, welche ihn dann schlecht und recht großzogen. Man gab ihm den erstbesten Namen. Daniel. Er hat aber beileibe kein LöwenV grubenmärtyrergesicht. Manche sagen, er stamme von Zigeu nern, andere faseln wieder von vornehmen Eltern, die so vornehm gewesen sein mußten, daß sie ihr eigenes Kind ohne Gewissensbisse vor eine x- beliebige Türe legen konnten. Wahr ist, daß er ein guter Kamerad ist, mit einem wunderbar gesunden Humor, und nebenbei wieder einen Schuß ins Tragische hat, wie so viele Menschen, die nicht am richtigen Platz sind. Er hat kein Weib, keine Verwandten und keine Geburt. Er wurde als etwas Ganzes in ein Leben hineingeworfen, das nicht das richtige für ihn ist. Einmal, vor etwa zwei Jahren, sagte er zu mir: ,, Ich weiß eigentlich gar nicht, wozu ich lebe!" Darauf soff er so lange, bis er fast verrückt wurde. Daniel. Ein direkt komischer Name in unserer unbiblischen Zeit, für einen unbiblischen Menschen. Daniel sagt ,,, unsere Frauen" ,,, unsere Kinder", obgleich er keines von beiden hat. Er ist der Ärmste von uns Armen. In manchen Momenten möchte ich fast lachen, so unsinnig kommt mir alles vor. Draußen ist Sonne und wir hocken hier in der Kälte. Draußen sind unsere Frauen und Mädchen und unsere Körper schreien nach den ihren und ihrer Wärme. Draußen ist alles und hier verdammt, ich glaube, meine Nerven wollen jetzt schon kaputt gehen. Ich sitze auf einem abgedrückten Stempel Rücken an Rükken mit Hell. Das Rück- an- Rück- sitzen ist jetzt stark im Gebrauch. Es ist angenehmer, als an den naẞkalten Ulmen zu lehnen. Fogger Schorsch kommt wie ein unnatürlich großer Schatten auf mich zu. Er lächelt dünn. ,, Kavernenarrest! Statt Granaten, bissige Gesichter drauBen!" ,, Besser aber wären Granaten!" brummt der Häuer Hager, der das glorreiche Völkergemetzel mitgemacht hat und zur dauernden Erinnerung mit einem Steckschuß in die Hüfte beschenkt wurde, Nr.»V7 Samstag, 21. Dezember 1935 Seite 3 werden. Offenbar richtete sich diese Spitze gegen einen in den letzten Tagen oft genannten Herrn vom rechten Flügel der Agrarier, der auch als Protektor Henleins allgemein bekannt ist. Bevor das Haus mit den üblichen Glückwünschen des Vorsitzenden in die Weihnachtsferien ging, wurde noch dem Verfassungsausschutz die Frist für die Beratung des Parteienauflösungsgesetzes, das mit Ende dieses Jahres abläuft, aber weiter verlängert werden soll, bis 20. Jänner erstreckt. Das Gesetz wird also vorübergehend autzer Kraft treten. Die Hoffnungen gewisser Kreise, dass es überhaupt nicht mehr verlängert werden wird, werden sich aber bestimmt nicht erfüllen. Es wird sich nur um bestimmte Aenderungen handeln. DI« Stadtvertretung Aussig ehrt Masaryk und beglückwünscht Dr. Benes * I« der Sitzung der Auffiger Stadtvertretung am Donnerstag widmete der Bürgermeister Pölzl dem Präsidenten.Befreier unserer Republik Masaryk anläßlich deS bedeutsamen historischen EreigniffeS seines Rücktrittes von der Leitung der Staatsgeschäfte Worte ehrender Anerkennung. Genosse Pölzl feierte den Gründer-Präsidenten der Republik alS den wirklichen Demokraten, dessen aufrechte und tapfere Lebensführung die Republik und daS Leben deS Staates entscheidend beeinflußten. Masaryk war in seinem Leben immer ein Sucher der Wahrheit, rin Streiter für die Ideale der Menschheit, ein bewußter Träger deS Kampfes für die Selbstbestimmung, rin großer Gelehrter und Staatsmann, der volkstümlichste Präsident der europäischen Demokratie, zu dem wir alle mit größter Verehrung und Achtung anfblicken dürfen. Der Bürgermeister gab seiner Freude Ausdruck, daß der Empfehlung Masaryks, Dr. Benei zu seinem Nachfolger zu wählen, die Nationalversammlung mit so großer Mehrheit rntsprochen hat. Präsident Dr. BeneS, so sagte Genosse Pölzl, ist rin in jeder Hinsicht würdiger Nachfolger Masaryks auf dem Präsidentenstuhl. Gern und freudig senden wir dem neuen Präsidenten der Republik unsere Glückwünsche und grüßen ihn mit dem Versprechen, mit ihm zu arbeiten für nationale Versöhnung und friedliche Zusammenarbeit aller Völker, für die demokratische Selbstbestimmung, für Kultur und Freiheit. Einstimmig beschloß die Stadwertretung auf Vorschlag deS Genossen Pölzl die Absendung von BegrüßungS- und Glückwunschtelegrammen an Masaryk und BeneS. Aus der Tätigkeit des neuen Präsidenten Abschied Vom Außenministerium Freitag vormittag verabschiedete sich Doktor Benes von der Beamtenschaft des Außenmini- steriums. Sein langjähriger Stellvertreter Doktor K r o f t a hob in einer Ansprache die Verdienste des Präsidenten als Schöpfer der tschechoslowakischen Autzenpolitik hervor. Dr. Benes nahm sodann mit herzlichen Dankesworten von seinen Mitarbeitern Abschied. Jrn weiteren Verlauf des Vormittag empfing Dr. Benes auf der Prager Burg eine Abordnung der Armee, die von Landesverteidigungsminister Machnik geführt wurde. Nachmittag legte der Präsident am Grabe des Unbekannten Soldaten einen Kranz nieder. In den Zufahrtsstraßen zum Altstädter Rathaus hatte sich eine grohe Menschenmenge angesammelt, die Dr. Benes begeistert akklamierte. Im Laufe des Freitag fanden auch die An- trjttsaudienzen des argentinischen Gesandten Colombres und des Schweizer Gesandten Dr. Bruggmann statt. Prager Huldigung für Benes Wie die„Prager Presse" meldet, veranstalten die tschechoslowakischen nationalen Korporationen und politischen Parteien in Prag am 21. Dezember eine Huldigung für den Präsidenten der Republik Dr. E. Bens auf der Burg. An dem Huldigungszug nehmen teil: Die Legionäre, die Italienische Domobrana, der Sokol, die Schützen, die Feuerwehr, die Straßenbahner und die Rationalgarden, die tschechoslowakische Nationalsozialistische Partei und die Sträj Svobody, die Sozialdemokratische Partei mit der DTJ(Arbeiter turn er), die kommunistische Partei, die tschechoslowakische Bolkspartei mit dem Orel, die tschechoslowakische Republikanische Partei mit der Baucrnreitcrei und die Gewerbepartei. Die.freien Gewerkschaften grüßen Masaryk und BeneS Der Zentralrat des Ldborovt sdrujeni, der größten gewerkschaftlichen Spitzenorganifation der Republik,- welcher auch unser Reichrnberger Gewerkschaftsbund angeschlossen ist, sandte an den Erstpräsidenten T. G. Masaryk und an seinen Nachfolger Dr. Benes Begrüßungstelegrammr. T. G. Masaryk wird der Dank dafür ausgesprochen, datz er stets bemüht war, die Republik im Geiste der Demokratie und dersozialrnGe- rechtigkeit zu lenken. Dem neuen Präsidenten wird dir Freude über seine Wahl ausgedrückt und daran erinnert, welch große Aufmerksamkeit Dr. Benes seinerzeit der Tätigkeit der Gewerkschaften gewidmet hat. wünscht sich was zu Weihnachten Sagt nicht immer nur:.Oh, wie der Kuchen schmeckt!" und .Ist der Braten aber sein I"— Denkt einmal daran und sagt auch:.Das hat Vitello.» wirklich gut gemacht!' DELIKATESSE Belgischer Gruß an BeneS Der ,,P e u p I e", das Hauptblatt unserer belgischen Genossen, nennt die Wahl Dr. Benes' zum Staatspräsidenten„ein Ereignis von zro- tzer Bedeutung, zu dem sich die Tschechoslowakei und Europa gratulieren können. Das friedliebende und demokratische Europa hat mit Benes gearbeitet und kennt ihn. Und weil es ihn kennt, ist es glücklich, ihn an der Spitze dieser grossen demokratischen Republik zu sehen, deren Existenz und Stabilität ein unentbehrliches Element des Friedens und des Gedeihens Europas ist," Unser belgisches Bruderblatt würdigt dann nochmals die Verdienste Masaryks, den es den„W eisen Europas" nennt, und gibt seiner Freude darüber Ausdruck, datz der Wunsch des verehrungswürdigen Masaryk, Benes als seinen Nachfolger zu sehen, durch das überwältigende Wahlergebnis so herrlich erfüllt wurde. In grossen Lettern überschreibt„Le Peuple" seine Ausgabe am Tage nach der Wahl mit folgendem Satze, gleich, neben dem Kopfe des Blattes: „Gruß dem neuen. Präsidenten der Tschechoslowakischen Republik, Eduard Benes, ■ dem Freund>er Demokratie und des Friedens, I dem würdigen Fortführrr des großen Werks Thomas Masaryks!" tfudeiendcuisdicr Zeitspieget Anbefohlener SdP-Krawall Die Herren können die richtige Antwort Ibm CaRal auf Ihre Angriffe nicht ertragen Illi wwllCil Prag. Der Senat setzte am Freitag di« Budgetdebatte ganztägig fort. Er wird sie Samstag in den Mittagstunden durch die Abstimmung beenden. Dann harren feiner noch daS Präst- dentengesetz sowie die verschiedenen Borlagen finanziellen Charakters, die alle in einem sehr verkürzten Lerfahren noch im Laufe des Samstag erledigt werden sollen. Die Debatte nahm einen durchwegs ruhigen Verlauf, bis in den Abendstunden Genosse M ü l- l e r zu Worte kam, um auf die gestrigen rüden Angriffe des Bauunternehmers und SdP-Senators Tschakert die gebührende Antwort zu erteilen. Schon bei den ersten Hieben des Genossen Müller in dieser Richtung schrien die moralisch Gezüchtigten wild auf und suchten auch hier ihre iiN Abgeordnetenhause beliebte Methode anzuwenden, den«n- bequemen Gegner kraft ihrer grötzeren Zahl einfach n i e d r r z n s ch r ei e». Immer und immer wieder versuchten sie es, immer und immer wieder erwies sich die Sttmme Müllers alb stark genug, um den Höllenlärm zu übertönen und sich dem Hause verständlich zu machen, das außerordentlich interessiert zuhötte. Es braucht kaum erwähnt zu werden, daß Genosse Müller bei den anderen Mitgliedern unseres Senatorenklubs die beste Hilfe fand. Jeder- Zwischenruf von feiten der SdP-Senatoren wurde durch die richtige Antwort aus unseren Bankrrihrn zugedeckt, unwirksam gemacht, oft auch ins Lächerliche gezogen. Je mehr die Gegenseite tobte, desto gepfefferter war der Widerhall auf unseren Bänken. Die SdP-Leute versuchten nun andere Methoden, wie kleine Kinder, die ihre Mitschüler beim Herrn Lehrer verklatschen. Einer lief zum Präsidium und redete lebhaft auf den in der Geschäftsordnung noch sehr schlecht bewanderten ge- werbeparteilichrn Vizepräsidenten Dr. Baß rin. Dr. Baß, der vorher sich keine sonderliche Mühe gegeben hatte, dem Redner bei den Hrnleinleuten die entsprechende Ruhe zu verschaffen, wurde plötzlich lebendig, sprang auf und erteilte dem Genossen Müller einen Ordnungruf, weil er den Ausdruck Lüge gebraucht habe. Müller sprach daraufhin nicht mehr von Lügen, sondern vom„Gegenteil der Wahrh eit", das Herr Tschakert gestern gesagt habe, und fand damit spontanen Beifall. Ein anderer SdP-Mann konnte sich nicht damit abfinden, daß ihnen einmal jemand von der Parlamentstridünc ans die Wahrheit unverblümt ins Gesicht schleudern könne, und schrie deshalb verzweifelt auf, daß solche Angriffe doch nicht in die Budgetdebatte gehörten. Gestern konnte sich Herr Tschakert natürlich die unerhörtesten Angriffe gegen die Marxisten leisten, heute sollte auf einmal dem Gegner verwehrt sein, ihm die gebührende Antwort zu geben! Besagter SdP-Mann lief in seiner Verzweiflung zu den Bänken der tschechischen Agrarier, um dort für seine Klagen ein williocs Ohr zu finden. Er erwischte aber zufällig einen dottsitzenden tschechischen Genossen, bei dem er sehr unsanft abfiel...'- Es war offensichtlich, daß die Henleinleute den Befehl erhalten hatten» die Rede Müllers unter allen Umständen zu stören. Diese Absicht ist ihnen nicht gelungen. Um der Wahrheit Ehre zu gebe», sei konstatiert, datz einzelne von ihnen sich an dem schlecht gespielten Entrüstungssturm überhaupt nicht beteiligten, sondern sich abseits setzten und mit keinem Wort eingriffen. Sie schämten sich offenbar selbst über das Verhalten ihrer„Kameraden"! Ueber die Rede des Genossen Müller, eine der besten und wirksamsten, die in letzter Zeit hier überhaupt gehalten wurden, werden wir noch morgen ausführlicher berichten. Der Vorsitzende auf Kriegsfuß mit der Geschäftsordnung Nicht unerwähnt darf bleiben» dass das Verhalten des Vizepräsidenten Dr. Bah sich mit der Geschäftsordnung absolut nicht verträgt. Falls er den Ausdrück„L ü g e" absolut für unparlamentarisch hält— worüber sich gewiss streiten lässt— so mag er ihn auf der Stelle rügen, s o b I d er i h n s e l b st hört. Es geht aber auf keinen Fall, dass er sich erst von einem Henleinmann einreden lässt, nachträglich für diesen Ausdruck einen Ordnungsruf zu erteilen. Da darf der Herr Vizepräsident, wenn er selbst nichts gehört oder es nicht verstanden hat, seine Enuntiantionen nicht darauf aufbauen, was ihm irgend'jemand einbläst, sondern hat zu warten, bis er sich aus dem stenographischen Protokoll von der Richtigkeit der inkriminierten Aeuherung überzeugen kann. Zu einem nachträg- lichen Ordnungsruf ist dann noch immer Zeit genug! Wir hoffen, dass dies dem Herrn Dr. Bass auch noch ex praesidio gesagt werden wird! Ein tschechisch-klerikales Blatt über die Vorgeschichte der Wahl Wir haben nach der Präsidentenwahl loyal die Darstellung des„V e n k o v" über die Vorgeschichte der Wahl zitiert, worin festgestellt wurde, dass alle Beschlüsse der Agrarpartei i n voller Ein m ü t i g k e i t gefasst worden seien. Die Kommentare anderer tschechischer Blätter ergeben allerdings ein wesentlich anderes Bild. So erklärt im tschechischklerikalen„N a s i- nec", der in Olmütz erscheint, Abg. Svötlik ausdrücklich, dass aus der Präsidentenwahl jene t e r r o r i st i s ch r G r u p p e in der Agrarpartei g e s ch l a g e n hervorgehe, die der Partei ihren, Willen durch die Patteipreffe, die sie beherrscht, aufzwang. Die Angelegenheit endete mit dem Rücktritt des Prof. Römer, als der republikanische Klub erfuhr, dass die T e p p i ch e nichts geholfen hatten, die auf dem Havliöekplatz im Treppenhaus des agrarischen Sekretariats unter die Füsse Andrej Hlmkas gelegt worden waren, und dass der slowakische Klub sich g e g e n die Kandidatur des Vorkämpfers gegen die theologischen Fakultäten entschieden hatte. Noch bedeutend ausfälliger gegen den rechten Flügel der Agrarpartei wird aber der„Na- sinec" in derselben Nummer in einem andern Bericht, in dem es wörtlich heisst: „Dem Terror der sogenannten agrarischen Rechten, d. i. jener Gruppe von Kartellmachern, Spiritusgrößen und Aktionären der Rüstungsindustrie» die sich an drr Re- publik bereicherten, die sie Pflügen und eggen wollen, jener Gruppe von Ausbeutern(vvjiraöü) der Republik, die ihren eigenen Kandidaten auch für den Präfidrntenstuhl aufstellten, um ihn zu beherrschen, stellte sich an die Spitze der slowakischen Abgeordnete» Dr. H o d i a entgegen und in einer stürmischen Sitzung der agrarischen Abgeordneten nnd Senatoren erklärte er, daß sie entweder Dr. Benes wählen würden oder: „SS irverlassendieBurgalszwei Klub s." Erst diese Drohung HodjaS entschied neben den Vorgängen im Klub der slowakischen Bolkspartei, der sich gegen Hliaka stellte, über daS Schicksal des Prof. Römer, dem schließlich nur die hrrnmirrende nationale Bereinigung treu blieb." Heilungsprozeß in der deutschen Provinzpresse? Noch am Dienstag gehörte, wie wir vorgestern feststellten, die„B r ü x e r Z e i- tung" zu jenen, die die SdP als Zünglein an der Waage der Präfidenten-Wahlstimmen ansahen und die schmunzelnd von den„B o r t e i- l e n" sprachen, die die Henleins sich bei dieser seltenen Gelegenheit erhandeln würden. Am Donnerstag las man es natürlich auch in der„Brüxer Zeitung" bedeutend anders; da hiess es: „Vom sudetendeutschen Standpunkte aus wird man die Bedeutung und Auswirkung der Wahl vom 18. Dezember später einmal nach den Folgen und Ergebnissen beurteilen, die sie für die Schicksalsentwicklung der deutschen Minderheil im Staate hatte. Auch die Frage, ob die taktisch« Haltung, welche die Sudelendeutsche» gestern in der Nationalversammlung rinnahmen richtig war, wird erst die Zukunft entscheiden. Zunächst einmal ist die Präsidentschaft für sieben Jahre geordnet und dieser Umstand verri ng e r t das Gewi ch t, daS z. B.'die Sü-b et en- deutsche Partei wegen ihres Einflusses auf den Ausgang der staatspolitisch wichtigen Entscheidung für manche tschechische Parteien vielleicht gehabt hat. Daraus kann sich ein Desinteressement solcher Parteien ergeben, die mit der Unterstützung der SdP rechneten, und eine verschärfte Isolierung dieser Partei. Die Lage ist aber andererseits nicht abgeschlossen und es ist möglich, datz Rücksichten der tschechischen Patteipolitik aus die künftige Entwicklung den Nachteil wieder ausgleichen, den diepolitischeRechnung der Sudetendeutschen zu verzeichnen hat, weil ihre grötztePartei durch die wiederhergestellte Einigkeit der Tschechen bei der Präsidentenwahl entbehrlich wurde." . Fragliche taktische Haltung... verttngettes Gewicht... Desinteressement... verschärfte Isolierung...Nachteil(nicht Vorteil!) der politischen Rechnung— ein trauriges, aber ehrliches Resume e. Wir beglückwünschen die Leser der„Brüxer Zettung" zu deren Einsicht und Offenheit. Hoffentlich hält das in der Schriftleitung nach, zum V o r t e i l der S u d e- tendeutschen. krster preis:„Ascher Zeitung** Wir haben bereits darauf hingewiesen, welch kühne Hoffnungen die Sudetendeutsche Pattei und die von ihr beeinflusste Presse in die. Präsidentenwahl gesetzt hat. Den Bogel schoss dabei die „Ascher Zeitung" ab, welche anscheinend nach dem Muster der alttestamentarischen Propheten folgendermassen orakelt: „DerKandidat.dervon der SdP gewähltwird, wird Pr ä s i d c n 1." . Die Ascher Bevölkerung hat tatsächlich ein glänzendes Jnformationsorgan und es wirtt geradezu wie ein Symbol, dass diese Stadt der Wohnsitz Konrad Henleins ist. Siebenfacher Mord droht I Berlin.(AP) Im Richardstra» hen-Prozetz beantragte der Staatsanwalt sieben Todesurteile. Polizeidirektor Steinhäusl verurteilt Wien. Das Militärgericht in Wien vernr- teilte heute nach dreitägiger Verhandlung den ehemaligen Wiener Polizeidirektor Stein- häuöl wegen Teilnahme an den Juli-Ereignissen des Jahres 1934 im Sinne der Anklage wegen Mitschuld an Hochverrat zu s i e b e n L ahr e n schweren Kerkers. Seite 4 GamStag, 21. Dezember 1933 Nr. 297 Explosion in einem Prager Filmverleih Zwei Angestellte in Flammen umgekommen Das Arbeiter-Jahrbuch vergriffen I Die Zentralstelle für daS BildungSwrsen teilt allen Interessenten mit, daß das Arbeiter» Jahrbuch 1838 vollständig a u 8v erkauft ist. ES konnte leider eine große Anzahl von Bestellungen nicht mehr erledigt werden. Der gute Absatz unseres Arbeiter-JahrbucheS ist nicht nur rin erfreulicher BerlagSrrfolg, sondern vor allem ein Beweis dafür, daß unser ausgezeichnetes Jahrbuch bei der Leserschaft dir verdiente Würdigung und den besten Anklang gefunden hat. Mäßige Wirtschaftsbesserung Industrie behindert durch Kontingent* und Devisenschwierigkeiten Der Bankrat der Tschechoslowakischen Nationalbank hielt am 20. d. M. seine ordentliche Monatssitzung ab. Dem vorgebrachten Geschäftsbericht für den verflossenen Monatsabschnitt entnehmen wir folgendes: In der Tschechoslowakei gab es in den letzten Wochen keine bemerkenswerten wirtschaftlichen Ereignisse. In der Beschäftigung der einzelnen Erzeugungsbranchen wurde in den verganenen Wochen eine mäßige Besserung beobachtet, bedingt durch größere Nachfrage im Export, ebenso auch imJnlandsabsatz, hier hauptsächlich als Folge der Vorweihnachtssaison. Sonst waren die beobachteten Aenderungen im Beschäftigungsgrade eher mit dem Stand der Jahressaison im Zusammenhänge. Die Industrie wird stän- dig stark behindert durch die andauernden Kontingent- und Devisenschwierigkeiten in einer Reihe von Absatzgebieten mit gebundener Dcvi- senwirtschaft, in die det tschechoslowakische Export, allerdings nur bei größerer Wareneinfuhr von diesen Märkten in die Tschechoslowakei, erhöht werden könnte. Dagegen ist die tschechoslowakische Ausfuhr nach freien Ländern, hauptsächlich denen des Sterlingblockes, anhaltend im Steigen begriffen. Der Außenhandel hat sich im November wesentlich gebessert, der Umsatz steigt ständig, die Fertigwarenausfuhr ist bedeutend über dem November-Niveau der Vorjahre. Die Rohstoffeinfuhr ist gestiegen, hauptsächlich in Industriezweigen, die eine Belebung der Beschäftigung aufweisen. 15V Kinder spielen vor über 1000 Besuchern Aus Eulau wird uns geschrieben: Vielen unserer Leser dürfte noch die Meldung von dem diesjährigen Schauturnfest des Atus in Eulau in Erinnerung sein, das eine einzig dastehende Treuekundgebung für die Partei und Manifestation für die sozialistische Kulturbewegung wurde. Nun ist den Eulauer Genossen ein neuer Wurf gelungen. Diesmal galt das ganze Interesse dem Kinde. In dem Bestreben, das Kind zeitgemäß zu betätigen, wurde am 8. Dezember mit ISO Kindern des Eulautales eine Aufführung unter dem Titel„Weihnachtsklänge" gegeben. Wenn man in der Zeit der Vorbereitungen hiezu von einem Erfolg nicht überzeugt sein konnte, da ähnliche Aufführungen^ in der Nähe, nicht stattfinden, so zeugte der überwältigend große Besuch am Tage der Veranstaltung von einem ungeahnt großen Verständnis für die Bemühungen unserer Kinder. Der große Saal und die Galerien der Volkshalle waren überfüllt. Ueber 1000 Besucher aus allen Teilen des Bezirkes waren gekommen und lauschten durch fast drei Stunden den Darbietungen der Kinder. Nach einer Ansprache des Genoffen Läger folgten in angenehmer Abwechslung Rezitationen, Gesänge, kostümierte Reigen und auch Einakter der Kinder. Die„Rote Falkengruppe" von Bodenbach hatte eine Propagandanummer eingelegt. Es wäre wünschenswert, wenn diese Art kollektiver Zusammenarbeit der Kinder in der Gesamtbewegung mehr Beachtung fände. Der Betätigungswille des Kindes ist da, er will nur in bedachte Formen gebracht werden. Die Veranstalter gedenken in wenigen Monaten, inmitten der Früh- lingsstimmung wieder Mit einer Kinderaufführung größeren Stils hervorzutreten und laden schon jetzt alle Organisationen, die sich mit Kindererziehung befassen, zum frohen Wettbewerb ein. Die Aufführung„Weihnachtsklänge" wird am 26. Dezember wiederholt» doch wird allen Lntereffenten die Sicherung von Borverkaufskarten empfohlen, denn schon in der Aufführung am 8. Dezember muffte eine große Anzahl von Besuchern wegen Platzmangel wieder Weggehen. Eulau ist als Ort der„Diärchenspiele" in Nord- bühmen bekannt. Wie aber möchte man einen Vergleich anstellen, zwischen jenem Beginnen, das als Grundlage nur die Phantasie benützt, ünd unseren Verwaltungen, die aus dem Leben gegriffen sind und die Nöte aber auch die Freuden der Kinder kennen. Gerade das Wirklichkeitsnahe in unseren proletarischen Kinderveranstaltungen ist es, das ihn« den erzieherischen Wert gibt und daneben auch dem platten Unternehmen des Bürgertums gegenüber ein Ueberge« wicht sichert. W. Jäger. Prag. Freitag kurz nach Mittag explodierte im Filmverleih„T a p a f i l m", der der Firma Dr. Feist& Co. gehört und im Dachgeschoß des Hoftrattes des„N ä r o d"-P a l a i s auf dem Wen c l s p l a tz 51 liegt, ein Film. Ter Brand war von einer ungewöhnlich starken Rauchentwicklung und von Stichflammen begleitet, die aus dem Fenster auf das flache Dach schossen. Der stickige gelbe Rauch und die große Hitze der Flammen machte es den Feuerwehren, die durch das ganze Gebäude zwei Schläuche vom Wenzelsplatz auS auf das flache Dach gelegt hatten, unmöglich, sich dem Brandherd zu nähern. Erst als der Raum unter Wasser gesetzt wurde, konnte die Feuerwehr an die Lokalisierung des Brandes schreiten und in den Filmraum eindringrn. Dem Brande sind zwei Menschenleben zum Opfer gefallen. In dem Raum hatten zur Zeit der Explosion fünf Personen gearbeitet. Drei Wild-Ost Ujhorod. Im Bezirke Chust, in den Spren- gcln der Notariate Horinkevo und Drahovo, verübte eine Bande von drei maskierten Räubern, die mit Gewehren und Revolvern bewaffnet waren, einige Raubüberfälle. In der Einschicht in der Nähe von Lipecka Polana überfielen sie den Landwirt Pet-r Gaban und forderten von ihm das Geld, das er für verkaufte Ochsen gelöst hatte. Trctzdem ne den Landwirt mißhandelten, konnten sie das Geld nicht erhalten. Zwei Tage später wurde der Landwirt Michael Babii! aus Zlatarh auf dem Heimweg den den Räubern um 800 KL beraubt. In der gleichen Nacht drang die Bande in die Wohnung des Landwirtes Wassil Säva in der Gemeinde Colmajevo ein, wo sie nur eine Uhr erbeuten konnten. Drei Tage später beraubte die Bande Michael Turok aus Zlatarh um 250 KL. Weitere zwei Tage später überfielen die Räuber, diesmal iw der Zahl von vier Mann, den Landwirt Ivan Popoviö aus Zlatarh und nahmen ihm einen Militärkoffer weg. Die Gendarmerie forscht nach den Verbrechern und hat im Zuge der Untersuchung mehrere Hausdurchsuchungen vorgenommen. Schneewetterberichte Naturfreundehütte Petzer-Stufenseite: 60 Ztm.' Alt-, 10 Ztm. Neuschnee, Harsch,—4, Skifähre mittelt. r Riesengebirge: Neuwelt-Harrachsdorf 30 Ztm. Alt«, 5 Ztm. Neuschnee.— Wosseckerbaude 70 Ztm. Alt-, 8 Ztm. Neuschnee.•— Hofbauden 40 Ztm. Alt-, 1& Ztm. Neuschnee.— Starkenbach 10 Ztm. Neuschnee.— Schüfselbauden 60 Ztm. Alt-, 5 Ztm. Neuschnee.— Elbföllbaude 50 Ztm. Alt-, 10 Ztm. Neuschnee.— Nartißsbaude 40 Ztm. Alt-, 15 Ztm. Neuschnee.— Peterbaude 70 Ztm. Altschnee.— Spindlermühl« 30 Ztm. Alt-, 10 Ztm. Neuschnee. — Johannisbad 10 Ztm. Alt-, 10 Ztm. Neuschnee. Böhmenvald: Eisenstein 30 Ztm. Alt-, 4 Ztm. Neuschnee.— Spitzberg 45 Ztm. Alt-, 5 Ztm. Neuschnee.— Panzer 64 Ztm. Alt-, 1 Ztm. Neuschnee, — Eisenstraff 70 Atm. Alt», 15 Ztm. Neuschnee.— Stubenbach 45 Ztm. Alt-, 15 Ztm. Neuschnee.— Wallern 20 bis 30 Ztm. Erzgebirge. Zinnwald 15 Ztm. Alt-, 4 Ztm. Neuschnee.— Weipert 10 Ztm.— Keilberg 65 Ztm. Alt-, 10 Ztm. Neuschnee.— Joachimsthal 10 Ztm. Alt-, 2 Ztm. Neuschnee.— Bärringen 10 Ztm. Alt-, 20 Ztm. Neuschnee. Mäbren-Schlefien: Mähr.-Altstadt 20 Ztm. Alt-, 30 Ztm. Reuschnee.— Hochschar 60 Ztm. Alt-, 5 Ztm. Neuschnee.— Schäferei 75 Ztm. Alt-, 8 Ztm. Neuschnee.— Altvater 80 Ztm. Alt-, 10 Ztm. Neuschnee. Ein Vatermörder Bern. In Mentel bei Freiburg war kürzlich ein junger Mann verhaftet worden, weil seine Familie unter Vergiftungserscheinungen erkrankte und sein Vater daraufhin starb. Der Verhaftete hat jetzt eingestan- den, daß er das Gift in die Speisen getan hatte. Ein Symbol. Die ersten, welche den neuen Präsidenten begrüßt haben, waren— wie das „Prävo Lidu" vermerkt— Bauarbeiter, welche an der Fassade des Czernin-Palais arbeiteten, wo sich das Außenministerium und die Wohnung des bisherigen Ministers Dr. Bene8 be- finden. Die spontane Kundgebung der Arbeiter war ein Beweis dafür, daß die arbeitende Be- völkenmg die Wahl Beness aus innerstem Empfinden begrüßt. Der Unterrichtsminister über ein« WeihnachtS» aktion für notleidende Schulkinder. Schulminister Dr. K c m ä r hielt gestern um 10.30 Uhr im Schulrundfunk eine Ansprache folgenden Inhalts: Die heurigen Weihnachtsferien sind länger als sonst. Diese Verlängerung wird sicherlich viele Kinder, die mit allem gut versorgt sind, erfreuen: sie könnte aber von jenen Kindern, welche nicht gut gekleidet sind, die zu Hause nicht warm und Not um ein bißchen warmes Essen Frauen vermochten sich durch eilige Flucht durch daS Fenster auf das flache Dach zu retten, der jugendliche Expediert B. Bkezen- f k h und die 22jährige Gusta G l a« d i s, die durch das gleichfalls auf das fläche Dach führende eiserne Tür entkommen wollten, kamen in den Flammen ums Leben. Diese Tür war versperrt und die beiden brachen, von den Rauchschwaden betäubt, an der Tür zusammen. Das Feuer enfftrnd dadurch, daß der Expedient Bkezenskh auf einem Spirituskocher sein Mittagessen wärmen wollte, wobei die F l a m:.r e n auf einen Film- streifenüberspri*ngen. Der Raum, in welchem zahlreiche Filme auf ewahrt waren und Filmstreifen umgewickrlt wurden, stand im Nn in Flammen. An der Unfallstelle ist eine gerichtliche Kommission eingetroffen. haben, als beschwerlich empfunden werden. Damit diese Kinder der Rot durch die Ferienverlängerung nicht leiden, ist es notwendig, daß sie all das haben, was sie in den Tagen mit regelmäßigem Schulunterricht erhalten. Deshalb ersuche ich, daß für sie in jederSchule eine ausgeheizte Räumlichkeit bereitgestellt wird, in welcher sie sich während der Zeit, in welcher in der elterlichen Wohnung nicht geheizt wird, aufhalten können und daß ihnen auch ein wenig warmes Effen— Milch, Suppe — wie an Unterrichtstagen verabreicht wird. Ich hoffe, daß dieser, mein Appell das wünschenswerte Echo in der Lehrerschaft und in der Öffentlichkeit haben und zur Entfaltung einer Hilfsaktion zugunsten notleidender Kinder beitragen wird. Masaryk-Gedenktafel in Budweis. Im Rathaus von Böhm.-Budweis wurde gestern eine Gedenktafel für den Präsidentey-Befreiec Dr. T. G. Masaryk feierlich enthüllt. In der Festrede würdigte der Obersektionsrat Dr. Rudolf Prochäzka die große Arbeit des Führers der nationalen Revolution und gedachte der Augenblicke vor 17 Jahren, als an dieser Stelle Präsident Masaryk das erste Mal nach seiner Rückkehr in das befreite Vaterland stand. Die Gedenktafel zeigt die Büste des Präsidenten Masaryk, umgaben von Legionärfiguren, und trägt die Aufschrift:„Der, Befreier der Nation Thomas Garrigue Masaryk wurde hier vom südböhmischen Volke nach seiner siegreichen Rückkehr iy die Heimat am 20. Dezember 1918 begeistert begrüßt." Die Tragödie der Kohlrnflaubrr. Die 61- jährige Barbara Pettikovä, die vorgestern auf die Dablitzer Schießstätte Kohlenabfälle sammeln gegangen und nicht wieder zurückgekehrt war, wurde gestern von der Polizei etwa einen Meter tief unter dem Boden verschüttet aufgefunden. An derselben Stelle war vor einem Monat ein Arbeiter, der ebenfalls dort Kohle hatte sammeln wollen, verunglückt. Die Leiche wurde ins Institut für gerichtliche Medizin gebracht. Millionen-Unterschlagung. Die beiden Hauptinhaber des'Dank- und Börsengeschäftes Dett- wyler u. Co. in Zürich, Vater und Sohn Dettwyler, sind verhaftet Wörden. Es wird gegen sie eine Strafuntersuchung durchgefiihrt werden wegen Unterschlagung, die eine Million Franken erreichen soll. Ein dreister Raubüverfall wurde Freitag in Paris auf die Kassierer einer Firma verübt, die im Auto die Löhnung für die Ange st e l l t e n der einzelnen Filialen des Geschäftes brachten. Aus einem Privatwagen sprangen fünf Verbrecher mit vorgehaltenen Revolvern auf ihre Opfer. Eine Kassiererin erhielt einen Schuß in den Mund. Dem Kassierer ei.t- riffen sie den Geldsack mit 10 0.0 00 Franken und schon waren sie in ihrem Wagen verschwunden. Bisher fehlt jede Spur. Lawinentod in der Schweiz. Durch eine bei Sisikon im Gebiet des Vierwaldstätter-Sees niedergehende Lawine wurden ein 65iähriger Mann und dessen 84jähriger Sohn verschüttet.Die Leiche des Vaters konnte geborgeck werden, der Sohn wird noch vermißt. Durch eine andere Lawine von dem gleichen Bergrücken wurden zwei Holzfäller schwer verletzt. Hungerstreik griechischer politischer Gefangener. Die aus politischen Gründen auf der Insel Am o r g o s in den Zyfladen internierten Personen sind in den Hungerstreik getreten. Die Gefangenen gaben der Regierung telegraphisch bekannt, daß sie den Hungerstreik solange fortsetzen werden, bis sie in Freiheit gesetzt werden. Oberhaus kein Gericht mehr. Der soeben mit der Freisprechung beendete Prozeß gegen den Lord De Clifford wegen fahrlässiger Tötung wird voraussichtlich die letzte Gerichtsverhandlung gewesen sein, die vor dem Oberhaus und mit all stinem mittelalterlichen Zeremoniell geführt worden ist. Die Regierung hat Auftrag zur Ausarbeitung eines Gesetzentwurfs erteilt, der dem Oberhaus die Gerichtsbarkeit entzieht. Die Lords selbst werden kaum dagegen sein. Die Prm.'sse vor dem Ob-rhaUs haben u. a. auch den Nachteil, daß niemand verpflichtet und bereit ist, die erheblichen Kosten zu tränen, was sonst bei mittellosen Angeklagten Sache derjenigen Grafschaft ist, in Marh Pickford WM Abgeordnete werden Mary Pickford, der berühmte amerikanische Star des stummen Films, will sich nun endgültig der Politik zuwenden und hat offiziell angekündigt, daß sie 1936 als Abgeordnete des Amerikanischen Kongresses kandidieren wird. der die betreffende Straftat verübt wurde. Lord De Clifford wird nächstens wegen seines wilden Autorasens vor dem Polizeigericht Old Bailey erscheinen wie irgendein anderer Nichtprivilegierter. 40 O B. 49 Jahre alt ist in London Mffter Cleland H o y gestorben. Er gehörte im Weltkrieg zum Stabe des britischen Marine-Nachrichtenoien» stes. Sein Arbeitszimmer war„40OB" bezc.ch- net und vor einigen Jahren hat Mr. Hoy in ervem Buch„40OB— Wie der Krieg gewonnen wurde" von seiner Arbeit berichtet. Er hatte die in Geheimschrift gehaltenen Agentenberichte zu dechiffrieren und weiterzuleiten. Durch seine Hand gingen auch die Meldungen der Bbhörstationen an der Küste, die deutsche Funksprüche auffingen. Diese waren natürlich auch chiffriert und es kostete stundenlange Arbeit, sie zu enträtseln. Man erfühl da viel Wichtiges. So wurde ein Funkspruch aufgefangen und enträtselt, worin der Staatssekretär dcS Auswärtigen Amtes Berlin, Zimmermann, dem Botschafter in Washington, Graf Beruft o r f f, die Absicht mitteilte, am 1. Feber 1917 mit dem unbeschränkten U-Boot-Krieg zu beginnen. DaS Abfangen jene- Funkspruchs hat die Entscheidung Washingtons uiid ihre spätere Folge, die Niederlage Deutschlands, vorbereitet. Entlang einer ausgeprägten Wärmrgrenze, welche warme Luft über dem äußersten Südwesten des Festlandes von kalten über einem großen Teil Europas lagernden Luftmaffen trennt, bewegen sich in den letzten Tagen Druckstörungen vom Ozean gegen Osten. Unter ihrem Einfluß hat die Witterung einen wechselnden Charakter angenommen. Heute fällt in unseren Gegenden vielfach Schnee, bei einer Temperatur um Null Grad Celsius; auf den Bergen herrscht andauernder Frost. Nunmehr nähert sich der ftanzösischen Küste eine neue Druckdepreffion, welche in Spanien von einer beträchtlichen Erwärmung begleitet wird; die Tem« peratur ist dort stellenweise bis auf plus 18 Grad gestiegen.— Wahrscheinliches Wetter von heute: Im Westen der Republik vorübergehende Abnahme der Niederschläge, strichweise auch verringerte Bewölkung, im allgemeinen etwas kühler.— In der Osthälfte des Staates meist umzogen, zeitweise Schneefall, Temperatur in den tieferen Lagen nahe Null. Im äußersten Osten nar nntlich nachts wär» mer. Vom RundfnnK Sie Am IeMe MltvMm bringt in dieser Woche: Sonntag, 22. Dezember, 14.30 bis 14-.15 Uhr: Das Wort Sozialismus ist hundert Jahre' alt(F. T e j e s s y-Aussig). Die M i t t w o ch-Sendung dieser Woche entfällt wegen dem Feiertag. Freitag, 27. Dezember, 18.35 bis 18.45 Uhr: Aktuelle zehn Minuten. Sonntag, 29. Dezember, 14.30 bis 14 45 Uhr: Ein schweres Jahr liegt hinter uns (Josef Hofbauer). Empfehlenswertes au» den Programmen: Sonntag: Prag, Sender L: 7.30: Konzert aus Karlsbad, 9: Erwägungen von Minister Ne Las, 9.15: Pra« ger Salonorchester, 11.20: Konzert klassischer Musik, 17.45: Schallplatten: Mozart, 17.50: Deutsch« Sendung: Spiel um die Welt, von Walter Seidl, 18.50: Deutsch« Rundfunkmeldungen, 21.10: Solistenkonzert, 22.25: Deutsche Presse, Sport, 22.35: Tanzmusik. Sender S: 14.80: Deutsche Sendung: Arbeiterfunk: Tejeffy-Aussig: Das Wort SozialiS» mus ist hundert Jahre alt, 14.45: DaS Schaffen der Meister Dvokak, Smetana und Suk.— Brünu 17.40: Weihnachtsabend-Romanze, 17.50: Deutsche Sendung: Unterhaltungskonzert.— Mährisch» Ostrau 19.10: Operette aus dem Atelier.— Preßburg 20.50: Slowakische Weihnachtslieder. Nr. 297 SamStag, 2t. Dezember 1938 Seite S „kinheitskront" in Rußland Neue Terrorwelle In Sowjet-Rußland (P. G.) Es konnte eine Zeitlang scheinen, als ob die Terrorwut der G. P. U. gegen die russischen Scgialisten sich etwas gelegt hätte. Wenigstens die Nachrichten, die aus Rußland kamen, ließen in manchen Fällen eine gewisse Milderung der„Urteile" feststellen, die gegen unsere Genossen für das schreckliche„Verbrechen" ausgesprochen wurden, nicht der gleichen Meinung zu sein, wie Stalin. Bor einigen Monaten ist jedoch wieder eine Wendung zum Schlechteren eingetreten. Hunderte von Sozialisten, die seit Jahren sich in Gefängnissen und Verbannungsorten befänden und schon aus diesem Grunde allein keine neuen Verbrechen begehen konnten, sind aus einem unbekannten Grunde in den verschiedensten Städten und Ortschaften der Sowjetunion verhaftet worden. Viele von ihnen sind nach Moskau gebracht worden. Was man von ihnen wollte und wozu dies alles geschah, ist bis heute unklar geblieben. Was jedoch sehr bald klar wurde, ist die Tatsache,, daß die Verhafteten neue Jnhaftie- rungs- bzw. Verbannungsurteile bekamen. Wobei viele Genossen, die in den letzten fünf bis sechs Jahren relativ milde Verbannungsurteile haften, nptt ins Gefängnis(Zuchthaus, Politisolator), ins Konzentrationslager oder in sehr weit entlegene Berbannungsorte wandern sollten. Eine große Zahl von Genossen setzte sich zur Wehr, wobei ihnen nur ein Kampfmittel zur Verfügung stand: der Hungerstreik! Und so begann eine wahre Epidemie von Hungerstreiks, die alles bisher Dagewesene in den Schatten stellte. Hungerstreiks von 20, 22, ja 27 und 30 Tagen waren keine Seltenheit. Einige von diesen Verzweiflungsakten endeten mit dem Tode der Hungernden. Die anderen haften insofern« Erfolg, als die Urteile eftvas gemildert wurden, wcbei in manchen Fällen die Behörden allerdings die Gefangenen einfach täuschten, indem sie die Zugeständnisse später zurücknahmen und so die Genossen zu neuen Hungerstreiks zwangen. Im Nachfolgenden seien einige typische Fälle angeführt: 1. Der Sozialrevoluftonär Nikolaj Muchin, der 9 Jahre lang in der Verbannung verbrachte, wurde im Frühjahr 1833 in Kazan verhaftet, wo-er seine dritte 3jährige Verbannung s- frist absolviert«, und bekam als viertes Urteil— Gefängnis. Daraufhin erklärte er den Hungerstreik und hungerte 20 Tage, bis ihm zugesagt wurde, daß"er statt der Gefängnisstrafe wieder Verbannung bekäme. Wer in wenigen Tagen erfuhr er, daß ihm als Berbannungsstätte die Polarstadt Obdorfl zugeteilt wurde(am Polarkreis, 1300 Km. von einer Eisenbahnstation entfernt). Er begann wieder zu hungern und wurde am 27. Tage in Tjumen in einem sehr schweren Zustande ins Krankenhaus gebracht. Dort starb er nach wenigen Tagen an Dysenterie. Er hinterließ eine Frcku und drei kleine Kinder. 2. Der Rechtssozialist B a b i n, der drei Jahre Solowetzki, Inseln und acht Jahre Verbannung hinter sich hatte, und dessen Frau, die bekannte Soziäl- demokraün Darja Zeitlin, vor kurzem in der Verbannung starb, wurde wieder verhaftet und sollte ins Konzentrationslager wandern. Nach 20tägigem Hungerstreik wurde er in Perm aus dem Etappengefängnis entlassen und darf nun in die Verbannung gehen. 3. DaS Mitglied des Sozialdemokratischen Jugendbunves Sammel mußte 22 Tage hungern, mn die Niederschlagung eines gegen ihn in seiner alten BerbannungSstadt«ingeleiteten vollkommen widersinnigen und grundlosen Verfahrens zu erwirken. Das Verfahren wurde eingestellt, aber das ersparte ihm nicht eine neue Verbannung I 4. Der Sozialdemokrat Iwan Rasch- k o w s k i, seit 12 Jahren in Verbannung und im Gefängnis(Solowetzli-Jnseln, Poliftsolator in Tscheljabinsi) bekam unlängst ein neues Urteil: Drei Jahre Konzentrationslager! 5. Sergei I«s ch o v, der Bruder des verstorbenen Führers der russischen Sozialdemokratie Julius M a r t o v, selbst ein alter Sozialdemokrat und verdienstvoller Arbeiterführer, seit 1923 fast ununterbrochen in Verbannung oder Gefängnis, wurde im Frühling dieses Jahres erneut in Kazan verhaftet und nach Moskau gebracht. Jeschov beantwortete seine diesmalige Verhaftung mit einem so- fcrtigen Hungerstreik. Rach 12 Tagen wurde er in die Verbannung nach Sibirien geschickt(in das Dors Kamen am Obflnß). Mit ihm zusammen wurde verhaftet- seine Frau, die Genossin Konkordia Zacharowa. Den europäischen Sozialisten sind diese beiden Namen aus dem Telegramm bekannt geworden, das di« genannten Genossen im Juli 1834 gus Kazan an die Redaktionen des»Popu« laire" und der„Humanitk" in Paris sandten. Dieses Telegramm war ein Bekenntnis zur EinheitS- ftont. Die Bethaftung und rückstchtslose Verfolgung der Verfasser dieses Telegramms soll, wie es scheint, ein Kommentar zur Einheitsfront in der Sowjetunion darstellen... 6 Andrej Kranichfeld, einer der Führer des Sozialdemokratischen Jugendbundes in Rußland, hat schon im Jahre 1921, d. h. im Alter von 19 Jahren, engere Bekanntschaft mft den Sowjetgefänz« Nissen machen müssen. Bon 1923 bis 1929 befand er sich ununterbrochen entweder im Gefängnis(To- bolsk, Solowetzky-Jnseln) oder in der Verbannung (in den Steppen von Turüul in Turkestan). 1929 bekam er«in milderes Urteil: Konfinierung in tzalatov. Während des Prozesses der Menschewiki (1931) wurde er wieder verhaftet und drei Jahre stmg in dem Zuchthaus von Suzdal gehalten. 1934 wird er nach Astrachan verbannt. Im Frühjahr 1933 kommt eine neue Verhaftung und Verbannung nach Sibirien(Narymer Gebiet) für weitere drei Jahre. 7. Fedor Tscherewanin, einer der hervorragendsten marxistischen Theoretiker vor der Revolution, Mitglied des Zentralkomitees der Sozialdemokratischen Partei, ein Mann von fast 70 Jahren, mußte noch im Jahre 1932, nach vielen Jahren Berbannung, drei Jahre Zuchthaus im Isolator von Werchne-Uralft durchmachen. Als vor wenigen Monaten seine Kerkerfrist ablief, wurde er in die Verbannung von Akmolinsk(Zentralasien) geschickt. In diesem kleinen Nest muß der alte Mann ohne Wohnung, ohne jegliche Geldmittel und Verdienstmöglichkeiten, ohne Freunde und Bekannte, sein Leben fristen. 8. I. R a m i s ch w i l i, der greise' Führer der georgischen Sozialdemokraten, der im Jahre 1905 Organisator der Roten Garde in Tiflis und dann einer der ersten sozialdemokraftschen Abgeordneten in der Duma war, bekam vor zwei Jahren, nachdem Skandinavische Einheit— Beitritt Finnlands Am Ende der vorigen Woche tagte in H e l« singfors die Jahreskonferenz der sozialdemokratischen Parteien Skandinaviens. Zum erstenmal nahm auch die Arbeiterpartei Norwegens teil, deren Gewerkschaften berefts am 1. Januar 1986 ihren Beitritt zum Internationalen Gewerkschaftsbuud vollziehen. Die Anwesenheit der drei Parteivorsitzenden und Staatsminister P. A. Hansson- Schweden, Ni e- gaardsvold- Norwegen und Stauning- Dänemark gab der Regierung Finnlands den Anlaß zu einer bedeutungsvollen außenpolitischen Kundgebung. Im finnischen Reichstag erklärte die Regierung deutlich, daß ihre Außenpolitik fortan skandinavisch orientiert und allein durch die Zugehörigkeit zum Völkerbund bestiimnt sein werde. Das ist ein merkbares Abrücken von jener Randstaatenpolitik, die jahrelang durch die Furcht vor russischen Wiedergewinnungsabsichten bestimmt war und die in neuerer Zeit von Polen wieder antisowjetisch aufzuziehen versuchte. Alle Parteien des Reichstages sftmmten dieser Neuorientierung zu, die Lappo-Fascisten allerdings nur mit Vorbehalt. Am vergangenen Samstag sprachen die drei sozialdemokraftschen Staatsmänner und ihr finnischer Kollege im Rundfunk für die Zusammenarbeit ihrer Länder. Das Hauptorgan der dänischen Sozialdemokratie begrüßt diese Wendung der Außenpolitik Finnlands als Beginn der Rückkehr dieses nordischen Landes in die flandinavische Gemeinschaft, der es jahrhundertelang durch die zaristische Herrschaft entrissen war. Die Aröeiterkonferenz von Helsingfors war eine Kundgebung der Stärke der drei sozialistischen Nordstaaten und ihres einheitlichen Willens zum Kampf für Demokratie und Sozialismus gegen die Einschleppung nazistischer und fascisti- scher Verseuchung. DaS neue Jcchr bringt Wahlen in allen skandinavischen Ländern. Der große Wahlsieg unserer dänischen Genossen am 82. Oktober wird dabei anfeuernd wirken. In Däne- niark selbst folgt dann die halbe Erneuerung des LandSthing, jener Kammer, die heute noch eine antisozialistische Mehrheit hat. Verlanget überall Volkszünder er fast zehn Jahre in der sibirischen Berbannung verbracht hafte» endlich die Erlaubnis, in seine heimatlichen Berge zurückzukehren. In einem Dorf in der Nähe von Tiflis wohnte er bei feinem Bruder. Jetzt kommt die Nachricht, daß der alle Mann (Ramischynli ist 73 Jahre alt) wieder in die Berbannung verschickt wurde. * Wir haben nur einige besonders krasse Fälle der bolschewistischen Rachcjusftz angeführt. Wer cs sind viele Hunderte von bekannten Sozialisten, schon gar nicht zu reden von Oppositionskommu- nisten, Trotzkisten und so weiter, die noch in den allerletzten-Monaten und Wochen neuen Verfolgungen ausgesetzt wurden. Die„mildeste" Form ist dabei die Verlängerung der Verbannungsfrist nm weitere drei Jahre unter Verschlechterung der Verbannungsverhältnisse. So ist es z. B. dem bekannten jüdisch-bundistischen Arbeiter Joseph C h a i k i n, dem Gewerkschaftsführer Boris- s e n k o, dem seinerzeit berühmten sozialdemokratischen Mark Li b e r, dem Sozialdemokraten Georg Kutschin, dem Sozialrevolutionär U t h o f und vielen anderen Sozialisten ergangen, die alle ohne Ausnahme mehrere Jahre Kerker und Berbannung in den Jahren 1923 bis 1933 hinter sich haben. Das ist keine„Verteidigung der Revolution", sondern eine kalt berechnete Ausrottung von Andersdenkenden. Volkswirtschaft und Sozialpolitik Zuckerdividenden AuS der Zuckerindustrie liegen jetzt die ersten Geschäftsabschlüsse über das Zuckerjahr 1934/35 vor. Sie weisen durchgehend eine Erhöhung des Rohgewinnes aus. Nach teilweise stark.gesteigerten Abschreibungen wird die gleiche Dividende oder auch eine etwas erhöhte zur Ausschüttung gebracht. Bei der Zuckerfabrik , SchoellerLCo. ist der Rohgewinn von 10.1 Millionen Kronen auf 12.6 Millionen Kronen gestiegen. Die Abschreibungen sind um 1.8 Millionen. Kronen höher als im Vorjahre. Für die Dividende, die wie im Vorjahre auf 7.5 Prozent festgesetzt worden ist, sind 4.05 Millionen Kronen erforderlich. Außerdem werden 240.512 Kronen als Tantieme ausgezahlt. Die Chrotyner Zuckerfabrik A.-G. hat ebenfalls ihren Reingewinn erhöht. Die Dividende beträgt pro Akfte 48 Kronen gegen 40 Kronen im Vorjahre. Im ganzen werden 432.000 Kronen gegen 360.000 Kronen im vorigen Jahre an die Aktionäre verteiü. Die Tanftemen betragen 51.000 Kronen. Die Böhmische Zuckerindu- strie-Gesellschaft konnte bei gesteigerter Produktion auch ihren Bruttogewinn erhöhen. Nach reichlichen Abschreibungen wird ein Reingewinn von 3.6 Miflionen Kronen auSge- wiesen, der sich durch den Vortrag auf rund 10 Millionen Kronen erhöht. Davon werden 8.1 Millionen Kronen in Form einer siebenprozentigen Dividende zur Auszahlung gebracht und 514.000 Krotten, das sind 77.000 Kronen mehr als im Vorjahre, als Tantiemen an den Auf- sichtSrat verschenkt. Diese ersten Geschäftsberichte lassen darauf schließen, daß trotz des fortdauernden Rückgangs des Zuckerkonsums 1934/35 für die Zuckerindustrie ein sehr einträgliches Jahr gewesen ist. Kleine Wirtschaftsnachrichten Das gesamtstaatliche Zementkartell ist aus die Dauer von zehn Jahren nunmehr zustande gekommen. Mit den noch vorhandenen zwei Außenseitern Pragozement und Tlumocov, aus die etwa sechs Prozent des Wsatzes entfallen, hofft das Kartell in Kürze eins Einigung zu erzielen. Aussiger Chemikonzern unter«euer Leitung. In der letzten Berwaltungsraftitzung des Aussiger Chemikonzerns wurde an Stelle des zurückgetretenen Generaldirektors Dr. Mayer der bisherige Stellvertreter Dozent Dr. Basch zum Generaldirektor bestellt. Der Bericht über die Geschäftslage konstatiert eine leichte Besserung im Absatz, insbesondere in Teerfarben. A«S dem Ertrag des TabakmonopolS wurden vom Jänner bis Oktober 1935 973 Millionen Kronen an die Staatskasse abgeführt. Das sind 133 Millionen Kronen oder rund 12 Prozent weniger als im Vorjahre. In der Haidaer Glasindustrie kann seit einiger Zeit eine leichte Besserung der Beschäftigung festgestellt werden. Die Zahl der Arbeitslosen, die 1933 in Haida 1428 Personen betrug, ist gegenwärftg bis auf 940 zurückgegangen. Die Verlängerung der Dauer des Schraubenkartells um ein Lahr ist vom Verband der Schraubenfabrikanten beschlossen worden. Die Verhandlungen über einen fünffährigen Kartellvertrag laufen weiter. Die Salzgewinnung in der Tschechoflowakel wird im kommenden Jahre nach den neuesten Berechnungen auf über 16 Millionen Toimen gebracht weichen können. Dies« Menge reicht auS, um die Bevölkerung und die Industrie in der Tschechoslowakei mit Salz zu versorgen. Die Steuereinnahmen find in den ersten zehn Monaten 1935 in der Tschechoflowakei um 1118 Millionen Kronen oder 21 Prozent hinter dem Budgetanschlag zurückgeblieben. Acht Milliane« Schilling Reubelastung für die Mieter Wiens. Den Mietern von Wien wird ab 1. Jänner 1936 eine- neue Last aufgehalst j Wie zur Zett der Borvater fertigen in manchen Landschaften Schwedens die Bäuerinnen die Lichter für das Weihnachtsfest noch selbst an. werden. Durch eine Erhöhung der Mietpreise müssen sie insgesamt acht Millionen Schilling aufbringen, die die Gemeinde zu den Ausgaben für die Bundespolizei beitragen muß. Die Teuerung unter der Hitlerregierung wird deutlich durch die Entwicklung der Viehpreise illustriert. Sie lagen im Oktober 1935 um 42 Prozent höher als drei Jahre vorher. Die Wurstpreise sind in der gleichen Zeit um durchschnittlich 25 Prozent gestiegen. Die russische Industrieproduktion erreicht nach den offiziellen Angaben in den ersten elf Monaten 1935 einen Wert von 35.9 Milliarden Rubel. Sie liegt damit um 23 Prozent hoher als in der gleichen Zeitspanne des Vorjahres. Hencßtssaat Der verheiratete Bräutigam Ein zynischer Hochstapler Prag. Wenzel Hajner ist erst 26 Jahre all und war seinerzeit, ehe er auf die schiefe Ebene geriet, Expedient bei einer hiesigen Großfirma. Nach seinem ersten Fehltritt ging eS mit ihm rapid bergab und Freitag stand er bereits zum zehntenmal vor Gericht. Diesmal. lautete die vor dem Senat S 6 k o r a verhandelte Anklage- auf das Verbrechen des Betruges, der gefährlichen Drohung und -der Verführung unter Zusage der Ehe. DaS Opfer deS Angeklagten war«in hübsches,.junges,, sehr unerfahrenes und sehr leichtgläubiges'Mädchen ans sehr anständiger und nicht eben, mit Glücksgütern gesegneter Familie. . Im Juli d. I. machte Hajner die Bekanntschaft der 20jährigen. M i l ä d a, der er sich als D o k t o r der Medizin vorstellte und gleichzeitig'bemerkte, er habe eS nicht notwendig, eine ärztliche Praxis zu betreiben, denn er fei der Sohn eines reichen Koh- lengrohbändlerS und habe Geld in Hülle und Fülle. Ein solcher Freier ist nicht zu verachten und Milada, der er die Ehe versprach, wurde nicht nur seine Geliebte, sondern borgte aus dem kleinen Kapital, das ihre Eltern für sie zusanunengespart hatten, dem „Bräutigam" etliche tausend Kronen. Sonderbarerweise fiel dem betörten Mädel nicht auf, daß!er angebliche Sohn eines reichen Großhändlers bei ihr Anleihen machen mußte. Natürlich bekam sie von diesen Darlehen nicht eine. Krone zurück. Wie zynisch der Angeklagte zu Werk ging, geht daraus hervor, daß er sich von seiner Braut 2000 Xi als Beftrag zur Wohnungseinrichtung geben ließ, diese Einrichtung tatsächlich auf Abzahlung erstand, sie aber sofort verschleuderte und das Geld verlumpte. Es dauerte immerhin ein Vierteljahr, ehe die betrogene„Braut" Verdacht schöpfte und' en „Bräutigam" beobachten ließ. Run stellte sich freilich heraus, daß Hajner weder Doktor noch ein reicher Erbe, sondern ein neunmal vorbestrafter Hochstapler und zu allem andern noch— bere> ts verheiratet wär. MS er merkte, daß Milada Verdacht geschöpft hatte, versuchte er, sie durch allerlei gefährlich; Drohungen einzuschüchtern, was'hm zum Teil auch gelang. Wie Milada vor Gerichr bekundete, hat er. ihr und ihren Eltern mit allerlei Gewalttätigkeiten gedroht, vor denen sie um so begründetere Furcht empfand, als sie der feine Bräutigam mehrmals braun und blau geschlagen hatte. Hajner war im ganzen geständig, stellte aber die Bedrohungen in Abrede. Unter den einvernommenen Zeugen war auch die Frau deS Ange- klägten, eine respektabel aussehende Dame, die bedeutend älter ist als der 26jährige Hajner und l aS vierzigste Lebensjahr berefts beträchtlich überschritten hat. Die Gattin Hajners entschlug sich der Aussage nicht und erklärte, sie hab« sich, als sie von d^r Pekanntschas' ihres Gatten mit Milada erführ. diese aufgesucht und«warnt. Es stellte sich freilich oer- aus, daß diese Warnung zu spät kam, denn sie u» folgte eben an dem Tage, an welchem Hajner verhaftet wurde. Der Angellagte wurde zu acht Monaren schwerem Kerker verurteilt. Die afe nahm er resigniert hin und trat sie sogleich an. Beim Verlassen des GerichtssaaleS küßte er seiber Gattin die Hand.:b. Seite 6 »Sozialdemokrat" VamUag, A. Dezember 1938. Nr. 297 §MerMtmrg 24V Schock Sier-erschlage«... Vorgestern abends nach 8 Uhr fuhr ein Motorwagen der Dreie'-Linie die Bölehradskä in Prag XII hinab, wobei er mit dem rückwärtigen Teil des vom Chauffeur Franz Simek in Prag das zwischen den Motorwagen und einen Laternenpfahl"eingeklemmt wurde. Das Auto-hatte 240 Schock Eier geladen, die.beim Zusammenstoß, zum größten. Teil zertrümmert wurden. Von den an der Karambolage beteiligten Gegenständen wurde die Elektrische leicht," das Auto, dessen Karosserie zertrümmert, wurde und der Laternenpfahl schwer beschädigt;/' es dauerte eine halbe Stunde, bis die Feuerwehr das eingeklemmte Fahrzeug befreien! konnte..' Der Schaden, der ziemlich bedeutend ist, steht noch nicht, fest; der Chauffeur, der am Zusammenstoß schuld ist, wurde der Führerschein entzogen und das Strafverfahren gegen ihn eingeleitet, und 220 Liter Milch verschüttet Gestern morgens fuhr der Chauffeur der Sesta- jowiher Milchhandlung, der 80jährige Josef Koläk aus Sestajowitz, im Lieferauw Milch nach Bubentsch, als in der Dr.-Albin-Bräf-Straße das Auto auf dem gefrorenen Pflaster ins Rutschen kam und sich überschlug. Hiebei öffnete sich die Karosserie und acht blecherne Milchkannen fielen aufs Pflaster; ihr Inhalt, ebenso wie der einer Anzahl Milchflaschen wurde verschüttet. Hiebei flössen etwa 220 Liter Milch aufs Pflaster. Das Auto wurde beschädigt. Verwundet würde niemand. „Lebt alle wohl!" In der Nacht auf gestern, nach II Uhr, gab ein Passant auf der Smichover Polizeiwachstube einen Damenmantel, ein Täschchen und eine Aktentasche ab, die er kurz vorher auf dem Geländer der Palackhbrücke gefunden hatte. Die Aktentasche enthielt einen Trau-,'Tauf- und Heimatschein auf den Namen der 59jährigen Privatlehrerin Miloslava BudiLek, geb. Zijka. Im Tstfchchen befand sich neben verschiedenen Kleinigkeiten ein Zettel, mit den Worten:„Lebt alle wohl! Mein Lehen endet hier!"— Die Leiche der Frau Budskek wurde denn auch gestern vormittags vom Flößer Ä. Prochäzka aus Podol unterhalb der Palackhbrücke aus dem Wasser gezogen. Das Motiv der Tat ist unbekannt, dürfte aber, da sich eine ärztliche Empfehlung an eine Nervenheilanstalt- im Täschchen fand, wohl ein Nervenleiden sein. Ulelhnachfsbücherj i»! W HAVIR8KA3 Auf dem Betschemel gestorben. Gestern nachmittags meldete die Hausmeisterin des Hauses Nr. 289, auf der Kleinseite, daß die 72jährige ehemalige Kammerzofe Barbara Semin, bei der sie aufräume, bereits einen Tag lgng die Wohnung nicht verlassest /habe und auf Klopfen nicht' öffne. Die Polizei ließ die Wohnung öffnen und fand die alte Frau tot.auf dem Betschemel knien. Da es sich um einen plötzlichen Todesfall handelt, wurde die Leiche ins Institut für'gerichtliche Medizin gebracht. Tod auf der Straße., Gestern vormittags wurde der 58jährige Pensionist Franz HlaS, aus Prag VIll.im Kaufhaus„Oepa" am PoriL von einem plötzlichen Unwohlsein befallen und starb auf dem Wege ins Krankenhaus;— Das gleiche Schicksal widerfuhr^dem 46jährigen Beamten, Karl Valenta in der Dejwitzer-Straße in Dejwitz. SdP-Emigranten: Weihnachtsfeier am Sonntag, dem 22. Dezember, um 4 Uhr nachmittag im Gec-Haus, Fügnerplatz 4. Die Ausflugszüge. Die Staatsbahndirektion in Prag fertigt zum Preise von 75 Kö in den Tagen vom 21. bis 22. Dezember einen Motorzug mir-Borpflegung ins Riesengebirge ab. Anmeldungen mit einer Angabe nimmt das Ausflugs- zusreferat' im Basar neben dem Wilsonbahnhof, Telephon Rr. 883.35 entgegen. Der Sonderzug in die Hohe Tatra fährt Samstag, den 21. Dezember, von Prag-Wilsonbahnhof um 21.04 Uhr ab. Fahrkartenausgabe Freitag nachmittags oder Samstag vormittags bis 12 Uhr im Ausflugszug- referat im Basar neben dem Wilson-Bahnhof. Telephon 88835. Einschränkung des Autobusverkebres am 24. Dezember. Die Staatsbahndirektion Prag gibt bekannt, daß am 24. Dezember der Verkehr auf den Autobuslinien eingeschränkt werden wird. Näheres in den Kundmachungen in den Aütobuffen. Verschieben Sie nicht den- Einkauf von Geschenken! Besuchen Sie uns heute noch.. Die gekauften Geschenke b.toahren wir auf. Angenehmere Feierwge durch. unseren guten Dienst! Besuchen Sie unsere „Fußpflegeabteilung". Bata. 217 Ein Rossendes cLw iidäMU&ike. •ZüWl! Kunst und Wssen Spielplanänderung. Am Sonntag nachmittag halb 3 Uhr geht infolge Erkrankungen nicht„Der Feldherrnhügel". sondern das Schauspiel„Kind i m K a m p f" in Szene. Es ist dies auf längere Zeit hinaus die letzte Aufführung dieses Stückes. Ganz kleine Preise: Kd 1.50 bis 16.—-. Wochenfpielplan des Neuen Deutschen Theaters. Samsrag: S e r d u s S e r v u s! Sonntag halb 8: Kind im K a m p,f. 8: DieF l e d